<h4><b><font color=#0000FF>Text: Johannes 3,1-21</font></b></h4> 
 
 
<p><b>Nicodemus macht durch einen bei dem HErrn JEsu abgelegten n&auml;chtlichen 
Besuch Gelegenheit, da&szlig; ihn der HErr JEsu von dem anf&auml;nglichen Glauben, 
darin er Ihn f&uuml;r einen von GOtt gekommenen Lehrer erkannte, zu viel 
weiterem aufforderte, und ihm einen solchen Samen zu ganzen Erkenntnis 
des Heils in's Herz legte, der in Nicodemus fortwirkte, und noch bei der 
Begr&auml;bnis Christi zu seiner sch&ouml;nsten Frucht kam.</b></p> 
 
<p>In diesem ganzen Vortrage 
und Unterrichte legte der HErr JEsus viele Proben an, da&szlig; Er wisse, 
was in dem Menschen ist, und wie man ihm an das Herz reden m&uuml;sse. 
Er erkennt an Nicodemo den Zug seines himmlischen Vaters, die Liebe zu 
dem Lichte, die Lust zu der Wahrheit, rechnet ihm seinen Gang, als in GOtt 
getan, an; und f&uuml;hrt ihn immittelst doch immer auf tiefere Erkenntnis 
und Empfindung seines nat&uuml;rlichen Unverm&ouml;gens und seiner Unt&uuml;chtigkeit 
zum Reiche GOttes. Er veranla&szlig;te ihn, seine Fragen, Zweifel und Anst&auml;nde 
herauszulassen, und beantwortete ihm dieselben doch nicht so geradehin, 
da&szlig; er es schnell in das Wissen h&auml;tte f&uuml;hren, und sich 
dessen r&uuml;hmen k&ouml;nnen, sondern h&auml;lt ihn zum Gehorsam an unter 
die von GOtt gemachte Anstalt und zeigt ihm, da&szlig; Glauben nicht so 
in des Menschen Willk&uuml;r gestellt sein k&ouml;nne, sondern da&szlig; 
es dabei sich verhalte, wie bei einem von den feurigen Schlangen gebissenen 
Israeliten, den die Todesgefahr und der Schmerz trieb, das von GOtt zu 
seiner Rettung angewiesene Mittel sich zu Nutz zu machen, ohne &uuml;ber 
die Art: wie mag solches zugehen? viel zu vern&uuml;nfteln. Mit der Notwendigkeit 
mu&szlig; man dem Menschen zusetzen, und ihm das Evangelium als eine k&ouml;stliche 
Arznei, aber unter der Bezeugung seiner &auml;u&szlig;ersten Todesgefahr, 
beibringen. O da&szlig; das Wort Christi noch an jedem Leser und H&ouml;rer 
desselben dahin gesegnet w&uuml;rde, da&szlig; er den Glauben nicht zu 
leicht nehme, sondern als eine Geburt von Oben ansehen und erfahren lerne; 
aber auch diese Wiedergeburt nicht zu schwer nehme, sondern merke, wie 
sie durch Geist, Wort, Wasser, Blut gewirket und unterhalten wird. Es ist 
eine Ver&auml;nderung, bei welcher mehr die Kraft GOttes in dem Menschen 
wirkt, als der Mensch selbst; wie das besonders an Kindern zu sehen ist. 
Bei Erwachsenen kostet das die meiste &Uuml;bung, bis man in die gr&uuml;ndliche 
Stille ohne Tr&auml;gheit, und zu dem Gebrauche der Mittel ohne unn&uuml;tze 
Gesch&auml;ftigkeit und Verhinderung der g&ouml;ttlichen Wirkungen kommt. 
Aber es h&auml;ngt gro&szlig;e Seligkeit daran, an das Licht kommen, die 
Wahrheit und ihre freimachende Kraft erkennen und erfahren, rechtm&auml;&szlig;ig 
dem Gerichte entnommen, und in das Reich der Liebe versetzt werden, in 
dem selben Gemeinschaft mit dem Vater und dem eingebornen Sohne bekommen, 
und so der Herrlichkeit entgegengef&uuml;hrt werden. Auf schnellen Beifall 
hat der HErr JEsus nicht gedrungen, sondern Nicodemi Stille, und die sanftm&uuml;thige 
Aufnahme eines solchen Samens war ihm genug. Zum Untersichwurzeln und Uebersichfruchtbringen 
lie&szlig; Er ihm Zeit. 
 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 1,1-3</font></b></h4> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Apostel Geschichten Einleitung</font></b></h4> 
 
<p>Die Evangelische Geschichte hat den Lauf des lieben Sohnes 
GOttes vom Vater durch die Welt wieder zum Vater beschrieben, und mit der 
Himmelfahrt beschlossen. Da f&auml;ngt nun dies Buch der Apostel Geschichten 
an, als worin beschrieben werden soll, was der zur Rechten des Vaters erh&ouml;hte 
Heiland durch seine auf Erden zur&uuml;ckgelassenen Apostel weiter ausgerichtet 
habe. 
 
<p>Die Geschichte von Christo und seinem Reich wird also 
hierin fortgesetzt, die Wahrheit seiner in den Evangelisten oft gef&uuml;hrten 
Worte und Verhei&szlig;ungen best&auml;tigt, Manches, womit Er der J&uuml;nger 
Schwachheit verschont, sie aber auf den Tr&ouml;ster verwiesen hat, nun 
aus dessen Lehre und Erleuchtung nachgeholt. Von dieser Seite her schlie&szlig;en 
sich der Apostel Geschichten an den vorderen Teil der Schriften Neuen Testaments, 
n&auml;mlich an die Evangelisten schicklich an; von der anderen Seite aber 
stehen sie auch in vielem Bezug auf den folgenden Teil, n&auml;mlich auf 
die Briefe der Apostel und das Buch der Offenbarung JEsu Christi durch 
Johannis Dienst. Denn wenn wir in den Geschichten der Apostel den Sieg 
des g&ouml;ttlichen Worts, den Eingang der Apostel bei Juden und Heiden, 
den dabei aufgerichteten Glaubensgehorsam lesen; so ist das ja der wohlgelegte 
Grund, auf welchen die Apostel nachmals in ihren Briefen bauen. Eben damit 
sieht man aber auch den sch&ouml;nen Anfang von einem Werk GOttes, das 
nach der wichtigen Anzeige in der Offenbarung Johannis durch des Teufels 
List und Macht so lange aufgehalten worden ist, das aber GOtt doch noch 
herrlich hinausf&uuml;hren wird. 
<p>Aus dieser Verbindung, in welcher das Buch mit dem ganzen 
Neuen Testament steht, ist auch der Nutzen und Gebrauch desselben abzunehmen. 
Man findet n&auml;mlich hier das Christentum in seiner Lauterkeit nicht 
nur der Lehre, sondern auch dem Leben nach; wie es dabei auf Bu&szlig;e 
zu GOtt, Glauben an den HErrn JEsum, t&auml;tige Liebe, unabl&auml;ssiges 
Gebet, gr&uuml;ndliche Verleugnung der Welt und seiner selbst, willige 
&Uuml;bernahme des Kreuzes, und lebendige Hoffnung der Herrlichkeit ankomme. 
<p>Man sieht aber auch die neben allen herrlichen Erweisungen 
der Gnade nicht ausgebliebene Not der Kirche, da es nicht nur Feinde und 
Verfolger, sondern auch falsche Br&uuml;der, Heuchler, verkehrte Nach&auml;ffer 
bei Zeiten gegeben hat; und auch die Einigkeit der Rechtschaffenen nicht 
anders als aus mancherlei Versuchung und Kampf herausgewachsen ist. Mithin 
wird man durch best&auml;ndige Exempel von der vielfachen Kraft der Wahrheit 
an der Menschen Herzen, von den unterschiedlichen Gedanken, die dabei offenbar 
werden, von dem Ernst und der G&uuml;te GOttes an Gl&auml;ubigen und Ungl&auml;ubigen, 
so unterwiesen, da&szlig; es einem zur Erbauung auf seinen allerheiligsten 
Glauben, und zur Verwahrung auch gegen die neuesten &Auml;rgernisse der 
letzten Zeit gesegnet sein kann, wenn man in diesem Spiegel das Bild der 
christlichen Kirche in ihrer jugendlichen Bl&uuml;te, Sch&ouml;nheit und 
Kraft sieht. Wer vorl&auml;ufig etwas zur Einteilung des Buches merken 
m&ouml;chte, kann es entweder in zwei Hauptteile: 
 
<ol TYPE="I"> 
 
<li> 
<b>Geschichten Petri Kap. 1-12</b></li> 
 
<li> 
<b>Geschichten Pauli Kap. 13-28</b></li> 
 
</ol> 
 
oder etwas genauer so einteilen: 
 
<ol> 
 
<li> 
Gr&uuml;ndung der christlichen Kirche zu Jerusalem, Jud&auml;a 
und Samaria, meist unter der Beschneidung (den Juden) Kap. 1-9.</li> 
 
<li> 
Erste Aufnahme der Heiden, bei dem wichtigen Vorgang zu C&auml;sarea 
Kap. 10-11.</li> 
 
<li> 
Pauli drei wichtige Reisen im Dienst des Evangeliums Kap. 
13-15 Kap. 16-19 Kap. 19-28.</li> 
 
</ol> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 1,1-3</font></b></h4> 
 
<p><b>Eingang des Buchs, womit Lukas diese Apostel = Geschichten 
an die vorhergehende evangelische Geschichte ankn&uuml;pft.</b> 
 
<p>Wir Menschen brechen in geistlichen Dingen oft gar zu 
bald ab, gewinnen also nur Fetzen von der Wahrheit, und ergreifen nicht 
das Ganze. Wenn man die <i>erste Rede</i> 
von dem wackeren <i>Lauf Christi</i> 
vernommen hat, so ist es n&ouml;tig, auch in die <i>Geschichte 
des Geistes Christi</i>, und was dieser den Aposteln auszusprechen verliehen 
hat, fortzuschreiten. Unter der Ansprache: <i>lieber 
Theophile</i>, liegt ein Drang der Liebe Christi, wie wenn Paulus zuweilen 
seinen rechtschaffenen Sohn so anspricht: O Timotheus! O du GOttes = Mensch! 
Und so darf Jeder von uns auch achten, da&szlig; ihm die Wahrheit dieses 
Buchs auf sein Herz getrieben wurde, wie wenn sein Name davor st&uuml;nde. 
- <i>Werke</i> und<i> 
Worte</i>, <i>Tun</i> und <i>Lehren</i> 
helfen einander in den Wegen GOttes, und bei aller Arbeit GOttes an uns, 
sehr auf. Eins gibt viel Licht ins Andere. Es ist deswegen auch sehr nach 
der Bed&uuml;rfnis und Fassungskraft unseres menschlichen Herzens eingerichtet, 
da&szlig; so Vieles von der Schrift Alten und Neuen Testaments in <i>Geschichten</i> 
verfa&szlig;t ist. Diese dienen zur Beglaubigung der Lehren. Wir w&uuml;rden 
uns weniger durch Lehren weisen lassen, wenn wir nicht durch Tatsachen 
zur &Uuml;berzeugung geneigt w&uuml;rden. In die Erz&auml;hlung ist immer 
auch der Kern der Lehre hineingelegt. - Von der Himmelfahrt an behielt 
der Name: Apostel, die Oberhand vor dem vormaligen Namen: J&uuml;nger. 
Da schlo&szlig; es sich merklich auf, was die Zeit ihrer Schuljahre &uuml;ber, 
seit ihrer Erw&auml;hlung, unter JEsu gesegneten H&auml;nden aus ihnen 
geworden war. O Mensch zu was w&auml;chsest du unter JEsu Hand heran? Von 
der Auferstehung Christi an regte sich in ihnen die Arbeit des Heiligen 
Geistes merklich, daher es auch hei&szlig;t: <i>Er 
habe ihnen Befehl getan durch den Heiligen Geist</i>, weil sie in dessen 
Licht und unter dessen Lehre die jetzigen Befehle und Einrichtungen besser 
fa&szlig;ten als zuvor; wie denn auch dasjenige, wozu ihnen Befehl gegeben 
ward, durch den Heiligen Geist k&uuml;nftig ausgef&uuml;hrt werdenw&uuml;rde. 
Unter diesem Befehl = tun erf&uuml;llte der Heiland recht eigentlich das 
Bild des Edlen, der &uuml;ber Land zog, ein Reich einzunehmen und der seinen 
Knechten den Auftrag hinterlie&szlig;: Handelt, bis da&szlig; ich wiederkomme. 
Stelle sich jedes Herz auf die in diesen Worten uns angewiesene H&ouml;he, 
und &uuml;bersehe auf Einmal die im Lauf Christi vorkommenden merkw&uuml;rdigen 
<i>Tage 
und Schritte</i>: Tun und Lehren, Leiden und Sterben, neues Leben und 
dessen Erweis die vierzig Tage &uuml;ber, Auffahrt und Aufnahme in die 
Herrlichkeit. Alle Lust unseres Herzens sei an seinem Wort und Geist, Leiden 
und Herrlichkeit. Das Reich GOttes ist herbeigekommen, war die Summa der 
Predigten JEsu in der Welt. <i>Vom Reich 
GOttes</i> redete Er die vierzig Tage zwischen Ostern und Himmelfahrt. 
Mit dem Siegeswort: Paulus predigte zu Rom das Reich GOttes, und lehrte 
von dem HErrn JEsu, mit aller Freudigkeit, unverboten, schlie&szlig;t sich 
Kap. 28, 31 dies Buch. Hallelujah, der allm&auml;chtige GOtt hat das Feld 
eingenommen, ist endlich das, was auf dem langwierigen Kampfplatz der S&uuml;nde 
und der Gnade das Feld beh&auml;lt. 
 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 1,4-14</font></b></h4> 
 
<p><b>Geschichte der Himmelfahrt JEsu, samt der J&uuml;nger 
tapferem Wohlverhalten dabei.</b> 
 
<p>Die Geschichte der Himmelfahrt geh&ouml;rt zwar eigentlich 
noch zur Evangelischen Geschichte vom Lauf Christi, ist auch wirklich daselbst 
angef&uuml;hrt, wird aber hier bei der Geschichte seines Reichs auf Erden 
auch wieder vorangesetzt, damit man immer eine Erinnerung habe, wie Alles, 
was im Sichtbaren vorgegangen, und in diesem Buch beschrieben ist, seinen 
Ursprung aus dem Unsichtbaren habe, dahin der HErr JEsus f&uuml;r uns eingegangen 
ist; aber auch da&szlig; Alles wieder hervorkommen, und in seinem rechten 
Wert erkannt, und mit seinem geh&ouml;rigen Lohn belegt werden w&uuml;rde 
an dem bei der Himmelfahrt gleich auch gepredigten Tage seiner Zukunft. 
Wer sich in die Gestalt der Kirche Christi auf Erden geh&ouml;rig finden 
will, der mu&szlig; immer JEsu Himmelfahrt und die im Unsichtbaren angegangene 
Einnahme seines Reichs, aber auch die k&uuml;nftige Offenbarung desselben 
vor dem Gesicht haben. Der Gang, wie wir in die Reichs = Sache JEsu auf 
Erden, in die Angelegenheiten seiner Kirche eingeleitet werden m&uuml;ssen, 
ist noch immer der n&auml;mliche, welchen wir hier an den J&uuml;ngern 
sehen, die JEsu Himmelfahrt angesehen haben, und von seinem bevorstehenden 
Kommen berichtet worden sind; auf beides hin aber getrost ihre Hand an 
das Werk gelegt haben, wozu sie berufen wurden. Ebenso, wie die vom &Ouml;lberg 
umwendenden Apostel die Ausgie&szlig;ung des Heiligen Geistes zu Jerusalem 
abzuwarten, und sodann den Anfang der Christlichen Kirche mit Freuden zu 
sehen hatten, f&uuml;hrt uns von Jugend auf unser christliches Glaubensbekenntnis 
durch die Artikel: Aufgefahren gen Himmel, da sitzt Er zur rechten Hand 
GOttes, von dannen Er kommen wird, zu richten die Lebendigen und Toten, 
auf das: ich glaube auch an den Heiligen Geist, und sehe dessen Werk: die 
heilige christliche Kirche und Gemeinschaft der Heiligen mit ehrerbietigem 
Glauben und Bewundern an. Aber welch <i>Versammeln</i> 
unserer Herzen und Sinne bedarf es immerdar, ja welche <i>Zucht</i> 
hat auch unser treuer Heiland immer noch an uns zu &uuml;ben, damit wir 
hierin in den Schranken bleiben, und des HErrn Rat und Werk geh&ouml;rig 
auswarten. <i>Jerusalem</i>, der gro&szlig;e, 
von Alters her schon zu herrlichen Taten GOttes ausgesuchte Schauplatz, 
ward auch zu der Apostel Zeiten noch zu Manchem aufbehalten, und wird es 
in den letzten Zeiten bleiben. Was uns in GOttes Verhei&szlig;ungswort 
deshalb vorgehalten ist, sollen wir nicht vers&auml;umen, weil es doch 
dem Glauben aufhilft, wenn man die Werke GOttes auch so nach dem Ort auszeichnen 
kann, wo sie geschehen, oder von wannen sie ausgehen. Aber unsere Schwachheit, 
nach welcher wir die ganze Weite und die himmlische Art des Reichs GOttes 
nie genugsam erreichen, m&uuml;ssen wir nie vergessen, damit wir uns nicht 
zuviel an Zeit und Ort h&auml;ngen. Das N&auml;chste war die Ausgie&szlig;ung 
des Heiligen Geistes, und ihre dadurch erlangte T&uuml;chtigkeit zum Zeugen 
= Amt; darum wird ihnen auch der Zeit halber die Hoffnung gar nahe gebracht: 
<i>nicht 
lange nach diesen Tagen</i>. Anderes aber erforderte weiter <i>hinausgesetzte 
Zeiten und Stunden</i>; und da galt es nicht zu sagen: La&szlig; eilend 
und bald kommen sein Werk. Auch zur Hoffnung besserer Zeiten und aller 
Besch&auml;ftigung mit k&uuml;nftigen Dingen mu&szlig; man durch die rechte 
T&uuml;re eingehen, und die ist keine andere, als da&szlig; Jeder seines 
Berufs im Gegenw&auml;rtigen wohl wahrnehme. Wer nicht Treue im Gegenw&auml;rtigen 
beweist, und h&auml;lt sich viel mit dem Zuk&uuml;nftigen auf, der geht 
nicht zur T&uuml;r ein, sondern steigt als ein Dieb, neben woher ein. 
 
<p>Die <i>Auffahrt</i> 
geschah nicht durch ein Verschwinden, wie sich sonst manche der Erscheinungen 
und Erweisungen seines Lebens in selbigen Tagen so geendigt haben, sondern 
es war eine bed&auml;chtliche Vollziehung dessen, auf was sie schon vom 
ersten Ostertag an in Bereitschaft zu stehen befehligt waren, durch den 
Ostergru&szlig;: Ich fahre auf zu meinem Vater, zu meinem GOtt und zu eurem 
GOtt. Von Christi Himmelfahrt an hat man nun <i>den 
Himmel anzusehen</i>, als den Ort, woher der HErr JEsus gekommen, wohin 
Er f&uuml;r uns eingegangen ist, und von wannen wir Ihn zu erwarten haben. 
Denn Seiner nun zu warten vom Himmel, macht seitdem ein Hauptst&uuml;ck 
vom Christenstaat aus. Ihre Freude beim Umkehren vom Himmelfahrts = Berge 
war schon wohlgeordneter als jene beim ersten Wiedersehen an Ostern, wovon 
es hie&szlig;: Sie glaubten nicht vor Freuden. Auch bei den besten Seelen 
und &uuml;ber guten Sachen bedarf doch die Freude manche Einrichtung, bis 
sie bei verschlossenem und wohl bewahrtem Herzensgrund dauerhaft werden 
kann. <i>Beten und Flehen</i> dr&uuml;ckt 
ihr zuversichtliches Ergreifen der vorgehaltenen Verhei&szlig;ung, und 
zugleich das Gemerk auf die noch nicht v&ouml;llig zur&uuml;ckgelegte Not 
und Angst in der Welt, mithin die Erhebung ihres Gem&uuml;ts durch den 
Zug von JEsu Himmelfahrt, und die Beugung und das gehorsame Hinuntergeben 
unter das: Er ist nicht mehr in der Welt, wir aber sind in der Welt, kurz, 
den himmlischen und den pilgerm&auml;&szlig;ig bescheidenen Sinn aus, der 
im Gebet nie von einander zu trennen ist. An diesem Band der wahren N&uuml;chternheit 
hielten sich auch die Weiber, wovon besonders Maria, die Mutter JEsu, noch 
einmal und hier in der Schrift das letzte Mal namentlich angef&uuml;hrt 
wird: Denn so lange war diese Magd des HErrn aufgespart, um von Allem, 
was sie bisher in ihrem Herzen bewegt und behalten hatte, Zeugnis an die 
Apostel zu geben; und mit dem herrlichen Ausschlag an dem Lauf JEsu war 
nun ihre Freude an dem GOtt, ihrem Heilande, erf&uuml;llt. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 1,15-26</font></b></h4> 
 
<p><b>Petri Vortrag und der Gemeinde erstes Gesch&auml;ft, Jud&auml; 
Amts = Nachfolge betreffend.</b> 
 
<p>Zuvor hie&szlig; es: sie waren einm&uuml;tig bei einander 
mit Beten und Flehen; nun h&ouml;ren wir, wie sie sich den Anblick ihrer 
Umst&auml;nde im &Auml;u&szlig;eren zum Gebet und dessen jedesmaliger &Uuml;bung 
haben stimmen lassen. Es ist wohl zu bedenken, da&szlig; der HErr JEsus 
die vierzig Tage zwischen seiner Auferstehung und Himmelfahrt die erledigte 
Stelle im apostolischen Collegio nicht selber ersetzt hat. Aber so wollte 
Er den &Uuml;berschritt von seinen bisherigen unmittelbaren Bestellungen 
in das k&uuml;nftige mittelbare Regieren seiner Gemeinde machen, und dem 
Geist, den Er seinen J&uuml;ngern von seiner Auferstehung an mitgeteilt 
hatte, auch Raum lassen, sich zu &auml;u&szlig;ern; wie man denn diesem 
Vortrag und Gebet die Kraft des <i>Joh. 
20:22</i> empfangenen Geistes wohl ansp&uuml;rt. Es war freilich f&uuml;r 
Petrus empfindlich, den Bericht von des Judas Abweichung und Hingang noch 
einmal &ouml;ffentlich zu erneuern. Aber so ist eben die Kirche ein Schauplatz 
von Gnade und Gericht. Wenn man etwas vertuschen will, so hat es noch weniger 
Art. Aus der Darlegung der Wahrheit kommt noch eher eine Frucht heraus. 
Dem &Auml;rgernis beugt Petrus wieder mit der Schrift vor, wie sich der 
Heiland selber in dem n&auml;mlichen Fall darauf bezogen hat. Judas ist 
um deswillen nicht zum Verrat gen&ouml;tigt gewesen. Aber da er sein Herz 
einmal dem Satan hingegeben hatte, so war es n&ouml;tig, um Anderer willen 
zu zeigen, da&szlig; damit nichts geschehen sei, als was die Schrift schon 
zuvor bezeugt hatte. Der Satan h&auml;tte von dem Einen an gern weiter 
greifen, und auch der &Uuml;brigen begehren wollen. Aber da wird vorgezogen 
und bezeugt: Es ist keiner verloren, als der, davon die Schrift zuvor gesagt 
hatte. Bei solchen kl&auml;glichen F&auml;llen m&ouml;chte der Feind gern 
Alles zu Schanden machen, und sich hinstellen, als ob er rumoren d&uuml;rfte, 
wie er wollte. Darum ist es n&ouml;tig, &uuml;ber dem, was die Schrift 
seit der Scheidung zwischen dem Weibes = und Schlangen = Samen auf alle 
Zeiten f&uuml;r bedenkliche Winke gegeben, die man immer in betr&uuml;bte 
Erf&uuml;llung gehen sieht, zu halten, aber auch das daneben gesteckte 
Ziel nicht zu &uuml;berschreiten. O was ist die christliche Geschichte 
f&uuml;r eine aufrichtige Geschichte, wie hat sie schon in Zeiten, da es 
Jedermann kund sein konnte, Alles so redlich dargelegt, wie gesichert ist 
sie aber auch, da&szlig; um des darunter liegenden G&ouml;ttlichen willen 
auch in jetzigen sp&auml;ten Zeiten, alles daran genommenen &Auml;rgernisses 
und Vorwandes zum Unglauben ungeachtet, doch die Frucht von der Darlegung 
dieser Art gr&ouml;&szlig;er bleiben wird, als wenn es nach menschlicher 
Weisheit eingerichtet worden w&auml;re! O was ersticken die <i>Dornen</i> 
noch in manchem Herzen, wie der <i>Geiz</i> 
in des Judas Herz! Was man zu erlangen hofft, schl&auml;gt fehl, und was 
man hatte, und noch weiter h&auml;tte erreichen k&ouml;nnen, geht verloren. 
<i>Zeugen 
seiner Auferstehung</i> hat sich der HErr JEsus nachgehends noch mehrere 
erweckt. Doch hatte es seine guten Ursachen, warum die <i>zw&ouml;lfte 
Zahl</i> wieder vollgemacht werden sollte, auf die der Heiland gleichwohl 
gesehen hat, wenn er vom Richten der Zw&ouml;lf Geschlechter Israels gesagt 
hat, oder wenn nachmals von den zw&ouml;lf Gr&uuml;nden des neuen Jerusalems 
die Rede ist. Mit gemeinschaftlicher &Uuml;berlegung w&auml;hlten sie Zwei, 
die sie darstellten, und erst das, wohin sie weiter in Bestimmung des Unterschieds 
nicht dringen konnten, &uuml;berlie&szlig;en sie auf herzliches Gebet dem 
<i>Los</i>. 
Doch ist es sehr zu bedenken, da&szlig; dieses Mittels nur hier, in dieser 
Zwischenzeit, das einzige Mal gedacht wird. Bei Christi sichtbarer Gegenwart 
war es nicht n&ouml;tig und nach der empfangenen Gabe des Heiligen Geistes 
kommt es auch nimmer vor. Auf diesem Wege wurde Matthias mit aller Zufriedenheit 
ohne Besch&auml;mung des Anderen, der mit in die Wahl gekommen ist, zugeordnet 
zu den elf Aposteln. F&uuml;r den Josef, genannt Barsabas, war es vielmehr 
eine Aufmunterung zur Treue in anderw&auml;rtigem Dienst des HErrn, da&szlig; 
er doch in diese Wahl zu kommen f&uuml;r t&uuml;chtig erkannt worden ist. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 2,1-21</font></b></h4> 
 
<p><b>Die ersten Gl&auml;ubigen empfangen die Gabe des Heiligen 
Geistes, und dem ersten Unglauben und Sp&ouml;tterei dar&uuml;ber wird 
das Maul durch Petrus gestopft, unter Berufung auf Joels Weissagung.</b> 
 
<p>Bei der Wahrheit GOttes und bei seinem Gnadenrat, die 
Menschen zur Erkenntnis derselben zu bringen, hei&szlig;t es mit besonderem 
Nachdruck: Ein Tag sagt es dem Anderen, und eine Nacht tut es kund der 
anderen. Der Pfingsttag Alten Testaments, oder der f&uuml;nfzigste Tag 
vom Ausgang der Kinder Israel aus &Auml;gypten, ward durch die ansehnliche 
Gebung des Gesetzes ausgezeichnet; und der Pfingsttag Neuen Testaments 
brachte nun den Geist, der das Gesetz ins Herz schreibt, und solche Leute 
aus uns macht, die in GOttes Geboten wandeln, seine Rechte halten, und 
darnach tun. Was haben diese beiderlei Tage einander zu sagen gehabt? Der 
Eine sagte was noch nachkommen m&uuml;sse, bis GOttes Absicht an den Menschen 
erreicht werde; und da der Andere erf&uuml;llt war, so hie&szlig; es nun: 
Es ist geschehen. Nun findet sich die Frucht und der Segen von allen vorhergehenden 
Tagen des Fleisches JEsu, und auch von seinem Eingang in die Herrlichkeit. 
Da&szlig; GOtt auch solche Tage beibehalten, und sie in eine solche Beziehung 
aufeinander gesetzt hat, ist dem Glauben sehr f&ouml;rderlich: Denn diese 
Gleichheit in den Wegen und Werken GOttes hilft unserer Schwachheit auf. 
Deswegen sind auch wir es unserer Nachkommenschaft schuldig, durch die 
Feier solcher Tage den Glauben und das Nachdenken &uuml;ber die Werke GOttes 
zu unterhalten; wie GOtt &ouml;fters bei Einsetzung der Festzeiten und 
Gebr&auml;uche seine Absicht auf das nachwachsende Geschlecht blicken l&auml;&szlig;t, 
da&szlig; man diesem auf seine Nachfrage Bescheid geben k&ouml;nne. Aufl&ouml;sen 
und Abschaffen ist keine Kunst, aber erf&uuml;llen und zum rechten Zweck 
lenken, ist etwas anderes. Auch mit der <i>Pfingst</i>gabe 
bewies noch der HErr JEsus, da&szlig; Er gekommen sei zu <i>erf&uuml;llen</i>. 
Zeiten der Verhei&szlig;ung gingen freilich voran, das Warten darauf war 
lang; aber die Erf&uuml;llung kam dann schnell. O was haben die drei&szlig;ig 
Jahre des Wandels Christi in der Welt, und die n&auml;chsten drei&szlig;ig 
Jahre darauf f&uuml;r eine &Auml;nderung nach sich gezogen? Wie schnell 
kann GOtt zum Zweck kommen? Den Himmel offen sehen, und von dorther himmlische 
Kr&auml;fte zu genie&szlig;en bekommen, war von langem her zum Zeichen 
der gesegneten Zeiten Christi gemacht; sonderlich aber, nachdem sie ihn 
dorthin auffahren sahen, und von dort auch seiner zu gewarten verst&auml;ndigt 
wurden, so ward Er ihnen damit zum Augenmerk gemacht, da&szlig; sie auch 
am Pfingsttage bald bemerkten, was ihnen von dorther zukam. Auch unter 
dem Wind eine andringende himmlische Kraft zu vermuten, waren sie schon 
angeleitet durch das von dem HErrn JEsu selbst <i>Joh. 
20</i> vorgenommene Anblasen. Hier war es gewaltiger, weil nun das mit 
Gewalt herandringende Himmelreich einen kr&auml;ftigeren Antrag erforderte. 
Das ganze Haus, da sie sa&szlig;en, war ein namhaftes, zun&auml;chst an 
den Tempel ansto&szlig;endes, und zu demselben gerechnetes Geb&auml;ude, 
woselbst sie ihr Wesen hatten <i>(Luk. 24:53)</i>. 
Die &uuml;ber jedem erschienenen <i>Feuerfl&auml;mmlein</i> 
in Gestalt gespaltener Zungen waren wieder ein neues Bild von einer sehr 
durchdringenden und dabei reinigenden und l&auml;uternden Kraft; und auch 
auf das waren sie vorbereitet, da es in der Verhei&szlig;ung hie&szlig;: 
Mit dem Heiligen Geist und Feuer getauft werden. Durch die Zerstreuung 
der Juden unter alle V&ouml;lker, das ihrerseits eine Strafe f&uuml;r sie 
war, hat GOtt doch schon von weitem her die Br&uuml;cke zubereitet, mit 
der Ausbreitung des Evangeliums sein Reich unter allen V&ouml;lkern anzulegen, 
und es wurde wirklich in beider Herzen Manches dazu vorbereitet. Deswegen 
nahm sich auch gleich der Pfingstgeist dieses gro&szlig;e Feld zu bearbeiten 
vor. So viel Au&szlig;erordentliches hierbei vorkam, so wenig ging etwas 
Unordentliches vor, sondern der Anfang wurde mit einem Aussprechen der 
gro&szlig;en Taten GOttes gemacht; vermutlich wie Zacharias oder Maria 
in ihren Lobges&auml;ngen Altes und Neues zusammengenommen haben. Von da 
an aber trat Petrus besonders auf, und gab einen umst&auml;ndlichen Bericht, 
wie der jetzige Vorgang nach dem Wort der Weissagung anzusehen sei, und 
wie er sich auch an das anschlie&szlig;e, was n&auml;chst zuvor in Jerusalem 
sich begeben hatte. Petrus w&auml;hlt in des Geistes Licht und Kraft schicklich 
die Stelle, welche die ganze Zeit von diesem Pfingsttag bis auf den j&uuml;ngsten 
Tag zusammenfa&szlig;t, und in das g&ouml;ttliche Erbarmen &uuml;ber die 
Not alles Fleisches wei&szlig;t, die GOtt darunter angesehen, und deren 
Er auf solche Weise zu Hilfe kommen wollte, nachdem der Fluch am Kreuz 
weggenommen, und also einem solchen Segen und Gemeinschaft Raum gemacht 
war. Deswegen auch alle Erweisungen des Geistes und seiner Kr&auml;fte 
in ihm nichts zum Gro&szlig;tun oder Spielen, sondern zur Erstattung unserer 
M&auml;ngel, und Ausr&uuml;stung zum Dienst im Reich GOttes eingerichtet 
waren. Da&szlig; aber Petrus bei der Anf&uuml;hrung dieses prophetischen 
Wortes auch das Letzte von Blut, Feuer und Rauchdampf nicht zur&uuml;ckl&auml;&szlig;t, 
best&auml;tigt, was auch sonst in der Haushaltung GOttes oft vorkommt, 
da&szlig; gro&szlig;e Gnadenerweisungen und endliche Zorngerichte oft mehr 
zusammensto&szlig;en, oder der Baum, an dem man noch am meisten arbeitet, 
beim Ausbleiben der Frucht dem Umgehauenwerden am n&auml;chsten sein kann; 
welche Betrachtung also billig hier gezogen wird, um eine Bewegursache 
abzugeben, dem Geist desto mehr Raum zu lassen. Denn um Errettung und Seligwerden, 
beim Anrufen des Namens des HErrn, ist es ja doch allermeist zu tun. Auch 
Gesichte und Tr&auml;ume werden zur Rettung, zur Unterweisung in einer 
Not verliehen, sind oft eine Erquickung auf ein Notgebet, dar&uuml;ber 
man eingeschlafen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 2,22-36</font></b></h4> 
 
<p><b>N&auml;here Nachricht von der Gabe des Heiligen Geistes, 
wie sie von dem - nach seinem Leiden und Tode erh&ouml;hten JEsu herkomme, 
was f&uuml;r bedenkliche Tage also vorangegangen, ehe der Tag der Pfingsten 
erf&uuml;llt war.</b> 
 
<p>JEsus von Nazareth, und die Verkl&auml;rung desselben 
machte freilich vom Pfingsttag an den Hauptinhalt aller Predigten aus, 
wie auch dieses Muster zu erkennen gibt. Daher flossen in den Pfingstvortr&auml;gen 
Passions = Ostern = und Himmelfahrts = Predigten zusammen; denn der Pfingstsegen 
h&auml;ngt von Christi Tod, Auferstehung und Himmelfahrt ab, und verkl&auml;rt 
jedes. Noch jetzt kann einer seinen gesunden oder verdorbenen Geschmack, 
seine Lust zur Wahrheit, oder seinen Hang zur Eitelkeit daran pr&uuml;fen, 
wie lieb oder widrig, brauchbar oder zwecklos es ihm vorkommt, wenn in 
der Predigt Alles aus dem Halten an JEsu Namen gemacht wird. Gar schicklich 
erneuert Petrus in ihrer aller Gewissen dasjenige, worunter JEsus aus seinen 
vorigen Worten und Taten als ein Mann von GOtt bewiesen war. So haften 
noch in eines Jeden Gewissen einige Z&uuml;ge GOttes, an denen man das 
Evangelium ankn&uuml;pfen kann. Im Hinblick auf das, was ihnen das &Auml;rgerlichste 
und Anst&ouml;&szlig;igste sein m&ouml;chte, oder wodurch sie am weitesten 
im Vertrauen zur&uuml;ckgeschlagen werden k&ouml;nnten, n&auml;mlich das 
Kreuz, und ihrem an dessen Bereitung genommenen Anteil, verwahrt er sie 
durch den Blick auf GOttes Rat und Vorsatz, der unter der ganzen Sache 
waltete, und auf das Ende, so GOtt nun auch daran machte. Was sie aber 
auch sich darunter herausgenommen und damit &uuml;bernommen, das mu&szlig;te 
ihnen doch auch gesagt werden. O in was k&ouml;nnen auch gottesf&uuml;rchtige 
Leute unter der Meinung, sie tun GOtt einen Dienst daran, hineingeraten? 
Die vor eingebildeter Heiligkeit und Reinheit nicht in das Richthaus des 
Pilatus hineingehen wollten, und doch JEsu Blut &uuml;bernahmen. Wo m&uuml;&szlig;te 
einen eine solche Blindheit, und der damit angerichtete Schaden hinunter 
dr&uuml;cken, wenn einem nicht ein Strahl von GOttes heimlicher, zu unserer 
Seligkeit verordneten Weisheit aufginge? Wenn nicht der HErr JEsus, den 
man an das Kreuz gebracht, von GOtt selbst einem zum Gnadenstuhl und Vers&ouml;hnungsschirm 
oder Christ und HErrn vorgestellt w&uuml;rde? Aus dem, was der Geist hier 
dem Petrus zur Verkl&auml;rung des ganzen Laufs JEsu auszusprechen gab, 
und aus der &Ouml;ffnung der vorigen Schrift, die von ihm gesagt war, l&auml;&szlig;t 
sich noch jetzt ein vergn&uuml;glicher Glaubensgrund nehmen zu einer vollst&auml;ndigen 
Erkenntnis Christi. Unter dem ganzen Lebens = und Leidenslauf JEsu war 
freilich seines himmlischen Vaters Rat sein best&auml;ndiges Augenmerk, 
der Grund alles Vertrauens, alles Gehorsams, die St&auml;rkung aller Geduld. 
Da mochten sich Ersch&uuml;tterungen erheben woher sie wollten; so war 
Er davon nicht zu bewegen. Das ist es auch, was an seinem ganzen Opfer 
vornehmlich zum s&uuml;&szlig;en Geruch vor seinem Vater gediehen. Wer 
sich nun in diese Gemeinschaft berufen l&auml;&szlig;t, und mit diesem 
Durchbrecher, dem der Vater den Weg zum Leben kund getan hat, sich ins 
Ringen und Durchdringen gibt, keine andere als die - durch Leiden ausgeborene 
Freude sucht, des Vaters Angesicht zum Leitstern und Ziel seines verordneten 
Laufs beh&auml;lt, der kommt auch durch Tod und H&ouml;lle, und durch alle 
dorther an uns dringende Furcht und Schrecken durch, und erf&auml;hrt es, 
da&szlig; er an dem HErrn JEsu einen HErrn und Christ hat: In der Erf&uuml;llung 
Alles dessen, was von Ihm zuvor gesagt war, den Christ; und in der Erwartung 
alles dessen, was Er einem nun in seiner Herrlichkeit gew&auml;hren kann, 
den HErrn. Daraus, da&szlig; Du uns, HErr JEsus, vor Augen bist, la&szlig; 
uns wahre Freude, und in derselben den Anfang ewigen Lebens haben, und 
die Versicherung, da&szlig; wir einst bei Dir daheim sein werden allezeit. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 2,37-47</font></b></h4> 
 
<p><b>Wie viel durch diese erste Pfingstpredigt seien gewonnen, 
und in welch heiliges Leben diese ersten Gl&auml;ubigen seien eingeleitet 
worden.</b> 
 
<p>Die zwei Stachel in Petri Pfingstpredigt: Ihr habt Ihn 
get&ouml;tet, und GOtt hat Ihn zu einem HErrn und Christ gemacht, hatten 
freilich etwas Durchdringendes, das Herz Angreifendes, und zugleich Erweichendes, 
den Unmut Verh&uuml;tendes. Man kann es schon jenem Ausdruck Jesaja 53 
ansp&uuml;ren, wie daselbst die glaubensvolle Reue ausgedr&uuml;ckt wird, 
in welcher die - vom &Auml;rgernis am Kreuz Erretteten ihre Blindheit bekennen 
und sagen w&uuml;rden: Wir hielten Ihn f&uuml;r den, der von GOtt geschlagen 
und gemartert w&auml;re, wir hatten Wohlgefallen an seinem Tod, meinten, 
GOtt wolle seinem f&auml;lschlich angema&szlig;ten Ansehen damit ein Ende 
machen; aber nun geht es uns anders auf, was GOtt f&uuml;r einen Rat unter 
dieser Sache gehabt hat, wie Er Ihn um unserer S&uuml;nden willen zerschlagen, 
aber auch aus Angst und Gericht genommen hat, und Ihm nun f&uuml;r die 
Hingabe Seines Lebens eine gro&szlig;e Menge zur Beute geben will. Nach 
einer solchen heilsamen Ersch&uuml;tterung und &uuml;ber die darunter vorgebrachte 
Frage: Was sollen wir tun? weist sie nun Petrus in die Bu&szlig;e und ganze 
Ver&auml;nderung ihres Sinnes hinein; sonderlich da&szlig; sie die auf 
den Namen JEsu vorher gelegte Schmach zur&uuml;cknehmen, und bei der Taufe 
auf diesen Namen Ihm die Ehre geben, darin Ihn GOtt nun gesetzt hat, als 
den Namen, bei dessen Anrufung man selig werden soll. Davon verspricht 
er ihnen Vergebung der S&uuml;nden, als das Hauptgut des Neuen Testaments, 
und bei derselben dann weitere Gemeinschaft mit GOtt, und zu deren Pfand 
die Gabe des Heiligen Geistes. Alles zusammen legt er ihnen als eine schon 
von den V&auml;tern her zugedachte Gnade vor, an deren sorgf&auml;ltigen 
Anwendung sie sich aber nicht verk&uuml;rzen sollen, weil GOtt jetzt doch 
etwas Neues damit zu schaffen vorhabe. Da&szlig;, mit Vorbeigehung Anderer 
zu ihrem Ermahnen gebrachten Vorstellungen, das: <i>La&szlig;t 
euch helfen von solchen unartigen Leuten</i>, angef&uuml;hrt wird, gibt 
zu erkennen, da&szlig; es besonders n&ouml;tig sei, die aus dem Wort GOttes 
aufgehenden ersten S&auml;mlein vor dem Zertreten durch Andere zu bewahren. 
Die Menschen nehmen sich gar eine leidige Macht &uuml;ber einander heraus: 
darum mu&szlig; man die, die sich in so ein ungeb&uuml;hrliches Ansehen 
setzen wollen, desto mehr herabsetzen, und ihre Unart und die Notwendigkeit, 
sich von ihnen loszurei&szlig;en, desto nachdr&uuml;cklicher betreiben. 
Das annehmungsw&uuml;rdige Wort <i>gern 
annehmen</i>, das gibt endlich den Ausschlag; bei der reichlichsten 
und in manchem Betracht au&szlig;erordentlichen Gnade hat doch kein eigentlicher 
Zwang statt, sondern gern annehmen entscheidet den &Uuml;berschritt zu 
denen, die selig werden. Und eben so ist das Bleiben an der Lehre, oder 
an dem mit Freuden angenommenen Wort der Grund aller dauerhaften Einigkeit 
und Gemeinschaft. Unter dem <i>Brotbrechen</i> 
wird vermutlich auch die Begehung des Heiligen Abendmahls angedeutet, als 
die anfangs mit dem m&auml;&szlig;igen Genu&szlig; einer sonstigen Mahlzeit 
verkn&uuml;pft war, welches zugleich dazu diente, da&szlig; man &uuml;ber 
dieses Geheimnis noch eine Weile eine Decke der Verborgenheit ausbreiten 
konnte. 
<br>Von der <i>Gemeinschaft 
der G&uuml;ter</i> wei&szlig; man nur bei der Gemeinde zu Jerusalem, 
bei welcher der besondere Umstand vorwaltete, da&szlig; wegen der nahe 
kommenden Zerst&ouml;rung Jerusalems auch ihre zeitliche Habe noch wohl 
angewendet, und sie zu einer desto schnelleren Flucht, ohne sich nach etwas 
umzusehen, vorbereitet werden sollte. Im <i>Gebrauch</i> 
des Tempels richteten sie sich nach dem, wo GOtt ihnen selber mit Behandlung 
dieses Hauses voranging. So lange Er es noch stehen lie&szlig;, so bedienten 
sie sich seiner auch: doch fingen sie schon an, sich daneben an die <i>Versammlungen 
in den H&auml;usern </i>zu gew&ouml;hnen. <i>Friede 
und Einf&auml;ltigkeit des Herzens</i> ist eine besondere Frucht des 
Geistes Christi. Wie viel Phantasie und Zeremoniell hat der Weltgeist auch 
in kirchliche Verhandlungen gebracht! Zur ersten Gr&uuml;ndung kann GOtt 
manchem seiner Werke auch Gnade bei Anderen schenken. Wenn es aber damit 
wieder umschl&auml;gt, so mu&szlig; man es sich nicht befremden lassen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 3,1-26</font></b></h4> 
 
<p><b>An Einem, der von Mutterleib an lahm gewesen, beweist 
sich die Kraft des Namens JEsu zu seiner schleunigen Genesung. Petrus nimmt 
daher Gelegenheit, diesen Namen umst&auml;ndlicher zu verk&uuml;ndigen.</b> 
 
<p>Petrus und Johannes werden in der Evangelischen - und 
so nun auch in dieser Apostelgeschichte bei manchen Vorf&auml;llen zusammengesetzt 
<i>(Luk. 
22:8; Joh. 13:23, 20:2, 21:20; Apg. 4:13, 8:14)</i>. Der Natur nach 
stimmten sie nicht so genau miteinander; aber die Gnade kann auch zusammentreiben, 
und zum Besten des Reiches GOttes neben einander brauchen, was der Natur 
nach ungleicher Neigungen ist. Diamanten schleift man mit Diamanten. Diese 
zwei Edelsteine, Petrus und Johannes, m&ouml;gen einander auch heilsamlich 
geschliffen haben. - Eine <i>Betstunde</i> 
zu besuchen hielten diese zwei gro&szlig;en Apostel nicht &uuml;ber ihren 
Stand. Zu was wird bei uns GOttes Haus weniger gebraucht als zu einem Bethaus? 
Die <i>neunte Stunde</i> war bei den 
Juden, was bei uns Nachmittag um drei Uhr ist; mithin auch zwischen die 
Arbeit hinein etwas auskaufen, um sich zu sammeln und seine Seele n&uuml;chtern 
zu machen, ist von gro&szlig;em Segen. Mit einem eindringlichen <i>Blick 
und viel bedeutendem Ansehen</i> hat unser lieber Heiland selbst Manches 
ausgerichtet; wie es jetzt auch zu seiner herrlichen Titulatur geh&ouml;rt; 
Er hat Augen, wie Feuerflammen. Und so haben auch die Apostel zuweilen 
solche Erregungen des Geistes zu treffenden Blicken bekommen <i>(Apg. 
13:9, 14:9)</i>. - Welche Enthaltung, da&szlig; Petrus bei dem - zu 
seinen F&uuml;&szlig;en niedergelegten Geld doch sagen konnte: <i>Silber 
und Gold habe ich nicht</i>. Wieviel Silber und Gold hat nachmals Petri 
angeblicher Nachfolger an sich gebracht, und unter seine Kreaturen verteilt! 
- Aus JEsu Verhei&szlig;ungswort <i>(Mark. 
16)</i>, und aus einer auch &uuml;ber die jetzigen Umst&auml;nde empfangenen 
Anregung und Vollmacht des Geistes konnte <i>Petrus 
dem lahmen Menschen seine Genesung antragen</i>. F&uuml;r die Wahrheit 
des Wunders, und f&uuml;r das n&ouml;tige Aufsehen, so es machen sollte, 
war durch den &ouml;ffentlichen Ort, an dem es geschah, durch die von ihrem 
langen Elend genugsam bekannte Person, durch ihr jetziges au&szlig;erordentlich 
munteres Bezeugen gesorgt. Aber gar ernstlich verh&uuml;tet nun Petrus, 
da&szlig; sich Niemand zu viel mit seiner Achtung bei ihnen aufhielte; 
und da wehrt er nicht nur aus Demut so, sondern weil es dem Herzensglauben 
und seiner Kraft so sehr hinderlich ist, wenn die Menschen mit ihrer Andacht 
und ihrem Vertrauen zur Ungeb&uuml;hr an Menschen oder sonst &auml;u&szlig;erliche 
Dinge gebunden werden. Aus den <i>zwei Worten</i>, 
die Petrus so sorgf&auml;ltig von sich ablehnt, <i>Kraft 
und Verdienst</i>, sieht man im Gegenteil, was er dem Namen JEsus beilegt, 
n&auml;mlich beides, die verdienstliche Fr&ouml;mmigkeit, und Alles, was 
Er, um der Menschen Heil zu werden, mit Tun und Leiden &uuml;bernommen, 
und die vom Vater nun empfangene Macht. Den jetzt angetragenen Segen des 
Evangeliums leiten die Apostel gern von der <i>Verhei&szlig;ung, 
den V&auml;tern geschehen</i>, her, damit man ihnen weniger den Vorwurf 
einer ungeb&uuml;hrlichen Neuerung machte, und alle in der Menschen Gewissen 
gemachte Vorbereitung zum Glauben ben&uuml;tzt w&uuml;rde: So wie Petrus 
auch unter dem Vorwurf: ihr habt Ihn verleugnet, alle die besseren Erweisungen 
weckte, die sie aus seinen Worten und Werken haben k&ouml;nnten, von denen 
sie aber in jener Stunde und Macht der Finsternis sich abwendeten. Doch 
milderte Petrus diese Sch&auml;rfe bald wieder durch den Zusatz, da&szlig; 
sie und ihre Obersten es aus <i>Unwissenheit 
getan</i> h&auml;tten; wie der Heiland das auch in seiner F&uuml;rbitte 
am Kreuz betrieben; und weist sie an, nun das Gute zu ergreifen, das GOtt 
aus diesem B&ouml;sen herausgebracht habe. O wohl Jeglichem, welchem der 
Blick aufgeht, aus der Zeit seiner Unwissenheit so hin&uuml;ber zu blicken 
in das, was GOtt durch &Uuml;bersehen derselben nun noch Gutes ihm vorbehalten 
hat! Wie haben die Apostel <i>ihre Macht 
S&uuml;nden zu vergeben</i>, so nachdr&uuml;cklich zu gebrauchen gewu&szlig;t. 
Wie haben sie zu ihrem Ruf zur Bu&szlig;e diesen <i>Bu&szlig;zucker</i> 
so wohl angebracht, ja wie weit haben sie den Hoffnungsblick schon auf 
Zeiten der Erquickung hinausgef&uuml;hrt! O welcher Jammer, welcher Offenbarung 
des zuk&uuml;nftigen Zorns hat einer damals entrinnen, und auch seine Kinder 
entrei&szlig;en k&ouml;nnen! Wie h&auml;ngt noch zu aller und auch zu unserer 
Zeit, an dem himmlischen Beruf ein solches Kleinod der Hoffnung! Dazu mu&szlig; 
man sich bequemen, einen Heiland zu glauben, den man nicht sieht, der sein 
Reich im Himmel einzunehmen hat, dessen wir aber von dannen zu warten haben, 
als Dessen, der das - unter seiner Hand zu Stand gekommene Vornehmen des 
HErrn endlich als ein ausgemachtes Werk darstellen wird. Der GOtt, welcher 
der V&auml;ter etlich tausendj&auml;hriges Warten zur Freude gemacht, und 
ihren Kindern seine Ehre gezeigt hat, wird gewi&szlig; auch an jedes Wort, 
auf welches er uns hoffen l&auml;&szlig;t, gedenken, und seine Wahrheit 
nicht fehlen lassen. Aber der Bann, vom Argestun, mu&szlig; in der Bekehrung 
weggetan werden; sonst empf&auml;ngt man alle Gnade vergebens. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 4,1-12</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel erste Amtsleiden <i>(V. 
1-3)</i>, wie sie durch ihren wachsenden Amts = Segen <i>(V. 4)</i> 
und durch die gute Gelegenheit, JEsu Namen dabei zu bekennen <i>(V. 
5-7)</i> merklich vers&uuml;&szlig;t worden seien.</b> 
 
<p>Die Rede der Apostel mochte noch so sanft, und selbst 
auch f&uuml;r die Obersten des Volks noch so schonend, und zum Glauben 
an die angebotene Gnade reizend sein; so war eben doch die Widrigkeit dagegen 
nicht zu verh&uuml;ten. Wer mit dem Anderen trotzen will, wie der Unglaube 
mit GOtt, dem ist es nicht wohl ertr&auml;glich, wenn man ihm viel von 
des Anderen guter Gesinnung gegen ihn vorsagen will. Anders ist die Feindschaft 
gegen das Evangelium nicht wohl zu erkl&auml;ren. Doch mu&szlig;ten auch 
die Widersprecher vorher die Apostel mit dem n&ouml;tigsten Reden zu Ende 
kommen lassen. Feindseligen Herzen w&auml;re es oft lieber, wenn man harte 
Reden gegen sie gebrauchte, damit sie einen Schein zu klagen h&auml;tten. 
Bei anderen Absichten haben Weltleute oft ein geteiltes Interesse; aber 
wider JEsus und sein Evangelium vereinigen sie sich. Betr&uuml;bter ist 
nichts, als wenn man selbst nicht ins Reich GOttes hinein will, und man 
wehrt noch Anderen, welche hinein wollen. In Absicht auf die <i>Sadduz&auml;er</i> 
ergibt sich nun in der Apostelgeschichte ein merklicher Unterschied gegen 
die Evangelische Geschichte. In eigener Person hatte der Heiland mit diesen 
Leuten nicht so viel zu tun; sie hielten sich zu seiner Zeit noch mehr 
zur&uuml;ck, und da Er ihrer Gegenpartie, den Pharis&auml;ern, meist scharf 
war, so griffen sie ihn nicht viel an. Aber jetzt, da die Hoffnung der 
Auferstehung durch das Evangelium so an das Licht gebracht werden sollte, 
da trieb es ihren Ha&szlig; merklich auf. So ist noch manchem die Lehre 
Christi als eine gute Moral schon ertr&auml;glich; aber wenn sie ihn durch 
die vorgehaltene Hoffnung in das Unsichtbare und Ewige hineinf&uuml;hren 
will, so st&ouml;&szlig;t man es schon heftiger von sich. - Vom ersten 
Schritt des <i>Spottens am Pfingsttag</i> 
kam es hier schon zum <i>Angriff durch obrigkeitliche 
Macht</i>. Nun konnte Petrus nachdenken &uuml;ber seine vormalige Rede: 
<i>Ich 
bin bereit mit Dir ins Gef&auml;ngnis zu gehen.</i> Da fing das: hernachmals, 
an, wovon ihm sein Meister gesagt hatte: <i>du 
wirst mir aber hernachmals folgen.</i> Dem folgenden Bezeugen sp&uuml;rt 
man wohl an, da&szlig; Petrus und Johannes <i>diese 
Nacht</i> &uuml;ber im Glauben nicht geschw&auml;cht, sondern gest&auml;rkt 
worden sind. Vernunft h&auml;tte &uuml;ber einen so fr&uuml;hzeitigen Widerstand 
denken m&ouml;gen: Jetzt ist Alles verloren; aber die Geschichte zeigt 
vielmehr, da&szlig; auch dieses Kreuz viel neugeborene Kinder herzu gebracht 
hat. Neben her hat auch ein solches <i>Verh&ouml;r</i> 
Gelegenheit gemacht, da&szlig; das Evangelium vor solche Ohren gekommen 
ist, wohin es sonst nicht leicht gekommen w&auml;re: hier vor den hohen 
Rat zu Jerusalem, ein anderesmal in das Richthaus der r&ouml;mischen Landpfleger, 
dort vor Agrippa und Bernice und &auml;hnliche Personen. Bei <i>&ouml;ffentlichen 
Verantwortungen</i> hatten sie sonderlich <i>der 
Verhei&szlig;ung zu genie&szlig;en</i> <i>(Luk. 
12:11-12)</i>. Darum kam au&szlig;er der gew&ouml;hnlichen F&uuml;lle 
des Geistes auch noch besondere Anregung und st&auml;rkerer Trieb an sie. 
Auf Seiten der <i>Apostel</i> sieht man, 
wie <i>n&uuml;chtern und sanftm&uuml;tig</i> 
sie bei aller F&uuml;lle des Geistes gehandelt haben. Aber von diesem versammelten 
<i>Rat</i> 
kann man eine Mahnung nehmen, wie bedauerlich es ist, wenn man sein Amt, 
Vorz&uuml;ge und Ansehen, so Andere gern an einem respektieren, gegen die 
Wahrheit GOttes und gegen sein und Anderer Heil mi&szlig;braucht. - Das 
Zeugnis: <i>Das ist der Stein von euch Bauleuten 
verworfen, </i>scheint zwar einen scharfen Stachel mit sich zu f&uuml;hren; 
wenn man aber dazu nimmt, wie sie damit doch in die Schrift hinein, auch 
auf eine eigene ehemalige Unterredung mit Christo zur&uuml;ckgef&uuml;hrt 
werden, und wie ihnen doch noch Raum zum Aufstehen an diesem Eckstein gemacht 
wird; so wird man es nicht zur Ungeb&uuml;hr scharf achten k&ouml;nnen. 
Nun hei&szlig;t Er <i>der Stein</i>, 
der die ganze Welt f&uuml;llen, aller anderen Herrlichkeit ein Ende machen, 
das Reich GOttes und seiner Heiligen ewig gr&uuml;nden wird. Wie ist uns 
das Heil in Christo so nahe gebracht? Wie ist es uns in dem Namen JEsu 
zum Glauben des Herzens und Bekenntnis des Mundes so kurz zusammengefa&szlig;t! 
Aber wie wird uns auch diese Arznei unter Hinweisung auf die &auml;u&szlig;erste 
Todesgefahr, in welcher wir hart schweben, beigebracht, und durch die Worte: 
<i>in 
keinem anderen, kein anderer Name</i>, Alles abgeschnitten, auf was 
wir sonst mit unserem Vertrauen fallen wollten. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 4,13-31</font></b></h4> 
 
<p><b>Die ersten Bande, welche man dem Evangelium anlegen wollte 
<i>(V. 13-22)</i>, mit denen es aber auf der 
Gl&auml;ubigen Gebet mehr zur F&ouml;rderung desselben ausgeschlagen ist 
<i>(V. 23-31)</i>.</b> 
 
<p>Die an Petrus und Johannes leuchtende Freudigkeit war 
freilich ein Beweis von der - ihnen zum Zeugnis von Christo beigelegten 
Kraft und T&uuml;chtigkeit, welche auch durch die - an ihnen nun zum ersten 
Schrecken vorgenommenen Gewaltt&auml;tigkeit nicht geschw&auml;cht worden 
war. Das Bemerken und Bewundern derselben h&auml;tte zum Glauben an den, 
der diese Macht aus dem Munde der Unm&uuml;ndigen bereitete, anreizen k&ouml;nnen 
und sollen. So bald man aber anf&auml;ngt, &uuml;ber dergleichen Eindr&uuml;cke 
zu raisonnieren, um selbige zu schw&auml;chen, und unter scheinbaren Vorw&auml;nden 
gar abzulehnen, so neigt man sich zum Unglauben, und damit zu dem Verfall, 
der einem zuletzt das sp&auml;te Verwundern und Entsetzen zuziehen wird, 
wenn man die, deren Arbeit man so verworfen hat, in einer Freudigkeit und 
Seligkeit sehen wird, deren man sich nicht versehen h&auml;tte. So sanft 
GOtt den Glauben in seinem Zeugnis von seinem Sohn vorh&auml;lt, so kr&auml;ftig 
wird doch oft des Menschen Herz davon gefa&szlig;t, da&szlig; man nichts 
dagegen zu reden hat. Aber wer bei solchem Angriff der Wahrheit nicht gewonnen 
gibt, den kann der GOtt dieser Welt gewaltig unter seine verblendende Bezauberung 
bekommen; wie es auch dieser Vorgang zeigt, da man Alles, was zum Vorstand 
der Wahrheit dient, nicht leugnen kann, aber doch demselben zu widerstehen 
unternimmt. Wie weit verwegener aber ist es in der heutigen Zeit, dem Evangelio, 
von dem man sieht, da&szlig; es die Welt bezwungen hat, doch jetzt sein 
Herz und Haus verschlie&szlig;en, und den Namen, der doch zum Heil gegeben 
ist, d&auml;mpfen zu wollen. Da hat der Geist, als ein Geist der Kraft, 
der Liebe und der Zucht, so zu sagen, sein Meisterst&uuml;ck an einem Zeugen 
der Wahrheit zu machen, wann er es &uuml;ber der Bekenntnis derselben mit 
seiner Obrigkeit zu tun hat, der er den billigen Gehorsam nicht versagen, 
und ihre unbilligen Schl&uuml;sse doch auch nicht annehmen, sondern sie 
an GOttes Revisions = Gericht verweisen will und mu&szlig;. JEsu Herrschen 
mitten unter seinen Feinden setzt doch immer ein Ziel, da&szlig; sie nicht 
Alles k&ouml;nnen, was sie wollen. Gut, da&szlig; denen, welche sich sonst 
freilich wie Schafe mitten unter den W&ouml;lfen m&uuml;ssen aussenden 
lassen, doch nichts abgeschnitten werden kann, im Segen der Himmelfahrt 
JEsu, sich zu GOttes Kindern zu tun, und in das Betk&auml;mmerlein zu verschlie&szlig;en. 
Bei dieser Einrichtung k&ouml;nnen auch Solche, die f&uuml;r sich nicht 
so viel zu leiden h&auml;tten, doch in gesegnete Gemeinschaft mit denen 
kommen, welche n&auml;her an die Spitze gestellt sind. Vorher gab es so 
viel Gutes zu verk&uuml;ndigen, so viele gro&szlig;e Taten GOttes auszusprechen; 
jetzt sollte es auch durch das Kreuz bew&auml;hrt sein. Und davon zu reden 
war auch nicht unn&uuml;tzlich und unn&ouml;tig; doch nicht mit Menschen 
allein, sondern allermeist mit GOtt <i>im 
Gebet</i>. Die Kirchennot hat je und je die gute Wirkung gehabt, die 
Gem&uuml;ter zu sammeln. Vermutlich hat Petrus, oder abwechslungsweise 
Johannes und Andere vorgebetet, aber so, da&szlig; die &Uuml;brigen mit 
erhabener Stimme nachgebetet haben. Das war eigentlich was sich Paulus 
<i>R&ouml;m. 
15:30-31</i> ausbittet, da&szlig; man ihm helfe k&auml;mpfen im Beten, 
damit er von den ungl&auml;ubigen Menschen errettet werde. - Wir werden 
sonst beim <i>Reich GOttes</i> von Jugend 
auf an die Einteilung gew&ouml;hnt, <i>Reich 
der Natur, Reich der Gnaden, Reich der Herrlichkeit</i>, aber man mu&szlig; 
sich darunter nicht drei in unterschiedliche Territorien gelegene Reiche 
vorstellen, sondern Eins steckt im Anderen, Eins ist um des Anderen willen 
da, Eins hilft dem Anderen auf. Und so steigt auch der Glaube und das Gebet 
von Einem zum Anderen auf. Bei einer Kirchennot, bei einer im Reich der 
Gnaden sich erhebenden Hindernis ruft man zu GOtt, der Himmel, Erde, Meer, 
und Alles, was darinnen ist, gemacht hat. Wie oft hat uns GOtt durch Berufen 
auf seinen Bund, den er mit Tag und Nacht, mit allem Heer des Himmels gemacht, 
den Glauben angeboten und erleichtert, dabei wir Ihm auch ein so p&uuml;nktliches 
Erf&uuml;llen seiner Wahrheit im Reich der Gnaden zutrauen sollen. An dergleichen 
Schrift = Exempeln kann man sehen, was es hei&szlig;t, <i>im 
Namen JEsu beten</i>, n&auml;mlich mit Einsicht und Verstand von seiner 
Reichs = Sache, von dem Gang, den der Vater mit der Verkl&auml;rung seines 
Sohns auf Erden vorhat, mit Gemerk auf das Kreuz = und das Reichs = Geheimnis, 
mit Beziehung auf das, was der Geist Christi davon zuvor bezeugt hat, mit 
Erinnerung an die Worte Christi selbst usw. <i>Heiden, 
K&ouml;nige, V&ouml;lker, F&uuml;rsten zc</i>. sind Namen, wo auch ein 
einziger schon unserem bl&ouml;den Herzen zusetzen kann. Aber wenn der 
Name, welcher &uuml;ber alle Namen ist, darin verkl&auml;rt wird, so hat 
man etwas, das allem Zagen wehrt. Der Leidensproze&szlig; unseres lieben 
Heilands ist der Schl&uuml;ssel zu allen - bei der Aufrichtung seines Reichs 
vorkommenden &Uuml;bungen. Beim Glauben und Geduld, so den Heiligen aufgegeben 
ist, hei&szlig;t es oft: ich schweig und schrei: GOtt schweige nicht. Vorher 
hatten sie schon Freudigkeit bewiesen, und nun bitten sie darum. So ist 
es beim Glauben; er ist immer im Bitten und Nehmen begriffen; darum kann 
er auch bei Allem, was ihm auszurichten verliehen wird, so in der Demut 
bleiben. Verhei&szlig;ung und Gebet geh&ouml;ren zusammen. Der Glaube l&auml;&szlig;t 
die Verhei&szlig;ung nicht liegen, sondern h&auml;lt sie GOtt im Gebet 
vor. Not und Angst soll die Wirkung tun, unser Herz zu erweitern, und zu 
einem neuen Ausgu&szlig; des Geistes bed&uuml;rftig, durstig und auch f&auml;hig 
zu machen.</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 4,32-5,11</font></b></h4> 
 
<p><b>Erfreuliche Nachricht von dem vielf&auml;ltigen Wohlstand 
der ersten christlichen Gemeinde zu Jerusalem, und zum Nachdenken erweckende 
Anzeige, wie die Lauterkeit und Wahrheit dieser neuen Gemeinschaft durch 
die vorgenommene scharfe Kirchenzucht erhalten worden sei.</b> 
 
<p>Wie angelegen dem HErrn JEsu das gro&szlig;e Ziel war, 
es mit den Seinigen zum gr&uuml;ndlichen Einswerden zu bringen, davon ist 
in der evangelischen Geschichte schon Anregung geschehen. Auch des anf&auml;nglichen 
Entgegenkommens zu diesem Ziel wurde schon oben <i>Kap. 
2:46-47</i> gedacht; hier aber wird es auf das Neue als eine Frucht 
ihres unter der ersten Kirchennot getanen gemeinschaftlichen Gebets angef&uuml;hrt. 
Das Mein und Dein richtet nicht nur in der Welt viel Streit an, sondern 
kann auch unter Gl&auml;ubigen der Same der Uneinigkeit werden. Deswegen 
das Christentum auch hierin einen m&auml;&szlig;igen und liebreichen Sinn 
pflanzt, wobei der Reichere und Verm&ouml;gendere nicht auf das Seine hinf&auml;llt, 
wie auf einen Raub, noch sich an seinem Gut eine gro&szlig;e St&uuml;tze 
zu haben einbildet, sondern sich mehr dessen r&uuml;hmt, da&szlig; er durch 
das Evangelium mit einer inneren Geringsch&auml;tzung desselben ausger&uuml;stet 
sei: solche angebliche Geringsch&auml;tzung des Zeitlichen aber auch durch 
mildes Austeilen von diesem Fremden bew&auml;hrt. So mu&szlig; von dem, 
was die Gemeinschaft der G&uuml;ter zu Jerusalem Besonderes von Zeit und 
Ort her gehabt hat, doch dem Geist und Kraft nach in das Allgemeine und 
Bleibende gef&uuml;hrt werden. Im n&auml;chstvorhergehenden Gebet drangen 
sie allermeist auf die Kraft und Freudigkeit im Zeugenamt an; die Frucht 
aber und das Wachstum wird nun so beschrieben wie es sich &uuml;ber alle 
Glieder des Leibes ausbreitete. Denn so beweist sich GOtt gern als ein 
GOtt aller Gnaden, im Vollbereiten eines Jeden. - Die Auferstehung des 
HErrn JEsu, wird als der k&ouml;stlichste Mittelpunkt ihres Zeugnisses 
angef&uuml;hrt, aus welchem sie r&uuml;ckw&auml;rts seinen vorigen Lauf 
in der Welt beleuchten, und hinaus auf die weitere Offenbarung seiner Herrlichkeit 
f&uuml;hren konnten. Das war auch das Zeugnis, welches die Sadduz&auml;er 
am liebsten h&auml;tten unterdr&uuml;cken m&ouml;gen. Doch war es von den 
Aposteln kein Trotz, da&szlig; sie gerade das trieben; sondern sie konnten 
nicht anders. - Da&szlig; es von dem Geld hei&szlig;t: Sie legten es zu 
der Apostel F&uuml;&szlig;en, ist nicht dahin zu deuten, als ob diese einen 
so gro&szlig;en Respekt gefordert h&auml;tten. Sondern wie <i>2.Kor. 
9:13</i> eine Steuer an die Armen, als ein Erweis einer untert&auml;nigen 
Bekenntnis des Evangeliums angezogen wird; so wurde es auch hier den Aposteln 
als eine Frucht ihrer am Herzen kr&auml;ftig gewordenen Himmelreichslehre 
&uuml;bergeben. - Barnabas kommt in der Apostelgeschichte noch oft als 
ein - dem Hausherrn brauchbares Gef&auml;&szlig; vor. Und hier wird nun 
auch dieser seiner Ent&auml;u&szlig;erung gedacht, eines Hilfsmittels dazu, 
wie im Gegenteil das Ankleben am Zeitlichen Manchem seine sonstige Brauchbarkeit 
schw&auml;cht. Nach so viel erfreulichem vom bl&uuml;henden Anfang kommt 
nun auch ein betr&uuml;btes Aber. Die Plage mit falschen Geistern hat freilich 
fr&uuml;h angefangen. Der HErr JEsus selbst mu&szlig;te mit Judas geplagt 
sein. Jetzt ist es auch nicht umsonst in die Geschichte der Apostel eingetragen, 
wie GOtt die erste Untreue an das Licht gebracht habe. Nach so langer Zeit 
sagt der HErr JEsus: Gedenkt an das Weib Lots <i>(Luk. 
17:32-33)</i>. Und das gilt von allen solchen zur Warnung hingesetzten 
Salzs&auml;ulen. Es l&auml;uft immer auf das hinaus: Wer sein Leben lieb 
hat, der wird es verlieren. Vermutlich sind Ananias und Saphira schon zu 
dem Verkaufen mehr Schanden halber, von Anderer Exempel angetrieben, als 
mit v&ouml;lliger Willigkeit des Geistes geschritten. Daher konnte sie 
der Unglaube, der heimliche Zweifel, ob es mit dieser Gemeinschaft der 
G&uuml;ter gut tun werde, leicht reizen, etwas f&uuml;r sich zur&uuml;ckzulegen, 
und zwar mit &Uuml;berlegung, mit gemeinschaftlich dar&uuml;ber getroffener 
Abrede, ohne da&szlig; Eins das Andere gewarnt h&auml;tte. O wie viel Betrug 
spielt die S&uuml;nde, uns abzubringen von dem lebendigen GOtt, bei allem 
Licht der Gnade auf Werke der Finsternis zu denken! Die Nachfrage des Petrus 
gibt zu verstehen, da&szlig; ihm nicht unbewu&szlig;t war, welcher Hauptfeind 
unter diesem Streich steckte, und was der Satan der Sache Christi f&uuml;r 
einen Abbruch damit zu tun gesucht habe. Aber durch das Warum? wie ist 
es zugegangen? Wie ist der zu solcher Macht bei dir gekommen? wird doch 
die Schuld wieder auf den Menschen selbst gelegt. So wird es heilsam, die 
Tiefen des Satans an einem leidigen Fall zu erkennen, aber das Warum? bei 
sich aufzusuchen. Es geht ja doch durch manche &Uuml;berlegung, auch Bedenken 
und verklagende Gedanken, bis so etwas zu einem Vorsatz im Herzen aufkommen 
kann. Es ist zu vermuten, wenn Ananias, oder auch nachmals Saphira noch 
so viel Lust zur Wahrheit im Verborgenen ihres Herzens h&auml;tten aufbringen, 
und daraus eine Antwort geben k&ouml;nnen; so w&auml;re von dem Einen oder 
Anderen das Gericht des Todes abzuwenden gewesen. Aber so war der ihnen 
jetzt begegnenden Geisteskraft nicht zu widerstehen, und zum willigen Nachgeben 
auch keine Lust in ihnen; darum ist es zu einem solchen Bruch gekommen, 
da&szlig; man daran ein Bild nehmen kann, was es ist, wenn es so von jenem 
Menschen der S&uuml;nde hei&szlig;t: Christus werde ihn t&ouml;ten mit 
dem Odem seines Mundes. Dieses Gericht war nicht gegen die Art des Neuen 
Testaments, wie jenesmal, da die J&uuml;nger Feuer vom Himmel fallen lassen 
wollten: Denn dort betraf es Unwissende, die erst noch eines Besseren berichtet 
werden konnten und sollten; hier aber waren es solche, die sehr vors&auml;tzlich 
und gegen ein starkes Licht selbiger Gnadentage s&uuml;ndigten. Ist es 
nur ein Verderben des Fleisches zum Seligwerden des Geistes auf den Tag 
des HErrn JEsu gewesen, so wird es dieser Tag klar machen. Den Schaden, 
welchen &Auml;rgernisse anrichten k&ouml;nnen, bringt GOtt durch Gerichte, 
und die darunter erweckte Furcht herein. Das Weib hatte nicht nur l&auml;ngere 
Zeit zum Nachdenken, sondern Petrus machte ihr auch durch eine noch bestimmtere 
Nachfrage viel n&auml;here Gelegenheit, in sich zu gehen, und GOtt die 
Ehre zu geben. Da sie aber noch frecher antwortete, so mu&szlig;te sie 
auch ihr Urteil viel empfindlicher anh&ouml;ren, und auch noch erfahren, 
was bereits &uuml;ber ihren Mann ergangen war. Deswegen auch die dadurch 
bewirkte Furcht noch nachdr&uuml;cklicher bewiesen wird. Wie denn auch 
anzumerken ist, da&szlig; hier der Name einer Gemeinde das erstemal gebraucht 
wird, nachdem nicht nur die Menge der Gl&auml;ubigen so weit angewachsen 
war, sondern auch durch dieses ansehnliche Gericht das Wandeln des HErrn 
unter ihnen zum heilsamen Andenken f&uuml;r Alle behauptet wurde. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 5,12-42</font></b></h4> 
 
<p><b>Weiteres Wachstum der Gemeinde setzt die Feinde der Wahrheit 
in neuen Eifer der zum Teil ausbricht, zum Teil durch eine bed&auml;chtliche 
Vorstellung noch auf eine Weile zur&uuml;ckgehalten wird.</b> 
 
<p>Das Gericht &uuml;ber Ananias und Saphira war ein &ouml;ffentliches 
Zeugnis, da&szlig; es dem HErrn nicht um einen gro&szlig;en, aber vermischten 
Haufen zu tun sei, sondern da&szlig; Er allem Gemenge, worunter der unreine 
Geist einen Vorteil ziehen k&ouml;nnte, ernstlich steure; deswegen hatte 
es auch anf&auml;nglich die Wirkung, da&szlig; es Niemand wagte, sich so 
mitanzuh&auml;ngen; sondern da&szlig; die Kraft des Geistes und der Wahrheit, 
die man in dem Gl&auml;ubigen sp&uuml;rte, Andere zur&uuml;ckhielt, sich 
nicht ohne Grund f&uuml;r etwas auszugeben. Nun ist freilich bei uns eines 
solchen im Anfang schon vorkommenden Gerichts leicht vergessen. Aber wir 
sollten auch dazu nehmen, wie wir dem Tag entgegenr&uuml;cken, daran der 
HErr seine Tenne fegen, und die Heuchler wegtreiben wird. An der weiteren 
Geschichte, die in diesem Kapitel beschrieben ist, hat man ein bedauerliches 
Bild von der Menschen ohnm&auml;chtigen Streiten wider GOtt, und eine tr&ouml;stliche 
Probe, wie GOtt seine Zeugen zum Halten &uuml;ber dem Wort des Lebens gest&auml;rkt 
hat. Von den Worten des ewigen Lebens aus JEsu Munde waren vorher ihre 
Herzen eingenommen; und darunter konnten sie nun auch, selbst mit Gefahr 
ihres Lebens, &uuml;ber dem Zeugnis derselben halten, und wu&szlig;ten, 
was sie auch Anderen zum Leben ihres Herzens austragen w&uuml;rden. Was 
sie damit weiter f&uuml;r ein Kreuz &uuml;bernehmen, war den Aposteln nicht 
verborgen. Aber die Worte des Lebens, und die Begierde, auch Anderen damit 
zum ewigen Leben behilflich zu sein, &uuml;berwogen Alles. Auch der Widerspruchs 
Partei trat GOtt gleichwohl mit vielen Erweisungen seines zur Rechten erh&ouml;hten 
Sohnes in den Weg, um sie zum Nachdenken zu bringen. Aber ehe sie eine 
h&ouml;here Hand erkennen wollten, versuchten sie vorher Alles; wie noch 
Mancher alle Macht und Witz anwendet, um die in seinem Gewissen gesch&auml;ftige 
Wahrheit GOttes durch Ungerechtigkeit abzutreiben; und wenn es ihm gelingt, 
so beredet er sich noch, er habe wohl daran getan, es sei nichts G&ouml;ttliches, 
sondern nur ein bl&ouml;des Gewissen darunter gewesen. Aber wer hei&szlig;t 
einen Alles so wider GOtt anwenden, bis man in verkehrten und zum Pr&uuml;fen 
untauglichen Sinn hingegeben wird, und in seinen Zweifeln sich zuletzt 
verf&auml;ngt, da&szlig; man gar nicht mehr wei&szlig;, woran man ist. 
Inzwischen zeigt sich das Reich dieser Welt bei seinem Widerstand gegen 
das Reich GOttes immer als von Eisen und Ton gemengt; von Ton: in seiner 
Furcht aus Empfindung seiner inneren Schw&auml;che; von Eisen: in seiner 
H&auml;rtigkeit, der Wahrheit nicht nachzugeben. Diese seine H&auml;rtigkeit 
zu besch&ouml;nen ergreift man nur etwas von der Wahrheit, die einem auf 
das Herz getrieben wird, wie die Beschuldigung: Dieses Menschen Blut wollt 
ihr &uuml;ber uns bringen. Von der - ihnen auch hier&uuml;ber angetragenen 
Vergebung gedenken sie nicht. So klagt man noch &uuml;ber manchen Vortrag, 
man verdamme darunter die Leute nur. Wie man aber den unter die S&uuml;nde 
Beschlossenen den Weg in das Erbarmen GOttes zeige, davon sagt man nicht. 
Man h&auml;lt sich es eben schon f&uuml;r schimpflich, die Gnade so vom 
Kreuz unseres HErrn JEsu Christi her zu leiten. Das Evangelium predigt 
uns &uuml;berall einen GOtt, der in das Mittel getreten, und gut gemacht 
hat, was wir verdorben haben. Auch das Mittel gebraucht GOtt gern an der 
Welt, da&szlig; Er sie durch Leute aus ihrer Mitte, wie durch Josef, durch 
Nikodemus, hier durch Gamaliel auf bessere Gedanken leiten will. Aber freilich 
hat Gamaliel nicht Alles dadurch verh&uuml;ten k&ouml;nnen. Das St&auml;upen 
und Bedrohen, schlechterdings nichts in dem Namen JEsu zu reden, war doch 
auch ein Streiten wider GOtt. Der Welt bleibt immer der Scheingrund: Ja 
die Leute haben uns nicht pariert. Sie sind selber Schuld daran, da&szlig; 
wir h&auml;rter mit ihnen verfahren m&uuml;ssen. Aber auf GOttes Werk und 
des Geistes Trieb darunter hat man eben gar nicht Acht</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 6,1-7</font></b></h4> 
 
<p><b>Eine entstandene Kirchennot in Besorgung der Armen gibt 
Gelegenheit, da&szlig; sieben M&auml;nnern diese Verwaltung zeitlicher 
Angelegenheiten aufgetragen, und also durch Glauben und Friede auch dieser 
anf&auml;ngliche Stein gehoben werde.</b> 
 
<p>Das Vielwerden der J&uuml;nger war an sich ein Segen, 
zugleich aber auch eine Gelegenheit, da&szlig; sich aus menschlicher Schwachheit, 
und des Teufels Neid etwas anh&auml;ngen konnte, das Versto&szlig; verursachte. 
Durch das Aufkommen einer solchen bitteren Wurzel k&ouml;nnen viele befleckt 
werden. &Uuml;ber dergleichen Ausbr&uuml;chen aber mu&szlig; sich kein 
Fauler in seinem Herzen segnen, und denken: Darum ist es besser, man treibe 
nicht so viel auf, als da&szlig; man hernach selbst seine liebe Not damit 
hat; wie den Faulen leicht solche Gedanken kommen <i>(Spr&uuml;che 
16:16)</i>. Das &Uuml;bersehen der Fremden, und das dar&uuml;ber entstandene 
Murren war freilich ein Bruch in das zuvor ger&uuml;hmte Ein Herz und eine 
Seele; doch hat man um deswillen das Eins sein und werden nicht aufgegeben. 
Schwierigkeiten und Hindernisse m&uuml;ssen nicht gleich von Erreichung 
eines guten Ziels abschrecken, sonst w&auml;re es ein Beweis, da&szlig; 
man mehr in Naturkraft als im Glauben angefangen h&auml;tte. Der Glaube 
versteht schon, da&szlig; sein Werk durch Not und Widerst&auml;nde aufkommen 
mu&szlig;. Noch mancher Versto&szlig; hat darin seinen Grund, da&szlig; 
man es nicht gleichm&uuml;tiger ansieht, in etwas zur&uuml;ckzustehen, 
oder sich anderer Liebe unw&uuml;rdig zu achten, mit Anderer Umst&auml;nden 
so viel Mitleiden zu haben, da&szlig; das, was vers&auml;umt worden war, 
nicht mit Vorbedacht, sondern mehr aus Schwachheit und Unverm&ouml;gen 
geschehen sei. Das Zusammenrufen und &Uuml;berlegen miteinander gibt ein 
schickliches und schleuniges Mittel ab, dem Murren zu steuern. Durch &Uuml;berh&auml;ufen, 
oder sich &uuml;berh&auml;ufen lassen mit allerlei Gesch&auml;ften kann 
man sehr vom Vornehmsten abgezogen werden. Da hat man zu beten um Augen, 
recht zu sehen, um ein Herz, das m&ouml;ge verstehen, was zwar scheint, 
doch sch&auml;dlich ist. Schreiben, - lesen - und etwa rechnen - k&ouml;nnen 
waren zu der Zeit noch nicht hinl&auml;ngliche Eigenschaften zu einem Almosen 
= oder Heiligenpfleger. Geistliche G&uuml;ter sollten auch geistlich verwaltet 
werden. GOtt wird die Rechnung dereinst abh&ouml;ren. Da denke man nach, 
warum auf Manchem so ein Unsegen, und auch in solchen Anstalten nichts 
Dauerhaftes anzurichten ist. Die Not und Notdurft in diesem St&uuml;ck 
ist noch sehr gro&szlig;. An gottgef&auml;lliger Besorgung der Armen, Kranken, 
Fremden, Proselyten geht gar viel ab. Das hat bis auf den Tag JEsu Christi 
hinaus gro&szlig;e Folgen. Unter solchen Anfechtungen mu&szlig; man freilich 
seine Zuflucht allermeist zum Gebet nehmen. Es geht auch bei der Arbeit 
an Wort und Lehre nicht so Alles am Schn&uuml;rlein; da hat man mit Gebet 
vor den Ri&szlig; zu treten. Das Wohlgefallen an dem apostolischen Vorschlag 
war schon wieder ein Schritt in die Einigkeit des Geistes zur&uuml;ck! 
Wie denn auch nachgehends die Nachricht: Das Wort GOttes nahm zu, oder 
wuchs, wieder als eine sch&ouml;ne unter den Dornen herausbrechende Rose 
anzusehen ist. Dank dem GOtt der Wahrheit, der seinen Aposteln, und auch 
ihren Nachfolgern im Geist, immer aus ihren N&ouml;ten geholfen, und damit 
sein Evangelium bew&auml;hrt hat! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 6,8-15</font></b></h4> 
 
<p><b>Anfang von der Geschichte Stephani, worin sich dieser 
hervorgetan, aber auch Anderer Ha&szlig; und Anklage zugezogen habe.</b> 
 
<p>Wie unter dem Leiden Christi selbst, so auch unter den 
nachmals seinen Zeugen aufgelegten Tr&uuml;bsalen hat sich die Welt in 
ihren T&uuml;cken auf alle Zeit hinein aufgedeckt. Durch die Geistes = 
und Glaubenskraft samt der darunter geschaffenen Frucht wird ihr Neid und 
Feindschaft allermeist gereizt; und wenn sie zu ihrer Besch&auml;mung erf&auml;hrt, 
da&szlig; sie dagegen nichts ausrichten kann, so macht sie L&uuml;gen zu 
ihrer Zuflucht; selbige aber zu schm&uuml;cken, ergreift sie etwas von 
der Wahrheit, die sie aber verdreht. Um g&ouml;ttliche Wahrheiten ist es 
etwas Geschmeidiges. Der blinde Eifer kann ihren Zeugen mit einer kleinen 
Ver&auml;nderung der Worte etwas L&auml;sterliches aufb&uuml;rden. Sonderlich 
hat die Anzeige k&uuml;nftiger Gerichte, und so zuletzt der Erscheinung 
unseres HErrn JEsu Christi und des Endes aller Dinge etwas, das leicht 
zu verdrehen, und womit viel Grimm aufzur&uuml;hren ist. Da&szlig; dabei 
Stephani ganz heitere Gestalt und gelassene Fassung bemerkt wird, gibt 
nicht nur einen Beweis, wie herrlich sich GOtt in seinen Knechten, sonderlich 
unter den Leiden durch den auf ihnen ruhenden Geist der Herrlichkeit beweisen 
k&ouml;nne, sondern es beleuchtet auch Vieles in seiner folgenden Rede, 
mit welcher engelischen Erhabenheit &uuml;ber das Irdische und alles Ansehen 
der Person, mit welchem Eifer f&uuml;r GOttes Ehre und Wahrheit, und mit 
welcher Sorge f&uuml;r der Menschen Heil, er unter Allem geredet und gehandelt 
habe. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 7,1-53</font></b></h4> 
 
<p><b>Stephanus verantwortet sich gegen die &uuml;ber ihn ausgebrachte 
Anklage, und richtet es so ein, da&szlig; nicht nur seine Unschuld erkannt, 
sondern, woran noch mehr gelegen war, das G&ouml;ttliche in der ganzen 
Haushaltung GOttes mit seinem Volk ihnen in das Licht gestellt, und gegen 
ihren Unglauben und Aberglauben gerettet wurde.</b> 
 
<p>Man darf nicht denken, als ob Stephanus sich hinter diese 
Weitl&auml;ufigkeit habe verstecken, und die gerade Antwort auf die ihm 
gemachten Beschuldigungen damit vermeiden wollen. Seine Art des Vortrags 
war recht aus dem Geist der Schriften, die nicht nur so ein paar S&auml;tze 
wie auf Lehrtafeln hingibt, sondern die gern einen vollst&auml;ndigen Anblick 
von den F&uuml;gungen GOttes gew&auml;hrt. Etwas aus der Schrift beweisen 
hei&szlig;t deswegen nicht einen oder den anderen Spruch f&uuml;r seine 
Meinung anziehen k&ouml;nnen, sondern den ganzen in der Schrift bezeugten 
Sinn GOttes zusammen nehmen, und daraus die Wahrheit dartun, wie sie immer 
gegen den Unglauben und Aberglauben zu streiten gehabt hat, und gegen beiden 
auch bestanden ist. Dadurch wird man nicht auf abgerissene Erkenntnisse 
gef&uuml;hrt, wobei es uns ungewi&szlig; w&auml;re, ob die Sache mehr nach 
menschlichem oder g&ouml;ttlichem Sinn gesch&auml;tzt w&uuml;rde; sondern 
da steht man unter GOttes Z&uuml;gen auf seinen von der Welt her gehaltenen 
Wegen. Hinter dem Begehren, da&szlig; man heutiges Tages Alles fein kurz 
und deutlich sagen soll, steckt oft viel Tr&auml;gheit zum Glauben. Man 
begehrt die Sache nicht mit dem Herzen zu fassen, man sucht vielmehr zu 
verh&uuml;ten, da&szlig; man nicht viel am Herzen angegriffen werde. Darum 
will man es so kurz und deutlich haben, damit man Alles in der Schnelle 
&uuml;bersehen k&ouml;nne. So fremd also die schriftm&auml;&szlig;ige Art 
dem eigenwilligen und von der Wahrheit abgeneigten Herzen ist, so lieb 
wird sie einem Herzen, das anf&auml;ngt Lust zur Wahrheit zu gewinnen, 
und das merkt, wie treulich GOtt mit uns handelt, da&szlig; Er uns Einerlei 
durch so vielf&auml;ltige Eindr&uuml;cke im Herzen befestigt. So ist jetzt 
an Stephani Rede das n&ouml;tige Einerlei, ihren jetzigen Unverstand und 
Unglauben gegen die Sache GOttes im Evangelio JEsu Christi zu besch&auml;men: 
Da nimmt er aber die mannigfaltigen, ihm zu seinem Vorhaben tauglichen 
Eindr&uuml;cke aus den gesamten vorigen Wegen der Wahrheit GOttes unter 
diesem Volk. Das Ablehnen ihrer Beschuldigungen bleibt um deswillen nicht 
zur&uuml;ck. Ihre Anklage betraf L&auml;sterreden wider GOtt, wider Moses, 
wider das Gesetz, wider diese St&auml;tte. Die Hauptsache in der Verantwortung 
war, GOttes Herrlichkeit zu bekennen <i>(V.2)</i>, 
Mosis g&ouml;ttlichen Beruf zu bezeugen <i>(V.34)</i>, 
das Ansehen des Gesetzes zu erkennen <i>(V. 
8, 38, 44)</i> und von des Tempels und dieser St&auml;tte Heiligkeit 
w&uuml;rdiglich zu reden <i>(V. 7, 45, 47)</i>. 
Weil aber dabei immer Aberglaube und Unglaube zu bek&auml;mpfen war, so 
wird beim Tempel und Gesetz gezeigt, wie das Gesetz &auml;lter als der 
Tempel, die Verhei&szlig;ung aber noch &auml;lter als das Gesetz sei, und 
wie also an der Religion das f&uuml;r das Wesentlichste zu achten sei, 
worunter eine heilsame Anlage zum Glauben an das Evangelium liegt. Ebenso 
wird auch aus h&auml;ufigen Erscheinungen GOttes an anderen Orten dargetan, 
wie die Heiligkeit der &Ouml;rter in GOttes freiem Gnadenwillen stehe, 
und er an nichts gebunden sei. Wie denn auch der Bund GOttes mit ihren 
V&auml;tern fortgew&auml;hrt habe, ungeachtet sie GOtt um ihrer Herzens 
= H&auml;rtigkeit willen jenseits Babyloniens habe wegwerfen, und ihre 
Stadt und Tempel zerst&ouml;ren lassen. Der Unglaube aber bekommt unter 
diesem Vortrag auch einen empfindlichen Stich nach dem anderen. Da n&auml;mlich 
aus der ganzen Geschichte ihres Volks gezeigt wird, wie ungl&auml;ubig 
und ungehorsam sie sich immer gegen GOtt und seine Werkzeuge bewiesen haben. 
Wie sie Moses zu seiner Zeit ebenso gefragt haben: Wer hat dich zum Richter 
gesetzt? als sie nun gegen den HErrn JEsu erkl&auml;ren: Wir wollen nicht, 
da&szlig; dieser &uuml;ber uns herrsche; wie mi&szlig;lich es sei, GOttes 
Sache, unter dem Vorwand, da&szlig; der menschliche Beruf dazu fehle, von 
sich zu sto&szlig;en; wie verd&auml;chtig es sei, wenn man alles so am 
Schn&uuml;rlein haben, und den Kreuzeswegen so ausweichen wolle, ohne zu 
bedenken, wie die gr&ouml;&szlig;ten Werke GOttes unter den widrig erscheinenden 
Umst&auml;nden erwachsen seien; wie bald es geschehen sei, da&szlig; man 
wie jener Israelit gegen Mose, etwas rede und tue, das doch dem allgemeinen 
Besten, welches GOtt vorhabe, zuwider laufe, in welcher Versuchung sich 
wirklich diese Ratsherren befanden. Wie ohne Grund man mit Mosis Ansehen 
wider Christum streite, da doch Moses selber auf einen anderen Propheten 
gewiesen habe, den man h&ouml;ren solle usw.. Wie GOtt die von Pharao mit 
den Kindern Israel getriebene Hinterlist durch die wunderbare Art, nach 
welcher der nachmalige Erl&ouml;ser Israels durch seine eigene Tochter 
gerettet und auferzogen wurde, so ansehnlich auf seinen Kopf zur&uuml;ckgebracht 
habe. Wie GOtt aber selbst auch an Mose den - im Vertrauen auf seinen Beruf 
gemachten Anfang um des dabei unterlaufenen Fehlers willen, in die Zucht 
und Verbesserung genommen, und ihm in einer vierzigj&auml;hrigen Fremdlingsschaft 
in Midian Zeit gelassen habe, gebeugter und m&auml;&szlig;iger zu werden. 
Wie Moses bei dem Blick der guten Hoffnung und Meinung seine Br&uuml;der 
sollten es merken, so fertig gewesen w&auml;re, aber in Aufschub gef&uuml;hrt 
worden ist; und da es zum eigentlichen Ernst kam, so gern zur&uuml;ck geblieben 
w&auml;re, aber GOttes Ruf folgen mu&szlig;te. Durch den gesamten Vortrag 
von solcher Art begehrt uns der Geist Christi nichts zu verstecken; nur 
aber uns in das Suchen zu treiben. Man denke nach, mit welchem Sinn der 
damals junge Saulus diese Rede Stephani wird mit angeh&ouml;rt haben, und 
vergleiche, was er, als nachmaliger Apostel Paulus f&uuml;r eine &auml;hnliche 
Ausf&uuml;hrung vorgetragen hat <i>(Apg. 
13)</i>. Da&szlig; Stephanus gegen das Ende hin in einen so besonderen 
Eifer geraten ist, ist unfehlbar aus einer besonderen Anregung des Geistes, 
der die Welt straft, geschehen und ist doch nicht sch&auml;rfer, als ihnen 
Moses schon hinterlassen hatte <i>(5.Mose 
31:26-27, 32:5-6, 28)</i>, da&szlig; er also wohl mit den Worten unseres 
Heilandes sagen konnte: Moses verklagt euch, auf welchen ihr hofft <i>(Joh. 
5:45)</i>. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 7,54-59</font></b></h4> 
 
<p><b>Wie Stephanus gegen den ausbrechenden Grimm seiner Feinde 
von oben gest&auml;rkt worden, und unter den Steinen mit betendem Glauben 
und Vers&ouml;hnlichkeit eingeschlafen.</b> 
 
<p>Unter so Vielen, die GOtt auch mit ihrem Tode zu preisen, 
und die Lehre Christi mit ihrem Blut zu versiegeln gew&uuml;rdigt wurden, 
ist Stephanus der Einzige, dessen Geschichte und letzte Reden uns in der 
Heiligen Schrift aufbehalten worden sind. Denn auch hierin sollten wir 
nicht &uuml;berh&auml;uft werden, um desto gewisser den Anf&auml;nger und 
Vollender des Glaubens zum Hauptaugenmerk zu behalten, und vom Aufsehen 
auf Ihn nicht verr&uuml;ckt zu werden. Wie denn auch diese Leidens = und 
Sterbens = Geschichte Stephani gar genau in die Gemeinschaft seiner Leiden 
und in die &Auml;hnlichkeit seines Todes hineinweist. Denn die - durch 
den Einblick in den offenen Himmel erhaltene St&auml;rkung hat viel &Auml;hnliches 
mit dem, was dem HErrn JEsu widerfahren, da Er gesprochen: Nun ist des 
Menschen Sohn verkl&auml;rt, und GOtt ist verkl&auml;rt in Ihm. Die &uuml;brigen 
Worte Stephani aber sind ganz eigentlich aus JEsu letzten Reden am Kreuz 
genommen, nur in der umgewandten Ordnung. Das was JEsu erstes Wort am Kreuz 
war, lie&szlig; Stephanus zuletzt h&ouml;ren. Und womit der HErr JEsus 
beschlo&szlig;, damit fing Stephanus an. Wenn meine Stund kommt, so nimm, 
HErr JEsu, auch meinen Geist auf! Amen! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 8,1-4</font></b></h4> 
 
<p><b>Stephani Tod, der ihm selber ein Gewinn und seliger Wechsel 
war, hatte zwar Anfangs f&uuml;r die &uuml;brige Gemeinde traurige Folgen, 
die aber im Fortgang zur Ausbreitung des Evangeliums gesegnet waren.</b> 
 
<p>Da&szlig; man Wohlgefallen an Jemands Tod h&auml;tte, 
kommt sonst bei dem &auml;rgsten Misset&auml;ter nicht leicht vor. Aber 
aus der Einbildung, man tue GOtt einen Dienst daran, flie&szlig;t diese 
ungew&ouml;hnliche H&auml;rte. Unter JEsu Leiden wird dieser Umstand auch 
besonders angezeigt: Sie sehen ihre Lust an mir. Wie empfindlich es aber 
nachmals Paulus in seinem Gewissen aufgewacht, ist aus dem dem&uuml;tigen 
Bekenntnis abzunehmen, welches er davon <i>Apg. 
22:20</i> ablegt. Bis dahin hie&szlig; es mehrmals: Es kam alle Seelen 
eine Furcht an <i>(Kap. 2:43)</i>; sie 
hatten Gnade bei dem ganzen Volk <i>(V.47)</i>; 
das Volk hielt gro&szlig; von ihnen <i>(Kap. 
5:13)</i>; die Obersten legten nicht alle Gewalt an aus Furcht vor dem 
Volk <i>(V.26)</i>. Aber mit dem Grimm 
&uuml;ber Stephanus brachen sie durch diese - sie vorher noch zur&uuml;ckhaltende 
Scheu durch. Darum ging es von dieser Zeit an anders, wie es so oft ist, 
wenn einmal der Damm durchgebrochen ist. <i>Anf&auml;nglich</i> 
machten sie sich an die <i>Apostel</i>, 
und meinten, ihnen den Mund zu stopfen. Da sie aber dem Geist in diesen 
nicht widerstehen konnten, so versuchen sie es nun <i>unter 
dem Volk</i>. Viele Glieder der Gemeinde mochten ohnehin nicht in Jerusalem 
eingeboren und b&uuml;rgerlich wohnhaft sein, sondern nur um der Gnade 
jener Zeit willen dahin gezogen sein, wie aus <i>Apg 
2:5</i> abzunehmen ist. Desto scheinbarer konnte man sie nun austreiben. 
Die Apostel aber mu&szlig;ten als Denks&auml;ulen da stehen bleiben, und 
behaupten, da&szlig; der HErr JEsus nicht von diesem Grund und Boden vertrieben 
sei. Wie zuletzt auch die zwei Zeugen, in der Stadt, da ihr HErr gekreuzigt 
ist, so dastehen werden. Sie blieben aber nicht lange ohne einen neuen 
Samen und Gemeinde, wie die nachfolgende Geschichte lehrt. - Der &uuml;ber 
alle Welt sieghafte Glaubensmut in denen, welche <i>Stephani 
Begr&auml;bnis besorgten</i>, war wieder ein Zeichen, was GOtt zur Rettung 
der Ehre des Namens JEsu und seiner Bekenner zu tun verm&ouml;gend sei. 
Saulus lie&szlig; es nicht bei dem, was im ersten Anlauf geschah, sondern 
setzte die Verfolgung durch Haussuchung fort, weil er meinte, er m&uuml;&szlig;te 
gar viel dem Namen des HErrn JEsu zuwider tun. Wie brauchte aber GOtt diese 
Zerstreuten anderw&auml;rts zu einem n&uuml;tzlichen Salz der Erde und 
Licht der Welt! Wie oft hat schon der Wind der Verfolgung auch zur Ausbreitung 
des Feuers geholfen, das der HErr JEsus anzuz&uuml;nden gekommen war! Wie 
oft stecken die Botschafter an Christi Statt unter der Decke eines verfolgten 
Fl&uuml;chtlings verborgen! Wie f&uuml;hrt auch der - zur Rechten GOttes 
erh&ouml;hte Heiland und HErr noch so heimlich seine Gewalt; wie geht sein 
Evangelium durch die Welt noch in einer armen Gestalt, den Teufel zu fangen, 
der das Geheimnis des Kreuzes am wenigsten versteht, und daher unter unansehnlichen 
Umst&auml;nden am leichtesten besiegt wird! Je geschmeidiger sich einer 
unter die Kreuzes = Niedrigkeiten hingibt, je weniger kommt er dem Satan 
in das Sieb, je fruchtbarer kann er GOtt auf die Ewigkeit dienen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 8,5-24</font></b></h4> 
 
<p><b>Nachricht von dem Segen des Evangeliums bei den Samaritern, 
und wie die Rechtschaffenen durch der Apostel Handauflegung gest&auml;rkt, 
der unlautere Simon aber besch&auml;mt und bez&auml;hmt worden sei.</b> 
 
<p>Philippus wird oben Kap. 6, 5 n&auml;chst nach Stephanus 
gemeldet, als ein treuer Amtsgehilfe von ihm, und tut sich nun auch, nach 
dessen Tod, bei unterschiedlichen Gelegenheiten redlich hervor. Sie predigten 
das Wort, hie&szlig; es n&auml;chst zuvor; und nun: Er predigte ihnen Christum, 
als den Kern und Stern alles geschriebenen und verk&uuml;ndigten Worts. 
Unter der - vom Volk ger&uuml;hmten Aufmerksamkeit werden teils Z&uuml;ge 
GOttes zu seinem Sohn, worunter ihnen ein solches Aufmerken geschenkt wurde, 
teils aber ihre erste Treue dagegen ausgedr&uuml;ckt. O wer sich nur einmal 
in das Aufmerken und Nachdenken bringen l&auml;&szlig;t! Freilich kann 
unter solchen <i>ersten Bewegungen</i> 
auch noch etwas Unlauteres sein; wie manche von jenen auf die Zeichen, 
so kann man heutiges Tages anfangs auf andere Gaben, Lebhaftigkeit des 
Vortrags, oder so etwas hineinfallen. Aber wenn es nur im Verborgenen Lust 
zur Wahrheit zum Grund hat, so wei&szlig; es GOtt schon zu reinigen. Weltm&auml;&szlig;igen 
Sp&ouml;ttern mu&szlig; man es nicht gut hei&szlig;en, wenn sie, um solcher 
anklebenden Schwachheit willen, GOttes Werk bei einer solchen Erweckung 
ganz wegsch&auml;tzen wollen. Bei der entstandenen weiteren <i>Freude</i> 
r&uuml;ckt es schon v&ouml;lliger in die Kraft des Glaubens hinein. - Doch 
gibt es &uuml;ber dem <i>Simon</i> schon 
wieder ein <i>aber</i>, wie es nirgends 
daran fehlt. Diese aber m&uuml;ssen uns nur nicht erschrecken; sie k&ouml;nnen 
&uuml;berwunden werden, wie Simon aus dem Weg getan worden ist. Simon war 
weder der Erste, noch der Letzte von der Art, die man heutiges Tages Originalien 
hei&szlig;t, auf welche Andere sehen, denen man alles nachschw&auml;tzt 
und nachschreibt. Die k&ouml;nnen freilich viel Unglauben, viel dem Wort 
GOttes zuwiderlaufenden Geschmack unter ein ganzes Volk und Geschlecht 
ihrer Zeit ausbringen. Es ist bald kein Ort, wo nicht so ein H&ouml;llenriegel 
f&uuml;r das Reich GOttes sitzt, auf den Andere um seines Reichtums, Verstandes 
oder Geschw&auml;tzes willen sehen, wie wenn sie von ihm bezaubert w&auml;ren. 
Simon erkannte unter Philippi Wundern eine Kraft GOttes, die &uuml;ber 
seine Zauberkr&auml;fte ging, und fing also an, in seinen Banden zu zappeln, 
und sich einigerma&szlig;en zu ergeben. Der Glaube aber war bei ihm mehr 
abgen&ouml;tigt durch die Macht der Zeichen, als im Herzen gezeugt durch 
freiwillige Neigung zur Lehre. Bei seinem Halten zu Philippo hatte er vermutlich 
die Absicht, weiter hinter die Sache zu kommen, wie es mit dem Wirken solcher 
Kr&auml;fte zuginge. Es war freilich kein geringes Leiden, von einem solchen 
falschen Geist hintergangen zu werden. Aber, O GOtt, Du sch&auml;mst Dich 
doch Deiner Knechte nicht, wenn sie schon ihren Schatz in solchen irdenen 
Gef&auml;&szlig;en tragen. La&szlig; uns doch die Frucht aller Dem&uuml;tigung 
in desto gewurzeltere Geduld davon tragen! - Die unterschiedlichen Austeilungen 
des Heiligen Geistes nach welchen es geschehen konnte, da&szlig; die auf 
den Namen des HErrn JEsu Getauften, den Heiligen Geist erst auf der Apostel 
Gebet und Handauflegen empfingen, verstehen wir freilich noch nicht genau. 
Doch kann man eine Abbildung hiervon an dem Zustand der J&uuml;nger, w&auml;hrend 
ihrer Lehrjahre bei Christo nehmen, und an der F&ouml;rderung, die ihnen 
durch die Pfingstgabe widerfahren. Unter dem ersten Zustande genossen sie 
ja doch auch viel wahre Gnade, kr&auml;ftige Z&uuml;ge GOttes, wirkliche 
Triebe des Geistes GOttes. Aber viel F&ouml;rderung kam von Pfingsten an 
dazu. - Die Lust bei Simon, nun auch unter den Christen einen gro&szlig;en 
Mann vorzustellen, war ein Beweis von einem sehr unrichtigen Herzenszustand, 
wobei man geistliche Dinge und zeitliche Absichten in ein leidiges Gemenge 
mit einander zu bringen, das Schalksauge hatte. Dem von dem Einschleichen 
Simons leicht entstehenden &Auml;rgernis desto kr&auml;ftiger vorzubeugen, 
hat Petrus einen solchen gewaltigen Bannstrahl gebraucht, den man sich 
auch heute noch von Allem sollte abschrecken lassen, was von diesem Simon 
ber&uuml;hrt, und den Namen hat. Da er ihm aber doch den Weg der Bu&szlig;e 
und des Gebets offen l&auml;&szlig;t, so sieht man wohl, da&szlig; er dabei 
der Worte Christi nicht vergessen: Ich bin nicht gekommen, der Menschen 
Seele zu verderben, sondern zu erhalten. Man mag noch so geschwind in R&auml;nken 
sein, und es bei Menschen hinaustreiben, so lang man will, so hat dasjenige 
eben nicht Bestand, was nicht richtig ist vor GOtt. Wo man gezwungen der 
Kraft der Wahrheit nachgibt, und doch eine bittere Wurzel der Eifersucht 
dagegen im Herzen beh&auml;lt, da kann es so bittere Galle und ein Band 
der Ungerechtigkeit abgeben. Auch unter der Art, wie Simon sich mehr auf 
der Apostel F&uuml;rbitte hinlehnen will, als selber Zugang zum Gnadenthron 
zu suchen, sp&uuml;rt man die Wirkung seines unrichtigen Herzens. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 8,25-40</font></b></h4> 
 
<p><b>Wie die durch Simon den Zauberer veranla&szlig;ten Amtsleiden 
den Aposteln und besonders auch dem Philippus durch anderw&auml;rtige gesegnete 
Arbeit, und gr&uuml;ndliche Bekehrung eines K&auml;mmerers aus Mohrenland 
vers&uuml;&szlig;t und ersetzt worden seien.</b> 
 
<p>Von einer solchen Kirchennot, dergleichen Simon angerichtet, 
geht die heilige Geschichte gern &uuml;ber auf einen anderen Ruhm der anderw&auml;rts 
sich offenbarenden Gnade. Die Engel, wie sie &uuml;berhaupt zum Dienst 
derer, die die Seligkeit ererben sollen, bestellt sind, tun auch hin und 
wieder zur Verk&uuml;ndigung des Evangeliums manchen Vorschub. An dem K&auml;mmerer 
zeigt sich eine gesegnete und wohl belohnte Treue im Kleinen. Denn, da&szlig; 
er seine wenige Erkenntnis vom GOtt Israels doch so wohl angewendet, da&szlig; 
er zum Anbeten diesen weiten Weg zieht, und dann auch seine Zeit auf der 
Reise so treulich auskauft, war ein wirklicher Erweis, da&szlig; etwas 
aus der Wahrheit an ihm war. Wem es nur um Wahrheit zu tun ist, und wer 
sich damit der Lust zur Eitelkeit, worin Alles neben ihm versunken ist, 
entrei&szlig;t, der kommt so an das Licht, wie dem K&auml;mmerer widerfahren. 
Zu dem Wink von Au&szlig;en durch den Engel bekam Philippus auch eine Anregung 
des Geistes im Innern, und wurde also von allen Seiten der ihm hiermit 
angewiesenen Arbeit versichert. - Unter der Ansprache: <i>Verstehst 
du auch, was du liest?</i> Nahm sich Philippus eine gewisse Macht &uuml;ber 
des K&auml;mmerers Herz heraus, wie man denn ohne einen solchen freim&uuml;tigen 
Angriff durch &auml;u&szlig;erliche R&uuml;cksicht befangen und gehemmt 
bleibt, und keinen ernstlichen Zug tun kann. Wie der K&auml;mmerer durch 
redliches Eingestehen seines Unverm&ouml;gens dem Philippus n&auml;here 
Gelegenheit macht, so k&ouml;nnte Mancher durch andere &Auml;u&szlig;erungen 
seines Anstands, den es bei ihm hat, eines Anderen Arbeit an seinem Herzen 
merklich erleichtern. Es hat seine gute Ursache, warum die Schrift so gefa&szlig;t 
ist, da&szlig; immer eine Handleitung von Au&szlig;en zu ihrem Verstand 
und Gebrauch wohl tut. - Die Schriftstelle, die der K&auml;mmerer vor sich 
hatte, enthielt ein kurzes und doch vollst&auml;ndiges Zeugnis von dem 
Lauf Christi durch Leiden zur Herrlichkeit, und fa&szlig;te seinen Ausgang 
vom Vater, Lauf durch die Welt und Hingang zum Vater nahe zusammen. Um 
so reichere Gelegenheit hatte Philippus, von dieser Stelle anzufangen, 
und daneben alles N&ouml;tige beizubringen. Unter dem Geh&ouml;r dieses 
Worts ist ein sch&ouml;ner Glaubensanfang in des K&auml;mmerers Herz aufgegangen, 
da&szlig; er sich mit gro&szlig;er Heilsbegierde zur Taufe auf Christum 
anbot. - Der Vorgang mit Simon machte den Philippus zwar bed&auml;chtlich, 
da&szlig; er nach dem Glauben von ganzem Herzen fragte, aber doch nicht 
mi&szlig;trauisch. Auf sein sch&ouml;nes Glaubensbekenntnis, da&szlig; 
JEsus Christus GOttes Sohn sei, empfing der K&auml;mmerer die Taufe, und 
wurde damit in die Gemeinschaft des Lebens und Todes, der Leiden und der 
Herrlichkeit JEsu gepflanzt, darin er dann fortwachsen konnte, ohne Gefahr 
zur&uuml;ckzubleiben. Wie er denn auch bei der baldigen Entr&uuml;ckung 
seines F&uuml;hrers doch seine Stra&szlig;e fr&ouml;hlich zog; Philippus 
aber weiter sein Wesen zu C&auml;sarea haben sollte, wo er das Evangelium 
zu f&ouml;rdern, und den Heiligen, die dort h&auml;ufig durchzogen, zu 
dienen reiche Gelegenheit hatte. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 9,1-9</font></b></h4> 
 
<p><b>Dem schnaubenden Saulus widerf&auml;hrt auf dem Weg nach 
Damaskus eine himmlische Erscheinung, worin ihn der HErr JEsus selbst zum 
Gehorsam der Wahrheit, und Ablegung seines bitteren Eifers wider Ihn nachdr&uuml;cklich 
auffordert.</b> 
 
<p>Paulus erkl&auml;rt selbst nachmals seine Bekehrung und 
Begnadigung f&uuml;r ein - an dem gr&ouml;&szlig;ten S&uuml;nder erwiesenes 
Exempel der Geduld GOttes, der ihn mitten unter seinem Schnauben zu Boden 
geworfen. Das Gewissen ist sonst noch das Beste und Brauchbarste am Menschen, 
daher macht es bei der Erkenntnis unserer selbst einen bedenklichen Umstand 
aus, da&szlig; auch dieses - durch Unwissenheit und Unreinigkeit zu solchen 
mi&szlig;lichen Schritten veranlassen kann, wenn es nicht durch GOttes 
Wahrheit gereinigt, und durch das Wort GOttes in Schranken gehalten wird. 
- Durch Briefe, und durch die dadurch auch in die Ferne m&ouml;glich gemachte 
Handreichung untereinander, hat das Reich GOttes schon manche gesegnete 
F&ouml;rderung erlangt. Aber der Teufel hat auch den Vorteil ersehen, auf 
dem n&auml;mlichen Weg auch seinen Samen und Geist auszubringen. - Der 
Anfang, wie dem schnaubenden Saulus sein Weg mit Dornen vermacht, und er 
einen anderen Weg unterwiesen wurde, f&uuml;hrte freilich viel Au&szlig;erordentliches 
mit sich. Nicht nur, weil es zur Unterbrechung eines solchen Laufs n&ouml;tig 
war, sondern auch weil dieses Exempel gleich damals und auf alle Zeiten 
hinein einen gro&szlig;en Beweis f&uuml;r die Wahrheit der christlichen 
Religion abgeben sollte. Wie es denn auch in dieser Absicht mehrmals in 
der Heiligen Schrift umst&auml;ndlich erz&auml;hlt wird, und Paulus selbst 
in seinen Briefen sich oft darauf bezieht. Gleichwohl hat GOtt durch den 
Unterricht des Ananias bald wieder in die gew&ouml;hnlichen Wege eingelenkt. 
Doch sieht der Apostel ohne Zweifel mit dem - von seiner Bekehrung mehrmals 
gebrauchten Ausdruck, da&szlig; <i>er ergriffen 
worden sei</i>, auf dieses ihn pl&ouml;tzlich umleuchtende Licht. Der 
durchdringende Schrecken, den es verursachte, hat in der K&uuml;rze auch 
diejenigen Erfahrungen erstatten m&uuml;ssen, welche die &uuml;brigen Apostel 
von dem etlich = j&auml;hrigen Beharren bei JEsu in seinen Anfechtungen 
erlangten. - So s&uuml;&szlig; sonst der Name JEsus ist, und besonders 
aus seinem eigenen Mund zu h&ouml;ren w&auml;re, so einen empfindlichen 
Stachel f&uuml;hret doch der Zusatz bei sich: den du verfolgst. Mit all 
der au&szlig;erordentlich stark wirkenden Gnade wird ihm doch kein ganz 
unwiderstehlicher Zwang angelegt, sondern noch die Wahl gelassen, ob er 
im Verfolgen fortfahren wollte, nur angedeutet, da&szlig; ihm das schwer 
werden w&uuml;rde. Saulus hat vermutlich auf der Stelle eine v&ouml;llige 
Unterweisung was er zu tun habe sich ausgebeten. Aber er mu&szlig;te sich 
mit dem, was zun&auml;chst zu tun, begn&uuml;gen lassen. Es half ihm auch 
schon aus der Ungewi&szlig;heit, ob er vor sich oder hinter sich sollte. 
Die weitere Einleitung aber hatte er durch den nachmaligen Dienst des Ananias 
zu gewarten. Seinen apostolischen Staat und Ausr&uuml;stung zu seinem Amt 
empfing Paulus nachmals von dem HErrn selbst, ohne menschlichen Unterricht. 
Aber ein Christ sollte er auf dem gemeinen Weg durch Anderer Dienst werden. 
- Die drei Tage, die er ohne aufzusehen, und ohne Essen und Trinken zubrachte, 
waren eine gesegnete Zeit zum Sammeln in seinem Innern. Was nimmt man sich 
oft zu einer Kur, zu einem Besuch seiner Anverwandten f&uuml;r Tage und 
Wochen mit Beiseitsetzung seines Amtes und seiner Haushaltung heraus; wer 
hat auch einmal drei Tage auf seines Sinnes gr&uuml;ndliche Untersuchung 
und &Auml;nderung verwendet? 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 9,10-22</font></b></h4> 
 
<p><b>Wie Ananias berufen worden, dem Willen GOttes an der Bekehrung 
Pauli zu dienen, Paulus selber durch eine damit &uuml;bereinstimmende Erscheinung 
bereitet, und damit zum Glauben, ja zum baldigen kr&auml;ftigen Zeugnis 
von Christo gebracht worden ist.</b> 
 
<p>In der Anzeige: <i>siehe, 
er betet</i>, fa&szlig;t der HErr alle mit dem Saulo inzwischen vorgegangene 
Ver&auml;nderung kurz zusammen. Man kann auch wirklich den ganzen Weg der 
Bekehrung nicht k&uuml;rzer und vollst&auml;ndiger beschreiben, als so: 
siehe, er betet. Denn darin flie&szlig;t es zusammen, da&szlig; die Bekehrung 
zwar GOttes Werk ist, aber doch mit eines Jeden guten Willen geschehen 
mu&szlig;. Im <i>Gebet</i> ergreift man 
den guten Willen GOttes, von dem man zuvor ergriffen worden ist, und h&auml;ngt 
sich an die m&auml;chtigen Z&uuml;ge GOttes an. Im Gebet gibt aber auch 
der Mensch seinen Willen her. Und darunter geht nicht nur Abbitte und Gesuch 
der Vergebungsgnade vor, sondern es entz&uuml;ndet sich der ganze Ernst, 
den man auf GOtt und seine Wahrheit fa&szlig;t, und worunter man alle weitere 
Gewi&szlig;heit, &Uuml;berzeugung und Leitung von Schritt zu Schritt erlangt. 
Diesen niedrigen Weg, sich unter Gebet zu bekehren, schlagen Viele aus, 
m&ouml;chten lieber schnell durch unhintertreibliche &Uuml;berzeugungen 
Alles in das Licht gesetzt haben. Aber bei von Schritt zu Schritt bewiesenem 
Gehorsam gegen GOttes Z&uuml;ge im Gebet anhalten, ist der richtige Weg, 
wovon es schon <i>Jer. 31:9</i> hei&szlig;t: 
Sie werden weinend kommen und betend, so will ich sie leiten. Und <i>Sach. 
12:10</i> wird auch der Geist der Gnaden und des Gebets so gesch&auml;ftig 
zu Israels Bekehrung beschrieben. - Hier half GOtt dem Glauben und der 
Gewi&szlig;heit durch zusammentreffende Erscheinungen auf. Und so haben 
bei GOtt suchenden Herzen ihre zusammentreffenden Erfahrungen noch gleiche 
Kraft. Gegen den Ruf GOttes l&ouml;st sich leicht noch so ein Aber auf, 
wie bei Ananias; doch wenn es nur nicht die Absicht hat, den Gehorsam zu 
versagen, sondern nur n&auml;heren Unterricht zu suchen, so kann es schon 
noch einen guten Gang geben. <i>Welche Ver&auml;nderung!</i> 
Von einem, der meinte, er m&uuml;sse nur viel dem Namen JEsu zuwider tun, 
ein R&uuml;stzeug werden, diesen Namen mit vollem Segen des Evangeliums 
vorzutragen. HErr JEsu! Dein Name werde auch kund durch meinen geringen 
Dienst verherrlicht, wo ich auch nur vor eines Kindes Herz w&uuml;rdiglich 
tragen kann! - Da&szlig;, und was er um des Namens Christi willen zu leiden 
bekommen werde, das wird nicht Paulo, sondern dem Ananias zuvor angedeutet, 
als er es dem Paulus zum Nachteil anzog, wie dieser bisher die Heiligen 
des HErrn verfolgt habe. Dagegen nimmt es nun der HErr auf sich: <i>Ich 
will ihm zeigen</i>. Wir m&ouml;chten oft gern einander Manches zeigen 
und zur Last legen. Aber das steht uns nicht an. Dem HErrn kommt es zu: 
Ich will ihm zeigen. Paulus hat nachmals das Geheimnis wohl verstehen gelernt, 
warum er als ein vormaliger Verfolger, so ein gro&szlig;es Ma&szlig; der 
Leiden zugeteilt erhalten hat <i>(Kol. 1:24)</i>. 
In dem Gericht das der HErr noch bis zum Sieg ausf&uuml;hrt, kommen die 
Leiden der Gl&auml;ubigen in besondere Betrachtung. Weil der Feind immer 
die Anklage treibt: Sie suchen nur das Ihre, so mu&szlig; er unter den 
Leiden der Gl&auml;ubigen &uuml;berwunden und &uuml;berzeugt werden, da&szlig; 
sie ihr Leben nicht geliebt haben bis in den Tod. Daher tragen oft auch 
die Leiden eines einzigen Gliedes viel aus f&uuml;r den ganzen Leib Christi, 
nicht nur in der Welt, die Wahrheit des Evangeliums zu best&auml;tigen, 
sondern auch im Unsichtbaren, die Anklage des Feindes abzutreiben. - Doch 
behielt Ananias das Meiste, was ihm wegen Paulus kund wurde, f&uuml;r diesmal 
noch zur&uuml;ck, und betrieb nur das N&ouml;tigste, da&szlig; er mit dem 
Heiligen Geist erf&uuml;llt w&uuml;rde, zur Versiegelung dessen, was durch 
die Erscheinung auf dem Weg angefangen war. Alles Weitere ging schnell, 
ohne Besprechen mit Fleisch und Blut, vor sich. Aber seine jetzige Freudigkeit 
im Predigen von Christo unterschied sich weit von seinem vormaligen Schnauben 
im Verfolgen; hier war trunkener Eifer mit Ungest&uuml;m; dort aber &uuml;berzeugende 
und sich am Gewissen wohl beweisende Kraft. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 9,23-31</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Anfang, worin Paulus gezeigt worden ist, was er um 
des Namens Christi willen zu leiden habe.</b> 
 
<p>Wenn wir die - von Lukas ins Kurze gefa&szlig;te Geschichte 
aus Pauli eigener Erz&auml;hlung erg&auml;nzen <i>(Gal. 
1:17 -18)</i>, so hat man sich die ganze Sache so vorzustellen. Zwischen 
Pauli Bekehrung und seiner ersten Reise nach Jerusalem sind drei Jahre 
verflossen. Diese hat er anf&auml;nglich in Damaskus, und dann gr&ouml;&szlig;tenteils 
in Arabien, zuletzt aber wieder in Damaskus zugebracht. Die hier gemeldete 
Verfolgung ist ihm vermutlich erst bei seinem letzten Aufenthalt zu Damaskus 
begegnet, und er ist von dort an gerade nach Jerusalem gezogen, in der 
guten Hoffnung, sie w&uuml;rden daselbst sein Zeugnis annehmen <i>(Apg. 
22, 19 ff.)</i>. Mithin w&auml;re zwischen diese Zeit sein bedenklicher 
Aufenthalt in Arabien einzur&uuml;cken, von dem die Schrift zwar am wenigsten 
meldet, der aber doch wichtige Schuljahre Pauli ausmacht, in welche Manches 
von denjenigen Erfahrungen gefallen ist, die er je und je in seinen Briefen 
blicken l&auml;&szlig;t. - Zur Erhaltung Pauli brauchte der W&auml;chter 
Israels mehrmals auch die Entdeckung heimlicher Anschl&auml;ge. Um so weniger 
durfte man Anstand nehmen, auch zu seiner Flucht das Mittel des Herniederlassens 
im Korbe zu gebrauchen. Das v&ouml;llig leidsame Verhalten und Abstehen 
von allen Mitteln kann oft vor Menschen einen gr&ouml;&szlig;eren Schein 
des Glaubens und der Geduld haben. Aber ein Anderer kann das Ergreifen 
eines tauglichen Mittels eben so wohl mit Glauben und Gebet heiligen. Vermutlich 
w&auml;re es Manchem zu Damaskus leichter angekommen, blo&szlig; GOttes 
Hilfe an Paulus abzuwarten, als seine Hand auch an diesen Korb zu legen. 
Inzwischen hat doch GOtt dieses Mittel gesegnet, und Jedem wird auch die 
Angst, das Mitleiden und Gebet, worunter er zur Ergreifung dieses Mittels 
geschritten, wohl gekommen sein. Nur &uuml;berall <i>ungef&auml;rbter 
Glaube!</i> Nur seinem Glauben, um der Menschen willen, nicht ein F&uuml;nklein 
mehr Freudigkeit oder Verleugnungskraft angestrichen, als sich wirklich 
findet! - Bei <i>Paulus</i> war es <i>Bescheidenheit</i>, 
da&szlig; er sich zu Jerusalem <i>nicht 
gerade zu den Aposteln</i>, sondern nur zu den J&uuml;ngern zu machen 
suchte. Nachgehends aber diente ihm dieser geringscheinende Umstand zur 
Verteidigung, da&szlig; er sein Evangelium nicht bei den Aposteln erlernt 
habe. Da&szlig; ihm die J&uuml;nger aber anfangs nicht trauten, geh&ouml;rte 
freilich auch unter Pauli Leiden. Gut, wenn am Ende immer mehr an einem 
erfunden wird, als man einem zugetraut hat. Barnabas aber legte durch sein 
baldiges gutes Vertrauen einen Grund zu ihrer beiden k&uuml;nftigen gesegneten 
Gemeinschaft. Nach dem ersten Kampf aber gab es doch nicht nur eine anf&auml;ngliche 
Freude &uuml;ber dieses gesunde Schaf, sondern eine dauerhafte Freude auch 
&uuml;ber die - nachmals an ihm kundgewordene Gnade und Apostelamt. Bekanntschaft, 
die vorher durch keine sonderliche Probe gelaufen, tut hintennach oft nicht 
so lange gut. - Die der Gemeinde auf einige Zeit verg&ouml;nnte Erholung 
wurde wohl angelegt. Da&szlig; Friede von Au&szlig;en, und der Trost des 
Heiligen Geistes von Innen, Freiheit von der Furcht vor den Feinden, und 
reine Furcht des HErrn wohl neben einander her liefen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 9,32-43</font></b></h4> 
 
<p><b>Petrus heilt zu Lydda einen lahmen Mann, und erweckt zu 
Joppen die Tabea vom Tode; Beides hat gute Frucht zu Vieler Bekehrung.</b> 
 
<p>Die Weise ihres HErrn und Meisters, sich nicht zu lange 
an einem Ort aufzuhalten, sondern eher nach einiger Zeit wieder dahin zu 
kommen, behielten auch die Apostel bei. Wer sich jetziger Zeit auch auf 
das Umherziehen bei der Predigt des Evangelium legen wollte, h&auml;tte 
sorgf&auml;ltig zuzusehen, ob er auch in dem Ma&szlig; der Gnade und der 
Gaben denen nahe komme, welchen er es hierin gleichtun will. Au&szlig;erdem 
ist es wohl ratsamer, man schicke sich mit Geduld in seine Zeit, und warte 
dessen, was man aus l&auml;ngerer Bekanntschaft und Erfahrung eher nach 
des HErrn Rat zu behandeln wei&szlig;. - Gro&szlig;er Verfall, da&szlig; 
der Name eines Heiligen mitten in der Christenheit zum Spottnamen geworden 
ist; gro&szlig;e Blindheit, da&szlig; man es f&uuml;r Selbstruhm und Erhebung 
achtete, wenn man sich dessen anma&szlig;te! - Nach der Schrift kann er 
mit ganz dem&uuml;tigem Sinn gef&uuml;hrt werden. Ein S&uuml;nder, der 
Bu&szlig;e tut, ist ein Heiliger, der sich GOtt in Christo JEsu zum Eigentum 
und Dienst ergibt. Unter den Heiligen trifft man auch Kranke an. Die Gemeinschaft 
der Heiligen beh&auml;lt nach allem Betracht etwas lazarettm&auml;&szlig;iges, 
wobei immer Einer an dem Anderen den Krankenw&auml;rter abgeben mu&szlig;. 
Wie viel Lebenskraft ist schon von JEsu Christo ausgegangen! Auch Alles, 
was an mir kr&auml;nkelt, wird durch ihn noch herrlich dereinst dargestellt 
werden. - Ein <i>Kennzeichen wahrer Wunder</i> 
ist auch dies, wenn ihre Absicht und Erfolg ist, Alles zu JEsu Christo 
zu ziehen, und an Ihn zu verbinden. <i>Falsche 
Wunder</i> sind auf irgend einer Kreatur Ansehen oder Emporbringung 
menschlicher Anstalten eingerichtet. Das Einemal hei&szlig;t es: <i>Bekehrten 
sich zu dem HErrn</i>; das Anderemal, <i>wurden 
gl&auml;ubig an den HErrn</i>. Unter dem Ernst und Arbeit der Bekehrung 
kommt der Glaube zu Stande; und wo man &uuml;ber seinem Glauben in das 
Gedr&auml;nge kommt, so hilft am Besten, wenn man wei&szlig;, wie man in 
der Bekehrung dazu gekommen ist. - Wie gut es aber ist, wenn der Glaube 
an den HErrn JEsum Herz und Auge einmal in die Einfalt gebracht hat; und 
wie ein Jedes dem Anderen so vergn&uuml;glich mit der Gabe, die man empfangen 
hat, dienen kann, sieht man an dem Exempel der Tabea. Die hier vorgezeigten 
R&ouml;cke und Kleider werden noch weiter in das Licht kommen, wenn es 
vor dem Richterstuhl Christi hei&szlig;en wird: Ich bin nackt gewesen, 
und ihr habt mich bekleidet <i>(Matth. 25:36)</i>. 
So himmlisch gesinnt das Evangelium zur Aussaat auf den Geist macht, so 
willig macht es auch, das mit in seinen Glaubensgrund hineinzurechnen, 
da&szlig; man auch auf dem Krankenbett, ja in das Grab hinunter werde gedem&uuml;tigt 
werden. Aus Gelegenheit der Wiederauferweckten in der evangelischen und 
apostolischen Geschichte macht man mancherlei Fragen: Wo sich ihre Seelen 
inzwischen aufgehalten haben? Ob sie noch einmal sterben m&uuml;ssen? Was 
ihnen dann das f&uuml;r eine Wohltat habe sein k&ouml;nnen, in dieses Leben 
zur&uuml;ckgebracht zu werden? Allein einem Herzen, das den HErrn JEsus 
liebt, wird es nicht zuviel sein, noch einmal zu sterben, wenn es nur zu 
Seiner und Seines himmlischen Vaters Verherrlichung gereicht. Und eine 
Seele, die im Frieden GOttes lebt und arbeitet, wird sich es nicht verdrie&szlig;en 
lassen, ob sie hier oder dort dem gro&szlig;en Tag des HErrn JEsu, als 
dem eigentlichen Ziel unserer Christen = Hoffnung entgegen gef&uuml;hrt 
wird. Auch wird der kurze Stand zwischen ihrem Tod und baldiger Auferweckung 
schon so eingerichtet gewesen sein, wie es der - mit ihnen gehabten besonderen 
Bewandtnis gem&auml;&szlig; war. - Um der offenen T&uuml;re willen, die 
GOtt verliehen hatte, hielt sich Petrus l&auml;nger auf, in einem Hause, 
das von Au&szlig;en nicht so ansehlich, aber im Himmel und vor den Engeln 
GOttes daselbst wohl bekannt und angeschrieben war <i>(Kap. 
10:6)</i>. HErr JEsu! La&szlig; dir auch mein Bleiben in der Welt, mein 
Amt und Dienst darin, mein Haus und die in demselben aus = und eingehen, 
Alles, was Du mir anvertraut hast, endlich auch mein Scheiden zur rechten 
Zeit daraus, so zu gn&auml;diger Leitung empfohlen sein und bleiben, da&szlig; 
Alles zu Deiner Ehre und zu meinem Heil reichlich ausschlage in Zeit und 
Ewigkeit! Amen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 10,1-23</font></b></h4> 
 
<p><b>Kornelius l&auml;&szlig;t auf g&ouml;ttlichen Befehl Petrus 
zu sich holen; und Petrus folgt nach Anweisung einer himmlischen Erscheinung, 
diesem Beruf.</b> 
 
<p>Von hier an geht es nun mit der Bekehrung der Heiden in 
einen neuen wichtigen Schritt hinein. Zwar noch nicht soweit da&szlig; 
das Reich GOttes von den Juden genommen, und den Heiden gegebene w&auml;re, 
aber doch so, da&szlig; nun ohne vorherige Gemeinschaft mit der j&uuml;dischen 
Kirche den Heiden alle Gnade und G&uuml;ter des Neuen Testaments zuerkannt 
werden. <i>C&auml;sarea</i> war als die 
Residenz der heidnischen Regierung unter den Juden anzusehen. Von daher 
war der Ort und die namhafte Person bequem zu einem Werk, das Aufsehen 
machen sollte. <i>Kornelius</i> war nicht 
ohne Erkenntnis des GOttes Israels, aber doch ohne &auml;u&szlig;erliche 
Gemeinschaft mit der j&uuml;dischen Kirche. <i>Almosen 
= Geben</i> wird h&auml;ufig von denen angef&uuml;hrt, welche nicht 
fern vom Reich GOttes waren, der Hochachtung des Irdischen widerstanden, 
und in welchen der Glaube, da&szlig; GOtt Vergelter sei, aufging. Da&szlig; 
<i>sein 
Gebet</i> auf mehrere Erkenntnis GOttes, und richtigere Unterweisung 
vom Weg des Lebens gegangen sei, ist aus der Art, wie es erh&ouml;rt worden 
ist, abzunehmen. Wie viel <i>Aufwand 
</i>f&auml;llt 
sonst auf die Erde, der nicht in das Ged&auml;chtnis vor GOtt hinaufkommt. 
Wie keimt eine solche Aussaat auf den Geist oft erst hervor, wenn wir selber 
nimmer so daran gedenken. - Das <i>Kornelius</i> 
befehligt wird, Petrus fordern zu lassen, und also Petrus ihm nachgehen 
mu&szlig;te, zeigte desto deutlicher an, da&szlig; <i>Kornelius</i> 
sich nicht zum Judentum, sondern das Reich GOttes sich zu den Heiden wende. 
<i>Petrus</i> 
konnte noch das Haus eines Gerbers versorgen. F&uuml;r seinen jetzigen 
<i>angeblichen 
Nachfolger</i> w&auml;re kaum ein Schlo&szlig; hinl&auml;nglich. - In 
der gewissenhaften Sorge des Kornelius f&uuml;r seine Seele, in seiner 
Bek&uuml;mmernis, was er tun sollte, war schon ein ansetzendes Glaubensf&uuml;nklein, 
auf das GOtt mit Wohlgefallen sah, und dem er nun aufzuhelfen sich die 
Stunde ersehen hatte. Wie noch jetzt Mancher unter allerlei Unwissenheit, 
Schrecken des Gesetzes, S&uuml;ndennot k&auml;mpft, bis ihm so ein Wink 
kommt, was er tun soll, damit es zum Ergreifen des Heils und der Freiheit 
in JEsu bei ihm komme. Auch der vorherigen ordentlichen Regierung seines 
Hauses hatte Kornelius zu genie&szlig;en, da&szlig; er nun Leute um sich 
hatte, denen er sich bei einem solchen Vorhaben anvertrauen konnte. Was 
gr&uuml;ndet die GOttesfurcht f&uuml;r eine wohlanst&auml;ndige Vertraulichkeit 
in einem Hause. Der gr&ouml;&szlig;te Herr kann sich nicht so viel Respekt 
und Liebe setzen, als ein Hausvater, der sein Haus g&ouml;ttlich regiert. 
Wenn man es auch nicht t&auml;glich bemerkt, so offenbart es sich in Hauptumst&auml;nden. 
Wie <i>Kornelius</i> seinen Bescheid 
auf <i>das Gebet</i> empfing, so ging 
auch Petrus seiner n&ouml;tigen Unterweisung auf gleichem Weg entgegen. 
Beim <i>Entz&uuml;cken</i> wurden seine 
&auml;u&szlig;eren Sinne ganz geschlossen, und au&szlig;er Gebrauch gesetzt, 
damit er zu diesem inneren Gesch&auml;ft desto gesammelter w&auml;re. In 
diesem Bilde wurde dem Petrus sein k&uuml;nftiger <i>Amts 
= Segen</i> vorgestellt, wie dabei zwar ein erw&uuml;nschter Genu&szlig; 
und Sattwerden f&uuml;r all sein Geistesverlangen zu hoffen sei. Aber unter 
Verleugnung dessen, was der Natur sonst gew&ouml;hnlich und annehmlich, 
mit Unterwerfung unter GOttes Urteil und Wahl der Gnade, wodurch er erkl&auml;rt, 
was vor Ihm angenehm und rein ist, mit welchem Urteil wir Alles sonst noch 
so scheinbare Grauen unseres Natur = und Weltsinns zu &uuml;berwinden haben. 
Auch bei einem Apostel gingen die Aufschl&uuml;sse vom Willen GOttes durch 
vorl&auml;ufige Bek&uuml;mmernisse als durch gem&auml;&szlig;e Geburtsschmerzen. 
Das Zusammenkommen innerlicher Anregungen und &auml;u&szlig;erlicher Begebenheiten 
bietet einander noch oft die Hand, und f&ouml;rdert den Aufschlu&szlig; 
vom Willen GOttes in Etwas. O GOtt, ich begehre keinen Vorrat von vielem 
Wissen auf einmal. La&szlig; es mir nur bei einem jeden Fall an Erkenntnis 
Deines Willens nicht mangeln. Da schweige mir nur nicht! Auch die beste 
Sache braucht nicht allemal die h&ouml;chste Eilfertigkeit, sondern eine 
Zeit von etlichen Stunden kann oft noch Vieles zu ihrer desto gr&ouml;&szlig;eren 
Reife austragen. - Da&szlig; etliche Br&uuml;der von Joppe mitzogen, diente 
hintennach zu desto leichterer &Uuml;berzeugung derer, welche einigen Ansto&szlig; 
an der Sache nahmen. So wird Manches der Freiheit und dem Gutbefinden der 
Gl&auml;ubigen &uuml;berlassen, sie aber werden darin doch so geleitet, 
da&szlig; sie das Beste treffen. O GOtt! La&szlig; Dir alle meine Wege 
empfohlen sein. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 10,24-33</font></b></h4> 
 
<p><b>Petri Ankunft und erbaulicher Empfang im Hause des Kornelius</b> 
 
<p>Wie oft hat man der Verwandtschaft und Bekanntschaft mit 
B&ouml;sen und Guten unvermutet zu genie&szlig;en oder zu entgelten. Die 
Verwandten des Kornelius m&uuml;ssen sich auch sonst seiner als eines unter 
ihnen leuchtenden Lichtes bedient haben, und nun wollte er sie auch des 
- weiter an ihn gekommenen Gnaden = Antrags teilhaftig machen. La&szlig; 
dich auch so sammeln und mitnehmen, wenn Dir Jemand Gelegenheit macht. 
Sammle hinwiederum auch du, wo du kannst. Man ist oft nur gar zu r&uuml;ckh&auml;ltig 
gegeneinander, und f&auml;nde oft mehr Eingang, als man vermutete. Ist 
aber das Schwert <i>(Matth. 10:34-35)</i> 
bei Jemandes Anverwandten n&ouml;tig, so wird es einem der HErr JEsus auch 
zur rechten Stunde geben. Das &Uuml;berma&szlig; tut in geistlichen Dingen 
leicht Schaden. Deswegen hat Petrus auch der <i>&uuml;berm&auml;&szlig;igen 
Ehrenbezeugung</i> beim Eintritt in das Haus des Kornelius schicklichen 
Einhalt getan. Unter dem Bekenntnis: <i>Ich 
bin ein s&uuml;ndiger Mensch</i>, ist Petrus von dem HErrn JEsu in die 
Arbeit genommen worden, ein Menschenfischer zu werden. Und nun da ihm so 
ein guter Zug in dem Haus des Kornelius bevorstand, erinnerte er sich gar 
eigentlich: Ich bin auch ein Mensch. Auch in Verbergung seiner menschlichen 
Schwachheiten kann man es oft &uuml;bertreiben, und sein gleiches Ansehen 
zu behaupten, sich manchmalen gar zu gro&szlig; hinstellen. Niemanden kein 
&Auml;rgernis geben, aber auch das Menschliche nicht so vertuschen, das 
Schw&auml;chere im Vertrauen zur&uuml;ckgeschlagen werden, ist die ebene 
Bahn hierin. Durch das Bekenntnis: <i>GOtt 
hat mir gezeigt</i>, tat er ihnen einen gro&szlig;en Dienst. Er erleichterte 
es ihnen n&auml;mlich, den ganzen Hergang desto gewisser als etwas G&ouml;ttliches 
anzusehen, und sich nicht an die darunter waltenden Z&uuml;ge GOttes desto 
fester zu halten. Doch vers&auml;umt er auch nicht durch Fragen: Warum 
habt ihr mich fordern lassen? ihr Gewissen aufzuschlie&szlig;en. Heut zu 
Tag ist man hierin oft gar zu delikat, und meint, der Pfarrer solle einem 
Alles ansehen k&ouml;nnen, soll mit Trost und Unterricht herausr&uuml;cken, 
ohne sich vorher durch Fragen den Weg zu bahnen. Aber solch halbverr&uuml;ckte 
und vertuschte Wahrheit hindert oft die Kur sehr.<i> 
Des Kornelius wackere Erkl&auml;rung:Wir sind hier gegenw&auml;rtig vor 
GOtt, zu h&ouml;ren Alles, was dir von GOtt befohlen ist</i>, hat man 
mit gutem Bedacht in &ouml;ffentliche Kirchen = Gebete vor der Predigt 
aufgenommen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 10,34-48</font></b></h4> 
 
<p><b>Petri Predigt von Christo, samt ihrem gesegneten Erfolg.</b> 
 
<p>Die aus der vorigen Unterredung gefa&szlig;te Zuversicht 
trug bei Petrus auch viel zum fr&ouml;hlichen Auftun des Mundes bei; und 
das endlich durchgebrochene Licht, oder der Ausschlag in einer Sache, wor&uuml;ber 
vorher mancher Seufzer durch seine Seele drang, f&uuml;hrte auch etwas 
erquickliches mit sich, deswegen es Paulus auch <i>Eph. 
3, 18</i> den Gl&auml;ubigen als ein erw&uuml;nschtes Wachstum vorh&auml;lt, 
wenn sie mit allen Heiligen die Breite und die L&auml;nge, und die Tiefe 
und die H&ouml;he der in Christo ausgebreiteten Liebe GOttes erreichen. 
Mu&szlig;t du auch je und je vor manchem Scheideweg in Zweifels = Schmerzen 
hangen. Bete es nur flei&szlig;ig durch, die lange in der Knospe gesteckte 
Blume wird sich schon noch vergn&uuml;glich aufschlie&szlig;en. - Israels 
bisheriger gro&szlig;er Vorzug h&auml;tte wohl in solchen Mi&szlig;verstand 
gezogen werden k&ouml;nnen, als ob GOtt die Person ans&auml;he. Durch das 
Evangelium aber ist auch diesfalls GOttes Gerechtigkeit und unparteiische 
Liebe weiter an das Licht gebracht worden, wie Er gern Jedem, der die Furcht 
vor GOtt so weit bei sich durchdringen l&auml;&szlig;t, da&szlig; sie einen 
Ha&szlig; des Argen, und Lust zur Wahrheit wirkt, so zu Hilfe kommt, da&szlig; 
er nimmer dahinten bleibt. Mit den Anwesenden im Hause des Kornelius durfte 
Petrus nicht so weit vorne anfangen, wie nachmals Paulus mit anderen Heiden, 
welche GOtt bei dem Erweis seiner G&uuml;tigkeit in Regen und fruchtbaren 
Zeiten zu f&uuml;hlen angetrieben wurden. Kornelius mit den Seinen wu&szlig;te 
schon von der - mit Johannes angefangenen Erkenntnis des Heils, und hatte 
nur allermeist n&ouml;tig, auf die Person JEsu von Nazareth, und was mit 
demselben im Leben und Tod, Leiden und Herrlichkeit vorging, n&auml;her 
gewiesen zu werden. Darunter brachte Petrus gar schicklich den Rat GOttes 
an, welchem gem&auml;&szlig; Christi Reich nun durch Glauben aufgerichtet 
werden sollte, und deutet an, da&szlig; sie (die Apostel) durch die gesamte 
vorher an sie gewandte Lehre und Zucht Christi haben zubereitet werden 
m&uuml;ssen, da&szlig; die ihnen nach der Auferstehung widerfahrenen Erscheinungen 
sie vollends zu t&uuml;chtigen Zeugen von Christo machen konnten. Da sonst 
am &uuml;brigen Volk selbst solche Offenbarungen JEsu, des Lebendigen, 
weit nicht das N&auml;mliche ausgetragen haben w&uuml;rden. Zum Glauben 
aber reizt der Apostel teils durch den Strahl, den er verleiht, da&szlig; 
der, so jetzt als der Menschheit Heil verk&uuml;ndigt werde, auch zum Richter 
verordnet sei, und also nach der Anwendung seiner Heils = Sch&auml;tze 
fragen werde, und andernteils, da&szlig; aller Propheten Zeugnis sich ja 
auf dieses zusammenziehe, da&szlig; bei m&auml;chtig gewordener S&uuml;nde 
die Gnade noch viel m&auml;chtiger werden, und GOtt in diesem zum Heil 
gegebenen Namen Vergebung der S&uuml;nden und alle weitere Hilfe aus der 
S&uuml;nde schaffen wolle. Dieses Wort mu&szlig; schnellen Glauben in diesen 
Herzen gewirkt haben, und auf diesen wurde der Heilige Geist zum Siegel 
gegeben, und damit ein Pfingstfest f&uuml;r die Heiden angestellt, zur 
Versicherung ihrer v&ouml;lligen Einverleibung in Christum. Damit gab GOtt 
diesen Neubekehrten aus den Heiden das nachdr&uuml;cklichste Zeugnis, da&szlig; 
sie, ohne den Eingang durch Beschneidung n&ouml;tig zu haben, durch die 
Taufe J&uuml;nger und Volk Christi werden k&ouml;nnten. - So ist das Wort 
GOttes noch jetzt das richtigste Mittel, den Heiligen Geist zu empfangen. 
Was du f&uuml;r ein Wort in dich nimmst, ein solcher Geist kommt in dich. 
Wer sich durch das Wort GOttes zur Furcht GOttes, zur Sorgfalt f&uuml;r 
sein Heil, zum Gehorsam der Wahrheit bringen l&auml;&szlig;t, der kommt 
unter den Gnadenwirkungen des Heiligen Geistes zu weiterer Erkenntnis Christi, 
findet bei dem HErrn JEsu Frieden, und erf&auml;hrt unter Trieben zum kindlichen 
Beten und gottseligen Leben, was ihm f&uuml;r ein Geist geschenkt sei. 
Eben dieser Geist f&uuml;hrt ihn aber auch immer weiter und erfahrungsm&auml;&szlig;iger 
in das Wort GOttes hinein, lehrt einen das - zum Frieden des Gewissens 
und Belebung des Herzens Kr&auml;ftigste daraus benutzen. Da&szlig; GOtt 
so Geist und Wort zusammengeordnet hat, schafft gro&szlig;en Nutzen. Zum 
Einen da&szlig; man am Wort GOttes immer einen richtigen Pr&uuml;fstein 
dessen hat, was sich f&uuml;r Geist und Geistestrieb ausgeben will, da&szlig; 
man vor hohen &uuml;ber das Ziel gehenden Anma&szlig;ungen verwahrt wird. 
Zum Anderen, da&szlig; zuweilen die Erkenntnis aus dem Wort das geringere 
Ma&szlig; der Geistesgaben erstattet, wie bei solchen Vorf&auml;llen oft 
das reichere Ma&szlig; des Geistes den Mangel des Unterrichts im Wort erstattet 
hat. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 11,1-18</font></b></h4> 
 
<p><b>Petri Segen unter den Heiden wird gegen Einwendungen von 
Einigen so verteidigt, da&szlig; Alles zu allgemeinem Lobe GOttes ausschl&auml;gt.</b> 
 
<p>Wie hat sich die Weisheit noch immer wegen ihrer Kinder 
und der Art, sie zu sammeln, gegen manchen Tadel und Einwendung zu rechtfertigen! 
Wer will etwas so gut machen, da&szlig; es nicht einigem Widerspruch ausgesetzt 
sei? Dergleichen Beurteilung aber mu&szlig; oft der Freude, die man &uuml;ber 
einen guten Fortgang h&auml;tte, das Gegengewicht halten, damit man desto 
gewisser in der Demut und M&auml;&szlig;igkeit bleibe, in welcher sich 
nun Petrus antreffen lie&szlig;. Je mehr GOtt bei Petrus selbst Anstalt 
brauchen mu&szlig;te, um ihm seine Zweifel zu benehmen, je leichter konnte 
er Anderen ihren ge&auml;u&szlig;erten Anstand gut halten. - Das Zeugnis 
der von Joppen mitgenommenen sechs Br&uuml;der kam jetzt wohl. Deswegen 
man, allen zweifelhaften Gedanken vorzubeugen, gern im Licht, und auch 
mit urkundlichem Zeugnis bew&auml;hrter Menschen handeln soll. - Mit der 
Gleichheit der Gaben bezielt GOtt noch immer des einen Teils heilsame Dem&uuml;tigung, 
des anderen Teils n&ouml;tige Aufrichtung und Trost, sowie beider Teile 
fruchtbare Vereinigung. In diese gute Absicht GOttes schlugen auch diejenigen 
zu Jerusalem ein, die ihren Zweifel ablegten, und GOttes Gnade &uuml;ber 
die den Heiden geschenkte Bu&szlig;e zum Leben priesen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 11,19-26</font></b></h4> 
 
<p><b>Fortgang des Evangeliums in anderen L&auml;ndern, da GOtt 
anfing, solche Arbeiter zu bescheren, welche die Weite und Breite der Gnade 
Christi besser als Andere verstanden, durch die also die T&uuml;re zur 
Bekehrung der Heiden immer weiter aufgetan wurde.</b> 
 
<p>Mit dem Vorgang im Hause des Kornelius war das Zeichen 
zur Einverleibung der Heiden gegeben. Nun hat es die Geschichte der Apostel 
von da an immer viel mit diesem eingepfropften neuen Zweig zu tun. Nach 
unterschiedlichem Ma&szlig; der Erkenntnis und der Freim&uuml;tigkeit hielten 
sich einige Arbeiter noch allein an die Juden. Andere aber breiteten sich 
auch &uuml;ber die Heiden aus. Wenn Jeder nur mit Treue und Liebe zu JEsu 
Ihn predigte, und nicht sich selbst, so konnten sie einander in diesem 
Unterschied der Meinungen schon tragen. Das es oft auch in den Arbeiten 
derer, die das Reich GOttes predigen, nicht gleichf&ouml;rmiger aussieht, 
geh&ouml;rt unter das Wort des Heilands: Das Reich GOttes kommt nicht mit 
solchem Aufsehen, da&szlig; es leicht zu vermerken ist, sondern es kommt 
unter schwachen Umst&auml;nden, wo Demut dazu geh&ouml;rt, wenn man es 
nicht verachten, &uuml;bersehen, oder mit dem Schein eines daran genommenen 
Ansto&szlig;es belegen will. Uns sind hintennach diese Umst&auml;nde ein 
Zeugnis vom G&ouml;ttlichen unter diesem Werk, da&szlig; man sich nicht 
einstimmig wie aus Verdru&szlig; &uuml;ber die - von den Juden erlittene 
Verfolgung, zu den Heiden gemacht hat, sondern Manche noch so fest an dem, 
den Juden allein anvertrauten Wort, gehangen sind. Und so wird Jeder, der 
sich auch an den heutigen Schwachheiten und unterschiedenem Angriff der 
Sache nicht st&ouml;&szlig;t, hintennach eine Best&auml;tigung finden, 
da&szlig; die mannigfaltige Weisheit GOttes doch Alles zu brauchen, und 
aus der unterschiedlichen Arbeit endlich eins zu machen wei&szlig;. In 
der heutigen Zeit ist es ja gar nicht zu verwundern, wenn man einen Zeugen 
der Wahrheit, und seine Arbeit eher fa&szlig;t, als des Anderen. Man sehe 
nur auf die Schriftspuren zur&uuml;ck, ob es nicht auch schon zwischen 
den Aposteln und &uuml;brigen ersten Botschaftern des Evangeliums so gewesen 
ist. Nur nicht sich eines Menschen ger&uuml;hmt, sondern in dem Sinn bestanden: 
Es ist Alles Euer! O es wird aus allem Unterschied der Meinungen und Gaben, 
der Arbeit, aus Manchem, das in der Welt einer Trennung gleich gesehen 
hat, mehr Preis der g&ouml;ttlichen Weisheit und durchhelfenden Treue herauskommen, 
als wenn Alles nach einem Plan am Schn&uuml;rlein fortgegangen w&auml;re. 
- Die verst&auml;ndigen, auch unter die Heiden ausgegangenen Arbeiter werden 
hier nicht einmal mit Namen angef&uuml;hrt, sondern nur unter die unansehnliche 
Benennung der M&auml;nner von Zypern und Kyrene versteckt, damit die &uuml;berschwengliche 
Kraft desto mehr GOttes, und seiner mit ihnen wirkenden Hand sei. La&szlig; 
auch deinen Namen gern eine Weile unter die Bank stecken. Aber der Name 
des HErrn JEsu, seine Erkenntnis, das Gl&auml;ubigwerden an Ihn darf nicht 
versteckt werden, sondern mu&szlig; der gelegte Grund bleiben. - Die Gesandtschaft 
von Jerusalem nach Antiochien hat nicht die Absicht gehabt, diese Kirche 
der Ersteren zu unterwerfen, oder eine in Allem nach der anderen zu bilden, 
sondern gemeinschaftliche Freude &uuml;ber das Gnadenwerk GOttes zu &auml;u&szlig;ern, 
etwas geistliche Gaben mitzuteilen, den Versuchungen durch schickliche 
Ermahnungen vorzubeugen. Barnabas fand das Netz in Antiochia so, da&szlig; 
er an Paulus von Tarsus einen Gesellen suchte, der ihm ziehen helfen sollte; 
und dessen Gnade und Gabe fand dann da weiten Raum. - Den Christennamen 
kann man nicht wohl f&uuml;r etwas von den Widersachern Aufgetriebenes 
achten, sondern es wird eher auch das mit unter den weiten Raum gerechnet, 
den GOtt den - zur Gemeinschaft seines Sohns Berufenen schaffte, da&szlig; 
sie nun an allen Enden und Orten von Christo ihrem HErrn diesen ehrw&uuml;rdigen 
Namen tragen sollten. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 11,27-30</font></b></h4> 
 
<p><b>Von der Gabe der Weissagung, aus welcher Agabus eine gro&szlig;e 
Hungersnot zuvor verk&uuml;ndigte, wird zum Dienst der Heiligen in Jud&auml;a 
ein guter Gebrauch gemacht.</b> 
 
<p>Die Gabe der Weissagung war nicht nur so ein Spielwerk 
zur Kurzweil in einer Gemeinde, sondern hatte zur &Uuml;bung des Glaubens 
und der Liebe manchen guten Einflu&szlig;. - Bei Vorboten oder beim Einbruch 
schwerer Umst&auml;nde, soll nicht der n&auml;chste Gedanke und alle Bem&uuml;hung 
nur darauf gehen, sich so vorzusehen, da&szlig; es einem nicht fehlen k&ouml;nne, 
sondern man hat auch auf andere, Bedr&auml;ngtere zu sehen. Gar oft geht 
es wie bei der Witwe zu Sarepta, die zuvor ihren kleinen Vorrat auf den 
Propheten Elias wenden mu&szlig;te, hernach aber erst auch &uuml;ber ihr 
und ihres Sohnes Durchkommen reichlich getr&ouml;stet wurde. Wer Glaub 
und Lieb im Herzen hat, der wird's erfahren in der Tat! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 12,1-25</font></b></h4> 
 
<p><b>&Uuml;ber dieses ganze Kapitel m&ouml;chte man wohl die 
&Uuml;berschrift aus den Spr&uuml;chen <i>(10:25)</i>nehmen: 
Der Gottlose ist wie ein Wetter, das &uuml;berhin geht, und nicht mehr 
ist. Der Gerechte aber besteht ewiglich, oder, der Gerechte ist eine Grunds&auml;ule 
der Welt, und hat in dem ewigen Vorsatz GOttes solche gro&szlig;e Bestimmungen, 
um welcher willen sein stilles unansehnliches Tun weit mehr zu bedeuten 
hat, als des Gottlosen gro&szlig;es, wetterm&auml;&szlig;iges, verderbliches, 
aber oft schnell &uuml;berhingehendes Ger&auml;usch. Herodes ein &uuml;berhingehendes 
Wetter mit seinen letzten Ausbr&uuml;chen! Petrus und Jakobus als ewig 
feststehende S&auml;ulen, samt der - unter ihrem Leiden - ausgeborenen 
Aufnahme des g&ouml;ttlichen Worts.</b> 
 
<p>Die Familie des Herodes hat in der Schrift gar viele Blutschulden 
auf sich. Der Gro&szlig;vater richtete bei Christi Geburt das Blutbad zu 
Betlehem an. Des Vaters Bruder lie&szlig; Johannes den T&auml;ufer enthaupten. 
Der Enkel befleckte sich nun mit dem Blut des Jakobus und h&auml;tte gerne 
noch weiter gegriffen. Aber der V&auml;ter Missetat wird samt seiner eigenen 
an ihm heimgesucht zu seiner Zeit, wo er es der &auml;u&szlig;erlichen 
Hoheit nach am weitesten gebracht hatte. - Jakobus war einer von denen, 
die sich das Sitzen zur Rechten und Linken JEsu in seinem Reich ausgebeten 
hatten, und dabei zur Gemeinschaft der Leiden JEsu verpflichtet wurde <i>(Matth. 
20)</i>. Nun wird er unter den zw&ouml;lf Aposteln der Erste, der um 
des Zeugnisses JEsu willen get&ouml;tet wird. So wert &uuml;brigens der 
Tod seiner Heiligen vor GOtt geachtet ist, so wenig Worte: er t&ouml;tete 
aber Jakobus mit dem Schwert, macht doch die Schrift davon, und unterscheidet 
auch damit das verdienstliche Leiden und den Vers&ouml;hnungstod JEsu, 
der die einzige Quelle des Lebens ist, von dergleichen Vorf&auml;llen. 
Nachgehends hat sich der Menschen abergl&auml;ubische Andacht doch mehr 
an die Werke und Leiden der Heiligen geh&auml;ngt, anstatt an der heimlichen 
Weisheit, die GOtt in das Leiden und den Tod seines zur Vers&ouml;hnung 
f&uuml;r unsere S&uuml;nden dahingegebenen Sohnes gelegt hat, fest zu halten. 
- Der Juden Ha&szlig; ging aus einem unverst&auml;ndigen Eifer und Trieb 
eines unreinen Gewissens. Herodes, der sonst Manches dem Volk zuwider tat, 
war auch mutwillig genug, ihm hiermit auf Kosten des Christentums auch 
etwas zu Gefallen zu tun. Wie viel dergleichen Gemenge ist noch im Weltlauf, 
wie Manches geschieht, Anderen zu gefallen, und sie dann auch wieder zu 
seinem Gefallen zu haben. - In die <i>Tage 
der s&uuml;&szlig;en Brote</i> fielen ehemals auch die letzten Leiden 
JEsu. Nun wird Petrus in das<i> hernachmals</i>, 
von dem ihm gesagt ward: du wirst mir aber hernachmals folgen, auch in 
diesen Tagen gezogen, und die gesamte Gemeinde mit ihm. Die einzigen, aber 
doch viel verm&ouml;genden Waffen derselben lagen im Gebet; und den Grund 
zu solchen Bitten konnten sie aus <i>Joh. 
17:15</i> nehmen. O durch welch anhaltendes Gebet, und durch welch Blut 
der M&auml;rtyrer hat die Bekehrung und Bes&auml;nftigung der K&ouml;nige 
und Gewaltigen auf Erden m&uuml;ssen errungen werden. Wie sollen wir Alles, 
was wir noch jetzt von stillem und geruhigem Leben zu genie&szlig;en haben, 
noch als eine Frucht des Gebets Anderer vor uns dankbarlich ansehen, und 
uns mit unserem Warten auf das Reich GOttes durch unsere Versuchungsw&uuml;ste 
still durchkriechen; aber auch der Gebundenen flei&szlig;ig gedenken, als 
der Mitgebundenen, als wodurch wir uns auch auf die Stunde der Versuchung 
am Besten vorbereiten. - So hoch - bis auf die letzte Nacht, lie&szlig; 
es GOtt mit der Not kommen, aber dann half Er auch herrlich. So p&uuml;nktlich 
der Engel f&uuml;r Alles sorgte, was zu des Petrus vollst&auml;ndiger Ausf&uuml;hrung 
geh&ouml;rte, so verdeckt war es doch noch Petrus selber, wie die Gefangenen 
Zions sagen: Wir werden sein wie die Tr&auml;umenden, wir werden es anf&auml;nglich 
kaum f&uuml;r wahr halten k&ouml;nnen. Werke GOttes haben auch sonst, dies 
Schicksal unter den Menschen, da&szlig;, ehe sie geschehen, sie Niemand 
viel glaubt, und wenn sie geschehen sind, man ihrer leicht wieder vergi&szlig;t. 
Das Erste kann auch redlichen Herzen aus Schwachheit widerfahren. Des Anderen 
soll man sich ja nicht schuldig machen. Inmittelst werden doch die zum 
Ausrichten des Willens GOttes so freudigen Geister nicht m&uuml;de, wenn 
schon ihre Handreichung noch so wenig erkannt wird. Die, so Engel der Gemeinde 
hei&szlig;en, merken sich das auch wohl. Gleichwie der Engel Dienst unsichtbarlich 
geschieht, so dient auch Jeder gern, wenn Niemand auf ihn sieht. - Jakobus 
ward &uuml;bergeben, Petrus f&uuml;r diesmal noch aus der Hand des Herodes 
errettet. Das Eine l&auml;&szlig;t GOtt zu, ein Exempel der Geduld und 
Best&auml;ndigkeit zu zeigen, auch des Feindes Anklage niederzulegen. Das 
Andere tut ER, ein Muster der m&auml;chtigen Hilfe darzustellen. La&szlig; 
es dir recht sein, zu welchem dich GOtt brauchen will. Wie elend einer 
sich sonst f&uuml;hlt, und auch ist, nur da nicht Schande eingelegt, wenn 
GOtt an ihm unter den Leiden vor der Welt geheiligt und gepriesen sein 
will! - Das Warten, das Lauern auf Jemandes Fersen, das Raunen mit einander, 
wann wird er sterben, und sein Name vergehen? ist auch eine besondere Art 
Leiden, dar&uuml;ber der Geist, der auf den Leidenden ruht, &ouml;fters 
im Psalmbuch klagt. Gute Hand, die den Petrus gerade zu solch einer Gebetsgemeinde 
geleitet hat! An dem ausf&uuml;hrlichen Beschreiben aller Umst&auml;nde, 
vom Anklopfen des Petrus bis zu seinem Eingelassenwerden und Empfang, kann 
sich ein m&uuml;&szlig;iger Kopf sto&szlig;en. Aber die Schrift ist zum 
Aufrichten derer, die in gleiche Not kommen, geschrieben. Denen ist es 
tr&ouml;stlich, zu wissen, da&szlig; GOttes Augen auf den Glauben sehen, 
nicht nur wenn er in seiner Reinigkeit und St&auml;rke einhergeht, sondern 
auch, wenn er beim Entsetzen etwas Ungeschicktes begeht. Sie baten um die 
Errettung des Petrus, aber diese Art war ihnen doch unvermutet und unglaublich. 
Vor Alters hielt man daf&uuml;r, es habe jeder Mensch seinen eigenen Schutzengel, 
und bei Personen, die ihrem Ende nahe waren, vermutete man noch leichter, 
da&szlig; ein solcher Engel sich merken lasse. An einen Abgesandten von 
Petrus war hier nicht zu gedenken. Sie machten ja den Schlu&szlig; aus 
der Gleichheit der Stimme, die sich unten am Tor h&ouml;ren lie&szlig;, 
und vermuteten also etwas, das schon lange in genauer Bekanntschaft mit 
Petrus stand. Aus der Schrift aber hat man eher Grund zu glauben, da&szlig; 
mehrere Engel zum Dienst und Schutz eines Heiligen bestellt sind. Dergleichen 
<i>Fliehen</i>, 
wie jetzt Petrus vornahm, ward ihnen von ihrem HErrn selbst gestattet und 
geraten. Mit der Vorsehung GOttes mu&szlig; man dem&uuml;tig umgehen. Nach 
Herodes Tod ist Petrus gleichwohl wieder nach Jerusalem gekommen, wie aus 
<i>Kap. 
15</i> zu ersehen ist. Die H&uuml;ter bekamen insofern unschuldig dar&uuml;ber 
zu leiden. GOtt aber brachte etwas &uuml;ber sie, das sie in seinem Gericht 
an sonst etwas verschuldet hatten. Herodes bekam oder machte sich anderw&auml;rts 
etwas zu schaffen, und dar&uuml;ber bekam GOttes Volk einige Erholung. 
So zog der Philister Einfall den Saul von David ab <i>(1.Sam. 
23:27)</i>. So gab der T&uuml;rkenkrieg und die dazu n&ouml;tige Hilfe, 
desgleichen die Trennung zwischen Frankreich und &Ouml;sterreich, manche 
Luft f&uuml;r das protestantische Wesen. - Der bestimmte Tag mag ein Ged&auml;chtnis, 
= Geburts = oder Namenstag des Kaisers, oder ein - zu einem Schauspiel 
f&uuml;r das Volk gewidmeter Tag gewesen sein, wie das die alte Klugheit 
der Welt ist, aus einem Volk allen Sinn auf GOtt, alle Hoffnung auf sein 
Reich, eben damit aber auch allen Bedacht auf ihren und ihrer Kinder gegr&uuml;ndeten 
Wohlstand hinaus zu geigen, zu singen, und zu gaukeln, da&szlig; man mit 
Leuten, die nie recht bei sich selber sind, anfangen kann, was man will. 
Das k&ouml;nigliche Kleid beschreibt der j&uuml;dische Geschichtsschreiber 
Joseph als ein k&uuml;nstliches Gewebe von Silber, durch welches die Strahlen 
der aufgehenden Sonne fielen, da&szlig; es einen ungew&ouml;hnlichen Glanz 
gab. Nichts ist gef&auml;hrlicher, als die Verletzung der g&ouml;ttlichen 
Ehre. Billig sollte man auch heutigen Tages im Austeilen und Einnehmen 
so vieler Ehrenbezeugungen bed&auml;chtlicher sein. Es scheint wohl, das 
Volk habe es mehr verfehlt. Aber GOtt wu&szlig;te wohl, wie Herodes das 
Volk dazu gereizt, mit was f&uuml;r Wohlgefallen er es annahm, und wozu 
er es mi&szlig;braucht haben w&uuml;rde. Es l&auml;uft freilich bei solcher 
S&uuml;ndengemeinschaft sehr in einander, wie beim Geschenk geben und nehmen. 
- Die Engel haben gar einen gro&szlig;en Eifer f&uuml;r GOttes Ehre <i>(Offb. 
19:10)</i> und daher auch Fertigkeit, einen Eingriff zu r&auml;chen. 
GOtt die Ehre geben, lernte Nebukadnezar auch auf einem sehr rauhen Weg 
<i>(Dan. 
4:34)</i>. Nach dem Schlag hat es Herodes auch getan, und unter seinen 
Schmerzen die Schmeichelei verabscheut. Aber vorher w&auml;re es angenehmer 
gewesen. Denkt man aber, wie bei Manchem greift der Eifer des HErrn nicht 
so schnell zu? so wisse man, da&szlig; ein Mancher auch mit seinem l&auml;ngeren 
Leben so ansehnlich ausgezeichnet ist, als Herodes mit seinem schnellen 
Tod, wenn man dabei mit H&auml;nden greifen mu&szlig;, da&szlig; er seinen 
Ruhm &uuml;berlebt, und weit nicht ausgerichtet hat, was er auszurichten 
gemeint hat. Mit dem Wort GOttes und dessen Wachstum hat es die Apostelgeschichte 
eigentlich zu tun. Auf dieses lenkt sie auch gleich wieder von Herodes 
Geschichte. Wie viel seiner Feinde hat das Wort schon &uuml;berlebt! O 
GOtt, gib Gnade, da&szlig; ich es allezeit mit Deinem Wort, und nicht mit 
der Welt halte! Wie unansehnlich die Verrichtung von Barnabas und Paulus, 
aber wie ewig bleibende Frucht davon! Wie gl&auml;nzend Herodes Gesch&auml;ft, 
aber wie wurmstichig und verwesend! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 13,1-12</font></b></h4> 
 
<p><b>Hier sieht man den n&auml;chstvorhergehenden Ruhm: Das 
Wort GOttes wuchs, und mehrte sich, in seiner Erf&uuml;llung, da der Beruf 
des Paulus und Barnabas unter die Heiden mit so deutlichem Wohlgefallen 
GOttes best&auml;tigt, und ihr erster Angriff auch mit Segen begleitet 
ward.</b> 
 
<p>Das bemerkt das Wort GOttes immer sorgf&auml;ltig, wo 
GOtt nach seiner Wahl der Gnade auch aus Hofleuten, Kriegsm&auml;nnern, 
Obersten des Volks, Pharis&auml;ern, Z&ouml;llnern, Reichen dieser Welt 
zc. Jemanden errettet, und damit m&ouml;glich gemacht hat, was bei den 
Menschen unm&ouml;glich schien, wie hier des Manahem gedacht wird als eines, 
der mit Herodes erzogen war. Wie weit sind aber nachgehends diese Z&ouml;glinge 
von einander gekommen. O GOtt, wo sind auch die, so mit mir aufgewachsen 
sind, nach und nach hingekommen! Was hat Dich bewogen, mit Deiner Erw&auml;hlung 
und Beruf an mich zu kommen? Habe auch von den Anderen noch etwas zu retten! 
Mit Saulus ging GOttes Absicht von seiner Bekehrung an auf einen gro&szlig;en 
Apostel <i>(Kap. 9:15)</i> doch wurde 
er noch eine Weile heruntergehalten, und mu&szlig;te abwarten, bis sich 
GOttes Bestimmung &uuml;ber ihn n&auml;her aufschl&ouml;sse. Der geringste 
Dienst, nach GOttes Ruf einem aufgetragen, ist wert, da&szlig; man ihn 
annimmt. Die gr&ouml;&szlig;te W&uuml;rde ist nicht wert, da&szlig; man 
ihr nachl&auml;uft. - Bei Fasten und Beten hat GOtt mit der Offenbarung 
seines Willens richtiger ankommen k&ouml;nnen, als wenn man heutigen Tages 
oft Gastmahle anstellt, um solche Verbindungen anzuspinnen, durch die man 
Bef&ouml;rderungen bewirken will. An Barnabas und Paulus unterschied sich 
auch, was man sonst den innerlichen und &auml;u&szlig;erlichen Beruf hei&szlig;t. 
GOttes Wahl, Darreichung der Gaben, Zubereitung durch mancherlei Schickungen, 
erweckte Willigkeit ging voran; und das machte den innerlichen Beruf aus. 
Der Gemeinde Ruf, Aussonderung und Best&auml;tigung kam oben darauf; das 
gab den &auml;u&szlig;erlichen Beruf. Zypern war des Barnabas Vaterland 
<i>(Kap. 
4:36)</i>, dem wollte er denn auch zuerst mit dem Worte GOttes dienen. 
Die &ouml;ffentlichen Schulen der Juden gaben die unschuldigste Gelegenheit, 
einen Vortrag zu tun. Was man noch von ge&ouml;ffneten T&uuml;ren vor sich 
findet, mu&szlig; man brauchen und wirken, so lange es Tag ist. Der F&uuml;rst 
dieser Welt trotzt freilich den Boten des Evangeliums gern mit dem Vorwurf: 
Ich bin vor euch da. Wie sie da einen Zauberer und falschen Propheten antrafen, 
die Menschen gegen das Licht des Evangeliums zu verblenden. Zweifel, Nachdenken, 
Pr&uuml;fen, kann einen guten Anfang zur Erkenntnis der Wahrheit, und einen 
Beweis von einem verst&auml;ndigen Gem&uuml;t abgeben. Aber wenn es mit 
allem Geh&ouml;r und Untersuchung auf nichts als Zweifel hinausl&auml;uft, 
so ist das ein Beweis von einem verkehrten Sinn. Die Wahrheit GOttes im 
Evangelium l&auml;&szlig;t sich auch von Verst&auml;ndigen unter das Gesicht 
sehen. Oft haben aber solche auch Leute um sich, die von der Wahrheit abwenden. 
Und dagegen sch&uuml;tzt menschliche Klugheit nicht genugsam. GOtt mu&szlig; 
einem die Hand bieten. Die Begierde, den Sergius zum Glauben zu bringen, 
erregte einen solchen Eifer gegen Elymas, dessen Ansehen heruntergesetzt 
werden mu&szlig;te. Im Grund wurde doch auch f&uuml;r Elymas noch Hoffnung 
&uuml;brig gelassen, da&szlig; die Decke nicht nur von den Augen, sondern 
auch von dem Herzen wegfallen k&ouml;nnte. Die Wege des HErrn sind richtig. 
Allen, die Schritt f&uuml;r Schritt den Z&uuml;gen GOttes folgen wollen, 
hat GOtt einen lichten und gangbaren Weg zur Wahrheit, Freiheit und Gewissensruhe 
bereitet. Wer das aber aus Untreue, Lust zur Eitelkeit, Flatterhaftigkeit 
ausschl&auml;gt, mu&szlig; freilich in Zweifel h&auml;ngen bleiben. Das 
an Elymas ausgebrochene Gericht setzte Sergius in Freiheit von seiner Verf&uuml;hrungsmacht. 
Eigentlichen Samen und Wurzel zum Glauben aber mu&szlig;te die Lehre des 
HErrn austragen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 13,13-43</font></b></h4> 
 
<p><b>Zu Antiochia in Pisidien h&auml;lt Paulus eine gesegnete 
Predigt von Christo.</b> 
 
<p>Ob Johannes sich von ihnen geschieden, nur weil ihm die 
Beschwerden der Reise zu viel, und das Verlangen nach seiner Mutter zu stark geworden; 
oder ob wirklich bei ihm eine Bedenklichkeit gegen die Arbeit des Paulus 
darunter gelegen, wird nicht ausgedr&uuml;ckt. Es kann aber Beides gewesen 
sein, und Eines das Andere bedeckt haben. Paulus aber hat es ihm im Folgenden 
hoch angerechnet. - So lange auch nur das Lesen des Gesetzes und der Propheten 
unter den Juden noch lauter war, so waren sie leichter zum Glauben an das 
Evangelium einzuladen. Durch ihre nachmaligen im Talmud festgesetzten Aufs&auml;tze 
und Befestigungen haben sie sich noch eine st&auml;rkere Decke vor Herz 
und Augen vorgezogen. Weit mehr Erbauung w&auml;re zu hoffen, wenn Mehrere 
in der Gemeinde redeten, und ihre Erkenntnis und Erfahrung zum gemeinsamen 
Nutzen beitr&uuml;gen. Da es dann ein Jeder nur so lange treiben d&uuml;rfte, 
als es aus dem Geist frei fl&ouml;sse. Jetzt hat man um so mehr Ursache, 
GOtt zu bitten, da&szlig; Er den Mangel, der daraus entsteht, da&szlig; 
nur einer immer das Wort f&uuml;hrt, selbst erstatten m&ouml;ge. - Wie 
der liebe Heiland selber das, was von der Wahrheit GOttes vor Ihm gepflanzt 
war, wohl ben&uuml;tzte, so leitete nachgehends auch sein Geist die Apostel, 
da&szlig; sie den christlichen Glauben &uuml;berall auf den Stamm des Israelitischen 
pflanzten; und daneben die von GOtt in allen seinen Wegen behauptete Selbst&auml;ndigkeit 
zeigten, wie Er aus Gnade nach freier Wahl handle, da&szlig; sich vor Ihm 
niemand r&uuml;hmen k&ouml;nne, &uuml;berall hervorleuchte, da&szlig; Er 
den Dem&uuml;tigen Gnade gebe, und seinen Vorsatz durch unansehnliche Kreuzeswege 
durchf&uuml;hre. Auch der Ausdruck: <i>Er 
duldete ihre Weise</i>, deutet so etwas an, da&szlig; GOtt durch all 
das widerw&auml;rtige Bezeugen der Israeliten nicht von seinem Vorhaben 
abgebracht worden sei, sondern von den empfindlichsten Z&uuml;chtigungen 
immer wieder ins Gnadengeleis mit ihnen eingelenkt habe. Und so werden 
weiter aus dem ganzen Verlauf der Zeiten merkw&uuml;rdige Spuren gesammelt, 
wie GOtt die Menschen zum Glauben an das Evangelium habe vorbereiten m&uuml;ssen. 
David bekommt hierbei den Namen eines Mannes nach GOttes Herzen, weil er 
so voll von Vertrauen und Anhangen an GOtt, voll Demut und M&auml;&szlig;igung 
war, der auch bei seinen S&uuml;ndenf&auml;llen seine Zuflucht so gerade 
und dem&uuml;tig zu der rettenden Gerechtigkeit GOttes genommen, sich des 
Messias und seines Reiches gefreut, und GOttes Wort und GOttes Dienst &uuml;ber 
alle G&uuml;ter und Genu&szlig; dieses Lebens hochgehalten hat. Da es am 
n&auml;chsten bei der Erf&uuml;llung war, lie&szlig; GOtt noch das scheinende 
Licht, Johannes den T&auml;ufer vorangehen, damit man doch nicht ohne Erweckung 
bliebe, der v&ouml;llig aufgehenden Gnade des Neuen Testaments w&uuml;rdiglich 
zu begegnen, und auch dort zeigte es sich noch am Volk, und an den besonderen 
Lehrj&uuml;ngern des Johannes, was es kostet, bis man sich von Allem wegweisen 
l&auml;&szlig;t, auf was man mit seiner Achtung hinf&auml;llt, und zu <i>Dem</i> 
kommt, bei dem allein Ruhe f&uuml;r unsere Seele zu finden ist. - An dem 
HErrn JEsu h&auml;lt Paulus auch hier allermeist Sein Leiden und Sterben 
und Seine Auferstehung zum Glauben vor, mit Beziehung auf die Schrift, 
die darunter erf&uuml;llt werden mu&szlig;te; und fa&szlig;t sie dann bei 
dem, in ihrem Gewissen liegenden Hunger und Durst nach der Gerechtigkeit 
an, und zeigt, wie die, durch das Gesetz vergeblich gesuchte Ers&auml;ttigung 
desselben in JEsu allein zu finden sei. Bei allem noch so evangelischen 
Vortrag aber, kann man doch den Stachel: Werdet ihr nicht glauben, so werdet 
ihr sterben in euren S&uuml;nden, nicht entbehren. Wie der weitere Erfolg 
auch hier erwiesen, da&szlig; Pauli Warnungswort nicht &uuml;berfl&uuml;ssig 
gewesen ist. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 13,44-52</font></b></h4> 
 
<p><b>Den folgenden Sabbat fielen Umst&auml;nde vor, die Paulus 
veranla&szlig;ten, sich mit dem Wort vom Reich v&ouml;llig von den widerspenstigen 
Juden ab, und zu den Heiden mit Hoffnung guter Frucht zu wenden.</b> 
 
<p>Alte und zu allen Zeiten bew&auml;hrte Eigenschaften des 
g&ouml;ttlichen Wortes, da&szlig; es der Menschen Herzen und ihre Liebe 
an sich zieht, bis man es erst wieder von sich wegraisonniert, und aus 
fleischlichen politischen Ursachen hinter sich wirft! Schon Christus selbst 
hatte viel <i>Widersprechen</i> zu erdulden, 
aus Neid, weil man nicht zugeben wollte, da&szlig; Er etwas ausrichtete, 
was man nicht selbst auszurichten vermochte. Wie viel Widerstand geschieht 
noch seinem Reich aus Neid! Widersprechen geschieht noch mit einigem Schein, 
aber das bald dazu schlagende <i>L&auml;stern</i> 
zeigt, was f&uuml;r Entz&uuml;ndungen aus der H&ouml;lle dahinter stecken. 
Eigentlich halten die Menschen das ewige Leben keines ernstlichen Trachtens 
darnach wert. Aus solchem Unglauben aber erw&auml;chst zuletzt auch die 
Verzweiflung, in welcher man sich <i>des 
ewigen Lebens unwert</i> und unf&auml;hig achtet. Wie im Gegenteil uns 
GOtt unter dem Glauben und dessen &Uuml;bung auch des Berufs w&uuml;rdig 
macht <i>(2. Thess. 1:11)</i>. - Sch&ouml;n 
ist es, wie Paulus und Barnabas die - dem Sohn vom Vater gegebene <i>Verhei&szlig;ung 
das Licht der Heiden zu sein</i>, als ein ihnen geltendes <i>Gebot</i> 
anziehen, weil sie n&auml;mlich zur Erf&uuml;llung dieser Verhei&szlig;ung 
mitzuwirken bereit waren. Absolut selig werden wollen, wie es sich ein 
Jeder in den Kopf setzt, das w&auml;re unserem alten Adamssinn gem&auml;&szlig;. 
Aber sich in rechter Ordnung des ewigen Lebens annehmen, und bei von Schritt 
zu Schritt bewiesenem Gehorsam der Gnadenordnung gem&auml;&szlig; darnach 
trachten, das ist des Glaubens Gesch&auml;ft. - Wenn man gern eine Verfolgung 
wider Christum, und die aus ihm gr&uuml;nende Gottseligkeit erwecken m&ouml;chte, 
so nimmt man gern Leute dazu, die sonst einen Schein der Tugend und Ehrbarkeit 
haben, aber eben doch von Kains Art sind, und sich ihr Opfer nicht verachten 
lassen wollen. Aber auch durch solche Masken hat sich das Christentum nicht 
st&uuml;rzen lassen. Das weibliche Geschlecht kann man sonderlich auch 
zur Aufwiegelung Anderer, und sonderlich Oberer mi&szlig;brauchen. Was 
auf der einen Seite durch Verfolgung an der Ausbreitung in die Weite verhindert 
zu werden scheint, das kommt an der &uuml;brigen Gr&uuml;ndung und Bew&auml;hrung 
desto merklicher herein. Darum wird der J&uuml;nger F&uuml;lle des Geistes 
und seiner Freuden dabei angemerkt. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 14,1-28</font></b></h4> 
 
<p><b>Weitere erfreuliche Spuren, wie Paulus und Barnabas unter 
allem Leiden so unerm&uuml;det am Dienst des Evangeliums gewesen, ja darunter 
immer beherzter geworden sind, mit welcher Nachricht sie auch die Gemeinde 
zu Antiochia im Glauben gest&auml;rkt haben.</b> 
 
<p>Wer der Wahrheit nicht gehorsam wird, verf&auml;llt leicht 
dahin, da&szlig; er Andere davon abwendet. Ihr kommt selbst nicht hinein, 
und wehrt denen, die hinein wollen, ging von da an bei den neidischen Juden 
in Erf&uuml;llung. Doch l&auml;uft immer auch standhaftes Bekenntnis neben 
dem Widerspruch her, und dar&uuml;ber spaltet sich immer noch in der Welt, 
in einer Stadt, oft auch in einem Haus die Menge. Fragt sich nur, mit wem 
h&auml;ltst du es? Der Wind der Verfolgung kommt dem Feuer, das der HErr 
JEsus anzuz&uuml;nden auf Erden gekommen ist, zum weiteren Ausbreiten zu 
statten. Die Apostel brachten ihre Zeit nicht mit Klagen &uuml;ber erlittenes 
Unrecht zu. Es ging bei ihnen vielmehr gleich wieder an einen fr&ouml;hlichen 
Angriff des Werks, dazu sie GOtt beschieden hatte. - Das Bezeugen des lahmen 
Mannes zu Lystra bei der Anh&ouml;rung des Worts machte Paulus aufmerksam, 
und erweckte in ihm auch die Gabe, ihm die Herstellung seiner gel&auml;hmten 
Glieder anzutragen, damit er auf solche Weise an Leib und Seele von der 
Kraft des gepredigten Heils durchdrungen w&uuml;rde. Dies ist eins von 
den Schrift = Exempeln, woraus man die wechselseitige Einwirkung erl&auml;utern 
kann, die oft des Einen Wort in des Anderen Glauben, und hinwiederum des 
Einen Glauben in des Anderen Herz hat. Gleichwie auch umgekehrt Anderer 
Unglaube einem wie ein Schlo&szlig; und Band anlegen kann, da&szlig; man 
nicht wohl Etwas zu reden oder vorzunehmen vermag. - Der Anblick des gro&szlig;en 
Wunders brachte die Leute auf die Vermutung, die G&ouml;tter offenbarten 
sich in menschlicher Gestalt. H&auml;tten sie genauer auf die Lehre des 
Paulus gemerkt, so h&auml;tten sie sich nicht so weit verloren. Aber so 
geht es in Aberglauben und abergl&auml;ubisches Bezeugen hinein, wo man 
von g&ouml;ttlichen Dingen nur Etwas an sich rei&szlig;t, und sich nicht 
den richtigen Sinn davon zeigen l&auml;&szlig;t. Von dergleichen Aberglauben 
begehrten die Apostel ja nicht Nutzen zu ziehen. Es ist nicht GOttes Weg, 
da&szlig; man Anderer Aberglauben, ihre Hochachtung, die sie einem bezeugen, 
ihre Lust, so sie zu &auml;u&szlig;erlichem Gepr&auml;nge haben, noch unterhalte, 
unter dem Schein, als ob man damit doch noch Etwas von Religion in ihnen 
n&auml;hren k&ouml;nnte. Die Apostel h&auml;tten leicht an die Stelle der 
G&ouml;tzen kommen k&ouml;nnen, die sie st&uuml;rzten. Aber da haben sie 
lieber merken lassen, in welch irdenes Gef&auml;&szlig; GOtt seinen Schatz 
gelegt hat. Es hat auch heutigen Tages noch Gefahr, da&szlig; Manche sich 
nicht zu ihrem Pfarrer, wie zu einem neuen G&ouml;tzen, bekehren. Die jetzige 
Welt kann ihre Ehrenbezeugungen feiner anbringen, als diese Leute mit ihren 
Ochsen und Kr&auml;nzen. Aber ihr Rauchwerk des Lobes ist desto giftiger, 
wenn sie einen damit abfangen will. Wer nicht auf seiner Hut ist, dem kann 
es wohl geschehen, da&szlig; er sich in Achtung und Kredit setzt, aber 
f&uuml;r den HErrn JEsum doch nichts ausrichtet. Wo aber der HErr JEsus 
nicht in das Ansehen zu bringen ist, da sollen wir lieber auch nichts gelten 
wollen. Gro&szlig;er Beweis f&uuml;r die Wahrheit des Evangeliums, da&szlig; 
dadurch die Abg&ouml;tterei mehr gest&uuml;rzt worden ist, als durch alle 
vorigen Offenbarungen GOttes nicht geschah, und also die Erkenntnis des 
einigen lebendigen GOttes dadurch aufgerichtet worden ist! Das Vorurteil, 
worin man aufgewachsen ist, gibt sonst einen starken Riegel gegen die Wahrheit. 
Aber Paulus hebt es gar schicklich auf. Einesteils unter dem Vorhalt, da&szlig; 
GOtt eine Weile dies Denkmal, wie weit die Menschen haben verfallen k&ouml;nnen, 
stehen lasse, und andernteils, wie GOtt doch auch immer die Hand zu besserer 
Erkenntnis der Wahrheit geboten habe. Beim gr&ouml;&szlig;ten Eifer, den 
vorgehabten Opfern zu wehren, kamen sie doch gleich auf solche n&uuml;chterne 
Worte. Daraus sieht man, unter welchem Regiment des Geistes sie standen. 
Wie schnell es sich aber mit der Menschen Huld verkehren k&ouml;nne, sieht 
man freilich auch aus dem nachherigen Bezeugen. Desto &uuml;berzeugender 
war aber auch die nachmalige <i>Weisung</i>, 
welche sie sp&auml;ter aus der neuesten Erfahrung an sich selbst, an die 
von ihnen besuchten Gemeinden erlie&szlig;en, da&szlig; wir durch viel 
Tr&uuml;bsal in das Reich GOttes eingehen m&uuml;&szlig;ten, der noch immer 
gilt, so lange die - im Paradies festgesetzte Feindschaft zwischen des 
Weibes - und der Schlange Samen dauert, unser Fleisch solcher Kreuzigung 
bedarf, und der neue Menschen unter &Uuml;bung der Geduld und Verleugnung 
wachsen mu&szlig;, bis das Reich GOttes aus seiner Verborgenheit hervorbrechen 
wird. Bed&auml;chtlich wird es zusammengenommen: Sie ordneten ihnen &Auml;lteste 
und befahlen sie dem HErrn. Der Menschen Sinn trennt es so gern: Will entweder 
nichts durch Anderer Handreichung annehmen, sondern sich seines Anhangens 
am HErrn selbst r&uuml;hmen, oder aber lehnt sich faul auf menschliche 
Ordnungen hin, und lebt nicht seines eigenen Glaubens. - Nachrichten vom 
Lauf des Evangeliums k&ouml;nnen oft viel erbauen. Die zu Antiochia hatten 
mit Beten und Fasten zu ihrer Aussendung mitgewirkt. Darum sollten sie 
billig auch der Frucht davon teilhaftig werden. T&uuml;re des Worts hei&szlig;t 
es <i>Kol. 4:3</i> f&uuml;r die Redenden, 
T&uuml;re des Glaubens f&uuml;r die Zuh&ouml;rer. O GOtt, arbeite doch 
weiter an meinem Herzen, sonderlich durch Dein Wort, und wenn ich mit Deinem 
Wort an meinen N&auml;chsten komme, so gib mir auch eine offene T&uuml;re, 
und zuletzt einen reichlichen Eingang in Dein himmlisches Reich! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 15,1-21</font></b></h4> 
 
<p><b>Die entstandene Frage: Ob man den aus dem Heidentum bekehrten 
Gl&auml;ubigen die Beschneidung aufdringen solle, oder nicht, wird von 
den Aposteln und &Uuml;brigen zu Jerusalem in &Uuml;berlegung genommen. 
Petrus und Jakobus machen zur Entscheidung derselben nachdenkliche Vortr&auml;ge.</b> 
 
<p>Paulus war, von den Tr&uuml;bsalen etwas auszuruhen, gen 
Antiochia gekommen, und fing an sich mit den Br&uuml;dern &uuml;ber ihren 
gemeinschaftlichen Glauben zu erbauen, so kam diese neue Not nach. Wie 
gut aber, da&szlig; diese gesegneten Erweisungen GOttes unter den Heiden 
schon vorangegangen waren, woraus hernach die Gr&uuml;nde zur Entscheidung 
genommen werden konnten. GOtt ist &uuml;berall der Erste und der Letzte. 
Das Widrige kommt erst hinter seinem Segen darein, bleibt aber nicht stehen. 
Die St&ouml;rer des friedsamen Glaubens = Ganges kamen von Jud&auml;a herab, 
stunden auch in einem j&uuml;dischen eigenliebigen Sinn, und f&uuml;hrten 
eine meisterlose Sprache. GOtt wandte es aber, da&szlig; auch von Jud&auml;a 
und Jerusalem her das Gegenteil best&auml;tigt werden, und in alle Welt 
ausgehen mu&szlig;te. Da&szlig; sie es als zur Seligkeit notwendig aufbringen 
wollten, das war das Gef&auml;hrlichste, und erforderte schleunige Hilfe, 
damit &auml;ngstlichen Seelen Luft gemacht w&uuml;rde. Was ohne genugsamen 
Grund aus GOttes Wort und Wahrheit so hoch gesetzt, und als zur Seligkeit 
n&ouml;tig betrieben, aber doch als sehr f&ouml;rderlich angepriesen wird, 
das kann gar leicht zu einer bitteren Wurzel ausschlagen, und viel Unfrieden 
anrichten. Durch Erneuerung auf das Angedenken, was GOtt mit ihnen getan, 
und durch Erz&auml;hlen von dem - der Gnade w&uuml;rdigen Wandel, worin 
die Heiden standen, konnten diese Heiden = Apostel ihre Herzen st&auml;rken, 
&uuml;ber dieser guten Sache unverdrossen zu halten, und gern auch dar&uuml;ber 
zu leiden. F&uuml;r Andere aber lag darunter schon auch eine Vorbereitung, 
diesen Gl&auml;ubigen keine ungeb&uuml;hrliche Last aufzulegen. In wie 
viel Vorurteilen von der Erziehung und anderen Quellen her man neben dem 
Glauben eine Zeit lang k&ouml;nne stecken bleiben, davon hat die Kirchengeschichte 
bedenkliche <font face="Symbol">B</font>eispiele. Die g&ouml;ttliche Eingebung, 
unter welcher die Apostel sonst standen, und woraus sie Glaubenslehren 
und Lebenspflichten entschieden, schlo&szlig; hier gemeinschaftliche Beratschlagung 
und Betrachtung des geschriebenen Worts nicht aus. Der herbe Ausdruck: 
<i>sich 
gezankt</i>, ist nach des seligen Luthers Zeiten zu beurteilen, und 
eigentlich als ein Befragen und Versehen beiderlei Meinungen und ihrer 
Gr&uuml;nde anzusehen. Mit guter Voraussicht ist es geschehen, da&szlig; 
die Erstlinge aus den Heiden durch den Dienst des Petrus herbeigef&uuml;hrt 
worden sind. Denn da man Paulus und seine Frucht unter den Heiden nachgehends 
ohnehin mit dem Ansehen des Petrus h&auml;tte gern niederdr&uuml;cken m&ouml;gen 
(wie aus <i>Gal. 2</i> und sonst abzunehmen), 
so verlor dies Vorgeben viel Schein, da Petrus selbst den Grund zu dieser 
besonderen Haushaltung GOttes mit den Heiden gelegt hatte, &uuml;ber welcher 
Paulus nachgehends nur unverbr&uuml;chlich hielt. Da&szlig; unter der Hinzulassung 
der Heiden zu der Gnade Christi ohne den Beschneidungszwang nichts &Uuml;bereiltes 
noch Un- ordentliches vorgenommen worden, deshalb beruft sich Petrus auf 
den Herzensk&uuml;ndiger, der es ja am Besten wissen konnte, wie Er sie 
ansehe, und wie Er sie auch von anderen angesehen haben wolle. Das gr&ouml;&szlig;te 
und &uuml;ber alle &uuml;brige leibliche Reinigungen weit Erhabene ist 
ja die Reinigung des Herzens durch den Glauben. Was setzt so von allen 
eigenliebigen Gedanken, verkehrten Begriffen, irdischem Sinn so herunter, 
als der Glaube? Was f&uuml;hrt so aus allem Mi&szlig;trauen und Scheue, 
die sich verborgen h&auml;lt, hervor, als die durch den Glauben am Herzen 
widerfahrene Reinigung? Wer in einer Sache, darin GOtt schon hinl&auml;nglichen 
Ausspruch getan, und damit richtigen Herzen weiter aufgehendes Licht ges&auml;t 
hat, doch nicht ruhig halten, sondern seine eigenwilligen Gedanken geltend 
machen will, der <i>versucht GOtt</i>. 
Die &auml;u&szlig;erliche Zeremonie, sich beschneiden zu lassen, w&auml;re 
just nicht so f&uuml;r ein unertr&auml;gliches Joch zu rechnen gewesen. 
Aber die dabei aufgeb&uuml;rdete Notwendigkeit zum Seligwerden machte die 
gr&ouml;&szlig;te Not. Dabei w&auml;ren die jetzigen Gl&auml;ubigen im 
Gewissen &uuml;bler dran gewesen, als vormals die V&auml;ter, die es als 
Zuchtmeisters Anleitung auf Christum brauchten, und dorther die Vollendung 
ihrer Gewissen in guter Hoffnung herleiteten, die sie im Gesetz nicht haben 
konnten. Durch Petri Vorgang war nun die Menge schon auch zubereitet, Pauli 
und Barnab&auml; Erz&auml;hlungen bed&auml;chtlicher und fruchtbarer, mit 
weniger Vorurteil, anzuh&ouml;ren. Die Weisheit von oben ist freilich aufs 
Erste keusch, und bewahrt sich, da&szlig; sie nicht ohne Grund von Anderen 
Etwas annimmt, das der Lauterkeit entgegen ist, sie ist aber auch friedsam, 
gelinde, l&auml;&szlig;t sich sagen <i>(Jak. 
3:17)</i>. <i>Petri Vortrag</i> nahm 
sein Augenmerk mehr auf <i>GOttes Werk</i>, 
auf die aus der Erfahrung vor Augen liegenden Wege GOttes; nun tut <i>Jakobus 
</i>hinzu, 
wie damit auch das <i>Wort</i> in der 
Propheten Schriften stimme. GOttes Werk und Wort geh&ouml;rig miteinander 
verbunden, gew&auml;hren noch viel Gewi&szlig;heit. Wer GOttes Wort, sonderlich 
auch der Propheten Schriften, fruchtbarlich erforschen will, mu&szlig; 
auch GOttes Taten und Werken ihren geh&ouml;rigen Wert zu bestimmen wissen. 
Und wer darin zu ge&uuml;bten Sinnen kommen will, mu&szlig; sich aus GOttes 
Wort das rechte Licht aufstecken lassen. Wer von den Gl&auml;ubigen aus 
den Juden nicht unparteiisch genug in den Verfall, in die L&uuml;cken, 
die Aufrichtens n&ouml;tig hatten, hineinsah, dem war das, was GOtt mit 
der Annahme der Heiden tat, kein rechter Dank; der wollte lieber selbst 
an seiner Sache flicken, als die von GOtt aufgerichtete Behausung im Geist 
mit Freuden ansehen. So lange hatte man aus <i>Psalm 
102</i> darum gebeten: Du wollest dich aufmachen, und &uuml;ber Zion 
erbarmen. Deine Knechte s&auml;hen es gerne, da&szlig; sie gebaut w&uuml;rde. 
Und da es nun daran war, so wollte man es nicht besser verstehen, sondern 
h&auml;tte die zugerichteten Steine und Kalk gern wieder anders umgearbeitet. 
Mit Allem, was GOtt durch den reichlichen Beruf der Heiden in die mit keinem 
Beschneidungszwang belegte Gnade Christi tat, war es ja doch nur eine aus 
dem &uuml;brigen gro&szlig;en Haufen, der dem Zorn heimf&auml;llt, herausgezogene 
k&ouml;stliche Auswahl, &uuml;ber welche bei der an sie gekommenen, und 
von ihnen im Glauben angenommenen Predigt des Evangeliums, des HErrn Name 
genannt wurde. Wenn GOtt schon mit der Offenbarung Seines Worts und mit 
der Ausf&uuml;hrung seiner Werke nach und nach verf&auml;hrt, so hat Er 
doch durch das Nachfolgende das Vorige niemals abzu&auml;ndern n&ouml;tig, 
wie es bei Menschen um eines dazwischen gekommenen unvermuteten Umstandes 
willen geschehen kann; sondern wenn es in der Erf&uuml;llung weiter ger&uuml;ckt 
ist, so fand es sich, da&szlig; GOtt auch schon die jetzt sich ergebende 
Ab&auml;nderung in Seinem Wort vorausgesehen und angedeutet hat. O wie 
l&auml;uft es vom Anfang der Wege GOttes im ersten Buch Mose bis an das 
in der Offenbarung des Johannes beschriebene Ziel nach einem solchen Reichtum 
der Weisheit und Erkenntnis durch, da&szlig; man es nicht genug bewundern 
kann, wie GOtt Alles durchgesehen, und schon in das erste Verhei&szlig;ungswort 
Alles gelegt hat, was nachmals Christi Kreuz und Thron weiter aufgeschlossen 
hat! - Die Gewissenhaftesten, die sich eigentlich zu GOtt bekehren, kann 
man mit Auflegung vieler &auml;u&szlig;erlicher &Uuml;bungen am Meisten 
verderben, entweder auf falsches Vertrauen leiten, oder im Gewissen mit 
Not verstricken. Die in wenigerem Ernst stehen, machen sich auch aus Allem 
weniger. Abg&ouml;tterei und Hurerei war bei den Heiden gemeiniglich beisammen, 
und auch unter der angehenden Gemeinde Christi h&auml;tte Eins ein Fallstrick 
zum Anderen werden k&ouml;nnen. Blut und ersticktes Essen war den Juden 
ein gro&szlig;er Ansto&szlig;. Diesen zu vermeiden waren die Heiden aus 
Liebe schuldig. Da GOtt &uuml;berhaupt durch die Zerstreuung der Juden 
unter alle V&ouml;lker auch Moses und der Propheten Schriften zu mehrerer 
Kenntnis unter den Heiden gebracht hatte, so hofft der Apostel, da&szlig; 
sie durch die n&auml;here Ber&uuml;hrung miteinander, indem Juden und Heiden 
unter einander wohnten, und die zum Christentum Bekehrten in den j&uuml;dischen 
Schulen zusammen kamen, schon werden bedeutet werden, worin sie einander 
sich etwa weiter zur Besserung gef&auml;llig machen k&ouml;nnten. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 15,22-34</font></b></h4> 
 
<p><b>Nach dieser gemeinschaftlichen &Uuml;berlegung wird ein 
Ausschreiben angefertigt, wegen dem, was die Gl&auml;ubigen aus den Heiden 
zu tun h&auml;tten, mit dessen &Uuml;berlieferung die Abgeordneten hin 
und wieder viel Freude verursachten.</b> 
 
<p>Hier ist auf alle Zeiten hinein ein Muster der christlichen 
Klugheit gegeben, wie in Einrichtung einer Gemeinde, in Entscheidung einer 
Sache, in Fortf&uuml;hrung einer Anstalt so zu verfahren sei, da&szlig; 
dem Gewissen, der Liebe, der Freiwilligkeit nichts vergeben werde, und 
es also zum Gewinn der Meisten gesegnet sein kann. Bei der Ausbreitung 
des Evangeliums ist bis dahin alles m&uuml;ndlich ausgerichtet worden. 
Hier griff man zum ersten Mal zum Schriftlichen. Die ernstliche Widerlegung 
der eigenm&auml;chtigen Gesetz = Eiferer wurde angebracht, um dem Gewissen 
der Anderen Luft zu machen; wie der Heiland auch von den Pharis&auml;ern 
und Schriftgelehrten oft so hart geredet hat, um den unter ihr Ansehen 
Gefangenen aufzuhelfen. Dem Paulus und Barnabas wird hingegen ein gutes 
Zeugnis beigelegt, allermeist von den Malzeichen ihrer Leiden hergenommen, 
welchen auszuweichen diese j&uuml;dischen Eiferer besser verstanden. Leiden 
sollen einem im Reich Christi eher eine Macht &uuml;ber Anderer Herzen 
geben, als da&szlig; sie einen ver&auml;chtlich machen. - Beim heutigen 
R&uuml;ckfall in heidnischen Unglauben kommt auch die heidnische Geringsch&auml;tzung 
der Hurerei wieder auf. Wo Christi Geist Raum hat, kann es in keine solche 
Frechheiten ausarten. - Auch von den f&uuml;r n&ouml;tig erkannten wenigen 
St&uuml;cken brauchen sie nur den m&auml;&szlig;igen Ausdruck: <i>Ihr 
tut wohl</i>, gegen jener Ungest&uuml;men Drohen: Ihr k&ouml;nnt nicht 
selig werden. O wie hat man der Gewissen zu schonen! Diese standhafte Erkl&auml;rung 
war ein <i>Trost</i> f&uuml;r die Bekehrten 
aus dem Heidentum. Denn wenn schon das Reich GOttes nicht Essen und Trinken 
ist, und nicht in dergleichen Freiheiten haupts&auml;chlich besteht, so 
ist es doch eine k&ouml;stliche F&ouml;rderung, wenn das, was die Gerechtigkeit 
und den Ruhm an GOtt, was den Frieden und das zuversichtliche Zusammenflie&szlig;en 
mit Anderen, was die Freude im Heiligen Geist aufhalten wollte, aus dem 
Weg getan wird. Damit entstand denn aus dieser Veranlassung viel Erbauen 
auf den gemeinschaftlichen Glauben. Was es f&uuml;r Nutzen gehabt habe, 
da&szlig; Silas zum Dableiben gelenkt worden, wird sich im Nachfolgenden 
aufschlie&szlig;en. Was ist an einem wachsamen Herzen gelegen, dem GOtt 
mit einer Augenleitung den Weg zeigen kann! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 15,35-41</font></b></h4> 
 
<p><b>Des Paulus und Barnabas letzte gemeinschaftliche Arbeit, 
ihre erfolgte Trennung, auf welche Paulus Silas zum Gehilfen bekommt.</b> 
 
<p>Antiochia mu&szlig; ein gelegener Ort gewesen sein, wo 
das Licht des Evangeliums auf einen Leuchter gesetzt war, da&szlig; es 
Vielen weit herum dienen konnte. Doch kam Paulus ein Verlangen an, auch 
wieder nach ihrer anderw&auml;rtigen Arbeit zu sehen. Wie er das in br&uuml;derlichem 
Sinne unternahm, nicht aus Mi&szlig;trauen, sondern in z&auml;rtlicher 
Liebe <i>(1.Thess. 3:5);</i> so mu&szlig;te 
es freilich auch von den Anderen in gleichem Sinne aufgenommen werden. 
Wer sich auf den Tag r&uuml;stet, wo der K&ouml;nig hineingehen wird, die 
G&auml;ste zu besehen, der l&auml;&szlig;t sich auch gern von Anderen besehen, 
wie er sich im Glauben, in der Liebe, in der Hoffnung befinde? Anfangs 
wird Barnabas Gedanke wegen Johannis Gef&auml;hrtschaft nur bescheiden 
als ein gegebener Rat vorgestellt, wobei also &Uuml;berlegung Statt gehabt 
h&auml;tte. Aber es hatte bei ihm doch schon so tiefe Wurzel, da&szlig; 
er der gegenseitigen Vorstellung nimmer nachgab. In Pauli Meinung war mehr 
Sch&auml;rfe aus der Wahrheit, in Barnabas Sinn mehr Nachgeben aus der 
Liebe. Warum ist aber dieser Zwiespalt so ausgekommen, und hier gar aufgeschrieben 
worden? Ist das nicht auf alle Zeiten hinein anst&ouml;&szlig;ig? Nein, 
eben darin unterscheidet sich die Schriftgeschichte von menschlichen Lebensbeschreibungen. 
Die Schrift setzt einen guten Menschen, und erz&auml;hlt hernach Manches 
von seinen Fehlern, wie sie durch GOttes Gnade zum Guten gelenkt worden 
sind. Menschliche Lebens = Beschreibungen melden fast lauter sch&ouml;ne 
Sachen, dabei es doch um den ganzen Menschen mi&szlig;lich aussehen kann. 
Heuchelei und gro&szlig;e Blindheit an sich selbst zeigt es an, wenn einer 
sich an solchen Fehlern st&ouml;&szlig;t. Wer sich selbst kennt, und wei&szlig;, 
aus welchem Tod des alten Menschen alle Frucht des neuen Menschen erwachsen 
mu&szlig;, der wird GOtt danken, da&szlig; er solche St&uuml;cke in sein 
Wort gesetzt hat. Wir brauchen nicht sowohl unverbesserliche Tugendbilder, 
als vielmehr Exempel, wie man aus der Schwachheit des Fleisches, aus den 
Nachstellungen des Satans, aus dem dringenden Zusammentreffen mancher schnellen 
Umst&auml;nde wieder herausgezogen, und auf richtigen Weg geleitet wird. 
H&auml;tte aber doch nicht Einer dem Anderen nachgeben, als einen solchen 
Ri&szlig; zum Voneinanderziehen veranlassen sollen? Wir wissen nicht Alles, 
was sonst mag in der Stille mitgewirkt haben. Man erw&auml;ge zum Einen 
nur aus <i>Gal. 2:13-14</i>, ob es nicht 
Barnabas kann begegnet sein, da&szlig;, da er sonst vor Paulus in Christo 
gewesen, und in gro&szlig;em Ansehen bei der Gemeinde gestanden ist, ja 
Paulus erst aufgesucht und angef&uuml;hrt hat <i>(Apg. 
9:27, 11:25-26), </i>Paulus nun aber durch seine reiche Einsicht in 
die Haushaltung GOttes mit den Heiden so einen Vorsprung vor ihm bekam, 
er es nicht gleichm&uuml;tig genug angesehen hat. So kann es auch f&uuml;r 
Pauli nachmalige amtliche Wirksamkeit f&ouml;rderlich gewesen sein, da&szlig; 
er, statt an Barnabas einen ganz gleichen Kollegen zu haben, er nun in 
Silas einen mehr ihm untergebenen Gehilfen bekam. Demnach h&auml;tte Barnabas 
nachgeben sollen? Auch das kann man nicht just sagen. Es kann auch gut 
gewesen sein, da&szlig; er &uuml;ber seiner Liebe zu Markus gehalten hat. 
Markus hat sich nachgehends wieder zurecht gefunden, wie selbst Paulus 
seiner <i>Kol. 4:10</i> im Besten gedenkt. 
Da kann ihm auf der einen Seite Pauli Ernst zu seiner Dem&uuml;tigung, 
auf der einen Seite Barnabas nachgebende Liebe zu seinem Trost und Wiederaufrichten, 
Eines so n&ouml;tig als das Andere gewesen sein. Beide haben also auf einem 
ganz unterschiedlichen Weg doch zu seinem Besten gearbeitet. Wir sind gemeiniglich 
viel zu kurz angebunden, bestehen nur auf einerlei Weg. Es ist ein Mi&szlig;verstand, 
der aus einem gesetzlichen Sinn herr&uuml;hrt, wenn man meint, ein Kind 
GOttes m&uuml;sse das Einemal eben so, wie das Anderemal, handeln, und 
ein Anderer daneben auch wieder gerade so. Das Evangelium bringt einen 
getrosten Sinn und ein weites Herz mit sich, das mit g&ouml;ttlicher Weisheit 
und mit wohlbefugter Freiheit so handeln, aber auch abwechseln kann, wie 
es die Umst&auml;nde erfordern; und so r&auml;umt man auch Anderen gleiches 
Recht ein. O wenn man nur nicht Gefallen an sich selbst, an seiner Meinung, 
an seiner Weise hat, sondern, einen Anderen von Herzen h&ouml;her achten 
kann, als sich selbst. Wenn man nur sich keines Menschen r&uuml;hmt, und 
just meint, man m&uuml;sse dieses und jenes Mannes Beifall haben. O wer 
darauf merkt, wie uns des Einen Sch&auml;rfe, Geringachtung, Zur&uuml;cksetzung 
eben so gut und n&ouml;tig ist, als die Liebe, der Beifall, so man bei 
Anderen findet! - Im Beschlu&szlig; der Geschichte finden sich subtile 
Anzeigen, da&szlig; die Br&uuml;der im Grund Paulus mehr Recht gegeben 
haben, als Barnabas. Und Paulus selbst fand sich durch diesen Vorfall nicht 
geschw&auml;cht, noch vom Leben aus GOtt verr&uuml;ckt; vielmehr etwa auch 
durch diese Erfahrung f&uuml;r manche Schw&auml;chere zu ihrer St&auml;rkung 
desto brauchbarer. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 16,1-12</font></b></h4> 
 
<p><b>Die &uuml;ber Paulus und seine Reise erbetene Gnade GOttes 
offenbart sich bald auf mannigfaltige Weise, teils in Zuf&uuml;hrung des 
ihm nachmals so n&uuml;tzlichen Sohnes im Glauben, Timotheus, teils in 
Abwendung einer vergeblichen Bem&uuml;hung, teils im Auftun einer T&uuml;re 
in Macedonien, die nachmals so viel Frucht schaffte.</b> 
 
<p>Wie sich Paulus vorgenommen hatte, seine Br&uuml;der zu 
besuchen in den St&auml;dten, wo er zuvor des HErrn Wort gepredigt hatte, 
so kam er nun auch wieder gen Lystra. Mit Timotheus Mutter und Gro&szlig;mutter 
kann Paulus schon bei seiner vorigen Reise bekannt worden sein, wie er 
nachgehends deren ungef&auml;rbten Glauben r&uuml;hmt. Timotheus aber und 
die in ihm liegende Gabe wurde inzwischen erst bekannter. Wer sollte sich 
aus einer so ungleichen Ehe, eines heidnischen Vaters mit einer j&uuml;dischen 
Mutter, einen solchen Segen versprochen haben? O wie hat sich GOtt oft 
Etwas ausersehen, wo Niemand dergleichen suchte. Vermutlich war dieser 
griechische Vater damals schon gestorben, oder hatte sein j&uuml;disches 
Weib wieder verlassen. Daher hatte die gl&auml;ubige Mutter um so freiere 
Hand, ihren Sohn bei der Kenntnis der Heiligen Schrift aufzuziehen <i>(2.Tim. 
1:5, 3:15)</i>. Hingegen hatte sie die Beschneidung in der Jugend nicht 
bewirken k&ouml;nnen. O wie steckt hin und wieder in der Welt ein Waislein, 
das durch frommer M&uuml;tter Tr&auml;nen begossen heranw&auml;chst zu 
einer Pflanze des HErrn! Wie das Kind JEsus selbst zugenommen hat an Gnade, 
nicht nur bei GOtt, sondern auch bei den Menschen, so bereitet GOtt seine 
Werkzeuge zu auch durch das anf&auml;ngliche gute Zeugnis, das ein junger 
Mensch bei Anderen findet, und das oft schon viel in seinen k&uuml;nftigen 
Lauf hineinwirkt. - Au&szlig;er dem guten Zeugnis Anderer aber mu&szlig; 
Paulus selbst eine Vorempfindung von Dem gehabt haben, was er nachgehends 
dem Timotheus nachr&uuml;hmt, da&szlig; er Keinen habe, der so gar seines 
Sinnes sei, wie dieser. Da&szlig; er ihn <i>beschnitt</i>, 
war nicht gegen den apostolischen Schlu&szlig; zu Jerusalem. Denn dieser 
verh&uuml;tete nur, da&szlig; die Beschneidung Keinem als zur Seligkeit 
n&ouml;tig aufgedrungen w&uuml;rde. Paulus handelte in Beidem nur um des 
Evangeliums willen. Wo in dem ein Abbruch zu besorgen war, so wehrte er 
sich gegen den Zwang mit der Beschneidung. Wo aber f&uuml;r das Evangelium 
eine F&ouml;rderung daraus zu hoffen war, da konnte er einen beschneiden 
lassen, und auch sonst den Juden werden als ein Jude <i>(1.Kor. 
9:19-23, 10:33)</i>. Es kann oft noch Etwas in Jemandes Handlungsweise 
einer fleischlichen Weisheit gleichsehen, oder als ein Herumspringen auf 
einen anderen Grund getadelt werden; und es geht doch bei einem redlichen 
Herzen aus einerlei Grund des Glaubens und der Liebe, nur mit unterschiedlicher 
Anwendung auf ungleiche F&auml;lle. - Erkenntnis der Wahrheit und gegr&uuml;ndeter 
Trost daraus befestigt das Herz, da&szlig; es auch zum Laufen im Weg der 
Gebote GOttes williger ist, da sonst der Zweifelsmut viel aufh&auml;lt. 
Die Apostel standen bei ihren Amtsverrichtungen unter einer genauen Augenleitung 
des Heiligen Geistes . Sie trieben ihr Gesch&auml;ft nicht wie ein Handwerk, 
sondern als ein Gnadenwerk, unter achtsamer Bemerkung der ihnen dazu vom 
Geist verliehenen Erweckung. Wo diese ausblieb, oder ihnen gar etwas Zur&uuml;ckhaltendes 
begegnete, da brachen sie nicht im Eigend&uuml;nkel durch. Der Heiland 
selbst hat sich in den Ihm vorgemessenen Grenzen des j&uuml;dischen Landes 
gehalten, und auch da eben darauf gewartet, was ihm sein Vater gegeben. 
Wer gegen GOttes Zug und Darreichung seines Geistes Alles erzwingen will, 
ger&auml;t in eine indiskrete Gesch&auml;ftigkeit, die zwar vor Menschen 
oft Lob hat, aber vor GOttes pr&uuml;fenden Augen weniger taugt. - Aus 
<i>1.Petr. 
1:1</i> aber ist abzunehmen, da&szlig; nachgehends das Evangelium doch 
auch in diesen Gegenden Frucht geschafft hat. Damals aber mu&szlig; es 
entweder dazu noch nicht reif gewesen sein, oder mu&szlig; es seine Ursache 
gehabt haben, warum in Macedonien so zu eilen Not war. Paulus mag dar&uuml;ber 
in manches Nachdenken geraten sein, welches ihn auch auf das den Ausschlag 
gebende Gesicht um so aufmerksamer gemacht hat. - Den Mann aus Macedonien 
haben wir als den <i>ersten Europ&auml;er</i> 
anzusehen, der sich in ihrer aller Namen nach dem Evangelium ausgestreckt 
hat. Denn das ist des Evangeliums Sache, helfen, dem Gewissen aufhelfen, 
den Z&uuml;gen GOttes forthelfen, da&szlig; ein Mensch nicht in den Angriffen 
der Lust zur Wahrheit stecken bleibe. Daneben wird freilich auch des Satans 
Verblendungen und der Welt &Auml;rgernissen abgeholfen, da&szlig; der gute 
Same eher davon aufkommen kann. Mit ihrer Ankunft in Philippi kam also 
das Evangelium erstmals nach Europa, woselbst es nachgehends auf lange 
Zeit gro&szlig;e Frucht schaffte. Da hingegen die asiatische Gegend, die 
sonst der gr&ouml;&szlig;te Schauplatz der herrlichsten Werke GOttes war, 
meistens mit t&uuml;rkischem Unwesen &uuml;berschwemmt worden ist. O in 
wie mancher Gegend ist wieder so eine Teuerung und darunter aufwachender 
Hunger, das Wort GOttes zu h&ouml;ren! Unsere Vorfahren haben es uns erbeten, 
und wir sollen es nun unseren Nachkommen erbeten, da&szlig; uns GOtt sein 
Wort erhalte, und die Wohnung seines Namens bei uns bleibe. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 16,13-40</font></b></h4> 
 
<p><b>Wie GOtt das gute Werk vom ersten Tage an zu Philippi 
angefangen, und der gemachten Hindernisse ungeachtet wohl gegr&uuml;ndet 
habe.</b> 
 
<p>Zeit und Ort, zum gemeinschaftlichen Gebet zusammen zu 
kommen, ben&uuml;tzt hier Paulus, wie anderw&auml;rts die Juden = Schulen, 
dergleichen hier keine anzutreffen waren; und GOtt braucht es wirklich 
dorther dem Evangelium eine T&uuml;r aufzutun. So kann eine Anstalt und 
Gelegenheit oft lange Zeit nicht sonderlich fruchtbar scheinen, aber doch 
einstmals zur F&ouml;rderung des Evangeliums einen guten Dienst tun. Das 
mu&szlig; uns auch in gem&auml;&szlig;er Achtung f&uuml;r unsere Kirchen 
= Anstalten erhalten, als worin GOtt Manches fortf&uuml;hrt, um des k&uuml;nftigen 
Gebrauchs willen, den er noch f&uuml;r sein Reich davon wird machen k&ouml;nnen. 
- Sonst wird das Anklopfen dem HErrn, das T&uuml;rauftun aber uns zugeschrieben 
<i>(Offb. 
3:20)</i>, hier auch das Herzauftun dem HErrn. GOttes gesch&auml;ftige 
und kr&auml;ftige Gnade, und des Menschen Gehorsam treffen zusammen. - 
Der Knechte Christi Sache ist, nicht nur Glauben fordern, und durch die 
Predigt des Evangeliums aufrichten, sondern auch pr&uuml;fen, beurteilen, 
durch ihr Zeugnis und Achtung Andere versichern, da&szlig; sie im Glauben 
stehen, da&szlig; das die rechte Gnade sei, darin sie zu stehen gekommen 
sind. Heutigen Tages kommt man um der vielen Falschheiten willen fast mehr 
ins Zweifelmachen hinein. Aber man mu&szlig; dies herzerquickende St&auml;rken 
und Versiegeln der Redlichen um deswillen nicht gar zur&uuml;cklassen. 
- Ihr Haus, und die Freiheit, darein zu kommen, tr&auml;gt Lydia ihnen 
als eine Glaubensfrucht entgegen, nicht nur als eine H&ouml;flichkeit oder 
sogenanntes Ehrenwort. Im Glauben mu&szlig; man sich immer fein zu dergleichen 
Werken erwecken, sonst kann man m&uuml;de werden, oder das, was man tut, 
schandenhalber, nicht ohne inneres Murren tun, und da ist es gefehlt. Aber 
mit Glauben an das Wort: Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf. Wer ein 
Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt Den auf, der mich gesandt hat. 
Ich bin ein Gast gewesen, und ihr habt mich beherbergt usw., da hat es 
Bestand, und schafft Frucht auf die Ewigkeit. - Den Verdacht, als ob sie 
das ihrige bei dem Evangelium suchten, haben sie, zumalen in einer unbekannten 
Gegend, sorgf&auml;ltig abgelehnt, und daher der Lydia Antrag nicht sogleich 
angenommen, sondern es auf das <i>N&ouml;tigen</i> 
ankommen lassen. Die Herren jener Magd mit dem Wahrsager = Geist unterhielten 
hingegen um des davon habenden Gewinns willen manches L&uuml;genwerk. Die 
Wahrheit kann immer sagen: Ich such nicht das Eure sondern Euch. Ich bin 
nicht gekommen um Genusses willen, sondern der Menschen Seelen zu erhalten. 
- Wie konnte aber ein unreiner Geist, f&uuml;r dergleichen einen er doch 
durch das gebotene Ausfahren erkl&auml;rt wurde, solch gutes Zeugnis von 
Paulus ablegen? Hat ja doch der Teufel selbst Christus f&uuml;r den Sohn 
GOttes bekannt <i>(Mark. 1:25; Luk. 4:41)</i>. 
Wenn der Teufel das Reich GOttes nicht gar aufhalten, und zur&uuml;cktreiben 
kann, so m&ouml;chte er wenigstens nur gern gemeinschaftliche Sache mitmachen, 
und dabei auch etwas von seinem Kleck anbringen. Das hat aber der HErr 
JEsus und seine Knechte immer sorgf&auml;ltig verh&uuml;tet. Hingegen unter 
dem Papsttum ist es endlich geschehen, da&szlig; man mit Vorwand des Namens 
Christi ein weltliches und weltm&auml;&szlig;iges Reich aufgerichtet, und 
damit Christus und Belial in ein leidiges Gemenge gebracht hat. Daher man 
dort auch leicht ungepr&uuml;ft Alles zulie&szlig;, woraus man nur irgendwie 
einen Vorteil zu ziehen vermochte. Luther hat in seinem Teil auch erfahren, 
wie man uns mit falschen Lobspr&uuml;chen zu fangen suche. GOtt hat aber 
seinen Fu&szlig; auch aus solchen Netzen gezogen. - Die bisher schon ausgebrachten 
und unterst&uuml;tzten L&uuml;genkr&auml;fte, der elende Zustand der Magd, 
die hingegen noch gerettet werden konnte, und die billige Sorge, man m&ouml;chte 
das Christentum auch so f&uuml;r eine . im Finstern schleichende Zauberkraft 
ansehen, trieben Paulus so auf, da&szlig; er den Geist ausfahren hie&szlig;. 
Die abgeschnittene Hoffnung ihres weiteren Gewinnes aber setzte die bisherigen 
Eigent&uuml;mer in einen v&ouml;lligen Verfolgungsgrimm, wie sich denn 
das Evangelium auf dem n&auml;mlichen Weg inzwischen noch manchen Feind 
gemacht hat. Ihr eigener Nutzen lag ihnen an; aber die allgemeine Ruhe 
sch&uuml;tzten sie vor, damit diese nicht gest&ouml;rt w&uuml;rde. &Uuml;ber 
den dunklen Tag und dessen Vorg&auml;nge brachte erst die stille Mitternacht 
das rechte Licht. Im Erdbeben zeigte GOtt, was Er anwenden k&ouml;nne, 
um dem Evangelium seines Sohnes Raum zu machen, und die Bande, so man ihm 
anlegen wollte, zu zersprengen. Wie viel dergleichen ist noch in den Sch&auml;tzen 
GOttes zur&uuml;ck. Die Knechte Christi, die Anderen gern zum ewigen Leben 
behilflich sind, haben hin und wieder auch zum Abwenden leiblichen Schadens 
guten Dienst getan. Wenn GOtt unvermutet etwas von der verborgenen Herrlichkeit 
seiner Kinder hervorblicken l&auml;&szlig;t, so &auml;ndert sich auch der 
Weltmenschen ihre Sprache und Gesinnung gegen Ihn. - Im Herzen des Kerkermeisters 
brach in selbiger Stunde auch das Obige: <i>Komm 
herab, und hilf uns</i>, zu gro&szlig;em Vorteil durch. Wenn man es 
einmal mit solchen erweckten Gewissen zu tun hat, so kann man bald und 
mit wenigen Worten weit kommen. Wie vieles mu&szlig; aber oft angewendet 
werden, bis es mit der Frage Ernst wird: Was soll ich tun, da&szlig; ich 
selig werde? Wie mancher Segen des Evangeliums ist schon unter dem Leiden 
seiner Zeugen ausgeboren worden? - In seinem ersten Glauben und dessen 
verborgenen Wirkungen &uuml;berwand der Kerkermeister auch schon die Furcht 
vor dem Ansehen der Menschen. Doch wendete es GOtt nachmals mit der Gesinnung 
der Hauptleute auch so, da&szlig; der Kerkermeister ihrethalben ohne Sorgen 
sein konnte, und also diese neue Pflanze nicht in allzu schwere Hitze der 
Anfechtung gesetzt w&uuml;rde. An dergleichen fremden Orten war daran gelegen, 
da&szlig; die Boten des Evangeliums nicht f&uuml;r &ouml;ffentlich beschimpfte 
Misset&auml;ter gehalten wurden. Da nun GOtt der Hauptleute Gewissen bereits 
ger&uuml;hrt hatte, wie aus ihrer Weisung abzunehmen war, so merkte Paulus 
daraus, da&szlig; GOtt zur Rettung der Unschuld einen weiteren Weg bahnen 
wollte. - Die Welt m&ouml;chte freilich gern alle ihre begangenen Ungerechtigkeiten 
begraben und verstecken, aber man mu&szlig; ihr ihren Willen nicht immerdar 
lassen. Der Heilige Geist lehrt es uns, da&szlig; man nicht zur Unzeit 
dem&uuml;tig ist, sondern sich jedesmal so auff&uuml;hrt, wie es mit der 
F&uuml;hrung GOttes zusammenstimmt. Es ist n&ouml;tig, da&szlig; denen 
in weltlichen &Auml;mtern Stehenden immer etwas von einer h&ouml;heren 
Hand unter dem Lauf des Evangeliums bekannt werde. Dar&uuml;ber, da&szlig; 
sie R&ouml;mer waren, f&uuml;rchteten sie sich, da&szlig; sie Christen 
so mi&szlig;handelt hatten, fiel ihnen nicht auf. So h&auml;ngt GOtt manchmal 
seinen Kindern an ihr Pilgerkleid etwas, das zwar Andere nicht just zu 
aufrichtiger Liebe gewinnen, aber doch von weiteren Gewaltt&auml;tigkeiten 
abschrecken kann. Die Dem&uuml;tigung, die da die Hauptleute &uuml;ber 
sich nehmen mu&szlig;ten, konnte sie doch auf ein andermal vor solchen 
&Uuml;bereilungen bewahren. Paulus und Silas Betragen ist m&auml;nnlich 
und stark, unterscheidet sich aber doch wohl vom Trotzigen. Christen geben 
gern nach, nur vermengen sie sich nicht mit den G&auml;ngen des Reichs 
der Finsternis, und einer daraus flie&szlig;enden Politik. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 17,1-15</font></b></h4> 
 
<p><b>Die Verrichtung des Paulus zu Thessalonich und Beroen, 
bis er nach Athen gekommen ist.</b> 
 
<p>Den vorerw&auml;hlten Zeugen und heiligen Aposteln ist 
es selbst so wohl gekommen, da&szlig; ihr treuer HErr und Meister ihnen 
die Schrift &ouml;ffnete, das Verst&auml;ndnis darin aufschlo&szlig; <i>(Luk. 
24:27, 45)</i>. Oder wie es bei Paulus ausgedr&uuml;ckt wird, da&szlig; 
der himmlische Vater sich es wohl gefallen lie&szlig;, seinen Sohn in ihm 
zu offenbaren, und ihn zu einem Zeugen auszur&uuml;sten, der es aus der 
Schrift bew&auml;hrte, da&szlig; JEsus der Christ sei. Darum griffen sie 
es da auch gern bei Anderen an. Aber freilich geht es mit dem Schriftauftun 
nicht vor sich, wenn nicht auch das Herz aufgetan wird <i>(Kap. 
16:14)</i>. Denn &uuml;ber der Verschlossenheit, Gleichg&uuml;ltigkeit 
und H&auml;rtigkeit des Herzens gegen die Sache ist auch der Sinn der Worte 
in der Schrift verloren gegangen, und ohne da&szlig; man durch &Ouml;ffnung 
des Herzens wieder zur Achtung und Sorgfalt f&uuml;r die Sache erweckt 
wird, kommt man auch nicht zum Verstand der Worte. Nach einer m&uuml;ndlichen 
fortgepflanzten Sage soll Bartholom&auml;us gesagt haben, das Evangelium 
sei kurz und lang. So trug es auch Paulus oft m&uuml;ndlich und schriftlich 
vor. Bald kurz, da&szlig; JEsus der Christ sei; bald aber auch mit einer 
Tiefe und H&ouml;he, L&auml;nge und Breite der Einsicht in das Geheimnis 
GOttes und Christi. Einem Jeden gilt es zuerst, wohl Grund legen, und im 
Hauptstamm erstarken, ehe man sich an den Gipfel hinauf macht. Mit dem 
Glauben, da&szlig; JEsus der Christ ist, k&ouml;nnen wir noch das Alte 
und Neue Testament versiegeln, zum gro&szlig;en Vorsatz GOttes, und zu 
dessen Offenbarung, Ausf&uuml;hrung und Vollendung Ja sagen. Was hier ein 
Zu = oder Beifallen hei&szlig;t, das wird in den beiden Briefen an die 
Thessalonicher, als eine Aufnahme des Wortes g&ouml;ttlicher Predigt, mit 
v&ouml;lliger Gewi&szlig;heit, als GOttes Wort, und als ein so vollst&auml;ndiger 
Glaube beschrieben, der sie auch des HErrn JEsu vom Himmel zu warten fertig 
machte. - Die vornehmsten M&auml;nner und Weiber machen freilich dem Evangelium 
Ehre. Aber das nicht durch ihren Stand, oder Reichtum, oder guten Verstand, 
oder anderw&auml;rtige Vorz&uuml;ge, sondern vielmehr durch den Sieg, wobei 
sie dies Alles f&uuml;r Schaden und f&uuml;r Kot achten gelernt haben gegen 
die &uuml;berschwengliche Erkenntnis Christi. Je mehr also einer neben 
seiner Bekehrung zu Christo noch Hochachtung f&uuml;r diese Dinge sich 
ansp&uuml;ren l&auml;&szlig;t, und sie mit in das Reich Christi her&uuml;ber 
zu nehmen, und deswegen sich Vorz&uuml;ge anzuma&szlig;en meint, je weniger 
macht er dem Evangelium Ehre. - Das P&ouml;belvolk braucht die Welt auch, 
wie es ihren Absichten gem&auml;&szlig; ist. F&auml;llt das P&ouml;belvolk 
dem Evangelium zu, so verachtet man es, und hei&szlig;t es: Nur das dumme 
Volk, das nichts vom Gesetz wei&szlig;, kann man an sich ziehen. Gelingt 
es aber der Welt, das P&ouml;belvolk wider das Evangelium aufzuhetzen, 
so ist es ihr sehr anst&auml;ndig, wenn sie durch die Menge ein &uuml;berhandnehmendes 
Geschrei verursachen kann. - Im guten Verstand w&auml;re es schon recht, 
wenn wir mit der Predigt, da&szlig; JEsus der K&ouml;nig sei, den ganzen 
Weltkreis erregen k&ouml;nnten. Wie f&uuml;rchtet sich die Welt so &uuml;bel 
vor dem Reich GOttes. Wie besorgt sie bei ihrem lehmartigen Wesen immer 
ihren Umsturz! Sie hat tausendweis auf den Beinen zu ihrer Unterst&uuml;tzung, 
aber wenn zehn Christen zusammenhalten wollen, so besorgt sie daraus einen 
Nachteil und Unruhe. Die Obersten zu Thessalonich &uuml;bereilten sich 
weit nicht so, wie die zu Philippi, sondern lie&szlig;en es bei einer von 
Jason empfangenen B&uuml;rgschaft oder Verantwortung bewenden. Die Br&uuml;der 
aber machten doch auf einen von ihnen zu erwartenden Schutz keine sichere 
Rechnung, sondern fertigten Paulus und Silas ab. Und die waren nach ihrem 
sonst bezeugten Leidenssinn: Wir haben keine gewisse St&auml;tte, bald 
reisefertig. Auch wir haben uns immer weniger in unseren Familien = und 
anderen Vorteilen festzusetzen, sondern auf den Fremdlingssinn zu erneuern: 
Wir haben hier keine bleibende Statt. - Was Paulus dorten in sein Gebet 
nimmt, nicht m&uuml;de zu werden in seinen Tr&uuml;bsalen, das zeigte sich 
bei diesem wackeren Angriff in Ber&ouml;en. Die Ber&ouml;er werden hier 
nicht gerade nach Gebl&uuml;t, Geschlecht und Stand in der Welt mit den 
Thessalonichern verglichen, sondern nach Gem&uuml;t und der Gesinnung wird 
ihnen etwas Geschlachteres und Billigeres nachger&uuml;hmt, wie n&auml;mlich 
solcher edlere Sinn bei den Meisten vorgeschlagen habe. Wie es denn bedenklich 
ist, da&szlig; in Ber&ouml;a selbst sich keine Verfolgung des Evangeliums 
erhoben hat, sondern Aufwiegler von neidischen Juden aus Thessalonich kamen, 
und es doch daselbst zu keinen sonderlichen ausbrechenden T&auml;tlichkeiten 
brachten. - Wer eben nach dem Ausdruck jenes Macedoniers, der Paulus her&uuml;berzog 
mit der Bitte: Komm herab und hilf uns; sein Herz und Gewissen kennt, und 
merkt, wo es fehlt, der findet bald an dem Wort GOttes etwas aller Annahme 
wertes. Es ist eine unvergleichliche &Uuml;bereinstimmung zwischen dem 
Wort GOttes, und einem Herzen, das sein Anliegen empfindet. Das ist der 
Wahrheit eigene Kraft, da&szlig; sie so eine willige Aufnahme, einen Gehorsam 
von ganzem Herzen bewirken, und dabei das Herz v&ouml;llig befriedigen 
kann. Bei der L&uuml;ge, Irrtum, Ausschweifen auf den Fleischessinn zc. 
ist immer ein heimlicher Widerspruch. Mit der willigen Annahme aber vertr&auml;gt 
sich das Forschen in der Schrift gar wohl. Blinder oder auf menschliches 
Ansehen gebauter Gehorsam, ohne Erkenntnis und &Uuml;berzeugung, ist gar 
nicht die Sache, die das Evangelium fordert. Auch blieb es nicht beim Forschen 
und &Uuml;berlegen allein, sondern es kam auch zum v&ouml;lligen Ausschlag 
eines gewurzelten Glaubens. - Da&szlig; hier die Weiber vor den M&auml;nnern 
stehen, m&ouml;chte fast ein Anzeichen sein, da&szlig; sie den M&auml;nnern 
eine gute Reizung zum Glauben geworden seien. Die Juden zu Thessalonich 
aber waren wie ein ungest&uuml;mes Meer, das nicht ruhig sein konnte, sondern 
seinen Widerspruch auch in die Ferne aussch&auml;umte. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 17,16-34</font></b></h4> 
 
<p><b>Paulus zu Athen; und wie er die Athener, und die Athener 
ihn angesehen haben, und das Wort g&ouml;ttlicher Predigt daselbst ausgerichtet 
habe.</b> 
 
<p>Den Angriff, den Paulus in seinem Geist von der Athener 
Zustand hatte, geh&ouml;rte auch unter das, was er sonst das Dringen der 
Liebe Christi hei&szlig;t. Wo kein Eifer und Schmerz ist, da ist auch keine 
Liebe. Judas sagt in seinem Brief <i>V.19</i> 
von Fleischlichen, die keinen Geist haben, die werden freilich auch von 
nichts so angegriffen. Bei allem Eifer aber fing Paulus doch keine Bilderst&uuml;rmerei 
an; wie es den Boten des Evangelii &uuml;berhaupt nicht darum zu tun war, 
die G&ouml;tzen nur von den Alt&auml;ren, sondern aus den Herzen zu st&uuml;rzen; 
und dazu geh&ouml;rte Hilfe aus Erkenntnis der Wahrheit. Man hatte immer 
auf der Weisen Unglauben und auf des Volks Aberglauben R&uuml;cksicht zu 
nehmen, und beide Bande der Finsternis aufzul&ouml;sen. - Einen Ruf der 
Weisheit anzubringen vers&auml;umte Paulus keine Gelegenheit weder in der 
Juden Schule, noch wo sich sonst ein Wort anbringen lie&szlig;. An Weltweisen 
aus der Epikurer = und Stoiker = Schule hatte Paulus diejenigen vor sich, 
die sich teils aus Nachl&auml;ssigkeit, teils aus Erhebung am weitesten 
von GOtt, und allem Weg, Ihn zu suchen und zu finden, verloren. Epikurer 
vers&auml;umten GOtt aus seinen Werken kennen zu lernen, sprachen ihm alle 
Vorsehung und Regierung in menschlichen Dingen ab, und hatten also auch 
nichts von ihm zu hoffen. Stoiker wollten in ihrer Weisheit und Tugend 
selbst Alles sein, und GOtt nicht als Vergelter suchen, sondern in sich 
selbst Lohns genug haben. Aber auch unter solchen sch&auml;mte sich Paulus 
des Evangeliums von JEsu Christo nicht, obgleich dergleichen satte Seelen 
leicht Honigseim zertraten. Doch aus Neugier, aus Gewohnheit, mit ihren 
flatternden Gedanken durch Alles durchzufahren, was vor ihre Ohren kam, 
wollten sie auch ihn h&ouml;ren. Der Feind der uns einmal unter den Baum 
des Erkenntnisses Gutes und B&ouml;ses gef&auml;llt hat, der bringt immer 
gern etwas Neues auf, da&szlig; man unter dem Gewirre m&uuml;de werden 
soll. Was in unserem Deutschen hei&szlig;t, allzu abergl&auml;ubisch, und 
das man also f&uuml;r einen Vorwurf achten m&ouml;chte, das hei&szlig;t 
eigentlich, <i>vor Anderen gottesdienstlich</i>, 
aber freilich mehr mit Furcht allein, als mit heiterer Erkenntnis. Mithin 
hat er sie durch diese Anrede nicht just gescholten, aber doch einen Mangel 
ber&uuml;hrt, den zu erstatten sich eine gesegnete Gelegenheit anbiete. 
Die christliche Religion braucht auch die Furcht, die nun so tief in den 
Menschen gedrungen ist, aber in der Absicht, ihn aus der Furcht in die 
Liebe, Freude, Frieden, Hoffnung zu leiten. Aberglauben aber l&auml;&szlig;t 
in der Furcht stecken, und weil diese dem Menschen in die L&auml;nge unertr&auml;glich 
ist, so schl&auml;gt Leichtsinn dazu. Nach diesem alle Aufmerksamkeit weckenden 
Eingang, h&auml;lt er ihnen in einer kr&auml;ftigen K&uuml;rze aller Dinge 
Anfang und Ende, Ursprung und Ziel vor, und preist ihnen GOtt an als den 
Einigen wahren, guten, von der Kreatur unterschiedenen, doch aus der Sch&ouml;pfung 
erweislichen, und sich einem Jeden besonders nahe tuenden GOtt an. Neben 
dem aber, wie GOtt in seiner Selbstoffenbarung gegen uns herausgegangen 
ist, und Licht und Gelegenheit, Ihn zu finden, verliehen hat, so gibt der 
Apostel auf der anderen Seite auch ernstliche Winke, welche Treue Ihn zu 
suchen, und seine Wahrheit zu pr&uuml;fen und zu unterscheiden, m&uuml;&szlig;te 
angewendet werden: denn in seinem ganzen Vortrag ist best&auml;ndig eine 
gewisse Beschuldigung verwebt, die ihnen zeigt: Ihr lebt nicht einmal Dem 
gem&auml;&szlig;, was ihr doch noch erkennen m&uuml;&szlig;t; in der Aus&uuml;bung 
und Anwendung steht es noch schlechter bei euch, als in der Einsicht; ihr 
glaubt das nicht mit freiwilliger Liebesneigung, nicht mit Wohlgefallen, 
nicht mit gehorsamer Nachachtung, was ihr gleichwohl in der &Uuml;berzeugung 
eures Gewissens habt. Und so geht es aller Wahrheit GOttes unter den Menschen. 
Darum kann man Keinen mit der gro&szlig;en und n&ouml;tigen Aufgabe der 
Bu&szlig;e verschonen, auf <i>Das</i> 
zielt ja alles &Uuml;bersehen der Zeit der Unwissenheit, alles inzwischen 
doch fortw&auml;hrende Herabschauen GOttes auf die Menschenkinder, ihnen 
den Seufzer auszupressen: Ach, da&szlig; die Hilfe k&auml;me! Ohne den 
Vorhalt des Glaubens aber traut man freilich auch den Bu&szlig;erweckungen 
nicht. Denn dadurch wird einem erst ein lichter Ausgang gezeigt aus dem, 
in was man durch die Bu&szlig;e eingehen soll. Und der Blick auf den Tag 
des Gerichts hinaus schneidet dann alles Aufschubnehmen ab. Nach allen 
solchen von Seiten der Wahrheit gemachten Antr&auml;gen darf man auf kein 
weiteres Andringen warten. - Es hei&szlig;t nicht, da&szlig; Paulus zu 
Athen verfolgt, und dadurch weggedrungen worden sei, doch hatte es auch 
seine Zeit, sich wieder zur&uuml;ckzuziehen. Inzwischen hinterlie&szlig; 
er doch auch da durch das Evangelium erzeugte Kinder der Wahrheit, die, 
ihrer bisherigen Unwissenheit und Hoffnungslosigkeit m&uuml;de, dem Evangelium, 
gegen der &Uuml;brigen Spott anzuhangen entschlossen und beflissen waren. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 18,1-17</font></b></h4> 
 
<p><b>Pauli Verrichtung zu Korinth, wie sie anf&auml;nglich 
durch der Juden Widersetzlichkeit erschwert, durch g&ouml;ttlichen Trost 
aber erleichtert worden, und auch von der weltlichen Obrigkeit ohne Hindernis 
geblieben ist.</b> 
 
<p>Korinth, und was ihm der HErr daselbst auszurichten gab, 
nennt Paulus selber das Siegel seines Apostelamts <i>(1.Kor. 
9:2),</i> teils um der vielen Hindernisse willen, die das Evangelium 
daselbst zu &uuml;berwinden hatte, teils um des bl&uuml;henden, und an 
allen Gaben so reichlich gesegneten Wohlstandes willen, in den die Gemeinde 
daselbst kam. Der Anfang aber war gering. Paulus war selber nur wie ein 
- auf seinem Handwerk Reisender anzusehen. Den ersten Eingang suchte er 
wieder bei den Juden, und hielt sich deswegen auch zu Aquila und Priscilla. 
Es ist nicht klar, ob diese schon Etwas von Erkenntnis des Evangeliums 
mit aus Rom gebracht hatten, oder ob ihnen hier erst die Bekanntschaft 
mit Paulus dazu verholfen hat. So viel aber ist aus <i>R&ouml;m. 
16:3-4</i> zu ersehen, da&szlig; diese, sich hier wie unvermutet ergebende 
Bekanntschaft f&uuml;r Paulus nachgehends sehr n&uuml;tzlich und tr&ouml;stlich 
geworden ist. So gedenkt der HErr JEsus immer noch an sein Wort, da&szlig; 
Er denen, die Br&uuml;der und Schwestern verlassen, anderw&auml;rts dergleichen 
schaffen wolle. Und wer kann sagen, da&szlig; er nicht auch zuweilen dergleichen 
Unterst&uuml;tzung bed&uuml;rfe. Man vergleiche <i>2.Kor. 
2:13</i>, <i>7:6</i>. - Der Befehl 
des Klaudius, da&szlig; die Juden Rom meiden sollten, mu&szlig; nicht lange 
bestanden sein. Selbst Aquila und Priscilla sind dorthin wieder zur&uuml;ckgekommen. 
Was aber &uuml;ber alle geht, daran Anteil zu nehmen, mu&szlig; sich ein 
christliches Herz um so leichter bequemen. - Weil das erste Lehren auf 
alle Sabbather <i>(V.4)</i> so merklich 
unterschieden wird von dem Bezeugen, da&szlig; JEsus der Christ sei <i>(V.5)</i>, 
so ist wohl zu vermuten, da&szlig; Paulus Manches zum Wegbereiten habe 
vorangehen lassen, wie es eine Erweckung unter Juden und Griechen anzurichten 
verm&ouml;gend war. Doch zu lange konnte er sich dabei nicht aufhalten, 
sondern die Liebe Christi und der - in ihm liegende Schatz der Erkenntnis 
Christi drang ihn, mit der Hauptwahrheit des Evangeliums herauszur&uuml;cken. 
Diese war freilich vielen ein harter Pr&uuml;fstein, die sich mit Widersprechen 
und L&auml;stern vergriffen. Doch wurden dem Paulus auch sch&ouml;ne Erstlinge 
aus Achaja zur Freude; und er bekam nach dieser Erkl&auml;rung desto freiere 
Hand, an den Heiden zu arbeiten. So gibt es an manchem Ort H&ouml;hen, 
die sich erheben wider die Erkenntnis GOttes und Christi; es gibt Str&ouml;me 
der &Auml;rgernisse, die ein Grauen einjagen k&ouml;nnen und dar&uuml;ber 
kommt einem eine himmlische St&auml;rkung wohl. Paulus mu&szlig; es noch 
eingedenk geblieben sein, wie ihm anf&auml;nglich in Korinth zumute war, 
weil er sich <i>1Kor. 2:3</i> darauf 
bezieht: Ich war bei euch mit Schwachheit, und mit Furcht, und mit gro&szlig;em 
Zittern; und <i>1Kor. 16:10</i> ihnen 
Timotheus empfiehlt, ihm so zu begegnen, da&szlig; er ohne Furcht bei ihnen 
sei. Was f&uuml;r ein gro&szlig;es Volk aber GOtt durch seine Auswahl und 
Beruf sich sammeln, und auch aus denen, die sonst mit schweren Banden der 
Finsternis beladen waren, zur Erkenntnis der freimachenden Wahrheit bringen 
w&uuml;rde, das konnte Paulus f&uuml;r sich selbst nicht wissen, wenn es 
ihm nicht durch die himmlische Erscheinung w&auml;re angedeutet worden. 
- So manierlich Gallions Bezeugen war, und dem Lauf des Evangeliums wirklich 
auch vor den widersprechenden Juden Ruhe schaffte, so hat er doch f&uuml;r 
sich selbst viel vers&auml;umt, da&szlig; er des Paulus Zeugnis gar nicht 
anh&ouml;rte. Felix erschrak doch noch dar&uuml;ber. Gallion aber schl&auml;ferte 
sich in seiner Gleichg&uuml;ltigkeit v&ouml;llig ein. Und da&szlig; doch 
darunter ein heimliches Sch&ouml;ntun gegen die Gottlosen gelegen, sieht 
man daraus, da&szlig; er auch der - an dem Sostenes ausge&uuml;bten Gewaltt&auml;tigkeit 
nicht gesteuert hat. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 18,18-28</font></b></h4> 
 
<p><b>Nachricht von einer weiteren, schnellen, aber doch zu 
manchem Guten, und zur St&auml;rkung der Br&uuml;der gesegneten Reise Pauli.</b> 
 
<p>Dem gro&szlig;en Volk zu lieb, das ihm in der himmlischen 
Erscheinung angedeutet ward, und Gallions gelinde Art so weit zu ben&uuml;tzen, 
als sie f&uuml;r das Reich Christi zu brauchen war, hielt sich Paulus noch 
lange in Korinth auf. Der Wortf&uuml;gung nach lie&szlig;e sich das Bescheren 
des Hauptes auch von dem Aquila verstehen, wie manche Ausleger meinen, 
die es nicht gern auf Paulus kommen lassen. Aber der Art der biblischen 
Geschichte ist es doch gem&auml;&szlig;er, es von der Hauptperson der Geschichte 
zu verstehen. Und da Paulus die ganze Reise nach Jerusalem seinen Br&uuml;dern 
nach dem Fleisch zu lieb unternommen hatte, so hat auch wohl das sich selbst 
aufgelegte Gel&uuml;bde, und das nach demselben beobachtete Bescheren seines 
Hauptes eine &auml;hnliche Absicht haben k&ouml;nnen. Da&szlig; Paulus 
durch kein &uuml;bles Begegnen der Juden abzutreiben war, sondern an jedem 
Ort wieder neuen Versuch machte, flo&szlig; aus der Einfalt, die lieber 
duldet, als beschwert, nicht gern ein allgemeines Vorurteil aufkommen l&auml;&szlig;t, 
jeden Ort, jede Art Leute wieder selbst pr&uuml;ft, und nach den erfundenen 
Umst&auml;nden behandelt. - Aus der Bitte, l&auml;nger bei ihnen zu bleiben, 
ist wirklich eine Willigkeit, das Wort aufzunehmen, mit Grund zu schlie&szlig;en 
gewesen. Doch hat der Apostel unter diesem scheinbaren Antrag nicht gerade 
einen g&ouml;ttlichen Beruf vermutet, sondern sein Verlangen, nach Jerusalem 
zu reisen, diesmal vordringen lassen. Da&szlig; aber von seiner dortigen 
Verrichtung so gar nichts gedacht, sondern an das: Er gr&uuml;&szlig;te 
die Gemeinde, sogleich wieder sein Abzug angeh&auml;ngt wird, gibt doch 
fast zu vermuten, da&szlig; er auch diesmal wieder in Jerusalem das Feld 
nicht angetroffen habe, daran seine weitere Arbeit w&auml;re angelegt gewesen. 
- An dem Apollo sieht man, wie man auch mit Anwendung eines Pfundes doch 
fruchtbarlich wuchern kann. Sobald ihm aber Weiteres auf richtigem Weg 
angeboten wurde, so hat er es nicht vers&auml;umt. Sonst h&auml;tte die 
Untreue, der Undank, die Unreinigkeit des Gewissens ihn zu keiner Br&uuml;nstigkeit 
im Geist mehr &uuml;ber sein Erkanntes kommen lassen. Es ist ein sch&ouml;ner 
Beweis, wie die gliedliche Handreichung in der ersten christlichen Kirche 
durch so mancherlei Gelenke und Fugen zur Erbauung des ganzen Leibes ist 
herumgef&uuml;hrt worden, da&szlig; man an Apollo die Gabe zum &ouml;ffentlichen 
Vortrag hoch geachtet, und er neben derselben doch den v&ouml;lligeren 
Unterricht, der ihm abging, von Aquila und Priscilla angenommen hat, diese 
aber ihm gern in der Stille damit gedient, und sein Ansehen im &Ouml;ffentlichen 
nicht untergraben haben. In der Kirche Christi ist Alles, selbst der Unterschied 
der Gaben, auf Liebe und Gemeinschaft eingerichtet. Wer das aus Unlittigkeit 
und Wohlgefallen an sich selbst trennt, der ist dem Hausherrn wenig br&auml;uchlich. 
Je eher aber die nat&uuml;rlichen Gaben durch Gnade gesalbt, durchdrungen 
und geheiligt werden, je gesegneter und friedsamer werden deren Gebrauch 
und Anwendung. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 19,1-7</font></b></h4> 
 
<p><b>Zu Ephesus bringt Paulus zw&ouml;lf M&auml;nner von der 
Taufe des Johannes zum v&ouml;lligern Christentum.</b> 
 
<p>Mit diesem Aufenthalt zu Ephesus setzte der Apostel sein 
<i>Kap. 
18: 21</i> getanes Versprechen in Stand. Die hier vorgefundenen M&auml;nner 
m&ouml;gen erst seit seiner vorigen Dienstreise dahingekommen sein. Worin 
sie sich als auf das Himmelreich begierige Lehrsch&uuml;ler erwiesen, das 
l&auml;&szlig;t ihnen der Apostel gelten, und ergriff sie bei selbigem 
guten Trieb. Sonst aber mag er ihnen wohl einen Anhang an der Erkenntnis, 
in der Inbrunst, in der Kraft des inwendigen Menschen, in der Richtigkeit 
des Wandels, im Kreuzessinn, in der Geduld, oder dergleichen angesp&uuml;rt 
haben, das ihn zu der Frage veranla&szlig;te: Habt ihr den Heiligen Geist 
empfangen? Statt einer allzu freim&uuml;tigen Bestrafung ihres Mangels 
macht es diese Frage. Es ist nicht gleich f&uuml;r Menschenfurcht, Verstecken 
der Wahrheit, oder sonst etwas Unrichtiges anzusehen, wenn man aus Verschonen 
mit den Gewissen so bed&auml;chtlich verf&auml;hrt. Ihre Antwort ist unerwartet, 
doch redlich. Als Juden sollten sie wohl aus der Schrift Etwas vom Geist 
GOttes, vom Heiligen Geist, wissen. Aber vom Pfingstgeist Neuen Testaments, 
und vom Empfangen, nach welchem Paulus hier fragte, hatten sie doch nichts 
geh&ouml;rt. Und doch hat schon Johannes bei seiner Taufe auf dieses Geistes 
Taufe gewiesen 
<i>(Matth. 3:11)</i>, 
mithin ist ihnen gar kein reiner und vollst&auml;ndiger Sinn auch nur von 
der Taufe des Johannes beigebracht worden. In so weit entlegenen Gegenden 
war das auch weniger zu bewundern. Paulus zeigt ihnen deswegen, da&szlig; 
selbst am Dienst des Johannes das Vornehmste auf das Zeugnis von Christo 
gegangen sei. Da&szlig; aber diese zw&ouml;lf M&auml;nner nach schon empfangener 
Taufe Johannis noch einmal auf den Namen JEsu getauft wurden, ist gar nicht 
befremdlich. Freilich wer den rechten vollen Sinn von der Taufe Johannis 
fa&szlig;te, und darin so fortgeleitet wurde, wie die aus der Schule Johannis 
in die Nachfolge Christi &uuml;bergegangenen J&uuml;nger, hatte freilich 
nicht Not, noch einmal getauft zu werden. Wo es aber entweder im Anfang 
mangelhaft herging, da&szlig; keine hinl&auml;ngliche Nachricht von JEsu 
dabei war, oder wo im Fortgang die von Johannes angedeutete Geistestaufe 
vers&auml;umt wurde, da konnte wohl wieder eine den ganzen Segen des Evangeliums 
bezielende Taufe statt haben. Den Schwachen im Glauben aufnehmen, ist schon 
recht. Aber beim Aufnehmen soll man sie nicht unter dem Ma&szlig; der Gnade 
seiner Zeit stehen bleiben lassen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 19,8-20</font></b></h4> 
 
<p><b>Das Wort GOttes besiegt zu Ephesus so viel B&ouml;ses, 
und der Sohn GOttes erweist sich darunter als Derjenige, der gekommen ist, 
da&szlig; Er die Werke des Teufels zerst&ouml;re.</b> 
 
<p>Was Paulus n&auml;chst zuvor mit den zw&ouml;lf M&auml;nnern 
verhandelte, ist ein Muster von der Privat = Seelsorge. Nun wird auch von 
seinen &ouml;ffentlichen Arbeiten Nachricht gegeben. In drei Monaten konnte 
er doch Manches vortragen, was es mit dem Reich GOttes f&uuml;r eine Bewandtnis 
habe. Da aber Etliche sich dagegen verh&auml;rteten, und auch zur Verwirrung 
anderer Gewissen hart redeten, so gab das dem Apostel genugsamen Grund, 
sich von ihnen abzusondern, ihnen also ihre Schule zu &uuml;berlassen, 
die Gl&auml;ubigen aber in einer anderen Gelegenheit unter seine Bearbeitung 
zu nehmen; welches auch den Vorteil brachte, da&szlig; desto leichter aus 
Juden und Heiden Eines gemacht werden konnte in Christus <i>(Eph. 
2:14 - 18)</i>. Weil Ephesus ein Ort war, den sich der Teufel vorher 
durch viele Zauberkr&auml;fte zu einem festen Nest gemacht hatte, so lie&szlig; 
GOtt daselbst auch die Wunderkr&auml;fte in dem Namen des HErrn JEsu besonders 
hoch steigen, so da&szlig; er den Feind und Rachgierigen vertilgte. Keine 
geringe Versuchung war es, da&szlig; der Feind auch dazwischen ein Unkraut 
von unlauteren Leuten zu bringen wu&szlig;te, in der Absicht, der guten 
Sache JEsu einen Schandflecken anzuh&auml;ngen. Es hat aber doch zur Ehre 
des Namens JEsu ausschlagen m&uuml;ssen. Es geschieht nicht leicht etwas 
Gutes, worin sich der Feind nicht mengen sollte. - Der Apostel Umherziehen 
war doch von dem Wesen solcher Uml&auml;ufer leicht zu unterscheiden, wenn 
es um Wahrheit zu tun war. Wem aber mit &Auml;rgernissen gedient ist, der 
ergreift so etwas. In der evangelischen Geschichte kam wohl ein &auml;hnlicher 
Fall vor, davon der Heiland aber urteilte, man sollte einem Solchen nicht 
wehren. Bei selbigem mu&szlig; gleichwohl mehr Lauterkeit und Kraft gewesen 
sein, als bei diesen Leuten. Doch hat auch diesen Paulus nicht gewehrt, 
sondern die Hand GOttes hat sich selbst darein gelegt. Auf die mu&szlig; 
man es auch in der heutigen Zeit am meisten ankommen lassen. Es ist eine 
beschwerliche Sache, wenn verkehrte Leute sich einer guten Sache annehmen, 
und damit Gemeinschaft haben wollen, deren sie doch auf einer anderen Seite 
Schande machen. Wir aber k&ouml;nnen in solchen F&auml;llen nicht wehren; 
l&auml;&szlig;t GOtt sie nicht durch irgend Etwas zu Schanden werden, so 
m&uuml;ssen wir es dulden. - Vor der hier eingejagten Furcht und Verherrlichung 
des Namens JEsu war es eine sch&ouml;ne Frucht, da&szlig; Manche ihre vorher 
ver&uuml;bten b&ouml;sen Taten und zauberischen St&uuml;cklein bekannten. 
Anfangs m&uuml;ssen sie also von den Aposteln auch bei der Taufe nicht 
zum Aufdecken solcher verborgenen H&auml;ndel angehalten worden sein. Aber 
nachdem das Wort GOttes selbst im Herzen kr&auml;ftiger geworden ist, so 
ging es mit solchen Bekenntnissen desto aufrichtiger her. Es ist oft sicherer, 
zu so etwas die Stunde der freien Gnade abzuwarten, als es an etwas Gewisses 
zu binden. - Mit nachteiligen B&uuml;chern ist die Welt immer auch zu ihrem 
Gericht &uuml;berschwemmt. Man sollte &ouml;fters einen dergleichen Brand 
anstellen. Die Zeit des Neuen Testaments und jeder Besserung wird &ouml;fters 
so beschrieben, da&szlig; man dabei das Vorige, was zum &Auml;rgernis gereicht, 
wegwerfen werde <i>(Jes. 2:20, 3:21-22)</i>. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 19,21-40</font></b></h4> 
 
<p><b>Pauli gro&szlig;m&uuml;tiger Vorsatz, mit dem Evangelium 
weiter zu r&uuml;cken. Ein gro&szlig;er Auflauf zu Ephesus gibt Anla&szlig; 
daselbst abzubrechen.</b> 
 
<p>Im Lauf unseres lieben Heilands und seiner getreuen Zeugen 
ist es oft zu bemerken, wie sie bei allem Eifer sich doch in nichts &uuml;bereilt, 
nichts vor der Zeit abgebrochen, sondern gern Alles so eingerichtet haben, 
wie es geziemend war; eben so wenig aber auch dem Mattwerden oder Tr&auml;gheit 
nachgeh&auml;ngt, sondern bald wieder nach weiterer Arbeit gegriffen haben. 
Es gibt Zeiten, wo man mehr von seines Amtes B&uuml;rde gedr&uuml;ckt, 
sich kaum enthalten kann, mit Elia zu bitten: Es ist genug, so nimm, HErr, 
meine Seele von mir. Es gibt aber auch wieder Zeiten, wo man sich im Geist 
aufschwingen, und in Empfindung von seines Amtes W&uuml;rde, solche Blicke 
und Vors&auml;tze in die Zukunft fassen kann, dergleichen Paulus da getan 
hat. - Jerusalem und Rom sind zwei sonderbare, im Geistlichen und Weltlichen 
sehr merkw&uuml;rdige St&auml;dte, wovon Anfangs viel Gutes, nachmals viel 
Heuchlerisches und Verderbliches weit und breit ausgegangen ist, und in 
denen viel Blut der Heiligen zu r&auml;chen erfunden worden ist, und kr&auml;ftig 
noch erfunden werden wird <i>(Matth. 23:35 
; Offb. 18:24)</i>. Denkw&uuml;rdig ist, da&szlig; auch Luther vor Anfang 
des Reformationswerks nach Rom sehen mu&szlig;te, welche Reise ihm viel 
zur Erkenntnis des r&ouml;mischen Wesens ausgetragen hat. Viel Gewinn zuwenden, 
gro&szlig;en Zugang haben, das sind noch gro&szlig;e Titel in der Welt, 
um derer willen man Vieles tut, und in Manchem auch die Wahrheit aufh&auml;lt. 
Man sehe, was <i>Offb. 18:11-12, 22</i> 
von der gro&szlig;en Hure steht, die auch die Religion und deren &Uuml;bung 
dahin einzurichten wei&szlig;, da&szlig; dabei viel Pracht, Gewerbes, Gewinn, 
Bildhauer = und Malerarbeit, Musik usw. getrieben wird. Demetrius war freilich 
der Anf&uuml;hrer dieser st&uuml;rmischen Rotte, aber er verlie&szlig; 
sich dabei doch auf so viele, vom n&auml;mlichen Weltgeist Getriebene, 
und kann es nicht ertragen, da&szlig; Paulus dem sich widersetzen sollte, 
was bisher in ganz Asien gegolten hat. Es gibt keinen heftigeren Eifer, 
als wenn man fleischliche, sinnliche Dinge unter einem Schein der Religion 
verteidigen will. Doch bewies sich der HErr JEsus auch unter dieser tobenden 
feindlichen Rotte herrschend. Mit dieser tobenden Rotte aus dem Heidentum 
vereinigten sich bald auch Feindlichgesinnte aus dem Judentum, und wollten 
<i>Alexander 
als ihren Sprecher</i> aufstellen, welcher die Juden zu verteidigen, 
Paulus aber noch mehr hineinzuhauen mu&szlig; im Sinn gehabt haben. Er 
konnte aber nicht zum Wort kommen. Die Nachricht von diesem Auflauf kann 
man nicht ohne Schauer lesen. Wer bedenkt, was Paulus darunter erfahren 
hat, wird es wohl fassen k&ouml;nnen, da&szlig; er es <i>1.Kor. 
15:32</i> als ein K&auml;mpfen mit wilden Tieren beschreibt. Und doch 
war gerade damals das Heidentum seinem v&ouml;lligen Sturz nahe. Des Stadtschreibers 
Rede ist zwar keine apostolische Predigt, sondern ein - auf politische 
Vertragsamkeit und bed&auml;chtliches Verfahren eingerichteter Vortrag, 
doch ist weitere Gefahr dadurch verh&uuml;tet worden. Auch sieht man daraus, 
wie bed&auml;chtlich gleichwohl die Apostel ihr Zeugnis wider die heidnischen 
Gottheiten gef&uuml;hrt haben m&uuml;ssen, da&szlig; man ihnen doch getrost 
das Zeugnis geben konnte, sie seien keine L&auml;sterer der Diana gewesen. 
Mit fleischlichen Waffen wird nichts Gutes f&uuml;r die Wahrheit, und Jemanden 
zur Erkenntnis derselben zu bringen, ausgerichtet. Ach HErr JEsu! Dir ist 
Wind und Meer gehorsam, stille das Toben der V&ouml;lker wider Dich. Regiere 
Alle, welche die Wahrheit vor sich haben, da&szlig; sie mit derselben dem&uuml;tig 
umgehen, und gegen Andere mitleidig verfahren. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 20,1-16</font></b></h4> 
 
<p><b>Ein St&uuml;ck von Pauli Reisebeschreibung, das bald gelesen, 
aber nicht so bald mit gleichem g&ouml;ttlichen Sinn und Verleugnung in 
&Uuml;bung gebracht ist.</b> 
 
<p>Nicht als ein Mietling, der den Wolf kommen sieht, floh 
Paulus, sondern nach durchk&auml;mpftem Kampf und wiederhergestellter Ruhe 
machte er seinen Abschied; und zwar so, da&szlig; er nicht heimlich entwich, 
sondern mit der Freudigkeit eines guten Gewissens wegging, und viel zum 
guten An = und Nachdenken hinterlie&szlig;. Seinen Zug aber richtete er 
so ein, da&szlig; er f&uuml;r die vormals schon angelegten Gemeinden seine 
Sorgfalt bewies, und des Feindes Absichten zur&uuml;cktrieb. Auf viele 
Worte kommt es sonst beim Christentum nicht an, doch kann die Liebe Christi 
zuweilen auch dazu dringen, und der Menschen Notdurft selbige erfordern. 
Dem Vertrauen auf GOttes Schutz und Vorsehung ist es nicht entgegen, wenn 
man auch Mittel und Wege gebraucht, welche menschliche Vorsicht an die 
Hand gibt. Der gesagt hat: F&uuml;rchtet euch nicht vor denen, die den 
Leib t&ouml;ten, der hat auch gesagt: H&uuml;tet euch vor den Menschen. 
- Bei dem Zug durch Macedonien gab es auch wieder manches Gute, den Heiligen 
zu Jerusalem zu Dienst zu verrichten, wie aus <i>R&ouml;m. 
15:25-26</i> zu ersehen ist. O ein treuer GOtt, der seinen Knecht Paulus 
auch durch eine solche gesegnete Gef&auml;hrtschaft tr&ouml;stete! Was 
hat doch ein Christ f&uuml;r mancherlei Seiten: Einige stellen ihm nach 
dem Leben. Andere w&auml;ren in Liebe bereit, ihr Leben f&uuml;r ihn zu 
lassen. Unter dem Ausdruck:<i> Das Brot 
brechen</i>, nimmt die Apostelgeschichte eine christliche Mahlzeit mit 
angeh&auml;ngtem Genu&szlig; des heiligen Abendmahls zusammen, dergleichen 
sich besonders zu diesem beweglichen Abschied wohl schickte. Da&szlig; 
der vielen Fackeln auf dem Saal gedacht wird, ist ein Anzeigen, wie sorgf&auml;ltig 
man nicht nur damals zur Vermeidung aller &Auml;rgernisse und Abwendung 
alles b&ouml;sen Verdachts gewesen ist, sondern wie bed&auml;chtlich der 
Geist GOttes dergleichen auch zur Lehre auf k&uuml;nftige Zeiten hat schreiben 
lassen. - Der Schlaf ist ein Feind in unserer Natur, der uns oft auch bei 
der Anh&ouml;rung des g&ouml;ttlichen Worts zu schaffen macht. Was kann 
GOtt auch bei einer guten Sache oft f&uuml;r schreckhafte Umst&auml;nde 
zulassen; um derwillen man aber nicht gleich ein &Auml;rgernis daran fassen 
mu&szlig;. &Uuml;ber einen Verstorbenen sich ausbreiten ist eine Stellung, 
deren sich zwar Elias und Elisa, aber niemals unser lieber Heiland, am 
wenigsten Petrus bei der Tabita bedient hat. Wie hat Alles seine Geziemlichkeit! 
- Get&uuml;mmel soll &uuml;berhaupt bei dem Gemerk auf GOttes Gegenwart 
nirgends sein. Besonders aber bei Sterbef&auml;llen ist es sorgf&auml;ltig 
zu vermeiden, und die Anwesenden auf das zu weisen, was jetzt vom Unsichtbaren 
und der Engel Dienst um eine solche St&auml;tte zu sp&uuml;ren, und mit 
Schriftgrund zu vermuten ist. Selbst auch das Rufen zu GOtt mu&szlig; nicht 
mit Get&uuml;mmel, wie gegen einen tauben G&ouml;tzen getrieben, sondern 
als einen GOtt der nahe ist, ge&uuml;bt werden. - Die Rede: <i>seine 
Seele ist in ihm</i>, konnte Paulus so f&uuml;hren, wie der Heiland 
das Wort: das M&auml;gdlein ist nicht gestorben, sondern es schl&auml;ft; 
welch Beides im Glauben an die zwischen den gegenw&auml;rtigen Fall sich 
schon zum Aufrichten schlagende Hand GOttes gesagt war. - Den <i>Weg 
zu Fu&szlig; </i>zu machen, w&auml;hlte Paulus, um unterwegs an einigen 
Orten noch mehr Frucht zu schaffen. - Die <i>Festzeiten</i> 
haben sich schon im Lebenslauf des Heilands mit besonderem Segen ausgezeichnet; 
und so konnten auch nachgehends Knechte Christi zu einem Augenmerk behalten. 
Doch mit den besten Vors&auml;tzen haben sich die M&auml;nner GOttes unter 
die Umst&auml;nde gedem&uuml;tigt, die sich zur Hindernis oder F&ouml;rderung 
ergaben. O wie will Alles im Geist der Sanftmut abgewartet sein! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 20,17-38</font></b></h4> 
 
<p><b>Paulus fordert die &Auml;ltesten der Gemeinde von Ephesus 
zu sich nach Mileto, und f&uuml;hrt ihnen in einer beweglichen Abschiedsrede 
Vergangenes und Zuk&uuml;nftiges ernstlich zu Gem&uuml;t.</b> 
 
<p>Schon Salomo rechnet es <i>Pred. 
2:18 ff.</i> Mit unter die beschwerlichen Eitelkeiten im Weltlauf, oder 
unter die Hindernisse, warum Jemand seiner Arbeit nicht recht froh, und 
derselben Frucht nicht gewi&szlig; werden k&ouml;nne, weil er seine Arbeit 
wieder einem Anderen lassen m&uuml;sse, von dem er nicht wisse, wie er 
damit umgehen werde. Noch viel mehr mu&szlig; es einen ernstlichen Kampf 
des Glaubens verursachen, seine Arbeit an der Gemeinde GOttes in Anderer 
H&auml;nde fallen zu lassen. Paulus hat es deswegen dem Timotheus aufgegeben, 
sich nach treuen Leuten umzusehen <i>(2.Tim. 
2:2)</i>. Um so weniger wird er sich ges&auml;umt haben, bei dem, was 
er selbst noch bestellen konnte, solche Wahl zu treffen. Aber man sp&uuml;rt 
dieser seiner Rede wohl an, was er auch deshalb f&uuml;r Anfechtung gehabt 
habe. Der Halt und das Wort JEsu: Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis 
an der Welt Ende, mu&szlig; einen unterst&uuml;tzen. - Auch seine weiteren 
&Auml;u&szlig;erungen, z.B. von der Demut, Tr&auml;nen und Anfechtungen, 
womit er dem HErrn gedient habe, erinnern uns, da&szlig; wir uns der Apostel 
Dienst und Amtslauf nicht blo&szlig; auf der bl&uuml;henden und annehmlichen 
Seite vorstellen, sondern auch ihre Kirchennot und vielen Kampf bedenken 
sollen. - Das N&uuml;tzliche aus Menschenfurcht nicht verhalten, und nicht 
das F&uuml;rwitzige aus Menschengef&auml;lligkeit statt des N&uuml;tzlichen 
vortragen, hat zu allen Zeiten ein Hauptst&uuml;ck an der Treue eines Haushalters 
GOttes ausgemacht. - Wie der Heiland selbst einen Unterschied gemacht hat 
zwischen dem gro&szlig;en Haufen, dem Er das Reich GOttes und den Weg der 
Gerechtigkeit verk&uuml;ndigen, und zwischen seinen Lehrj&uuml;ngern, denen 
Er etwas von den Geheimnissen des Reichs GOttes anvertrauen konnte. So 
f&uuml;hrten es auch die Apostel mit &ouml;ffentlichem Verk&uuml;ndigen 
und mit Lehren in den H&auml;usern fort; und es wird noch jetzt Keiner 
erreichen, da&szlig; Jedes seine Geb&uuml;hr bekomme, wenn er nicht beides 
geh&ouml;rig miteinander verbindet. - Um Bu&szlig;e zu GOtt, und um Glauben 
an den HErrn JEsus wu&szlig;te der Apostel, da&szlig; ihm einzig zu tun 
sei, wenn er schon hernach seinen Vortrag noch so mannigfaltig einrichtete, 
damit sein Amt kein Dienst des - in Ged&auml;chtnisf&auml;cher zu bringenden 
Buchstabens w&uuml;rde, sondern ein Amt des Geistes, wodurch einem nicht 
Worte, sondern Tat und Wahrheit beigebracht w&uuml;rde. GOtt hat uns in 
seinem geschriebenen Wort selbst das sch&ouml;nste Muster gegeben, wie 
man das k&ouml;stliche Eins, um das es zu tun ist, doch von so vielen Seiten 
her vor der Menschen Herzen bringen, und also teils ihrem Ekel, teils ihrer 
grenzenlosen Wi&szlig;begierde ausweichen soll. Je mehr aber Jemand sein 
Amt als ein Amt des Geistes f&uuml;hrt, je leichter begegnet es ihm, da&szlig; 
man ihm mancherlei Ungeschicktes andichtet. Da mu&szlig; er dann bei sich 
gewi&szlig; sein, um was es ihm zu tun ist. Das war <i>Luthers</i> 
gr&ouml;&szlig;ter Trost beim Reformationswerk, da&szlig; es nicht &uuml;ber 
Lappalien, sondern &uuml;ber den n&ouml;tigen Materien von Bu&szlig;e zu 
GOtt, und vom Trost angegriffener Gewissen aus dem Glauben an JEsus angegangen 
ist. An allem Vorauswissen dessen, was einem begegnen mag, ist nicht so 
viel gelegen, als an der - aus dem Evangelium und aus dem, was dadurch 
an das Licht gebracht worden ist, gesch&ouml;pften Kraft, dem Feind nicht 
Raum zu geben, da&szlig; er uns als Liebhaber unseres eigenen Lebens irgendwo 
antr&auml;fe. - Die Freudigkeit, zu bezeugen, da&szlig; er rein sei von 
aller Blut, m&ouml;chte man dem Apostel gern in manchen Abschiedspredigten 
nachtun, aber sie will unter vorheriger lange gehaltener Demut, Anfechtungen 
und Tr&auml;nen errungen sein. Die Hinsicht auf die teure Erwerbung der 
Gemeinde durch das Blut des Sohnes GOttes gibt den kr&auml;ftigsten Antrieb 
zu Ernst, Eifer, Liebe und Geduld. Die Zeit, wann wackere Arbeiter abgehen, 
macht sich der Feind gern zu Nutz; aber die Vorempfindung von dem, was 
er im Sinn hat, die GOtt in das Herz seiner Knechte gibt, tut ihm doch 
noch Einhalt. Das: <i>aus euch selbst werden 
M&auml;nner aufstehen</i>, mu&szlig;te alle angreifen. Hat es mit Arbeitern, 
die der Heilige Geist beim damaligen Licht gesetzt hatte, so umschlagen 
k&ouml;nnen, was hat man zu unserer Zeit zu besorgen. Das hei&szlig;t eben 
der Herde nicht verschonen, wenn man den Gem&uuml;tern, besonders junger 
Leute, verkehrte Lehren vorbringt, die ihrem fleischlichen Sinn leicht 
eingehen, aber zu ihrem gr&ouml;&szlig;ten &Auml;rgernis und Verderben 
ausschlagen. - Das Angedenken an tapfere Vorg&auml;nger kann oft auch noch 
einen starken Zug tun, und den Seufzer erwecken: Wache auf, du Geist der 
alten Zeugen! - Doch zum Zeugnis, wie es nicht am Schwernehmen, sondern 
am Vertrauen durch Christum zu GOtt liege, und wie auch diese Vorstellungen 
auch meist darauf zielen, lenkt Paulus in den Segenswunsch ein: Ich befehle 
euch GOtt und dem Wort seiner Gnade, womit sie an jedem Ort, auf jeden 
Fall durch den ganzen Lauf bis an das Ziel hinaus ausger&uuml;stet w&auml;ren. 
Weil er aber alsdann erst wieder auf seinen abgeschiedenen, in voller Verleugnung 
unter ihnen gef&uuml;hrten Lauf und behaupteten Sinn kommt, so steht zu 
vermuten, ob nicht die Versuchung bei b&ouml;sen Arbeitern von dieser verf&auml;nglichen 
Seite eingebrochen sei, da&szlig; sie angefangen haben, das Ihre zu suchen, 
und aus der Gottseligkeit ein Gewerbe zu machen, wovon Paulus <i>1.Tim. 
6:3-5, 9-10</i> bedenkliche Vorstellung macht. Man mu&szlig; deswegen 
noch jetzt Alles hingehen lassen, wenn man dem Evangelium kein Hindernis 
machen will. Das Wort JEsu: <i>Geben ist 
seliger denn nehmen</i>, ist in diesem runden Ausdruck nicht in die 
evangelische Geschichte eingetragen, hier aber noch schicklich angebracht, 
und damit auch f&uuml;r die Nachkommen aufbehalten worden. Dem Sinn nach 
liegt es in manchen Vorstellungen des HErrn JEsu, sonderlich aber in der 
<i>Luk. 
14:14</i> angebrachten Warnung, den Aufwand nicht so zu machen, da&szlig; 
einem Wiedervergeltung geschehe. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 21,1-16</font></b></h4> 
 
<p><b>Die Reise des Paulus nach Jerusalem, und was dabei noch 
unterwegs vorgekommen ist.</b> 
 
<p>Der Schmerz des Abschieds von den Gl&auml;ubigen zu Milet 
wurde durch die - unterwegs vorkommenden Gelegenheiten, Frucht zu schaffen, 
nicht wenig vers&uuml;&szlig;t. Doch richtete sich Paulus auch hierbei 
nach den &auml;u&szlig;eren Umst&auml;nden. Paulus gewann n&auml;mlich 
Zeit, die J&uuml;nger in Tyrus zu st&auml;rken, weil der Schiffsleute Verrichtung 
daselbst auch Zeit erforderte. Handel und Gewerbe hat die Menschen getrieben, 
Amerika aufzusuchen, und GOtt hat ihnen das Evangelium von seinem Sohn 
mit dahin &uuml;berbringen gegeben. - Paulus war seines Vorhabens, nach 
Jerusalem zu ziehen, und des guten Grundes dabei wohl versichert. Die Anzeige 
da&szlig; Bande und Tr&uuml;bsal seiner daselbst warten, nahm er auch als 
zum Umg&uuml;rten seiner Lenden dienlich an. Aber der daraus gezogene Schlu&szlig;, 
da&szlig; er nicht nach Jerusalem ziehen sollte, war menschlich, und diese 
gute Meinung lie&szlig; er sich nicht aufdringen. Denn da hat man Acht 
zu geben, da&szlig; man nicht, wie jener Prophet ein Gewisses gegen ein 
Ungewisses vertausche <i>(1.K&ouml;n. 13:12)</i>. 
Der eine Teil der Nachricht war also lauter aus dem Geist, der andere litt 
einen Zusatz von etwas Fremden. Man merkt es aber aus dieser J&uuml;nger 
baldigem Nachgeben, da&szlig; sie sich dessen bald selber bewu&szlig;t 
geworden sind, wie sie mehr gesagt haben, als ihnen eigentlich vom Geist 
verliehen war. - Des Philippus so vielj&auml;hriger Aufenthalt zu C&auml;sarea, 
wie sich aus Vergleichung mit dem obigen <i>Kap. 
8:40</i> ergibt, zeigt genugsam an, da&szlig; die Almosenpflege jener 
Sieben nicht &uuml;ber die - beim Tod des Stephanus erweckte Verfolgung 
und veranla&szlig;te Zerstreuung hinaus gew&auml;hrt habe. Seine vier T&ouml;chter 
weissagten sonst auch. Aber &uuml;ber die Angelegenheit des Paulus haben 
sie keinen Ausspruch getan. So wenig kann und soll sich Jemand Etwas nehmen, 
das ihm nicht von Oben herab gegeben ist. - Hingegen durch Agabus setzte 
die g&ouml;ttliche Anzeige noch einmal an, um die Freudigkeit Pauli noch 
einmal zu bew&auml;hren und zu l&auml;utern. Denn vorausgesehene, wohl 
vermeidliche, aber im Glauben &uuml;bernommene Leiden zeichnen sich desto 
mehr als Malzeichen des HErrn JEsus aus. Woraus Andere einen Anla&szlig; 
nehmen, ihm abzuraten, darunter erkannte Paulus vielmehr eine St&auml;rkung 
auf seinen Weg. Es ist gut, da&szlig; uns auch solcherlei &Uuml;bungen 
aufgeschrieben sind, wie man bei ungleichen Meinungen auch aus Liebe einander 
das Herz schwer machen kann. Pauli Bereitschaft war gewurzelt, und in der 
Schule erlernt, von welcher er <i>Phil. 
4:11-12</i> sagt. Die &Uuml;brigen zogen sich auch bald auf den Ruhepunkt 
im Willen GOttes zur&uuml;ck. Die einige Haupttugend im Christentum, und 
die Wurzel aller &Uuml;brigen, ist die Fertigkeit, in allen St&uuml;cken 
und F&auml;llen, auch wider unseren Willen und Neigung, den Willen GOttes 
zu erf&uuml;llen. - Wo noch <i>alte J&uuml;nger</i> 
&uuml;brig sind, und M&auml;nner, die von vorigen Zeiten her einen Schatz 
aus dem Wort GOttes haben, soll man ihrer froh sein. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 21,17-26</font></b></h4> 
 
<p><b>Bei der Ankunft Pauli zu Jerusalem tut man ihm einen Vorschlag, 
die schwachen Christen daselbst mit nachgehender Liebe zu gewinnen, den 
er auch befolgt.</b> 
 
<p>Was ehemals die Gl&auml;ubigen zu Jerusalem von Pauli 
guter Aufnahme abhielt <i>(Kap. 9:26)</i>, 
war nun l&auml;ngst weggefallen. Inzwischen konnten sie leicht auch von 
seinem diesmaligen Besuch sich manche Ungelegenheit besorgen. Aber das 
lie&szlig;en sie sich an freudiger Aufnahme nicht hindern. Jakobus war 
als der ordentliche Vorsteher der Gemeinde zu Jerusalem damals anzusehen. 
Diesen &uuml;berging Paulus nicht, und er fa&szlig;te hinwiederum Paulus 
in Liebe, so viel Unterschiedenes auch Beider Gang von einander hatte. 
- Das Erz&auml;hlen vom Werk des Herrn unter den Heiden hat schon <i>Kap. 
15: 3-4, 9</i> gute Dienste getan, darum greift es Paulus wieder dort 
an; und l&auml;&szlig;t gern dies Fr&ouml;hliche in ihrer Unterredung vorangehen, 
damit ihr aller Herz gest&auml;rkt w&auml;re, nun auch das Sorgliche, auf 
welches sie bald kamen, desto gefa&szlig;ter zu behandeln. Das viele von 
den Gl&auml;ubigen zu Jerusalem noch Eiferer &uuml;ber dem Gesetz blieben, 
war nicht wohl zu verh&uuml;ten. Nachdem GOtt einmal durch Zerst&ouml;rung 
des Tempels einen Ausschlag dar&uuml;ber gab, so konnte man schon weiter 
hinaussehen. Zu diesen von Geburt, Auferziehung und Gewohnheit tief haftenden 
Vorurteilen kamen noch viele halb unrichtige und &uuml;bel verstandene 
Ger&uuml;chte von Anderen aus der Ferne her. Durch Beides l&auml;&szlig;t 
man sich oft noch in der heutigen Zeit zu viel widrigen Gedanken und &uuml;bereilten 
Urteilen bringen. Deswegen soll man sich wohl bewahren, da&szlig; man nicht 
durch Ausbreitung solcher Reden ein Helfershelfer des L&auml;sterers werde, 
der besonders auch durch S&uuml;nden des geschw&auml;tzigen Ger&uuml;chts 
in der Finsternis dieser Welt herrscht. Wer Pauli Unterschied bei dieser 
Nachrede kennen lernen will, der erw&auml;ge nur das 14. und 15. Kapitel 
aus der Epistel an die R&ouml;mer. Ihre &Uuml;berlegung war nicht ganz 
von aller Furcht frei. Furcht ist auch an sich selbst nicht b&ouml;s, sondern 
steht mitten inne, und kann zu n&ouml;tiger Vorsichtigkeit Anla&szlig; 
geben, aber auch in Unglauben ausarten. Der rat, den sie ihm geben, war 
nicht fleischlich und aufs Vermeiden des Kreuzes f&uuml;r ihn oder sie 
angesehen, sondern geistlich, der Schwachen zu schonen, und sie so zu gewinnen, 
da&szlig; sie ihm Besseres zutrauen m&ouml;chten. Man kann auch nicht gerade 
sagen, da&szlig; er durch den Erfolg zu Schanden gemacht worden sei. Denn 
die an Paulus nachmals ver&uuml;bte Gewalt h&auml;tte unter viel anderen 
Umst&auml;nden auch so ausbrechen k&ouml;nnen; und da&szlig; sie im Tempel, 
&uuml;ber einer dem Gesetz gem&auml;&szlig;en Handlung ausgebrochen ist, 
hat doch immer noch f&uuml;r Pauli Unschuld ein dienliches Zeugnis abgegeben, 
und seiner Feinde Grimm besch&auml;mt. Die Gemeinschaft von vier anderen 
M&auml;nnern gab dem Vornehmen Pauli ein mehreres Ansehen; und einem Anderen 
noch die Kosten zu seinem Opfer und Gottesdienst bezahlen, gab einen Beweis 
von einem nicht gemeinen Eifer. Der Mi&szlig;brauch, dem dieser Rat unterworfen 
war, und wodurch Paulus von dessen Befolgung h&auml;tte abgehalten werden 
m&ouml;gen, r&auml;umen sie selber noch aus dem Weg. Um so weniger ist 
es zu verwundern, da&szlig; Pauli nachgebende Liebe sich denselben so bald 
gefallen lie&szlig;. Das ist eine delikate Sache, wie sich die Liebe oft 
machen lassen mu&szlig;, wenn man schon im Glauben frei w&auml;re. Das 
Christentum kommt immer in das Gedr&auml;nge mitten hinein. Der eine Teil 
m&ouml;chte es gerne genauer und strenger, der andere Teil gern freier 
und ungebundener haben. Die Wahrheit geht in der Mitte . GOtt im Geist 
und in der Wahrheit anbeten, geht eben dem - in das Fleisch heruntergesunkenen 
Menschen schwer ein. Auch hier&uuml;ber gilt es: Leide dich mit dem Evangelio! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 21,27-40</font></b></h4> 
 
<p><b>Paulus wird im Tempel gegriffen, von dem Judenvolk in 
einem ungest&uuml;men Auflauf &uuml;bel behandelt, von der r&ouml;mischen 
Garnison gefangen genommen, und bekommt Erlaubnis, an das Volk zu reden.</b> 
 
<p>Nun wird Paulus an Das gedacht haben, was ihm der Geist 
GOttes so oft andeutete von dem, was in Jerusalem auf ihn wartete. Nun 
wird er auch das &ouml;ftere Umg&uuml;rten seiner Lenden, und die Erneuerung 
auf den Sinn, sein Leben nicht teuer zu achten, zu genie&szlig;en gehabt 
haben. - Je unbedachtsamer die Juden das eine Wort Christi erf&uuml;llten, 
n&auml;mlich da&szlig; sie des Vaters Bethaus zur M&ouml;rdergrube machten, 
je n&auml;her kam auch die Erf&uuml;llung des Anderen, da&szlig; ihnen 
dies Haus m&uuml;&szlig;te w&uuml;ste gelassen werden. - Auf eines Christen 
Umgang und Gesellschaft lauert freilich auch die Welt, ob sie dorther keine 
Schmach und Vorwand zur Verfolgung auf ihn bringen kann; deswegen man auch 
darin Vorsicht zu brauchen hat, doch auch darin auf Kreuzesflucht hinauslaufender 
Klugheit nicht zu viel einr&auml;umen soll. Von argw&ouml;hnischen Meinungen 
n&auml;hrt sich sonderlich der blinde Eifer. - An der Regierung GOttes 
ist es eine von seinen wunderbaren Schickungen, da&szlig; auch Diejenigen, 
welche nicht Genossen seines Reichs sind, &uuml;ber ihrem ungleichen Interesse, 
ihren Einsichten und Absichten oft so geteilt sind, und damit ein Schwert 
das andere in der Scheide h&auml;lt, oder die Kinder seines Reichs von 
einem Teil Schutz genie&szlig;en, der es sonst nicht so meint. - Von dem 
Punkt, da der oberste Hauptmann Paulus &uuml;bernahm, hingen wichtige Gelegenheiten 
ab, da&szlig; der Apostel das Evangelium an Orten anbringen konnte, wohin 
er sonst nicht wohl gereicht h&auml;tte. Unter dem ganzen Hergang aber 
wurde Paulus tief in die Gemeinschaft und &Auml;hnlichkeit der Leiden Christi 
gezogen, und erstattete nicht wenig an Dem, was noch mangelte an Tr&uuml;bsalen 
in Christo. Auch da&szlig; ihn der Oberhauptmann f&uuml;r den aufr&uuml;hrerischen 
&Auml;gypter ansah, war ein Teil von dem Leiden, nach welchem sich Christus 
auch unter die &Uuml;belt&auml;ter rechnen lie&szlig;. Wie unvermutet aber 
mu&szlig;ten die Stufen am r&ouml;mischen Lager nun eine Kanzel abgeben, 
von welcher her GOtt das Evangelium von Seinem Sohn ausrufen lie&szlig;. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 22,1-22</font></b></h4> 
 
<p><b>Pauli erbaulicher Vortrag, darin er seinen vorigen Eifer 
im Judentum, seine Bekehrung, und jetzigen Beruf erz&auml;hlt.</b> 
 
<p>Es ist ein ansehnlicher Beweis, welche Bewahrung und Kraft 
vom Frieden GOttes Paulus genossen hat, da&szlig; er bei einem solchen 
Sturm doch gleich zu solch einer heiteren und n&uuml;chternen Ansprache 
gefa&szlig;t war. Auch des anwesenden Volks Stille war eine R&uuml;hrung 
von der Hand GOttes, wenn sie nur unverr&uuml;ckter daran geblieben w&auml;ren. 
Es kommt oft noch dergleichen vor, da&szlig; einer so lange auf einen Vortrag 
achtet, bis Etwas kommt, das ihm zum harten Pr&uuml;fstein wird, und ihn 
reizt die Wahrheit von sich zu werfen. Doch steht es sodann auf Jemandes 
Rechnung, als ein Wort, das einem doch gesagt worden ist. - Paulus scheint 
im ganzen Vortrag nur immer von sich selbst zu reden, eigentlich aber verk&uuml;ndigt 
er die Tugenden desjenigen, der ihn von der Finsternis zu seinem wunderbaren 
Licht berufen hatte. Nicht ohne g&ouml;ttliche Traurigkeit und deren merkliche 
&Auml;u&szlig;erung wird Paulus von seiner vorigen Feindschaft wider das 
Evangelium geredet haben; und welche Macht der Gnade ihn endlich von dieser 
Trunkenheit so weit n&uuml;chtern gemacht habe, da&szlig; er sich besann: 
Warum? und von diesem zu dem weiteren Gesch&auml;ft eines zerbrochenen 
Herzens, zu der Frage kam: Was soll ich tun? Von da an wurde die so au&szlig;erordentlich 
angefangene Bekehrung Pauli wieder in das ganz gew&ouml;hnliche Geleis 
eingeleitet, auf welchem er in Damaskus durch den Dienst eines bew&auml;hrten 
J&uuml;ngers weiter &uuml;ber Das berichtet werden sollte, was ihm der 
GOtt seiner V&auml;ter verordnet habe. Dieser hat ihm dann angedeutet, 
da&szlig; es GOtt wohlgefallen habe ihm zu helfen, und ihn zur Erkenntnis 
der Wahrheit. Oder des ganzen g&ouml;ttlichen Willens und Rats zu bringen. 
Wie ganz etwas anderes ist dieses, als wenn Jemand vorher &uuml;ber einem 
oder dem anderen St&uuml;ck ein Eiferer mit Unverstand gewesen ist. Sonderlich 
aber wollte GOtt in Paulus seinen Sohn offenbaren, welchem Ananias hier 
den vielbedeutenden Namen des Gerechten gibt, den er auch in allem dem 
Ansehen und in der W&uuml;rde, worin er vor dem Vater steht <i>(1.Joh. 
2:1)</i> und in Allem dem Guten, da&szlig; er an uns beweist <i>(Jes. 
53:13)</i>, nachdr&uuml;cklich behauptet. GOttes Verordnung &uuml;ber 
Paulus aber ging noch weiter, n&auml;mlich dieses nicht nur f&uuml;r sich 
und zu seiner Seelen Heil zu erkennen, sondern auch davon gegen alle Menschen 
zu zeugen. Darum wurde ihm noch besonders herzlich und dringend in der 
Taufe auf den Namen des HErrn JEsu das Abwaschen aller seiner S&uuml;nden 
angetragen; damit er sein Zeugenamt von Christo und die dazu n&ouml;tige 
Freudigkeit nicht hinaussetzte, bis die vielen von ihm angerichteten &Auml;rgernisse 
durch einen langen Lauf im Weg der Wahrheit getilgt w&auml;ren, sondern 
da&szlig; er auf die - ihm widerfahrene Barmherzigkeit alsobald getrost 
w&auml;re zum Exempel f&uuml;r Alle, die auch noch diesen Namen zum ewigen 
Leben anrufen sollten. - Was Paulus bisher von seiner Herumholung aus dem 
Irrtum seines Wegs gemeldet hatte, das ist meist auch schon oben <i>Kap. 
9</i> vorgekommen. Nun aber gedenkt er eines Umstandes, der in seiner 
sonstigen Lebensgeschichte nicht vorgekommen, der aber bei dieser Gelegenheit 
auch noch an das Licht kommen mu&szlig;te, n&auml;mlich eine im Tempel 
zu Jerusalem gehabte Erscheinung des HErrn JEsu, durch welche er vorz&uuml;glich 
zum Heiden = Apostel bestellt wurde, wobei aber doch Paulus sich so viel 
Liebe f&uuml;r seine Br&uuml;der nach dem Fleisch, und ein solches Ringen 
f&uuml;r das Heil Israels ansp&uuml;ren lie&szlig;, da&szlig; man doch 
ja seine Arbeit unter den Heiden nicht f&uuml;r einen feindseligen &Uuml;bergang 
und Abfall von dem GOtt ihrer V&auml;ter h&auml;tte rechnen sollen. Aber 
eben hier&uuml;ber brach der j&uuml;dische Neid in Denen aus, die, so wenig 
sie selbst in das Reich GOttes hinein wollten, so heftig wehrten, da&szlig; 
Andere nicht hinein k&auml;men, und den Heiden das nicht gesagt w&uuml;rde, 
wodurch sie sollten selig werden. Man sieht also hieraus, was Paulus f&uuml;r 
Grund hatte, von seinen Banden und Tr&uuml;bsalen mehrmals zu sagen, da&szlig; 
er selbige f&uuml;r die Heiden leide, weil sein Bekenntnis von seinem Beruf 
zum Heiden Apostel den Juden am unleidentlichsten war. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 22,23-30</font></b></h4> 
 
<p><b>Durch der Juden Toben wird Paulus weiterer Vortrag unterbrochen, 
der Oberste veranla&szlig;t, ihn in das Lager zu f&uuml;hren, woselbst 
er ihn unter Staupenschl&auml;gen zum Gest&auml;ndnis der Wahrheit bringen 
wollte, Paulus aber sich auf sein r&ouml;misches B&uuml;rgerrecht beruft, 
und also diesem schm&auml;hlichen Leiden entgeht, die Untersuchung aber 
vor den Rat zu Jerusalem gezogen wird.</b> 
 
<p>Bei der Welt Gerechtigkeit und Hilfe zu suchen, hat zwar 
der HErr JEsus seinen Leuten ernstlich mi&szlig;raten <i>(Mt. 
5:39 ff.)</i>. Es l&auml;uft auch gemeiniglich mit allem Gesuch so ab, 
da&szlig; man findet, der Heiland hat die Welt auf alle Zeiten hinein am 
besten gekannt, und seinen Rat fast buchst&auml;blich befolgen, ist gemeiniglich 
doch das Beste. Inzwischen eine so geschmeidige Anfrage zu machen, wie 
Paulus da getan: Ist es auch recht bei euch? geh&ouml;rt unter das, was 
GOtt seinen Kindern von der Welt her zu gebrauchen einger&auml;umt hat. 
Freilich sto&szlig;en Gebrauch und Mi&szlig;brauch in manchen F&auml;llen, 
und so auch in diesem nahe zusammen. Die Grenzen lassen sich in das Ganze 
hinein nicht so bestimmen. Wer sonst im Leidenssinn Christi steht, seine 
Schmach f&uuml;r gr&ouml;&szlig;eren Reichtum zu achten gelernt hat, als 
die Sch&auml;tze &Auml;gyptens, dem wird dieser Geist schon auch darauf 
deuten, was er in jedem einzelnen Fall zu tun habe. - Wohl dem, dem GOtt 
seinen Weg so niedrig durch die Welt gebahnt hat, da&szlig; er sich an 
Anderen aus &Uuml;bereilung zu vergreifen nicht leicht Gefahr l&auml;uft. 
Wohl auch dem, den GOtt zum Unrecht leiden so lenkt und schult, da&szlig; 
er damit auch vor dem Unrechttun selbst im Hilfesuchen gegen das Unrecht 
verwahrt ist. - Wie Paulus zu dem r&ouml;mischen B&uuml;rgerrecht gekommen 
sei, ist nicht wohl zu bestimmen. Seine Eltern m&ouml;gen es erkauft, oder 
auch bei Kriegszeiten und anderen Vorfallenheiten solche Verdienste um 
den r&ouml;mischen Hof gemacht haben, da&szlig; sie damit beschenkt worden 
sind. Auch von jetzigen Gesetzen, Ordnungen und Gewohnheiten in der Welt 
kommt noch immer etwas den Christen zu gut. Wen man als einen Christen 
zu unterdr&uuml;cken sich nicht scheute, den mu&szlig; man oft um anderer 
Betrachtungen willen schonen. So bringt GOtt in dieser Zeit seine Kinder 
und auch seine Kirche durch, weil es nun schon so ineinander geflochten 
ist, da&szlig; man um des Gleichgewichts willen in der Welt auch die Kirche 
nicht gar fallen lassen kann. O wenn Mancher erst an jenem Tag erfahren 
wird, wen er vor sich gehabt und mi&szlig;handelt hat, was wird es da f&uuml;r 
Schrecken geben. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 23,1-11</font></b></h4> 
 
<p><b>Vor dem Rat zu Jerusalem, der &uuml;ber Pauli Sache selbst 
sich uneins wird, kommt wenig Licht heraus; desto tr&ouml;stlicher aber 
mu&szlig; Paulus der Wink gewesen sein, den er durch eine Erscheinung des 
HErrn JEsu von seiner weiteren Bestimmung bekommt.</b> 
 
<p>Dergleichen Blicke auf St&auml;tten des Gerichts, wo Gottlose 
und gottloses Wesen war, hat schon Salomo getan, und auch uns fruchtbarlich 
tun hei&szlig;en <i>(Pred. 3:16)</i>. 
Im Leben unseres Lieben Heilandes kommt selbst auch vor, was er zuweilen 
mit solchem bed&auml;chtlichem Ansehen bewirken wollte <i>(Luk. 
20:17 ; Mark. 3:5, 11:11)</i>. In Pauli Herzen hat bei diesem Blick 
viel rege werden m&uuml;ssen, teils von dem Verfall seiner Br&uuml;der 
nach dem Fleisch, teils aber auch von seiner Erw&auml;hlung und Beruf, 
nach welchem er von diesen Banden der Finsternis errettet worden ist, und 
nun nimmer bei einem solchen Rat Briefe und Kommissionen zu holen hatte. 
- Das freim&uuml;tige Zeugnis von seinem unschuldigen Wandel hat man las 
eine Verantwortung gegen ihre Beschuldigung anzusehen. Von seinem n&auml;chsten 
Lauf in der Gnade Christi war es v&ouml;llig wahr, und das &Uuml;brige 
konnte er mit anschlie&szlig;en gegen Solche, vor welchen er im Gesetz 
untadelig gewesen ist. - &Uuml;ber seine heftige Antwort gegen den Hohepriester, 
und noch mehr &uuml;ber sein schnelles Beugen unter der Umstehenden Einreden, 
macht man sich allerlei Gedanken, und meint, wenn Paulus den Beistand genossen, 
der den zeugen JEsu sonderlich auf ihr Stehen vor Gericht verhei&szlig;en 
war, und wenn er also dies Machtwort im Geist ausgesprochen, und damit 
etwas auf das Gewissen dieses ungerechten Richters gelegt h&auml;tte, so 
w&auml;re es ja anst&auml;ndiger gewesen, ein solches durchzubehaupten, 
und es nicht in den Verdacht einer vom Gesetz verbotenen unlittigen Rede 
zu setzen. Allein wir k&ouml;nnen jetzt nimmer so genau wissen oder bestimmen, 
was Paulus zu dieser Handlungsart f&uuml;r Grund gehabt habe. &Uuml;berhaupt 
hat er sich 2.Kor. 5, 13 &uuml;ber das, was man an seiner Handlungsart 
ungleich fand, so erkl&auml;rt: Tun wir zuviel, so tun wir es GOtt; sind 
wir m&auml;&szlig;ig, so sind wir euch m&auml;&szlig;ig. Wenn er also sich 
oft &uuml;ber alles Kennen nach dem Fleisch, &uuml;ber alle die sonst gew&ouml;hnliche 
oder auch schuldige R&uuml;cksicht wegsetzte, so tat er es GOtt, um seinem 
Evangelium kein Hindernis durch ein solches Ansehen der Person zu machen. 
Handelte er aber wieder m&auml;&szlig;ig, und gab sich in die gew&ouml;hnlichen 
Schranken der Ehrerbietung, so war es ihm damit um die Herzen derer zu 
tun, die er zu gewinnen, und ihnen ein besseres Vertrauen beizubringen 
hoffte. Es ist ein Mi&szlig;verstand, der aus einem gesetzlichen Sinn herr&uuml;hrt, 
wenn man meint, nur Eines von beiden m&uuml;sse man unver&auml;ndert durchsetzen. 
Das Evangelium, und der Geist Christi, den man durch dasselbe bekommt, 
bringt einen getrosten Sinn, der mit g&ouml;ttlicher Weisheit und wohlbefugter 
Freiheit abwechselnd handeln kann. Verkehrte Nachahmung Anderer tut hierin 
Schaden. Jeder mu&szlig; nach dem . ihm sonst beiwohnenden Ma&szlig; der 
Gnade und des Lichts handeln. Auch in die Art, wie Paulus da von den geteilten 
Gesinnungen des Rats f&uuml;r sich Nutzen ziehen wollte, k&ouml;nnen sich 
nicht Alle finden. Die Pharis&auml;er haben freilich von der evangelischen 
Geschichte her einen &uuml;blen Namen, und darum ist es uns fremd, da&szlig; 
sich Paulus jetzt doch an dieselben anschlie&szlig;en wollte. Allein teils 
hat sich seit dem Ausschlag durch JEsu Auferstehung und Eingang in die 
Herrlichkeit Vieles ge&auml;ndert, und von dort an kam der heftigste Widerstand 
gegen das Evangelium mehr von den Sadduz&auml;ern her, die Pharis&auml;er 
aber waren der Glaubensspur n&auml;her. Teils schlo&szlig; sich Paulus 
nur so weit an sie an, nicht da&szlig; er sich mit ihnen des Fleisches 
r&uuml;hmen wollte, sondern nur da&szlig; er sie einlud, billiger vom Evangelium 
zu denken, weil sie wirklich dessen Wahrheit h&ouml;chst n&ouml;tig hatten, 
wenn sie gegen die Sadduz&auml;er noch etwas von der Hoffnung Israels aufrecht 
erhalten wollten. &Uuml;berhaupt mu&szlig; sich vom Gamaliels Geist und 
erstem Rat etwas unter dem Teil der Pharis&auml;er erhalten haben, n&auml;mlich 
nicht mit offenbarer Gewalt wider GOtt zu streiten; und davon konnte man 
ohne verderbliche fleischliche Weisheit Gebrauch machen. Freilich gingen 
die Pharis&auml;er auch nicht so weit, als sie Paulus aufforderte. Sie 
krochen auch wieder in die Unentschlossenheit &uuml;ber der Hauptsache 
zur&uuml;ck. So kann man wohl toleranter und duldsamer gegen Andere werden, 
aber im eigenen Herzensglauben doch dahinten bleiben. - Was der heidnische 
Obrist an dieser Spaltung f&uuml;r &Auml;rgernis genommen, kann man sich 
leicht vorstellen. - Auf einen solchen Kampf aber tat ein g&ouml;ttlicher 
Zuspruch doppelt wohl. Doch ward neben dem eingefl&ouml;&szlig;ten Trost 
auch neue Arbeit aufgelegt. St&auml;rkung und &Uuml;bung des Glaubens ist 
immer beisammen. Bis es zum Zeugen in Rom kam, stand es noch eine ziemliche 
Zeit an. Paulus aber hatte inzwischen am einem solchen Wort ein best&auml;ndiges 
Licht, auf das er achten konnte. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 23,12-35</font></b></h4> 
 
<p><b>Die Juden spinnen eine grimmige Nachstellung wider Paulus 
an, durch dessen Schwester = Sohn wird aber die Sache noch entdeckt, und 
in der Stille werden Anstalten zu Pauli Rettung und sicherer &Uuml;berkunft 
nach C&auml;sarea gemacht.</b> 
 
<p>Was haben die feindseligen Leute unter den Juden mit ihrem 
Verbannen auf sich genommen? Was kann Einem eine einzige Rede auf Zeit 
und Ewigkeit f&uuml;r Last aufladen? Oft schlei&szlig;t sich die ganze 
Kraft der Seel im B&ouml;sen oder Guten in ein einiges Wort ein. Anfangs 
m&ouml;gen ihrer nur Etliche gewesen sein, aber es fanden sich bald Mehrere 
zu diesem Bund der Ungerechtigkeit; und die Hohenpriester und &Auml;ltesten 
waren dabei, wie das ausgespannte Netz, weil man wu&szlig;te, da&szlig; 
man mit solchen Antr&auml;gen bei ihnen wohl ankam, so lief man um so schneller 
darein. Was wird das einmal f&uuml;r B&uuml;ndlein geben, wenn das Unkraut 
nach der - mit einander gehabten S&uuml;nden = Gemeinschaft zusammengebunden 
werden wird. Wenn GOtt aber solche b&ouml;sen Rat aufdecken will, so schafft 
er auch ein h&ouml;rendes Ohr und sehendes Auge, wo es die Welt nicht vermutet. 
Nachdem Paulus durch seiner Schwester Sohn den Anschlag erfahren hatte, 
so mutete er GOtt keine weiteren Wunder zu seiner Rettung zu, sondern beugt 
sich mit seinem Glauben an die g&ouml;ttliche Vorsehung unter den Gebrauch 
der gew&ouml;hnlichen Mittel. Was mu&szlig; sich ein Kind und Knecht GOttes 
oft f&uuml;r Aufz&uuml;ge W&auml;hrend seines Pilgerlaufs gefallen lassen. 
So ist Luther einmal in Augsburg vor Tag zu dem sogenannten Einla&szlig;pf&ouml;rtlein 
hinausgelassen worden, und hat einen beschwerlichen Ritt nach N&uuml;rnberg 
tun m&uuml;ssen. Nachgehends einmal ist er von f&uuml;nf maskierten Reitern 
im Wald angefallen, ihm sein priesterlicher Habit abgenommen, ein Reitersmantel 
umgeh&auml;ngt, und er so zu Pferd im Wald hin und hergef&uuml;hrt, und 
zur Nachtzeit auf das Schlo&szlig; Wartburg gebracht worden. Um solcher, 
obwohl seltenen Umst&auml;nde willen, m&uuml;ssen &auml;hnliche F&auml;lle 
im Gedulds = und Trostwort der Schrift vorkommen. Gro&szlig;e Herren reisen 
oft inkognito; und so bringt GOtt seine liebsten Kinder oft unter einem 
sehr fremden Aufzug durch die Welt. In C&auml;sarea bekam Paulus einige 
Ruhe. Dabei hat es dann doch an Gelegenheiten, dem Evangelium f&ouml;rderlich 
zu sein nicht gefehlt, wie die folgende Geschichte zeigt. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 24,1-23</font></b></h4> 
 
<p><b>Paulus wird vor dem Landpfleger Felix angeklagt, auf seine 
Verantwortung aber von demselben leidentlich gehalten.</b> 
 
<p>Wie viel ist schon in der Welt mit <i>Schmeichelworten</i> 
betrieben oder auch ausgerichtet worden. Es ist ein wunderbares Wechselgesch&auml;ft 
deswegen, bei dem die Gro&szlig;en die Schwachheiten des Kleineren zu ihren 
Absichten mi&szlig;brauchen, aber auch umgekehrt die Kleinen der Gro&szlig;en 
schwache Seite wissen, und dort beizukommen suchen. Da kann man her&uuml;ber 
und hin&uuml;ber viel aneinander verderben. Paulus lie&szlig; dergleichen 
K&uuml;nste ferne von sich sein. Nach diesem in das Gem&uuml;t des Landpflegers 
gesuchten Eingang wollte der Redner schnell das wie schon ausgemacht einschieben, 
was doch noch den st&auml;rksten Beweis bedurfte, n&auml;mlich das Paulus 
Aufruhr errege. Weil es aber doch dergleichen unruhige K&ouml;pfe aus anderen 
Ursachen gab, so hofften sie damit des Landpflegers Gem&uuml;t zu entr&uuml;sten. 
- Doch springen sie bald davon ab auf das, was ihnen wegen Pauli Bekenntnis 
zum Evangelium Christi allermeist anlag. Sie nennen es mit dem verha&szlig;ten 
Namen: die Sekte der Nazarener. Paulus aber hei&szlig;t es nachgehends 
mit seinem rechten Namen: Den Weg, nach welchem man GOtt zu dienen durch 
alle von ihm selbst herr&uuml;hrende Offenbarung angewiesen ist. Hieraus 
l&auml;&szlig;t sich noch heutigen Tages bestimmen, was Sekte und sektiererisch 
ist, n&auml;mlich wo ich auf das, was doch blo&szlig; von menschlichem 
Willen und Wahl herr&uuml;hrt, zu viel wert lege. Der Weg des Heils ist 
von GOtt vorgeschrieben, und wer an dem bleibt, was von GOtt Zeugnis hat, 
der wird vor Sektiererei bewahrt. Was Lysias dem Paulus f&uuml;r Schutz 
angedeihen lie&szlig;, das wollten sie heimlich als eine - ihrer Freiheit, 
ihn nach ihrem Gesetz zu richten, nachteilige Gewalt anschw&auml;rzen. 
Allein Lysias wird auch nicht vers&auml;umt haben, dem Landpfleger die 
Ihm bekannt gewordenen Bosheiten der Juden und ihres hohen Rats aufzudecken. 
So verl&auml;&szlig;t man sich in Manchem auf die Dunkelheit der Zeit, 
und bedenkt nicht, da&szlig; einem GOtt mit seinem alles entdeckenden Licht 
doch &uuml;berall in den Weg tritt. - Seine Freiheit zum Reden braucht 
Paulus nicht nur zum Ablehnen der Beschuldigungen, sondern noch mehr ein 
gutes Zeugnis anzubringen, wie die Hoffnung des Zuk&uuml;nftigen an aller 
Religion das Kr&auml;ftigste sei, und auch den st&auml;rksten Einflu&szlig; 
in die gegenw&auml;rtige Bewahrung des Gewissens habe. Gewissen wollen 
freilich Alle haben. Aber wo dem nicht durch das Wort GOttes und Hoffnung 
des Zuk&uuml;nftigen aufgeholfen wird, wo ihm nicht die Reinigung durch 
das Blut Christi widerf&auml;hrt, und es nicht unter den Tr&ouml;stungen 
und Zuspr&uuml;chen vom Geist der Kraft behalten wird, wie bald verl&ouml;scht 
oft diese Leuchte in der Finsternis, wo man ihrer am besten ben&ouml;tigt 
w&auml;re. So unrein fand sich wirklich auch Felix Gewissen. Von Pauli 
Unschuld, vom ganzen Gang bei der Predigt des Evangeliums nicht ohne alle 
&Uuml;berzeugung, Lindigkeit an Paulus zu erweisen wirklich geneigt; nur 
aber andere darunter steckende Unlauterkeiten aus seinem Herzen hinauszuschaffen, 
nur aber der Wahrheit sich gegen Andere nachdr&uuml;cklich annehmen, nicht 
gest&auml;rkt, das hei&szlig;t ein unreines und damit in seiner ganzen 
Gesch&auml;ftigkeit verhindertes Gewissen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 24,24-27</font></b></h4> 
 
<p><b>Bei einer namhaften Gelegenheit, da Felix den Paulus vom 
Glauben an Christum zu h&ouml;ren bekommt, offenbart sich sein Schalksauge, 
oder sein verunreinigter Gewissenszustand noch mehr.</b> 
 
<p>Weil die Menschen auch mit ihrem H&ouml;ren allerlei Abwechslungen 
haben wollen, so kommt das H&ouml;renwollen auch zuweilen an das Evangelium. 
Entweder um eine Weide f&uuml;r die nat&uuml;rlichen Sinne zu suchen, aus 
welchem Grund dort Herodes JEsum l&auml;ngst gerne gesehen h&auml;tte, 
oder oft auch um aus dem Evangelium etwas herauszunehmen, und sich daraus 
f&uuml;r den Brand seines Gewissens einen k&uuml;hlenden Umschlag zu machen. 
So h&ouml;rt auch Mancher in der heutigen Zeit einen Zeugen der Wahrheit 
um den anderen, gehorcht aber eigentlich keinem, sondern m&ouml;chte nur 
von Jedem etwas erschnappen, das zusammen einen f&uuml;r das Fleisch ertr&auml;glichen 
Religionsbegriff austr&uuml;ge. Paulus aber wandte seine Unterredung vom 
Glauben an Christum so, da&szlig; es zuletzt auf die im Gewissen so tief 
haftenden Wahrheiten von der Gerechtigkeit, Keuschheit und zuk&uuml;nftigem 
Gericht hinauskam. Das war freilich f&uuml;r einen Richter und f&uuml;r 
ein solches Paar, als Paulus da vor sich hatte, angreifend. Es kann und 
soll aber auch nicht anders sein. Wo g&ouml;ttliche Dinge recht behandelt 
werden, da mu&szlig; das Innerste dadurch gerichtet werden. Was vor der 
klugen Welt zum Fehler angerechnet wird, hat vor GOtt ein desto bleibenderes 
Lob. - Erschrecken k&ouml;nnte ein guter Anfang werden. Aber es ist bedauerlich, 
wenn es dabei bleibt. Von der Drusilla wird nicht einmal ein solches Erschrecken 
gemeldet, entweder weil ihr, als einer J&uuml;din, die Wahrheit nimmer 
so ganz neu war, und durch fr&uuml;here Untreue die weiche Seite ihres 
Gewissens schon wie zertreten war; oder weil dergleichen in ihrer Lust, 
Eitelkeit und Gefallsucht versunkene Weibsleute nicht einmal so viel Verstand 
und Achtsamkeit auf ein Wort GOttes mehr wenden, als ein um seiner Gesch&auml;fte 
willen doch immer noch an mehr Nachdenken gew&ouml;hnter Mann. Der Vorwand 
mit welchem sich Felix von der Wahrheit und ihrer ersten Wirkung an seinem 
Herzen loskomplimentiert, ist h&ouml;flich, beweist aber doch ein sehr 
falsches Herz. Gelegenere Zeit ist wohl nicht mehr gekommen, als die gegenw&auml;rtige 
gewesen w&auml;re. So steckt sich noch Mancher hinter seine Amtsverrichtungen, 
geh&auml;ufte Gesch&auml;fte, und ist heimlich doch froh, immer so &uuml;berlaufen 
zu sein, da&szlig; er nicht viel Zeit hat, das Urteil anzuh&ouml;ren, das 
ihm GOttes Wort spricht. Betr&uuml;btes Gl&uuml;ck, das einem die Welt 
schaffen kann, einem eine Menge Leute auf den Hals zu jagen, vor deren 
Anlauf wenig gelegene Zeit &uuml;brig bleibt, an sich selbst und an seiner 
Seele ewige Errettung zu denken. - Nicht wollen, wo GOtt will, nicht folgen, 
wenn GOtt ruft, und sich bereden, man habe es doch in seiner Macht und 
am Schn&uuml;rlein, wird Viele in die &auml;u&szlig;erste Verzweiflung 
vor der verschlossenen T&uuml;r st&uuml;rzen. Es hat sonst nicht an ger&uuml;hrten 
Herzen gefehlt, die ihr Leben f&uuml;r Paulus dargeboten h&auml;tten. Aber 
in Felix Gesuch Geld zu geben, hat sich Niemand eingelassen. Unvermutet 
ging die Zeit, die Felix hatte, sein Gewissen an Paulus zu retten, herum, 
wie auch unsere Zeit, Gutes zu tun, unter den H&auml;nden vergeht. Und 
er wollte sich lieber noch die Welt durch ein Freundes = St&uuml;cklein 
verbindlich machen, und opferte Pauli Freiheit auf. Was l&auml;&szlig;t 
ein Mancher in seinem Amt und Haus hinter sich? 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 25,1-12</font></b></h4> 
 
<p><b>Vor dem neuen Landpfleger Festus wird Paulus auf das Neue 
verh&ouml;rt, durch dessen politische G&auml;nge aber gen&ouml;tigt, sich 
auf den Kaiser zu berufen.</b> 
 
<p>Bei der Abwechslung in der Landpflegers = Stelle bekam 
es Paulus zwar mit einem anderen Mann zu tun, der aber aus dem gleichen 
Weltsinn und nach einerlei menschengef&auml;lligen Gr&uuml;nden mit ihm 
handelte. Wer will also beim Regiment der Welt, wenn es schon Abwechslungen 
in den Personen gibt, aber immer einerlei irdischer Sinn bleibt, sich viel 
Gutes von solchen Ver&auml;nderungen versprechen? Der Glaube, der die Welt 
in allen ihren Gestalten &uuml;berwunden hat, ist eine reichere Quelle 
des Trostes. Doch braucht GOtt dergleichen Ver&auml;nderungen, damit den 
Weltleuten selbst das Gewissen doch noch ger&uuml;hrt werde mit dem Stachel: 
Ach wie nichtig, ach wie fl&uuml;chtig ist der Menschen Herrschen! Besonders 
ist hier bedenklich, da&szlig; in ein Land, darin GOtt vorhin selbst Regent 
war, nun ein heidnischer Landpfleger um den anderen hinaufzieht, daraus 
sie ja h&auml;tten merken sollen, wie weit es mit ihnen herabgekommen sei. 
Im Ha&szlig; der Feinde Pauli zu Jerusalem gegen ihn hat diese lange Zeit 
nichts gemildert. Denn greulichere Decken vor Auge und Herz gibt es nicht, 
als die falsche Beredung, man tue GOtt womit einen Dienst. - In Jerusalem 
hinderte Festus seines eigenen Amtes Ehre, da&szlig; er doch nicht so gef&auml;llig 
sein mochte, Paulus heraufholen zu lassen, sondern dessen Verkl&auml;ger 
vor sich hinauf nach C&auml;sarea beschied. Nach dem Verh&ouml;r in C&auml;sarea 
&uuml;bernahm ihn erst die falsche Klugheit so, da&szlig; er dem Paulus 
vorschlug, sich hier&uuml;ber in Jerusalem richten zu lassen, womit er 
ihn den Juden ins Netz getrieben h&auml;tte. O wie fehlen gro&szlig;e Leute 
auch! und wie mu&szlig; es mithin denen fehlen, welche ihr Vertrauen auf 
dieselben setzen! Paulus aber behauptet das, was Festus aus Menschengef&auml;lligkeit 
leicht aufgeopfert h&auml;tte, und tut dabei einen gar schicklichen Griff 
in Festus Gewissen. - Der Stachel in Pauli Rede:<i> 
so kann mich ihnen Niemand ergeben</i>, bringt Festus auch auf, mit 
dem zu trotzen: <i>zum Kaiser sollst du 
ziehen</i>, wobei er doch dachte, da&szlig; er das Berichten hierzu 
in seiner Hand habe. Was hat aber Paulus zu diesem Allem f&uuml;r ein ganz 
anderes Licht gehabt, bei welchem er merkte, da&szlig; es immer auf GOttes 
Zuspruch hinauslaufe: wie du von mit zu Jerusalem gezeugt hast, so mu&szlig;t 
du auch zu Rom zeugen. Auch meinen F&uuml;&szlig;en sei, o GOtt, dein heiliges 
Wort eine Leuchte, und ein Licht auf meinem Wege! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 25,13-27</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Besuch, den Agrippas und Bernice bei Festus machen, 
gibt Gelegenheit, da&szlig; ihnen Festus den Handel Pauli auch erz&auml;hlt, 
und sie ihn selber zu sehen und zu h&ouml;ren w&uuml;nschen.</b> 
 
<p>Unter dem zum Empfang des Festus gemachten Besuch, wobei viel Eitelkeit 
und weltliches Zeremoniell zu Grunde Liegen konnte, wurde dem Agrippa &uuml;ber 
all sein Denken eine Gelegenheit bereitet, wobei ihm ein Antrag vom Evangelium 
vor das Herz gebracht wurde. Die ersten Tage werden zwar auch auf anderw&auml;rtige 
Erg&ouml;tzlichkeiten gegangen sein, womit man so den Fremden eine Ehre 
anzutun gewohnt ist. Nach vielen Tagen aber, da die anderen Materien ersch&ouml;pft 
waren, kam man auch auf die Angelegenheit von Paulus. Die ganze Erz&auml;hlung 
des Festus war darauf eingerichtet, sich im Licht eines unparteiischen 
und Gerechtigkeit liebenden Richters darzustellen; das, was etwa in der 
Sache verfehlt sein mochte, teils schon auf Felix, seinen Amtsvorg&auml;nger, 
teils auf Paulus selbst und sein Berufen auf den Kaiser, zu schieben, und 
so &uuml;berhaupt der R&ouml;mer Justiz zu erheben. - Von der j&uuml;dischen 
Religion spricht er gelegentlich nicht so ehrerbietig, als man erwarten 
sollte, da er doch an Agrippa einen vor sich hatte, der sich zu derselben 
bekannte. Weil aber gro&szlig;e Herren leicht in dem Kredit sind, da&szlig; 
sie sich auch aus der Religion, zu welcher sie sich &auml;u&szlig;erlich 
bekennen, innerlich im Herzen nicht viel machen, so wagen es andere freche 
Zungen leicht, auch ihnen in das Gesicht geringsch&auml;tzig davon zu reden. 
Da&szlig; es Agrippa aus Menschengef&auml;lligkeit so verschluckte, ist 
kein gutes Anzeichen. Paulus aber wu&szlig;te es gegen das Ende seiner 
rede an ihn noch so zu wenden, da&szlig; das glimmende Glaubensf&uuml;nklein 
in ihm angeblasen wurde. - Das Evangelium von JEsu Christo aber schleudert 
Festus noch ver&auml;chtlicher weg. Wohl dem, de, es GOttes Kraft ist, 
der bekennt, da&szlig; JEsus der HErr ist, und in seinem Herzen glaubt, 
da&szlig; ihn GOtt von den Toten auferweckt hat. Aus des Agrippa Verlangen, 
Paulus selbst auch zu h&ouml;ren, leuchtet doch etwas von Begierde nach 
Grund hervor, wenn dieselbe anders nicht in einen geb&uuml;&szlig;ten Vorwitz 
umschl&auml;gt, wozu oft auch das gro&szlig;e Gepr&auml;nge und die Parade, 
womit auch dergleichen Dinge behandelt werden, bedauerliche Versuchung 
abgibt. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 26,1-23</font></b></h4> 
 
<p><b>Paulus bringt unter Erz&auml;hlung seines Lebenslaufs, 
sonderlich seiner Bekehrung und seines jetzigen Gnadenstandes, das Zeugnis 
von Christo gar schicklich an Agrippa und die &uuml;brigen Anwesenden.</b> 
 
<p>Durch Ausstrecken seiner Hand, vermutlich derjenigen, 
woran seine Bande waren, wollte sich Paulus ermuntern, nicht verdrossen 
zu sein, noch sich seiner Bande zu sch&auml;men, sondern seinen Mund fr&ouml;hlich 
aufzutun, im Angedenken, da&szlig; GOttes Wort nicht gebunden sei. Paulus 
lie&szlig; sich diese Gelegenheit lieb sein, und warf das Vertrauen, da&szlig; 
es etwas austragen w&uuml;rde, nicht zum Voraus weg. Ein Christ h&auml;ngt 
nicht am Erfolg allein, sondern begn&uuml;gt sich zu tun, was ihm GOtt 
begegnen l&auml;&szlig;t. Bei der Bitte um geduldiges Geh&ouml;r gibt er 
freilich zu erkennen, da&szlig; dabei viel auf die Zuh&ouml;rer und deren 
Herzensneigung ankommen werde. Wenn sich einmal &uuml;ber etwas viel Widerspruch 
erhebt, so verbergen sich die Leute, und ziehen sich auch solche von Rettung 
der Wahrheit zur&uuml;ck, die sonst noch davon zeugen k&ouml;nnten. - Seiner 
vorigen Art, GOtt als ein Pharis&auml;er zu dienen, gedenkt der Apostel 
so, da&szlig; er zwar den b&ouml;sen Eifer, in welchen er dar&uuml;ber 
hineingetrieben wurde, nicht verbirgt, daneben aber doch auch zeigt, was 
er davon Gutes habe beibehalten k&ouml;nnen, n&auml;mlich den Glauben und 
die Hoffnung der Auferstehung. Da hingegen das jetzige Toben der Juden 
wider das Evangelium Christi ihre eigene v&auml;terliche Religion zerst&ouml;rte, 
und sie wirklich alle vom GOtt ihrer V&auml;ter empfangene bessere Beilage 
damit ausschlugen. Mit Aberglauben und selbsterw&auml;hltem Gottesdienst 
will man dem entgegen kommen, wozu doch nur der Glaube den einzigen und 
so nahen Weg zeigt. Wir m&uuml;ssen doch alle sterben, und wir m&ouml;chten 
doch alle gern im Tod eine gute Hoffnung haben. Der Rechte Grund dazu in 
JEsu Tod und Auferstehung will dem nat&uuml;rlichen Sinn der Menschen nicht 
ein. In welcherlei Bestreben Tag und Nacht also geraten sie also hinein, 
um dies anderswoher aufzutreiben; und welch schwache Strohhalme ergreifen 
sie statt der im Evangelium angebotenen Hoffnung! - Bei der jetzigen Erz&auml;hlung 
seiner Bekehrungsgeschichte flicht der Apostel vermutlich in das, was auf 
dem Wege gen Damaskus vorgegangen ist, auch Manches ein, was ihm erst nachgehends 
durch Bescheid des Ananias, oder auch in einer sp&auml;teren Erscheinung 
des HErrn JEsu selbst, kund worden ist. Besonders merkw&uuml;rdig ist hier, 
das gro&szlig;e Ziel beschrieben, das Lehrer und Zuh&ouml;rer bei der Predigt 
des Evangeliums vor sich haben sollen. R&uuml;ckkehr zu GOtt er&ouml;ffnen 
ist das Werk eines evangelischen Predigers; und solche suchen und annehmen 
ist die Pflicht eines Jeden, der seine Seele nicht verwahrlosen will. Bu&szlig;fertigkeit 
ist der sicherste Weg zur Vergebung der S&uuml;nden, und zu deren Gewi&szlig;heit. 
Sie l&auml;&szlig;t sich nicht wegrauben, aber rechtm&auml;&szlig;ig nach 
GOttes Rechten empfangen. Selbst bei Pauli Bekehrung ist es noch auf den 
Gehorsam des Glaubens angekommen. Er h&auml;tte sich der himmlischen Erscheinung 
entziehen k&ouml;nnen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 26,24-32</font></b></h4> 
 
<p><b>Des Festus fleischliches Urteil, wodurch Pauli Rede unterbrochen 
wurde, dieser aber doch noch Gelegenheit sucht, zum Beschlu&szlig; dem 
Agrippa die Hauptsache noch n&auml;her an das Herz zu legen.</b> 
 
<p>Der Apostel versichert, er rede wahre und vern&uuml;nftige 
Worte, woran nichts &Uuml;berspanntes, viel weniger, nach der Beschuldigung 
des Festus, etwas Wahnsinniges sei. Wahrheit beweist sich immer auch durch 
das M&auml;&szlig;ige wohl an der Menschen Gewissen. Wer es aber trennt, 
und vern&uuml;nftige Worte ohne Wahrheit zu reden meint, der verfehlt es. 
Wie k&uuml;nstlich man es auch macht, so hat das Gewissen keine Befriedigung. 
Man merkt es, da&szlig; man weder sein Eigenes, noch Anderer Elend kennt, 
in Allem nur auf Geratewohl und obenhin verf&auml;hrt. Und gerade bei Solchen 
ist das Wort vom Kreuz eine Torheit, die nur aus Vorwitz nach etwas fragen, 
im Grund aber es mit ihrem Heil verloren geben. Paulus macht es unter dem 
Reden oder aus anderen Kennzeichen schon bemerkt haben, da&szlig; am Herzen 
Agrippas Herzen noch eher etwas auszurichten sei. Darum h&auml;lt er sich 
mit Festus nicht zu lange auf, sondern wendet sich gerader an Agrippa, 
und zwar mit gro&szlig;er Freudigkeit auf die im Gewissen desselbigen gesch&auml;ftige 
Wahrheit. Paulus verstand es wirklich besser als Agrippas selbst, was ihm 
damit f&uuml;r ein Zug GOttes an das Herz gekommen sei. Agrippa behandelte 
es mehr als eine in seiner Willk&uuml;r stehende Sache, und spricht auch 
von Christ = Werden nicht viel anders, als wie man von Annahme einer Partie 
in sonstigen Kenntnissen sprechen m&ouml;chte. Paulus aber lenkte es sehr 
ernstlich auf GOtt, dessen kostbarer Gabe und edles Werk der Glaube ist; 
und tut dem K&ouml;nig einen Wunsch, dessen Wert er auf der Stelle nicht 
so wird gesch&auml;tzt, als nachmalen erfahren haben. - Was fa&szlig;te 
dieser eine Audienzsaal f&uuml;r unterschiedliche Gesinnungen gegen das 
Evangelium Christi in sich! Paulus ganz im Glauben des Sohnes GOttes lebend, 
Agrippas angegriffen, Bernice gleichg&uuml;ltiger, Festus noch ferner. 
Wie gern h&auml;tte sie Paulus in eins zusammen gebracht, aus frohem Genu&szlig; 
der ihm aus seinem Glauben zuflie&szlig;enden Seligkeit. Zu dem vorz&uuml;glichen 
Ma&szlig; der Leiden, das an Paulus gekommen war, waren sie deswegen nicht 
angehalten worden. Am Ende aber lief es auf ein Raisonnement &uuml;ber 
Pauli Person hinaus, und da&szlig; darunter etwas vom Mitleiden lag, das 
mu&szlig;te er statt der Hilfe annehmen, und sich noch gefallen lassen, 
den Vorwurf zu leiden, da&szlig; er sich durch sein berufen auf den Kaiser 
weitere Hilfe selbst abgeschnitten habe, wobei man nimmer in Rechnung nahm, 
wie notgedrungen Paulus solches vorgenommen habe. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 27,1-26</font></b></h4> 
 
<p><b>Paulus reist von C&auml;sarea ab, um nach Rom geliefert 
zu werden; findet unterwegs unterschiedliche Veranlassung, dem Evangelium 
w&uuml;rdiglich zu wandeln, und sich als ein Christ unverzagt zu beweisen.</b> 
 
<p>Der Gl&auml;ubigen Weg scheint freilich oft auch blo&szlig; 
dem wellenf&ouml;rmigen Lauf der Welt &uuml;berlassen zu sein, und unter 
Anderer Willk&uuml;r und Beschlie&szlig;en zu stehen. Aber es ist doch 
lautere Erf&uuml;llung der Verhei&szlig;ungen GOttes darunter; und sie 
haben auch ihres auf GOtt und sein Wort gerichteten Sinnes bei allen Vorfallenheiten 
zu genie&szlig;en. GOtt der die Geringen tr&ouml;stet, bereitet einem auch 
aus einen anderen Gl&auml;ubigen Gef&auml;hrtschaft, oft auch durch die 
Lenkung eines Welt = Menschen zu freundlichem Begegnen, eine n&ouml;tige 
Aushilfe. - An Weckern und Vorbereitungen, bei dieser Reise nicht sicher 
zu sein, lie&szlig; es GOtt auch rohen Gem&uuml;tern nicht fehlen. Aber 
die ersten Anmahnungen von der Art nimmt man insgemein nicht sonderlich 
zu Herzen, sondern rechnet es unter die gew&ouml;hnlichen Zuf&auml;lle. 
Paulus bezeugte sich bei seinem Christensinn zuerst wachsam, und auch f&uuml;r 
die Abwendung leiblicher Gefahr und zeitlichen Schadens besorgt, lehrt 
uns aber eben damit, da&szlig; ein Christ kein Wagehals ist, und auch vom 
Zeitlichen nichts verschleudert, sondern wohl bedenkt: es ist ja, HErr 
dein Geschenk und Gab, mein Leib und Seel und Alles, was ich hab, in diesem 
armen Leben. Wenn Welt = Menschen, die roh genug sind, ihre Erstgeburt 
und daran h&auml;ngendes himmlisches Erbe zu verkaufen, auch Dinge dieses 
zeitlichen Lebens so unbesonnen hinschleudern, und sich in Gefahr geben, 
so ist das kein Glaube, sondern vielmehr ein Beweis ihres ganz unempfindlich 
gewordenen Fleisches = Sinnes. Ein Christ, der &uuml;ber Abwendung zeitlichen 
Schadens wacht, tut es nicht aus irdischem Sinn, als ob er an diesem klebte, 
sondern um GOttes und seiner Ordnung willen, der das, was er erschaffen 
und beschert hat, auch erhalten und Nutz gebracht wissen will. - Wie diese 
Schiffsleute durch &Uuml;bernahme einer kleinen Ungelegenheit sich viel 
gr&ouml;&szlig;ere Not h&auml;tten ersparen k&ouml;nnen, so geht es unserem 
ungeduldigen Herzen oft, da&szlig; es sich in tiefe Not st&uuml;rzt, da 
es einer kleineren entgehen will. Wenn man aus einem g&uuml;nstigen Umstand 
zu viel gemacht, und bereits sein Vorhaben erreicht zu haben gerechnet 
hat, und es schl&auml;gt so damit um; wie mu&szlig; man die Fl&uuml;gel 
h&auml;ngen lassen, oft aber auch unter solcher Rat = und Hilflosigkeit 
noch in GOttes H&auml;nde getrieben werden. Da schlagen aber Meeres = Wellen 
nicht so hin und her, wie der Trotz und die Zaghaftigkeit des menschlichen 
Herzens umschl&auml;gt. - Zur Erhaltung seines zeitlichen Lebens mu&szlig; 
man oft von sich werfen, was man sonst noch so fest h&auml;lt; wer g&auml;be 
einem Geh&ouml;r, wenn man dergleichen etwas um der Erhaltung zum ewigen 
Leben n&ouml;tig anpriese. Wohl Jeglichem der in Pauli Glaubensbekenntnis: 
GOtt des ich bin, und dem ich diene, so einstimmen kann, und unter Allem, 
was auf dem Angst = Meer dieser Welt vorkommen mag, die Ansprache beh&auml;lt: 
O GOtt! Dein bin ich, Dir diene ich, bewahre mich. GOtt wacht nicht nur 
&uuml;ber uns, sondern es ist Ihm auch darum zu tun, da&szlig; wir es wissen, 
ohne Furcht seien, und Ihm trauen. - &Uuml;ber die, so mit ihm schiffen, 
mu&szlig; Paulus doch auch manches Anliegen gehabt haben, dar&uuml;ber 
ihm die g&ouml;ttliche Antwort kam: GOtt hat sie dir geschenkt. Sein Glaube 
kam auch den Anderen zu statten, doch sucht er auf alle Weise auch in ihnen 
Glauben zu erwecken. Und das so m&auml;&szlig;iglich, da&szlig; er dabei 
das Anfahren an eine Insel mithin auch den Gebrauch &auml;u&szlig;erlicher 
Mittel, nicht ausschlie&szlig;t, vielmehr den Schiffleuten etwas angibt, 
worauf sie zu sinnen h&auml;tten. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 27,27-44</font></b></h4> 
 
<p><b>Paulus gibt unter manchen weiter vorgekommenen mi&szlig;lichen 
Umst&auml;nden guten Rat. Der Verlust des Schiffes und alles Ger&auml;tes 
ist nicht zu verh&uuml;ten, auf der Insel Melite aber findet sich aller 
Leben gerettet.</b> 
 
<p>O wie manche solcher elenden N&auml;chte hat es inzwischen 
auch gegeben, nicht nur bei denen, die auf dem Meer fuhren, sondern auch 
bei Anderen, die aus der Tiefe zum HErrn riefen, und seiner Hilfe von einer 
Morgenwache zur anderen erharrten. - Der Schiffleute Gesuch, zu entfliehen, 
zeigt an, wie wenig Glauben sie an Pauli Wort, aber auch wie wenig redlichen 
ernst sie auf ihre Pflicht gehabt haben. Paulus bei seiner Gem&uuml;ts 
= Gegenwart und sonstigen Kenntnis des menschlichen Herzens konnte ein 
solches Vorhaben am b&auml;ldesten bemerken. Den Segen GOttes &uuml;ber 
den Gebrauch rechtm&auml;&szlig;iger Mittel erwarten und erbeten, ist keine 
geringe Glaubenskraft. Auch die gr&ouml;&szlig;te Not mu&szlig; das Danken 
aus des Christen Herz nicht gar verdr&auml;ngen. So lange unter dem Leiden 
noch ein Merken auf GOttes Wohlmachen, Verschonen, guten Ausgang ist, so 
lange ist noch Anla&szlig; und Lust zum Danken. Mit diesem seinem Tischgebet 
wurde Paulus ein gutes Salz unter ihnen Allen. - Die Kriegsknechte besorgten 
sich einer Verantwortung, wenn einer ihrer Gefangenen entfl&ouml;he; und 
darum kamen sie auf den grimmigen Einfall, sei zu t&ouml;ten. So kann sich 
Mancher durch seinen durch seinen vermehrten Diensteifer verleiten lassen, 
da&szlig; er nur immer auf eine Seite sieht, dessen aber was er Anderen 
daneben schuldig w&auml;re, v&ouml;llig vergi&szlig;t. - Da&szlig; GOtt 
dem Paulus und seinen gl&auml;ubigen Gef&auml;hrten nichts Besonderes macht 
zu ihrer Errettung, sondern sie eben auch nach Art der &uuml;brigen Allen 
durchgebracht werden, lassen sie sich nicht befremden. Paulus hat nach 
2.Kor. 11, 25 schon vorher auch ein dergleichen 24 st&uuml;ndiges Umgetriebenwerden 
zu erfahren gehabt, und wu&szlig;te &uuml;berhaupt, wie GOtt seine Verhei&szlig;ungen 
so erf&uuml;lle, da&szlig; er dabei seine Allmacht unter den Gebrauch menschlicher 
Mittel verberge. Soll auch ich meines Orts noch l&auml;nger bleiben auf 
dem ungest&uuml;men Meer, da mich Wind und Wellen treiben durch so manches 
Leid = Beschwer, o so la&szlig; in Kreuz und Pein Hoffnung meinen Anker 
sein! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 28,1-16</font></b></h4> 
 
<p><b>Paulus bringt seine Zeit zu Melite wohl zu, und erreicht 
endlich die Stadt Rom.</b> 
 
<p>Welch ein ungest&uuml;mer Wind treibt den Gl&auml;ubigen 
oft an einen Ort, wo ihm GOtt wieder viel Gutes zu tun nach seinem Vorsatz 
bereitet hat! Anfangs ging zwar auch zu Mileto noch etwas Hartscheinendes 
&uuml;ber Paulus, da bei ihm selbst so wenig ohne erstmaliges Grauen geblieben 
sein wird, als es Anderen mancherlei Gedanken erweckt hat. Was den Menschen 
auch noch in das gewissen geschrieben ist, von der Wiedervergeltung und 
Rache, wissen sie doch das zehnte Mal nicht geh&ouml;rig anzuwenden, noch 
weniger erreichen sie f&uuml;r sich selbst GOttes Gerechtigkeit, und das 
zum Retten aus der S&uuml;nde Wohlt&auml;tige daran. An Anderen mu&szlig; 
man es mit verwundern bemerken, wie sie in ihren Urteilen hin und her taumeln. 
Da&szlig; es einem aber selbst oft so begegnet, davon wendet man sein Angedenken 
schnell ab. Wie gering soll es einem werden, bei so schnell sich verwandelnden 
Menschen durch Ehre und Schande, durch gute Ger&uuml;chte und b&ouml;se 
Ger&uuml;chte zu laufen! Wer durch den himmlischen Sinn aus JEsu Herrlichkeit 
der Gefangenschaft unter der Menschen Urteile entrissen ist, der halte 
solche Freiheit, so ihm die Wahrheit verschafft hat, billig hoch. - Bedenklich 
ist es, da&szlig; von Pauli Aufenthalt kein eigentlicher Segen des Evangeliums, 
noch deutlicherer Antrag des Heils in Christo gemeldet, sondern nur eines 
Zulaufs um leiblicher Gesundheit willen gedacht wird; worunter doch wirklich 
Gelegenheit zum Fragen nach dem weiteren Heil h&auml;tte k&ouml;nnen und 
sollen gemacht werden. - Nun so wunderlich und doch selig gef&uuml;hrt 
kam Paulus gen Rom, durch solche Kreuzeswege hat es mit der Verhei&szlig;ung: 
Du sollst auch zu Rom von mir zeugen, durchgehen m&uuml;ssen. Von den Br&uuml;dern 
zu Rom war es eine bed&auml;chtliche Liebe, eine Frucht des zuvor schon 
an sie geschriebenen Briefs, da&szlig; sie durch Entgegengehen Pauli Geist 
erquickten. <i>So g&auml;be es Manches, 
das weiter keine Kosten verursachte, und womit man doch einander in dem 
m&uuml;den Lebenslauf erquicklich die Hand bieten k&ouml;nnte.</i> O 
GOtt! la&szlig; mich in meinem Lauf ein St&uuml;ck nach dem anderen so 
zur&uuml;cklegen, da&szlig; ich f&uuml;r das Vergangene Dir fr&ouml;hlich 
danken, und auf das K&uuml;nftige mich Dir zuversichtlich &uuml;berlassen 
k&ouml;nne! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Apostelgeschichte 28,17-31</font></b></h4> 
 
<p><b>Paulus wird auch in Rom durch der Juden ungl&auml;ubiges 
bezeugen gen&ouml;tigt, sich allermeist als der Heiden Apostel aufzuf&uuml;hren; 
und mit diesem zu Rom emporgekommenen Evangelium vom Reich macht Lukas 
an der Beschreibung der Apostel = Geschichten ein fr&ouml;hliches Ende.</b> 
 
<p>Nach seinem sonst oft bezeugten Liebesdrang gegen seine Br&uuml;der 
nach dem Fleisch fing Paulus auch in Rom an, zuerst die Juden aufzusuchen, 
und sprach sie an mit Allem, was zum Frieden dienen konnte. Das kostet 
keinen geringen Kampf, sein Volk, seine Mutterkirche so lieb zu behalten, 
wenn man auch von den Gewaltigen darin noch so &uuml;bel behandelt wird. 
Alle Kraft der Religion, und was sie von Glauben, Gottesdienst und Liebes 
= &Uuml;bung pflanzt, zieht sich endlich in der Hoffnung zusammen. Mit 
dem Unglauben gegen das Evangelium stie&szlig;en die Juden auch den Grund 
ihrer v&auml;terlichen Religion, die Hoffnung Israels, um. Anf&auml;nglich 
antworteten ihm diese &Auml;ltesten der Juden auch glimpflich; doch da&szlig; 
sie am &Auml;rgernis des Kreuzes oder erlittenen Widerspruchs krank liegen, 
verbirgt sich nicht. Da&szlig; aber das Evangelium aus so viel Widerspruch 
sich zum Sieg aufgeschwungen hat, das gibt vielmehr einen Beweis f&uuml;r 
die Wahrheit desselben ab. &Uuml;ber dem Reich GOttes, &uuml;ber der Hoffnung 
Israels, &uuml;ber dem Wort der Verhei&szlig;ung in Mose und in den Propheten 
&uuml;ber den bisherigen Wegen GOttes mit ihrem Volk, &uuml;ber ihren eigenen 
T&uuml;chtigkeit zum Reich GOttes sie nachdenklich zu machen, das waren 
ja die allergeschicktesten Handleitungen, die Paulus an ihnen brauchen 
konnte, sie in die Lehre von JEsu &uuml;berzuleiten. Bei ihrer ungleichen 
Gesinnung aber wurde dem Apostel freilich auch noch ein Wort abgedrungen, 
womit er sie zum guten Eifer reizen wollte, das aber mehr zu bitterem Neid 
bei ihnen ausschlug. Hat aber GOtt solches gerichtliche in seinem Wort 
zuvor verk&uuml;ndigt, und wohl vorausgesehen, da&szlig; ohne dergleichen 
Anzeigen das R&auml;tsel von Einiger Glauben und Anderer Unglauben noch 
weniger aufzul&ouml;sen w&auml;re; so mu&szlig; man sich nach eintretendem 
Anla&szlig; auch solcher scharfen Worte nicht sch&auml;men, noch sie um 
des zu besorgenden Verdrusses willen, gar zur&uuml;ckhalten. Wer an seiner 
Fragsucht dar&uuml;ber zehren und auszehren will, dem mu&szlig; man es 
&uuml;berlassen. Das eigene Geding, und die Freiheit, darin zu bleiben, 
war eine gurte Folge von Fest glimpflichem Bericht seinethalben, und also 
auch ein Segen von seinem schon in C&auml;sarea gef&uuml;hrten Zeugnis 
der Wahrheit. Aber es war auch ein Umstand, der Kosten erforderte, wozu 
dann besonders die Philipper willige Handreichung taten <i>(Phil. 
4:10-14, 19)</i>. - Innerhalb zwei Jahren kann Vieles vorgekommen 
sein, und es auch seiner Sache halber bald mehr, bald weniger g&uuml;nstiges 
Ansehen gehabt haben. Seinen unverr&uuml;ckten Sinn unter Beidem beschreibt 
er <i>Phil. 1:12-24, 20-26</i>. 
Unter solchen die er aufnahm, gab es auch manches in seinen Banden gezeugte 
Kind der Wahrheit wovon man eine Probe<i> 
Philemon V.10-12, 22</i> sehen kann. Das reich GOttes predigen, 
und von dem HErrn JEsu lehren, das hei&szlig;t etwas Ganzes vom Evangelium 
vortragen. Die Lehre von JEsu mu&szlig; man nicht verst&uuml;ckeln, sondern 
mit der Predigt vom reich GOttes in ihrer ganzen Absicht und Sch&ouml;nheit 
vortragen. Die Predigt vom Reich GOttes mu&szlig; man nicht wie eine Zeitung 
vom Lande der Zufriedenheit vortragen, sondern an die Lehre JEsu ankn&uuml;pfen. 
Sch&ouml;nes Ziel der Apostelgeschichte! Lauf des Evangeliums von Jerusalem 
nach Rom! Wann wird es wieder einmal nach Jerusalem zur&uuml;ckkommen? 
Auch seine begabtesten Knechte hat GOtt eben seinem Willen zu ihrer Zeit 
in ihrem Teil zu dienen gebraucht. Das ganze zu &uuml;bersehen ward Keinem 
gegeben, sondern dem HErrn vorbehalten. O GOtt! Dein Reich komme! Deine 
Lehre, o HErr JEsu! gewinne die Oberhand! 
 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 1,1-7</font></b></h4> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Brief Pauli an die R&ouml;mer Einleitung</font></b></h4> 
 
<p>Der erste kostbare Teil der Schriften des Neuen Testaments enth&auml;lt 
die Geschichte von dem Wandel des Sohnes GOttes auf Erden, von seiner Geburt 
an bis zu seiner Himmelfahrt; und dann was bei der Ausbreitung seiner Lehre 
durch das in des Geistes Kraft gepredigte Evangelium vorgekommen und wie 
dadurch die ersten Gemeinden Christi aus Juden und Heiden gesammelt worden 
sind. 
 
<p>Sodann folgen im zweiten Hauptteil der Schriften des Neuen Testaments 
die Lehren und Ermahnungen der Apostel in den Briefen oder sogenannten 
Episteln, die teils an ganze Gemeinden teils auch an einzelne Glieder und 
Arbeiter derselben, teils auch so eingerichtet waren, da&szlig; sie in 
ganzen Gegenden von einer Gemeinde zu der andern mitgeteilt werden konnten. 
Bei dergleichen Briefen hatten die von dem Heiligen Geist getriebenen M&auml;nner 
GOttes die Absicht, entweder die Wahrheiten des Evangeliums auch Abwesenden 
und Unbekannten vorzutragen, und also mit ihrem Dienst noch weiter als 
mit ihrem Fu&szlig; zu reichen; oder aber ihr vorher m&uuml;ndlich abgelegtes 
Zeugnis nun schriftlich zu wiederholen, zu best&auml;tigen, auf inzwischen 
vorgekommene F&auml;lle zuzueignen, vor Mi&szlig;brauch und Mi&szlig;deutungen 
zu verwahren, und Alles, was zur Erhaltung der Liebe und Ordnung unter 
einander diente, darin beizutragen. Bei dem Gebrauch und Verstand dieser 
apostolischen Briefe, und bei der Anwendung derselben auf unsere freilich 
entfernten Zeiten und ver&auml;nderten Umst&auml;nde, tut uns nun der n&auml;mliche 
Geist, aus welchem sie geschrieben sind, die besten Dienste, als welcher 
uns die Umst&auml;nde voriger Zeit in solche verwandeln lehrt, die wir 
jetzt noch bei uns selbst, im Anfang oder Fortgang des guten Werks in uns, 
antreffen, und wozu sich dann diese Lehren und Ermahnungen der Apostel 
gar wohl schicken werden. Nach der jetzigen Ordnung, in welcher wir die 
apostolischen Briefe haben, steht der <b>An die R&ouml;mer</b> voran. 
 
<p>Diesen Brief h&ouml;rte einst eine blinde Weibsperson in etlichen Versammlungs 
= Stunden unter gemeinschaftlicher Anrufung GOttes vortragen, und in seinem 
Zusammenhang auf das Herz anwenden, und konnte dann unter des guten Geistes 
Augenleitung ihren daraus gefa&szlig;ten Sinn und Grund einer andern Person 
in die Feder diktieren, mit folgenden Worten: Nach den drei ersten Kapiteln 
erkenne ich, da&szlig; ich eine S&uuml;nderin bin, und da&szlig; der Grund 
alles B&ouml;sen in mir liegt. Ich gebe mich Alles schuldig; und wende 
mich zu dem vorgestellten Gnadenstuhl, schreie um Gnade und Vergebung der 
S&uuml;nden, ergreife das Wort, und glaube an Den, der die Gottlosen gerecht 
macht. Deswegen hei&szlig;t Er ein Gnadenstuhl, weil ich da die Gewi&szlig;heit 
der Vergebung der S&uuml;nden bekomme, und mit der Vergebung bietet Er 
mir die Gerechtigkeit, die vor GOtt gilt, an. Nach dem vierten Kapitel 
glaube ich wider meine Vernunft, wie Abraham, ob, er wohl einen erstorbenen 
Leib hatte. Nach dem f&uuml;nften ist mir das ganze Vaterherz GOttes aufgeschlossen. 
Nach dem sechsten mu&szlig; ich mich t&auml;glich und st&uuml;ndlich erneuern 
durch die Kraft der Auferstehung Christi, und wie ich zuvor meine Glieder 
zum Dienst der Ungerechtigkeit begeben habe, selbige nun zum Dienst der 
Gerechtigkeit begeben. Nach dem siebenten habe ich erkannt, was das Gesetz 
sei; nun aber macht mich die Gnade frei vom Gesetz: sobald ich unter der 
Gnade bin, so kann mich das Gesetz nimmer verdammen. Ja ich finde ein anderes 
Gesetz in mir, da&szlig; ich m&ouml;chte mit meinem ganzen Herzen GOtt 
ungezwungen dienen. Das achte Kapitel enth&auml;lt die Versiegelung mit 
dem Geist, da&szlig; ich wei&szlig; der Geist habe nunmehr die Herrschaft 
&uuml;ber das Fleisch. Da kann ich sagen: So ist nun keine Verdammnis mehr 
an denen, die in Christo JEsu sind. Aus dem neunten, zehnten und elften 
Kapitel erkenne ich, da&szlig; alle eigene Gerechtigkeit fallen mu&szlig;, 
und da&szlig; ich mich an die freie Gnade halten mu&szlig;, womit GOtt 
den Heiden entgegen gekommen ist, nachdem das ganze Judentum durch eigenen 
Sinn und Gerechtigkeit sich deren selbst verlustig gemacht hat. Insbesondere 
st&auml;rkt mich das zehnte Kapitel; da sehe ich, mein Glaube m&uuml;sse 
gegr&uuml;ndet werden auf das Wort GOttes, das ich im Gebet gefa&szlig;t: 
denn wer den Namen des HErrn anrufen wird, soll selig werden. Mein Glaube 
mu&szlig; gegr&uuml;ndet bleiben auf die Gerechtigkeit JEsu Christi. Wenn 
ich heute gerecht worden bin, und morgen wieder Fehler mache, so f&auml;llt 
doch die Gerechtigkeit nicht; sondern ich eile im Vertrauen wieder zu meinem 
Heiland, der solche ausgel&ouml;scht weil Er durch sein Blut eine ewige 
Erl&ouml;sung erworben hat. Daraus erkenne ich, da&szlig; ich den Willen 
meines Vaters tue. Sein Wille ist, da&szlig; ich glaube an seinen Sohn 
und wer an Den glaubt, der hat Beide, den Vater und den Sohn. Nach diesem 
Grund des Glaubens folgt nun kraft des zw&ouml;lften, dreizehnten, vierzehnten 
und f&uuml;nfzehnten Kapitels erst das Tun des Willens GOttes. Wenn ich 
bei diesen elf Kapiteln zuerst recht in den Glauben und Erkenntnis JEsu 
und des Vaters gef&uuml;hrt worden bin, da bin ich hernach von selbst willig, 
mich GOtt aufzuopfern mit Allem was ich habe, bin und kann. Nach dem dreizehnten 
Kapitel &uuml;be ich Gehorsam gegen die Vorgesetzten. Nach dem vierzehnten 
und f&uuml;nfzehnten Geduld gegen alle Menschen, und darf nicht richten 
weder den Starken noch den Schwachen. Der Schwache tut den guten Willen 
GOttes, der Starke den vollkommenen. Wenn ich stark bin, und kann sagen: 
im HErrn habe ich Gerechtigkeit und St&auml;rke, lasse mich aber dabei 
herunter nach dem Schwachen, und tue um seinetwillen, was ich sonst nicht 
gern t&auml;te, so tue ich den wohlgef&auml;lligen, aber auch vollkommenen 
Willen GOttes. Sobald ich glaube, habe ich Alles, und kann sagen: ich lebe 
nicht mir, sondern dem HErrn, der mich erkauft hat, und weil ich wei&szlig;, 
da&szlig; ich im HErrn bin, so kann ich, wenn Er mich heute hei&szlig;t 
hingehen, willig hingehen. Er bedeckt meine Fehler, und sieht nur meinen 
ganzen Willen an. Dies Exempel soll jeden von uns reizen, auch in unserer 
Zeit aus einem Brief der Apostel, einen seinen Umst&auml;nden gem&auml;&szlig;en 
Glaubensgrund zu fassen, und ihn auch ohne entlehnte Worte nach seines 
Herzens Zustand in Ausdruck zu bringen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 1,1-7</font></b></h4> 
 
<p><b>Die Aufschrift des Briefs, mit dem darin eingeflochtenen herzlichen 
Segens Gru&szlig;.</b> 
 
<p>Die Briefe der Apostel haben insgemein so fr&ouml;hliche Eing&auml;nge, 
denen man die F&uuml;lle des Geistes ansp&uuml;ren kann, aus welcher Alles 
geflossen ist. Mit Vertrauen zu GOtt durch Christum haben sie zu Allem 
die Lenden ihres Gem&uuml;ts umg&uuml;rtet, und das mit Freuden angegriffen, 
wozu sie der Welt GOtt in ihrem Amt beschieden hatte. Ein geschwinder Beruf 
hat Paulum zum Apostel gemacht, und dasjenige, wozu er von Mutterleib am 
ausgesondert ward, er&ouml;ffnet woher er denn auch sein Recht zu Allem 
was sein Amt Gutes mit sich brachte, und seine Macht &uuml;ber alles hemmende 
B&ouml;se herleitet. Da&szlig; GOtt sein Heil durch das Evangelium bis 
an der Welt Ende wollte kund machen das ist in den Schriften des Alten 
Testaments verhei&szlig;en worden: Und das Zeugnis von seinem Sohn, oder, 
da&szlig; JEsus Christus GOttes Sohn sei, ist der Kern vom Evangelium. 
Der Sohn hatte eine Herrlichkeit bei dem Vater, ehe denn die Welt war. 
Durch seine Erniedrigung wurde sie unter das Fleisch verdeckt, nach seiner 
Auferstehung aber ist sie entdeckt, und auch zum Glaubensvorhalt f&uuml;r 
Alle erweislich gemacht worden. Wo man das mit Demut anh&ouml;rt und befolgt 
was von GOttes und Christi wegen an uns gebracht wird, da wird der Gehorsam 
des Glaubens aufgerichtet, und bei diesem wird man gewi&szlig; mit Gnade 
und Friede gesegnet 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 1,8-15</font></b></h4> 
 
<p><b>In einem bed&auml;chtlichen Eingang bahnt sich Paulus noch n&auml;her 
den Weg zu den Herzen der Gl&auml;ubigen in Rom und gibt ihnen zu ihrer 
Aufmunterung zu erkennen, was er f&uuml;r eine Freude &uuml;ber ihrem geistlichen 
Wohlstand habe, und wie lange er schon damit umgehet, ihnen auch durch 
pers&ouml;nliche Gegenwart weiter zu helfen.</b> 
 
<p>Mit der Ahndung der M&auml;ngel hat Paulus nachgehends nicht gar zur&uuml;ckgehalten. 
Aber den Anfang, an das Herz zu reden, hat er mit Danken &uuml;ber ihrer; 
Glauben gemacht. Selbst den Umstand hat er nicht unber&uuml;hrt gelassen, 
was das Reich GOttes f&uuml;r Vorteil daraus ziehe, wenn das Christentum 
in einer namhaften Stadt, auf welche Vieler Augen gerichtet sind tiefe 
Wurzeln fasse. Wer GOtt dient, freut sich wenn sich auch Andere dazu aufmachen 
Wer GOtt im Geist dient kann mit dem Anliegen seines Herzens so in die 
Sache Christi hineingezogen werden da&szlig; er sich Gewinn und Verlust 
als sein eigen anrechnet, und in seinem Gebet sich immer Christi Begehren, 
immer mit Christi der Welt Ende zum Eigentum zu haben vereinigt. Wer GOtt 
im Geist dient, sucht mit seiner Liebe Andere nicht gerade in einen Stall 
zusammen zu treiben, sondern sie auch zum Dienst GOttes im Geist anzuhalten 
 Mit den geistlichen Gaben haben die Apostel nicht nach der Welt Art geheim 
gehalten, es sich nicht und ihrem Ansehen vortr&auml;glicher gehalten, 
wenn Andere gegen sie zur&uuml;ck blieben, sondern Andere m&ouml;glichst 
zur Gemeinschaft und Gleichheit mit ihnen zu bringen gesucht. Es gibt Anfechtungen 
bei Zuh&ouml;rern es gibt aber auch Anfechtungen bei Lehrern, die k&ouml;nnen 
durch gemeinschaftlichen Trost gehoben werden; und das ist nichts Geringes. 
GOtt kann in den Mund der Kinder und S&auml;uglinge eine Macht legen, da&szlig; 
sie uns mit ihrem Glauben aufrichten k&ouml;nnen.  Mi&szlig;trauen, Argwohn 
kann viel Segen verschlagen den man von einander haben k&ouml;nnte: darum 
sind die Apostel hin und wieder so gesch&auml;ftig, Vertrauen zu erwecken 
und zu unterhalten. Inzwischen behauptet GOtt immer die Freiheit seiner 
Gnade darunter, da&szlig; oft auch ein gutes Vorhaben lange verhindert 
wird, bis wir immer dem&uuml;tiger erkennen lernen, wie wenig GOtt an uns 
gebunden sei, und uns des Geringsten, was uns GOtt zu empfangen oder auszurichten 
gibt, von Herzen unwert achten. Das Evangelium ist f&uuml;r Alle recht. 
Der Weise kann nicht sagen, da&szlig; er es entbehren k&ouml;nnte und der 
Unweise kann nicht sagen, da&szlig; es ihm zu hoch sei. Es beweist sich 
wohl an aller Menschen Gewissen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 1,16-18</font></b></h4> 
 
<p><b>Das Evangelium das Paulus Allen zu predigen bereit ist preist er als 
aller Annehmung w&uuml;rdig an, und das aus Gr&uuml;nden und Worten, die 
man zugleich auch f&uuml;r die Summa seines ganzen weiteren Vortrags ansehen 
kann</b> 
 
<p>Der Welt Unglaube und Verachtung k&ouml;nnte so in einen hineinwirken, 
da&szlig; man zur Bekenntnis des Evangeliums verzagt w&uuml;rde. Aber mit 
Vertrauen durch Christum zu GOtt bricht man durch dergleichen Scheue durch, 
und ist getrost darauf, da&szlig; GOtt in seinen Worten so viel Kraft als 
in seinen Werken beweist, und da&szlig; die Wirkung, die sein Wort zur 
Erweckung, Erleuchtung, Reinigung und Befriedigung eines menschlichen Gewissens 
hat, ein eben so gro&szlig;er Beweis von seiner GOtt es = Kraft ist, als 
was man aus den gr&ouml;&szlig;ten Werken seiner H&auml;nde abnehmen kann. 
Was setzt sich nur der Seligkeit eines einzigen Menschen entgegen ? Welche 
Bande m&uuml;ssen zerbrochen, welche Hindernisse gehoben, welch ein Grund 
mu&szlig; gelegt werden, bis es hei&szlig;t, einen Menschen selig machen 
? Und alle diese Wohltat des Evangeliums fiele dahin, wenn es nicht auch 
dem Menschen den Glauben erleichterte, und durch sein g&ouml;ttliches Licht 
auch das Herz zum Glauben neigte und zwar so, da&szlig; es sich an aller 
Menschen Gewissen wohl beweist, da&szlig; es den Juden und den Griechen 
bei dem anzufassen wei&szlig;, was mit ihm in seinem Gewissen aufgewachsen 
ist. Was macht denn das Evangelium zu einer solchen f&uuml;r alle Gewissen 
tauglichen GOtteskraft ? Weil GOttes Gerechtigkeit darin geoffenbart wird. 
Von der Gerechtigkeit GOttes kommt viel in den Propheten und in den Psalmen 
vor; so geht auch in eines Jeden Gewissen viel dar&uuml;ber vor: ob ihn 
GOtt versto&szlig;en und verdammen, oder begnadigen und zu sich lassen 
werde? Wie er es deshalb anzugreifen habe: womit man GOtt vers&ouml;hnen 
k&ouml;nne? dar&uuml;ber schl&auml;gt es in der Menschen Gewissen herum 
und hinum es gibt tr&uuml;be Wolken, es blickt zuweilen ein Strahl des 
Lichts hervor. Aber Offenbarung und entscheidendes Licht ist allein im 
Evangelium.  Warum hei&szlig;t es aber nicht: GOttes Liebe, sei im Evangelium 
geoffenbart? GOttes Gerechtigkeit ist ja auch die h&ouml;chste G&uuml;te 
und Liebe, dabei es auf Vergeben, Helfen und Erretten angesehen ist. Aber 
Alles, nach der Ordnung, wie es GOtt ansteht, da&szlig; Er darunter als 
gerecht erkannt, die S&uuml;nde verdammt, der S&uuml;nder zum Untertanwerden 
gedem&uuml;tigt, und das Gewissen also zum Festhalten an diesem GOttesheil 
von allen Seiten her unterbaut werde. GOttes Liebe und Gnade anzunehmen, 
kann dem Menschen nicht in seine blo&szlig;e Willk&uuml;r gestellt werden, 
sondern er mu&szlig; merken da&szlig; er es hierin mit GOtt als mit einem 
Richter zu tun hat. Diese Gerechtigkeit GOttes hat es mit dem Glauben zu 
tun. Der Glaube kommt mit ihr  und sie kommt mit dem Glauben zurecht. 
Alle sonstige Rechthaberei und Selbsthilfe lernt GOttes Gerechtigkeit nicht 
verstehen, viel weniger darin ruhen. Aber der Glaube merkt GOtt in seiner 
rettenden Gerechtigkeit, und schl&auml;gt sich mit Untert&auml;nigkeit 
wieder auf die Seite dessen her&uuml;ber, der ihm aus der S&uuml;nde und 
aus der Obrigkeit der Finsternis helfen, und sein Liebesrecht an ihm behaupten 
will. So ist GOttes Gerechtigkeit gleich unsern ersten Eltern wieder begegnet, 
sie zu retten aus der unrechtm&auml;&szlig;igen Gewalt, von welcher sie 
&uuml;berw&auml;ltigt wurden. Die Schrift, auf die sich der Apostel bezieht, 
ist nach Habac. 2,1.2, aus besonderer Veranlassung zu Stillung aller Zweifel, 
und, Niederlegung aller Widerspr&uuml;che, auf einer aufgeh&auml;ngten 
Tafel zu Jedermanns Wissenschaft gebracht worden, und enth&auml;lt den 
Kern von aller Erkenntnis GOttes deren noch die ganze Erde voll werden 
soll, nach V.14 dieser prophetischen Stelle.  Seine Rechtfertigung aber 
und Begnadigung geh&ouml;rigen Orts dem&uuml;tig zu suchen und im Glauben 
anzunehmen, treibt der Apostel einen Jeden noch weiter an durch das, was 
er noch von der Offenbarung des g&ouml;ttlichen Zorns hinzutut. Also unter 
Einem von Beiden steht und bleibt ein Jeder, entweder unter GOttes Gerechtigkeit 
zum Leben, oder, unter GOttes Zorn zum Tode. Kehrst du dich nicht zu der 
im Evangelium geoffenbarten Gerechtigkeit GOttes, so bleibt der Zorn GOttes 
&uuml;ber dir. Weil du nun im b&ouml;sen Gewissen schon so viele Vorempfindungen 
vom Zorn GOttes hast, weil schon so viele Schrecken des Allm&auml;chtigen 
in dir stecken, so vers&auml;ume doch nicht, durch Offenbarung der Gerechtigkeit 
GOttes dem zuk&uuml;nftigen Zorn und dessen Offenbarung zu entfliehen, 
und von GOttes Liebe wieder belebt, geheilt, erquickt zu werden. Durch 
die Wahrheit GOttes und ihr Gesch&auml;ft in seinem Gewissen k&ouml;nnte 
und sollte der Mensch zur Gerechtigkeit GOttes geleitet werden, indem sie 
ihm zur Erkenntnis seines Elends anh&auml;lt, und ein Verlangen, daraus 
errettet zu werden, erweckt. Aber die Lust zur Ungerechtigkeit, die Liebe 
zur Finsternis h&auml;lt dies Gesch&auml;ft der Wahrheit auf, da&szlig; 
der Mensch nicht an das Licht zu kommen begehrt, und also Glauben gar ausschl&auml;gt, 
oder ein betr&uuml;gliches Verstecken daraus machen will. Wohl dem, der 
unter der Gerechtigkeit GOttes vor aller Offenbarung des Zorns GOttes gesichert 
ist, und im Frieden GOttes ruhen kann 
 
<p>Diesen Leitfaden beh&auml;lt nun der Apostel durch den ganzen Brief, 
so da&szlig; er 
 
<ol> 
 
<li> 
Von der Rechtfertigung, wie solche bei Juden und Heiden nicht aus 
den Werken, sondern aus dem Glauben kommt, von Kap. 1, 19 bis Kap. 4, 25</li> 
 
<li> 
von dem daran hangenden Leben und Seligkeit Kap. 58</li> 
 
<li> 
von der Ausbreitung desselbigen &uuml;ber Juden und Heiden Kap. 
911,</li> 
 
</ol> 
 
handelt. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 1,19-32</font></b></h4> 
 
<p><b>Die Wahrheit GOttes ist bei den Heiden so in Ungerechtigkeit aufgehalten 
worden, da&szlig; man ihre Gefangenschaft unter die S&uuml;nde und unter 
den gerechten Zorn GOttes, wie mit H&auml;nden, greifen kann</b> 
 
<p>Bei dieser ganzen Vorstellung ist deutlich zu: unterscheiden die Wahrheit 
GOttes und deren Einleuchten und Wirken in der Menschen Gewissen, das von 
Seiten der Menschen weit getriebene Aufhalten der Wahrheit durch Ungerechtigkeit, 
und der daraus entstehende viel tiefere Verfall in die gr&ouml;&szlig;ten 
S&uuml;nden. Ohne GOttes Offenbarung w&auml;re mit keinem menschlichen 
Unterricht und Beweis bei den Menschen aufzukommen. Die menschliche Vernunft 
darf nicht dem Stolz bei sich hegen, als ob sie GOtt ausforschen k&ouml;nnte. 
GOtt kommt ihr entgegen und gibt sich zu f&uuml;hlen und zu finden. Aber 
freilich will GOtt, auch nicht einmal nach der Natur, nur ein toter unkr&auml;ftiger 
Gegenstand unserer Gedanken sein, sondern auch als, ein GOtt gepriesen 
werden. Wo man aber die Wahrheit nicht dahin bei sich kr&auml;ftig werden 
l&auml;&szlig;t, da fri&szlig;t die Eitelkeit und der Sinn der mit etwas 
gro&szlig; tun will, gleich das Brauchbarste weg. Und wo den Herzensgel&uuml;sten 
durch keine Erkenntnis GOttes mehr Einhalt geschieht, da ist nichts anders 
diesem Schaden gewachsen, vielmehr kann das Weitschweifige in der menschlichen 
Weisheit den leidigen Funken der Fleischeslust auch helfen anblasen. Sein 
Recht und seine Befugnis zu strafen hat GOtt auch die Heiden durch manche 
unter ihnen ge&uuml;bte Gerichte empfinden lassen. Aber es hat freilich 
auch nie an Solchen gefehlt, die aus Gefallen an dergleichen unfruchtbaren 
Werken der Finsternis ihren Witz auf das Schm&uuml;cken und Entschuldigen 
derselben angewendet haben. Wie die abgestandenen Christen in der letzten 
Zeit f&uuml;r ihren R&uuml;ckfall in heidnischen Unglauben auch wieder 
mit den n&auml;mlichen heidnischen S&uuml;nden werden gestraft werden, 
davon siehe das bedenkliche Zeugnis 2.Tim. 3, 15. Welch eine Gerechtigkeit 
und Gnade mu&szlig; das sein, die auch aus solchen S&uuml;nden zu helfen 
verm&ouml;gend ist; welch ein Heil, das auch diesen Schaden heilt! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 2,1-16</font></b></h4> 
 
<p><b>Weil es aber doch unter Juden und Heiden auch feinere Gem&uuml;ter gegeben 
hat, welche die Wahrheit GOttes nicht so in Ungerechtigkeit aufgehalten 
haben, noch bis zum Wohlgefallen am B&ouml;sestun verfallen sind, vielmehr 
mit ihrem Gericht gegen Anderer B&ouml;ses gezeugt haben, so f&uuml;hrt 
jetzt der Apostel diese tiefer hinein, und gibt ihnen zu bedenken, ob sie 
nicht oft das selbst auch getan haben, was sie an Andern gerichtet haben 
und wie weit es gefehlt habe, da&szlig; ihre bessere &Uuml;berzeugung bei 
ihnen zur Bu&szlig;e und Sinnes&auml;nderung durchgeschlagen h&auml;tte 
mithin wie auch sie der Hilfe durch das Evangelium so n&ouml;tig haben, 
wenn sie nicht mit ihren besten Gedanken und Trieben unter der H&auml;rtigkeit 
des Herzens stecken bleiben sollten.</b> 
 
<p>Man sollte es nicht meinen, wenn es nicht noch die t&auml;gliche Erfahrung 
h&auml;ufig best&auml;tigte, wie scharfsichtig man an Andern, und zugleich 
 
wie blind an sich selbst ein Mensch sein, und also am Andern etwas richten, 
und bei wenig ver&auml;nderten Umst&auml;nden das Selbst tun k&ouml;nnte, 
was er richtet, immittelst aber doch durch Vergleichung mit Andern, die 
es &auml;rger machen als er, einen betr&uuml;glichen Ruhm und Trost sucht. 
Er wei&szlig; es, und kann es beim geringsten Nachdenken &uuml;ber sich 
wohl finden da&szlig; das der Weg nicht ist, dem Urteil GOttes und der 
k&uuml;nftigen Offenbarung seines Zorns zu entrinnen; aber der Affekt rei&szlig;t 
ihn wieder dahin, da&szlig; dies Wissen zu keiner im Gewissen sieghaft 
gewordenen Wahrheit aufkommt. Richten und des Balken in seinem Auge nicht 
gewahr werden, ist ein Band der Finsternis, in welchem noch manche arme 
Seele gefangen liegt. Recht richten, GOttes Urteil, das nach der Wahrheit 
geht, unterschreiben, selbigem wider sich selbst Recht geben, ist der Anfang 
zur Bekehrung von der Finsternis zum Licht. Das Gewissen arbeitet darauf, 
den Menschen gegen GOtt und gegen Sich selbst aufrichtig und gerade zu 
machen; wenn man aber die Regungen desselben um das Raisonniren und Richten 
verwendet, und etwa in solche abgerissene Werke, hinter die man seine anderen 
Unarten verbergen will, so wird dadurch das Licht in einem Menschen zur 
Finsternis. So lange man aber dem Gericht GOttes so ausweicht, so kann 
man auch von der G&uuml;te, Geduld und Langmut GOttes keinen heilsamen 
Gebrauch machen sondern zieht selbige auf Mutwillen und Mi&szlig;brauch. 
Die Lindigkeit, welche GOtt &uuml;ber unser Vergangenes, Gegenw&auml;rtiges 
und Zuk&uuml;nftiges vorwalten l&auml;&szlig;t, ist nicht auf das Bleiben, 
wie wir sind sondern auf Handleitung zur Bu&szlig;e und Sinnes&auml;nderung 
angesehen. Wer dagegen ein hartes und unbu&szlig;fertiges Herz beh&auml;lt, 
der sammelt sich unvermerkt einen beschwerlichen Schatz auf den Tag, wo 
das Verborgene GOttes offenbar, und das Verborgene der Menschen gerichtet 
werden wird.  Solch originelle Gewissenswahrheiten: GOtt wird einem Jeglichen 
geben nach seinem Werken; bei GOtt ist kein Ansehen der Person streut der 
Apostel immer ein, um auch dadurch der Menschen Eitelkeit Einhalt zu tun, 
die bei ihren Urteilen und Raisonnements leicht auf etwas fallen, das sie 
nach ihren Absichten drehen k&ouml;nnen, als da&szlig; sie bei solchen 
Grund = Wahrheiten aushalten.  Was man ehemals denen vorhielt, die zur 
gr&uuml;ndlichen Annahme des Christentums gebracht werden sollten, das 
mu&szlig; man sich nun auch gesagt sein lassen, damit man im Glauben an 
das Evangelium gesund bleibe, und GOttes Sinn, und die uns beim Glauben 
zugedachte Reinigung des Herzens nicht verfehle. N&auml;mlich Furcht GOttes 
und Ha&szlig; seiner selbst, Liebe zur Wahrheit, Lust zur Gerechtigkeit 
mu&szlig; im Herzen zum Grund liegen, sonst haftet der Glaube an das Evangelium 
nicht darin. Wer aus der Wahrheit in diesen Grundst&uuml;cken ist, der 
h&ouml;rt JEsu Stimme; und wem es um diese Wahrheit und deren Aufrichtung 
bei ihm zu tun ist, der kommt an das Licht, dem leuchtet die Lehre JEsu 
ein, weil sie so eine Lehre des Lichts ist, und sich an Allem, was die 
Wahrheit im Gewissen schafft so wohl beweist. Ein Herz, das GOttes Zorn 
und Mi&szlig;fallen an der S&uuml;nde nicht bedenkt, das GOttes Heiligkeit 
und Unparteilichkeit im Gericht nicht auf den Tafeln seines Herzens geschrieben 
findet, wei&szlig; nicht, was es aus dem Evangelium machen soll. Die im 
Evangelium geoffenbarte. Gerechtigkeit GOttes gegen die k&uuml;nftige Offenbarung 
des Zorns GOttes und gegen alle Vorblicke, davon in seinem Gewissen ergreifen; 
und auf der andern Seite sich in die bisher noch waltende Langmut und Geduld 
GOttes so schicken, da&szlig; man sich nicht durch das Bleiben in der S&uuml;nde 
den Zorn h&auml;uft auf den Tag des Zorns, sondern es sich zur Bu&szlig;e 
und Sinnes&auml;nderung, und sofort zum Glauben an das Evangelium leiten 
l&auml;&szlig;t, das geh&ouml;rt unter die fa&szlig;lichsten Arten, wie 
man den Glauben vorhalten, und sich dabei an jedem Gewissen wohl beweisen 
kann. Sonst wird der Glaube gar zu gebieterisch vorgehalten, und wirklich 
erschwert. Das Evangelium h&auml;lt uns nicht lauter Dinge vor, davon wir 
in unserem Gewissen gar kein Zeugnis h&auml;tten, und die wir also bei 
uns nirgends anzuheften w&uuml;&szlig;ten. Wenn man auf die apostolische 
Art der Menschen Gewissen zu wecken, und das Gesch&auml;ft der Wahrheit 
GOttes darin zu ben&uuml;tzen lernt, so h&auml;lt man sie damit nicht auf, 
und von Christo ab, sondern man erleichtert ihnen wirklich den Glauben 
an das Evangelium, und r&auml;umt unn&ouml;tige &Auml;rgernisse weg. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 2,17-29</font></b></h4> 
 
<p><b>N&auml;here Zueignung des bisher Bezeugten auf die Juden, wie sie mit 
dem, auf was sie sich verlassen m&ouml;chten, eben so wenig hinaus reichen, 
sondern nur desto mehr eingetrieben, und GOtt schuldig werden.</b> 
 
<p>&Uuml;ber die &ouml;fteren Ansprachen, so GOttes Wort und Geist an unser 
Gewissen macht: Siehe zu, seht euch vor, mu&szlig; man sich nie hinwegsetzen. 
Der Weg des Lebens geht &uuml;berw&auml;rts. Es ist keine &Uuml;berlegung 
zu viel, so man daran wendet GOtt kann nichts so Brauchbares verleihen, 
der Mensch kann durch das Verlassen darauf sich selbst damit schaden. Wie 
gar oft verl&auml;&szlig;t sich der Mensch auf etwas, dessen Zweck und 
Absicht er doch so verfehlt, da&szlig; es herauskommt wie bei den Juden: 
Der Moses verklagt euch, auf welchen ihr hofft (Joh. 5, 45). Das Gesetz 
verdammt einen auf welches man sich verl&auml;&szlig;t. Es soll freilich 
Manches nicht herauskommen, als ob man sich selbst r&uuml;hmte, sondern 
als ob man sich GOttes r&uuml;hmte. Aber es ist wie bei jenem Pharis&auml;er, 
der den Worten nach sagte: ich danke dir GOtt, und doch auf nichts als 
sich Selbst = Erh&ouml;hen umging. Auch beim Evangelium kann sich Mancher 
GOttes r&uuml;hmen, &uuml;ber und wider die Wahrheit, mehr als er in GOtt 
und seine Lichts = Gemeinschaft eingedrungen ist. Es ist freilich eine 
schwere Sache wenn man den Menschen ihre Religion, und die darin &uuml;brigens 
von GOtt selbst eingesetzte Anstalt und befohlene &Uuml;bungen so herabsetzen 
soll. ist Sorgfalt dabei n&ouml;tig, da&szlig;, wenn man das falsche Vertrauen 
und Ruhm davon niederschlagen will, man nicht auch die guten Keimlein, 
die sich noch zu einem Gehorsam der Wahrheit anlegen k&ouml;nnten, mit 
ausrauft. Deswegen Paulus auch von der Beschneidung an sich nicht gering 
spricht, sondern wohl bed&auml;chtlich setzt: deine Beschneidung; welche 
M&auml;&szlig;igung man bei Allem, was man auch heutiges Tags von Taufe, 
Nachtmahl, Beicht = und Kirchengehen spricht, beobachten sollte. Die Menschen 
sind freilich selbst daran schuldig da&szlig; man sie so eintreiben mu&szlig; 
Lie&szlig;en sie &Auml;u&szlig;eres und Inneres unzertrennt beisammen wie 
es GOtt zusammengeordnet hat, so d&uuml;rfte man ihnen nicht so mit dem 
Unterschied des Inwendigen und Auswendigen zusetzen, sondern k&ouml;nnte 
sie auch in der Achtung f&uuml;r das &Auml;u&szlig;ere best&auml;rken. 
Denn der Glaube mu&szlig; ja freilich auch etwas haben das er glaubt, oder 
daran er sich h&auml;lt, und darauf er steht und fu&szlig;t Das &Auml;u&szlig;erliche 
w&auml;re also an sich nicht zu verachten. Ist ja selbst das ganze Evangelium 
eine &auml;u&szlig;erliche und unendliche Predigt; und was GOtt in uns 
tut und wirkt, will Er durch solch &auml;u&szlig;erliche Ordnung wirken. 
Mithin wenn man den Glauben und das &auml;u&szlig;erliche Ding, daran der 
Glaube haftet, nicht trennte, so k&ouml;nnte man einen auch in der Achtung 
f&uuml;r das &Auml;u&szlig;ere best&auml;rken Aber dein fleischlichen Sinn 
und der dadurch angerichteten Verwirrung zu steuern, mu&szlig; man so auf 
das Innere dringen, und einen darauf f&uuml;hren, ob man sein Vertrauen 
von GOtt und von seinem Geist erlernt habe, und gewi&szlig; auf GOttes 
Zeugnis und Lob mit seinem Gewissen und dessen Vertrauen stehe? 
 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 3,1-8</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel f&auml;hrt fort, weitere Vorstellung zu tun, wie die Juden 
durch, was GOtt ihnen Vorz&uuml;gliches einger&auml;umt hat, sie aber nicht 
gnadenm&auml;&szlig;ig gebraucht haben, nur desto mehr GOtt schuldig werden.</b> 
 
<p>Zu solchen Reden und Fragen: was n&uuml;tzt es? welchen Vorteil 
hat es? ist das menschliche Herz gar schnell; und h&auml;lt in nichts weniger 
still als wenn man es ihm recht auseinander setzen will, was ihm seine 
Geburt von Christen, seine Taufe, seine &auml;u&szlig;erliche Gemeinschaft 
mit Christen sein Kirch = und Abendmahl =Gehen n&uuml;tze oder nicht ? 
Der Geist GOttes geht ihm aber gegen sein ungeduldiges Ausrei&szlig;enwollen 
immer nach. Da&szlig; man am Wort GOttes die Unterweisung zur Seligkeit 
so nahe habe, das wird am h&ouml;chsten angerechnet. Und wirklich kann 
ein Jeder seine Treue und Ergebenheit an GOtt am besten daran bew&auml;hren, 
wie er mit GOttes Wort umgeht. Der Vorwurf, da&szlig; sie mit dieser gro&szlig;en 
Gnade nicht gnadenm&auml;&szlig;ig und dankbar umgehen, ist zwar leidig, 
doch verh&uuml;tet der Apostel, da&szlig; man ihn nicht so weit treibe, 
als ob damit Alles, was GOtt nach seiner Treue mit dem Judenvolk vorgehabt 
h&auml;tte, umgesto&szlig;en sei. So mu&szlig; man es wirklich auch bei 
Beurteilung unserer Kirchennot nie aus dem Gesicht verlieren: der Kirche 
sind gro&szlig;e Verhei&szlig;ungen gegeben; aber GOttes Ernst und Eifer 
ist auch zu schrecklichen Drohungen getrieben worden. Rei&szlig;t matt 
im fleischlichen Sinn nur die Verhei&szlig;ungen an sich, so gibt es j&uuml;dischen 
und p&auml;pstischen Stolz; entsetzt man sich nur vor den Drohungen, so 
gibt es zuletzt den Sinn jenes Schalksknechts, der dachte: du bist ein 
harter Mann, ich will dein Pfund vergraben. Der Unglaube liegt eben immer 
in trotzigem Streit mit GOtt und l&auml;&szlig;t sich von GOttes Sinn nicht 
recht berichten. Der Glaube nimmt Bescheid an, und wird der Wahrheit GOttes 
gehorsam, und kommt damit durch die Anfechtung hindurch. Die Menschen die 
bei der Gnade und dem Bund GOttes keine Ordnung der Bu&szlig;e und des 
Glaubens aufkommen lassen wollen, die m&uuml;ssen als falsch erfunden und 
zu Schanden werden. GOtt aber wird die Wahrheit seiner Worte und Verhei&szlig;ungen 
auch bei ihrem Gericht und Verwerfung gleichwohl behaupten. GOtt &auml;ndert 
nicht, was Er zugesagt hat. Aber Er hat es nie anders zugesagt als wie 
es Seinem ganzen Sinn und g&ouml;ttlichen Eigenschaften gem&auml;&szlig; 
ist. Der Mensch m&ouml;chte aus den Verhei&szlig;ungen GOttes gern eine 
Schuldigkeit machen; und wenn sie nicht nach seinem Sinn zutreffen, so 
hadert er im Unglauben mit GOtt und meint Recht zu haben, als h&auml;tte 
GOtt seine Wahrheit an ihm fehlen lassen. Der geschmeidige Glaube wei&szlig; 
es anders, wie man GOtt in allen seinen Worten Recht geben, und von aller 
Rechthaberei abstehen mu&szlig;. Wollte man aber den Ungehorsam und das 
Unrecht welches er GOtt antut, daher verkleinern weil ja GOtt doch noch 
etwas Gutes zur Verherrlichung seiner Gerechtigkeit heraus bringe so zeigt 
der Apostel, es kommt nicht auf das an was GOtt herausbringt; GOtt kann 
seine Ehre retten; und du kannst doch dar&uuml;ber, als Einer der sich 
nicht in Seinen guten Willen geschickt hat, verloren gehen. Unter dem Vorwand 
GOtt k&ouml;nne Alles zu seinen Absichten brauchen s&uuml;ndigen Viele 
hinein. Ja, Er wird es schon zu seinen Absichten brauchen, aber ob es mit 
deinem Heil oder zu deinem ewigen Gericht geschehen wird das h&auml;ngt 
davon ab, wie du dich in seine Ordnung schickst. Was du sonst zur Entschuldigung 
deines verstockten Herzens vorsch&uuml;tztest das tust du wider dein eigen 
Gewissen. Denn in andern leiblichen Dingen, Krankheit, Ungl&uuml;cksf&auml;llen, 
gibst du dich besser in die Ordnung und bequemst dich zum Gebrauch der 
Mittel. Nur hier sperrst du dich so, und meinst die Regierung GOttes im 
Ganzen soll es hereinbringen. O Mensch, nicht deine S&uuml;nde, sondern 
das Bekenntnis derselben, und das dem&uuml;tige Gesuch der Gnade preist 
GOtt. An der S&uuml;nden = Not, aber nicht an der S&uuml;nden = Lust, wird 
GOtt gepriesen. 
 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 3,9-20</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel best&auml;tigt es mit Zeugnissen der Schrift da&szlig; die 
Juden keinen Vorzug haben sondern gleich den Heiden unter der S&uuml;nde 
seien und macht daraus den Schlu&szlig;, da&szlig; aus den Werken des Gesetzes 
kein Fleisch vor GOtt gerecht werde.</b> 
 
<p>Einen solchen Vorteil oder Vorzug da&szlig; man sich nicht unter den 
gemeinen S&uuml;nderhaufen der blo&szlig; dem g&ouml;ttlichen Erbarmen 
heimgefallen ist zu rechnen Ursache h&auml;tte, kann und soll sich Keiner 
anma&szlig;en, er mag nun auch nach dem Fleisch, Geburt, Stand, Gaben, 
Einsichten, Bildung Sittsamkeit, Brauchbarkeit vor Anderen voraushaben, 
was er will. Unter der S&uuml;nde, ihrer Schuld, Strafe, Herrschaft, Verdammung 
des Gesetzes, Druck vom Zorn GOttes im b&ouml;sen Gewissen, Furcht vor 
weiterer Offenbarung desselben, und Unverm&ouml;gen, uns selbst zu helfen 
sind wir Alle. "Was braucht es aber davon so viele Worte zu machen das 
streitet ja Niemand ab!" Ja wohl. Kaltsinnig gesteht man es ein, aber mag 
sich nicht lange dabei aufhalten. Eben deswegen f&uuml;hrt Paulus unser 
Herz so von allen Seiten darauf hin damit es einem recht nahe gelegt werde. 
So lange der Mensch der S&uuml;nde nicht besonders begehrt los zu werden, 
so merkt er nicht so, was es hei&szlig;t, unter der S&uuml;nde sein. Aber 
versuche es nur, dich ihr zu entrei&szlig;en so wirft du schon erfahren 
wie sie als ein Pharao hinter dir her ist.  Au&szlig;er der Beugung unter 
das: wie geschrieben steht, kommt man nicht auf den rechten Grund. Die 
Eigenliebe, die Parteilichkeit, die der Mensch f&uuml;r sich selbst hat, 
die Gef&auml;lligkeit Schmeichelei und Betrug, die sich im Umgang mit einander 
einschleicht, ist viel zu gro&szlig;. Wer aber aus der Wahrheit ist der 
h&ouml;rt die Stimme GOttes in der Schrift, und gesteht es der Schrift 
zu, da&szlig; sie ihm nicht zu viel getan habe. Anf&auml;nglich glaubt 
man es um der Schrift = Aussage willen, wenn man es auch vor Eigenliebe 
noch nicht so an sich erkennen kann. Mehr und mehr wird man so redlich 
es auch an sich zu erkennen. Der gesunde Verstand und das gute Herz, das 
die Menschen zu haben meinen ist uns vom Himmel herunter abgesprochen Die 
freimachende Wahrheit mu&szlig; uns erst dazu verhelfen. Jedes Glied an 
uns hat, so zu sagen ein b&ouml;ses Muttermal von der alten Geburt, und 
wenn es nicht so ausbricht, so hat es die uns gleichfalls von Geburt an 
entgegenkommende Gnade verh&uuml;tet. Aber unser zum Selbstrechtfertigen 
so weit ge&ouml;ffneter Mund mu&szlig; gestopft werden, und darin, da&szlig; 
wir vor GOtt durch Gesetzes Werke nicht gerecht werden k&ouml;nnen, m&uuml;ssen 
wir GOtt an uns Recht behalten lassen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 3,21-31</font></b></h4> 
 
<p><b>Wer macht uns von dem Unheil heil, das Leib und Seel' befleckt? Diese 
durch den bisherigen Vortrag erweckte Frage und Anliegen beantwortet der 
Apostel nun, und zeigt, wie GOtt selbst in das Mittel getreten sei, und 
uns eine Gerechtigkeit oder Hilfe aus der S&uuml;nde bereitet habe, die 
nun der Glaube annehmen, und dadurch zum verlorenen Ruhm an GOtt gelangen 
k&ouml;nne.</b> 
 
<p>Die uns von GOtt angewiesene Gerechtigkeit ist ohne Zutun des Gesetzes 
und alle davon erforderte und in uns etwa auch hervorgetriebene Werke geben 
selbige nicht; und doch hat sie auch vom Gesetz Zeugnis, oder, das Gesetz 
ist mit dem Werk GOttes in Verdammung der S&uuml;nde und in Rechtfertigung 
des S&uuml;nders wohl zufrieden. Wie GOtt die Juden unter dem Gesetz und 
den Propheten geleitet, und sie immer auf den Glauben an das Evangelium 
vorbereitet, eben so kommt noch jetzt jeglicher Glaube ohne Zutun des Gesetzes, 
und doch unter der Zubereitung des Gesetzes zur Gerechtigkeit. Ohne den 
Glauben bringt es der Mensch nicht so hoch, da&szlig; es einen Ruhm an 
GOtt austr&uuml;ge; und ohne Glauben gibt sich der Mensch auch nicht so 
tief herunter, da&szlig; ihm eine fremde Gerechtigkeit sein Ein und Alles 
w&uuml;rde. Aber beim Glauben beugt sich der Mensch so tief, und dankt 
GOtt, da&szlig; Er ihm noch solch einen Weg gewiesen habe. - In der S&uuml;nde 
und in dem Zugang zur Gerechtigkeit ist kein Unterschied, sie sind allzumal 
S&uuml;nder. Wer das aber so im Mund f&uuml;hrt, um den Ernst des Christentums 
mit dieser Ausflucht von sich zu schieben, der ist weit von aller Wahrheit 
abgekommen. Es kann nichts Dem&uuml;tigenderes f&uuml;r einen Menschen 
sein, als diese Beichte, wie S&uuml;nde und Tod an ihm nage, als an einem 
vom Leben und der Herrlichkeit GOttes entfremdeten Menschen. Unter dem 
Gerechtwerden ist alle Hilfe aus der S&uuml;nde begriffen, Alles, was zur 
Erstattung unseres Mangels geh&ouml;rt; doch, da&szlig; es mit der Vergebungsgnade 
anf&auml;ngt, und man aus derselben wieder die Hoffnung zur Herrlichkeit 
fa&szlig;t. Gnade ist und bleibt der erste, innerste tiefste Beweggrund 
im Herzen GOttes. Aber zum Erweis seiner Gerechtigkeit hat Er den Weg zur 
Erl&ouml;sung durch JEsum Christum erw&auml;hlt, damit man sehe, wie GOtt 
= geziemend es bei dieser uns zugedachten und nun t&auml;glich zuflie&szlig;ende 
Gnade hergehe. Man wei&szlig; nicht, was in den Worten, umsonst, aus Seiner 
Gnade, durch Christi Erl&ouml;sung zc. liegt, bis sich der Glaube immer 
aus tausend &Auml;ngsten, Zweifeln, Irrungen, so ihm die eigene Gerechtigkeit 
dazwischen hinein macht, durchschlagen, und in dies Licht der Wahrheit 
durchk&auml;mpfen mu&szlig;. Die Gerechtigkeit GOttes hat sich zwar auch 
durch die - im Gesetz auf die S&uuml;nde gelegten Verdammungs = Urteile 
geoffenbart; weil aber diese, ohne den S&uuml;nder aufzureiben, nicht vollstreckt 
werden k&ouml;nnen, so ist Vieles als unter die Zeit der Unwissenheit geh&ouml;rig, 
&uuml;bersehen worden, und unter g&ouml;ttlicher Geduld stehen geblieben, 
aus deren Mi&szlig;brauch aber man zuletzt an der Gerechtigkeit GOttes 
selbst h&auml;tte zweifeln k&ouml;nnen. Aber im Blut und Tod seines Sohnes 
JEsu Christi hat GOtt seine Gerechtigkeit auf das Deutlichste bewiesen, 
und auch das R&auml;tsel seines geduldigen Zusehens aufgel&ouml;st n&auml;mlich, 
da&szlig; bei der Gerechtigkeit Beides zusammenkomme, der Zorn wider die 
S&uuml;nde, und der Eifer f&uuml;r des Menschen Errettung, und GOtt also 
gerecht sei, und gerecht mache. 
 
<p>Die Frage: wo bleibt nun der Ruhm? machte einen Andern b&ouml;se und 
ungeduldig: aber Einer, dem der Heilige Geist das Evangelium verkl&auml;rt 
hat, l&auml;&szlig;t sich gern so fragen, und merkt, da&szlig; es nicht 
nur GOtt um seiner Ehre willen daran gelegen ist, dem Menschen alles R&uuml;hmen 
darnieder legen; sondern da&szlig; es auch unser eigen Heil und die Wiederaufrichtung 
aus unserem Fall so erfordert, da&szlig; wir vom Licht und Leben; so wir 
im Sohn GOttes gehabt h&auml;tten, abgewichene S&uuml;nder, nun wieder 
zum Einf&auml;ltigen Hangen an der Gnade zur&uuml;ckgebracht werden. Die 
Antwort: er ist aus, legt der Apostel Allen in den Mund, die da sind des 
Glaubens an JEsum. Diese k&ouml;nnen es auch mit Demut, nicht mit Unmut 
sagen. Man sollte meinen, der Werke Gesetz k&ouml;nne einen schon so eintreiben, 
da&szlig; man auf tausend kaum Eines antworten k&ouml;nne, und also das 
R&uuml;hmen aufgeben m&uuml;sse. Aber die Erfahrung zeigt es, da&szlig; 
sich die Menschen bei der Werke Gesetz immer noch von der tiefsten Dem&uuml;tigung 
loshalftern, sollte es auch nur durch Verspr&uuml;che auf das Zuk&uuml;nftige 
sein. Aber das Evangelium, welches der Apostel mit gutem Bedacht des Glaubens 
Gesetz hei&szlig;t, damit man wisse, es sei dem lieben GOtt mit dem, was 
Er im Evangelium geoffenbart hat, so ernst als mit dem Gesetz immer, das 
unterdr&uuml;ckt das R&uuml;hmen nicht nur auf eine Weile, sondern legt 
einen ganz andern Grund in das Gewissen des Menschen, bei welchem es keines 
eigenen Ruhms mehr bedarf. Der Schlu&szlig; und das festhalten dar&uuml;ber, 
macht alles R&uuml;hmens vor GOtt, und alles Erhebens &uuml;ber einander 
ein Ende, da&szlig; der Mensch, jeder ohne Unterschied, Vergebung der S&uuml;nden 
erlange, und damit in die gesamten Rechte der Erl&ouml;sung eintrete, ohne 
des Gesetzes Werk, allein durch den Glauben am Jesum, den GOtt vorgestellt 
hat zu einem Gnadenstuhl, oder an den wir wegen unserer Vers&ouml;hnung 
gewiesen sind. Oder, wenn du dich nicht zu diesem Schlu&szlig; bequemen 
willst, wenn du dich bei demselben nicht alles R&uuml;hmens begeben willst, 
so mu&szlig; ich dich nur fragen: Meinst du denn, der einige GOtt, und 
so auch der einige Mittler zwischen GOtt und Menschen, sei nur f&uuml;r 
dich da; und nicht auch f&uuml;r Alle, die Ihn mit den Heiden gern um seine 
Barmherzigkeit loben? Du darfst auch nicht sorgen, da&szlig; wir dadurch 
dem Gesetz etwas von seinem Nutzen und Brauchbarkeit nehmen, oder uns von 
der im Gesetz erforderten Gerechtigkeit lossagten. Nein Christus ist nicht 
gekommen aufzul&ouml;sen, sondern zu erf&uuml;llen. Beim Glauben respektieren 
wir alle Urteile des Gesetzes, und halten ihm nur unsern von GOtt ausgewiesenen 
Vers&ouml;hnungsschirm vor. Der Geist des Glaubens macht uns zu Freunden 
des Gesetzes und seiner Anforderungen, denn der Glaube ist durch die Liebe 
t&auml;tig, und in der Liebe ist des Gesetzes Erf&uuml;llung. O k&ouml;stliche 
Einfalt des Glaubens, die Alles annimmt, was GOtt schenkt, und die Absicht 
GOtt es, wozu jedes gegeben ist, sich gefallen l&auml;&szlig;t. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 4,1-17</font></b></h4> 
 
<p><b>Zur Best&auml;tigung der Lehre von der Rechtfertigung durch den Glauben 
beruft sich der Apostel auf zwei namhafte M&auml;nner, Abraham und David, 
die Beide ihr Heil lauterlich in der Vergebung der S&uuml;nde Gesucht und 
gefunden haben.</b> 
 
<p>Wenn in geistlichen Sachen etwas nur als eine Lehre vorgelegt wird, 
so kann man sich weniger darein finden, als wenn es auch eine Erl&auml;uterung 
aus den Wegen und F&uuml;hrungen GOttes bekommt. Deswegen beruft sich nun 
der Apostel auf das Exempel Abrahams, dessen Kinder zu hei&szlig;en die 
Juden f&uuml;r so r&uuml;hmlich hielten, der aber als ein Vater aller Gl&auml;ubigen 
auch andere anst&auml;ndige Fu&szlig;stapfen hinterlassen hat, in denen 
gef&uuml;hrt zu werden sich Niemand weigern soll. Nun hat sich GOtt mit 
Abraham auf herrliche Verhei&szlig;ungen eingelassen, und der Glaube daran 
ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet worden. Also darf es Niemand befremden, 
wenn das Evangelium jetzt sagt, da&szlig; man auch vor GOtt mit nichts 
zu einem Ruhm aufkommen k&ouml;nne, als mit der von GOtt selbst angetragenen 
und im Glauben ergriffenen Vers&ouml;hnung im Blut Christi. Vor Menschen 
hat Abraham freilich auch durch die Werke ein gutes Zeugnis gehabt, und 
ist dadurch als gerecht erkannt worden. Aber vom Anfang bis ans Ende seines 
Laufs hing er eben, wo er es mit GOtt zu tun hatte, an seinen Verhei&szlig;ungen. 
Wenn davon die Frage war: wie er und GOtt zusammengekommen? Wie er seinen 
Ruhm an GOtt und seine Hoffnung zu GOtt behaupte? Da ging er nicht mit 
werken um, da stellte er nichts von dem Seinigen in die ungeheure Kluft 
zwischen GOtt und ihm, sondern da war nichts als angebotene Gnade verlangen 
und annehmen, auf dem Weg der auch den Aller&auml;rmsten, Elendesten, Gottlosesten 
 
offen steht. Wem das nicht ansteht, der verr&auml;t seinen noch jetzt mit 
Werken umgehenden, und darin mit GOtt streitenden pharis&auml;ischen Geist; 
wer es aber zur S&uuml;nde mi&szlig;brauchen will, der versteht GOtt gar 
nicht, und hat auch das nicht, was er gegen GOttes Sinn und au&szlig;er 
seiner Ordnung an sich rei&szlig;en will. In welchem Sinn und nach welcher 
Ordnung aber GOtt den Gottlosen gerecht machen wolle, das ist oft und sonderlich 
in Davids Bu&szlig; = Psalmen deutlich bezeugt. Jetzt diese Seligkeit, 
nicht mit Werken umzugehen, sondern, wie Abraham, des Glaubens zu sein, 
und sein ganzes Heil, wie David, lauterlich in der Vergebung der S&uuml;nde 
zu suchen, geht &uuml;ber Alle, nicht nur &uuml;ber die Beschneidung, sondern 
&uuml;ber Alle, die mit Demut an der Verhei&szlig;ung, und damit im Gnaden 
= Geleise bleiben. Denn auch alle anderen Verhei&szlig;ungen, und so die 
gr&ouml;&szlig;te, da&szlig; er sollte der Welt Erbe sein, mu0&szlig;te 
Abraham im Glauben auswarten. Es ging immer durch das, da&szlig; er Den 
treu achtete, der es verhei&szlig;en hatte. Die Verhei&szlig;ung der Vergebung 
der ist nicht geringer, als die Verhei&szlig;ung, der Welt Erbe zu sein. 
Wenn nur die S&uuml;nden vergeben sind, so ist die ganze Welt mein. Wenn 
GOtt f&uuml;r mich ist, so mu&szlig; mir Alles zum Besten dienen, so ist 
mein Glaube der Sieg, der die Welt &uuml;berwindet; so stehe ich in der 
Ordnung, da&szlig; Alles, was GOtt zur Ausf&uuml;hrung seines Vorsatzes 
tut, mir zum Segen ausschl&auml;gt. Lie&szlig;e es sich mit werken ausmachen, 
so fiele nicht nur der Glaube, sondern auch die Verhei&szlig;ung: Denn 
diese beiden stehen und fallen miteinander. Was man dem Glauben hinzuflicken 
will, das tut dem Testament GOttes Eintrag (Gal. 3, 15-17). An der Verhei&szlig;ung 
aber sollen wir um so geschmeidiger bleiben, als wir schon erfahren haben, 
wie viel Mi&szlig;liches in unserem Fleisch durch das Gesetz aufger&uuml;hrt 
werden kann. Eben um dem zuvorzukommen, sind uns so teure und mit Eid best&auml;tigte 
Verhei&szlig;ungen GOttes geschenkt worden (Hes. 33, 10-11). Wie GOtt mit 
seiner Verhei&szlig;ung vor unser Herz tritt, so soll auch unser Glaube 
in Demut vor Ihn hintreten und vor Ihm bleiben. Der Glaube hat GOtt immer 
gegenw&auml;rtig; wie er vor GOtt gerechtfertigt wird, so machen auch alle 
weiteren Glaubenswege im Fortgang ein Wandeln vor GOtt aus. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 4,18-25</font></b></h4> 
 
<p><b>Aus der St&auml;rke des Glaubens Abrahams beweist der Apostel, da&szlig; 
auch bei der &uuml;brigen gl&auml;ubigen Nachkommenschaft der Glaube keine 
geringe Sache sei, sondern GOtt darunter die h&ouml;chste Ehre am Menschen 
behaupte.</b> 
 
<p>Verhei&szlig;ung GOttes, Glaube, so derselbigen traut, &Uuml;bung und 
Bew&auml;hrung des Glaubens unter dem Ausbleiben des verhei&szlig;enen 
Guts sind nicht voneinander zu trennen. Daher kommt man freilich nicht 
ohne Kampf zu dem Glauben, denn es geht dabei immer gegen die Hoffnung, 
so man vern&uuml;nftigerweise fassen k&ouml;nnte. An dem, was gesagt ist, 
an dem in GOttes Wort gefa&szlig;ten Vorsatz, hat man zwar einen hinl&auml;nglichen 
Glaubens = Grund; aber es braucht auch ein best&auml;ndiges, ernsthaftes 
Wegsehen von Allem dem, was am Glauben hindern und schw&auml;chen k&ouml;nnte. 
O wie viel ist in uns und um uns, das man nicht ansehen darf, wenn man 
nicht im Glauben schwach werden will. Deswegen ist der Glaube ein st&auml;ndiges 
&Uuml;berwinden des Unglaubens. Der Anf&auml;lle von Furcht und Zweifeln 
kann man dabei nicht &uuml;berhoben sein; wo man sie aber mit GOttes Wort 
&uuml;berwindet, da schl&auml;gt es zur St&auml;rkung des Glaubens aus. 
Wie der &auml;u&szlig;ere Mensch nicht nur von Essen und Trinken, sondern 
auch von der gem&auml;&szlig;en Arbeit stark wird, so legt sich am inneren 
Menschen auch die &Uuml;bung zur St&auml;rke an. Beim Glauben beh&auml;lt 
GOtt die Ehre allein; seiner Macht und seiner Wahrheit f&auml;llt aller 
Ruhm zu, dessen wir uns begeben; und eben hierunter bew&auml;hren sich 
diejenigen, die sich zum Glauben bringen lassen als solche, die aus der 
Wahrheit sind. Da&szlig; GOtt den Glauben zur Gerechtigkeit rechne, wird 
anf&auml;nglich als ein Vorsatz und Wohlgefallen GOttes festgesetzt, darunter 
sich Alles beugen mu&szlig;. Im Fortgang aber findet sich das doch, da&szlig; 
dieser Vorsatz GOttes guten Grund hat; und da&szlig; man auch aus der Natur 
des Glaubens zeigen kann, wie GOtt seine Ehre dabei behauptet. Wenn der 
Unglaube weiter nicht kann, so schiebt er alle Schrift =Exempel von sich, 
und sagt: es ist mit diesem ein Anderes gewesen. Aber was von diesem geschrieben 
ist, ist um unseretwillen geschrieben. Der Glaube und die Hoffnung, die 
wir nun durch Christum zu GOtt haben k&ouml;nnen, zieht aus allen vorigen 
Exempeln des Glaubens noch manches zu seiner Nahrung und St&auml;rkung 
Geh&ouml;riges. Die Rechtfertigung eines armen S&uuml;nders ist ja auch 
eine Erkl&auml;rung, dadurch ein toter oder todesw&uuml;rdiger S&uuml;nder 
den Macht = und Gnaden = Spruch zum Leben erh&auml;lt, wie GOtt bei Abraham 
dem, das nicht ist, gerufen hat, da&szlig; es sei. Hingabe Christi um unseretwillen 
fa&szlig;t den ganzen Stand seiner Erniedrigung mit allen seinem Gehorsam 
im Tun und Leiden in sich, und so auch Auferweckung den ganzen Stand der 
Erh&ouml;hung, worin noch Vieles liegt, das uns den Ruhm der Hoffnung von 
unserer Rechtfertigung und derselben Fr&uuml;chte bis ans Ende festhalten 
hilft. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 5,1-11</font></b></h4> 
 
<p><b>Nun geht der Apostel um einen Schritt weiter, und zeigt, was die im 
Evangelium geoffenbarte Gerechtigkeit, oder das festgesetzte recht, Juden 
und Heiden nicht aus den Werken des Gesetzes, sondern aus Glauben zu rechtfertigen, 
f&uuml;r eine Seligkeit &uuml;ber den Menschen bringe, in welche einen 
Frieden mit GOtt und Ruhm an GOtt, nicht nur &uuml;ber der Hoffnung der 
Herrlichkeit, sondern auch selbst unter den Tr&uuml;bsalen, einer dadurch 
zu stehen komme.</b> 
 
<p>Wenn in der Werkstatt des Herzens die vier ersten Kapitel durchgemacht 
sind, d. i. wenn im Herzen Wahrheit ist, was in diesen vier ersten Kapiteln 
als die im Evangelium geoffenbarte Gerechtigkeit GOttes angegeben ist, 
so kann man einem so zusprechen: Nun wir denn gerecht geworden sind durch 
den Glauben, so haben wir Frieden mit GOtt durch unseren HErrn JEsum Christ. 
GOtt begegnet uns mit Frieden, und in uns legt sich auch der Zorn, den 
sonst das Gesetz anrichtet. Das Mi&szlig;trauen weicht, und unser Gewissen, 
das sich in keinerlei Werke jemals zufrieden geben konnte, f&auml;ngt an, 
durch JEsum Christum sich Gutes und Friedliches zu GOtt zu versehen, und 
den von Christo Jesu am Kreuz gemachten und im Evangelio verk&uuml;ndigten 
Frieden anzunehmen und zu genie&szlig;en. Man darf so mit einander sprechen. 
Aber nicht einander es so als eine Zumutung aufb&uuml;rden: Du mu&szlig;t 
Frieden haben; und so lange du nicht Frieden und Vergebung der S&uuml;nden 
hast, so ist deine Sache nichts. So macht es Paulus nicht. Sondern er tritt 
hin als ein St&auml;rkerer und spricht es den Schw&auml;cheren vor: Nun 
wir denn gerecht geworden sind durch den Glauben, so haben wir Frieden. 
- Wenn also Viele um ihn herum waren, die sich dessen nicht anzunehmen, 
es sich nicht mit Freudigkeit zuzueignen wu&szlig;ten, deren Herz es aber 
doch sehnlich w&uuml;nschte, und die sich das Vorbild der heilsamen Lehre 
von der - im Evangelium geoffenbarten Gerechtigkeit (Kap. 1-4) herzlich 
gern gefallen lie&szlig;en, so spricht es der Apostel auch hier in dieser 
Unm&uuml;ndigen Namen: Nun wir denn gerecht geworden sind durch den Glauben 
usw.. So ist Vieles in den Schriften der Apostel, das sich auf die Gemeinschaft 
der Heiligen gr&uuml;ndet, da Christen einander zusprechen: wo das Eine 
aus Betr&uuml;bnis und Schwachheit nicht reden kann, so schlie&szlig;en 
es die &Uuml;brigen mit ein, und reden an seiner Statt, weil doch auch 
sein Herz und Sinn dabei ist. Ach wie weit ist man von diesen s&uuml;&szlig;en 
Wegen des Evangeliums abgekommen, wie ist Alles in gesetzlichen Ordnungen 
und Trieben verfallen, weil man &uuml;ber solchen Dingen mit einer Menge 
Menschen zu tun bekommt, die Herz und Sinn gar nicht auf das Evangelium 
zu ergeben begehren. Durch Glauben ist man in die Gnade zu stehen bekommen, 
und der Glaube gibt seine Wirksamkeit nimmer auf, sondern dringt unter 
stetem Zugang zu GOtt immer mehr in die Gnade ein. Wir haben Frieden mit 
GOtt, und wir r&uuml;hmen uns; das sind die zwei wichtigen Punkte, die 
vorw&auml;rts und r&uuml;ckw&auml;rts reichen, die Vergangenes, gegenw&auml;rtiges 
und Zuk&uuml;nftiges zusammenfassen. Durch die gerichtliche Rechtfertigung 
wird mit dem Leben, so sie gibt, auch das Ebenbild GOttes, die verlorene 
Herrlichkeit wieder aufgerichtet, und das ist schon der Anfang zur k&uuml;nftigen 
Herrlichkeit. O wie gern l&auml;&szlig;t man den obigen Ruhm dahinten (Kap. 
3, 27), wenn am Faden der Rechtfertigung dieser Ruhm angesponnen ist. Auch 
ein im Staube Liegender, der seine Harfe an die Weiden h&auml;ngen mu&szlig;, 
sieht doch die Harfe sehnlich an, und h&auml;lt sich zum R&uuml;hmen sehnlich 
verbunden. Lernt aber auch, wie das R&uuml;hmen unter den Tr&uuml;bsalen 
fortzuf&uuml;hren ist; denn die bleiben freilich nicht aus. Daran aber 
zeigt eben das, in was f&uuml;r einem Sinn man gegen GOtt durch die Rechtfertigung 
zu stehen gekommen sei, da&szlig; man unter den Tr&uuml;bsalen nicht gleich 
wieder arg denkend gegen GOtt wird, noch sich den Ruhm der Herrlichkeit 
nehmen l&auml;&szlig;t. Unter der Gnade der Rechtfertigung bringt Tr&uuml;bsal 
Geduld, oder die St&auml;rke unter den Tr&uuml;bsalen die Hoffnung der 
Herrlichkeit fest zu halten. Das zieht Erfahrung oder Bew&auml;hrung desjenigen 
nach sich, der unter der Tr&uuml;bsal ge&uuml;bt wird, und also erfahren 
hat, was wegf&auml;llt oder im Feuer die Probe h&auml;lt. Den Menschen 
kommt immer wieder ein Zappeln an, wenn er den Streit merkt, aber die Hoffnung 
behauptet den Ruhm, da&szlig; sie nicht zu Schanden werden lasse. Die erbarmende, 
bei unserer Begnadigung erschienene Liebe, und die freundschaftliche unter 
den Pr&uuml;fungen sich bew&auml;hrende Liebe GOttes ist reichlich und 
zum &Uuml;berwinden aller gesetzlichen Schrecken &uuml;berschwenglich ausgegossen 
in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns Alles an dem Rat GOttes 
und dessen Ausf&uuml;hrung zurecht legt. Christum aber zieht der Geist, 
als den gr&ouml;&szlig;ten Zeugen der Liebe GOttes an. Was man sich au&szlig;er 
Christus von der Liebe GOttes einbilden will, geht nicht tief genug. Bei 
Christi Erscheinung hatte man es schon genugsam erfahren, da&szlig; sich 
unsere Natur nimmer selbst erholen, und zu einem Vertrauen auf GOtt aufrichten 
k&ouml;nnte. Christi Liebe ist freilich ein Exempel ohne Exempel. Doch 
k&ouml;nnen die Exempel, die man etwa hat, was Einer um des gemeinen Besten 
willen tun kann, so weit dienen, da&szlig; man doch daraus sieht, wie es 
ein GOtt geziemender Weg gewesen ist: Einer f&uuml;r Alle. Die Gnade rechtfertigt 
den Gottlosen, die Liebe umfa&szlig;t den Gerechtfertigten, stellt ihn 
sicher vor dem Zorn, und die Gemeinschaft verherrlicht den Geliebten als 
einen Tempel GOttes, als ein Glied am Leibe Christi. Zu solcher Gemeinschaft 
mit GOtt ist kein anderer Weg, als die Vers&ouml;hnung. Was man sich au&szlig;er 
derselben anma&szlig;en will, ist mi&szlig;lich. 
<br>&nbsp;Kann ein Anderer auch nicht viel R&uuml;hmen, wenn er nur Den 
im Glauben h&auml;lt, der seine Vers&ouml;hnung ist, so wird Er ihn gewi&szlig; 
auch zum Hallelujah im h&ouml;chsten Ruhm bringen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 5,12-21</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel legt den Grund der Erkenntnis des Heils so tief, da&szlig; 
einem seinen Ruhm an GOtt zu behaupten, und gegen allen gegen den Glauben 
aufsteigenden Zweifeln zu begegnen, nie schwer werden soll, wenn man sich 
nur nicht von dem Grund treiben l&auml;&szlig;t, da&szlig; die Gnade in 
Christo noch weiter reiche mit ihren seligen Folgen, als Adams Fall mit 
all seinem angerichteten Unheil.</b> 
 
<p>Nach abgehandelter Lehre von der Rechtfertigung ist der Mensch erst 
im Stande, das zu ertragen, was man ihm vom Eindringen der S&uuml;nde und 
vom Durchdringen des Todes zu allen Menschen sagen kann. Die schwierigen 
Materien vom Ursprung des B&ouml;sen, von der Zurechnung der S&uuml;nde 
Adams, von Fortpflanzung des Verderbens usw. m&uuml;&szlig;ten Zorn anrichten, 
wo das Herz nicht vorher aus dem Evangelium mit Liebe GOttes durchs&uuml;&szlig;t 
ist. Aus der Gnade der Rechtfertigung mu0 der Mensch &uuml;berzeugt werden, 
da&szlig; ihm GOtt nicht Unrecht tue, und das mu&szlig; ihn willig machen, 
sich in Allem an GOttes recht zu ergeben. Freilich sind wir ohne unser 
Wissen und Denken von der S&uuml;nde &uuml;berw&auml;ltigt worden; das 
stellt der Apostel nicht in Abrede, er dr&uuml;ckt sich von S&uuml;nde 
und Tod selber als von eingedrungenen Feinden aus. Es ist kein wunder, 
wenn es dem Menschen wehe tut, da&szlig; er so in S&uuml;nden = Not und 
S&uuml;nden Strafe geraten sein soll. Ja es ist gut, wenn es ihm recht 
wehe tut, und er nicht nachl&auml;&szlig;t, &uuml;ber dies Unrecht zu schreien, 
bis ihm aus dem Evangelium die Gerechtigkeit GOttes offenbart wird, nach 
welcher die S&uuml;nde wieder so hinaus mu&szlig;, wie sie hereingekommen 
ist. Durch einen Menschen ist sie hereingekommen, durch einen HErrn JEsum 
Christ mu&szlig; sie hinaus. Das ist der Grund zu dem, was der selige Bengel 
von sich schreibt: "In meiner inneren &Uuml;bung stellte ich mich gern 
in die zwei Augenblicke hinein, da ich in Adam ein S&uuml;nder worden bin, 
und da JEsus Christus seinen Geist in des Vaters H&auml;nde &uuml;berantwortete, 
und auch mich damit GOtt vers&ouml;hnte und zuf&uuml;hrte. Mein ganzes 
Christentum besteht darin, da&szlig; ich meines HErrn Jesu Christi Eigentum 
bin, und da&szlig; ich eben dieses f&uuml;r meinen einigen Ruhm und f&uuml;r 
alle meine Seligkeit hielte." Damit man aber nicht sagen k&ouml;nne: Ja 
durch das Gesetz ist erst die Not so gewachsen, oder, wie man jetzt spricht: 
man macht es mit dem Treiben der S&uuml;nden Not zuviel man lasse das Gesetz 
weg, das uns ja ohnehin nicht angeht; so antwortet der Apostel: der Tod 
und sein herrschen beweist genug, da&szlig; GOtt unsere unerkannten S&uuml;nden 
ins Licht vor sein Angesicht stellt. Wenn man aber freilich zum Regiment 
des Todes, zu seinem empfindlichen Stachel, n&auml;mlich der S&uuml;nde, 
auch noch die Kraft der S&uuml;nde, n&auml;mlich das Gesetz, kam, so wurde 
das Gef&auml;ngnis noch enger, Alles aber in der Absicht, das Seufzen nach 
Hilfe und Erl&ouml;sung desto mehr zu erwecken. Unter der Herrschaft des 
Todes w&auml;ren wir gewesen, wenn wir auch unseren Schaden nicht durch 
so viele eigene S&uuml;nden geh&auml;uft h&auml;tten. Nun aber durch das 
Gesetz auch das, was von uns selbst begangen ist, weiter ans Licht gestellt 
ist, so zeigt sich auch die Gnade darin m&auml;chtiger, da&szlig; sie nicht 
nur den von Adam her geerbten Schaden heilt, sondern auch aus so vielen 
wirklichen S&uuml;nden hilft, und zwar so &uuml;berschwenglich, da&szlig; 
es zur Vergebung, zum Frieden mit GOtt, ja zum Ruhm an GOtt hinreicht. 
Von der Rechtfertigung gehts fort bis ins ewige Leben hinein. Wo es in 
etwas, in der Erneuerung, in der Hoffnung der Herrlichkeit bei einem Gewissen 
Anstand hat, da mu&szlig; man immer wieder die Rechtfertigung und die volle 
Gnade derselben ergreifen, so merkt man, da&szlig; einem gewi&szlig; auch 
immer eine Gabe nach der andern zu Diensten steht. Aber oft hat es &uuml;ber 
der Erkenntnis der S&uuml;nde nicht so viel Anstand, als sich &uuml;ber 
der Erkenntnis der Gnade Kampf erhebt. O wer beugt sich genug unter das 
Wort: durch Eines S&uuml;nde die Verdammnis &uuml;ber Alle; wer deutet 
aber auch das andere Wort: Durch eines Gerechtigkeit die Rechtfertigung 
des Lebens &uuml;ber Alle, begierig genug auf sich, und freut sich, da&szlig; 
es mit ihm bereits im Gericht GOttes durch diesen Proze&szlig; hindurch 
ist. O wer nur nicht durch Selbst =Rechtfertigung an diesem tiefen Grunde 
stutzt, und damit den Geist hindert, da&szlig; er einem aus dem Wort des 
Evangeliums diese Geheimnisse deuten kann; wie wir zurechnungsweise, aber 
freilich hernach auch durch die wirkliche Abkunft von diesem doppelten 
Stamm = Vater, Adam und Christo, in Geburt und Wieder = Geburt auch innewohnender 
weise S&uuml;nder und Gerechte werden. S&uuml;nde und Gnade standen schon 
von Adam her mit einander auf dem Kampf = Platz. Das Gesetz kam unter Mose 
zwischen ein, als eine Zwischen = Anstalt, der zu unserer Rettung schon 
gemachten haupts&auml;chlichen Gnaden =Anstalt zu dienen und dahin zu wirken, 
da&szlig; der Mensch unter Erfahrung von der Macht der S&uuml;nde, und 
von seinem Unverm&ouml;gen, sich selbst daraus zu helfen, desto eher von 
aller eigenen Gerechtigkeit abst&uuml;nde, und dieser Gerechtigkeit GOttes 
untertan w&uuml;rde. Der Thron der S&uuml;nde wird nun schon als umgesto&szlig;en, 
und ihre Herrschaft als geendigt und niedergelegt geachtet. Aber das herrschen 
der Gnade, mit welcher sich GOtt wieder zum Menschen gewendet hat, wird 
als ein so ewiges Reich angesehen, als Christus selbst, auferweckt von 
 
den Toten, lebt und regiert in Ewigkeit. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 6,1-11</font></b></h4> 
 
<p><b>Das sechste, siebente und achte Kapitel h&auml;ngen genau zusammen, 
und machen miteinander eine vollst&auml;ndige Ermunterung aus zum getrosten 
Durchk&auml;mpfen in der Erneuerung, damit man die in der Rechtfertigung 
empfangenen Gnadenkr&auml;fte geh&ouml;rig anwende; und den Stand der Rechtfertigung 
unter mancherlei nachfolgenden Anf&auml;llen behaupte, und doch in keine 
Verwirrung &uuml;ber der - noch anklebenden S&uuml;nde, gerate, sondern 
nach Art der Gerechtigkeit, die man in der Rechtfertigung erlangt, sich 
im Kampf gegen die S&uuml;nde vertragen, und sich in allen St&uuml;cken 
nicht als ein gezwungener Knecht, sondern als ein zu Gnaden angenommenes 
Kind darstelle. Zu solchem Ende tr&auml;gt der Apostel nach einander vor:</b> 
 
<ol> 
 
<li> 
<b>Die Kraft der Taufe zum Absterben von der S&uuml;nde und die 
Behauptung der Herrschaft &uuml;ber die S&uuml;nde durch die Kraft des 
einen Gnadenlebens (Kap. 6, 1-14).</b></li> 
 
<li> 
<b>Er warnt vor dem R&uuml;ckfall durch Betrug der S&uuml;nde, und 
tr&auml;gt daher Manches vor, was zur Einsicht in den Zustand unter dem 
Gesetz, unter der S&uuml;nde und unter der Gnade geh&ouml;rt (Kap. 6, 15 
- 7, 16).</b></li> 
 
<li> 
<b>Er lehrt wie die inwohnende S&uuml;nde vom Wandeln nach 
dem Fleisch zu unterscheiden sei, und gibt Licht, wie man sich in die &ouml;ftere 
Benebelung des inwendigen Menschen vom Fleisch schicken soll (Kap. 7, 17- 
25).</b></li> 
 
<li> 
<b>Er r&uuml;hmt die St&auml;rkung dagegen aus dem Geist, der zur 
v&ouml;lligen Gewi&szlig;heit des Gnadenstandes hilft, und dem Menschen 
das gro&szlig;e R&auml;tsel, das er an sich selbst hat, immer besser aufl&ouml;st 
(Kap. 8, 1- 11).</b></li> 
 
<li> 
<b>Da es sich dann immer mehr aus allen Anst&ouml;&szlig;en 
und Zweifeln zum vollen Sieg durchschl&auml;gt (Kap. 8, 12 - 39).</b></li> 
 
</ol> 
 
<p><b>Es sind diese drei Kapitel ein rechtes Meisterst&uuml;ck einer auf 
die &Uuml;bung der Glaubens = Lehren gerichteten Rede. Es ist darin von 
der S&uuml;nde, von der Gerechtigkeit, vom Gesetz, von der Gnade, vom Fleisch, 
vom Geist, vom Leben im Fleisch, vom Wandeln nach dem Fleisch, von der 
Herrschaft &uuml;ber die S&uuml;nde, von den noch &uuml;brigen Anf&auml;llen 
der im Fleisch wohnenden S&uuml;nde, von der Zufriedenstellung dar&uuml;ber, 
wenn der Wille des Geistes einmal davon geschieden ist; von den mancherlei 
Leiden dieser Zeit, vom Tod des Leibes usw. so gehandelt, da&szlig; &uuml;berall 
dem, was zu viel und zu wenig, was &uuml;bertrieben, und was nachl&auml;ssig 
sein k&ouml;nnte, begegnet ist.</b> 
 
<p><b>Der Apostel zeigt, da&szlig; man bei der Gnade nicht in der S&uuml;nde 
beharren k&ouml;nne, aus dem doppelten Grund, weil wir kraft der in der 
Taufe gestifteten Gemeinschaft mit Christo der S&uuml;nde gestorben, und 
weil wir kraft eben dieser Gemeinschaft in einem neuen Leben wandeln.</b> 
 
<p>Es ist n&ouml;tig, die Lehre von der Gnade zu verwahren vor solcherlei 
Mi&szlig;verstand und Mi&szlig;brauch: sollten wir denn in der S&uuml;nde 
beharren? Wollen wir die S&uuml;nde austoben lassen, weil doch die Gnade 
Alles gut machen mu&szlig;, ob sie etwas weniger oder mehr zu vergeben 
hat? Usw. Diese Verwahrung ist n&ouml;tig, nicht nur um derer willen, die 
sich sonst in der Sicherheit steifen, sondern auch um mancher Gewissenhaften 
willen, denen die Lehre von der Rechtfertigung um solches Mi&szlig;brauchs 
willen verd&auml;chtig wird. Es ist ja aber mit dem Ruhm von der &uuml;ber 
die m&auml;chtige S&uuml;nde noch viel m&auml;chtigeren Gnade nicht anders 
gemeint, als die Gnade brauche ihre Macht eben dazu, da&szlig; sie beim 
Menschen zur Herrschaft komme, und die S&uuml;nde besiege. Wer, nach der 
bisherigen Anweisung des Apostels, durch seine S&uuml;nden = Not getrieben, 
die Gnade in dem Vers&ouml;hnungs = Tod Christi sucht, und zu diesem von 
GOtt vorgestellten Gnadenstuhl flieht, der gibt eben damit der S&uuml;nde 
Abschied, sagt ihr mit gr&ouml;&szlig;tem Abscheu ab, entschlie&szlig;t 
sich zum willigen Absterben. O! Vergebung der S&uuml;nde kann man gewi&szlig; 
nicht anders suchen, als in dem Sinn, nimmer in der S&uuml;nde bleiben 
zu wollen. Dahin ist es ja schon mit unserer Taufe gemeint, da&szlig; uns 
Christi Tod, und die Best&auml;tigung des Todes, in dem Begr&auml;bnis 
als unser eigen gelten, und uns auch der Eingang in ein neues Leben und 
in ein frohes Wandeln in demselben sein soll. Wie verborgen ist in der 
Natur die Sache mit einer Pflanze, sowohl ihrem Ersterben, als auch ihrem 
nachmaligen Fruchtbringen nach. Wer glaubte es zum Voraus, da&szlig; es 
so zuginge, wenn es nicht die h&auml;ufige Erfahrung lehrte. Wie viel weniger 
l&auml;&szlig;t sich Gepflanztsein mit Christo zur &Auml;hnlichkeit seines 
Todes durch blo&szlig;e Begriffe ausmachen; wie gr&uuml;ndlich ist es aber 
doch der Erfahrung nach? Der Heiland hat selbst gegen das Ende seines Laufs 
diese Vorstellung vom Gepflanztwerden in Ihn etlichemal gebraucht, da Er 
sich als ein in die Erde fallendes Weizenkorn (Joh.12), und als den rechten 
Weinstock (Joh. 15), vorgestellt hat. Auf GOttes Sinn und Rat in der Sache, 
auf die in seinem Gericht feste G&uuml;ltigkeit, und dann auf unsere bei 
dem Glauben uns verliehene Einfalt, und dazu hergegebenes Jawort, wei&szlig;t 
der Apostel best&auml;ndig. Der Sohn GOttes kam um deswillen in der Gestalt 
des s&uuml;ndlichen Fleisches, damit Er darin unseren alten Menschen vorstellen 
konnte, und bei unserem Bekenntnis zu seinem Kreuz geht ein wirkliches 
Kreuzigen und Sterben unseres alten Menschen vor, dabei dessen Sinn und 
Wille und mithin unser Leben untergeht. Mit des Leibes und seiner Glieder 
&auml;u&szlig;erlicher Kreuzigung und T&ouml;tung kann man es bei uns nicht 
anfangen, denn das Leben, oder das Bleiben im Fleisch, ist uns n&ouml;tig, 
da&szlig; sich w&auml;hrend demselben ein Leben aus dem Wort der Gnade 
im Innern anlegen, und zur geh&ouml;rigen Kraft kommen kann. Mithin bedeutet 
hier der s&uuml;ndliche Leib den durch die Glieder des Leibes gesch&auml;ftigen 
alten Menschen, als dessen Aufh&ouml;ren ist, wenn man der S&uuml;nde nicht 
dient, sondern sich mit dem Willen des Geistes in die Gemeinschaft und 
Kraft des Kreuzes Christi hingibt, und der S&uuml;nde die Glieder entzieht. 
Dieser Sinn aber reicht freilich so weit hinaus, da&szlig; man auch das 
wirkliche Aufh&ouml;ren des s&uuml;ndlichen Leibes im Tode als die Krone 
au sein bis dahin unvollkommenes Glaubenswerk ansieht, und daher redlich 
w&uuml;nscht. Wer durch solche Erkenntnis und Verpflichtung zu Christi 
Tod der S&uuml;nde gestorben ist, wer durch eine solche Verhaftung an einen 
f&uuml;r uns gestorbenen B&uuml;rgen seinen Sinn zu dessen Tod hergibt, 
der ist gerechtfertigt von der S&uuml;nde, an den hat die S&uuml;nde ihr 
Recht verloren, der ist rechtm&auml;&szlig;ig von ihr frei (V.18, 22). 
Man ist nicht mehr ihr Schuldner, man kann sie vielmehr verdammen. Das 
ist eine wichtige und gro&szlig;e Frucht, die aus dem Geheimnis unserer 
Erl&ouml;sung erw&auml;chst. Gesetzt, wir h&auml;tten alle unsere Strafe 
selbst ausstehen K&ouml;nnen und m&uuml;ssen, so k&auml;me das nicht heraus. 
Denn bei uns gesch&auml;he Alles gezwungen. Der Ha&szlig; wider GOttes 
Gericht, und die Liebe zur S&uuml;nde bleibe bei uns. Der Wille und die 
Kraft, die S&uuml;nde zu verdammen, kommt ganz allein aus Christo und seinem 
Kreuz her. Wo auch noch jetzt einem Menschen seine S&uuml;ndenstrafe heilsam 
wird, da kommt es daher, da&szlig; ein Same von Christi Kreuz, ein Wohlgefallen 
an GOttes Rat darunter aufgeht, dabei man mit Herz und Gewissen in die 
Freiheit von der S&uuml;nde durchdringen kann. Je gr&uuml;ndlicher man 
dies Gepflanztsein zu gleichem Tode an sich zu verstehen lernt, je richtiger 
lernt man auch auf die Gemeinschaft des Lebens schlie&szlig;en, oder aus 
einem vom andern gewi&szlig; werden. Ohne Hingabe seines Sinns auf das 
Geheimnis des Kreuzes kommt man zu keinem Glauben an sein Leben und Herrlichkeit. 
Aber die Hingabe in die Gemeinschaft seines Todes kann man sich durch den 
Glauben an sein Leben merklich vers&uuml;&szlig;en. Wie bald war das leiden 
des Todes bei Christi &uuml;berstanden! Wie weit reichen nun die Fr&uuml;chte 
davon! und wie f&uuml;hrt Er nun das aus der Herrlichkeit des Vaters empfangene 
Leben zur Ehre, Freude und Wohlgefallen seines GOttes ! - Alles auf sich 
Hineinst&uuml;rmen tut der S&uuml;nde nicht so viel Abbruch, als dies dem 
Evangelium gem&auml;&szlig;e Daf&uuml;rhalten, da&szlig; man der S&uuml;nde 
gestorben sei. Wenn der Mensch auch wirklich durch solche &Uuml;bungen 
und Strenge die Lust in sich brechen k&ouml;nnte, so n&auml;hrte es desto 
mehr den Hochmut, der nur meinte, &uuml;ber die Regungen der S&uuml;nde 
Meister geworden zu sein. Durch Hingabe in Christi Tod aber wird nicht 
nur die b&ouml;se Lust, sondern auch des Menschen Selbst = Ruhm gebrochen. 
Es ist wahr, der Heiland hat es freilich ein Ausrei&szlig;en des Auges, 
ein Abhauen der Hand gehei&szlig;en; ein solcher Ernst geh&ouml;rt auch 
dazu. Nur wird die Benennung das einemal mehr von der Willigkeit des Geistes 
hergenommen, das anderemal mehr von der Gewalt, die darunter dem Fleisch 
angetan werden mu&szlig;. Es ist aber nicht wider einander. Je besser uns 
Christi Geheimnis durch den Heiligen Geist verkl&auml;rt wird, je mehr 
geht es aus dem willigen Geist, der daf&uuml;r h&auml;lt, da&szlig; er 
mit Christo gestorben sei, und aus Liebe zu Christus jede Regung der S&uuml;nde 
verdammt, und darunter rechtm&auml;&szlig;iges Freisein von der S&uuml;nde 
behauptet, aber GOtt lebt in Gerechtigkeit, Friede und Freude des Heiligen 
Geistes, der das Alles erkennen lehrt, und uns alle gl&auml;ubigen Schl&uuml;sse 
versiegelt. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 6,12-14</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel zeigt noch weiter, wie man sich dann gegen die S&uuml;nde 
als tot, und gegen GOtt als einen lebenden Untertan der Gerechtigkeit ansehen 
k&ouml;nnen und solle.</b> 
 
<p>Hier sieht der Apostel die S&uuml;nde in ihrem ganzen Umfang an, nicht 
allein, wie sie au&szlig;er dem Menschen ist, in der Welt, und in ihrem 
ganzen Geist und Lauf ihr Werk hat, durch Mi&szlig;brauch des Gesetzes, 
durch Unverstand, durch Vorurteile, durch b&ouml;se Geschw&auml;tze einen 
mannigfaltigen Betrug spielen kann. Denn dadurch &uuml;bt die S&uuml;nde 
eigentlich die gr&ouml;&szlig;tes Gewalt, da&szlig; der eigene b&ouml;se 
Naturteil, womit man behaftet ist, und was man sich von Kindheit an zugezogen 
hat, nun auch durch das Verderben der ganzen Welt best&auml;ndig gereizt, 
angeblasen wird, und wie durch Furcht und Schrecken des Gesetzes, durch 
den Anblick, wie vergeblich aller Widerstand ist, durch Erfahrung von so 
vielen mi&szlig;lungenen Vors&auml;tzen, immer verwirrter und verzagter 
werden, mithin auch zum Widerstand unt&uuml;chtiger sind. Gegen eine so 
gro&szlig;e Macht der S&uuml;nde, und ihrem vielfachen Vorteil, mu&szlig; 
man nun zu dem rechten &Uuml;berwinder fliehen, und das von Ihm gestiftete 
Reich der Gnade und Gerechtigkeit kennen und sein in der Taufe daran erhaltenes 
Recht behaupten lernen. La&szlig;t also die S&uuml;nde nicht herrschen; 
gesteht ihr keine Macht zu, und la&szlig;t euch durch ihre herausgenommenen 
Anspr&uuml;che nicht schrecken. An eurem sterblichen Leib wird sie freilich 
Gelegenheit suchen; dessen inwohnende und als ein Zunder leicht entz&uuml;ndliche 
Begierden sind ihr bequem, sich vermittelst derselben wieder auf den Thron 
zu schwingen. Aber aus der Erkenntnis Christi k&ouml;nnt ihr den Gehorsam 
ihr abschlagen; wird aber die Einwilligung verh&uuml;tet, so k&ouml;nnt 
ihr auch die Gelegenheit fliehen, und die Glieder entziehen, um so mehr, 
als ihr ja schon viel in euch gedrungenes Licht und Wahrheit GOttes d&auml;mpfen, 
und wie mit Waffen der Ungerechtigkeit bestreiten m&uuml;&szlig;tet. Stellt 
euch vielmehr mit eurem neugeschaffenen Willen, mit eurer an der Gnade 
und Gerechtigkeit gewonnen Lust GOtt dar, als mit Christo Aufgelebte, und 
durch seine Gnade zum Mitherrschen im Leben Berufene; so werdet ihr leicht 
die &auml;u&szlig;ere Einrichtung eures Lebens auch so machen k&ouml;nnen, 
da&szlig; der Gerechtigkeit darunter aufgeholfen, das Unrecht aber bestritten 
werde. Denn dahin wird die S&uuml;nde es die S&uuml;nde mit allen ihren 
Anf&auml;llen nimmer bringen, da&szlig; sie euren Willen und gehorsam unter 
sich br&auml;chte; sintemal sie euch den Mi&szlig;brauch mit dem Gesetz 
nimmer spielen kann, da sie aus dem Gesetz tausenderlei Anforderungen aufgibt, 
und wenn man mit denselben nie fertig werden kann, und also nichts herauskommt, 
den Menschen hernach im Gewissen niederschl&auml;gt, und das Urteil auf 
ihn bringen will: gib's nur auf, du siehst ja doch, da&szlig; deine Sache 
nichts ist; mit welchem durch das Gesetz dem Menschen eingejagten Schrecken 
die S&uuml;nde immer wieder den Meister spielt. So aber, sagt der Apostel, 
ist's ja bei euch nicht; sondern ihr habt bei eurer Rechtfertigung zum 
Leben auch die Freiheit vom Fluch des Gesetzes erlangt; und auch was euch 
jetzt zum Dienst der Gerechtigkeit anh&auml;lt, ist nicht das Gesetz, sondern 
die Gnade und ihre Zucht. Beim Gesetz ist der Vermessenheit, oder der Verzagung 
kein Ende. Aber da&szlig; euch GOtt unter die Gnade, ihre Herrschaft und 
Zucht genommen hat, damit ist der Lust und dem Grimm, worunter die S&uuml;nde 
ihren Vorteil sucht, abgeholfen. Haltet euch nur immer gegen alle Anf&auml;lle 
der S&uuml;nde an Den, der euch vom Gesetz erl&ouml;st hat. La&szlig;t 
euch die Gnade, und was GOtt getan hat, euch in derselben fest zu setzen, 
gro&szlig; sein und bleiben. Luther sagt: wo die Gnade regiert, bleibt 
das Gewissen frei, und zwingt die S&uuml;nde im Fleisch ab; aber ohne Gnade 
verdammt das Gesetz das Gewissen, und damit hat es die S&uuml;nde gewonnen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 6,15-23</font></b></h4> 
 
<p><b>F&uuml;r das bl&ouml;de Gewissen kann man nicht tr&ouml;stlich und fa&szlig;lich 
genug von der Gnade des Evangeliums zeugen; und wegen dem Fleisch, das 
sich's dabei breit und bequem machen will, kann man es nicht sorgf&auml;ltig 
genug verwahren. Daraus flie&szlig;t denn des Apostels weiterer Vortrag, 
der eigentlich auf eine Warnung vor dem R&uuml;ckfall aus der Gnade angesehen 
ist.</b> 
 
<p>Oben fragte der Apostel: sollen wir in der S&uuml;nde beharren, ohne 
sie anzugreifen? Jetzt fragt er: Sollen wir s&uuml;ndigen? Also nach schon 
gefundener Freiheitsbahn wieder in die S&uuml;nde zur&uuml;ckfallen? Das 
sei ferne! Wer so s&uuml;ndigte, der k&auml;me wieder unter das Gesetz, 
und fiele also aus der Gnade. Nach den aus der freimachenden Wahrheit empfangenen 
Gnadenkr&auml;ften, kann man einem schon eine solche Macht zugestehen, 
sich wieder der S&uuml;nde zu ergeben, oder bei dem angefangenen neuen 
Gehorsam auszuhalten. Hat eure ehemalige Knechtschaft der S&uuml;nde den 
Sieg der Wahrheit bei euch nicht verhindert, wie viel mehr wird sich nun 
die gewonnene Freiheit gegen alle Versuchungen zum R&uuml;ckfall behaupten 
lassen. Wenn ihr schon nicht unter dem Gesetz seid, so seid ihr deswegen 
nicht ohne Vorschrift. Dem Vorbild der Lehre seid ihr ja mit so vieler 
&Uuml;berzeugung, Wohlgefallen und Beruhigung gehorsam geworden, als man 
sich nicht leicht ab etwas Anders so von Herzen ergeben kann. Da ihr durch 
Hingebung eures Sinnes in Christi Tod gerichtlich von der S&uuml;nde losgekommen 
seid; so hat ja das gleich die Verpflichtung und Schuldigkeit, in einem 
neuen Leben zu wandeln, und GOtt in Gerechtigkeit zu dienen, nach sich 
gezogen. Wenn ein Christ auch den bisher gezeigten tiefen Grund nicht eins&auml;he, 
aber doch nach der erweckten Willigkeit seines Gehorsams sich in die Sache 
erg&auml;be; so kann er aus dem Folgenden sehen, wie er es anzugreifen 
habe. Man soll n&auml;mlich den von der g&ouml;ttlichen Traurigkeit gewirkten 
Eifer und Rache &uuml;ber die S&uuml;nde (2.Kor. 7, 10-11) dahin durchdringen 
lassen, da&szlig; man gegen den ehemaligen Mi&szlig;brauch seiner Glieder 
sie nun desto ernstlicher und wachsamer von allem fremden Dienst abziehe, 
um GOttes und Christi allein zu sein. Der verlorene Sohn, der verlaufene 
S&uuml;nder bildet sich freilich eine Freiheit ein, wenn er nimmer unter 
des Vaters Augen ist, und von der t&auml;glichen Anspr&uuml;chen der Gerechtigkeit 
aufgefordert wird. Aber, wenn er in sich schl&auml;gt, und &uuml;ber das, 
was in der Unbesonnenheit geschehen ist, nachdenken kann, was hast du davon? 
so sch&auml;mt er sich. Wenn es bei einem Anderen auf dem Weg des Gehorsams, 
in der Freiheit von der S&uuml;nde, und im Dienst GOttes schon nicht so 
schnell und unangesto&szlig;en fortgeht, so hat er doch die Frucht, da&szlig; 
es immer zu einer mehreren Scheidung bei ihm kommt, und den Trost, da&szlig; 
es auf ewiges Leben hinausgehe. S&uuml;nde und Tod mu&szlig; freilich unter 
manchem Widerstand &uuml;berwunden werden; aber man wird doch in seinem 
Mut nicht matt, so lange der Zuspruch noch erschallt: Das Ende aber das 
ewige Leben: Der S&uuml;nde und ihres Dienstes Sold ist der Tod; aber was 
GOtt seinen Streitern, die Ihm ihre Glieder zu Waffen der Gerechtigkeit 
hingegeben haben, zum Gnadenlohn bestimmt hat, ist ewiges Leben in Christi 
Jesu unserem HErrn. Wein Christ steht immer noch mitten inne zwischen S&uuml;nde 
und Gnade. Um der S&uuml;nde willen nagt der Tod an seinen Gliedern; die 
Gnade aber hilft dem ewigen Leben, und der Hoffnung desselben an ihn auf. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 7,1-6</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Sinn dieses Kapitels wird richtiger mit dem Gewissen unter einer 
wirklichen Arbeit und Erfahrung solcher Not gefa&szlig;t, als da&szlig; 
er schnell in Gedanken zu erreichen w&auml;re. Er bezieht sich immer noch 
auf des Apostels obigen Ausspruch: Die S&uuml;nde wird nicht herrschen 
k&ouml;nnen &uuml;ber euch, sintemal ihr nicht unter dem Gesetz seid, sondern 
unter der Gnade. In eurem Gewissen herrscht die Gnade, und nicht des Gesetztes 
Verdammung; in euren Herzen gilt der Gnade Zucht, und des Geistes Trieb, 
und nicht des Gesetzes Buchstabe. Das mu&szlig; unser Vorteil wider die 
S&uuml;nde bleiben. Haltet dar&uuml;ber gegen die S&uuml;nde, war des Apostels 
n&auml;chster Zuspruch; denn sonst br&auml;chte euch die S&uuml;nde wider 
unter das Gesetz. Jetzt wendet er seine Rede und sagt: Haltet &uuml;ber 
diesem Glaubens = Grund auch gegen das Gesetz: denn sonst br&auml;chte 
euch das Gesetz wider unter die S&uuml;nde. Zu diesem Ende zeigt er nun, 
wie das Band mit dem Gesetz rechtm&auml;&szlig;ig aufgehoben sei, und ein 
Herz beim, Evangelium getrost sein k&ouml;nne auf die andere Verbindung 
in die es mit Christo getreten ist.</b> 
 
<p>Nicht umsonst setzt der Apostel in dieser Materie die freundliche Ansprache: 
lieben Br&uuml;der, meine Br&uuml;der, bald aufeinander zweimal. Denn mit 
Seelen unter gro&szlig;er Not mu&szlig; man freundlich reden. Es ist wie 
wenn er sagte: Ich kann euch wohl glauben, wir sind ja Br&uuml;der; ich 
habe es auch erfahren; aber glaubt mir jetzt auch. Jedes Gesetz bezieht 
sich auf gewisse Umst&auml;nde, in denen der Mensch ist, und so lange die 
w&auml;hren, beh&auml;lt das Gesetz Recht an ihn. Bei ver&auml;nderten 
Umst&auml;nden aber kann das Gesetz, ohne alle Verletzung seiner sonstigen 
W&uuml;rde, doch sein Recht an ich aufgeben. Wie das bei einzelnen Gesetzen, 
z. B: beim Ehe = Gesetz, statt hat; so kann auch das ganze Gesetz seine 
Zeit haben, darin es sein Werk bei einem Menschen hat. Und nach einer vorgehenden 
&Auml;nderung kann, ohne allen Nachteil des Gesetzes, eine rechtm&auml;&szlig;ige 
Trennung vorgehen, und eine Freiheit erfolgen, darunter man sich aber keiner 
Verachtung des Gesetzes schuldig macht: denn des Gesetzes sich selber entladen 
wollen, das geht nicht an. Wer es wagt f&auml;llt unter alle rechtm&auml;&szlig;ige 
Verdammung des Gesetzes, und mu&szlig; dessen Fluch tragen. Das Gesetz 
f&auml;llt Allen, die sich ihm unrechtm&auml;&szlig;igerweise entrei&szlig;en 
wollen, nur desto mehr auf den Hals. Was kann denn aber f&uuml;r eine Ver&auml;nderung 
vorgehen, die zu einer rechtm&auml;&szlig;igen Freiheit Anla&szlig; geben 
kann? Der Mensch kann dem Gesetz get&ouml;tet werden, und also wie bei 
einem durch den Tod getrennten Band, zu einer rechtm&auml;&szlig;igen Freiheit 
gelangen. Das ist aber freilich einen Ver&auml;nderung, dar&uuml;ber der 
Mensch einen vielfachen Tod leidet, und oft wie eine Leiche zugerichtet 
wird. Denn um den Zusammenhang des Menschen mit dem Gesetz ist e etwas 
Wunderbares. Auf der einen Seite ist es freilich eine beschwerliche Herrschaft, 
von der man denken sollte, der Mensch w&auml;re ihrer je eher je lieber 
los. Auf der anderen Seite aber ist es doch auch ein Eheband, mit welchem 
der Mensch gern verh&auml;ngt ist, weil sein Fleisch doch auch seine Nahrung 
dabei hat, und er sich unter der Gnade weniger Fleischesfreiheit versprechen 
kann, als er gleichwohl noch beim Gesetz davon bringt. Daher kommt wirklich 
das Gezerr hin und her, da man frei werden will, und es doch auch wieder 
fest h&auml;lt, bis es zu diesem Absterben kommt. Der Apostel leitet aber 
dies Absterben aus seiner rechten Quelle, n&auml;mlich aus der Aufopferung 
des Leibes Christi, und aus unserem zum Tode Christi gegebenen Bekenntnis 
her. Die Wichtigkeit und Kraft des Todes Christi mu&szlig; immer getrieben 
und festgehalten werden, sonst hat das Gewissen nicht Mut, sich so etwas 
gegen die S&uuml;nde und das Gesetz anzuma&szlig;en. Da&szlig; es aber 
auf keine dem Fleisch und der S&uuml;nde Raum gebende Freiheit abgesehen 
ist, sieht man auch daraus, weil man auf diesem Wege gleich eines Anderen 
wird, n&auml;mlich Christo von nun an mit v&ouml;lliger Liebe anh&auml;ngt, 
von seinem Geist belebt, getrieben, von seinem Wort fruchtbar gemacht wird, 
GOtt Frucht zu bringen, welches einem oft bei dem Gef&uuml;hl seiner Unfruchtbarkeit 
fast zu viel d&uuml;nkt; aber wir wissen nicht, was f&uuml;r eine schmackhafte 
Frucht die aus dem Geist Christi entspringende Liebe, Freude, Friede, Geduld, 
Freundlichkeit unserem GOtt ist. - Um aber zum Durchdringen in diese rechtm&auml;&szlig;ige 
Freiheit noch einen Antrieb zu geben, h&auml;lt der Apostel die vorgehende 
gro&szlig;e Ver&auml;nderung noch einmal neben einander, und sagt: da wir 
im Fleisch waren, es sollte hei&szlig;en; da wir unter dem Gesetz waren. 
Der Apostel nimmt aber gern den Ausdruck um mit demselben anzuzeigen, warum 
das Gesetz keine bessere Wirkung bei uns haben k&ouml;nne, weil es n&auml;mlich 
durch unser Fleisch geschw&auml;cht sei; und warum man doch oft so lange 
Zeit nicht gern von dieser Verbindung mit dem Gesetz lasse; weil n&auml;mlich 
das Fleisch gleichwohl noch seine Freiheit und Ruhm dabei sucht und findet. 
Aber inmittelst wird eben der Schade immer gr&ouml;&szlig;er. Das Gebot 
oder Verbot erregt die Lust, und dem Fleisch bleibt der verbotene Baum 
eben doch ein lustiger Baum. &Uuml;ber so vielen mi&szlig;lungenen Anstalten 
wird man immer verzagter, etwas auszurichten, und dar&uuml;ber werden die 
Leidenschaften immer kr&auml;ftiger; und das hei&szlig;t: dem Tode Frucht 
bringen. Denn bei dem Leben in L&uuml;sten ist man lebendig tot, und zieht 
sich die Notwendigkeit zu sterben nur desto gewisser und schneller zu. 
In den Augen GOttes, nach dem im Gericht GOttes g&uuml;ltigen wert des 
Todes Christi sind wir vom Gesetz los. Wenn wir auch der Erfahrung nach 
noch nicht so v&ouml;llig aus dem Tod ins Leben hindurchgedrungen sind, 
so gilt es doch, und der Geist Christi treibt uns auch zu dem willigen, 
v&ouml;lligen und dem&uuml;tigen Dienst GOttes an, der sich weit von dem 
unlustigen, gezwungenen, tr&auml;gen ruhms&uuml;chtigen Wesen des Buchstabens 
unterscheidet. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 7,7-13</font></b></h4> 
 
<p><b>Wenn man sich aber so h&uuml;ten mu&szlig;, da&szlig; man durch das 
Gesetz nicht wieder unter die S&uuml;nde kommt, so m&ouml;chte man ja fast 
gegen das Gesetz selber argdenklich werden, und fragen: Ist das Gesetz 
S&uuml;nde? Dazu sagt der Apostel: Nein, und zeigt, wenn man das Gesetz 
brauche, wozu man es brauchen soll, so komme durch das Gesetz Erkenntnis 
der S&uuml;nde. Wenn man aber meine, man wolle das Gesetz als eine Kraft 
gegen die S&uuml;nde und als eine Aufmunterung zum Guten brauchen, so schlage 
es zuletzt dahin aus, da&szlig; die S&uuml;nde aufs Neue &uuml;beraus s&uuml;ndig 
und kr&auml;ftig in uns wird, und wir &uuml;ber unser &auml;u&szlig;erstes 
Unverm&ouml;gen aufs Tiefste gedem&uuml;tigt werden.</b> 
 
<p>Dergleichen Einw&uuml;rfe macht nicht gerade ein Gegner, sondern das 
eigene Herz kommt unter der Erfahrung von allerlei S&uuml;nden = und Gesetzes 
= Not oft selbst auf wunderliche Einf&auml;lle. Weil der feind, der uns 
gern in der S&uuml;nde gefangen halten m&ouml;chte, das Gesetz so mi&szlig;braucht, 
und uns durch das Gesetz das Leben in der Gnade so sauer macht; so denkt 
man zuletzt, ob denn das Gesetz auch guten und g&ouml;ttlichen Ursprungs 
sei? oder ob nicht sonst etwas dahinter stecken m&uuml;sse? ob es nicht 
das Gewisseste w&auml;re, seine Freiheit vom Gesetz zu behaupten, wenn 
man gar anfinge, das Gesetz selbst mit Argwohn zu belegen? Da wehrt aber 
der Apostel, und sagt: das sei ferne! Da tr&auml;fe es einer &uuml;bel. 
Auf das Gesetz mu&szlig; keiner die Schuld schieben wollen, sondern durch 
das Gesetz lernen, wie tief die Schuld bei ihm selber sitze. Von da an 
redet nun der Apostel in seiner eigenen Person, teils um mehrerer Deutlichkeit 
willen, teils damit es fein jeder Leser und Zuh&ouml;rer desto gewisser 
auch auf seine Person deute, und solches an sich erkennen und bekennen, 
sich nicht sch&auml;me. Die Lust bricht schon mehr ins Wirkliche und Gesch&auml;ftige 
aus, als der tiefe Grund, auf welchem sie aufsteigt. Und doch achtete man 
auch auf die Lust nicht so, und rechnete es nicht so zur S&uuml;nde an, 
da&szlig; best&auml;ndig so viel tausend Funken aus diesem verborgenen 
Feuer auffahren, wann das Gesetz nicht gesagt h&auml;tte: la&szlig; dich 
nicht gel&uuml;sten; und damit andeutete, in welchem tiefsten Reste die 
S&uuml;nde aufgesucht werden m&uuml;sse, und in welcher ersten Quelle sie 
m&uuml;sse abgeleitet werden, wenn es beim Menschen auf die Erneuerung 
ins Bild GOttes zur&uuml;ckkommen soll. Aber in diese Hauptabsicht GOttes 
mit dem Gesetz sich einzulassen, und es so zur Erkenntnis der S&uuml;nde 
zu gebrauchen, und daraus eine Handleitung zum Glauben zu nehmen, ist der 
Mensch viel zu tr&auml;ge und zu falsch. Sein eigenliebiges Herz, sein 
Gesuch, eine eigene Gerechtigkeit aufzurichten, verleitet ihn eher auf 
den falschen Wahn, als wenn er sich mit dem Gesetz aufs Tun und allerlei 
&Uuml;bungen einlassen k&ouml;nnte, und daraus erhebt sich dann die Not, 
da&szlig; die S&uuml;nde Anla&szlig; bekommt, nur desto mehr Lust aufzutreiben: 
denn die S&uuml;nde ist schlangenm&auml;&szlig;iger Art; sie kann sich 
klein machen, da&szlig; man sie nicht in ihrer von der Schrift aufgedeckten 
f&uuml;rchterlichen Gestalt sieht und sp&uuml;rt. Darum ist es dem Menschen, 
so lange er ohne Gesetz lebt seiner Meinung nach so wohl, und er kann sich 
nicht als so verdorben und tot in S&uuml;nden ansehen. Da aber das Gebot 
kam, und ihn Anfangs in dieser seiner Ruhe st&ouml;rte, er aber die S&uuml;nde 
d&auml;mpfen zu k&ouml;nnen sich einbildete, da schlug es zu einer solchen 
Erregung, Gesch&auml;ftigkeit und Macht der S&uuml;nde aus, dar&uuml;ber 
 
er mit allem bisherigen Gesch&auml;ft und wehren gegen die S&uuml;nde zu 
Schanden wurde, seine Einbildungen nicht behaupten, sein vorige Ruhe nimmer 
finden konnte, sondern einmal &uuml;ber das andere in Tod und Ohnmacht 
zur&uuml;ckfiel. Dar&uuml;ber erf&auml;hrt man an sich selbst, was der 
Apostel schon oben von dem Gesetz bezeugt hatte, da&szlig; es nur Zorn 
anrichte, und den Menschen unter Not, Gericht und Unverm&ouml;gen liegen 
lasse; zu welcher leidigen Wirkung aber das Gesetz weder anf&auml;nglich 
gegeben ward, noch auch jetzt dahin ausschlagen solle, wenn man nur auf 
GOttes Hauptabsicht verst&auml;ndig w&uuml;rde. Es geht aber darunter freilich 
mannigfaltiger Betrug vor. Die S&uuml;nde kann sich Anfangs gegen das Gebot 
klein machen, und tun, als ob sie demselben nachgeben wolle; da sieht's 
denn einen weile einem Leben und Besserung gleich, damit man zufrieden 
sein k&ouml;nnte. Aber der baldige Unbestand offenbarte das als betrug, 
da die in schlangenm&auml;&szlig;iger Kr&uuml;mmung und Kleine sich zusammengezogene 
S&uuml;nde wieder in ihrer ganzen Macht auffuhr, und mich also durchs Gebot 
t&ouml;tete, da&szlig; mein Unverm&ouml;gen, mich der S&uuml;nde zu erwehren, 
ganz offenbar ward. Wie kann aber das Gesetz, das doch heilig, recht und 
gut ist, und auch an mir nichts Anderes sucht, als alles Gute, eine so 
gar leidige Wirkung bei mir haben?. Darunter mu&szlig; sich eben die S&uuml;nde, 
und der dadurch in mir angerichtete Schade in seiner gro&szlig;en und f&uuml;r 
alle eigenen Kr&auml;fte ganz unheilbaren Gefahr offenbaren, da&szlig; 
sie mir durch das gute Gesetz und durch meinen &uuml;brigens auch guten 
Willen, es zu halten, doch eine solche Not angerichtet hat. So hat durch 
diesen Umweg herauskommen m&uuml;ssen, auf was es anf&auml;nglich mit dem 
Gesetz angesehen war, n&auml;mlich auf Erkenntnis der S&uuml;nden, damit 
man sich hernach lauterer dem Erbarmen GOttes zur gr&uuml;ndlichen Kur 
&uuml;berlassen k&ouml;nnte. Wo k&auml;me sonst die Dem&uuml;tigung, die 
Willigkeit, zum Kreuz hin zu kriechen, her, wenn der Mensch nicht so eingetrieben 
w&uuml;rde! O in welcher Blindheit, Unerkenntnis und Unerfahrenheit bleibt 
der Mensch also liegen, wenn er entweder meint, ohne Gesetz und durch Hintansetzung 
desselben zum Leben und Frieden zu gelangen, oder wenn Einer beim Gesetz 
und durch dasselbe meint, Kraft gegen die S&uuml;nde zu finden. Welche 
Wahrheit kommt aber in uns, wenn Einer das Gesetz braucht, wozu es da ist, 
n&auml;mlich die S&uuml;nde &uuml;beraus s&uuml;ndig zu machen, und wenn 
Einer das Leben da sucht, wo es zu finden ist, n&auml;mlich in Christo. 
Wenn Einer gegen die S&uuml;nde k&auml;mpft, aber deren Vergebung nicht 
auf seinen Sieg, sondern umgekehrt, den Sieg auf deren Vergebung gr&uuml;ndet. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 7,14-25</font></b></h4> 
 
<p><b>Nun gibt der Apostel weitere Rechenschaft von seinem n&auml;chst zuvor 
gebrauchten Ausdruck, die S&uuml;nde habe durch das Gute den Tod gewirkt, 
und damit sich als &uuml;beraus s&uuml;ndig verraten, und zeigt noch umst&auml;ndlicher, 
warum mit dem Gesetz nicht fortzukommen sei, warum wir mit dem Gesetz nicht 
hinl&auml;nglich gegen die S&uuml;nde streiten, noch daraus kr&auml;ftige 
Ermunterungen zum Guten nehmen k&ouml;nnen. Es erfordert freilich gr&uuml;ndlichen 
Bescheid, warum wir, nach dem ersten Teil dieses Kapitels, so behutsam 
sein m&uuml;ssen, damit wir nicht wieder durch das Gesetz unter die S&uuml;nde 
geraten, und warum wir, nach dem zweiten Teil dieses Kapitels, doch gegen 
das Gesetz selbst nicht argdenklich werden, sondern die Schuld von seiner 
betr&uuml;bten Wirkung immer bei der in uns wohnenden S&uuml;nde suchen 
sollen? Darum f&uuml;hrt nun der Apostel auf eigene durchdringende Erfahrungen, 
die Jeder an sich selbst machen kann, da&szlig; es so ist.</b> 
 
<p>So weit k&ouml;nnen einem Menschen freilich die Augen ge&ouml;ffnet, 
und das Gewissen erweckt sein, da&szlig; man das Gesetz als geistlich erkennt, 
wie es nicht nur &auml;u&szlig;erlichen Gehorsam und Werk gebeut oder verbeut, 
sondern ganzes Herz und ganze Seele mit dem eingenommen haben will, was 
es fordert. Aber desto mehr erf&auml;hrt man, wie fleischlich, oder durchs 
Fleisch geschw&auml;cht wir sind, da&szlig; kein solcher Geist oder volle 
Lust aus und herauszubringen ist. JA man mu&szlig; sich als einen unter 
die S&uuml;nde Verkauften, von der S&uuml;nde &Uuml;berw&auml;ltigten, 
von der Gewohnheit, vom Gesetz in den Gliedern zum Sklaven Gemachten ansehen. 
Das ist ein eigentliches von der S&uuml;nde erlittenes Unrecht, da&szlig; 
sie einem seine Freiheit so schwer macht. Je mehr man los sein m&ouml;chte, 
je wehm&uuml;tiger mu&szlig; man &uuml;ber sein Gefangenschaft klagen. 
Auch nach und neben der Rechtfertigung gibt es solche Erfahrungen, wie 
hart einem die S&uuml;nde anklebt. Er beweist es recht umst&auml;ndlich, 
damit man den Ausdruck: unter die S&uuml;nde verkauft, nicht f&uuml;r eine 
im Eifer schnell ausgesto&szlig;ene &uuml;bertriebene Klage halte; sondern 
f&uuml;r eine ganz eigentliche Beschreibung seiner gegenw&auml;rtigen Erfahrung: 
Es ist also kein Kompliment, wie unser seliger Luther so oft sagt, es komme 
heraus, wie wenn Manche mit ihren S&uuml;nden = Bekenntnissen sich nur 
so aus Demut zum armen S&uuml;nder = H&auml;uflein bekenneten, aber nur 
einen gemalten S&uuml;nder br&auml;chten; wenn man sie aber bei ihrem Wort 
nehmen, und sie f&uuml;r solche S&uuml;nder ansehen wollte, so w&uuml;rden 
sie sich wieder ihrer Unschuld wehren. Dem Apostel aber ist es mit dem, 
was er zu Ausmerzung alles pharis&auml;ischen Sinnes gesagt hatte, ganz 
ernst, und er beweist es recht anzulegen, wie erfahrungsm&auml;&szlig;ig 
er zu solcher Erkenntnis gekommen sei. Ich bin mir selbst ein R&auml;tsel. 
Es ist ein doppelter und weit auseinander geschiedener Wille in mir. Aber 
es geht auf diesem Kampfplatz der S&uuml;nde und der Gnade oft wunderlich 
her. Wenn Petrus oft meint, er wolle das Leben eher lassen, als JEsum verleugnen, 
so ist er am n&auml;chsten beim Fall. Wenn ich oft meine, ich sei voll 
guten Willens, so kommt es in der Behendigkeit der Versuchung oft anders, 
und so heraus, da&szlig; ich das tue, was ich hasse. Und wenn ich mich 
hintennach tausendmal dar&uuml;ber anspeien m&ouml;chte; so finde ich eben, 
da&szlig; ich mit Tr&auml;nen wieder in den Gnaden = Weg hinein mu&szlig;, 
und der reichlichen und t&auml;glichen Vergebungs = Gnade den Ruhm lassen 
mu&szlig;. So viel aber beweist mein doppelter und mit einander im Streit 
liegender Wille, da&szlig;, indem ich mich von dem, was im &auml;u&szlig;eren 
Tun herauskommt, mit meinem inneren Willen abziehe, so trete ich damit 
eben auf GOttes Seite her&uuml;ber, und willige, da&szlig; sein Gesetz 
gut sei. Ist aber bei etwas mein v&ouml;lliger Wille nicht, so habe auch 
ich dasselbige nicht eigentlich getan. Mein freigemachter und auf GOttes 
Seite hin&uuml;bergezogener Wille kann mit Grund dagegen protestieren und 
sagen: nicht ich habe es getan, sondern die in mir wohnende S&uuml;nde, 
meine eigene, aber mir zur Last gewordene Lust. Wer aber aus so etwas eine 
Leier machen, Jahr aus, Jahr ein, und wohl seine halbe Lebenszeit auf einerlei 
Ton bleiben, vor Menschen sich hinauszuhalftern von seinem besseren Wollen 
bei wenigem Vollbringen sagen kann; der rei&szlig;t es aus aller Verbindung 
heraus, und f&uuml;hrt es also weit gegen den richtigen Sinn. Wo Lust zur 
Wahrheit im Verborgenen ist, da geht es mit einer solchen Beichte: in mir, 
das ist, in meinem Fleisch, wohnt nichts Gutes, aus der Tiefe hervor, und 
das Gem&uuml;t ist im ernstlichen Suchen, so das Vollbringen ohne Hindernis 
vom gegenseitigen Gel&uuml;sten sucht, aber nicht finden kann. Selbst die 
Wiederholung dieser empfindlichen Erfahrung zeigt an, da&szlig; es einem 
nicht nur Einmal so gehe, nicht nur &uuml;ber Einerlei Art von S&uuml;nden, 
sondern so oft Einer wieder etwas Neues lernen soll, in neue Umst&auml;nde 
und Versuchungen kommt; so wird es unter solchen Fehlern gelernt. Darunter 
gehen einem die Augen immer mehr auf, wie das Gesetz so geistlich ist, 
und mir auch daher die &Uuml;berzeugung meines Gewissens, den Willen meines 
Herzens abgewinnen kann; ich aber doch so fleischlich, und vom anhangenden 
B&ouml;sen geschw&auml;cht und verhindert bin. Auf welchen Zustand GOtt 
selbst mit Mitleiden herabsieht, und wei&szlig;, was f&uuml;r ein Gem&auml;cht 
ich bin (1. Mose 8,21), und ich kann mich auch vor GOtt, der Lust hat zur 
Wahrheit, die im verborgenen liegt, doch darauf berufen, da&szlig; ein 
solches Gew&auml;chs der Wahrheit in meinem inwendigen Menschen aufgehe. 
Aber freilich der angeborene und durch Gewohnheit geh&auml;ufte Naturtrieb 
macht so viele Anf&auml;lle und Anforderungen in meinen Gliedern, die dem 
Gesetz GOttes, und auch dem - in meinem Gem&uuml;t oder inwendigen Menschen 
daran gewonnenen Wohlgefallen entgegen sind, da&szlig; augenblickliche 
Gefahr daraus entsteht, wieder unter das Gesetz der S&uuml;nde gefangen 
genommen, oder von der S&uuml;nde nach ihrem Willen hingerissen werden. 
Wenn ich mich dieser Zudringlichkeit auch nicht weiter erwehren kann, so 
tritt doch das Seufzen dazwischen, dadurch ich diesen Druck vom Fleisch 
als mein gr&ouml;&szlig;tes Elend, diese S&uuml;nden = Arbeit als meine 
schwerste Last beklage, und zum Abschneiden diese Blei = Gewichts in der 
Erl&ouml;sung vom Leibe diese Todes sehnlich anhalte; auch einen Vorgeschmack 
von dieser Erl&ouml;sung habe, so oft ich mich mit meinem inwendigen Menschen 
und dessen neugeschaffenen Willen vom Fleisch und dessen Sinn und Anforderungen, 
vom Leib und den L&uuml;sten ins seinen Gliedern gr&uuml;ndlich abziehe. 
Auf diesem rauh scheinenden Wege findet sich doch immer auch ein Loblied: 
ich danke GOtt durch JEsum Christum, unserem HErrn. Meine Schw&auml;che, 
mein Unverm&ouml;gen, mit dem Gesetz etwas auszurichten, macht mir das, 
was GOtt durch JEsum Christum getan hat, desto gr&ouml;&szlig;er, desto 
dankenswerter. Und mit diesem Loben lerne ich meinen Feind zu schlagen; 
mu&szlig; mich aber freilich bescheiden, mit dem HErrn Jesu zu warten, 
bis alle Feinde zum Schemel der F&uuml;&szlig;e gelegt sind. Mit dem Gem&uuml;t, 
mit meinem inwendigen Menschen, mit Willen, mit Wohlgefallen, mit dem, 
was also eigentlich mein Ich (V.17#20) an mir ausmacht, diene ich dem Gesetz 
GOttes, und halte es mit allem Guten, Heiligen und Gerechten, das darin 
erfordert ist. Aber das Fleisch wird nicht anders; in dem wohnt die S&uuml;nde, 
und das sinnt auch immer darauf, der S&uuml;nde zu dienen, und ihr Luft 
zu machen; darum kann ich bis zur Erl&ouml;sung vom Leibe dieses Todes 
nicht ohne Kampf, nicht ohne Wachsamkeit und Mi&szlig;trauen gegen das 
Fleisch sein. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 8,1-11</font></b></h4> 
 
<p><b>Weil nun ein Menschen = Herz, wie zuerst in seinem angeborenen Verderben, 
so hernach auch in seinem neugeschaffenen Sinn sich selbst so verborgen 
und unergr&uuml;ndlich ist, so sucht es nun der Apostel noch besser aus 
einander zu setzen, wie man bei so vieler Not, die einem die S&uuml;nde 
noch macht, doch seine Freiheit von der Verdammung behaupten, und seinen 
jetzigen Zustand von dem vorigen alten unterscheiden k&ouml;nne.</b> 
 
<p>Das Gesetz hat eine Verurteilung &uuml;ber Alle gebracht. Das Evangelium 
bringt eine Lossprechung &uuml;ber Alle. Und diejenigen, die nun durch 
den Glauben in Christi JEsu sind, stehen in dieser Freiheit. Durch diesen 
reizt der Apostel zum Glauben auch diejenigen, bei denen es noch manche 
Not und Zweifel durchzuk&auml;mpfen gibt. Wer nur seinen Sinn auf das Bisherige 
ergibt, zur Gerechtigkeit Lust hat, die S&uuml;nden = Plage f&uuml;hlt, 
und mit dem Geist Christi wider das Fleisch k&auml;mpft, der geh&ouml;rt 
schon unter die, die nicht nach dem Fleisch wandeln, sondern nach dem Geist. 
Das Gesetz, so lange sich der Mensch damit so einl&auml;&szlig;t, da&szlig; 
er aus dem Gesetz wider die S&uuml;nde k&auml;mpfen, und etwas Fruchtbares 
im Guten hervorbringen will, wird ihm ein Gesetz der S&uuml;nde und des 
Todes, es treibt mehr Lust und Begierden in ihm hervor, es unterh&auml;lt 
die Feindschaft wider GOtt, und mit den toten Werken ist nur dem Tod Frucht 
gebracht. Davon wird man nun freilich nicht anders frei, als wenn man aus 
der Erkenntnis Christi Licht und Willigkeit bekommt, nun Ihm anzuhangen, 
mit Ihm ein Geist zu werden, aus der Gemeinschaft mit seinem Kreuz und 
Tod gegen die im Fleisch und die im Fleisch wohnende S&uuml;nde zu k&auml;mpfen, 
und aus der Gemeinschaft mit seinem Leben ein neues Wesen und einen Dienst 
GOttes in demselben anzufangen. Darum kann es nun hei&szlig;en, das Gesetz 
des Geistes, des Lebens in Christo JEsu, das nun eingegangene und befestigte 
Anhangen an Christo JEsu, macht mich frei von allem Bem&uuml;hen, durch 
das Gesetz Gerechtigkeit und Leben zu suchen, wof&uuml;r ich ohnehin nur 
S&uuml;nde und Tod gefunden habe. Und nach diesem Geist wandelt man denn, 
im neuen Wesen desselben dient man GOtt. - Das Gesetz kann mit seinem Drohen 
und Fluchen den S&uuml;nder zwar verdammen, aber nicht die S&uuml;nde so 
treffen, da&szlig; der S&uuml;nder dadurch von der S&uuml;nde abgezogen, 
und ihm das Leben gerettet w&uuml;rde. Deswegen bleibt der Ha&szlig; wider 
GOttes Gericht, und die Lust zur S&uuml;nde im Fleisch doch stecken. Aber 
durch das, was GOtt getan hat, da Er seinen Sohn in der Gestalt des s&uuml;ndlichen 
Fleisches gesandt, und von seiner Beschneidung an bis zu seinem Tod am 
Kreuz die S&uuml;nde an Ihm so aufgesucht und verdammt hat, als sie an 
uns gerichtet werden sollte, hat GOtt diesem Unverm&ouml;gen abgeholfen, 
und es nun einem Menschen m&ouml;glich gemacht, da&szlig; er GOttes Gericht 
&uuml;ber die S&uuml;nde Gut hei&szlig;en, und unter Verdammung der S&uuml;nde 
einen inneren, ernstlichen, anhaltenden Ha&szlig; wider die S&uuml;nde 
fassen, und sich auf solche Weise gr&uuml;ndlich von ihr lossagen kann. 
Woraus sich also ergibt, da&szlig; das Gesetz, und die vom Gesetz erforderte 
Gerechtigkeit durch Christum und den Glauben an Ihn nicht hintangesetzt, 
sondern zu Ehren gebracht wird. Daher verbirgt sich auch sonst der gro&szlig;e 
Unterschied nicht. Bei dem einen Teil ist auch der Sinn und Wille fleischlich, 
begehrt GOtt nicht zu gefallen, ist dem Gesetz GOttes nicht untertan, ha&szlig;t 
GOttes Gericht, vermag die S&uuml;nde nicht zu verdammen und gr&uuml;ndlich 
zu hassen, hat keinen Sinn darauf, da&szlig; er des HErrn JEsu zu sein, 
und aus dessen Lebenskraft GOtt Frucht zu bringen begehrte. Der andere 
Teil aber sinnt dem nach, was des Geistes nach immer v&ouml;lliger, schneller, 
gr&uuml;ndlicher von der S&uuml;nde abziehen, hat an Christo JEsu und an 
allem Rat GOttes, wie die S&uuml;nde verdammt, und die vom Gesetz erforderte 
Gerechtigkeit in uns vollbracht werden solle, seines Herzens Freude, und 
Verlangen, da&szlig; nur das bei ihm zu Stande komme. Durch solches Auseinandersetzen 
der inneren Erfahrungen mu&szlig; man ge&auml;ngsteten Herzen Lust machen, 
und sie versichern, da&szlig; sie in einem anderen Zustand seine, einen 
anderen Sinn haben, ob es gleich noch im Kampfe steht. Beim geistlichen 
Sinn ist aus der Rechtfertigungs = Gnade Leben und aus dieser uns nun auch 
in der Erneuerung fortleitenden Gnade hat man Frieden, einen kindlichen, 
dem&uuml;tigen Sinn, unter diesem verordneten Kampfe hinzugehen. Der fleischliche 
Sinn aber hat an seinen L&uuml;sten selbst den Tod, und wird durch die 
Verdammung des Gesetzes auch immer zum Tode verurteilt. Bei seinem Ha&szlig; 
wider solches Gericht GOttes, bei seinem Unverm&ouml;gen, dem Gesetz GOttes 
untertan zu sein, wird die Feindschaft wider GOtt immer mehr gereizt; und 
wenn man sich dabei schon auch oft hinstellt, wie Kain mit seinem Opfer, 
und sagt: ich tue, was menschenm&ouml;glich ist, so kann doch GOtt kein 
Wohlgefallen daran haben. Auf das hin tut ihnen der Apostel den v&auml;terlichen 
Zuspruch: ihr seid nicht fleischlich, sondern geistlich, und durch den 
Beisatz: so anders GOttes Geist in euch wohnt, verh&uuml;tet er, da&szlig; 
sie sich nicht faulerweise auf dies sein Zeugnis hinlehnen, sondern in 
der Pr&uuml;fung ihrer selbst doch wacker seien. Christi Geist mu&szlig; 
es einem am besten entscheiden, da&szlig; man Sein ist; wie es der Heiland 
selbst schon seinen J&uuml;ngern als ihren Pfingst = Segen verhei&szlig;en 
hat: an demselbigen Tage werdet ihr erkennen, da&szlig; ihr in mir und 
ich in euch bin. Auch der Leib, das ganze Beh&auml;ltnis des Jammers, unter 
dem wir gefangen sind, darf uns nicht daran irren; der ist freilich tot 
um der S&uuml;nde willen, dem ist nie keine Frucht davon zugesagt gewesen. 
Aber der vom Fleisch und Leib abgezogene inwendige Mensch, euer edelstes 
Ich, der Geist, bleibt vom Tod unangefochten, gewinnt vielmehr durch die 
Erl&ouml;sung vom Leibe dieses Todes etwas f&uuml;r sein Lebenskraft. Zuletzt 
aber wird auch das, was sonst am tiefsten von der S&uuml;nde durchdrungen 
gewesen ist, woran auch der Tod am l&auml;ngsten gehaftet hat, noch zum 
Leben und Herrlichkeit nachgeholt werden, und wir uns also ganz, an Geist 
samt Seele und Leib, so vom Heil GOttes durchdrungen finden, als durchdrungen 
von der S&uuml;nde und Tod wir uns vorher beseufzt haben. Wie gern soll 
Einer alle Sorgfalt auf das zarte Leben und den Trieb des Geistes verwenden, 
weil so viel zur jetzigen Befriedigung und zur k&uuml;nftigen Herrlichkeit 
daran liegt. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 8,12-17</font></b></h4> 
 
<p><b>Nun beschreibt der Apostel den guten Zustand derer, die nach dem Geist 
wandeln, mehr nach seiner bl&uuml;henden und fr&ouml;hlichen Seite, wie 
sich dabei ein kindlich williger Gehorsam und gelassene Gesch&auml;ftigkeit 
(V.12-V.14), eine gem&auml;&szlig;e Zuversicht und Freudigkeit im Gebet 
(V.15), eine stets unterhaltene Gewi&szlig;heit von der Kindschaft GOttes 
(V.16), und der rechte Sinn, unter Verpflichtung zur Kreuzesgemeinschaft, 
seine Hoffnung zur Herrlichkeit immer mehr zu bew&auml;hren (V.17), in 
gutem Wachstum finde.</b> 
 
<p>Bei einem Fleischlichen, in welchem kein Verm&ouml;gen ist, dem Gesetz 
GOttes untertan zu sein, macht es leicht seine Feindschaft wider GOtt rege, 
wenn er ernstlich an seine Schuldigkeit erinnert wird. Geistliche Menschen 
aber k&ouml;nnen nun mit Gelassenheit h&ouml;ren, was ihre Schuldigkeit 
ausweise. Und zwar richtet der Apostel seinen Ausdruck nach der kurz zuvor 
ausgestandenen S&uuml;nden = Not, wor&uuml;ber einen die Furcht ankommen 
m&ouml;chte: du wirst eben doch wieder vom Fleisch, von deinen Gewohnheiten, 
von den zusammenschlagenden Umst&auml;nden dahingerissen werden. Aber da 
wehrt der Apostel und sagt: Nein, du bist nicht schuldig, dieser Not zu 
weichen. Ja er jagt gegen die unrechtm&auml;&szlig;ige Furcht eine Rechtm&auml;&szlig;ige 
Furcht ein, und sagt: So ihr nach dem Fleisch lebt, so werdet ihr sterben 
m&uuml;ssen. Ist der Mensch im Stande der Unschuld unter der Verwahrung 
solcher Warnungen gestanden, so ist man auch bei diesem wieder erneuerten 
Stand der Gnade dem nicht enthoben, da&szlig; einen ein solches Wort angreife. 
Dann achtet man auch desto besser auf die Unterweisung des richtigen Weges, 
durch den Geist des Fleisches Gesch&auml;fte zu t&ouml;ten. Also: Nicht 
mit dem Gesetz das Fleisch t&ouml;ten, oder wider dessen Gesch&auml;fte 
k&auml;mpfen wollen, sondern durch Geist, durch den aus dem Evangelium 
empfangenen Geist Christi, aus Glauben und Erkenntnis des ganzen Prozesses, 
den GOtt der S&uuml;nde in Christo gemacht hat! Aber auch mit diesem Geist 
die S&uuml;nde nicht wegblasen, nicht wie eine M&uuml;cke wegscheuchen 
wollen, sondern des Fleisches Gesch&auml;fte t&ouml;ten! Da&szlig; also 
auf der einen Seite vom Geist her williger Gehorsam und Kraft, auf der 
anderen Seite aber vom Fleisch her doch Grauen und Gef&uuml;hl des Todes 
ist. Aber das uns geschenkte Leben ist wert, unter solchem &ouml;fteren 
Kampf behauptet zu werden, und wird uns also als eine davon gebrachte Beute 
immer teurer. Des Geistes Treiben ist besonders auch unter solchem F&uuml;hren 
auf den Kampfplatz, wie bei unserem lieben Heiland in die Versuchungs = 
W&uuml;ste. Und das Zeugnis und der Zuruf: die sind GOttes Kinder, mehrt 
den Mut im Kampf. Wenn schon der Heilige Geist im Anfang der Bekehrung 
auch unter der Furcht aus dem Gesetz sein Gesch&auml;ft gehabt, und uns 
darunter des Evangelischen Trostes f&auml;hig gemacht hat, so soll man 
doch weiterhin keine Demut daraus machen, da&szlig; man sich der Gnade 
des Evangeliums, und der daraus flie&szlig;enden Freudigkeit nicht anma&szlig;en, 
und nur immer wieder in die Furcht kriechen wollte. Sondern die Furcht 
mu&szlig; durch die Liebe ausgetrieben werden, da&szlig; der kindliche 
Geist Raum gewinne, dessen Abba rufen uns durch alles Gedr&auml;nge hindurchbringt, 
und das, was unser eigener, neuer, an sich auch gewisser Geist nicht genug 
aus einander und in das Licht setzen k&ouml;nnte, durch sein Zeugnis schlichtet, 
und uns damit aus der Furcht immer mehr in die v&ouml;llige Liebe durchhilft. 
Wozu freilich auch die &Ouml;ffnung der Augen in die Hoffnung unsres Berufs 
Vieles beitr&auml;gt, die aber nicht schnell vom Kreuz herab nimmt, zu 
dessen Gemeinschaft man sich unter der vorigen S&uuml;nden = Not bequemt 
hat, sondern und darunter erquickt, und in der Geduld erh&auml;lt. Die 
gr&ouml;&szlig;te Weisheit hat GOtt in das zu unserer Herrlichkeit verordnete 
Geheimnis des Kreuzes gelegt, und der gr&ouml;&szlig;te Beweis, da&szlig; 
nun mit Besiegung alles menschlichen und fleischlichen Sinnes der g&ouml;ttliche 
Sinn bei uns aufkomme, ist die Willigkeit, sich durch Leidens = Gemeinschaft 
zur Herrlichkeit bew&auml;hren zu lassen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 8,18-27</font></b></h4> 
 
<p><b>Diesen vollst&auml;ndigen Christen = Staat (Reichsgrundsatz), durch 
das Mitleiden zur Herrlichkeit bew&auml;hrt zu werden, f&uuml;hrt nun der 
Apostel umst&auml;ndlicher aus, und zeigt, wie die ganze Kreatur mitleide 
und mit auf die Herrlichkeit warte (V. 18-23), der Stand des Glaubens und 
Hoffens, der uns hier angewiesen ist, es nicht anders mit sich bringe, 
als da&szlig; wir im Gegenw&auml;rtigen nicht festen Fu&szlig; fassen, 
sondern auf das Unsichtbare sehen m&uuml;ssen (V. 24- 25), und oft Umst&auml;nde 
kommen, wo wir unsern Sinn in keine ausgedr&uuml;ckte Bitten bringen, sondern 
uns auf die vor GOtt aufgedeckte Verpflichtung zum Kreuzes =Sinn verlassen 
m&uuml;ssen, nach welcher unsere unausgesprochenen Seufzer zu verstehen 
seien (V. 26-27).</b> 
 
<p>Eine dunkle Vorempfindung hat ein Jeder davon, da&szlig; diese Leben 
in keine Vergleichung komme mit dem zuk&uuml;nftigen und ewigen. Aber dieser 
Eindruck wird eben gar bald wieder von den L&uuml;sten unserer Natur, und 
von der Verdrossenheit zum Leiden verschlungen. Erst der Glaube, und der 
dabei aufgerichtete Kreuzes =Sinn oder Verpflichtung zum Mitdulden bringt 
es darin zur Festigkeit, da&szlig; alles zeitliche leicht, und mit dem 
Ewigen in keinen Wert zu setzen sei. In aller Kreatur finden sich Spuren 
von einem - dem Geburts =Schmerze &auml;hnlichen Warten oder Bem&uuml;hen 
auf einen Zweck, der aber immer durch dazwischen kommende andere Umst&auml;nde 
unterbrochen und vereitelt wird. Die Kreatur bringt immer eines aus dem 
anderen hervor, und ist in einem Bem&uuml;hen. Aber es wird eben nie etwas 
Unverwesliches und Unverg&auml;ngliches daraus. Der um der S&uuml;nde willen 
eingedrungene Fluch unterbricht Alles wieder, und zieht es in Not und Untergang, 
und das oft desto schneller, je mehr der Menschen Mi&szlig;brauch dazu 
kommt. Das geht mit der Kreatur ohne ihren Willen vor, oder darin geht 
es nicht nach der ersten Absicht Dessen, der ihr durch seinen Willen das 
Wesen gegeben, und dabei auch einen Eindruck von ihrer Bestimmung beigebracht 
hat. Doch ist jetzt ein Rat und eine weitergehende Absicht Dessen darunter, 
der sie auf Hoffnung unterworfen hat. Diese Absicht GOttes n&auml;mlich 
und die darauf sich gr&uuml;ndende Hoffnung der Kreatur geht dahin, da&szlig; 
sie von diesem Umlauf der immer gesch&auml;ftigen und eben so bald wieder 
vereitelten Bem&uuml;hungen frei werden wird, und an der Offenbarung der 
Kinder GOttes und ihrer Herrlichkeit auch Anteil bekommen, ja selbst auch 
ein St&uuml;ck vom herrlichen Erbe derselben ausmachen wird. W&uuml;&szlig;te 
es ein Mensch schon nicht just so von sich selbst, oder k&ouml;nnte es 
nicht so ausdr&uuml;cken, so kann er doch, wenn es ihm das Wort GOttes 
so verspricht, bald beipflichten, und bei Stille und Nachdenken &uuml;ber 
den Tod der Eitelkeit in der Welt, bald merken, wie das nicht das Einzige 
und Letzte sein kann, was sich GOtt mit seiner Kreatur vorgenommen hat; 
sondern wie das Herz und Ohr Dessen, der sich aller seiner Werke erbarmt, 
und auf den Aller Augen warten, das Sehnen derselben nicht so verschmachten 
lassen wird, sondern ihm (dem Sehnen) ein erw&uuml;nschtes Ziel gesetzt 
haben wird. Von dem Geist GOttes ist in seiner Art der ganze Welt = Kreis 
voll, und es ist so wenig unw&uuml;rdig zu sagen, da&szlig; der Geist GOttes 
sein Gesch&auml;ft unter dem Seufzen der Kreatur habe, als da&szlig; es 
die Schrift GOtt zum Ruhm rechnet, da&szlig; alles Fleisch zu Ihm komme, 
und Er das Rufen der jungen Raben h&ouml;re. Aber freilich machen die Erstlinge 
des Geistes oder der - den Kindern GOttes, dem Erstling der Kreatur, geschenkte 
kindliche Geist, einen gro&szlig;en Unterschied zwischen der Kreaturen 
Seufzern, und zwischen der Braut ihrem in des Geistes Kraft gesprochenem: 
Komm ! (Offb. 22, 17), wo kein Tod mehr sein wird, und unsere &uuml;brigen 
Kindschafts =Rechte in volles Licht gesetzt sein werden. Unter dieses Geistes 
Gnade, Treiben, Gesch&auml;ft, Tr&ouml;stungen sind wir freilich selig; 
aber so, da&szlig; dabei immer noch Vieles zu hoffen &uuml;brig bleibt. 
Bei der Hoffnung ist ein erwartetes Gut und hinl&auml;ngliche Versicherung 
davon; aber der Verzug geht doch nicht ohne Leiden und Herzens = Be&auml;ngstigungen 
ab. Wo nun die Empfindung unter dem Leiden und das Grauen vor dem Leiden, 
mit der Zuversicht &uuml;ber das Zuk&uuml;nftige, in ein merkliches Ringen 
kommt, da entsteht die Schwachheit daraus, in welcher man nicht wei&szlig;, 
was man beten soll. Das tr&uuml;be Durcheinanderlaufen mehrerer Gedanken, 
mit Ungewi&szlig;heit, auf welchem man bleiben, welchem man zuerst aussprechen 
soll (Joh. 12, 27). Der zum Leiden willige Geist und das mit Grauen vor 
dem Leiden behaftete Fleisch sto&szlig;en so zusammen, wie bei dem Leiden 
unseres Heilands am &Ouml;lberg; und wir wissen noch weniger, was dem Vater 
zu tun m&ouml;glich ist, und wie weit wir im Beten gehen d&uuml;rfen. Da 
tut der Geist &uuml;ber unseren Begriff hinaus das Beste, und hilft allen 
unseren Sorgen und Zweifeln ab mit Seufzern, darin nicht alles ausgesprochen 
werden darf, sondern darin mehr als in einer in Ausdruck gebrachten Rede 
neben einander herlaufen kann. Un d was uns daran unaussprechlich ist, 
das benimmt ihrem Wert vor GOtt gar nichts, da&szlig; dieser vielmehr an 
des Herzens Grunde seine Lust ersieht, darin wir dem G&ouml;ttlichen den 
Vorzug so weit &uuml;ber das menschliche geben, und uns als Kreuz = Heilige, 
als wunderbar gef&uuml;hrte heilige zum Niedrigsten bequemen, und doch 
zugleich &uuml;ber der Hoffnung des Herrlichsten halten. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 8,28-39</font></b></h4> 
 
<p><b>Das bisherige hat Anweisung genug geben k&ouml;nnen, wie man es bei 
seinem Christentum nicht zu leicht, und nicht zu schwer nehmen, sich's 
nicht zu traurig, und nicht zu fr&ouml;hlich vorstellen soll; sondern mit 
der Gnade, in die man zu stehen gekommen ist, durch alle von der S&uuml;nde, 
Gesetz, Tod und Leiden dieser Zeit erregte Not durchbrechen, und zum gegenw&auml;rtigen 
Genu&szlig; des Heils immer auch die wichtige Hoffnung des Zuk&uuml;nftigen 
nehmen m&uuml;sse. Jetzt macht Paulus vollends einen fr&ouml;hlichen Beschlu&szlig;, 
wie es unter diesem Allem doch bei dem oben Kap. 5, 3.11. versicherten 
Ruhm an GOtt unter den Tr&uuml;bsalen bleibe, da&szlig; sich nun also der 
oben Kap.5 angefangene k&ouml;stliche Ring wieder an seinen Anfang schlie&szlig;t.</b> 
 
<p>Auch bei jenem Nichtwissen (V.26), und gegen dasselbige ist es gut, 
da&szlig; wir uns nur so in GOttes Vorsehung versenken d&uuml;rfen, und 
versichert sein k&ouml;nnen, da&szlig; denen, die in Liebe &uuml;ber Alles 
hinein GOtt auf seinen Vorsatz trauen, Alles einen Vorschub zum Heil tun 
mu&szlig;. Liebe macht den Stein, an dem sich Andere sto&szlig;en, den 
Stein der Erw&auml;hlung und des Vorsatzes GOttes, zu einem sanften Haupt 
= Kissen, und seiht dabei den Himmel offen, wie Jakob auf seiner reise. 
Der Vorsatz ist tief in GOtt verborgen, aber der Beruf ist der Ausdruck 
davon. Siehe auf den Beruf, so siehst du dabei GOtt ins Herz. Bleibe an 
dem Beruf, so bleibst du an dem - aus allen diesen Himmels = F&auml;den 
zusammen gewundenen Liebes = Seil. Denn welche Er zuvor ersehen, und die 
Liebes = Neigung zu ihnen gewonnen hat, sie zum ewigen Leben zu erhalten, 
die hat Er auch verordnet, und es &uuml;ber sie best&auml;tigt, da&szlig; 
es mit ihnen zu dem frohen Ziel der Kindschaft und Erbschaft GOttes hinanreichen 
soll, und da&szlig; sie durch Alles dazu gef&ouml;rdert, und vor allem 
Nachteiligen bewahrt werden sollen. Von einem solchen &uuml;ber dir waltenden 
Gnaden = Vorsatz GOttes aber macht dich der Beruf im Evangelium gewi&szlig;, 
die Kraft so es an deinem Herzen beweist, dich von der Welt abzuziehen, 
der gehorsam, den es dir abgewinnt, die Geduld, dazu es dich st&auml;rkt, 
best&auml;tigen es insgesamt, da&szlig;, welche Er verordnet hat, die hat 
Er auch berufen. Welche Er aber berufen hat, die hat Er auch gerecht und 
herrlich gemacht. Kommt den aber nie etwas dazwischen? gibt es keinen R&uuml;ckfall? 
bleibt Keiner stecken? Der Apostel hat freilich damit nicht geschwind einen 
Satz aufstellen wollen, da&szlig; es nach einmal angenommenem Beruf nimmer 
fehlen k&ouml;nne, auf das hin man sich auf die faule Seite legen k&ouml;nnte. 
Aber redlichen Seelen hat Er doch damit einen Faden in die Hand gegeben, 
an dem sie bei dem - ihnen verordneten Lauf richtig fortlaufen k&ouml;nnten. 
Darum redet er, wie Einer, der schon vom Ziel auf seinen gek&auml;mpften 
Kampf und gehaltenen Glauben zur&uuml;cksieht. Was will man hierzu sagen? 
Was will man weiter fordern? Was kann unser Herz, wenn es auch ungl&auml;ubig 
sein m&ouml;chte, dagegen einwenden? Hat GOtt seines eigenen Sohnes nicht 
verschont, wie sollte Er uns mit Ihm nicht Alles schenken? Hat GOtt seinen 
Sohn f&uuml;r uns dahin gegeben, wer will die Auserw&auml;hlten GOttes 
&uuml;ber dem belangen oder beschuldigen, was schon durch die Hingabe des 
Sohnes GOttes um ihrer S&uuml;nde willen getilgt ist? GOtt ist hie, der 
da gerecht macht, wer will verdammen? Wenn auch t&auml;glich vorkommende 
Gebrechen den Glauben an die vormalige Vers&ouml;hnung und an die daraus 
flie&szlig;ende Vergebung schwer machen, wenn das Gesetz mit meinem Glauben 
k&auml;mpft, und den Geist der Kindschaft in mir d&auml;mpft, so verteidigt 
GOtt selbst seine Rechtfertigung wider alle Widerspr&uuml;che. Christus 
ist hie, der gestorben ist: ja vielmehr, der auch auferweckt ist, welcher 
ist zur Rechten GOttes, und vertritt uns; wer will uns scheiden von der 
Liebe GOttes? Es ist mit Christo und seinem Werk f&uuml;r uns und an uns 
immer weiter gekommen, da&szlig; nichts Feindseliges es mehr erreichen 
kann. Aus Christi Tod, Auferstehung, Sitzen zur rechten Hand GOttes und 
hohepriesterlicher F&uuml;rbitte wird die fortdauernde Vereinigung mit 
der Liebe GOttes hergeleitet. Die Liebe GOttes gegen uns, und ihre Festigkeit 
ist der Grund, da&szlig; wir nicht geschieden werden k&ouml;nnen. Aber 
die von uns erkannte Liebe GOttes, die uns auch unsere Liebe abgewonnen 
hat, ist der Grund von der Zuversicht und Gewi&szlig;heit, darin wir stehen. 
Leiden und die sich dahinter steckenden Feinde macht der Apostel st&uuml;ckweise 
namhaft, damit man sich es auch einfallen lasse, was sich noch an uns wagen 
k&ouml;nnte. - Schwert war Pauli eigene Todes =Art, die er nicht ohne geheime 
Ahnung hier vor anderen nennt. Die erste Klasse der Seligen ist meist von 
denen voll, die eines gewaltsamen Todes &uuml;ber dem Wort und der Wahrheit 
GOttes gestorben sind (Offb. 6,11#20,4). Einer der mi&szlig;lichsten Umst&auml;nde 
heutiger Zeit ist, da&szlig; der Leidens = Sinn so abnimmt. Sobald &uuml;ber 
eine gute Sache, &uuml;ber einen Zeugen der Wahrheit die geringste Schmach 
ergeht, sobald wird man stutzig. Deswegen ist der Umgang mit seinen Welt 
= Leuten so sch&auml;dlich, weil sie ihre Feindschaft wider JEsu Kreuz 
so k&uuml;nstlich einschw&auml;tzen k&ouml;nnen, und so etwas unterschieden, 
wie wenn man da w&auml;re, sein Leben zu erhalten, nicht aber, sich als 
ein Schlacht = Schaf zu achten. In Allem &uuml;berwinden wir durch Den, 
der uns geliebt hat, und der uns nun auch aus Liebe unter allen Widerw&auml;rtigkeiten 
so bew&auml;hrt, da&szlig; der Ankl&auml;ger zu Schanden wird (Offb. 12, 
11). Der Tod kann uns nicht scheiden, denn Christus ist gestorben. Das 
Leben ist uns nicht nachteilig: denn Christus ist auferweckt. Denke nicht: 
w&auml;re ich nur in meiner Jugend gestorben! wuchs ich nicht in immer 
gef&auml;hrlichere Jahre und Zeiten hinein! JEsu Leben in der Herrlichkeit 
ist dir m&auml;chtiger Schutz genug. &Uuml;ber Engel, F&uuml;rstentum und 
Gewalt, Gegenw&auml;rtiges und Zuk&uuml;nftiges, Hohes und Tiefes reicht 
JEsu Sitzen zur rechten Hand GOttes. Hat es nur mit dem Anhangen deiner 
Seele an Ihm seine gute Richtigkeit; an dem Erhalten Seiner rechten Hand 
wird es gewi&szlig; nicht fehlen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 9,1-5</font></b></h4> 
 
<p><b>Hier f&auml;ngt der dritte Hauptteil der Epistel an, der das 9te, 10te 
und 11te Kapitel in sich begreift, und eigentlich auf das geht, wie das 
Evangelium als eine GOttes = Kraft zum Seligmachen Juden und Heiden angeboten 
werde. Hierbei bezeugt Paulus 1) seine herzliche Liebe f&uuml;r sein Volk, 
und lehnt damit den Vorwurf ab, als ob ihr Verfolgungs = Geist ihn auch 
bitter wider sie gemacht h&auml;tte, (V.1-5)</b> 
 
<p>Nicht aus fleischlicher Gef&auml;lligkeit oder Begierde, sich einzuschmeicheln, 
sondern aus zartem Bedacht auf ihr Herz und Gewissen, l&auml;&szlig;t der 
Apostel diese Versicherung vorangehen. Es ist nicht um gro&szlig;en und 
schnellen Beifall zu tun; aber es ist doch sehr daran gelegen, da&szlig; 
wir und die Ohren und Herzen nicht verschlie&szlig;en, oder etwas, das 
zu deren &Ouml;ffnung dienen k&ouml;nnte, unterlassen. Eifer f&uuml;r GOttes 
Ehre und Anderer Heil hat Paulus so &uuml;bernommen, da&szlig; er dar&uuml;ber 
seiner wie vergessen hat. An Israels Vorzug, an der G&uuml;ltigkeit der 
Verhei&szlig;ungen GOttes, auf welche sich dieser gr&uuml;ndet, an ihrem 
Anteil an Christo, dem Kern aller Verhei&szlig;ungen, begehrt der Apostel 
ja nichts zu schm&auml;lern; aber auf das m&ouml;chte er sie leiten, da&szlig; 
alle Verhei&szlig;ungen GOttes nach der Gnaden = Ordnung zu verstehen und 
zu behandeln, nicht aber in Hochmut zu verwenden seien. Deswegen beweist 
er nun: (vgl. Kommentar zu Kapitel 9,6-13) 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 9,6-13</font></b></h4> 
 
<p><b>Weiter 2) da&szlig; GOttes Verhei&szlig;ungen &uuml;ber Israel nach 
GOttes Sinn und Vorsatz, und nicht nach der Juden Eigensinn erf&uuml;llt 
werden, und da&szlig; sich mithin nicht zu verwundern sei, wenn nicht alle 
Juden zum Heil gelangen.</b> 
 
<p>Die fleischlich gesinnten Juden stie&szlig;en sich an der - im Evangelium 
den Heiden angebotenen Gnade, und da&szlig; diesen nun, ohne Eingang durch 
die Gemeinschaft der j&uuml;dischen Kirche, die T&uuml;r des Glaubens aufgetan 
sein soll. Darum zeigt ihnen der Apostel aus der Geschichte ihrer V&auml;ter, 
wie GOtt seine Verhei&szlig;ung niemals an die fleischliche Abstammung 
aus einem Samen oder Herkunft von einem Volk angebunden habe, sondern da&szlig; 
es immer nach Gnaden = Wegen und nach Wahl des Berufers gegangen sei. Allen 
bisher gewonnenen Vorzug, und da&szlig; noch bis auf Christum und die Predigt 
seiner Apostel hinaus ihnen zuerst das Heil angetragen worden sei, haben 
sie ja nicht einmal dem Verdienst ihrer V&auml;ter, viel weniger ihren 
eigenen guten Werken, sondern blo&szlig; der Gnade des Berufers zu danken. 
Wenn sie aber nicht so viel gebeugten Verstand brauchen und erkennen wollten, 
da&szlig;, so wenig bisher sie Alle ein wahres Israel gewesen seien, so 
wenig werden sie es k&uuml;nftighin allein sein und bleiben; sondern sie 
werden GOtt in seiner Berufers = Gnade an die Heiden Raum lassen m&uuml;ssen; 
wenn sie nicht zu so viel gebeugter Einsicht kommen, so werde ihnen nicht 
nur die jetzige, &uuml;ber die Heiden sich ausbreitende, Gnade des Evangeliums 
ein Stachel, wider den hinauszuschlagen nicht gut tun werde, sondern sie 
zeigen damit, da&szlig; sie auch die ganze bisherige Haushaltung GOttes 
unter ihnen selbst gar nicht recht angesehen haben. Denn diese sei nie 
dahin gegangen, Andere auszuschlie&szlig;en, sondern nur bei ihnen den 
Anfang zu machen, und Andere durch sie zu reizen und einzuladen. Denn so 
war auch das, was von Esau hei&szlig;t: ihn geha&szlig;t, eigentlich nur 
ein Zur&uuml;cksetzen, wodurch GOtt zeigte, da&szlig; Er nicht an die fleischliche 
Erstgeburt sich binde. Wenn aber Esau oder einer seiner Nachkommen an Jakob 
die Gnade und auch das dem&uuml;tige, gnadenm&auml;&szlig;ige Behandeln 
derselben, und besonders die Kreuzes = Wege, auf welchen GOtt seine Liebe 
f&uuml;r Jakob ausgef&uuml;hrt hat, verstehen und ehren lernte; so hat 
er auch wieder zu diesem Bruder und seinen H&uuml;tten nahen, oder an der 
Gnade desselbigen Anteil nehmen k&ouml;nnen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 9,14-29</font></b></h4> 
 
<p><b>Was nun 3) der fleischlichen Juden rechthaberischer Sinn dagegen einwenden 
mochte, das fertigt der Apostel sehr scharf ab, und behauptet, da&szlig; 
die Heiden nicht so auszuschlie&szlig;en seien, wie sie meinen.</b> 
 
<p>Der Mensch kann nicht viel mit Geduld von GOttes Vorsatz und Auswahl 
h&ouml;ren: er ist gleich schnell zum Reden; daher kommen die &ouml;fteren 
Anfragen: was wollen wir denn sagen, oder einwenden? Aller Menschen Partie, 
auch eines Esaus, nimmt unser ungebrochenes Herz eher, nur nicht GOttes. 
Der Mensch ger&auml;t so leicht in die Versuchung, &uuml;ber GOtt Arges 
zu denken. Er hat ein gar eigenes Interesse darunter f&uuml;r sein rechthaberisches 
Herz, das l&auml;&szlig;t sich auf: was macht denn GOtt f&uuml;r einen 
unbilligen Unterschied zwischen Solchen, die weder B&ouml;ses noch Gutes 
getan haben? das sei ferne. GOtt ist ja Keinem etwas schuldig. Mithin hat 
Esau bei Jakobs Vorzug nicht &uuml;ber Unrecht zu klagen. Auch Esau und 
seine Nachkommen haben Handleitung zum Heil genug bekommen, wenn GOtt schon 
durch seinen Beruf den Jakob so hervorgezogen hat. Esau hat hernach Jakob 
selbst sehen und lernen k&ouml;nnen, wie geschmeidig man mit der Verhei&szlig;ung 
umgehen m&uuml;sse; und wie sich mit dem verhei&szlig;enen Segen nicht 
in fleischlichem Sinn &uuml;ber Alles hineinfahren lasse. Weil nun aber 
freilich der Mensch hierin seinen Kopf so hart setzt, so mu&szlig; er oft 
auch hart abgefertigt werden. Es verh&auml;lt sich aber mit dergleichen 
Stellen, wie mit der Wolken = S&auml;ule, die sich zwischen das Heer der 
&Auml;gypter und das Heer Israel stellte, und gegen die &Auml;gypter eine 
finstere Wolke war, gegen Israel aber Licht machte. So haben diese Spr&uuml;che 
zwei Seiten; gegen die Gl&auml;ubigen, die GOtt und seiner Gnade trauen, 
geben sie einen lieblichen sanften Sinn; denen aber, die lieber mit ihren 
Werken aufkommen m&ouml;chten, stehen sie freilich als eine finstere Wolke 
da. So viel einem Menschen diese Spr&uuml;che noch hart d&uuml;nken, so 
viel steckt er noch in eigener Gerechtigkeit; so friedlich man aber damit 
auskommen kann, so weit ruht das Herz ganz in der Gnade. - Der Apostel 
f&auml;hrt aber fort, und sagt: La&szlig;t euch das nicht als etwas Neues 
an mir befremden. Ihr habt ja schon in Mose solche Spr&uuml;che, die den 
Menschen ganz herabsetzen, und Alles auf die Gnade f&uuml;hren. Als Moses 
n&auml;mlich f&uuml;r sich und das verschuldete Volk um Gnade bat, so bekam 
er zuletzt auch den Bescheid: Dir, dem ich einmal Gnade zu beweisen angefangen 
habe, und der du es auch daf&uuml;r erkennst, werde ich weiter gn&auml;dig 
sein; und die Barmherzigkeit die ich einmal mit Verschonen des Volkes angefangen 
habe, soll auch noch weiter reichen. DA hat es einen lichten, tr&ouml;stlichen 
Sinn. Aber f&uuml;r einen, der mit Werken umgeht, und der Gnade nicht trauen 
will, steht es als eine finstere Wolke da. Gegen einen solchen behauptet 
es: Niemand kann GOtt etwas abzwingen; wenn Er es nicht tut, so kann man 
Ihn nicht der Ungerechtigkeit beschuldigen. Es ist Alles Gnade. - Dem Wollen 
und Laufen bleibt auch das Lob, welches es sonst in der Schrift hat, n&auml;mlich 
ein vom Beruf GOttes erwecktes wollen, ein mit GOttes Wirkung verbundenes 
Laufen. Aber wo man eigenm&auml;chtig will, wie Esau, nicht gnadenm&auml;&szlig;ig; 
wenn man will, was man das einemal schon verkauft und verachtet hat; wo 
man ein gezwungenes Laufen der Werkbeflissenen gegen die Gnade aufstellen 
will, da mu&szlig; man es so niederschlagen. Wem dies Spr&uuml;chlein von 
Herzen lieb ist, bei dem ist der Fels gesprungen, an dem sich sonst Mancher 
st&ouml;&szlig;t. Ehe ihr euch so wider das Evangelium und den Gnaden = 
Ruhm daraus aufla&szlig;t, so werdet nur vorerst mit den Spr&uuml;chen 
fertig, die ihr im Alten Testament, in der von euch als GOttes Wort erkannten 
Schrift, findet. Was steht von Pharao, warum ihn GOtt so lange haben stehen 
lassen? da&szlig; &uuml;ber der aufgehobenen, aber endlich gesch&auml;rften 
Strafe, GOttes Macht erkannt und angepriesen w&uuml;rde. Das Erbarmen und 
Verstocken setzt der Apostel hier blo&szlig; auf GOttes Willen aus, nicht 
als ob er die heilige und sonst im Wort GOttes so oft bezeugte Ordnung 
leugnete, sondern er redet hier so kurz und scharf, damit der Mensch sehe, 
er habe keine andere Wahl, als entweder der Gnade zu leben, so lange er 
sich noch von derselben gezogen findet; oder aber, wenn er das nicht will, 
es darauf ankommen zu lassen, wie ihm sein Herz immer mehr verh&auml;rtet, 
und wie GOtt auch zuletzt sein richterliches Siegel darauf dr&uuml;ckt, 
und einen Weg einschl&auml;gt, da&szlig; ein solcher Harter zum Beweis 
der g&ouml;ttlichen Macht auch auf harte Weise zerbrochen werden mu&szlig;. 
Ein Vater hat oft gute Ursachen, aber zur Dem&uuml;tigung des Kindes beruft 
er sich blo&szlig; auf seinen Willen, und fordert Unterwerfung. - Durch 
die bisherigen Antworten nun wird ein neuer Einwurf gereizt: will mich 
GOtt anders haben, so mache Er mich anders; seinem Willen kann ja Niemand 
widerstehen. Der Apostel antwortet hierauf doppelt; und beruft sich erstlich 
auf GOttes unumschr&auml;nkte Macht; zeigt aber gleich auch, da&szlig; 
sich GOtt derselben gegen Niemand, auch nicht einmal gegen die Gef&auml;&szlig;e 
des Zorns bedient habe. Dem, der mit GOtt rechten, Antwort auf Antwort 
haben, und zuletzt doch das letzte Wort behalten will, mu&szlig; zuerst 
mit der unumschr&auml;nkten Macht GOttes der Mund gestopft werden. Aber 
aus dieser Macht GOttes mu&szlig; man nicht gleich auch auf einen eben 
so unbedingten Schlu&szlig; seines Willens fallen. Denn GOtt hat ja nicht 
nach dieser seiner unumschr&auml;nkten Macht gehandelt. Er h&auml;tte das 
ganze menschliche Geschlecht in der S&uuml;nde und im Tod lassen k&ouml;nnen. 
Niemand h&auml;tte mit Ihm dar&uuml;ber rechten k&ouml;nnen, sondern Er 
h&auml;tte eben seine freie Macht darunter gebraucht. Aber das hat Er ja 
nicht getan, sondern hat Gnade vorwalten lassen. Nicht den von Natur &uuml;ber 
allen Menschen liegenden Zorn hat GOtt ausbrechen lassen; sondern erst 
der - auf die Verachtung der zuvor angebotenen Gnade gesetzte Zorn bricht 
aus an den vorher mit vieler Geduld getragenen Gef&auml;&szlig;en des Zorns. 
Unter dieser Geduld ist eine best&auml;ndige Anleitung zur Bu&szlig;e, 
nach dem allgemeinen gn&auml;digen Willen GOttes,. Nach welchem Er nicht 
will, da&szlig; jemand verloren werde. Aber &uuml;ber der Verachtung dieser 
Geduld kommt nun doch die Schuld auf den Menschen, die er nicht auf sich 
kommen lassen wollte; und es findet sich, da&szlig; er GOttes Willen widerstanden, 
und es wird offenbar, wie sich ein Mensch zurichten kann, der Alles ausschl&auml;gt, 
was ihm GOtt zu seinem heil anbietet, und wie er sich zum Nachgeben und 
beugen unter GOttes Gerechtigkeit immer unt&uuml;chtiger macht. Gleichwie 
es auch an den Gef&auml;&szlig;en der Barmherzigkeit nicht so ist, als 
ob sie GOtt von Natur besser gefunden h&auml;tte; sondern unter vielem 
Erweis seiner herrlichen Gnade an ihnen, unter vieler Kraft seines durch 
alle Hindernisse durchbrechenden Worts werden sie zu dem bereitet und t&uuml;chtig, 
was ihnen in GOttes Beruf angetragen ist. Mithin wird der Beruf, die Macht 
desselben am Herzen, der Gehorsam, so er einmal abgewinnt, der Trieb, den 
man daher hat, als der richtige Leitfaden in die Hand gegeben, an dem man 
eben bleiben soll. - Von da an mildert nun der Apostel seinen Vortrag wieder, 
und das er GOttes Recht und Macht so hoch getrieben hatte, so zeigt er 
nun auf gelindere Art, wie GOtt den Weg, seine Auswahl durch Beruf aus 
Juden und Heiden zusammen zu bringen, schon in machen Weissagungen des 
Alten Testaments angedeutet habe; mithin da&szlig; doch diese Haushaltung 
GOttes nicht so verborgen sei, da&szlig; man sich blo&szlig; mit GOttes 
Recht und Macht den Mund stopfen lassen m&uuml;&szlig;te, sondern da&szlig; 
man auch auf n&auml;here Spuren kommen k&ouml;nne, was Israel zum Fall 
gereicht habe. Die bei der assyrischen und babylonischen Gefangenschaft 
geschehene Zerstreuung der Juden unter alle V&ouml;lker war schon einen 
merkliche Vorbereitung auf die nachmals erfolgte Bekehrung der Heiden. 
Eines Teils kam Manches von der Hoffnung Israels dadurch auch zu der Heiden 
Kundschaft, und anderen teils mu&szlig;te Israel auch an sich selbst erkennen, 
wie oft durch Gerichte wiederum der Gnade und ihren Erweisungen Raum gemacht 
werden m&uuml;sse. Viele Juden blieben ohnehin auf immer in heidnischen 
L&auml;ndern zur&uuml;ck, und dorthin mu&szlig;te ihnen im Evangelium der 
neue Gnaden = Antrag nachgetragen werden, da denn GOttes Beruf freilich 
Juden und Heiden neben einander ergriff, wie sie neben einander wohnten. 
An der Menge, wie Sand am Meer, hat GOtt freilich kein Wohlgefallen, sondern 
bei der Menge ist vielmehr die Gefahr vor Mi&szlig;brauch seines Bundes 
desto gr&ouml;&szlig;er. Aber die &Uuml;brigen, seine Auswahl, seinen Samen 
bringt Er doch durch alle Zeiten durch. Die ungeschlachte Menge wird durch 
ein Verderben dahin gerissen, und an den &Uuml;brigen geschieht ein Steuern 
zur Gerechtigkeit, und damit zu ihrem Heil. Darin liegt der Unterschied 
zwischen den Gerichten GOttes &uuml;ber Sodom, und zwischen den Gerichten 
&uuml;ber sein Volk, wobei immer etwas zum Samen und k&uuml;nftiger Erf&uuml;llung 
seiner Verhei&szlig;ungen &uuml;brig bleibt. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 9,30-10,4</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel zeigt 4) wie GOtt die Heiden durch den Glauben zur Gerechtigkeit 
bringe, deren die Juden durch den Unglauben verfehlen, und &uuml;ber dem 
vergeblichen Aufrichten ihrer eigenen Gerechtigkeit sich so am Glaubens 
=Weg sto&szlig;en.</b> 
 
<p>Aus diesem und allem im zehnten Kapitel weiter Folgenden sieht man, 
da&szlig; wirklich die scharfen Ausdr&uuml;cke im Vorhergehenden neunten 
Kapitel nur zur Brechung des Trotzes in unserer Natur gemeint sind, der 
weg zur Gnade aber nach GOttes Vorsatz doch Allen offen steht. Aber vom 
eigenen Ruhm aus den Werken, und allen Pr&auml;tensionen an GOtt mu&szlig; 
man abstehen, sonst gibt es lauter Versto&szlig;, und oft am meisten bei 
denn, die sich beim Laufen am meisten angreifen. Das Neue Testament und 
der Vorhalt des Glaubens darin ist ja doch dem j&uuml;dischen Volk nicht 
zu schnell und pl&ouml;tzlich gekommen, da&szlig; sei sich nicht h&auml;tten 
fassen k&ouml;nnen, sondern es war ja schon mit ihrer ganzen vorigen Anstalt 
unter dem Gesetz auf nichts Anderes abgesehen, als sie zum Glauben vorzubereiten, 
und sie zu Christus, als dem Ende des Gesetzes, zu leiten. Bei nichts kann 
sich der Mensch so schm&uuml;cken, als bei dem Eifer, seine Gerechtigkeit 
aufzurichten. Da kann man sich oft selbst mit GOttes Namen bedecken, und 
unter dessen Vorwand sich doch des Heilandes GOttes erwehren. Das war kein 
geringer Teil vom Leiden JEsu, sonderlich in des Hohenpriesters Palast, 
der Ihn, aus Eifer um GOtt, bei dem lebendigen GOtt beschworen hat, und 
doch die Wahrheit GOttes bei sich in Ungerechtigkeit aufgehalten hat. In 
solchen unreinen Gewissen gibt es die gr&ouml;&szlig;te Verwirrung. GOttes 
Recht an sie, und wie sie sich vor der Offenbarung seines Zorns vom Himmel 
zu f&uuml;rchten Ursache h&auml;tten, und wie froh sie dabei sein sollten, 
da&szlig; sie unter die - im Evangelium verk&uuml;ndigte und auf Retten 
aus der S&uuml;nde eingerichtete Gerechtigkeit fliehen k&ouml;nnten, davon 
erkennen sie Eines so wenig als das Andere. Mithin, wenn sie schon GOtt 
zum Vorwand nehmen, so eifern sie doch mehr um das Eigene, das sie aus 
Unwissenheit f&uuml;r zul&auml;nglich halten; und wobei das Aufrichten 
ihrem Hochmut und Eigend&uuml;nkel schmeichelt. Aufrichten gef&auml;llt 
eben dem Menschen besser als untertan sein; und es war doch mit dem Gesetz 
vom Anfang nie darauf angesehen, da&szlig; der Mensch dadurch zur Gerechtigkeit 
und Leben kommen sollte; sondern da&szlig; ein Verlangen nach der Gnade 
erweckt, und sie zum Glauben an Christum geleitet w&uuml;rden. Sobald nun 
Jemand zu Christo flieht, so sieht er mit dem Gesetz hinaus und kommt zum 
Ende. Wie er es sonst angreift, wird er bei hunderterlei Ver&auml;nderungen 
nie fertig. Wer nun so das Aufrichten seiner eigenen Gerechtigkeit aufgibt, 
und sich hinter Christum stellt, der ist gerecht, so da&szlig; ihm auch 
das Gesetz Ruhe l&auml;&szlig;t. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 10,5-21</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel zeigt 5) wie dieser zur Seligkeit angewiesene Glaubens = 
Weg so leicht, f&uuml;r alle Menschen brauchbar, und ihnen so nahe gebracht 
sei.</b> 
 
<p>Zum Aufrichten ihrer eigenen Gerechtigkeit wollten sie wohl einen Vorwand 
von Mose und seinem Sagen nehmen: Welcher Mensch das tut, der wird darin 
leben. Aber Moses hat nicht gesagt, da&szlig; es Jemand von uns tun k&ouml;nne. 
Vielmehr hat Moses selbst schon viele auf die Gerechtigkeit aus dem Glauben 
leitende Ausspr&uuml;che getan, wie der Apostel einen dergleichen anf&uuml;hrt. 
Ein Mensch, der das, was er im Gesetz sucht, nicht aufbringen kann, und 
das, was ihm im Evangelium so nahe w&auml;re, nicht sieht, mu&szlig; zuletzt 
auf so schwierige Gedanken kommen, wie wenn in der H&ouml;he und in der 
Tiefe mit allem angewandten Ernst, nichts auszurichten w&auml;re, wobei 
man Ruhe f&uuml;r seine Seele f&auml;nde. Der Unglaube w&auml;re froh, 
wenn er die Schuld auf GOtt schiebe und vorgeben k&ouml;nnte, er wolle 
zwar, aber GOtt mache es einem zu schwer. Der Glaube hingegen ist froh, 
wenn er GOtt die Ehre geben und sagen kann, da&szlig; er ihm in Christo 
Alles nahe gebracht, und ihm einen brauchbaren Weg ge&ouml;ffnet habe. 
Zu Moses, zu Christi und zu allen Zeiten ist das ein Gesch&auml;ft des 
Unglaubens, da&szlig; man sich das wieder vom herzen weg in die ferne spielen 
will, was GOtt nahe bringt. Der Mensch geht lieber in Weitl&auml;ufigkeiten 
ein, als in das gute Vertrauen durch Christum zu GOtt. O! wer sich mit 
Glauben in den Tod und die Auferstehung Christi hinein legen lernt, und 
auf diesen Namen sich zu berufen anf&auml;ngt, was f&uuml;r Hilfe aus der 
S&uuml;nde, welche Gerechtigkeit und Freiheit vor dem zu Schanden werden, 
welche F&uuml;lle von Heil wird er finden. Das H&ouml;chste aber wird immer 
durch die niedrigsten Mittel nahe gebracht, damit der Geringe aus dem Staube 
aufgerichtet, der Hohe aber unter die niedrigen Mittel gedem&uuml;tigt 
werde. - Da&szlig; GOtt aber mit seiner Offenbarung und seinem Beruf sich 
nicht an die Juden allein halten werde, davon hat es schon in Mose und 
den Propheten Spuren genug gegeben. Moses hat ihnen schon so ein Lied aufzuheben 
gegeben, darin auf das gedeutet war, wie GOtt gegen die Tr&auml;gheit zum 
Glauben sie &uuml;ber einem anderen Volk wieder zum Eifer reizen wolle, 
wie es aber auch bei Vielen &uuml;ber der Mi&szlig;gunst, womit sie den 
Fortgang des Evangeliums ansehen, zu einem s&uuml;ndlichen Zorn ausschlagen 
werde. Und da sich bis in die Zeiten Jesajas hinein des j&uuml;dischen 
Volkes Undank und Widerspruchs = Geist noch viel weiter gezeigt hat, so 
ging auch dieser Knecht GOttes noch weiter in der Anzeige, wie das Reich 
GOttes von ihnen genommen, und denen w&uuml;rde gegeben werden, von welchen 
bessere Fr&uuml;chte zu erwarten w&auml;ren. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 11,1-10</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel zeigt 6), da&szlig; die &uuml;ber der Meisten Unglauben 
vorgehende Ver&auml;nderung mit ganzen V&ouml;lkern doch einzelnen Seelen 
unter einem solchen gro&szlig;en Haufen nichts schade nichts schade, sondern 
wer sich durch Gnade ziehen lasse, dem stehe immer der Glaubens = Weg offen; 
wie denn auch wirklich Viele von Israel sich auf diesem Glaubens =Weg befinden, 
und also mit ihrem Exempel best&auml;tigen, da&szlig; GOtt bei seiner Wahl 
der Gnade an Keinem vorbeigehe, der sich nur in die Gnadenwege schicken 
wolle.</b> 
 
<p>Es war ein gro&szlig;es &Auml;rgernis, da&szlig; die Juden damals das 
Evangelium so verfolgten, und den Lauf desselben aufhielten. Deswegen hat 
Paulus mit Sch&auml;rfe die Juden von ihren vermeinten Vorz&uuml;gen herunterst&uuml;rzen 
und zeigen m&uuml;ssen, da&szlig;, ob GOtt schon das Juden = Volk mit so 
gro&szlig;en Vorz&uuml;gen begabt, es doch seiner Seits immer aus Gnaden 
und nach der freien Verhei&szlig;ung geschehen, und ihrer Seits mit Glauben 
und Demut zu erkennen gewesen sei. Wer aber auf Vorz&uuml;ge trotzen wolle, 
der habe die wenigste T&uuml;chtigkeit zum Glauben, und falle also durch, 
er m&ouml;ge seinen Kopf so fest setzen, als er wolle. F&uuml;r die aber, 
die sich zum Glauben bequemten, habe ohne Schaden die &auml;u&szlig;erliche 
Haushaltung weggenommen werden k&ouml;nnen, da sie von der Menge so zum 
Eigend&uuml;nkel mi&szlig;braucht worden, und ohnehin immer darauf eingerichtet 
war, da&szlig; sie einer folgenden besseren Platz machen sollte. Da&szlig; 
sich aber damit GOttes Gnade nicht von allen Israeliten abgewendet, da 
beweist er an seinem Exempel, und auch an der Haushaltung GOttes mit seinem 
Volk zu den betr&uuml;bten Zeiten, wo doch immer noch ein &Uuml;briges 
geblieben, an dem die Gnade angelegt war. Pauli Exempel diente besonders 
zum Reis der freien Gnade, und zum Niederdr&uuml;cken alles aus den werken 
gesuchten Ruhms. Bei dem Zuvor = Ersehen dieses Volks hat GOtt freilich 
schon auch des gro&szlig;en Haufens Unglauben und Halsstarrigkeit gesehen, 
und wie ER daher seine Ehre an ihnen durch Gerichte w&uuml;rde suchen m&uuml;ssen; 
aber auch von dorther wieder auf Gnade herumlenken k&ouml;nnte. GOtt sieht 
weiter als der eifrigste Elias. Bei der gro&szlig;en Gleichf&ouml;rmigkeit 
der Wege GOttes, neben der Mannigfaltigkeit seiner Werke, gibt das Zur&uuml;ckdenken 
an die Gerichte GOttes von der Welt her viel Licht. O wie hat GOtt seine 
Verhei&szlig;ung immer durchgef&uuml;hrt! Aber man hat es erkennen m&uuml;ssen, 
da&szlig; es Gnade sei, da&szlig; es GOtt ohne Zutun der Menschen durchsetze, 
da&szlig; die am besten zurecht kommen, welche kindlich seiner Gnade leben. 
Der Artikel von der Gnade l&auml;uft durch Alles durch. Je nachdem jemand 
mit seinem herzen und Gewissen auf der Gnade steht, und darinnen ruht, 
so kann er sich auch in alle &uuml;brige Regierung GOttes schicken oder 
nicht, zufrieden sein, oder Ungeb&uuml;hrliches verlangen. Wer au&szlig;er 
dem Geleis der Gnade etwas sein und gelten will, wird verstockt, ger&auml;t 
in ein verdrie&szlig;liches, erm&uuml;dendes Wesen, und schl&auml;gt wohl 
gar ums sich, wenn man ihn daraus wecken will. Oft sind gar finstere Kr&auml;fte 
dahinter, wie bei Sauls b&ouml;sem Geist. Aber aus gerechtem Gericht wird 
es einem gegeben. Mit der Feinschaft wider das Evangelium zieht man sich 
einen solchen Zustand zu. GOtt mu&szlig; dem Menschen einen R&uuml;cken 
damit beugen, da&szlig; er es ihm nirgends auf seinen fleischlichen gro&szlig;tuerischen 
Sinn hinausgehen l&auml;&szlig;t. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 11,11-24</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel zeigt 7) wie w&auml;hrend der Verstockung der Meisten doch 
die &uuml;brigen Gl&auml;ubigen aus Israel und aus den Heiden zu einem 
Zeugnis da stehen, und GOttes Wohlmeinen mit Allem so rechtfertigen, da&szlig; 
es auch den im Unglauben Zur&uuml;ckbleibenden doch eine best&auml;ndige 
Reizung zum Glauben austragen k&ouml;nnte.</b> 
 
<p>GOtt will nicht, da&szlig; Jemand anlaufe oder falle, viel weniger 
verweigert Er einem etwas, wenn er es ernstlich sucht. GOtt will vielmehr, 
da&szlig; einem auch sein Fall noch zum Wiederaufstehen treibe; oder doch, 
da&szlig; inzwischen aus des einen Fall der Andere einen heilsamen Nutzen 
ziehe; und auf solche Weise Einer dem Andern eine Reizung zum Glauben werde. 
Wie ehemalen der Juden Gnade den Heiden eine Handleitung, GOtt zu suchen, 
sein sollte, so soll nun der Heiden Annahme die Juden reizen. Deswegen 
sollte aber der begnadigte Teil sich immer so gnadenm&auml;&szlig;ig auff&uuml;hren, 
da&szlig; es dem anderen ein gutes Exempel und Reizung sein kann. Das bittere 
Herz m&ouml;chte gern einen anderen b&ouml;sen Verdacht auf GOtt bringen. 
Aber der Apostel ist eifrig, GOttes Liebe zu rechtfertigen. Es hat ja freilich 
durch das Evangelium etwas aufgehen m&uuml;ssen, das einen neuen Eifer 
veranla&szlig;te; da sie &uuml;ber der Rede GOttes zu ihren V&auml;tern 
vor Tr&auml;gheit eingeschlafen waren. Welch ein Reichtum der Gnade mu&szlig; 
in GOtt sein, da&szlig; er auch das Leidigste noch zu so etwas Gutem herumzulenken 
sucht. Aber auch welch edle Demut, welch k&ouml;stliches Geschick, wenn 
man mit Paulus sein Amt so zu preisen, oder &uuml;berhaupt den Gnaden = 
Ruhm so zu f&uuml;hren wei&szlig;, da&szlig; es den Anderen nicht entr&uuml;sten 
und zur&uuml;ckschlagen, sondern einladen und herbeiziehen m&ouml;ge. Wo 
auf der einen Seite Begnadigte, und auf der anderen Seite Solche, die noch 
in der Natur zur&uuml;ck sind, beisammen leben m&uuml;ssen, da kann solcher 
grundweiche Herzens =Sinn ge&uuml;bt werden. Hat das die Juden &uuml;ber 
ihrem Unglauben betroffene Gericht eine f&uuml;r die Heidenschaft so vorteilhafte 
Ver&auml;nderung veranla&szlig;t; o! welch ein Leben aus den Toten, welch 
ein Anwehen toter und fast aus aller Hoffnung gefallenen Beine wird es 
sein, wenn sie wieder angenommen werden. Das noch schlechte Ansehen, das 
es zu einer ansehnlichen Bekehrung der Juden hat, darf Niemand abschrecken. 
GOtt wird auch hierbei, wie bei vielen seiner vorigen Wunder und Rettungen, 
mehr an die heilige Wurzel, an den mit den V&auml;tern gemachten ?und gedenken. 
In diesem Augenma&szlig; sind sie der Annahme f&auml;higer, als in den 
meist ver&auml;chtlichen Blicken, die wir auf das Juden = Volk tun. An 
den heutigen abgestandenen Christen schl&auml;gt es wieder gar deutlich 
hervor, aus welch wildem und ungeschlachten Wesen sie abstammen. Wenn die 
Heiden schon nicht durch Gemeinschaft der j&uuml;dischen Kirche in die 
Gnade des Evangeliums haben eingehen m&uuml;ssen, so haben sie es doch 
zu erkennen gehabt, da&szlig; sie auf der Juden Wurzel gepflanzt wurden. 
Aber gerade von Rom aus, wohin Paulus diese Warnung: sei nicht stolz, schreibt, 
ist nachher viel Stolz ausgegangen, auch zum &Auml;rgernis der Juden und 
zum Erschweren ihrer Bekehrung. Hagars Magd = Geist macht sich gro&szlig;, 
wenn er etwas empf&auml;ngt. Aber das ist der Weg hinausgesto&szlig;en 
zu werden. O wie viel besser, an der G&uuml;te bleiben, und durch die G&uuml;te 
des HErrn fest bleiben! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 11,25-36</font></b></h4> 
 
<p><b>Endlich und 8) gibt der Apostel einen h&ouml;chst bedenklichen Wink, 
wie Israels Verstockung nicht immer fortw&auml;hren, sondern das Juden 
= Volk noch so vom Unglauben werde befreit werden, da&szlig; von diesem 
neu aufgehenden Licht vollends die F&uuml;lle der Heiden werde herbeigezogen 
werden. Bei welcher Aussicht nun eine Jeder GOtt schon zum Voraus in seinen 
Wegen und Gerichten anzubeten, die Ausf&uuml;hrung aber GOtt zu &uuml;berlassen 
habe.</b> 
 
<p>Schon vorher hat der Apostel verh&uuml;tet, da&szlig; man die - dem 
Volk Israel widerfahrene Verstockung nicht dahin denke, als ob inzwischen 
nicht immer Manche, die sich zum Glauben reizen lassen wollten, wohl ankommen 
k&ouml;nnten. Jetzt geht er noch weiter, und sagt: Auch vom ganzen Volk 
hat sich die Haushaltung GOttes nicht auf immer abgewendet, sondern &uuml;ber 
das ganze Volk werden noch Zeiten der Erquickung kommen. Wie aber die Annahme 
der Heiden in den vorigen Zeiten ein Geheimnis war, ungeachtet Spuren davon 
genug im prophetischen Wort vorkommen, so ist auch jetzt diese f&uuml;r 
Israel auf die letzte Zeit aufbehaltene Gnade ein Geheimnis, davon GOtt 
aber denen, die auf seinen Rat und das Gesch&auml;ft seiner H&auml;nde 
merken, doch ein Licht nach dem anderen aus seinem Wort aufgehen l&auml;&szlig;t. 
Alsdann wird es auch bei den Heiden nimmer so einzeln und geteilt, sondern 
nach der F&uuml;lle hergehen. Dann n&auml;mlich wenn Israels neue Begnadigung 
alle Heiden locken wird, im Licht Jerusalems zu wandeln. &Uuml;berall aber 
wird es auf den schon lange gehabten Zweck GOttes hinausgehen: da&szlig; 
dem gottlosen Wesen gesteuert werde, welches bei dem Unglauben wider das 
Evangelium auf das H&ouml;chste steigt. O! was ist im Testament GOttes, 
in den Sch&auml;tzen seiner Gnade noch verschlossen, aber doch schon zugedacht 
und verschrieben. Dieses seines Testaments vergi&szlig;t GOtt nicht; aber 
auch der Ordnung nicht zu der sich die erben und Genossen der Gnade bequemen 
m&uuml;ssen. Zuerst haben die Juden die Zeit ihrer Heimsuchung nicht erkannt 
und gebraucht; &uuml;ber eine weile aber sich vor Neid &uuml;ber der Heiden 
Annahme noch tiefer in Unglauben gest&uuml;rzt. So geht es oft. Wer sein 
eigenes Heil vers&auml;umt, sieht auch Anderer Rettung mit Murren an. O 
wer nur je eher je lieber seine Gefangenschaft unter den Unglauben f&uuml;hlen, 
und sich unter solcher Not in GOttes Erbarmen werfen m&ouml;chte! An dem, 
da&szlig; GOtt Alles beschlossen hat unter den Unglauben, mit der Absicht, 
da&szlig; Er sich Aller erbarme, hat Er einen Reichtum von Barmherzigkeit, 
eine Tiefe von Weisheit und Erkenntnis bewiesen. Der Erkenntnis GOttes 
kommt nichts unvermutet, die Weisheit GOttes wird durch nichts ratlos gemacht, 
und der Reichtum GOttes wird durch nichts ersch&ouml;pft. Unbegreiflich 
und unerforschlich ist es, wie das Reich GOttes von einem Volk weggenommen 
werden kann, und was das f&uuml;r schreckliche Wirkungen haben kann; aber 
auch wie es aus diesem Gericht heraus wieder in das Gleis der Gnade umlenken 
kann. Dar&uuml;ber mu&szlig; freilich dem Weisen, dem reichen, dem Starken 
aller Ruhm von Weisheit, Reichtum und St&auml;rke vergehen, und nichts 
&uuml;brig bleiben, als die Erkenntnis Dessen, der Barmherzigkeit, Recht 
und Gerechtigkeit &uuml;bt auf Erden, und dem dar&uuml;ber in Ewigkeit 
Ehre gegeben werden wird. Ja, Amen, HErr, all Dein Wort ist wahr! Amen, 
komm, HErr, vollend es gar. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 12,1-21</font></b></h4> 
 
<p><b>Hier f&auml;ngt nun der vierte und letzte Hauptteil dieses Briefs an, 
darin der Apostel unterschiedliche Ermahnungen vortr&auml;gt, wie sie der 
bisher bezeugten Lehre vom Glauben gem&auml;&szlig; wandeln sollen, oder 
ihren Leib und ganzen Wandel im Fleisch GOtt darstellen, welches freilich 
eine vom Wesen der Welt ganz abgehende Umgestaltung und &ouml;ftere Erneuerung 
auf den - im Vorhergehenden bezeugten Glaubens = Sinn erfordert, wobei 
man aber auch in den Stand kommt, GOttes Willen immer genauer zu pr&uuml;fen, 
auch sein eigenes Ma&szlig;, womit man den &uuml;bergebenen Glauben gefa&szlig;t, 
zu beobachten, und nach selbigem GOttes Willen zu dienen, und die verliehenen 
Gnaden = Gaben zu gemeinschaftlichem Nutzen zu bringen.</b> 
 
<p>Bei diesem gesamten Vorhalt wackerer Christen =Pflichten sieht man 
deutlich, wie der Apostel Alles aus der gesunden und Ma&szlig; haltenden 
Pr&uuml;fung des Willens GOttes herleite, und wie er einen Jeden auf das 
ihm von GOtt angewiesene gliedliche Gesch&auml;ft f&uuml;hre, wobei man 
versichert sein kann, da&szlig; GOtt mit einem wirke: und wie er endlich 
Alles mit der Hoffnung und Aussicht ins Zuk&uuml;nftige belebt. Die Haupttugend 
im Christentum, und die Wurzel aller &uuml;brigen ist die Fertigkeit, in 
Allem, auch gegen unsere Neigung, dem Willen GOttes zu dienen. Dazu f&ouml;rdert 
freilich die Einsicht in die Haushaltung der Gnade am besten. Denn was 
 
man mit Grimm angreifen will, unseren Leib zur Unterw&uuml;rfigkeit zu 
bringen, das tut nicht gut. Aber GOttes Rat in Christo, und sein barmherziges 
Heraushelfen aus der S&uuml;nde, zeugt einen willigen Geist, wie zu einem 
GOtt wohlgef&auml;lligen Opfer geh&ouml;rt. Weil aber die Welt, mit Hintansetzung 
des g&ouml;ttlichen Willens, blo&szlig; der Liebe des einen Lebens nachh&auml;ngt: 
so mu&szlig; man sich in seinem Christen = Sinn, durch &ouml;ftere Erneuerung 
auf denselben, von aller Gleichstellung mit der Welt scheiden; au&szlig;er 
dem man gewi&szlig; zu keinen ge&uuml;bten Sinnen im Unterschied des Guten 
und B&ouml;sen kommt; vielweniger ein pr&uuml;fendes Gemerk erlangt, was 
das beste sei. Da doch aller Gottesdienst nicht blo&szlig; vom guten Willen, 
Meinung und Absicht dabei, sondern allermeist vom Merken auf GOttes willen, 
sein Lob hat. Der Glaube ist die Quelle aller Gaben, die zur Heiligung 
am Menschen selbst, und zum Gesch&auml;ft an Anderen geh&ouml;ren. Darum 
soll sich Jeder in seiner gliedlichen Ringf&uuml;gigkeit, in seiner noch 
&uuml;brigen Gebrechlichkeit, Andere aber in ihrer Brauchbarkeit zu Ausf&uuml;llung 
auch seiner Glaubens = M&auml;ngel so ansehen, da&szlig; er weder mehr 
noch weniger unternehme, als ihm von GOtt angewiesen ist; sonderlich soll 
man bei der Weissagung, wodurch man GOttes Geheimnis zum gemeinen Nutzen 
bringen will, nicht mehrt aussprechen, als einem im Glauben zu erkennen 
gegeben ist. Luther sagt, es wird aus GOttes Wort und unserer Zuversicht 
ein Kuchen; mithin ist meine Glaubens&auml;hnlichkeit eigentlich das mit 
meinem Glauben vermengte Wort GOttes. Darum ist das Ma&szlig; des Herzens 
= Glaubens so geschickt zu bestimmen und zu unterscheiden, was zu viel 
ist. Solch Ebenma&szlig; zu halten ist aber nicht nur bei den St&uuml;cken 
n&ouml;tig, die zur Handreichung nach dem Geist geh&ouml;ren, sondern auch 
was in die sonstige &Uuml;bung der Liebe, der Sanftmut, der Geduld einschl&auml;gt, 
bekommt dadurch seine beste Annehmlichkeit und Dauer, wenn das, was zu 
viel und zu wenig sein k&ouml;nnte, dabei vermieden wird. Z. E. alle Lieblosigkeit 
kommt her aus der Eigenliebe oder ungeordneten Selbstliebe. Die rechte 
Liebe besteht darin, da&szlig; man seinen Sinn bricht. Es hat nicht ein 
Mensch einen Sinn wie der Andere, aus Unterschied der Temperamente, Auferziehung 
und Gewohnheiten: Der eine ist still, und hat gern stille Leute, bei dem 
anderen schl&auml;gt eine andere Neigung vor. Wenn sich einer nun selbst 
f&uuml;r klug, und seine Weise eben f&uuml;r die Beste h&auml;lt, so st&ouml;&szlig;t 
er sich &uuml;berall, und veranla&szlig;t Zorn, Argwohn, &Uuml;belreden, 
Bitterkeit. Wo man aber seinen Sinn bricht, aus Erkenntnis, wie es bei 
uns so leicht ins Allzuviele oder ins Allzuwenige ausarten kann; wie wir 
deswegen schuldig sind, unsere Neigung zu verbergen, das, was ein Stein 
des Ansto&szlig;ens, ein Anla&szlig; zum Friedensbruch werden k&ouml;nnte, 
wegzur&auml;umen, des Anderen Gabe auch f&uuml;r brauchbar erkennen, so 
kann es einen viel ruhigeren Gang mit allen Menschen geben. HErr JEsu! 
Deiner Demut Bild, deiner Sanftmut Schild, mir anlege, in mich pr&auml;ge, 
da&szlig; kein Zorn noch Stolz sich rege: vor Dir sonst nichts gilt, als 
Dein eigen Bild! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 13,1-7</font></b></h4> 
 
<p><b>In diesem nach Rom geschriebenen Brief, von wo aus nachgehends so viel 
f&uuml;r die Obrigkeit Nachteiliges ausgegangen, treibt der Apostel das 
rechtschaffene Verhalten gegen die Obrigkeit am ernstlichsten und ausf&uuml;hrlichsten.</b> 
 
<p>Es macht einen eigenen Charakter von der G&ouml;ttlichkeit der Heiligen 
Schrift aus, da&szlig; sie von der Obrigkeit so bed&auml;chtig lehrt, wie 
es weder zur Schmeichelei gegen die Gewaltigen, noch auch zur Unlittigkeit 
bei den Untergebenen, den geringsten Anla&szlig; oder Vorwand geben kann. 
Sie treibt n&auml;mlich die Ordnung GOttes, und das daraus flie&szlig;ende 
Gute. Sie h&auml;lt es dem gewissen zum Grund einer rechtm&auml;&szlig;igen 
Ehrfurcht vor. Sie verleugnet aber auch das durch den F&uuml;rsten der 
Welt dazwischen gebrachte Unkraut nicht, und scheidet auch hier Gebrauch 
und Mi&szlig;brauch wohl aus einander; Stellt der Obrigkeit und Untertanen 
Gewissen sicher; st&auml;rkt Jeden auf das, was ihm zu tun und zu leiden 
auf dem Wege vorkommt; h&auml;lt aber Beiden das Reich GOttes zum eigentlichen 
Ziel der Hoffnung vor, und verwahrt, da&szlig; sich Keiner den jetzigen 
Aufzug der Welt, der vergeht, m&ouml;ge blenden, und das unbewegliche Reich, 
das wir empfangen sollen verdunkeln lasse. Diesem Schriftsinn ist die Augsburgische 
Konfession recht nahe geblieben, und hat zu einer zeit, da viel dieser 
Materie halber in der Menschen Gem&uuml;ter rege war, im 16ten Artikel 
von der weltlichen Obrigkeit, und im 17ten von Christi Zukunft zum Gericht 
gehandelt. Im ersten Entwurf den der selige Luther zur Augsburgischen Konfession 
gemacht hatte, kam es fast noch schicklicher so heraus, da&szlig; in umgewandter 
Ordnung zuerst vom j&uuml;ngsten Gericht und Christi Wiederkunft dazu gehandelt 
werden sollte, und dann der &Uuml;bergang so gemacht: indessen, bis der 
HErr zum Gericht kommt, und alle Gewalt und Herrschaft aufheben wird, soll 
man die weltliche Obrigkeit in Ehren halten, und derselben gehorsam sein 
als einem Stand von GOtt geordnet. In ihrem Titel: Von GOttes Gnaden, behalten 
die Regenten doch noch ein Angedenken &uuml;brig, da&szlig; ihr Stand von 
GOtt sei. Es gibt eine Furcht, die vor der Tat hergeht, und vom B&ouml;sen 
abh&auml;lt; die soll bleiben (V.7). Es gibt aber auch eine Furcht, die 
auf b&ouml;se Taten und freche Urteile folgt, deren kann man nicht &uuml;berhoben 
sein. Ein gutes Gewissen ohne Furcht ist ein vorz&uuml;glicher Nutzen des 
Christentums. Bei dem Lob, das man von der Obrigkeit hat, darf man es sich 
auf diese Pilgrimschaft nicht befremden lassen, wenn es oft wie das Zeugnis 
des Pilatus von Christi Unschuld ist, das n&auml;mlich auf das Lob bald 
auch Gei&szlig;eln und Kreuz nachfolgen; je nachdem der F&uuml;rst dieser 
Welt seine Hand in etwas schlagen kann. Je lieber ein Mensch an seine Fehler 
denkt, je gr&uuml;ndlicher er im Mi&szlig;trauen gegen sich selber steht, 
und daraus abnimmt, wie n&ouml;tig ihm Vorgesetzte, und von denselben Anweisung 
und Bewahrung ist, je geringer das Zeitliche in Einzelner Augen wird, desto 
leichter wird es einem auch werden, das zu lieben, was GOtt hierin ordnet, 
das zu leiden, was GOtt zul&auml;&szlig;t, das zu tragen, was GOtt tr&auml;gt. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 13,8-14</font></b></h4> 
 
<p><b>Allgemeine Pflichten nach dem Gesetz und Evangelium.</b> 
 
<p>Die Schuld der Liebe mu&szlig; der Christ immer auf sich behalten, 
und wenn er Alles getan hat, doch denken, da&szlig; er dem Liebesgebot 
noch viel schuldig sei. Auch Alles, was man tut, erh&auml;lt aus der Liebe, 
worin es geschieht, seinen wert. Wer das, was er &uuml;brigens auch tut, 
nicht in und aus Liebe tut, den kann das Gesetz immer noch packen. Wer 
aber das, was er tut, in der Liebe tut, wie gering es auch ist, der hat 
daran gro&szlig;en Trost. Gib Achtung, ob dir dieses heimlich zuwider, 
oder ob es dir von Herzen recht ist. So viel einem der hohe Wert der Liebe 
noch heimlich zuwider ist, so viel steckt er noch in eigener Gerechtigkeit, 
die sich aus gest&uuml;ckelten Werken einen Rock zusammenflicken m&ouml;chte. 
So viel es aber einem von Herzen recht ist, da&szlig; Alles nach der liebe 
gesch&auml;tzt werden soll, so viel ist einem GOttes Wille durch den Glauben 
vers&uuml;&szlig;t, und er aus der Vers&ouml;hnung mit GOtt in die Lauterkeit 
und Willigkeit eingeleitet, alle seine Dinge nach der Liebe sch&auml;tzen 
zu lassen, die man nur aus GOtt und der Gemeinschaft mit Ihm herhaben kann. 
Wie man uns nach der Natur anzusehen, und mit uns zu sprechen hat, das 
geben die &uuml;brigen Gebote: du sollst nicht t&ouml;ten, du sollst nicht 
ehebrechen, du sollst nicht stehlen, zu erkennen. Solches Argen h&auml;tte 
sich der Mensch vom anderen au&szlig;er der Gnade Christi und dem Geist 
der Liebe zu besorgen. Durch den Glauben wird das Gesetz erst wieder so 
aufgerichtet, da&szlig; es in der Liebe seine Erf&uuml;llung findet. Hierzu 
tut dann aber auch die Hoffnung und das Warten des HErrn JEsu vom Himmel 
auf seinen gro&szlig;en Tag, einen gro&szlig;en Vorschub. Wo man sich aber 
in etwas auf die Dunkelheit der gegenw&auml;rtigen Zeit verl&auml;&szlig;t, 
sich in den Dingen, die Andere nicht erfahren, etwas gegen das Licht und 
die genaue Zucht desselben erlaubt, da kann einem die S&uuml;nde gro&szlig;en 
Betrug spielen, und eine Kraft des alten Menschen nach der anderen wieder 
zum Aufleben bringen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 14,1-12</font></b></h4> 
 
<p>Nachdem der Apostel im Vorgehenden zu der allgemeinen Liebe allen Vorschub 
getan hatte; so r&auml;umt er jetzt in der br&uuml;derlichen Liebe einige 
Hindernisse aus dem weg, wie sie zwischen Schwachen und Starken im Glauben 
vorkommen k&ouml;nnen, und zeigt, wie beide Teile einander der Gnaden = 
Lehre des Evangeliums gem&auml;&szlig; behandeln, und des anbrechenden 
Tages und ihres Offenbarwerdens an demselben doch nie vergessen, daher 
der St&auml;rkere den Schwachen nicht verachten, und der Schwache der Starken 
nicht richten solle.</p> 
 
<p>Es kann Einer vor dem Anderen in der Erkenntnis des Willens GOttes, 
oder im Gnaden =Ruhm aus der Vollendung seines Gewissens, oder in der liebreichen 
Fertigkeit, seinen Sinn zu brechen, und einem Anderen nachzugeben, schw&auml;cher 
oder st&auml;rker sein; und das veranla&szlig;t freilich im Zusammenflie&szlig;en 
auf einen Sinn, ja, wie es bei n&auml;herem Umgang mit einander oft auch 
Not w&auml;re, in ein Herz und in eine Seele, mancherlei hinderliche Anst&ouml;&szlig;e. 
Vieles h&auml;ngt einem von vorgefa&szlig;ten Meinungen, Auferziehung und 
Gewohnheit an, wie jetzt die, so aus dem Judentum und Heidentum in das 
reich Christi zusammenkamen, freilich viel von ihren vorigen Arten mitbrachten, 
das sich nicht beibehalten, aber auch nicht schnell &auml;ndern oder ablegen 
lie&szlig;. Wenn nun der Apostel hierbei m&ouml;glichst zum Frieden raten 
wollte, so sagt er ihnen: nehmt einander auf. Das geht in der Mitte durch 
zwischen dem Fremdtun, wobei man Jeden laufen, und auf seinem Sinn bleiben 
l&auml;&szlig;t, und zwischen dem, was sich zu viel &uuml;ber den Anderen 
herausnimmt, und ihn schnell auf den eigenen Sinn ziehen will. Aufnehmen 
ist ein solches tragsames Behandeln und Bearbeiten nach Christi Sinn, wobei 
man des Anderen Neigung und Art weder schnell und mit Gewalt zerbrechen, 
noch ihn ohne Grund etwas nachzumachen stark anreizen, sondern ihm mit 
Erkenntnis der Wahrheit zu Hilfe komme, damit Christi Sinn und Bild in 
Jedem aufgerichtet werde. Darunter hat hernach jeder teil eine gem&auml;&szlig;e 
Kur, und kommt von dem steifen Natursinn herunter, und in das lenksame 
Gnaden = Geleis hinein. Wie uns zur Probe unserer Liebe gegen GOtt der 
N&auml;chste &uuml;berhaupt gegeben ist, so ist uns zur Probe unseres lenksamen 
Sinnes nach Christo JEsu jeder Mitgenosse des himmlischen Berufs gegeben, 
und es kann Keiner sagen, da&szlig; er mit seinem Natur = Sinn unter dem 
gehorsam Christi gefangen, und an das Joch und Kreuz Christi gebunden sei, 
wenn er sich nicht auch in die &Uuml;bungen, die ihm anderer Mitgenossen 
unterschiedenen Sinn macht, so schicken lernt, da&szlig; er aus Betrachtung 
des Segens, den er von Anderer Gemeinschaft hat, gern auch seinen Sinn 
bricht, und sich in Manchem seiner Freiheit begibt: Denn wo ist eine Gesellschaft 
und Verbindung, wo man nicht den Vorteil und Segen mit einigem Einschr&auml;nken 
seiner sonstigen Freiheit erkaufen mu&szlig;. Der St&auml;rkere kann versucht 
werden, den Schw&auml;cheren zu verachten, als ob nichts von Christi Sinn, 
und der Erleuchtung seines Geistes in ihm w&auml;re; und der Schw&auml;chere 
kann in Gefahr geraten, den Anderen zu richten, als ob seine Freiheit aus 
des Fleisches Sinn ginge. Beide aber k&ouml;nnen sich unter dem Vorwand 
der Gemeinschaft und dem Dringen auf Einigkeit zu viel &uuml;bereinander 
herausnehmen, deswegen der Apostel die Warnung einlegt: siehe deinen Mitgenossen 
auch als einen fremden Knecht an, der sein eigen Pfund, seine eigene Arbeit 
von seinem Herrn empfangen hat. Wenn man aber auch das wieder auf der anderen 
Seite &uuml;berspannen, und zu gleichg&uuml;ltig gegen einander werden 
wollte, so hei&szlig;t der Apostel den n&auml;mlichen, den er das einemal 
einen fremden Knecht gehei&szlig;en hatte, das anderemal: deinen Bruder. 
Da&szlig; der Apostel aber einen Jeden seiner Meinung gewi&szlig; zu sein 
anh&auml;lt, hat aus diesem schon seine Einschr&auml;nkung dahin, nicht 
da&szlig; man seine Meinung aus fester &Uuml;berzeugung gegen den Anderen 
behaupte, oder den Anderen bestreite; sondern seines Sinnes vor GOtt in 
der Pr&uuml;fung gewi&szlig; sei, wobei oft mehr Geschmeidiges ist, als 
bei einem nur halb berichteten Gewissen. GOtt &uuml;ber seiner Meinung, 
Licht &Uuml;berzeugung, freudigen Gang und festhalten am Band des Friedens 
danken k&ouml;nnen, ist besser als alle Bem&uuml;hung, die man sich geben 
wollte, den Anderen zu &uuml;berzeugen, und auf gleichen Sinn zu bringen. 
Was man aber ohne Danksagung gegen GOtt, nur wie einen Raub an sich rei&szlig;t, 
und sich mit Wohlgefallen an sich selbst gegen den Anderen hinstellt, das 
verwundet die herzen und verwirrt die gewissen, weil man den Mi&szlig;brauch 
merkt, der das Gute des Anderen verstellt. Je flei&szlig;iger man unter 
Allem an das Sterbst&uuml;ndlein, und was ihn darin halten und tr&ouml;sten 
werde oder nicht? gedenkt; je ernstlicher einer sich in das Licht jenes 
Tages und in die dortige Rechenschaft hinein stellt, je durchl&auml;uterter 
und geschmolzener wird sein Herz werden; sonderlich wenn man es immer in 
dem Blick nimmt, wie Christus durch erduldetes Sterben &uuml;ber Tote und 
Lebendige Herr geworden ist. Ihn hat es so viel gekostet, die zerstreuten 
Kinder GOttes zusammen zu bringen, und wir wollten es jetzt so leicht nehmen, 
wider Zerstreuung anzurichten, oder wir wollten es uns nicht auch zuweilen 
einen Tod kosten lassen, unseren Eigensinn zu brechen, und uns damit auf 
 
das Sterbebett sanft zu betten, ja uns unsere Rechenschaft auf jenen Tag 
zu erleichtern? O in welchem Grund des Glaubens, auf welcher Wurzel der 
Hoffnung will das Gew&auml;chs der Liebe stehen, wenn es damit Bestand 
haben soll? 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 14,13-23</font></b></h4> 
 
<p><b>Ungeachtet der Apostel im Vorhergehenden beiden Teilen die Meinung unparteiisch 
gesagt; so blickte doch darunter ein vorz&uuml;gliches Verschonen gegen 
die Schwachen hervor; im Weiterfolgenden aber l&auml;&szlig;t der Apostel 
nun doch den St&auml;rkeren vorz&uuml;glich Recht widerfahren, so da&szlig; 
die Schw&auml;cheren zu gleicher Erkenntnis der Wahrheit, darin die Starken 
stehen, eingeladen werden, den Starken aber doch gegen den besorglichen 
Mi&szlig;brauch ihres Sinnes &uuml;ber die Schwachen n&ouml;tiger Einhalt 
geschieht.</b> 
 
<p>Der Apostel hat hiermit den Grund zu einem Kirchen =Frieden gelegt, 
nach welchem man sich in allen folgenden Zeiten bei allen Arten entstandener 
Irrungen noch richten kann. Er verh&uuml;tet dabei sorgf&auml;ltig, da&szlig; 
man nicht Jemanden gegen sein gewissen etwas nachzumachen veranlasse, und 
ihm damit Ansto&szlig; gebe; aber auch, damit er nicht unser Tun mit Mi&szlig;fallen 
als S&uuml;nde anzusehen gereizt werde, und wir ihm damit ein - das Vertrauen 
und die Erbauung niederschlagendes &Auml;rgernis geben. In dem HErrn JEsu 
bin ich gewi&szlig;, sagt der Apostel; denn erst wenn man zu dem kommt, 
und Den kennen lernt, wei&szlig; man, wo man daran ist. Zu dessen Angesicht 
mu&szlig; man sich auch immer wieder wenden, um gegen alle Zweifel im Licht 
und Gewi&szlig;heit zu bleiben. Was sich Einer au&szlig;erdem anma&szlig;t, 
ist unsicher, und kann oft lange hintennach weit anders herauskommen. Sein 
gewissen mu&szlig; ein Jeder ber&uuml;cksichtigen, um der darunter liegenden 
Stimme GOttes willen; wenn sie schon durch das menschliche und Schwache, 
da in meiner Erkenntnis ist, verstellt werden kann. Durch schnelles zufahren 
frei und gro&szlig; sein wollen, das nicht aus der Wahrheit erwachsen ist, 
kann das G&ouml;ttliche gar verdrungen werden. Seinem gewissen nicht treu 
sein wollen, sich bereden lassen, an diesem und jenem ist so viel nicht 
gelegen; macht ein Hauptst&uuml;ck von unserem alten Adam aus. Denn &uuml;ber 
dem sind unsere ersten Eltern gefallen. Nun ist der niedrige Glaubens = 
Weg wieder auf das eingerichtet, den Menschen unter vorher bew&auml;hrter 
Treue im Kleinen wieder zur gem&auml;&szlig;en Freiheit zu bringen. Wir 
k&ouml;nnen die Freiheit nicht eher recht brauchen, bis wir vorher durch 
solche Not und Zermalmungen gelaufen sind. Wenn der Apostel das Betr&uuml;ben 
und das verderben des Bruders verh&uuml;tet haben will, so sieht er wieder 
auf die beiderlei versuchlichen Abwege, wo der Bruder entweder unser Gutes 
zu verl&auml;stern, und mit Betr&uuml;bnis sich in seinem Vertrauen zur&uuml;ckzuziehen 
gedrungen wird: oder aber wo er etwa s mit Schaden seines Gewissens nachzumachen 
gereizt, und also verderbt wird. Um des Bruders willen, f&uuml;r den Christus 
gestorben ist, und f&uuml;r den das Leben zu lassen Er auch mich verpflichtet 
hat, sollte ich mich einer Freiheit und ihres Gebrauchs begeben, wenn sie 
mir auch so lieb als mein eigenes Leben w&auml;re. Dem wahren Christentum 
gibt der Apostel hier mit gutem Bedacht den pr&auml;chtig klingenden Namen: 
das Reich GOttes, weil vom Gebrauch einer wohlanst&auml;ndigen Freiheit 
die Rede ist. Im Alten Testament glich die Unterweisung GOttes einer Schul 
= Anstalt f&uuml;r Kinder und Jugend; im Neuen Testament sind es Reichs 
= Anstalten f&uuml;r freie S&ouml;hne GOttes. Aber darin kommt es ja wohl 
nicht auf Freiheit und deren unumschr&auml;nkten Gebrauch im Essen und 
Trinken an; sondern auf das, was ich als meine Gerechtigkeit vor GOtt bringe, 
aus welchem Grund des Friedens ich mit meinem Bruder handle, und was in 
meinem eigenen Herzen das Regiment zu dauerhafter Freude beh&auml;lt. In 
diesem Allem aber kommt es nicht auf mein eigenes Gutd&uuml;nken an; ich 
kann das nicht wie einen sonstigen menschlichen Anschlag behaupten, sondern 
der Heilige Geist mu&szlig; es als g&uuml;ltig, und dem Willen GOttes gem&auml;&szlig; 
ansehen, und so auch in meinem Herzen verkl&auml;ren und ausgie&szlig;en. 
Wer darin fest steht, und allen &uuml;brigen Gottesdienst darauf baut, 
der wird GOtt, weil der auf das Niedrige und Geschmeidige sieht, gefallen, 
und auch den Menschen, die daran sp&uuml;ren, da&szlig; man sie nicht nach 
eigenem Willen meistern will, sich wohl bew&auml;hren: denn das fa&szlig;t 
die gewissen, wo man nicht herrschs&uuml;chtig, sondern nach der Liebe 
verf&auml;hrt. Wenn Br&uuml;der einander etwas nachgeben, so schl&auml;gt 
es gemeiniglich zur Besserung aus. Aber es kommt zuweilen heraus, wie wenn 
man noch eher der Welt und ihrem Sinn etwas nachzugeben willig w&auml;re; 
und das kann gef&auml;hrlich werden. Lieber, zerst&ouml;re nicht; es h&auml;lt 
so schwer etwas zusammen zu bringen. Man mu&szlig; einem Gewissen Zeit 
lassen, bis das Evangelium so darin gewachsen ist, als tief vorher Gesetz 
und Furcht und Zweifel aus demselben eingedrungen sind. Es ist nichts Geringes, 
wenn er durch Ansto&szlig; an seiner Gerechtigkeit, oder durch &Auml;rgernis 
an dem Frieden mit dir, oder durch Schwachwerden am inneren Grund seiner 
Freude Schaden leidet, und in Zweifels = Schmerzen h&auml;ngen mu&szlig;. 
Von deinem Glauben und Einsicht in die freimachende Wahrheit hast du ja 
dich viel Genu&szlig; vor GOtt, viel Erweiterung des Herzens und Veranlassung 
zum Lobe GOttes, wenn du schon auf Andere nicht so eindringst und durchdringst. 
Wenn du an die Enge zur&uuml;ckdenkst, durch die es auch bei dir durch 
mu&szlig;te, so wirst du GOtt f&uuml;r deinen jetzigen weiten Glaubens 
=Raum und dessen seligen Genu&szlig; danken k&ouml;nnen. In der Verwegenheit 
aber, etwas zu tun, so lange man noch mit Zweifeln geplagt ist, liegt schon 
der Ansatz zu einem nagenden Wurm oder &auml;ngstigendem Verdammungs = 
Urteil. Denn was nicht aus gl&auml;ubigem vertrauen zu GOtt, mit Danksagung 
gegen Ihn, mit Gewi&szlig;heit, Ihm damit zu dienen, und wohlzugefallen, 
getan wird, das ist S&uuml;nde. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 15,1-13</font></b></h4> 
 
<p><b>Nun wird die Ermahnung, wie man einander aufzunehmen und sonderlich 
der Schwachen gebrechen zu tragen habe, mit dem Haupt = Exempel Christi 
best&auml;tigt, wie Der sich Aller angenommen, und was Er damit ausgerichtet 
habe.</b> 
 
<p>Bei der Beobachtung Anderer Gebrechlichkeit, schw&auml;cherer Einsicht, 
weniger Freiheit, d&uuml;nkt sich Mancher Stark zu sein; nun sagt der Apostel, 
wenn du es bist, so leiste den Erweis deiner St&auml;rke im Tragen. Was 
einander Aufnehmen hei&szlig;t, so lange man noch im Anfang einer aufzurichtenden 
Gemeinschaft steht, aus dem mu&szlig; ein Tragen werden, wenn es Bestand 
haben soll, und wenn es sich mit des anderen Gebrechen nicht so bald gibt, 
als wir meinten. Wer sich davon entzieht, der verr&auml;t, da&szlig; es 
ihm an der Herzens Demut und Sanftmut fehlt, oder da&szlig; er Gefallen 
an sich selbst hat, und aus diesem Grund, sich in des Anderen Art zu schicken, 
und dessen weise zu dulden, sich so schwer bequemt. Aus diesem Gefallen 
an sich selbst kann eine schlimmere Krankheit werden, als des Schwachen 
gebrechen sind. Hingegen beweist es einen guten Schatz des Herzens, und 
ein tiefes Eindringen in die Liebe GOttes und deren Erscheinung in Christo, 
wenn Einer nicht aus Furcht und Gef&auml;lligkeit, sondern zu GOttes allgemeinem 
Wohlmeinen mitzuwirken, sein Gutes so anbringt, da&szlig; es dem Anderen 
auch zur Besserung gereichen und leichten Eingang bei ihm finden kann. 
Christus hat man hierin nicht nur als ein blo&szlig;es Beispiel, sondern 
auch als die F&uuml;lle der Gnaden und Gaben anzusehen, ohne Den und Dessen 
Vorgang, aber auch ohne Darreichung seines Geistes, wir weder Sinn noch 
Willen, noch Kraft zu solcher vertragsamen Liebe aufbringen k&ouml;nnten. 
O durch welch tiefen Erniedrigungs = Weg mu&szlig;te Christus das Wohlgefallen 
GOttes an den Menschen wieder vermitteln. Was mu&szlig;te er seinen ganzen 
Lauf hindurch, sonderlich aber in seinem letzten Leiden tragen, da Er in 
der Person derer da stand, und in ihrer Sache handelte, die den HErrn geschm&auml;ht 
hatten. Aber nicht nur im Gericht GOttes fiel auf diese weise viel Schmach 
auf Christum. Sondern das diese himmlische Weisheit auch anfing, ihre Kinder 
zu versammeln, so konnte sie es auch darin nirgends recht machen, sondern 
mu&szlig;te sich &uuml;ber ihre Leutseligkeit im Suchen und Seligmachen 
des Verlorenen schm&auml;hliche Vorw&uuml;rfe machen lassen, und auch &uuml;ber 
seiner J&uuml;nger anf&auml;ngliche Gebrechlichkeit Manches leiden. Unter 
dergleichen Anst&ouml;&szlig;en und davon zu besorgenden &Auml;rgernis 
hat unser lieber Heiland immer in die Schrift gewiesen, oder auf die Wege 
GOttes vor uns, bei den Propheten, wie auch da der Apostel auf das, was 
zuvor zu unserer Lehre geschrieben ist. Denn bei der Welt kann man das 
freilich nicht lernen, weder in ihrem Umgang, noch in ihren, sonderlich 
heutzutage meist zum Prahlen geschriebenen B&uuml;chern. Aber GOtt ist 
Allem schon zuvorgekommen in dem Geduld = und Trostwort der Schrift. Dort 
ist auch allen bei Sammlung und Einrichtung der Kirche vorkommenden Versuchungen 
so vorgebeugt, da&szlig; man unter dem Gegenw&auml;rtigen Gebrechlichen 
nicht ohne Trost ist, und um des, der Hoffnung im Zuk&uuml;nftigen noch 
vorgehaltenen Guten willen mit Geduld tragen kann. Die Bezeichnung, da&szlig; 
GOtt eine GOtt der Geduld und des Trostes hei&szlig;t, macht nach der Welt 
= Art nicht viel Glanz und Schimmer. Aber es ist doch schon viel Lob GOttes 
daraus erwachsen, und wird noch weiter in Ewigkeit daraus erwachsen. - 
Da&szlig; Paulus hier schon und im Weiterfolgenden so viel Gebet einflie&szlig;en 
l&auml;&szlig;t, zeigt deutlich an, da&szlig; er wohl verstanden hat, da&szlig; 
der Punkt, &uuml;ber den sich unser lieber Heiland selbst so in das Gebet 
versenkt hat (Joh. 17), auch bei uns nicht anders als mit &ouml;fters erneuertem 
gebet aufgerichtet werden kann. Denn es legen sich Hindernisse entgegen, 
die mit Gebets = Kraft angegriffen werden m&uuml;ssen. Wem das einm&uuml;tige 
Lob GOttes nicht am Herzen liegt, und wer selbiges nicht durch Vertragsamkeit 
zu f&ouml;rdern bedacht ist, der versteht das ganze Werk GOttes in Christo 
nicht recht. Haben die Juden Anfangs um der Wahrheit GOttes willen darin 
einen Vorzug gehabt, da&szlig; der liebe Heiland sich nur zu den verlorenen 
Schafen vom Hause Israel gesandt bezeugte, so hat die nachmalige Predigt 
des Evangeliums unter allen Heiden doch aus Beiden eins gemacht, und sie 
im Lobe GOttes f&uuml;r seinen Gnade und f&uuml;r seine Wahrheit v&ouml;llig 
vereinigt. Was hat der GOtt der Hoffnung noch an seinem ganzen Vorsatz 
auszuf&uuml;hren; und wie viel Freude und Frieden kann es uns bereiten, 
da&szlig; Der sein Werk im Gro&szlig;en und Kleinen nicht lassen wird! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 15,14-24</font></b></h4> 
 
<p><b>Nun f&auml;ngt der Apostel an, sich zum Beschlu&szlig; seines Briefs 
zu wenden, und legt daher das Wohlmeinen mit demselben ihnen so an das 
Herz, da&szlig; es desto mehr Frucht schaffe, bis er etwa selbst zu ihnen 
komme.</b> 
 
<p>Von dem vorz&uuml;glicheren Teil in der Gemeinde zu Rom versieht sich 
der Apostel, da&szlig; sie teils ihre gute Beilage aus der Wiedergeburt, 
und der damit angelegte gute Schatz des Herzens, teils auch die - durch 
&Uuml;bung im Wort GOttes, und durch Achtsamkeit im menschlichen Leben 
und Umgang sich erworbene T&uuml;chtigkeit, schon ausr&uuml;sten werde, 
da&szlig; sie einander mit Ermahnen Handreichung tun k&ouml;nnten. Der 
Apostel aber hat sich doch durch die Gnade in ihm gedrungen gefunden, auch 
etwas beizutragen. Hat ein Apostel bei allem Triebe des Geistes und seinem 
Bewu&szlig;tsein davon sich solche dem&uuml;tige und gelinde Erkl&auml;rungen 
tun k&ouml;nnen, was will uns geb&uuml;hren, wenn wir es auch noch so gut 
meinen. O wie mu&szlig; man um ein Menschen = Herz herumgehen, wenn man 
es gewinnen will! Was hat GOtt nicht nur in der Sendung seines Sohnes, 
sondern auch in der Arbeit seines Geistes f&uuml;r eine herablassende Art 
gebraucht, und das G&ouml;ttliche ins Menschliche verh&uuml;llt an uns 
gebracht. Aber wer es verachtet, der verachtet doch nicht nur Menschen, 
sondern GOtt, der seinen Geist in uns gegeben hat. Mit aller dieser Demut 
vergibt doch der Apostel seinem Amte nichts, sondern sagt, es sei ihm anvertraut, 
priesterlich und heilig mit dem Evangelium umzugehen, als woran die ehre 
des gro&szlig;en Hohenpriesters gelegen sei. Denn wie dieser unter Dahingebung 
seiner selbst zum Opfer, auch uns mit zu GOtt gebracht hat, so soll nun 
auch ein jeder in die Gnade des Evangeliums Berufener durch Alles das durchgef&uuml;hrt 
werden, worunter sich Christus f&uuml;r ihn geheiligt, und sich GOtt zum 
Opfer gegeben hat. Und so soll die gew&uuml;nschte N&auml;he herauskommen, 
in die wir nun durch das Opfer und Blut JEsu gesetzt sind, und die W&uuml;rdigkeit 
zum Dienst GOttes, die damit verbunden ist. An einem solchen Werk ein Mitarbeiter 
zu sein, bleibt immerhin r&uuml;hmlich, es mag in der Welt Augen so unansehnlich 
scheinen, als es will. Bei allem Glaubens = Mut hat der Geist der M&auml;&szlig;igung 
sowohl sein Gesch&auml;ft, als der Geist der Kraft, daher bleibt man so 
in der N&uuml;chternheit und im Verm&ouml;gen, es zu unterscheiden, wie 
weit der g&ouml;ttliche Trieb bei den Menschen reicht. Auf die Kraft des 
Heiligen Geistes setzt der Apostel das Meiste bei Aufrichtung des Glaubens 
= Gehorsams. - Von keinem Apostel hat man so sichere Schrift = Spur, da&szlig; 
er mit seinem Dienst am Evangelium in unsere europ&auml;ischen Gegenden 
hereingereicht habe, als von Paulus, so wie auch das auf paulinischen Grund 
erbaute Reformations = Werk daselbst allermeist tiefe Wurzeln geschlagen. 
Die h&auml;ufigen Versicherungen der Apostel vom Verlangen nach Erquickung 
an einander bezeugen genugsam, wie man auch beim Christentum n&ouml;tig 
hat, einander freundlich zu begegnen. Zwischen die sonstige Tageslast und 
Hitze tut einem dergleichen Erfrischung wohl. Aber freilich sind hier nur 
kurze Erquickungsstunden. Das Sattwerden ist aufbehalten. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 15,25-33</font></b></h4> 
 
<p><b>Er meldet von seiner vorhabenden Reise gen Jerusalem, und gedenkt derselben 
Absicht so, da&szlig; die R&ouml;mer auch f&uuml;r sich eine sanfte Anmahnung 
an diese Notdurft der Heiligen nehmen k&ouml;nnten; bezeugt nochmals seine 
fr&ouml;hliche Hoffnung, nach Rom zu kommen, und empfiehlt sich zu deren 
Erf&uuml;llung ihrer gl&auml;ubigen F&uuml;rbitte.</b> 
 
<p>Auch der Armen Sorge und der Bestellung gesammelter Almosen hat sich 
dieser gro&szlig;e Apostel nicht gesch&auml;mt; hat es aber freilich auch 
mit einem solchen Glaubens =Auge angesehen, und mit solchen dem Evangelium 
w&uuml;rdigen Gr&uuml;nden belegt, da&szlig; es auch als ein Amts = Opfer, 
oder als ein St&uuml;ck von der priesterlichen heiligen Behandlung des 
Evangeliums angesehen werden konnte. Wenn die R&ouml;mer diesen Gr&uuml;nden 
selbst nachgedacht haben, so hat es eine zarte Willigkeit und Gef&uuml;hl 
der Schuldigkeit bei ihnen rege machen k&ouml;nnen, woraus ein fr&ouml;hlicheres 
Geben flie&szlig;t, als alle noch so dringenden Empfehlungen nicht verm&ouml;gen. 
Bei allem Flei&szlig; und Eifer hat sich der Apostel doch in nichts &uuml;bereilt, 
sondern bed&auml;chtig das Eine voraus abgemacht, da&szlig; ihm Niemand 
&uuml;bel nachreden konnte, und auch die Frucht zu GOttes Ehre, und F&ouml;rderung 
ihrer Glaubens = Gemeinschaft herauskomme. Da&szlig; ihn aber auf dieser 
Reise Manches Widrige treffen k&ouml;nnte, dar&uuml;ber war er nicht ohne 
manche Anzeige und Vermutung. Um so mehr empfiehl er sich der R&ouml;mer 
F&uuml;rbitte, oder, wie er es bed&auml;chtlich ausdr&uuml;ckt: Helft k&auml;mpfen; 
stellt aber immer wieder auch sein bestes Vorhaben dem Willen GOttes anheim. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 16,1-16</font></b></h4> 
 
<p><b>Eine Erkl&auml;rung oder vielmehr kr&auml;ftige Erweisung von unserem 
Glaubens =Artikel: ich glaube an die Gemeinschaft der Heiligen, in welchem 
nahen Herzen =Anteil sich der Apostel selbst antreffen l&auml;&szlig;t, 
und in welche teilnehmende Liebe er auch Andere zu verbinden sucht.</b> 
 
<p>Diese vielen Namen sollen uns in diesem apostolischen Brief nicht unn&uuml;tzlich 
vorkommen. Hat sie doch GOtt gew&uuml;rdigt, in sein Buch zu schreiben 
(Phil. 4, 3), warum sollten sie nicht auch hier Platz haben? Mit der Freude 
im Himmel widerlegt der Heiland dort der Pharis&auml;er Murren. Und mit 
diesem, hier nach des Heilands treuen Hirten = Sinn eingerichteten namentlichen 
Verzeichnis seiner Schafe sollen auch wir unser ungl&auml;ubiges, liebloses, 
auf den N&auml;chsten unbedachtsames, auf die niedrigen Wege im Reich GOttes 
unverst&auml;ndiges Wesen brechen, und uns in dem weichen, auf alle gliedliche 
Handreichung begierigen, dem&uuml;tigen Liebes = Sinn schmelzen lassen, 
der unseren Vorg&auml;ngern so wohl bekommen ist. O h&auml;tte man so fortgemacht 
in der Kirchengeschichte, und das reich GOttes in der Kraft auch so in 
einzelnen Gl&auml;ubigen erkannt, und zum gesegneten Angedenken aufbehalten! 
H&auml;tte man nicht in folgenden Zeiten, sonderlich von Rom aus, so viel 
b&ouml;sen Unterschied gemacht, so viel Ansehen der Person gespielt, und 
zuerst den gesamten Lehrstand, und endlich aus demselben ein einiges Haupt 
so hoch erhoben, da&szlig; dar&uuml;ber der Gnade in den &uuml;brigen Gliedern 
und ihres Gesch&auml;fts vergessen wurde, so richteten sich die Namen in 
der Kirchengeschichte auch mehr nach den im Himmel angeschriebenen Namen. 
Auch die Empfehlungs = Schreiben, dergleichen hier Paulus etwas f&uuml;r 
die bew&auml;hrte Ph&ouml;be einflie&szlig;en l&auml;&szlig;t, haben &uuml;ber 
dem nachmaligen Mi&szlig;brauch viel von ihrem Zutrauen verloren. Doch 
kann man nicht im Unmut Alles wegwerfen, sondern mu&szlig; sich auch unter 
diese Kirchen = Not beugen. Dergleichen bew&auml;hrte Frauens =Personen 
konnten bei Kranken ihres Geschlechts und auch bei Taufen der Erwachsenen 
und solcherlei Vorf&auml;llen manchen Dienst tun, wenn sie schon nicht 
&ouml;ffentlich zu lehren hatten. Solcher Dienst war nun damals nicht eben 
mit einer Besoldung verkn&uuml;pft, sondern erforderte vielmehr oft Aufwand 
vom eigenen verm&ouml;gen bei der Aufnahme d&uuml;rftiger oder reisender 
Personen. Dergleichen Wohltaten der Ph&ouml;be waren nun nicht eben auf 
die in Rom sich jetzt aufhaltenden Christen geflossen. Aber nach der Gemeinschaft 
der heiligen sollten sie sich doch eine Freude daraus machen, daf&uuml;r 
einige Wiedervergeltung tun zu k&ouml;nnen. Der Umgang der Gl&auml;ubigen 
mit einander hat seine eigenen Geziemlichkeiten, und durch dieselben auch 
seine Verwahrung, sonderlich bei dem Unterschied des Geschlechts. Wie denn 
auch Paulus unter den hier &uuml;berschriebenen Gr&uuml;&szlig;en nicht 
nur Lieb &uuml;bt, sondern auch unterschiedene Leutseligkeit, oder schickliche 
Art sich zu &auml;u&szlig;ern, Dankbarkeit und Achtung beweist, auch Manches 
gute Exempel dadurch im Angedenken erh&auml;lt. Die Schrift verschweigt 
nicht, was ein Jeder im Dienst des HErrn getan und erlitten hat: sie lobt 
aber auch Keinen so, da&szlig; es zur Erhebung Anla&szlig; geben k&ouml;nnte; 
sondern wendet immer wieder Alles auf unseren Beruf in die Gnade Christi, 
aus welchem auch Alles erw&auml;chst. Wenn es hei&szlig;t: die Gemeinde 
in ihrem Haus; so ist das zwar nach Beschaffenheit der damaligen Zeit geredet, 
da sich die Christen mit ihren Versammlungen in H&auml;user verteilen mu&szlig;ten. 
Aber noch jetzt kann und mu&szlig; dem Christentum in H&auml;usern vorgearbeitet 
und fortgeholfen werden. - Erstlinge und Andere, die vor ihm in Christo 
gewesen seien, zeichnet der Apostel auch aus; wie er den auch sonst sich 
selbst erniedrigt hat mit dem Angedenken, was er f&uuml;r ein Sp&auml;tling, 
ja unzeitige Geburt sei. Der Rufus mag vermutlich des Simon von Kyrene 
sein Sohn gewesen sein, der dem HErrn sein Kreuz nach Golgatha nachtrug. 
Bei so vielen mit Namen Genannten mu&szlig;ten es sich doch auch die &uuml;brigen 
Heiligen gefallen lassen, da&szlig; ihrer nicht namentlich gedacht wurde, 
sondern sie unter dem allgemeinen Namen der heiligen zusammengefa&szlig;t 
wurden. In der Gemeinschaft der Heiligen soll man sich freilich nicht weigern, 
sich zum Niedrigsten herabzuhalten, und ohne Ansehen der Person an Jedem 
das sch&auml;tzen, was Christus ihm gegeben hat. Aber Jeder mu&szlig; sich 
auch des Anderen Lieb unwert achten k&ouml;nnen, mithin nicht anma&szlig;lich 
zu viel verlangen, nicht zu scharf auf die Gleichheit in Allem sehen; sondern 
auch wo er meinte &uuml;bergangen worden zu sein, es in das menschliche 
Unverm&ouml;gen zu rechnen, da&szlig; es nicht &uuml;berall so treffen 
kann, und nicht eben eine nachteilige Sache herausgr&uuml;beln. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 16,17-24</font></b></h4> 
 
<p><b>Nach dem lieblichen Geruch von der Gemeinschaft der Heiligen findet 
der Apostel noch n&ouml;tig, eine Warnung und Ermahnung hinzuzutun, woraus 
man sieht, da&szlig; man sich auch bei der Gemeinschaft der Heiligen nicht 
auf lauter Erg&ouml;tzen an einander, sondern auch auf Not und Verwarnung 
und Verwahrung gefa&szlig;t machen mu&szlig;.</b> 
 
<p>Die ganze Ermahnung geht darauf, da&szlig; man neben der eigenen Redlichkeit 
auch weise Vorsicht gebrauche, damit man von Andern nicht Schaden nehme. 
Man richtet Zertrennung an, wenn man das Gute nicht schicklich, sondern 
aus eigenen Absichten und mit fleischlichen Waffen verteidigt, mit welchen 
die Anderen nicht anstehen k&ouml;nnen. Man richtet &Auml;rgernis an, wenn 
man wirkliches B&ouml;ses und Falsches einf&uuml;hren, und daneben die 
Lehren zwar stehen lassen will, aber doch das Herz sonst verteilt und den 
Glauben schw&auml;cht. Dabei soll dann Keiner so verwegen sein und denken: 
ich kann mich wohl einlassen, ich werde nicht zu weit gehen. Die Weisheit 
von oben ist auf das Erste keusch, und Keuschheit l&auml;&szlig;t uns nicht 
&uuml;berall anbei&szlig;en, und unseren Vorwitz b&uuml;&szlig;en. Sondern 
sie lehrt uns f&uuml;r die einmal erkannte und erfahrene Kraft der Wahrheit 
danken, und vom &Uuml;brigen weichen. Es ist nichts Bedenklicheres, als 
wenn man statt eines gr&uuml;ndlichen und ruhigen Beweises viel vom Nutzen 
und der gro&szlig;en Hoffnung spricht, was dergleichen Einsichten austragen 
werden. Da kann es auf s&uuml;&szlig;e Worte und pr&auml;chtige Reden hinauslaufen. 
Damit unschuldige Herzen, die es f&uuml;r sich redlich meinen, aber bei 
Anderen nichts B&ouml;ses vermuten, zu ernstlicherem Bedacht angehalten 
werden, wird der Schafs =Pelz solcher Verf&uuml;hrer so oft aufgedeckt. 
Das h&auml;lt der Satan f&uuml;r einen gro&szlig;en Vorteil, wenn er unschuldige 
Herzen so in ein Gemenge hinein ziehen kann, denn diese m&uuml;ssen der 
ganzen Sache hernach bei anderen Unvorsichtigen weiteren Glauben verschaffen. 
- Ja l&auml;&szlig;t dann aber GOtt unschuldige Herzen verf&uuml;hrt werden? 
&Uuml;ber der Tr&auml;gheit, womit man die Pr&uuml;fung ausschl&auml;gt, 
und es Anderen verargt, welche dazu Anleitung geben wollen; &uuml;ber der 
Bequemlichkeit, da man nur gern bald fertig sein will, kann man in Vieles 
hinein kommen. Bei dem jetzigen angema&szlig;ten Charakter der Weitherzigkeit, 
bei dem unsicheren, zweideutigen Grundsatz der Unparteilichkeit und Toleranz 
kann man sich mit Vielem einlassen, mit dem man unvermengt bleiben k&ouml;nnte. 
Selbst die sonst gute Qualit&auml;t des Gehorsams kann der Feind mi&szlig;brauchen; 
wenn man nicht auch Pr&uuml;fungs = Weisheit anwendet, aus Liebe zu dem, 
was man von Anfang geh&ouml;rt hat. Der GOtt des wahren, nicht des einschl&auml;fernden 
Friedens mu&szlig; das Beste tun, und tut es oft in Kurzem, wenn man nur 
ein wenig Geduld haben kann, und nicht zu schnell mit seinem Beifall zuf&auml;hrt, 
sondern GOttes Ausschlag abwartet. Die bewahrende, die vollendende Gnade 
w&uuml;nscht der Apostel dazu an. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Rmer 16,25-27</font></b></h4> 
 
<p><b>Es ist, wie wenn der Apostel nicht aufh&ouml;ren k&ouml;nnte; darum 
geht ihm sein Herz in einem nochmaligen herrlichen Lobspruch &uuml;ber.</b> 
 
<p>An die R&ouml;mer gesandt von Korinth durch Ph&ouml;be, die am Dienst 
war der Gemeinde zu Kenchrea. 
<p>Auch wenn die Apostel haben aufwecken, und die Gefahr gro&szlig; machen 
wollen, haben sie doch immer wohl vor dem Gesicht habt, da&szlig; es nicht 
sowohl aufs Schwernehmen, als auf das Vertrauen durch Christum zu GOtt 
ankomme. Die Unbest&auml;ndigkeit des Gem&uuml;ts, das so wenig vertrauen 
zu GOtt hat, tut uns unter allen Versuchungen am meisten Schaden. Dem mu&szlig; 
man also mit solchen mutigen Zuspr&uuml;chen auf die st&auml;rkende Gnade 
entgegen gehen. Das Evangelium zeigt, da&szlig; GOtt an Ausf&uuml;hrung 
unserer Seligkeit die n&auml;mliche Kraft wenden wolle, die in Christo 
bei seiner Auferstehung von den Toten gewirkt hat. Im Evangelium ist nun 
auch die Erf&uuml;llung der prophetischen Schriften gezeigt, und man hat 
nun beim Gehorsam des Glaubens, zu dem die Heiden gebracht sind, Beides 
beisammen, die Kraft des Evangeliums, wodurch das gewirkt wurde, und den 
Aufschlu&szlig; der Propheten, wie lange GOtt in vorigen Zeiten die Welt 
zum Glauben an dies Licht vorbereitet habe. Dem einigen GOtt sind alle 
seine Werke von der Welt her bewu&szlig;t, und Er l&auml;&szlig;t sich 
nun auch nimmer von seinem Vorsatz abtreiben, den Er auch zu den schwersten 
Zeiten zu behaupten vermag. Als der Alleinweise wei&szlig; Er es auch in 
der Aufrichtung und F&ouml;rderung seiner Kirche &uuml;ber alle menschliche 
Weisheit hinaus wohl zu machen. Er will auch mit Hangen an Ihm allein, 
unter Verleugnung aller eigenen Weisheit, allein geehrt sein, als Der, 
der aus dem, was die Menschen t&ouml;richt d&uuml;nkt, den gr&ouml;&szlig;ten 
Erweis seiner Weisheit herausbringen, und sein Evangelium zum Schl&uuml;ssel 
aller seiner &uuml;brigen Werke brauchen will. Jeder gl&auml;ubige Leser 
und H&ouml;rer dieser Epistel sage: Amen! 
 
<p>Nach der Epistel an die R&ouml;mer GOttes Wahrheit in seinem Gewissen 
nicht in Ungerechtigkeit aufzuhalten, sondern gegen allen jetzt schon offenbaren, 
und k&uuml;nftig noch zu besorgenden Zorn GOttes seine Zuflucht zu der 
im Evangelium geoffenbarten rettenden Gerechtigkeit GOttes nehmen, und 
bei derselben Heil, Leben und Hoffnung der Herrlichkeit suchen, und ihre 
sich dazu gesetzten Zeiten und Mittel und Wege auswarten, da hei&szlig;t: 
GOtt Ehre geben, und zur ganzen Epistel Amen sagen. 
 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 1,1-3</font></b></h4> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Der erste Brief des Paulus an die Korinther Einleitung</font></b></h4> 
 
<p>Dieser, wie manche 
andere apostolische Briefe, ist ein Beweis, da&szlig; sich die 
Apostel zu GOttes Mitarbeitern und Botschaftern an Christi Statt 
hingegeben haben, nicht nur bei der ersten Verk&uuml;ndigung des 
Evangeliums und Sammlung einer Gemeinde, sondern auch bei der 
nachmaligen Sorge f&uuml;r solche Gemeinden, und bei dem Eifer, 
da&szlig; nicht der Feind in ihrer Abwesenheit Unkraut einstreue, 
oder damit wenigstens den durch des Feindes Schalkheit angerichteten 
&Auml;rgernissen bald wieder abgeholfen w&uuml;rde. Dieser erste 
Brief an die Korinther ist sonderlich aus einer dringenden Liebe 
Christi (2Kor.2:4) und ernstlichem Eifer (2Kor.11:2-3) geschrieben, 
und hat also den Zweck, die in Pauli Abwesenheit eingerissenen 
Mi&szlig;br&auml;uche zu heben, damit zun&auml;chst dem Timotheus, 
den er zu ihnen zu senden Vorhabens war, und nachgehends auch ihm 
selbst, wenn er wieder zu ihnen k&auml;me, der Weg so gebahnt 
w&auml;re, da&szlig; das pers&ouml;nliche Zusammensein desto 
fruchtbarer ausfallen k&ouml;nnte, wenn zuvor diese Steine gehoben 
w&auml;ren. Man sehe 1Kor.16:10 und 2Kor.2:1. Die beste Einleitung 
zum Verstand dieses Briefes gibt das 18te Kapitel aus der 
Apostelgeschichte darin Pauli Aufenthalt zu Korinth beschrieben wird. 
Selbiger Anzeige nach hielt sich Paulus gegen zwei Jahre zu Korinth 
auf, um an dem gro&szlig;en Volk zu sammeln, das der Herr in dieser 
Stadt hatte, und das brachte er auch aus Juden und Heiden zusammen. 
Etwa f&uuml;nf Jahre nach der ersten Anlegung dieser Gemeinde fand 
sich der Apostel zu diesem Briefe veranla&szlig;t. Dem Haupt - Grund 
nach leuchtet der n&auml;mliche Sinn heraus, wie aus der Epistel an 
die R&ouml;mer, n&auml;mlich Christum als den einzigen Grund des 
Heils anzupreisen, die christliche Freiheit zu retten, aber auch wohl 
zu ordnen, und damit Juden und Heiden auf den - aus Christo erlangten 
neuen Sinn fein zusammen zu f&uuml;gen. Die Einteilung des Briefs 
kann man sich auf unterschiedliche Art merken. Die 
Hauptteile:</p> 
 
<ol> 
 
<li> 
Eingang Kap. 1:1-9</li> 
 
<li> 
Abhandlung Kap. 1:10 - 15:55</li> 
 
<li> 
Beschlu&szlig;, Kap.16 </li> 
 
</ol> 
 
<p>unterscheiden sich merklich.</p> 
 
 
<p>Aber die Abhandlung kann 
man wieder in mehr oder weniger Teile zusammenordnen, je nachdem es 
einem fa&szlig;licher vorkommt. Ganz kurz kann man 
sagen:</p> 
 
<ul> 
 
<li> 
der Brief enth&auml;lt teils Bestrafungen der Unordnungen Kap.1:10 bis 
Kap.6:20</li> 
 
<li> 
teils Ermahnungen und Unterricht, Kap.7:1 bis Kap.15:55.</li> 
 
</ul> 
 
<p>Oder man kann es auch etwas umst&auml;ndlicher fassen:</p> 
 
<ul> 
 
<li> 
gegen die - unter den Korinthern entstandenen Trennungen zeigt er aus der apostolischen 
Lehr - und Lebensart, wie dergleichen Erhebungen zu d&auml;mpfen sind 
Kap.1:10 bis Kap.4:20.</li> 
 
<li> 
gegen die aus der vers&auml;umten Kirchenzucht unter ihnen aufgekommenen 
&Auml;rgernisse und b&ouml;sen Gewohnheiten legt er manches 
ernstliche Warnungs - Wort ab, Kap.5:6</li> 
 
<li> 
beantwortet er unterschiedliche - &uuml;ber dem ehelichen und ledigen Stande 
vorgekommene Fragen, Kap.7.</li> 
 
<li> 
steuert der dem Mi&szlig;brauch der Freiheit beim, Besuch der heidnischen Opfer - 
Mahlzeiten, Kap.8:9.</li> 
 
<li> 
aus Veranlassung der - bei des Herrn Abendmahl eingerissenen Mi&szlig;br&auml;uche zeigt er 
&uuml;berhaupt, wie man Alles f&uuml;r die ganze Gemeinde erbaulicher 
einrichten, und der Liebe das Regiment bei den geistlichen Gaben und 
ihrer Anwendung lassen solle, Kap.10 bis Kap.14.</li> 
 
<li> 
handelt er umst&auml;ndlich von der Auferstehung der Toten, 
Kap.15.</li> 
 
<li> 
im Beschlu&szlig; verordnet er, wie die Liebes - Steuern f&uuml;r die armen Br&uuml;der 
zu veranstalten seien, gibt wegen Timotheus und seiner eigenen 
Ankunft Nachricht, und bestellt einige Gr&uuml;&szlig;e, 
Kap.16.</li> 
 
</ul> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 1,1-3</font></b></h4> 
 
<p><b>macht die Absicht des Briefs aus; die enth&auml;lt, von wem 
er kommt (V.1), an wen er gerichtet ist (V.2), und mit was er sich 
den ersten Zugang in ihr Herz bahnt.</b> 
 
<ol> 
 
<li> 
<b>Paulus, berufen zum Apostel JEsu Christi durch den Willen GOttes, 
und Bruder Sosthenes:</b></li> 
 
<li> 
<b>Der Gemeinde GOttes zu Korinth, 
den Geheiligten in Christo JEsu, den berufenen Heiligen samt allen 
denen, die anrufen den Namen unsres HErrn JEsu Christi an allen ihren 
und unsern Orten.</b></li> 
 
<li> 
<b>Gnade sei mit euch und Friede von 
GOtt, unserm Vater, und dem HErrn JEsu Christo!</b></li> 
 
</ol> 
 
<p>Paulus gibt sich nicht 
nur hier in der Aufschrift, sondern noch einmal gegen den 
Beschlu&szlig; des Briefes hin <i> 
(Kap.16:21)</i> als den Verfasser desselben an. Er l&auml;&szlig;t 
auch <i> Kap.15.8-10</i> solche Umst&auml;nde 
einflie&szlig;en, die sich auf Niemand als auf ihn schicken. Durch 
einen schnellen Ruf und eben so schleunigen Gehorsam gegen die 
himmlische Erscheinung ist Paulus zum Apostel JEsus Christi gemacht 
worden; darunter kam ihm auch die Zeit der schon geschehenen 
Verkl&auml;rung JEsu, und der daher reichlich waltenden Gnade seines 
Geistes zu statten. Diesen seinen Beruf dankt er blo&szlig; dem 
gn&auml;digen Willen GOttes. Auf diesen Willen GOttes aber war er 
auch getrost, etwas anzugreifen. Den Willen GOttes in etwas vor sich 
zu haben ist k&ouml;stlich. Der Name GOttes dabei macht einem 
Ansehen; der blo&szlig;e Gnaden - Wille aber, durch den einer treu 
geachtet ist, h&auml;lt einen in der Demut. Wie in anderen Briefen 
seinen rechten Sohn Timotheus <i> 
(Phil.1.1)</i>, so setzt sich hier Paulus den Bruder Sosthenes 
an die Seite. So ungleich sonst die Arbeiter sonst nach Gaben und 
Beruf sein k&ouml;nnen, so gleich gestellt k&ouml;nnen sie nach Sinn, 
Liebe und Demut werden. Zu dem v&auml;terlichen ernst, den Paulus im 
Briefe braucht, g&uuml;rtet er seine Lenden billig durch den 
apostolischen Beruf. Sosthenes stellt sich aber doch auch als Bruder 
in zarter und sorgf&auml;ltiger Liebe f&uuml;r die Korinther mit 
darunter hin. Und auch diese Beistimmung des Sosthenes konnte Manchem 
in Korinth etwas austragen, weil er nicht nur als ein bew&auml;hrter 
Mann, sondern auch als ihrer Umst&auml;nde genau kundig, Glauben 
verdiente. - Was die himmlische Stimme zuerst ein gro&szlig;es Volk 
hie&szlig;, das der HErr in dieser Stadt habe, das hei&szlig;t nun 
eine Gemeinde GOttes, nachdem es in eine Gemeinschaft am Evangelium 
zusammengefa&szlig;t war. Von GOtt war das Wort der Vers&ouml;hnung, 
durch welches sie bekehrt und aus der Welt herausgerufen wurden, zu 
GOttes Gemeinschaft und Dienst sind sie auch durch ihren - dem 
Evangelium gegebenen Glauben t&uuml;chtig geworden. Gl&auml;ubige und 
Heilige machen eine Gemeinde GOttes aus, sie m&ouml;gen hernach mehr 
oder weniger &auml;u&szlig;erliche Freiheit, Ansehen von der Anzahl, 
Kirche und deren Rechte haben, oder nicht. - Da&szlig; der Apostel 
mit einem gedoppelten Ausdruck von Geheiligten in Christo JEsu, und 
von berufenen Heiligen gedenkt, damit sieht er vermutlich auf ihre 
Sammlung aus Juden und Heiden, nicht, als ob er noch jetzt einigen 
Unterschied oder Vorzug oder Ruhm zwischen ihnen wollte aufkommen 
lassen, sondern vielmehr zu zeigen, wie sie nun in Christo JEsu Eine 
worden sind. Wozu die Juden von den V&auml;tern her mehr Anwartschaft 
gehabt haben, dazu sind die Heiden durch den Ruf der freien Gnade an 
sie und dessen Befolgung gekommen. 
<i>2Kor.1:1</i> 
hei&szlig;t es: samt allen Heiligen in ganz 
Achaja; hier aber noch in weiterer Ausbreitung: samt Allen, die den 
Namen unseres HErrn JEsu Christi anrufen. Auf dergleichen fruchtbares 
Hinausdenken an andere Gemeinden hat der Apostel auch sonst in diesem 
Briefe gef&uuml;hrt <i>(Kap. 
4:17, 7:17, 11:16, 14:33-36)</i>. Alles 
in der Absicht, sie von ihren Eigenheiten, selbstgef&auml;lligem 
Wesen, an Menschen gesuchten Ruhm, abzuf&uuml;hren, und sie zu dem 
Gehorsam anzuhalten, auf dessen Grund sie hernach auch mit allen 
&Uuml;brigen Eins sein k&ouml;nnten. Beim Anrufen des Namens JEsu 
k&ouml;nnen auch wir noch uns diesen Brief zu Nutz machen, und wenn 
gleiche oder &auml;hnliche Versuchungen unter uns kommen, so kann 
auch damit abgeholfen werden. Mit dem Vertrauen durch Christum zu 
GOtt auf seine Gnade und Frieden hat sich der Apostel auch unter 
seinem damaligen Anliegen &uuml;ber die Korinther getr&ouml;stet, und 
einen Mut gefa&szlig;t, da&szlig; dadurch auch der Korinther Irrungen 
wieder k&ouml;nnen und werden zurecht gebracht werden. 
<i>Bei der Kirchen - Not liegt es nicht 
sowohl am Schwernehmen, als am Vertrauen durch Christum zu 
GOtt.</i></p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 1,4-9</font></b></h4> 
 
<p><b>Paulus erhebt 
v&ouml;rderst sein Herz zum Lobe GOttes, &uuml;ber der Korinther 
Christen - Stand, und sucht damit teils sich selbst unter seiner Amts 
- Not aufzurichten, teils auch der Korinther Herz zu gewinnen, und 
sie zu &uuml;berzeugen, da&szlig; er sie so wenig aus seiner Hoffnung 
als aus seiner Liebe lasse</b></p> 
 
<p>Wo wir nach der 
gemeinen Mundart sagten: es freut mich, da hei&szlig;t der f&uuml;r 
die Ehre GOttes eifrige Geist in der Schrift sagen: 
<i>ich danke meinem GOtt</i>. 
Aber wenn man sich auch das im Reden 
gel&auml;ufig machen wollte, so w&auml;re es damit nicht 
ausgerichtet, wenn es nicht auch vor GOtt so Wahrheit ist. Es 
st&auml;rkt einen Diener GOttes und Knecht Christi nichts so sehr, 
auch bei den gr&ouml;&szlig;ten Schwierigkeiten sein Vertrauen nicht 
wegzuwerfen, und einem noch so scheinbaren, aber betr&uuml;glichen 
Menschen - Rat auszuweichen, als wenn er nur diese Gemeinschaft mit 
GOtt, seinem HErrn, &uuml;ber alle seine Amts - Angelegenheiten immer 
unterh&auml;lt. GOtt in Christo war den Aposteln im Herzen nahe; 
darum konnten sie es auch so in einem reinen Sinn und keuscher 
Sprache ausdr&uuml;cken, wie Alles aus GOtt in Christo 
herflie&szlig;e, und wie es durch den Glauben einem eigen werde, 
da&szlig; man sich dessen mehr als &uuml;ber allerlei Reichtum, 
freuen k&ouml;nne. Paulus hat in einem Jahr und sechs Monaten Zeit 
gehabt zu vollst&auml;ndiger Verk&uuml;ndigung des Wortes GOttes, und 
sie haben es auch mit einem so v&ouml;lligen Glauben aufgenommen, 
da&szlig; Beides zusammen einen Reichtum von Lehre und Erkenntnis 
ausgetragen hat. Weil sie nun die Zeugen und Zeugnisse, die das 
Evangelium oder die Predigt von Christo vor sich hatte, wohl 
pr&uuml;ften, flei&szlig;ig h&ouml;rten, und mit willigem Gehorsam 
annahmen, so wurde sein durch diese Aufnahme und Bewahrung in ihnen 
kr&auml;ftig, und GOtt bekr&auml;ftigte es noch weiter durch 
Mitteilung vieler - zum Leben und g&ouml;ttlichen Wandel n&ouml;tigen 
Gnaden - Kr&auml;ften. Doch mu&szlig; man freilich bei dergleichen 
sch&ouml;nen Zeugnissen nicht denken, als ob Einer unter den 
Korinthern so gut gestanden sei als der Andere. Es kommen nachmals 
selbst Klagen, die ein Anderes zu erkennen geben. Aber in der ganzen 
Gemeinde war doch ein solcher von GOtt bescherter Reichtum, eine 
solche Kraft der Wahrheit, da&szlig; sich die Zur&uuml;ckgebliebenen 
an den &Uuml;brigen wohl h&auml;tten aufrichten k&ouml;nnen. Kann 
doch ein Gl&auml;ubiger auch nur von sich allein ungleich denken und 
urteilen, je nachdem er sich in der - von GOtt ihm geschenkten 
Willigkeit und Kraft des Geistes ansieht, oder je nachdem er 
&uuml;ber das Fleisch, und die ihm darin anklebende S&uuml;nde zu 
klagen hat; warum sollte nicht auch das Urteil von einer Gemeinde 
ungleich ausfallen k&ouml;nnen, je nachdem man die ihr gegebene, und 
von vielen Gliedern wirklich wohl angelegte Gnade preist, oder je 
nachdem man mehr auf die sieht, die sich von der Gnade noch nicht so 
v&ouml;llig haben ergreifen und ver&auml;ndern lassen. Eine von den 
deutlichsten Wirkungen von der Kraft des Evangeliums im Herzen ist 
die lebendige Hoffnung, zu deren man wiedergeboren ist, und darin man 
des HErrn JEsu und seiner Offenbarung vom Himmel warten kann, aber 
nicht auf eine m&uuml;&szlig;ige, oder sonst sich in wunderliche 
Phantasien treibende Art, wor&uuml;ber man der t&auml;glichen 
Ver&auml;nderung und Erneuerung seines Sinnes verg&auml;&szlig;e, 
sondern so, da&szlig; man die Offenbarung unseres HErrn JEsus Christi 
immer auch als den Termin zum Offenbaren und Richten unseres 
Verborgenen ansieht, mithin immer mit mehr Flei&szlig; und Furcht 
darauf denkt, unstr&auml;flich vor Ihm erfunden zu werden. Das 
Festbehalten GOttes auf seiner Seite l&auml;&szlig;t uns nicht 
tr&auml;g werden auf unserer Seite, &uuml;ber die Gemeinschaft seines 
Sohnes zu wachen, und an dem Liebes - Seil unseres himmlischen Berufs 
fortzulaufen, bis zum Daheimsein beim HErrn 
allezeit</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 1,10-21</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel 
f&auml;ngt von dem an, was ihm wegen der - unter den Korinthern 
entstandenen Trennungen vor Ohren gekommen, und begegnet dieser 
mi&szlig;lichen Versuchung so, da&szlig; teils die, so eine 
ungeb&uuml;hrliche Anh&auml;nglichkeit an ihn hatten, teils die, so 
sich mit richterlicher Sch&auml;rfe und ver&auml;chtlichen Gedanken 
an ihm verfehlten, ihren Bescheid bekamen, und von ihren darunter 
steckenden Eigenheiten los werden konnten.</b></p> 
 
<p>Da&szlig; er mit 
Ermahnungen anf&auml;ngt, und nicht gleich mit Bestrafung der 
eingerissenen Unordnungen, ist noch etwas sanfter, und schlie&szlig;t 
sich f&uuml;glicher an das allererst ihrenthalber bezeugte gute 
Vertrauen an. Seiner Ermahnungen schafft er durch den Namen unseres 
HErrn JEsu Christi Eingang, der je billig viel gilt, und dem nichts 
gem&auml;&szlig;er ist als Eintracht. Bei der Eintracht machen es 
freilich Worte nicht aus. Denn la&szlig;t uns nicht lieben mit 
Worten, noch mit der Zunge.</i> <i> 
Aber doch treibt sich die Liebe des Herzens auch in Reden; mithin die 
nachgehende, bed&auml;chtliche, vom Wohlgefallen an sich selbst 
herabsteigende Liebe verh&uuml;tet es, da&szlig; einer nicht durch 
Einf&uuml;hrung einer anderen Rede zur Trennung Anla&szlig; gebe. Der 
HErr JEsus hat bei all dem Neuen, das Er aus dem Scho&szlig; seines 
himmlischen Vaters zu verk&uuml;ndigen hatte, doch eine wunderbare 
Unterw&uuml;rfigkeit, unter die - vom Heiligen Geist eingef&uuml;hrte 
Rede in der Schrift bezeugt, und all sein Neues auf den Stamm und 
Wurzel der vorher schon best&auml;rkten Wahrheit GOttes auch bis auf 
die beibehaltenen Redensarten gepflanzt. Wie viel mehr sind wir 
schuldig, zu verh&uuml;ten, da&szlig; nicht eingef&uuml;hrte Redens - 
Arten ein Same zur Trennung werden. 
-<i>Spaltungen</i> entstehen zwischen dem, was zusammengeh&ouml;rt, 
 
oder was auch wirklich schon besser verbunden gewesen ist, jetzt aber 
auf andere Gesinnungen, andere Erkenntnis und Reden von Glaubens - 
Sachen, andere &Uuml;bungen, und sodann auch auf besondere 
<i>Unterscheidungs - Namen</i> 
ger&auml;t. Je n&auml;her man im Sinn 
zusammenh&auml;lt, je eher kann man auch von &uuml;brigen zur 
Erbauung geh&ouml;rigen St&uuml;cken einerlei Meinung haben, und 
einerlei Rede f&uuml;hren. Nun r&uuml;ckt er aber doch mit der 
dringenden Not heraus, die ihn zu dieser Vorstellung veranla&szlig;t, 
und zwar tritt er ganz ins Licht damit, auch mit Vermeldung, von wem 
er es habe, damit man es nicht als einen leeren Argwohn abweisen 
k&ouml;nne. &Uuml;ber dem Unterschied der Meinungen ist es also auch 
schon zu Heftigkeiten, und das nicht nur in einer 
vor&uuml;bergehenden Versuchungs - Stunde, sondern anhaltend 
gekommen. - <i>Das Deuten auf 
etwas reicht nicht allemal hin. Eine W&auml;chter - Stimme, die zur 
Warnung dienen soll, mu&szlig; deutlich sein</i>, und eine gerade Freim&uuml;tigkeit findet 
meist mehr Eingang, als eine r&uuml;ckh&auml;ltige Scheue. Es kann 
mit einer Anfangs unschuldig geschienen Hochachtung f&uuml;r diesen 
und jenen Lehrer, seine Gaben, das, was man von ihm gesehen und 
geh&ouml;rt hat, sich angesponnen haben. Aber sch&auml;dliche Leute 
haben es sich zu Nutz gemacht, und den Unterschied zu weiterer 
Entfremdung getrieben. Die Vierten, mit ihrer Sprache: 
<i>ich bin Christisch</i>, k&ouml;nnen anfangs in guter Meinung sich der 
Anh&auml;nglichkeit an Menschen so haben erwehren wollen. Nach und 
nach aber kann der Mi&szlig;brauch dazu geschlagen sein, da&szlig; 
sie sich unter dem Vorwand dieses Namens noch ein gr&ouml;&szlig;eres 
Ansehen als die &uuml;brigen Parteien geben wollten, und auch nicht 
von aller Hinansetzung des Lehramtes frei geblieben sind. Sodann 
f&auml;ngt er an, sie fragweise einzutreiben, damit ein Jeder bei 
sich selbst &uuml;ber die Gefahr und den Schaden desto mehr 
nachd&auml;chte. Und zwar greift er die, so ihm anhingen, zuerst an, 
um diese v&ouml;rderst n&uuml;chtern zu machen. Welches bedachtsame 
Verfahren seine Klugheit, reine Liebe und Eifer f&uuml;r GOttes Ehre 
zu erkennen gibt. Ihr wollt doch alle Christo angeh&ouml;ren: wenn 
ihr aber nicht am Band der Einigkeit bleibt, so kommt es ja heraus, 
als ob ihr Christus zertrennen wolltet, und Jeder einen eigenen 
h&auml;tte. K&ouml;nnt ihr den Paulus so als euren Zugang zu GOtt 
brauchen, wie ihr Christus und sein Kreuz, und die daran vollbrachte 
Vers&ouml;hnungs - Arbeit brauchen k&ouml;nnt.? Habt ihr bei eurer 
Taufe euch zu Pauli oder Christi J&uuml;ngerschaft verpflichtet? 
Paulus sagt sich so sorgf&auml;ltig davon los, da&szlig; er jemals zu 
solchem R&uuml;hmen von ihm Anla&szlig; gegeben habe, damit die 
Korinther auch &uuml;ber die - darunter verborgene Gefahr 
nachdenklicher werden m&ouml;chten. Von dem Umstand, da&szlig; ihn 
Christus gesandt habe, das Evangelium zu predigen, kommt der Apostel 
nun schicklicher auf diejenigen, die sich mit ihrer Achtung von ihm 
abwendeten, weil sie nicht die Beredsamkeit und anderes Geschick des 
Vortrags bei ihm fanden, und denen der Apostel zu verstehen gibt, es 
stecke etwas tieferes dahinter, n&auml;mlich selbst die Wahl der 
Materien sei ihnen nicht anst&auml;ndig, sein genaues Bleiben beim 
Wort vom Kreuz sei ihnen anst&ouml;&szlig;ig. Diesem Allem aber setzt 
der Apostel seine empfangene Amtsvorschrift entgegen, und sagt: das 
sei ihm nicht aufgegeben, sie mehr mit Verstandes - als Gewissens- 
Wahrheiten zu unterhalten, oder sie mit einem solchen Vortrage zu 
vergn&uuml;gen, wobei es ungewi&szlig; w&auml;re, ob sie mehr am 
Schmuck der Rede, oder an der Wahrheit selbst Gefallen f&auml;nden? 
Davon besorgt der Apostel die gro&szlig;e Gefahr, da&szlig; das Kreuz 
Christi, also die kostbare Grund - Lehre des Evangeliums von dem zu 
unserer Vers&ouml;hnung mit GOtt geschehenen Leiden, Kreuz und Tod 
des HErrn JEsu, samt aller daraus zur Bekehrung, Befriedung und 
Vollendung des menschlichen Herzens und Gewissens flie&szlig;enden 
Kraft zur&uuml;cksetzt, und dem fleischlichen &Auml;rgernis des 
menschlichen Sinnes aufgeopfert w&uuml;rde. Denn an solche 
ungeb&uuml;hrliche Forderungen sich zu kehren habe er nicht Not, weil 
die, denen das Wort vom Kreuz eine Torheit ist, auch sonst zeigen, 
da&szlig; sie sich nicht in die angebotene Gnade GOttes schicken 
m&ouml;gen. Wir haben an uns und dem uns verschafften Heil den besten 
Beweis, was durch das Wort vom Kreuz ausgerichtet werden kann. Es ist 
auch den vorigen Wegen GOttes, und dem, wie GOtt in den Zeiten des 
Neuen Testaments zu handeln sich vorgenommen hat, ganz 
gem&auml;&szlig;. Die Schrift, und ihr Urheber, GOtt, kann keiner 
einzigen Wahrheit abgeneigt, oder sie zu vernichten und zu verwerfen 
geneigt sein. Aber Vieles, dem seine anderw&auml;rtige Brauchbarkeit 
bleibt, kann doch in seinem Unverm&ouml;gen und Unzul&auml;nglichkeit 
zu der Menschen Rettung dargestellt werden. Und wenn das die Menschen 
nicht erkennen, sondern sich mehr anma&szlig;en wollen, als in ihnen 
ist, so m&uuml;ssen sie sich vor dem Licht GOttes, und seinem ernsten 
Nachfragen: Wo seid ihr? zuletzt verkriechen, und erkennen, da&szlig; 
GOtt durch die Predigt des Evangeliums und durch den - derselben 
verliehenen Sieg gezeigt habe, da&szlig; Er dadurch mehr ausrichte, 
als bisher aller menschliche Weisheit nicht m&ouml;glich gewesen 
w&auml;re, oder auch nur m&ouml;glich geschienen h&auml;tte. GOtt hat 
ja die Welt lang genug stehen lassen, da&szlig; es sich in so vielen 
Jahrhunderten wohl h&auml;tte zeigen k&ouml;nnen, ob sie durch ihre 
Weisheit und eigenes Nachdenken GOtt in seiner Weisheit erkennete, 
und ob sie es also in der Erkenntnis GOttes, und in dem Verstand, Ihm 
zu dienen, durch Anstrengung ihrer Kr&auml;fte bei Betrachtung seiner 
Werke und bei der Achtsamkeit auf das - in ihrem Gewissen scheinende 
Licht, zu etwas br&auml;chte. Es hat sich aber genug gezeigt, wie 
weit nicht nur der gro&szlig;e und gemeine Haufe zur&uuml;ckgeblieben 
ist, sondern wie auch die Weisesten sich so wenig &uuml;ber die 
Vorurteile ihrer Zeit hinausgeschwungen haben, wenigstens selbige 
Befestigungen nicht sonderlich anzugreifen, viel weniger zu 
st&uuml;rzen gewu&szlig;t haben. Das - der Vernunft so t&ouml;richt 
und etwas auszurichten viel zu schwach scheinende Wort vom Kreuz hat 
GOtt ausersehen, dadurch die selig zu machen, so daran glauben. 
Diesem Wort vom Kreuz ist es auch gelungen, im Judentum und Heidentum 
viele der Erkenntnis und dem Dienst GOttes im Wege stehende 
Hindernisse so zu heben, da&szlig; man daran eine GOttes - Macht 
erkennen mu&szlig;. Wie unbillig ist es, wenn die Welt jetzt 
hintendrein kommt, und mitten im Christentum eine nat&uuml;rliche 
Religion aufrichten, und zeigen will, wie weit sie es ohne die Lehre 
und den Geist Christi bringen k&ouml;nne; da sie es jetzt selbst 
nimmer wei&szlig;, was sie der Offenbarung GOttes geraubt, und wie 
viel sie dem Evangelium Christi zu danken hat. 
<i>Wer noch jetzt mit der Predigt vom Kreuz 
einen Kreuzes - Sinn in der Menschen Herzen aufrichten, und damit zu 
ihrer Seligkeit mitwirken will, der lasse sich doch nicht von der 
ver&auml;nderlichen Art der Weisheit in der Welt, die so abwechselnd 
als die Kleider - Mode ist, einnehmen, sondern merke doch, was ihn 
selber dem&uuml;tig und gebeugt macht, und was er also mit 
sanftm&uuml;tigem Geist auch wieder an Andere bringen kann, oder was 
ihn hingegen aufbl&auml;ht, und womit er den Menschen zu gefallen 
sucht. Dadurch wird man eigentlich zu falschen Propheten aneinander, 
wenn man einander nach etwas Anderem l&uuml;stern macht, und sein 
Heil nicht lauterlich im Wort vom Kreuz sucht.</i> O GOtt! Beh&uuml;te mich, da&szlig; ich nicht 
Alles anr&uuml;hren m&ouml;ge, was in der Welt geschrieben und 
geredet wird, damit mein Verstand und Gewissen nicht verfinstert 
werde.</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 1,22-31</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel 
f&auml;hrt fort, die Korinther von dem, was Trennung 
veranla&szlig;te, abzuf&uuml;hren, absonderlich diejenigen, die 
meinten, man k&ouml;nnte die Predigt des Evangeliums durch einen 
geschm&uuml;ckteren Vortrag annehmlicher machen, und durch eine 
kl&uuml;gere Wahl der Materien manchem Ansto&szlig; ausweichen, so 
gr&uuml;ndlich zu bescheiden, da&szlig; sie sich ihres 
Eigend&uuml;nkels darunter zu sch&auml;men, und GOtt in seiner 
Weisheit anzubeten, werden Ursache gehabt 
haben.</b></p> 
 
<p>Zu dem sonderbaren 
Vorsatz und zu der Einrichtung, durch t&ouml;richte Predigt selig zu 
machen die, so daran glauben, hat GOtt gegr&uuml;ndete Ursache 
gehabt, und Alle, die seines Willens Diener sein wollten, haben noch 
solche Ursache, genau dabei zu bleiben; denn man m&ouml;chte es auch 
machen, wie man wollte, so w&uuml;rde man es doch nicht Allen recht 
machen k&ouml;nnen. Mit Zeichen wurde zwar die Predigt des 
Evangeliums reichlich bekr&auml;ftigt. Aber der menschliche Eigensinn 
h&ouml;rt darum nicht auf, noch andere zu verlangen. Sonderlich 
forderten die Juden das Zeichen, das sie schon ehemals dem lieben 
Heiland selbst zumuteten: steig herab vom Kreuz, da&szlig; wir sehen 
und glauben. Dem Reich GOttes, meinten sie, sollte aufgeholfen 
werden, wie ehemals unter Moses, und den siegreichen K&ouml;nigen. 
Die Griechen hingegen wollten auch den Zeichen nicht gern trauen, 
sondern hielten daher mehr auf k&uuml;nstliche Beweisf&uuml;hrungen 
und &Uuml;berzeugungen. In dem Herzen eines manchen abgestandenen 
Christen vereinigen sich beiderlei Unarten, und werfen sich zu einer 
Befestigung wider die Erkenntnis Christi auf. Wir aber kehren uns an 
diese ungeb&uuml;hrlichen Zumutungen nicht, sondern tragen das Wort 
der Vers&ouml;hnung und in demselben Gnade und Friede an, k&ouml;nnen 
also nicht anders, als bei dem Kreuz Christi anfangen, welches sich 
mit den Begriffen der Juden von einem Messias am wenigsten reimt, 
wodurch sie sich also am meisten von der Annahme des Evangeliums 
abhalten lassen, w&auml;hrend die Griechen nach ihrem eitlen Sinn und 
Vorurteilen nicht absehen k&ouml;nnen, was man zur Besserung eines 
Menschen austragen soll. Wer sich aber auf GOttes Beruf mit Gehorsam 
der Wahrheit einl&auml;&szlig;t, der kann Christi Kreuz als das 
Panier und den Sammel - Platz erfahren, auf dem die zerstreuten 
Kinder GOttes aus Juden und Griechen zusammen kommen. Und wer einmal 
das &Auml;rgernis am Kreuz &uuml;berwunden hat, der bekommt erst 
Christum ganz zu erkennen und zu genie&szlig;en. Die g&ouml;ttliche 
Kraft beweist sich haupts&auml;chlich in der herzlenkenden Bekehrungs 
- Gnade, mit welcher die Predigt von Christo begleitet ist; und wer 
sich dieser g&ouml;ttlichen Kraft &uuml;berl&auml;&szlig;t, der 
entdeckt am Evangelium immer mehr weisliche Einrichtung, dadurch er 
in seinem ernsten Glauben best&auml;rkt wird. Wir haben geglaubt und 
erkannt, geht <i> 
Joh.6:6</i>9 auf einander. Wer die 
g&ouml;ttliche Kraft mit Gehorsam in sich wirken l&auml;&szlig;t, 
kommt zur Erfahrung der g&ouml;ttlichen Weisheit. Wer die 
g&ouml;ttliche Kraft mit Vorurteilen von seiner fleischlichen 
Weisheit unwirksam macht, bringt sich um Beides. Das, was in der 
Einrichtung GOttes von den - in ihrem Dichten eitlen Menschen 
f&uuml;r Torheit angesehen wird, n&auml;mlich, 
<i>da&szlig; sich seine Unterweisung zur 
Seligkeit nicht mit klugen Worten schm&uuml;cken, und nicht mit 
Waffen vern&uuml;nftiger Vorstellungen die Gem&uuml;ter einnehmen 
soll, &uuml;bertrifft nicht nur die falsche eingebildete Weisheit, 
sondern kommt auch sicherer und schneller zum Zweck, richtet mehr 
aus, als die wirkliche wahre Weisheit, die nur mit langsamen 
Vorstellungen bei den Menschen zu wirken verm&ouml;gend 
ist</i>. Man nehme nur immer Christum 
und Salomo in Vergleichung zusammen, wie dieser selbst in seiner 
Weisheit nicht bestanden, sondern durch sinnliche Lust gef&auml;llt 
worden ist, zum Anzeigen auf alle Zeiten hinein, wie der Kreuzes - 
Sinn aus Christo erst die Weisheits - Spr&uuml;che in uns aufrichten 
m&uuml;sse. Die g&ouml;ttliche Schwachheit, da&szlig; Christus 
gekreuzigt worden ist in Schwachheit, und GOtt nun doch bei der 
Predigt von Christo nichts anwendet, worin man sonst in der Welt 
seine St&auml;rke sucht, richtet mehr aus als alle menschliche Kraft, 
und ist mit Hinwegr&auml;umung so vieler Hindernisse eher fertig, als 
kein menschlicher Arm verm&ouml;chte. Zur &Uuml;berzeugung hievon 
f&uuml;hrt sie der Apostel auf ihre eigene Erfahrung. Nehmt selbst 
wahr, sagt er, wie GOttes Antrag an euch gekommen ist, was Er zu 
eurer Ver&auml;nderung gewirkt hat, was ihr euch noch von selbiger 
Erfahrung bewu&szlig;t seid, und wie es jetzt in eurer Christen - 
Gemeinschaft aussieht. Zur Gemeinschaft GOttes und seines Reichs sind 
ja nicht eben Viele gebracht von Solchen, die besondere Einsicht und 
gutes Geschick in weltlichen Dingen haben, oder die durch 
Verm&ouml;gen und Stand etwas in der Welt durchsetzen k&ouml;nnen, 
oder die in Abstammung von ber&uuml;hmten Eltern einen Vorzug haben. 
GOtt hat auch solche mit seinem Beruf nicht &uuml;bergangen, Manche 
davon auch wirklich ergriffen, nur nicht Viele; sondern das vor der 
Welt T&ouml;richte f&uuml;r bequemer zu seinen Absichten gehalten, 
und den Weisen also mit der Tat gezeigt, da&szlig; sie ihm nicht so 
unentbehrlich seien. Im Neuen Testament und bei der Gnade desselben 
soll es ganz unterbleiben, da&szlig; sich Jemand etwas beilege, um 
deswillen er Anderen vorgezogen sein wollte. Durch das Evangelium ist 
den Menschen alle diese Einbildung und Selbst - Erhebung 
niedergelegt. GOtt schlie&szlig;t Seiner Seits Weise, Gewaltige, Edle 
nicht von seinem Beruf aus. Nur der Ruhm, der Stolz und Trotz 
mu&szlig; zunichte gemacht werden. Wer den ablegt, der kann bald mit 
den Unm&uuml;ndigen, Schwachen, Verachteten auf einem k&ouml;stlichen 
P&uuml;nktlein der Geistes - Armut zusammenkommen. Nur der Ruhm ist 
GOtt zuwider. Wie ist es aber m&ouml;glich, da&szlig; sich unser Herz 
zu solcher Erniedrigung bequemt? Der Beruf GOttes zur Gemeinschaft 
seines Sohnes ersetzt uns Alles, wessen man sich begeben mu&szlig;, 
sehr reichlich. In Christo findet man mehr; nach GOttes Ordnung wird 
uns dieser zur Weisheit, und bringt uns bei Zur&uuml;ckhaltung der 
Weisheit nach dem Fleisch zu einer viel richtigeren Erkenntnis; und 
wenn man sich seiner Schw&auml;che und Unverm&ouml;gens, vor GOtt zu 
stehen, noch so schuldig geben mu&szlig;, so wird Er uns zur 
<i>Gerechtigkeit</i> 
und gegr&uuml;ndeten Ansprache an GOtt, und 
rechtm&auml;&szlig;iger Erwartung alles seines Heils. Und wenn man 
dem Eitlen aus der leiblichen Geburt noch so mutig unter das Gesicht 
sieht, so findet man in Ihm und aus der neuen Geburt, durch den 
Glauben an seinen Namen mehr Ehre; und durch Erl&ouml;sung wird uns 
Alles was uns verachtet und schn&ouml;d gemacht hat, vollends gar 
abgenommen, und von ewiger Herrlichkeit verschlungen werden. Das 
tr&auml;gt den einzig g&uuml;ltigen Ruhm an GOtt aus. Man k&ouml;nnte 
meinen, nat&uuml;rliche Gaben, Weisheit, Verm&ouml;gen, Standes - 
Vorz&uuml;ge kommen ja auch von GOtt, und k&ouml;nnen zu Dessen Ehre 
und Ruhm angewendet werden. In der Schrift aber rechnet der Geist 
GOttes erst alsdann, da&szlig; man GOtt die Ehre gebe, und sich 
seiner r&uuml;hme, wenn man Ihn als die Quelle der Gnade in Christo 
kennen lernt, und darin bei tiefster Vernichtigung seiner selbst all 
sein Heil sucht.</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 2,1-5</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel 
f&uuml;hrt sie auf seinen unter ihnen zum Glauben gemachten Anfang 
zur&uuml;ck, und best&auml;tigt dadurch, da&szlig; sein Vortrag und 
Arbeit an ihnen best&auml;ndig dem Wohlgefallen und der Auswahl 
GOttes gleich gewesen sei, und sich zum Niedrigen herunter gehalten 
habe, wobei sich GOttes Kraft und ihre Wirkung desto deutlicher habe 
verherrlichen k&ouml;nnen.</b></p> 
 
<p>Oben <i>Kap.1:23</i> 
hat er ihnen die allen Knechten Christi bei der 
Predigt des Evangeliums gew&ouml;hnliche Art vorgestellt. Jetzt aber 
das, was sie an ihm besonders beobachtet haben konnten, wie es nach 
dem Wohlgefallen GOttes, seine Auswahl zusammen zu bringen, es 
angegriffen habe. Und zwar geht der Apostel auf den ersten Anfang 
zur&uuml;ck, damit man nicht meine, er h&auml;tte es zuvor anders 
versucht, und w&auml;re erst durch Erfahrung seiner Schwachheit auf 
diesen Ton gestimmt worden. Beim Zeugnis GOttes oder bei der 
g&ouml;ttlichen Predigt nahm sich der Apostel weiter nichts, als das 
Verk&uuml;ndigen heraus. <i>Die 
Wahrheit und Brauchbarkeit desselben beruht auf GOttes Aussage, und 
f&uuml;r die ist durch gesuchten Schmuck hoher Worte nichts zu 
gewinnen, eher zu verlieren</i>; und 
dessen Wahrheit darf man auch nicht durch hohe Weisheit in das 
spitzfindige Gerede f&uuml;hren, sondern im Gewissen l&auml;&szlig;t 
sich dieselbe pr&uuml;fen. Denn ich habe mich an das allein gehalten 
euch den Weg des Heils durch den gekreuzigten Christum zu zeigen, 
da&szlig; ich dar&uuml;ber alles Andere hintangesetzt, und wie der 
Vergessenheit &uuml;bergeben habe. Damit fielen also hohe Worte und 
die Wahl anderer Lehren gleich weg. Das hatte eben aber nicht einen 
Mangel der F&auml;higkeit auf Seiten Pauli zum Grund, als ob er gar 
nichts Anderes gewu&szlig;t, oder es anders anzugreifen verstanden 
h&auml;tte; sondern es ist aus einem wohl&uuml;berlegten Urteil 
geschehen, in welchem er erkannt hat, da&szlig; dies f&uuml;r 
begierige und folgsame Herzen das Beste sei, und das diejenigen, so 
dem Zeugnis GOttes nichts nachgeben, durch andere Mittel noch weniger 
gewonnen w&uuml;rden. Indem aber der Apostel JEsum Christum, den 
Gekreuzigten, in seiner Predigt trieb, so trieb er freilich auch die 
Absicht und Frucht seines Kreuzes und Todes, wovon also sein Reich 
und unser Leben unter Ihm in Heiligkeit und Gerechtigkeit nicht zu 
trennen ist. JEsu Kreuz, Blut und Tod lassen sich ja nicht ohne sein 
ewiges Hohepriestertum, wozu Ihn der Vater eingesetzt hat, und ohne 
das - daraus erwachsene Wort der Vers&ouml;hnung vortragen, noch 
glauben. <i>Es ist 
mi&szlig;lich, sich in einer Sache f&uuml;r den Haupt - Eiferer zu 
halten und Anderen die Schuld beimessen, als ob sie der Wahrheit 
abhold w&auml;ren, da sie doch in dem schriftm&auml;&szlig;igen 
Ebenma&szlig; aller Wahrheit von Herzen zugetan sind.</i> 
Mit dem Vortrag in der Lehre kam nun bei dem 
Apostel auch die ganze &uuml;brige Auff&uuml;hrung, Lebens - Wandel, 
Betragen in der Kleidung, Kost, Einrichtung seines Umgangs zc. 
&uuml;berein; was nun Anderen zum Zeugnis werden konnte, auf das 
durfte sich der Apostel berufen: ich war unter euch. 
<i>Die Niedrigkeit des Lebens mu&szlig; 
immer auch die Lauterkeit des Wortes unterst&uuml;tzen. Wer sich viel 
Freiheit des Lebens herausnimmt, und sich dort in der 
Weltf&ouml;rmigkeit weit hinauswagt, der kann auch die Lauterkeit in 
der Lehre, und den Ruhm vom Kreuz unseres HErrn JEsu Christi 
schwerlich rein bewahren</i>. Bei 
der <i>Schwachheit, Furcht und 
Zittern</i>, deren der Apostel gedenkt, 
kann man teils an seinen niedrigen Aufzug gedenken, da er zu Korinth 
wie ein Handwerksbursche auf Arbeit war 
<i>(Apg.18:3, 1Kor.4:12)</i> 
, teils auch an die Gefahr der Verfolgung von 
den l&auml;sternden Juden, gegen welche Furcht ihn der himmlische 
Zuspruch unterst&uuml;tzte
<i>(V.9)</i>. 
Manchmal kann man nach jenem Wort unseres Heilandes: wenn du fastest, 
so salbe dein Haupt, handeln, mithin wenn es oft am magersten bei uns 
hergeht, es doch vor den Leuten nicht so merken lassen. 
<i>Manchmal mu&szlig; man aber auch die 
innerliche Furcht bis zum Zittern und Ausbruch in den Leib 
durchschlagen lassen. Dar&uuml;ber vergeht es Einem, sich auf solche 
F&uuml;ndlein zu legen, wie die falsch ber&uuml;hmte Kunst 
tut.</i>Da bleibt man vor GOtt in 
eifriger Besorgung dessen, was einem befohlen ist, vermeidet alles 
Vertrauen auf sich selbst, sieht, da&szlig; man den Erfolg seiner 
Arbeit nicht von seinen Kr&auml;ften erwarten kann. Wer es wohl 
erkennt und nicht vergi&szlig;t, wie unglaublich die Predigt vom 
Kreuz scheint, und an welchen Haften sie GOtt bei einem selbst im 
Gewissen anheften mu&szlig;, der wird selbige gewi&szlig; mit Furcht 
und Zittern, mit Bescheidenheit und Ehrfurcht an Andere bringen, und 
stets bedenken, da&szlig; sich darin nichts erzwingen 
l&auml;&szlig;t. <i>Es fragt 
sich: ob wir unsere Schwachheit, Furcht und Zittern nicht zu viel 
vertuschen und verk&uuml;nsteln, und die L&uuml;cken, die es oft 
gibt, zu geflissentlich mit Naturkraft ausf&uuml;llen, uns auch vor 
den Urteilen der Welt zu viel entsetzen, die es einem nicht gut 
hei&szlig;t, wenn es nicht immer in einem gleichen Mut, Fertigkeit 
und Brauchbarkeit fortgeht</i>. Allein 
wo Leben ist, da gibt es auch Abwechslungen. Ein lebloses 
Kunstst&uuml;ck kann es eher immer auf einen Ton hinaustreiben. Beim 
Leben hat das Wachstum durch Hindernisse durchzubrechen. Ich 
m&ouml;chte es mit Einzelnen allein zu tun, und ihnen ein Wort zu 
sagen haben, oder es m&ouml;chte bei der Predigt um Mehrere oder Alle 
zu tun sein, so ginge es nicht aus dem Vorrat, den menschliche Kunst 
und Lehrart zu ihrem Vorteil braucht, und womit sie Andere zu 
gewinnen sucht. Denn solche Worte menschlicher Weisheit k&ouml;nnen 
wohl eine &Uuml;berredung, eine &uuml;berhingehende Bewegung wirken, 
die Sache scheinbar machen, aber &uuml;ber eine Weile legt man es 
doch wieder beiseite; Wahrheit und L&uuml;gen bleiben im 
Gleichgewicht, es kommt zu keinem Ausschlag. - Der st&auml;rkste und 
zur &Uuml;berzeugung und ganzen Sinnes - &Auml;nderung wirksame 
Beweis des Evangeliums liegt am Geist und an der Kraft. Der in den 
Aposteln wohnende und wirkende Geist, der ihnen die gro&szlig;e 
Gewi&szlig;heit, die Freudigkeit, den Sinn des Leidens f&uuml;r die 
Wahrheit gew&auml;hrte, der sie so zur Liebe, Sanftmut, Geduld, 
M&auml;&szlig;igung beim Vortrag und Wandel anhielt; und daher die 
Kraft die sich nicht nur in Zeichen und Wundern, durch der Apostel 
H&auml;nde gewirkt, von au&szlig;en bewies, sondern die auch ins 
Gewissen und Herz zur Erleuchtung und Ver&auml;nderung des Sinnes 
eindrang, diese gaben den besten Beweis f&uuml;r das Evangelium ab. 
Wer eben GOttes Geist und Kraft auf seine Seite bekommen will, der 
mu&szlig; sich von allem Vertrauen auf menschliche und fleischliche 
Vorteile ausleeren. <i>Es ist 
zu besorgen, es komme in unsren Vortrag und Wandel heutigen Tags zu 
viel weltliche Beredsamkeit und fleischliche Klugheit hinein, und zu 
wenig Gebet und Demut, wobei man an GOttes Geist und Kraft allein 
h&auml;ngt</i>. Die auf das 
g&ouml;ttliche Zeugnis gegr&uuml;ndete &Uuml;berzeugung und das 
darauf gefa&szlig;te Vertrauen soll nicht von der Art sein, wie die 
&Uuml;berzeugung, die auf den - von menschlicher Weisheit vorgelegten 
Gr&uuml;nden beruht, und die ein - zur R&uuml;hrung eingerichteter 
Vortrag bewirkt, sondern beim Evangelium und dem dazu gegebenen 
Glauben soll eine &Uuml;berzeugung sein, die der Heilige Geist im 
Herzen wirkt, und die solche Ver&auml;nderung und Fr&uuml;chte nach 
sich zieht, daraus man die Wirkung der Kraft GOttes erkennen kann. 
Das ist noch kein wahrer Glaube, der sich mehr auf die 
nat&uuml;rliche &Uuml;berzeugung seiner Grund fordernden Vernunft, 
und nicht vielmehr auf die Unterw&uuml;rfigkeit unter GOttes Zeugnis 
und die Wirkung seiner Kraft gr&uuml;ndet. Wie weit man noch jetzt 
beim Vortrag, Beweis und Verteidigung der geoffenbarten Wahrheiten 
sich der menschlichen Hilfsmittel entschlagen, oder aber selbige dazu 
nehmen solle, dar&uuml;ber wird ein jeder guter Streiter JEsu Christi 
seinen Kampf haben. Das Wort GOttes mu&szlig; noch manche Kraft an 
uns beweisen, da&szlig; Seele und Geist geschieden werde, und jeder 
in seinen Herzens - Gedanken und in seiner Rede von dem abkomme, 
darin er sonst seiner nat&uuml;rlichen Neigung nach zu gern und zu 
 
viel nachh&auml;ngt.</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 2,6-16</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel 
f&uuml;hrt das, was er von seiner unter den Korinthern gebrauchten 
Lehr - und Lebensart bezeugt hatte, noch weiter aus, und zeigt: wie 
die Einfalt und Niedrigkeit dabei die Sache so gar nicht 
ver&auml;chtlich machen, noch L&uuml;sternheit nach anderen Arten 
erwecken soll, weil im &Uuml;brigen doch viel Weisheit in dem einigen 
Geheimnis liege, wozu uns Christus von GOtt gemacht sei, welches man 
desto mehr sch&auml;tzen lerne, je weiter man komme, und mit 
geistlichen Dingen beim Lehren und Lernen geistlich umzugehen 
wisse.</b></p> 
 
<p>Der Apostel behauptet 
demnach, was er im Wort und Predigt am meisten treibe, und am 
gernsten dabei bleibe, darin finde sich doch Weisheit; und wenn es 
die auf die wechselnden Moden der Weisheit in der Welt Abgerichteten 
schon nicht so finden, so gew&auml;hrt es doch den Vollkommenen, die 
ein reiferes Urteil zu f&auml;llen gest&auml;rkt sind, etwas 
Bew&auml;hrtes, und f&uuml;lle alles rechtm&auml;&szlig;ige Verlangen 
nach Grund aus. In der Welt wechseln freilich die Kleider - Moden 
fast nicht so schnell ab, als die Denkungsart der Menschen in 
Weisheits - und Erkenntnis - Sachen; nach welchen bald steigenden, 
bald wieder fallenden Grunds&auml;tzen und Meinungen man sich 
freilich nicht richten kann. Wenn sich auch manche Obersten dieser 
Welt anma&szlig;en, die Sprecher zu sein und den Ton anzugeben in 
dem, was f&uuml;r gescheit und gemeinn&uuml;tzig gehalten werden 
soll, und mit dem und Feder als Redner und Dichter Alles mit ihrem 
Geist und Geschmack erf&uuml;llen wollen, und sich oft auch mit ihr 
falschen Ware am gernsten an die eigentlichen Weltbeherrscher 
h&auml;ngen; so kann man eben doch auch die gelehrte Welt nicht 
anders als auch f&uuml;r einen Teil der Welt ansehen und behandeln, 
mithin durch den Glauben &uuml;berwinden. Man sieht aber auch des 
Apostels Urteil &uuml;ber solche Welt - Obersten: sie vergehen oft 
recht augenscheinlich. Denn die Meisten davon &uuml;berleben sich in 
ihrem Kredit, und das Ansehen ihrer Weisheit, und ihre 
anf&auml;nglich in der Jugend so sehr zum Gefallen eingerichtete 
Schminke, gibt ein desto w&uuml;steres Alter. Wie weit unterscheidet 
sich hiervon die heimliche verborgene Weisheit GOttes, deren 
Unterweisung mit solcher Reinigkeit flie&szlig;t, da&szlig; die 
freche Vernunft sie nicht schnell ausspionieren kann, sondern 
da&szlig; nur die, so mit der Furcht GOttes den Grund legen, bei von 
Schritt zu Schritt bewiesenem Gehorsam darein eingeleitet werden. 
Diese stammt schon aus der Ewigkeit her, und hat dort schon den Grund 
zu allem Wohlgefallen GOttes abgegeben, und ist eben daher auch 
keiner Ver&auml;nderung, wie die Weisheit dieser Welt unterworfen. 
Ihr Nutzen erstreckt sich auch wieder in die Ewigkeit, und wird sich 
bei der Vollendung unseres Heils in der Herrlichkeit finden, wenn das 
Wesen dieser Welt l&auml;ngst vor&uuml;ber sein wird. Gegen die 
Stimme dieser Weisheit und ihren Antrag kann man sich freilich durch 
das Gesuch der Ehre bei den Menschen so befestigen, da&szlig; es wie 
eine Ausnahme anzusehen ist, wenn einer von den Obersten dieser Welt 
zur Erkenntnis derselben gelangt. An dem Ha&szlig; ohne Ursache und 
mit Unverstand, der an dem Herrn der Herrlichkeit ausgebrochen ist, 
kann man vielmehr sehen, was man von dieser Art von Leuten zu 
erwarten hat. Mithin geht es eben bei der Predigt von Christo noch 
immer so, wie geschrieben steht. Es m&uuml;ssen dabei solche 
Geheimnisse ausgesprochen, und den Menschen zu glauben vorgehalten 
werden, die &uuml;ber der Menschen Sehen und H&ouml;ren, Wissen und 
Verstehen hinaus sind: Die Erscheinung des Sohnes GOttes in der Welt, 
die durch Ihn ausgesprochenen Geheimnisse des Reiches GOttes, sein 
Leiden, Sterben, Auferstehen, die Aufrichtung seines Reichs durch 
Mitteilung seines Geistes in so niedrige Gef&auml;&szlig;e, die 
bisherigen Wege und Gerichte GOttes mit seiner Kirche auf Erden, die 
h&auml;ufigen Kreuzes - Niedrigkeiten, die aber auf lauter Sieg und 
Wahrheit hinausgehen zc. Von dem Allen h&auml;tte ja nichts in eines 
Menschen Herz kommen k&ouml;nnen, wenn es nicht zuerst der Sohn aus 
des Vaters Scho&szlig; verk&uuml;ndigt, nachmals aber der Geist noch 
weiter verkl&auml;rt h&auml;tte. Was nun dieser Geist lehrt, darf man 
wohl f&uuml;r das Tiefste und zugleich N&uuml;tzlichste halten. Wer 
wird etwas Tieferes und Geheimnisreicheres aufbringen? Wie 
unentbehrlich aber, und zugleich wie zul&auml;nglich diese 
Offenbarung durch den Geist sei, ist daraus abzunehmen: Die Menschen 
sind gleicher Natur mit einander, und doch ergr&uuml;ndet Keiner den 
Anderen so, und wei&szlig; des Anderen Absicht so, wie der Geist des 
Menschen. GOtt aber ist einig, und also auch allein sich bekannt. Wie 
viel unentbehrlicher ist also zu seiner Erkenntnis eine Offenbarung 
vom Geist GOttes. Wie gr&uuml;ndlich aber ist auch das, was der Geist 
forscht, und mithin auch lehren kann, da Er so gewi&szlig; zu GOttes 
Wesen geh&ouml;rt, als unser menschlicher Geist zu unserem 
menschlichen Wesen, und Alles mit solcher Gewi&szlig;heit wei&szlig;, 
als unser Bewu&szlig;tsein von uns selbst uns Gewi&szlig;heit 
austr&auml;gt. Was also GOtt &uuml;ber uns in Gnaden verordnet, wozu 
Er uns seinen Sohn gemacht hat, und was uns auf die Ewigkeit von Ihm 
bereitet ist, das wissen wir vom Geist GOttes. Der lehrt es, der 
erweckt auch die Begierde, wirkt den Glauben, befestigt und beruhigt 
das Herz in dieser Erkenntnis. - Aus Gelegenheit dieses 
fr&ouml;hlichen Ruhms kommt nun der Apostel wieder auf seine 
Hauptsache, n&auml;mlich die gottgef&auml;llige Gr&uuml;ndlichkeit 
seines Vortrags zu behaupten, worin er sich ganz und gar vom Geist 
GOttes leiten lasse. Denn weder die Lehren und Sachen selbst, noch 
auch die - zum Vortrag derselben tauglichen Worte begehrte der 
Apostel von menschlicher Weisheit herzuhaben, sondern vom Heiligen 
Geist, von dem er in schriftlichen und m&uuml;ndlichen Vortrag 
getrieben wurde. Wer aber auch noch jetzt die vom Heiligen Geist 
erlernten und in ihren Schriften aufbehaltenen Worte der Apostel 
flei&szlig;ig liest und erforscht, und sein Herz und Sinn auch sonst 
unter die Zucht und Leitung dieses Geistes hingibt, der kommt auch in 
solches Lernen vom Geist hinein; wobei freilich das Nachdenken 
&uuml;ber die bequeme Einrichtung seines Vortrags und der Gebrauch 
menschlicher Hilfsmittel nicht zur&uuml;ckgesetzt wird, aber wobei 
man doch immer das zum Zweck hat, da&szlig; man von seinem Eigenen, 
von dem in der Welt Aufgefangenen, von dem in Worten Ausschweifenden 
abkomme, und das Nachdr&uuml;ckliche, N&uuml;chterne erreiche, das 
uns der Geist in der Schrift vorgesprochen hat. 
<i>Aber eben deswegen kann man sich nicht 
einem Jeden so anbequemen und gef&auml;llig machen, wie er es etwa 
gern h&auml;tte, weil wir uns in geistlichen Dingen und beim Vortrag 
geistlicher Lehren meist nach geistlichen Menschen zu richten haben, 
wie es diese durch Hilfe des - auch in ihnen wirkenden Geistes 
fassen</i>, wenn es schon denen - in 
blo&szlig;er Naturkraft Stehenden weder so annehmlich und 
fa&szlig;lich, noch auch so teuer und wert vorkommt. Dabei 
erf&auml;hrt man freilich: nicht nur die Obersten dieser Welt, nicht 
nur die - in ihrer eigenen Art schon sehr aufgeblasenen Weltweisen, 
nicht nur die - auf ihren Ruhm verpichten Juden und ihre 
Anf&uuml;hrer sind so blind in diesem Geheimnis, sondern 
&uuml;berhaupt jeder blo&szlig; in seiner Naturkraft stehende, und 
noch nicht unter die Arbeit des Geistes gebeugte Mensch nimmt und 
fa&szlig;t das nicht, was der Heilige Geist im Evangelium lehrt, und 
zu dessen Verkl&auml;rung der Heilige Geist nur in die Welt gesandt 
ist, und wozu Ihn Jeder braucht, bei dem es zu einer fruchtbaren 
Aufnahme g&ouml;ttlicher Wahrheiten in sein Herz kommen soll. Ist 
denn also des Menschen Naturkraft, Vernunft und Denkungskraft, das 
darin erlangte Geschick am Glauben und Annehmen geistlicher Dinge 
hinderlich? Den nat&uuml;rlichen Menschen mu&szlig; man freilich 
immer auch zugleich als einen verdorbenen Menschen betrachten, der 
sich in seiner verdorbenen Eigenliebe zu viel traut. Der auf seine 
nat&uuml;rliche Kraft, deren Einsicht und Pr&uuml;fung mehr nimmt, 
als er sollte, und dar&uuml;ber in Abneigung gegen geistliche Dinge 
ger&auml;t. Ein blo&szlig; vern&uuml;nftiger Mensch, wenn er nicht 
auch zugleich ein verdorbener S&uuml;nder w&auml;re, w&uuml;rde keine 
einzige Wahrheit f&uuml;r Torheit achten. Aber in der blo&szlig;en 
Vernunft stehen, und dabei in der eigenliebigen Ungerechtigkeit 
 
stecken, das bringt solche Folgen, wie der Apostel sagt. Ein 
nat&uuml;rlicher und blo&szlig; vern&uuml;nftiger Mensch k&auml;me 
nicht auf die Geheimnisse des Geheimnisse des Geistes GOttes; einem 
nat&uuml;rlichen und noch dazu verdorbenen Menschen sind sie erst 
nicht anst&auml;ndig, auch, wenn man sie ihm sagt, so lange er sich 
vom Geist GOttes nicht in die &Uuml;berwindung seiner Vorurteile 
hineinleiten l&auml;&szlig;t. Das nat&uuml;rliche Verderben aber 
mu&szlig; man nicht in einem solchen Verfall und Gefangenschaft unter 
die fleischlichen L&uuml;ste suchen, da&szlig; es nur bei einigen gar 
mi&szlig;ratenen Menschen sich so f&auml;nde. Sondern Alles, was noch 
au&szlig;er dem Geiste GOttes und seiner Kur steht, hei&szlig;t der 
nat&uuml;rliche Mensch, und der Mangel der erleuchtenden Gnade hat 
bei einem Jeden solche leidigen Folgen. Nicht just ausschweifende 
Lust des Fleisches, sondern auch Weisheit nach dem Fleisch, Worte 
menschlicher Weisheit f&uuml;hren vom Kreuz Christi ab, erregen eine 
Widrigkeit wider die - vom Geist GOttes herstammenden Lehren, und oft 
auch wider die Einfalt seines Vortrags. Da&szlig; es aber gar 
hei&szlig;t: es sei ihm eine Torheit, und k&ouml;nne es nicht 
erkennen, so hat es damit freilich seine Stufen. Manche lassen ihre 
Vorurteile so Meister werden, da&szlig; sie g&ouml;ttliche Wahrheiten 
auch mit Worten verwerfen, und bei ihnen Herz, Mund und Werke in 
ungl&auml;ubiger Verleugnung geistlicher Dinge Eins sind. Bei Anderen 
aber kommt es nicht so weit, aber sie behandeln geistliche Dinge 
gleichwohl so nachl&auml;ssig, da&szlig; es sie nicht der M&uuml;he 
wert zu sein d&uuml;nkt, ihre gewohnten Vorurteile abzulegen, oder 
bei Anderen etwas dar&uuml;ber zu wagen. Andere gestehen geistliche 
Dinge und ihre Wahrheit gar zu, haben aber doch keinen vom Geist 
GOttes gewirkten und zu ganzer Ver&auml;nderung ihres Sinns 
kr&auml;ftigen Glauben, und das, was sie in diesem fleischlichen Sinn 
bei sonst vorgegebenem Glauben aufh&auml;lt, mu&szlig; doch auch eine 
Feindschaft wider das Licht sein, dabei man nicht im Stande ist, 
geistliche Dinge Geistlich zu richten und mit einem vom Geist GOttes 
erleuchteten Sinn, nach dem vom Geist GOttes im Wort GOttes 
vorgesprochenen Urteil mit selbigem Augenma&szlig; und genauem 
Unterschied. Wer aber durch den Geist GOttes zur Erkenntnis, Glauben 
und Gehorsam der Wahrheit gebracht ist, und t&auml;glich unter der 
Anleitung desselben lernt, was uns von GOtt gegeben ist, der richtet 
Alles, was ihm zu Erkenntnis und Dienst GOttes Geh&ouml;riges 
angetragen wird, zwar nicht just mit v&ouml;lliger 
Unbetr&uuml;glichkeit, aber doch nach einem richtigen Grund, mit 
Bedacht nichts Ungepr&uuml;ftes anzunehmen, das Beste zu 
erw&auml;hlen. Und darin ist er Niemands Urteil unterworfen, noch 
verbunden, sich davon richten zu lassen, sondern ist &uuml;ber andre 
Urteile erhaben, und von denselben nicht zu unterdr&uuml;cken. Denn 
mit der Kraft: <i>Wer hat des 
HErrn Sinn erkannt? Wer will ihn unterweisen? Wir aber haben Christi 
Sinn</i>; kann ein jeder Sch&uuml;ler, 
der von GOtt und seinem Geist gelehrt ist, sich &uuml;ber viele 
tausend menschliche Urteile, und was Jeder aussetzen will, 
hin&uuml;berschwingen, und in dem ruhen, was Christus von dem 
gn&auml;digen Willen seines Vaters zu der Menschen Seligkeit 
verk&uuml;ndigt hat. Aber freilich t&auml;glicher Umgang mit GOttes 
Wort, Abgeschiedenheit von allem Gesuch der Ehre bei den Menschen, 
Inbrunst im Gebet, vertragsame Liebe gegen Andere, geh&ouml;rt dazu, 
da&szlig; man diesen Ruhm: <i> 
wir haben Christi Sinn</i>, 
w&uuml;rdiglich f&uuml;hre. O GOtt! Unterweise mich durch Deinen 
Geist, so lebe ich.</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 3,1-9</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel beweist noch weiter, warum er au&szlig;er den Kap. 1 und 2 angef&uuml;hrten 
Gr&uuml;nden keine andere Lehrart habe brauchen k&ouml;nnen, und 
daher, da&szlig; es der Korinther Umst&auml;nden gar nicht 
gem&auml;&szlig; gewesen w&auml;re, wenn er es auch wirklich anders 
h&auml;tte angreifen wollen; und gibt ihnen zu erkennen, da&szlig;, 
wenn es nur ein anderer Knecht Christi bei etwas ver&auml;nderten 
Umst&auml;nden auch anders angegriffen habe, so sollten sie nicht 
sowohl auf diesen Unterschied, als vielmehr auf die - bei Einem wie 
bei dem Anderen n&ouml;tige Gnade GOttes sehen, aus welcher alles 
Wachstum und Gedeihen herzuleiten sei.</b></p> 
 
<p>Nach der Beschaffenheit 
der Zuh&ouml;rer hat sich ja auch der gr&ouml;&szlig;te Lehrer von 
GOtt gekommen, bed&auml;chtlich gerichtet: ich h&auml;tte euch noch 
viel zu sagen, aber ihr k&ouml;nnt es jetzt nicht tragen; glaubt ihr 
nicht, so ich euch von irdischen Dinge sage, wie w&uuml;rdet ihr 
glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sagen w&uuml;rde, waren 
seine &ouml;fteren Erkl&auml;rungen. GOttes Lehrart verlangt uns ja 
nicht zu &uuml;berh&auml;ufen. Nicht als mit Geistlichen, die Alles 
zu richten erleuchtet und gest&auml;rkt w&auml;ren, die Alles wohl 
anzuwenden w&uuml;&szlig;ten, wenn man ihnen auch den ganzen Umfang 
der Heils - Wahrheiten, und die tieferen Gr&uuml;nde von GOttes 
Gnaden - Rat vorgetragen h&auml;tte, sondern wenn ihr schon nimmer 
unter der v&ouml;lligen Herrschaft des Fleisches steht, so seid ihr 
doch noch so sehr von dem, was in die Sinne f&auml;llt eingenommen, 
und nach dem &auml;u&szlig;erlichen Schein und Ansehen zu urteilen, 
versuchlich; mithin auch etwas zu fleischlichem Aufbl&auml;hen 
&uuml;ber einander zu mi&szlig;brauchen geneigt, wie es bei der 
kurzen Zeit, seitdem ihr zur Gemeinschaft mit Christo gebracht seid, 
als von Kindern nicht wohl anders zu erwarten ist. - Das unter den 
Korinthern gepredigte Evangelium setzt der Apostel mit dem 
Namen <i>Milch</i> 
nicht herunter, sondern erkl&auml;rt es vielmehr 
eben damit f&uuml;r das Nahrhafteste, und zur St&auml;rkung des 
geistlichen Lebens Bequemste; gleichwie nicht Alles, wonach man oft 
l&uuml;stern werden kann, mit dem Namen der st&auml;rksten Speise zu 
beehren ist. Auch aus der Milch kann man Speise bereiten. Man kann 
JEsum Christum den Gekreuzigten so predigen, da&szlig; es Milch 
hei&szlig;t, und den ersten Glauben an die - durch Ich gestiftete 
Vers&ouml;hnung wirkt und n&auml;hrt. Man kann Ihn aber auch 
predigen, wie Paulus den Hebr&auml;ern, da&szlig; man die Gr&uuml;nde 
und Rechte seines ewigen Hohenpriestertum aufschlie&szlig;t; und da 
ist es Speise, doch aus lauterer Milch des Evangeliums bereitete. Man 
kann aber auch unter dem Vorwand mehreren Wachstums auf Einsichten 
verfallen, und zum Beispiel vom Ursprung des B&ouml;sen, von der 
Fortpflanzung der S&uuml;nde, von den tieferen Gr&uuml;nden unserer 
Wiedergeburt aus dem Geist, vom Zustand nach dem Tod, und von der 
&uuml;ber diese Zeit hinausreichenden Gnaden - Haushaltung GOttes 
Aufschl&uuml;sse und Vortr&auml;ge haben wollen. Dazu kann aber die 
Versuchung schlagen, da&szlig; man gar &uuml;ber das Ebenma&szlig; 
der Schrift hinausger&auml;t, und zur Milch und Speise gar 
unt&uuml;chtig wird. Da&szlig; er sie so anzusehen Ursache gehabt 
habe, beweist er nun aus den - unter ihnen ausgebrochenen Regungen 
des fleischlichen Sinnes. Denn die Einbildungen eines besorglichen 
Nachteils aus Anderer Vorz&uuml;gen erweckt Eifer, und der gebiert 
Widerspruch oder Heftigkeit in Verteidigung seiner Meinungen, und 
daraus wird Spaltung, da&szlig; man einander nicht nur in 
Lehrs&auml;tzen widerspricht, sondern sich auch durch besondere 
&Uuml;bungen und Verbindungen von einander unterscheiden will. So 
gewi&szlig; nun Liebe, Einigkeit, Friede eine Frucht des Geistes ist, 
und ein Beweis, da&szlig; man in GOtt ist und bleibt, so gewi&szlig; 
verr&auml;t Neid und Entr&uuml;sten das Fleisch, und den Trieb 
gemeiner menschlicher Affekte, die sich gew&ouml;hnen, Alles den 
Menschen in das Gesicht zu r&uuml;cken, an deren Urteil man &uuml;ber 
Geb&uuml;hr h&auml;ngt. Ruhmsucht am Menschen entspringt aus dem 
Fleisch, und ist ein Mangel einer noch nicht genug in GOtt 
eingedrungenen Gemeinschaft. Vorwand kann man freilich nirgends 
leichter hernehmen, als von den Dienern, durch deren Wort man 
anf&auml;nglich gl&auml;ubig geworden, oder im Glauben gef&ouml;rdert 
worden ist. <i>Aber wenn man 
aus dem Unterschied der Gaben, aus der ungleichen Art, ihre Sachen 
anzugreifen, zu viel macht. Dem Einen es zur Last legt, da&szlig; man 
bei ihm die F&ouml;rderung nicht so gefunden, dem Anderen es zum Ruhm 
rechnet, da&szlig; einem durch ihn und seine Art das Licht 
aufgegangen sei, und nicht bedenkt, wie GOttes Gedeihen bei dem Einen 
und dem Anderen das Beste tun m&uuml;sse, wie der ungleiche Erfolg, 
so viel auch an uns selbst, an Zeit und Umst&auml;nden gelegen sei, 
doch nicht immer von uns abh&auml;nge, so legt oder n&auml;hrt man 
eben den Zunder zu sch&auml;dlichem Eifer. Je tiefer sich aber Einer 
unter das Wort beugt, nichts zu sein, nichts f&uuml;r sich zu suchen, 
je richtiger kann er solchen Verirrungen ausweichen und auch bei 
Anderen verh&uuml;ten</i>. Damit ist 
aber nicht aufgehoben, da&szlig; der Unterschied vor GOtt gro&szlig; 
sein und ausfallen k&ouml;nne. Aber davon verstehen wir noch nichts, 
und sollen es nicht zu unserem Schaden fr&uuml;hzeitig bestimmen 
wollen, sondern in unparteiischer Liebe Alles ben&uuml;tzen, was uns 
GOtt vorkommen l&auml;&szlig;t.</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 3,10-15</font></b></h4> 
 
<p><b>Da der Apostel so 
gar auf den niedrigen Sinn gedrungen, den die Arbeiter GOttes von 
sich selbst f&uuml;hren sollen, und deswegen auch Andere keine so 
gute Wahl zwischen ihnen anzustellen h&auml;tten; so baut er nun vor, 
und verh&uuml;tet, da&szlig; man das in keine nachl&auml;ssige 
Gleichg&uuml;ltigkeit ziehen, oder Alles unter einander 
ungepr&uuml;ft annehmen sollte. Er stellt deswegen nachdr&uuml;cklich 
vor, da&szlig;, so wenig der Unterschied jetzt gleich ausgemacht 
werden k&ouml;nne, so gro&szlig; werde er doch mit der Zeit 
ausfallen, und so ernstlichen Bedacht habe jeder Arbeiter schon jetzt 
darauf zu nehmen.</b></p> 
 
<p>Zur Sammlung des Volks, 
da&szlig; der HErr zu Korinth hatte, ward der Anfang durch die 
Predigt Pauli gelegt, und die von ihm verk&uuml;ndigte Erkenntnis 
Christi wurde der Grund, wie zu eines Jeden eigenem Herzens - 
Glauben, so auch zu der Gl&auml;ubigen Verbindung unter einander. 
Oben beim Begie&szlig;en hat der Apostel den Apollo noch 
ausdr&uuml;cklich genannt: Apollo hat begossen; jetzt aber, da er 
auch von manchem untauglichen Ackerbau zu sagen n&ouml;tig fand, so 
schont er des Apollo, damit es Niemand auf ihn deute, wie es dann 
wirklich mehr auf andere mi&szlig;liche Arbeiter oder auf der 
Korinther eigenen Mi&szlig;brauch ging. Die Vorsichtigkeit haben 
freilich die Arbeiter zuv&ouml;rderst n&ouml;tig. Doch kommt es beim 
Ackerbauen auch viel auf den Glauben, die Beistimmung, Annahme, 
Begierde derer, die bearbeitet werden, an, wie sie auf etwas 
hinfallen, oder sich zur&uuml;ckziehen; und also haben auch sie diese 
Vorsichtigkeit n&ouml;tig. Je mehr nun heutigen Tages auch viel 
Erbauung aus dem B&uuml;cherlesen, aus schriftlichem und 
m&uuml;ndlichem Umgang mit einander gesucht wird, desto mehr hat man 
auch das Wort auf sich zu ziehen: Ein Jeglicher sehe zu wie er baue? 
nicht nur an dem was? an der Wahl der Materien, sondern auch an dem 
wie? an der Verbindung der Wahrheiten unter einander, an den 
Hilfsmitteln, die man zum Vortrag braucht, an den Kunstgriffen, womit 
man die Gem&uuml;ter einnehmen will, ist viel gelegen. 
<i>Wenn sich schon Keiner unterf&auml;ngt, 
den gelegten Grund umzusto&szlig;en, so kann auch nur durch den 
&Uuml;berbau doch betr&auml;chtlicher Unterschied eingef&uuml;hrt 
werden; je nachdem man bei dem bleibt, was mit dem gelegten Grund die 
n&auml;chste Verwandtschaft, genaueste Verbindung; der Seelen Heil 
und Erbauung am sichersten f&ouml;rdert; auch bei ver&auml;nderten 
Umst&auml;nden einen unver&auml;nderten Wert beh&auml;lt; bei einer 
&uuml;ber die Kirche GOttes oder einzelne Glieder ergehende 
Heimsuchung nicht von seiner Brauchbarkeit verliert, sondern als 
zun&auml;chst aus GOttes Rat und Verordnung gesch&ouml;pft, auch 
GOttes richterliche Bewilligung immer finden wird; oder je nachdem 
man andererseits mehr aus dem macht, was von dem Grund entfremdet, 
mehr auf menschlichem Gutmeinen, als GOttes Offenbarung, beruht, mehr 
durch Worte menschlicher Weisheit einen Schein der Erheblichkeit 
bekommt, als das es einen inneren Wert hat, mithin auch mehr auf Ruhm 
von Menschen, auf F&uuml;rwitz f&uuml;hrt, als Erbauung in der 
Glaubensgemeinschaft mit dem wahrhaftigen GOtt schafft; mithin bei 
jedem Dareinsehen GOttes, und allermeist bei dem letzten Scheidungs - 
Tag als untauglich erfunden wird</i>. 
Jede Lehre zieht immer auch eine gewisse Art und &Uuml;bung im Leben 
nach sich; gleichwie oft, auch einer Freiheit im Leben zu gefallen, 
erst auch gewisse Grunds&auml;tze und regeln aufgestellt werden. 
Mithin ist es auch hier bei diesem &Uuml;berbauen nicht von einander 
zu trennen. GOtt aber hat Mittel und Wege genug, das, was verborgen 
ist, an das Licht zu bringen, und auch das in seiner eigentlichen 
Gestalt darzustellen, was man gern anders h&auml;tte schm&uuml;cken 
m&ouml;gen. Unter dem <i> 
Feuer</i> hat man also Alles zusammen 
zu nehmen, was eine genaue, m&auml;chtige, richterische, 
durchdringende Unterscheidungskraft beweist, und wodurch also 
offenbar wird, was eines Jeden seine Erkenntnis, seine daraus 
geflossene Lehre, seine Arbeit, der dabei gef&uuml;hrte Herzensrat, 
seine ganze Art, sich und Andere bei Glauben und Tun zu f&uuml;hren, 
in GOttes Augen und Gericht f&uuml;r einen Wert und Dauer hat, oder 
nicht? Was sodann in GOttes Gericht bew&auml;hrt erfunden wird, dem 
wird alle vorher auf ihm gelegene Decke der Niedrigkeit nicht 
schaden. Wird es sich aber finden, da&szlig; er sich mehr nach der 
Dunkelheit seiner Zeit, als nach dem Licht jenes Tages gerichtet hat, 
so wird er dessen Schaden leiden, an dem Menschen - Lob seinen Lohn 
dahin haben. Je nachdem er aber doch dabei den Glaubens - Grund an 
Christum JEsum beibehalten hat, so kann es ihn noch vor dem ewigen 
Untergang retten; aber mit welch vorher empfundenem Nagen vom anderen 
Tod, mit welchem Verlust alles von seiner Arbeit und Bem&uuml;hung in 
der Welt gewonnenen Ansehens, und darauf gemachten Rechnungen? das 
k&ouml;nnen wir uns noch nicht genugsam vorstellen.</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 3,16-23</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel 
sch&auml;rft es noch weiter, warum man dasjenige, was man an einander 
 
bauen wolle, mit der lautersten Absicht und reinstem Verleugnungs - 
Sinn vornehmen m&uuml;sse; und macht aus dem ganzen bisherigen 
Vortrag einen so gewaltigen Schlu&szlig;, der alle Funken zu ihren 
Zertrennungen und zu der an Menschen gesuchten Anh&auml;nglichkeit 
v&ouml;llig auszul&ouml;schen verm&ouml;gend sein 
sollte.</b></p> 
 
<p>Die Rede steigt hier 
offenbar: Vom Geb&auml;ude &uuml;berhaupt kommt es jetzt auf den 
Tempel GOttes, vom ungeschickten &Uuml;berbau gar auf das Verderben 
dieses Tempels, vom Schadenleiden im Gericht gar auf das 
Verderbtwerden von GOtt. Mithin zielt der Apostel auf Solche, die den 
mi&szlig;lichen Funken der Uneinigkeit unter den Korinthern weiter 
unterhielten, und in offenbar fleischliches Interesse zogen. Je mehr 
man aber Jemand die Gefahr vorstellen will, je gesch&auml;ftiger 
tritt der Selbstbetrug in die eingebildete Weisheit, da&szlig; es ihn 
nicht treffen werde, dazwischen. Aber zu der wahren, g&ouml;ttlichen, 
dauerhaften Weisheit gelangt gewi&szlig; Keiner, der nicht den Ruhm 
von der falschen, kurzsichtigen, auf Vorteile dieses Lebens 
abgerichteten Weisheit ablegt, und von Herzen das umf&auml;ngt, was 
der Welt t&ouml;richt scheint. Was man noch so weislich angegriffen 
zu haben glaubt, worunter man aber dem Kreuzes - Sinn ausweichen 
will, dar&uuml;ber wird man sich betrogen finden. Worunter man aber 
Christum und sein Kreuz und die Bekenntnis desselben redlich gesucht 
hat, das wird wohl getan erfunden werden. Wer GOtt in Christo 
erkennen und lieb gewinnen lernt, dessen ist die ganze Welt, die um 
deswillen geschaffen ist, da&szlig; das Reich Christi darin offenbar 
werde.</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 4,1-5</font></b></h4> 
 
<p><b>N&auml;chst zuvor 
hat der Apostel die W&uuml;rde aller Christen gerettet, die sich als 
ein Eigentum GOttes und Christi von keines Menschen Ansehen sollen 
unterdr&uuml;cken, noch von Jemands Sinn und Gaben sich sollen 
meistern lassen, sondern es gebrauchen, da&szlig;, was GOtt seinem 
Sohn &uuml;bergeben hat, auch f&uuml;r sie sei, und zu ihrem Besten 
mitwirke. Nun rettet er auf gleiche weise auch die Freiheit der 
Arbeiter GOttes und Knechte Christi, da&szlig; auch diese nicht unter 
der Menschen Urteile dahingegeben, sondern mit einer sieghaften 
Gro&szlig;mut dagegen gewaffnet sein sollen. Die Wahrheit geht 
&uuml;berall in der Mitte, verh&uuml;tet, da&szlig; man nicht in der 
Liebe anh&auml;ngisch und l&auml;ppisch (Kap.3:21), aber auch nicht 
gegen die Liebe richterisch und ver&auml;chtlich urteilen wird 
(Kap.4.1ff.).</b></p> 
 
<p>Von Christo stammt das 
Predigt - Amt her. Wie Diesen der Vater gesendet hat, so sendet 
Dieser seine Knechte, zum Erweis der Ihm gegebenen Gewalt im Himmel 
und auf Erden. Daher sind denn Diener Christi auch Haushalter 
&uuml;ber GOttes Geheimnisse. Indem einigen Geheimnis GOttes, wie 
Alles unter ein Haupt verfa&szlig;t werden sollte in Christo, liegen 
auch alle &uuml;brigen Sch&auml;tze der Weisheit verborgen. Wie nun 
Eines nach dem Anderen ausgef&uuml;hrt werden soll, dar&uuml;ber sind 
die Knechte Christi von GOtt so betraut, da&szlig; Er sie nicht nur 
das Geheimnis seines Willens wissen l&auml;&szlig;t, sondern 
da&szlig; sie auch Andere davon unterrichten, die Vollendung 
desselben betreiben, die n&ouml;tige Einrichtung dazu machen, 
&uuml;ber derselben mit Lehre, Ermahnung und Zucht halten 
d&uuml;rfen. So soll <i> 
Jedermann</i>, Freund oder Feind, 
Geneigte oder Widriggesinnte, dies Augenma&szlig; fassen, da&szlig;, 
wer von ihnen oder ihrem Dienst urteilen will, das zur Richtschnur 
vor sich haben mu&szlig;. Wenn ihr also ja so viel Unterschied machen 
wolltet, so solltet ihr nicht sowohl auf die Gaben, und deren Ruhm, 
als vielmehr auf die Treue sehen. 
<i>Die innerliche Vortrefflichkeit in uns 
Menschen GOttes ist nicht aus den Gaben, sondern aus dem Gebrauch und 
Anwendung derselben zu sch&auml;tzen, das ist aus der Treue. Bei der 
lautersten Liebe ist die treueste Anwendung zu GOttes Ehre und des 
N&auml;chsten Dienst. Das Zeugnis aber der Treue aber hat man bei 
keinem menschlichen Tage zu suchen, und das, was den Menschen 
allermeist in die Augen f&auml;llt, darf man f&uuml;r das Geringste 
achten, oder f&uuml;r das: worin man keinen eigentlichen Ruhm sucht. 
Ver&auml;chtliche Urteile sp&uuml;rt man weniger, wenn man nicht auf 
g&uuml;nstige rechnet und baut. Bei einem menschlichen Tage tun sich 
oft auch Mehrere &uuml;ber Einem zusammen, und geben der Sache ein 
Gewicht, das vor Menschen von Folge sein kann. Das gewissen ist 
freilich von GOtt so eingerichtet, da&szlig; es ohne str&auml;fliche 
Nachl&auml;ssigkeit, oder bedauerliche Unreinigkeit, nicht ohne 
Selbstpr&uuml;fen und auch Selbstrichten abgehen kann. Doch 
sp&uuml;rt der Mensch daneben wohl, da&szlig; er nicht so sein 
eigener Richter ist, &uuml;ber welchen hinaus an keinen anderen und 
h&ouml;heren zu appellieren w&auml;re, sondern bei Gedanken, die sich 
verklagen, und die sich entschuldigen, gilt es an den denken, der 
gr&ouml;&szlig;er ist, denn unser Herz.</i> 
Da&szlig; er sich selbst nicht richte, war weder 
die Folge eines eingeschl&auml;ferten und unreinen, noch auch die 
Schw&auml;che eines b&ouml;sen und verzagten Gewissens, sondern die 
Folge einer neben dem guten Gewissen wohlanst&auml;ndigen Furcht, die 
sich bescheidet, da&szlig; der endliche Ausspruch noch zu erwarten 
sei, und <i>da&szlig; es bei 
durch einander laufenden Urteilen der Menschen wohl anstehe, wenn man 
nicht zu gesch&auml;ftig ist, seine Gerechtigkeit ans Licht zu 
bringen.</i>Da&szlig; aber das in keine 
Ungewi&szlig;heit oder steten Zweifel &uuml;ber seinen Gnaden - Stand 
hineinf&uuml;hre, zeigt der mutige Ausspruch an: Der HErr aber ist 
es, der mich richtet; welches bei treuen Knechten der Grund alles 
wahren Trostes und der un&uuml;berwindlichen Geduld ist. Wenn der Rat 
des Herzens und andere Verborgenheiten ans Licht gebracht sein 
werden, so wird Manches erst eine andere Gestalt bekommen; und GOttes 
Gericht wird bei Jedem ohne Parteilichkeit nach der Wahrheit 
durchgehen.</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 4,6-13</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel 
f&auml;hrt fort, die Korinther vor der Gefahr zu verwahren, da&szlig; 
sie doch ihr Christentum Anderen nicht so ins Gesicht r&uuml;cken, 
und hinwiederum Andere, die ihrer Sache so ein Ansehen geben 
k&ouml;nnen, nicht so bewundern sollen, sondern doch tiefer in den 
Kreuzes - Sinn wurzeln. Damit er sie aber &uuml;ber ihre 
Aufgeblasenheit desto heilsamer besch&auml;men m&ouml;chte, so 
h&auml;lt er ihnen seine Niedrigkeit vor und neigt damit ihre Herzen 
zum Herabsteigen von ihren H&ouml;hen.</b></p> 
 
<p>An sich und Apollo hat 
der Apostel also ein Muster geben wollen, wie die Korinther auch von 
sich selbst und von anderen unter sie gekommenen Arbeitern einen 
m&auml;&szlig;igen Sinn f&uuml;hren sollten. Die ganze Schrift gibt 
best&auml;ndig Richtschnur und Anleitung zum niedrigen Sinn, indem 
sie GOtt allen Ruhm gibt, den Menschen aber in nichts aufkommen 
l&auml;&szlig;t. Der Eifer, den Schrift allenthalben f&uuml;r GOttes 
Ehre beweist, ist ein Hauptcharakter ihrer G&ouml;ttlichkeit. 
- <i>Unter der besonderen und 
unreinen Anh&auml;nglichkeit an einen Menschen erhebt man nicht nur 
den, dessen Gaben, Lehr - und Lebens - Art man so erhebt, sondern man 
gef&auml;llt sich auch selbst wohl hiermit, und erhebt und bl&auml;st 
sich auf um Jemands willen &uuml;ber Andere. Sobald man aus etwas so 
viel macht, da&szlig; man dar&uuml;ber einen Ri&szlig; in das Band 
des Friedens mit anderen Mitgenossen des himmlischen Berufs macht, so 
tut man, wie wenn man es nicht von dem HErrn empfangen h&auml;tte, 
der unter Allem nur nach der treuen Anwendung durch die Liebe fragen 
wird; sondern wie wen man es in Eigenliebe zur Nahrung f&uuml;r seine 
selbsts&uuml;chtigen W&uuml;nsche und Triebe verwenden 
d&uuml;rfte.</i>Wo die Gefahr ins 
Abweichen, Abnehmen, Abkommen von der Geistes - Kraft oft am 
n&auml;chsten und gr&ouml;&szlig;ten ist, da steigt die Vermessenheit 
und die Zufriedenheit mit sich selbst am h&ouml;chsten. Diese 
gef&auml;hrliche Ruhe zu st&ouml;ren, braucht der Apostel so eine 
stattliche Rede: wie seid ihr so geschwind und ohne uns und unsere 
F&ouml;rderung und Mitgenossenschaft zu einem solchen Wohlstand und 
Freiheit gekommen? Wenn es eine wahre S&auml;ttigung, ein 
gr&uuml;ndlicher Wohlstand w&auml;re, so wollten wir es euch nicht 
mi&szlig;g&ouml;nnen; wir wollten vielmehr uns selbst an euch 
aufrichten, um mit euch Gemeinschaft zu bekommen, wenn das 
Christentum so ohne Kreuzes - Niedrigkeiten gef&uuml;hrt werden 
k&ouml;nnte. Mich d&uuml;nkt aber, sagt der Apostel, GOtt habe uns 
bei all unseren &uuml;brigen Gaben und Diensten in seinem Reich so 
tief unter das Leiden gesteckt, um uns gewi&szlig; vor aller Gefahr, 
uns selbst, und vor allem Gesuch, Anderen zu gefallen, wohl zu 
verwahren. Aber mitten unter der Schmach, erlittenem Widerspruch, 
ertragenen niedrigen Urteilen, anderer &uuml;blen Begegnis, doch 
seine Schuldigkeit mit Treue, Mut, Ruhe in GOtt tun, das ist ein 
Schauspiel, das die Engel nicht ohne Bewunderung, die Menschen nicht 
ohne Hochachtung ansehen k&ouml;nnen. Wenn auch B&ouml;se unter den 
Engeln und Menschen an diesem Schauspiel ihre Lust sehen, und ihren 
Mutwillen durchzutreiben meinen, so dreht es sich doch oft mit dem 
Sieg ganz anders, wie auch ihr es noch erfahren werdet, da&szlig; 
das, worin ihr euch jetzt so wohl gefallt, nicht von solchem Bestand 
sei, GOtt hingegen uns unter unserer Decke der Niedrigkeit viel 
sicherer durchbringen wird. Da wir in Einfalt des Herzens so 
lauterlich bei der Predigt des gekreuzigten Christus bleiben, so gibt 
das fleischlichen und unverst&auml;ndigen Menschen Anla&szlig;, uns 
f&uuml;r Narren zu halten. Ihr aber habt euch einen Weg ausgesucht, 
wobei ihr Christus und euren Christen - Sinn zwar nicht vergeben, 
aber doch dieser Schmach ausweichen, vielmehr an eurem Exempel zeigen 
wollt, da&szlig; man doch neben dem Christentum eine kluge 
Auff&uuml;hrung behaupten, und sich bei Anderen in dieser Achtung 
halten k&ouml;nne. &Uuml;ber uns herzufahren, besinnt sich Keiner, 
eben weil wir uns bei Klugen und bei Angesehenen dieser Welt keine 
solche Schutzwehr machen. Ihr aber habt von der - durch eure Klugheit 
bei Anderen gefundenen Gunst schon so viel Sicherheit, da&szlig; sich 
euch nicht Jeder anzugreifen getraut; und so k&ouml;nnt ihr euch auch 
sonst wieder manche widrige Urteile, M&auml;ngel, und unansehnliche 
Umst&auml;nde decken. Die vielen Leiden an Paulus mi&szlig;braucht 
man zu seiner Verachtung, er aber zieht es hier vielmehr zum Beweis 
seiner Redlichkeit im Hangen an Christus an. Und da die Apostel sich 
darunter nicht Luft machten, wie etwa auch ein Elia in vorigen Zeiten 
tun konnte, oder wie GOtt seinen Zeugen in der letzten Zeit verleihen 
wird, da&szlig; Feuer aus ihrem Munde geht, sondern sie eben mit 
Geduld und Glauben der Heiligen durchkommen mu&szlig;ten, so reizte 
das manche Unbedachtsame noch mehr, sie wie einen Auskehricht unter 
der Menschen F&uuml;&szlig;en zu behandeln. O wie gemein wird es 
wieder in der heutigen Zeit, da&szlig; man Kreuz und Leiden den 
Aposteln und ersten Christen allein &uuml;berlassen und nun so ein 
weltf&ouml;rmiges Christentum f&uuml;hren will, dabei die Welt nicht 
Ursache hat, einen zu hassen. O wir haben einmal auch 
&auml;u&szlig;erlich manchen Kreuzesweg n&ouml;tig, wenn der Sinn 
Christi nicht vom Welt - Sinn verdrungen werden 
soll.</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 4,14-21</font></b></h4> 
 
<p><b>Da der Apostel im N&auml;chstvorhergehenden 
notgedrungen die Korinther mit etwas gesch&auml;rften Worten 
angegriffen hat; so dringt ihn jetzt sein v&auml;terliches Herz, 
gleich wieder vorzubeugen, da&szlig; sie seine Vorstellungen nicht 
unrecht aufnehmen m&ouml;chten, oder sich von Anderer Anhetzen nicht 
zur Ungeduld reizen lie&szlig;en, wodurch der Segen seines Zeugnisses 
verschlagen w&uuml;rde; sondern da&szlig; sie seinen v&auml;terlichen 
Sinn hierunter erkennen, und sich desto williger f&uuml;gen 
sollten.</b></p> 
 
<p>Die Korinther 
mu&szlig;ten ja freilich durch das Gegeneinanderhalten ihres und des 
Apostels so gar unterschiedlichen Gangs besch&auml;mt werden. Aber 
das war von des Apostels Vorstellung weder der letzte Zweck, noch 
sollte es die ganze Frucht sein, sondern nur eine Weile als ein 
Mittel dienen, wodurch sie angetrieben w&uuml;rden, sich wieder 
ernstlicher zur v&ouml;lligen Nachfolge in des Paulus 
Fu&szlig;stapfen zu bequemen. Was der Apostel Sorgliches wegen der 
Korinther ge&auml;u&szlig;ert hat, kam aus einer v&auml;terlichen 
Z&auml;rtlichkeit her, Durch versteht der Apostel zwar 
gesch&auml;ftige, aber aufgeblasene Menschen, die sich an gutwillige 
Herzen machen, sich selbige unterwerfen durch Anma&szlig;ung einer 
ihnen beiwohnenden Macht Christi; wovon Schw&auml;chere zu guten und 
gro&szlig;en Meinungen von dergleichen Zuchtmeistern veranla&szlig;t 
werden, und von ihnen um ihrer pr&auml;chtigen Worte willen mehr 
ertragen, als vom redlichsten Knecht Christi. Selbst die gro&szlig;e 
Anzahl: Zehntausend, die der Apostel annimmt, gibt zu verstehen, 
da&szlig; er von nichts Edlem rede, sondern von etwas, das sich in 
Menge finde, und sich bis zur Beschwerung aufdringe. - Des 
<i>Vaters</i> 
Namen ma&szlig;t sich der Apostel auch nicht 
&uuml;ber die Geb&uuml;hr und gegen den Mt.23:9 bezeugten Sinn an, 
sondern durch den Beisatz in Christo, durch das Evangelium, gibt Er 
die Ehre Dem, dem sie allein geb&uuml;hrt. Christi JEsu Same und 
Kinder sollten sie sein, und das Evangelium hat solche Wiedergeburt 
und selige Ver&auml;nderung in Ihnen gewirkt. Der Apostel ma&szlig;t 
sich hierbei weiter nichts an, als das er das Evangelium so lauter 
und unvermischt gelassen hat, und gegen den daraus erwachsenen 
Kindern in solcher z&auml;rtlicher Liebe gestanden ist. Und in diesem 
Flei&szlig;, &uuml;ber der evangelischen Einfalt, Sinnes - 
Niedrigkeit, Kreuzes - und Verleugnungs - Sinn zu halten, sollten die 
Korinther seine Nachfolger sein, und dadurch die gesamten Gaben zum 
gemeinschaftlichen Gebrauch in einander richten. - Aus den Augen, aus 
dem Sinn: das trifft oft auch bei der Verbindung zwischen Lehrern und 
Zuh&ouml;rern ein, wenn sie von einander kommen, und Andere 
nachkommen, die nicht in gleichem Sinne wandeln. Darum sendet Paulus 
seinen so gar gleichgesinnten Timotheum nach, damit er sie der so 
sehr zusammenh&auml;ngenden Wege des Paulus in seinem Amts - und 
Christen - Beruf, und was dabei f&uuml;r ein Ausstrecken und 
Nachjagen nach dem vorgesteckten Ziel sei, erinnere. Diese gute 
Absicht, auch in seiner Abwesenheit unter ihnen Frucht zu schaffen, 
suchten manche trotzige Widersprecher damit zu d&auml;mpfen, 
da&szlig; sie vorgaben, Paulus werde sich nimmer unterstehen, 
pers&ouml;nlich nach Korinth zu kommen. Damit setzten sie den Apostel 
in den Verdacht der Furchtsamkeit und Leutscheue, aber er versichert, 
da&szlig; er sich gar nicht von den Worten entsetzen, sondern nach 
der Kraft fragen werde, was Jeder in Glauben, Liebe, Geduld, 
Sanftmut, rechtschaffenem Wandel dartue. Denn wenn es darauf ankommt, 
da&szlig; Jeder das Reich GOttes in sich, oder das Regiment Christi 
und seines Geistes in seinem Herzen und Gliedern dartut, so reicht 
man nicht mit sch&ouml;nen und h&auml;ufigen Worten hinaus; sondern 
es mu&szlig; sich sonst zeigen, worin eines Jeden seine Christen - 
Kraft bestehe? - Dem Apostel w&auml;re es lieber gewesen, wenn Alles, 
wogegen Sch&auml;rfe zu brauchen n&ouml;tig war, vorher aus dem Weg 
getan w&uuml;rde, und sie von seiner Gegenwart nichts als 
sanftm&uuml;tigen Geist genie&szlig;en, nichts als Zufriedenheit 
ansp&uuml;ren k&ouml;nnten. <i> 
Wer sich wider den Kreuzes - Sinn sperrt, f&auml;llt in 
Ungezogenheiten, die mit der Rute gestraft werden m&uuml;ssen; wer am 
Kreuzes - Sinn festh&auml;lt, ist immer mit sanfm&uuml;tigem Geist 
zurecht zu bringen.</i></p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 5,1-5</font></b></h4> 
 
<p><b>Nach der im Beschlu&szlig; des vorigen Kapitels 
ihnen aufgetanenen Wahl zeigt er ihnen nun an einem leidigen 
Beispiel, was unter ihnen f&uuml;r erhebliche Umst&auml;nde zum 
Bestrafen anzutreffen seien, und welche Sch&auml;rfe er zu brauchen 
berechtigt w&auml;re, auch zu welchem Eifer er sich wirklich erweckt 
finde.</b></p> 
 
<p>Die auch in den vorigen 
Kapiteln ihnen vorgehaltenen Abweichungen sind schon auch die 
Veranlassung geworden, aus welchem sich Einer die hier beschriebene 
fleischliche Freiheit hat herausnehmen k&ouml;nnen, und sich von der 
&uuml;brigen Gemeinde nicht so eintr&auml;chtigen Widerstand und 
genaue Aufsicht zu besorgen hatte. Das Nachlassen im rechten 
Einverst&auml;ndnis zusammen tut gleich in jedem Haus, noch mehr in 
einer gr&ouml;&szlig;eren Verfassung, aller Unordnung die T&uuml;r 
auf. Unter dem Wort: der die Heiden z&uuml;chtigt, liegt Vieles; 
da&szlig; wenn schon im Finstern schreckliche Werke des Fleisches 
unter ihnen getrieben wurden, man doch, aus Macht dieser Leuchte 
GOttes, Manches davon heimlich zu halten angetrieben wurde. Der Fall, 
von dem Paulus mit so gerechtem Eifer, aber doch n&ouml;tiger 
Vorsicht redet, mu&szlig; nicht nur in einem heimlichen 
unz&uuml;chtigen Zusammenhalten bestanden sein, sondern in einer 
&ouml;ffentlichen Gemeinschaft, als welche eben zu verhindern der 
Gemeinde Pflicht gewesen w&auml;re. Freilich wird Jeder seine Last 
tragen, und Keiner mit seiner Zeit und deren Verfall sich 
entschuldigen k&ouml;nnen. Doch sollen Alle, die zu einer Zeit leben, 
und in Einer b&uuml;rgerlichen oder kirchlichen Verfassung 
miteinander stehen, ernstlich darauf sehen, ob sie einander auf den 
weg des Lebens oder des Verderbens mit Wort, Beispiel und Nachsicht 
bringen? Aufgeblasenheit, Wohlgefallen an sich selbst, Erhebung 
gewisser Erkenntnisse, Beredung, man habe in etwas tiefere Einsichten 
als Andere zc., sind bei einzelnen Menschen und ganzen Haufen die 
n&auml;chste Veranlassung zur Fleisches - Freiheit; und wenn nur 
eines Manchen Stolz noch durch dergleichen leidige Ausbr&uuml;che 
gebrochen w&uuml;rde, und er durch die Gnade Christi zur 
gr&uuml;ndlichen Ausheilung an Sinn und Gewissen k&auml;me! Die 
g&ouml;ttliche Traurigkeit, woran sie es Anfangs fehlen lie&szlig;en, 
wurde nachmals noch in ihnen gewirkt (2Kor.7). Man mu&szlig; tief in 
der Armut des Geistes gegraben haben, wenn man aus Anderer 
Vergehungen keinen Ruhm mehr sucht. - Wie, von wem, mit welcherlei 
Vorkehrungen und mit welchem Erfolg der T&auml;ter dieser b&ouml;sen 
Tat h&auml;tte hinausgeschafft werden sollen, davon kann man jetzt 
viel fragen nach Beschaffenheit der Zeiten, darin jetzt Alles vom 
Welt - Geist und Welt - Herrschaft auch in diesen St&uuml;cken 
durchdrungen ist. Des Apostels Sinn zun&auml;chst war eben der, 
da&szlig; die ganze Gemeinde, freilich aber zuv&ouml;rderst 
diejenigen, welche sich des Vorstehens und Regierens allermeist 
angenommen haben, zum Zeugnis ihres allgemeinen Mi&szlig;fallens, 
diesen Menschen aus aller Gemeinschaft dessen, wozu nur ein Christ 
Zugang haben k&ouml;nnte, h&auml;tten ausschlie&szlig;en, und ihm 
dieses mehr als heidnische Laster auch f&uuml;r einen R&uuml;ckfall 
in heidnischen Unglauben anrechnen, also, nach dem Wort unseres 
Heilands, ihn als einen Heiden achten sollen. Dabei kann doch auch 
das statt haben, da&szlig; ein Glied der Gemeinde an dieser 
Vers&auml;umnis mehr Schuld hatte, als das andere. Doch k&ouml;nnen 
auch Solche, die eben nicht viel &auml;ndern und helfen k&ouml;nnen, 
durch furchtsames Stillschweigen und Nachgeben gegen den herrschenden 
Teil sich auch verschulden, und bed&uuml;rfen also durch eine so ins 
Allgemeine gef&uuml;hrte Bestrafung geweckt zu werden. Wer der Rute 
schont, ha&szlig;t sein Kind, sagt Salomo, und so ist vieles 
verschonen der Menschen gegen einander. Die gelindere Zucht spart 
man, und in ein sch&auml;rferes Gericht st&uuml;rzt man einander. 
Da&szlig; der Welt zu ihrem Unwesen so viele zu Gefallen reden, ist 
ihr gr&ouml;&szlig;ter Schade; und wenn sie das Licht und die Zucht 
der Wahrheit noch weiter zur&uuml;cktreiben wird, so wird sie nur 
desto n&auml;her bei ihrem Gericht sein. - Die Abwesenheit des Paulus 
suchte sich der Versucher auf mancherlei Weise zu Nutzen zu machen. 
Aber was er hiermit, vom Geist Christi gedrungen verf&uuml;gte, darin 
mu&szlig;ten die Korinther eine solche Geistes - Kraft sp&uuml;ren, 
die nicht an leibliche Gegenwart gebunden sei, sondern die auch in 
Abwesenheit viel Kr&auml;ftiges wirken konnte. Sonst setzt der 
Apostel Manches auf seine Ankunft hinaus, hoffte etwa, es k&ouml;nnte 
inzwischen noch aus dem Weg getan werden, oder wollte es auf 
n&auml;here Untersuchung der Umst&auml;nde ankommen lassen 
(2Ko.13:1). Aber hier bedurfte es keiner weiteren Untersuchung, es 
litt auch keinen Aufschub; sondern nach des HErrn JEsu Christi Befehl 
und Sinn, auch zur Reinhaltung seiner Gemeinde und zur Rettung der 
Ehre seiner Wahrheit, bei welcher keine solche faule Frucht aufkommen 
k&ouml;nnte, h&auml;lt sich der Apostel zu dem vertrauen 
erm&auml;chtigt, sein Schlu&szlig; werde durch unleugbare Wirkungen 
der Kraft Christi seinen Nachdruck bekommen; und sie, die Korinther, 
selbst w&uuml;rden ihm ihren &ouml;ffentlichen Beifall nicht versagen 
k&ouml;nnen, sondern ihre bisherige Vers&auml;umnis durch Beitritt zu 
des Apostels gerechtem Eifer hereinbringen. Und so wendet er seine 
Apostel - Macht, die er sonst gerne zur Befreiung vom Satan 
anwendete, nun in diesem Fall so an, da&szlig; durch diese - im Geist 
Christi geschehene Aussprache dem Satan eine gem&auml;&szlig;e Gewalt 
&uuml;ber den Menschen einger&auml;umt wurde, unter deren sein Leib, 
das Werkzeug dieser unreinen Lust, empfindlich gedem&uuml;tigt, oder 
bei ausbleibender Besserung v&ouml;llig aufgerieben w&uuml;rde. 
Da&szlig; aber auch unter dieser scharfen Zucht - Rute noch 
v&auml;terliche Liebe verborgen sei, zeigt der Apostel durch den 
Beisatz: da&szlig; der Geist selig werde am Tage des HErrn JEsu . 
Denn das l&auml;&szlig;t dem gro&szlig;en S&uuml;nder noch einen Weg 
offen, aus dem sich zugezogenen Gericht noch in die rettende Liebe 
GOttes und Gnade JEsu Christi durch zudringen; so da&szlig;, wenn er 
auch unter diesem Gericht sterben m&uuml;&szlig;te, und seine Sinnes 
- &Auml;nderung immer zur Abwendung der leiblichen Strafe wirkte, es 
doch sein Geist noch mit ewiger Rettung auf den Tag JEsu Christi zu 
genie&szlig;en h&auml;tte. Wer mit der Hoffnung, auf den Tag JEsu 
Christi selig zu werden, abscheidet, der wandelt schon nicht in 
Finsternis. O was wird dieser Tag so vielen aus den Stricken des 
Satans, aus ihrer eigenen Lust und Last, aus den Versuchungen und 
&Auml;rgernissen der Welt gerissenen und erretteten armen 
S&uuml;ndern, f&uuml;r ein allgemeiner Freudentag 
werden.</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 5,6-8</font></b></h4> 
 
<p><b>Er fa&szlig;t der 
Korinther Herz so an, da&szlig; sie seiner n&auml;chstvorhergehenden 
Bestrafung nicht ausweichen konnten, sondern das, was ihnen Allen an 
Wegr&auml;umung dieses eingedrungenen &Auml;rgernisses gelegen sei, 
erkennen mu&szlig;ten; worunter er abermals seine Bereitwilligkeit, 
im Geist der Sanftmut mit ihnen zu handeln, 
beweist.</b></p> 
 
<p>Der Apostel hatte ihnen 
oben <i>Kap.1:31</i> 
den an GOtt habenden Ruhm durch unseren HErrn 
JEsum Christum angewiesen. Und es ist fein, und vor GOtt 
gef&auml;llig, wenn man sich des im Herzen kr&auml;ftig gewordenen 
Evangeliums bis zum R&uuml;hmen annehmen kann. Aber es auch nichts 
Kl&auml;glicheres, als wenn dieser Ruhm sein Feines, vor GOtt 
Taugliches und Anderen zur Besserung Dienendes verliert. 
<i>Ein einziges Beispiel wodurch in einer 
Gemeinde die Einbildung, ungestraft und ungeahndet durchzukommen, 
aufgerichtet wird, tut unglaublichen Schaden. Es dringen irrige 
Vorstellungen und fleischliche Freiheiten ein. Es gewinnen freche 
Leute die Oberhand, und damit ist der ganze Teig 
vers&auml;uert.</i>Wo man aber solcher 
Meinung und Einbildung widerstrebt, Werke des Fleisches abtreibt, 
&auml;rgerliche Personen und Verf&uuml;hrer ahndet, da wird der alte 
Sauerteig ausgefegt. - Und der Eifer in einem wichtigen Fall kann 
auch wieder in anderen St&uuml;cken zu merklicher Erneuerung dienen. 
Euer Beruf und das in euch kr&auml;ftig gewordene Evangelium, hat 
euch ja als ein gereinigtes und geheiligtes Eigentum GOttes 
dargestellt, und euch zur Reinigkeit an Herz, Sinn und Gewissen 
verpflichtet. Der Opfer - Tod und das Blut - Vergie&szlig;en ihres 
Osterlamms hat die Israeliten erstmals in die Freiheit vor dem 
W&uuml;rge - Engel gesetzt, und ihnen die T&uuml;r zum Ausgang aus 
&Auml;gypten vollends aufgetan. Zum Ged&auml;chtnis dieses Wunders 
und gro&szlig;en Erl&ouml;sung wurde das Osterfest j&auml;hrlich 
gehalten. Und so sind nun wir durch Christi Tod und Blut - 
Vergie&szlig;en vom Tod und dem, der des Todes Gewalt hatte, 
erl&ouml;st, und zum Eingang in das verhei&szlig;ene Erbe GOttes 
berechtigt. Der Juden Ostern war in wenige Tage eingeschr&auml;nkt. 
Christi Aufopferung hat die ganze Zeit des Neuen Testaments zu einer 
solchen Fest - Zeit gemacht. Das kann aber nicht bei dem 
unbu&szlig;fertigen Beharren im alten Sauerteig bestehen, noch auch, 
wo man seinen aufgegangenen neuen Sinn wieder mit B&ouml;sen 
vermengen l&auml;&szlig;t, da&szlig; es einen Sauerteig der Bosheit 
abgibt; noch wo man sich das B&ouml;se unter gutem Schein einer 
rechtm&auml;&szlig;igen Freiheit aufdringen l&auml;&szlig;t, 
da&szlig; ein Sauerteig der Schalkheit daraus wird. O der Korinther 
Spaltungen und Partei - Geist, ihr str&auml;fliches Nachsehen bei dem 
unter sie gekommenen &Auml;rgernis, ihre &ouml;fters mit 
&Uuml;bervorteilung des N&auml;chsten verbundenen 
Streitigkeiten <i> 
(Kap.6)</i>, der gef&auml;hrliche 
Mi&szlig;brauch ihrer Freiheit im unbedachtsamen Umgang mit den 
Ungl&auml;ubigen <i>(Kap. 
9:10)</i>, ihre bei des HErrn Abendmahl 
eingerissenen Mi&szlig;br&auml;uche 
<i>(Kap.11)</i> 
, und ihre b&ouml;sen Geschw&auml;tze von der 
Auferstehung der Toten <i> 
(Kap.15)</i>, f&uuml;hrte manchen 
Sauerteig der Bosheit und Schalkheit ein. 
<i>O wie viel ist auch heutigen Tages daran 
gelegen, da&szlig; doch Lauterkeit und Wahrheit nicht Not leide, 
da&szlig; man unter den &Auml;rgernissen der Welt nicht 
gleichg&uuml;ltig gegen die S&uuml;nde werde, sich nicht im Handel 
und Wandel, im Umgang mit Anderen viel zu gut halte, worunter doch 
Bosheit, Geiz, Schalkheit, Begierde, sich nach dem Fleisch angenehm 
zu machen, steckt.</i> Ach da&szlig; 
doch unser Leben ein ununterbrochenes Teilnehmen an JEsu Leben, an 
seinem Geist sei; und also eine eben so ununterbrochene Verleugnung 
aller aus dem Fleisch und Weltlauf herstammenden 
Versuchungen!</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 5,9-13</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel 
verh&uuml;tet allen Mi&szlig;verstand bei seinen in der bisherigen 
Materie gegebenen Ermahnungen; hinter welchem Mi&szlig;verstand man 
sich dem rechtm&auml;&szlig;igen Gehorsam desto eher entzieht. Wie 
man auch in anderen St&uuml;cken der Lehre Christi und ihren 
Anforderungen oft einen solchen Sinn geben will, der sich mit den 
jetzigen &auml;u&szlig;erlichen Umst&auml;nden nicht zum Besten 
vertr&auml;gt, damit man sich unter solchem Vorwand desto eher gar 
entziehen kann. Er bezeugt hingegen noch einmal seinen Sinn, und ihre 
deshalb aufhabende Pflicht</b></p> 
 
<p>Da&szlig; sich der 
Apostel in diesen Worten auf eine schon zuvor gegebene Anweisung 
bezieht, ist offenbar. Ob er aber darunter die allern&auml;chst zuvor 
gemachte Verordnung von Wegr&auml;umung der &Auml;rgernisse, oder 
das, was er in gleicher Materie an die Thessalonicher 
<i>(2Thess.3:6,14)</i> 
geschrieben hatte, da&szlig; auch den Korinthern 
bekannt sein konnte, oder was, das er schon vorher schriftlich an die 
Korinther habe gelangen lassen, im Gem&uuml;t gehabt habe, das ist 
nicht ganz zu bestimmen. Kurz, der Apostel setzt es jetzt in ein 
v&ouml;lligeres Licht, sowohl, was die Personen anbetrifft, als auch 
die Art, wie man sich ihrer Gemeinschaft entziehen soll. In Absicht 
auf die Personen breitet er das, was von den Hurern gesagt war, auf 
andere eben so gef&auml;hrliche &Auml;rgernisse aus; sagt aber, es 
sei nicht von den zur ungl&auml;ubigen Welt geh&ouml;rigen 
S&uuml;ndern die Rede: denn wenn man diese richten, und ihren Umgang 
im &auml;u&szlig;erlichen Handel und Wandel meiden wollte, so 
m&uuml;&szlig;te man die Welt r&auml;umen. Sondern wenn sich Einer in 
der christlichen Gemeinschaft einen Bruder nennen lassen wollte, und 
er fiele in dergleichen Laster, so w&auml;re die Nachsicht gegen ihn 
viel gef&auml;hrlicher und zum Anstecken mi&szlig;licher, und man 
habe also ein mehreres Recht und dringendere Pflicht &uuml;ber einen 
Solchen. Der Lasterhaften, die drau&szlig;en sind, hat man sich 
freilich auch so zu entschlagen, da&szlig; man keinen 
willk&uuml;rlichen Umgang mit ihnen unterh&auml;lt, noch sich bei 
ihren vergeblichen Worten und Entschuldigungen aufh&auml;lt 
<i>(Eph. 5:3-7)</i> 
. Einem - in solchen Verfall geratenen Bruder 
aber hat man zwar seine R&uuml;ckkehr durch alles - der Wahrheit und 
Liebe gem&auml;&szlig;e Bezeugen zu erleichtern. Bis er sich aber zur 
Bu&szlig;e bequemt, hat man ihn von allen in der Gemeinschaft der 
Heiligen sonst zu genie&szlig;enden G&uuml;tern auszuschlie&szlig;en, 
mithin ihn auch von dem Genu&szlig; des heiligen Abendmahls oder 
anderer zur &Uuml;bung der christlichen Liebe angestellten Mahle 
abzuhalten. Wer sich durch Annahme des Evangeliums zu der Gemeinde 
christlicher Kirche getan hat, der hat daher auch die Schuldigkeit 
auf sich, ihre Zucht anzunehmen. Das &Uuml;brige in der Welt kann man 
an sich vorbeigehen lassen, unter dem ernstlichen Bedacht: GOtt wird 
es richten. Aus Allem sieht man, wie die - vom Apostel hier 
angegebene Kirchen - Zucht sich so bed&auml;chtlich von den beiden 
Abwegen unterscheidet, deren der eine auf schn&ouml;de 
Gleichg&uuml;ltigkeit und Vers&auml;umnis aller Wachsamkeit &uuml;ber 
der Gemeinde Lauterkeit, und der andere auf Zwang und 
&auml;u&szlig;erliche Gewaltt&auml;tigkeit f&uuml;hrt. 
<i>Unser Abfall davon, und unser 
Unverm&ouml;gen zu helfen, soll und alle beugen</i> 
. Bei uns ist nun Welt und Kirche in Eins 
zusammengefallen, und man findet jetzt die, die der Apostel Hurer und 
Ehebrecher dieser Welt gehei&szlig;en hatte, mitten in der Kirche. 
Aber das geringe H&auml;uflein der Gl&auml;ubigen kann sich so wenig 
Recht und Macht &uuml;ber sie anma&szlig;en, als man vorher &uuml;ber 
den Haufen der Ungl&auml;ubigen hatte. La&szlig; mich in der Furcht 
bestehn, fein schlecht und recht stets einhergehn, unter der jetzigen 
Zeit, unter den Kirchen - M&auml;ngeln, keinen Vorteil f&uuml;r das 
Fleisch suchen. Gib mir die Einfalt die Dich ehrt, und lieber duldet 
als beschwert; lieber unter die Last zum Mittragen sich hinstellt, 
als nur immer Anderen die Schuld auf den Hals 
schiebt.</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 6,1-11</font></b></h4> 
 
 
<p><b>Nachdem der Apostel 
im Vorgehenden die Korinther bestraft hatte, da&szlig; sie in ihrer 
Kirchen - Zucht, im Richten ihrer Gemeinde Glieder viel zu 
nachl&auml;ssig gewesen seien; so stellt er ihnen jetzt das leidige 
Gebrechen unter Augen, da&szlig; sie hingegen in 
&auml;u&szlig;erlichen und b&uuml;rgerlichen Angelegenheiten auf 
ihren Vorteil nur gar zu wachsam, und durch angestelltes Rechten vor 
heidnischen Obrigkeiten, den Schaden von sich abzuwenden, nur gar zu 
gesch&auml;ftig seien. Hier ist also wiederum zwischen zwei Abwegen 
die Mittelstra&szlig;e sorgf&auml;ltig zu suchen und zu bewahren; 
n&auml;mlich: da&szlig; man einesteils um der gegenw&auml;rtigen Welt 
und ihrer Gewohnheit willen die ernstlich gebotene Wahrheit GOttes 
nicht beugt, noch etwas daran aufl&ouml;st; aber auf der anderen 
Seite auch die Gewissen nicht verstrickt, und unschuldigen und bei 
der jetzigen Verfassung der Welt unvermeidlichen Anstalten kein 
&uuml;bles Geschrei macht.</b></p> 
 
<p>Man k&ouml;nnte sich 
wundern, warum der Apostel den Korinthern das Klagen und Rechtsuchen 
vor heidnischen Obrigkeiten so sehr als mi&szlig;lich abrate, da sie 
doch einmal die rechtm&auml;&szlig;ige und mit &ouml;ffentlichem 
Ansehen ausger&uuml;stete Obrigkeiten waren, die der Apostel 
anderw&auml;rts selbst zu f&uuml;rchten und zu ehren befiehlt, und 
die ja leicht auch das, was man so unter sich vergleichen und mithin 
ihrem obrigkeitlichen Spruch entziehen wollte, wieder h&auml;tte 
umsto&szlig;en k&ouml;nnen. Ja hat nicht Paulus selbst sich gegen 
seine Landsleute, die Juden, auf die r&ouml;mischen Landpfleger und 
vor diesen auf sein r&ouml;misches B&uuml;rgerrecht, ja auf den 
Kaiser berufen? Allein das, was der Apostel hier eigentlich sucht, 
n&auml;mlich: da&szlig; man dem Hader oder Rechts - Gesuch so viel 
wie m&ouml;glich ausweichen, und entweder lieber ein gleichwohl 
ertr&auml;gliches Unrecht leiden, oder den Beleidiger durch 
br&uuml;derliche - vor erbetenen Schieds - Richtern gemachte 
Vorstellungen davon abbringen m&ouml;chte; und da&szlig; die Gemeinde 
und deren Vorsteher hierin besser vor den Ri&szlig; stehen sollten, 
ist dem nicht entgegen. Den wer hierbei die Schw&auml;che seiner 
Kr&auml;fte und die Gefahr, sich zu vers&uuml;ndigen, gegen den 
geringen Nutzen, den er etwa zu erreichen sich einbildet, ein wenig 
&uuml;berlegt, der wird es gewi&szlig; nicht wagen, auf die Lehre 
GOttes und seines Heilandes durch solch einen angefangenen Rechts - 
Handel einen &uuml;blen Verdacht zu bringen. Den heidnischen 
Obrigkeiten spricht der Apostel um deswillen nicht alle zur 
Aufrechterhaltung des gemeinen Wesens dienliche Gerechtigkeit ab: 
aber Christen zwischen Christen, denkt er eben, h&auml;tten sich 
davon nicht viel Gutes zu versprechen. Von den - zur Heiligung 
berufenen Christen h&auml;tte man sich ja unter GOttes Segen und 
Mitwirkung noch eher eine gute Auskunft zu versprechen. Die viel 
tausend Heiligen, mit welchen der Richter aller Welt kommen wird, 
werden freilich auch zum Gericht &uuml;ber die Welt und ihren 
F&uuml;rsten, den langwierigen Widersacher GOttes und seiner Gnaden - 
Kinder, ihre Beistimmung geben, worauf kein geringes Angeld war, 
da&szlig; das Evangelium doch so weit durchgedrungen ist, und den 
Unglauben, die Ungerechtigkeit, und viele im Welt - Reich daher 
eingerissenen schweren Mi&szlig;br&auml;uche gest&uuml;rzt hat, und 
k&uuml;nftig noch v&ouml;lliger vertreiben wird. 
<i>Dergleichen Blicke in die Hoffnung des 
Zuk&uuml;nftigen mu&szlig; man immer so zu benutzen suchen, wie der 
Apostel hier tut, n&auml;mlich: da&szlig; man vor der Hoffnung 
besserer Zeiten im Gro&szlig;en schon jetzt im Kleinen in seine Zeit 
und seines Lebens Gang so viel verpflanzt, als nur immer m&ouml;glich 
ist.</i> Noch t&auml;glich bleibt es 
wahr, und k&ouml;nnte manche fruchtbare Erfahrung geben, da&szlig; 
die geringsten, aber im Leiden, Armut, Not der Welt, Gedr&auml;nge in 
Haushaltung erfahrenen, und darunter gediegenen Herzen, oft am besten 
im Stande w&auml;ren, zum Frieden zu raten, und eine schickliche 
Auskunft zu verschaffen. Der beleidigende Teil hat freilich die erste 
- und beh&auml;lt zuweilen auch die gr&ouml;&szlig;te Schuld, aber 
oft kann es auch geschehen, da&szlig; der Beleidigte durch 
Eigenliebe, Zorn, Ungeduld, Geiz sich hintennach so schwer 
verschuldet, als der, so ihn Anfangs gereizt hat. Und daher tut der 
Apostel noch das zum letzten Stachel hinzu, da&szlig; er den 
Ungerechten all ihr Teil am Erbe und reich GOttes abspricht, und alle 
vergeblichen Worte und Entschuldigungen, die deswegen vorgebracht 
werden k&ouml;nnten, nachdr&uuml;cklich abschneidet, die ganze 
Gemeinde aber und ihre Aufseher gegen die - in diesem St&uuml;ck 
gebrauchte unzeitige Nachsicht durch das Angedenken dem&uuml;tigt, 
wer sie zum Teil gewesen seinen; und wie man einmal bei solchen der 
im Fleisch noch r&uuml;ckw&auml;rtigen S&uuml;nde nicht sowohl 
trauen, sondern &uuml;ber die im Namen JEsu und durch den Geist 
GOttes erlangte Reinigung ernstlicher wachen 
sollte.</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 6,12-20</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel hatte 
n&auml;chst zuvor das Reich GOttes so gewaltig allen Hurern, 
Ehebrechern, Weichlingen, und anderen Knechten der S&uuml;nde 
abgesprochen, und mit dem Wort: La&szlig;t euch nicht verf&uuml;hren, 
allen betr&uuml;glichen Entschuldigungen solcher S&uuml;nder 
widersprochen; nun aber l&auml;&szlig;t er sich noch weiter ein, alle 
zum Verf&uuml;hren eingerichteten Gedanken abzuschneiden, und zu 
zeigen, wie alle dergleichen Unreinigkeiten dem innersten Grund des 
Christentums so sehr zuwider seien.</b></p> 
 
<p>Die Sprache: 
<i>ich habe es Alles Macht</i> 
, f&uuml;hrt der Apostel aus dem Sinn derer, die 
sich so unbedachtsam hinauswagen, der S&uuml;nde zu nahe zu kommen, 
und ihrem Fleisch und den - vom vorigen Wandel anhangenden 
Gewohnheiten zu lieb eben Alles tun wollten, was sie meinen, 
da&szlig; sich tun lasse. Aber der Apostel hei&szlig;t sie auch 
Achtung geben, was bei ihnen und Anderen daraus entsteht, ob 
F&ouml;rderung oder Hindernis im Christen - Sinn, Freiheit oder 
Gefangenschaft herauskommt. Denn eben unter dem Mi&szlig;brauch der 
Freiheit wird man am meisten gefangen genommen. 
<i>Freiheit ist, wo ich nicht nur etwas 
gebrauchen, sondern wo ich es auch leicht entbehren und missen kann, 
im Essen und Trinken, im Gebrauch zeitlicher 
Erg&ouml;tzungen.</i>Ebenso ist auch 
der unbestimmte Ausdruck: <i> 
Die Speise dem Bauch und der Bauch der Speise</i> 
, dem Sinn derer gem&auml;&szlig;, die so gern 
in Allem die Freiheit weiter treiben m&ouml;chten. Der Apostel sagt: 
Ja, es sei dem so, da&szlig; Bauch und Speise zusammengeordnet seien, 
nehmt aber, will er sagen, nur das Verg&auml;ngliche auch 
dazu, <i>da&szlig; GOtt diesen 
und jene hinrichten wird.</i>Auch mit 
jedem Bissen, der ihm so niedlich und unentbehrlich d&uuml;nkt, auch 
etwas vom Urteil des Todes, darunter Alles liegt, in sich nimmt, dem 
wird alle in Speise und Trank f&uuml;r das Maul und dem Bauch zu 
genie&szlig;ende Lust als das Geringste vorkommen, und der wird sich 
auch die Macht und Freiheit, darin Alles zu tun und gebrauchen zu 
k&ouml;nnen, so wenig einbilden, als man sich auf sein Henkersmahl 
einzubilden hat. - Mit dem Wort: 
<i>Der Leib aber nicht der 
Hurerei</i>, tritt nun der Apostel 
ernstlich dazwischen. Man vergleicht nur gar zu gerne die auf Hurerei 
und Unreinigkeit gehenden Triebe mit der in der Natur liegenden 
Begierde nach Speise und Trank. Aber es nicht so ganz gleich. Das 
Keimlein der Fruchtbarkeit, das GOtt in eines Jeden Leib gelegt, und 
also auch die davon herkommenden Regungen sind wohl so nat&uuml;rlich 
als die E&szlig; - und Trinklust; aber sie sind doch auch in der 
Natur selbst darin unterschieden, da&szlig; sie nicht so eine 
unentbehrliche und h&auml;ufige Ers&auml;ttigung bed&uuml;rfen, als 
wie Hunger und Durst. Wie aber schon E&szlig; - und Trinklust 
Bewahrens und Z&auml;hmens n&ouml;tig hat, also ist noch mehr durch 
den von GOttes Finger in Aller Herzen gemachten Eindruck der 
Schamhaftigkeit und des Verlangens nach seiner ersten Unschuld 
kr&auml;ftige Erweckung beigebracht, die in der Gnade Christi 
angebotene Kraft zu Bewahrung seines Leibes und dessen Glieder in - 
und au&szlig;er der Ehe wohl anzuwenden, und dadurch seine Glieder 
zum Dienst der Gerechtigkeit und in die Frucht der Heiligung zu 
bringen; aber auch daf&uuml;r zu genie&szlig;en, da&szlig; der HErr 
auch dem Leibe geh&ouml;rt, oder die Vorsorge, Liebe und Gnade GOttes 
in Christi JEsu sich auch &uuml;ber den Leib erstreckt, und dessen 
Heiligung durch seinen Geist, ja dessen Verherrlichung in der 
Auferstehung bewirkt. Der Bauch mit seiner - in Essen und Trinken 
gesuchten Lust und dadurch weiter aufgerichteten Brunst wird ganz 
hingerichtet. Der Leib f&auml;llt zwar auch einige Zeit dem Tod und 
der Verwerfung heim, wird aber durch GOttes Kraft wieder 
herausgerissen, und zum ewigen und neuen Leben gebracht, darin sich 
f&uuml;r die Heiligen GOttes auch mit dem Leib manches verborgene 
Manna und Frucht vom Baum des Lebens zu genie&szlig;en finden wird, 
um die man sich aber durch rohen Mi&szlig;brauch seines Leibes hier 
bringt. Denn neben einander kann die Freiheit, seinen Leib der 
Hurerei zu geben, und die Hoffnung der Auferstehung zum Leben, nicht 
im Herzen bestehen; jene Dornen treiben diesen Samen ab. Unsere 
Leiber sind Christi Glieder, indem vom Haupt Christo auch &uuml;ber 
die Leiber der Gl&auml;ubigen Leben, Lust, Kraft, GOtt und der 
Gerechtigkeit zu dienen, Regierung seines Geistes, Hoffnung, 
Begierde, den Sinn Christi auch im Wandel und Nachfolge 
auszudr&uuml;cken, ausflie&szlig;t. Wo man aber diese Glieder ihrem 
rechtm&auml;&szlig;igen HErrn und Haupt entzieht, und damit auch den 
aus solcher Gemeinschaft flie&szlig;enden Genu&szlig;, Friede und 
Freude in dem Heiligen Geist unterbricht, ja dar&uuml;ber gar an eine 
Hure oder einen Hurer ger&auml;t, so gibt das freilich eine solche 
Verbindung und Gefangenschaft ab, da&szlig; ein Teil des Andern 
Glieder in seinen Dienst fordern und ziehen, wenigstens mit seinen 
Unreinigkeiten und Entz&uuml;ndungen anstecken kann, wie wenn sie 
sein eigen w&auml;ren. Was nach der Ordnung GOttes nur in der 
rechtm&auml;&szlig;igen Ehe geschehen sollte, das geschieht durch 
Anhangen an der Hure auch, und zwar nicht nur auf die kurze Zeit der 
wirklichen Lust, sondern es hinterl&auml;&szlig;t auch in dem Leib 
und dessen Gliedern Fu&szlig;stapfen, die einem bis auf die 
Auferstehung des Gerichts nachgehen k&ouml;nnen. &Uuml;berhaupt 
finden wir uns hier zwischen GOtt dem Sch&ouml;pfer und zwischen die 
Kreaturen und die in Jedem zu suchende Freude und Erg&ouml;tzung 
hineingestellt. Durch Anhangen an die letztere wird der Mensch ganz 
fleischlich; durch Anhangen an dem ersten wird er geistlich. Was 
vers&auml;umt Einer, der nicht im Anhangen seines Herzens mit Liebe, 
Treue, Halten an der angebotenen Hoffnung, Regiment &uuml;ber seinen 
Leib und Glieder fest ist, und wird? Das Heranwachsen zu einerlei 
Sinn und Willen, das Erneuertwerden nach dem Bild GOttes, den 
Genu&szlig; seiner Einwohnung, und was noch weiter in der Ewigkeit 
daran h&auml;ngt, vers&auml;umt man. Je tiefer der Zunder der Lust in 
einem Jeden selbst liegt, je mehr Anderer Exempel, Hoffnung, 
da&szlig; es verborgen und ungestraft bleibe, vom Menschenwitz 
aufgebrachte Entschuldigungen daran aufblasen, je n&ouml;tiger wird 
eine solche W&auml;chter - Stimme: 
<i>Flieht die Hurerei.</i> 
Andere S&uuml;nden werden freilich auch durch 
den Leib begangen, und manche derselben, wie z. B. die V&ouml;llerei, 
verunehren den Leib auch ungemein. Doch ist nichts so wie die 
Hurerei, wodurch die Macht &uuml;ber den Leib sogar in eines Anderen 
Gewalt kommt. - Ein Tempel ist GOtt und seinem Dienst geweiht, und 
auch hinwiederum von GOtt mit manchen Erweisungen seiner Gnade 
ausgezeichnet. Welch ein Trost ist das, wenn man seinen Leib als von 
GOttes Hand gebaut und bereitet, mit Christi Blut erkauft, bei der 
Taufe zum Eigentum GOttes und Christi eingeweiht, durch des Teufels 
Neid nur gar zu oft von allerlei fremden Kr&auml;ften angefallen und 
&uuml;berw&auml;ltigt, von der Macht der Gnade aber doch wieder 
ergriffen, und zur Einwohnung GOttes und seines Geistes w&uuml;rdig 
gemacht, angesehen und glauben darf? Wer den Leib GOtt und dem Dienst 
der Gerechtigkeit entzieht, hat ihm gewi&szlig; den Geist und das 
Herz nicht gegeben. Es ist ein einziges Werk GOttes, worunter er sich 
Geist und Leib zueignet, eines wie das andere, und wir k&ouml;nnen 
GOtt nicht besser als mit Gehorsam unter dies sein Gnadenwort 
preisen. O wie wenig bestreitet man dergleichen Werke der Finsternis 
mit solchen Waffen des Lichts aus dem Evangelium? Ach was wird es 
sein, den himmlischen Leib tragen, in welchem keine b&ouml;se Lust 
mehr wohnt!</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 7,1-9</font></b></h4> 
 
<p><b>Hier f&auml;ngt der 
Apostel an, den Korinthern einige an ihn gebrachten Fragen zu 
beantworten; und die &uuml;ber dem Gedanken, ehelich zu werden oder 
ledig zu bleiben, sich ergebenden Gr&uuml;nde oder Gegen - 
Gr&uuml;nde so abzuw&auml;gen, da&szlig; er immer das - in der 
Schrift so bew&auml;hrte Ebenma&szlig; h&auml;lt, die Freiheit des 
Gewissens nicht verstrickt, das, was durch den Willen GOttes und 
ausdr&uuml;ckliche Ausspr&uuml;che Christi entschieden ist, von dem 
wohl unterscheidet, was eines Jeden Wahl unter dem Regiment des 
Geistes Christi &uuml;berlassen ist.</b></p> 
 
<p>Es ist der Apostel also 
durch ihre Anfrage auf diese Materie geleitet worden. Es gibt manche 
f&uuml;r das Gewissen in allweg sehr wichtige Punkte, wovon man doch 
nicht wohl &ouml;ffentlich lehren, ja sie auch im Besonderen nicht 
anbringen kann, als wenn sich des Anderen Herz in Fragen und 
&Auml;u&szlig;erungen seiner Anst&auml;nde gegen einen auftut. Wo man 
sich au&szlig;erdem zu viel in Anderer Angelegenheiten dringen will, 
da hat das nicht die beste Wirkung. 
<i>Es ist sobald etwas verderbt als 
vers&auml;umt, sobald der S&uuml;nde durch zu viel Gesetz noch mehr 
Gelegenheit und Kraft zu reizen gegeben, als etwas Gutes gestiftet 
wird.</i> Was GOtt frei und 
unentschieden gelassen, dar&uuml;ber sollen wir wenigstens eine 
Anfrage abwarten, ehe wir uns auch nur mit einem Rat 
herauszur&uuml;cken getrauen. - W&uuml;&szlig;ten wir der Korinther 
Anfrage n&auml;her, so k&ouml;nnten wir auch des Apostels Antwort 
v&ouml;lliger verstehen. Es meinen wirklich Einige, die n&auml;chsten 
Worte: es ist dem Menschen gut, da&szlig; er kein Weib ber&uuml;hre, 
seien noch aus der Korinther Anfrage genommen, und nicht eigentlich 
f&uuml;r des Apostels eigene Worte zu halten; sondern er ergreife sie 
nur aus ihrer gemachten Anfrage, und gebe zu erkennen, es walten in 
allweg auch seiner Einsicht nach Umst&auml;nde vor, um deren willen 
es einem Manne gut sei, kein Weib zu ber&uuml;hren, doch lasse sich 
der ledige Stand Keinem durch Befehle aufb&uuml;rden. Den zu seiner 
Zeit schon regen Geist des Antichrist hat der Apostel wohl gekannt, 
der den Ehestand verd&auml;chtig und ver&auml;chtlich macht, aber 
inmittelst die Keuschheit weder liebt noch aufbringt, sondern alles 
mit Hurerei und Unreinigkeit &uuml;berschwemmt; aber um seine 
Herrschaft zu befestigen, die er vermittelst des ledigen Standes eher 
erhalten kann, verbietet ehelich zu werden. Dem das Wort zu reden, 
war des Apostels Sinn durchaus nicht. Auch wenn er sagt: es ist dem 
Menschen gut; so hat man das nicht gerade von einer innerlichen 
G&uuml;te, vorz&uuml;glichen Heiligkeit und damit verkn&uuml;pften 
Wohlgefallen zu verstehen; sondern es ist so viel als 
vortr&auml;glich, wohlanst&auml;ndig, weniger Not unterworfen. Aber 
hieraus, sagt der Apostel kann man die Sache nicht allein 
entscheiden, sondern man mu&szlig; dabei auch auf die Not, auf die 
Stricke und Versuchungen sehen. Die ununterbrochene Liebe bedarf 
freilich durch mancherlei Arten der Hilfeleistung, des guten 
Begegnens, des Hinstellens unter des Anderen Last, und auch 
wirklichen Gebrauch der Ehe unterhalten zu werden; deswegen 
unbesonnenes, eigenliebiges oder gar rachgieriges Enthalten von 
einander ein mi&szlig;licher Bruch in die eheliche Liebe ist. - Was 
an sich weder gut noch b&ouml;se ist, sondern wo es erst darauf 
ankommt, wie bed&auml;chtlich und den Umst&auml;nden gem&auml;&szlig; 
etwas unternommen wird, dabei hat 
<i>Vergunst</i> 
oder ein weiser Rat statt, der solche 
Vorschl&auml;ge tut, wobei der Andere doch in Befolgung sein Gewissen 
und dessen wackere Gesch&auml;ftigkeit zeigen kann. Gebot aber hat 
Platz, wo die Sache an sich selbst gut oder b&ouml;se, die 
Verpflichtung dazu allgemein ist, und Jeder seine Verbindlichkeit 
dazu bald in seinem Gewissen finden kann. Was hat der Apostel hier 
aus Vergunst und nicht aus Gebot sagte, kann man entweder 
&uuml;berhaupt vom ehelich werden und ledig bleiben verstehen, 
da&szlig; sich das Keinem gebotsweise auflegen lasse, oder kann man 
das zun&auml;chst von dem Gebrauch des Ehestandes, oder vom Enthalten 
davon verstehen, da&szlig; sich das nicht gebotsweise bestimmen 
lasse, sondern Alles nach beiderseitigem Zustand, Wachstum und 
St&auml;rke des inwendigen Menschen einzurichten sei. Da&szlig; der 
Apostel sollte gew&uuml;nscht haben, alle Menschen m&ouml;chten ohne 
Ehe bleiben, wie er, ist wohl nicht wahrscheinlich. Aber da&szlig; er 
Allen eine solche Macht &uuml;ber ihren Leib in - und au&szlig;er der 
Ehe, einen solchen n&uuml;chternen Sinn, einen solchen Eindruck von 
der K&uuml;rze der Zeit, von dem verg&auml;nglichen Wesen der Welt, 
gew&uuml;nscht habe, das ist leichter zu fassen. Die 
<i>Gabe</i> 
wird gegeben, wenn GOtt in meine Natur und deren 
Bau solche Anlagen und Fassung legt, bei welcher ich entweder die 
Enthaltung im ledigen Stand leichter &uuml;ben, oder durch die 
Beschwerden des Ehestandes unangesto&szlig;ener durchkommen kann. Zu 
dieser guten Gabe aus der Natur mu&szlig; denn aber freilich auch die 
vollkommene Gabe aus der Gnade Christi und seines Geistes Wirkung 
kommen. Nach dem heutigen Weltlauf mu&szlig; freilich ein 
gro&szlig;er Teil beiderlei Geschlechts in gezwungenem und gegen 
seine Neigung laufenden ledigem Stand bleiben, weil die steigende 
Pracht, die Schwierigkeit der Nahrung, es immer schwerer macht, 
ehelich zu werden. Ein sonst rechtschaffenes und im Gehorsam die Wege 
GOttes suchendes und wandelndes Herz aber genie&szlig;t von der Gnade 
allemal denjenigen Beistand, da&szlig; es einen auch gegen seine 
sonstige Gabe und Neigung laufenden Stand doch gewissenhaft 
f&uuml;hren kann. Aus Vermessenheit aber soll Keiner weder die erste 
noch die andere Heirat verwerfen, sondern blo&szlig; auf GOttes 
Beistand sehen, vermittelst dessen auch das, was man zu 
bek&auml;mpfen hat, doch so in Ordnung gehalten werden kann, 
da&szlig; es nicht zum Brunstleiden ausschl&auml;gt. K&ouml;nnen ja 
andere Neigungen zum Zorn, Ungeduld zc., die Entz&uuml;ndungen zu 
schnellen Reden zc. gebrochen werden, so kann auch diese in den 
Gliedern rege Lust durch das Salz der himmlischen Zucht, auch durch 
die uns zu Hilfe kommende &auml;u&szlig;erliche Leiden, oder durch 
gemeinschaftlichen Zuspruch, so unter der Gemeinschaft des Kreuzes 
und Todes JEsu gehalten werden, da&szlig; es keinen Brand abgibt, der 
Leib und Seele in die hei&szlig;e Feuer - H&ouml;lle 
st&uuml;rzt.</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 7,10-16</font></b></h4> 
 
<p><b>Wie der Apostel im 
Vorhergehenden wegen der Wahl zwischen ledig bleiben und ehelich 
werden, Alles wohl aus einander gesetzt hat, was des HErrn Gebot 
schon auf alle Zeiten hinein entschieden, oder was man erst nach 
befindenden Umst&auml;nden so oder anders entscheiden kann; so 
f&auml;hrt er nun auch fort, von der Verbindung wirklich 
verehelichter Personen zu urteilen, da&szlig; des HErrn Gebot 
darunter best&auml;tigt, das aber, worunter man auf des anderen Teils 
gutwilliges oder widriges Bezeugen sehen mu&szlig;, auch richtig 
beleuchtet wird.</b></p> 
 
<p>Vergleichungsweise 
konnte Paulus wohl diesen Unterschied machen: Nicht ich, sondern der 
HErr; oder: Nicht der HErr, sondern Ich; wenn schon auch er nicht als 
ein blo&szlig;er Mensch, sondern als ein vom Geist des HErrn 
getriebener Knecht GOttes redete. Denn von Einigem, wie von der 
Ehescheidung, hatte man den deutlichen Ausspruch des HErrn Christi 
selbst vor sich; und da konnte man sagen: das h&ouml;rt ihr nicht 
erst von mir, sondern das hat der HErr selbst schon auf alle Zeiten 
entschieden. Von anderen Umst&auml;nden aber hatte man kein solch 
ausdr&uuml;ckliches Gebot des HErrn. Paulus aber konnte bezeugen, was 
des HErrn Sinn hierunter sei, und was man der Gnade des Evangeliums 
gem&auml;&szlig; zu achten habe. Es ist Manches der v&ouml;llige 
Wille eines HErrn, und es hat doch seine Ursachen, warum er die 
Er&ouml;ffnung davon nicht selbst macht, sondern durch seinen 
Vertrauten den Antrag dahin tun l&auml;&szlig;t. - Um der Herzens - 
H&auml;rtigkeit willen r&auml;umte ehemalen Mosis Gesetz dem Manne 
Vieles &uuml;ber das Weib ein, das nun durch das Liebes Gebot im 
Evangelium wieder ins v&ouml;llige Gleiche gesetzt wurde. Deswegen 
auch Paulus hier immer dem Mann und Weib gleiche Rechte zugesteht. 
Ehemalen konnten die Israeliten keine Ehe aus heidnischen 
V&ouml;lkern mit gutem Gewissen eingehen und fortf&uuml;hren. Das 
h&auml;tte leicht auch unter den ersten Christen die Vermutung 
erwecken k&ouml;nnen, die Ehe zwischen Gl&auml;ubigen und 
Ungl&auml;ubigen lieber wieder zu trennen. Aber auch hierin galt es 
zu bedenken, wessen Geistes Kinder wir seien? Und der Apostel zeigt 
wenigstens, da&szlig; wir beim Geist Christi kein so allgemeines und 
im Gewissen verbindendes Wort haben, sondern alle Umst&auml;nde in 
Betrachtung ziehen m&uuml;ssen. Innerliche Heiligkeit, und das daraus 
flie&szlig;ende Wohlgefallen GOttes kann freilich kein Ehegatte 
&uuml;ber den anderen oder auch &uuml;ber seine Kinder bringen; aber 
der Glaube des einen Teils bringt doch &uuml;ber die ganze Ehe und 
deren F&uuml;hrung eine gn&auml;dige Genehmigung GOttes, da&szlig; 
der Gebrauch nicht unrein ist, vielmehr sonst mancher unzeitlicher 
Umgang mit einander, F&uuml;rbitte f&uuml;r einander, Bewahrung vor 
S&uuml;nden darunter vermittelt werden kann. Als berufen zum Frieden, 
soll man &uuml;berhaupt m&ouml;glichste Gelindigkeit, Nachgeben 
vorwalten lassen, so lange noch Hoffnung ist, den ungl&auml;ubigen 
Teil zu gewinnen, und zur Bu&szlig;e zu leiten. Seit der Eine 
f&uuml;r Alle gestorben ist, hat es auch zwischen Gl&auml;ubigen und 
Ungl&auml;ubigen doch ein anderes Verh&auml;ltnis, als ehemals 
zwischen Israeliten und Heiden im alten Bunde. Die Hoffnung aber, 
da&szlig; ein Teil zu des Anderen Rettung etwas beitragen 
k&ouml;nnte, macht der Apostel nicht so breit und weit, da&szlig; man 
auf dieselbe so hineinfallen und der &uuml;brigen Warnungen, z. 
E.: <i>zieht nicht am fremden 
Joch</i>, vergessen d&uuml;rfte; 
sondern es will Alles mit viel M&auml;&szlig;igung verstanden und 
ge&uuml;bt sein.</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 7,17-24</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel zeigt 
weiter, wie ein Christ &uuml;berhaupt der L&uuml;sternheit, seinen 
Stand zu &auml;ndern, nicht nachh&auml;ngen, noch sich dorther viel 
Erleichterung versprechen solle, vielmehr darauf achten, unter was 
f&uuml;r Umst&auml;nden er vom himmlischen Beruf ergriffen worden 
sei, und versichert sein k&ouml;nne, da&szlig; er unter den 
n&auml;mlichen auch sicher fortgef&uuml;hrt, und selig vollendet 
werden m&ouml;ge.</b></p> 
 
<p>Weil sich Einer nichts 
nehmen kann, was ihm nicht von Oben gegeben ist, so mu&szlig; er sich 
auch nichts zu fest vornehmen, oder eines Anderen Beispiel gerade 
nacheifern wollen. Es gelingt nicht Einem wie dem Anderen. Hat sich 
GOtt deine a&uuml;&szlig;erlichen Umst&auml;nde nicht hindern lassen, 
seinen himmlischen Beruf an dich zu bringen, und dich dadurch zum 
herrlichen Eigentum unseres HErrn JEsu Christi aufzufordern, so 
la&szlig; auch du dich solche Umst&auml;nde nicht hindern, dem 
Evangelium w&uuml;rdig zu wandeln; sondern siehe deinen Stand als die 
n&auml;chste gute Gelegenheit an, darunter dem Willen GOttes zu 
dienen zu deiner Zeit. <i> 
Schiebe das Innerliche, den Gehorsam gegen den himmlischen Beruf, 
nicht auf um etwas &Auml;u&szlig;erliches willen; meine nicht, zuvor 
diese und jene &Auml;u&szlig;erung zu erreichen, sondern in was 
f&uuml;r Umst&auml;nden dich GOtt auffordert, und seines Berufs 
w&uuml;rdigt, darin sei getrost, da&szlig; Er dich auch durchbringen 
werde. In seinem Beruf liegt ja doch die Macht, es mag auch noch so 
viel Menschliches, Scheels&uuml;chtiges von deiner Seite oder von 
Anderen mit unterlaufen sein, da&szlig; du in deine 
gegenw&auml;rtigen Umst&auml;nde geraten bist; so zeigt dir ja GOtt 
wirklich durch seinen Beruf, da&szlig; Er dich nicht 
zur&uuml;cklassen wolle.</i>Nach dem 
jetzt durch Christum festgewordenen Neuen Testament macht nichts vor 
GOtt wohlgef&auml;llig, oder mi&szlig;f&auml;llig, f&ouml;rdert 
nichts im Zugang zu GOtt, oder h&auml;lt nichts auf, als der durch 
die Liebe t&auml;tige Glaube, oder die Vers&auml;umnis desselben. Die 
ehemalige leibeigene Knechtschaft war nicht nur im 
&Auml;u&szlig;erlichen viel h&auml;rter, als alles jetzige Dienen, 
sondern es war dabei auch das Gewissen, und die zur christlichen 
Religion geh&ouml;rige Reinheit des Herzens schwerer zu bewahren. 
Doch spricht der Apostel Mut ein. Das Vertrauen, seine Seele auch 
hierin zur Ausbeute davon zu bringen, soll man nicht wegwerfen, und 
sich den Unterschied nicht so gro&szlig; vorstellen, sondern 
bedenken: es kommt in Allem meist darauf an, was Einer f&uuml;r Licht 
vom HErrn hat, seinen Stand gewissenhaft zu f&uuml;hren, und damit 
auch f&uuml;r sich selbst ertr&auml;glicher zu machen. 
<i>GOttes Rat mutet uns nicht zu, da&szlig; 
wir die &auml;u&szlig;erlichen Umst&auml;nde, sondern da&szlig; wir 
des Herzens Sinn &auml;ndern.</i> Wenn 
nur eine Lebensart mit GOtt gef&uuml;hrt werden, und bei seiner 
Gemeinschaft im Licht bestehen kann, so bleibt man darin bei 
GOtt.</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 7,25-31</font></b></h4> 
 
<p><b>Mit vieler 
M&auml;&szlig;igung gibt der Apostel zu erkennen, warum der ledige 
Stand einem vorz&uuml;glicher zu raten sei, wenigstens die 
ungegr&uuml;ndeten Einbildungen, die man einander oft vom 
Ehelichwerden macht, dahin zu d&auml;mpfen seien, da&szlig; man 
&uuml;berhaupt nichts, was zum Wesen dieser Welt geh&ouml;rt, zu sehr 
erhebe, oder ihm in der Liebe, Achtung, Absicht, Wunsch seines 
Herzens einen Platz einr&auml;ume, der ihm nicht geh&ouml;rt, und 
einen Wert beilege, den es nicht austr&auml;gt.</b></p> 
 
<p><i>Was der HErr 
selbst durch kein Gebot entschieden, sondern nur durch ein Gutachten 
f&uuml;r ein besorgtes Herz beleuchtet haben wollte, dazu hatte der 
Apostel durch die an sich erfahrene Barmherzigkeit so viel 
Lindigkeit, da&szlig; er Anderen nichts aufb&uuml;rden, durch kein 
Gesetz zur S&uuml;nde und Beunruhigung des Gewissens Anla&szlig; 
geben wollte; sondern nach den Umst&auml;nden der Zeit entschied, was 
er f&uuml;r das Ratsamste achte. Aber ein Rat mag noch so 
t&uuml;chtige Gr&uuml;nde haben, so soll man es einem nicht zur 
S&uuml;nde im Gewissen anrechnen, wo kein Gebot des HErrn im Wege 
steht.</i>Auf alle Zeiten hinein 
sollten diese Vorstellungen des Apostels wenigstens so viel wirken, 
da&szlig; man einem die Absicht und Hoffnung, in den Ehestand zu 
kommen, - nicht so einschw&auml;tzte, und die Neigung dazu nicht so 
best&auml;ndig anfeuerte, sondern lieber auch zum Glauben und zu 
aller daraus erwachsenden M&auml;&szlig;igung und Verleugnungskraft 
einander reizte und aufmunterte. 
<i>So hoch soll sich freilich einer nicht 
setzen, als ob ihm durch &auml;u&szlig;erliche Schickungen weder wohl 
noch wehe geschehen k&ouml;nnte; aber doch soll die Freude daran, 
oder der Schmerz dar&uuml;ber durch Verleugnung so eingeschr&auml;nkt 
werden, da&szlig; man sp&uuml;rt, es ist nur zum Brauchen, nicht zum 
Genie&szlig;en angewiesen; wir haben uns nicht sowohl zu freuen, 
da&szlig; wir es haben, als zu beseufzen, da&szlig; wir es nicht 
entbehren k&ouml;nnen, oder nicht stark genug sind, uns so schnell 
davon zur&uuml;ck zu ziehen. Bete flei&szlig;ig: O GOtt! Gib mir 
Erkenntnis und Verstand ohne F&uuml;rwitz, weislichen Umgang mit 
Jedermann ohne Anh&auml;nglichkeit, munteren Flei&szlig; ohne 
Zerstreuung, und unter so vielen Ver&auml;nderungen immer einerlei 
Herz, da&szlig; im Grund des Glaubens auf der Wurzel der Hoffnung, im 
Gew&auml;chs der Liebe stehe.</i></p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 7,32-40</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel stellt 
das Eheelichwerden und Ledigbleiben noch einmal in die Wahl, und 
wiegt auch das gegen einander ab, was in Absicht auf den 
ungehinderten Christen - Lauf beim ledigen Stand f&uuml;r 
vortr&auml;gliche Freiheit, beim ehelichen f&uuml;r Versuchungen 
vorwalten, behauptet aber durchaus seine M&auml;&szlig;igung, 
da&szlig; sich hierin nichts Allgemeines ausmachen noch befehlen 
lasse, sondern da&szlig; man die von GOtt verg&ouml;nnte Freiheit 
einem Jeden lassen, mithin ihn auch in seiner Zuversicht nicht 
st&ouml;ren m&uuml;sse, da&szlig; er die vorkommenden Versuchungen 
&uuml;berwinden, oder sonst zu seinem Besten anwenden 
k&ouml;nne.</b></p> 
 
<p>Das Sorgenfreie bringt 
freilich der ledige Stand nicht von selbst mit; sondern wenn in einem 
Herzen aus dem Evangelium ein gesunder Glaube, ein einf&auml;ltiges 
auf das Unsichtbare gerichtetes Auge, ein Flei&szlig; sich dem HErrn 
wohlgef&auml;llig zu machen, gepflanzt ist; so kann der ledige Stand 
F&ouml;rderung dazu tun, dieses Alles zu &uuml;ben und zu 
bew&auml;hren. Aber wen der Feind durch Unzufriedenheit und 
L&uuml;sternheit auf seinen Grund und <font face="Symbol"> 
o</font>den bringen kann, der 
vers&auml;umt freilich die Vorteile seines Standes, und steht auch 
anderen Versuchungen offen. Ebenso bringt ehelich werden auch nicht 
f&uuml;r sich mehrere Sorgen, sondern bei unserer &uuml;brigen 
Schwachheit, Unerfahrenheit, Not der Zeiten, und eines Manchen 
Gem&uuml;tsart kann es deshalb mehrere Gefahr haben. Was der Apostel 
nicht zum Strick anlegen will, das soll man noch weniger sich selbst 
zum Strick machen, wie es denen begegnen kann, die aus 
unbedachtsamem, gro&szlig;tuerischen, auf andere Ers&auml;ttigung des 
Fleisches zielendem Sinn das Ledigbleiben w&auml;hlen und durchsetzen 
wollen. Wer aber sonst im Weg der Wahrheit erfahren, und auf den 
guten wohlgef&auml;lligen Willen GOttes bedacht ist, dem kann eine 
solche Augenleitung vom Vater der Geister auf das, was sein ist, 
etwas austragen. Da&szlig; der Apostel den V&auml;tern so Vieles in 
der Bestimmung des Wegs f&uuml;r ihre Kinder einr&auml;umt, setzt 
freilich voraus, da&szlig; die V&auml;ter auch vorher den Kindern 
GOttes Wahrheit kund getan, und ihnen im Zugang zu GOtt priesterlich 
gedient haben. Kurz: es ruht auf dem Ehestand viel Segen, und wird 
viel schweren Versuchungen dadurch vorgebogen; es hat auch 
gro&szlig;e und auf die Ewigkeit fruchtbare Absichten. Aber leichter, 
freier k&ouml;nnte Mancher im ledigen Stand durchkommen, wenn ihm 
GOtt die Gnade, es so einzusehen, und die Gabe, es so zu befolgen, 
verleiht. - Sogar auch die Freiheit, in die zweite Ehe zu treten, 
rettet der Apostel; dagegen man sonst vornehmlich beim weiblichen 
Geschlecht viel Abneigung hatte. O GOtt! Dein Geist leite mich in 
Allem, was ich selbst zu tun, oder Anderen zu raten 
habe!</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 8,1-7</font></b></h4> 
 
<p><b>Hiermit f&auml;ngt der Apostel an, 
vom G&ouml;tzen - Opfer, und was beim Essen desselben zu beobachten, 
oder zu vermeiden sie, so umst&auml;ndlich handeln, da&szlig; er aus 
dieser Veranlassung manches andere lehrreiche von der christlichen 
Freiheit und deren Gebrauch ohne &Auml;rgernis 
anbringt.</b></p> 
 
<p>Von dieser Materie 
konnten die Korinther entweder auch eine Anfrage bei dem Apostel 
gemacht haben; oder er konnte selbst wissen, da&szlig; ihnen sein 
Unterricht hierinnen zu statten kommen w&uuml;rde. Denn es 
veranla&szlig;te um selbige - noch mehr aber in der 
n&auml;chstfolgenden Zeit manche Kirchennot. Was n&auml;mlich den 
heidnischen G&ouml;tzen geopfert wurde, davon wurde zwar ein Teil im 
Tempel verbrannt, oder den Priestern &uuml;berlassen; ein Teil aber 
auch von den Opfernden selbst zu Mahlzeiten angewendet. Man will im 
Altertum Spuren haben, da&szlig; oft auch andere E&szlig;waren, die 
&uuml;brigens zum Verkauf bestimmt waren, doch vorher in den Tempel 
gebracht, und den G&ouml;tzen das Bescheren derselben verdankt worden 
sei. Mithin konnte es mancherlei Gelegenheiten geben, da&szlig; man 
G&ouml;tzen - Opfer zu essen bekam. Die aus dem Judentum bekehrten 
Christen hatten nun dagegen einen Greuel von ihrer bisherigen 
Religion her, und auf der Versammlung zu Jerusalem wurde es auch den 
aus dem Heidentum Bekehrten aufgegeben sich der G&ouml;tzen Opfer zu 
enthalten <i> 
(Apg.15:29)</i>. Das deuteten nun 
Manche weiter oder enger aus, dachten freier oder &auml;ngstlicher 
davon, beide Teile setzten einander mit ungleichen Gedanken zu. 
Zuletzt kamen verschmitzte Verf&uuml;hrer, die merkten, da&szlig; da 
Gelegenheit sei, b&ouml;sen Samen einzustreuen, und denen, die es 
darin genau nehmen wollten, einen &uuml;blen Namen zu machen; 
denjenigen aber, die Neigung zu mehrerer Freiheit hatten, noch mehr 
auf ihren Sinn aufzuhelfen, und sie mit der Hoffnung zu locken, durch 
solchen freien Umgang w&auml;re ihrer Verwandten und Bekannten Liebe 
und Vertrauen wieder zu gewinnen, und dem Christentum ein guter Name 
zu machen. Allein das konnte sehr fehlschlagen, und manchem schwachen 
Christen eher wieder eine Verf&uuml;hrung zur Umkehr in das 
Heidentum, oder doch zur Verunreinigung mit den bei dergleichen 
G&ouml;tzen - Mahlzeiten vorkommenden Fleisches - L&uuml;sten werden; 
woraus in folgenden Zeiten vollends die Lehre Bileams, oder die Werke 
der Nikolaiten worden sind, dar&uuml;ber der HErr JEsus vom Himmel 
herab zeugt <i>(Offb. 
2:14-15)</i>. - Hier bei den Korinthern 
greift es der Apostel zuerst von der Seite an, das Manche mit ihrem 
Wissen, so bald mit der Sache fertig sein wollten 
<i>(V.1-4)</i> 
. Aber es ist bald etwas aus der Wahrheit 
herausgerissen, und sich doch eingebildet, man habe das Ganze. 
Dar&uuml;ber kann es Mi&szlig;brauch des Wissens, &Uuml;bertreiben 
des Einen mit Zur&uuml;cksetzung manches Anderen geben, das doch auch 
mit in Betrachtung gezogen werden sollte. 
<i>Gar leicht f&auml;llt man darauf, 
da&szlig; man seinem Wissen, seinen Einsichten zu viel traut, von 
denselben gro&szlig;e Absichten erwartet, wichtige Dienste damit zu 
leisten meint, und inmittelst, wie es dem N&auml;chsten dar&uuml;ber 
gehe, was der f&uuml;r Schaden und Ansto&szlig; daran nehme, nicht 
achtet. Die Liebe aber sollten einen anhalten, auch seine Erkenntnis 
so zu brauchen, da&szlig; daraus eine feine &Uuml;berzeugung, 
Unterricht und Besserung des N&auml;chsten folgen k&ouml;nne. Seine 
Weisheit zu der Schwachen Fall mi&szlig;brauchen, geh&ouml;rt unter 
die Griffe, womit Satan Eva ber&uuml;ckt hat</i> 
. Wer beim Wissen nicht auch seine Schw&auml;che 
und Unwissenheit, die Schwierigkeit, sein Wissen zu behaupten und 
wohl anzuwenden, flei&szlig;ig bedenkt, der wei&szlig; noch nicht, 
wie man bei Furcht GOttes, Demut und Liebe wissen soll. Von GOtt 
f&uuml;r den Seinen erkannt, mithin &uuml;ber sein Wissen auch so 
versiegelt werden, da&szlig; man unter Furcht und Liebe GOttes dazu 
gekommen sei, daran liegt das Meiste. Alles Wissens Ursprung und 
Anfang ist GOtt; das gibt den Grund zur wahren Demut; und alles 
Wissens Ziel und Ende ist der N&auml;chste, dessen Erbauung und 
Besserung, und das ist der Grund zu aller Liebe. Das Wissen betraf 
hier das an, da&szlig; ein G&ouml;tze nichts sei in der Welt. 
G&ouml;tzen hie&szlig;en zun&auml;chst die Bilder, vor welchen man im 
Heidentum seine Andacht mit Niederwerfen, Anrufen, Opfern 
verrichtete. Zu den G&ouml;tzen geh&ouml;rten dann auch die 
Gottheiten im Himmel, Erde und Meer, die man sich unter solchen 
Bildern vorstellte, vor deren Macht man sich f&uuml;rchtete, deren 
Gunst und Beistand man zu gewinnen suchte. Von Beiden zusammen sagt 
der Apostel, es sei nichts in der Welt, es sei keine Gottheit, kein 
Verm&ouml;gen zu helfen, keine Macht zu schaden darunter: man habe 
sich also mit keinem vertrauen noch Furcht dabei aufzuhalten. 
Da&szlig; aber der F&uuml;rst dieser Welt und seine unreinen Geister 
kein Gesch&auml;ft darunter gehabt, wird damit nicht eingestanden. Es 
kommt vielmehr unten <i> 
(Kap.10)</i>eine bedenkliche Anzeige 
vor, in welche Gemeinschaft der Teufel man durch den 
G&ouml;tzendienst geraten k&ouml;nne. Es mag aber unter der ganzen 
Anstalt der heidnischen G&ouml;tzen Manches auf leeren Betrug der 
Priester und vergeblicher Einbildung derer, die sich so f&uuml;hren 
lie&szlig;en, beruht haben; unter Manchem aber eine wirkliche Macht 
der - in der Finsternis dieser Welt herrschenden Geister gewesen 
sein, so wird durch das Licht des Evangeliums von der einigen 
Gottheit im Himmel und auf Erden alle falsche Furcht und alles 
vergebliche Vertrauen vertrieben. Aber aus diesem Wissen allein will 
der Apostel die Frage vom Essen des G&ouml;tzen - Opfers nicht 
schnell entschieden haben; sondern zeigt vielmehr da&szlig; dazu noch 
manche andere Umst&auml;nde zu einem hinreichenden Ausschlag genommen 
werden m&uuml;ssen. Was der Apostel weiter von Vielen, die 
G&ouml;tter und Herren genannt werden, 
anf&uuml;hrt, das verstehen Einige 
von den Engeln, die in der Schrift Trone und Herrschaften im Himmel 
hei&szlig;en, auch von den Obrigkeiten, die G&ouml;tter der Erde 
genannt werden; welches der Apostel zwar zugibt, aber gleich den 
unendlichen Vorzug zeigt, nach welchem der Vater unseres HErrn JEsu 
Christi der einzige GOtt, und dieser sein Sohn der einzige HErr 
hei&szlig;t.</p> 
 
<p>Andere verstehen es 
lieber von den unter den heidnischen G&ouml;tzenbildern abgebildeten 
Gottheiten, deren einer man eine Macht im Himmel, der anderen ein 
Regiment auf Erden, der dritten eine Herrschaft &uuml;ber das Meer 
zuschrieb, und sie doch oft auch von einem anderen h&ouml;chsten GOtt 
unterschied. Dagegen behauptet nun der Apostel: ja, unter diesen 
Vorspiegelungen hat der F&uuml;rst dieser Welt lange sein Werk in den 
Kindern des Unglaubens gehabt; und den tr&auml;gen, furchtsamen 
Menschen - Herzen geht es noch leichter ein, sich mit so 
abwechselnden Gottheiten zu tragen, als sich zur Furcht, Liebe und 
Vertrauen des h&ouml;chsten alleinigen GOttes erheben zu d&uuml;rfen. 
Aber beim jetzigen scheinenden Licht haben wir nur einen GOtt, nur 
eine einzige h&ouml;chste GOttheit und Herrlichkeit, zu welcher der 
Vater, durch dessen Willen Alles sein Wesen hat und geschaffen ist, 
und sein zum Erben und HErrn &uuml;ber Alles gesetzter Sohn, in 
welchem durch die Erl&ouml;sung und Wiederaufrichtung Alles zu GOtt 
gef&uuml;hrt und nahe gebracht wird, unzertrennlich geh&ouml;ren. 
Deswegen wir es auch im Glauben unseres Herzens, im Beten und Anrufen 
nicht trennen k&ouml;nnen, sondern unser Herz immer auf den Halt an 
den einigen GOtt, und an den einigen HErrn JEsum Christum zu sammeln, 
und bei einander zu behalten haben.</p> 
 
<p>Nachdem der Apostel 
aber Anfangs, um das selbstgef&auml;llige Wesen am Wissen 
niederzudr&uuml;cken, gesagt hatte: 
<i>Wir haben Alle das Wissen</i> 
; so sagt er jetzt hintennach doch wieder: Es 
hat nicht Jedermann das Wissen, nicht Jedermann die v&ouml;llige 
&Uuml;berzeugung, oder doch nicht die St&auml;rke, da&szlig; es seine 
von vorigen Zeiten her eingewurzelten Vorurteile schnell vertreiben 
k&ouml;nnte; sondern bei den Juden konnte ihr Abscheu vor den 
G&ouml;tzen, und bei vormaligen Heiden ihre angew&ouml;hnte Furcht 
vor denselben noch so etwas nach sich ziehen, da&szlig; sie im 
Gewissen vom G&ouml;tzen nicht los waren, sondern sich doch 
besorgten, es sei in das Fleisch oder andere Speise eine Unreinigkeit 
gedrungen, weil es einige Zeit im G&ouml;tzentempel gestanden sei, 
mithin sich vom Genu&szlig; desselben eine Gefahr der 
Vers&uuml;ndigung vorstellten; wor&uuml;ber sie denn eine Anklage 
litten, da&szlig; sie sich durch Gemeinschaft mit den G&ouml;tzen 
befleckt h&auml;tten, weil sie in ihrem schwachen Gewissen GOttes 
Gebot und aus demselben einen Trieb zur Furcht vor Vers&uuml;ndigung, 
und dabei doch Ungewi&szlig;heit, wie die Sache zu verstehen, und in 
&Uuml;bung zu bringen sei, zusammen traf.</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 8,8-13</font></b></h4> 
 
<p><b>Da&szlig; die Liebe 
und ihr erbaulicher Bedacht auf den N&auml;chsten eben so 
gro&szlig;en Anteil an der Einrichtung aller Handlungen in diesem 
St&uuml;ck nehmen m&uuml;sse, als die richtige 
Erkenntnis.</b></p> 
 
<p>Mancher gef&auml;llt 
sich in seiner Freiheit, und in einem grenzenlosen Gebrauch derselben 
so wohl, als ob das ein Beweis w&auml;re, da&szlig; man mit GOtt 
besonders wohl, und in seinem gewissen und in der Gewi&szlig;heit 
seines Gnaden - Standes so fest gegr&uuml;ndet w&auml;re. Aber nach 
dem Evangelium ist eigentlich das das Sch&auml;tzbarste an unserer 
Freiheit, da&szlig; wir nicht unter des Gesetztes Fluch, sondern 
unter der Gnade sind, da&szlig; uns jetzt also auch alle Kreatur 
GOttes gut, und nicht verwerflich ist, weil wir es mit Danksagung 
empfangen k&ouml;nnen. Aber der wirkliche Gebrauch dieser Freiheit, 
und wie sich Einer dabei mehr oder weniger einschr&auml;nkt, 
da&szlig; man Einen weder besser noch geringer, sondern da mu&szlig; 
Erkenntnis und Liebe in ein weises Temperament gebracht werden. Wer 
Freiheit nur in die weite Ausdehnung setzt, Alles zu tun, was er 
meint, ohne S&uuml;nde tun zu k&ouml;nnen, der ist noch nicht auf der 
rechten Spur, an der Macht und Fertigkeit, es leicht wegzulegen und 
zu entbehren, ist eben so viel gelegen. Wenn es bis zum Tisch - 
Sitzen im G&ouml;tzen - Haus kam, so war diese Freiheit schon auf das 
H&ouml;chste getrieben. Und ein Beispiel hierin, sonderlich von 
Einem, der im Ansehen stand, konnte eine gro&szlig;e Macht &uuml;ber 
des Anderen Gewissen aus&uuml;ben, und ihm zum Nachmachen antreiben. 
Denn sobald man meint, es liege ein Wachstum oder mehrere 
Brauchbarkeit darin, wenn man zu gr&ouml;&szlig;erer Freiheit komme, 
so will sich keiner gern darum ansehen lassen, als ob er nicht auch 
so viel Erkenntnis und Freiheit h&auml;tte, als ein Anderer. 
<i>O wie w&auml;re es oft besser, 
etwas nie geh&ouml;rt und gelesen zu haben, als da&szlig; man so eine 
selbstgef&auml;llige hochgesetzte Erkenntnis daraus macht, 
dar&uuml;ber ein Bruder um Glauben und gutes Gewissen kommen kann, 
f&uuml;r den man doch, nach Christi Sinn und Vorgang, eher das Leben 
lassen, geschweige in einer solchen Sache seiner schonen sollte. Wenn 
das Umkommen eines Bruders neben ihm gering ist, der ist gewi&szlig; 
in Gefahr, auch selbst umzukommen. Auch heutiges Tages ist es 
gewi&szlig; sicherer, zur&uuml;ckzubleiben und sich f&uuml;r einen 
Schwachen ansehen zu lassen, als sich auftreiben zu lassen, mit den 
jetzigen Reitern und Rennern &uuml;ber Stock und Stein hinein zu 
rennen, und zuletzt so st&uuml;rzen, da&szlig; man des Aufstehens 
vergi&szlig;t.</i> Was Einer im 
Verschonen nicht tut an einem der Geringsten, die an Christus 
glauben, das tut er Christus nicht, und s&uuml;ndigt also an 
Christus; h&auml;ngt sich mehr auf die Welt - Seite hin&uuml;ber, als 
da&szlig; er mit den Schwachen zu Ehren kommen m&ouml;chte. Die 
ungeduldigen Einw&uuml;rfe, die man oft macht: ja, so d&uuml;rfte ich 
zuletzt um Anderer willen gar nichts mehr vornehmen, m&uuml;&szlig;te 
ewiglich warten, bis sie zu besserer Einsicht k&auml;men, treibt 
Paulus dahin, da&szlig; er sagt: und was w&auml;re es dann? 
<i>Ich wollte lieber ewiglich kein 
Fleisch essen</i>. Gemeiniglich aber 
tr&uuml;ge oft ein kleiner Verzug und eine bed&auml;chtlichere 
Einrichtung schon viel aus. O darum lege dich auf die Erkenntnis, die 
dich lehrt, wie du nichts dem Heil des N&auml;chsten vorziehen 
sollst; damit hast du etwas gelernt, das dir ewige Frucht schaffen 
wird.</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 9,1-14</font></b></h4> 
 
<p>Damit sich Niemand 
d&uuml;nken lasse, der Apostel b&uuml;rde ihnen durch die 
Anforderung, sich in ihrer Freiheit einzuschr&auml;nken, und sich 
lieber in Vielem anzubrechen, eine Last auf, die er selbst nicht 
anr&uuml;hre; es sei wohl zuviel versprochen, nimmermehr Fleisch zu 
essen, so zeigt er nun in diesem Kapitel, wie er wirklich in diesem 
St&uuml;ck Manches bewiesen, daraus man abnehmen k&ouml;nne, was er 
freiwillig um des Evangeliums willen aufzuopfern bereit sei. Zu 
diesem Ende zeigt er zuerst sein wohlgegr&uuml;ndetes Recht, dessen 
er sich in Manchem bedienen k&ouml;nnte.</p> 
 
<p>Widersprechen von den 
S&uuml;ndern wider sich erdulden, ist in Christi eigenen Amts - 
Leiden, und so freilich auch in dem seiner bew&auml;hrtesten Knechte 
h&auml;ufig vorgekommen. Aber zur Verantwortung mit 
Sanftm&uuml;tigkeit und Furcht waren sie immer bereit. Eine der 
besten Arten ist, die Paulus in der gegenw&auml;rtigen Stelle 
braucht, da er sich n&auml;mlich mit seiner unter den Korinthern 
geschafften Amtsfrucht als einen Apostel legitimiert, weil sie 
n&auml;mlich nicht nur zum Glauben an das Evangelium gebracht waren, 
welches auch durch einen anderen Knecht Christi h&auml;tte geschehen 
k&ouml;nnen; sondern weil sich bei den Korinthern auch alle die 
F&uuml;lle der geistlichen Gaben befunden und ge&auml;u&szlig;ert 
habe, die sonst nur als ein Segen von den Aposteln auf die Gemeinde 
gebracht wurden. Daraus leitet er denn auch die 
rechtm&auml;&szlig;ige Freiheit, auf Kosten derer zu essen und zu 
trinken, denen er das Evangelium gepredigt hatte. Weil man aber einen 
in diesen Materien so leicht eines irdischen eigenn&uuml;tzigen 
Sinnes bezichtigt, so belegt er es mit dem von GOttes Gelindigkeit 
zeugenden Beweis, der nicht einmal einen Ochsen &uuml;ber seiner 
Arbeit, die Frucht mit seinen F&uuml;&szlig;en auszudreschen, ohne 
Erquickung lassen wollte, die ihm menschliche H&auml;rtigkeit durch 
das Maul - Verbinden wohl abgestrickt h&auml;tte. Alsdann wird Paulus 
aber auch so k&uuml;hn, zu sagen: es ist ein Geringes ob wir f&uuml;r 
die Saat im Geistlichen euer Leibliches ernten. Das steht aber nur 
einem Solchen zu sagen an, der mit Pauli himmlischem Sinn das 
Leibliche wirklich so gering achtet, da&szlig; er weiter nichts als 
seines Leibes Nahrung und Notdurft dabei sucht. Aber wer mit 
Sch&auml;tzesammeln auf Erden seine ungeb&uuml;hrliche Hochachtung 
des Leiblichen verr&auml;t, der ist nicht befugt, dies Netz 
auszuwerfen, und unter dem Vorwand seiner geistlichen Arbeit nach dem 
Leiblichen zu fischen, oder er f&auml;llt unter das Wehe, das der 
HErr JEsus &uuml;ber die Pharis&auml;er ausruft, die unter dem 
Vorwand langer Gebete der Witwen H&auml;user fra&szlig;en. Wenn es 
bei einem, in der Begierde zu nehmen, ein gro&szlig;es Ding ist, so 
kann man dem, der es geben soll, nicht zumuten, da&szlig; es ihm ein 
Geringes sein soll. O wer Liebe f&uuml;r das Evangelium ha, wem es 
anliegt, wie es demselben in der Welt ergeht, wie er dessen Annahme 
Kredit, unanst&ouml;&szlig;igen Lauf f&ouml;rdern kann, der soll 
Alles &uuml;berhin gehen lassen k&ouml;nnen. O GOtt! Du wei&szlig;t, 
was sich auch in der heutigen Zeit &uuml;ber dem Unterhalt der 
Prediger, sonderlich auf dem Land, f&uuml;r mancherlei Streitens 
erhebt, und was auch die kostbare Lebens - und Haushaltungs- Art 
f&uuml;r einen Einflu&szlig; darein hat, was die &uuml;berhand 
nehmende Ungerechtigkeit und Lieblosigkeit dabei verderbt; und was 
daraus dem Evangelium Christi f&uuml;r Hindernisse erwachsen. O tritt 
auch hierin den Satan in Kurzem unter unsere F&uuml;&szlig;e, und 
erhalte unter dem Lehrstand noch immer einen merklichen Samen derer, 
die nicht Menschentage suchen, sondern das Evangelium des Friedens in 
g&ouml;ttlicher Kraft verk&uuml;ndigen.</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 9,15-23</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel zeigt 
nun, wie willig und aus welchen guten Gr&uuml;nden er sich alles 
seines habenden Rechts begeben habe, und den Korinthern das 
Evangelium gepredigt habe ohne davon auch seinen leiblichen Unterhalt 
zu suchen.</b></p> 
 
<p>Paulus hat bei der 
Predigt des Evangeliums zu Korinth weder Nahrung noch Kleidung, weder 
f&uuml;r sich, noch eine Gehilfin, noch einen Mitarbeiter verlangt, 
sondern zu dergleichen Notdurft haben ihm seine H&auml;nde gedient. 
Warum aber ist Paulus hierin so weit gegangen? Warum hat er nicht der 
Gewohnheit seiner Amts - Br&uuml;der nach, vor sich habendem Rechte 
gefolgt? Wenn das zur Ausbreitung des Evangeliums so vorz&uuml;glich 
f&ouml;rderlich war, warum haben die anderen Apostel diesen Vorteil 
zu gebrauchen vergessen? Hat nicht Paulus dadurch Verdacht erweckt, 
da&szlig; er allein etwas Besonderes habe, und damit es auch den 
bew&auml;hrtesten Aposteln habe zuvor tun wollen? Kam es nicht 
heraus, als ob er ein Mi&szlig;trauen in die Gemeinde setzte, als ob 
sie es sich entweder nicht gerne geben, oder eine solche 
Erkenntlichkeit daf&uuml;r forderten, die ihm im Gewissen 
beschwerlich, und dem Lauf des Evangeliums hinderlich w&uuml;rde? 
Paulus mag zu diesem ungew&ouml;hnlichen Nachgeben seine eigenen 
Ursachen gehabt haben, zum Einen, hatte er vor Anderen viele Neider, 
die von seiner Bekehrung und deren Absichten &uuml;bel dachten, und 
die gern bei dem geringsten gegebenen Schein B&ouml;ses &uuml;ber ihn 
ausgebracht h&auml;tten. Das Los seines Apostel - Amts fiel ihm 
meistens unter die Heiden, und zum Teil unter - von ihrer 
Weltweisheit aufgeblasene V&ouml;lkerschaften, deren Vorurteile er am 
besten gekannt, und sich so an ihrem Gewissen wohl zu beweisen 
f&uuml;r n&ouml;tig erkannt haben mu&szlig;. Auch weil er sich als 
ein ehemaliger Verfolger des g&ouml;ttlichen Zutrauens, ein Apostel 
zu sein, so gar unw&uuml;rdig achtete, so mag er sich auch gern durch 
diese ungew&ouml;hnliche Erniedrigung von den Anderen unterschieden 
haben. Die anderen Apostel haben dem Evangelium kein Hindernis 
gemacht, noch am Ruhm eines guten Gewissens etwas vergeben, da&szlig; 
sie es nicht auch so gemacht haben. Denn sie hatten zu ihrer Weise zu 
handeln das von Paulus selbst anerkannte Gebot des HErrn vor 
sich. <i>Es ist ein 
Mi&szlig;verstand, der aus einem gesetzlichen Sinn herr&uuml;hrt, 
wenn man meint, rechtschaffene Knechte und Kinder GOttes 
m&uuml;&szlig;ten in Allem ganz gleiche Art zu handeln 
haben.</i>Das Evangelium bringt einen 
getrosten Sinn mit sich, dabei mit g&ouml;ttlicher Weisheit und 
wohlbefugter Freiheit einer seine Sache auch anders angreifen kann, 
als die neben ihm. Da&szlig; er das Evangelium predigte, das 
h&auml;tte ihm gegen seine Verleumder und sonstige wider ihn 
eingenommene Gem&uuml;ter keinen Ruhm ausgetragen. Aber da&szlig; er 
bei so gro&szlig;er Einsicht und nachdr&uuml;cklicher Behauptung der 
evangelischen Freiheit doch im Gebrauch derselbigen, wenn es auf ihn 
und seinen Nutzen oder Bequemlichkeit ankam, so willig zum Nachgeben 
und zu aller Verleugnung war; das trug ihm einen besonderen Trost im 
gurten Gewissen aus, und taugte auch, dem L&auml;sterer allen Vorwand 
abzuschneiden. Damit vers&uuml;&szlig;te sich auch wirklich der 
Apostel alle seine Arbeit, wie wenn man sich sonst mit der 
Betrachtung des Lohns ermuntert; und damit st&auml;rkte er sich auch 
allermeist in der Hoffnung, da&szlig; ihm GOtt so viel Billigkeit 
gegeben habe, das Evangelium umsonst zu predigen, und er also 
gewi&szlig; verwahrt sei, seiner Freiheit am Evangelium nicht zu 
mi&szlig;brauchen, oder sich durch das Evangelium nichts von 
&auml;u&szlig;eren Vorteilen und besserer Bequemlichkeit dieses 
Lebens zu verschaffen, damit aber sich einen beschwerlichen und dem 
Evangelium hinderlichen Verdacht aufzuladen. 
<i>Sich Anderen zum Knecht zu machen, 
mu&szlig; Jeder lernen, welcher Anderen n&uuml;tzlich werden will. 
Auch nur zu vern&uuml;nftiger Regierung seines Hauses, will 
geschweigen, der Gemeinde Christi, ist es n&ouml;tig, da&szlig; der 
Herr im Haus auch Aller Diener sein kann. Als Herr mu&szlig; man 
Weisheit haben, gute Einrichtung machen, &uuml;ber Ordnung halten; 
aber als Diener mu&szlig; man nicht herrschs&uuml;chtig, nicht 
eigenn&uuml;tzig sein, mehr der Untergebenen Bestes, als nur seine 
Autorit&auml;t suchen, sich freiwillig nach Anderen richten, Alles, 
was sie &auml;rgern und im Vertrauen zur&uuml;ckschlagen k&ouml;nnte, 
vermeiden; was man ohne Verletzung des Gewissens Jedem zu Gefallen 
tun kann, gern tun, und dabei nicht immer auf seine Freiheit sehen, 
ob man es schuldig sei, sondern sich durch das Gesetz Christi zum 
Tragen der Last des Anderen als einen Diener hingeben.</i> 
Davon hoffte der Apostel immer den 
<i>Gewinn</i>, 
da&szlig; er Manchen entweder wirklich zum Glauben an das Evangelium 
bringen, oder doch auf bessere Gedanken von der Wahrheit GOttes 
leiten k&ouml;nnte. Deswegen hat er gegen einen 
<i>Juden</i> 
nichts getan, dar&uuml;ber er Ursache gehabt 
h&auml;tte, seinen Umgang zu fliehen, oder sein Herz gegen dem 
Evangelium zu verschlie&szlig;en, als einer Lehre, deren so Vieles 
entgegen ist, das mit seinem Gewissen aufgewachsen ist. Wer aber bei 
schon gegebenem Glauben an das Evangelium sich doch noch zu diesem 
und jenem aus dem Gesetz verbunden erachtete, den hat er auch in 
seinem Gewissen nicht so geschlagen, da&szlig; er sich eilfertig 
davon losmachen sollte; sondern hat wohl eher seine &Uuml;berzeugung 
und die darauf sich gr&uuml;ndende Freiheit verborgen, und Manches 
getan, - zum Einen den Timotheus beschnitten, sein Haupt zu Kenchrea 
nach einem Gel&uuml;bde beschoren, sich im Tempel gereinigt, das 
einen, - das einen, der unter dem Gesetz war, gewinnen konnte. 
<i>Die aber an keinen Unterschied der 
Tage</i>, der Speisen, und anderer 
gesetzlicher Zeremonien gewohnt waren, oder weiterhin gebunden sein 
wollten, denen hat er sich auch als frei davon im Gewissen 
dargestellt, wobei ihn aber der Sinn Christi genauer vor GOtt 
gehalten hat, als ihn kein Gesetz h&auml;tte halten k&ouml;nnen. Das 
k&ouml;nigliche Gesetz der Liebe und der Freiheit trifft Alles 
genauer, als irgend ein Gesetz im Buchstaben.</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 9,24-27</font></b></h4> 
 
<p><b>Nun zeigt der 
Apostel vollends, wie es bei F&uuml;hrung des Christentums so 
unumg&auml;nglich n&ouml;tig sei, da&szlig; man in solcher 
Fertigkeit, sich selbst zu verleugnen, stehe; und wie einem das 
Evangelium und jede Hoffnung seines Berufs so lieb sein soll, 
da&szlig; man sich es nicht zu schwer vorkommen lasse, eine so 
ungew&ouml;hnliche Aufopferung seiner selbst, seiner Macht und 
Freiheit, vorzunehmen.</b></p> 
 
<p>Das Bild von 
K&auml;mpfern und L&auml;ufern in den Schranken war ehemals den 
Korinthern bekannter und lebhafter, als uns heutiges Tages. 
Inzwischen will es eben so viel sagen: denke, was man sonst um 
zeitlicher Absichten und verg&auml;nglicher Vorteile willen tun kann, 
wie man sich angreift, wie man seinen Neigungen Gewalt antut? Wie 
eilig macht Gnade von Menschen (Menschen - Gnade) oder auch nur die 
Hoffnung sie zu erhalten? Zu was f&uuml;r Entschlie&szlig;ungen kann 
sie bringen? Und um Christi und seines Evangeliums willen soll Alles 
gleich zu viel sein, was man einem zumutet? Da soll einen die Frage: 
wisset ihr nicht? innig besch&auml;men, da&szlig; man nicht so viel 
Nachdenken anwendet. Ein irdisches Kleinod zu erjagen, fassen so 
viele den Mut, und wissen doch, da&szlig; es nur Einer erreichen 
kann. Wir aber k&ouml;nnten bei der Kraft des himmlischen Berufs Alle 
das himmlische Kleinod ergreifen; wie viel leichter sollten wir also 
einer solchen Ermunterung Geh&ouml;r geben? Die Krone jener 
K&auml;mpfer war aus gr&uuml;nen Reifen und Blumen, und also freilich 
aus verwelklichen St&uuml;cken geflochten, aber auch die daran 
h&auml;ngende Eitelkeit, Ruhm und Ged&auml;chtnis war nicht viel 
haltbarer, und wurde doch so vieler M&uuml;he wert geachtet. Was 
sollte denn die unverwelkliche Krone der Ehren und alle damit 
verbundene ewige Herrlichkeit verm&ouml;gend sein! Von diesem Bild 
der Wettl&auml;ufer und K&auml;mpfer macht nun der Apostel die 
Zueignung wider auf sich und sein Exempel, und sagt: ich habe mein 
Ziel vor mir, und wei&szlig; wohl, was mich demselben 
n&auml;herbringt, oder nicht. 
<i>Ich habe Feinde vor mir, die es mit Ernst 
meinen, und nicht weniger suchen, als mich um meine Krone zu bringen. 
Darum gilt es mir, sie so zu treffen, da&szlig; sie sp&uuml;ren 
m&uuml;ssen, es sei mein ganzer Ernst. Diesen Ernst 
auszudr&uuml;cken, braucht der Apostel das Wort: ich bet&auml;ube, 
welches sonst von einem heftigen Schlag ins Gesicht gebraucht wird, 
da&szlig; einem das Licht verl&ouml;scht; in welcher Bet&auml;ubung 
man den also Getroffenen leichter unter sich bringen konnte; mit 
welchem Bet&auml;uben er denn auch genau das Bez&auml;hmen verbindet, 
da&szlig; also das Bet&auml;uben eine je und je schnell und besonders 
herzhaft angelegte Gewalt, das Bez&auml;hmen aber einen 
fortw&auml;hrenden Stand andeutet, wobei der Feind in der 
best&auml;ndigen Unterw&uuml;rfigkeit des Siegers gehalten wird. 
Da&szlig; der Apostel dies Beides von seinem Leib sagt, zeigt wie 
nahe er seinen Feind immer habe, und wie zu diesem Kampf ein 
Ha&szlig; seines eigenen Lebens erfordert werde. Es ist also nicht 
auf den Leibe und dessen &auml;u&szlig;erliche Glieder allein 
angesehen und gemeint, noch mit Gei&szlig;eln, rauhen Ketten und 
dergleichen auszurichten, welches wohl dem Leib, sonderlich so lange 
es ungewohnt ist, wehe tun kann, aber wobei oft viel irdischer Sinn 
und Neigung, denselben zu n&auml;hren, &uuml;brig ist.</i> 
Paulus nennt den Leib, sofern er das Band ist, 
das ihn an das Sichtbare anbindet, und vermittelst dessen alle 
Versuchungen an ihn dringen, und auch das, was aus dem eigenen Herzen 
aufsteigt, in dem Leib und dessen Gliedern seine Ers&auml;ttigung 
sucht, und durch die im Leib hinterlassenen Fu&szlig;stapfen zu einer 
gewaltigen Gewohnheit werden kann; wie denn auch der Leib und dessen 
Notdurft zu vielen verzagten Menschen - Gef&auml;lligkeiten und 
Weltf&ouml;rmigkeiten den Vorwand geben mu&szlig;. Wer diesen nahen 
Feind in der Unterw&uuml;rfigkeit h&auml;lt, der schafft sich eben 
damit auch diejenigen vom Hals, die erst vermittelst desselben, um 
des guten Verst&auml;ndnisses mit ihm eine Macht &uuml;ber uns 
gewinnen. Denn dieser Welt G&uuml;ter, Verm&ouml;gen, es anderen 
nachzutun, Freiheit, mit zu essen, was ihnen beliebt, Eitelkeit, bei 
ihnen gerne gesehen zu sein usw., hat er erst eine Macht &uuml;ber 
mich vermittelst des Leibes, und der Begierde, ihm etwas 
zuzuschieben. Wo man aber nach der - im Evangelium geoffenbarten 
Gerechtigkeit GOttes, den Leib als den Teil ansieht, und ernstlich 
behandelt, der unter das Gericht bis zum Tode und Verwesung 
hingegeben werden mu&szlig;, und dessen endliches Wegfallen im Tod 
die erw&uuml;nschte Erl&ouml;sung f&uuml;r meinen Geist ist, so wird 
mir Alles, was durch den Leib genossen werden kann, was nur Vorteil 
bringt, so lange ich im Leibe wohne, von Herzen gering; und wenn es 
sich mit seinen Gel&uuml;sten &uuml;ber den Geist erheben und dessen 
Verlangen d&auml;mpfen will, so ist jenes Bet&auml;uben und 
Bez&auml;hmen h&ouml;chst n&ouml;tig. - Bei den ehemaligen 
Rennspielen und K&auml;mpfen waren auch solche Leute da, welche die 
Wettl&auml;ufer und K&auml;mpfer aufmunterten, auch der Sieger Namen 
ausriefen; und so sieht sich Paulus bei seinem Dienst am, Evangelium, 
sonderlich auch bei der hier gemachten Vorstellung, als Einen an, der 
Anderen gepredigt, und sie aufgemuntert habe, und dem also daran 
gelegen sei, da&szlig; er nicht &uuml;ber eigener Tr&auml;gheit und 
Untreue verwerflich werde. Mit dem Nachgeben gegen die Welt, mit dem 
Gleichstellen gegen ihre Manieren hat man es weit getrieben. Aber die 
leidige &Uuml;bervorteilung vom F&uuml;rsten der Welt, der 
dar&uuml;ber den K&auml;mpfers - Sinn gar verdr&auml;ngen wollte, 
k&ouml;nnte uns nun witzig machen. 
<i>Sticht es dich in deinen Nieren, 
da&szlig; du &uuml;ber deinen Verleugnungs - Sinn sollest der Narr 
allein sein, so gie&szlig;e in diese Wunde nur gleich das &Ouml;l: 
Einer erlangt das Kleinod, so wird es dir ertr&auml;glich 
werden.</i></p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 10,1-13</font></b></h4> 
 
<p><b>Dies Kapitel geh&ouml;rt noch zu der bisherigen 
Materie vom G&ouml;tzen - Opfer, wie man gegen die Mitte hin deutlich 
sieht. Der Anfang aber geh&ouml;rt zun&auml;chst noch zu dem - im 
Beschlu&szlig; des vorigen Kapitels betriebenen Ernst, den der 
Apostel nun auch, durch Vorhaltung des - uns an dem israelitischen 
Volk gezeigten Exempels sch&auml;rft, als woraus man sehen 
k&ouml;nne, was auch denen, die vorz&uuml;glicher Gnaden - 
Beweisungen GOttes gew&uuml;rdigt worden, noch auf dem Weg 
widerfahren k&ouml;nne, und wie also die n&auml;chst zuvor bezeugte 
Sorgfalt, da&szlig; man nicht anderen predige, und selbst verwerflich 
werde, so gar nicht &uuml;berfl&uuml;ssig sei.</b></p> 
 
<p>Die Korinther waren 
meist aus den Heiden Bekehrte, und durch das Evangelium zur 
Bu&szlig;e und Glauben an GOtt Erweckte. Doch f&uuml;hrt sie der 
Apostel gar oft in das Alte Testament hinein, und will aus selbigen 
Rechten und Sitten, Wegen und Gerichten GOttes auch die bei 
F&uuml;hrung ihres Christentums vorkommenden Umst&auml;nde 
entschieden haben. Wichtiger Bewies f&uuml;r den noch immer 
fortw&auml;hrenden Gebrauch des Alten Testaments. Auch die aus dem 
wilden &Ouml;lbaum wider die Natur in den zahmen eingepflanzten 
Zweige <i>(R&ouml;m. 
11:17)</i>, hatten die Wurzel 
anzusehen, auf welcher sie stunden, und das Volk Israel f&uuml;r ihre 
V&auml;ter zu achten. Aus den &uuml;brigen Gnaden - Erweisungen 
GOttes am Volk Israel nimmt der Apostel diejenigen heraus, die ihm zu 
seinem Vorhaben besonders tauglich waren, daraus teils den Eintritt 
in das Reich GOttes durch die Taufe, teils die weitere Gnade, an des 
HErrn Tisch ein Genosse zu sein, damit zu beleuchten. Der Durchgang 
durch das Meer geschah unter Mose, seiner Anf&uuml;hrung und Dienst, 
aber auch unter der Verpflichtung, ihn als ihren damaligen 
Erl&ouml;ser und F&uuml;hrer, als den zwischen GOtt und sie gesetzten 
Mittler, als den - im ganzen Haus GOttes treu erfundenen Knecht zu 
erkennen, und ihm Glauben und Gehorsam zu beweisen. Sie haben diesen 
Durchgang als ihren Eintritt in den v&ouml;lligen Bund GOttes und in 
das - unter ihrer Reise liegende Vorhaben GOttes angesehen und 
angenommen. Entweder ist durch die Wolke und das Meer eine wirkliche 
Besprengung am Volk vorgegangen, wie bei uns in unserer Taufe ,und 
hat das dem Apostel zu dieser Vergleichung Anla&szlig; gegeben; oder 
war es im Grund genug, da&szlig; bei dem Zug der V&auml;ter unter der 
Wolke und sonderlich bei dem Durchgang durch das Meer das 
N&auml;mliche im &Auml;u&szlig;erlichen vorging, was in der Taufe 
vorgeht, da man n&auml;mlich nach der alten Art des Eintauchens eine 
kurze Zeit den Augen entzogen wurde, aber bald mit fr&ouml;hlichem 
Genu&szlig; seiner Erl&ouml;sung wieder heraus kam; wenigstens aber 
ist das gewi&szlig;, da&szlig; sie bei dem Durchgang durch das Meer 
zum Eintritt in ihre Reise und zu allem dazu geh&ouml;rigem Vertrauen 
und gehorsam eingeweiht worden sind, wie einer durch seine Taufe zu 
seinem Christenlauf eingeweiht wird. - Das Manna war freilich an sich 
eine leibliche Speise, wurde ihnen zur Erhaltung ihres Leibes - 
Lebens gegeben, konnte von ihnen nach Gefallen behandelt werden; als 
Etliche gegen GOttes Befehl davon etwas &uuml;berlie&szlig;en auf 
morgen, so war es auch leiblichen unangenehmen Zuf&auml;llen 
unterworfen. Der Apostel aber kann hier eine geistliche Speise 
nennen, weil es gleichwohl durch keines Menschen Arbeit bereitet, 
sondern viel mehr etwas vom Engel - Dienst dabei gebraucht wurde, 
daher es Engel - Brot hei&szlig;t; noch mehr aber weil das 
k&uuml;nftige Brot vom Himmel, das der Welt das Leben geben sollte, 
dadurch abgebildet wurde <i> 
(Joh. 6:33)</i>. Allermeist aber, weil 
Christus, als der Sohn GOttes, unter der ganzen F&uuml;hrung des 
Volks sein besonderes Gesch&auml;ft hatte, und ihnen unter der 
Erhaltung ihres leiblichen Lebens auch den Glauben, als das Leben 
ihres Herzens st&auml;rken wollte, wie es sich denn auch bei Manchem 
dazu anlegte, den &Uuml;brigen aber doch ein ernstlicher Antrag der 
Gnade geschah. Da&szlig; der Apostel aber bei dem geistlichen Trank 
sagt: <i>sie tranken aber von 
dem geistlichen Fels, der mitfolgte, Christo</i> 
, deutet an, da&szlig; diese und andere auf der 
reise ihnen widerfahrene Wohltaten durch Vermittlung dieses 
F&uuml;hrers ihnen zugeflossen seien. Der - von Mose geschlagene Fels 
blieb an seinem Ort stehen; und ob die daraus geflossenen Wasser die 
Israeliten auf ihrem ganzen Zug begleitet haben, ist wenigstens nicht 
zu erweisen. Von Christo aber konnte der Apostelsagen, da&szlig; er 
folgte, n&auml;mlich: da&szlig; erst in folgenden Zeiten mehr 
bekannt, und auch f&uuml;r den Urheber dieser an Israel erschaffenen 
Erl&ouml;sung n&auml;her erkannt worden sei. In den Gnaden - 
Erweisungen GOttes steigt es &uuml;berhaupt immer weiter auf, und das 
Folgende ist immer gr&ouml;&szlig;ere als das Vorhergehende, 
schlie&szlig;t sich aber doch an das Vorhergehende an. Auch die - bei 
unserem Zug durch sie Versuchungsw&uuml;ste uns an unserem 
nat&uuml;rlichen Leib widerfahrene Hilfe und Wunder GOttes werden wir 
erst im Folgenden, wenn wir den geistlichen Leib tragen, recht 
einsehen und zu preisen im Stande sein. Das verdient immer wohl neben 
einander erwogen zu werden, wie GOtt seine teuersten Gnaden - Mittel 
Allen, dem gro&szlig;en vermischten Haufen, l&auml;&szlig;t, 
inmittelst aber doch an der Menge kein Wohlgefallen hat; woraus man 
freilich die durchdringende Anmahnung nehmen soll, da&szlig; man an 
den gr&ouml;&szlig;ten Gnaden - Erweisungen GOttes sich auch am 
schwersten vers&uuml;ndigen k&ouml;nnte. - Das Gel&uuml;sten nach 
dem <i>Fleisch (4.Mose 
11:4-34)</i>, k&ouml;nnte man an sich 
nicht gerade f&uuml;r so b&ouml;se ansehen; aber weil es mit solcher 
Geringachtung der geistlichen Speise, mit solchem Unglauben 
verkn&uuml;pft war, wobei sie ihren vorigen Aufenthalt in 
&Auml;gypten ungeb&uuml;hrlich erhoben, und ihren Ausgang bedauert 
haben, so stund es freilich auf einer b&ouml;sen Wurzel; wie es auch 
noch so ist: zuerst wird der - an dem himmlischen Beruf gefa&szlig;te 
Glaube merklich aufgegeben, hernach haben alle Gel&uuml;ste Eingang 
in das Herz; und unter solchen Gel&uuml;sten zeigt es sich, wie weit 
die Hochachtung des himmlischen Berufs abgenommen habe. Die 
Versuchung zum Abtreten von dem lebendigen GOtt dringt immer unter 
gewissen f&uuml;r das Fleisch reizenden Umst&auml;nden an das Herz. 
Deswegen es <i>ein ungemein 
gro&szlig;er Schade ist, wo in die Religion viele den Sinnen und 
ihren Ausschweifungen Zunder gebende Umst&auml;nde eingewebt sind, 
wie zum Beispiel bei Prozessionen, Wallfahrten zc., wobei des Geistes 
reiner Sinn und Nachdenken mehr unterdr&uuml;ckt als gef&ouml;rdert 
wird.</i>Aus den Geschichten alten 
Testaments und besonders auch aus manchen Vergehen der Heiligen sucht 
man oft Futter f&uuml;r das Fleisch; aber man sollte auch an GOttes 
Gerichte und Ernst dabei denken, z. B. auch an Davids zerschlagene 
Gebeine, an sein mit Tr&auml;nen genetztes Lager, an die - durch 
seine Kinder ausgebrochenen Dem&uuml;tigungen, oder bei Salomo an den 
Kummer, den er gehabt, da&szlig; er in aller seiner Weisheit nicht 
bestanden, da&szlig; er seine verlorene Lebenszeit so als Eitelkeit 
beseufzen mu&szlig;te, an den Zerfall seines Hauses und Reichs gleich 
bei seinem n&auml;chsten Nachfolger. Statt den Leuten das alte 
Testament zu entleiden, und vorzuspielen, als ob es ausgedient 
h&auml;tte, sollte man merken, da&szlig; jetzt dessen Gebrauch erst 
heller und v&ouml;lliger ist, als vormalen. 
<i>Die Welt f&uuml;hrt gar eine wunderliche 
Sprache: Wenn man ihr etwas von einer Kraft der Gottseligkeit 
zumutet, so ist sie ganz schwach, und bittet: entschuldige mich; wenn 
man sie aber vor einer gef&auml;hrlichen Gelegenheit warnt, so ist 
sie ganz stark, und will von keiner Versuchung darunter etwas wissen. 
So rechnet sie auch der Christen Vorsichtigkeit, da&szlig; sie nicht 
fallen, f&uuml;r Bl&ouml;digkeit, und ihren Glaubensruhm vom Stehen 
in der Gnade f&uuml;r Hochmut aus.</i> 
Der Geist der Gnaden aber setzt einem Alles aus einander, und lehrt 
einen besonders auch den Ruhm von der Gnade so f&uuml;hren, da&szlig; 
dabei kein Nachlassen in der Wachsamkeit, im billigen Mi&szlig;trauen 
gegen sich selbst, im Gebet zc. einschleicht. Auch aus bisher wohl 
abgelegten Proben mu&szlig; man nicht zuviel machen, sondern eher an 
das denken, was noch aufgehoben sein kann. - 
<i>Menschliche Versuchungen</i> 
hei&szlig;t der Apostel, worunter der Mensch es 
mit sich selbst, mit den Gel&uuml;sten seines Fleisches zu tun hat, 
oder wo sich unter den Widerstand, den er von anderen zu erfahren 
hat, noch keine besonderen Kr&auml;fte der Finsternis mengen. 
<i>Statt da&szlig; er ihnen nun 
schwerere Proben ank&uuml;ndigen sollte, wendet er die Rede um auf 
die Treue GOttes; so gar ist das Wort GOttes nicht auf das 
Bangemachen, oder die Sache schwer zu nehmen, eingerichtet, sondern 
mehr auf das Vertrauen durch Christum zu GOtt, nur mit Ablegung aller 
Vermessenheit.</i> Alles was sich an 
uns wagen will und darf, ist in GOttes Hand und Zulassung, und der 
wiegt es nach unserer jedesmaligen Kraft ab, die aber auch unter der 
Versuchung auch mehr erweckt und angestrengt wird; hat aber mit der 
Versuchung auch schon den Ausgang gemacht, da&szlig; wir ohne 
Verschuldung an GOtt und ohne Schaden an unseren Seelen, vielmehr mit 
Wachstum an mancher Erfahrung herauskommen. Wer sich immer in GOttes 
Hand und Macht befiehlt, f&uuml;r den sind die schwersten 
Versuchungen Gelegenheit zum Sieg; wer auf seine eigene Kraft, 
Erfahrung und bisher bewiesene Treue baut, dem sind weit leichtere 
doch ein Strick, ihn in das Verderben zu senken.</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 10,14-24</font></b></h4> 
 
<p><b>Nun kommt der 
Apostel wieder auf sein Haupt - Materie, und stellt ihnen den 
unbedachtsamen und l&uuml;sternen Anteil am G&ouml;tzen - Opfer und 
den angeh&auml;ngten Mahlzeiten so gef&auml;hrlich vor, da&szlig; sie 
sich darunter wieder auf des Teufels Grund und Boden wagten, und ihre 
durch das Blut des HErrn JEsu so teuer erworbene und ihnen an des 
HErrn Tisch best&auml;tigte Erl&ouml;sung unbedachtsam 
verachteten.</b></p> 
 
<p>Die Verf&uuml;hrten 
merkten freilich nicht so eigentlich, auf was ihre Verf&uuml;hrer 
umgingen, n&auml;mlich: durch die bei den Opfer - Mahlzeiten 
unterhaltenen Bekanntschaften den Abscheu vor dem G&ouml;tzendienst 
in ihnen zu schw&auml;chen, damit man sie bei einer g&uuml;nstigen 
oder schreckhaften Versuchung wieder leichter zum G&ouml;tzendienst 
selbst bringen k&ouml;nnte. Darauf deutet ihnen nun der Apostel. Doch 
sagt er: ich rede als mit Klugen, deren eigenem Nachdenken ich etwas 
&uuml;berlassen darf. Die gr&ouml;&szlig;ere Gnade, die wir bei dem 
gesegneten Brot und Kelch genie&szlig;en, bringt auch eine desto 
teurere Verpflichtung &uuml;ber uns. Der Genu&szlig; des gesegneten 
Brotes und Kelches bringt uns in die Gemeinschaft des Leibes und 
Blutes Christi, woraus nicht nur das geistliche Leben unserer Seele 
gen&auml;hrt und gest&auml;rkt, sondern auch &uuml;ber unseren Leib 
die W&uuml;rdigkeit gebracht wird zu seiner k&uuml;nftigen 
Auferstehung in das Leben. Ja dieses Essen von einerlei Brot, weil es 
die Gemeinschaft des Leibes Christi ist, hat auch den Segen, 
da&szlig; es Alle, die dessen teilhaftig sind, zu einem Leibe in 
Christo vereinigt. Wie sich nun einer auf der einen Seite nicht aus 
dem Vorteil seines Christen - Adels heraussetzen soll, so soll er 
auch auf der anderen Seite Keinen von denen &auml;rgern oder 
betr&uuml;ben, mit welchen er, wie mit Gliedern eines Leibes, 
verbunden ist. Von dem angef&uuml;hrten Exempels Israels, nach 
welchem Alle, die von den Opfern essen, damit bezeugen, da&szlig; sie 
in der Gemeinschaft des Altars und des ganzen Gottesdienstes stehen, 
der an diesen Altar gewiesen war, erwartete man nun sogleich den 
Schlu&szlig;: also kommt man durch das Essen des G&ouml;tzen - Opfers 
in die Gemeinschaft mit den G&ouml;tzen. Der Apostel r&auml;umt aber 
vorher einen Einwurf aus dem Weg, weil nach dem Obigen, 
<i>Kap. 4:8</i> 
ein G&ouml;tze nichts sei, so habe es auch bei 
dem Essen der G&ouml;tzen - Opfer keine Gefahr einer nachteiligen 
Gemeinschaft; ja, sagt der Apostel, wenn nicht der Teufel unter den 
G&ouml;tzen und ihren Bildern sein Werk h&auml;tte: denn wenn schon 
die Heiden nicht gerade die n&auml;chste Absicht hatten, den Teufeln 
zu opfern, so war es doch der Erfolg von ihrem eitlen 
G&ouml;tzendienst, da&szlig; alle die - vom Teufel dabei 
aufgebrachten L&uuml;gen, eitle Furcht und Hoffnung, Unreinigkeiten 
und zum Teil auch Grausamkeiten dadurch unterhalten wurden. Ohne 
schwere S&uuml;nde aber, ohne offenbare Verleugnung des Christentums, 
k&ouml;nnt ihr nicht des HErrn Kelch und Teufel Kelch trinken. Man 
will freilich immer viel k&ouml;nnen, vielerlei Herren Dienst mit 
einander vereinigen k&ouml;nnen, vielerlei Genu&szlig; neben einander 
herlaufen lassen. Wollen wir den Herrn zum Eifer reizen? der so oft 
als ein eifriger GOtt beschrieben wird, und das Herz bei seinem 
Dienst nicht verteilen l&auml;&szlig;t. O wie oft wird dieser Eifer 
GOttes bei Beredungen zum Unreinen Vermischen mit dem Wesen dieser 
Welt aus den Augen gesetzt? Haben wir uns aber nichts von den 
Wirkungen seines Eifers zu besorgen? Unserem so gern auf seiner Macht 
und Freiheit bestehenden Herzen mu&szlig; man, es zu stillen und zu 
setzen, das Liedlein vorsingen: es frommt nicht Alles; es ist dir und 
Andern neben dir nicht n&uuml;tzlich. Und die Liebe, die das sucht, 
was des Anderen ist, mu&szlig; doch &uuml;berall das Regiment 
&uuml;ber den Gebrauch unserer Freiheit behalten.</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 10,25-11,1</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel 
fa&szlig;t nun gegen den Beschlu&szlig; hin seinen ganzen Bescheid, 
den er in der bisher abgehandelten Materie zu geben gemeint war, kurz 
zusammen, damit man &uuml;ber alle Umst&auml;nde seinen Sinn deutlich 
wissen k&ouml;nnte.</b></p> 
 
<p>GOtt hat &uuml;berhaupt 
die Welt auch seinen Kindern zum Brauchen, und so auch zum Kaufen und 
verkaufen darin einger&auml;umt, und verh&uuml;tet es, da&szlig; die 
Weltkinder sie hierin nicht zuviel dr&auml;ngen k&ouml;nnen. Um aber 
unanst&ouml;&szlig;iger hierin fortzukommen, r&auml;t der Apostel 
eine Einfalt auf das B&ouml;se an, wobei man in der Welt nicht nach 
Allem fragt, weil man durch F&uuml;rwitz und Fragen sich eher etwas 
zur Beschwerung des Gewissens aufladen kann, neben dem, da&szlig; man 
auch einem Anderen Anla&szlig; gibt, &uuml;bler von uns zu denken. - 
GOtt hat &uuml;berhaupt die Welt auch seinen Kindern zum Brauchen, 
und so auch zum Kaufen und Verkaufen darin einger&auml;umt, und 
verh&uuml;tet es, da&szlig; die Welt - Kinder sie hierin nicht zu 
viel dr&auml;ngen k&ouml;nnen. Um aber unanst&ouml;&szlig;iger hierin 
fortzukommen, ratet der Apostel eine Einfalt auf das B&ouml;se an, 
wobei, man in der Welt nicht nach Allem fragt, weil man durch 
F&uuml;rwitz und Fragen sich eher etwas zur Beschwerung des Gewissens 
aufladen kann, neben dem, da&szlig; man auch einem Andern Anla&szlig; 
gibt, &uuml;bler von uns zu denken. - Die Worte: die Erde ist des 
HErrn, und was darinnen ist, machen den Anfang des 24sten Psalms aus, 
darin das Reich Christi, wie es noch die ganze Erde einnehmen wird, 
besungen ist. Dazu machte die Predigt des Evangeliums unter allen 
V&ouml;lkern den Anfang. Aus diesem Grund fiel auch alle die 
Verbindlichkeit, die vorher ein: rechtschaffener Israelit hatte, sich 
alter Verunreinigung mit Speise und Trank m&ouml;glich zu enthalten. 
Damals n&auml;mlich mu&szlig;te der wahre GOtt, als der GOtt Israels, 
bekannt gemacht, und also der strengste Unterschied zwischen Einem 
aus seinem Volk und Einem aus den Heiden gemacht werden. Durch das 
Evangelium aber machte GOtt Ansprache an die ganze seinem Sohn zum 
Erbteil gegebene Erde, und bot die &uuml;ber Alles, was darin ist, 
gebrachte Vers&ouml;hnung und Reinigung an; mithin konnte man bei dem 
Glauben an die predigt vom Reich Christi &uuml;ber die ganze Erde 
ohne Ansto&szlig; essen, was feil war. Das Einladen versteht sich in 
das Haus, nicht in den G&ouml;tzentempel, zu einer gew&ouml;hnlichen, 
nicht zu einer angestellten Opfer - Mahlzeit. Das Hingehen befiehlt 
der Apostel nicht, und verbietet es nicht; sondern 
&uuml;berl&auml;&szlig;t Jedem zu eigenem Nachdenken, ob und warum er 
wolle? So erweckt man oft mehr fruchtbares Nachdenken, als durch 
eigentliches Verbot. Durch eine solche Anzeige: Das ist G&ouml;tzen - 
Opfer gibt der Andere schon zu erkennen, wie er begierig sei, was ihr 
in diesem Fall tun werdet. Und eben daher war es ratsam, nicht zu 
essen. Denn machte diese Anzeige ein Heide, so best&auml;rkte man ihn 
durch das Essen, da&szlig; einem sein G&ouml;tze und 
G&ouml;tzendienst kein sonderlicher Greuel sei; machte sie aber ein 
schwacher Christ, so veranla&szlig;te man ihn zum unbefugten 
Nachmachen, welches ihm bei dem Ansto&szlig; seines Gewissens 
nachteilig wurde. Wenn es also schon meines eigenen Gewissens halber 
keine Gefahr hatte, so war ich doch auf den Andern zu sehen schuldig, 
da&szlig; er an mir nicht Ansto&szlig; nehme, und meine Freiheit 
&uuml;bel beurteilte, oder mich gar l&auml;sterte, wenn er mich 
bezichtigte: ich handelte hiermit wider mein eigen Gewissen, da ich 
es doch mit Danksagung heiligte. Gaben eben die Worte: die Erde ist 
des HErrn, den Grund zu einer rechtm&auml;&szlig;igen Freiheit, so 
gaben sie nun ebensowohl auch den Grund zum bed&auml;chtlichen 
Einschr&auml;nken derselben. Denn GOtt hat mir ja au&szlig;er dem, 
wor&uuml;ber es Zweifel und Ansto&szlig; geben k&ouml;nnte, sonst 
noch genug einger&auml;umt. GOttes Ehre auf der einen Seite, und 
Sorgfalt, Niemand &auml;rgerlich zu werden, auf der andern Seite 
geben den Ausschlag &uuml;ber Alles. Man i&szlig;t und trinkt zu 
GOttes Ehre, wenn man sein gn&auml;diges Geben, seine freimachende 
Wahrheit dabei preist, und doch auch durch Furcht, durch Bedacht auf 
seinen Eifer, V. 22., durch Begierde, sein Wohlgefallen zu treffen, 
ihn ehrt. Die gr&ouml;&szlig;te Liebe ist, seinen Sinn, seine Neigung 
so zu verbergen, zu brechen und dabei einzulenken wissen, da&szlig; 
es dem Andern zur Besserung gefallen, und ihm den Weg zum Seligwerden 
erleichtern kann Christus ist freilich das vollkommenste Vorbild; 
doch weil uns manchmal schwer werden will, Seine Fu&szlig;stapfen auf 
die - in unserm Lauf vorkommenden Umst&auml;nde anzuwenden, so dienen 
uns auch aus dem Alten Testament aufgestellte Vorbilder, und nun 
durch Christi Geist bereitete Nachbilder desselben im Neuen Testament 
dazu, da&szlig; wir in ihnen Christi Sinn so ausgedr&uuml;ckt finden, 
wie es unseren jedesmaligen Umst&auml;nden angemessen ist. JEsu Demut 
und Geduld, Seine Langmut und Erbarmen, Seine Liebe, Seine Huld, und 
was mehr ist, soll mir Armen sein ein Muster dieser Zeit, bis ich 
folg in Ewigkeit!</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 11,2-16</font></b></h4> 
 
<p><b>Hier f&auml;ngt der 
Apostel an Manches bei ihrem &ouml;ffentlichen oder auch Haus - 
Gottesdienst in solche Ordnung einzuleiten, dabei sie die 
anf&auml;ngliche Absicht und Einsetzung GOttes n&auml;her treffen, 
und also aus dem dadurch erreichten Wohlgefallen GOttes auch mehreren 
Segen ziehen k&ouml;nnten den Anfang macht er mit einer Vorstellung 
wie das m&auml;nnliche und weibliche Geschlecht sich beim Gebet und 
sonstiger Behandlung des g&ouml;ttlichen Worts verhalten, und worin 
der eine Teil sein Ansehen behaupten, der andere Teil seine 
Bescheidenheit und Unterw&uuml;rfigkeit bew&auml;hren 
soll</b></p> 
 
<p>Da&szlig; der Apostel 
hier vom Haupt, und dessen bedecktem oder unbedecktem Zustand bei dem 
Gebet und Behandlung g&ouml;ttlichen Worts handelt, ist unstreitig; 
warum er aber aus diesem Umstand so viel mache, die Sache aus so 
tiefen Gr&uuml;nden herleite, die vermuten lassen, da&szlig; es eine 
innere Geziemlichkeit habe, und also auf alle Zeiten hinein in der 
Gemeinde Christi so gehalten werden soll, ohne da&szlig; man sich 
hierin nach den Gewohnheiten der V&ouml;lker oder Abwechslungen der 
Zeiten richte, das verdient reiferes Nachdenken. Ein bed&auml;chtiges 
Herz wird bald merken: Der Apostel redet zwar nur vom Haupt, als dem 
vornehmsten Teil des Leibes, an welchem sonderlich auch die Augen, 
und der vornehmste Sitz der Bescheidenheit und Zucht zu finden ist; 
es ist ihm aber doch um den ganzen Leib und dessen w&uuml;rdige 
Stellung und Geb&auml;rdung bei dein Gebet zu tun; wie denn auch der 
ganze Leib vom Haupt regiert wird. Mit solcherlei Zeugnissen 
mu&szlig; man wirklich das Mi&szlig;liche an unserm schnellen 
menschlichen Sinn verbessern, der gleich vorgibt: ach auf das kommt 
es nicht an, GOtt sieht das Herz an, ich kann mit meinem unbedeckten 
und hochfrisierten Kopf dem&uuml;tiger sein als eine Andere im 
niederen H&auml;ublein. Solche Winke aber sollen uns langsam zum 
Reden, Entschuldigen und Rechthaben, hingegen aber schnell zum 
H&ouml;ren und Nachgeben machen. Wenn auch wirklich etwas durch die 
allgemeine Gewohnheit so eingef&uuml;hrt ist, da&szlig; es Einzelne 
weder &auml;ndern, noch ein Zeuge der Wahrheit viel dagegen 
ausrichten kann, so macht das die Sache noch nicht besser und vor 
GOtt gef&auml;lliger. Ein bed&auml;chtlicher Christ h&auml;lt sich 
deswegen auch bei der allgemeinen Gewohnheit allein nicht gesichert; 
sondern wenn er auch f&uuml;r sich oder die Seinigen nicht anders 
kann, so rechnet er es doch f&uuml;r einen Staub, der sich von dem 
gegenw&auml;rtigen Weltlauf an ihn angeh&auml;ngt, der Abwaschens 
bedarf; und es ist ihm ausgemacht: so ist es von Anfang nicht 
gewesen; so wird es auch nicht immer bleiben. Wenn das Reich GOttes 
sonst mehr in der Kraft durchbrechen wird, so wird man den 
himmlischen Sinn auch in Geb&auml;rden und Kleidung mehr an sich 
k&ouml;nnen leuchten lassen; und jede Spur in der Schrift wird einen 
n&auml;her zu Befolgung des Guten, wohlgef&auml;lligen und 
vollkommenen GOttes - Willens anhalten. Es ist um den Wohlstand im 
Reich GOttes noch etwas Zarteres, als um die h&ouml;chstgetriebene 
Hofsitte in der Welt; kann man gegen diese mit dem geringsten 
Betragen im Kleidung oder Geb&auml;rden ansto&szlig;en, so kann man 
auch dem Ernst, der Demut und Bescheidenheit, dem auf Ordnung 
gerichteten Sinn, der zum Reiche GOttes geh&ouml;rt, durch eine 
Geb&auml;rde etwas vergeben. &Uuml;brigens sieht man aus den 
Gr&uuml;nden, die der Apostel braucht, wo es unter den Korinthern am 
meisten gefehlt haben mu&szlig;. N&auml;mlich wie sie &uuml;berhaupt 
durch Wohlgefallen an sich Selbst in einen etwas aufgeblasenen 
Mi&szlig;brauch ihrer Gaben geraten sind, so mu&szlig; sich auch bei 
denen aus dem weiblichen Geschlecht mit solcherlei Gaben 
Ausger&uuml;steten etwas eingeschlichen haben, da&szlig; sie sich um 
deswillen &uuml;ber ihre eigenen M&auml;nner erhoben, oder doch 
derjenigen Zeichen der Bescheidenheit und Unterw&uuml;rfigkeit 
vergessen haben, die sonst das weibliche Geschlecht von dem 
m&auml;nnlichen unterscheiden sollte. Der Mann ist mit seiner 
Unterw&uuml;rfigkeit und Gehorsam an Niemand anders gewiesen, sondern 
h&auml;lt sich zun&auml;chst an Christum, als an sein Haupt, von dem 
er Gnade und Gaben nicht nur f&uuml;r sich, sondern auch zu 
g&ouml;ttlicher Regierung seines Hauses empf&auml;ngt. Das Weib aber 
ist mit ihrer Unterw&uuml;rfigkeit und Gehorsam an den Mann gewiesen, 
allermeist wenn sie mit einem in ehelicher Verbindung lebt, aber auch 
au&szlig;erdem, weil ja doch, wie in Einrichtung des menschlichen 
Lebens, also auch in der kirchlichen Verfassung, es durch Anordnung 
der M&auml;nner geht. Und das soll man sich nicht schwer d&uuml;nken 
lassen, da sogar auch zwischen GOtt und Christo &uuml;ber dem 
Gesch&auml;ft unserer Vers&ouml;hnung, wodurch wir GOtt nahe geworden 
sind, ein solcher Ausflu&szlig; und R&uuml;ckflu&szlig; Statt hat, 
und Christus Alles aus dieser F&uuml;lle nimmt und auf dieses Haupt 
zur&uuml;ckf&uuml;hrt, was Er als unser Mittler und Haupt auf uns 
bringt. Wenn jetzt freilich nach der heutigen Weltart das eine 
Geschlecht Alles in H&auml;rtigkeit und Zorn, und das andere 
Geschlecht Alles in Eitelkeit und Lust treibt, und man damit einander 
mehr Netze zum Fangen und Stricke zum Binden anzulegen bedacht ist, 
als da&szlig; man an GOtt und Seine Ordnung und deren Offenbarung 
durch Natur und Wort denken mag; so verliert man freilich alles 
Gef&uuml;hl, und ist bei seinen unge&uuml;bten Sinnen nicht einmal 
imstande, eine solche Wahrheit zu pr&uuml;fen. Im Ansehen, 
Unabh&auml;ngigkeit und Herrschaft hat GOtt dem Manne vorz&uuml;glich 
sein Bild angeh&auml;ngt. Wo diese Ordnung GOttes am Manne erkannt 
wird, so gibt man GOtt damit die Ehre Und wo hinwiederum der Mann 
auch lauterlich sich als GOttes Bild hierunter ansieht, mithin die 
Ehre sich nicht anma&szlig;t, sondern sie auf Den fallen 
l&auml;&szlig;t, dessen Bild er ist, so gibt er mit solcher 
m&auml;nnlichen Tugend GOtt die Ehre. Das Weib aber hat Alles so 
einzurichten, da&szlig; sie durch ihre Bescheidenheit und 
Unterw&uuml;rfigkeit und alle davon auch im &Auml;u&szlig;erlichen 
angenommenen Zeugnisse, dem Mann Ehre gebe. Die Macht, oder Decke auf 
dem Haupt dient dem Weib zum Zeugnis der von ihr erkannten und mit 
Treue gehaltenen Unterw&uuml;rfigkeit unter den Mann. Eine von ihrer 
Treue abgewichene oder deshalb verd&auml;chtige Person ist mit 
entbl&ouml;&szlig;ten Haupt vor GOtt gestellt worden 
<i>(Nu 3:18)</i> 
. Weil man aber in solchen Dingen nie fertig 
wird, und scheinbare Vorw&auml;nde nie ausgehen, so bricht der 
Apostel ab, und sagt: Die Gemeinen GOttes haben solche Weise nicht; 
und an Solchen, bei denen man doch mehr Bedacht auf das Reich GOttes 
zum vermuten hat, soll einem doch auch mehr gelegen sein, als an 
Allen, deren Moden sonst nachzumachen man so geneigt 
ist.</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 11,17-22</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel bezeugt 
sein v&auml;terliches 
Mi&szlig;fallen, da&szlig; sie ihre Zusammenk&uuml;nfte, die doch die 
Auferbauung auf ihren gemeinschaftlichen Glauben, und die 
Unterhaltung der Liebe unter einander zur Absicht hatten, nicht 
sorgf&auml;ltiger behandelten, sondern auch da so Manches ausbrechen 
lie&szlig;en, das einen unlauteren Sinn 
verriet.</b></p> 
 
<p>&Uuml;ber dem Vorigen 
wollte er mit Niemand streiten, der sich seiner Weise nicht 
f&uuml;gen wollte. Aber jetzt kommt er auf einen Punkt, den er 
befehlsweise entscheiden will. Bei einer Gemeinde Christi sollte es 
ein solches Zunehmen geben, da&szlig; es von Jahr zu Jahr besser 
w&uuml;rde; hier aber zeigte sich mehr ein Abnehmen und Verfall. Das 
wu&szlig;te der Apostel von t&uuml;chtigen Zeugen, und darum glaubte 
er es; doch ihnen auch noch Hoffnung und Mut zum Wiederaufrichten aus 
ihrem Fall &uuml;brig zu lassen, m&auml;&szlig;igt er seine Rede und 
sagt: zum Teil glaube ich es. Die selbsterw&auml;hlten Meinungen 
ziehen leicht auch einen eigenliebigen Unterschied im Behandeln des 
N&auml;chsten nach sich; und das gibt Rotten, die freilich nach 
GOttes heiligem Willen: und Wohlgefallen nicht sein m&uuml;&szlig;ten 
Feind zum Verf&uuml;hren noch gelassenen Macht, bei der Menschen 
eigenen Sicherheit, Leichtsinn, Vorwitz wohl unvermeidlich sind 
welche Umst&auml;nde denn GOtt zu unserer n&ouml;tigen Pr&uuml;fung 
angewendet wobei zwar oft die gr&ouml;&szlig;ere Menge der Unlauteren 
die Oberhand zum gewinnen meint, eigentlich aber doch die 
Rechtschaffenen offenbar werden, die am lautersten bei den: Sinne 
Christi und seines Kreuzes aushalten - Nun f&uuml;hrt der Apostel ein 
Beispiel an, worin sich ihr parteiisches Wesen verrate, n&auml;mlich: 
da&szlig; sie ihre Liebes - Mahle, an welche auch der wirkliche 
Gebrauch des heiligen Abendmahls angeh&auml;ngt wurde, mit solchen 
Unordnungen verstellten, die nicht nur den guten Zweck der Liebes - 
Mahle hinderten, sondern auch zu unw&uuml;rdiger Behandlung des 
Abendmahls Selbst Anla&szlig; gaben. Da der liebe Heiland das 
Abendmahl an die vorgehaltene Osterlamms - Mahlzeit ankn&uuml;pfte, 
um jene Zeit aber auch das Gebot der Liebe unter einander sehr 
sch&auml;rfte, so geschah es leicht, da&szlig; man auch durch vorher 
gehaltene m&auml;&szlig;ige Mahlzeiten sich zur &Uuml;bung der Liebe 
ermunterte, und so zum wirklichen Genu&szlig; des heiligen Abendmahls 
vorbereitete. Mithin sollte da nichts weniger statt haben, als das 
leidige Ansehen der Person, oder der Unterschied, den sich einer um 
seines gr&ouml;&szlig;eren Verm&ouml;gens willen herausnehmen 
m&ouml;chte, sondern Sinnes - Niedrigkeit und Liebe sollte Arme und 
Reiche gleich machen, und darunter das Bild Dessen vorstellen, der 
unter seinen J&uuml;ngern war wie ein Diener. Bei der Korinther 
Verfahren Sah es gar nicht des HErrn Abendmahl gleich. Denn Der ist 
f&uuml;r Alle gestorben, und hat uns Alle von Einem Brot essen, und 
aus Einem Kelch trinken gehei&szlig;en, damit die n&ouml;tige und 
erquickliche Einigkeit unter einander aufgerichtet, und alles Achten 
auf den sonstigen Unterschied verschlugen w&uuml;rde. Wo aber dem 
Unterschied zwischen Armen und Reichen so aufgeholfen wird, da sieht 
es nicht wie im ersten Abendmahls - Saal aus. Die Verm&ouml;genderen 
haben n&auml;mlich Speise und Trank mitgebracht, aber sind so darauf, 
als auf ihr Eigenes, hineingefallen wie wenn es da um Essen und 
Trinken nicht aber um &Uuml;bung mitteilender Liebe zu tun w&auml;re 
Der Ort selbst und die Anwesenheit mehrerer Gl&auml;ubigen h&auml;tte 
ihnen etwas Anderes einfl&ouml;&szlig;en sollen. An den Liebes - 
Mahlen war das, das Erquicklichste, da&szlig; man nicht nur den Armen 
etwas mitteilte, sondern da&szlig; man sie als Mitgenossen eines 
Tisches ehrte, und also allem Leiden abh&uuml;lfe.</font></font></p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 11,23-34</font></b></h4> 
 
<p><b>N&auml;here 
Anleitung, wie sie des HErrn Abendmahl w&uuml;rdig begehen und 
verh&uuml;ten sollten, da&szlig; die - in ihrer Versammlung sonst 
eingerissenen Mi&szlig;br&auml;uche den Segen dieser gnadenreichen 
Anstalt nicht verschl&auml;gen.</b></p> 
 
<p>Es ist ein sehr 
wichtiger Umstand da&szlig; der HErr JEsus auch nach seinem Eingang 
in die Herrlichkeit neben andern Geheimnissen des Reichs GOttes auch 
diese Stiftung und Beibehaltung seines Abendmahls dem Apostel Paulo 
besonders zu &uuml;bergeben n&ouml;tig erachtet hat. Vor Andern 
zeichnen sich hier deutlich die zwei Termine aus, zwischen welche das 
Abendmahl und dessen &ouml;ftere Begehung f&auml;llt, n&auml;mlich 
der Anfangstermin von der Nacht, da er verraten, und damit sein 
gemeinsamer Umgang und Wandel in der Welt abgebrochen ward; und der 
Schlu&szlig;termin: Bis da&szlig; er kommt, und damit das neue Essen 
und Trinken mit Ihm &uuml;ber seinem Tisch im Reich GOttes 
er&ouml;ffnen wird. Diesem nach enth&auml;lt das Abendmahl einen 
Ersatz f&uuml;r diejenigen, die, ohne Ihn gesehen zu haben, an Ihn 
glauben. Wer aber mit unverst&auml;ndiger, leichtsinniger, sicherer 
Beiseitsetzung alles desjenigen, was ihm diese Einsetzung 
Ernstliches, Bedachtsames, dem HErrn Wohlgef&auml;lliges 
einfl&ouml;&szlig;en sollte, von diesem Brot i&szlig;t, der 
verschuldet sich an dem Leib und Blut des HErrn.</p> 
 
<p>So redet die Schrift, 
wenn sie das Vergreifen an dem, was der HErr JEsus von Seiner 
Wahrheit in der Welt gelassen hat, so bedenklich machen will, als ob 
man sich noch an Ihm in Person zu vergreifen Macht und Gelegenheit 
h&auml;tte dahin geh&ouml;ren die Ausdr&uuml;cke: den Sohn GOttes mit 
F&uuml;&szlig;en treten, Ihn sich wieder kreuzigen, und f&uuml;r 
Spott halten, das Blut des Testaments f&uuml;r unrein achten zc. - 
Zur Pr&uuml;fung seiner selbst hat der Heiland gleichwohl auch bei 
erstmaliger Begehung des heiligen Abendmahls seinen J&uuml;ngern 
viele Gelegenheit gemacht, nicht nur durch die - des Tages zuvor an 
ihnen vorgenommene Fu&szlig;waschung, und die dabei gef&uuml;hrte 
Rede: ihr seid rein, aber nicht Alle; sondern auch durch die 
bedenkliche Anzeige von seinem Verr&auml;ter, wor&uuml;ber sich auch 
die Redlichen gern auf dem verd&auml;chtigsten 
S&uuml;nderb&auml;nklein aufsuchen lie&szlig;en, und fragten: HErr! 
bin ich es? - Da&szlig; unter ihren Krankheiten und Sterbef&auml;llen 
ein Gericht GOttes liege, h&auml;tten die Korinther ohne des Apostels 
Anzeige wohl nicht erkannt. Ebenso wird auch Manches in der heutigen 
Zeit nicht f&uuml;r das geachtet, was es doch ist, wiewohl auch das 
bei der heutigen Zeit zu bedenken ist, da&szlig;, wie die Gnade 
verborgener wirkt, so auch GOttes Richten sich nicht so merklich 
unterscheiden l&auml;&szlig;t. Sich selbst pr&uuml;fen oder richten, 
und von dem HErrn gerichtet und endlich mit der Welt verdammt werden, 
macht eben so drei Stufen aus, wie in jener Rede des 
Heilandes, <i>Mr 9</i> 
mit Salz der himmlischen Zucht gesalzen, oder 
vom Feuer - Salz angegriffen, oder in das Feuer, das nicht 
verl&ouml;scht, geworfen werde HErr JEsu! Mache mich witzig, 
da&szlig; ich mich lieber dem Salz &uuml;berlasse, als auf das Feuer 
- Salz ankommen lasse, oder gar in das Feuer komme, das nicht 
verl&ouml;scht.</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 12,1-3</font></b></h4> 
 
<p><b>Hier f&auml;ngt der 
Apostel wieder eine neue Materie an, welche bis auf den Schlu&szlig; 
des l4ten Kapitels reicht. Er gibt ihnen n&auml;mlich 
umst&auml;ndlichen Bericht von den mancherlei Beweisungen des Geistes 
GOttes unter ihnen und zeigt, wie sie sich dabei zuv&ouml;rderst als 
Einen Leib, von Einem Haupt, HErrn und Geist belebt, begabt, regiert 
ansehen, dabei aber doch den Unterschied der Glieder und ihrer 
Verrichtungen, mithin auch der dazu n&ouml;tigen Gaben bedenken, 
selbige aber allermeist durch die Liebe zu gemeinem Nutzen bringen, 
und aus dieser ausgebreiteten Brauchbarkeit auch den Wert der Gaben 
selbst richtiger bestimmen solle hieraus sieht man was also den 
Apostel zu solchen Vorstellungen gedrungen habe. Wie n&auml;mlich auf 
den heutigen Tag der Geist der Welt und der Geist aus GOtt auf diesem 
Kampfplatz der S&uuml;nde und der Gnade zugleich ihr Werk haben, und 
der Geist der Welt in seinen Gesch&auml;ften sich immer nach dem 
richtet, wie der Geist GOttes wirklich sein Werk betreibt, um gerade 
in solches Licht Finsternis, Verwirrung und Ungewi&szlig;heit zu 
bringen, und damit die Menschen m&uuml;de zu machen; so hat es 
freilich auch, bei jenen ansehnlichen Wirkungen des Geistes GOttes 
nicht gefehlt, da&szlig; aus dem Judentum und Heidentum Solche 
aufgestanden sind, die mit ihren Gaben und Geistes - Kr&auml;ften 
jenen Wirkungen des Geistes GOttes haben das Gleichgewicht halten, 
und der Menschen Gewissen verwirren wollen. Denn der Geist der Welt 
hat bald gemerkt, da&szlig; er Christus und sein Reich und die 
Wahrheit seines Evangeliums nimmer ganz vom Erdboden verdr&auml;ngen 
k&ouml;nne; darum hat er sich auf das gelegt, nur aus Allem ein 
Gemenge zu machen, und seinen Sinn und Werk auch unter das 
Christentum und des Geistes GOttes Gesch&auml;ft zu bringen, welches 
denn zu allen Zeiten die beschwerliche Notwendigkeit aufgelegt hat, 
da&szlig; man falsche Geister pr&uuml;fen und sich von ihnen scheiden 
mu&szlig;te. Daneben haben auch unter den Christen selbst Manche den 
Unterschied der Gaben nicht geh&ouml;rig angewendet, sind in 
wohlgef&auml;lliges Aufblasen &uuml;ber einander geraten, haben eine 
Gabe mit der andern mehr zu verdunkeln, als in gemeinschaftlichen 
Gebrauch zu setzen und zu erwecken gesucht, sind dabei mehr auf das 
Gro&szlig;tun, als auf das Gemeinschaftlich Brauchbare gefallen, usw. 
Darum haben denn auch die apostolischen Zeiten bei sonst so 
herrlichem Segen des Evangeliums ihre Kirchen - Not gehabt. Um so 
weniger wollen wir uns unsere jetzigen Tage ver&auml;chtlich sein 
lassen, sondern uns eben auch in unserem Teil leiden, und das, was 
noch da ist, mit dem&uuml;tigen Danke 
ben&uuml;tzen.</b></p> 
 
<p>Bei allen Religionen 
fand sich etwas Geistliches, entweder wirklich ober doch dem Schein 
und Vorgeben nach; entweder aus GOtt und seinem Reich des Lichts, 
oder vom Gott dieser Welt und seiner Obrigkeit der Finsternis. Denn 
jede Religion wollte h&ouml;her f&uuml;hren, als die blo&szlig;e 
Natur, und diese ihre M&auml;ngel erstatten;. und das durch Wirkungen 
und Gaben, die &uuml;ber die Menschen - Kr&auml;fte gingen. So hatten 
sie selbst im Heidentum ihre Weissagungen, Ausspr&uuml;che &uuml;ber 
zuk&uuml;nftige Dinge, Weisheits - Spr&uuml;che, Rats - Erteilungen 
in zweifelhaften F&auml;llen, andere verborgene Hilfeleistungen in 
Umst&auml;nden, wo die nat&uuml;rlichen Kr&auml;fte nicht hinreichen. 
Man sehe, was <i>Ac 16:16</i> von 
dem Wahrsager - Geist zu Philippis, <i> 
Ac 19:19</i> von den vorwitzigen K&uuml;nsten derer zu Ephesus 
vorkommt. Noch mehr dergleichen fand sich im Judentum und unter dem 
samaritischen Volk, wo zu dem Falschgeistlichen noch Manches aus der 
geoffenbarten Wahrheit GOttes gezogen wurde Man Sehe, was 
<i>Ac 8:9</i> von Simon dem Zauberer 
vorkommt, und wie dieser <i>Ac 8:18-19 
</i>sich um das Geld in die apostolische Macht schwingen wollte. 
Einen unendlichen &Uuml;berschwang geistlicher Gaben und Kr&auml;fte 
aber gab es bei der Wahrheit Christi und der Bekenntnis Seines Namens 
aus der - durch Ihn am Pfingstfest aufgeschlossenen F&uuml;lle, 
<i>Ac 2, 17f</i>. Doch war freilich 
Pr&uuml;fung der Geister 
n&ouml;tig, und Vorsicht, nicht zu viel und nicht zu wenig zu tun. 
Die heutige Welt ist &uuml;ber so vielem Vorgeben von geistlichen 
Erkenntnissen, Gaben, Wirkungen und Erfahrungen so ungeduldig und 
ungl&auml;ubig geworden, da&szlig; sie lieber Alles verd&auml;chtig 
halten und machen will, was Sich nicht sogleich unter das Gebot der 
Natur und Vernunft will ziehen lassen. Die M&uuml;he, viel zu 
pr&uuml;fen, die Gefahr, betrogen zu werden, entleidet ihr Alles. 
Eben damit aber st&uuml;rzt sie sich in den gr&ouml;&szlig;ten 
Selbstbetrug. An Andern will Sie das &Uuml;bertriebene und f&uuml;r 
falsch Geachtete fliehen und hassen, und von vermessenem Vertrauen 
auf sich selbst und ihre Einsicht wird sie mehr betrogen, als sie 
durch fremde Kr&auml;fte nimmermehr h&auml;tte betrogen werden 
k&ouml;nnen.</p> 
 
<p>Der ehemalige 
&Uuml;berschritt vom Heidentum um die Erkenntnis des Einigen und 
wahrhaftigen GOttes bei dem Licht des Evangeliums fiel so gro&szlig; 
aus, da&szlig; man einen immer wieder auf selbige Ver&auml;nderung 
f&uuml;hren konnte und daher war es auch leicht begreiflich, 
da&szlig; von stummen G&ouml;tzen keine geistlichen Gaben erwartet 
werden konnten, sondern was sich dergleichen bei ihrem Dienst geregt 
hat, das war von dem Gott dieser Welt, der das ung&ouml;ttliche Wesen 
des G&ouml;tzendienstes damit im Ansehen erhalten wollte. Den Glauben 
oder die Verleugnung der Wahrheit JEsu setzt der Apostel nicht nur 
f&uuml;r die damalige, sondern f&uuml;r alle Zeiten, zum sichersten 
Kennzeichen, was aus dem Geist GOttes Sei oder nicht. Man Sehe 
auch <i>1Joh 4:3</i> 
Wer auch von den heutigen gro&szlig;en oder 
sch&ouml;nen Geistern JEsu Namen und Bekenntnis so aus seinem Mund 
und Schriften wegl&auml;&szlig;t, da&szlig; man sieht, JEsu Name, 
Kreuz, das daraus erwachsene Evangelium, die Hoffnung des Reichs und 
der Herrlichkeit ist ihm ein &Auml;rgernis, ein verschlossenes 
R&auml;tsel, und wenn er es frei herauslassen d&uuml;rfte, ein Fluch, 
der verr&auml;t sich schon genug, wes Geistes Kind er ist. O HErr 
JEsu! ich lebe oder sterbe, so ist die Gemeinschaft, mit Dir mein 
Ruhm und meine Hoffnung. Das habe ich vom heiligen Geist gelernt, und 
in dieser Wahrheit begehre ich fortgeleitet zu 
werden.</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 12,4-11</font></b></h4> 
 
<p><b>Nun zeigt er 
n&auml;her, wie GOtt bei so mannigfaltiger Austeilung 
unterschiedlicher Gaben, bei Einrichtung verschiedener &Auml;mter, 
bei Anwendung ungleicher Kr&auml;fte, doch Alles so genau auf die 
Einigkeit und Anwendung zum gemeinen Besten und Erbauung eingerichtet 
habe.</b></p> 
 
<p>N&auml;chst zuvor hat 
sie der Apostel bewahrt, da&szlig; sie nicht von falschen Geistern 
und ihren. Wirkungen ber&uuml;ckt w&uuml;rden, sondern pr&uuml;fen 
lernten, ob Alles aus JEsu Herrlichkeit hergeleitet, und auf Ihn 
zur&uuml;ckgef&uuml;hrt werde. Jetzt zeigt er, wie sie auch bei der 
einigen Quelle des Geistes, die durch JEsum Christum ge&ouml;ffnet 
ist, doch die mancherlei Ausfl&uuml;sse derselben kennen und brauchen 
lernen sollten, damit weder der Reichtum und das Mannigfaltige 
verdrungen, noch auch die Einigkeit gekr&auml;nkt, sondern das 
Mannigfaltige ben&uuml;tzt, und die Einigkeit doch fest gehalten 
werde. Unter Gaben, &Auml;mtern, Kr&auml;ften, schafft sich Geist, 
HErr, GOtt oder Vater, Sohn und Geist in die H&auml;nde bei 
gemeinschaftlicher Ausr&uuml;stung der Heiligen und Erbauung des 
Leibs Christi Kr&auml;fte, die GOtt wirkt; &Auml;mter die der HErr 
JEsus ordnet; Gaben, die der Heilige Geist austeilt, beziehen sich 
auf einander, richten sich nacheinander helfen zur Erreichung des 
gemeinschaftlichen Endzwecks. Im Kleinen kann es Jeder bei Sich 
Selbst wahrnehmen, wenn er nachdenkt und findet: ich bin aus der Hand 
GOttes, meines Sch&ouml;pfers, gekommen, der hat seine Hand, ewige 
Kraft und Wirkung auch an mir bewiesen, da Er mir Leib und Seele, 
beide mit so vielen und unterschiedlichen Kr&auml;ften und 
F&auml;higkeiten versehen, gegeben hat. Diese haben sich bei der 
Auferziehung und Unterricht, unter best&auml;ndiger g&ouml;ttlicher 
Mitwirkung weiter ausgewickelt, da mich GOtt von Jugend auf gelehrt 
hat. Ich bin auch von Mutterleib an ersehen und ausgesondert worden, 
dem HErrn JEsu in seinem Reich unter diesen und jenen Umst&auml;nden, 
in diesem und jenem Amt zu dienen und das Meinige zu 
gemeinschaftlichem Nutzen beizutragen. Darnach haben sich dann auch 
die Gaben seines Geistes gerichtet. Der Heilige Geist ist mir 
geschenkt worden, mich zuv&ouml;rderst mit den zu meiner eigenen 
Seligkeit n&ouml;tigen Gaben zu erleuchten; so dann auch durch 
gn&auml;dige Einfl&uuml;sse mich teils auf immerhin, teils auf 
gewisse n&ouml;tige Umst&auml;nde zu dem t&uuml;chtig und willig zu 
machen, worin ich meines Orts dem Willen GOttes zu dienen habe. Diese 
Ineinander Richtung der Kr&auml;fte, &Auml;mter und Gaben wohl zu 
bemerken, ist bei uns um so n&ouml;tiger, je verborgener jetzt die 
Gnade wirkt, und ihr Segen unter die Anwendung der Natur - 
Kr&auml;fte hineinflie&szlig;t. Gnade und deren Gaben bessern und 
erh&ouml;hen freilich die Natur; aber man kann nicht gerade 
verlangen, da&szlig; sie dieselben ganz ver&auml;ndern und 
verschlingen sollten. Es kann Leute von gro&szlig;en nat&uuml;rlichen 
Kr&auml;ften, Einsichten und Mut geben, aber sie bleiben ohne Gnade, 
und also auch ohne Gaben des Geistes. Bei Andern k&ouml;nnen 
nat&uuml;rliche Kr&auml;fte und F&auml;higkeiten vergleichungsweise 
gering sein, aber die Gnade und aus derselben die Gaben des Geistes 
ersetzen es &uuml;berschwenglich. Im Reiche Christi werden T&auml;ler 
angef&uuml;llt, wie Berge erniedrigt. Es kann aber auch GOttes 
allgemeine Wirkung durch die - von Natur in Jemand gelegten 
Kr&auml;fte und F&auml;higkeiten mit dem, was im Reich JEsu Christi 
und nach seines Geistes Gnade aus ihm werden soll ziemlich gleich 
laufen. Die Zw&ouml;lf Apostel und siebzig J&uuml;nger, die der 
Heiland in den Tagen seines Fleisches aussandte, konnten schon damals 
Wunder tun, da sie in der geistlichen Erkenntnis und Erfahrung noch 
schwach waren. Folglich ist eines Menschen Gnaden - Stand und 
Rechtschaffenheit vor GOtt nicht nach den Gaben zu beurteilen, und 
sie sind nicht allezeit die Frucht eines gro&szlig;en Glaubens. Man 
kann nicht sagen, da&szlig; der Glaube, wenn er wachse, endlich zu 
diesen Gaben erwachse, und da&szlig; der Mangel derselben einen 
schwachen Glauben anzeige. GOtt kann diese Gaben auch einem 
Anf&auml;nger im Glauben geben; und der lauterste und st&auml;rkste 
Glauben kann derselben mit gutem Willen entbehren; wie z. B. Johannes 
der T&auml;ufer gr&ouml;&szlig;er, als alle Wundert&auml;ter, gewesen 
ist, und die Gabe Wunder zu tun nicht gehabt hat. Weisheit ist 
ausgebreiteter, fa&szlig;t Mehreres in das Auge, nimmt Vergangenes 
und Zuk&uuml;nftiges zusammen, weicht auch dem Gef&auml;hrlichen und 
Verf&uuml;hrerischen aus, Erkenntnis besch&auml;ftigt sich mehr mit 
der Wahrheit im Glauben und Tun, und mit der Unterweisung zur 
Seligkeit, sch&ouml;pft n&auml;her aus dem Wort GOttes, als aus allen 
Werken GOttes und der darin bewiesenen Weisheit. Durch das Reden von 
der Erkenntnis kann man die Wahrheit aus ihren n&auml;chsten 
Gr&uuml;nden lernen glauben; durch das Reden von der Weisheit aber 
lernt man die Wahrheit in ihrem weiteren Umfang und ihrer 
freimachenden Kraft erkennen und erfahren. Wenn nun zu einer Zeit 
diese Gaben die n&ouml;tigsten und besten sind, und zum gemeinen 
Nutzen hinreichen, wer will durch sein Gebet erzwingen, da&szlig; 
auch Propheten und Wundert&auml;ter da sein m&uuml;ssen? Es 
l&auml;&szlig;t sich bei Gaben des Geistes nichts abverdienen, nichts 
affektieren, nichts erzwingen, sondern der Geist gibt und wirkt, 
nachdem Er will. Auch die Begabtesten jener Zeit werden nicht Alles 
vermocht haben, wie es sie im Eigenwillen h&auml;tte ankommen 
m&ouml;gen. Es wird immer auch eine Decke der Niedrigkeit 
dar&uuml;ber gebreitet gewesen sein. Zum Beispiel bei der Gabe, 
mancherlei Sprachen zu reden, war um deswillen nicht alle 
Zierlichkeit und Schmuck der damaligen weltlichen Beredsamkeit, wie 
man an den - durch Trieb, des Geistes GOttes gestellten Schriften 
sehen kann.</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 12,12-31</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel zeigt in 
einer umst&auml;ndlich ausgef&uuml;hrten Gleichnisrede, wie der 
Unterschied und die Mannigfaltigkeit der Glieder an einem 
menschlichen Leibe nicht zur Trennung desselben reize, sondern 
vielmehr zum Wohlstand und vielfacher Brauchbarkeit diene, mithin 
nicht von einem Glied erfordert werde, was von dem andern, des 
Geringsten unansehnlicher Dienst aber doch um der Notwendigkeit 
willen f&uuml;r den ganzen Leib so hoch zu sch&auml;tzen sei als des 
Edelsten Brauchbarkeit; eben so solle der Austeiler so mancherlei 
Gaben, &Auml;mter und Kr&auml;fte in der Kirche Christi als an seinem 
geistlichen Leib angesehen, behandelt und ben&uuml;tzt 
werden.</b></p> 
 
<p>Unter den Menschen ist 
es oft so, ein Jeder will gern mit seiner Arbeit allen andern 
Arbeitern den Vorzug streitig machen mit seiner Gabe der Andern Gabe 
verdunkeln. Unter den Christen ist es so: Ein Jeglicher will gern mit 
der Gabe, die ihm GOtt gegeben hat, dem Andern dienen, damit es am 
Ende nicht hei&szlig;e: dieser hat es allein getan; sondern da&szlig; 
es hei&szlig;e: wir haben miteinander gearbeitet; wir haben ein Jeder 
nach dem Verm&ouml;gen, das GOtt darreichte, ein wenig etwas dazu 
beizutragen begehrt, da&szlig; in allen Dingen GOtt gepriesen werde 
durch JEsum Christum. Die Weisheit GOttes und der herrliche Reichtum 
Christi offenbart sich darin an der Gemeinde, da&szlig; Ein Geist der 
Kindschaft und Freiheit Alle zu Einem Leib, und die mannigfaltigen 
Wirkungen und Gaben dieses einigen Geistes sie doch zu so vielerlei 
brauchbaren Gliedern machten. Daraus zieht der Apostel den 
Schlu&szlig;: Geht dir etwas ab von dem, was du siehst, da&szlig; es 
ein Anderer neben dir hat, meine deswegen nicht als ob du nicht zum 
Leib geh&ouml;rtest, sondern denke nur: ich bin eben ein anderes 
Glied. Rechne die mannigfaltigen Bed&uuml;rfnisse, die einen solchen 
Unterschied der Gaben erfordern; z. B. es sind Arme und Notleidende, 
darum braucht man Barmherzige und zum Mitleiden Verm&ouml;gliche; es 
sind Kranke, Alte, Schwache; darum braucht man H&auml;nde zum Heben 
F&uuml;&szlig;e zum Tragen es sind Junge, Unwissende, Irrende; darum 
braucht man Lehrer, die mit Augen versehen sind, die Zungen haben, zu 
rechter Zeit zu reden; es gibt solche, die noch ferne sind, die GOtt 
aber herzurufen will; darum braucht man Solche, die fertig sind zu 
treiben das Evangelium; es gibt aber auch Solche, die nach Weisheit 
und weiterem Erkenntnis - Grund begierig sind; denen ist dann wieder 
mit anderen Gaben gedient. Da nun Keiner sich selbst wegsch&auml;tzen 
soll, so sollen noch weniger Andere jemals Gaben und Brauchbarkeit 
verachten, sondern vielmehr soll unter allen Gliedern 
gemeinschaftliche Sorge f&uuml;r einander, gemeinschaftliche Freude 
&uuml;bereinander gemeinschaftliches Leidtragen miteinander sein. Weg 
also mit dem eigenliebigen, selbstgef&auml;lligen Wesen, das Anderer 
nicht bed&uuml;rfen will; weg mit der &uuml;ppigen Freude an Anderer 
Fall; weg mit dem Ohrenblasen und Verleumden unter den Christen; weg 
mit Allem, was zum Entr&uuml;sten oder Neiden, Trennen und Verwirren 
f&uuml;hrt. Man strebt nach den besten und brauchbarsten Gaben, wo 
man dem lieben GOtt mit Demut, Glauben und Gebet begegnet, da&szlig; 
Er es seiner Kirche und auch uns an unserem Ort nie wolle fehlen 
lassen an guten geistlichen Gaben, an Gehorsam und Geschick, selbige 
zu: gemeinschaftlichem Nutzen zu bringen; und wenn man zu solchem 
Ende allen seinen Flei&szlig; anwendet, dem Frieden nachzujagen, 
Alles aus dem weg zu tun, woraus Verdacht, Neid, &Auml;rgernis 
entstehen k&ouml;nnte. Bei der v&ouml;lligsten und lautersten Liebe 
ist man begabter und brauchbarer, als bei gro&szlig;en Gaben, ohne 
Liebe. Ach HErr JEsu! beweise Deine Lebens - Kraft in mir so, 
da&szlig; ich als ein anst&auml;ndiges, vertr&auml;gliches, 
n&uuml;tzliches Glied an deinem Leib erfunden 
werde.</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 13,1-7</font></b></h4> 
 
<p><b>Preis der Liebe nach 
ihrer Notwendigkeit und edlen Fr&uuml;chten, besonders auch zum 
Regieren und zu fruchtbarer Anwendung aller &uuml;brigen Gaben, Alles 
zum gemeinen Nutzen zu bringen und vergn&uuml;gliche Handreichung von 
andern Gliedern anzunehmen</b></p> 
 
<p>Ein edler Beweis der 
Wahrheit in den Aposteln ist auch das, da&szlig; sie von den 
gr&ouml;&szlig;ten Gaben, womit sie als die herrlichsten Glieder 
geschm&uuml;ckt waren, nicht mit Erhebung gesprochen, vielmehr den 
gemeinsten Gaben, womit jedes Glied am Leib Christi gesalbt sein 
konnte, den Vorzug der Brauchbarkeit gelassen haben. Da&szlig; einer 
aber ohne eigentliche Gemeinschaft mit GOtt, als der Liebe, doch 
andere Gaben haben konnte, das zeugt von der allgemeinen Neigung 
GOttes, Gutes zu tun und einf&auml;ltiglich zu geben. Den Schein ohne 
das Sein, das Ansehen und Aufsehen ohne die wahre Brauchbarkeit 
stellt der Apostel wohl unter dem Bild eines t&ouml;nenden Erzes vor. 
Ist ein Mensch mit vielen Gaben ohne die Liebe nichts, was mu&szlig; 
ein von dem Leben der Liebe aus GOtt entfremdeter Mensch sein, der 
diese seine Bl&ouml;&szlig;e mit gar nichts decken kann? Alles kann 
der Mensch hergeben, und doch noch das Beste zur&uuml;ckhalten; Alles 
kann dem Menschen durch eine fremde Macht genommen werden. Eines aber 
mu&szlig; er Selbst geben, und das ist seine Liebe. Wem er diese 
schenkt, dem gibt er sich Selbst. Die Liebe und ihre wohltuende 
Fr&uuml;chte beschreibt nun der Apostel so wie sie zum fruchtbaren 
Gebrauch der &uuml;brigen Gaben des Geistes am besten angelegt ist. 
Als langm&uuml;tig tr&auml;gt sie des Andern Last, und kann bei 
seinen Fehlern, besonders wenn er sich Selbst anf&auml;ngt zu hassen, 
Manches der Zeit und weiteren Sinnes - &Auml;nderung &uuml;berlassen. 
Als freundlich ist sie auf Mittel und Gelegenheit bedacht, sich dem 
Andern zur Besserung gef&auml;llig zu machen, und sich nicht so in 
Eigenliebe zu vergraben, da&szlig; einem nur an Fortgang seiner 
eigenen Absichten gen&uuml;gt, sondern sie eifert nicht; begehrt 
nicht Alles allein zu sein und auszurichten, sieht es vielmehr gern, 
wenn ihre M&auml;ngel durch Anderer Handreichung und Gaben erstattet 
werden. Damit entfernt sie sich auch von allem Mutwillen, der aus 
Selbstgef&auml;lligkeit Andere durchzieht, und eben damit 
verr&auml;t, da&szlig; man nicht fest an der Demut h&auml;lt, sondern 
aus &uuml;berm&uuml;tigen Mutwillen seines N&auml;chsten Kredit 
&uuml;ber einem Scherz auf das Spiel setzen kann. Auch bl&auml;ht 
sich die Liebe nicht vom Wind des Menschen Lobes auf, l&auml;&szlig;t 
sich in ihrem Gesch&auml;ft nicht von der Eitelkeit leiten, sondern 
richtet sich mehr nach dem Vater, der in das Verborgene sieht; 
handelt daher auch nicht ungeb&auml;rdig, da&szlig; es gegen 
H&ouml;here zu gemein gegen seines Gleichen zu frei, gegen Niedrige 
zu gro&szlig; herauskommt, sondern beobachtet die Stelle, wohin sie 
GOtt als ein Glied gesetzt hat; sucht weder in Eigennutz noch 
Eigensinn das Ihre; f&auml;llt auf nichts, wie auf einen Raub hin, 
als ob GOtt die Welt und alle Vorteile darin so zum Raub in der 
Menschen Z&auml;hne gegeben h&auml;tte, sondern wei&szlig; den 
gemeinen Nutzen ihrem eigenen vorzuziehen. L&auml;&szlig;t sich auch 
von einem guten Vorhaben und ihrem geraden Gang nicht durch 
versuchliche Gelegenheiten und zum Nacheifern reizende Beispiele 
abbringen, und in unbedachtsamen Eifer setzen, sondern h&auml;lt ohne 
Erbitterung &uuml;ber der Gleichm&uuml;tigkeit, welche die besten 
Absichten im Geist der Sanftmut abzuwarten gest&auml;rkt ist. Sie 
rechnet auch das B&ouml;se nicht auf, da&szlig; sie gar zu 
argw&ouml;hnisch w&uuml;rde, oder durch zuviel Vorsichtigkeit ein 
Geh&auml;g um sich herum machte, wovor der N&auml;chste gar nimmer zu 
einem hin kann. Sie ger&auml;t nicht auf die Torheit, ihre H&auml;nde 
auch zur Ungerechtigkeit auszustrecken, oder unter dem Verfall guter 
Ordnungen f&uuml;r sich und die Ihrigen Vorteil zu Suchen; sondern 
mit der Freude &uuml;ber der Wahrheit steuert sie allen den 
Vorw&auml;nden, womit sich so Manche bei ihrem Genu&szlig; der 
Ungerechtigkeit beruhigen. Sie ist eine Gehilfin der Wahrheit; wo 
sich ein Gemerk auf den unver&auml;nderlichen Willen GOttes hervor 
tut. L&auml;&szlig;t Manches hingehen, als ob sie es nicht gemerkt 
h&auml;tte, da&szlig; ihr dadurch Unrecht geschehe. So viel es ohne 
Nachteil des Anderen geschehen kann, und der Friede dadurch 
gef&ouml;rdert wird, glaubt und hofft sie Alles, und bis diese 
Hoffnung zur Freude wird, duldet sie Alles, und h&auml;lt fest 
dar&uuml;ber: die Barmherzigkeit r&uuml;hmt sich &uuml;ber das 
Gericht.</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 13,8-13</font></b></h4> 
 
<p><b>Weiterer Preis der 
Liebe aus ihrer Dauer und W&auml;hrung, worin ihre Brauchbarkeit alle 
Gaben GOttes und deren Gebrauch 
&uuml;bertrifft.</b></p> 
 
<p>Der Liebe Vorzug auch 
nach ihrer bleibenden Dauer zu behaupten, zeigt der Apostel, was es 
mit unserem Wissen und Erkennen und Weissagungen f&uuml;r eine 
Bewandtnis habe; n&auml;mlich: da&szlig; es St&uuml;ckwerk sei; das 
hei&szlig;t nicht nur in einem Jeden sehr unvollkommen, und mit 
vielen M&auml;ngeln behaftet, denn so ist auch die Liebe und deren 
&Uuml;bung St&uuml;ckwerk; sondern Wissen, Erkenntnis aus dem Wort, 
Weissagen, und seine Erkenntnis zum gemeinen Nutzen vortragen, ist 
von GOtt so eingerichtet da&szlig; es nichts anderes als 
St&uuml;ckwerk sein, und die Sache nur von einer oder etlichen Seiten 
her betrachten und vorstellen kann, ohne hinter das Ganze zu kommen. 
N&auml;mlich nach dem im Fall erloschenen Licht wollte GOtt den 
Menschen nicht durch ein unmittelbares Licht zurecht bringen wodurch 
Glaube und &Uuml;berzeugung, Gehorsam und Liebe ihm abgen&ouml;tigt 
worden w&auml;re; sondern wie er durch das Geh&ouml;r und durch 
Ungehorsam ges&uuml;ndigt hat, so sollte ihm auch wieder durch das 
Geh&ouml;r, durch Glauben, und Gehorsam geholfen werden. Daher 
offenbarte sich GOtt durch das Wort und die darin angebotene 
Erkenntnis st&uuml;ckweise, zeigte so viel als genug war, Glauben und 
Gehorsam zu erwecken, legte sich aber auch noch so weit vor ihm in 
das Verborgene, da&szlig; der Glaube nicht erzwungen w&auml;re, 
sondern noch immer Vorw&auml;nde zum Ungehorsam blieben, wenn der 
Mensch sich der Liebe zum Licht und zur Lust der Wahrheit entziehen 
wollte. Daher ist alles Wissen und Weissagen St&uuml;ckwerk, weil 
GOtt durch das Wort die st&uuml;ckweise darein gelegte Offenbarung 
seiner Selbst, des Menschen Herz zu sich ziehen, und unter diesen 
&auml;u&szlig;erlichen Anbietungen dann im Innern wirken will, wie 
sich der Mensch durch das Geh&ouml;r zum Glauben bringen 
l&auml;&szlig;t, und das St&uuml;ckwerk zu Rat h&auml;lt, da&szlig; 
es ihm eine notd&uuml;rftige Glaubens - Gen&uuml;ge austragen kann. 
Darum hei&szlig;t es auch hernach: Wann kommen wird das Vollkommene, 
wann ich weit kommen und vollkommener werden werde. Denn wir ziehen 
nur allzu gerne Alles auf uns, und auf das uns Eigene; die Schrift 
aber h&auml;lt uns an, Alles mehr als ein gemeinschaftliches Gut zu 
behandeln, das &uuml;ber uns und &uuml;ber Andere kommen wird, wenn 
wir schon f&uuml;r uns und unsere pers&ouml;nliche Bewandtnis noch 
weit von der Vollkommenheit weg w&auml;ren. Wenn es wird erf&uuml;llt 
werden im Reich GOttes, so kommt das Vollkommene; oder auch wenn es 
mit mir nach Abbruch meiner irdischen H&uuml;tte vom Glauben in das 
Schauen &uuml;bergeben wird, so kommt das Vollkommene, nicht gerade 
da&szlig; ich im Innern um so viel besser und auf einmal vollkommen 
w&uuml;rde, sondern das Vollkommene kommt &uuml;ber mich das Reich 
GOttes, in welches ich eintrete, bringt ganz etwas Anderes mit sich 
als ich bisher durch gest&uuml;ckeltes Wissen und gest&uuml;ckelt 
angeh&ouml;rtes Weissagen erreichen konnte.</p> 
 
<p>Es ist also nicht zur 
Verachtung der Erkenntnis und des Wissens gesetzt, sondern mehr zu 
dessen treuer Bewahrung und m&auml;&szlig;iger Sch&auml;tzung, so, 
da&szlig; man merkt: es ist Licht genug, um Glauben zu erwecken; es 
ist aber auch St&uuml;ckwerk dabei um zu bew&auml;hren, nicht 
Vernunft und St&auml;rke der &Uuml;berzeugung ist, sondern Lust zur 
Wahrheit und Neigung zur Gerechtigkeit, was uns das Herz eigentlich 
abgewinnt. - Glaube, Liebe, Hoffnung bleiben, so da&szlig; wenn auch 
andere Gaben sich in der, Kirche Christi verbergen werden, Glaube, 
Liebe, Hoffnung nicht erl&ouml;schen, und die Liebe, wenn sich bei 
dem &Uuml;bergang in das Schauen auch Glaube und Hoffnung am Ziel und 
Ende finden werden, die Liebe als die gr&ouml;&szlig;te und 
dauerhafteste sich bew&auml;hren wird. Oder man k&ouml;nnte auch 
sagen: das durch alle andere Gaben und Wirkungen GOttes betriebene 
Gew&auml;chs der Wiedergeburt wird im Glauben, Hoffnung und Liebe 
bleiben. Denn Glauben, oder das Nehmen und Empfangen aus der Liebe 
Christi wird nicht aufh&ouml;ren; so wird auch der Hoffnung noch 
Weiteres vorgehalten bleiben; aber die Liebe wird unter den 
vollendeten Gerechten, das Band der Vollkommenheit bleiben. Wer in 
der Liebe bleibt, der bleibt in GOtt, und GOtt in 
ihm.</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 14,1-11</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel 
fa&szlig;t nun aus der bisherigen Abhandlung Alles zusammen, was den 
Gebrauch der geistlichen Gaben in friedlichen und erbaulichen Gang zu 
Setzen dienlich sein kann; und zeigt sonderlich zuerst, warum man 
sich mehr auf die allgemeine brauchbare Gabe der Weissagung legen, 
als sich mit Reden in Sprachen &uuml;berh&auml;ufen 
soll.</b></p> 
 
<p>Die geistlichen Gaben 
stehen zwar meist in der Freiheit desjenigen Geistes, der wirkt, und 
Jedem zuteilt, nachdem er will. Doch kann auch an den Gaben etwas 
erweckt, oder vers&auml;umt, ged&auml;mpft, oder durch Reizung dazu 
in Gang gebracht, vermittelst der Liebe und Demut in brauchbarer 
Salzkraft erhalten, oder durch Aufbl&auml;hen &uuml;bereinander zum 
schlechten Salz gemacht und damit verdrungen werden. Weissagen 
begriff auch damals noch das Vorherverk&uuml;ndigen zuk&uuml;nftiger, 
verborgener Dinge, im weiteren Verstand aber die Darlegung der im 
Wort GOttes liegenden Wunder und Geheimnisse zum allgemeinen 
Gebrauch; welche Gabe freilich durch Flei&szlig;, Gebet, &Uuml;bung 
im Wort GOttes, Wachsamkeit &uuml;ber Sein eigen Herz erweckt werden 
konnte. In einer oder mehreren fremden Sprachen reden, die man nicht 
mit menschlichem Flei&szlig; erlernt, sondern darin einem GOttes 
Wahrheit auszusprechen durch den Geist verliehen ward, hatte guten 
Gebrauch zu schneller Ausbreitung des Evangeliums, und diente 
&uuml;berhaupt zu einer sch&ouml;nen Anmahnung, da&szlig; der durch 
die mancherlei Sprachen eingef&uuml;hrte Unterschied der V&ouml;lker, 
und daraus die Veranlassung zur Entfremdung, ja Ha&szlig; 
untereinander durch den Segen des Evangeliums aufgehoben, und Alles 
zum Lobe GOttes und JEsu Christi aus Einem Herzen und Mund gebracht 
werden solle. Aber in einer Gemeinde da Niemand war, dem das in einer 
fremden Sprache Geredete zum Unterricht dienen konnte, war der 
Gebrauch davon freilich blo&szlig; auf den eingeschr&auml;nkt, der 
redete; da hingegen aus dem Weissagen auch viele Andere teils 
Wachstum in der Gnade und Erkenntnis, teils Ermunterung zu 
christlichen Tugenden, teils St&auml;rkung in der Geduld unter 
mancherlei Anfechtungen sch&ouml;pfen konnten. Das Reden durch 
Offenbarung und Erkenntnis, Weissagen und Lehre unterscheidet man 
insgemein so, da&szlig; die beiden ersten Worte, Offenbarung und 
Erkenntnis, auf die zwei Haupt - Quellen deuteten, aus welchen Alles 
gesch&ouml;pft werde, n&auml;mlich die Offenbarung im Wort, und die 
Erkenntnis wie sie auch aus allen Werken, und sonstigen Erweisungen 
GOttes Jedem in das Gewissen leuchtet. Die beiden folgenden Worte, 
Weissagung und Lehre, Sehen mehr auf die zwei Hauptarten, deren man 
sich im Vortrag bedient, da man entweder die meiste Beweis - Kraft 
aus der Offenbarung nimmt, oder aber auch die Rede so 
m&auml;&szlig;igt, da&szlig; sie f&uuml;r Jeden auf die Regierung 
GOttes irgend Aufmerksamen lehrreich sein kann. Das Brauchbarste aber 
an aller Rede ist die Deutlichkeit. Man kann heutiges Tages in einer 
Allen bekannten Muttersprache reden, aber doch solchen Schmuck der 
Wohlredenheit, solche ungewohnte Wendungen der Rede anbringen, 
da&szlig; man dar&uuml;ber den Meisten wie landfremd 
wird.</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 14,12-22</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel 
best&auml;tigt noch weiter, wie und warum man bei den: Gebrauch der 
geistlichen Gaben Alle nach den: Hauptzweck der Erbauung des 
Unterrichts und der St&auml;rkung, so Andere davon genie&szlig;en 
k&ouml;nnen, einrichten soll.</b></p> 
 
<p>Ohne sie der Eitelkeit 
so gerade hin zu beschuldigen, die sich zum Gebrauch ihrer 
geistlichen Gaben, allermeist bei dem Reden der fremden Sprachen, 
geschlagen hatte, sucht er sie doch unvermerkt davon abzubringen, und 
ihnen ein richtiges Ziel in der Erbauung der Gemeinde vorzuhalten. 
Auch statt befehlsweise so zu sagen: ihr sollt es so und so machen, 
gibt er die sanftere Wendung: ich will beten im Geist, nach einer 
dazu von GOtt geschenkten Erweckung, die mich &uuml;ber den Bedacht 
auf Andere erhebt, und mich in eine Aufwartung vor GOttes Thron 
stellt, die n&auml;her au die Anbetung mit den vollendeten Gerechten 
reicht; ich will aber auch beten mit dem Sinn, in der Deutlichkeit 
und M&auml;&szlig;igung, wie es auch Anderer neben mir ihr Glaube 
erreichen und daraus St&auml;rkung ziehen kann. Auf den 
gr&ouml;&szlig;eren und insgemein schw&auml;cheren Teil der Gemeinde 
ist am meisten R&uuml;cksicht zu nehmen. In Kirchen Sachen, auch nach 
GOttes eigenen Einsetzungen, ist Alles so eingerichtet, da&szlig; die 
St&auml;rkeren und Begabten sich darunter zu dem&uuml;tigen haben, 
die Schw&auml;cheren aber sich daran aufrichten k&ouml;nnen. Dabei 
gibt man freilich der Schwachheit nicht so viel nach, da&szlig; kein 
Wachstum betrieben w&uuml;rde; aber f&uuml;hrt auch nicht schnell so 
hoch, da&szlig; der Schw&auml;chere nicht einmal Amen dazu sagen 
kann. N&auml;mlich es kann Mancher von etwas nicht so viel leichte 
Erkenntnis haben, da&szlig; es einen schicklichen Ausdruck davon 
machen, oder sonst mit n&ouml;tiger Freudigkeit sich dar&uuml;ber 
herauslassen k&ouml;nnte; er kann aber doch zu eines Andern Zeugnis 
Amen sagen, merken, da&szlig; es wahr ist, und da&szlig; der Samen 
zum Glauben auch in seinem Herzen so weit schon liegt, da&szlig; er 
sich mit W&uuml;nschen des Sieges der Wahrheit annehmen kann. Paulus 
blieb bei mehreren Gaben dem&uuml;tiger, als die Korinther bei 
wenigeren: wie man sonst sagt: die Halbgelehrten seien aufgeblasener, 
und Gr&uuml;ndlichere entgehen der Versuchung zur 
Selbstgef&auml;lligkeit eher. Sich so zeigen wollen in Sachen, die 
von keinem sonderlichen Gebrauch sind, geh&ouml;rt zur Kinderei, 
dabei man ein Lob erjagt, wie ein Kind &uuml;ber einer 
Schul&uuml;bung eines davon tragen k&ouml;nnte.</p> 
 
<p>Bei vollkommenerem 
Verst&auml;ndnis bestimmt man jeder Sache ihren Wert aus dem Nutzen, 
den sie schafft. - Was der Apostel aus dem Gesetz oder aus den 
Schriften Alten Testaments anf&uuml;hrt, war bei dem Propheten 
eigentlich eine Drohung vom Einfall fremder V&ouml;lker. Wie kann der 
Apostel das auf die Gabe der fremden Sprachen ziehen, die doch 
allemal eine Wohltat bleiben? F&uuml;r die vielen Heiden und 
V&ouml;lker, zu denen sich GOtt mit seinem Reich und Evangelium 
wendete war es freilich Gnade und Wohltat, da&szlig; GOtt seine 
gro&szlig;en Taten in ihren Sprachen aussprechen lie&szlig;; aber 
f&uuml;r Israel war es ein bedenkliches Zeichen ihres Unglaubens, 
womit sie das Wort und Reich GOttes von sich stie&szlig;en, und der 
sich auch durch selbigen Vorgang nicht &uuml;berwinden lie&szlig;. An 
diesem Beispiel sollten sich nun auch die Bekehrten aus den Heiden 
spiegeln, und mit Gnaden Sachen auch gnadenm&auml;&szlig;ig umgehen. 
Sprachen geh&ouml;rten allern&auml;chst noch zum dem lauten 
Zusammenl&auml;uten, womit GOtt Aufmerksamkeit f&uuml;r das 
Evangelium Christi erwecken wollte; und insofern waren sie mehr den 
Ungl&auml;ubigen brauchbar; da hingegen die Gl&auml;ubigen aus dem - 
durch Weissagung ihnen vorgelegten Wort der Wahrheit die eigentliche 
Glaubens - Nahrung zogen.</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 14,23-40</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel setzt es 
vollends ganz auseinander, wie er w&uuml;nschte, da&szlig; sie es mit 
der Einrichtung ihrer &ouml;ffentlichen Zusammenk&uuml;nfte hielten, 
um so der gemeinschaftlichen Erbauung auf das Beste 
aufzuhelfen.</b></p> 
 
<p>Es hat sich ja gleich 
am ersten Pfingstfest des Neuen Testaments gezeigt, wie &uuml;bel das 
Reden mit fremden Sprachen beurteilt worden ist, bis Petrus durch 
Weissagen den rechten Anschlu&szlig; dar&uuml;ber gegeben hat. Mithin 
hat der Apostel wohl gleiche Wirkung auch bei andern Ungl&auml;ubigen 
vermuten k&ouml;nnen. Durch Weissagen aber; dadurch man die Wunder in 
GOttes Gesetz und Lehre aussprach, konnte Mancher von seinem 
bisherigen Unglauben, dessen Ungrund, Gefahr und Vers&auml;umnis 
dabei &uuml;berzeugt, oder doch &uuml;ber die M&auml;ngel seines 
Glaubens, Unwissenheit, Vers&auml;umnis des Gebets und 
g&ouml;ttlichen Worts gerichtet werden. &Uuml;berhaupt konnte viel 
Licht auf die zwei gro&szlig;en Heimlichkeiten des menschlichen 
Herzens fallen; wie weit der Angriff der Wahrheit an manchem Herzen 
schon gegangen, durch was er aber immer wieder aufgehalten, oder gar 
wieder abgetrieben worden sei.</p> 
 
<p>Die &ouml;ffentlichen 
Bekenntnisse &uuml;ber die vom g&ouml;ttlichen Wort versp&uuml;rte 
Kraft werden heutzutage selten; in der Schrift finden sich doch 
wichtige Beispiele davon In den ersten Gemeinden war freilich der 
Beitrag reicher als wenn bei uns jetzt ein Einiger mit seinem Vortrag 
die Erbauung stiften soll. Doch kann man sich auch der jetzigen 
Einrichtung mit Gebet F&uuml;rbitte und Danksagung so annehmen, 
da&szlig; man darunter doch ein Gehilfe der Wahrheit wird. Auch 
&uuml;ber das, was Einer aus dem Schatz des g&ouml;ttlichen Worts 
genommen, und nach dem dargereichten Verm&ouml;gen zum gemeinen Trost, 
Freude, Unterricht, Warnung dargelegt hatte, durften Andere richten, 
und also durch ihre Beistimmung, oder auch durch Zus&auml;tze, 
ge&auml;u&szlig;erten Anstand, vorgelegte Zweifel, zu v&ouml;lliger 
Darlegung der Wahrheit Anla&szlig; geben. Durch das anf&auml;ngliche 
Zuh&ouml;ren konnte, bei einem Dritten eine neue Offenbarung und 
weiterer Aufschlu&szlig; veranla&szlig;t werden, und da sollte der 
erste schweigen, weil es annehmlich ist, da&szlig; durch die frisch 
bescherte Gabe das Abgehende erg&auml;nzt werde als wenn einer allein 
auszuf&uuml;llen meint. Das konnte auch so ge&uuml;bt werden, weil 
die Geister der Propheten den Propheten untertan sind, und also 
Keiner von seiner Gabe und Trieb zu reden so hingerissen wird, 
da&szlig; er nicht, k&ouml;nnte schweigen.</p> 
 
<p>Bei dem vormaligen 
Weissagen im Alten Testament mu&szlig; eine solche Gewalt &uuml;ber 
die Menschen gekommen sein, die sie ihres beraubt hat. Siehe zum 
Beispiel <i>1Sa 19:20</i> 
ff., Nach der sanften Art des Geistes 
Christi aber war es mit der Gabe der Weissagung so, da&szlig; sie den 
Menschen nicht aus der Macht &uuml;ber sich selbst, und aus dem 
Bedacht auf die &auml;u&szlig;erlichen Umst&auml;nde gesetzt hat, 
sondern sein Geist ihm untertan geblieben ist, da&szlig; er hat nach 
jedesmaligen Umst&auml;nden reden oder schweigen, fortmachen oder 
abbrechen k&ouml;nnen Eben so aber sind sie auch anderen Propheten 
untertan gewesen, nicht da&szlig; man eine gewi&szlig; erkannte 
Wahrheit dem Anderen zum lieb aufgegeben h&auml;tte, dagegen ein 
warnendes Beispiel <i>1Ki 
13:15-22</i> vorkommt; sondern so, 
da&szlig; Keiner allein geh&ouml;rt und befolgt zu werden verlangte, 
sondern einem Anderen auch Raum lie&szlig; zu reden. Wer sich von dem 
billigen Ansehen, so er f&uuml;r Andere haben sollte, sogar frei 
machen, und Alles nach seinen Einsichten durchtreiben will, der 
ger&auml;t in Versuchung, von seinem eigenen einsehen desto mehr 
eingenommen zu werden. - Da&szlig; im Reich GOttes auch durch Weiber 
gute Botschaft gebracht, Glaube erweckt und gest&auml;rkt werden 
k&ouml;nne, davon hat man viele Beispiele in der Schrift, sonderlich 
in der Auferstehungs - Geschichte; und da&szlig; man ihrer 
Handreichung sich bei dem Unterricht der Kinder, bei der Pflege der 
Kranken, usw. bediente, davon kommen auch in den Schriften der 
Apostel Spuren vor; und darin soll der Geist auch jetzt nicht 
ged&auml;mpft werden. Aber bei dem &ouml;ffentlichen Vortrag in der 
Gemeinde soll es bei dem bleiben: Eure Weiber lasset schweigen in der 
Gemeinde zc. Man kann ohne Wort viel ausrichten, 
<i>1Pe 3:1-6</i> 
, durch &Uuml;bung der Liebe, der Stille, des 
Gehorsams, der Keuschheit laut genug predigen. Wer nicht sagen kann, 
da&szlig; er der Erste und der Einige sei, zum dem das Wort GOttes 
gekommen, der hat auch die Verbindlichkeit, an Andere vor ihm und 
neben ihm zu gedenken, und GOttes Werk an ihrer Weise zu ehren und zu 
achten. Wer nicht nachgeben will, den &uuml;berl&auml;&szlig;t man 
besser eine Weile seinem Eigend&uuml;nkel, als da&szlig; man 
best&auml;ndig mit ihm streitet. Der Geist der Liebe und der Zucht 
richtet es so ein, wie es einzeln wohlanst&auml;ndig und unter 
Mehreren ordentlich herauskommt.</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 15,1-11</font></b></h4> 
 
<p><b>Bei der Lehre von 
der Auferstehung der Toten die der Apostel in diesem Kapitel so 
umst&auml;ndlich abzuhandeln veranla&szlig;t worden ist, legt er zum 
Hauptgrund die Gewi&szlig;heit der Auferstehung 
Christi.</b></p> 
 
<p>Wie der Apostel ihre 
Herzen kr&auml;ftig anfa&szlig;t, durch Bezeugung der guten 
Zuversicht in welcher er ihrethalben stehe; so vers&auml;umt er doch 
nicht, auch einen durchdringlichen Strahl in ihr Herz fallen zu 
lassen von der ihnen drohenden Gefahr, wenn sie ihren zum Evangelium 
gegebenen ersten Glauben durch Unachtsamkeit und Tr&auml;gheit 
vereitelten.</p> 
 
<p>Bei den Korinthern war 
der Grund gut gelegt durch das Wort der Schrift, oder durch das Wort 
der Verhei&szlig;ung, und dann durch die evangelische Geschichte, 
worin sich die Erf&uuml;llung der Schrift zeigte, und endlich durch 
das, was der heilige Geist den Aposteln gab auszusprechen, und aus 
der Schrift und Geschichte herzuleiten. - Mu&szlig;te nicht Christus 
leiden, und zu seiner Herrlichkeit einzugehen? Das mu&szlig; aus der 
Schrift entschieden werden. Da&szlig; sich aber an JEsu von Nazareth 
und an seinem Lauf die Erf&uuml;llung der Schriften gezeigt habe, das 
war durch t&uuml;chtige Zeugen zu erweisen. Dergleichen f&uuml;hrt 
nun der Apostel besonders von der Auferstehung an. Denn mit der 
Auferstehung trat die &Auml;nderung bei unserem lieben Heiland ein, 
von welcher Er <i>Joh 
14:19</i> sagt: Die Welt wird mich 
nicht mehr sehen; ihr aber werdet mich sehen. Und dies Sehen war bei 
diesen vorerw&auml;hlten Zeugen mit vielen andern Erweisungen, 
Unterredungen, Vorzeigen seiner H&auml;nde und F&uuml;&szlig;e, 
Berufen auf seine ehemalige Rede, weiteren Verhei&szlig;ungen des 
Geistes verbunden woraus Er also eines Teils fest genug als JEsus von 
Nazareth, der Gekreuzigte, zu erkennen war, und andern doch auch 
genugsamer Erweis, wie weit nun alle Schwachheit von ihm abgetan sei. 
- Da&szlig; von der -, dem Simon Petrus unter den Elfen zuerst 
geschenkten Erscheinung des auferstandenen Heilands keine, 
umst&auml;ndliche Beschreibung in der evangelischen Geschichte 
vorkommt, geh&ouml;rt unter jenes Wort Johannis: ich achte, die Welt 
w&uuml;rde die B&uuml;cher nicht begreifen, die zu beschreiben 
w&auml;ren. Sich rechnet der Apostel als den Letzten, von dem JEsus 
gesehen worden, n&auml;mlich in der Absicht, damit zun&auml;chst 
einen Zeugen seiner Auferstehung auszur&uuml;sten. Denn was 
nachgehends dem Johannes bei der Gabe der Offenbarung zu sehen 
verliehen worden hatte eine andere Absicht, und geh&ouml;rte nimmer 
zu dem Beweis, den der Apostel hier zu f&uuml;hren vorhatte. Auch 
das, was ihm vergeben war, und wor&uuml;ber der Apostel zu anderer 
Zeit die ihm widerfahrene Barmherzigkeit r&uuml;hmte, rechnet sich 
der Apostel hier doch noch zur tiefen Dem&uuml;tigung vor GOtt und 
Menschen. Man kommt heutigen Tags fast zu weit davon ab, sich durch 
dergleichen Angedenken tief in der Armut des Geistes zu halten. Die 
Gnade, die bei mir einen so schleunigen Gehorsam gewirkt, hat auch 
mein Zeugnis an Andere so begleitet, da&szlig; es nicht vergeblich 
gewesen ist. Beides ist dem Apostel eine preisw&uuml;rdige 
Gnade.</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 15,12-19</font></b></h4> 
 
<p><b>Nun kommt der 
Apostel seinem Zweck n&auml;her, und f&auml;ngt an, aus der 
festgesetzten Auferstehung Christi nun die Auferstehung der Toten zu 
beweisen.</b></p> 
 
<p>Die, welche durch 
Verleugnung der Auferstehung den Glauben der Korinther verkehrten, 
werden vermutlich nicht gar alle Hoffnung der zuk&uuml;nftigen Welt 
oder das &Uuml;berbleiben der Seele nach dem Tod des Leibes geleugnet 
haben; aber der Apostel verf&auml;hrt doch wider sie, als ob alle 
Christen - Hoffnung aufgehoben w&uuml;rde. Und es wird auch wirklich 
Alles ungewi&szlig; gemacht, sobald ich etwas, das ich auf GOttes 
Wort und Zeugnis glauben sollte, wegstreite. Denn, wenn ich schon dem 
Bekenntnis des Mundes nach das &Uuml;brige beibehalten will, so habe 
ich, doch schon den festen Grund zum Glauben nimmer; ich berede mich 
es wohl aus scheinbaren Vernunft Gr&uuml;nden, aber ich glaube es 
nimmer nach GOttes Zeugnis: denn nach diesem h&auml;tte ich die ganze 
Hilfe GOttes aus der S&uuml;nde bis auf die Auferstehung des Leibes 
hinaus anzunehmen. Man h&auml;tte meinen m&ouml;gen, die Auferstehung 
Christi, als des Heiligen, der die Verwesung nicht gesehen, 
h&auml;tte man glauben, und deswegen doch an der Auferstehung unserer 
vermoderten Leiber zweifeln k&ouml;nnen. Aber der Apostel sagt: ist 
die Auferstehung der Toten nichts, so ist auch Christus nicht 
auferstanden. Denn Christus ist auferstanden, um das Leben der Welt 
zu sein, um der Welt das Leben zu geben um den Willen GOttes 
auszuf&uuml;hren, und mit seiner Stimme Alle, die in den Gr&auml;bern 
sind, zur Auferstehung des Lebens oder des Gerichts zu rufen. Ist das 
nichts, so ist auch Christus nicht auferstanden, in dem vollen 
Schrift Sinn nach welchem Er Macht haben soll, lebendig zu machen, 
welche Er will. Durch die Auferstehung Christi aber wurde die 
Wahrheit seiner Lehre allermeist best&auml;tigt, und Er von GOtt 
gerechtfertigt, da&szlig; Er der Verf&uuml;hrer und 
&Uuml;belt&auml;ter nicht sei, f&uuml;r den Ihn die Menschen unter 
seinem Leiden verworfen haben. Nach seiner Auferstehung konnte Er 
befehlen, Bu&szlig;e und Vergebung der S&uuml;nden in seinem Namen 
unter allen V&ouml;lkern zum predigen; mit dem Geist des Lebens aus 
der Auferstehung blies Er diejenigen an die seine Zeugen in der Welt 
sein sollten. Alle diese Glaubens - Gr&uuml;nde fielen dahin, wenn 
Christus nicht auferstanden w&auml;re. Das ben&auml;hme auch dem 
Glauben alle Kraft und gute Wirkung sowohl im Gewissen als auch in 
den Gliedern der Menschen. Der Tod JEsu, und seine Kraft zur 
Vers&ouml;hnung unserer S&uuml;nden ist erst durch die Auferstehung 
desselben zu einer evangelischen Botschaft erwachsen, und der Geist, 
durch den man des Fleisches Gesch&auml;fte t&ouml;tet, und GOtt im 
neuen Wesen dienen kann, stammt auch aus der Auferstehung her. Auch 
das Vertrauen auf die Verhei&szlig;ungen Christi vom ewigen Leben und 
Auferstehen am j&uuml;ngsten Tag, auf welche so Manche entschlafen, 
w&auml;re ja verloren, Alles, was sie such &uuml;ber ihren Glauben 
gelitten, w&auml;re vergeblich.</p> 
 
<p>Den Glauben aller 
Kinder GOttes, die je gewesen sind, verdammen, und ihre Hoffnung 
durchstreichen, soll einem grauenhaft vorkommen. Andere, ohne 
Hoffnung, genie&szlig;en doch das Gegenw&auml;rtige mit mehr Freiheit 
und Ruhe, und w&auml;ren dabei zwar auch unter dem Dienst des 
verg&auml;nglichen Wesens gefangen und elend; wir aber lie&szlig;en 
um einer vergeblichen Hoffnung willen Manches im Gegenw&auml;rtigen 
durch Verleugnung unserer selbst und der Welt zur&uuml;ck, und 
w&auml;ren also elender als Andere. Auch dem, was man bei dem 
Gehorsam der Wahrheit tut diesem Leben Gutes zu genie&szlig;en hat, 
ben&auml;hme es viel von seiner Annehmlichkeit, Kraft und Segen, wenn 
es mit einer Furcht eines nahen Verlustes im Tod verkn&uuml;pft 
w&auml;re.</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 15,20-28</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel 
f&uuml;hrt nun weiter in die tiefen Gr&uuml;nde hinein, aus denen man 
die Auferstehung Christi und die Auferstehung der Toten so 
unzertrennlich miteinander zu verbinden und Eins so genau mit dem 
Anderen zu verbinden habe.</b></p> 
 
<p>Bei Schriftstellen von 
dieser Art hat man zwei Abwege zu vermeiden, n&auml;mlich da&szlig; 
man auf der einen Seite einem solchen Wort sein eigent&uuml;mliches 
Licht nicht benehme, und das, was es Besonderes hat, sich nicht 
verdecke, indem man mit Vorbedacht darin nicht weiter sehen will, als 
das was schon aus anderen Schriftzeugnissen bekannt ist; und auf der 
anderen Seite, da&szlig; man nicht so auf das Eigene und Seltene 
eines solchen Wortes hineinfalle; dar&uuml;ber einem das 
Gew&ouml;hnliche geringsch&auml;tzig w&uuml;rde und man sich auch 
nicht an dem hier verliehenen seltenen Strahl begn&uuml;gte, sondern 
noch auf Weiteres auch Bescheid haben m&ouml;chte, was man nur zu 
denken und zum fragen veranla&szlig;t wird, und wenn sich hierauf aus 
dem vorliegenden Wort nicht hinl&auml;nglicher Bescheid anbietet, man 
es anderw&auml;rts her erg&auml;nzt, ohne so genau auf den richtigen 
Grund zu sehen. Die Erstlings Garbe 
<i>Le 23:10-11</i> 
hat die ganze nachfolgende Ernte geheiligt, und 
ihren Genu&szlig; und Gebrauch nach den Rechten GOttes gereinigt und 
gesegnet. Eben so hat JEsu Tod und Begr&auml;bnis, Seine Auferstehung 
und Eingang in die Herrlichkeit aller Entschlafenen Grabes Ruhe 
gesegnet, und ihnen den Eingang in das Leben und in das Heiligtum 
GOttes ge&ouml;ffnet; oder wie es der Apostel selbst am besten 
erkl&auml;rt, die im Evangelium geoffenbarte Gerechtigkeit GOttes 
bringt es so mit sich, da&szlig;, wie S&uuml;nde und Tod in die Welt 
gekommen sind, so m&uuml;ssen sie auch wieder hinausgeschafft werden. 
Wer nur &uuml;ber das Erste&lsquo;: durch Einen Menschen ist der Tod 
in die Welt gekommen, sich in das rechte Klagen und Leidtragen 
hineingab, dem w&uuml;rde das Andere: durch Einen kommt Leben und 
Auferstehung, zum tr&ouml;stlichen Licht werden. Edle &Uuml;bung, von 
welcher der selige Bengel in seinem Lebenslauf schreibt: "In meiner 
inneren &Uuml;bung stellte ich mich gern in zwei Augenblicke hinein. 
Der Eine war, da ich in Adam S&uuml;nder geworden bin; der Andere, da 
JEsus Christus seinen Geist in seines Vaters H&auml;nde 
&uuml;berantwortete, und auch mich zu GOtt f&uuml;hrte. Mein ganzes 
Christentum besteht darin, da&szlig; ich meines HErrn JEsu Christi 
Eigentum bin, und da&szlig; ich eben dieses f&uuml;r meinen einigen 
Ruhm und f&uuml;r alle meine Seligkeit halte." Aber dazu geh&ouml;rt 
viel &Uuml;berzeugung des Geistes von S&uuml;nde, Gerechtigkeit und 
Gericht. Bald ist der Mensch nicht zur Erkenntnis der S&uuml;nde zu 
bringen; bald ist ihm die Gnade zu gro&szlig;, sie zu glauben; bald 
Sieht er die Natur nicht f&uuml;r so verdorben an; bald gibt er den 
Mut auf, da&szlig; noch zu helfen sei. Auch wenn man schon zu schnell 
auf das: Alle, hinein f&auml;llt, die in Christo lebendig werden 
sollen, ehe man sich GOttes Ruf im Evangelium zun&auml;chst auf sein 
Gewissen deuten l&auml;&szlig;t, so kann man sich versto&szlig;en. 
Von denen die Christum angeh&ouml;rten, das ist, die sich durch das 
Evangelium zum Glauben haben berufen lassen, durch Hoffnung auf Ihn 
verbunden sind, und auf diese auch in Ihm entschlafen, haben wir eben 
doch mehr zuverl&auml;ssige Nachricht, als von denen, die am Ende, 
oder zwischen der Erscheinung unseres HErrn JEsu Christi und dem Ende 
noch gerettet werden sollen. Wenn man vom Ende h&ouml;rt, so 
mu&szlig; man nicht gerade an ein Aufh&ouml;ren denken, sondern mehr 
an eine Erf&uuml;llung und Vollendung. Was sonst in der Schrift das 
Ende aller Dinge, oder das Ende der Weltzeit hei&szlig;t, mag hier 
zur Zukunft unseres HErrn JEsu Christi gerechnet sein, unter dem Ende 
aber noch ein anderer Termin bezielt sein, mit welchem Alles, was vom 
Vorsatz GOttes zum Heil der Menschen geoffenbart ist, sein Ziel 
erreicht, und zugleich die Erf&uuml;llung eintritt, um welches Willen 
alles Vorige veranstaltet worden ist. Mit der Herrlichkeit, die der 
Sohn bei dem Vater hatte, ehe die Welt war, und mit der F&uuml;lle 
der Gottheit, wie sie in die gesegnete Menschheit unseres Heilandes 
gelegt worden ist, wird keine Ver&auml;nderung vorgehen. Aber mit dem 
Herrschen mitten unter seinen Feinden, mit dem Reich, wie es 
gef&uuml;hrt worden ist, so lange sich noch so Vieles dem vollen Heil 
GOttes in Christo in den Weg gelegt hat, und die gesetzten Zeiten und 
Stunden zu dessen Aufhebung abgewartet werden mu&szlig;ten, kann und 
wird gro&szlig;e - weit &uuml;ber unseren Begriff gehende 
Ver&auml;nderung vorgehen. Aber auch diese Ver&auml;nderung ist 
nichts dem Sohn GOttes, oder auch nur der menschlichen Natur 
desselben Nachteiliges, ihrem ewigen Reich und Herrlichkeit einigen 
Abbruch Verursachendes; sondern was hier &Uuml;bergabe oder untertan 
sein hei&szlig;t, das wird die Erf&uuml;llung dessen sein, auf was 
die bisherige Einrichtung und F&uuml;hrung des Reichs Christi gezielt 
hat. Es wird Alles so herwiedergebracht sein, wie es GOtt durch den 
Mund aller seiner heiligen Propheten geredet hat. Des HErrn Vornehmen 
wird durch des hochbetrauten Sohnes Amts - Treue im ganzen Haus 
GOttes so vor sich gegangen, und ausgef&uuml;hrt sein da&szlig; Er es 
dem Vater als ein ausgemachtes, aber damit nicht aufgehobenes Werk 
darstellen, und in solcher zwischen GOtt und der Ihm wieder 
zugef&uuml;hrten Kreatur nun neu hergestellten Gemeinschaft Alles 
erf&uuml;llt, der ja nicht einmal rein genug vorstellen was wirklich 
zwischen Vater, Sohn und Geist f&uuml;r ein gottgeziemendes 
Verh&auml;ltnis Statt findet, nach welchem es hei&szlig;t: Der Vater 
hat dem Sohn das Leben zum haben gegeben; der Sohn tut es von Ihm 
selbst; der Geist redet nicht von Ihm selbst, sondern was. Er 
h&ouml;rt; Er nimmt es von des Sohnes Seinem usw.; wie viel weniger 
k&ouml;nnen wir uns diese gottgeziemende Unterw&uuml;rfigkeit des 
Sohnes unter den Vater vorstellen? Aus den - in der Welt 
gef&uuml;hrten&lsquo; Reden JEsu, worin Er seinen Vater 
verkl&auml;rt, um die Ehre desselben geeifert, Ihn als den HErrn 
Himmels und der Erde, der in der Sch&ouml;pfung und Erhaltung aller 
Dinge Alles tun, angepriesen, Seine Liebe aus der Sendung des Sohnes, 
Seine Gnade aus den Z&uuml;gen zum Sohn, &uuml;ber Alles erhoben hat, 
in der Absicht, da&szlig;, was durch Feindschaft von GOtt abgerissen 
worden, nun durch Glauben und Erkenntnis seiner Liebe wieder zu Ihm 
gebracht w&uuml;rde. Aus dergleichen Reden kann man beurteilen wie Er 
sich an diesem Ende oder Ziel freuen wird, da&szlig; es nun auf das 
hinausgekommen ist, was Er immer gesagt, gesucht, und worauf Er 
gearbeitet hat, da&szlig; aller Widerstand vergeblich gewesen und nun 
aufgehoben ist; alles Warten der Gl&auml;ubigen und Gerechten aber 
zur Freude geworden ist; und GOttes gn&auml;dige Mitteilungen an 
seine Kreatur nun durch nichts mehr aufgehalten wurden, sondern GOtt 
Alles in Allem sein wird.</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 15,29-34</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel zeigt 
noch umst&auml;ndlicher wie Vieles von der Christen Hoffnung und auch 
ihrer Kraft und Trieb zur Gottseligkeit abgeschnitten w&uuml;rde, 
wenn man die Hoffnung der Auferstehung 
vernichtete.</b></p> 
 
<p>&Uuml;ber den Toten 
sich taufen lassen, wollte damals so viel hei&szlig;en, als bei 
steter naher Todes - Gefahr, in solchen Umst&auml;nden, in einem 
solchen Alter sich taufen lassen, da man nichts weiter, als das 
baldige Versammeltwerden zum den Toten vor sich hatte, da f&uuml;r 
dies Leben kein Nutzen mehr zu erwarten war. Nachmals erst ist an 
manchen Orten, vielleicht. Bei der Frage nach n&auml;herem Grund, wie 
es zugehe, kommt das Meiste auf das Herz und die Absicht dessen an, 
der fragt. Es kann Jemand aus Lehrbegierde und Freude an der Wahrheit 
fragen; es kann aber auch Zweifel, Mut und Lust zur Sp&ouml;tterei 
dahinter stecken: es kann Glauben zum Grund haben, und nur ein 
weiteres Fortschreiten in die Erkenntnis suchen; er kann aber auch 
Vorw&auml;nde zum Unglauben aufsuchen wollen. Der Apostel antwortet 
anf&auml;nglich scharf, nicht aus fleischlichem Zorn, sondern im 
Namen Dessen, der im Himmel wohnt, und derer spottet, die sich so 
f&uuml;r weise halten auf Erden. Die Schwierigkeit gegen die 
Auferstehung war das Sterben, und die Verwesung. Jetzt kehrt es der 
Apostel um, und sagt: Das Sterben und verwesen ist ja in viel tausend 
F&auml;llen der Weg zum Aufleben, Gr&uuml;nen und Fruchtbringen aus 
Veranlassung dieser Stelle, der Gebrauch aufgekommen, da&szlig; man 
sich bei den Begr&auml;bnissen, oder nachmals &uuml;ber den 
Grabst&auml;tten wackerer Christen, oder auch tapferer Blutzeugen, 
taufen lie&szlig;, und dabei die Verpflichtung auf sich nahm, an des 
verstorbenen Stelle zu treten sein Ende anzuschauen, seinem Glauben 
zu folgen, und sich nichts vom Bekenntnis der Wahrheit abschrecken zu 
lassen. Bei unserem Ruhm in Christo und bei aller an Seiner 
Gemeinschaft gewonnenen Freude und Wonne fallen doch immer so viele 
Kreuzes - Niedrigkeiten vor, es gibt so t&auml;gliche Veranlassung, 
das Sterben Christi an meinem Leibe umherzutragen. Wenn ich nun dabei 
meine Hoffnung nicht auf den lebendigen GOtt setzen k&ouml;nnte, der 
die Toten auferweckt; wenn ich nicht alle diese Schritte in die 
Gemeinschaft seiner Leiden und in die &Auml;hnlichkeit seines Todes, 
als wohlgemessenes Entgegenkommen zur Auferstehung der Toten ansehen 
k&ouml;nnte; wenn es nur nach menschlichem Einfall, zu Behauptung 
meines menschlichen Sinnes, nur mit Absicht auf dies kurze 
menschliche Leben geschehen ist, da&szlig; ich den - damals erst 
k&uuml;rzlich vorgefallenen Sturm zum Ephesus ausgestanden habe, was 
h&uuml;lfe es mir? Da&szlig; Gottseligkeit und auch die um der 
Gerechtigkeit willen ausgestandene leiden nichts helfen sollen, ist 
ein die ganze Religion oder Verbindung zwischen GOtt und den Menschen 
umrei&szlig;ender Gedanke. Wo man nicht am Wort der Verhei&szlig;ung 
und der darin angebotenen Hoffnung fest hielt, da hatte man f&uuml;r 
das Zuk&uuml;nftige und Ewige gar keine Gewi&szlig;heit, mithin auch 
keine Bewahrung, da&szlig; man nicht, obschon unter dem Schmuck eines 
neuen Witzes, auf die alte Sprache verfiel, wobei eben Alles auf 
Genu&szlig; dieses Lebens und des darin &uuml;brig gelassenen Guten 
hinausliefen; wodurch aber der Tod und sein Stachel im Leichtsinn 
verleugnet, die wichtigen Dinge, so auf den Tod folgen, samt aller 
Christen - Hoffnung aus dem Gesicht ger&uuml;ckt, und alle 
Aufmunterung zum Flei&szlig; in der Gottseligkeit abgeschnitten 
wird.</p> 
 
<p>Was gute Sitten, 
heilsame Erkenntnis und Geschmack hei&szlig;en soll, mu&szlig; auf 
das Unsichtbare und Ewige zielen, und mit Glauben und Verleugnungs - 
Sinn unterhalten und ge&uuml;bt werden. Wie voll ist aber die Welt 
solcher b&ouml;sen Geschw&auml;tze, die davon abziehen, und einen, 
wie von einem Zaubertrank eingenommen, ungewi&szlig; und 
leichtgl&auml;ubig machen. Durch Irrtum, Schlummer und 
Gleichg&uuml;ltigkeit gegen GOtt, seinen Rat und die Ausf&uuml;hrung 
seiner Wege wird auch viel ges&uuml;ndigt.</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 15,35-49</font></b></h4> 
 
<p><b>Nachdem der Apostel 
im Vorhergehenden die Wahrheit der Auferstehung aus vielen 
Gr&uuml;nden festgesetzt hatte, so l&auml;&szlig;t er sich nun auch 
darauf ein, die Gedanken von der Art und Weise der Auferstehung so zu 
er&ouml;rtern, da&szlig; das Verwegene abgewiesen, inzwischen aber 
doch Schwierigkeiten, die von dieser Seite her den Glauben hindern 
konnten, gehoben worden.</b></p> 
 
<p>Du w&uuml;rdest das 
auch wegstreiten, wenn du es nicht so oft gesehen h&auml;ttest. 
Wollte man aber weiter einwenden und sagen: Geht es denn mit einem in 
die Erde gefallenen Leib auch so nat&uuml;rlich und 
ordnungsm&auml;&szlig;ig und stufenweise der Auferstehung entgegen, 
als es sich so mit einem in die Erde gefallenen Weizenkorn 
verh&auml;lt, aus dessen Keim sich eine Wurzel in der Erde legt, die 
von Zeit zu Zeit Saft und Kraft zum Aufgr&uuml;nen und Wachsen an 
sich zieht? so mu&szlig; man sagen: es ist genug da&szlig; uns nun 
der Weg durch das Sterben zum Aufleben so vor die Augen gemalt ist. 
Was GOtt nach der - in die Natur gelegten Kraft und Ordnung 
j&auml;hrlich und t&auml;glich tut das tut Er freilich aus andern 
Gr&uuml;nden im Reich seines lieben Sohnes zu Aufhebung des letzten 
Feindes der das Heil Christi am l&auml;ngsten aufgehalten 
hat.</p> 
 
<p>Bei dem ges&auml;ten 
Korn mag es Ver&auml;nderung, Ausbreitung, Vervielf&auml;ltigung 
geben, was es f&uuml;r will, so hat es doch schon seinen Grund im 
Samen gehabt. Eben so ist die Auferstehung ein Lebendigwerden und 
Gr&uuml;nen dessen, das gestorben ist. Wie aber GOtt freilich bei der 
Mannigfaltigkeit seiner Gesch&ouml;pfe einem Jeden nach seinem 
Wohnort, ob es auf die Erde, ober in das Wasser, oder in die Luft 
bestimmt war, auch einen gem&auml;&szlig;en Leib und dahin taugliches 
Fleisch gegeben hat; hat Er noch weiter seine unersch&ouml;pfliche 
Kraft in den vielen unterschiedlichen himmlischen K&ouml;rpern 
bewiesen. Was ist das Leugnen der Auferstehung anders, als da&szlig; 
man die Kraft GOttes nicht kennen will, die mit unersch&ouml;pflichem 
Reichtum, in unausdenklicher Verschiedenheit hervorbringen kann, was 
sie will.</p> 
 
<p>Herrliches 
Fortschreiten in den Werken GOttes! K&ouml;stlicher Grund der Geduld, 
sich unter dem Leib dieses Todes zu leiden, weil doch der Keim zum 
darnach kommenden geistlichen Leib auch darin liegt! Wie tief hinab 
bei Adams Erbschaft: bis da&szlig; du wieder zur Erden werdest! Wie 
hoch hinab bei Christi Erbschaft: bis zum &Auml;hnlichwerden seinem 
verkl&auml;rten Leib! HErr JEsu! bereite mich dazu, da&szlig; ich 
Dein himmlisch Bild tragen m&ouml;ge. Wie wird es uns so wohl sein, 
wann wir den geistlichen Leib tragen, in welchem keine b&ouml;se Lust 
mehr wohnt; in welchem wir uns vom Heil GOttes so durchdrungen 
f&uuml;hlen werden, als tief wir uns von S&uuml;nde und Tod 
angesteckt, oft gef&uuml;hlt und beseufzet haben!</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 15,50-58</font></b></h4> 
 
<p><b>Was der Apostel 
n&auml;chst zuvor von der mit unseren Leibern in der Auferstehung zum 
Leben vorgehenden Ver&auml;nderung angedeutet hatte; das 
best&auml;tigt er nun auch aus der Verwandlung, die den vom 
j&uuml;ngsten Tag Ergriffenen begegnen werde; und l&auml;&szlig;t uns 
etwas h&ouml;ren, was sich nach diesem gest&uuml;rzten Land der Toten 
f&uuml;r ein allgemeines Siegeslied erheben werde; wovon der Glaube 
schon jetzt etwas zum Dank gegen GOtt erreiche, und daraus auch viele 
Kraft zur Gottseligkeit ziehe, wohin auch des Apostels 
Schlu&szlig;ermahnung geht.</b></p> 
 
<p>Wenn man das, was an 
der obigen Frage: wie werden die Toten auferstehen? F&uuml;rwitziges 
und zum Unglauben sich Neigendes h&auml;ngt, wegtut, und das allein 
beh&auml;lt, worin ein lehrbegieriges, gl&auml;ubiges Kind GOttes in 
weitere Erkenntnis fortzuschreiten befugt ist, so kommt der Bescheid 
kurz auf das hinaus: dies nat&uuml;rliche Leben, wie es der Mensch 
mit anderen lebendigen Gesch&ouml;pfen auf dem Erdboden gemein hat, 
und das aus der Erde seine Nahrung hat, taugt freilich nicht in das 
Reich Gottes; es w&auml;re viel zu schwach, die dortigen Kr&auml;fte 
auszuhalten. Wenn ja nur ein Bote aus dem unsichtbaren Reich GOttes 
mit ziemlich gem&auml;&szlig;igter Herrlichkeit, unserm Fleisch und 
Blut nahe gekommen ist; so ist es bei den besten Menschen nicht ohne 
gro&szlig;en, oft t&ouml;dlichen Schrecken abgegangen; mithin 
mu&szlig; eine gro&szlig;e Ver&auml;nderung mit uns vorgehen. Diese 
erl&auml;utert nun der Apostel in etwas, hei&szlig;t es aber ein 
Geheimnis. Jede g&ouml;ttliche Wahrheit n&auml;mlich tut ihren 
eigenen Beitrag zum Glauben, teils in n&ouml;tiger Vorbereitung des 
Herzens zum Glauben, teils in wirklicher Erweckung des Glaubens, 
teils bei dem Wachstum des Glaubens, teils den Glauben in der 
T&auml;tigkeit und Fruchtbarkeit zu f&ouml;rdern, teils ihn zu seinem 
herrlichen Ende anzurufen. Da hei&szlig;en dann solche Wahrheiten, 
die nicht gerade zum Herzblatt des Glaubens geh&ouml;ren, auf, die 
auch nicht ein Jeder hinauszugehen f&uuml;r n&ouml;tig erachtet, die 
aber doch auch etwas zur Befestigung der Glaubenspflanze austragen, 
und zuweilen einen Ansto&szlig; zu benehmen, eine sonst &uuml;brig 
gebliebene L&uuml;cke auszuf&uuml;llen verm&ouml;gend sind, ein 
Geheimnis. So mag GOtt noch jetzt Manches aus seinem Wort einzusehen 
verleihen, als ein Zeugnis auf seine eigene Zeit. Aber das sollte man 
auch fein so bescheiden als einen Beitrag an die &uuml;brige Wahrheit 
anschlie&szlig;en, wie der Apostel da tut, der gewi&szlig; die - 
jedem Gl&auml;ubigen bekannte Hauptlehre von der Auferstehung 
ungleich h&ouml;her gehalten hat, als den - zur Best&auml;tigung 
derselben aus diesem Geheimnis hiermit getanen Beitrag ein Geschlecht 
der Gl&auml;ubigen l&ouml;st das andere im guten Kampf des Glaubens 
und im Warten auf den HErrn JEsum ab; deswegen redet der Geist in der 
Schrift oft in der Person derer, die der j&uuml;ngste Tag lebendig 
ergreifen wird. Von denen hei&szlig;t es nun ohne langwierige 
Trennung der Seele von dem Leib, ohne dessen Verwesung, wird sonst 
eine gro&szlig;e, aber schnelle Ver&auml;nderung mit ihnen vorgehen, 
wobei Alles aufgehoben wird, was durch Schmerz, Leid, Geschrei, 
Tr&auml;nen zur Verwesung Anla&szlig; gegeben hat. GOttes Wort kann 
nicht unausgemacht, seine Reden nicht unerf&uuml;llt, das Warten der 
Gl&auml;ubigen und das Seufzen der ganzen Kreatur nicht unerh&ouml;rt 
bleiben. Aber zu solchem Erf&uuml;llen mu&szlig; man auch GOtt Zeit 
lassen. Wir wollen oft auch zu fr&uuml;h zu viel haben. Die Kraft der 
an das Licht gebrachten Hoffnung hat man auch in Todesgefahr und bei 
wirklicher Todesnot zu genie&szlig;en. Aber das Siegeslied: Tod, wo 
ist dein Stachel! wird sich doch allermeist erst bei der 
fr&ouml;hlichen Auferstehung finden. Zur gro&szlig;sprecherischen 
Verachtung des Todes ist in der ganzen Schrift keine Anleitung, 
vielmehr im Alten Testament sind viele nachdenkliche Beschreibungen 
von des Todes Bitterkeit. Auch im Neuen Testament und bei der an das 
Licht gebrachten Hoffnung wird aller Trost, Zufriedenheit, blo&szlig; 
aus der Gemeinschaft mit Christo und aus jenem Stand in- der Liebe 
hergeleitet, in welchen der Tod keinen Bruch noch Scheidung machen 
kann. Sonst aber wird des Glaubens Auge vom Tode und auch vom 
Zustande nach dem Tode wie abgewendet, und immer auf das letzte Ziel, 
auf die Auferstehung gerichtet, vermutlich auch in der Absicht, damit 
man auf einen andern Weg geleitet werde, als die Natur gern 
einschl&uuml;ge, die, sobald sie etwas Unvermeidliches vor sich hat, 
solches mit einer angenommenen H&auml;rtigkeit &uuml;bertragen will. 
Der Glaube ist weich, beugt sich unter GOttes Gericht, ergreift den 
vorgehaltenen Schirm der Hoffnung des Heils, und zeigt &uuml;berall, 
da&szlig; es ihm mehr um GOtt Seine Ehre, die Heiligung Seines 
Namens, Erf&uuml;llung Seines Wortes zu tun sei, und da&szlig; es 
f&uuml;r uns genug ist, da&szlig; GOtt in diese seine Ehre auch unser 
Heil so treulich eingeflochten hat. Es gibt manche bittere 
Umst&auml;nde im Tod, aber der Stachel womit er am wehesten tun kann, 
ist die S&uuml;nde, oder das Gericht, da&szlig; der Tod durch die 
S&uuml;nde in die Welt gekommen, und nun derselben Sold ist. Und das 
Gesetz und dessen Aufwachen im Gewissen zeigt erst diesen Feind in 
seiner ganzen Gr&ouml;&szlig;e. Weigere dich dessen nicht, Wer nicht 
in die Not und Angst hinein will, bleibt auch im Trost und 
fr&ouml;hlichen Dank gegen GOtt zur&uuml;ck. 
Sprungweise von der Furcht des Todes los werden, w&auml;re Manchem 
schon recht. Aber der durch JEsum Christum gegebene Sieg hat seine 
Stufen. Man wird aus der S&uuml;nde in die Gnade berufen, - stirbt 
dem Gesetz in seiner habenden Kraft ab, und kommt 
rechtm&auml;&szlig;iger Weise unter Christum und das Regiment seines 
Geistes, lernt bei demselben, wie an denen, die in Christo JEsu sind, 
keine Verdammnis haftet, und was auch f&uuml;r den sterblichen Leib 
f&uuml;r Hoffnung an das Licht gebracht ist. - Darum wer S&uuml;nde 
und Gnade, Tod und Leben so hat kennen gelernt, und die Wurzeln des 
ewigen Lebens durch Erkenntnis unseres HErrn JEsu Christi in sich 
bewahrt, der kann gegen die innere Flatterhaftigkeit des Herzens und 
der Sinne fest stehen, gegen &auml;u&szlig;ere Versuchungen 
unbeweglich sein, und dem verdrossenen erm&uuml;den entgehen, 
vielmehr immer zunehmen in dem Werk des HErrn, davon der Glaube das 
Triebrad zu allem &Uuml;brigen ist.</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 16,1-12</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel wendet 
sich zum Beschlu&szlig; seines Briefes, und macht darin noch einige 
Verordnungen wegen der Liebesgaben f&uuml;r die armen Glaubens - 
Br&uuml;der in Jud&auml;a, und gibt Nachricht, was sie wegen seiner 
und des Timotheus und des Apollos Ankunft bei ihnen zu hoffen und zu 
beobachten haben.</b></p> 
 
<p>Den ehrw&uuml;rdigen 
Namen der Heiligen braucht der Apostel gern bei einer Sache, 
wor&uuml;ber einen das eitle menschliche Herz leicht mit einer 
Geringachtung belegt. Handreichung n&ouml;tig haben, und von Andern 
annehmen m&uuml;ssen, macht so geringsch&auml;tzig; da&szlig; es aber 
Heilige GOttes sind, und da&szlig; GOtt seine liebsten Kinder und die 
bew&auml;hrtesten Erben seines Reiches ihre hiesige Pilgrimschaft 
unter einer solchen niedrigen Gestalt kann zur&uuml;ck legen lassen, 
das macht Achtung.- Dem Apostel Paulo ward es bei seinem Zug unter 
die Heiden besonders aufgegeben, da&szlig; er der Armen 
ged&auml;chte <i>(Gal 
2:10)</i>. Das Nachmachen in solchen 
St&uuml;cken mu&szlig; nicht blo&szlig; Schanden halber geschehen, 
sondern ein Liebesgrund im Herzen sein; doch tun gute Beispiele auch 
das Ihrige mit Reizen zu guten Werken 
<i>(Heb 10:24)</i> 
. Auch der Name: Wohltat, den der Apostel 
braucht, hat etwas, das an die weise Einrichtung GOttes erinnert, der 
seine Gaben so durch Anderer H&auml;nde laufen l&auml;&szlig;t, und 
dem Einen gibt, damit er habe zu geben den D&uuml;rftigen, und des 
D&uuml;rftigen Mangel nicht selbst erstattet, sondern so, da&szlig; 
ein Anderer daneben auch Gelegenheit bekomme, seinen Glauben Liebe 
und Hoffnung zu bew&auml;hren.</p> 
 
<p>- Paulus nimmt freilich 
auch den Unterschied in Acht, den schon seine Amtsbr&uuml;der 
zwischen dem Anhalten am Gebet und am Amt des Worts, und zwischen 
dem, was sie zu Tische dienen hie&szlig;en, gemacht hatten, und will 
es erst darauf ankommen lassen, ob es wert sein - werde, da&szlig; er 
Selber hinreise. Doch auch auf diesen Fall verh&uuml;tet er, 
da&szlig; der Ruhm und Dank davon nicht auf ihn geleitet werde, 
sondern treu geachtete Diener der Gemeinde sollen mitreisen. Auch in 
ihren Amts - Verrichtungen hielten sich die Apostel nach den 
gemeinsten Schickungen GOttes, und &auml;nderten ein Vorhaben; wann 
etwas Hinderliches dazwischen kam. - Nicht nur aus der verliehenen 
reichen Gelegenheit, Gutes zu wirken, sondern auch aus dem - vom 
Reich der Finsternis versp&uuml;rten Widerstand nimmt sich der 
Apostel eine Ermunterung, desto getroster anzuhalten. Der Mietling 
flieht, wenn er den Wolf kommen sieht. Timotheus mag bei aller seiner 
guten Beilage doch etwas Sch&uuml;chternes und Empfindliches in 
seinem Gem&uuml;t gehabt haben, da&szlig;, wo er der Korinther 
Trennungen, ihren richterischen, selbst an Paulus sich wagenden Sinn 
zu deutlich versp&uuml;rt hatte, er weit in seinem Vertrauen 
w&auml;re zur&uuml;ckgeschlagen worden, und sich selbst nicht getraut 
hatte, etwas bei den Korinthern vorzunehmen. Da hat Paulus als in 
einem viel Segen verschlagenden Umstand zuvorkommen wollen. 
Ungeachtet Paulus Vieler Anh&auml;nglichkeit an Apollo wu&szlig;te, 
so hat er es doch durch sein Ermahnen bef&ouml;rdern wollen da&szlig; 
Apollo nach Korinth k&auml;me; so gar hat er nicht das Seine gesucht, 
so lauterlich hat er sich auch dessen was durch eines Andern Dienst 
bereitet worden, mit Freuden annehmen k&ouml;nnen. Apollo kann zu 
seinem Verweigern gegen des Apostels Ermahnen doch auch guten Grund 
gehabt haben. Man mu&szlig; nichts erzwingen, noch sich &uuml;ber 
Anderer Wege und deren Einrichtung zu viel herausnehmen. HErr! Dir 
seien alle meine Wege empfohlen!</p> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Korinther 16,13-24</font></b></h4> 
 
<p><b>Den v&ouml;lligen 
Beschlu&szlig; macht der Apostel, da&szlig; er, wie im ganzen Brief, 
v&auml;terlichen Ernst mit m&uuml;tterlicher Treue 
verbindet.</b></p> 
 
<p>Das Wort: Wachet, 
geh&ouml;rt auch mit unter die Meisterst&uuml;cke des heiligen 
Geistes, da Er mit dem einigen Wort die stete Aufmerksamkeit des 
Christen auf seine ganze Pflicht ausdr&uuml;cken, und also so viel im 
Menschen anfrischen und erregen kann. Im Evangelium stehen, oder bei 
der heilsamen Erkenntnis GOttes und Christi aus dem Evangelium im 
Glauben und geraden Vertrauen durch Christum zu GOtt stehen, 
dr&uuml;ckt auch wieder den ganzen Christen Staat aus. M&auml;nnlich 
ist man aus Wachstum in der Gnade, stark ist man bei unerschrockenem 
Mut auch gegen andringende Versuchungen und Hindernisse. Doch 
mu&szlig; auch alle St&auml;rke, Gro&szlig;mut, Eifer und Ernst eines 
Christen sonderlich auch der Gebrauch christlicher Freiheit und der 
unterschiedenen Geistesgaben von der Liebe regiert werden, die GOttes 
Ehre und des N&auml;chsten Heil lauterlich sucht.- Stephanus und Sein 
Haus hatten als Erstlinge so ein gutes Beispiel eines wackeren 
Glaubens gegeben; darum sollten nun Andere gern sich so an sie 
halten, da&szlig; ihre Erfahrung wohl ben&uuml;tzt w&uuml;rde. Wenn 
ganzen Gemeinen was Gutes widerfuhr, so Sagte der Apostel lieber: ich 
danke meinem GOtt; in seinem eigenen Angelegenheiten Sagt er: ich 
freue mich.</p> 
 
<p>Wie es den Geist des 
Paulus erquickt hat, da&szlig; ihm durch Stephanas, Fortunatus und 
Achaicus gute Nachrichten von Korinth zugekommen sind, so rechnet er, 
da&szlig; es hinwiederum der Korinther Geist erquicken werde, wenn 
sie Berichte von ihm durch diese erhielten. Auch die redlichsten 
Arbeiter und Gehilfen der Wahrheit k&ouml;nnen unter manche 
unansehnliche Leiden, auch L&auml;sterungen, hinuntergesteckt werden, 
da&szlig; es Zusprechens braucht: erkennt sie, damit man sich nicht 
an dem schwachen Christo sto&szlig;e, oder um der unansehnlichen 
Schale willen den Kern wegwerfe. - Den heiligen Ku&szlig; empfiehlt 
hier der Apostel den Korinthern besonders, um damit alle ihre 
Spaltungen v&ouml;llig zu heben. K&ouml;nnen wir in so viel andern 
St&uuml;cken der apostolischen Kraft nimmer v&ouml;llig nach, so 
wollen wir uns auch bescheiden, da&szlig; man zu unserer Zeit mit 
unbedachtsamer Einf&uuml;hrung einer solchen Sache nicht anfangen 
mu&szlig;. Liebe zu JEsu Christo ist die Hauptquelle daraus auch die 
Gemeinschaft der Heiligen ihre rechte Art bekommt. Und wer davon 
abkommt den &uuml;bergibt der Apostel mit einer unter den Juden 
allermeist gew&ouml;hnlichen Formel an den Richter, deren er sich 
aber hier um so eher bedient, als haupts&auml;chlich von den Juden 
geringsch&auml;tzige und der Liebe nachteilige Gedanken von Christo 
entstanden. Der heilsame Schrecken &uuml;ber diesen Fluch wird 
schlie&szlig;lich noch durch die herzliche Ansprache an gl&auml;ubige 
Liebhaber JEsu vers&uuml;&szlig;t. Die Gnade hilft aus vielen 
S&uuml;nden, st&auml;rkt wider vieles Straucheln, richtet verrenkte 
Glieder wieder ein, hebt Schwierigkeiten, zerst&ouml;rt, was Satanas 
im Sinn hat, steuert den &Auml;rgernissen, bringt und h&auml;lt die 
Liebe bei allem Unterschied der Gaben im Gang, bis wir durch Gnade 
t&uuml;chtig werden zu jenem Reich, darin die Mannigfaltigkeit der 
Gaben und Wohltaten an allen Heiligen ewiglich wird bewundert werden. 
Amen</p> 
 
<p>Die erste Epistel an 
die Korinther, gesandt von Philippi, durch Stephanas und Fortunatus 
und Achaicus und Timotheus.</p> 
 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Galater 1,1-5</font></b></h4> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Der Brief Pauli an die Galater Einleitung</font></b></h4> 
 
<p>Galatien war keine Stadt, wie Rom oder Korinth, sondern 
ein ganzer Strich Landes in Klein = Asien; und die Galater machten also 
nicht nur eine einige Gemeinde, sondern deren mehrere aus, <i>Kap. 
1, 2</i> im ganzen Galatischen Lande. Das Paulus diese Gemeinden in 
Galatien selbst gepflanzt habe, ist unstreitig (Kap. 
1, 911 u. Kap. 4, 116). 
In der Apostelgeschichte aber kommt unter den Reisen und Verrichtungen 
Pauli nur wenige Meldung von einem Aufenthalt in Galatien vor. Einmal steht 
<i>Apg. 
16, 6</i>, da&szlig; er bald nach der wichtigen Kirchenversammlung zu 
Jerusalem mit Silas und dem zu sich genommenen Timotheus durch Phrygien 
und das Land Galatien gezogen sei. Da mag es bei einem  durch einen anderw&auml;rtigen 
Beruf aus des Geistes Trieb abgek&uuml;rzten Aufenthalt einen schnellen 
Eingang und Segen des Evangelii unter den Galatern gegeben haben, wobei 
sie aber freilich ein Muster von Solchen wurden, die das Wort anf&auml;nglich 
mit Freuden aufnehmen, aber nicht gerade tiefe Wurzeln haben. Einige Zeit 
hernach, nachdem er mit Petrus in Antiochien zusammengekommen war (<i>Gal. 
2, 11;</i> <i>Apg. 18, 22),</i> durchzog 
er wieder das Galatische Land (<i>Apg. 18, 
23)</i>, und st&auml;rkte die J&uuml;nger; und dabei mag er bemerkt 
haben, wie und wodurch sie von der Lauterkeit des Evangelii abwendig gemacht 
worden sind. Unter dem Amtsleiden, das er dar&uuml;ber gehabt hat, mag 
dieser Brief ausgeboren worden sein, den er allem Ansehen nach gleich auf 
der Wegreise von ihnen geschrieben hat; weil er sich gleich im Anfang (<i>Kap. 
1, 2</i>), auf die mit ihm reisenden Br&uuml;der beruft, die dem Galatern 
noch im frischen Angedenken sein mu&szlig;ten; sonst aber im Beschlu&szlig; 
von keiner Gemeinde oder Ort seines Aufenthalts her einen Gru&szlig; beisetzt. 
Die Veranlassung zu diesem Brief war also dem Apostel schmerzlich (<i>Kap. 
4, 19 und 6, 11 u.17)</i>. Es waren n&auml;mlich damals viele aus dem 
Judentum zum Christentum Bekehrte, die aber doch das Evangelium, und die 
darin geoffenbarte Gerechtigkeit, oder den darin zur Rechtfertigung und 
zum Leben ge&ouml;ffneten Weg nicht recht gefa&szlig;t hatten, sondern 
in der Liebe des Gesetzes stecken blieben, und an demselben Ruhm suchten; 
daneben auch hofften, da&szlig;, wenn sie das Christentum nur so als eine 
Erg&auml;nzung und Verbesserung des Judentums trieben, so w&uuml;rden sie 
leichter fortkommen. Den Juden machten sie sich dadurch ohnehin angenehmer, 
und bei den Heiden hatten sie wenigstens die dem Judentum &uuml;berall 
verg&ouml;nnte Nachsicht mit zu genie&szlig;en. Das hie&szlig; also mit 
dem Kreuz Christi weniger verfolgt werden. Leute von solcher Gesinnung 
kamen nun auch in die Gemeinden Galatiens, und beredeten die dortigen Christen, 
das Gesetz mit dem Evangelio zu verbinden, sonderlich aber durch die Beschneidung 
in die Gemeinschaft mit dem Samen Abrahams einzugehen, um an allen Verhei&szlig;ungen 
desselben rechtm&auml;&szlig;igen Anteil zu nehmen. Dieser Beredung mehreren 
Eingang zu verschaffen, griffen sie es freilich auch mit vieler Verunglimpfung 
Pauli an, erhoben gegen ihn die Apostel zu Jerusalem, Petrum, Jakobum zc. 
und die von ihnen gepflanzten Gemeinden, die noch immer Gesetz und Beschneidung 
beibehielten; gaben Paulum nur f&uuml;r einen Abgeordneten von denselben 
an, dessen Lehre nur so weit anzunehmen sei, als der Lehre der Kirche zu 
Jerusalem gem&auml;&szlig; sei. Sie nahmen Gelegenheit, das zauberm&auml;&szlig;ig 
zu verwirren, was der Apostel hie und da den Juden zu Gefallen tat; z. 
B. da&szlig; er den Timotheum, als einen Abk&ouml;mmling von einer j&uuml;dischen 
Mutter, beschneiden lie&szlig;. Das deuteten sie dahin, als ob er seiner 
Sache selbst nicht gewi&szlig; sei, bald so, bald anders handle; da es 
doch bei dem damaligen &Uuml;berschritt in die v&ouml;llige Gnade und Freiheit 
des Neuen Testaments nicht anders als durch solche jezuweilige Wendungen 
gehen konnte. Das bewog den Paulus, diesen ernstlichen Brief an die Galater 
zu schreiben, und damit auf alle Zeiten hinein ein Muster zu geben, was 
es f&uuml;r Eifer verdiene, wo die Reinigkeit der Lehre in Gefahr komme. 
Der Inhalt und die Hauptabsicht des Briefes geht also dahin, die Galater 
auf eine ernstliche Art in den lautern Sinn des Evangelii zur&uuml;ckzuweisen. 
Der Brief hat 
 
<ol> 
 
<li> 
eine Aufschrift und Eingang <i>Kap. 
1, 15</i></li> 
 
<li> 
Ausf&uuml;hrung und Abhandlung <i>Kap. 
1, 6  Kap. 6, 10</i></li> 
 
<li> 
Beschlu&szlig; <i>Kap. 
6, 1118</i></li> 
 
</ol> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Galater 1,1-5</font></b></h4> 
 
<p><b>Die Aufschrift und der Eingang</b> 
 
<p>Von Paulo haben wir uns bei diesem Brief besonders sonderlich 
zu erinnern, da&szlig; er Alles auch gehabt hat, wessen sich Andere, die 
sich auf das Gesetz verlie&szlig;en, r&uuml;hmten, und da&szlig; also seine 
Lehre um so weniger einen Ha&szlig; wider das Gesetz zum Grund hatte, als 
er selbst nach dem Gesetz unstr&auml;flich war. Apostel hatte sich der 
HErr anf&auml;nglich zw&ouml;lf erw&auml;hlt, und die Stelle des abgewichenen 
Judas auch wieder erg&auml;nzen lassen. Diese Apostel nun waren mit ansehnlichen 
Vorz&uuml;gen und Verhei&szlig;ungen begnadigt, und zu Zeugen an die ganze 
Welt verordnet, durch deren Wort Andere gl&auml;ubig, und damit auf ihren 
Grund erbaut werden sollten. Diesen wurde nun Paulus nach der ersten Gr&uuml;ndung 
der christlichen Kirche durch die zw&ouml;lf Apostel auch noch beigef&uuml;gt, 
und durch seine wunderbare Bekehrung, Beruf und Ausr&uuml;stung, auch Verleihung 
gleicher Gaben und eines ungemeinen Segens unter den Heiden in v&ouml;llig 
gleiche W&uuml;rde mit den Zw&ouml;lfen gesetzt. Darum besteht er auch 
hier so darauf, da&szlig; er nicht von Menschen berufen, noch durch Menschen 
in der Lehre Christi unterwiesen, sondern durch JEsum Christum, der ihm 
auf dem Weg nach Damaskus erschien (<i>Apg. 
9, 615)</i>, besonders zum Apostelamt unter den Heiden gewidmet worden 
sei (<i>Apg. 22, 21 und 26, 1518)</i>. 
Wie die n&auml;here Unterweisung Pauli in der Christenlehre geschehen sei, 
davon beobachtet die Schrift ein lehrreiches Stillschweigen. Als vom Vater 
Ihm aus der Welt gegebene hat der Sohn die zw&ouml;lf Apostel erkannt (<i>Joh. 
17, 6)</i>. Und so war auch Paulus durch GOtt den Vater von seiner Mutter 
Leib an zum Evangelium ausgesondert (<i>V. 
15)</i>. Von der Auferweckung Seines Sohnes von den Toten an wollte 
GOtt den Glauben aller Welt vorgehalten, und dazu auch t&uuml;chtige Zeugen 
ausger&uuml;stet haben. So gewi&szlig; noch jeder Gl&auml;ubige von GOtt 
gelehrt sein soll, n&auml;mlich da&szlig; ihm das  aus menschlichem Unterricht 
Gefa&szlig;te auch mit g&ouml;ttlichen Z&uuml;gen und kr&auml;ftigen Wirkungen 
an seinem Herzen best&auml;tigt ist: so gewi&szlig; mu&szlig; auch noch 
jeder Lehrer &uuml;ber seinem freilich durch Menschen gelaufenen Beruf 
in seinem Gewissen ein g&ouml;ttliches Siegel, und vor seinen Zuh&ouml;rern 
deswegen eine unbescholtene Freiheit haben.  Galatien, meint man insgeheim, 
sei von den Nachkommen solcher V&ouml;lker bewohnt gewesen, die ehemals 
aus den Gegenden des Rheins oder der Niederlande, als eine Nation der alten 
Gallier ausgezogen, und in Griechenland eingefallen seien.  Den Namen 
der Gemeinde braucht der Apostel noch gegen sie, aber andere sonst gew&ouml;hnliche 
Beiworte: Liebste GOttes, berufene Heilige zc. spart er hier, um seine 
gerechten Schmerzen &uuml;ber ihren baldigen Abfall damit anzudeuten. Doch 
flieht er auch in dieser Not zu dem Reichtum GOttes in Christo JEsu, und 
traut der Gnade und dem Frieden von dorther auch die Wiederaufrichtung 
der Galater zu; erquickt also mit diesem Gru&szlig;, als mit einem Labsal, 
nicht nur ihre Herzen, sondern erweckt auch sich zum Vertrauen auf GOtt 
in Christo.  Durch Erl&ouml;sung hat uns der Sohn GOttes herausgekauft, 
und durch den Ruf des Evangelii wirklich herausgebracht aus dem gegenw&auml;rtigen 
b&ouml;sen Weltlauf; <i>wovon auch die Religions 
= Satzungen keinen geringen Teil ausmachen, als wovon Vieles eingerichtet 
ist, da&szlig; man einander damit unter den Weltgeist gefangen nehmen will. 
Ohne Religion will gleichwohl die Welt nicht sein; da f&auml;llt sie denn 
auf das, was sie noch in ihrer Naturkraft aufbringen kann. O aus diesem 
pharis&auml;ischen Sauerteig uns herauszurei&szlig;en, hat den HErrn JEsum 
sein Leben gekostet</i>; und das Alles nach GOttes Vorsatz, von dessen 
Willen her auch Alles seine Festigkeit und G&uuml;ltigkeit hat; deswegen 
diesem durch den Sohn geehrten und in Seinem gn&auml;digen Willen verkl&auml;rten 
Vater Ehre sei in Ewigkeit! 
 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Galater 1,6-10</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel f&uuml;hrt in einer sanftm&uuml;tigen Bestrafung 
den Galatern als Verf&uuml;hrten ihre Unbest&auml;ndigkeit zu Gem&uuml;t, 
behauptet aber gegen die Verf&uuml;hrer mit gro&szlig;em Eifer die Wahrheit 
und Lauterkeit des Evangelii, die sich mit Nichts vermengen lasse.</b> 
 
<p>An sich ist die Bewahrung und Best&auml;ndigkeit eines 
Menschen im Guten mehr zu bewundern, als wenn es ein Straucheln oder Fallen 
gibt; wie denn auch der Apostel andere seiner Briefe mit Danksagung gegen 
GOtt anf&auml;ngt, und mit zuversichtlichem Beten &uuml;ber der Gl&auml;ubigen 
F&ouml;rderung und Vollendung. Bei unserem Verderben, bei dem Betrug der 
S&uuml;nde, bei der Menge der Versuchungen ist es wirklich mehr zu bewundern, 
wenn Jemand im Glauben erhalten wird, als wenn er strauchelt und f&auml;llt. 
Der Apostel aber sagt: <i>es wundert mich</i>, 
um ihnen sein besseres Vertrauen, in welchem er ihrethalben gestanden, 
darunter auszudr&uuml;cken, und sie etwas von seiner Hoffnung sp&uuml;ren 
zu lassen, in welcher er stehe, sie durch das Evangelium auf ihren ersten 
Glauben wieder zu geb&auml;ren.  Das Wort bald aufnehmen, sich bald &auml;rgern, 
steht <i>Matth. 13, 2021</i> in einer 
bedenklichen Folge aufeinander. Hat das geschehen k&ouml;nnen, da so ein 
wachsamer betender Paulus auf seiner Hut stand, was kann bei unserem heutigen 
Schlaf und Erm&uuml;den geschehen?  Mit dem Ausdruck: <i>abwenden 
la&szlig;t</i>, legt der Apostel die meiste Schuld auf ihre Verf&uuml;hrer. 
G&ouml;ttliche Art, diejenigen wieder zu gewinnen, an denen noch Etwas 
zu retten ist, wenn man sie so mit einem v&auml;terlichen Eifer wieder 
auf die Seite her&uuml;berzieht, von welcher sie durch eine fremde Kraft 
sind abwendig gemacht worden! Gro&szlig;er Verlust, von Christo und dem 
Ruf in seine Gnade abgewendet werden! Z&auml;rtliche Beschreibung des in 
ihnen angefangenen guten Werkes. Empfindlicher Unterschied gegen das Joch, 
welches man jetzt auf ihre H&auml;lse legen wollte.  Selbst die L&uuml;ge 
bringt sich in der Welt nicht anders, als unter einem von der Wahrheit 
entlehnten Lappen fort. Darum soll es immer auch noch Religion und <i>Evangelium</i> 
hei&szlig;en, aber eben <i>ein Anderes</i>: 
und das daran geflickte Andere verderbt Alles.  Der Ruf in die Gnade Christi 
f&uuml;hrt gerade in den Frieden des Gewissens; die Einschiebung des Gesetzes 
und der Notwendigkeit der Gerechtigkeit aus den Werken <i>verwirrt</i> 
die Gewissen. <i>Denn wo die Gerechtigkeit 
aus dem Gesetz mit der Gerechtigkeit aus dem Glauben vermengt, das Vertrauen 
des Herzens geteilt, die beste Kraft wider die S&uuml;nde abgegraben wird, 
da wird eben Alles verkehrt</i>. Paulus hatte Evangelium gepredigt, 
wie es GOtt von Anbeginn verhei&szlig;en, und als die Hilfe aus der S&uuml;nde 
bereitet hatte; wie es der Sohn GOttes selbst auf Erden zu predigen anfing; 
wie es nachgehends der Heilige Geist gab auszusprechen; und wie es ihm 
besonders durch Offenbarung kund ward. Darum &auml;u&szlig;erte er auch 
eine uns noch jetzt tr&ouml;stliche Gewi&szlig;heit dar&uuml;ber. Die Apostel 
hatten sonst auch ihre Anfechtungen, und Paulus wu&szlig;te von Furcht 
und Zittern bei Ausrichtung seines Amtes zu sagen; aber &uuml;ber der Wahrheit 
des Evangelii hatte er gro&szlig;e Gewi&szlig;heit. Auch unter dem Vorwand 
eines n&ouml;tigen Zusatzes kann die Wahrheit des Evangelii Nichts ertragen. 
 Einen solchen Fluch darauf zu setzen, drang den Apostel die Liebe, aber 
freilich nicht die jetzige falsche Liebe, die man zum Nachteil aller Wahrheit 
jetzt einf&uuml;hren will. Bei gro&szlig;em Eifer aber hat man sich auch 
genau zu pr&uuml;fen, wie es um die Quelle aussieht. Wer bei dem Worte 
GOttes bleibt, aus demselben &uuml;ber aller Menschen Tun das rechte Urteil 
f&auml;llt, die Unzul&auml;nglichkeit, Falschheit, Eitelkeit desselben 
gr&uuml;ndlich dartut, dagegen den einzigen Weg in die Gnade Christi zeigt, 
der tut es GOtt zu Dienst, und hat daran ein Zeugnis der Reinigkeit seiner 
Lehre. Je mehr man aber dem menschlichen Sinn und der Geflissenheit, es 
den Menschen recht zu machen, nachh&auml;ngt, je mehr man menschliche Werke 
und die Natur = Kr&auml;fte, aus denen sie kommen, erhebt, je mehr vernichtet 
man die  durch Christum verschaffte Errettung von der Welt, und es bleibt 
auch der Religion und deren &Uuml;bung nicht mehr Vieles &uuml;brig, das 
aus der Heiligen Schrift und nicht aus der Natur herzuleiten w&auml;re. 
<i>Dergleichen 
Gef&auml;lligkeit f&uuml;r Menschen und Hochachtung irdischer Dinge und 
Vorteile ist der Ursprung von allem Verderben in der Kirche zu allen Zeiten 
gewesen. </i>Nach diesem Pr&uuml;fstein hat Christus fast wenig wahre 
Diener mehr, indem Wenige sind, die nicht begehren, den Menschen zu gefallen. 
Wer dies geteilte Interesse meint vereinigen, und beiden Teilen dienen 
zu k&ouml;nnen, der kennt gewi&szlig; weder die Welt noch das Reich Christi. 
O GOtt! Bewahre alle Deine Knechte, da&szlig; Keiner aus Stolz und Eigensinn 
sich eine Verfolgung zuziehe, und die Menschen vor den Kopf sto&szlig;e: 
aber auch, da&szlig; wir Verfolgung, Spott und Verachtung f&uuml;r kein 
Kennzeichen halten, als ob wir die Wahrheit verfehlt h&auml;tten, sondern 
es als Malzeichen Deiner bew&auml;hrten Knechte ansehen und tragen! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Galater 1,11-24</font></b></h4> 
 
<p><b>Paulus erweist, da&szlig; er das Evangelium aus keines 
Menschen, auch aus keines anderen Apostels Unterricht, sondern aus der 
Offenbarung unseres HErrn JEsu Christi selbst habe.</b> 
 
<p>In der Aufschrift hat er die sonst gew&ouml;hnlichen Worte; 
der Heiligen, der Geliebten GOttes zc. gespart; nach dem angebrachten ersten 
Verweis aber setzt er nun doch den Brudernamen, als ein linderndes &Ouml;l. 
Was man nicht allemal aus ungekr&auml;nkter Liebe tun kann, kann man doch 
etwa noch in der Hoffnung tun.  Das Evangelium ist nicht von Menschen 
erdacht, von Menschen einander beigebracht, soll aber auch <i>nicht 
nach Menschensinn gebeugt</i>, und ihnen zu gefallen eingerichtet werden. 
Weder der ersten Offenbarung nach, die ihn zum Gehorsam des Glaubens gebracht, 
hatte es Paulus von Menschen empfangen, noch auch der weiteren Unterweisung 
nach von ihnen gelernt; sondern gleich auf dem Weg nach Damaskus hat sich 
der HErr JEsus ihm selbst geoffenbart und das Weitere ist dann durch die 
empfangene Gabe des Heiligen Geistes, als des Geistes der Offenbarung, 
Einiges auch durch wiederholte Erscheinungen des HErrn JEsu gegangen.  
Seinen vorigen Wandel hei&szlig;t er einen Wandel im Judentum, wenn es 
ein Wandel in den Fu&szlig;stapfen des Glaubens Abrahams gewesen w&auml;re, 
so h&auml;tte er ihn zum Glauben an das Evangelium geleitet; so aber war 
es ein Wandel in dem zum Abfall sich neigenden Judentum, das sich unter 
dem Vorwand des Gesetzes, des Glaubens an Christum erwehren wollte. Seinen 
&uuml;berm&auml;&szlig;igen Eifer wider die Gemeinde GOttes unterst&uuml;tzte 
er auch mit Lehren und Wissenschaften. O wie viel und m&uuml;hsam sammelt 
man Manches, das man bei dem rechten Licht als Schaden und Kot achten und 
von sich werfen mu&szlig;!  Der letze Grund, auf den der Mensch bei seinem 
 und Anderer Heil kommen kann, ist GOttes Wohlgefallen. O ein weiches 
 von allem eigenen Ruhm und sonstigem Gesuch herabgebrachtes Herz, dem 
in GOttes Wohlgefallen sein Heil zu finden anst&auml;ndig ist! Bei Paulo 
kam eine so merkliche Zeit der Unwissenheit dazwischen; und doch leitet 
er es von GOttes Erkenntnis und Vorhersehen von Mutterleib an her; im nachmaligen 
Beruf hat es sich genug aufgeschlossen. Der Sohn GOttes, die Hingabe desselben 
zum Gnadenstuhl, die Gerechtigkeit in seinem Blut, das Leben aus dessen 
nunmehriger Herrlichkeit, ist noch der Kern und Stern aller erw&uuml;nschten 
Offenbarung im Herzen. Der  durch ein so unvermutetes Wohlgefallen GOttes 
zur Erkenntnis Seines Sohnes gebrachte Paulus taugte wohl zur Verk&uuml;ndigung 
desselben unter die  auch so aus unvermutetem Wohlgefallen GOttes berufenen 
Heiden. <i>Noch jetzt ist f&uuml;r einen 
Jeden, der den Weg des Lebens finden will, das Sicherste: Schauen allein 
auf GOttes Gebot, die Zeugnisse des HErrn seine Ratsleute sein lassen, 
und dabei sich nicht s&auml;umen. Ohne diese Treue im Verborgenen kann 
der beste Rat eines Anderen zum Versuchungsstrick werden</i>. GOtt hat 
Alles vorausgesehen, womit man Paulum k&uuml;nftig w&uuml;rde niederdr&uuml;cken 
wollen; darum hat Er es in seinen Wegen so eingerichtet, da&szlig; man 
nicht sagen konnte: Er hat seine Best&auml;tigung bei den hohen Aposteln 
zu Jerusalem geholt; und doch auch nicht auf der anderen Seite: er getraut 
sich gar nicht nach Jerusalem; er schlie&szlig;t sich an Niemand an. GOttes 
guter Geist bringt es &uuml;berall mit uns in das Ebene.  Je weniger man 
von dem Aufenthalt oder der Verrichtung Pauli in Arabien wei&szlig;, je 
eher ist zu vermuten, da&szlig; dieser Aufenthalt auf ihn selbst und seine 
Ausr&uuml;stung die meiste Beziehung gehabt, und da&szlig; er dort gelernt 
habe, das ehemals in Arabien gegebene Gesetz von dem  ihm jetzt geoffenbarten 
Evangelium recht zu unterscheiden. Zu der Bekanntschaft in Jerusalem war 
ihm Barnabas behilflich (<i>Apg. 9, 27</i>). 
Der Aufenthalt aber war nicht so lange, da&szlig; man Pauli Unterricht 
dorther leiten k&ouml;nnte.  Der &uuml;ber seiner Bekehrung entstandene 
Preis GOttes hat wieder Vieles von dem zuvor angerichteten &Auml;rgernis 
getilgt. Engelisches Gesch&auml;ft: Freude &uuml;ber einen S&uuml;nder 
der Bu&szlig;e tut! Wenn JEsus seine Gnadenzeit bald hier bald dort verkl&auml;rt, 
so freu dich der Barmherzigkeit, die Andern widerf&auml;hrt. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Galater 2,1-10</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel beweist ferner aus seinen vorigen Wegen, da&szlig; 
er bei seiner Lehre immer auch den Beifall derer, die vor ihm Apostel waren, 
gehabt habe, und da&szlig; also die L&uuml;ge, womit ihn seine Widersacher 
niederdr&uuml;cken wollten, keinen Glauben verdiene.</b> 
 
<p>Zu seiner <i>abermaligen 
Reise nach Jerusalem</i> hatte Paulus eine bed&auml;chtlich gew&auml;hlte 
Gesellschaft an <i>Barnabas</i>, einem 
aus dem Judentum, einem Erstling in Christo nach <i>Apg. 
4, 36</i> und an <i>Titus</i> einem 
geborenen Heiden, der auch nicht beschnitten wurde; in Christo aber allzumal 
Einer nach <i>Gal. 3, 28</i>. Paulus 
hatte zu dieser Reise einen Auftrag von der Gemeinde zu Antiochia (<i>Apg. 
15, 2</i>), den GOtt aber auf Pauli Gebet hintennach noch mit einer 
besonderen <i>Offenbarung</i> seines 
Willens dar&uuml;ber versiegelte. Damals gab es keine besondere Veranlassung, 
<i>sich 
&uuml;ber dem Evangelio zu besprechen</i>; nicht als ein Sch&uuml;ler 
von Ihnen zu lernen, sondern als ein im gleichen Amt Stehender ihnen seinen 
Dienst am Evangelium vorzulegen: nicht erst f&uuml;r sich seiner Sache 
gewi&szlig; zu werden, sondern mehr Anderer Widersprechen abzutreiben. 
Auch was <i>das Ansehen bei Anderen</i> 
anbetrifft, kann sich ein Mensch nichts nehmen, was ihm nicht von Oben 
verliehen wird. Paulus kam bei Allem, was ihm GOtt verliehen hatte, und 
durch ihn wirkte, in kein so allgemeines Ansehen. Er hatte immer mehr Widerspruch 
gegen sich zu erdulden. Es mu&szlig; aber f&uuml;r ihn eine notwendige 
Decke der Verborgenheit gewesen sein. Doch wurde er nicht m&uuml;de, sondern 
umg&uuml;rtete die Lenden seines Gem&uuml;ts immer zu freudiger Vollendung 
seines Laufs; und seine Widersprecher brachten es auch nicht dahin, da&szlig; 
seine Amtsfrucht niedergeschlagen w&uuml;rde, oder er vergeblich gelaufen 
w&auml;re. An <i>Zumutungen wegen der Beschneidung 
Titi</i> wird es nicht gefehlt haben; aber Paulus lie&szlig; sich damit 
nicht abzwingen, da&szlig; es so einen Mi&szlig;brauch f&uuml;r die &uuml;brigen 
Gl&auml;ubigen aus den Heiden h&auml;tte geben k&ouml;nnen. Ein anderesmal 
gab er bei Timotheo leichter nach. Aber da war Paulus nicht zu bl&ouml;de, 
das ungeb&uuml;hrliche Eindringen und Einschleichen derer, die einen gro&szlig;en 
Eifer zu beweisen meinten, aufzudecken, und die unter ihren glatten Worten 
liegende Absicht in das Licht zu stellen, nach welcher sie auch ein freiwilliges 
Nachgeben doch w&uuml;rden mi&szlig;braucht, und daraus die Notwendigkeit 
der Beschneidung w&uuml;rden erzwungen haben. Auch an einem einzigen Fall 
ist oft viel gelegen; und da gibt GOtt seinen Werkzeugen zur Stunde Mut. 
Es kommt oft Manchen in der heutigen Zeit geschwind an, er wolle so mutig 
sein, wie Paulus, wie Luther; aber man mu&szlig; vorher ihren Geist haben. 
Zur Tapferkeit geh&ouml;rt eine g&ouml;ttliche Kraft. H&auml;tte Paulus 
nachgegeben, so w&auml;re es bei Allen um die Wahrheit des Evangelii geschehen 
gewesen. F&uuml;r die Wahrheit seiner Lehre lag dem Apostel Paulo nichts 
an denen, die das Ansehen hatten: denn auf deren Beifall beruhte seine 
Gewi&szlig;heit nicht. Aber die &Uuml;bereinstimmung ihres gemeinschaftlichen 
Wirkens im Dienste des Evangelii und die Genehmigung seines Ganges war 
ihm doch sch&auml;tzbar, und gegen Andere brauchbar. O gro&szlig;es Werk 
GOttes, da&szlig; Er die so zerstreuten Menschenkinder doch noch zu so 
viel Einigkeit unter einander, und die von Ihm abgefallenen S&uuml;nder 
zu solcher Gemeinschaft mit sich bringt! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Galater 2,11-16</font></b></h4> 
 
<p><b>Paulus bezeugt, wie er bei einer namhaften Gelegenheit 
die Lauterkeit des Evangelii selbst auch gegen Petri wankendes Verhalten 
mit Nachdruck behauptet habe.</b> 
 
<p>Diese Stelle hat man um so mehr mit Bescheidenheit zu 
behandeln, als darin von drei auserw&auml;hlten R&uuml;stzeugen GOttes 
die Rede ist, denen wir, Einem so wenig als dem Anderen, etwas zur Last 
legen sollen, und doch auch vor der Wahrheit und ihren sonderbaren Schicksalen 
das Auge nicht verschlie&szlig;en k&ouml;nnen. Der Schritt, womit Petrus 
zu dieser Vorstellung Pauli Anla&szlig; gab, war dieser: Petrus ging anf&auml;nglich 
mit den aus dem Heidentum Bekehrten zu Antiochien ungehindert um, und fand 
sich auch in ihrer Tischgenossenschaft ein, geno&szlig; vielleicht auch 
Speisen, die nach dem Gesetz Mosis nicht alle erforderliche Reinheit hatten. 
Als aber von Jerusalem Juden kamen, die zwar auch bekehrt, aber noch strengere 
Eiferer &uuml;ber dem Gesetz waren, entzog er sich diesem Umgang mit den 
bekehrten Heiden, aus Furcht, diese Eiferer m&ouml;chten sich daran sto&szlig;en, 
und ihm damit eine  seinem Eingang unter den Juden sch&auml;dliche Nachrede 
machen. Nach diesem Beispiel Petri richteten sich bald auch andere aus 
den Juden Bekehrte zu Antiochien, und selbst Barnabas handelte hierin gegen 
seine bessere &Uuml;berzeugung, und Manche w&auml;ren bereit gewesen, daraus 
wieder ihre alte Meinung f&uuml;r die Notwendigkeit, sich beschneiden zu 
lassen, und das Gesetz Mosis zu halten, auf das Neue empor zu bringen. 
Da ist nun freilich die Tat selbst und ihre oft unvermuteten Folgen wohl 
von einander zu unterscheiden. An Petro war es freilich bedenklich, da&szlig;, 
da er selbst anf&auml;nglich den Heiden die T&uuml;r des Glaubens aufgetan 
hatte, dazu auch durch eine besondere himmlische Erscheinung ausger&uuml;stet 
ward, und seine damals gebrauchte Freiheit zu den Heiden einzugehen, so 
nachdr&uuml;cklich und gesegnet wider die Judenchristen zu Jerusalem verteidigte, 
jetzt doch zu einem solchen Schritt kam. Von einer darunter liegenden Heuchelei 
oder angenommenen Verstellung ist die Tat nicht frei zu sprechen: denn 
er hatte ohne Zweifel mehr Liebesneigung gegen die Bekehrten aus dem Heidentum, 
und war auch von der  ihnen durch den Glauben widerfahrenen Reinigung 
fester &uuml;berzeugt, als er sich gegen die Gesetzeiferer wollte ansp&uuml;ren 
lassen. Eben darum aber war der Fehler Petri nicht sowohl ein Fehler in 
der Lehre, als ein Mangel, die erkannte Wahrheit standhaft durchzusetzen. 
Er kann dabei die Vermutung gehabt haben, da&szlig;, da er in der Notwendigkeit 
sei, bei einem oder dem anderen Teil anzusto&szlig;en, es ihm die Bekehrten 
aus dem Heidentum weniger verdenken w&uuml;rden, weil sie doch seine vorige 
Willf&auml;hrigkeit gesehen h&auml;tten, und ihm das nachmalige Entziehen 
blo&szlig; auf Rechnung der Sorge schreiben w&uuml;rden, da&szlig; er die 
Gl&auml;ubigen aus der Beschneidung nicht &auml;rgern wollte. Paulus aber 
nach dem in ihm wohnenden unparteiischen Geist GOttes erkannte bald, da&szlig; 
sie von der  sonst erkannten Wahrheit des Evangelii und der daraus flie&szlig;enden 
Freiheit keine richtige Anwendung in diesem Fall gemacht h&auml;tten, und 
fand also auch die deshalb ergehende Klage gegr&uuml;ndet. Weil Allen daran 
gelegen war, so handelte er auch &ouml;ffentlich vor Allen. Er stellt Petro 
besonders vor, was sein Beispiel und Ansehen auch Anderen f&uuml;r einen 
Zwang anlege. Und weil auch Barnabas dahin fiel, &uuml;ber seine wirklich 
lautere Erkenntnis und &uuml;ber seine v&ouml;lligere Liebe gegen alle 
Menschen eine solche Decke der j&uuml;dische Zeremonien herzubreiten, und 
damit sein Gutes unkenntlicher und weniger brauchbar zu machen; so sieht 
man wohl, da&szlig; Niemand als Paulus im Stand gewesen, hier mit solchem 
Nachdruck zu handeln. <i>Da&szlig; nicht 
gleich von einer  bei Petro damit geschaffenen Frucht Meldung geschieht, 
ist nicht zu verwundern. Denn bei aller Bestrafung mu&szlig; man dem neuen 
Menschen Zeit lassen sich durchzuk&auml;mpfen, und die Wahrheit nicht nur 
einzusehen, sondern auch zu befolgen</i>. Auch war schon genug Frucht 
geschafft, wenn nur dem Mi&szlig;brauch, darein man sonst dies Beispiel 
h&auml;tte ziehen k&ouml;nnen Einhalt getan ward. Petrus hat lange hernach 
Paulo ein stattliches Zeugnis gegeben <i>(2.Petr. 
3, 15).</i> Da&szlig; aus diesem Vorgang aber kein nachteiliger Schlu&szlig; 
zu ziehen sei gegen den guten Grund, womit wir der Apostel Wort als GOttes 
Wort annehmen, sieht man daraus, da&szlig; es auch hier nicht Petro an 
Einsicht der Wahrheit gefehlt, sondern er bei der Anwendung der erkannten 
Wahrheit meinte, er h&auml;tte mehr Ursache, auf die Gl&auml;ubigen aus 
der Beschneidung zu sehen. O GOtt! Wenn ich irgend fehle, gib mir einen 
freim&uuml;tigen Paulus zum Warnen, und mache mich auf der Stelle oder 
nachgehends so sanftm&uuml;tig zum Nachgeben, als Petrus! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Galater 2,17-21</font></b></h4> 
 
<p><b>Paulus dehnt die an Petrum gebrachte ernstliche Vorstellung 
nicht in die L&auml;nge aus, sondern bricht darin bald ab, f&uuml;hrt aber 
noch die Hauptwahrheit, um deren Beibehaltung es ihm zu tun war, umst&auml;ndlicher 
aus, und beschlie&szlig;t diesen ersten Teil seiner Epistel mit einer sehr 
lieblichen Darlegung von dem evangelischen Glaubensgrund, auf welchem er 
stehe, und bei welchem er auch unverr&uuml;ckt zu bleiben gedenke.</b> 
 
<p>Man kann diese und die n&auml;chst vorhergehenden Worte 
entweder noch zu der Vorstellung rechnen, die Paulus dem Petrus getan, 
oder sie als eine Anwendung ansehen, womit er die Wahrheit in das Allgemeine 
f&uuml;hren will. Dem Juden will er nichts von seinem Vorzug benehmen; 
wie wir auch jetzt Einem sagen k&ouml;nnen: Was du von Natur bist und aufbringen 
kannst, deine gute Erziehung, feine Erkenntnis, Gesetzes Werk unterscheiden 
dich von Anderen; man hei&szlig;t dich das nicht geradehin wegwerfen, was 
du von dieser Art von Gerechtigkeit, an gutem Namen, stillen Tagen, Bewahrung 
deiner Gesundheit genie&szlig;est u. dgl., das sei dir geg&ouml;nnt. Aber 
in der Gerichtsstube, wo GOtt und das Gewissen &uuml;ber der Vergebung 
der S&uuml;nden miteinander zu tun haben, da soll das nicht hinein. Da&szlig; 
uns GOtt gerecht macht, die S&uuml;nde vergibt, Zugang zu seiner Gnade, 
Hoffnung der zuk&uuml;nftigen Herrlichkeit schenkt, das werden wir nimmer 
durch irgend ein Werk des Gesetzes zuwege bringen, das lernen wir allein 
aus GOttes Wort und Verhei&szlig;ung, und dadurch werden wir allein an 
JEsum Christum angeheftet. Selbst aus Moses und dem Zeugnis aller Propheten 
hat man es wissen k&ouml;nnen, da&szlig; die Gerechtigkeit nicht aus den 
Werken, sondern durch den verhei&szlig;enen Erl&ouml;ser komme. Nun da 
dessen Name durch das Evangelium gepredigt wird, so halten wir desto mehr 
dar&uuml;ber, und suchen unsere Gerechtigkeit in ihm allein. In GOttes 
Gericht unter dem Schrecken seines Zorns, gegen Drohen und Fluchen des 
Gesetzes gibt es keinen anderen Trost. So bald man aber Glauben nur als 
eine Erkenntnissache behandelt, zu welcher man etwa durch Nachdenken und 
&Uuml;berzeugung kommt, aber die Not der S&uuml;nde im Gewissen &uuml;berh&uuml;pft, 
den Hunger und den Durst nach der Gerechtigkeit wegl&auml;&szlig;t, so 
wird uns dar&uuml;ber der Glaube selbst gering. GOtt hat alles beschlossen 
unter die S&uuml;nde; da kann Keiner durchbrechen. Mit den im Gesetz GOttes 
gebotenen Werken der Liebe von ganzem Herzen zc. kann Keiner aufkommen 
vor der Schwachheit des Fleisches, und was man bei diesem Mangel von selbsterw&auml;hlten 
Werken hinflicken will, das taugt ja gar nichts. Es kann hier nicht anders 
geholfen werden als durch den Glauben an JEsum Christum. Das ist die enge 
Pforte, durch die der Mensch durchdringen mu&szlig;; vor welcher er von 
allem eigenen Ruhm ganz ausgezogen wird.  Aber mit der angenommenen Formel 
von der Rechtfertigung durch den Glauben gro&szlig;tun wollen, kommt sehr 
unverst&auml;ndig und unerfahren heraus. Das ist nach der Natur das gr&ouml;&szlig;te 
Kreuz des Menschen, wenn er von allen Entschuldigungen, eingebildetem Ruhm, 
Glei&szlig;en von Au&szlig;en abstehen mu&szlig;. Da kriecht der Glaube 
zum Kreuz herzu. Wenn ich mir aber das wieder wollte streitig machen lassen, 
da&szlig; ich mit Zur&uuml;cklassung aller Werke durch Christum allein 
gerecht werden soll; wenn ich an dem verzagen wollte, wie wenn ich mich 
durch solches Zur&uuml;cksetzen der Werke vers&uuml;ndigt h&auml;tte; wenn 
ich wieder auf die Werke zur&uuml;ckfiele, wie es bei Petri Art herausgekommen 
ist, so machte ich Christum zum S&uuml;ndendiener. Petrus hat mit den Heiden 
gegessen und dazu aus dem Evangelio Freiheit gehabt, hat also aus dem Enthalten 
von gewissen Speisen und Umgang keine Gerechtigkeit gesucht, vielmehr die 
Herzensreinigung durch den Glauben aller Gesetzesreinigkeit vorgezogen. 
Wenn er aber durch sein nachmaliges Entziehen davon zu vermuten gab, da&szlig; 
er sich diese gebrauchte Freiheit zur S&uuml;nde rechnete, so h&auml;tte 
er zu dem leidigen Schlu&szlig; Anla&szlig; gegeben, als w&auml;re Christus 
ein S&uuml;ndendiener, und verschaffte Freiheiten, die man hintennach nimmer 
als rechtm&auml;&szlig;ig behaupten k&ouml;nne, sondern sich vom Gesetz 
als s&uuml;ndlich m&uuml;&szlig;te verdammen lassen. Das sei ferne! Paulus 
aber hat deswegen dem Petro alle diese mi&szlig;lichen Folgen nicht aufgeb&uuml;rdet. 
Durch den Glauben an die Gnade Christi war die Verbindlichkeit zur j&uuml;dischen 
Lebensart abgebrochen; durch das Entziehen vom Umgang mit den Gl&auml;ubigen 
aus dem Heidentum ward sie wieder aufgerichtet. Das kommt ja heraus, als 
ob das vorige Abbrechen unrecht gewesen w&auml;re. Nun sagt er vollends 
seinen ganzen Grund. Ich bin dem Gesetz nicht als ein Schelm entlaufen. 
Es hat einen Tod gekostet; ich habe es vorher auch mit dem Gesetz versucht, 
und wohl erfahren, wie weit man kommt, oder was dem Gesetz unm&ouml;glich 
ist. Nun aber bin ich rechtm&auml;&szlig;ig, wie bei einer durch den Tod 
getrennten Ehe, vom Gesetz los. Es verlangt mich nicht dies Band wieder 
zu kn&uuml;pfen. Als ein aus dem Wort der Gnade gezeugtes Kind lebe ich 
nun GOtt, und begehre meinem Vater zu gefallen. Unter allen Gesetzeswerken 
kann man sich und das Seine suchen. Beim Gnadenleben hei&szlig;t es allein 
GOtt gelebt. Was da&szlig; Gesetz an mir sucht, das weise ich an das Kreuz 
Christi, und meine daran habende Gemeinschaft. Ich habe dem Gesetz nichts 
abzustreiten. GOtt hat es selbst damit auf das H&ouml;chste geheiligt, 
da&szlig; er die S&uuml;nde am Fleisch seines Sohnes verdammt hat. Davon 
hat das Gesetz mehr Ehre, als ich ihm durch alle meine Bem&uuml;hung geben 
k&ouml;nnte. Damit wird auch meine Freiheit nie ein Deckel der Bosheit. 
Aus der Gemeinschaft des Kreuzes Christi allein k&ouml;nnte man sich mein 
Christentum zu k&uuml;mmerlich vorstellen; aber es ist auch eine Gemeinschaft 
mit seinem Leben. Und mein Leben im Fleisch, mein Bleiben auf diesem Kampfplatz 
der S&uuml;nde und der Gnade ist mir zu einer Probe gegeben, wie der Sohn 
GOttes selbst einmal im Fleisch einen Gang durch die Welt getan, und sich 
an seinen himmlischen Vater gehalten hat. Wo man der Gnade etwas an die 
Seite setzt, wird sie geschw&auml;cht, und das Gewissen vom Gr&uuml;nden 
auf dieselbe abgetrieben. Es ist ja doch leichter, alles Gesch&auml;ft 
seiner H&auml;nde f&uuml;r vergeblich zu erkl&auml;ren, als da&szlig; Christus 
vergeblich sollte gestorben sein. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Galater 3,1-5</font></b></h4> 
 
<p><b>Hier f&auml;ngt der Hauptbeweis an, in welchem Paulus 
dem Gesetz die Kraft, gerecht und selig zu machen, v&ouml;llig abspricht; 
hingegen das Evangelium und den Glauben daran als den einigen Weg in das 
Leben preist, und dabei sich zuv&ouml;rderst auf der Galater eigene Erfahrung 
beruft.</b> 
 
<p>Die S&uuml;&szlig;igkeit seiner erst bezeugten Ruhe, die 
er unter dem Kreuz JEsu finde, gibt ihm so eine scharfe Ansprache in den 
Mund, dergleichen auch der auferstandene JEsus gef&uuml;hrt (<i>Luk. 
24, 25</i>). O Liebhabers = Schl&auml;ge die es gut meinen! (<i>Spr&uuml;che 
27, 6</i>) Da&szlig; er sie mit ihrem Landesnamen Galater hei&szlig;t, 
klingt in allerwege etwas fremd; doch ist nicht zu vermuten, da&szlig; 
er ihnen darunter einen Nationalfehler h&auml;tte vorr&uuml;cken wollen. 
 Was in der Welt f&uuml;r gro&szlig;e Weisheit gepriesen wird, hei&szlig;t 
im Reich GOttes eine Unbesonnenheit <i>(1.Kor. 
1, 20).</i> Bei der schnellen Abwendung (<i>Kap. 
1, 6)</i> ist es nicht nat&uuml;rlich zugegangen; es sind Kr&auml;fte 
und Wirkungen vom F&uuml;rsten der Welt mit untergelaufen (<i>2.Kor. 
4, 4 und 11, 3:</i> Dort hei&szlig;t 
es ein Verblenden der Sinne). Das ist der Lohn f&uuml;r das, wenn man seine 
Ohren zu so viel entbehrlichem Zeug herleiht. O GOtt, bewahre mich, da&szlig; 
mir Manches nicht zu Gesicht kommt, das zu solcher Bezauberung ausschlagen 
k&ouml;nnte!  Das Gesicht h&auml;lt man sonst f&uuml;r den lebhaftesten 
Sinn, und was uns durchs Gesicht eingedr&uuml;ckt wird, bleibt am festesten, 
ist auch am sichersten zu pr&uuml;fen. Darum beschreibt nun der Apostel 
die kr&auml;ftige Wirkung seiner Predigt von Christo nach seiner Person 
und Mittleramt unter ihnen als ein vor die Augen Malen. Weil es durch die 
Predigt geschah, so ging es eigentlich durch das Geh&ouml;r, aber mit der 
lebhaftesten Wirkung einer Darstellung, als durch das Gesicht. Die Frucht 
und Kraft des Kreuzes und Todes JEsu, auch unsere Gemeinschaft daran, und 
unsere daher stammende Rechtfertigung von der S&uuml;nde wird dem Glauben 
als immer frisch und neu vorgehalten, wie der Mittler zwischen GOtt und 
Menschen selbst, das Lamm im Thron, als jetzt geschlachtet, bleibt.  An 
den Sinn, als ob Christus durch der Galater R&uuml;ckfall unter ihnen wie 
gekreuzigt worden w&auml;re, ist nicht wohl zu gedenken. Ein Anderes war 
ein R&uuml;ckfall in das Judentum, wodurch Jemand die Kreuzigung Christi 
als ein Gericht, das er sich selbst zugezogen, gut hie&szlig; und billigte, 
eben damit also sich den Sohn GOttes noch einmal kreuzigte <i>(Hebr. 
6, 6)</i>. Von der Art war der Galater R&uuml;ckfall nicht. Sie meinten 
durch Andere nur weiter gebracht zu sein, als durch Pauli Lehre; deswegen 
sagt er: ich will von euch lernen. Zun&auml;chst war die Frage von der 
Rechtfertigung; aber an dieser h&auml;ngt das Siegel des Geistes. Der Apostel 
fragt also nach dem, was deutlicher unter die Pr&uuml;fung konnte genommen 
werden. S&uuml;nde und Gerechtigkeit, der S&uuml;nde Erkenntnis aus dem 
Gesetz mit einem bis in den Tod dr&uuml;ckenden Zorn GOttes und die Gabe 
des Geistes mit der durch den Geist im Herzen ausgegossenen Liebe GOttes, 
machen einen vollkommenen Gegensatz aus. Die Gerechtigkeit ist aus dem 
Glauben, an der Gerechtigkeit h&auml;ngt die Kindschaft GOttes, deren Siegel 
der Geist der Kindschaft ist, mit seinem Trieb zum kindlichen Beten und 
gottseligen Leben. Die Fragen dienten gar eigentlich dazu, die Bezauberung 
zu zerstreuen. Mit der im Evangelio angewiesenen Art, selig zu werden, 
wie der Geist zum Glauben bringt, wie der Glaube durch den Geist versiegelt 
wird, und vom Geist her im Menschen Alles ein neues Wesen, eine Willigkeit, 
ein Leben, eine Kraft und Nachdruck hat, hatten sie 
angefangen; nun wollten sie mit der Art, die Seligkeit durch Werke des 
Gesetzes zu erlangen, wobei man sich des Fleisches 
r&uuml;hmen kann, und diejenigen, welche einen dazu gebracht, einen fleischlichen 
Ruhm treiben, da&szlig; man ihre Partei verst&auml;rkt habe, 
weiter kommen. Das war ja unverst&auml;ndig. Bei dem Weg, wie man zum Glauben 
gebracht wird, gibt es zwar nicht gerade Viel f&uuml;r den Menschen zu 
tun, aber doch Manches zu leiden, manche geistliche Geburtsschmerzen durchzumachen. 
Die evangelische Predigt: Nun kreuch zum Kreuz herzu; so sanft sie klingt, 
so kostet es doch den Menschen etwas, sich dem Glauben zu unterwerfen. 
Doch dringt oft die erste Freude und Liebe zur Wahrheit durch; aber unter 
der folgenden L&auml;uterung kann es erst noch Anstand finden. Der Apostel 
vers&auml;umt auch nicht, sie auf Das zu f&uuml;hren, da&szlig; es jedoch 
eine Weile Bestand bei ihnen gehabt, und es nicht an manchen dargereichten 
Kr&auml;ften und Fr&uuml;chten des Geistes gefehlt habe. Ihr liefet fein 
<i>(Kap. 
5, 7).</i> Wer reicht euch dies dar?  In Absicht auf die noch fortw&auml;hrende 
Gefahr, bezaubert und vom Aufsehen auf Christum verr&uuml;ckt zu werden, 
schreibt der selige Luther: "Ich kann noch heutiges Tages den Satan nicht 
so von mir wegweisen und abtreiben, wie ich gern wollte; kann auch Christum 
nicht so ergreifen und fassen, wie mir ihn die Schrift vorstellt; sondern 
der Teufel hat immerdar die Sucht, da&szlig; er mir einen Christum einbilden 
will. Doch sollen wir unserem lieben HErrn GOtt danken, der uns bisher 
in seinem Heiligen Wort, Glauben und Gebet erh&auml;lt, da&szlig; wir wissen, 
wie wir in der Demut und Furcht vor Ihm wandeln sollen, und auf unsere 
eigene Weisheit, Gerechtigkeit, Kunst und St&auml;rke uns gar nicht verlassen, 
sondern uns allein der St&auml;rke und Kraft Christi tr&ouml;sten, welche 
allewege gewaltig und stark genug ist, ob wir gleich matt und schwach sind, 
und durch seine Gewalt und St&auml;rke in uns armen und schwachen Kreaturen 
doch immerdar siegt, welchem sei Lob und Ehre gesagt in Ewigkeit!" Amen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Galater 3,6-14</font></b></h4> 
 
<p><b>Weiterer Beweis, da&szlig; wir nicht durch die Werke, 
sondern durch den Glauben gerecht werden, aus dem Exempel Abrahams, und 
aus Gegeneinanderhaltung des Gesetzes und des Evangelii und ihrer beiderseitigen 
unleugbaren Wirkungen.</b> 
 
<p>Was bei euch durch das Evangelium oder die Predigt vom 
Glauben geschehen ist, das geschah bei Abraham eben so durch das Wort der 
Verhei&szlig;ung. Abraham aber ist ja nicht nur der Stammvater der Juden, 
auf den sich GOtt immer gegen sie bezogen hat, als auf den, mit dem Er 
seinen Bund aufgerichtet habe, sondern auch der Vater aller Gl&auml;ubigen, 
durch dessen Samen der Segen &uuml;ber alle Geschlechter der Erden kommen 
w&uuml;rde. Daher freilich Abrahams Rechtfertigung ein Bild aller wahren 
Rechtfertigung ist. An Abraham ist der Weg zur Seligkeit f&uuml;r alle 
Nachkommen geoffenbart worden. Wodurch Abraham gerechtfertigt worden ist, 
das ist dasjenige, wodurch auch andere gerechtfertigt werden. Unter der 
Verhei&szlig;ung der zahlreichen Nachkommenschaft, welche Abraham mit Glauben 
fa&szlig;te, war ja auch die Verhei&szlig;ung von dem Samen, durch den 
der Segen k&auml;me; der eine solche zahlreiche Nachkommenschaft erst erw&uuml;nscht 
machte.  Das Zurechnen zur Gerechtigkeit beruht allermeist auf GOttes 
Wohlgefallen am Glauben, und auf der Erf&uuml;llung seiner Verhei&szlig;ungen, 
denen der Glaube traut. Zwar gibt auch der Glaube GOtt die Ehre, und ist 
in diesem Betracht gr&ouml;&szlig;er, als sonst irgend ein Werk. Aber auch 
der Glaube kann GOtt nicht immer so willig, so v&ouml;llig, mit Besiegung 
aller aus der Vernunft aufsteigenden Zweifel die Ehre geben, wie er sollte. 
Darum tut doch GOttes gn&auml;diges Zurechnen das Beste, nach welchem Wohlgefallen 
seines Willens er auch ein schwaches Glaubens = F&uuml;nklein zur Gerechtigkeit 
rechnet; und daher kann ich versichert sein, da&szlig;, ob ich auch an 
Seinem gn&auml;digen Willen, welchen Er gegen mich hat, bisweilen etwas 
zweifle, Ihm mi&szlig;traue, im Geist traurig und schwerm&uuml;tig werde, 
ich doch mit dem breiten Himmel Seiner Verhei&szlig;ungen, und besonders 
Seiner Vergebungsgnade umgeben und bedeckt bin, und mir auch darin Sein 
gn&auml;diges Zurechnen zu Statten kommt. Glauben und Vernunft &uuml;berwerfen 
sich oft lange miteinander im Herzen, wie zu Abrahams Glauben ein Sieg 
&uuml;ber das n&auml;chste Ansehen nach der Vernunft n&ouml;tig war. Doch 
wenn nun der Glaube siegt, und diese Feindin GOttes, die GOtt nicht trauen 
will, so weit unterwirft, da&szlig; sie nicht &uuml;ber GOttes Wort Richterin 
zu sein sich unterstehen darf!  Die Schlu&szlig;arten unseres lieben Heilandes 
selbst, und so hier auch des Apostels, lehren uns, da&szlig; man beim Lesen 
der Schrift nicht nur auf Das achten m&uuml;sse, was mit ausgedr&uuml;ckten 
Worten dasteht; sondern auch auf Das, was dem Sinn und Geist und deutlichen 
Folgen nach darin liegt. Den Saduz&auml;ern wird es, <i>Matth. 
22, 29</i> als ein Nichtwissen der Schrift angerechnet, da&szlig; sie 
die deutliche Folge auf die Auferstehung nicht eingesehen haben. Die des 
Glaubens sind, und durch Glauben zu GOtt kommen, und GOtt wohlgefallen, 
sind Abrahams Kinder, und stehen also im Bund GOttes mit Abraham gemacht, 
und auf seinen Samen oder Kinder fortgeerbt. Wenn man also schon die Beschneidung 
nicht hat, wenn man nur Abrahams Glauben hat, so ist einem die W&uuml;rde, 
sein Kind und Miterbe seiner Verhei&szlig;ung zu sein, nicht abgesagt. 
Die Fu&szlig;stapfen des Glaubens und der Wandel darin machen es aus <i>(R&ouml;m. 
4, 12).</i> Die Schrift, und der darin redet, GOtt, dem alle Seine Werke 
von der Welt her bewu&szlig;t sind, hat es schon vor dem Gesicht gehabt, 
wie er die Heiden zur Gerechtigkeit bringen wolle. O Mensch, sei versichert, 
auch alle deine Anfechtungen und Bed&uuml;rfnisse hat Er vorausgesehen. 
Gehe nur mit der Zuversicht an die Schrift, GOttes Tr&ouml;stungen darin 
zu suchen. Das Evangelium ist keine so neue Lehre; dem Grund nach ist sie 
dem Abraham schon verk&uuml;ndigt worden: In dir, weil aus dir Der kommt, 
in welchem der Segen &uuml;ber Alle kommt, werden alle Geschlechte gesegnet, 
vom Fluch, vom Zorn erl&ouml;st, am Herzen gereinigt, zur Gemeinschaft 
GOttes und Erbschaft seines Reichs t&uuml;chtig gemacht. 
 
<p>O wer liest das Alte Testament genug mit dem Sinn, um 
&uuml;berall Christum so darin zu finden?  Nicht um Abrahams willen, aber 
mit dem gl&auml;ubigen Abraham, werden als Miterben seiner Verhei&szlig;ung 
Alle gesegnet, die nach ihrem ganzen Sinn und Vertrauen im Glauben stehen. 
Der Apostel f&uuml;hrt es wieder auf den entscheidenden Hauptpunkt: Wie 
man dem Fluch und dem auf uns gelegten zuk&uuml;nftigen Zorn und dessen 
Offenbarung entrinnen wolle? Von wem man sich darin den Weg wolle zeigen 
lassen? Wer da mit gest&uuml;ckelten Werken des Gesetzes umgehe, und damit 
ausreichen wolle, der werde vom Gesetz gefangen gehalten. Denn den best&auml;ndigen 
und vollkommenen, vom Gesetz erforderten Gehorsam bringe Keiner auf; mithin 
treffe ihn der Fluch. Eben deswegen hat ja die Schrift einen anderen richtigen 
Weg angewiesen. Wer die Sache immer als vor GOtt und in Seiner Gerichtsstube 
behandelt, dem kann es bald offenbar und au&szlig;er Streit gesetzt sein. 
Lie&szlig;e sich aber nicht Beides, das Gesetz und der Glaube vereinigen, 
da&szlig; man halb aus dem Glauben und halb aus dem Gesetz selig w&uuml;rde? 
O nein; das Gesetz treibt auf das Tun; der Glaube h&auml;ngt an der Verhei&szlig;ung. 
Zwischen Beiden l&auml;&szlig;t sich das Herz nicht teilen. Christus aber, 
der ja nicht vergeblich gestorben <i>(Kap. 
2, 21)</i>, nicht vergeblich f&uuml;r uns zur S&uuml;nde gemacht sein 
kann, hat uns von Allem, was wir uns durch unseren Ungehorsam zugezogen 
haben, von Allem, wovon wir durch das Gesetz nicht frei werden konnten, 
erl&ouml;st. Er war unschuldig, wu&szlig;te von keiner S&uuml;nde; wir 
waren unter dem Fluch, Er ist an unsere Stelle getreten; durch Ihn gehen 
wir nun frei aus. Himmel und Erde sollen wir nicht f&uuml;r dies Wort nehmen: 
Christus war ein Fluch f&uuml;r uns durch das gesamte Tragen unserer S&uuml;nden, 
beim Gehorsam und Leiden, allermeist aber am Kreuz, und im Tod am Kreuz. 
Wer in diesem Evangelio lebt, der preise Den, der ihn zu diesem wunderbaren 
Licht berufen hat. O mein Erl&ouml;ser! Der Segen sei &uuml;ber mir um 
Deinetwillen! Amen 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Galater 3,15-22</font></b></h4> 
 
<p><b>Die zwischen dem Gesetz und Evangelio angestellte Vergleichung 
veranla&szlig;t den Apostel noch weiter darzutun, wie das Gesetz die Verhei&szlig;ung 
und das Evangelium nicht aufhebe; das Evangelium aber dem Gesetz auch sein 
Amt und Gesch&auml;ft an der Menschen Gewissen lasse.</b> 
 
<p>Mit dieser Ansprache lindert der Apostel merklich die 
Anfangs,<i> V. 1</i> gebrauchte Sch&auml;rfe. 
<i>Nichts 
braucht ein so bedachtes Verfahren, eine so weise Mischung von Sch&auml;rfe 
und Lindigkeit, als der R&uuml;ckfall unter das Gesetz und die damit verbundene 
Blindheit am Evangelio; denn die Bezauberung vom F&uuml;rsten der Welt, 
die darunter liegt, und der davon zu besorgende Schaden, erfordern Sch&auml;rfe; 
der im Gewissen noch rege Hunger und Durst nach Gerechtigkeit und die Liebe 
zur Wahrheit will mit m&ouml;glichster Lindigkeit angefa&szlig;t sein</i>. 
 Im gesamten Wort GOttes ist viel Herunterlassung zu unserer Schwachheit, 
oder viel nach menschlicher Weise zu unserer Fassungskraft Vorgetragenes. 
GOtt hat wirklich auch die Einrichtung so gemacht, da&szlig; zwischen dem 
Sichtbaren und dem Unsichtbaren, zwischen den Anstalten im Reich der Natur 
und im Reich der Gnade viel &Auml;hnliches ist, und wir also durch die 
 aus unserer Erfahrung im menschlichen Leben genommenen Bilder auch einen 
wahren Begriff von GOttes Gnaden = Anstalten bekommen. Die Menschwerdung 
des Sohnes GOttes hat in die ganze Haushaltung GOttes vorw&auml;rts und 
r&uuml;ckw&auml;rts einen solchen Einflu&szlig;, da&szlig; GOtt &uuml;berall 
mit uns handelt nach der Weise eines Menschen. Diese Herunterlassung GOttes 
sollen wir nicht aus Weltweisheit versehren, und das, was uns GOtt darunter 
nahebringen will, uns nicht selbst wieder weit vom Herzen wegvern&uuml;nfteln. 
Verachten, entkr&auml;ften, schm&auml;lern, geschieht bei einem Testament 
durch Davontun. Dazutun aber hie&szlig;e, wenn man das, was im Testament 
frei geschenkt ist, erst hintennach mit einer beschwerlichen Bedingung 
belegte. In g&ouml;ttlichen Dingen ist das menschliche Hinzutun oft scheinbar, 
aber doch sehr mi&szlig;lich, und verursacht oft, da&szlig; man gar nichts 
mehr lauter hat. Die zu unserer Aufrichtung aus unserem kl&auml;glichen 
Fall bereitete Hilfe hat GOtt anf&auml;nglich durch Verhei&szlig;ung angebracht, 
oder in ein Verhei&szlig;ungswort gefa&szlig;t, daraus der erschrockene 
S&uuml;nder unter der Macht der S&uuml;nde und des Todes wieder Zuversicht 
zu GOtt gewinnen k&ouml;nnte. Diese Verhei&szlig;ung ist von Adam bis auf 
Abraham &ouml;fters wiederholt, erneuert und best&auml;tigt worden; bei 
Abraham aber kam es zu einem f&ouml;rmlichen Bund und Testament.  Samen 
begreift &uuml;berhaupt Nachkommenschaft, und also freilich Viele. Aber 
unter dieser Nachkommenschaft befand sich doch Einer, auf den alles Warten 
des Glaubens gerichtet war, und durch den auch alle Verhei&szlig;ung erst 
in Erf&uuml;llung ging. Wie Christus bei seinem wirklichen Kommen und Dasein 
in der Welt sich unter die Menschen, zum Wohnen unter uns hingegeben hat, 
und erst herausgesucht und erkannt werden mu&szlig;te aus seinen  ihm 
allein zukommenden Worten und Werken; so ist er noch mehr auch in der Verhei&szlig;ung 
unter dem Samen, oder unter der gesamten Nachkommenschaft Abrahams wie 
versteckt gewesen, da&szlig; man ihn erst, da die Zeit erf&uuml;llt war, 
deutlich unterscheiden und sagen konnte: Das ist Christus, das ist der 
Heiligende und Segnende, der aber mit denen, die geheiligt und gesegnet 
werden, von Einem herkommt; darum sch&auml;mt Er sich auch nicht, sie Br&uuml;der 
zu hei&szlig;en, und es war Ihm nicht ungeziemend, da&szlig; unter dem 
einen Samen Alles begriffen war.  Diesem  auf Christum best&auml;tigten 
Testament wird weder durch Davon =, noch Dazutun etwas von seinem ersten 
Sinn und G&uuml;ltigkeit benommen. Wenn man das Gesetz auch nur als einen 
Anhang und Zusatz zum Testament GOttes ansehen wollte, so w&uuml;rde dadurch 
die Verhei&szlig;ung aufgehoben, und das durch Verhei&szlig;ung anf&auml;nglich 
frei geschenkte Erbe w&uuml;rde mit einer so beschwerlichen Bedingung belegt, 
da&szlig; die Verhei&szlig;ung dadurch viel von ihrer Kraft verl&ouml;re. 
Verhei&szlig;ung und Gesetz, Gnade und Verdienst lassen sich in kein solch 
Gemenge bringen. Eins hebt das Andere auf <i>(R&ouml;m. 
11, 6)</i>. 
 
<p><i>So lange freilich das 
menschliche Herz in Falschheit seine Liebe noch zwischen Licht und Finsternis 
teilt, so w&auml;re ihm nichts anst&auml;ndiger, als wenn es so zwischen 
der Verhei&szlig;ung und dem Empfangen aus freiem Geschenk, und zwischen 
dem Gesetz und Empfangen aus Verdienst herum = und hineinspringen k&ouml;nnte; 
d. i. sich, so weit es reichen mag, des Gesetzes und Verdienstes r&uuml;hmen 
k&ouml;nnte; wo aber das nimmer zureichte, aus der Verhei&szlig;ung die 
Gnade und das Verdienst Christi vorsch&uuml;tzte. Da d&uuml;rfte man hernach 
freilich nirgends tief graben; am Gesetz nur ein wenig anbei&szlig;en, 
und &uuml;ber dem Ergreifen der Gnade auch nicht sonderlich gedem&uuml;tigt 
werden</i>. 
 
<p>Aber mit einem solchen geteilten Herzen hat man weder 
Zugang zur Gnade, noch Eingang in das ewige Erbe. Wenn es aber das ist, 
warum hat es denn GOtt nicht bei der Verhei&szlig;ung allein gelassen? 
Warum hat Er Abrahams Nachkommen nicht an dem einzigen Seil der Verhei&szlig;ung 
fortgeleitet? Warum ist vierhundert und dreissig Jahre hernach das Gesetz 
dazu gekommen? Was soll das? Anf&auml;nglich hat das Gericht des Todes 
die S&uuml;nde empfindlich gemacht. Da die Menschen nun dessen zu gewohnt 
waren, so kam das Gesetz und damit die genauere Zurechnung der S&uuml;nde, 
der sch&auml;rfer angedrohte Fluch, der strenger erforderte Gehorsam; bis 
der Same k&auml;me, dem unter dem Gesetz desto mehr Seufzer geschickt wurden, 
da&szlig; Er k&auml;me. Christus war verhei&szlig;en; Christo ist aber 
auch im Testament GOttes die Erbschaft &uuml;ber Alles verhei&szlig;en. 
Mithin kann man sagen: der Same, dem die Verhei&szlig;ung geschehen, ist 
vorz&uuml;glich Christus, auf den das Testament GOttes gestellt ist, welcher 
der darin eingesetzte Universal = Erbe ist, und Macht hat, das Erbe unter 
seinen Miterben auszuteilen. Man kann aber auch unter dem Samen, die Gl&auml;ubigen 
verstehen, die sich an Ihn halten, und die unter dem Gesetz so m&uuml;rbe, 
und &uuml;ber der  durch das Gesetz kommenden Erkenntnis der S&uuml;nde 
so in die Enge getrieben worden sind, da&szlig; nun an ihnen die Erf&uuml;llung 
der Verhei&szlig;ung wohl angelegt ist. Bei dieser Gebung des Gesetzes 
brauchte GOtt seiner Seits den Dienst der Engel, und das Volk bat, da&szlig; 
Moses sich zwischen GOtt und ihm stellen, und also einen Mittler abgeben 
m&ouml;chte <i>(5.Mo 5, 2427)</i>. Wie 
fremd kommt das heraus gegen die vormaligen Erscheinungen GOttes, bei denen 
die Verhei&szlig;ungen gegeben wurden! GOtt aber ist einig, und handelt 
aus einerlei Sinn und Vorsatz, hat mithin nicht um Sein selbst willen oder 
aus einer in seinem Testament vorhabenden &Auml;nderung, diese fremde Art 
durch Engel und Mittelspersonen zu handeln, eingef&uuml;hrt; sondern das 
dazwischen gekommene Gesetz hat auf eine Zeitlang diese Einrichtung erfordert. 
Wieso? Ist das Gesetz wider GOttes Verhei&szlig;ungen? Wenn das Gesetz 
die Menschen von ihrem Bundesgott zur&uuml;ckschl&auml;gt, ein Fremdtun, 
Sch&uuml;chternsein einf&uuml;hrt, auf GOttes Seiten die Erf&uuml;llung 
Seiner Verhei&szlig;ungen aufh&auml;lt; auf der Menschen Seiten das Ergreifen 
derselben schwerer macht, so w&auml;re ja das Gesetz wider GOttes Verhei&szlig;ungen. 
So ist es aber nicht. Von einer Seite her lassen sich freilich Gesetz und 
Verhei&szlig;ung nicht zusammenstimmen, n&auml;mlich lebendig machen, dem 
falschen Wahn aufhelfen, als ob noch so viel freier Wille und gute Neigung 
in uns w&auml;re, da&szlig; wir dem Gesetz geh&ouml;rigen Gehorsam leisten, 
und daraus die Gerechtigkeit ganz oder zum Teil haben k&ouml;nnten; da 
lassen sich Gesetz und Verhei&szlig;ung durchaus nicht vereinigen, das 
ist wahr. Aber aus einem anderen Gesichtspunkt zeigt sich das doch deutlich, 
da&szlig; das Gesetz nicht wider GOttes Verhei&szlig;ungen sei. Die im 
Gesetz &ouml;ffentlich und schriftlich dargelegte Urkunde GOttes hat uns 
und all unser Tun und Lassen so ergriffen und beschlossen unter die S&uuml;nde, 
das kein Ableugnen, Verkleinern, Selbstrechtfertigen mehr etwas vermag, 
sondern da&szlig; wir uns unter den  auf jede &Uuml;bertretung gelegten 
Fluch schuldig gefangen geben m&uuml;ssen; durch diese Gefangenschaft unter 
dem Gesetz aber zum Glauben an die Verhei&szlig;ung, oder nachmals zum 
Hinkriechen zu dem  im Evangelio gepredigten Kreuz Christi, so geschmeidig 
und willig werden, als zur Ergreifung des einzigen uns &uuml;brig gelassenen 
Ausgangs. Das Gesetz also kann und will durch sein Beschlie&szlig;en unter 
die S&uuml;nde mir den Zugang zur Gnade so gar nicht verschlie&szlig;en, 
da&szlig; es mich vielmehr in eine Enge treibt, in welcher ich den einzigen 
Ausweg eher treffe, und ergreife. Betr&uuml;gliche Schlupfwinkel der S&uuml;ndenh&ouml;hle 
verschlie&szlig;t es; aber das rechtm&auml;&szlig;ige Fliehen zu den Wunden, 
die mich ausges&ouml;hnt haben, bef&ouml;rdert es eher, als das es hindert. 
Kurz: die Verhei&szlig;ung spricht dem Menschen Alles zu; das Gesetz kommt 
dazwischen, und spricht dem Menschen Alles ab. Damit meint man, GOtt, der 
doch einig sei, sei wider sich selbst; man k&ouml;nne nicht daraus kommen; 
endlich aber kommt es heraus, da&szlig; das Gesetz selbst hat dazu helfen 
m&uuml;ssen, da&szlig; die Verhei&szlig;ung und der Glaube daran den Sieg 
beh&auml;lt. Christus ist des Gesetzes Ehre, Ende und Erf&uuml;llung. O 
GOtt! &Ouml;ffne uns die Augen, da&szlig; wir sehen die Wunder in dieser 
Deiner Einrichtung! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Galater 3,23-29</font></b></h4> 
 
<p><b>Weitere Ausf&uuml;hrung, was das Gesetz w&auml;hrend der 
Zeit, als es von der Verhei&szlig;ung zur Erf&uuml;llung ging, doch f&uuml;r 
gute Dienste getan habe, und wie der Menschen Herzen zum Glauben nun geneigter 
sein sollen, da ihnen ihr Unverm&ouml;gen unter dem Gesetz mehr offenbar 
geworden, und sie das Evangelium jetzt zur v&ouml;lligen Kindschaft und 
Erbschaft berufe. Im Obigen ist die Frage beantwortet: Was soll denn das 
Gesetz? Warum ist es dazugekommen? Wenn nun aber Jemanden weiter einfiele: 
ja warum ist es aber so viel hundert Jahre unter der Haushaltung des Gesetzes 
hingegangen? Warum wird noch jetzt manches Herz so lange und hart vom Gesetz 
umgetrieben? So bekommt man jetzt den Bescheid: GOtt hat auch unter dem 
Gesetz immer viel Gutes gewirkt, manches B&ouml;se ged&auml;mpft und zur&uuml;ckgehalten. 
Und so geht es noch. Wenn man nur verst&auml;ndig wird, wie Alles auf Christum 
gezielt habe, und noch jetzt auf den Anbruch des Tages in der Erkenntnis 
Christi vorschafft, so wird der Grimm und die Erbitterung &uuml;ber das 
Gesetz verh&uuml;tet, und doch auch vermieden, da&szlig; man sich nicht 
zur Verhinderung des Glaubens unter dem Gesetz aufh&auml;lt, oder gar mit 
dem Gesetz wider den Glauben wehrt.</b> 
 
<p>Wenn der Apostel sagt: ehe denn der Glaube kam, so versteht 
er darunter: ehe Christus, mit demselben aber die Erf&uuml;llung aller 
Verhei&szlig;ungen, und also besonders der Geist des Glaubens, die freie 
Predigt des Evangelii, als des Worts vom Glauben, das Leben des Herzens 
aus diesem Wort der Gnade, und mithin das Stehen im Glauben kam.  Verwahrt 
und verschlossen deutet auf der einen Seite eine enge &auml;ngstliche Fassung 
an, wobei &uuml;ber das Vergangene alle Entschuldigung abgeschnitten ist, 
und zu der gegenw&auml;rtigen Anforderung keine Freiheit Leben und Kraft 
dargereicht wird. Aber auf der anderen Seite ist es doch nicht zum Verderben, 
nicht zum Verschmachtenlassen unter der S&uuml;nde eingerichtet, sondern 
auf einen guten Ausgang, auf den Glauben, der da sollte offenbar werden. 
Beim Beschlossensein unter dem Gesetz meint man freilich oft, es sei ganz 
und gar aus, es werde immer &auml;rger, finsterer, man werde selbst zum 
Glauben unt&uuml;chtiger. Aber es ist doch auf Glauben, der da sollte offenbart 
werden, angesehen. Schon im Alten Testament haben redliche Herzen, denen 
es um Wahrheit und Gerechtigkeit zu tun war, das merken k&ouml;nnen, da&szlig; 
im Gesetz und unter vielen Anstalten desselben der Glaube doch eingewickelt 
sei, und da&szlig; sie also auf den Glauben verwahrt werden, der da sollte 
geoffenbart werden. Nun jetzt Christus Alles an das Licht gebracht hat, 
solle es uns noch leichter werden, GOttes Rat zu merken, da&szlig;, wenn 
wir unter das Gesetz, S&uuml;nde, Schrecken, Traurigkeit, Tod und H&ouml;lle 
geraten, wo wir unter dem Unglauben, wie unter Ketten und Banden beschlossen 
sind, GOtt doch aus dieser Finsternis das Licht, den Glauben, der soll 
geoffenbart werden, hervorrufen werde. <i>O 
wem ist nicht auch schon der Mangel des Glaubens, und also auch aller Liebe 
zu GOtt, ein Kerker, ja eine H&ouml;lle geworden? Was hat er doch darunter 
f&uuml;r eine ihm selbst verborgene Unterst&uuml;tzung von dem genossen: 
das ist Alles auf den Glauben eingerichtet, der da sollte offenbart werden</i>. 
 Gesetz und die Propheten haben geweissagt bis auf Johannem, der zuletzt 
auf Christum weisen und sagen konnte: Siehe das ist GOttes Lamm! O welch 
eine Reihe von Fingerzeigen auf dies einige k&ouml;stliche Augenmerk des 
Glaubens, Christum! Beim Gesetz kam noch Zuchtmeisters = Zucht dazu; die 
h&auml;lt den Knaben gleichwohl von manchem B&ouml;sen zur&uuml;ck, h&auml;lt 
ihn zu eingezogenem anst&auml;ndigem Wesen an. Aber wer unter des Gesetzes 
Zucht nicht zur Einsicht kommt, da&szlig; es auf Christum, dem uns zuzuf&uuml;hren, 
angesehen ist, der kann sich der Erbitterung wider das Gesetz nicht erwehren; 
der wird einem Knaben gleich, den man zwar hart h&auml;lt, der aber aus 
Unwillen und Verdru&szlig; es nur &auml;rger macht, wann er zukommen kann. 
<i>So 
ger&auml;t mancher durch das Dringen und Treiben des Gesetzes in Feindschaft 
wider alle Wahrheit und Gerechtigkeit</i>. Wer aber aus der Unterweisung 
GOttes lernt: es ist auf Christum und den Glauben an Ihn abgesehen, der 
geht unter des Gesetzes Zucht und Treiben in den rechten Hunger und Durst 
nach der Gerechtigkeit ein, bei dem ihm hernach auch alles Bittere s&uuml;&szlig; 
wird. Dabei mu&szlig; man zwar die betr&uuml;gliche Einbildung des Fleisches, 
durch Gesetzes Werk gerecht zu werden, aufgeben, und mit H&auml;nden greifen, 
da&szlig; es mehr Werke des zwingenden Treibens des Gesetzes sind, als 
eine vor GOtt taugliche Frucht des willigen Geistes. Aber deswegen darf 
man nicht auf die Verzweiflung geraten, als ob kein Ausgang, keine Hilfe 
aus der S&uuml;nde sei, sondern man erf&auml;hrt, wie man auf das geleitet 
wird, da&szlig; wir durch den Glauben gerecht w&uuml;rden. Nun Christus 
gekommen ist, so ist mit Ihm die erfundene ewige Erl&ouml;sung, die wiedergebrachte 
Gerechtigkeit, Alles, womit der Glaube umgeht, gekommen, und das Evangelium 
h&auml;lt den Glauben Jedermann vor. Aber nicht in eines Jeden unter dem 
Neuen Testament Lebenden Herz ist gleich auch der Glaube gekommen, und 
dieser Tag der Erkenntnis JEsu Christi angebrochen; deswegen wir auch diese 
Vorbereitungs = und Handleitungs = Anstalten auf den Glauben nicht so ausschlagen 
d&uuml;rfen.  Dem Zuchtmeister mu&szlig; man nicht entlaufen, sondern 
rechtm&auml;&szlig;ig entnommen, gutwillig von ihm entlassen werden, wenn 
man seinen uns geleisteten guten Dienst dankbarlich erkennt, und die gute 
Wirkung davon bei sich beh&auml;lt und t&auml;glich erneuert, eben damit 
aber den R&uuml;ckfall und die Heuchelei verh&uuml;tet.  Glaube an Christum 
und Taufe auf Christum setzt in eine solche Gemeinschaft mit Ihm, die &uuml;ber 
das Zuchtmeisters Gesch&auml;ft hinaus ist. Was GOtt bei der Taufe &uuml;ber 
uns bezeugt, und wie die Gnade des Neuen Testaments &uuml;ber einen Jeden 
in seiner eigenen Person best&auml;tigt worden ist, damit ist man in Christum, 
in seine Kindschaft vor GOtt, in sein Miterbschaftsrecht eingetreten. Hier, 
in dieser Sache, die unsere Gerechtigkeit, Kindschaft und Erbschaft anbetrifft, 
hat Keiner einen Vorzug vor dem Anderen, Keiner am Zugang zu dieser Gnade 
einen sch&auml;dlichen Nachteil. Das Weltregiment erh&auml;lt sich durch 
den Unterschied der St&auml;nde; Christi Reich erh&auml;lt sich durch die 
Einigkeit des Glaubens, der in der Liebe t&auml;tig ist. <i>Herrliche 
Beschreibung eines Christen: Christi sein, in Christo sein, Christi angeh&ouml;ren! 
Wie hat man so gar nicht Ursache zu w&uuml;nschen, da&szlig; man es nach 
Geburt und Stand in der Welt anders haben m&ouml;chte: was Christus mir 
gegeben, das ist der Liebe wert. Mein JEsus ist mein Ehre, mein Glanz und 
sch&ouml;nes Licht!</i> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Galater 4,1-7</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel zeigt, wie mit einer guten, und auf einige 
Zeit n&uuml;tzlichen Einrichtung doch eine rechtm&auml;&szlig;ige &Auml;nderung 
gemacht werden k&ouml;nne, wenn Zeit und Umst&auml;nde ein Anderes erfordern. 
So habe GOtt mit dem  inmittelst zu guten Absichten gebrauchten Gesetz 
doch eine rechtm&auml;&szlig;ige &Auml;nderung treffen k&ouml;nnen; und 
es ist um des vormaligen Dienstes willen, den das Gesetz getan hat, nicht 
gleichg&uuml;ltig, wenn man jetzt wieder unter das Gesetz kriechen wollte, 
sondern man mu&szlig; auf GOtt, und was der zu jeder Zeit tut, sehen.</b> 
 
<p>Wie der Apostel in seiner Rede und bei der Vorstellung 
der Wahrheit immer Abs&auml;tze macht, und einen neuen Anlauf nimmt, so 
geht es freilich auch bei einem Jeden mit dem Verstand und der fruchtbaren 
Anwendung dieser Wahrheiten nicht auf einmal. Man kommt dar&uuml;ber in 
das Gedr&auml;nge und mu&szlig; beten lernen. Erben waren die Gl&auml;ubigen 
des Alten Testaments aus der Verhei&szlig;ung von Abraham her; GOtt sch&auml;mte 
sich nicht zu hei&szlig;en ihr GOtt, weil er ihnen eine Statt zubereitet 
hatte, auf welche sie warteten. Aber das junge unm&uuml;ndige Alter, und 
die dabei unvermeidlichen Schwachheiten lassen es nicht zu, da&szlig; man 
gro&szlig;en Unterschied zwischen dem Erben und einem Knecht macht; sondern 
erfordert es, da&szlig; man ihm die G&uuml;ter und deren freien Gebrauch 
so wenig &uuml;berlassen kann, als dem Knecht, sondern n&ouml;tig hat, 
ihn durch solche Anstalten zum Verstand und Gehorsam zu bringen, die ihn 
einer Knechtschaft unterwerfen; Verhei&szlig;ung, Testament, der darin 
bezeugte Wille des Vaters machen ihn zum Herrn aller G&uuml;ter. Nur seine 
Schwachheit, die Kostbarkeit der G&uuml;ter und mithin sein eigenes Beste 
erfordern es, da&szlig; man eine Zwischenanstalt macht durch <i>Pfleger</i>, 
die den Erben und seine Auff&uuml;hrung in Obsicht haben, und durch Vorm&uuml;nder, 
die f&uuml;r die G&uuml;ter und ihre Bewahrung sorgen. Das sieht auf der 
einen Seite schwach und beschwerlich aus; auf der anderen aber hat es seinen 
Nutzen. So mu&szlig; man immer das Gesetz und alle Einrichtung desselben 
ansehen: durch uns freilich geschw&auml;cht, aber noch immer auf einige 
Zeit brauchbar und gr&ouml;&szlig;eren Schaden verh&uuml;tend. Und ist 
es der Sache selbst, und auch der bestimmten Zeit nach wohl eingerichtet. 
Es l&auml;&szlig;t sich nicht so ausrei&szlig;en, auch wenn man sich unter 
den Unglauben verschlossen f&uuml;hlt. Die Ungeduld tut es nicht, mit welcher 
einmal die Juden herausgefahren sind: Wie lange h&auml;ltst du unsere Seelen 
auf? Da ist es noch nicht Zeit, da&szlig; einem freie Kindschaft mit ihren 
G&uuml;tern kann geschenkt werden; sich GOttes Ordnung in Demut gefallen 
lassen, ist besser. Auch wir m&uuml;ssen einander zu erfahrungsm&auml;&szlig;iger 
Auseinandersetzung dieser Wege am Herzen Zeit lassen. Und da ist das Sicherste, 
wenn man nicht m&uuml;rrisch gegen das Gesetz, und auch unter die darunter 
waltende Gnade nicht undankbar ist; aber auch nicht falsch noch tr&auml;ge 
gegen die sich jetzt anbietende Zeit der Besserung und Aufforderung zum 
Licht des Evangelii. Die Verwahrung unter den &auml;u&szlig;erlichen Satzungen 
oder ersten Buchstaben brachte doch die ersten zum Fortkommen untereinander 
unentbehrlichen Tugenden, mit Zuchtmeisters Ernst betrieben, in Gang, und 
malte daneben den unm&uuml;ndigen Erben die ihnen aus der Verhei&szlig;ung 
zustehenden G&uuml;ter unter fa&szlig;lichen Schattenbildern ab. Zur Bestimmung 
der Zeit und ihrer F&uuml;lle wird GOtt viele weise Ursachen gehabt haben; 
und man kann noch bei Aufrichtung des Glaubens = Gehorsams guten Gebrauch 
davon machen, wenn man R&uuml;cksicht auf das nimmt, was GOtt vorher an 
den Menschen getan, wie das Licht in der Finsternis geschienen hat, wie 
weit es bei der Menschen Schwachheit kommen konnte, wie zu rechter Zeit 
das wahrhaftige Licht nachkam. Da nun GOtt mit der Sendung seines Sohnes 
das gr&ouml;&szlig;te Neue einf&uuml;hrte, so w&auml;re es ja h&ouml;chst 
ungeschickt, sich hinter das Alte stecken, und des Neuen erwehren wollen. 
GOtt hat diesem seinem in das Fleisch gesandten Sohne einen solchen niedrigen 
Lauf durch die Welt, ein solches Tragen unserer S&uuml;nden und ihres Fluchs 
vorgeschrieben, und alles vom Gesetz auf die S&uuml;nde gelegte Urteil 
und Gericht an diesem seinem im Fleisch geoffenbarten Sohn ausgef&uuml;hrt, 
da&szlig; wir nun dem Gesetz unseren Mann stellen, und nicht als aus Ungehorsam 
und im Trotz entlaufene, sondern als erl&ouml;ste und vom Vater auf die 
bestimmte Zeit in Freiheit gesetzte Kinder Zugang zu seiner Gnade brauchen 
k&ouml;nnen. Darum zog die Sendung des Sohnes auch den Geist des Sohnes 
und der Kindschaft nach sich, der den Sohn selbst und die  durch Ihn erworbene 
Gnade und Wahrheit der freien Kindschaft erkl&auml;rt, und uns brauchen 
lehrt, allermeist im Gebet, das der Apostel hier ein Schreien: Abba, Vater! 
hei&szlig;t, die kindliche Freim&uuml;tigkeit und die darunter liegende 
Macht vor GOtt anzudeuten. Die Zueignung auf das Herz und den davon zu 
f&uuml;hrenden Glaubens = Ruhm noch mehr zu erleichtern, macht der Apostel 
noch den ausdr&uuml;cklichen Schlu&szlig;: Also ist hier kein Knecht mehr, 
sondern Kinder, und der herrlichen Offenbarung ihrer Freiheit entgegen 
gehende Erben GOttes durch Christum. O GOtt! Ich danke Dir f&uuml;r die 
Kindschaft durch Deinen Sohn, und f&uuml;r das Zeugnis der Kindschaft durch 
den Geist Deines Sohnes. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Galater 4,8-16</font></b></h4> 
 
<p><b>Zwischen dem bisherigen Lehr = Vortrag und die darin gef&uuml;hrten 
Beweise flicht jetzt der Apostel einige Vorstellungen ein, die ihr Herz 
zu lenken, und sie &uuml;ber ihren Zustand nachdenklich zu machen verm&ouml;gend 
waren. An dergleichen zum Er&ouml;ffnen der Herzen tauglichen Vorstellungen 
ist oft so viel, als an den gr&uuml;ndlichsten Beweisen gelegen.</b> 
 
<p>Aus ihrer Ferne und aus ihrem Entfremdetsein von allem 
Licht und Leben GOttes, von allem Dienst GOttes im Geist und in der Wahrheit 
brachte sie GOttes an sie gebrachter Gnadenruf heraus, der ihre Zeit der 
Unwissenheit &uuml;bersehen, und ein Auge der Gnaden auf sie geworfen hat. 
Es ist genug will der Apostel sagen, da&szlig; ihr die vorige Zeit so blind 
hinginget, wie ihr gef&uuml;hrt wurdet; wollt ihr jetzt wieder freiwillig 
in einen Dienst hineinlaufen, und euch mit Dingen aufhalten, die viel zu 
schwach sind, als da&szlig; sie einen Ruhm an GOtt und eine Freudigkeit 
zu GOtt austragen; die viel zu d&uuml;rftig sind, als da&szlig; sie zum 
Erbe GOttes f&ouml;rdern k&ouml;nnten? Die vorgewendete Notwendigkeit zum 
Seligwerden, das Bereden im Gewissen, da&szlig; man durch Halten der Tage, 
Festzeiten und Neumonde GOtt einen besonderen Dienst tue, und im Gegenteil 
sich an seiner Seligkeit einen Abbruch tue, das machte die Sache am bedenklichsten, 
und setzte den Apostel in Eifer und Furcht, da&szlig; die vorige Arbeit 
m&ouml;chte vergeblich werden. An gr&uuml;ndlichem Vertrauen zwischen Lehrern 
und Zuh&ouml;rern mu&szlig; doch mehr gelegen sein, als man insgemein rechnet, 
weil der Apostel sich so sorgf&auml;ltig darum bewirbt, und auch sie versichert, 
er habe das Herz zu ihnen nicht verloren, sondern sei ihrer ersten Liebe 
noch gar wohl eingedenk; sie sollten auch wieder in den ersten Sinn, in 
die erste Freude, womit sie das Evangelium aufgenommen haben, zur&uuml;ckgehen, 
und sich erinnern, wie sie sich &uuml;ber die ihnen widerfahrene Gnade 
so selig gepriesen haben; aber auch bedenken, da&szlig; das Umschlagen 
von einem vormals gehabten gro&szlig;en Vertrauen und starken Liebeszug 
in ein solches Entziehen keinen guten Grund haben k&ouml;nne, und da&szlig; 
Feindschaft und Abneigung gegen diejenigen, welche einem die Wahrheit sagen, 
der Weg ist, den falschen Propheten in die H&auml;nde zu fallen. O GOtt, 
wende von mir den falschen Weg, und g&ouml;nne mir dein Gesetz! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Galater 4,17-23</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel benimmt ihnen einige Vorurteile, die etwas 
Bezauberndes und Einnehmendes f&uuml;r sich hatten, und lehrt sie den scheinbaren 
Eifer der falschen Arbeiter gr&uuml;ndlicher beurteilen; auch bei dem  
ihnen vorgespiegelten Ruhm, S&ouml;hne Abrahams zu hei&szlig;en, fragt 
er sie: Ob denn nicht Abraham S&ouml;hne von zweierlei Art gehabt habe?</b> 
 
<p><i>Der gro&szlig;e Eifer, 
die M&uuml;he, die man sich bei etwas gibt, die gro&szlig;e Gewi&szlig;heit, 
die man sich dabei anma&szlig;t, ist gar etwas Einnehmendes f&uuml;r ein 
menschliches Gem&uuml;t. Aber der Eifer gibt allein keinen t&uuml;chtigen 
Beweis f&uuml;r die Wahrheit. Der Eifer mu&szlig; 
nach der Lehre, und nicht die Lehre nach dem Eifer beurteilt werden. Der 
Eifer macht die Sache nicht gut, sondern die Sache mu&szlig; den Eifer 
gut machen</i>. Bei denen, die das Evangelium Christi zu verkehren suchten, 
war die Sache nicht gut, und die Art, wie sie sich Ansehen verschaffen, 
und des Apostels Kredit schw&auml;chen wollten, war eben so wenig fein. 
<i>Man 
kann gewaltig wider das Ansehen der Menschen eifern, und doch inmittelst 
das Seinige aufrichten.</i> Der sanftm&uuml;tige und von Herzen dem&uuml;tige 
Lehrer schafft dem Menschen Ruhe f&uuml;r seine Seele; Menschen jagen ihn 
durch das Anhangen an ihre Lehre und Eigend&uuml;nkel in unm&auml;&szlig;igen 
Eifer hinein. Es ist freilich gut, wenn auch zwischen Lehrern und Zuh&ouml;rern 
Liebe Gegenliebe erweckt und unterh&auml;lt, Begierde und Drang nach dem 
Wort, Freude bei der Aufnahme desselben, auch Mut und Freude zum Vortrag 
erweckt und unterh&auml;lt. Aber das baldige Nachlassen darin ist kein 
gutes Zeichen. Die Wiedergeburts = Arbeit, die er ihrethalben haben mu&szlig;te, 
machte zwar nicht so viel Aufsehen, als der Eifer der Anderen; aber der 
m&uuml;tterliche Sinn daran, da&szlig; er sie nicht unter die Zuchtmeister 
gefangen geben, sondern sie in der freimachenden Wahrheit Christi als Kinder 
GOttes darstellen wollte, war sehr edel. Und das war der Apostel auch so 
durchzusetzen bereit, da&szlig; er es nicht unausgemacht liegen lie&szlig;, 
sondern sie vollkommen in Christo darzustellen, oder Christi Wahrheit, 
Sinn und Bild in ihrem Glaubensgrund und in ihrem Lebenswandel aufzurichten, 
unerm&uuml;det war. Im Schriftlichen geht der Vortrag der Wahrheit in 
Einem fort; bei dem M&uuml;ndlichen k&ouml;nnte man sich nach bemerkten 
Umst&auml;nden, und dazwischen von der anderen Seite gemachten &Auml;u&szlig;erungen 
richten; darum zog der Apostel dieses vor, und bekennt gern, da&szlig; 
er unentschlossen sei, wie er sie behandeln solle, ob durch Ernst oder 
Liebe bei ihnen mehr auszurichten sei? Durch die Ansprache: sagt mir, fordert 
er sie so heraus, wie wenn sie m&uuml;ndlich Red und Antwort geben k&ouml;nnten. 
<i>Der 
Wille hat gar viel Einflu&szlig; in den Glauben und Unglauben der Menschen. 
Auch unter dem R&uuml;ckfall unter das Gesetz sucht der Wille des Fleisches 
seinen Vorteil. Das Gesetz ist &uuml;berhaupt der Welt ihre listige Decke, 
unter welcher sie sich der Wahrheit Christi erwehrt; die mu&szlig; man 
ihr herabziehen.</i> Da will man sagen k&ouml;nnen, man tue Alles, was 
einem Menschen m&ouml;glich sei, aber mit dem, was aus der Gemeinschaft 
mit Christo und seinem Kreuz m&ouml;glich ist, solle man einen verschonen. 
Da dringt nun der Apostel in sie: Habt ihr das Gesetz geh&ouml;rt, auch 
ganz vernommen, den Sinn der Lehre Mosis, die Absicht der ganzen Einrichtung 
GOttes gefa&szlig;t? Mit der Ehre, S&ouml;hne Abrahams zu sein, durch 
Beschneidung zu seinem Samen gez&auml;hlt zu werden, mu&szlig; man ihnen 
besonders zugesetzt haben, und es mag auch ihnen eingeleuchtet haben. Nun 
mahnt sie der Apostel an, ob sie auch bed&auml;chten, da&szlig; Abraham 
zwei, und zwei sehr unterschiedliche S&ouml;hne gehabt habe? und ob sie 
also nicht statt in Isaaks Art in Ismaels Fu&szlig;stapfen treten, und 
dessen Abfertigung bekommen k&ouml;nnten? An sich war es eine voreilige 
Gesch&auml;ftigkeit der Vernunft, da&szlig; sie den verhei&szlig;enen Samen 
nicht durch die unfruchtbare Sara zu erreichen besorgten, sondern nach 
der damals noch gew&ouml;hnlichen Vielweiberei die &auml;gyptische Hagar 
in das Ehebett aufnahmen, mit welcher Ismael gezeugt worden. Doch brauchte 
es GOtt nachgehends noch zu vielen guten Absichten. Durch den Glauben empfing 
Sarah Kraft, da&szlig; sie schwanger ward. Und bei dem Glauben sah Abraham 
nicht an seinen  und der Sara erstorbenen Leib, sondern hielt sich an 
das g&ouml;ttliche Verhei&szlig;ungswort; und so wurde Isaak durch die 
Verhei&szlig;ung geboren, das sich bei Ismael nach dem Willen des Fleisches 
nicht ereilen lie&szlig;. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Galater 4,24-31</font></b></h4> 
 
<p><b>Er f&uuml;hrt sie &uuml;ber die zwei M&uuml;tter und zwei 
S&ouml;hne in Abrahams Hause noch in weiteres Nachdenken, und veranla&szlig;t 
sie, bei sich selbst aufzusuchen, ob nicht ihre Abweichung vom Evangelio 
in das Gesetz Anfangs den Schein einer schnelleren Fruchtbarkeit haben 
solle; aber wie der Ruhm, den das Fleisch darunter sucht, Alles wieder 
verderbe; da hingegen das Wort der Verhei&szlig;ung und der Glaube daran 
mit seiner Frucht sp&auml;ter und unter dem Absterben des Fleisches aufkomme, 
aber mit seiner sanftm&uuml;tigeren Art zum Bleiben im Hause des HErrn 
tauge.</b> 
 
<p>Unter der ganzen Begebenheit mit den zwei M&uuml;ttern 
und ihren ungleichen S&ouml;hnen im Hause Abrahams liegt noch etwas Anderes. 
Das schlie&szlig;t der Apostel auf: wie es ihn der Heilige Geist gelehrt 
hat. Das h&auml;tte nun freilich kein Anderer gefunden. Inzwischen dient 
uns dieses Beispiel schon zur Verwahrung, da&szlig; man mit den Geschichten 
Alten Testaments nicht zu geringsch&auml;tzig umgehe. Auch nur als Denkmale 
der ersten Wege GOttes mit den Menschen verdienen sie alle Achtung. Neben 
dem aber soll auch das weiteren Respekt einfl&ouml;&szlig;en, da&szlig; 
man rechnen darf, es liegt noch mehr darin, als man wei&szlig;. Was mir 
nicht klar, oder f&uuml;r meine jetzigen Umst&auml;nde nicht angemessen 
ist, kann ein Anderer sehen, oder auch mir auf eine andere Zeit aufgespart 
sein. Der Einwurf: ja, so kann man aber wei&szlig; nicht was aus den Schriftgeschichten 
machen, ist zwar nicht leer, kann aber durch guten Unterschied wohl gehoben 
werden. Denn 
 
<ol TYPE="a"> 
 
<li> 
m&uuml;ssen alle weiteren Deutungen nichts zur Verkleinerung 
oder Schw&auml;chung der Begebenheiten selbst und ihres n&auml;chsten Sinnes 
einf&uuml;hren, sondern nach der historischen Wahrheit mu&szlig; fest bleiben, 
was in jedem Ort geschrieben ist, damit man aus der biblischen Geschichte 
keine lehrreiche Fabel mache</li> 
 
<li> 
Etwas herausziehen, und es als eine Richtschnur des Glaubens 
und Lebens f&uuml;r Alle angeben; das geb&uuml;hrt freilich Keinem, als 
dem es der Geist so hat gegeben auszusprechen, wie hier dem Apostel. Und 
selbst dieser braucht die Art der Vorstellung erst nach anderen vorhergef&uuml;hrten 
Beweisen.</li> 
 
<li> 
Ein Anderes aber ist, was f&uuml;r einen jeden Gl&auml;ubigen 
zu seines Fu&szlig;es Leuchte dient. Da kann ja Der, welcher uns mit seinen 
Augen zu leiten versprochen hat, uns an etwas in seinen vorigen Zeugnissen 
einen guten Rat und Auskunft finden lassen.</li> 
 
<li> 
Wenn auch Andere aus der Tiefe der Schrift mehr sch&ouml;pfen, 
als mir &uuml;berzeugend wird, oder ich um Anderer willen f&uuml;r ratsam 
halte, so kann ich es doch stehen lassen, wenn es keiner anderen Wahrheit 
GOttes entgegen ist. Vieles kann in der Schrift Grund haben, das gerade 
nicht Alle einsehen.</li> 
 
</ol> 
 
<p>Die zwei Testamente oder Einrichtungen, zur Kindschaft und 
Erbschaft GOttes zu gelangen, sind nicht nur der Zeit nach, sondern noch 
vielmehr dem inwendigen Seelenzustand nach, wohl von einander zu unterscheiden. 
Denn es hat nicht die Meinung, als ob unter dem Alten Testament lauter 
Kinder von Ismael  und unter dem Neuen Testament jetzt lauter Kinder von 
Isaaks Art w&auml;ren; sondern, wie Viele zur Zeit des Neuen Testaments 
noch unter dem Gesetz, ja viel gar ohne Gesetz unter der S&uuml;nde sind, 
so waren Viele zur Zeit des Alten Testaments unter der Gnade, und brauchten 
ihre Einrichtung, unter die sie GOtt stellte, zu einem Zuchtmeister auf 
Christum, und drangen damit in das Leben aus der Verhei&szlig;ung durch. 
Was unter und durch das Gesetz ausgerichtet wird, das hat man nicht zu 
verleugnen, nur aber das Mangelhafte daran zu zeigen. Man vernichtigt ja 
einem seine Naturkraft nicht, und was sie, wenn des Gesetzes Treiben dazu 
kommt, noch herausbringen, oder verh&uuml;ten kann. Aber kindlicher, williger 
Geist kommt eben nicht heraus. Hagar hei&szlig;t im Arabischen ein Fels, 
oder felsiger Berg. Daher m&ouml;gen die in der Arabischen W&uuml;ste wohnenden 
Nachkommen der Hagar den Berg Sinai in ihrer Sprache Hagar gehei&szlig;en 
haben. Um die Zeit des Ausgangs der Kinder Israel aus &Auml;gypten war 
es mit diesem vorher durch das blo&szlig;e Wort der Verhei&szlig;ung geleiteten 
Samen um der jetzigen jugendlichen Halsstarrigkeit willen dahin gekommen, 
da&szlig; ihm um der S&uuml;nde willen die Dienstbarkeit des Gesetzes aufgelegt 
ward. So viel nun noch an Jerusalem, und der dortigen gesetzlichen Anstalt 
allein hingen, ohne sich dadurch in die Gnade Christi leiten zu lassen, 
so viel glichen sie noch ihren am Sinai gestandenen V&auml;tern in der 
ihnen auferlegten Dienstbarkeit. Nun sagt der Apostel: es ist ja aber vor 
der Gesetzgebung am Sinai und jener Einrichtung dem HErrn auch ein Volk 
des Eigentums, ein priesterliches K&ouml;nigreich gesammelt worden; von 
Adam bis auf Abraham; von Abraham bis auf die Miterben seiner Verhei&szlig;ung, 
Isaak und Jakob. Diese hat man als den ersten Kirchensatz anzusehen; diese 
machen auch wirklich die Stadt, die Gemeinde der Erstgeborenen im Himmel, 
aus. Wem es also um das Anschlie&szlig;en an die erste Kirche zu tun ist, 
der mu&szlig; &uuml;ber Sinai hinausgehen. Alles was schon vor dem Gesetz 
auf Christum gehofft hat, geh&ouml;rt zu dieser freien Mutter und ihren 
Kindern. Seit dem nun die durch Christum zur Herrlichkeit gef&uuml;hrt, 
und in das k&ouml;nigliche Priestertum vor dem Thron GOttes und des Lammes 
zusammen gefa&szlig;t ist, so nimmt sie sich auch des Reiches GOttes und 
seiner Ausbreitung auf Erden an, da&szlig; es m&uuml;tterlich herauskommt; 
und wir werden mit unserer Hoffnung und mit unserem Liebeszug auch hinaufgezogen, 
als auf das Ziel, wo das Vaterland, Mutterscho&szlig; und Erbschaft ist. 
Wie aber unter Hagars Fruchtbarkeit der Sara Hoffnung und einer Erbauung 
aus ihr eine Weile vergessen worden ist, so ist unter des Gesetzes Anstalt 
auch der vormaligen Freien und ihrer in den Propheten habenden Verhei&szlig;ungen 
eine Weile vergessen worden, bis GOtt mit seinem Ruf unter die Heiden kam, 
und damit ihre Kinder in Menge erweckte. Und so sind auch wir der Verhei&szlig;ung 
Kinder; haben unser Leben, unseren Ruhm der Hoffnung, darin wir stehen, 
einig der Verhei&szlig;ung zu danken. Das Fleisch h&auml;ngt sich an das 
Gesetz, und will aus demselben doch noch Ruhm haben, was es auszurichten 
verm&ouml;ge; wenn aber das, was aus der Verhei&szlig;ung unter des Fleisches 
Ert&ouml;tung herauskommt, mehr gelten soll, so bricht Neid, Sp&ouml;tterei, 
und Verfolgungsgrimm aus. Das Gericht zum Aussto&szlig;en kam anf&auml;nglich 
selbst dem Abraham hart vor; GOtt wird sich aber schon darin rechtfertigen. 
Wir wollen nichts sein, wozu uns GOtt und seine Gnade nicht gesetzt hat; 
von dem aber, was wir durch seine Verhei&szlig;ung und nach seiner Gnade 
sind, auch nichts zur&uuml;cklassen. O GOtt! gib, da&szlig; ich nicht mehr 
und nicht weniger suche, als du mir zugemessen hast. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Galater 5,1-12</font></b></h4> 
 
<p><b>Nach dem bisher in der Lehre gelegten Grund f&auml;ngt 
der Apostel nun an, mit herzlichen Zuspr&uuml;chen in sie zu dringen, da&szlig; 
sie doch in der Wahrheit und in ihrer freimachenden Kraft bestehen, und 
selbige im Glauben ohne Mi&szlig;verstand, und im Leben ohne Mi&szlig;brauch 
bewahren, und solches mit rechtschaffenem Wandel im Geist bezeugen m&ouml;chten.</b> 
 
<p>Was sonst ein Bestehen im Glauben <i>(1.Kor. 
16, 13)</i>, oder in der Gnade <i>(R&ouml;m. 
5, 2 und 1.Petr. 5, 12)</i> hei&szlig;t, dem gibt der Apostel diesmal 
gegen die Versuchung, da man ihnen das Gesetz als zur Seligkeit n&ouml;tig 
auf den Hals schieben wollte, den Namen: <i>In 
der Freiheit bestehen.</i> Es ist aber eine Freiheit, womit uns Christus 
befreit hat; also auf der einen Seite kein zuchtloses, unordentliches Wesen, 
auf der anderen Seite aber ein Gut, das nicht gering zu achten ist, ohne 
von Christo und dem Herzens = Glauben an Ihn abzuweichen. Sobald mir etwas 
als zu meinem Gnadenstand vor GOtt und k&uuml;nftigen Seligkeit n&ouml;tig 
aufgedrungen wird, so bringt es mich aus der unter dem sanften Joch Christi 
gefundenen Ruhe f&uuml;r meine Seele, und st&uuml;rzt mich anf&auml;nglich 
in die Heuchelei, da&szlig; ich mir einbilde, es werde mehr ausgerichtet, 
als doch nicht ist; und wenn ich diesen Betrug endlich merke, so entsteht 
knechtischer Unwille. Einmal ist man ohne Grund d&uuml;nkelhaft und selbstgef&auml;llig, 
und hernach &uuml;ber dem Unverm&ouml;gen verdrossen und verzagt. Mit der 
Beschneidung fingen die Verf&uuml;hrer an, und konnten es unschuldiger 
machen, weil doch Abraham schon vor dem Gesetz zum Siegel des Gnadenbundes 
die Beschneidung empfangen hat. Ihre Absicht war aber doch, der Galater 
Herz zu teilen, und selbiges von Christo und dem einigen Ruhm abzuziehen. 
Christo und seiner Erl&ouml;sung, im Glauben gefa&szlig;t, l&auml;&szlig;t 
sich Nichts an die Seite setzen. Auch die, so Ruhm am Gesetz suchen, nehmen 
doch gemeiniglich nur so einige dem jedesmaligen Weltgeist einleuchtende, 
und Lob vor den Menschen bringende St&uuml;cke heraus, und bedenken nicht, 
da&szlig; sie das ganze Gesetz zu halten schuldig seien. Auch wenn man 
Christum nicht gerade durch Verleugnen mit F&uuml;&szlig;en tritt, kann 
man Ihn doch verlieren. Die neuesten Verf&uuml;hrer bringen Christum so 
aus der Religion heraus, wie wenn man sich unvermerkt von Jemands Freundschaft 
entzieht. Eins mu&szlig; vergeblich sein: entweder ist Christus vergeblich 
gestorben, oder ist mein Bem&uuml;hen, durch das Gesetz gerecht zu werden, 
vergeblich. Gnade und Verdienst der Werke l&auml;&szlig;t sich nicht zusammenspannen. 
Bei dem Glauben ist die gr&uuml;ndlichste Freudigkeit aus der Gerechtigkeit 
Christi und das bescheidenste Hinzutreten zu diesem Gnadenthron immer bei 
einander. Der Glaube &uuml;bertreibt es mit dem jetzigen Glaubensruhm aus 
der ihm geschenkten Gerechtigkeit Christi nicht; sondern wei&szlig;, da&szlig; 
er auf die Krone der Gerechtigkeit noch zu warten hat. Inzwischen tut das 
der Gewi&szlig;heit des Glaubens aus der Verhei&szlig;ung GOttes keinen 
Abbruch, sondern setzt und erh&auml;lt den Glauben nur in steter Wachsamkeit, 
und macht ihn zum Warten auf die Barmherzigkeit JEsu Christi zum ewigen 
Leben so n&ouml;tig als zum ersten Anfang. In Christo JEsu, in seinem durch 
die Predigt des Evangelii aufgerichteten Reich, und bei seiner Gemeinschaft 
gilt nichts, weder einen gegenw&auml;rtigen Ruhm, noch eine k&uuml;nftige 
Hoffnung zu gr&uuml;nden, als der Glaube, durch den aber in der Liebe das 
ganze Gesetz aufgerichtet wird. Das &Uuml;berreden ist weder von Seiten 
der Verf&uuml;hrer, noch auch von Seiten der Leichtgl&auml;ubigkeit bei 
den Anderen fein. Luther sagt: Man kann die drei ersten Bitten im Vater 
Unser nicht beten, ohne zugleich dem Reich des Teufels zu fluchen; so konnte 
der Apostel die Hoffnung zur Wiederaufrichtung der Galater nicht fassen, 
ohne auch den Blick dahin zu tun, da&szlig; die, so sie verst&ouml;ren, 
werden ausgerottet werden. O GOtt! Dein Geist belebe mich, da&szlig; ich 
aus dem Glauben die Hoffnung der Gerechtigkeit erwarte, und da&szlig; der 
Glaube bei mir durch die Liebe t&auml;tig sei! Amen ! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Galater 5,13-18</font></b></h4> 
 
<p><b>Ermahnung, bei dem Wandel in der Liebe und im Geist zu 
verh&uuml;ten, da&szlig; das Fleisch an der Freiheit nicht Gelegenheit 
nehmen kann, seine L&uuml;ste wieder auflebend und geltend zu machen. Was 
ist Edleres, als solche evangelische Lauterkeit, dabei man sich der Gnade 
JEsu Christi freut ohne Sicherheit des Fleisches, und da man dem Fleisch 
Widerstand tut, ohne einen vom Gesetz angerichteten Grimm, wobei das Verbotene 
doch noch lustig anzusehen ist; sondern so, da&szlig; man sich dem Geist 
und seinem neugeschaffenen Willen nach von den geheimsten L&uuml;sten und 
dem Belieben daran lossagen kann, dem Gesetz aber es doch eingesteht, da&szlig; 
man im Fleisch damit behaftet ist, und es auch nicht anders als durch das 
Kreuz Christi und die Gemeinschaft seiner Leiden, und zuletzt durch die 
&Auml;hnlichkeit seines Todes zum Aufh&ouml;ren bringen kann.</b> 
 
<p>Die Freiheit, wozu man durch das Evangelium berufen ist, 
geht dahin, nicht da&szlig; man sich eigenm&auml;chtig und dem Fleisch 
zu Gefallen vom Gesetz losrei&szlig;t, sondern da&szlig; man durch Erkenntnis 
der Wahrheit darauf kommt: Das Gesetz ist nie gegeben gewesen, als ob es 
k&ouml;nnte lebendig machen, und die Gerechtigkeit zu gew&auml;hren, sondern 
da&szlig; es den Menschen so unter die S&uuml;nde beschlie&szlig;en und 
in die Enge treiben sollte, damit er dem Gesetz den Ruhm der Heiligkeit 
und G&uuml;te lie&szlig;e, das Unverm&ouml;gen aber und die Schuld dessen 
auf sich nehme, und nun die Gnade und ihren verschafften Ausweg, durch 
den Glauben an JEsum Christum zur Gerechtigkeit zu kommen, dem&uuml;tig 
ehrte. In solche Freiheit kann das Gesetz den Menschen mit Ehren entlassen: 
denn durch Christum und den am Kreuz getragenen Fluch hat das Gesetz seine 
h&ouml;chste Ehre, und die S&uuml;nde oder das Fleisch gewinnt dadurch 
keinen Vorteil. Denn eben, was dem Gesetz unm&ouml;glich war, einen innern 
anhaltenden Ha&szlig; gegen das Arge, und ein innerliches aus willigem 
Geist flie&szlig;endes Anhangen an das Gute zuwege zu bringen, das richtet 
der Glaube an Christum aus; und daher ist die Glaubensfreiheit nicht wider 
das Gesetz. <i>O wie ein manches evangelisches 
Rufen braucht es, einen dahin zu bringen. Vorsicht bedarf es auch, auf 
der Freiheitsbahn zu bleiben; aber keine k&uuml;mmerliche &Auml;ngstlichkeit.</i> 
Die s&uuml;ndliche Unart unserer Natur, die zum Guten tr&auml;ge, zum B&ouml;sen, 
sonderlich zu einem vor dem andern geneigt, reizend und lockend ist, sucht 
immer wieder Raum und Gelegenheit auszubrechen. <i>Der 
Ruf des Evangelii zu Christo und der Gnade, die durch Ihn geworden ist, 
der Sinn, mit Christo ein Geist zu sein, bringt unter das Gesetz Christi, 
wobei man in der Liebe Alles beisammen hat; und gew&auml;hrt auch die Willigkeit, 
durch Liebe einander zu dienen, und mithin sich darnach zu achten, da&szlig; 
in Christo Alles Eins sei. Wer aber seine Sache mit dem Gesetz noch gar 
nicht ausgemacht hat, sondern wen es noch als einen Ungerechten in vielen 
St&uuml;cken zu verdammen Fug und Macht hat, der sehe zu, ob es Grund hat, 
wenn er sich doch anma&szlig;en will, als ob er so in der Liebe zu allen 
Menschen st&uuml;nde. Mit der vorgegebenen Menschen = Liebe sich des Glaubens 
an das Evangelium erwehren, ist ein mi&szlig;liches Zeichen unserer Zeit</i>. 
So lange der Mensch noch sich selbst rechtfertigen will, so ist er gewi&szlig; 
mit jener Frage des Schriftgelehrten: Wer ist denn mein N&auml;chster? 
nicht fertig, sondern sucht daran einzuschr&auml;nken, was er kann. Eine 
unzertrennliche Folge vom Selbstrechtfertigen ist: Andere verachten, Ruhm 
an Anderen suchen, des Anderen Gutes vernichtigen. Am guten Namen und Leumund 
fangt das <i>Bei&szlig;en</i> an; man 
schreitet aber leicht auch weiter dahin, am Verm&ouml;gen Schaden zu tun, 
Verdienst abzuspannen, wodurch oft alle gemeinschaftliche Hilfeleistung 
abgeschnitten wird. Da&szlig; man aber den bei dem Glauben an das Evangelium 
empfangenen Geist Christi und die Wirkungen desselben kennen lernt, mu&szlig; 
man einen oft zurechtweisen und sagen: Wandelt im Geist, bleibt unter dessen 
Regiment, folgt Ihm in Tun und Lassen. Das Fleisch und die mit demselben 
anklebende S&uuml;nde, die Lust und ihr Reizen und Locken erf&auml;hrt 
man freilich; ja es k&ouml;nnen auch F&auml;lle vorkommen, wo nicht deutlich 
genug ist, ob nicht die Lust empfangen, und betr&uuml;glicher Weise den 
Willen abgewonnen hat. Aber durch Erneuerung im Geist des Gem&uuml;ts darf 
man sich doch allemal wieder daf&uuml;r achten, da&szlig; man kein Schuldner 
des Fleisches sei, seine Lust zu vollbringen, sondern vielmehr aus Christi 
Kreuz den Fluch darauf lege, und aus Christi Geist die Willigkeit habe, 
sich davon zu scheiden, da&szlig;, was also ohne unseren Sinn und Willen 
geschieht, unter das Wort geh&ouml;rt: nicht ich, sondern die S&uuml;nde, 
die in mir wohnt <i>(R&ouml;m. 7, 17)</i>. 
<i>Unter 
dem Gel&uuml;sten des Fleisches und Geistes wider einander mu&szlig; offenbar 
werden, wohin der Mensch nach genugsam empfangener Kraft seinen Willen 
lenke, und womit er es standhaft halte? Gehen des Geistes Triebe und Leitungen 
bei einem Menschen fort, und h&auml;lt er es redlich mit dem Geist und 
dessen heiligen Gel&uuml;sten wider das Fleisch, so hat man zwar nichts 
wider das Gesetz, streitet ihm nichts ab, was es Mangelhaftes zeigt; aber 
man steht nicht unter ihm, da&szlig; man sein Endurteil von ihm zu empfangen 
h&auml;tte</i>. Christus hat den Gl&auml;ubigen gegen allen Fluch des 
Gesetzes unter seinen Vers&ouml;hnungsschirm genommen, und hat ihm dar&uuml;ber 
seinen Geist geschenkt, der ihn wie zu anderem Guten, also auch zum K&auml;mpfen 
&uuml;ber diesem Glauben treibt, wenn es schon manche Not und Zweifel gibt, 
bis man es immer so glauben und &uuml;ben kann. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Galater 5,19-24</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel macht Gelegenheit, da&szlig; man es in der 
Pr&uuml;fung seiner selbst leichter abnehmen kann, ob man auf dem rechten 
Weg sei, und das Fleisch mit seinen Gesch&auml;ften nicht aufkommen lasse? 
aber auch die Kraft dagegen lauterlich von Christi Kreuz hernehme? auch 
ob man im rechten Flei&szlig; der Heiligung stehe, Alles aber als eine 
Frucht des Geistes in sich aufwachsen lasse?</b> 
 
<p>Was hier Werke des Fleisches hei&szlig;en, nennt der Apostel, 
<i>R&ouml;m. 
8, 13</i> Gesch&auml;ft, weil Manches nicht gerade zu einem in die Augen 
der Menschen fallenden Werk ausschl&auml;gt, und doch viel verw&uuml;stendes 
Gesch&auml;ft anrichtet, z. B. Unreinigkeit, Neid, Zorn. Doch stehen auch 
hier die <i>vorz&uuml;glich so genannten 
L&uuml;ste des Fleisches</i> vornen an, weil selbige vor anderen die 
Absicht und Hoffnung auf unsere anerschaffene Unschuld und die darauf zielenden 
Seufzer der Schamhaftigkeit am gewaltigsten ausl&ouml;schen, oft auch anderen 
Personen eine sehr ungeb&uuml;hrliche Macht &uuml;ber unseren Leib einr&auml;umen, 
wodurch einem der Weg zur Freiheit noch mehr abgeschnitten wird. Unter 
<i>Abg&ouml;tterei 
und Zauberei</i> wird die Abweichung des Herzens von dem lebendigen 
GOtt zusammen genommen, wobei man mit der Furcht, Liebe und Vertrauen seines 
Herzens auf Manches im Sichtbaren und Unsichtbaren hinf&auml;llt, entweder 
sich Vorteil zuzuwenden oder Anderen Schaden zuzuf&uuml;gen. <i>Feindschaft</i> 
kann gehegt werden, wenn man auch noch so sehr an sich h&auml;lt, und die 
Gelegenheit, seinen Mut zu k&uuml;hlen, nur in der Stille abwartet. <i>Hader</i> 
aber bricht in Worte: Raka, Narrsagen, aus. <i>Neid</i> 
mi&szlig;g&ouml;nnt dem Anderen sein Gutes, verkleinert es, weil man sorgt, 
es tue uns Abbruch, stehe unseren Absichten entgegen.  Bei <i>Zorn, 
Zank, Zwietracht</i> ist Herz, Zunge und andere Glieder von der H&ouml;lle 
entz&uuml;ndet. <i>Rotten</i> entstehen, 
wo man den fleischlichen Sinn auch in Glaubenssachen und solche Verbindungen 
einmengt, in denen man deshalben steht. <i>Ha&szlig;</i> 
ist aufgeblasen, kann den Anderen nicht leiden, sein Werk nicht f&ouml;rdern, 
versagt ihm vielmehr n&uuml;tzliche Dienste. Was zu blo&szlig;er Wollust, 
Zeitvertreib, Nahrung und Entz&uuml;ndung obiger L&uuml;ste im Genu&szlig; 
der Speise und des Trankes geschieht, hei&szlig;t <i>Fressen 
und Saufen</i>. Ohne Bu&szlig;e von dergleichen toten Werken hat das 
Evangelium weder k&ouml;nnen gepredigt, noch angenommen werden. Zum sicheren 
Schlu&szlig; auf seinen Gegenstand geh&ouml;rt nicht nur, das Arge zu hassen, 
sondern auch dem Guten mit redlichem Geisteswillen anzuhangen. Und zwar 
ist es bei den Gesch&auml;ften und Werken des Fleisches gef&auml;hrlich 
genug, wenn auch nur Eines oder das Andere sich des Menschen bemeistert; 
an der Frucht des Geistes aber geh&ouml;rt Alles zusammen; und zwar so, 
da&szlig; es sich, wie eine gute Frucht, im Wachstum findet. <i>Liebe</i> 
steht als die Mutter der &uuml;brigen voran, und umfa&szlig;t hier Beides, 
Liebe GOttes und des N&auml;chsten. <i>Freude</i> 
an dem guten gn&auml;digen Willen GOttes, und was daraus uns und Anderen 
Gutes zuflie&szlig;t, wehrt dem Neid zc. <i>Friede</i> 
wehrt den Sorgen, und aller daher kommenden Trennungen, setzt und stillt 
die Seele in GOtt, da&szlig; sie hernach auch mit Anderen leichter Frieden 
halten kann.<i> Geduld</i> ist eine fortgesetzte 
Liebe aus innerer St&auml;rke, die auch etwas Widriges tragen kann. <i>Freundlichkeit</i> 
sucht ohne Eigennutz Liebe mit Liebe zu gewinnen, damit mehr freundschaftliche 
Handreichung und Erquickung in diesem m&uuml;hseligen Leben erreicht werde. 
<i>G&uuml;tigkeit</i> 
ist die Bereitwilligkeit, mit der empfangenen Gabe Anderen zu dienen, wie 
es ihre Umst&auml;nde erfordern. 
<i>Glaube</i> 
oder <i>Treue</i> ist eigentlich dem 
Rottenmachen und allem Friede = St&ouml;renden entgegen gesetzt; da man 
n&auml;mlich auch in seinen Schwachheiten und M&auml;ngeln vor Anderen 
aufgedeckt zu werden sich nicht scheut; hinwiederum das, was man von Anderer 
Gebrechen gewahr wird, sich nicht im Vertrauen zur&uuml;ckschlagen l&auml;&szlig;t, 
noch von dem, was sie einem selbst entdecken, &uuml;blen Gebrauch macht. 
<i>Sanftmut</i> 
schwingt sich auch unter den Anl&auml;ufen von Anderer Unarten immer wieder 
in das Element der Liebe GOttes, und ist daher Guten und B&ouml;sen 
zu begegnen gest&auml;rkt. <i>Keuschheit</i> 
enth&auml;lt sich Alles dessen, was wider die Seele streitet, was den Geist 
aus dem Regiment &uuml;ber Herz, Sinnen und Glieder setzen, und einen wieder 
in die F&uuml;hllosigkeit und Unbedachtsamkeit st&uuml;rzen k&ouml;nnte. 
Solchen, die nach dem Geist leben, und in denen die  vom Gesetz erforderte 
Gerechtigkeit Christi aufgerichtet wird, liegt das Gesetz mit seinem Fluchen 
und Drohen nicht auf <i>(1.Tim. 1, 8)</i>. 
Sie sind aber auch nicht wider das Gesetz, streiten ihm nichts ab, lassen 
ihm gelten, da&szlig; ihr Gutes nicht vollkommen gut sei. Das Gesetz kann 
sie aber doch entlassen, weil sie ihm durch den Glauben an JEsu Kreuz die 
Ehre geben. Die aber so vom Gesetz und aller Gesch&auml;ftigkeit, aus demselben 
das Leben und die Gerechtigkeit zu haben, abgekommen sind, und hingegen 
Christo, als ihrem Haupt, angeh&ouml;ren, und Ihn zu ihrer Lebens = und 
Heiligungs = Quelle annehmen, die halten ihr Fleisch gekreuzigt, sind und 
leben also freilich noch im Fleisch, erfahren daher die hartanklebende 
und tr&auml;gmachende S&uuml;nde, die reizend und lockende eigene Lust, 
haben aber aus dem Evangelio den Sinn GOttes beim Kreuz Christi erkannt 
und geglaubt, und k&ouml;nne das  am Fleisch ihres Vers&ouml;hners ausgef&uuml;hrte 
Gericht, in GOttes Augen g&uuml;ltig, als auch &uuml;ber ihr Fleisch glauben, 
und sich als mit Christo gekreuzigt ansehen, verlangen auch wirklich keine 
Ruhe f&uuml;r das Fleisch, sondern legen den Fluch darauf, der durch das 
Kreuz Christi darauf gelegt ist, und sehen diesem langsamen und schmerzlichen 
Sterben mit einer aus dem Evangelio gefa&szlig;ten Hoffnung des Lebens 
zu. Ach Liebe! Zeuch uns in den Sterben, la&szlig; mit Dir gekreuzigt sein, 
was Dein Reich nicht kann ererben! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Galater 5,25-6,5</font></b></h4> 
 
<p><b>Die wiederholte Ermahnung, im Geist zu wandeln, belegt 
ihnen der Apostel mit solchen Exempeln, wozu sie besonders h&auml;ufige 
Gelegenheit hatten, n&auml;mlich da&szlig; Jeder am gernsten bei sich selbst 
bleibe, und an seiner eigenen Erfahrung lerne: ich habe mit mir und meiner 
Last genug zu tun, mithin nicht f&uuml;rwitzig, vielweniger richterisch 
auf Andere und ihr Gebrechen zu sehen, oder mich in Alles zu mengen.</b> 
 
<p>Bei dem gekreuzigt gehaltenen Fleisch kann erst der Geist 
aufkommen; dessen Leben zeigt sich bei anwachsender St&auml;rke im Wandeln. 
Wenn schon Wandeln eine vom Leben unzertrennliche Folge ist, so ermuntert 
doch der Apostel dazu, als zu einer Pflicht, wegen der Gefahr der sich 
ansetzenden Tr&auml;gheit, und weil zu dem regelm&auml;&szlig;igen Wandeln 
auch eine eigene Sorgfalt geh&ouml;rt. Auch die im Geist leben, sind noch 
versuchlichen Anf&auml;llen vom Gesuch eitler Ehre ausgesetzt, wobei, entweder 
der, so es besser hat, und seine Sache mehr in das Gesicht richten kann, 
den Anderen entr&uuml;stet, und herausfordert; oder der, so dem Anderen 
zusehen soll, und nicht in Allem so nachkommen kann, in das Neiden und 
Hassen ger&auml;t. Schon der Vortrag, den der Apostel von dem Verhalten 
bei Anderer Fehlern tut, ist so eingerichtet, da&szlig; man dabei auf die 
gelindere Seite gezogen wird. Ein <i>Mensch</i> 
(wie leicht kann der fehlen) <i>wird &uuml;bereilt 
</i>von der Behendigkeit der Versuchung, vom Zusammenschlagen vieler Umst&auml;nde, 
die ihm die Durchsicht erschwert haben. Bei solchen Umst&auml;nden aber 
kann Ermahnen, Bestrafen, &Uuml;berzeugen, Tr&ouml;sten und dgl. den Dienst 
des <i>Zurechthelfens</i> tun, wie ein 
verrenktes Glied wieder kann eingerichtet werden. Dazu geh&ouml;rt aber 
<i>Geist</i>; 
mithin auf der einen Seite nicht blinde Liebe, nicht nachl&auml;ssige Geringsch&auml;tzung 
des Fehlers; auf der anderen Seite aber auch nicht Strenge, sondern Einsicht 
in das Evangelium, und daraus sanftm&uuml;tige Beherzigung, wie es mit 
der Kreuzigung des Fleisches und mit dem Erstarken des inwendigen Menschen 
bei uns zugehe. Den sch&ouml;nen Namen der <i>Geistlichen</i> 
hat sich in vorigen Zeiten der Lehrstand allein anma&szlig;en wollen. Er 
geh&ouml;rt aber Allen, die an sich selbst die Gnadenkur redlich aushalten, 
und daher auch Anderen zu begegnen wissen.  O ein eitler Ehre geiziges 
Herz, das oft nicht anders zur Demut und zur sanftm&uuml;tigen Behandlung 
seines Nebenmenschen gebracht werden kann, als durch Ausbruch seiner eigenen 
Fehler. GOtt duldete ihre Weise, hei&szlig;t es <i>Apg. 
13, 18</i> von der F&uuml;hrung GOttes mit seinem Volk in der W&uuml;ste; 
und so hat freilich noch Jeder seine eigne Weise; aus seiner eigenen Lust 
erw&auml;chst ihm eine eigene Last, etwas, das ihm selbst in seinem unanst&ouml;&szlig;lichen 
Lauf zum Aufenthalt wird, und das auch Anderen an ihm beschwerlich f&auml;llt. 
Aber durch tragsame Liebe erf&uuml;llen wir an ihm das Gesetz Christi, 
der gekommen ist, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist, und 
der uns gern zu solchen Werkzeugen seiner Gnade bereiten will, die diesem 
gn&auml;digen Willen GOttes an Anderen dienen. Wer sich aber d&uuml;nken 
l&auml;&szlig;t, etwas zu sein, weniger Fehler zu haben, Anderer tragende 
Liebe nicht so zu bed&uuml;rfen, der kann in einer solchen verf&uuml;hrten 
Sicherheit einen schweren Fall tun. In Vergleichung mit Anderen, oder gar 
in Verkleinerung Anderer, in Ausbreitung ihrer Fehler Ruhm suchen wollen, 
ist sehr mi&szlig;lich, und wird nichts helfen, wenn einmal Jeder seine 
Last tragen, f&uuml;r sich selbst GOtt wird Rechenschaft geben m&uuml;ssen. 
Sich selbst richten, sein eigen Werk pr&uuml;fen, und in dieser Absicht 
sich flei&szlig;ig in das Licht jenes Tages hineinstellen, tr&auml;gt viel 
Bewahrung aus. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Galater 6,6-10</font></b></h4> 
 
<p><b>Je sorgf&auml;ltiger man die richterischen Zudringlichkeiten 
und anderes unbefugtes Meistern an einander verh&uuml;tet, je mehr wird 
Raum gemacht, einander sonst n&uuml;tzlich mit Reizen zur Liebe und guten 
Werken zu begegnen.</b> 
 
<p>Wie ehemals in der j&uuml;dischen Kirche viel Verderben 
durch die Pharis&auml;er entstanden ist, denen der Heiland sagen mu&szlig;te: 
ihr fre&szlig;t der Witwen H&auml;user, und wendet lange Gebete vor; oder 
durch die b&ouml;sen Priester, deren Eigenn&uuml;tzigkeit GOtt <i>Mal. 
1</i>. bestraft, als solcher, die nicht gern ein Feuer umsonst anz&uuml;nden 
auf dem Altar des HErrn, und denen GOtt deswegen droht, Er wolle sie verachtet 
machen vor allem Volk; so hat es auch in der christlichen Kirche viel Schaden 
getan, da&szlig; der Drache so Viele, die mit himmlischem Sinn wie Sterne 
leuchten sollten, so auf die Erde und in den irdischen Sinn geschleudert 
hat, da&szlig; ihnen nirgends mehr genug werden kann, und da&szlig; sie 
ihren Geiz so k&uuml;nstlich zu stellen wissen, dabei aber Wort und Unterricht 
aus demselben durch ihre scheels&uuml;chtigen Absichten dabei so verd&auml;chtig 
und unwert machen. Gleichwohl hat der Alles voraussehende Geist in der 
Schrift es nicht f&uuml;r &uuml;berfl&uuml;ssig geachtet, in sein auf alle 
Zeiten hinein bleibendes Wort auch die Ermahnung vom Mitteilen dem, der 
unterrichtet, zu setzen. Eben diesem Geist aber und dessen Anregung ist 
es lauterlich zu &uuml;berlassen, wo er die Aus&uuml;bung dieses Worts 
so in den Gang bringen will, da&szlig; es Glauben &uuml;bt, und Glauben 
st&auml;rkt. An Anania und Saphira ist ein  auf alle Zeiten hinein denkw&uuml;rdiges 
Exempel statuiert worden, da&szlig; GOtt sich nicht spotten lasse, auch 
in dem, was Jeder zur Erhaltung der Kirchen und Schulen, zur Unterst&uuml;tzung 
der Armen beizutragen schuldig ist. Samen und Ernte, ein oft in der Schrift 
gebrauchtes lebhaftes Bild, in was f&uuml;r gewissen und bleibenden Folgen 
GOtt Jeglichem sein Tun zu vergelten wissen wird. Wie klein und gering 
sieht es oft im B&ouml;sen und Guten bei der Saat aus. Wie w&auml;chst 
es aber Tag und Nacht ohne des Menschen Denken fort! Wie sp&auml;t, aber 
unfehlbar, kommt es in der Ernte hervor! Wie unwiederbringlich ist Zeit 
und Vers&auml;umnis, wenn nicht ges&auml;t ist! Wer wird die Ernte erzwingen? 
Das Fleisch sucht in Allem das Seine, hat sein Leben lieb auf dieser Welt, 
will es auf alle Weise erhalten, rechnet es f&uuml;r Weisheit, wenn man 
Alles so einrichtet, da&szlig; baldige Wiedervergeltung geschieht. Allein 
mit dem Fleisch und seiner Hinf&auml;lligkeit wird auch aller davon gehoffte 
Genu&szlig; dahin sein; und wenn man nach dem Gesetz Christi wird gerichtet 
werden: ihr habt mich nicht gespeist, nicht getr&auml;nkt zc. so wird es 
noch Ursache zum ewigen Verderben werden. Weil das Fleisch unser eigen 
ist, und in Allem das Seine sucht, so hei&szlig;t es: auf sein Fleisch 
s&auml;en. Weil der Geist aber nicht so von Natur unser eigen ist, auch 
nicht blo&szlig; das Seine sucht, sondern sich ausbreitet, wenn nur des 
Geistes Sinn und Trieb befolgt, und seine Frucht gef&ouml;rdert wird, der 
Vorteil falle, auf wen er wolle, so hei&szlig;t es insgemein hin: auf den 
Geist s&auml;en, d. i. bei aller Anwendung seines Verm&ouml;gens und seiner 
Angelegenheiten Gutes zu wirken, nach des Geistes Sinn handeln, auf das 
Schwache, Verachtete, Unedle vor der Welt, das aber GOtt erw&auml;hlt hat, 
sehen, und die Vergeltung hinaus auf die Auferstehung der Gerechten borgen. 
Man erntet freilich nicht aus Verdienst der Werke, aber doch durch eine 
von GOtt nun in reichen Gnaden gemachte Einrichtung und durch die im 
Geist darauf unverr&uuml;ckt gehabte Absicht. Das Fleisch und die im 
Fleisch anklebende S&uuml;nde macht freilich tr&auml;ge; die Welt f&auml;llt 
einem mit so vielen Urteilen auf den Hals, da&szlig; der Geist sich genug 
vor dem Erm&uuml;den zu wehren hat. Mit dem Betracht der kurzen Zeit 
hat sich der liebe Heiland selbst zur wackeren Vollendung seines Tagwerks 
ermuntert <i>(Joh. 9, 4)</i>. Die aus 
dem Juden = und Heidentum zum Christentum &uuml;bergetretenen Glaubensgenossen 
hatten oft viel Weltha&szlig; zu tragen und waren also einer br&uuml;derlichen 
Erquickung besonders bed&uuml;rftig. Heutiges Tages hat man die aus dem 
Dienst des Buchstabens in das Kraftwesen, in den Dienst des Geistes Durchgedrungenen 
aufzusuchen, und sie f&uuml;r die allermeist empfohlenen Glaubensgenossen 
zu achten, die uns der gemeinschaftliche Glaube wie zu Hausgenossen gemacht 
hat. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Galater 6,11-18</font></b></h4> 
 
<p><b>Beschlu&szlig; des Briefs, darin der Apostel seinen bisherigen 
gesamten Vortrag noch mit etlichen durchdringenden Spie&szlig;en und N&auml;geln 
bei ihnen anheftet, indem er ihnen seinen f&uuml;r ihr Heil bezeugten Eifer, 
der falschen Apostel b&ouml;se Absicht, den zwischen dem wahren und falschen 
Christentum obwaltenden gro&szlig;en Unterschied sehr ernstlich zu Gem&uuml;t 
f&uuml;hrt, und sich endlich unter apostolischem Segen von ihnen verabschiedet.</b> 
 
<p>Wenn die Apostel hin und wieder in ihren Briefen etwas 
von ihren Amtsleiden wissen lassen, so war es nicht, um sich kostbar zu 
machen, oder die Anderen zu besch&auml;men; sondern sie nur auch aus ihrer 
Gleichg&uuml;ltigkeit zu mehrerem Ernst zu erwecken. Wenn man aus etwas 
viel macht, oder es als zur Seligkeit n&ouml;tig ausgibt, wenigstens viel 
F&ouml;rderung davon verspricht, so legt man damit einen  den Gewissen 
beschwerlichen Zwang an. <i>Es hat zu jeder 
Zeit seine Punkte, worin die Welt will, da&szlig; man ihr nachgeben soll, 
wof&uuml;r sie dann hernach das &Uuml;brige unangefochten lassen wolle. 
Wer sich aber nicht in diese unlautere Vermischung einl&auml;&szlig;t, 
der mu&szlig; nicht nur Verfolgung leiden, sondern dazu auch den Vorwurf 
tragen, er sei selbst schuldig; man verfolge nicht die Wahrheit; er leide 
um seines Eigensinns willen. An ihren Fr&uuml;chten</i> sollt ihr sie 
erkennen, weist der Apostel, auch gegen diese Art falscher Propheten, den 
Galatern an. Mir, sagt der Apostel, begegne es nicht, in irgend etwas Ruhm 
zu suchen. Damit sch&uuml;ttelt er allen bei der Kreuzfl&uuml;chtigkeit 
gesuchten Ruhm von sich ab als eine Sache, die er f&uuml;r Schaden achtete. 
Christi Kreuz aber umfa&szlig;t er nicht nur mit Glauben und Liebe, sondern 
um der  daran h&auml;ngenden Hoffnung der Herrlichkeit willen, auch mit 
R&uuml;hmen. Unter dem Kreuz aber fa&szlig;t er Alles zusammen, was Christus 
am Kreuz gelitten, erbeten, vermittelt, erworben hat; also dem  im Gericht 
GOttes getragenen Fluch, und uns vermittelten Segen <i>(Kap. 
3, 13)</i> gegen das Unverm&ouml;gen des Gesetzes, die S&uuml;nde im 
Fleisch anzugreifen, die nun bereitete Macht, das Fleisch mit seinen L&uuml;sten 
gekreuzigt zu halten <i>(Kap. 5, 24)</i>. 
Wie Paulus zu diesem Ruhm gekommen, und was ihn dringe, selbigen so ungeschm&auml;lert 
zu bewahren, davon ist <i>Kap. 2, 1921</i> 
nachzusehen. Daher kann die Welt weder mit ihrem Tugendkram, noch mit ihrem 
w&uuml;sten unordentlichen Wesen, sich mehr eindringen, sondern sie wird 
als zum Kreuz und Tod verdammt angesehen und behandelt. <i>Man 
verliert auch alles Geschick, sich ihr angenehm zu machen</i>; man wei&szlig; 
auch, da&szlig; sonst nichts in den L&auml;uterungsstunden und in der letzten 
Feuerprobe besteht, als die neue Kreatur, die man durch den Glauben an 
JEsum Christum wird <i>(2.Kor. 5, 17)</i>. 
Kann man schon mit denen, die sich angenehm machen nach dem Fleisch, den 
ung&ouml;ttlichen Frieden nicht eingehen, den sie anbieten, so hat man 
doch beim geraden Bleiben in seines Glaubens Schranken, auch wenn man sich 
&uuml;ber der Wahrheit manche Feinde machen mu&szlig;, einen g&ouml;ttlichen 
Frieden zu genie&szlig;en; und was Mancher mit einem unbarmherzigen Gericht 
auf uns legen will, dar&uuml;ber widerf&auml;hrt uns Barmherzigkeit. Religions 
= Streitigkeiten sind f&uuml;r ein gern im Frieden GOttes ruhendes Herz 
etwas M&uuml;hsames. Die Gnade unseres HErrn JEsu Christi helfe uns auch 
gegen die Versuchungen unserer Zeit, gegen alle im Fleisch gesuchte Ruhe 
und davon verschafften Ruhm, &uuml;ber diesem Wort vom Kreuz unseres HErrn 
JEsu Christi halten! Amen! 
 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Epheser 1,1-2</font></b></h4> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Der Brief Pauli an die Epheser Einleitung</font></b></h4> 
 
<p>Zu Ephesus war eine durch den Dienst Pauli gesammelte 
und eingerichtete Gemeinde. Den ersten Gang daselbst fand Paulus unter 
den Juden <i>(Apg. 18, 19 zc.)</i>, hielt 
sich aber damals nicht lange auf. Doch kam er bald wieder, und setzte seine 
Arbeit unter den Juden drei Monat lang fort <i>(Apg. 
19, 8)</i>, bis er durch die L&auml;sterung Vieler &uuml;ber das Evangelium 
gedrungen wurde, sich von den Juden zu trennen (<i>V. 
9),</i> &uuml;brigens aber mit der Predigt des Evangelii bei einer anderen 
dazu ersehenen Gelegenheit fortzufahren, da&szlig; Beide, Juden und Griechen, 
die in Asien wohnten, das Wort des HErrn JEsu h&ouml;rten, w&auml;hrend 
welcher Zeit GOtt nicht geringe Taten durch die H&auml;nde Pauli wirkte, 
und der Name des HErrn JEsu unter manchen dazu behilflichen Schickungen 
hochgepriesen wurde <i>(V. 10+11+17)</i>. 
Sonderlich st&uuml;rzte GOtt durch das Licht des Evangelii manche vorher 
im Finstern geschlichene vorwitzige K&uuml;nste, da&szlig; die, so damit 
umgingen, die B&uuml;cher &ouml;ffentlich verbrannten (<i>V. 
9)</i>; dabei vers&auml;umte freilich der GOtt dieser Welt nicht, eine 
solche wichtige Festung und Sammelplatz f&uuml;r seine Kinder des Unglaubens 
m&ouml;glichst zu verteidigen, und bediente sich dazu insonderheit eines 
Werkzeuges, eines ansehnlichen B&uuml;rgers der Stadt, mit Namen Demetrius, 
der von denen  in Silberarbeit nachgemachten Modellen des ber&uuml;hmten 
Tempels der Diana nicht nur selbst gro&szlig;en Nutzen zog, sondern auch 
vielen Anderen Verdienst zuwandte, durch deren Beistand er dann eine Emp&ouml;rung 
erregte, darunter Paulus in Lebensgefahr kam <i>(V. 
28+29 sowie 2. Kor. 1, 8 ff).</i> GOtt erweckte ihm aber unter den Regenten 
Asiens gute Freunde <i>(V. 31)</i> und 
lenkte es so, da&szlig; durch einen bed&auml;chtlichen Vortrag des Stadtschreibers 
die Emp&ouml;rung gestillt wurde. Auf dieses hin verabschiedete sich Paulus 
mit Segnen von den Ephesern <i>(Kap. 20, 
1)</i>, und durchzog einige Gegenden Macedoniens, kam aber etwa nach 
drei Monaten wieder in die N&auml;he von Ephesus gen Mileto, wohin er die 
&Auml;ltesten der Ephesinischen Gemeinde kommen lie&szlig;, und ihnen in 
einer sehr beweglichen Rede das zu Gem&uuml;t f&uuml;hrte <i>(Kap. 
20, 1836), </i>was sie f&uuml;r sich und Andere r&uuml;ckw&auml;rts 
und vorw&auml;rts zu bedenken hatten. Von da aus schied er von ihnen, und 
reiste nach Jerusalem, woselbst er in die bekannte Not geriet, und zu letzt 
aus Jud&auml;a gefangen nach Rom &uuml;bergeben wurde; von woher er dann 
diesen Brief an die Epheser schrieb. Der &Uuml;berbringer dieses Briefs 
war vermutlich Tychikus <i>(Kap. 6, 21 u. 
22)</i> der zu gleicher Zeit auch den Brief an die Kolosser zu besorgen 
hatte <i>(Kol. 34, 7)</i>. Dieser mochte 
etwa auch wegen dieses Briefs an die Epheser m&uuml;ndlichen Auftrag haben, 
denselben auch anderen Gemeinden Asiens mitzuteilen. Denn wie der Apostel 
von Ephesus aus auch an anderen Orten Asiens mit dem Evangelio diente <i>(Apg. 
19, 10 u. 26)</i>, so mag er wohl mit diesem seinen Brief neben dieser 
Hauptstadt und ansehnlichen Gemeinde, auch etliche andere zu unterrichten 
und zu befestigen die Absicht gehabt haben; welches daher noch glaublicher 
wird, weil der Apostel in diesem Brief sich aller n&auml;heren Umst&auml;nde 
enth&auml;lt, und so schreibt, da&szlig; es f&uuml;glich an Bekannte und 
an weniger Bekannte zugleich laufen konnte; wie er denn auch nirgends hin 
einen Gru&szlig; aufgibt, und den Beschlu&szlig; so allgemein und auf Viele 
eingerichtet macht. Wenn man vergleicht, wie nachmals die Offenbarung Johannis 
an sieben asiatische Gemeinden und ihre Vorsteher adressiert war, worunter 
auch Ephesus zuerst und Laodicea zuletzt stand; so k&ouml;nnte man noch 
auf eine weitere gute Vermutung kommen, n&auml;mlich das diese Epistel 
zuerst und allermeist nach Ephesus gewidmet und &uuml;berschrieben war, 
in dem mit Tychiko m&uuml;ndlich verabredeten Zirkel aber zuletzt nach 
Laodicea kommen sollte; daher Paulus den Kolossern einen Wink darauf gibt 
<i>(Kol. 
4, 16)</i>, da&szlig; sie von Laodicea aus diese Epistel am f&uuml;glichsten 
wieder erhalten, und durch beiderseitige Mitteilung gegeneinander eine 
Gemeinde der anderen einen n&uuml;tzlichen Dienst tun k&ouml;nnen. 
<p>Der Hauptzweck des Apostels in diesem Brief ist, den &uuml;berschwenglichen 
Reichtum der allgemeinen Gnade GOttes in Christo JEsu &uuml;ber Juden und 
Heiden so anzupreisen, da&szlig; das seiner nachmaligen Hauptermahnung, 
als Glieder eines Leibes zusammen zu halten, schicklich den Weg bahnte. 
<p>Der Vortrag geschieht, wie es dem heiligen Affekt des 
Apostels gem&auml;&szlig; ist, bald unter einem Lob GOttes, bald unter 
Versicherung seines anhaltenden Gebets, bald unter n&auml;herer Gegeneinanderhaltung 
ihres vorigen elenden und jetzigen seligen Zustandes, bald unter Anf&uuml;hrung 
seines Gebets um ihre weitere St&auml;rkung. Dabei wechselt er mit den 
Worten: Wir und ihr, uns und euch, so bed&auml;chtlich ab, da&szlig; man 
daraus seine Absicht auf Juden und Heiden wohl sehen kann. Die Ermahnungen 
in den drei letzten Kapitel flie&szlig;en auch so sanft, da&szlig; der 
Apostel nicht die Sch&auml;rfe braucht, wie sonst gegen andere durch seinen 
Dienst zugerichtete Gemeinden. Die Gemeinde zu Ephesus mu&szlig; auch noch 
ziemliche Zeit in bl&uuml;hendem Zustand geblieben sein, wie der <i>Offb. 
2, 15</i> an ihren Vorsteher gerichtete Brief zu erkennen gibt; und 
gegen das Ende seines Laufs soll sich der Apostel und Evangelist Johannis 
allermeist zu Ephesus aufgehalten, und sie also noch den lieblichen Umgang 
dieses sonderbaren Lichts genossen haben. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Epheser 1,1-2</font></b></h4> 
 
<p><b>Aufschrift des Briefs.</b> 
 
<p>Als einen Apostel JEsu Christi gibt sich Paulus an, und 
beweist daher sein Recht, alle Welt im Namen seines HErrn in Ansprache 
zu nehmen, gibt damit aber auch den Grund, warum man sich bei der Annahme 
seines Worts sicher halten d&uuml;rfe. Auf den Willen GOttes bezieht sich 
der Apostel nachmals &ouml;fters als auf die Quelle alles Guten <i>(V. 
5 u. 9. u. 11)</i> und diesem verdankt er hiermit auch sein Apostelamt; 
wie denn bei seiner Bekehrung die erste Frage war: HErr, was willst du, 
da&szlig; ich tun soll? <i>(Apg. 9, 6)</i> 
Besonders ist nachgehends der Wille GOttes dahin gedeutet worden, da&szlig; 
ihn GOtt unter die Heiden senden wolle <i>(Apg. 
22, 21).</i> Heilige und Gl&auml;ubige macht das Evangelium zugleich. 
N&auml;mlich GOtt fordert uns durch seinen heiligen Ruf aus der Welt heraus 
zu einem herrlichen Eigentum JEsu Christi; und der Glaube lernt diese gro&szlig;e 
Wohltat und Absicht mit uns immer v&ouml;lliger erkennen und genehmigen; 
woraus denn auch bei uns der Flei&szlig;, der Heiligung nachzujagen erw&auml;chst. 
Ein Gl&auml;ubiger ist schon ein Heiliger. Mein GOtt! Ich bin Dein; darum 
bin ich heilig. Erhalte mich im Glauben an Christo JEsu.  Das Hauptgut 
der Heiligen und Gl&auml;ubigen ist Gnade und Friede. Das gibt vom ersten 
Anfang an das Leben ihres Herzens, das tr&auml;gt ihnen auch ihre t&auml;gliche 
Nahrung und St&auml;rke aus, und damit sind sie auch bis an das Ziel ihres 
Laufs ausger&uuml;stet. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Epheser 1,3-7</font></b></h4> 
 
<p><b>Unter vieler Erweiterung seines Herzens im Lobe GOttes 
legt der Apostel die F&uuml;lle der Gnaden und Gaben aus, womit GOtt in 
Christo uns gesegnet hat, und zeigt dabei den tiefen Grund, aus dem Alles 
geflossen, und die hohe Absicht, auf die Alles eingerichtet ist.</b> 
 
<p>Es ist eine dem Glauben besonders eigene Demut und Dankbarkeit, 
da&szlig; er alles widerfahrene Gute nicht in etwas Eigenes oder in Selbstgef&auml;lligkeit 
verwendet, sondern durch Loben und Danken Alles auf GOtt, als zur Quelle 
zur&uuml;ckf&uuml;hrt, eben damit aber auch im steten Bitten und Suchen, 
Nehmen und Finden, bleibt. <i>Sie sollen 
gesegnet werden,</i> war die Summa aller Verhei&szlig;ungen im Alten 
Testament: <i>Er hat uns gesegnet,</i> 
ist der Evangelische Ruhm &uuml;ber die Erf&uuml;llung dieser Verhei&szlig;ungen 
im Neuen Testament. Mit diesem geistlichen Segen in himmlischen G&uuml;tern 
besiegte das Evangelium die ganze Welt, und den irdischen Sinn, in welchem 
Juden und Heiden gefangen lagen.  Der himmlische Beruf im Evangelio und 
dessen gl&auml;ubige Annahme, oder die irdisch gesinnte Ablehnung desselben 
macht noch die gr&ouml;&szlig;te Scheidung unter den Menschen. Wo ist dein 
Schatz? Wo ist dein Herz?  Dies in der Zeit an uns vorgenommene Segnen 
richtet sich nach einer  vor der Zeit der Welt gefa&szlig;ten Erw&auml;hlung. 
Die Schrift hei&szlig;t uns nirgends zuerst nach der Erw&auml;hlung forschen, 
<i>sondern 
den Beruf als Aufschlu&szlig; derselben ansehen</i>. Diesen an uns kr&auml;ftig 
gewordenen Beruf aber macht uns die Schrift damit desto fester, da&szlig; 
sie versichert, was hierin in der Gnadenzeit an uns vorgehe, richte sich 
nach einer vor der Zeit der Welt schon gefa&szlig;ten Wahl der Gnade. Bei 
dieser Gnadenwahl aber ist immer das allgemeine Erbarmen GOttes vorausgesetzt, 
nach welchem GOtt will, da&szlig; allen Menschen geholfen werde. Wer aber, 
wann und wie ein Jeder zu diesem in Christo bereiteten Heil gelange, das 
hat GOtt vorausgesehen und auch bestimmt, und dar&uuml;ber nach dem Wohlgefallen 
seines Willens eine Einrichtung getroffen. In dieser Einrichtung f&uuml;r 
die in dieser Weltzeit zum Heil gelangenden ist nicht nur ihre endliche 
Bewahrung zur Seligkeit festgesetzt, sondern auch die Gnade des Berufs, 
und alle an ihre Vollendung zu verwendende Arbeit der Gnade ausgemacht. 
Deswegen wird man unter der t&auml;glichen Erfahrung der Treue GOttes am 
sichersten in die Gewi&szlig;heit der Erw&auml;hlung eingeleitet. Darunter 
werden wir GOtt zum Eigentum und Dienst &uuml;bergeben, und also heilig 
und unstr&auml;flich vor Ihm, und das ist ein lauteres Gesch&auml;ft der 
Liebe GOttes. Wenn schon also die Schrift so viel dem Wohlgefallen Seines 
Willens einr&auml;umt; so darf uns das nicht scheu gegen GOtt machen: denn 
was in Christo geschieht, geschieht in der Liebe, in der vorz&uuml;glichen 
Liebe, uns zur Gleichheit mit dem Ebenbilde Seines Sohnes nach Kindschafts 
= und Erbschaftsrecht zu bringen. Hierin ist auch GOttes Ehre und unser 
Heil unzertrennlich mit einander verbunden; GOtt sucht seine Ehre, oder 
aber das Lob seiner Herrlichkeit an uns durch unsere Begnadigung. Erst 
an denen, die nicht seiner Gnade leben wollen, mu&szlig; Er durch Offenbarung 
Seines gerechten Zorns suchen, was sie ihm durch Unglauben entziehen wollen. 
Im Alten Testament hie&szlig; es oft: GOtt tue wohl um Abrahams zc., um 
seines Knechtes Davids willen; nun aber geht Alles in und durch den Geliebten, 
der die Vers&ouml;hnung f&uuml;r der ganzen Welt S&uuml;nde geworden ist. 
Hat man an Ihm einmal die Vergebung der S&uuml;nden; so h&auml;lt nichts 
mehr den Ausflu&szlig; alles &uuml;brigen geistlichen Segens auf. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Epheser 1,8-12</font></b></h4> 
 
<p><b>Weiterer Ruhm von der  durch das Evangelium entstandenen 
gnadenreichen Zeit.</b> 
 
<p>Unwissenheit, Zweifel, daher kommende Furcht, unstetes 
Herum = und Hinumfallen von Einem auf das Andere ist eine gro&szlig;e Plage, 
zieht den Menschen viel Not zu, da&szlig; sie nicht wissen, was sie glauben 
und tun sollen; ist daneben ein kl&auml;gliches Denkmal, da&szlig; wir 
unter dem Baum des Erkenntnisses Gutes und B&ouml;ses gefallen sind, durch 
die betr&uuml;gliche Vorstellung: eure Augen werden aufgetan werden. Darum 
ist es eine gro&szlig;e Probe von dem &uuml;berflie&szlig;enden Reichtum 
der Gnade GOttes, da&szlig; er diesen Schaden heilt, und dem Menschen zur 
Erkenntnis der Wahrheit hilft in aller Weisheit und Verstand. <i>Weisheit</i> 
schafft Einsicht in das Vergangene und Gegenw&auml;rtige von dem, was GOtt 
in Sachen der Menschen getan hat. <i>Klugheit</i> 
reicht auch in das Zuk&uuml;nftige, wie wir im Licht zu wandeln haben, 
mit Gewi&szlig;heit wo wir hingehen. Trug schon das Gesetz dem Volk Israel 
eine vorz&uuml;gliche Weisheit aus, wie viel mehr die im Evangelium nun 
bescherte Verk&uuml;ndigung von GOtt. Denn das Mittel, wodurch GOttes Gnade 
in Weisheit und Verstand &uuml;ber uns ausgeflossen ist, gibt der Apostel 
selbst an, da&szlig; es die Kundmachung des Evangelii gewesen sei, darin 
uns GOtt das Geheimnis seines Willens oder den Willen wissen lie&szlig;, 
der zuerst zwischen dem Vater und dem Sohn verabredet worden ist, den der 
Sohn in Gehorsam und Leiden getan, und in welchem wir nun GOtt geheiligt 
und Ihm zugef&uuml;hrt sind, nach welchem aber auch die Gnadenordnung festgesetzt 
ist, da&szlig;, wer den Sohn sieht, und glaubt an Ihn, ewiges Leben habe. 
Dieser Wille hei&szlig;t ein Geheimnis, teils &uuml;berhaupt um seiner 
Tiefe willen, teils auch vergleichungsweise wegen der  im Alten Testament 
zuvor beobachteten Stille <i>(Kap. 3, 5)</i>. 
Durch den &ouml;fteren Zusatz: nach Seinem Wohlgefallen, nach dem Rat seines 
Willens usw. beugt der Apostel unser mi&szlig;trauisches und den Heiligen 
in Israel zu meistern so geneigtes Herz. O wer ist mit dieser nach GOttes 
Wohlgefallen gemachten Einrichtung genugsam zufrieden? Wer l&auml;&szlig;t 
ihm gern Macht, mit dem Seinen zu tun, was Er will? GOtt hat die Welt nicht 
unbereitet mit diesem vollen Licht &uuml;berfallen; sondern aus vieler 
mit den Menschen vorgenommener Vorbereitung zum Glauben hat man abnehmen 
k&ouml;nnen, da&szlig; die Zeit nun erf&uuml;llt, und nach der Einrichtung 
GOttes das Evangelium in aller Welt gepredigt werden sollte. Was hier hei&szlig;t: 
<i>unter 
ein Haupt verfa&szlig;t werden</i>, das hei&szlig;t <i>Kol. 
1, 20</i> vers&ouml;hnt werden, mithin deutet es an, durch Vers&ouml;hnung 
in ein Band gefa&szlig;t, und in Frieden mit GOtt, und in Gemeinschaft 
untereinander gesetzt werden. Bei den allgemeinen Ausdr&uuml;cken: Alles 
im Himmel und auf Erden, haben wir zwar keine eigenm&auml;chtige Einschr&auml;nkung 
zu machen; aber um deswillen auch nicht gleich auf das H&ouml;chste und 
&Auml;u&szlig;erste zu springen, und von der Wiederbringung aller Dinge 
zu sagen; sondern in unserem Herzen wohl zu erkundigen, ob wir das N&auml;here 
mit festem Glauben fassen, und von dem, wie auf einer Himmelsleiter, weiter 
aufsteigen. Manche, die zuviel auf einmal umfassen wollen, werden an Einem 
wie am Anderen zuletzt irre und ungewi&szlig;.  In den geh&auml;uften 
Ausdr&uuml;cken: durch Ihn selbst, durch welchen, in Christo u. dergl. 
bezeugt der Apostel einen ungew&ouml;hnlichen Eifer und Sorgfalt, uns immer 
an Christum hinzubinden, und uns anzugew&ouml;hnen, da&szlig; wir doch 
darin unseren Ruhm einig suchen und finden, da&szlig; wir Christum angeh&ouml;ren, 
oder zu seinem Erbteil gez&auml;hlt sind; wir m&ouml;gen hernach GOttes 
Wahrheit zu preisen haben, wie die von den V&auml;tern, denen die Verhei&szlig;ung 
geschehen war, abstammenden Juden; oder GOtt mehr &uuml;ber Seiner Barmherzigkeit 
zu loben haben, wie die Heiden, die unverhofft des Gnadenberufs gew&uuml;rdigt 
worden sind. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Epheser 1,13-18</font></b></h4> 
 
<p><b>Daher kommt nun der Apostel auch darauf, wie der geistliche 
Segen unter die Heiden gekommen sei, und was das ihm selbst auch zum fr&ouml;hlichen 
Lob GOttes, und zur anhaltenden F&uuml;rbitte austrage.</b> 
 
<p>Die Predigt des Evangelii in aller Welt, oder der Ruf 
zur Bu&szlig;e und der Glaubensvorhalt an alle Menschen ist eine der wichtigsten 
Folgen von der allgemeinen Vers&ouml;hnung, die der HErr JEsus am Kreuz 
gemacht hat. Es ist ein <i>Wort der Wahrheit</i>, 
an dem Jeder, der aus der Wahrheit ist, und dem es um Wahrheit zu tun ist, 
sp&uuml;rt, wie dadurch der Wahrheit aufgeholfen wird; es ist ein Evangelium 
unserer Seligkeit, das nicht nur Botschaft davon bringt, sondern darin 
auch eine Gotteskraft zum wirklichen Seligmachen liegt, durch den Glauben, 
wozu es das Herz neigt; und es gibt auch den Geist, der uns zu unserer 
eigenen Gewi&szlig;heit und festem Stand in der Wahrheit gereicht, der 
uns aber auch gegen Andere zum Zeugnis dient, da&szlig; wir in die rechte 
Gnade seien zu stehen gekommen, und der uns sonderlich auch unserer Bewahrung 
versichert, die wir als ein erl&ouml;stes Eigentum des HErrn zu genie&szlig;en 
haben; die wir aber zusamt der daran hangenden Krone Dem zu F&uuml;&szlig;en 
legen, der uns zu Lobe seiner Herrlichkeit angenommen hat. An dem Beruf 
der Heiden in die Gnade Christi hatte Paulus gar besondere Freude, und 
was er davon h&ouml;rte, das zog ihn in ein eifriges anhaltendes Gebet, 
da&szlig; GOtt durch seinen Geist das angefangene gute Werk fortsetzen 
und vollenden wolle; wozu der Apostel die immer mehr gesch&auml;rfte und 
ge&uuml;bte Sinnen rechnet, in die Erkenntnis GOttes und Christi und in 
die Hoffnung unseres Berufs; denn das h&auml;lt gewi&szlig; auch zu aller 
Bereitschaft und Flei&szlig; an, um dieser gro&szlig;en Verhei&szlig;ungen 
willen nichts an seiner Reinigung und der Vollendung der Heiligung zu vers&auml;umen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Epheser 1,19-23</font></b></h4> 
 
<p><b>N&auml;chst zuvor hat der Apostel ihnen Einsicht in die 
Hoffnung ihres Berufs gew&uuml;nscht, nun auch in die St&auml;rke, womit 
GOtt diese gro&szlig;en Absichten an ihnen ausf&uuml;hren k&ouml;nne und 
unfehlbar werde.</b> 
 
<p>Neben den Blicken in das Weite und in die Hoffnung unseres 
Berufs im Unsichtbaren und Ewigen, neben die Einsichten in die Haushaltung 
GOttes au&szlig;er uns, ist ja nicht zur&uuml;ckzusetzen die Einsicht auch 
in die n&ouml;tigen Erfahrungs = Wahrheiten von dem Gnadenwerk GOttes in 
uns, damit Beides zusammen seinen Zug tue, das Herz fest und voll Zuversicht 
und Liebe zu machen. Wenn der Mensch die Tiefe seines Falles, die Menge 
und List seiner Feinde, die m&auml;chtigen Hindernisse seines Heils bedenkt, 
so ist ihm freilich eine Einsicht in die Gr&ouml;&szlig;e der GOttes = 
Macht, die an seinen und Bewahrung zur Seligkeit verwendet wird, sehr erw&uuml;nscht. 
Am Glauben kann man es auch am eigentlichsten merken, wie GOtt seine &uuml;berschwengliche 
Kraft anwendet, und wie der Mensch davon nicht in gewaltt&auml;tiger Weise 
&uuml;berw&auml;ltigt, sondern so geneigt wird, da&szlig; es auch selbst 
seine &Uuml;berzeugung, Liebe zum Licht, Gehorsam darunter bew&auml;hren 
kann. Es geht ja beim Glauben gegen die so tief in uns liegende Liebe des 
eigenen Lebens, gegen so viele im Weltlauf uns vorkommende &Auml;rgernisse; 
darum erfordert es eine Wirkung seiner m&auml;chtigen St&auml;rke. Diese 
GOttes = Kraft und ihre Wirkung an uns ist freilich noch verborgen, mit 
unseren Schwachheiten verdeckt, hinter dem Vorhang des Fleisches noch nicht 
so v&ouml;llig zu beurteilen; aber an Christo JEsu ist sie schon zum Sieg 
ausgef&uuml;hrt. Nun ist Christus und sein ganzer Lauf, sein Ausgang vom 
Vater, sein Kommen in die Welt, sein Hingang zum Vater von seinem Herunterfahren 
in die tiefste Erniedrigung bis zu seinem Sitzen auf GOttes Stuhl, ein 
Erweis von dem, was GOttes Kraft tun kann, und eine Abbildung von dem, 
was sie auch an unserem Fleisch tun kann und will. GOttes Kraft wirkte 
freilich schon vorher in Christo auch w&auml;hrend Seines hiesigen Wandels 
in der Welt, unter aller seiner Macht in Worten und Taten. Aber der Apostel 
beruft sich doch allermeist auf die Auferweckung von den Toten; weil dadurch 
eigentlich die tiefe Leidens = und Todesschmach aufgehoben, und also die 
Wahrheit gerettet worden ist, nach welcher Christus, wenn er sich auch 
zum Schm&auml;hlichsten bequemt hat, doch &uuml;ber dem Ruhm des Herrlichsten 
gehalten hat, wohin es GOttes Kraft noch mit ihm bringen werde. Mit der 
Auferstehung aber fing das in GOtt verborgene Leben der Herrlichkeit an, 
und sobald die k&uuml;nftigen Zeugen der Auferstehung durch die n&ouml;tigen 
Erweisungen seines Lebens unter ihnen genugsam ausger&uuml;stet waren, 
so ging es ohne Aufenthalt dem Thron des Vaters zu, und dem unumschr&auml;nkten 
Gebrauch aller Macht im Himmel und auf Erden. Dort und von dort aus wird 
nun Alles zur Erkenntnis seiner Oberherrschaft, zum Gehorsam, zu Vollbringung 
seines Willens angehalten, oder zum Abstehen vom feindseligen Toben unter 
seine F&uuml;&szlig;e gebracht; Alles aber nach dem Vorsatz GOttes und 
auch nach dessen dazu gesetzten Stunden; deswegen unserm &uuml;ber Alles 
erh&ouml;hten HErrn ein k&ouml;stliches Warten zugeschrieben wird <i>(Heb. 
10, 13)</i>. Alle diese empfangene Macht und Herrschaft nun wird allermeist 
zum Besten der Gemeinde angewendet, mit welcher dieser &uuml;ber Alles 
zum Erben gesetzte Sohn in der genauesten Verbindung als ihr Haupt steht; 
von dem sie alle Belebung, Regierung und Besch&uuml;tzung zu erwarten hat. 
Diese durch das Evangelium berufene Auswahl GOttes hat vor Allem Christi 
Erh&ouml;hung zu genie&szlig;en, als welche den Leib und Glieder dieses 
Haupts ausmacht, deren Leben, Wachstum, Starkwerden, Verbindung und Einigkeit 
von diesem Haupt erhalten wird. Die beigesetzten Worte: <i>Die 
F&uuml;lle de&szlig;, der Alles in Allem erf&uuml;llt</i>, hat Luther 
und nach ihm viele Andere von der Gemeinde verstanden, deswegen er das 
W&ouml;rtlein, n&auml;mlich einger&uuml;ckt hat. Der Sinn daran w&auml;re 
dieser: das Haupt und der Leib machen ein Ganzes aus; an der Gemeinde sieht 
man die F&uuml;lle De&szlig;, der Alles in Allem erf&uuml;llt; Christus 
wendet die  in ihm wohnende F&uuml;lle der GOttheit zu Ausfertigung und 
Vollendung dieser seiner Gemeinde an; Er l&auml;&szlig;t sie nicht, bis 
Er auch Alles Wohlgefallen GOttes erf&uuml;llt, und sie untadelich, erf&uuml;llt 
mit allen Fr&uuml;chten der Gerechtigkeit, dargestellt hat. Weil es aber 
doch Anderen unbequem gedeucht hat, von der Gemeinde zu sagen: die F&uuml;lle 
De&szlig;, der Alles in Allem erf&uuml;llt; so haben sie diesen Ausdruck 
als ein  auf den ganzen bisherigen Vortrag Pauli gedrucktes Siegel angesehen, 
womit er am Beschlu&szlig; noch einmal Aller Achtung erwecken und befestigen 
wollte, durch die Versicherung: damit habe ich euch Alles gesagt, darin 
liegt die F&uuml;lle De&szlig;, der Alles in Allem erf&uuml;llt. Wer in 
Glaubensgemeinschaft mit dem steht, der hat Alles. Ihr seid vollkommen 
in Ihm, hei&szlig;t es <i>Kol. 2, 10</i> 
ihr bed&uuml;rft nichts Weiteres; was man euch au&szlig;er dem anbietet, 
d&uuml;rft ihr als entbehrlich abweisen; was euch noch nicht aufgeschlossen 
ist, habt ihr noch in dieser F&uuml;lle gut stehen, und GOtt wird es noch 
&uuml;ber euer Denken hinaus an euch ausf&uuml;hren, und sich auch euren 
mangelhaften Begriff davon nicht hindern lassen. Seine Einrichtung ist 
schon darnach gemacht, da&szlig; nichts zur&uuml;ckbleiben soll. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Epheser 2,1-10</font></b></h4> 
 
<p><b>Da der Apostel an denen, die aus Juden und Heiden zum 
Glauben gebracht worden sind, eine &uuml;berschwengliche Gr&ouml;&szlig;e 
der Kraft GOttes gepriesen hatte, so zeigt er nun weiter, warum eine solche 
&uuml;berschwengliche Kraft anzuwenden n&ouml;tig gewesen sei, und auf 
was es dieselbe mit uns anfange, und wie weit sie es mit uns bringe.</b> 
 
<p>N&auml;chst zuvor hat uns der Apostel die Himmelsleiter 
gezeigt, wie sie an GOttes Thron hinreicht, auf den unser HErr und Haupt 
sich gesetzt hat; jetzt zeigt er sie auch von der Seite, wo sie die Erde 
ber&uuml;hrt, oder die aus Juden und Heiden Berufenen ergreift, und aus 
ihrem Fall aufrichtet. Den belebten Menschen will es freilich nicht recht 
ein, sich als <i>tot</i> durch &Uuml;bertretung 
und S&uuml;nden anzusehen. Schwach lie&szlig;en sie noch eher auf sich 
kommen; und es ist wahr, das Wort GOttes beschreibt uns auch zuweilen als 
Schwache, als Kranke, die des Arztes bed&uuml;rfen zc. Aber auch damit 
meint es der Geist GOttes nicht so, wie es die Menschen gern auslegten. 
Sie geben sich schwach an, mit der Beredung, sie k&ouml;nnten sich wieder 
erholen, und seien stark auf dem Weg der Besserung. Das Wort GOttes aber 
meint eine Schwachheit, wobei keine Selbsthilfe mehr Statt hat; wo die 
Hoffnung zur Genesung nur auf der N&auml;he und dem Vielverm&ouml;gen des 
Arztes beruht. So gewi&szlig; der Leib ohne Seele tot ist, so gewi&szlig; 
ist die Seele ohne Geist tot; sie hat zwar ein nat&uuml;rliches Leben, 
und aus demselben Kr&auml;fte, Verstand, Willen, Klugheit, kann es auch 
verm&ouml;ge der Sinnen und Glieder des Leibes &auml;u&szlig;ern; aber 
GOtt zu erkennen, Ihn zu lieben, seiner Wahrheit beizupflichten, Zeitliches 
und Ewiges miteinander zu verbinden, Hoffnung des ewigen Lebens zu behaupten: 
das ist Alles weg, und was davon an die toten Menschen dringt, das findet 
viel Widerstand. Jeder, sobald es ihm um die Wahrheit zu tun ist, so bald 
er nimmer zu zanken, sondern Kraft und Wesen zu haben begehrt, wird sich 
dessen aus innigstem Gef&uuml;hl schuldig geben. Der Wandel und die Gesch&auml;ftigkeit, 
womit man insgemein diesen Tod bedeckt, macht den Schaden nicht geringer, 
sondern vielmehr gef&auml;hrlicher. Denn weil er nach dem Lauf dieser Welt 
geht; so finde ich die S&uuml;nde zugleich als ein  in die ganze Welt 
eingedrungenes, alle Zeiten und Geschlechte ansteckendes, mit den Zeiten 
wachsendes &Uuml;bel, das sich also in vielen Denkungs = und Handlungs 
= Arten festsetzt, die auch ein einzelner Mensch nicht zu &auml;ndern vermag, 
sondern von dem oft umgeben, &uuml;berw&auml;ltigt, eingenommen und betrogen 
wird, ehe man sich daf&uuml;r zu h&uuml;ten vermag. Das Alles macht uns 
die Erl&ouml;sung und die darin wirkende Gr&ouml;&szlig;e der Kraft GOttes 
desto teurer. Der Apostel aber l&auml;&szlig;t es nicht nur bei diesem, 
sondern geht noch weiter, da&szlig; der <i>F&uuml;rst</i>, 
welcher in der Luft herrscht, darunter sein Werk habe; und das macht die 
Sache noch bedenklicher. Da&szlig; die Zeit, der jedesmalige Weltlauf, 
die darin aufgekommenen Grunds&auml;tze, Ansichten und Gewohnheiten viel 
in dem Menschen wirken, ihn in Manches hineinziehen, auf das er f&uuml;r 
sich allein nicht k&auml;me, ihm auch seinen Ausgang und Freiheit schwer 
machen k&ouml;nnen, wenn auch wirklich eine bessere Sehnsucht in ihm aufsteigt; 
das merkt man noch leichter. Aber da&szlig; ein F&uuml;rst, eine Obrigkeit 
der Finsternis, eine, so weit Luft und Wolken gehen, ausgebreitete und 
behende Macht dahinter stecke, das wu&szlig;te man weder von sich selbst, 
noch will man es auch glauben, da es doch vom Wort GOttes bezeugt wird. 
Der Teufel hat selbst das beste Interesse darunter, wenn man unter der 
Menschen H&auml;ndel wenig von seinem Gesch&auml;ft vermutet. Denn da sieht 
man sich hernach auch weniger nach der Waffenr&uuml;stung GOttes um, achtet 
die Erl&ouml;sung geringer. Was die Schrift uns vom Teufel und seinen Einwirkungen 
in unserer Luft sagt, sagt sie uns nicht zu einer faulen Entschuldigung, 
wie der Mensch gleich Anfangs dahinter suchen wollte: Die Schlange betrog 
mich; sondern zu einem Antrieb, uns nach der im Evangelio verk&uuml;ndigten 
Erl&ouml;sung begieriger umzusehen; und wer den Teufel und seine Einwirkung 
verleugnet, hat daran den gr&ouml;&szlig;ten Schaden, da&szlig; er Christum, 
den &Uuml;berwinder desselben, weniger kennt und ben&uuml;tzt. Das Wirken 
in den Kindern des Unglaubens richtet sich immer nach der Art und den Mitteln, 
worunter GOtt den Glauben vorh&auml;lt, und zu dessen Aufrichtung wirkt. 
 
<p>So lange GOtt den Glauben noch mehr durch Wunder und Zeichen 
vorhielt und bekr&auml;ftigte, so gab es auch noch mehr nachge&auml;ffte 
finstere Kr&auml;fte, wie bei Mose und den &auml;gyptischen Zauberern. 
Seitdem GOtt mehr durch das Wort und die darein gelegten Sch&auml;tze der 
Weisheit wirkt; so geht auch das Gewirk in den Kindern des Unglaubens mehr 
durch eine  dem Wort GOttes entgegenstehende Weisheit und falsch ber&uuml;hmte 
Kunst. Durch die  dem Judenvolk verliehenen heilsamen Sitten und Erkenntnis 
brachte ihnen GOtt anf&auml;nglich noch eine Bewahrung vor dem eitlen Lauf 
der &uuml;brigen Heiden bei; aber durch ihre nachmalige Zerstreuung und 
Vermengung mit den Heiden hat auch diese Bewahrung abgenommen, konnte weniger 
Gutes bewirken, und dem B&ouml;sen schw&auml;cheren Widerstand tun; da&szlig; 
also auch bei den Juden auf der einen Seite das  durch das Fleisch geschw&auml;chte 
Gesetz nicht viel ausrichtete, und auf der anderen Seite die von der ungl&auml;ubigen 
Welt in sie gedrungenen Flattergeister das Verderben immer h&ouml;her trieben 
Dadurch wurden die L&uuml;ste des Fleisches ein  in den Gliedern kr&auml;ftiges 
und Gehorsam und Erf&uuml;llung forderndes Gesetz, und das  im Buchstaben 
vor ihnen liegende Gesetz GOttes wurde, zusamt der im Gewissen gewirkten 
Neigung wieder zur&uuml;ckgetrieben; und so zieht sich der Wille des Fleisches 
und der Vernunft in ein b&ouml;ses Geschw&uuml;r zusammen. Anfangs kann 
zwar Fleisch und Vernunft eine weile mit einander im Streit liegen. Die 
Vernunft klagt die L&uuml;ste des Fleisches als niedertr&auml;chtig und 
dem Menschen unanst&auml;ndig an; gibt aber kein Verm&ouml;gen, selbiger 
los zu werden; und das Fleisch wirft der Vernunft dies ihr Unverm&ouml;gen 
und die daher kommende Falschheit ihrer angema&szlig;ten Tugenden vor, 
und daher machen diese Beiden lieber Frieden miteinander. Die Vernunft 
vergleicht sich mit dem Fleisch, und hilft dessen L&uuml;ste rechtfertigen 
und entschuldigen, streicht ihnen einen besseren Schein an, und das Fleisch 
kriecht auch dem Ruhm der Vernunft zu lieb zuweilen in eine Gestalt, die 
nicht gar zu plump heraus kommt. Das gibt die Menschen ab, die zusammen 
den Willen des Fleisches und der Vernunft tun. Aus solcher Tiefe des Verderbens 
mag ja wohl oft die Frage aufsteigen: Aber wie ist uns zu raten? Und darauf 
ist es ein herrliches Evangelium: Aber GOtt, der da reich ist an Barmherzigkeit, 
hat einen heiligen Eifer, uns zu retten, gefa&szlig;t, wie ein Vater ein 
ihm verf&uuml;hrtes Kind zu retten sucht, dessen Ungehorsam und B&ouml;ses, 
wozu es verleitet worden ist, er ha&szlig;t, das Kind aber liebt, und Alles 
zu seiner Rettung anwendet. Indem er Christum lebendig gemacht hat, sind 
wir mit ihm lebendig gemacht worden. Wie wir in Adam ges&uuml;ndigt haben 
und gestorben sind; S&uuml;nde und Tod aber nachgehends auch unserer eigenen 
Person sich bemeistern; so sind wir anf&auml;nglich samt Christo lebendig 
gemacht, und zum Leben gerechtfertigt; bei der Bekehrung zu GOtt aber, 
und bei dem Glauben an das Evangelium kommt das, was bei Christi Auferstehung 
an dem ganzen Menschengeschlecht geschehen ist, auch an einem Jeden in 
Person zustande. Bei Christo war es unzertrennlich: Durch Lebendigmachen 
gerechtfertigt, sodann von den Toten ausgef&uuml;hrt, und zwar nicht wieder 
in die vorige Gestalt des s&uuml;ndlichen Fleisches zur&uuml;ckgebracht, 
sondern  als in der Kraft GOttes lebend, in GOtt verborgen, in sein himmlische 
Wesen gesetzt werden. Weil nun das Alles in Christo, als f&uuml;r uns und 
uns zugut geschehen, vorgegangen ist, so kann es uns nun im Evangelium 
gepredigt und zu Glauben vorgehalten werden, da&szlig; Alles zusammen auch 
unseres Herzens Leben wird: Ohne den Reichtum diese uns verschafften Heils 
kann Keiner den Einblick in die Tiefe unseres Falls vertragen; aber auch 
ohne die Tiefe unseres Falls nach GOttes Wort, und der  damit &uuml;bereinstimmenden 
Erfahrung zu Herzen zu nehmen, h&auml;lt man den Vorhalt aus dem Evangelio 
f&uuml;r &uuml;bertrieben. O was ist es um das Eindringen und Erfundenwerden 
in Ihm. Wie Manches hievon ist bisher schon durch das Evangelium an das 
Licht gebracht worden; was wird GOtt in k&uuml;nftigen Zeitaltern noch 
schaffen, da&szlig; der Reichtum der Gnade Christi noch getroster bezeugt, 
freudiger geglaubt und ungest&ouml;rter wird genossen werden! War es aber 
auf Seiten GOttes ein Reichtum der Barmherzigkeit und gro&szlig;en Liebe, 
die Ihn gedrungen hat, sein Recht an uns wieder aufzusuchen; so ist es 
in Ansehung unserer und unserer gro&szlig;en Unw&uuml;rdigkeit eine freie 
Gnade, da&szlig; diese Anstalt gemacht worden ist; und da&szlig; sie nun 
auch so an uns ausgef&uuml;hrt wird; da&szlig; die im Glauben empfangene 
Gnade, der durch den Glauben ergriffene Heiland uns selig macht. Dies Evangelium 
geh&ouml;rt haben, und dadurch zum Glauben gebracht sein, ist ja nicht 
von uns, sondern lautere GOttes = Gabe <i>(Joh. 
6, 2944)</i>. So viel der Mensch noch Selbstruhm aufbringen wollte, 
so viel hinderte er sich noch an der reinen Glaubensfreudigkeit. Bei dem 
Schaffen ruft GOtt dem, das da nicht ist, da&szlig; es etwas sei; und so 
sind wir in Christo JEsu, als unserm neuen Stammvater, in das Leben, zum 
Werden berufen worden; und so ist uns auch alles Wollen und Vollbringen, 
alle Kraft, Gelegenheit, Trieb, in guten Werken zu wandeln, von GOtt vorgeschafft 
und zurecht gelegt worden. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Epheser 2,11-16</font></b></h4> 
 
<p><b>Von dem, was der Apostel bisher in das Allgemeine von 
Bekehrten aus Juden und Heiden bezeugt hatte, macht er nun die n&auml;here 
Zueignung auf der Epheser eigene Zust&auml;nde, und preist ihnen damit 
ihre Bekehrung zu Christo als eine Errettung aus einem sehr elenden Zustand 
an.</b> 
 
<p>So gr&auml;ulich es ist, seine vorigen S&uuml;nden mit 
einer Art der Belustigung sich wieder vorzustellen, oder gar zu erz&auml;hlen; 
so heilsam ist es, durch Anregung des Geistes, oder bei vorkommenden &auml;hnlichen 
Beispielen oft in sich zu erseufzen: <i>O 
GOtt, wie teuer ist Deine G&uuml;t, da&szlig; Du erleuchtet hast mein Gem&uuml;t, 
und in mir gewirkt Bu&szlig;, da sonst mein Fu&szlig; auch lief in dieser 
Finsternis! </i>Oder: Hierin hab ich auch gesteckt, bis Du mich hast 
aufgeweckt, ach da&szlig; ich jetzt wachte recht! Und dahin zielen auch 
dergleichen apostolische Vorstellungen. Den Jammer des Heidentums stellt 
man sich heutigen Tages nicht gro&szlig; genug vor. Weil man das, was wir 
durch die Gnade geworden sind, und was das Christentum auch zu Aufkl&auml;rung 
richtiger Begriffe beigetragen hat, Alles in lauter Selbstruhm verwandelt, 
und es zur Erhebung der Natur und Unterdr&uuml;ckung der Gnade mi&szlig;braucht; 
so tut man, wie wenn die vormaligen Heiden nicht so elend gewesen w&auml;ren, 
und es f&uuml;r blo&szlig;en Nationalstolz der Juden zu achten w&auml;re, 
wenn sie sich eines Vorzugs vor ihnen angema&szlig;t haben. Allein wenn 
David den Goliath als einen Unbeschnittenen verachtet; so war es nicht 
Nationalstolz, sondern Glaubens = Mut ; und wenn der Heiland selbst sagt: 
Es ist nicht fein, der Kinder Brot nehmen, und es f&uuml;r die Hunde werfen; 
so war es nicht nur Glaubens =. Probe f&uuml;r das Canan&auml;ische Weib, 
sie tief in die Armut des Geistes zu f&uuml;hren; sondern es war etwas 
von Aufschlu&szlig; der Haushaltung GOttes darunter. Dem Mi&szlig;brauch 
auf Seiten der Juden steuert der Apostel doch damit, da&szlig; er zu erkennen 
gibt: Wer jetzt noch diesen Unterschied sonderlich treiben wollte, der 
zeigte damit, da&szlig; er mehr nach dem Fleisch richte. Aber zu jener 
Zeit der Geduld GOttes, und der Unwissenheit, die Er &uuml;bersehen hat, 
waren die Heiden in einem elenden Zustande. Von ihrem mangelhaften Zustand 
in dieser Welt zeugen die Apostel hin und wieder; das Endurteil in jener 
Welt aber lassen sie dahin gestellt sein. Jetzt kehrt man es um, und macht 
zuerst den Heiden ein g&uuml;nstiges Los in der Ewigkeit aus, damit man 
hernach den Unterschied zwischen Natur und Gnade, Glauben an das Evangelium 
und Wandeln bei dem schwachen Licht des Gewissens gar aufheben k&ouml;nne. 
 Die Hauptverhei&szlig;ung, da&szlig; Christus und durch Ihn der verhei&szlig;ene 
Geist kommen sollte, wurde oft wiederholt, und GOtt machte sich immer auf 
das Neue zur Erf&uuml;llung derselben anheischig. Dadurch entstunden Testamente 
 
der Verhei&szlig;ung; auch hatte die Besetzung des eines eigenen Landes, 
und die mit so vielen Gesetzen verwahrte b&uuml;rgerliche Verfassung einen 
Bezug auf Christum, und unterhielt immer ein Warten auf einen K&ouml;nig, 
der Recht und Gerechtigkeit anrichten w&uuml;rde auf Erden. Von diesem 
Allem waren die Heiden fern bei der Viel = und Abg&ouml;tterei, dem rechten 
Herzensvertrauen nach, ohne GOtt, ohne Gewi&szlig;heit von seinem Sinn 
und Willen, ohne Trost, an Ihm einen Vergelter zu haben; hingegen umgetrieben 
von dem wellenf&ouml;rmigen Lauf der Welt, schnappend nach ihren Eitelkeiten, 
abgefertigt mit ihrem mageren Genu&szlig;. Was war das also f&uuml;r eine 
gro&szlig;e Ver&auml;nderung, durch das Evangelium nun zu einem herrlichen 
Eigentum JEsu Christi berufen werden, und in die Frucht des Todes JEsu 
zu stehen kommen, nach welcher die zerstreuten Kinder GOttes zusammengebracht 
werden sollten. Alle diese Gemeinschaft mit GOtt, und allen gliederartigen 
Zusammenhang untereinander leitet nun der Apostel sehr genau aus dem am 
Kreuz gemachten Frieden, aus der daselbst gestifteten Vers&ouml;hnung her. 
Denn der Unterschied zwischen Juden und Heiden war nicht von Menschen aufgebracht, 
sondern von GOtt selbst festgesetzt, und durch die ganze kirchliche Verfassung 
der Juden wie mit einem Zaun verwahrt. Daran nahm denn freilich das menschliche 
Herz Anla&szlig; zu manchem Aufbl&auml;hen und Feindschaft wider einander. 
Dies mu&szlig;te denn auch wieder durch eine g&ouml;ttliche Anstalt abgebrochen 
und aufgehoben werden, und das geschah durch die Sendung seines Sohnes, 
dessen ganzen Lauf von seinem Kommen in das Fleisch, bis auf dessen Abt&ouml;tung 
und Zerrei&szlig;ung am Kreuz, und durch die  darauf sich gr&uuml;ndenden 
Friedensschl&uuml;sse im Evangelio; nach welchen nun ein Hirt und eine 
Herde sein solle, Alle durch einerlei Gnade zu GOtt kommen, und Ihm zu 
dienen bereit sein sollten. Damit war aber auch die  durch das Gesetz 
im Herzen angerichtete Feindschaft wider GOtt, die Not, die aus dem  vom 
Fleisch verursachten Unverm&ouml;gen des Gesetzes entstund, der Ha&szlig; 
wider GOttes Gericht gehoben, und der neue lebendige Weg zu GOtt er&ouml;ffnet, 
auf welchem man sich nun ohne aufbl&auml;hende Selbstgef&auml;lligkeit 
GOttes r&uuml;hmen, ohne Besch&auml;mung &uuml;ber seine Gebrechen GOtt 
im Geist dienen und sich freuen kann, je mehrere Nebenmenschen zu gleicher 
Gnade, Kindschaft und Erbschaft GOttes gelangen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Epheser 2,17-22</font></b></h4> 
 
 
<p><b>Wie das Bisherige noch mehr aus R&uuml;cksicht von dem 
elenden Zustand geflossen ist, von dem sie durch die Gnade des Evangelii 
errettet worden sind; so schl&auml;gt im folgenden der fr&ouml;hliche Ruhm 
vor, von der vorz&uuml;glichen Seligkeit, in die sie zu stehen gekommen 
sind.</b> 
 
<p>Nach erduldetem Kreuz, nach gestifteter Vers&ouml;hnung, 
nach gemachtem Frieden ist Christus gekommen, und hat GOttes Namen, und 
die unter seinem Leiden ausgef&uuml;hrten k&ouml;stlichen Friedensgedanken 
verk&uuml;ndigt <i>(Psalm 40, 10ff.)</i>, 
zuerst den Aposteln <i>(Joh. 20, 19+21+26)</i> 
durch die  ihnen in alle Welt aufgegebene Predigt der Bu&szlig;e und Vergebung 
der S&uuml;nden auch aller Kreatur. Gro&szlig;er Nachdruck, da&szlig; es 
Christo selbst zugeschrieben wird, was durch die Apostel und ihre Nachfolger 
geschehen ist. Was auch noch jetzt ein jeder Gl&auml;ubiger dem Anderen 
zur Befriedigung seines Gewissens vorhalten kann, ist eine Frucht von Christi 
Vers&ouml;hnung, und von der gegebenen Macht, Frieden zu verk&uuml;ndigen, 
S&uuml;nden zu erlassen. Bei diesem Frieden wird uns GOttes N&auml;he, 
sein Licht, seine &uuml;berall uns leitende, und auch z&uuml;chtigende 
Gnade lieb und erw&uuml;nscht, und wir beim Zugang zu derselben mit allem 
Sinn und Willen GOttes bekannter, und in der Hoffnung unseres k&uuml;nftigen 
seligen Standes vor seinem Thron immer v&ouml;lliger. Da flie&szlig;t das 
Geheimnis der Heiligen Dreieinigkeit, und das gemeinschaftliche Gesch&auml;ft 
des dreieinigen GOttes in Begnadigung und Verherrlichung der armen S&uuml;nder, 
erfahrungsm&auml;&szlig;ig in das Herz, wo man in diesem Zugang durch den 
Sohn im Geist zum Vater zustehen kommt. Also nach gemachtem Frieden, nach 
der an uns gekommenen Verk&uuml;ndigung, nach dem durch den Glauben dazu 
gegebenen Jawort, nach dem dar&uuml;ber empfangenen Geist, sind wir nun 
zur Gemeinschaft mit GOtt, und zur Zusammenfassung untereinander gebracht; 
die der Apostel teils unter einer B&uuml;rgerschaft und gr&ouml;&szlig;erer 
Verfassung, teils unter einem Haus und engerer Verbindung abbildet, weil 
im Reich Christi so wohl fest gegr&uuml;ndeter, gesicherter und weit ausgebreiteter, 
und doch auch genauer, vertrauter Zusammenhang mit dem Haupt und mit den 
Gliedern statt hat. Die macht gegen diese Welt fremd, mit dem, was unterwegs 
zu tun und zu leiden vorkommt, zufrieden, auf das Gesch&auml;ft des gro&szlig;en 
Hausherrn achtsam, und auf sein Kommen und Heimholen zu sich wachsam. Wer 
nun an allen Enden und Orten durch der Apostel Wort gl&auml;ubig wird, 
und Christum als das <font face="Symbol">A</font> und das <font face="Symbol">W</font> 
, den Anfang und das Ende im Gesch&auml;ft unseres Heils annimmt, der h&auml;ngt 
nicht nur mit dem Grund wohl zusammen, sondern ist auch an alle lebendigen 
Steine neben ihm in Liebe wohl eingerichtet; bleibt auch auf das Weitere 
in der Arbeit des guten Geistes, der der Werkmeister von diesem Bau, aber 
auch der nachmalige Besitzer und Regierer einer jeden wohl zugerichteten 
Behausung ist. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Epheser 3,1-13</font></b></h4> 
 
<p><b>Durch den letzten Ausdruck: w&auml;chst zu einem heiligen 
Tempel in dem HErrn, hat sich der Apostel den Weg gebahnt, da&szlig; er 
von dem Preis der Gnade, &uuml;ber das Bisherige, nun auf den Fortgang 
und Wachstum im weiteren, kommen konnte. Da er aber von diesem &uuml;ber 
sie habenden Anliegen anfangen wollte; so veranla&szlig;t ihn die F&uuml;lle 
seines Herzens zu einer langen Zwischenrede, darin er ihnen von seinem 
Amts = und Dienst = Eifer Rechenschaft gibt, weil GOtt es ihm so besonders 
anvertraut habe, seine Gnaden = Haushaltung mit den Heiden einzusehen, 
und bei der Amtsf&uuml;hrung derselben dem Willen GOttes zu dienen.</b> 
 
<p>Weil der Anfang bei euch so gut gemacht ist; GOttes Absicht 
aber auf etwas weiteres geht; darunter kann man sich noch einmal den Hauptinhalt 
der beiden ersten Kapitel vorstellen; darum liegt mir nun euer Wachstum 
so an, wie wir unten in der anderen H&auml;lfte des dritten Kapitels h&ouml;ren 
werden. Da&szlig; sich aber jetzt Paulus vorher so &uuml;ber seiner Einsicht 
in die Gnadenhaushaltung GOttes ausbreitet, und von seiner Begierde, darin 
dem Willen GOttes zu dienen, auch mehrere Worte macht, mu&szlig; man nicht 
f&uuml;r eigenliebig oder ruhmredig halten und achten; sondern die Liebe 
zu anderer Unterricht dr&auml;ngt es ihm ab. Die Kette und der Kriegsknecht, 
woran Paulus gebunden war, machten ihn zu einem Gefangenen de Kaisers; 
aber die Willigkeit im Geist zu diesen Banden war aus Christo JEsu, und 
nach derselbigen war er <i>ein Gebundener 
Christi JEsu</i>; Der war aber auch bei ihm, und hatte ein Aufsehen 
auf Alles, was ihm begegnete. Die Juden aber, die ihn anf&auml;nglich in 
diese Bande brachten, und durch deren Nachstellungen er sich auf den Kaiser 
zu berufen gen&ouml;tigt wurde, haben ihm den Eifer, womit er sich der 
Heiden und ihrer Zuf&uuml;hrung zu GOtt annahm, am meisten verargt; darum 
konnte er sein Leiden <i>ein Leiden f&uuml;r 
die Heiden</i> hei&szlig;en. Das verstunden die Epheser wohl, als die 
auch aus Pauli m&uuml;ndlichen Erz&auml;hlungen wissen konnten, wie oft 
und deutlich ihm aus Pauli Erz&auml;hlungen aufgetragen worden sei, den 
Namen des HErrn JEsu unter den Heiden zu verk&uuml;ndigen, und wie dieser 
Brief auch durch den  unter ihnen und Anderen geschafften Segen sei versiegelt 
worden. Auch dieser so tief aus den Sch&auml;tzen GOttes gesch&ouml;pfte 
und so weit in die Vollendung des ganzen Geheimnisses GOttes hineinf&uuml;hrende 
Brief sollte doch von Allen gelesen werden. Von seinem Verstand an dem 
Geheimnis Christi redet der Apostel freim&uuml;tiger, als man sonst gut 
hei&szlig;t; aber der Gnaden = Ruhm kann sich von dem falsche Wohlstand 
in der Welt nicht Schranken setzen lassen; die z&uuml;chtigende Gnade GOttes 
wei&szlig; es schon wieder zu lenken, da&szlig; das, was Anfangs zum Selbstruhm 
gesagt zu sein schien, doch auf lauter Ruhm dessen, der diese Erleuchtung 
verliehen, hinauslauft. Mit Christo und seiner Erscheinung ist auch in 
allen Vorsatz GOttes und in das Wohlgefallen seines Willens das rechte 
Licht aufgegangen; daher kann es auch das Geheimnis Christi hei&szlig;en. 
Doch leitet es der Apostel selbst mehr aus der nachmaligen Verkl&auml;rung 
Christi durch den Geist her; da Christus vorher die Tage seines Fleisches 
&uuml;ber auch mehr bei den verlorenen Schafen des Hauses Israel sich aufhielt, 
und die Frucht, so das Reich GOttes unter den Heiden brachte, auf die Ausgie&szlig;ung 
des Heiligen Geistes ausgesetzt blieb. Was aber hei&szlig;e: Das Reich 
GOttes wird den Heiden gegeben werden, das ist aus dem Ausdruck des Apostels 
sch&ouml;n zu erlernen: Miterben, Miteingeleibte, Mitgenossen; also zur 
Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn JEsu Christo gebracht, und 
dar&uuml;ber mit beider Geist versiegelt. O dieses Evangelii, das hierzu 
beruft und einf&uuml;hrt, Diener zu sein, darf einem eine vorz&uuml;gliche 
Gnade sein, davon Paulus nicht reden konnte, ohne sich auf das tiefste 
zu dem&uuml;tigen; eben deswegen hat er auch um ein fr&ouml;hliches Auftun 
seines Mundes zum Verk&uuml;ndigen desselben oft mit Tr&auml;nen unter 
mancherlei Anfechtungen gek&auml;mpft, und auch Andere dazu aufgefordert. 
GOtt in seiner unerforschlichen Liebe in Christo kennen und bekannt machen, 
ist mehr als allen Werken seiner H&auml;nde nachforschen. Und deshalb l&auml;&szlig;t 
sich das wahrhaftige Licht, das Alle zu erleuchten gekommen ist, in die 
Gemeinschaft seiner Knechte und ihres Gesch&auml;fts herab, da&szlig; dadurch 
der Menschen Augen aufgetan werden, die Einrichtung und Haushaltung dieses 
Geheimnisses einzusehen, wie GOtt sein Sch&ouml;pfers Recht, Seine bei 
Gr&uuml;ndung der Erde gehabte Absicht auf das Reich seines Sohnes nicht 
dahinten lassen, sondern durch die Erl&ouml;sung die Sch&ouml;pfung wieder 
retten, und auf ihre urspr&uuml;ngliche G&uuml;te zur&uuml;ckf&uuml;hren 
will. Was hievon auf Erden ausgef&uuml;hrt wird, das hat auch in die Aufschl&uuml;sse, 
Zutritt und Anbetungen GOttes im Himmel seinen Einflu&szlig;. O was wird 
f&uuml;r mannigfaltige Weisheit GOttes kund an der Gemeinde in Sammlung 
derselben aus aller Welt Zungen, in Ausschm&uuml;ckung derselben mit so 
mancherlei Gaben, in Regierung aller Schicksale zu derselbem Bestem, in 
Duldung so vielen Unkrautes, in unfehlbarer Vollendung aller Reden GOttes! 
Bei GOttes Weisheit, Erkenntnis und Durchsicht geht es hierin immer nach 
dem ersten Vorsatz, der auf JEsum Christum gestellt, und Ihm auch auszuf&uuml;hren 
&uuml;bergeben ist. Und was bei dem Glauben an das Evangelium davon auf 
Erden genossen wird, ist nicht von geringerem Wert, als was den Engeln 
davon im Himmel kund wird. O k&ouml;nnten wir unsere Zuversicht und Freudigkeit 
immer so brauchen, wie wir bei unserem Zugang dazu berechtigt sind. Aber 
so, wenn man das Gr&ouml;&szlig;te gesagt hat, so mu&szlig; man sich mit 
dem Apostel wieder auf das Beten legen, da&szlig; man nicht m&uuml;de wird, 
aus Furcht nicht nachl&auml;&szlig;t, sondern sich unter allen dr&uuml;ckenden 
B&uuml;rde mit der W&uuml;rde seines Amts = und Christenberufs aufrichtet. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Epheser 3,14-21</font></b></h4> 
 
<p><b>Treffliches Gebet Pauli, daraus zu ersehen, mit welchem 
Ernst er sich zu GOtt gewendet, um welchen Wachstum und Befestigung in 
allem Guten es ihm zu tun gewesen sei, und mit was er sein Herz unterst&uuml;tzt 
und versichert habe, da&szlig; er nicht zuviel gebeten habe, sondern auf 
Alles ein gl&auml;ubiges Amen setzen k&ouml;nne.</b> 
 
<p>Der meiste Inhalt des Gebets ist aus Obigem genommen, 
wie man denn bei dem Verbindungswort: <i>derhalben</i>, 
Alles einschalten kann; weil euch GOtt so aus der Ferne herbeigerufen, 
den Zugang zu Ihm, als Vater, gestattet, darunter Alles auf Wachstum, nicht 
nur auf Ausbreitung in die Weite, sondern auch auf gn&auml;dige Mitteilung 
und Ausf&uuml;llung in der N&auml;he eingerichtet hat.; derhalben finde 
ich mich so in das Gebet getrieben; und daher war doch GOttes Wort und 
Werk nicht mit Paulo gebunden, weil ihn in seiner Gefangenschaft die Engel 
desto flei&szlig;iger auf den Knieen vor dem Vater unseres HErrn JEsu Christi 
antrafen.  In der Benennung: der Vater unseres HErrn JEsu Christi, liegt 
schon ein ganzes Evangelium; diesen sieht er nun als den Anf&auml;nger 
des guten Werkes in ihnen an; und an Den h&auml;lt er sich nun auch wegen 
des Fortgangs und Wachstums, unterst&uuml;tzt aber immer dazwischen hinein 
sein Herz mit der Hinsicht auf den Reichtum seiner Herrlichkeit.  Es ist 
schon etwas, nach dem jedesmaligen Bed&uuml;rfnis seines Herzens, oder 
auch nach den Umst&auml;nden seiner Gemeinde beten; aber es ist doch mehr, 
<i>nach 
dem Reichtum der Herrlichkeit GOttes</i> beten, aus Glauben und Erkenntnis 
dessen, was GOtt uns g&ouml;nnt und bereitet hat. Damit schwingt man sich 
&uuml;ber die k&uuml;mmerlichen Umst&auml;nde in der N&auml;he hin&uuml;ber. 
GOtt f&auml;ngt freilich auch in seinen Gnadenwerken oft klein an, weil 
Er nichts nach absoluter Macht wirken will, sondern so, wie sich der Mensch 
zum Glauben und Gehorsam bringen l&auml;&szlig;t; da&szlig; darunter immer 
auch des Menschen List zur Wahrheit gepr&uuml;ft werden kann. Aber auch 
von geringen Anf&auml;ngen soll es zum Wachstum und Starkwerden kommen; 
dergleichen Starkwerden sonderlich auf die Zeiten des Neuen Testaments 
verhei&szlig;en ist.  Mit dem Wort, dem sonst das Wachstum zugeschrieben 
wird, wird uns auch der Geist eingefl&ouml;&szlig;t. Bei dem Starkwerden 
am inwendigen Menschen und an dessem unverr&uuml;cktem Stand vor GOtt wird 
uns auch der Glaube an das Innwohnen GOttes in uns erleichtert; wobei man 
sich freilich aber immer an Christum, als den Mittler halten mu&szlig;. 
Wie denn auch die Schrift diejenigen Gaben und Gnaden, die einem Begnadigten 
durch Innwohnung eigen werden, doch immer auf den Glauben setzt; wobei 
man aber freilich Glauben nicht f&uuml;r einen Einbildung und Beredung 
achten mu&szlig; von dem, was nichts ist, sondern eine &Uuml;berzeugung 
und Darstellung von dem, was man nicht sieht, und was man nach dem Gef&uuml;hl 
seines eigenen Herzens beurteilte, dazu man aber nun den Grund aus GOttes 
Wort nimmt, und sich an den h&auml;lt, der gr&ouml;&szlig;er ist denn unser 
Herz.  Von dem im Herzen wohnenden Christo, und Geist Christi, werden 
auch Glieder des Leibes in Anspruch genommen, und in den Dienst der Gerechtigkeit, 
und GOtt in der Heiligung Frucht zu bringen gesetzt. In diesem Betracht 
hei&szlig;t auch der Leib ein Tempel des heiligen Geistes.  Unter dem 
Eingewurzelt = und Gegr&uuml;ndet = werden in der Liebe erlangt man das 
Verm&ouml;gen zu begreifen, nicht nur zu erkennen, sondern auch mit anderen 
Seelen = Kr&auml;ften Etwas so anzunehmen, da&szlig; man davon erf&uuml;llt 
wird. Der Glaube erweitert das Herz, da&szlig; man immer mehr fassen kann. 
Mit seinen Einsichten aber, die einem verliehen werden, soll man sich nicht 
von anderen Heiligen trennen, noch auch auf Etwas einen so &uuml;berm&auml;&szlig;igen 
Wert legen, da&szlig; dar&uuml;ber das Band mit anderen Heiligen zerrissen 
wird; sondern Alles zur Auferbauung des Leibes Christi anwenden.  Wessen 
<i>Breite, 
L&auml;nge, H&ouml;he und Tiefe</i> man begreifen m&uuml;sse? dr&uuml;ckt 
der Apostel nicht aus, vermutlich aber versteht er hierunter das, was er 
oben den ganzen Bau, den heiligen Tempel gehei&szlig;en hat. Wenigstens 
wird auf die Zeit, wo GOtt Seine Hand wieder besonders an die Bekehrung 
vieler V&ouml;lker legen wird, ein solches Messen des Tempels GOttes veranstaltet 
<i>(Offb. 
11, 1)</i>. Und wann GOtt seine Auserw&auml;hlten beisammen hat, so 
l&auml;&szlig;t er die  zu seiner reichlichsten Mitteilung bereitete Stadt 
auch so ausmessen <i>(Offb. 21, 1516)</i>. 
Weil aber Alles, was an der Gemeinde Christi geschieht, nach dem in Christo 
JEsu gefa&szlig;ten Vorsatz geschieht, und also zusammen Wirkungen von 
der Liebe Christi sind; so geht freilich dies Begreifen, oder Ausstrecken 
nach dem Begreifen auch auf diesen Vorsatz GOttes, und auf die Ausbreitung 
der Liebe Christi, die ihre <i>L&auml;nge</i> 
hat, weil die Abzeichnung davon in die H&auml;nde GOttes geschehen ist 
vor der Zeit der Welt; <i>Breite</i>, 
weil sie sich &uuml;ber alle Menschen aller Weltzeiten erstreckt; <i>Tiefe</i>, 
weil Alles auf GOttes freies Wohlgefallen gesetzt ist, &uuml;ber welches 
hinaus keine Kreatur mit ihren Gedanken gehen kann, H&ouml;he, weil ihn 
nichts mehr davon abbringt, keinerlei Anl&auml;ufe der Feindes uns gef&auml;hrlich 
werden k&ouml;nnen. Es ist aber, wie wenn der Apostel seine Rede halb zur&uuml;cknehmen, 
und andeuten wollte: Doch, was ich sage vom Begreifen und Erkennen, da 
man doch sagen mu&szlig;: Es ist unbegreiflich. Deswegen auch der Apostel 
das Ziel seiner Bitten, im Erf&uuml;lltwerden mit aller Gottesf&uuml;lle, 
so hoch setzt, da&szlig; es wirklich unbegreiflich ist. 
 
<p>Mit dem Vielverm&ouml;gen GOttes, &uuml;ber unser Bitten 
und Verstehen zu tun, erweckt man sich oft in &auml;u&szlig;erlichen mi&szlig;lichen 
Umst&auml;nden noch zum Beten; aber man sollte sich mit diesem Grund auch 
so zum Bitten und Nehmen im Geistlichen erwecken. Was an einem Jeden in 
seiner Bekehrung und bei der t&auml;glichen Erneuerung geschieht, ist so 
gut ein Beweis der &uuml;berschwenglichen Kraft GOttes, als was bei der 
Sch&ouml;pfung, Erhaltung und Regierung aller Dinge geschieht. Bei allem 
erschaffenem ist Ehrsucht eine Ungerechtigkeit, ein Raub dessen, was GOttes 
ist, ein Ri&szlig; in das Band der Liebe und des Friedens untereinander. 
Von GOtt aber ist Ehre und Herrlichkeit so unzertrennlich, als vom Licht 
der Glanz; und da&szlig; es von denen erkannt, und Ihm gegeben werde, die 
Er zu Seinem Lob geschaffen und bereitet hat, das ist ihrer Aller eigenes 
Heil und Leben. Sonderlich ist die Gemeinde GOttes auf Erden gesammelt, 
da&szlig; sie GOttes Ehre rette, und wenigstens eine Protestation einlege 
gegen Alles, was die Erde verderbt.  <i>Amen</i>, 
ist ein gro&szlig;es im Himmel viel bedeutendes Wort, womit man aller Anbetung 
GOttes beistimmen kann, sein Verlangen, da&szlig; es geschehen m&ouml;chte, seine 
Hoffnung, da&szlig; es geschehen werde, zugleich bezeugt, und dem 
lieben GOtt die Vollendung seines Geheimnisses an das Herz legt. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Epheser 4,1-6</font></b></h4> 
 
<p><b>Hier f&auml;ngt der Apostel an, aus dem bisher gelegten 
Glaubensgrund nun auch die Lebenspflichten herzuleiten, und zwar teils 
zum heiligen Wandel &uuml;berhaupt, teils zur geistlichen Eintr&auml;chtigkeit 
und Liebe untereinander.</b> 
 
<p>Vorher hat Paulus so herzlich gebetet, nun kann er auch 
fruchtbar ermahnen. Hast du es noch nie erfahren, da&szlig; auf einen im 
Gebet gesuchten und gehabten geheimen Umgang mit GOtt auch des N&auml;chsten 
Herz sich eher zu dir neigt, und ein mit Gebet gesalbtes Wort eher anzunehmen 
willig ist? Wenn man dir bei der Gnade Christi das Herrlichste aus dem 
Reichtum Christi zuerkennt, so bist du damit doch dem Ermahntwerden nicht 
entwachsen.  Den Beruf, und die ihnen darunter widerfahrene Gnade hat 
ihnen der Apostel an das Herz gelegt im Bisherigen; nun fordert er sie 
auf, diesem Beruf w&uuml;rdiglich zu wandeln. Der Beruf berechtigt einen 
freilich zum Reich und zur Herrlichkeit GOttes; aber er verpflichtet uns 
auch zur Heiligung, und die Lehre GOttes und unseres Heilandes zu zieren. 
Mit den gro&szlig;en Bitten, die er oben eingelegt, und mit deren Erf&uuml;llung 
ist es nicht darauf angesehen, einen von der Demut abzuf&uuml;hren.  <i>Demut</i> 
steht im Gef&uuml;hl ihres eigenen Mangels, und wei&szlig;, wie es mit 
dem Wachstum am inwendigen Menschen so gemach hergeht; darum mutet sie 
in <i>Sanftmut</i> auch Anderen nicht 
zu viel zu, und l&auml;&szlig;t sich in Langmut die Geduld nicht ausgehen, 
wenn Anderen zu begegnen eine vertragsame Liebe not ist. <i>Vertragen</i> 
f&auml;llt empfindlich, die Liebe aber vers&uuml;&szlig;t es, wie man Kindern 
sieht, was man an ihnen vertragen kann, um ihnen mit Liebe aus ihren Schwachheiten 
herauszuhelfen. <i>Flei&szlig;</i> &uuml;berwindet 
alle Schwierigkeiten: nur immer wieder mit Vertrauen auf GOtt angefangen! 
<i>Einigkeit 
im Geist</i> d&uuml;rfen wir nicht machen, sondern nur dar&uuml;ber 
halten. GOtt und Sein Geist schafft es durch den Sinn, der einem Jeden 
bei dem Glauben an das Evangelium geschenkt wird. Was aus Geist geboren 
ist, in dem liegt auch ein Liebeszug nicht nur gegen dem, der ihn geboren 
hat, sondern auch gegen Allem, was aus GOtt geboren ist. Aber dar&uuml;ber 
Halten ist uns aufgegeben; Merken, was Satanas im Sinn hat, wenn er es 
uns aus den H&auml;nden drehen will. Einigkeit im Geist ist freilich etwas 
Gr&uuml;ndliches, wobei man sich des  in einem Jeden bezeugten Geistes 
mit Liebe und Freude annimmt. Petrus hei&szlig;t es: mit einer im Gehorsam 
der Wahrheit keusch gemachten Seele zur ungef&auml;rbten Bruderliebe geneigt 
werden. Doch mu&szlig; man Einigkeit im Geist nicht zu hoch nehmen und 
sie nicht mit den  erst bei weiterem Wachstum davon zu erwartenden Fr&uuml;chten 
verwechseln. Einigkeit im Glauben und Erkenntnis, einerlei Sinn, Meinung 
und Sprache erwachsen aus der Einigkeit im Geist. Aber bei dem Unterschied 
der Gaben, der Einsichten und Erkenntnisse kann man doch auch &uuml;ber 
der Einigkeit im Geist halten, eben wenn man auf seine Meinung keinen so 
hohen Wert legt, da&szlig; man dar&uuml;ber die Einigkeit im Geist aufopfert. 
 <i>Friede behalten</i> ist besser als 
Recht behalten. Wer zu genau auf dem Recht gegen Andere besteht, der mu&szlig; 
es sich auch gefallen lassen, wenn Andere das Recht gegen ihn brauchen. 
Wer aber f&uuml;hlt, wie oft er n&ouml;tig hat, da&szlig; GOtt und Menschen 
gegen ihn Vergebungs = Gnade und Frieden vorwalten lassen, der wird am 
Band des Friedens fest halten. Geht aber dar&uuml;ber nicht das Recht, 
die Wahrheit, die genaue Zucht gar verloren? Nein; wenn du des Heilands 
Rat folgest, und das Salz und die Sch&auml;rfe bei dir selbst brauchst, 
untereinander aber mehr dem Frieden nachjagst 
<i>(Mark. 
9, 50)</i>. In einem Leib ist ja zwischen Gliedern nicht Streit. Der 
Leib Christi wird ja von einem Geist regiert; Ein HErr hat sich gegeben 
f&uuml;r Alle zur Erl&ouml;sung; aus Einem Wort der Wahrheit und des Glaubens 
sind wir gezeugt; Eine Taufe ist uns die T&uuml;r zum Eingang in das Reich 
GOttes. Darum f&uuml;hrt GOtt ein solches Regiment der Liebe &uuml;ber 
Alle, das auf m&ouml;glichste Gleichheit gegr&uuml;ndet ist; aus dessen 
Verm&ouml;gen kann Jeder etwas zum gemeinsamen Nutzen beitragen; wie sich 
GOtt hinwiederum auch Jedem so zu genie&szlig;en gibt, da&szlig; er nicht 
zu &auml;ngstlich auf Andere sehen, viel weniger durch heimlichen Neid 
sich das Friedehaben mit Allen erschweren darf. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Epheser 4,7-16</font></b></h4> 
 
<p><b>Auch der Unterschied der Gaben und &Auml;mter wird die 
Einigkeit nicht aufheben, sondern bef&ouml;rdern, wenn nur die Liebe beim 
Gebrauch der Gaben das Regiment f&uuml;hret.</b> 
 
<p>Neben allem Obigen, das zur Einigkeit f&uuml;hrt, ist 
doch etwas, das einen Unterschied macht, deswegen aber keinen Samen zur 
Uneinigkeit abgibt, sondern vielmehr dem Sinn aufhilft, nach welchem Keiner 
des Anderen entbehren kann. Keiner hat Alles, Keiner darf sorgen, er sei 
gar leer ausgegangen. Jeglichem ist gegeben die Gnade, und aus Gnaden auch 
die Gabe, mithin nicht nur die T&uuml;chtigkeit, etwas auszurichten, sondern 
auch die Willigkeit, der reine Sinn, Alles zu GOttes Ehre und dem N&auml;chsten 
zu Dienst einzurichten. Christus empfing den Geist ohne Ma&szlig;, um Ihn 
&uuml;ber uns ausflie&szlig;en zu lassen, nach dem Ma&szlig; teils unserer 
Zeiten, teils unseres gliedlichen Platzes am Leibe Christi, mithin auch 
nach der daher r&uuml;hrenden Bed&uuml;rfnis und Gelegenheit. Der Ursprung 
aller Gaben aber liegt zun&auml;chst in Christi Erh&ouml;hung, die mit 
dem Sieg &uuml;ber die Obrigkeit der Finsternis, &uuml;ber die F&uuml;rstent&uuml;mer 
und Machten anfing, die uns gefangen hielten, welche auf dem tiefen Weg 
der Erniedrigung Christi gefangen wurden, und im Nu des Todes JEsu, da 
sie Seiner m&auml;chtig geworden zu sein glaubten, ihn als ihren &Uuml;berwinder 
und Zerst&ouml;rer erfahren mu&szlig;ten. Wie GOtt von sich selbst sagt: 
Bin ich nicht ein GOtt, der Himmel und Erde erf&uuml;llt; so ist nun Alles 
mit Christi Gegenwart und Reich erf&uuml;llt. Und daher hat auch das auf 
Erden gepredigte Evangelium solche Macht; und die Gaben des Geistes durchdringen 
Alles; die Bahn des Glaubens, des Gebets, des Nehmens aus dieser F&uuml;lle 
ist Allen er&ouml;ffnet. Auf dieser &uuml;ber Alles im Himmel und auf Erden 
angenommenen Gewalt beruht sonderlich auch die Bestellung und s&auml;mtliche 
Verwaltung des Amts, das die Vers&ouml;hnung predigt. Nun ist freilich 
durch alle Zeiten hindurch viel Menschliches und Weltf&ouml;rmiges, wie 
in das ganze Kirchenregiment, so besonders auch in die Bestellung der &Auml;mter 
mit eingeflossen. Doch ist es dem lieben GOtt mit Erhaltung des Evangelii 
von seinem Sohn auf den heutigen Tag noch so ernst, als mit der erstmaligen 
Verk&uuml;ndigung desselben; und darum kann man der Stiftung, des Berufs, 
der Ausr&uuml;stung mit Willigkeit und Kraft, des Segens vom  und des 
Lehramts noch so froh werden, als in der ersten Zeit. Das ziel zum Wachstum 
ist uns weit hinausgesteckt, der Hindernisse sind viel; aber der wachst&uuml;mliche 
Weg eben daher der sicherste, wo es freilich auch nicht unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig 
schnell auf Einmal, so wenig als beim leiblichen Wachstum, geht, sondern 
wo unter Gebrauch der verordneten Mittel, unter gem&auml;&szlig;er Arbeit 
und &Uuml;bung, bei gutem Vertrauen auf GOtt und Sein verliehenes Gedeihen, 
bei Liebe und Friede untereinander, der Leib, nicht nur ein Glied, sondern 
Eins wie das Andere w&auml;chst; so kommt man auch durch GOttes Wort, Anfassung 
aller in Kirchen, Schulen und Haushaltungen verliehenen Mittel, dahin, 
da&szlig; man ein zu allem guten Werk geschickter Mensch GOttes wird. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Epheser 4,17-32</font></b></h4> 
 
<p><b>Nachdem der Apostel die besondere Ermahnung zur Einigkeit 
in Geist ausgef&uuml;hrt hatte, so kommt er nun wieder auf den  ihrem 
Christenberuf &uuml;berhaupt w&uuml;rdigen Wandel, und zeigt, wie sich 
derselbe vom vorherigen heidnischen Wandel unterscheiden, die Probe des 
rechtschaffenen Wesens, das in Christo JEsu ist, halten, und im Ablegen 
des alten und Anziehen des neuen Menschen unverdrossen sein m&uuml;sse.</b> 
 
<p>Aus der Eitelkeit des Sinnes geschieht nicht nur viel 
B&ouml;ses, sondern es wird &ouml;fters auch noch so gerechtfertigt und 
bedeckt, da&szlig; das Gewissen verunreinigt wird, und sein Amt nimmer 
tun kann. Der Verstand w&auml;re sonst so ein vorz&uuml;glicher Schmuck 
der Menschen, aber er hat von der eingedrungenen S&uuml;nde auch viel erlitten. 
Denn von der Macht der L&uuml;ste und Affekten wird er verhindert, da&szlig; 
er oft nicht einmal zeitlichen Nutzen oder Schaden einzusehen, viel weniger 
das ewige Heil zu bef&ouml;rdern verm&ouml;gend ist. Durch Entfremden vom 
Licht und Leben kommt man auch in F&uuml;hllosigkeit und Herzensh&auml;rtigkeit 
hinein; und wo der  durch das Gewissen sonst noch gewirkte Abscheu vor 
groben S&uuml;nden mehr und mehr unterdr&uuml;ckt wird, da wird man ruchlos, 
und gibt allen Sinn und Hoffnung zu seiner Umkehr auf, treibt Unreinigkeit 
mit uners&auml;ttlicher Lust, oder auch mit Geiz, da&szlig; man unter dem 
Dahingeben seiner Glieder in den Dienst der Unreinigkeit Gewinn sucht. 
Durch das Evangelium aber gewinnt die Erkenntnis Christi einen solchen 
&Uuml;berschwang im Herzen, dabei man solchem Unflat entflieht und aus 
solchen Banden der Finsternis los wird, und erf&auml;hrt, da&szlig; in 
JEsu Christo Wahrheit ist; da&szlig; Niemand sagen kann, er kenne Ihn, 
oder habe Gemeinschaft mit Ihm, der in irgend einem Zusammenhang mit dergleichen 
finsteren Werken bleiben wollte. Das rechtschaffene Wesen fangt mit uns 
bei Erkenntnis und Bekenntnis der m&auml;chtigen S&uuml;nde an, wie sie 
von der alten Geburt her anklebt, und sich als ein alter Mensch &uuml;ber 
alle Kr&auml;fte und Glieder an uns ausbreitet. Diesem m&auml;chtigen und 
von uns selbst durch unseren vorigen Wandel lange best&auml;tigten &Uuml;bel 
gibt man es nicht gewonnen, sondern fa&szlig;t aus Christo JEsu einen Glaubensmut 
dagegen. Man greift es aber mit nichts anders, als mit der Wahrheit Christi 
an. Alle aus dem Gesetz hergenommenen Vorstellungen kann die S&uuml;nde 
durch einen schrecklichen Betrug mi&szlig;brauchen; aber die Christo JEsu 
liegende Weisheit und Kraft, wie unser alter Mensch zum Aufh&ouml;ren gebracht 
wird, dem aus dem Evangelio gefa&szlig;ten Sinn, der S&uuml;nde nach Schuld, 
Strafe und Herrschaft los zu werden, kann sie nirgends in ihren Vorteil 
verwenden. So lange bei behenden Versuchungen der Widerstand aus dem Fleisch 
noch gro&szlig;, das Eindringen des alten Wesens stark ist, so bekommt 
auch der Widerstand, den die Wahrheit tut, sch&auml;rfere Namen, z. E. 
ein T&ouml;ten der Glieder, die auf Erden sind, ein Ausrei&szlig;en, Abhauen, 
Wegwerfen &auml;rgernder Glieder usw. Je mehr aber die Wahrheit mit ihrer 
Kraft durchdringt, je sanftere Namen werden gebraucht, da&szlig; es z. 
E. ein Ablegen, ein Ausziehen des alten Menschen, ein Verleugnen des ung&ouml;ttlichen 
Wesens hei&szlig;t. Dabei ist die Freude am HErrn unsere St&auml;rke, n&auml;mlich 
je man GOtt dankt, da&szlig;, wenn wir der S&uuml;nde und ihrer Anf&auml;lle 
schon nicht ganz los sind, wir doch dem Geist und seiner Willigkeit nach 
davon geschieden sind, je friedsamer kann unser Gang werden, und wir unter 
Wachen und Beten uns immer dahin erneuern, da&szlig; man die Anfechtung, 
die Fleisch und Geist untereinander bringen will, bald merkt, und sich 
vom Fleisch so zur&uuml;ckzieht, da&szlig; der Geist unbefleckt und in 
seinem Sinn ungest&ouml;rt bleibt. Aber alle auch noch so reine Vorstellungen 
machen es nicht aus, sondern es mu&szlig; ein steter Flei&szlig; und Treue 
angewendet werden, sein inneres Licht und &Uuml;berzeugung auch in das 
&Auml;u&szlig;ere zu f&uuml;hren; und sich in rechtschaffener Heiligkeit 
GOtt zu Dienst, und in rechtschaffener Gerechtigkeit dem N&auml;chsten 
zu Nutz hinzugeben. So auf etwas Ganzes also Alles eingerichtet ist, so 
l&auml;&szlig;t man sich es doch nicht verdrie&szlig;en, seine Treue auch 
im Geringen pr&uuml;fen zu lassen; z. B. Eigennutz, Vorteilhaftigkeit steckt 
gar tief, gel&auml;ufige Zunge, Beredung, einer Gesellschaft mit faulem 
Geschw&auml;tz ein Vergn&uuml;gen zu machen, schleicht immer wieder ein. 
Dagegen ist not, sich auf den Heiligen Geist weisen zu lassen, der aus 
seinem Hauptsitz sich immer mehr auch &uuml;ber alle Glieder des Leibes 
ausbreiten, und den Menschen zu einem unanst&ouml;&szlig;lichen Wandel 
im Lichte helfen m&ouml;chte. Wenn er aber so oft in diesem Gew&auml;chs 
der Wiedergeburt und Erneuerung gest&ouml;rt wird, so zieht das des Menschen 
neugeschaffenem Geist eine wirkliche Betr&uuml;bnis zu, wie man aus der 
 einen befallenden Angst sp&uuml;ren kann. Der Heilige Geist GOttes selbst 
aber kann mit seinem friedsamen Zeugnis, und mit dem Auseinandersetzen 
des Fleisches und des Geistes auch nicht so fortkommen, wie es zu des Menschen 
fr&ouml;hlichen Gang erw&uuml;nscht w&auml;re. O wie hat man zu allen den 
 im gemeinen menschlichen Leben so oft vorkommenden Anst&ouml;&szlig;en, 
und deren Vermeidung, wie hat man zur Darreichung der gemeinsten Tugenden, 
der Freundlichkeit, des Mitleidens u. dgl. das H&ouml;chste, n&auml;mlich 
die  in Christo erschienene Freundlichkeit GOttes so n&ouml;tig, und wird 
der Abfall vom Glauben an dies Evangelium so h&auml;ufig mit R&uuml;ckfall 
in heidnische Laster, Grimm, Zorn, Geschrei, L&auml;sterung und dergleichen 
gestraft. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Epheser 5,1-6</font></b></h4> 
 
<p><b>Noch weitere Ausf&uuml;hrung, worin das Anziehen des neuen 
und das Ablegen des alten Menschen zu &uuml;ben sei.</b> 
 
<p>Der Apostel Sittenlehre ist &uuml;berall aus dem Mark 
des Evangelii hergeleitet, und kann auch von Keinem in &Uuml;bung gebracht 
werden, der nicht in diesem Evangelium des Friedens steht. Der Liebe Art 
ist, da&szlig; sie dem Geliebten nachahmt, wie sie kann, und damit auch 
die Liebe immer mehr befestigt. Sonderlich sagt die Schrift, da&szlig; 
Kinder tun nach des Vaters Art und Lust; und die Gemeinschaft mit GOtt 
&uuml;ber seinem Wort und durch das Gebet, und der Genu&szlig; seiner Liebe 
dabei fl&ouml;&szlig;t auch immer mehr kindliche Sorgfalt ein. Liebe ist 
der innere Grund und gute Schatz des Herzens, der aber auch in allen &auml;u&szlig;erlichen 
Wandel ausflie&szlig;t. Sonst preist die Schrift die Liebe GOttes in der 
Hingabe seines Sohnes; aber um des vollkommenen Wohlgefallens willen, an 
diesen Rat GOttes, um des  unter dem Leiden erlernten und unverr&uuml;ckt 
geleisteten Gehorsams willen, ist und hei&szlig;t es auch die gr&ouml;&szlig;te 
Liebesprobe, sich selbst dahingeben; und eben das hat auch GOtt zu solchem 
Wohlgefallen gereicht, da&szlig; Er ihn dar&uuml;ber zu einem ewigen Priester 
eingesetzt hat, durch den Alles zu GOtt nahen soll. Die Welt gibt ihren 
Unsauberkeiten oft auch den Namen der Liebesh&auml;ndel; aber in der Schrift 
w&auml;re das Wort: Liebe, viel zu gut, als da&szlig; sie es zu so etwas 
brauchte. Wann dem  von GOttes Finger in Aller Herzen gemachten Eindruck 
der Schamhaftigkeit durch das Evangelium Hoffnung gemacht wird, da&szlig; 
er durch Christum Lust bekommen, und seine erste Unschuld erreichen k&ouml;nne, 
so tr&auml;gt das gegen die  im Fleisch wohnende S&uuml;nde viel aus. 
Was im Deutschen schandbare Worte hei&szlig;en, fa&szlig;t nach dem Grundtext 
&uuml;berhaupt alles sch&auml;ndliche freche Wesen, wie es nicht nur in 
Worten, sondern auch in Geb&auml;rden, Kleidung, Hurenschmuck, B&uuml;cherlesen 
u. dgl. sich beim Menschen finden kann. Denn die Ungeb&uuml;hr in Worten 
wird gleich darauf n&auml;her durch Narrenteidinge angedeutet womit man 
einander etwas zu Lachen geben will, eigentlich aber einander alle Bewahrung 
vor Herz und Sinnen wegnimmt; oder Scherz, wo es zwar noch manierlicher 
und sinnreicher herauskommen soll, aber doch nicht genug Mi&szlig;trauen 
gegen die inwohnende S&uuml;nde, nicht genug Bedacht mit sich f&uuml;hrt, 
was ich auch bei Anderen f&uuml;r einen Funken von Eitelkeit anblasen kann. 
Und da braucht es nicht so viel Disputierens dar&uuml;ber, ob  und wie 
weit denn das s&uuml;ndlich sei? Ein einiges solches Wort: Es ziemt sich 
nicht, sollte genug sein. Was Lebhaftes und Munteres an uns ist, k&ouml;nnte 
zur Danksagung und Lob GOttes viel besser angewendet werden. Eines der 
gewaltigsten &Auml;rgernisse und zugleich Gerichte &uuml;ber die Welt ist, 
da&szlig; sie so viel Menschen hat, die ihr zu Gefallen reden, und ihren 
Unflat schm&uuml;cken. Aber vor GOttes Zorn werden alle diese vergeblichen 
Worte nicht decken. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Epheser 5,7-14</font></b></h4> 
 
<p><b>Warnung vor b&ouml;sen Menschen und ihrer Gemeinschaft, 
samt Anweisung, wie man sich gegen so viel B&ouml;ses, das in der Welt 
herrscht, oder doch im Finstern schleicht, verhalten solle.</b> 
 
<p>Darum, weil ihre Worte so verf&uuml;hrerisch, und doch 
euch vor dem Zorn GOttes zu decken so unverm&ouml;gend seien, so entschlagt 
euch nicht nur der Gemeinschaft mit ihren b&ouml;sen Werken, sondern auch 
des Umgangs mit ihnen selbst: denn wie sich euer ganzer Zustand im Innern 
ge&auml;ndert hat, so mu&szlig; auch euer Leben anders sein. Was der Apostel 
oben <i>Kap. 4, 18</i> Unwissenheit, 
oder <i>Kap. 2, 12</i> Hoffnungslosigkeit, 
und sonst ruchloses, unempfindliches Hingeben seiner Glieder zum Dienst 
der Ungerechtigkeit gehei&szlig;en hat, das fa&szlig;t er jetzt in dem 
Bild der Finsternis in Eins zusammen. Wem es nun um Wahrheit zu tun ist, 
der l&auml;&szlig;t das Licht das B&ouml;se an sich strafen, das, was in 
GOtt getan ist, vom Licht weiter offenbaren, und sich darauf befestigen; 
glaubt an das Licht, folgt dem Licht nach, wandelt im Licht, und wird in 
solcher Ordnung auch dem ganzen Leib nach Licht, sein einf&auml;ltiges 
Auge, sein reines Herz entzieht kein Glied des Leibes dem Licht. Dar&uuml;ber 
wird er dann auch unter Anderen ein brennendes und scheinendes Licht, da&szlig; 
man unter seinen guten Werken das Gesch&auml;ft des himmlischen Vaters 
preisen mu&szlig;.  Von dergleichen Frucht des Geistes, der uns unsere 
Augen auftut, und uns von der Finsternis zum Licht bekehrt, macht nun der 
Apostel einige namhaft; <i>G&uuml;tigkeit</i> 
ist GOttes Nachfolgerin in der Liebe, wobei man Zorn, Grimm, Geschrei, 
L&auml;sterung, Bosheit, vermeidet. <i>Gerechtigkeit</i>, 
wehrt dem Stehlen, dem unbarmherzigen Verschlie&szlig;en seiner Hand gegen 
die D&uuml;rftigen, dem Geiz, der wie ein Bleigewicht in die Finsternis 
versenkt. <i>Wahrheit</i> vermeidet L&uuml;gen, 
schandbare Worte und Narrenteidinge, faule Geschw&auml;tze, vergebliche, 
verf&uuml;hrerische Worte. Da kommt man dann in die christliche Vorsichtigkeit 
hinein, die sich nimmer so weit wagt, als man sich ohne S&uuml;nde wagen 
darf, sonder die, nach Art wohlgearteter Kinder, GOttes Wohlgefallen zu 
treffen bedacht ist. Das sorgf&auml;ltige Entziehen von aller Gemeinschaft 
mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis ist schon selbst ein bescheidenes 
Strafen; doch wer seine Geisteskraft sonst wohl zusammenh&auml;lt, der 
kann auch noch eigentlichere Gelegenheit zum Bestrafen finden. In anderen 
Stellen hat der Apostel auch von heimlichen Werken der Finsternis noch 
deutlicher gezeugt; weil aber der gegenw&auml;rtige Brief vermutlich an 
mehrere, und zum Teil ihm noch unbekannte Personen bestimmt war: so l&auml;&szlig;t 
er es bei der allgemeinen Anzeige. Das Licht der g&ouml;ttlichen Wahrheit 
in der Predigt des Evangelii, das eine Erl&ouml;sung von aller Ungerechtigkeit 
anbietet, das Licht in dem Munde der Gl&auml;ubigen, die von der freimachenden 
Kraft der Wahrheit zeugen k&ouml;nnte, offenbarte Vieles. Und was sich 
dem entzieht, auf das wartet das Licht jenes Tages. Berede dich also nicht, 
als ob du so eine heimliche Gemeinschaft mit den Werken der Finsternis 
haben k&ouml;nntest, die nimmermehr an das Licht kommen werde. Das Licht 
ist das, das Alles offenbarte. Es ist nichts so heimlich, das nicht offenbar 
werde. Denke an jenes Schreiben des HErrn JEsu auf die Erde,<i> 
Joh. 8</i> vor welchem keiner der Anwesenden stehen konnte. Wohl dem, 
der das Licht noch bei Zeiten lieb gewinnt, und am Licht Offenbar zu werden, 
sich nicht entzieht. O darum, weil das Licht der Gnade so nahe, und durch 
dasselbe errettet zu werden so erw&uuml;nscht, das Offenbar = und Gestraftwerden 
vom Licht gleichwohl so unvermeidlich ist, darum lasse dir das Evangelium, 
da&szlig; dich GOtt samt Christo lebendig gemacht habe, dein Herz, Liebe, 
Glauben, Freude und Gehorsam abgewinnen, und stehe daran auf; so wird dich 
Christus weiter an das Licht bringen, deines Gangs gewi&szlig; machen, 
und mit Freudigkeit auf das Offenbarwerden vor Ihm ausr&uuml;sten. 
 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Epheser 5,15-21</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel zeigt weiter, wie die Kinder des Lichts, sonderlich 
im Angedenken an das Licht, das noch alles Verborgene offenbaren wird, 
ihren Wandel zu f&uuml;hren haben, damit es auch in ihren Wegen ein zunehmendes 
Licht bis auf den vollen Tag gebe.</b> 
 
<p>Nun da ihr Liebe zum Licht, Lust zur Wahrheit, Abscheu 
vor der Finsternis habt, die Erleuchtung genie&szlig;t, da&szlig; GOttes 
Licht noch Alles klar machen wird, so seht zu, da&szlig; ihr genau an der 
Regel bleibt, und zu jedesmaliger Anwendung derselben auf vorkommende F&auml;lle 
sorgf&auml;ltige Pr&uuml;fung anwendet. Was hie und da in der Schrift von 
den Weisen und Klugen, und von der Weisheit dieser Welt mi&szlig;liches 
vorkommt, das mu&szlig; man nicht vermengen mit der Weisheit von oben, 
mit der festen unver&auml;nderlichen Weisheit, deren Anfang die Furcht 
GOttes ist. Freilich die ver&auml;nderlichen Arten, Meinungen und Grunds&auml;tze, 
die im Weltlauf aufkommen, worunter die Menschen ein freches &uuml;ber 
die Furcht und Gebote GOttes sich erhebendes Wesen annehmen, die sind so, 
da&szlig; einer freilich lieber ein Narr in dieser Welt wird, als sich 
damit befleckt. Auch hierin wird man beim Verlieren seines Lebens es erhalten, 
und als ein Weiser wandeln. Hingegen die leidige Vermischung des Lichts 
und der Finsternis, in deren sich Manche so wohl gefallen, und darin ihre 
Weisheit suchen, wird als Torheit zu Schanden werden. Im weislichen Wandel 
sieht jedes Kind des Lichts zun&auml;chst auf sich, und die Bewahrung seines 
Weges. Beim Einschicken in die Zeit, oder beim Auskaufen der Zeit sieht 
man auch auf Andere, wie diesen beizukommen, oder wie bei denen auszuwarten 
sei, was nicht einmal wie das andere sein kann. Denn wo man das B&ouml;se 
mit vergeblichen Worten schm&uuml;ckt, auch unschuldige Herzen befleckt, 
die Empfindlichkeit immer h&ouml;her treibt, und sich vom Licht GOttes 
nicht bestrafen lassen will, Kinder des Lichts vor der Menge der B&ouml;sen 
ein verachtetes Lichtlein werden; da ist b&ouml;se Zeit.  Gegen seine 
schnellen Einf&auml;lle ohne Bedacht auf den Willen GOttes mu&szlig; man 
billiges Mi&szlig;trauen tragen. Im Rat und Willen GOttes ist auch schon 
dem B&ouml;sen Zeit und Ziel gesetzt; das mu&szlig; man, wie eine belagerte 
Stadt ihre Entsetzung, abwarten.  &Uuml;ppigkeit im Essen und Trinken 
hindert die wahre Weisheit sehr. Aber des Geistes Erinnern, Leiten, Tr&ouml;sten, 
Versiegeln tut treffliche F&ouml;rderung dazu. O was k&ouml;nnen einem 
Menschen f&uuml;r innere Erquickungen, und Erfahrungen im Geist verliehen 
werden, wenn er sich nur von der Weide des Fleischs abziehen l&auml;&szlig;t. 
Was k&ouml;nnte man in H&auml;usern, bei dem Gesch&auml;ft, unter dem Sitzen 
bei Kindern durch Reden untereinander zu dieser F&uuml;lle des Geistes 
sammeln und beitragen.  Aus den in der Schrift verliehenen Psalmen und 
Lobliedern k&ouml;nnen auch immer wieder neue gesch&ouml;pft, und also 
die Danksagung auch &uuml;ber die t&auml;glich neuen Wohltaten GOttes ausgebreitet 
werden. Von der Aufwartung vor dem Thron GOttes mit Beten und Danken schickt 
man sich auch wieder in die &auml;u&szlig;erlichen Umst&auml;nde seines 
Berufs, und findet, da&szlig; GOttes Ordnung und unser untert&auml;niges 
Eingeben darein unsere Heiligung am sichersten f&ouml;rdert. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Epheser 5,22-33</font></b></h4> 
 
<p><b>Wie sonderlich Ehegatten durch Wandel im Licht und in 
der Liebe, nicht nur viel Erleichterung dieses sonst m&uuml;hseligen Lebens 
geschafft, sondern auch unser Christenberuf und dessen Vorz&uuml;ge, die 
Hoffnung der Herrlichkeit, die uns beigelegt ist, in immer mehreres Licht 
und unstreitigeren Genu&szlig; gesetzt wird.</b> 
 
<p>Der Apostel kommt im Folgenden auch auf andere St&auml;nde. 
Bei Ehegatten aber f&auml;ngt er an, weil, wann es zwischen Ehegatten im 
Haus fehlt, sich der Schade davon bald auch auf Kinder und Gesinde ausbreitet. 
Zwischen jeder Verbindung f&auml;ngt der Apostel bei dem schw&auml;cheren 
Teil an. Denn wenn schon die Pflicht jedem Teil gleich obliegt, so soll 
doch in der Befolgung gern der Niedere dem H&ouml;heren zuvorkommen. Eine 
Art der Ehrerbietung gegen das m&auml;nnliche Geschlecht &uuml;berhaupt 
treibt die Schrift aus der Ordnung der Sch&ouml;pfung; dergleichen konnte 
auch im Stand der Unschuld Platz gehabt haben. Die hier aufgegebene Untert&auml;nigkeit 
unter den Ehemann ist eigentlich aus dem Gnadengericht herzuleiten, das 
GOtt nach dem Fall unserer ersten Eltern gehalten; wobei dem Mann M&uuml;he 
und Arbeit, k&uuml;mmerliche Nahrung von der unter den Fluch geratenen 
Erde, dem Weib aber neben schmerzlichem Kindergeb&auml;ren auch die Untert&auml;nigkeit 
unter den Mann ist aufgelegt worden zur Strafe der durch sie angerichteten 
Verf&uuml;hrung, und zum heilsamen Bruch in die unordentliche Eigenliebe, 
damit das Herz wieder m&uuml;rber, und auf den  im Wort der Verhei&szlig;ung 
angebotenen ewigen Trost aufmerksam werde. Mithin ist billiges Mi&szlig;trauen 
gegen sich selbst und das Mi&szlig;liche an seinem Naturell, Willigkeit, 
lieber sich sagen zu lassen, als dem anderen Teil zur Versuchung zu werden, 
die Wurzel von dieser Untert&auml;nigkeit. Aber in dem HErrn und in der 
Furcht GOttes mu&szlig; angefangen sein, was in dem HErrn gef&uuml;hrt 
und fortgesetzt werden soll. Das <i>Haupt</i> 
wird f&uuml;r den edelsten Teil des Leibes gerechnet, der andere Glieder 
zu regieren, zu beraten, Gefahr von ihnen abzuwenden verm&ouml;gend ist; 
in welcher Verbindung es der ganze Leib zu genie&szlig;en hat, wenn Alles 
dem Haupt wohl untergeordnet ist. Das Hausregiment ist also nicht auf obrigkeitlichen 
Fu&szlig; und Zwang zu setzen, sondern auf einen gelinden und doch wirksamen 
Einflu&szlig;, wie das Haupt in Glieder. Christus hat mit Aufopferung seiner 
selbst die Gemeinde, seinen Leib erkauft, und vom Verderben errettet, und 
teilt nun in der Kraft seines herrlichen Lebens das erworbene heil mit, 
und breitet es &uuml;ber Alle aus. Dies Gute und Heil von Christo, ihrem 
Haupt, hat die Gemeinde nicht anders als auf dem Weg des Gehorsams zu genie&szlig;en. 
Eigenwille ist allen Ungl&uuml;cks Ursache.  Das den M&auml;nnern aufgegebene: 
Liebt eure Weiber, ist nicht leichter als das obige Untertansein. Wer das 
lieblose, ver&auml;nderliche, durch Fehler so leicht erm&uuml;dete, schnell 
zornige Wesen kennt, wird merken, wie tief der Grund gelegt sein mu&szlig; 
zur Liebe, die sich nicht aufbl&auml;ht, nicht das Ihre sucht zc. Bei Christo 
mu&szlig; man lernen was Liebe ist. Der hat sich den befleckten zustand 
der Gemeine nicht hindern lassen, sich ihrer anzunehmen. Was Er an der 
inneren Heiligkeit an ihr aufrichtet, das wird ER auch dort in der Herrlichkeit 
bei der Hochzeit des Lammes darstellen. Durch seine Menschwerdung ist Christus 
unserer Natur, unseres Fleisches und Blutes teilhaftig geworden. Aber eben 
damit ist Er nun auch uns zum anderen Adam und Stammvater gesetzt, und 
aus seinem Wort und Geist sind wir nun gezeugt und wiedergeboren, und von 
seinem Fleisch und Blut werden wir im Abendmahl gen&auml;hrt. HErr JEsu! 
dr&uuml;ck es uns tief ein, wie Deine Liebe gegen uns so gro&szlig; ist, 
damit wir darin Dir nachzufolgen, und auch Jedes das Andere neben sich 
zum Genu&szlig; und Erfahrung deiner Liebe zu f&ouml;rdern unverdrossen 
seien. Amen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Epheser 6,1-9</font></b></h4> 
 
<p><b>Wie durch gutes betragen der Kinder und Eltern, des Gesindes 
und der Herrschaften zusammen, die Lehre unseres Heilandes geziert, und 
der Wandel im Licht am Band der Liebe zum Segen gef&uuml;hrt werden k&ouml;nne.</b> 
 
<p>Mit welcher Leutseligkeit spricht GOtt in seinem Worte 
Jeden, und so auch die Kinder, um ihr Herz an. Wie vergeblich w&auml;re 
all unsere Zucht, wenn uns GOttes Stimme nicht vorarbeitete. Gehorsam ist 
die gem&auml;&szlig;este Aufgabe f&uuml;r Kinder. Je weniger Jemand noch 
selbst erfahren hat, desto sicherer ist f&uuml;r ihn Gehorsam. Auch nach 
der im zw&ouml;lften Jahre abgelegten sch&ouml;nen Weisheitsprobe wird 
doch in der heiligen Jugend JEsu sein Gehorsam oder Untert&auml;nigkeit 
ger&uuml;hmt. Der Gehorsam in zarten Jahren kommt fast mehr auf die Eltern 
und ihr standhaftes Bezeugen an. In J&uuml;nglings = Jahren aber ist der 
Gehorsam mehr eine  aus der eingepflanzten Wahrheit erwachsene gute Frucht. 
Durch Eines Ungehorsam sind wir alle S&uuml;nder geworden, und daher kommt 
auch der Kinder erste S&uuml;nde: Eigenwille, Trotz, Wohlgefallen an sich 
selbst zc. Aber durch Eines Gehorsam werden auch Viele gerecht, und dorther 
kommt alle Beugsamkeit, Willigkeit sich sagen zu lassen. An Eltern den 
Gehorsam lernen bei zarten Jahren unter einem mit Liebe gem&auml;&szlig;igten 
Regiment sollte dem Menschen leichter werden, als wenn er es erst unter 
fremden H&auml;nden lernen mu&szlig;. Der Beisatz<i>: 
in dem HErrn</i>, gibt zu erkennen, da&szlig; in GOttes Gebot, des HErrn 
JEsu in der Welt gef&uuml;hrter Wandel, die Hoffnung der k&uuml;nftigen 
Vergeltung vom HErrn allermeist darin leiten und treiben m&uuml;sse; aber 
auch, da&szlig; es zuweilen Mut erfordere, wenn man in allen Dingen gehorsam 
gewesen ist, um des HErrn willen auch &uuml;ber die  im Weg stehenden 
Eltern hin&uuml;ber zu steigen; welcherlei Schritte, wenn sie Anfangs ungleich 
angesehen werden, doch zuletzt als im HErrn und im Licht der Liebe getan 
Offenbar werden. Man fragt oft: mit was man die Kinder ermuntern, und zu 
ihrer Pflicht anhalten soll? Und meint insgemein: Die Ehrliebe und das 
 
Erregen derselben sei das kr&auml;ftigste Mittel. Aber wer nach GOttes 
Wort ihr Wahrheitsgef&uuml;hl mit diesem trifft: <i>Das 
ist billig</i>, der geht weit sicherer. Es ist bei Kindern oft ein viel 
reineres Gef&uuml;hl, als wir vermuten, wir verderben es erst durch so 
viel eitle Beweggr&uuml;nde, und aus unserem Weltlauf hergenommene Einreden. 
Liebe ist von Natur, selbst auch unvern&uuml;nftigen Tieren eingepflanzt. 
Aber bei der Macht des Eigenwillens reichte Liebe nimmer zu stetem Gehorsam 
aus, wenn sie nicht eine Unterst&uuml;tzung von der Ehrfurcht bek&auml;me. 
Gleich anfangs ist die ganze Gesetzgebung und vorz&uuml;glich auch das 
erste Gebot: Du sollst keine andere G&ouml;tter neben mir haben, mit einer 
Drohung verwahrt, in welche auch die Verhei&szlig;ung mit eingeflochten 
ist: Ich tue Barmherzigkeit an viel Tausenden. Im Grund aber ist das Ganze 
mehr eine Beschreibung des eifrigen GOttes, als eine gerade an uns gerichtete 
Verhei&szlig;ung, wie der Anhang beim vierten Gebot. Es f&auml;ngt auch 
wirklich der Gehorsam gegen alle Gebote bei einem Kind am vierten Gebot 
an, weil GOtt nicht nur seine leiblichen Gaben, sondern auch das gro&szlig;e 
Gut seiner Erkenntnis durch der Eltern Hand laufen l&auml;&szlig;t, und 
mithin Kinder unter dem Gehorsam und Ehrfurcht gegen die Eltern auch die 
Furcht des HErrn lernen. Wie viel Anschl&auml;ge machen junge Leute selbst, 
und Andere in ihrem Namen, zu ihrem Gl&uuml;ck und Wohlergehen, und aus 
lauter Eile, einander vorzukommen, geht man an diesem sichersten Rat des 
vierten Gebots vorbei. O wer das Vertrauen auf GOtt fassen k&ouml;nnte, 
von Ihm auf dem Weg des Gehorsams sein Wohlergehen zu erwarten! Die Verhei&szlig;ung: 
<i>lange 
lebest auf Erden</i>, ist f&uuml;r die so tief eingesenkte, und auch 
bei Kindern so fr&uuml;hzeitig rege Liebe des Lebens sehr fa&szlig;lich, 
und den Willen zu beugen, dessen Vollbringung einem sonst auch so lieb 
als das Leben ist, sehr kr&auml;ftig. Alle Verhei&szlig;ungen GOttes m&uuml;ssen 
aber auch wieder gl&auml;ubig, d. i. dem&uuml;tig behandelt werden: denn 
sie lassen sich nicht abtrotzen. Ich mu&szlig; auch nicht meinen, da&szlig; 
sie gerade an mir im vollsten Ma&szlig; m&uuml;ssen erf&uuml;llt werden; 
genug, wenn es nach der ganzen Regierung GOttes zusammengenommen so zutrifft. 
Aus anderen wei&szlig;en Ursachen GOttes kann auch ein gehorsames Kind 
fr&uuml;hzeitig sterben.  Den <i>V&auml;tern</i> 
wird bei der Auferziehung der Kinder etwas Vorz&uuml;gliches einger&auml;umt, 
weil den M&uuml;ttern selbst Untert&auml;nigkeit unter den Mann aufgegeben 
ist. <i>Zum Zorn</i> reizen geschieht 
eben nicht nur durch unbarmherziges Dreinschlagen, sondern auch durch anderes 
ungeschicktes Behandeln, wenn es oft viel Schein des Rechten hat. Das Gesetz 
richtet <i>Zorn</i> an, weil es fordert, 
was der Mensch ha&szlig;t und flieht, sich es zutun umsonst bem&uuml;ht, 
und es doch mit der Zurechnung der S&uuml;nde bei immer mehr erregten L&uuml;sten 
scharf nimmt. Je mehr nun in der Auferziehung Alles darauf gesetzt wird, 
da&szlig; man durch das Gesetz, durch Gebieten, Verbieten, Drohen, Strafen 
Alles allein ausrichten will, je mehr ger&auml;t man in die Versuchung, 
seine Kinder zum Zorn zu reizen. Zum Auferziehen hat GOtt das beste Muster 
gegeben, GOtt hat die Menschen zuerst, ohne die scharfe im Gesetz vorgenommene 
Verurteilung der S&uuml;nde, mit seinen Augen geleitet, und zum Wandeln 
vor Ihm angehalten. Nach der im Gesetz vorgenommenen sch&auml;rferen Zurechnung 
der S&uuml;nde, hat Er sie mit der Gnade Christi erquickt. Nach diesem 
Muster wird in zarten Jahren ohne vieles Gesetz, durch blo&szlig;es Aufsehen 
und gern um sich haben, viel verh&uuml;tet, und Manches gepflanzt. Bei 
weiteren Jahren, wo man um der S&uuml;nde willen sch&auml;rfer auch mit 
Zurechnung derselben auf sie dringen mu&szlig;, mu&szlig; man auch die 
Vergebungsgnade vorwalten lassen, und bei derselben nicht auf das, was 
man ist, sondern auf was man zu werden eine von GOtt erweckte Lust hat, 
gesehen, und an diesem Tr&uuml;mmlein willigen Geistes das Kind durch die 
Versuchungen von den Schwachheiten des Fleisches durchgef&uuml;hrt werden. 
Denkt Jemand aber: ich will es durch Zwang und Strenge weiter bringen, 
als durch die mir bei der Zucht und Vermahnung zum HErrn aufgegebene genaue 
Sorgfalt, so mu&szlig; man ihm sagen: ja, wenn du um den damit angerichteten 
Zorn unbek&uuml;mmert sein willst, und nur wie ein Offizier kommandieren. 
Aber wenn du die gemalten Fr&uuml;chte einmal aufbrechen wirst, so siehe 
zu, was inwendig sein wird. Was sonst auch noch von erquicklichem gehorsam 
in der Welt ist, das hat man dem Gebot GOttes zu danken. Zwangsmittel, 
Strenge und List richten es gewi&szlig; nicht aus. Denn damit macht man 
die Untergebenen nur auch desto arglistiger. Wer GOtt durch Bewahrung seiner 
Gebote ehrt, den ehrt er hinwiederum durch eine ihm &uuml;ber seinem Gesinde 
verliehene Autorit&auml;t. Der Glaube setzt sonst das <i>Leibliche</i> 
herunter; n&auml;mlich wenn es mich angeht, so soll es in der Hochachtung 
meines Herzens heruntergesetzt sein. So bald es aber meinen N&auml;chsten 
anbetrifft; so macht mich die Liebe zu Jedermanns Knecht, noch mehr aber 
dessen, der durch Lohn und Speise, oder ehemalen durch gemachten Kauf ein 
Recht &uuml;ber mich hat.  <i>Furcht und 
Zittern</i> schreibt sich Paulus selbst bei der Predigt des Evangelii 
zu <i>(1. Kor. 2, 3)</i> weil er mit 
gro&szlig;er Bed&auml;chtlichkeit und Erkenntnis seiner Schwachheit das 
Evangelium gepredigt hat. Also auch wehrt den Knechten die<i> 
Furcht</i> dem eigenliebigen Vertrauen auf sich selbst, und das <i>Zittern</i> 
der Unbilligkeit, die nur immer Anderen viel Geduld zumutet, und sich ihrer 
Liebe nicht unwert achten kann. Ein Dienstbote hat oft sonst nichts in 
der Welt, als seinen guten Namen; und die Sorgfalt f&uuml;r denselben kann 
einen zum <i>Dienst vor Augen</i> verleiten; 
aber mir Einf&auml;ltigkeit des Herzens kommt man weiter. Gro&szlig;e Lindigkeit 
GOttes, da&szlig; er uns unser Bem&uuml;hen in zeitlichen Dingen noch so 
veredelt, da&szlig; wir es ihm zum Wohlgefallen darstellen d&uuml;rfen! 
 <i>Dienst vor Augen</i> vereitelt das 
Herz, und verzehrt dessen Kraft, die bei der Furcht vor GOtt vereinigt 
bleiben, und daher auch vor Erm&uuml;den bewahrt werden kann. Durch lohns&uuml;chtiges 
Greifen nach dem Gegenw&auml;rtigen schw&auml;cht man seine Hoffnung und 
Absicht auf die Belohnung vom HErrn. Die jetzige Weltart, da die Menschen 
so unwert sind, veranla&szlig;t wieder viel <i>Dr&auml;uen</i>. 
Aber wer nicht mit Schwachheiten Geduld haben lernt, wird mit Anderer Bosheiten 
gestraft. O was nimmt sich Mancher auf seinen Stand, auf sein Verm&ouml;gen, 
Schaden zu tun, heraus! Aber wie sollte das so oft in der Schrift gesetzt 
Wort: bei GOtt ist kein Ansehen der Person, das Alles durchstreichen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Epheser 6,10-18</font></b></h4> 
 
<p><b>Nach dem Kap. 1 - 3 gelegten sch&ouml;nen Glaubensgrund, 
und dem Kap. 4 - 6,9 daraus hergeleiteten Wandel im Licht und in der Liebe, 
f&uuml;gt nun der Apostel gegen den Beschlu&szlig; des Briefs noch eine 
Ermahnung hinzu, die vornehmlich auf die Tapferkeit im Kampf wider unsere 
geistlichen Feinde geht, wobei er den Feind, und seine Anl&auml;ufe, und 
die Waffen und ihre Brauchbarkeit so beschreibt, da&szlig; er darunter 
&ouml;ftere R&uuml;cksicht auf die zuvor in diesem Brief vorgetragene Wahrheit 
nimmt.</b> 
 
<p>Bei dem euch vorgehaltenen Glauben, und bei dem euch angepriesenen 
Wandel im Licht kann es freilich nicht ohne Kampf abgehen, darum mu&szlig; 
ich zuletzt noch eines <i>Hauptumstandes</i> 
gedenken. Das erste  oder einigemal redet er sie so an in diesem Brief: 
<i>meine 
Br&uuml;der</i>! Und das am rechten Ort; wo man sich zusammentut zum 
K&auml;mpfen &uuml;ber einer gemeinschaftlichen Sache, da ist diese Ermunterung 
am besten angelegt. Schon die Wirkung des ersten Glaubens in ihnen hat 
der Apostel aus der <i>Kraft und Macht GOttes</i> 
hergeleitet <i>(Kap. 1, 19)</i>.; eben 
so hat er sich auch beim Beten um ihr Wachstum und Beharren, auf den Reichtum 
seiner Herrlichkeit <i>(Kap. 3, 16)</i>, 
und auf das Verm&ouml;gen GOttes, &uuml;berschwenglich zu tun <i>(Kap. 
3, 20)</i> bezogen; und so hei&szlig;t er sie nun auch hier die ihnen 
beigelegte Kraft zusammenfassen, und in <i>dem 
HErrn</i>, in dem St&auml;rkeren, der &uuml;ber den Starken gekommen 
ist, sich im <i>Innern</i> vorerst zu 
r&uuml;sten; wie es dort von David hei&szlig;t: Er st&auml;rkte sich in 
dem HErrn, seinem GOtt. Bei einem guten Streiter ist <i>innerlicher 
Mut</i> und dann <i>&auml;u&szlig;erliche 
Kriegsr&uuml;stung</i> n&ouml;tig. Alle Waffen zum Angreifen, oder zum 
Decken vor dem Angriff k&ouml;nnen erst recht gef&uuml;hrt und benutzt 
werden, wenn der innere Mut gefa&szlig;t und gest&auml;rkt ist. Weil es 
aber eine <i>St&auml;rke im HErrn</i> 
ist, so f&uuml;hrt man sie <i>unter der 
Decke</i> der &auml;u&szlig;erlichen Schwachheiten. Zuerst nimmt der 
Apostel den Harnisch GOttes oder die ganze Kriegs = und Waffenr&uuml;stung 
GOttes zusammen, wie sich denn auch <i>nicht 
trennen l&auml;&szlig;t</i>. Denn, wenn einer auch meinte: den Schild 
des Glaubens zu haben, weil er beim Vertrauen, durch Christum selig zu 
werden, bleibe; aber er w&auml;re sonst mit dem Gurt der Wahrheit nicht 
wohl versehen, oder f&uuml;hrte nicht den lauteren Sinn von der Gerechtigkeit, 
so w&auml;re er doch ohne den Harnisch GOttes. Beim <i>Anziehen</i> 
flie&szlig;t auch GOttes gn&auml;diges <i>Darreichen</i>, 
und <i>unser</i> begieriges annehmen 
in Eins zusammen. Von der Einfalt Ber&uuml;cken ist das erste Werk des 
Teufels unter den Menschen gewesen, und es wird auch das Letzte bleiben. 
Ach, F&uuml;rwitz des Ungehorsams, was richtest du an! Hingegen besteht 
man gegen seine listigen Anl&auml;ufe, wenn man in nichts ungeb&uuml;hrliches 
hineingezogen wird, und die Wahrheit bei nichts im Stich l&auml;&szlig;t. 
In der Materie vom Teufel und seinen Engeln, vom Dasein b&ouml;ser Geister 
und ihrer Wirkungen in der Welt, hat sich der Unglaube schon auf mancherlei 
Weise ge&auml;u&szlig;ert. Unter dem Verleugnen und verkleinern seiner 
Macht hat der Teufel den besten Vorteil. Denn desto weniger Gegenwehr geschieht 
ihm auch. Da Wort GOttes gibt von <i>1. 
Mose 3</i> bis auf die <i>Offenbarung</i> 
hinaus eine an einander h&auml;ngende Nachricht von diesem Vater der L&uuml;gen, 
seinem ehemaligen Herrschen teils in der Abg&ouml;tterei der Heiden, teils 
im Mi&szlig;brauch des Gesetzes bei den Juden, von dem Zerst&ouml;ren der 
Werke des Teufels durch die Erscheinung des Sohnes GOttes in der Welt, 
von dem Gericht das damals in die Welt ihres F&uuml;rsten halber ergangen 
ist, von dem  im Evangelio ergehenden Aufruf an alle Welt, sich von der 
Gewalt des Satans zu bekehren zu GOtt, von dem Sieg dieser evangelischen 
Wahrheit, von dem Widerstand, den dieser gerichtete Feind tut, von der 
&Uuml;berwindung desselben bei den einzelnen Gl&auml;ubigen, von der endlichen 
und v&ouml;lligen Niederlage und Sturz in den Feuersee. Wer das Alles schw&auml;chen 
und verdrehen will, wagt viel. Die pr&auml;chtigen Namen, die der Apostel 
von diesem im Reich der Finsternis in einander gerichteten Kr&auml;ften 
braucht, mu&szlig; man freilich nie allein ansehen, sonst k&ouml;nnten 
sie wie zur Vergr&ouml;&szlig;erung dieser Macht in der Furcht unseres 
Herzens gesetzt zu sein scheinen; so aber, wenn man die  im Evangelio 
verk&uuml;ndigte Zerst&ouml;rung aller dieser Werke dazu nimmt, gereicht 
es mehr zu Verkl&auml;rung des Namens Christi. In der ganzen Lebenszeit, 
w&auml;hrend welcher man sich auf den Kampfplatz gestellt findet, gibt 
es doch eine Zeit vor der anderen, die <i>den 
b&ouml;sen Tag</i> ausmacht, und wo daran gelegen ist, da&szlig; des 
Feindes Absicht zur&uuml;ckgetrieben, unser  aus GOttes Wort und Geist 
gefa&szlig;ter guter Wille gest&auml;rkt, und damit GOttes gn&auml;diger 
Wille an uns vollbracht werde.  An der Waffenr&uuml;stung GOttes macht 
nun der Apostel zuerst die <i>Gurt der Wahrheit</i> 
namhaft. Denn wenn das Herz nicht rechtschaffen, wenn das Auge nicht einf&auml;ltig 
ist, wenn so viele Absichten und Nebengesuch im Amts = Haus = und Christen 
= Beruf mitgenommen werden, die sich nicht in den Gurt der Wahrheit bringen 
lassen; so hat es der Feind gleich gewonnen, da&szlig; er einen Streiter 
als einen Liebhaber seines eigenen Lebens zuschanden macht, dem es nicht 
redlicher ernst, noch um die ganze Wahrheit in Christo JEsu zu tun sei. 
Dazu kommt dann der <i>Brustharnisch</i> 
eines von der S&uuml;nde abgezogenen, und nach der Gerechtigkeit ringenden 
und &uuml;ber derselben haltenden Gewissens. Denn dabei hat erst ein unverwandtes 
Einschauen in das <i>Evangelium des Friedens</i> 
Statt, ja ein Eindringen in dasselbe, und Erreichung eines <i>festen 
Standes</i> darin, woran denn auch gewi&szlig; der Sieg &uuml;ber die 
Welt und ihren F&uuml;rsten h&auml;ngt. &Uuml;ber Alles aber breitet sich 
der <i>Schild des Glaubens</i> aus, oder 
der Ruhm: Ist GOtt f&uuml;r uns, wer mag wider uns sein? Christus ist hie, 
der wird seine Wahrheit an uns nicht fehlen lassen. Was man jetzt noch 
nicht sieht, daran hat man doch <i>in Hoffnung</i> 
Anspruch; und das gibt den <i>Helm des Heils</i>. 
Mit der dem&uuml;tigen Beziehung auf das, <i>was 
geschrieben steht</i>, hat der HErr JEsus den Kampf gegen den Versucher 
gef&uuml;hrt, und <i>Wachen und Beten</i> 
hat Er den J&uuml;ngern aufgegeben, da Satanas ihrer begehrt hat. Darum 
gedenkt der Apostel auch hier <i>des Worts 
GOttes</i> und des anhaltenden Gebets. 
 
<blockquote> 
 
<i>JEsu! Hilf siegen 
in allerlei F&auml;llen, gib mir die Waffen und Wehre zur Hand; r&uuml;ste 
mich Schwachen mit Allmacht und St&auml;rke, da&szlig; ich, o Liebster! 
Dein Dasein vermerke.</i> 
 
</blockquote> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Epheser 6,19-24</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel fordert die Epheser auf, auch ihn mit ihrem 
Gebet zu unterst&uuml;tzen, bezieht sich auf Tychikum, und die m&uuml;ndlichen 
Nachrichten, die sie durch ihn von seinen Umst&auml;nden erhalten werden, 
und schlie&szlig;t mit einem erwecklichen Segensgru&szlig;.</b> 
 
<p>Auf die Liebes&uuml;bung der F&uuml;rbitte hat Paulus 
besonders viel gehalten. Es ist auch wirklich ein Hauptst&uuml;ck vom Ehrenstand 
der Kinder GOttes, da&szlig; sie Ihm nicht nur ihre eigenen Angelegenheiten 
im Gebet vortragen, sondern sich auch Anderer mit F&uuml;rbitte annehmen 
d&uuml;rfen. GOtt hat seine Freunde fr&uuml;hzeitig damit geehrt; in der 
&auml;ltesten Geschichte Abrahams, Hiobs zc. Kommen Spuren davon vor. Im 
Neuen Testament hat der Geist Christi auch dies Wirken des Geistes noch 
mehr in Gang gebracht. Aber freilich wird weder ein faules Hinlehnen auf 
Anderer F&uuml;rbitte, dergleichen Simon mit unrichtigem Herzen <i>(Apg. 
8, 24)</i> gesucht, noch ein gewinns&uuml;chtiges Versichern seiner 
F&uuml;rbitte, dergleichen der liebe Heiland an den Pharis&auml;ern <i>(Matth. 
23, 14)</i> bestraft hat, dadurch gut gehei&szlig;en, sondern ein gemeinschaftliches 
K&auml;mpfen und Helfen mit Beten verstanden. Auch beim Amt des Worts begegnet 
GOttes Geben und der Menschen Treue im Forschen des Worts und im Pr&uuml;fen 
der Zeichen seiner Zeit einander. Das Geheimnisvolle, das dem nat&uuml;rlichen 
Menschen so Unvernehmliche am Evangelio kann am fr&ouml;hlichen Auftun 
des Mundes hindern. Von Sachen, darin man seinen Verstand und Witz zeigen 
kann, von Vernunfts = Wahrheiten, allenfalls auch von den  in aller Menschen 
Gewissen geschriebenen Gr&uuml;nden der Gerechtigkeit kann man leichter 
mit freudigem Auftun des Mundes reden, und sich der Anderen unverweigerten 
Beifall versprechen. Aber das Geheimnis des Evangelii, daran dem nat&uuml;rlichen 
Menschen so Manches t&ouml;richt vorkommt, so vorhalten, da&szlig; etwas 
von der heimlichen Weisheit und GOttes Kraft in der Anderen Gewissen leuchtet, 
das ist wirklich eine Gottesgabe. Und dergleichen Schatz hat GOtt nicht 
nur in irdische Gef&auml;&szlig;e und gew&ouml;hnlich schwache Menschen 
gelegt, sondern selbige noch mit vorz&uuml;glichen Kreuzesniedrigkeiten, 
Banden, Tr&uuml;bsalen, zugedeckt, damit desto mehr erkannt werden m&uuml;sse, 
die &uuml;berschwengliche Kraft sei GOttes, und nicht von ihnen. Und da 
mu&szlig; man freilich auf der einen Seite mit g&ouml;ttlichem Gem&uuml;te 
und k&ouml;niglichem Geist freudig handeln, und auf der anderen Seite doch 
sich bescheiden, da&szlig; man mit einem Geheimnis GOttes umgehe, das sich 
nicht mit Gewalt der &Uuml;berzeugung aufdringen lasse. Was sich hierin 
geb&uuml;hre, lernt man nicht ohne tausend Not und &Auml;ngsten, ohne K&auml;mpfen, 
und ohne Mitk&auml;mpfer zu haben.  N&auml;here Nachricht voneinander 
erweckt auch zu desto treffenderer F&uuml;rbitte f&uuml;r einander; deswegen 
bezieht sich der Apostel auf Tychikus.  Die Summe des ganzen Briefs war: 
GOtt in Christo, vor der Zeit der Welt im Vorsatz, GOtt in Christo, bei 
der Ausf&uuml;hrung der uns zugedachten Erl&ouml;sung, GOtt in Christo 
bei der heiligen Zueignung dieses uns bereiteten Heils bis zu dessen Vollendung 
in der Herrlichkeit; und daher zieht sich nun auch der Segenswunsch im 
Beschlu&szlig; auf Gemeinschaft mit GOtt und seinem Frieden und seiner 
Liebe zusammen. Das kleinste Kind in Christo, und der St&auml;rkste durch 
GOttes Geist an dem inwendigen Menschen, k&ouml;nnen in dem k&ouml;stlichen 
Herzensp&uuml;nktlein der Liebe JEsu zusammenkommen. Die Gnade bleibt unverr&uuml;ckt, 
und aus derselben erreicht auch die Liebe etwas Unverwelkliches, das in 
der Hitze der Anfechtung nicht verdorrt. 
 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Philipper 1,1-2</font></b></h4> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Der Brief Pauli an die Philipper Einleitung</font></b></h4> 
 
<p>Die beste Einleitung, die man in diesen Brief haben kann, 
ist aus <i>Apg. 16, 9 ff</i>. zu nehmen: 
denn daselbst findet man die Nachricht, wie Paulus mit dem Evangelio nach 
Philippen gekommen ist, und was dessen erster Segen daselbst war. Sie versuchten 
n&auml;mlich kurz zuvor in einigen Gegenden Asiens das Evangelium zu predigen, 
und fanden, da&szlig; ihnen vom Geist gewehrt ward (<i>Apg. 
16, 6 + 7)</i>. Dar&uuml;ber mag Paulus in der Nacht bek&uuml;mmert 
gewesen sein, oder doch im Nachdenken &uuml;ber diese Wege GOttes sich 
niedergelegt haben; so erschien ihm ein Gesicht, ein Mann aus Macedonien, 
der erste Europ&auml;er, der sich in aller Namen nach dem Evangelio ausgestreckt 
hat, unter der sehnlichen Bitte: Komm hernieder in Macedonien und hilf 
uns. Das gab dem Paulo und seinen Gef&auml;hrten eine gute Zuversicht und 
Gewi&szlig;heit, da&szlig; sie der HErr dahin berufen habe. Und so kam 
das Evangelium aus dem benachbarten Asien in die europ&auml;ischen Grenzen 
her&uuml;ber, woselbst es nachgehends durch GOttes gn&auml;diges Wohlgefallen 
auf lange Zeiten hinein so tiefe Wurzeln gefa&szlig;t, und so manche Frucht 
gebracht hat. Der Erfolg von Pauli Reise und Aufenthalt zu Philippis war 
zwar Anfangs nicht so gro&szlig;, als man sich bei einem so deutlichen 
Beruf h&auml;tte versprechen m&ouml;gen. Es hat auch hier erst das Weizenkorn 
in die Erde fallen und ersterben m&uuml;ssen, d. i. Paulus mu&szlig;te 
in tiefe Schmach und Leiden gesteckt werden, ehe die rechte Frucht herausgekommen 
ist. O verachte doch Niemand kleine Anf&auml;nge, o verzage Niemand, wenn 
es das Ansehen hat, als ob dieselbe gleich beim Aufgehen wieder in den 
Boden getreten w&uuml;rde! GOtt wendet es immer wieder zu seines Reichs 
Vorteil, und zum Sieg derer, die Gehilfen seiner Wahrheit sind. Es mu&szlig; 
oft nur alle Naturkraft und alles Vertrauen auf dieselbe untergehen, damit 
es desto mehr erkannt werde, wie die &uuml;berschwengliche Kraft sei GOttes, 
und nicht von uns. Da der Apostel Philippen notgedrungen verlassen, so 
waren au&szlig;er dem Haus der Lydia und des Kerkermeisters nur wenige 
Br&uuml;der, die der Apostel zu gr&uuml;&szlig;en und zu tr&ouml;sten hatte 
(<i>Apg. 16, 40)</i>. Allem Ansehen nach 
aber hat er ihnen bei seiner Abreise den Lukas oder einen anderen seiner 
Reisegef&auml;hrten zur&uuml;ckgelassen; auch ist er nach etlichen Jahren 
selbst wieder nach Philippen gekommen (<i>Apg. 
20, 6),</i> und unter der Zeit hat das gute Werk zu Philippis solchen 
Fortgang gehabt, da&szlig; da der Apostel von Rom, aus seiner ersten Gefangenschaft 
daselbst, diesen Brief schrieb, er sie schon als eine mit &Auml;ltesten 
und Dienern versehene Gemeinde ansehen konnte. Der Anla&szlig; zu diesem 
Brief war, da&szlig; die Philipper an den Banden des Apostels so mitleidige 
Gemeinschaft nahmen, und ihm nicht nur Epaphroditum zur Hilfe und Trost, 
sondern durch diesen auch etwas zur n&ouml;tigen Unterst&uuml;tzung sandten. 
&Uuml;ber diesem Liebesdienst fiel Epaphroditus zu Rom in eine t&ouml;dliche 
Krankheit, die f&uuml;r die Philipper und f&uuml;r Paulum keine geringe 
Pr&uuml;fung war. Da ihn aber GOtt wieder aufrichtete, so eilte Paulus, 
ihn zur&uuml;ckzusenden, und gab ihm diesen Brief mit, nicht nur zu dankbarer 
Bescheinigung der  von ihnen empfangenen Liebesgabe, sondern auch sonst, 
unter ihren Versuchungen von betr&uuml;glichen Arbeitern und ihrem anderw&auml;rtigen 
Druck, sie zu unterst&uuml;tzen, und zu fr&ouml;hlicher Fortsetzung und 
Vollendung ihres Christenlaufs zu ermuntern. 
 
<p>Zur Einteilung mag man sich merken: 
 
<ol type=I> 
 
<li> 
Aufschrift <i>Kap. 1, 1 und 2.</i></li> 
 
<li> 
Hauptvortrag <i>Kap. 1, 3  Kap. 4, 20.</i></li> 
 
<li> 
Beschlu&szlig; und Segensgru&szlig; <i>Kap. 
4, 2123</i>.</li> 
 
</ol> 
 
<p>Im Hauptvortrag bezeugt er seine Freude &uuml;ber ihren 
Stand im Glauben, seine weitere gute Zuversicht und herzliches Verlangen 
nach Wachstum (<i>Kap. 1, 311)</i>, 
gibt Rechenschaft von seinem guten Mut in den Banden (<i>Kap. 
1, 1226)</i>, f&uuml;gt auf den Fall, da&szlig; er im Leben bleibe, 
Ermahnungen bei, da&szlig; sie fortfahren sollten, ihm zur Freude zu sein 
durch einen dem Evangelio w&uuml;rdigen Wandel (<i>Kap. 
1, 27)</i>, durch Demut und Eintracht untereinander,<i> 
(Kap. 2, 111)</i>, durch rechtschaffenen Ernst im Gesch&auml;ft der 
Seligkeit (<i>Kap. 2,1218)</i>. Berichtet, 
da&szlig; er Timotheum bald, und jetzt gleich Epaphroditum sende (<i>Kap. 
2, 1930).</i> Ermuntert sie zur Freude im HErrn mit Vermeiden derer, 
die der eigenen Gerechtigkeit nachh&auml;ngen (<i>Kap. 
3, 121)</i>. W&uuml;nscht, da&szlig; Eintracht, Lindigkeit und Zufriedenheit 
die ununterbrochene Freude f&ouml;rdern (<i>Kap. 
4, 19)</i>, bezeugt den Philippern seine Dankbarkeit (<i>Kap. 
4, 1020).</i> 
 
<p>K&uuml;rzer: ich freue mich<i> 
(Kap. 1 und 2)</i>, freut ihr euch auch (<i>Kap. 
3 und 4)</i>. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Philipper 1,1-2</font></b></h4> 
 
<p><b>Aufschrift des Briefs mit apostolischem Segen.</b> 
 
<p>Paulus setzt sich hier seinem jungen Mitarbeiter Timotheus 
an die Seite, damit man auch zu diesem ein gegr&uuml;ndetes Vertrauen fassen 
m&ouml;ge. Das Reich Christi ist eben durchaus ein Reich der Liebe, darin 
es Keiner allein zu sein begehrt, noch seine Gabe und Vorz&uuml;ge zur 
Verkleinerung des Anderen mi&szlig;braucht, sondern vielmehr J&uuml;ngere, 
Schw&auml;chere aufzurichten, und damit nachzuziehen bedacht ist. Jener 
Wahrsagergeist zu Philippen schrie dem Paulo und seinen Mitgenossen nach: 
Diese Menschen sind Knechte GOttes, des Allerh&ouml;chsten (<i>Apg. 
16, 17).</i> Aber von dem wollte Paulus das Zeugnis nicht annehmen, 
um keinen Verdacht zu erwecken, als ob er mit ihm in Gemeinschaft st&uuml;nde. 
Hingegen wessen ihm der Heilige Geist in gutem Gewissen Zeugnis gab, dessen 
nahm sich der Apostel auch freudig an. Die im Herzen kr&auml;ftig gewordene 
Berufung GOttes in Christo JEsu macht den Menschen zu einem Heiligen, oder 
zu einem von der Welt abgesonderten und zum Eigentum GOttes in Christo 
JEsu ergebenen Mitgenossen der Gnade des Lebens. Die ganze Gemeinde zu 
Philippen ist Pauli Augenmerk bei diesem Brief, an sie wendet er sich gerade 
samt den Bisch&ouml;fen und Dienern. Die Gemeinde ist das Hauptwerk, Bisch&ouml;fe 
und Diener, Vorsteher und Diener sind um der Gemeinde willen, und gute 
Ordnung darin zu erhalten, da. So bald man davon abkam, so wurde der Grund zum 
Papsttum und aller Erhebung derer, die am Kirchendienst stunden, &uuml;ber 
das &uuml;brige Volk gelegt. Und das wird nun aus dem n&auml;mlichen Grunde, 
nur unter anderen Gestalten und Vorw&auml;nden, &uuml;berall fortgetrieben. 
Der gro&szlig;e Schaden davon ist der, da&szlig;, so viel man das Volk 
um seine Christenrechte bringt, so viel und so leicht l&auml;&szlig;t es 
denn auch seine Christenpflicht dahinten, macht sich aus der Religion gar 
nichts mehr, versinkt in Unwissenheit und Ruchlosigkeit, und schiebt zuletzt 
die Verantwortung davon denen auf den Hals, die sich von der Religion so 
viel Ehre und Genu&szlig; zuwenden. Die Apostel wendeten sich so an ganze 
Gemeinden, damit Vorsteher und Diener desto weniger, nach Art der alten 
Pharis&auml;er und Schriftgelehrten, den Schl&uuml;ssel des Erkenntnisses 
an sich rei&szlig;en k&ouml;nnten, und die &Uuml;brigen nur so viel wissen 
lie&szlig;en, als ihnen gut d&uuml;nkte, sondern damit alle Heiligen mit 
eigenen Augen sehen durften.  Mit Gnade und Friede legt der Apostel auch 
hier den Grund zu der Freude, die er in diesem Brief allermeist treibt. 
So geht es auch aufeinander. Gnade macht den Anfang, Friede erlangt den 
festen Stand in der Gnade, und die Freude gibt vollends siegreichen Mut 
&uuml;ber Alles, was aufhalten will. Wer aus dem Evangelio Grund hat, GOtt 
einen Vater zu nennen, und JEsum einen HErrn zu hei&szlig;en, der hat Gnade 
und Frieden. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Philipper 1,3-11</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel bezeugt mit viel teilnehmender Liebe seine 
Freude &uuml;ber der Philipper bisherigen Gnadenstand, und seine Zuversicht 
wegen derselben weiterer Bewahrung, welche Zuversicht er mit Gebet um ihr 
Wachstum unterst&uuml;tzt.</b> 
 
<p>Ein Diener GOttes hat sich auch darin als einen solchen 
zu beweisen, da&szlig; er bei jeder schicklichen Gelegenheit sein gutes 
Vernehmen, worin er mit seinem GOtt stehe, und seinen Zutritt, den er zu 
Ihm habe, merken lasse. Das ist kein guter Hirte und Lehrer, der nicht 
entweder dankt oder seufzt, oder beides abwechselnd treibt; wie unserem 
lieben Heiland sein Amt zuweilen besondere Freude veranla&szlig;t hat, 
zuweilen aber auch der Menschen Not Ihn zum Seufzen darin gebracht hat. 
Was man im Gebet vor GOtt kund werden l&auml;&szlig;t, ist gar in treuen 
Scho&szlig; gesch&uuml;ttet, und kommt mit Segen entweder &uuml;ber das 
eigene Herz oder &uuml;ber Andere zur&uuml;ck. Wenn jemand an seinem Amt 
und dem dazu verliehenen Gedeihen GOttes Freude hat, so darf man es ihm 
nicht gleich als Eitelkeit ausrechnen. GOtt wei&szlig; schon ihn dabei 
in der Zucht und Demut zu halten. <i>Gemeinschaft 
am Evangelio</i> hei&szlig;t der Apostel, was sonst Gemeinschaft mit 
dem Vater und seinem Sohne JEsu Christo hei&szlig;t, weil man zu dieser 
durch den Ruf des Evangeliums gelangt. Diese ihre Bekehrung zum Evangelio 
nennt der Apostel das <i>gute Werk</i>, 
weil sich daran eine &uuml;berschwengliche Kraft GOttes beweist (<i>Eph. 
1, 19)</i>. Daher der Glaube vorz&uuml;glich GOttes Werk hei&szlig;t 
(<i>Joh. 6, 19)</i>. Und es ist und hei&szlig;t 
ein gutes Werk, weil darin alle noch hin und her zerstreuten F&uuml;nklein 
im Gewissen so gesammelt werden, da&szlig; sie unter der Unreinigkeit nicht 
ersticken, und also, von der Neigung zum Evangelio an, ein dauerhafter 
Anfang im Guten zu rechnen ist. Von da an rechnet die Schrift auf den Tag 
JEsu Christi, welches die gute Vermutung gr&uuml;ndet, da&szlig; auch in 
jener Welt noch Manches zu der Gl&auml;ubigen F&ouml;rderung und Vollendung 
bereit stehe. Wer aber aus einer dergleichen geschmeidigen Schriftanzeige 
schnell ist, viel Anderes zu beschlie&szlig;en, und zu bestimmen, was darin 
nicht bestimmt ist, z. B. da&szlig; vieles in dieser Welt vers&auml;umte 
noch bis auf den Tag JEsu Christi k&ouml;nne hereingebracht werden, der 
kann sich &uuml;bereilen. Und da w&auml;re sicherer, in Bescheidenheit 
zu sagen: ich wei&szlig; nicht, ob es nach diesem Leben eine an einander 
h&auml;ngende Gnadenordnung gibt, oder ob es nicht blo&szlig; zuweilen 
scheinende Gnaden = Strahlen und seltene Besuche vom Licht GOttes sind; 
ich wei&szlig; nicht, ob die hiesige Gnadenarbeit nur fortgesetzt wird, 
oder ob auch ganz neue Gnadenz&uuml;ge angefangen werden; ich wei&szlig; 
nicht, ob es bei den Seelen nur durch Erinnerung an den  in der Welt genossenen 
Unterricht geht, oder ob ihnen zum Besten einen neue Predigt angerichtet 
wird; ich wei&szlig; nicht, ob auch dort noch eine M&ouml;glichkeit zu 
Vers&auml;umnis dieser Gnade ist, oder ob diese, verm&ouml;ge der dortigen 
Umst&auml;nde, notwendig ihren Zweck erreichen mu&szlig;? Und dies und 
anderes in das Verborgene Gelegte darf ich nicht aus meinen oder Anderer 
gut gemeinten Mutma&szlig;ungen erg&auml;nzen, noch um der darunter befindlichen 
Wahrheiten willen Alles f&uuml;r gleich gegr&uuml;ndet ausgeben. Bei Werken 
der Menschen ist vom Anfang nicht so zuversichtlich auf den Fortgang und 
Vollendung zu schlie&szlig;en, weil ver&auml;nderter Sinn und Unverm&ouml;gen 
dazwischen kommen kann; aber bei GOttes Werk ist es ein Anderes. Und auch 
was dabei auf der Menschen treue Anwendung ankommt, so ist es nicht f&uuml;r 
eine blinde Anh&auml;nglichkeit zu achten, wenn Einer f&uuml;r den Anderen 
gut sprechen will, sondern es kann eine wirkliche Frucht des Lichts und 
des Geistes sein, da&szlig; man einander so in Christo kennen gelernt. 
Besonders haben Versicherungen, die auch zur Zeit schwerer Umst&auml;nde 
und in Todesgefahr nicht wankend werden, eine Festigkeit, die man nicht 
obenhin beurteilen mu&szlig;; und der Zusatz: <i>von 
Herzensgrund in Christo JEsu</i>, deutet an, da&szlig; der Apostel solche 
Zuversicht nicht h&auml;tte, wenn es nicht Christus in ihm wirkte; auch 
da&szlig; er sich dadurch von einem  in Naturkraft gefa&szlig;ten steifen 
Sinn unterscheide, da&szlig; Alles mit weiterem Gebet unterst&uuml;tzt 
werden m&uuml;sse. Wie der Ausdruck: <i>Eure 
Liebe</i>, vermutlich aus dieser Stelle zur gew&ouml;hnlichen Ansprache 
an unsere Gemeinden und Zuh&ouml;rer gediehen ist, so sollte freilich beim 
Gebrauch dieser Redensart nicht nur bei uns Liebe und Achtung f&uuml;r 
die Schafe, Mut, bei ihnen wieder den Wolf auszuhalten, sich finden; sondern 
wir sollten auch bei unseren Zuh&ouml;rern eine Liebe zur Wahrheit, zu 
Christo und zu seiner Nachfolge vermuten k&ouml;nnen. Solche Liebe ist 
zwar auch gleich im Anfang nicht ohne Erkenntnis. Doch ist bei der ersten 
Kraft, die das Evangelium an den Herzen beweist, oft die Liebe und aus 
derselben allerlei Eifer und Trieb st&auml;rker, als Erkenntnis und Erfahrung. 
Deswegen ist es ein Wachstum, wenn die Liebe reich wird an Erkenntnis und 
&uuml;brigen Sinnen. Was unter den leiblichen Sinnen das Gesicht ist, das 
ist unter den geistlichen Sinnen die Erkenntnis. So viel Dienst der ganze 
Leib vom Gesicht genie&szlig;t, so kann man doch das Gesicht nicht zu dem 
einzigen Sinn machen, sondern mu&szlig; dem Geh&ouml;r, dem Gef&uuml;hl 
auch seinen Wert lassen. Ist schon Eines schwerer zu pr&uuml;fen als das 
Andere, kann schon beim Einen eher Betrug einschleichen als beim Anderen; 
so gibt es doch immer auch Mittel und Arten, den Abgang des Einen mit dem 
Anderen zu ersetzen. Selbst das Pr&uuml;fen was das Beste sei, geht nicht 
blo&szlig; durch Erkenntnis und deutliche Begriffe, sondern es hat sonst 
ein wachsames Gewissen, ein von der Gleichstellung der Welt abgekehrter 
Sinn viel Anteil daran. In nat&uuml;rlichen Dingen setzt man ja Vieles 
in einer wohlgetroffenen Wahl und genau beobachteten Unterschied. Beim 
Wachstum in der Erkenntnis l&auml;&szlig;t man sich nicht B&ouml;ses f&uuml;r 
Gutes, Sch&auml;dliches f&uuml;r N&uuml;tzliches aufdringen, auch keine 
nachteilige Vermischung zwischen Beiden aufkommen. Beim Wachstum an anderen 
Sinnen und Erfahrung aber wird man auch vorsichtig, Niemanden Ansto&szlig; 
zu geben, oder an Anderen sich mit Ansto&szlig; aufzuhalten. &Uuml;ber 
solche Lauterkeit hat man vom ersten Tag an zu wachen, damit man am Tage 
JEsu Christi darin erfunden werden k&ouml;nne. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Philipper 1,12-20</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel gibt ihnen Nachricht, welchen Segen GOtt auch 
auf seine Gefangenschaft in Rom gelegt habe, und warum er auch in seinen 
Banden freudig sein k&ouml;nne.</b> 
 
<p>Weil man durch eine verf&auml;lschte Nachricht von eines 
Arbeiters Gang und Werk viel Vertrauen niederschlagen kann, so wird es 
oft n&ouml;tig, mehr von sich zu sagen, als einem lieb ist. Weil es aber 
Anderen zum Heil geschieht, so mu&szlig; man es tun. O wie Manches hat 
schon einem Hindernis f&uuml;r das Reich GOttes gleich gesehen, und wenn 
man es mit Glauben und Geduld angefa&szlig;t, GOtt darunter getraut, und 
die Geburtsstunde wacker durchgeschafft hat, so ist eine F&ouml;rderung 
f&uuml;r das Evangelium daraus entstanden. Paulus war mit einer Kette an 
einen Kriegsknecht angeschlossen, der sein h&uuml;tete, und wenn das, wie 
zu vermuten ist, abwechselte, so konnte bei der ganzen kaiserlichen Leibwache 
Nachricht von Pauli Banden auskommen. Durch das geschmeidige Leiden aber 
kann man unter so vielen Liebhabern ihres eigenen Lebens oft mehr zum dienlichen 
Salz werden, als durch alles Lehren. Von angesehenen Weltmenschen breitet 
sich leicht ein Vorurteil wider die Wahrheit aus; aber wenn sie der Wahrheit 
Zeugnis geben, so kann sich von ihnen aus auch schneller eine gute Meinung 
f&uuml;r die Wahrheit ausbreiten. Hatten Pauli Bande solchen Segen unter 
denen, die drau&szlig;en waren, so konnten freilich Br&uuml;der, oder schon 
zur Gemeinschaft des Evangelii gebrachte Herzen noch genauer bemerken, 
wie es GOtt mit diesem seinen Knechte schaffe, und dadurch aus manchen 
kleinm&uuml;tigen Gedanken aufgerichtet werden. Unter den Br&uuml;dern 
konnten aber auch damals auch schon falsche oder doch heimt&uuml;ckische 
Br&uuml;der sein, die Christum um Ha&szlig; und Haders willen predigten; 
d. i. unter so viel tausend zu Christo bekehrten Juden waren noch viele 
Eiferer f&uuml;r das Gesetz. Die waren nun sehr wider Paulus eingenommen, 
als von dem sie dachten, da&szlig; er nicht nur den Heiden die T&uuml;re 
zum Glauben zu weit auftue, und sie ohne Gemeinschaft mit Israel zu GOtt 
f&uuml;hre, sondern da&szlig; er auch die Juden unter den Heiden lehre 
vom Gesetz abfallen. Diese wollten sich denn auch das Ansehen geben, da&szlig; 
sie Christum predigten, arbeiteten aber inmittelst doch dem Paulus entgegen. 
Das gibt denn Anla&szlig; zu allerlei Spaltungen. Und weil sie damit eine 
Predigt von Christo aufbringen wollten, dabei nicht so viel Verfolgung 
zu befahren war, so wandten sie dem Apostel Bande der Tr&uuml;bsal zu, 
da&szlig; er mehr als ein hitziger Kopf die Leute zu Jerusalem ohne Not 
aufgebracht habe. Dem lieben Apostel war das freilich nicht ganz gleichg&uuml;ltig. 
Doch da die unlauteren Absichten mehr Pauli eigene Person betrafen, so 
wollte er gern so empfindlich dar&uuml;ber nicht sein, sondern GOtt zutrauen, 
da&szlig; er die ihm darunter zugedachten Tr&uuml;bsale werde zu m&auml;&szlig;igen 
wissen, und sich freuen, da&szlig; inmittelst doch Christi Name durchdringe. 
Wie sich einer heutigen Tages freuen kann, da&szlig; jetzt das, wor&uuml;ber 
sich Luther, Arndt, Spener und ihre wackeren Gehilfen noch so haben leiden 
m&uuml;ssen, nun doch zur &ouml;ffentlichen Predigt durchgedrungen ist, 
wenn schon diejenigen, welche am ernstlichsten dar&uuml;ber halten, auch 
wieder ihre Leiden haben, wie ihre V&auml;ter. Den versp&uuml;rten Segen 
aber hat Paulus ihrer mit ihm k&auml;mpfenden Gebetskraft zugeschrieben, 
wie noch jetzt mancher sp&uuml;ren kann, was und wie f&uuml;r ihn gebeten 
wird. &Uuml;brigens ging Pauli Freudigkeit nicht auf eine Gewi&szlig;heit, 
da&szlig; ihn GOtt wieder mit Ehren vom Kreuz herabnehmen werde, sondern 
vielmehr auf eine Zuversicht, da&szlig; er allenfalls auch mit freudiger 
Bekenntnis Christi daran sterben k&ouml;nnte. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Philipper 1,21-30</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel gibt weiteren Grund an, warum er auf das Leben 
und Sterben versichert sei, das Eins wie das Andere zur Verherrlichung 
Christi gereichen werde, und wie er deswegen nicht durch eigene Wahl den 
Ausschlag geben m&ouml;chte; wohl aber in seinem Innern darauf gelenkt 
werde, da&szlig; er noch weiter im Fleisch zu bleiben habe, und daraus 
leitet er dann kr&auml;ftige Ermahnungen f&uuml;r die Philipper her.</b> 
 
<p>Zum Grund seiner zuvor bezeugten Zuversicht gibt der Apostel 
also das an, da&szlig; Christus sein Leben sei, und er das, was er lebe 
nicht sich selbst, sondern, dem lebe, der f&uuml;r ihn gestorben und auferstanden 
ist. Darum habe ich auch beim Sterben nichts zu verlieren, sondern zu gewinnen. 
Dergleichen Versicherungen mu&szlig; man nicht unter die  dem Apostel 
eigen gewesenen Vorz&uuml;ge rechnen, sondern so gewi&szlig; jeden Gl&auml;ubigen 
auch der Tod nicht von der Liebe GOttes scheiden kann, so gewi&szlig; jedes 
Schaf JEsu ewiges Leben hat, ohne Gefahr sich zu verlieren, oder mehr aus 
des Vaters Hand gerissen zu werden; so gewi&szlig; ist auch jedem Gl&auml;ubigen 
das Sterben Gewinn. Es geht in  und nach dem Sterben in der Gemeinschaft 
mit GOtt, im Genu&szlig; des Lebens Christi nicht hinter sich, sondern 
f&uuml;r sich. Der Zusatz: <i>Im Fleisch 
leben</i>, setzt dies Leben und seinen Wert sehr herunter; das Folgende 
aber, da&szlig; darin noch ein Werk Christi auszurichten sei, davon sich 
auch Frucht &uuml;ber Andere ausbreitet, gibt ihm doch auch in des Glaubens 
Augen einen Wert; da&szlig; von der einen Seite die Lust abzuscheiden, 
und von der andern Seite die Begierde, im Dienst Christi noch etwas auszurichten, 
miteinander in das Ringen kommen. Mit welcher sieghaften Lust abzuscheiden 
einem Jeglichen bei seinem wirklichen Abschied des Todes Bitterkeit werde 
vers&uuml;&szlig;t sein, kann Keiner zuvor bestimmen. Aber in gesunden 
Tagen soll sich unfehlbar bei Jedem das Gew&auml;chs der Wiedergeburt und 
Erneuerung auch in eine merkliche Lust abzuscheiden treiben, der Leib der 
S&uuml;nde und des Todes, der &auml;rgerliche Lauf der Welt soll uns manchen 
Seufzer nach Erl&ouml;sung auspressen, und was uns der Heiland von des 
Vaters Haus und von dem Daheimsein bei ihm sagt, kann nicht ohne Erregung 
eines geziemenden Heimwehs abgehen. Bei Christo sein, stillt das Herz genugsam, 
da&szlig; man alle n&auml;heren Bestimmungen auf die Hand Dessen kann ankommen 
lassen, dem man seinen abscheidenden Geist zum Aufnehmen empfiehlt (<i>Apg. 
7, 58)</i>. Aus Allem soll der Glaube Nahrung ziehen; wer nicht das, 
was menschlich ist, sondern das was g&ouml;ttlich ist meint, der wendet 
auch Alles, was ihm sonst nat&uuml;rlicher Weise angenehm w&auml;re, zu 
einer Freude des Glaubens an. Die Hauptsache aber, den w&uuml;rdigen Wandel 
nach dem Evangelio, nach der Gnade und Hoffnung desselben, mu&szlig; man 
auf nichts &Auml;u&szlig;erliches, auf keinen ver&auml;nderlichen Umstand 
ausgesetzt sein lassen, sondern der hat immer Statt, es gehe mit dem &Uuml;brigen, 
wie es wolle. Wo man einmal &uuml;ber der Hauptsache des Evangelio einig 
geworden ist im Geist, da soll man auch das &Uuml;brige, was man sich sonst 
k&ouml;nnte aneinander irren lassen, so ebnen, da&szlig; das Stehen in 
einer Seele nicht verhindert werde. Wenn es auch miteinander &uuml;ber 
dem Evangelio zu leiden und zu k&auml;mpfen gibt, so wird man oft desto 
mehr zusammengeschmelzt. Weil das, sich erschrecken lassen, so tief in 
unserer Natur steckt, so macht es ein St&uuml;ck von der Erneuerung in 
das Ebenbild GOttes aus, da&szlig; ein Mensch wieder einen standhaften 
Mut bekommt, &uuml;ber dem Guten zu halten. Mancher Widersacher des Evangelii 
nimmt aus seinem Verm&ouml;gen, Schaden zu tun, ein Anzeigen, er sei recht 
daran, GOtt habe ihn um deswillen in dies und jenes Amt kommen lassen; 
aber wenn er einen Augenblick k&ouml;nnte n&uuml;chtern werden, die Stimme 
zu h&ouml;ren: Ich bin JEsus, den du verfolgest; da w&uuml;rde er auch 
das Anzeigen daraus nehmen, das der Apostel daraus herleitet. Unter der 
schon im Paradies gesetzten Feindschaft und unter dem daher fortw&auml;hrenden 
sonst freilich beschwerlichen Krieg bringt GOtt doch mehr Gutes heraus, 
als wenn Alles in einem ung&ouml;ttlichen Frieden entschliefe. Die Gabe 
zu glauben, und die Ehre dar&uuml;ber zu leiden, bleiben auch jetzt nicht 
lange voneinander getrennt. Die ersten Gl&auml;ubigen haben darin etwas 
vor uns voraus gehabt. Gehe man nur GOtt in den jetzigen geringeren Proben 
nicht aus der Hand 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Philipper 2,1-5</font></b></h4> 
 
<p><b>Nachdem der Apostel im Beschlu&szlig; des vorigen Kapitels 
die Philipper ermahnt hatte, sie sollten ihm Freude machen mit einem dem 
Evangelio w&uuml;rdigen Wandel und unerschrockenem K&auml;mpfen &uuml;ber 
demselben; so f&auml;hrt er nun fort, sie auf das Beweglichste zu bitten, 
seine Freude vollkommen zu machen durch Einigkeit im Geist, und durch Demut 
und Christi Sinn.</b> 
 
<p>Seinem Zuspruch bereitet der Apostel auf eine Art den 
Weg, wobei sie Herz und Gehorsam ja nicht sollten entziehen k&ouml;nnen. 
Denn er fordert sie auf: da k&ouml;nnt ihr zeigen, was eine Ermahnung in 
Christi Namen bei euch gilt; wenn es tr&ouml;stliche Zeugnisse von der 
Liebe GOttes gibt, die euer Herz erweichen, wenn ihr als teilhaftig des 
Geistes mit dem Haupt und Gliedern in gesegneter Verbindung steht; mithin 
ist es im Grunde so viel, als ob er sie im Namen des dreieinigen GOttes 
beschw&ouml;ren wollte. Das nun zum Grund gelegt, erweckt er ihren lauteren 
Sinn, nach welchem sie auch in herzlicher Liebe und grundweichem Erbarmen 
gegen einander stehen; und dann hat er Mut, seine gro&szlig;e Bitte vorzubringen: 
<i>Erf&uuml;llt 
meine Freude.</i> Wie alle andere Freude, so soll auch unsere Amtsfreude 
immer v&ouml;lliger werden. Und dazu hilft nichts sicherer, als wahre Einigkeit. 
Aus einem Geist wird man eines Sinnes und einhellig; aus einer Seele kommt 
man zu gleicher Liebe und eintr&auml;chtigem Wesen, d. i. man hat und erlangt 
vom Evangelio und dem w&uuml;rdigen Wandel darnach einerlei Einsicht und 
&Uuml;berzeugung; dabei kann man auch von seinem Stand und damit verbundenen 
Vorz&uuml;gen herabsteigen, und auf gleiche Liebe kommen; auch den Unterschied 
des Naturells, die daraus entstehenden ungleichen Neigungen so voreinander 
verbergen, da&szlig; Trennung verh&uuml;tet und Einhelligkeit bef&ouml;rdert 
wird. Hingegen die Herzensh&auml;rtigkeit, die auf ihrem Recht besteht, 
veranla&szlig;t Zank; die Eigenliebe die ihren eigenen Einsichten zu viel 
traut, mit Anderer gliedlicher Handreichung anzustehen, f&uuml;r zu gering 
h&auml;lt, wird eitler Ehre geizig. Wer sich &uuml;ber Andere erhebt, meint 
auch, Andere m&uuml;ssen sich nach Ihm richten, tut, als ob an ihm, seinen 
Rechten und deren Behauptung am meisten gelegen w&auml;re. Wer durch Demut 
den Anderen h&ouml;her achten lernt, als sich selbst, dem wird es auch 
leicht, des N&auml;chsten Nutzen dem seinen vorzuziehen.  Von seinem Sinn, 
oder von der bei seinen Worten und Werken f&uuml;hrenden Absicht, hat der 
liebe Heiland selbst manchen Aufschlu&szlig; verliehen, und das Weitere 
ist aus allen seinen in der evangelischen Geschichte beschriebenen Schritten 
abzunehmen. Diesen Sinn zuv&ouml;rderst an Christo lieb gewinnen und gut 
hei&szlig;en, sodann aber auch von Ihm zu lernen begehren, und unter wirklichen 
Schickungen GOttes anziehen; aber auch beim Leiden dar&uuml;ber nicht verdrossen 
werden, hei&szlig;t gesinnt sein, wie JEsus Christus auch war. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Philipper 2,6-11</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel verleiht uns einen wichtigen Blick &uuml;ber 
den ganzen Lauf Christi vom Vater durch die Welt wieder zum Vater, oder 
&uuml;ber seinen gesamten Eingang durch Leiden zur Herrlichkeit, damit 
man daraus seinen Sinn erkenne und liebgewinne, und selbigen auch anzuziehen 
desto williger werde.</b> 
 
<p>Der Sohn GOttes hei&szlig;t hin und wieder das Ebenbild 
GOttes, der Glanz seiner Herrlichkeit, es hei&szlig;t von Ihm, Er habe 
bei dem Vater eine Herrlichkeit gehabt, ehe denn die Welt war. Da nun dieser 
eingeborene Sohn GOttes in das Fleisch gekommen, so kam auch in seine heilige 
Menschheit das Ebenbild des unsichtbaren GOttes, und konnte bei seinem 
Wandel in der Welt von sich sagen: Wer mich sieht, der sieht den Vater. 
Es gab auch solche unter der Lehre und dem Zug GOttes bereitete Herzen 
und ge&ouml;ffnete Augen, die bei seinem Wohnen unter uns an ihm eine Herrlichkeit 
sahen als des eingebornen Sohnes vom Vater. In dieser seiner Gottesgestalt 
war er auch GOtt gleich; konnte sagen: Alles, was der Vater hat, das ist 
mein. Wenn Er sich also, als GOtt gleich, best&auml;ndig aufgef&uuml;hrt, 
offenbar erwiesen, und daher sich auch von Anderen daf&uuml;r h&auml;tte 
bedienen, und ausrufen lassen; so w&auml;re es kein Raub gewesen: denn 
Er h&auml;tte sich damit nicht einer fremden Sache ungeb&uuml;hrlich angema&szlig;t, 
sondern nur das Seine gebraucht und geoffenbart. Aber eben dessen enthielt 
Er sich, weil er nicht das Seine suchte, sondern uns zu suchen und selig 
zu machen gekommen war. Und Er enthielt sich dessen mit einem so abgeschiedenen 
Sinn, als ob es ein Raub gewesen w&auml;re, wann Er in der W&uuml;rde und 
Ehre, GOtt gleich zu sein, nur geschwind sich und seine Herrlichkeit gesucht 
h&auml;tte, ohne auf uns und unsere Erl&ouml;sung von der Ungerechtigkeit 
zu sehen. Denn so sind wir in die Ungerechtigkeit geraten, da&szlig; unsere 
ersten Eltern GOtt gleich sein, und das als einen Raub wider ihres Sch&ouml;pfers 
Gebot an sich rei&szlig;en wollten. In dieser ihrer Ungerechtigkeit werden 
wir nun Alle geboren, da&szlig; wir nur das Unsere suchen, und uns in wahren 
oder falschen, wirklichen oder eingebildeten Vorz&uuml;gen so r&auml;uberisch 
verhalten, als ob uns kein Bedacht auf den Willen GOttes, keine Liebe unseres 
N&auml;chsten darin Einhalt tun d&uuml;rfte. Das Kind schon rei&szlig;t 
mit Wut an sich, was es verlangt; und beraubt ein Anderes neben sich so 
begierig, als der gr&ouml;&szlig;te Weltbezwinger, und kehrt sich an keine 
Billigkeit. Davon nun uns zu erl&ouml;sen, und uns auf die Spur zu bringen, 
wie unter Verschm&auml;hung unserer selbst das Bild und die Herrlichkeit 
GOttes erst wieder nach und nach in uns aufgerichtet werden m&uuml;sse, 
ist dieser ganze Lauf unseres lieben Heilands verordnet worden. An dem 
Ausdruck: <i>Er &auml;u&szlig;erte sich 
selbst</i>, nehmen Manche Anla&szlig;, unseren lieben Heiland w&auml;hrend 
seines Wandels in der Welt als einen blo&szlig;en Menschen vorzustellen. 
Aber das stimmt weder mit der &uuml;brigen Schrift und der Beschreibung 
Seines Lebens ein, noch bringt es auch dieser Ausdruck mit sich. Denn eben 
weil Er sich selbst ge&auml;u&szlig;ert und ausgeleert hat, so mu&szlig; 
ja etwas dagewesen sein, dessen Er sich so begeben hat, n&auml;mlich eben 
die vorgenannte g&ouml;ttliche Gestalt, oder die Ihm zustehende Herrlichkeit, 
GOtt gleich zu sein; dessen enthielt Er sich freiwillig, stellte sie au&szlig;er 
allem Gebrauch; und was Er zuweilen davon in Worten und Werken offenbarte, 
das geschah nicht in eigener Willk&uuml;r, nicht in dem Sinn, Seine Ehre 
darunter zu suchen, sondern so, wie es Ihm der Vater zeigte, wie Er Gebot 
und Vorschrift dazu vom Vater hatte. Ein blo&szlig;er Mensch sein, und 
als ein solcher durch die Welt etliche und drei&szlig;ig Jahre wandeln, 
w&auml;re mehr eine Einrichtung des himmlischen Vaters und ein Gehorsam 
des dazu ausersehenen Menschen = Sohnes gewesen; aber keine Ent&auml;u&szlig;erung, 
kein Ausleeren und Enthalten von dem, worin man gleichwohl stand, k&ouml;nnte 
man dabei gedenken. Aber das GOtt im Fleisch geoffenbart, da&szlig; der 
Sohn GOttes in der Gestalt des s&uuml;ndlichen Fleisches gesandt war, das 
machte bei Christo zu einem solchen Sinn und dessen best&auml;ndiger Behauptung 
Gelegenheit, wobei ein fortw&auml;hrendes Ent&auml;u&szlig;ern, nicht nur 
ein Verbergen oder Verborgenhalten vor Anderen, sondern eine innere Abgeschiedenheit 
vorging, um welcher willen der Apostel anderswo sagte: Er hatte nicht Gefallen 
an sich selbst. Die angenommene <i>Knechtsgestalt</i> 
ist nicht die angenommene menschliche Natur selbst: denn die menschliche 
Natur hat Er noch, und wird sie in Ewigkeit behalten; die Knechtsgestalt 
aber hat Er in seiner Erh&ouml;hung abgelegt. Mithin machten die an seiner 
menschlichen Natur haftenden besonderen Niedrigkeiten, Armut, Arbeit, Untert&auml;nigkeit, 
der niedrige Sinn, nicht sich dienen zu lassen, sondern selbst zu dienen, 
auch unter seinen J&uuml;ngern Knechtsdienste zu tun, ihnen die F&uuml;&szlig;e 
zu waschen, wann es zu ihrer Herumholung aus dem Irrtum ihres Weges n&ouml;tig 
war, diese Knechtsgestalt aus.  Auch der Ausdruck: <i>ward 
wie ein anderer Mensch</i>, hei&szlig;t ja nicht: Er war ein blo&szlig;er 
Mensch. Es hei&szlig;t &uuml;berhaupt nicht: er war, sondern Er ward, Er 
hat sich in die Gleichheit der Menschen gegeben, n&auml;mlich durch seine 
freiwillige Ent&auml;u&szlig;erung. Es war aber doch zugleich etwas in 
Ihm und an Ihm, um deswillen Er mit Grund zu den widersprechenden Juden 
sagen konnte: Ehe denn Abraham war, bin ich. W&auml;re der Heiland w&auml;hrend 
seines Laufs in der Welt ein blo&szlig;er Mensch gewesen, so w&uuml;rde 
Er gewi&szlig; den Unglauben der Menschen nicht durch dergleichen Reden 
gereizt haben. In die Gleichheit der Menschen hat Er sich freilich begeben, 
um in Allem versucht zu werden, gleichwie sie, um Mitleiden zu lernen mit 
denen, die versucht werden. In Seinem ganzen Betragen lie&szlig; Er sich 
als Mensch erfinden: Er hat gegessen, getrunken, geschlafen, ist m&uuml;de 
geworden, hat in Freude und Leid, im Jammern, im Lob GOttes abwechselnde 
Stunden gehabt; ist unter die Leute gegangen, man hat Seiner Freundlichkeit 
halber leicht ein Vertrauen zu Ihm fassen k&ouml;nnen; zu andern Zeiten 
war Er auch gern wieder allein, und in der Stille usw.  <i>Er 
erniedrigte sich selbst</i>, das geht noch tiefer hinunter. Ein K&ouml;nig, 
der sein Reich niederlegte, &auml;u&szlig;erte sich damit selbst, aber 
er k&ouml;nnte sich daneben sonst noch genug Vorz&uuml;ge und Freiheiten 
vorbehalten. Aber unser lieber Heiland gab sich unter Alles hinunter. Nicht 
nur der erste Schritt, nicht nur das einmalige: Ja, Vater, siehe ich komme! 
Ging aus lauterem Gehorsam, sondern mit jedem Schritt lernte Er Gehorsam. 
Auch seinen zwar uns&uuml;ndlichen, doch mit Grauen vor dem Leiden behafteten 
menschlichen Willen brachte Er zu der Unterw&uuml;rfigkeit unter den Willen 
seines Vaters. Und darin hielt Er aus, bis Alles an Ihm erf&uuml;llt war, 
was von Ihm beschlossen und geschrieben ist. Auch vom Kreuz stieg Er nicht 
herab, sondern starb am Kreuz, und lie&szlig; seine Verkl&auml;rung, die 
Offenbarung seiner Gerechtigkeit blo&szlig; auf seinen himmlischen Vater 
ankommen. Der Sohn GOttes war von Anfang zum Erben &uuml;ber Alles gesetzt, 
und in dieses angeborene Recht zum Trone trat auch die heilige Menschheit 
Christi ein, gleich bei seiner Empf&auml;ngnis und Geburt. Aus dem Grund 
bittet auch der Heiland um seine Verkl&auml;rung mit der Klarheit oder 
Herrlichkeit, die Er bei dem Vater hatte, ehe denn die Welt war (<i>Joh. 
17, 5)</i>. Mithin hat Er sich freilich Seine Erh&ouml;hung nicht verdient 
durch Seine Erniedrigung. Aber Seine vorhergegangene Erniedrigung und der 
darin bewiesene Gehorsam war so ein wichtiger Dienst zur Verkl&auml;rung 
GOttes auf Erden, da&szlig; GOtt gleich an die verordneten Leiden auch 
die Verhei&szlig;ung Seiner Erh&ouml;hung h&auml;ngte (<i>Jes. 
53)</i>, und der Heiland deswegen jedesmal bei Verk&uuml;ndigung Seines 
Leidens auch die Hoffnung der Herrlichkeit hinzutat, auch nach dem Antritt 
Seiner Erh&ouml;hung immer noch in Verbindung mit einander davon sprach: 
Mu&szlig;te nicht Christus solches Leiden, und in Seine Herrlichkeit eingehen. 
Ich war tot, und siehe ich bin nun lebendig in die ewige Ewigkeiten. Das 
L&auml;mmlein ist w&uuml;rdig zu nehmen Preis und Ehre: denn es hat sich 
schlachten lassen. 
 
<p>Bei der Erniedrigung hie&szlig; es immer: <i>sich 
selbst</i>, um den Gehorsam und die Willigkeit des Geistes anzuzeigen. 
Jetzt bei der Erh&ouml;hung hei&szlig;t es immer: <i>GOtt</i> 
hat Ihn erh&ouml;ht, lebendig gemacht, gesetzt zc., um Ihn darunter als 
den Anf&auml;nger und Vollender des Glaubens, als den Durchbrecher auszuzeichnen 
auf dem Glaubenswege, auf welchem wir nun zu GOtt kommen m&uuml;ssen.  
<i>Der 
Name &uuml;ber alle Namen</i>, den er in Seiner Erh&ouml;hung bekommen, 
ist nicht eigentlich der Name JEsus, denn den trug Er ja schon von seiner 
Beschneidung an. Aber das f&uuml;r alle S&uuml;nder Heilwertige, die Kraft, 
selig zu machen, bekam dieser Name aus der vorhergegangenen Erh&ouml;hung 
mit welcher der Heiland auch in die Macht eintrat, selig zu machen immerdar. 
Eigentlich aber hei&szlig;t einen Namen bekommen, der &uuml;ber alle Namen 
ist, eben so viel, als was die Apostel anderw&auml;rts so ausdr&uuml;cken: 
&Uuml;ber Alles gesetzt werden, was genannt mag werden in dieser und in 
der zuk&uuml;nftigen Welt. Unter dem Namen JEsu wird nun die ganze Person 
unseres durch das Leiden zur Herrlichkeit eingef&uuml;hrten Herzogs der 
Seligkeit auch nach ihren amtlichen Verh&auml;ltnissen angedeutet. Und 
so wird auch durch das Kniebeugen nicht nur ein Zeichen &auml;u&szlig;erlicher 
Ehrerbietung auferlegt, sondern v&ouml;lliges Anerkennen Seiner Herrlichkeit 
und Unterw&uuml;rfigkeit unter Ihn angedeutet. Das geschieht im Himmel 
von Engeln und allen Geistern der vollendeten Gerechten. Die auf Erden 
sind, stehen in der Mitte, als auf der Wegscheide, da&szlig; sie sich im 
Glauben und Liebe zu dem HErrn JEsu so fassen, und mit Freuden zu denen 
im Himmel hin&uuml;berkommen k&ouml;nnen; aber auch GOttes Gnade und den 
Gehorsam gegen dem Evangelio so vers&auml;umen, und dar&uuml;ber mit Schrecken 
hinunterfallen k&ouml;nnen zu denen unter der Erden, denen ein ungewisses 
schreckliches Warten des Gerichts eingejagt ist, und so von Zeit zu Zeit 
erneuert wird. Alles l&auml;uft zuletzt da hinaus, da&szlig; der Vater 
geehrt werde in dem Sohn &uuml;ber dem  den Menschen bereiteten Heil. 
O wie tut es einer redlichen Seele so wohl, wenn sie klein ist, das JEsus 
ihr gro&szlig; werde; wie gern gibt sie sich hin, einen gleichen Gang zu 
tun, und unter Gemeinschaft der Leiden und &Auml;hnlichkeit des Todes JEsu 
in die Hoffnung der Herrlichkeit einzudringen! Alles Hohe au&szlig;er dem 
wird geniedrigt werden, alle auf das Verderben der Erde hinauslaufenden 
Grunds&auml;tze, wobei man das Seine sucht, und nicht auf den Anderen sieht, 
werden gest&uuml;rzt werden. Die Sanftm&uuml;tigen werden das Erdreich 
besitzen. Hallelujah! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Philipper 2,12-16</font></b></h4> 
 
<p><b>Nach dem vollst&auml;ndigen Zeugnis von dem Sinn Christi 
unter seinem ganzen Lauf kommt nun der Apostel wieder auf das Ermahnen 
zu einem ganzen Ernst im Gesch&auml;ft seiner Seligkeit und zu einem unstr&auml;flichen 
Verhalten um derer willen, denen zum Zeugnis GOtt sie hingestellt habe, 
auch zu treuer Bewahrung des angenommenen Worts, dem Apostel selbst zum 
fr&ouml;hlichen Ruhm auf den Tag Christi.</b> 
 
<p>Die Gegenwart eines so geist = und gnadenreichen Apostels 
konnte freilich viel tun, wie noch jetzt Auge und Hand eines treuen Hirten 
oder wackeren Gef&auml;hrten. Aber doch mu&szlig; eines Jeden innerer Ernst 
noch eine tiefere Wurzel haben, da&szlig; man auch bei Abkunft eines Lehrers, 
bei Abgang solcher Anstalten, die einem sonst zur F&ouml;rderung sind, 
nicht zur&uuml;ckkommt. Wie alle die Ermunterungen in der Schrift: ringt 
darnach, trachtet, &uuml;berwindet zc. so ist auch dies Wort, schafft, 
da&szlig; ihr selig werdet, anzusehen. N&auml;mlich nicht als ob wir und 
unsere Seligkeit erst bereiten m&uuml;&szlig;ten, sondern das Kommen auf 
den himmlischen Beruf, und das Durchbrechen durch so viele unserem Heil 
gef&auml;hrliche Hindernisse erfordert einen solchen anhaltenden Ernst, 
wobei man aus dem Seligwerden sein ganzes Werk macht. Darum legt es die 
Schrift, allen Mi&szlig;verstand zu verh&uuml;ten, oft so neben einander 
hin, z. B. <i>Mt. 11, 12</i>. Das Himmelreich 
dringt mit Gewalt herein, und die ihm Gewalt antun, rei&szlig;en es zu 
sich; oder hier: Schafft, da&szlig; ihr  denn GOtt ist es, der in euch 
wirkt. Dieser ganze Brief ist sonst so in guter Zuversicht geschrieben, 
und muntert zum fr&ouml;hlichen Leben im Willen GOttes auf. Aber der Gefahr, 
worin sich unser Heil befindet, so lange wir noch im Leibe der S&uuml;nden 
und des Todes und unter den Versuchungen der Welt wohnen, soll man nie 
vergessen, und daher sich nicht &uuml;ber <i>Furcht 
und Zittern</i> hinaus d&uuml;nken. Man h&ouml;rt heutigen Tages oft 
den Einwurf, der Flei&szlig; der Gottseligkeit, der Eifer in guten Werken 
werde niedergeschlagen, wenn man die Menschen und ihr Verm&ouml;gen so 
herabsetze, wenn man vom nat&uuml;rlichen Unverm&ouml;gen zu allem Guten, 
von der t&ouml;dlichen Schwachheit aus der Erbs&uuml;nde, von der Notwendigkeit 
der Gnade und den Wirkungen des Geistes GOttes zu viel mache. Aber hier 
sieht man gerade das Gegenteil; eben zu der dringendsten Ermahnung: schafft 
euer Heil, nimmt der Apostel den Beweggrund von GOttes vielverm&ouml;gender 
Kraft und Wirkung her. Bei jedem Herzen, das aus der Wahrheit ist, wird 
sich es auch der Erfahrung nach so finden, da&szlig;, je tiefer es seine 
Unt&uuml;chtigkeit zu allem Guten, seinen schweren Abfall, die gro&szlig;e 
Kluft zwischen GOtt und einem  von seinem Leben entfremdeten Menschen 
empfindet, je sorgf&auml;ltiger wird es sein, die Wirkungen GOttes und 
seiner Gnade zu beobachten, und ihnen ihre Kraft zur Wieder = Erneuerung 
in das Bild GOttes an seinem Herzen zu lassen. Man kann keinen reineren 
Ausdruck vom Gesch&auml;ft unseres Heils finden, als der Apostel hier f&uuml;hrt. 
GOtt wirkt, wir k&ouml;nnten nichts ohne Ihn. Wir kommen auf seinen Zug 
durch eine fremde Kraft dahin, wohin wir aus eigener Vernunft und Kraft 
nimmermehr k&auml;men. Aber GOtt wirkt das <i>Wollen</i>. 
GOtt zwingt und &uuml;berw&auml;ltigt uns mit Seiner Wirkung nicht, wie 
einen Klotz. Der Mensch kann nichts ohne GOtt, und GOtt will nichts ohne 
den Menschen, und dessen erwecktes Wollen. Mit Worten l&auml;&szlig;t sich 
es freilich nicht ausmachen, wie GOtt seine Wirkung m&auml;&szlig;igt, 
da&szlig; sie kr&auml;ftig genug ist, und doch dem Menschen Pr&uuml;fung 
seiner Neigung und Liebe zum Licht &uuml;brig bleibt; oder auch, warum 
die Gnade an Einem so kr&auml;ftig werde, an dem Anderen nicht? Wer in 
geh&ouml;riger Furcht und Zittern steht, wird sich nicht zuviel in solche 
Fragen einlassen. Am Vollbringen h&auml;ngt Fortgang, Sieg, Best&auml;ndigkeit, 
auch bei ver&auml;nderten Umst&auml;nden im &Auml;u&szlig;eren. Je mehr 
dem Wohlgefallen GOttes und Seiner freien Gnade einger&auml;umt wird, je 
heilsamer wird die <i>Furcht</i>, sie 
nicht vergeblich zu empfangen, erweckt und unterhalten. Soviel der Mensch 
noch im Vertrauen auf sich selbst steht, soviel ist ihm das, was er vom 
freien Wohlgefallen GOttes h&ouml;rt, noch ein Stein des Ansto&szlig;es; 
so viel er in GOtt wahrhaftig ruht, so kann er das, was ihm vorher ein 
Stein des Ansto&szlig;es gewesen, nehmen, und zum sanften Hauptkissen machen, 
und mit Jakob die Himmelsleiter sehen. So gewi&szlig; GOtt nichts wider 
Seine Ehre tut, so gewi&szlig; tut Er nichts wider unser Heil. Steckt Mancher 
lange Zeit zwischen T&uuml;r und Angel, da&szlig; er sagen mu&szlig;: Wollen 
habe ich wohl, aber Vollbringen finde ich nicht; so gehen ihm endlich doch 
die ersten Stufen der gebrochenen Freiheitsbahn auf. Den Abweg, auf den 
man bei Furcht und Zittern k&ouml;nnte hinausgetrieben werden, desto gewisser 
zu verh&uuml;ten, hei&szlig;t sie nun der Apostel <i>Alles 
ohne Murmeln und Zweifeln tun</i>. <i>Zweifeln</i> 
ist wider den Glauben, <i>Murmeln</i> 
wider die Liebe. Wer Ernst im Gesch&auml;ft seiner Seligkeit brauchen, 
und den Betrug der S&uuml;nde vermeiden will, hat sich zu h&uuml;ten, da&szlig; 
er an der Liebe GOttes nicht zweifelhaft werde, und auch die Schuld seiner 
Schwierigkeiten nicht m&uuml;rrischer Weise bei Anderen suche. Je mehr 
man aber im Licht und Liebe steht, desto eher kann man auch ohne Tadel 
und lauter bleiben, da&szlig; man von Anderen nicht Schaden nimmt durch 
Eingeben in ihren Sinn; aber auch Anderen durch m&uuml;rrische Strenge 
nicht Schaden tut. Durch Annahme des g&ouml;ttlichen Worts wird man von 
der Welt und ihrem verkehrten Geschlecht errettet, und durch Halten an 
dem Wort des Lebens bleibt man vom Weltsinn geschieden. Der Anderen R&uuml;ckfall 
h&auml;tte zwar des Apostels Amtstreue und den davon zu erwartenden Lohn 
nicht vernichtet; doch ist die Freude v&ouml;lliger, wenn man auch an der 
Anderen Beharrlichkeit Freude und Wonne haben kann. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Philipper 2,17-24</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel bezeugt, wie er auch gefa&szlig;t sei, wenn 
es mit seiner Gefangenschaft dahin ausschlagen sollte, da&szlig; er GOtt 
mit seinem Tod preisen d&uuml;rfte, und r&uuml;stet auch die Philipper 
auf diesen Fall aus; wiederholt aber doch seine noch anhaltende Zuversicht, 
da&szlig; er ihnen wieder werde geschenkt werden, wovon er sie durch seinen 
rechtschaffenen Sohn Timotheum unges&auml;umt wollte benachrichtigen lassen.</b> 
 
<p>Seinen ihm vor Augen schwebenden Tod hei&szlig;t der Apostel 
mehrmals ein Geopfertwerden, nicht nur weil es ein gewaltsamer und mit 
Blutvergie&szlig;en verbundener Tod war, sondern weil darin Alles GOtt 
zu preisen eingerichtet war. Und so hei&szlig;t er auch die Ursache seiner 
Bande, und des etwa daraus erfolgenden Todes, den Gottesdienst, oder die 
priesterliche Bedienung, die er bei ihrem Glauben gehabt, und wodurch er 
sie zu einem Eigentum und Opfer GOttes ausger&uuml;stet habe. Die oben 
<i>Kap. 
1,25</i> bezeugte Zuversicht, da&szlig; er noch weiter im Fleisch bleiben 
werde, kam nicht daher, da&szlig; er das, was er gern geglaubt, sich leicht 
&uuml;berredet, und von den Gedanken des Todes als von einem verdrie&szlig;lichen 
Bild sich bald abgewendet h&auml;tte. Nein, er hat sich auch gern das Gegenteil 
vorgestellt, und seine Ausr&uuml;stung auch auf selbigen Fall gepr&uuml;ft. 
Auch von seinem Tod besorgt er sich keinen Schaden f&uuml;r das Reich GOttes, 
sondern rechnet, GOtt k&ouml;nne ihn zur Best&auml;tigung des Glaubens 
und also Vermehrung der Freude in manchem Herzen segnen, und um solcher 
dabei kund gewordenen Gotteskraft und Erweis von dem Beistand des heiligen 
Geistes w&uuml;rden sich auch die Philipper freuen, und besonders ihm seinen 
im Sterben gefundenen Gewinn wohl g&ouml;nnen. Noch jetzt vers&uuml;&szlig;t 
beim Abscheiden begnadigter Kinder GOttes die an ihnen kund werdende Gnade 
alle Schmerzen &uuml;ber ihren Verlust merklich, und l&auml;&szlig;t keinen 
Wunsch, sie wieder zur&uuml;ck zu holen, aufkommen. &Uuml;brigens lebte 
Paulus auch nach diesem Betracht im Glauben des Sohnes GOttes, da&szlig; 
er all sein K&uuml;nftiges in dessen Hand stellte, und in das Weitere hinaus 
nicht gerade Gewi&szlig;heit zu haben verlangte; sich es auch vor Anderen 
gern ansp&uuml;ren lie&szlig;, da&szlig; ihn GOtt durch Verborgenhalten 
des Zuk&uuml;nftigen so gut im Glauben &uuml;be, als jeden andern Pilgrim. 
Es zeigt eine gr&uuml;ndliche Bescheidenheit und N&uuml;chternheit des 
Gem&uuml;ts an, von nichts mit mehr angema&szlig;ter Gewi&szlig;heit zu 
sprechen, als einem von Oben verliehen ist. So n&ouml;tig ihm selbst Timotheus 
war, so gern wollte er ihn doch entbehren, um die Philipper zu erquicken. 
Und das zu bef&ouml;rdern, gibt er dem Timotheo das gute Zeugnis: es darf 
euch sein, als k&auml;me ich selbst, so gar meines Sinnes ist er. Wie er 
aber schon oben <i>Kap. 1, 15</i> einen 
merklichen Unterschied unter den Br&uuml;dern, womit er sich umgeben sah, 
zu machen gen&ouml;tigt war, so f&uuml;hrt er hier noch eine empfindlichere 
Klage, die anzudeuten scheint, da&szlig; auch bei denen, die sonst noch 
im Grund der Liebe gegen ihn standen, sich doch ein Mangel der n&ouml;tigen 
Selbst = und Weltverleugnung &auml;u&szlig;erte. Damit hat er sie aber 
doch nicht weggeworfen, noch f&uuml;r Feinde des Kreuzes Christi erkl&auml;rt, 
sondern wie der HErr JEsus sagen kann: welche ich lieb habe, die unterweise 
und z&uuml;chtige ich; so kann ein  im Geist Christi stehender Arbeiter 
auch dergleichen Gebrechen merken, und je und je ein freim&uuml;tiges, 
aber liebreiches Zeugnis davon ablegen. Da sollte man dann nicht so &uuml;berz&auml;rtlich 
gew&ouml;hnt sein, da&szlig; man nur immer das Gute ins Auge fa&szlig;t, 
und die Gebrechen zugedeckt haben wollte. Ja, das, was Jeder selbst als 
vom Fleisch hinterstellige Schwachheit an sich erkennt, was er als seine 
Last an sich beseufzet, das sollte er auch an Anderen mit vertragsamer 
Liebe zu tragen bedacht sein. Aber was so tief sitzt, da&szlig; man f&uuml;r 
sich so leicht nicht darauf k&auml;me, da kann ein Liebhabers = Schlag 
einem wohl tun. Was man um Christi und seiner Sache willen oft sollte fahren 
lassen, wie man &uuml;ber der Verteidigung einer guten Sache aushalten, 
wie man einen guten Streiter JEsu Christi unterst&uuml;tzen sollte, da&szlig; 
er nicht sagen m&uuml;sse, sie verlie&szlig;en mich Alle; das ist nicht 
allemal so offenbar, und darum braucht es oft eine Anmahnung. Seine gehoffte 
Befreiung begehrte der Apostel auch nicht zur Ruhe und Unt&auml;tigkeit 
anzuwenden, noch zu rechnen: Jetzt habe ich das Meinige getan, und genug 
dar&uuml;ber ausgestanden; sondern wie er auch in seiner Gefangenschaft 
nicht m&uuml;&szlig;ig war, so dachte er auch bei wieder erlangter Lebensfristung 
kein anderes Leben zu haben, als das er ihm Dienst des HErrn JEsu verzehren 
k&ouml;nnte. Und so ist es ihm gelungen, seinen Lauf zu vollenden mit Freuden. 
HErr JEsu! La&szlig; es mir auch so gelingen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Philipper 2,25-30</font></b></h4> 
 
<p><b>Er macht ihnen von Epaphrodito und seinen Umst&auml;nden 
eine solche Beschreibung, da&szlig; sie aus seiner R&uuml;ckkunft zu ihnen 
desto mehr Glaubensst&auml;rkung ziehen, und ihn mit desto fr&ouml;hlicherem 
Lob GOttes aufnehmen m&ouml;chten.</b> 
 
<p>Die Liebe nimmt gar einen zarten Bedacht auf das, was 
Anderen eine F&ouml;rderung im Glauben machen, oder doch einen Stein des 
Ansto&szlig;es heben kann. Den Epaphrodito hatten die Philipper zu Paulo 
gesandt, ihm durch eine &uuml;berschickte Liebessteuer und sonstige Handreichung 
seine Gefangenschaft zu erleichtern (<i>Kap. 
4, 18)</i>. Paulus gibt ihm auch das Zeugnis, da&szlig; er an ihm nicht 
nur einen Gehilfen, der ihm den Glauben zu pflanzen beigestanden, sondern 
auch einen Mitstreiter, der auch unter den Tr&uuml;bsalen nicht m&uuml;de 
geworden sei, gehabt; mithin die Philipper in ihrer Wahl, ihn zu ihrem 
Abgeordneten zu gebrauchen, gar nicht gefehlt haben.  Unter dem Verlangen 
des Epaphroditus nach seiner R&uuml;ckkehr mag viel Nat&uuml;rliches gewesen 
sein; doch hat der Apostel darauf geachtet; wie man denn in gleichen F&auml;llen 
des Anderen Willen ohne wichtigen Grund nicht hintertreiben soll. &Uuml;berhaupt 
mu&szlig; man von der Gnade nicht erwarten, da&szlig; sie uns &uuml;ber 
alle Abwechslungen hin&uuml;ber in eine v&ouml;llige Gleichm&uuml;tigkeit 
&uuml;ber Alles setze. Denn sonst k&ouml;nnte GOtt durch &auml;u&szlig;erliche 
Schickungen weder wohl noch wehe tun. Es mu&szlig; uns viel mehr auf unserem 
Lauf durch abwechselnde Umst&auml;nde Alles offenbar werden, was in unserem 
Herzen ist. Die nat&uuml;rlichen und mit allen Menschen gemeinen Zuf&auml;lle 
dieses Lebens dem&uuml;tigen oft mehr, als wenn Jemanden etwas Besonderes 
von Christi Schmach und Kreuz tr&auml;fe. Unter Pauli eigenen H&auml;nden 
hat es mit dem Epaphroditus so weit kommen, und Paulus also seine sonstige 
Gabe, gesund zu machen, nicht zur Abwendung dieser Dem&uuml;tigung gebrauchen 
k&ouml;nnen. Bei aller guten Hoffnung des Zuk&uuml;nftigen halben, und 
bei aller daraus flie&szlig;enden Geringsch&auml;tzung seines Lebens kann 
es doch f&uuml;r ein Erbarmen und Wohltat gerechnet werden, wenn uns GOtt 
wieder aufrichtet. Des Glaubens Freudigkeit, wenn er sich auch der Tr&uuml;bsalen 
r&uuml;hmt, und sein Leben selbst nicht teuer achtet, unterscheidet sich 
weit von einer in Naturkraft angenommenen Unempfindlichkeit. Paulus hatte 
aber doch den Abgang des Epaphroditus tief empfunden. Es ist ein Mi&szlig;verstand, 
wenn man meint, man m&uuml;sse Einmal wie das Andere ausger&uuml;stet sein. 
Selbst in der heiligen Seele unseres lieben Heilandes hat es abwechselnde 
Empfindungen gegeben. So war es auch keine verwerfliche Anh&auml;nglichkeit 
an Menschen, wenn sich die Philipper &uuml;ber Epaphroditi Zur&uuml;ckkunft 
gefreut haben, sondern es war gliedliche Gemeinschaft am Leib Christi; 
und Paulus durch seine Ermahnung versichert sie wirklich des g&ouml;ttlichen 
Wohlgefallens dar&uuml;ber. O JEsu! Verborgenes Leben der Seelen, wer dich 
kennt, kann sein Leben in dieser Welt gering achten, ja hassen; damit er 
es bei Dir erhalte zum ewigen Leben. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Philipper 3,1-3</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel geht in seinem Brief nun weiter, und ermahnt 
sie zum fr&ouml;hlichen Leben im Willen GOttes bei ihrem ganzen Christenlauf, 
und stellt ihnen die falschen Apostel mit ihrem fleischlichen Sinn zum 
Abscheu, sich aber mit seinem von GOtt geschenkten reinen Sinn zur Nachfolge 
vor.</b> 
 
<p>In dem Aufruf: Freut euch in dem HErrn, fa&szlig;t der 
Apostel die Kraft des Evangelii zusammen. GOtt ist Licht, und in Ihm ist 
keine Finsternis; darum ist auch aller Gnadenantrag, alle angebotenen Gemeinschaft 
mit GOtt, aller Zutritt zu GOtt etwas Erfreuliches f&uuml;r die Menschen. 
Ja, wenn sich GOtt auch nur als Den f&uuml;hlen und finden l&auml;&szlig;t, 
der seine Sonne aufgehen l&auml;&szlig;t, der Samen und Ernte bewahrt, 
der Speise gibt zu seiner Zeit, der alle Hilfe tut: so macht Er damit schon 
Alles fr&ouml;hlich. Noch mehr aber ist freilich Licht, Leben und Freude 
gebracht worden durch die Erscheinung unseres HErrn JEsu Christi, dessen 
Zeiten schon im Alten Testament beschrieben worden sind, als Zeiten, darin 
man sich freuen w&uuml;rde, darin Er komme, die Traurigen zu tr&ouml;sten, 
zu schaffen, da&szlig; ihnen Schmuck f&uuml;r Asche, Freuden&ouml;l f&uuml;r 
Traurigkeit gegeben werde. Bei Seiner Geburt haben die Engel gesagt: sie 
verk&uuml;ndigen gro&szlig;e Freude f&uuml;r alles Volk. Als Er anfing 
den Namen seines Vaters zu verkl&auml;ren auf Erden, so geschah es auch 
auf eine Art, die Freude erweckte. Er verk&uuml;ndigte ein herannahendes 
Himmelreich, einen Rat GOttes, ein Reich im Himmel anzulegen, und selbiges 
durch das Evangelium auch auf Erden bekannt, und zur Offenbarung vieler 
himmlischer Kr&auml;fte fruchtbar zu machen. Wer sein Herz darauf ergab, 
hatte bei diesem sanftm&uuml;tigen und von Herzen dem&uuml;tigen Lehrer 
gute Tage, Hochzeitstage, fr&ouml;hliche Hoffnung auf immer Weiteres. Was 
die Welt zur Zeit seines Leidens f&uuml;r Anfechtung dazwischen brachte, 
diese Freude zu unterbrechen, das bekam bald seine gute Wendung dahin, 
da&szlig; die Traurigkeit in Freude verwandelt wurde. Und auf Pfingsten 
r&uuml;stete der zur Rechten GOttes erh&ouml;hte Heiland und HErr seine 
Zeugen aus, mit gro&szlig;er Freudigkeit das Evangelium zu predigen, wor&uuml;ber 
auf allen Seiten viel fr&ouml;hliche Danksagung entstund, so oft ein H&auml;uflein 
an GOtt gl&auml;ubig wurde. Diese Freude am HErrn haben dann weder die 
gew&ouml;hnlichen Leiden dieser Zeit, noch auch die besonderen Verfolgungen 
ausl&ouml;schen oder schw&auml;chen k&ouml;nnen; die Apostel haben sich 
es vielmehr angelegen sein lassen, den Gl&auml;ubigen ihre an Christo gewonnene 
Gemeinschaft als die Quelle unzerst&ouml;rlicher Freude anzupreisen, auch 
ihnen Alles aus dem Wege zu r&auml;umen, wo durch eine ungesunde Lehre, 
oder durch zum Verdrossenheit zum Leiden, oder durch Zweifel diese Freude 
h&auml;tte Schaden leiden k&ouml;nnen. Und so ist noch jetzt die erste 
Zukehr zum Licht, der erste Eintritt in den Gehorsam der Wahrheit auch 
wieder der erste Schritt in die Freude. Je richtiger es in die &Uuml;bereinstimmung 
unseres Willen mit dem Willen GOttes hineingeht, je tiefer und dauerhafter 
wird auch der Grund zur Freude gelegt. Sonderlich aber gewinnt die Freude 
v&ouml;lligen Raum, je mehr man von allem Gesuch einer eigenen Gerechtigkeit 
absteht, und seinen Ruhm lauterlich in dem sucht, da&szlig; man in Christo 
erfunden werde. Daher es aber auch nicht zu wundern ist, da&szlig; sich 
noch mancher Mangel des Glaubens und der Freude im HErrn findet. Solchem 
Mangel aber wird nicht abgeholfen, wenn man eben doch auch Freude affektieren, 
oder Anderen ablernen will; noch auch wenn Andere gewaltig auf uns zudringen, 
und uns diesen Mangel als ein mi&szlig;liches Zeichen vorstellen; sondern 
vielmehr, wenn man nur die Erkenntnis Christi anpreist, und darauf hilft, 
wie in dem Beruf GOttes zu seinem wunderbaren Licht, und in unserem Gehorsam 
gegen denselben Alles liege; und das gleichwohl auch guter Unterschied 
zu machen sei, ob uns GOtt auch im &Auml;u&szlig;eren Raum zur Freude mache, 
oder ob uns durch einen kr&auml;nklichen Leib, k&uuml;mmerliche Umst&auml;nde 
etwas angeh&auml;ngt sei, um deswillen sich die Freude mehr in den innern 
Herzensgrund zur&uuml;ckziehen mu&szlig;, als da&szlig; sie sich &uuml;ber 
Alles ausbreiten k&ouml;nnte. Zu jedem Zeugnis, zu jedem schriftlichen 
oder m&uuml;ndlichen Vortrag mu&szlig; freilich etwas Neues, eine frische 
Herz und Mund belebende Gnade verliehen werden; aber sonst hat es auch 
einen Apostel nicht verdrie&szlig;en d&uuml;rfen, viel weniger darf es 
uns Arme befremden, wenn wir sp&uuml;ren, da&szlig; wir unter den Geheimnissen 
GOttes nicht &uuml;ber Eines, wie &uuml;ber das Andere, Macht haben, sondern 
da&szlig; in unserem Vortrag immer etwas vorschl&auml;gt, das uns zu zeugen 
vornehmlich anvertraut ist, und worin auch unser innerer Mensch allermeist 
seine St&auml;rke hat.  Der Ausdruck:<i> 
seht auf die Hunde</i>, ist freilich scharf. Da aber die Juden aus fleischlichem 
Ruhm von den unbeschnittenen Heiden so gering hielten, und den Namen der 
Hunde h&auml;ufig von ihnen brauchten, so gibt es ihnen der Apostel mit 
gro&szlig;em Ernst heim. Bei ihrer Unreinigkeit, Unt&uuml;chtigkeit zum 
Reich GOttes, Feindschaft wider das Reich Christi, verdienten sie ihn auch 
so gut, als die am Kreuz Christi stehenden Feinde (<i>Ps. 
22, 1721);</i> und die aus dem neuen Jerusalem Ausgeschlossenen (<i>Offb. 
21, 8 und 22, 15)</i>. Man kann sich viel Arbeit machen, wie jene Schriftgelehrten 
um einen Judengenossen (<i>Matth. 23, 15),</i> 
aber man ist damit doch ein b&ouml;ser Arbeiter, und dient damit nicht 
GOtt, sondern seinem Bauch. Die neben dem Glauben an Christum aufgedrungene 
Beschneidung war nicht mehr das, was sie nach GOttes Einsetzung war, sondern 
blo&szlig; eine am Fleisch vorgenommene Zerschneidung; da man die neue 
Kreatur, die allein gilt, aus dem Glauben an Christum ohne Beschneidung 
haben konnte. Bei solchem Dienst GOttes im neuen Wesen des Geistes l&auml;&szlig;t 
man nicht Christum und sonstige &uuml;bernommene fleischliche &Uuml;bungen 
zusammenflicken; sondern bringt nichts vor GOtt als Christum, und unser 
Erfundenwerden in Ihm. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Philipper 3,4-11</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel zeigt, wie er nicht nur bei seiner Bekehrung 
zu Christo alles Vertrauen auf fleischliche Vorz&uuml;ge v&ouml;llig aufgegeben 
und weggeworfen habe, sondern wie noch jetzt sein t&auml;glicher Glaubenslauf 
und Kampf nichts von Aufrichtung einer eigenen Gerechtigkeit aufkommen 
lasse, vielmehr allen seinen Ruhm in die Gemeinschaft mit Christo setze, 
und hier die Leidens = und Sterbensgemeinschaft an sich zu tragen begehre, 
um Ihm dorten auch im Leben der Herrlichkeit gleich zu werden.</b> 
 
<p>Unter dem Ausdruck: <i>sich 
Fleisches r&uuml;hmen</i>, nimmt der Apostel alles das zusammen, was 
einem Menschen teils von seiner leiblichen Geburt, oder Abstammung vom 
Fleisch Vorz&uuml;gliches anhangt, teils, was der Mensch diesen Ruhm zu 
behaupten und zu erweitern, selbst in Naturkraft tun kann; woraus sich 
denn der wirkliche fleischliche Sinn, oder die  von GOtt und seiner Gerechtigkeit 
abgekehrte Selbstliebe eine Nahrung verschafft. Er steigt von einer Stufe 
zur andern auf; sagt, er sei nicht nur als ein Judengenosse unter das Volk 
GOttes gekommen, sondern als ein darunter geborenes Kind vom achten Tag 
her in GOttes Bund, aus einem Stamm, der mit Juda am K&ouml;nigreich Davids, 
und am lautern Gottesdienst festgehalten, auch sich nach der babylonischen 
Gefangenschaft wieder am zahlreichsten im verhei&szlig;enen Lande eingefunden 
hat; daneben aus einem v&auml;terlichen Haus, das von Voreltern keine ungleiche 
Ehen eingegangen hat. Diese mit der leiblichen Geburt erhaltenen Vorteile 
wurden bei Paulo vermehrt dadurch, da&szlig; er sich beim damaligen Verfall 
der Religion zu der  gegen den Ri&szlig; stehenden Sekte der Pharis&auml;er 
gehalten, die nicht nur das Gesetz und die Propheten ungeschm&auml;lert 
bewahren, sondern zu deren gesicherter Beibehaltung auch noch einen Zaun 
von Aufs&auml;tzen der &Auml;ltesten darum machen, und sich durch solche 
Strenge ein gro&szlig;es Ansehen erwerben wollten; ja, da&szlig; er nicht 
nur diesem Guten anhing, sondern auch aus Eifer, dem vermeinten B&ouml;sen 
zu steuern, die Gemeinde GOttes verfolgte; und also durchaus nach seinem 
besten Wissen und Gewissen handelte. Das h&auml;tte ihm nun Alles Gewinn 
sein k&ouml;nnen, oder auf das hin h&auml;tte er sich nach eigener Einbildung 
und nach Anderer Rechnung den Himmel gewi&szlig;, und nebenher auch Ehre 
von den Menschen versprechen k&ouml;nnen. Aber bei besserem aufgegangenem 
Licht hatte er damit nicht nur Nichts zu gewinnen und zu verdienen gehofft, 
sondern vielmehr gefunden, da&szlig; es ihn leicht an der Erkenntnis der 
Wahrheit, und mithin an seinem Heil h&auml;tte hindern k&ouml;nnen. Deswegen 
er Alles, was er von Geburt, Auferziehung, angenommener Weise her, von 
Einsicht, Gem&uuml;tsart und Tugendflei&szlig; habe, das er f&uuml;r sein 
eigen und ihm vorz&uuml;glich zukommend rechnen m&ouml;chte, das rechne 
er f&uuml;r mi&szlig;lich und sch&auml;dlich, wenn man sich nicht auf GOttes 
Ruf im Evangelio mit Ekel davon abwende, damit Christo und der ganzen Anstalt 
GOttes, darin Er uns zur Weisheit und Gerechtigkeit, Heiligung und Erl&ouml;sung 
gemacht ist, der Ruhm allein bleibe; und man darin Gewinn und Ersatz f&uuml;r 
Alles finde, was man aus dem Fleisch f&uuml;r Ruhm zu suchen aufgegeben 
hat. Es ist wie mit zwei Waagschalen, wie die eine steigt, so f&auml;llt 
die andere; was ich der einen beilege, verringert das Gewicht der anderen. 
Was der Mensch sich beilegt, entzieht er der Erkenntnis Christi an ihrem 
&Uuml;berschwang, den sie haben sollte; was er Christo hierin einr&auml;umt, 
das macht ihn zum Heruntersetzen seiner selbst, zum Abstehen von allem 
Vertrauen auf sein Gesch&auml;ft willig. Darum werden einem die scharfen 
Ausdr&uuml;cke: f&uuml;r Schaden, f&uuml;r Kot achten, in der Erfahrung 
auch ertr&auml;glich. Denn die Gnade Christi wegwerfen, die gro&szlig;e 
Anstalt GOttes in der Sendung Seines Sohnes vergeblich achten, w&auml;re 
ja noch viel erschrecklicher. Kommt aber durch das Gesetz die Gerechtigkeit, 
so ist Christus vergeblich gestorben, urteilt Paulus (<i>Gal. 
2, 21)</i>. Viel leichter ist es ja, meine Sache f&uuml;r Schaden und 
nichts zu achten, als an diesem k&ouml;stlichen Friedensgedanken GOttes, 
an der zu unserem Heil verordneten heimlichen Weisheit GOttes etwas zu 
verr&uuml;cken. Dieser Blick, diese Willigkeit, so zu rechnen, hat Pauli 
schleunige Bekehrung so erleichtert, und das nachmalige Festhalten an diesem 
einmal gefa&szlig;ten Sinn hat auch seinen ganzen weiteren Glaubensgang 
so unumst&ouml;&szlig;lich gemacht.  Als <i>ergriffen 
von JEsu</i> <i>Christo</i> darf man 
sich rechnen, so bald das Evangelium in einem kr&auml;ftig geworden ist; 
aber Ihn dann weiter zu gewinnen, tiefer in Ihn und in den einigen Ruhm 
von Ihm eindringen, in seine Gnade zu stehen kommen, in keinem andern Vertrauen 
erfunden werden, das ist unser t&auml;glicher Glaubenslauf. Wo und so oft 
sich der Mensch in GOttes Gericht stellt, wo es in seinem Gewissen um eine 
Ansprache an GOtt und deren Grund, um Freiheit vom zuk&uuml;nftigen Zorn 
und Hoffnung auf das ewige Reich GOttes zu tun ist; da mu&szlig; Christus 
und das, wozu Er mir von GOtt gemacht ist, der einige Grund sein und bleiben. 
Und das nach der freien Gnade, nach welcher auch das Ergreifen und Zueignen 
Christi mit keiner einigen Bedingung beschwert ist, sondern Alles auf das 
Glauben, auf das Annehmen, wie es GOtt gibt, wie es GOtt bereitet hat, 
auf das Halten daf&uuml;r, wie mir es im Zeugnis GOttes vorgesprochen ist, 
ankommt. Bei solchem Ausleeren von allem Eigenen breitet sich hernach im 
Herzen die Erkenntnis Christi aus, nach der Kraft seiner Auferstehung. 
Wenn man das von der Auferstehung Christi aus den Toten nehmen will; so 
kann man rechnen, der Apostel setze das zuerst, weil er auch sonst die 
Erweckung des Glaubens in unseren Herzen aus der Kraft herleitet, womit 
GOtt Christum und in Christo auch uns lebendig gemacht. F&uuml;glicher 
aber ist es vermutlich, den Ausdruck: die Kraft seiner Auferstehung, von 
seinem gesamten Dasein zu verstehen, wie es sonst hei&szlig;t: GOtt habe 
aufgerichtet, oder erweckt ein Horn des Heils, und mithin Alles, was Er 
als der  von GOtt erweckte und bereitete Heiland mit Reden, Tun und Leiden 
vorgenommen hat, unter die Kraft seiner Auferstehung, seines Daseins zu 
unserem Besten geh&ouml;rt. Welches Ganze sich denn auch vergn&uuml;glich 
in seine Teile aufschlie&szlig;t, da&szlig; man den verdienstlichen Wert 
der Leiden JEsu, des Gerechten f&uuml;r die Ungerechten, aber auch die 
genaue Gemeinschaft, in die wir Alle mit diesem Einen hineingerechnet sind, 
und unter welcher nun auch die Ausf&uuml;hrung dieses erworbenen Heils 
an uns zu Stande kommt, erkennen lernt; aus welcher Gemeinschaft der Leiden 
man auch nimmer auszutreten verlangt, sondern am Kreuz zu sterben, unter 
&Auml;hnlichkeit seines Todes, als den wohlabgemessenen Schritten der Auferstehung 
von den Toten, oder der Hoffnung, mit Ihm im Leben zu herrschen, entgegen 
zu kommen versichert ist. O eine k&ouml;stliche Art des neuen Menschen, 
immer mit solchem zuversichtlichen Verlangen zu Christo gekehrt sein, oder 
auf einem solchen Felsen, Feste und Warte stehen, wie es Paulus <i>Gal. 
5, 5</i> ausdr&uuml;ckt: wir aber warten im Geist durch den Glauben 
der Gerechtigkeit, der man hoffen mu&szlig;; und also in solchem Anhangen, 
Aufsehen, Hinblicken, Ausstrecken, Nachjagen, Ergreifen Christi sich immer 
bei der n&ouml;tigen Wachsamkeit, und doch auch bei gem&auml;&szlig;er 
Ruhe erhalten. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Philipper 3,12-16</font></b></h4> 
 
<p><b>Darum zeigt der Apostel noch weiter, wie unter der  so 
hoch gepriesenen Erkenntnis Christi, und des lauteren Sinnes, in Ihm erfunden 
zu werden, so gar kein tr&auml;ges und unfruchtbares Wesen eingef&uuml;hrt 
werde, da&szlig; vielmehr dabei des Menschen ganzer Ernst und Eifer vielf&auml;ltig 
gute &Uuml;bung bekomme.</b> 
 
<p>Hier bezeugt der noch im Lauf begriffene, und sich wirklich 
auf einen Lauf umg&uuml;rtende Paulus, da&szlig; er es noch nicht ergriffen 
habe, n&auml;mlich nicht sowohl das Kleinod, als welches sich von selbst 
versteht, da&szlig; er noch nicht am Ziel sei, der etlichemal bezeugt, 
er werde noch weiter im Fleisch leben; sondern vielmehr den lauteren Sinn, 
von dem Paulus n&auml;chst zuvor Meldung getan hatte, die &uuml;berschwengliche 
Erkenntnis Christi, das unverr&uuml;ckte Erfundenwerden in Ihm, die ganze 
Kraft der Auferstehung JEsu, die Erfahrung Alles dessen, was zur Gemeinschaft 
der Leiden JEsu, und zu den tiefen Tritten in die &Auml;hnlichkeit Seines 
Todes geh&ouml;rt zc. Mit diesem Allem, sagt der Apostel, bin ich noch 
nicht zu Ende gekommen. Man kann die Erkenntnis Christi, die Gerechtigkeit 
aus dem Glauben allein, die darin gefundene Ruhe sich zu abgerissen vorstellen, 
wie wenn es so bald in den Menschen gepflanzt, und in ihm gewachsen w&auml;re, 
als es in Worte gefa&szlig;t ist. Aber dem rechten Grund und der damit 
&uuml;bereinstimmenden Erfahrung nach geh&ouml;rt ein solches Anhalten 
und Eindringen dazu, da&szlig; alles Bem&uuml;hen, seine eigene Gerechtigkeit 
aufzurichten, dagegen nur Flatterhaftigkeit ist; so tief geht jenes gegen 
diesem. Sinn, &Uuml;berzeugung, hergegebener Wille, Verlangen ist freilich 
der innere Grund davon. Aber <i>Nachjagen</i> 
dr&uuml;ckt au&szlig;er dem auch die Einrichtung des ganzen Gangs nach 
dieser Regel aus, die Sorgfalt, in diesen Glaubensschranken zu bleiben, 
alles Aufh&auml;ltige zu vermeiden, ja mit der Vorstellung, ob ich es ergreifen 
m&ouml;chte, sich immer in den gr&ouml;&szlig;ten Ernst zu setzen. Dabei 
geht einem Gl&auml;ubigen freilich die Art, wie er von JEsu Christo ergriffen 
worden ist, wie Er ihn gnadenm&auml;&szlig;ig &uuml;berw&auml;ltigt hat, 
am meisten nach, und gibt ihm den st&auml;rksten Trieb. O welch freie, 
unverdiente, unvermutete, kr&auml;ftige, mein ganzes Gewissen ersch&uuml;tternde, 
meinen ganzen Willen erweckende Gnade war das! Andere konnten den Apostel 
in ihren Gedanken h&ouml;her setzen, wie wenn man Jemand blo&szlig; nach 
dem Grund des Geistes, blo&szlig; nach dem, was ihm zu glauben und zeugen 
anvertraut ist, sch&auml;tzte. Aber ein Jeder sp&uuml;rt es bei sich doch 
am besten, aus welcher Finsternis auch bei ihm das Licht hervorbricht. 
Das Ausgefertigte an der Arbeit ist oft mit einem unansehnlichen Lumpen 
zugedeckt, und nur das, was wirklich unter der Arbeit ist und noch der 
Ausfertigung bedarf, f&auml;llt in das Gesicht: so verh&auml;lt es sich 
auch bei GOttes Werk in der Seele. Nicht nur das, was er bei seinem oben 
bezeugten Sinn f&uuml;r Schaden achten gelernt hat, sondern auch seinen 
ganzen bisherigen im Dienst Christi zur&uuml;ckgelegten Weg rechnet der 
Apostel unter das, was dahinten ist, dessen er vergesse, nicht, da&szlig; 
er die ihm darunter widerfahrene Gnade verleugnete, von welcher er vielmehr 
r&uuml;hmt, da&szlig; sie an ihm nicht vergeblich gewesen sei. Aber seine 
Gerechtigkeit, wenn von seiner Vollendung die Rede war, durfte ihm nicht 
aufh&auml;ltig werden, sich nicht so zwischen GOtt und sein im Eindringen 
in Christum begriffenes Herz stellen, da&szlig; er sich mit Wohlgefallen 
daran auf = und vom Nachjagen abgehalten h&auml;tte. Es ist unaussprechlich, 
wie die Welt, und Alles, was in der Welt ist, in des Menschen Herz f&auml;llt. 
Wenn er nur einmal von der Begierde, seine eigene Gerechtigkeit aufzurichten, 
vom Gesuch der Ehre bei Menschen abgebracht ist; da geht es unanst&ouml;&szlig;lich 
dem zu, was da vornen ist, nicht nur dem Kleinod, sonder auch dem allern&auml;chst 
dahin f&uuml;hrenden Weg. Hingegen treiben sich immer noch viele Wurzeln 
in das Irdische, so lange man noch nicht in dem Einigen: in Ihm erfunden 
werden, steht und ruht.  <i>Vollkommen</i> 
nimmt die Schrift oft f&uuml;r aufrichtig und ganz, und so kommt es auch 
Kindern in Christo zu; oft nimmt sie es aber auch f&uuml;r den Sinn, der 
sich bei Ge&uuml;bteren findet, sonderlich die den Sinn GOttes von der 
Erl&ouml;sung, so durch JEsum Christum geschehen ist, gr&uuml;ndlich fassen, 
wie z. B. <i>Hebr. 5 und 6, 1</i>, oft 
auch f&uuml;r ausgemacht und vollendet.; mithin kann sich Paulus das Eine 
absprechen, und im Anderen sich doch an solche anschlie&szlig;en. Paulus 
w&uuml;nscht freilich, da&szlig; Alle in dem Sinn mit ihm Eins w&auml;ren, 
ihre Gerechtigkeit allein in Christo und seiner Gemeinschaft zu suchen. 
Wer aber f&uuml;r jetzt noch nicht genugsame Einsicht darin hatte, den 
wollte er doch nicht wegwerfen, sondern ihn lieber am Band der Alles hoffenden 
Liebe behalten: GOtt werde es ihm noch offenbaren, und die vorhangende 
Decke wegtun. Doch soll diese ge&auml;u&szlig;erte Hoffnung den Anderen 
die Gnade, in die sie wirklich zu stehen gekommen sind, nicht gleichg&uuml;ltig 
machen; sondern denen ist gesagt: halte was du hast; die &uuml;brigen sind 
kr&auml;ftig aufgefordert, auch heranzukommen zu einerlei Glauben und Erkenntnis 
des Sohnes GOttes. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Philipper 3,17-21</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel gibt zwei wichtige Ursachen an, warum sie 
es in der Nachfolge mit ihm und andern Gleichgesinnten halten sollten; 
n&auml;mlich weil die leidigen anderen Beispiele, so sie vor sich haben, 
auf so ein schreckliches Ende hinauslaufen, in seines Glaubens Schranken 
aber das Heil so gewi&szlig; und gro&szlig; sei.</b> 
 
<p>Es ist freilich wahr, da&szlig; wir zun&auml;chst auf 
GOtt und dessen heiligen Willen, und die aus allen Seinen Werken hervorleuchtenden 
Tugenden gewiesen sind; auch das uns GOttes Heiligkeit in dem mit so vieler 
Sanftmut und Demut gef&uuml;hrten Wandel unseres lieben Heilands in der 
Welt, zur Nachfolge am bequemsten gemacht werde. Darum es auch oben hie&szlig;: 
Ein Jeglicher sei gesinnt, wie JEsus Christus auch war. Das schlie&szlig;t 
aber nicht aus, da&szlig; nicht auch Lehrer und Andere die Lehre GOttes 
und ihres Heilandes so zieren sollten und k&ouml;nnten, damit man auf sie 
als auf Vorbilder sehen, und es in der Nachfolge mit ihnen halten k&ouml;nnte. 
Es ist daher auch ein Undank, wenn man sich durch Mi&szlig;deuten und Verdrehen 
einzelner Handlungen die Lichter selbst ausl&ouml;scht und verdunkelt, 
die man noch h&auml;tte; da man doch leicht des Menschen ganzen himmlischen 
und &uuml;ber das Irdische erhabenen Sinn unterscheiden, und zur Nachfolge 
vor sich nehmen k&ouml;nnte, wenn man sich schon nicht in jede einzelne 
Handlung so v&ouml;llig zu finden w&uuml;&szlig;te. Das Angedenken an seine 
&ouml;fteren Warnungen vor versuchten Beispielen hat den Apostel so angegriffen, 
da&szlig; ihm wirkliche Tr&auml;nen aus den Augen geflossen sind, deren 
Merkmale die Philipper im Brief noch werden gesehen haben. Nach der heutigen 
Weltart soll man mit Lachen die Wahrheit sagen, und unter sinnreichen Scherzen, 
oder sonst kaltbl&uuml;tig seine Sache anbringen. Aber der Apostel Art, 
mit Weinen zu sagen, ist bew&auml;hrter.  Bei der Beschreibung der b&ouml;sen 
Beispiele deckt der Apostel durch die beiden Ausdr&uuml;cke im Anfang: 
die Feinde des Kreuzes Christi, und im Beschlu&szlig;; die irdisch gesinnt 
sind, die beiden tiefen Quellen auf, aus denen es bei ihnen geht. Bei sich 
und den mit ihm Gleichgesinnten leitet der Apostel Alles aus der Hoffnung 
der zuk&uuml;nftigen Herrlichkeit her, die aber auch aus der Liebe zu JEsu 
Kreuz, aus dem Sinn, mitzudulden und mitzusterben, erwachsen mu&szlig;. 
Demnach ist freilich das Kreuz unseres HErrn JEsu Christi als der  in 
die ganze Welt hineinreichende Wegweiser anzusehen, von welchem aus sich 
die wichtigste Wegscheide auftut, bei welcher man so auseinander kommt, 
da&szlig; man in Zeit und Ewigkeit nimmer zusammenkommt. Zum Kreuz Christi 
aber geh&ouml;rt freilich das ganze Geheimnis GOttes, nach welchem Christus 
Friede gemacht hat durch das Blut am Kreuz; unter solcher Erduldung des 
Kreuzes aber nicht nur f&uuml;r sich in die Herrlichkeit eingegangen ist, 
sondern auch Allen, die Ihm gehorsam werden, den Weg eingeweiht hat, beim 
Verlieren ihres Lebens in dieser Welt, es zu erhalten zum ewigen Leben. 
Von diesem Kreuzgeheimnis wendet man sich in Feindschaft ab, wo man das 
Wohlgefallen an sich selbst, den Ruhm vom Gesetz, seiner Beschneidung, 
seine Sittenlehre, seine Selbstbesserung zu seinem Hauptgrund macht, und 
daneben noch den Vorteil sucht oder genie&szlig;t, da&szlig; man die L&uuml;ste 
seiner Natur weniger angreifen, und bei ordentlichen Weltmenschen weniger 
wagen darf. Das Ende setzt man sonst weit hinaus, denkt weniger daran. 
Aber im Heiligtum GOttes lernt man zuerst darauf merken, und Alles darnach 
sch&auml;tzen. Oft ist auch wirklich das Ende n&auml;her, als man vermutet. 
 Den <i>Bauch</i> stellt die Schrift 
als den Sammelplatz der niedrigsten L&uuml;ste vor, die durch den Leib 
genossen und ausge&uuml;bt werden k&ouml;nnen. Dem dient man, wie seinem 
GOtt, wenn man sich von dessen Willen, Absichten, Befriedigungen in Allem 
regieren l&auml;&szlig;t. Unter der Herrschaft des Fleisches und unter 
dem Regiment des Bauchs verlieren die Menschen alle Empfindungen der wahren 
Ehre, alle Absicht auf die zuk&uuml;nftige Herrlichkeit, allen Bedacht 
auf ihr und Anderer Gewissen; und neben allem Gesuch der Ehre bei den Menschen 
tun sie doch die ehrvergessensten Sachen. Nicht gerade irdische Besch&auml;ftigungen, 
aber der irdische Sinn, der in der Achtung, Liebe des Herzens auf das Irdische 
gelegte Wert richtet des Menschen Seele so &uuml;bel zu, da&szlig; daran 
Alles f&uuml;r den himmlischen Beruf verschlossen, und die ganze Kraft 
in das Irdische gezogen wird. Unser Wandel, Heimwesen, Stadt und Vaterland 
aber, darin wir verb&uuml;rgert sind, und dessen Suchen und Hoffen uns 
auch in Allem regiert, beruht nicht in einer nur in den Sinn gefa&szlig;ten 
Einbildung, sondern ist im Himmel; GOtt hat es daselbst bereitet; und der 
Glaube an das Wort gew&auml;hrt uns eine ganze Darstellung davon. Das Evangelium 
zeugt von Christi Hingang zum Vater, vom Eingang in den Himmel von dem 
dortigen k&ouml;niglich = priesterlichen Gesch&auml;ft, h&auml;lt aber 
auch die Hoffnung der Zukunft vor. Irdisch Gesinnte haben sich selbst zu 
beraten, den Bauch zu f&uuml;llen gesucht, bis dar&uuml;ber der Bauch ihr 
GOtt geworden ist, und sie sich in Feindschaft vom Kreuz Christi abgerissen 
haben. Genossen des himmlischen Berufs aber haben sich freilich eine Weile 
unter die Gemeinschaft des Kreuzes, in die &Auml;hnlichkeit des Todes JEsu 
hingegeben, und davon auch Malzeichen an ihrem Leibe umhergetragen; haben 
nun aber auch die Offenbarung des Lebens JEsu an ihrem Leibe zu gewarten; 
welche Umgestaltung unseres Leibes und gesamte Aufhebung des Todes der 
ansehnlichste Beweis von der Macht des HErrn JEsu sein wird, sich alle 
Dinge untert&auml;nig zu machen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Philipper 4,1-3</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel ermahnt sie mit gro&szlig;er Z&auml;rtlichkeit 
zum festen Bleiben an dem HErrn, und fordert besonders Evodiam und Syntychen 
auf, da&szlig; sie der Einigkeit unter einander nachjagen, und Jedermann 
ihnen dazu behilflich sein soll.</b> 
 
<p>Die so z&auml;rtlichen und mit h&auml;ufiger Wiederholung 
angebrachten Liebes = Zeugnisse sind ihm in der Abwesenheit &uuml;ber ihrer 
empfindlichen Trennung eher abgelockt worden, als da&szlig; er sich derselben 
in Anwesenheit w&uuml;rde bedient haben. Sie sollen aber wirklich auch 
der ganzen Ermahnung nicht wenig Nachdruck geben und versichern, da&szlig; 
die hier bezeugte Sorgfalt aus der gro&szlig;en Hoffnung unseres Berufs, 
aus dem Anblick der Gefahr vor betr&uuml;glichen Stegen, aus der Freude 
an der  sich bei ihnen findenden Frucht seines Amts, aus Begierde, da&szlig; 
es damit auf den Tag JEsu Christi hinausreichen m&ouml;ge zc. geflossen 
sei. Das Bestehen in dem HErrn schlie&szlig;t das Wachstum und das Fortschreiten 
nicht aus; sondern wird nur dem R&uuml;ckfall entgegen gesetzt, begreift 
aber Alles unter sich, was der HErr JEsus selbst das Bleiben in Ihm, in 
seiner Liebe hei&szlig;t (<i>Joh. 15, 414)</i>, 
oder was die Apostel meinen, wenn sie vom Stehen in der Gnade (<i>R&ouml;m. 
5, 2)</i>, vom Stehen im Glauben sagen (<i>1.Kor. 
15, 1)</i>.  Evodia und Syntyche m&ouml;gen zwei Frauenspersonen in 
der Gemeinde gewesen sein, deren Bekehrung zum HErrn auch mit viel Gnadenzeichen 
und Gaben vor Anderen bew&auml;hrt war, dadurch sie t&uuml;chtig wurden, 
auch an Anderen Werkzeuge der Gnade abzugeben. Aus der Ermahnung: <i>Eines 
Sinnes zu sein</i>, ist fast zu schlie&szlig;en, da&szlig; die Einigkeit 
durch irgend einen Versto&szlig; m&uuml;sse notgelitten haben; wie denn 
das einer von den gemeinsten Kunstgriffen des Feindes ist, den vollen Segen 
des Evangelii aufzuhalten, da&szlig; er &uuml;ber dem Unterschied der Meinungen 
und Absichten eine Trennung unter diejenigen bringt, die mit vereinigter 
Kraft gegen ihn stehen k&ouml;nnten und sollten. Der Hauptarbeiter, der 
etwa Silas gewesen sein mag, nach <i>Apg. 
16, 22</i> konnte aus einer gewissen Klugheit der Sache so zugesehen 
haben, und nicht Mut und Lust gehabt haben, sich fruchtbarlich darein zu 
legen. Aber der Apostel fordert ihn zu einem n&auml;heren Angriff auf. 
Es scheint freilich oft der Vorsicht gem&auml;&szlig;er zu sein, in etwas 
ferne zu stehen. Aber wer eben gar zu vorsichtig sein will, der gewinnt 
desto weniger Gelegenheit, Liebe zu &uuml;ben, Eine bew&auml;hrte Mittelsperson 
kann doch oft unter des HErrn Gnade viel ausrichten. Wer in Gefahr ist, 
unter einer Versuchung vom Feind ber&uuml;ckt zu werden, dem gedenkt der 
Heiland noch an die zuvor abgelegten Proben<i> 
(Luk 22, 28).</i> So soll man auch die nicht so leicht aufgeben, oder 
in einer Versuchung sich blo&szlig; allein &uuml;berlassen, die sich doch 
schon in einem besseren Grund bew&auml;hrt haben. Das Angedenken an die, 
die vor und neben uns wohl hier gewesen sind, und derethalben wir in guter 
Hoffnung stehen, soll uns auch ermuntern, denen, die noch im Fleisch wohnen, 
und wegen der im Fleisch hinterstelligen S&uuml;nde noch Gefahr laufen, 
so zu begegnen, da&szlig; sie wieder zum w&uuml;rdigen Wandel nach der 
Hoffnung ihres Berufs gelangen. O Mensch, wo suchst du einen Namen? in 
der Welt, oder im Buch des Lebens? Und mit wem h&auml;ltst du es? mit denen, 
die hier beliebt sind, oder mit denen, die hier verworfen, deren Namen 
aber im Himmel angeschrieben sind? 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Philipper 4,4-7</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel wiederholt noch einmal seine Ermahnung zur 
Freude im HErrn, und zeigt, unter was f&uuml;r &Uuml;bung dieselbe zu immer 
mehr St&auml;rke und reicheren Frucht kommen k&ouml;nne.</b> 
 
<p>Nach der im Anfang des dritten Kapitels angebrachten Ermunterung 
zur Freude im HErrn hat sich der Apostel recht ausgebreitet in der &uuml;berschwenglichen 
Erkenntnis unseres HErrn JEsu Christi, und in der Gemeinschaft, die uns 
mit Ihm nach allen Teilen zugestanden sei, und in welchem Ruhm der Gerechtigkeit 
und Hoffnung der Herrlichkeit wir zu stehen gekommen sind. Jetzt nimmt 
er es summarisch zusammen: Da ihr einen solchen HErrn habt, da euch eine 
solche Gemeinschaft mit Ihm zukommt, da der Segen davon bis auf das Kommen 
des HErrn JEsu vom Himmel hinausreicht, so freut euch dessen allewege. 
Alles an dem HErrn ist ja erfreulich f&uuml;r euch; seine Hingabe durch 
Menschwerdung und Geburt, sein Wandel in der Welt, sein Leiden, Kreuz und 
Tod, sein Leben und Herrlichkeit, seine jetzige Verborgenheit in GOtt, 
seine immer n&auml;her kommende Offenbarung vom Himmel. Eine solche g&ouml;ttliche 
Traurigkeit, wie Paulus <i>Kap. 3, 18</i> 
ge&auml;u&szlig;ert hat, kann wohl neben der Freude am HErrn stehen. Aber 
nur keine Weltfreude, kein Gesuch, seine eigene Gerechtigkeit aufzurichten, 
nur keine Falschheit, in welcher man wieder hervorsucht, was dahinten ist, 
und vergessen sein sollte. Den inneren Grund zur Freude beh&auml;lt man, 
wenn man auch die Empfindlichkeit das eine Mal nicht hat, wie das andere 
Mal. Das Ausstrecken darnach bleibt, wenn man schon unter den Abwechslungen 
seine Unvollkommenheit und den Mangel eines v&ouml;lligen Standes im Evangelio 
sp&uuml;ren mu&szlig;. Den im Wort angebotenen Trost schl&auml;gt man nicht 
aus, und h&auml;lt auch eine Freude unter den Tr&uuml;bsalen nicht f&uuml;r 
unm&ouml;glich, wenn man schon sein tr&auml;ges Herz nicht dazu bringen 
kann. Doch hat die Freude am HErrn eben nicht gerade zu h&uuml;pfen und 
zu springen, oder sonst die H&auml;nde in den Scho&szlig; zu legen, sondern 
sie hat auch zu schaffen, und eben die &Uuml;bungen erhalten sie in der 
Lauterkeit. Ein freudiger Genosse unseres HErrn JEsu Christi bekommt es 
mit unterschiedlichen Menschen zu tun, die auf mancherlei Weise seiner 
<i>Lindigkeit 
</i>n&ouml;tig 
haben; der Eine zum Geben, der Andere zum Vergeben, der dritte zum Nachgeben. 
&Uuml;berall macht die Freude im HErrn willig und gest&auml;rkt. Je weniger 
aber die Seele durch Freude am HErrn gesetzt ist, je weniger kann man auch 
Anderen begegnen, wie es fein ist.  Gr&ouml;&szlig;ter Beweggrund zur 
Lindigkeit: 
<i>der HErr ist nahe (Jak. 5, 
79)</i>, aber auch kr&auml;ftigste Erweckung zur Freude im HErrn! Es 
ist, als wollte JEsus fragen: Ich will kommen; freust du dich? Und so ist 
auch die Freiheit von <i>Sorgen</i> eine 
Wirkung von der Freude im HErrn. Hat doch nur die nat&uuml;rliche Freude 
so viel Kraft, da&szlig; sie das Herz &uuml;ber Manches hin&uuml;ber hebt. 
Sorgen, die man mit andern Menschen &uuml;ber der M&uuml;hseligkeit dieses 
Lebens gemein hat, und die man noch vor GOtt darf kund werden lassen, sind 
noch leichter zu vertreiben; aber die sitzen gemeiniglich tiefer, und fressen 
der Freude am HErrn das Herzblatt ab, f&uuml;r die man sich nicht einmal 
gern ansehen l&auml;&szlig;t, womit man f&uuml;r sich oder die Seinigen 
auf etwas zielt, das man verbirgt, und wor&uuml;ber doch das Herz in Furcht 
ist, wenn es entginge; dergleichen Sorgen sind sehr verderblich, und verdienen 
mit allem irdischen Sinn v&ouml;llig ausgesto&szlig;en zu werden. Beim 
Sorgen ist die Vernunft, beim Beten der Glaube gesch&auml;ftig. Verla&szlig; 
dich auf den HErrn von ganzem Herzen, und verla&szlig; dich nicht auf deinen 
Verstand. Gedenke an Ihn in allen deinen Wegen, so wird Er dich recht f&uuml;hren. 
In solchem Vertrauen sein Herz aussch&uuml;tten, dient sehr zur Erleichterung 
desselben.  Der <i>Friede in GOtt und Christo</i>, 
von dem der Heiland sagt, "In der Welt habt ihr Angst; in mir habt ihr 
Friede (<i>Joh. 16, 33)",</i> kommt her 
aus dem Frieden mit GOtt, von dem Paulus sagt, "Nun wir sind dann gerecht 
worden durch den Glauben, so haben wir Friede mit GOtt" (<i>R&ouml;m. 
5, 1)</i>. Diese Friedensgabe GOttes ist <i>h&ouml;her, 
denn alle Vernunft</i>. Zuweilen tut zwar auch die Vernunft einige Dienste 
gegen die Sorgen, einige F&ouml;rderung zur Befriedigung des Gem&uuml;ts. 
Aber gar oft wird die Vernunft auch die Quelle vieler Sorgen, oder kommt 
wenigstens in die F&auml;lle, wo sie ganz rat = und hilflos w&auml;re. 
Da beweist sich der Friede GOttes h&ouml;her denn alle Vernunft. Aus dem 
<i>Herzen</i> 
geht das Leben; wenn es nicht verwahrt wird, so d&uuml;nstet es aus, wie 
ein starker Spiritus; und die <i>Sinne</i> 
f&uuml;hren aus der Welt Manches hinein, das die Zufriedenheit st&ouml;ren 
kann. Da braucht es also eine Wache, die das beisammen h&auml;lt, was sich 
durch Zerstreuen schw&auml;chen k&ouml;nnte, und die nichts hineinl&auml;&szlig;t, 
was nur Unruhe anrichtete. Und hiezu ist JEsus Christus selbst unser Friede, 
und das Bleiben in Ihm ist unsere Festung. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Philipper 4,8-9</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel zeigt weiter, wie eine genaue Sorgfalt auf 
das t&auml;gliche Tun und Lassen in Worten und Werken auch nicht wenig 
beitrage, da&szlig; das Herz desto unverr&uuml;ckter im Frieden GOttes 
bewahrt werde.</b> 
 
<p>Der Apostel eilt zum Beschlu&szlig;; fa&szlig;t das N&ouml;tigste 
in desto gewichtigeren Worten zusammen, je weniger er sich mehr ausbreiten 
kann. Nach genugsamer Anleitung zum Glaubensruhm aus dem erfunden werden 
in Christo, jetzt auch noch etwas zum Ruhm eines guten Gewissens bei genauer 
Sorgfalt &uuml;ber sich selbst und all sein Tun und Lassen. <i>Reden</i> 
macht die Hauptsache im menschlichen Umgang aus, wodurch man am meisten 
in einen wirkt, und von einander annimmt. Deswegen steht auch <i>wahrhaftig 
sein</i> so oben an. Je h&auml;ufiger aber der Umgang ist, je mehr hat 
er auch vom <i>Ehrbaren</i> n&ouml;tig, 
von dem Ernsthaften, das dem Leichtsinnigen wehrt, und das die Liebe und 
deren &Auml;u&szlig;erungen immer auch mit einer Ehrerbietung vor einander 
unterst&uuml;tzt. Zur <i>Gerechtigkeit</i> 
hat ein Jeder den schnellen Zeugen in sich: was du willst, das dir die 
Leute tun sollen, das tue du ihnen auch. Es kommt nur darauf an, da&szlig; 
man den Eigennutz und die Eigenliebe nicht st&auml;rker reden lasse, als 
diese Stimme GOttes im Gewissen. Aus dem Umgang mit Anderen entsteht auch 
ein gem&auml;&szlig;es Vergn&uuml;gen, aber Keuschheit der Seele verh&uuml;tet, 
da&szlig; man nicht blo&szlig; sinnliche Erg&ouml;tzungen an einander sucht, 
vielmehr in einem billigen Mi&szlig;trauen gegen sich selbst steht, damit 
nichts ausbreche, womit man dem Anderen schade, und l&auml;&szlig;t es 
&uuml;berhaupt nicht aufkommen, da&szlig; man sich einander so unentbehrlich 
macht, vielmehr einander zur lebendigen Quelle weist. Diese St&uuml;cke 
sind beim gegenw&auml;rtigen Umgang <i>lieblich,</i> 
aber auch wo in Abwesenheit davon geredet wird, lauten sie wohl, und machen 
einen guten Namen. &Uuml;brigens mu&szlig; man nie vergessen, da&szlig; 
der Apostel oben schon vom w&uuml;rdigen Wandel nach dem Evangelio, vom 
Gesinntsein, wie JEsus Christus auch war, Manches hat einflie&szlig;en 
lassen. Mithin sieht man wohl, da&szlig; der Apostel nicht die ganze &Uuml;bung 
des Christentums in eine Sitten = und Tugend = Lehre setze, noch dazu den 
Haupttrieb aus dem Lob oder Gesehenwerden von den Menschen hernehme, sondern 
nur zu brauchbaren Umgang unter einander die n&auml;chsten Handgriffe zeigen 
wolle, was von der Leuchte GOttes in aller Menschen Gewissen &uuml;brig 
sei, und wie man sich dem Anderen zur Besserung gef&auml;llig machen k&ouml;nne, 
wenn man auch auf das sieht, was dem allgemeinen Wahrheitsgef&uuml;hl gem&auml;&szlig; 
ist. Wer sich selbst kennt, der wird bei vorgehaltenen Christenpflichten 
und Tugendwandel nicht so auf das Tun hineinfallen, als ob es bei ihm nirgends 
keinen Anstand damit h&auml;tte; sondern wir wissen, wie durch <i>Nachdenken</i> 
die Lust und Willigkeit erweckt werden mu&szlig;, und wie oft man noch 
&uuml;ber Wegr&auml;umung der Hindernisse und Ben&uuml;tzung aller vorteilhaften 
Umst&auml;nde nachzudenken hat. Doch setzt der Apostel bald auch hinzu: 
<i>das 
tut</i>, zum Beweis, da&szlig; &uuml;ber dem Nachdenken doch der Fu&szlig; 
im Gehorsam nicht zur&uuml;ckbleiben mu&szlig;. Zum Nachdenken kann mir 
ein Jeder werden, wenn nur noch etwas aus der Leuchte GOttes an ihm ist; 
aber nur mit einem in der Nachfolge Christi stehenden Paulus kann ich es 
sicher halten, da&szlig; ich das, was ich an ihm sehe, ohne besorgenden 
Nachteil tun kann. Wer durch den Glauben zum Frieden mit GOtt und in GOtt 
gekommen ist, und liebt dann auch die Zucht der Gnade, und ist nicht verdrossen 
durch dieselbe, seine F&uuml;&szlig;e auch im t&auml;glichen Wandel auf 
die Wege des Friedens richten zu lassen, dessen Herz kann leichter im Frieden 
bewahrt werden; da ein Anderer, der es beim Wandel in Worten und Werken 
nicht gern genau nimmt, seine Seele oft aus dem Frieden vertreibt. Der 
HErr oder der GOtt des Friedens zertritt manche finsteren Kr&auml;fte unter 
die F&uuml;&szlig;e seiner Friedens = Kinder. O JEsu! Lehre uns wandeln 
in Deiner Augen Licht; bewahre mich, da&szlig; mir Niemand schade, und 
ich Niemand beleidige. Regiere uns, unsere Gaben so zusammen zu tragen, 
da&szlig; keiner den Anderen in seinem Guten hindere; aber eher Eines des 
Anderen Mangel erstatte! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Philipper 4,10-19</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel bezeugt seine Freude &uuml;ber die Beisteuer, 
so ihm die Philipper zugesandt haben, verh&uuml;tet, da&szlig; ihm das 
Niemand gegen seinen Sinn mi&szlig;deuten m&ouml;ge, und w&uuml;nscht ihnen 
daf&uuml;r reiche Vergeltung an.</b> 
 
<p>Der himmlische Sinn, und die daraus flie&szlig;ende Geringsch&auml;tzung 
des Zeitlichen, hinderte den Apostel nicht, da&szlig; nicht &uuml;ber die 
ihm zugekommene leibliche Erquickung eine pilgrimsm&auml;&szlig;ige Freude 
in ihm rege geworden w&auml;re. Doch war auch diese Freude eine Freude 
in dem HErrn, mithin nicht Eigenn&uuml;tziges, sondern hatte so viel geistliches 
Licht, diese Gabe der Philipper als eine Frucht ihres Glaubens anzusehen, 
und sich dar&uuml;ber zu freuen, da&szlig; die Philipper ihre Gemeinschaft 
am Evangelio auch durch solche t&auml;tige Liebe bew&auml;hrten. Daneben 
bezeugt er, da&szlig; er auch au&szlig;er dem sich doch ihres Anteils an 
seinen Umst&auml;nden versichert halte; und sich wohl bescheide, da&szlig; 
es nicht das Einemal sein k&ouml;nne, wie das Anderemal. Wer sich nicht 
auch Anderer Liebe unwert achten kann, der verlangt oft auf Rechnung des 
Christentums von Anderen gar zu viel. An dem, was man leidet, mu&szlig; 
man auch etwas lernen. Die Natur ist mit Wenigem zufrieden; die Gnade mit 
noch Wenigerem. Die meisten Begierden werden erst durch das Vergleichen 
mit Anderen erregt. Der flei&szlig;ige Anblick: die Zeit ist kurz, der 
Weg k&uuml;rzt immer ab, wir haben hier keine bleibende St&auml;tte, unsere 
bessere Habe ist im Himmel, u.s.w. k&ouml;nnte uns Vieles lehren.  Ich 
habe gelernt, zeigt auf der einen Seite eine schon erlangte Fertigkeit 
an, und auf der andern Seite doch auch ein best&auml;ndiges Bleiben in 
dieser Schule, worin man unter t&auml;glicher &Uuml;bung seines Glaubens 
und seiner Hoffnung fortlernt, und davon tr&auml;gt, nicht nur, da&szlig; 
man den Schmerzen verbei&szlig;en kann, sondern bei v&ouml;llig gestilltem 
Herzen zufrieden ist, so da&szlig; weder Zeit, noch Ort, noch Personen 
etwas daran verr&uuml;cken, sondern man unter allen Ver&auml;nderungen 
immer einerlei Herz beh&auml;lt, den k&ouml;niglichen Geist durch k&uuml;mmerliche 
Umst&auml;nde nicht unterdr&uuml;cken, und durch g&uuml;nstige Zuf&auml;lle 
die Liebe des Irdischen nicht wieder anblasen l&auml;&szlig;t. Aus dem 
Lernen kommt man zur Erkenntnis und &Uuml;berzeugung, aus der &Uuml;bung 
erlangt man Geschick und Fertigkeit; aus beidem zusammen kann man sagen: 
ich vermag Alles, aber freilich durch Christus. Denn es gibt oft zu fragen 
Anla&szlig;: wie kommt es, da&szlig; mich oft etwas Kleines zu Boden wirft 
und niederschl&auml;gt? und oftmals etwas Ungemeines den Mut dennoch nicht 
erlegt? So bald ich mich von Christo wende, so kann mich Alles niederwehn. 
Sobald ich mich zu Christo finde, so kann ich wider Alles stehn. Der Apostel 
lenkt immer wieder in die Mittelstra&szlig;e, und verh&uuml;tet, da&szlig; 
man auch das Zeugnis von seinem abgeschiedenen Sinn nicht dahin deute, 
als ob ihm ihre Gabe kein Dank gewesen w&auml;re. Das Paulus mit keiner 
Gemeinde Gebens und Nehmens halber etwas zu tun gehabt, als mit den Philippern, 
mu&szlig; seine gute Ursache gehabt haben; z. B. zu Thessalonich waren 
Leute, gegen die es stark behauptet werden mu&szlig;te, da&szlig; man arbeiten, 
und dabei sein eigen Brot essen m&uuml;sse (<i>2.Thess. 
3,11)</i>. Da arbeitete der Apostel selbst, und vermied Alles, was Schein 
geben konnte, da&szlig; er sich vom Evangelio n&auml;hren wollte. Zu Korinth 
suchte er durch das Abstehen von allem Sold den falschen Aposteln den Ruhm 
abzuschneiden, als w&auml;ren sie, wie Er. Zuletzt setzt der Apostel seinen 
GOtt, de&szlig; er war, und dem er diente, der mithin auch alle auf seinen 
Knecht verwendete Wohltat als sich selbst geschehen ansehen werde, zum 
reichen Vergelter ein; und preist auch hierbei Christum als den Mittler, 
durch dessen Hand ein Liebesaufwand vor GOtt zum Opfer gedeihe, und durch 
den GOtt auch seine Gnadenvergeltung laufen lasse, da&szlig; Alles nach 
dessen Reichsgesetzen herauskomme. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Philipper 4,20-23</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel beschlie&szlig;t vollends mit einem fr&ouml;hlichen 
Lob GOttes, f&uuml;gt etliche Gr&uuml;&szlig;e bei, und sein gew&ouml;hnliches 
apostolisches Siegel.</b> 
 
<p>Hier bleiben wir im Lob GOttes Vieles schuldig. Es fri&szlig;t 
immer wieder eine Finsternis oder eine Eitelkeit eine Stunde weg, die nicht 
mit Freude im HErrn zugebracht wird. Aber wenn der HErr die Gefangenschaft 
Zions erl&ouml;sen wird, dann wird von einer Ewigkeit zur andern Alles 
seines Lobes voll ein. Wer GOtt in JEsu Christo angeh&ouml;rt, GOttes zu 
sein und Ihm zu dienen begehrt, der hei&szlig;t ein Heiliger; und solche 
Alle versichert der Apostel seiner Liebe und seines Angedenkens, und richtet 
auch den  von den Br&uuml;dern aus dem Judentum und von allen aus dem 
Heidentum bekehrten Heiligen ihm aufgegebenen Gru&szlig; freundlich aus. 
Weil es aber von einem besonderen Sieg und Segen des Evangeliums zeugte, 
da&szlig; auch in des Kaisers Haus, am Hofe des Nero, sich solche Heilige 
aufgemacht haben, so wird deren besonders gedacht, welches zugleich auch 
ein Beweis ist, da&szlig; sie schon so viel Gnade und Kraft zur Bekenntnis 
der Wahrheit gehabt und gebraucht haben, als dazu geh&ouml;rte, einen solchen 
Gru&szlig; aufzugeben, und sich also der Gemeinschaft der Heiligen nicht 
zu entziehen. 
 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Kolosser 1,1-2</font></b></h4> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Der Brief Pauli an die Kolosser Einleitung</font></b></h4> 
 
<p>Auch dieser Brief zu Rom in der Zeit der ersten Gefangenschaft Pauli 
daselbst geschrieben. In den Banden war er <i>(Kap. 
4, 3 + 18)</i>, aber in naher Hoffnung zu seiner Befreiung. Denn dieser 
Brief an die Kolosser geh&ouml;rt der Zeit nach nahe zu dem an Philemon; 
weil <i>Kol. 4, 414</i> die n&auml;mlichen 
Gef&auml;hrten Pauli genannt werden, die Philem. <i>V. 
2324</i> vorkommen. Auch bezieht sich Paulus auf Quesimus und dessen 
m&uuml;ndliche Nachrichten <i>(Kol. 4, 9)</i> 
und das war ja derselbe, welcher auch Philemon seinen Brief zu &uuml;berbringen 
hatte <i>(Philem. V. 1012)</i>. Im Brief 
an Philemon aber &auml;u&szlig;erte der Apostel so viel nahe Hoffnung zu 
seiner Freiheit, da&szlig; er sich die Herberge bestellte bei Philemon 
<i>(Philem. 
V. 22)</i>. Philemon scheint selbst ein Glied der Gemeinde zu Kolossen 
gewesen zu sein, und vermutlich ein wohlhabender Mann, der sich durch Gastfreiheit 
zum Dienst der Gemeinde hergegeben hat; auch mag Archippus, dessen <i>Kol. 
4, 17</i> und <i>Philem. V. 2</i> 
gedacht wird, ein Sohn von ihm gewesen sein. Kolossus war eine Stadt in 
Phrygien in Kleinasien, nicht weit von Laodicea und Hierapoli, die deswegen 
<i>Kap. 
4, 13</i> so zusammen genommen werden. Paulus ist zwar auf seinen Reisen 
im Dienst am Evangelio auch in selbige Gegenden gekommen; nach Kolossus 
aber mu&szlig; das Evangelium erst nachgehends durch den Dienst des Epaphras 
gekommen sein; Paulus aber der Gemeinde selbst von Person unbekannt geblieben 
sein <i>(Kap. 2, 1). </i>Doch k&ouml;nnen 
einige Kolosser, wie zum Beispiel Philemon, des Paulus Dienst von Ephesus 
aus genossen, oder sonst bei einer Gelegenheit mit ihm Bekanntschaft gemacht 
haben. Der anf&auml;ngliche Segen des Evangelii, den Epaphras zu sehen 
die Freude hatte, mu&szlig; durch eingedrungene fremde Lehren aufgehalten 
worden sein, und da selbige teils viel Schein der Weisheit, teils viel 
falsche Geistlichkeit vor sich hatten, so hat Epaphras nicht genug zu widerstehen 
gewu&szlig;t, und daher zu Paulus seine Zuflucht genommen, und ihn veranla&szlig;t, 
da&szlig;, da er ihm viel von der Kolosser Liebe und Vertrauen versichern 
konnte; Paulus ihnen mit einem schriftlichen Zeugnis der Wahrheit zur Hilfe 
kommen m&ouml;chte. Nun hatte Paulus zu gleicher Zeit und durch den n&auml;mlichen 
&Uuml;berbringer <i>(Eph. 6, 21 ; Kol. 4, 
7)</i> an die Epheser geschrieben, und es so eingerichtet, da&szlig; 
es auch anderen benachbarten Gemeinden zur St&auml;rkung in der angenommenen 
Wahrheit konnte mitgeteilt werden; wie er denn vermutlich den Kolossern 
darauf deutet, da&szlig; sie selbigen Brief sich von Laodicea aus sollten 
mitteilen lassen <i>(Kap. 4, 16)</i>. 
Doch wollte er noch eine n&auml;here Anweisung geben, wie die Kolosser 
besonders es zu ihrer Verwahrung anzuwenden h&auml;tten. Daraus l&auml;&szlig;t 
sich denn die &Uuml;bereinkunft und der Unterschied dieser beiden Briefe 
beurteilen. Die Hauptabsicht Pauli bei diesem Brief ist aus 
<i>Kap. 
2, 68</i> zu ersehen, die dahin geht, da&szlig; Glaube und Liebe aus 
der Erkenntnis GOttes und Christi ihre rechte Lauterkeit behalten. Diesem 
nach ist die Epistel noch jetzt ein stattliches Zeugnis von der Offenbarung 
des ganzen Vorsatzes GOttes in Christo, und leitet uns an, wie das, was 
GOtt nach dem Rat seines Wohlgefallens in seinem Sohn von Ewigkeit zu unserem 
Heil beschlossen hat, und durch denselben an uns ausf&uuml;hren will, nun 
wirklich uns zum seligen und ungest&uuml;mmelten Genu&szlig; gedeihe, und 
auch durch unseren Wandel in solcher Wahrheit best&auml;tigt werden m&ouml;ge. 
<p>Man teilt sonst den Brief in vier Haupteile, n&auml;mlich: 
 
<ol type=I> 
 
<li> 
die &Uuml;berschrift <i>Kap. 1, 12</i></li> 
 
<li> 
Lehrvortrag <i>Kap. 1, 3 - 2, 7</i></li> 
 
<li> 
Ermahnungen <i>Kap. 2, 8 - Kap. 4, 6</i></li> 
 
<li> 
Beschlu&szlig;, <i>Kap. 4, 718</i></li> 
 
</ol> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Kolosser 1,1-2</font></b></h4> 
 
<p>Damit legitimiert sich Paulus, woher er das Recht habe, sich auch solcher 
Gemeinden anzunehmen, die nicht durch seinen Dienst gesammelt waren. GOttes 
Wille hat ihn zu einem Apostel gemacht. GOtt ergriff ihn, lenkte damit 
aber auch seinen Willen zur &Uuml;bergabe an GOtt und an den himmlischen 
Beruf. In den Willen GOttes sich einwickeln k&ouml;nnen, ist der Grund 
aller Amtsfreudigkeit, der Sieg &uuml;ber die Welt, und Alles, was uns 
nach der Menschen Willen gefangen nehmen will, ja die Kraft, GOtt auch 
noch mit Leiden und Tod zu preisen. Timotheus wird mehr kindliche Ehrerbietung, 
als br&uuml;derliche Vertraulichkeit gegen Paulum gebraucht haben, Paulus 
aber desto mehr herunterlassende Liebe. In dem Brudernamen ist &uuml;berhaupt 
etwas, das der Einfalt und dem Ansehen, und zugleich der Freundlichkeit 
der Gl&auml;ubigen untereinander gem&auml;&szlig; ist. Glaube und Liebe 
ist beim rechtschaffenen Gebrauch dieses Namens in der z&auml;rtlichsten 
Bewegung. Der Glaube h&auml;lt sich an den, durch dessen Wohlgefallen wir 
von oben geboren sind, und die Liebe umfa&szlig;t Alles, was von GOtt geboren 
ist. Die Gemeinschaft mit GOtt durch den Glauben macht Heilige. Die Gemeinschaft 
unter einander macht Br&uuml;der in Christo. So wenig es taugte, sich ohne 
Heiligkeit oder ohne Gemeinschaft mit GOtt einen Bruder nennen zu lassen, 
so wenig verbirgt sich bei der wahren Heiligkeit oder gegr&uuml;ndeten 
Gemeinschaft mit GOtt die Liebe zu den Br&uuml;dern. <i>Gnade</i> 
begreift alle zu unserem Heil gesch&auml;ftige Liebe GOttes in sich, vom 
ewigen Erbarmen an, in welchem uns der Sohn zum Heiland bestimmt worden 
ist, bis zur Vollendung alles dessen, was uns aus der Vers&ouml;hnung Christi 
zuflie&szlig;t. <i>Friede</i> ist der 
erste herzstillende Genu&szlig; der Gnade, der fortgeht bis zum ewigen 
Daheimsein in den H&auml;usern des Friedens. Gnade ist nicht leicht ohne 
einigen Frieden. Friede ohne Gnade aber w&auml;re die gr&ouml;&szlig;te 
Sicherheit. Wem seine Seele aus dem Frieden vertrieben wird, der suche 
nur wieder Gnade. Was mir GOtt nicht als meinen Vater, und JEsum nicht 
als meinen HErrn im Glauben bekannt und brauchbar macht, das gibt mir nicht 
Gnade und Friede, wenn es auch das Kl&uuml;gste und Feinste w&auml;re. 
Wo Gnade und Friede einen Menschen einmal umfangen hat, da behalte sie 
doch das Regiment! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Kolosser 1,3-8</font></b></h4> 
 
<p><b>Da des Apostels Hauptabsicht auf ihre Befestigung und Verwahrung 
ging; so f&auml;ngt er nun an, sie seines freudigen Anteils an ihrer Christengnade 
zu versichern, und erinnert sie dabei an die richtigen Wege, auf welchen 
sie zum Glauben an das Evangelium gekommen seien.</b> 
 
<p>So ein von GOtt angez&uuml;ndetes Licht, so eine auf dem Berg angelegte 
Stadt konnte nicht verborgen bleiben. Eine wahre Nachricht vom Lauf des 
Evangelii breitete man damals gerne aus, und sie konnte und kann auch noch 
jetzt Manches zu gemeiner Erbauung beitragen <i>(Apg. 
14, 27 ; 15, 3 + 4 + 12). Glaube an Christum JEsum</i> hei&szlig;t Glaube 
an GOtt, wie er sich <i>in Christo</i> 
geoffenbart hat, oder der Glaube, wie man <i>durch 
Christum</i> zu GOtt kommt. Durch solchen Glauben wird man selbst ein 
geheiligtes Eigentum GOttes in Christo JEsu; und das stiftet dann eine 
Liebe und Eintracht zwischen <i>allen Heiligen</i>. 
Vor der Welt macht uns freilich der Charakter eines ausgebreiteten, und 
Alle in seiner Liebe umfassenden Menschenfreundes mehr Ruhm und Ehre als 
die Liebe zu den Heiligen, denn das f&uuml;hrt auf einen Unterschied hinaus, 
den die Welt nicht gern will aufkommen lassen. Die Welt hat eine Liebe, 
da&szlig; ihr ein Jude und ein T&uuml;rke lieber ist als ein Heiliger; 
weil sie aller Anderen ihre Art eher mit ihrem Wesen reimen kann, als dieser 
Heiligen. Wenn man freilich die noch schwachen Anf&auml;nge des Glaubens, 
die noch dar&uuml;ber ergehenden Versuchungen bedenkt, so k&ouml;nnte es 
einem zweifelhaft werden, ob man sich schon so zu freuen und <i>GOtt 
zu danken</i> Ursache habe. Aber beim Hinaussehen auf das Ziel der <i>Hoffnung, 
die uns beigelegt ist</i>, wird uns die Gnade sehr gro&szlig;. Denn 
so bald der Name eines S&uuml;nders, der auf Erden Bu&szlig;e tut, mit 
Freuden bekannt wird <i>im Himmel</i>, 
so wird sich auch etwas von seiner beigelegten Krone, bereiteten Erbschaft 
und Hoffnung aufschlie&szlig;en; und das wird ihm und Anderen vor und nach 
dem Abscheiden immer mehr ins Licht gesetzt. Aber von dieser Hoffnung k&ouml;nnte 
nichts in unser Herz kommen, wenn es nicht <i>durch 
das Wort der Wahrheit</i> geoffenbart w&auml;re; und man soll auch seinen 
eigenen Mutma&szlig;ungen davon nicht nachh&auml;ngen, und sich und Anderen 
keine Bilder au&szlig;er dem Wort der Wahrheit machen. Im Unmut m&ouml;chte 
der Mensch freilich gern vorwenden k&ouml;nnen, es sei zu keiner Gewi&szlig;heit 
und &Uuml;berzeugung zu bringen. Aber GOtt sagt ihm: es ist dir nahe, <i>es 
kommt zu dir, wie in alle Welt</i>; aber freilich nicht, da&szlig; du 
dich vorher bei aller Welt und bei der Wirkung des Evangelii in aller Welt 
aufhalten solltest, ehe du an dein Herz und den  dem Evangelio schuldigen 
Gehorsam denkst; sondern da&szlig; ich das, was an mich gekommen ist, gewissenhaft 
gebrauche, und alle Welt der  auch &uuml;ber sie ausgebreiteten Liebe 
GOttes &uuml;berlasse. Gewi&szlig; ist es unaussprechlich, was die jetzt 
so ungl&auml;ubige und undankbare Welt doch f&uuml;r <i>gute 
Fr&uuml;chte</i> vom Evangelio zu genie&szlig;en hat, und wie vieles 
auch von K&uuml;nsten und Wissenschaften, milderen Sitten und Ordnungen 
nicht w&auml;re, wenn das Evangelium nicht Vorschub dazu getan h&auml;tte. 
Die eigentliche Frucht des Evangelii aber ist <i>Erkenntnis 
der Gnade GOttes</i>; und dazu konnte <i>Epaphras</i> 
die Kolosser f&ouml;rdern, da&szlig; ihnen Paulus nichts Anderes h&auml;tte 
sagen k&ouml;nnen. Mit diesem Zeugnis ehrt Paulus die Gnade in Epaphra. 
Epaphras ist aber auch so redlich, und hat dem Apostel der Kolosser Liebe 
und zu ihm getragene Hochachtung bezeugt, ohne zu sorgen, da&szlig; ihm 
so viel abgehe, als dem Apostel zuwachse. O wie viel L&auml;uterungen braucht 
unsere Liebe noch, bis sie ist, was sie hei&szlig;t, Liebe im Geist, bis 
Alles daran mehr zum Wachstum des inneren als zur Belustigung des &auml;u&szlig;eren 
Menschen angewendet, bis alle heimlichen Reizungen zur Eifersucht, zum 
Aufblasen &uuml;bereinander weggeschmelzt werden. 
 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Kolosser 1,9-14</font></b></h4> 
 
<p><b>Pauli Gebet f&uuml;r der Kolosser St&auml;rkung und 
Bewahrung.</b> 
 
<p>Epaphras hatte dem Apostel der Kolosser Liebe kund getan, und dadurch 
fand sich der Apostel auch in eine besonders teilnehmende Liebe gegen sie 
gesetzt, die ihn zu solcher <i>F&uuml;rbitte</i> 
neigte; darin er sie als Miterben der Gnade des Lebens GOtt vortrug. Die 
Apostel haben &uuml;berhaupt <i>Beten</i> 
f&uuml;r eine viel Zeit und Kraft erfordernde Amtsverrichtung gerechnet. 
Heutigen Tages wird viel mehr Lebensart und Achtung vor allem menschlichen 
Wohlstand zugemutet, als neben diesem priesterlichen Aufwarten vor GOtt 
bestehen kann. Die Freude &uuml;ber den gemachten guten Anfang erweckt 
das Bitten um <i>Erf&uuml;lltwerden</i>. 
Mit Erkenntnis der Gnade GOttes in der Wahrheit wird der Grund gelegt; 
aber dann gibt es auch ein Fortschreiten in <i>Erkenntnis 
alles</i> weiteren Rats und <i>Willens 
GOttes</i>, wobei der Geist GOttes immer mehrere Gewi&szlig;heit verleiht, 
was man zu tun und was man zu lassen habe; festeren Grund wo man hingeht; 
mehrere &Uuml;bung, guten Unterschied zu machen, Betrug und &Uuml;bereilung 
zu verh&uuml;ten. Das haftete aber Alles nichts, wenn es nicht durch den 
<i>Wandel</i> 
befestigt w&uuml;rde, und durch den Flei&szlig;, sich <i>dem 
HErrn zum Wohlgefallen</i> darzustellen. Aber wenn der Glaube an den 
HErrn JEsum, und die Liebe zu den Heiligen auch sonst <i>fruchtbar 
macht zu allem guten Werk</i>; so w&auml;chst darunter nicht nur die 
Erkenntnis des Willens GOttes, sondern es tr&auml;gt auch <i>Erkenntnis 
und Bekanntschaft mit GOtt selbst</i>, Erfahrung in seinen Wegen, Liebe 
GOttes, Fertigkeit, sich in seine Wege zu schicken, aus. Mithin ist hierbei 
freilich keine Erkenntnis, die blo&szlig; durch Vorstellungen, &Uuml;berzeugungen 
und Einsichten liefe; sondern das Leben des Herzens aus dem Wort der Gnade, 
der inwendige Mensch erlangt dadurch eine <i>St&auml;rkung 
mit aller Kraft</i>, und es geht darin oft &uuml;ber unser Bitten und 
Verstehen nach dem Reichtum der herrlichen Gnade GOttes. Inmittelst kommt 
doch alle Kraft GOttes unter unserer Schwachheit zum Zweck; und daher legt 
sich auch alle g&ouml;ttliche St&auml;rkung bei uns zur Geduld und Langm&uuml;tigkeit 
an, &uuml;ber den Schwachheiten nicht verdrossen und argdenklich zu werden, 
&uuml;ber dem langen Ankleben derselben nicht auf unmutige Strenge gebracht 
zu werden, sondern GOttes Werk mit aller Sanftmut auszuwarten, und dabei 
das <i>freudige Danksagen</i> immer vordringen 
zu lassen, gegen den <i>Vater</i>, der 
durch sein Wohlgefallen den Wert auf uns gelegt, da&szlig; wir auch zu 
dem vorz&uuml;glichen <i>Los der</i> 
aus der Finsternis <i>an das Licht</i> 
berufenen und gebrachten <i>Heiligen </i>gekommen 
sind. Nach seiner Hauptabsicht in diesem Brief, GOtt in Christo zu verk&uuml;ndigen, 
f&uuml;hrt es der Apostel immer aus dem Vater, als der Hauptquelle her, 
was an uns im Vorsatz zu unserem Heil, in der Ausf&uuml;hrung bei der Erl&ouml;sung, 
so durch Christum JEsum geschehen ist, und nun bei der Zueignung durch 
den Geist Christi geschehen ist, und t&auml;glich geschieht. Das Evangelium 
predigt uns die Gnade in Christo &uuml;berall als eine sehr wichtige Vers&ouml;hnung 
und als eine mit starkem Arm geschehene <i>Erl&ouml;sung</i>. 
S&uuml;nde ist nicht nur eine uns zugezogene Schwachheit; und Hilfe aus 
der S&uuml;nde besteht auch nicht blo&szlig; in einer solchen Erholung 
unserer Natur. <i>Finsternis</i>, Unwissenheit, 
Zweifelmut, Unverm&ouml;gen sp&uuml;rt der Mensch freilich an sich selbst; 
Verdru&szlig;, Ungeduld schl&auml;gt aus dieser Finsternis heraus. Aber 
da&szlig; eine <i>Obrigkeit</i> und Macht 
der <i>Finsternis</i> dahinter stecke, 
aus deren es einer <i>Erl&ouml;sung</i> 
bed&uuml;rfe, das wird erst aus dem Evangelio bekannt, und zwar als eine 
durch Recht und Gericht ausgef&uuml;hrte Sache. Der Sohn selbst ist freilich 
das h&ouml;chste Augenmerk in der Liebe und in dem Wohlgefallen des Vaters; 
durch den Sohn aber kommt Liebe und Angenehmsein in dem Geliebten auch 
auf uns. Dem lieben Sohn hat der Vater ein Reich bereitet, und in das sind 
wir versetzt durch den gn&auml;digen Ausspruch GOttes, durch den Er uns 
dem Sohn gegeben hat, und durch den an uns kr&auml;ftig gewordenen Ruf 
des Evangelii. Der Vater hat uns den Sohn zum Erl&ouml;ser bereitet, gesandt, 
geschenkt, im Evangelio verk&uuml;ndigt; und damit haben wir Ihn, und an 
Ihm auch die Erl&ouml;sung, die <i>durch 
Blut</i> gestiftet worden, und in deren anf&auml;nglichen Genu&szlig; 
man durch Vergebung der S&uuml;nden eintritt. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Kolosser 1,15-20</font></b></h4> 
 
<p><b>Was in obigem Ausspruch: GOtt hat uns versetzt in das Reich 
seines lieben Sohnes, f&uuml;r Reichtum liegt, wird nun weiter ausgewickelt 
und n&auml;herer Grund gegeben, teils warum Er der Sohn der Liebe hei&szlig;e, 
teils was Ihm f&uuml;r ein Reich und Vorrang in Allem einger&auml;umt sei, 
teils wie es mit unserer Versetzung in dies Reich zugehe.</b> 
 
<p>In diesen Worten wird der Sohn GOttes nach seinem Verh&auml;ltnis mit 
dem Vater, mit aller Kreatur und mit seinen Auserw&auml;hlten besonders 
gepriesen. In den Augen seines himmlischen Vaters selbst ist der Sohn <i>das 
Ebenbild GOttes</i>. Der Vater hat schon, ehe der Welt Grund gelegt 
ward, am Sohn den vollkommensten Abdruck seines Wesens, den Abglanz, seiner 
Herrlichkeit, gehabt. Durch seine Menschwerdung aber ist der Sohn nochmals 
auch das sichtbare Ebenbild des unsichtbaren GOttes geworden, und konnte 
daher sagen: Wer mich sieht, der sieht den Vater. Und noch jetzt ist Er 
durch sein Wort und k&uuml;nftig in der Ewigkeit von Angesicht zu Angesicht 
das Ebenbild, aus dem wir dem Vater in das Herz hinein sehen. Als dieses 
Ebenbild GOttes ist Er also kein St&uuml;ck und Teil der Kreatur, hat sein 
Wesen und Leben nicht aus der Sch&ouml;pfung, sondern ist gezeugt und geboren 
eher, als etwas geschaffen worden. Vielmehr ist <i>Alles</i> 
nicht nur <i>durch Ihn</i>, sondern auch 
<i>zu 
Ihm geschaffen</i>, oder geschaffen, Ihm untertan zu sein, mit Ehre, 
Verlangen und Anbetung Ihm anzuhangen. Diesfalls breitet sich der Apostel 
besonders wegen der <i>Thronen, Herrschaften 
und F&uuml;rstent&uuml;mer im Himmel</i> am meisten aus, weil dessen 
die Kolosser am bed&uuml;rftigsten waren. N&auml;mlich wie es von Alters 
her der leidige Weg war, auf welchem die Menschen GOtt verloren, und Ihn, 
die lebendige Quelle, verlassen haben, da&szlig; sie ihr Vertrauen auf 
den h&ouml;chsten GOtt anfingen zu teilen zwischen manchen anderen unsichtbaren 
Kr&auml;ften und Wesen, von denen sie auch Schutz und Hilfe zu erlangen 
meinten: so hat auch dergleichen Schein der Weisheit das Evangelium Christi 
dadurch verstellt, da&szlig; der Menschen Herzen in ihrer Furcht, Hochachtung 
und Vertrauen sich an dergleichen Zwischenkr&auml;fte h&auml;ngen sollten; 
deswegen der Apostel so eifrig ist, Alles als dem Sohn unterw&uuml;rfig 
vorzustellen, zwischen diesem und seinen Auserw&auml;hlten aber einen so 
genauen Zusammenhang, wie zwischen Haupt und Gliedern, zu behaupten. Schon 
von Anfang her hat sich der Sohn GOttes der Menschenkinder besonders angenommen, 
war ihr Licht und Leben, ging ihnen in ihrer Finsternis nach, war bei denen 
den Erzv&auml;tern verliehenen Erscheinungen gesch&auml;ftig, gab den Heerf&uuml;hrer 
Israels ab, erhielt GOtt zur Zeit der Geduld im &Uuml;bersehen und Ausharren. 
Aber durch seine Menschwerdung, durch die in seiner Menschwerdung erfundene 
ewige Erl&ouml;sung, durch die Erwerbung eines eigent&uuml;mlichen Volks, 
durch die Macht, sich eine Gemeinde zu sammeln, selbige mit seinem Geist 
und Gaben zu beleben, aus seinem Fleisch und Blut zu n&auml;hren zc. ist 
erst eine Verbindung wie zwischen Haupt und Gliedern entstanden. So tief 
es aber mit dem Sohn GOttes herabging in Tod und Grab, so hoch ging es 
auch wieder hinan, damit, da&szlig; er der <i>Erstgeborene 
von den Toten</i> geworden ist, oder der Erste, dem der Vater den Weg 
zum Leben kund getan, und Ihn damit zum F&uuml;rsten des Lebens und Herzog 
der Seligkeit zum Urs&auml;cher des ewigen Lebens gemacht hat f&uuml;r 
das ganze menschliche Geschlecht; der zwar den <i>Vorrang 
in Allem</i> hatte, aber auch Alles nach sich zu ziehen bevollm&auml;chtigt 
ward. Denn die <i>in Ihm wohnende F&uuml;lle</i> 
machte Ihn zu dem f&uuml;r uns so brauchbaren, &uuml;berschwenglich genugsamen, 
&uuml;ber alle unsere Bed&uuml;rfnis hinreichenden Heiland, der Alles, 
was zu unserer Begnadigung und Verherrlichung geh&ouml;rt, aus dieser F&uuml;lle 
verschaffen, und Alles durch sich selbst ausf&uuml;hren kann. Die Ausf&uuml;hrung 
des uns zugedachten Heils aber ging freilich durch einen nach GOttes Wohlgefallen 
ersehenen und Ihm geziemenden Weg. Es war nicht damit getan, da&szlig; 
der Vater den Sohn als einen gro&szlig;en Zeugen seiner Liebe in die Welt 
sandte, viel von des Vaters Namen durch Ihn verk&uuml;ndigen lie&szlig;, 
und uns damit von unserem feindseligen Sinn gegen GOtt abz&ouml;ge, oder 
uns zu einem Vertrauen auf GOtt aufrichtete; sondern GOtt warf unsere und 
aller Welt S&uuml;nde auf diesen unseren Mittler, nahm den Gehorsam, die 
Leiden, die Aufopferung desselben, die Vergie&szlig;ung seines Bluts als 
ein L&ouml;segeld f&uuml;r uns an. Nach dieser  an diesem f&uuml;r uns 
zur S&uuml;nde gemachten S&uuml;ndopfer vorgenommenen Verdammung der S&uuml;nde 
wurde erst die Rechtfertigung zum Leben festgesetzt und verk&uuml;ndigt, 
und wir zur Gemeinschaft mit GOtt und zum Zugang zu seiner Gnade durch 
das Evangelium berufen, und der Friede zwischen Allem im Himmel und auf 
Erden verk&uuml;ndigt, der aber nicht nur als ein Zeugnis von der Liebe 
GOttes, sondern als eine Frucht der am Kreuz allermeist geschehenen Aufopferung 
und Blutvergie&szlig;ung anzusehen ist. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Kolosser 1,21-23</font></b></h4> 
 
<p><b>N&auml;here Anzeige, wie das von GOtt in Christo bereitete 
Heil an den Kolossern sei zu Stande gebracht worden, und wie noch jeder 
in der heutigen Zeit dazu gelangen k&ouml;nne.</b> 
 
<p>"Alles vers&uuml;hnt, was im Himmel und auf Erden ist," &ouml;ffnet 
freilich einen herrlichen Anblick, aber dar&uuml;ber mu&szlig; man doch 
das: <i>auch euch</i>, nicht zur&uuml;cklassen. 
Man jagt oft den Erkenntnissen von der gro&szlig;en Haushaltung GOttes 
nur zu begierig nach, und vergi&szlig;t dar&uuml;ber fast seiner selbst 
und seines gegr&uuml;ndeten Anspruchs an dies Alles. O GOtt! Ich danke 
Dir f&uuml;r alle Einsicht, die Du mir in Deine Haushaltung und Regierung 
in Deinem Wort geschenkt hast, f&uuml;r alles Gewicht der Wahrheit von 
den wichtigen Dingen der zuk&uuml;nftigen Welt, vom Zustand nach dem Tod, 
von der Stadt GOttes, von der ganzen F&uuml;hrung des Hohenpriestertums 
Christi im Himmel. Gib mir Gnade, da&szlig; ich mit diesen Haushaltungs 
= Wahrheiten au&szlig;er mir auch die n&ouml;tigen Erfahrungs = Wahrheiten 
in mir, von der S&uuml;nde, von der Gnade, von ihren Wirkungen, vom Zeugnis 
des Heiligen Geistes, von der Gegenwart GOttes und deren Kraft zc. verbinde, 
da&szlig; Alles zusammen seinen Zug tue, das Herz fest und voll Zuversicht 
und Liebe zu machen. Wenn die Apostel den Gl&auml;ubigen ihren vormaligen 
kl&auml;glichen Zustand so zu Gem&uuml;t f&uuml;hren, so macht man heutigen 
Tages die Frage, ob wir unseren Zustand von Natur auch so verdorben vorzustellen 
haben, und ob man mit Grund diese von den Aposteln &uuml;ber den verdorbenen 
heidnischen Verfall gef&uuml;hrten Klagen auf unsere Zeiten und Leute anwende, 
da nun durch die Gnade Christi schon so viele Heilung am menschlichen Geschlecht 
vorgenommen sei? Es ist kein Zweifel, da&szlig; das Verderben im Heidentum 
gr&ouml;&szlig;er war, und obschon wir von christlichen, wohl auch von 
besonders gottseligen Eltern abstammende, noch b&ouml;s und geborene S&uuml;nder 
sind; so ist uns doch Manches an unserem Erbschaden gemildert, und uns 
die nahe Gelegenheit, GOtt als Liebe zu finden sehr erleichtert. Aber das 
mu&szlig; man mehr als einen Vorzug unserer Zeiten, und nicht unserer Personen 
erkennen. Durch Vers&auml;umnis der Gnade seiner Zeit aber kann man wieder 
so arg und &auml;rger werden, als ein Heide. Ohne Lust zu GOtt, ohne Vertrauen 
zu GOtt, ohne Freude an GOtt werden wir doch geboren, und wenn uns die 
Gnade nicht so zeitig umfinge, wenn bei der Taufe nicht ein Schnitt in 
das Fleisch gesch&auml;he, und eine Kraft, den Geist aus dem Fleisch herauszuziehen, 
angewendet w&uuml;rde, wenn nicht so mancher Unterricht aus GOttes Wort 
dazu k&auml;me, was w&uuml;rde aus uns? Ungehorsam und daraus kommende 
b&ouml;se Werke scheiden freilich uns und unseren GOtt von einander. Aber 
in den Ungehorsam wird man durch einen F&uuml;rwitz der <i>Vernunft</i> 
oder der denkenden und gr&uuml;belnden Kraft hineingest&uuml;rzt; dar&uuml;ber 
&uuml;bt die Vernunft ihre <i>Feindschaft 
wider GOtt</i>, oder doch ihre Entfremdung von GOtt aus. Aus dieser 
Feindschaft geschieht die Vers&ouml;hnung erst bei dem  in Glauben angenommenen 
Evangelio. Am Kreuz Christi vers&uuml;hnte GOtt die ganze Welt mit sich 
selbst, und setzte das Neue Testament und in demselben die Nichtzurechnung 
unserer S&uuml;nden fest. Auf das hin lie&szlig; Er die Bitte im Evangelio 
an alle Welt ergehen: La&szlig;t euch vers&uuml;hnen mit GOtt. Wer dieser 
Bitte Raum gibt, der wird wirklich vers&uuml;hnt. Hieraus beurteile man, 
ob die Vers&uuml;hnung nur eine Ver&auml;nderung bei uns nach sich ziehe, 
und eigentlich nur wir mit GOtt vers&uuml;hnt werden, oder ob nicht auch 
auf Seiten GOttes etwas vermittelt worden sei, auf das Er erst dies Wort 
von der Vers&uuml;hnung aufgerichtet hat. Und da&szlig; der Apostel auch 
beim Empfangen der Vers&uuml;hnung sich so auf das Opfer des Leibes JEsu 
bezieht, wie er oben die Erwerbung desselben aus dem Blut des Kreuzes herleitete, 
das ist ein deutlicher Beweis, da&szlig; man sich auch bei der Annahme 
der Vers&uuml;hnung nicht blo&szlig; auf die Lehre Christi und auf seine 
Verk&uuml;ndigung von der Liebe GOttes gr&uuml;nde, sondern eigentlich 
auf sein Opfer und Blutvergie&szlig;en, auf das Tragen unserer S&uuml;nden 
an seinem Leib, auf die Aufhebung unseres Fluchs zc.; das Gewissen kann 
sich auch in nichts zufrieden geben, das nicht im Licht jenes Tages best&uuml;nde. 
Aber der Preis des Bluts Christi reicht bis an das heilig und unstr&auml;flich 
Dargestelltwerden vor GOtt. Durch den Glauben wird die schon vor unserem 
Glauben gemachte Vers&uuml;hnung angenommen, und durch <i>Bleiben 
im Glauben</i> wird sie festgehalten. Auch unter den Anf&auml;llen von 
Zweifeln wurzelt man immer tiefer unter sich, wie ein vom Wind ersch&uuml;tterter 
Baum fester wird. An der Vers&uuml;hnung h&auml;ngt die gro&szlig;e <i>Hoffnung</i> 
der Herrlichkeit, und um derselben willen h&auml;lt man so fest &uuml;ber 
der Vers&uuml;hnung; und aus der allgemeinen Ausbreitung des Evangelii 
erleichtert man sich den Glauben: An Deinen Worten, Trost und Heil geh&ouml;rt 
mir mein besonder Teil. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Kolosser 1,24-29</font></b></h4> 
 
<p><b>Paulus legt ein eindringliches Zeugnis von seinem 
apostolischen Amtseifer ab, in der Absicht, auch dadurch den Kolossern 
die Gnade, die unter der Predigt des Evangelii an sie gekommen ist, gro&szlig; 
und das Bleiben an derselben recht n&ouml;tig zu machen.</b> 
 
<p>Bei dem HErrn JEsu h&ouml;ren wir neben allem Gehorsam und Begierde, 
den Willen des Vaters zu tun, doch eher von Traurigkeit bei herannahenden 
Leiden und von Stille und Gelassenheit unter dem Leiden, nicht aber gerade 
von <i>Freudigkeit</i>. JEsu Leiden mu&szlig;te 
n&auml;mlich nach allen Teilen ein wahrhaftiges, v&ouml;lliges, auch unter 
der Schmach, als ob Er von GOtt so geschlagen w&auml;re, liegendes Leiden 
sein. Die Verkl&auml;rung und der Geist der Herrlichkeit, der jetzt &uuml;ber 
den Leidenden ruht, mu&szlig;te erst erworben werden. Die <i>Freudigkeit</i> 
der Apostel unter ihrem Leiden war eine Frucht der Traurigkeit JEsu unter 
seinem Leiden. Bei unserem Leiden mu&szlig; uns oft die Schwachheit des 
Fleisches unter Furcht und Traurigkeit, oft aber auch das Vielverm&ouml;gen 
GOttes und seines Geistes der Herrlichkeit unter gro&szlig;em Frieden und 
versp&uuml;rter Freudigkeit beim Leiden offenbar werden; Beides ist heilsam. 
Man erzwinge und affektiere nur nichts, sondern nehme an, was und wie es 
GOtt n&ouml;tig findet. Die Predigt des Evangelii unter den Heiden hat 
dem Apostel sein Leiden meist zugezogen. Darum konnte er sagen, <i>er 
leide f&uuml;r sie</i>, und best&auml;tige damit auch die Wahrheit des 
unter ihnen gepredigten Worts. Am Leiden Christi mangelt nichts, sein Opfer 
ist vollbracht, was am Leibe seines Fleisches zu &uuml;bernehmen war, das 
ist erstanden. Aber was an seinem Leib, der Gemeinde, noch zu vollenden 
ist, daran gibt es noch jetzt <i>zu erstatten</i>. 
Wie Moses und andere Vorbilder im Alten Testament schon die Schmach Christi 
trugen; so tragen vielmehr nun alle wohlgeratenen Nachbilder im Neuen Testament 
die Tr&uuml;bsale Christi. So lange Christus einen Samen in der Welt hat, 
so hat er noch einen Leib, der Fersenstiche von der alten Schlange auszustehen 
hat; und an diesem Leib stehen alle Glieder in solcher Gemeinschaft, da&szlig; 
es allen wohl kommt, wenn das Ma&szlig; der Leiden bald voll ist. <i>Offb. 
6, 10 + 11 w</i>erden Geister schon vollendeter Gerechter noch s&auml;nftiglich 
auf die Nachkunft ihrer Br&uuml;der vertr&ouml;stet, die auch unter ihrem 
Ma&szlig; von Leiden vollendet werden sollten. Nach Vollendung der Leiden 
wird GOtt mit der Kirche Christi zur Herrlichkeit eilen.  Oben <i>V. 
23</i> nannte sich der Apostel einen Diener des Evangelii, hier einen 
<i>Diener 
der Gemeinde</i>. Das geh&ouml;rt zusammen. Der Gemeinde mu&szlig; man 
so dienen, da&szlig; dabei dem Evangelio nichts vergeben wird; aber auch 
nicht unter dem Vorwand des Evangelii &uuml;ber das Volk herrschen, sondern 
ein Gehilfe der Freude werden. Selbst im Himmel und bei solchen Gesch&ouml;pfen, 
deren Leben nicht nach Zeiten und Geschlechtern, sondern nach Weltw&auml;hrungen 
abgemessen und gerechnet wird, ist das, was GOtt zu der Menschen Seligkeit 
verordnet hat, ein Geheimnis gewesen, und mit Begierde erwartet worden. 
So ist auch unter den Menschen von einem Geschlecht auf das andere viel 
Warten gewesen, wie der Segen unter alle V&ouml;lker der Erde kommen werde? 
GOtt verherrlicht sich an den Menschen vornehmlich durch Gnade und Wahrheit. 
Wer die Herrlichkeit GOttes kennen lernen will, mu&szlig; Ihn in seiner 
Gnade und in seiner durch Erf&uuml;llung seiner Verhei&szlig;ungen bew&auml;hrten 
Wahrheit kennen lernen. Der <i>Reichtum</i> 
dieser herrlichen Gnade und Wahrheit hat sich allermeist im Beruf der Heiden 
geoffenbart, beim Ausgehen der Knechte an die Z&auml;une und Landstra&szlig;en, 
das Haus von Geladenen voll zu machen. Darum ist der unter den Heiden gepredigte, 
von ihnen geglaubte und durch den Glauben in ihnen zu wohnen gekommene 
Christus ein &uuml;berzeugender Beweis von dem herrlichen Reichtum. So 
viel Gutes man aus dieser Gemeinschaft jetzt schon genie&szlig;t, so ist 
doch das H&ouml;chste und Beste der Hoffnung erst noch vorgehalten.<i> 
Christum f&uuml;r uns</i> <i>(V. 14, 
20 - 21)</i> und <i>Christum in uns</i> 
verk&uuml;ndigen wir nach dem jetzigen Genu&szlig; und nach der noch weiter 
daran h&auml;ngenden Hoffnung. <i>Ermahnen</i> 
erweckt mehr den Willen; <i>Lehren</i> 
erleuchtet mehr den Verstand; durch Beides, an jedem einzelnen Menschen 
gebraucht, wird das ganze Herz des Menschen zur &Uuml;bergabe an GOtt aufgefordert. 
Sch&ouml;ner, hoher Zweck, gro&szlig;e Nutzbarkeit des Predigeramts, einen 
jeglichen Menschen vollkommen darstellen in Christo JEsu. Wie gar etwas 
anderes, als wenn man einen blo&szlig; zum Handlanger der weltlichen Obrigkeit 
machen will, der auch mit ihr den Lastern steuern, Gehorsam, gute Ordnung, 
Arbeitsamkeit im menschlichen Leben aufbringen soll. O " in Christo JEsu 
dargestellt", geht weiter! Nicht nur so an Andere hingelehnt, mit und von 
ihnen fortgeschleppt, sondern da&szlig; einem selbst auf die F&uuml;&szlig;e 
geholfen ist, JEsum, und was man an Ihm hat, recht kennt, nach Herz und 
Sinn v&ouml;llig in Christo ist, und so zu einem ungekr&auml;nkten Fortgang 
in seinem Gnadenlauf bis zum Ziel seiner Hoffnung ausger&uuml;stet ist. 
Das kostet <i>Arbeiten</i> mit Anstrengung 
aller Kr&auml;fte, und Verleugnung aller Gem&auml;chlichkeit; <i>Ringen</i>, 
innerlich im Gebet vor GOtt <i>(Kap. 1, 
9.  4, 12)</i> und &auml;u&szlig;erlich zum Durchbrechen durch so viele 
Hindernisse; aber beides <i>nach der Wirkung</i> 
des in uns wirkenden Geistes Christi. Wenn der dich wozu brauchen will, 
so steig in Kraft empor; wird JEsus in der Seele still, so nimm du auch 
nichts vor. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Kolosser 2,1-5</font></b></h4> 
 
<p><b>Was der Apostel n&auml;chst zuvor von seinem Amtseifer und 
dessen guter Absicht &uuml;berhaupt bezeugt, das deutet er nun noch n&auml;her 
auf die besondere Sorgfalt, die er der Kolosser halben trage.</b> 
 
<p>Lehrer, als Engel der Gemeinden, erinnern sich bei diesem ihrem schriftm&auml;&szlig;igen 
Namen &ouml;fters, da&szlig; wie der Engel Dienst unsichtbarlich geschieht, 
so dient ein Lehrer gern, wenn Niemand auf ihn sieht, und lassen daher 
gern Manches von ihren Amtsarbeiten und Amtsleiden unter dieser sicheren 
Decke der Verborgenheit laufen. Doch kann es auch Umst&auml;nde und Ursachen 
geben, warum man etwas davon wissen l&auml;&szlig;t, was im Verborgenen 
vorgeht. Seines Angedenkens vor GOtt, und das mit freudigem Lob, hat er 
sie oben <i>(Kap. 3, 1)</i> versichert. 
Der hier gemeldete Kampf aber betraf ihre Bewahrung und Wachstum an. Weil 
die Kolosser und Andere ihres gleichen das Evangelium nur von Epaphra empfangen 
hatten, so lag dem Apostel an, sie durch seine Beistimmung zu befestigen, 
und damit zugleich ihren Verf&uuml;hrern den Vorwand abzuschneiden, da&szlig; 
sie keinen Apostel zum Lehrer gehabt, und also um so eher etwas zur Erstattung 
ihres Mangels n&ouml;tig h&auml;tten. Auf das Herz, dessen Anfassung und 
erweckte Lust, haben die Apostel allermeist gearbeitet. Bei der sich immer 
wieder ansetzenden Tr&auml;gheit und H&auml;rtigkeit bedarf es &ouml;fteren 
Ermahnens. So lange das Herz des Menschen nicht zum Glauben geneigt wird, 
so schl&auml;gt keine andere Art der &Uuml;berzeugung bei ihm an. In nat&uuml;rlichen 
Dingen will der Mensch gern Alles mit eigenen Augen sehen, und besteht 
auf seiner eigenen Einsicht mehr, als auf dem, was ihm Andere sagen k&ouml;nnen. 
Im Reich der Gnade aber mu&szlig; man so weichen Herzens werden, da&szlig; 
man aus <i>Zusammenfassen in der Liebe</i> 
vieles von Anderen Erfahrenes annimmt. Doch damit auch diese Willigkeit, 
sich sagen zu lassen, nicht wieder mi&szlig;braucht, und darunter eine 
ungesunde oder doch gest&uuml;ckelte Lehre ausgebracht und festgesetzt 
werde: so verh&uuml;tet es der Apostel damit, da&szlig; er bei ihnen auf 
einen <i>Reichtum</i> und F&uuml;lle, 
auf eine eigene Festigkeit und <i>gewissen 
Verstand</i> dringt. Bei den Korinthern war mehr Einsicht und Wissen, 
aber weniger unterw&uuml;rfige und nach Anderen sich richtende Liebe. Deswegen 
hat er ihnen ihr Wissen beschnitten, und sie zum Erstarken in der Liebe 
angef&uuml;hrt. Bei den Kolossern war mehr lenksame Liebe, aber ohne genugsames 
Licht. Darum hat er einen Kampf, da&szlig; ihre folgsame Liebe nicht mi&szlig;braucht 
w&uuml;rde, sondern sie ge&uuml;bte Sinne zum Pr&uuml;fen erlangten. Doch 
begehrt sie Paulus in keine unbegrenzte Wissensbegierde hineinzujagen, 
dabei sie zuletzt nimmer w&uuml;&szlig;ten, was sie suchten; sondern nennt 
ihnen Eins, an dem sie genug zu lernen haben werden, n&auml;mlich das <i>Geheimnis</i>, 
daraus man <i>GOtt als Vater</i>, und 
seinen Sohn als <i>Christum</i> und Gesandten 
von Ihm kennen lernt <i>(Joh. 17, 3)</i>. 
Es ist ein Geheimnis: Niemand kennt den Sohn, denn nur der Vater, und Niemand 
kommt zum Sohn, es ziehe ihn denn der Vater <i>(Matth. 
11, 27)</i>. Darin flie&szlig;t dann alle  Herz und Gewissen stillende 
Erkenntnis, alle in guten Werken fruchtbare Weisheit zusammen. GOtt hat 
es darein gelegt, und dem betenden, suchenden, anklopfenden Glauben wird 
es daraus t&auml;glich dargereicht. Und das preist der Apostel so an, da&szlig; 
sie von diesem k&ouml;stlichen Eins Niemand verr&uuml;cke, und in das Mannigfaltige 
zerstreue, und durch beredten Vortrag und scheinbare Gr&uuml;nde glaublich 
mache, als ob in etwas anderem mehr Weisheit zu suchen w&auml;re. Bei all 
dieser ge&auml;u&szlig;erten Bek&uuml;mmernis verh&uuml;tet der Apostel 
doch gleich wieder, da&szlig; sie es nicht zu &auml;ngstlich n&auml;hmen, 
sondern vielmehr von seiner guten Zuversicht, in deren er ihrethalben stehe, 
versichert w&auml;ren. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Kolosser 2,6-10</font></b></h4> 
 
<p><b>Herzliche Ermahnung zum Bleiben in Christo und dringende 
Warnung, sich durch nichts von Christo und dem Genu&szlig; der vollen Gen&uuml;ge 
in Ihm abwendig machen zu lassen.</b> 
 
<p>Lieblicher k&ouml;nnte man den Glauben nicht beschreiben, als der Apostel 
hier tut: Ihr habt den HErrn JEsum Christum angenommen. Der ist freilich 
die gr&ouml;&szlig;te Gabe, wie deswegen die Liebe GOttes darin aufs H&ouml;chste 
gepriesen wird, da&szlig; er seinen eingeborenen Sohn gab. Dies verk&uuml;ndigt 
das Evangelium nicht nur, da&szlig; wir eine Nachricht davon haben, sondern 
wer das Evangelium aufnimmt, der kommt dadurch in eine Gemeinschaft mit 
Christo JEsu selbst, hat Ihn selbst angenommen, und bekommt Ihn im Herzen 
wohnhaft. Nehmen konnte sich das Niemand; aber weil es bereitet, gegeben 
und angeboten ist, so kann man es annehmen, und das steht uns wohl an. 
Dazu hat nun der Glaube alle F&ouml;rderung. Das Wort der Verhei&szlig;ung, 
darin Er als Christus, als der Gesalbte GOttes angemeldet worden ist, das 
Evangelium, das Ihn als JEsum mit Allem, was Er in der Welt zum Seligmachen 
des Verlorenen getan und gelitten hat, verk&uuml;ndigt, und das jetzt durch 
den Geist vom Himmel verkl&auml;rte Evangelium, darin Er als der HErr und 
vollendete Urs&auml;cher unserer ewigen Seligkeit vorgehalten wird.  Des 
Apostels Aufmunterungswort: <i>Wandelt in 
Ihm</i>, sagt noch mehr als die Nachfolge in seinen Fu&szlig;stapfen; 
deutet n&auml;mlich an, da&szlig; man zu solchem Wandeln, wie Er gewandelt 
hat, auch alle Kraft aus Christo nimmt, da&szlig; der Wandel eine aus Christo, 
dem Weinstock, gebrachte Frucht ist. Auch unter den beiderlei Abbildungen: 
<i>gewurzelt 
und erbaut in Ihm</i>, nimmt der Apostel Vieles zusammen. Denn das Gewurzeltwerden 
bildet uns ab, wie Alles wachst&uuml;mlich aus dem unverg&auml;nglichen 
Samen des Evangeliums, der sich Tag und Nacht, ohne des Menschen jedesmaliges 
Mitwirken, forttreibt, seinen Gang habe. Das <i>Erbautwerden</i> 
bildet uns auch des Menschen anzuwendenden Flei&szlig; und Treue ab. Der 
gro&szlig;e Wechsel, nach welchem Christus an unsere Statt getreten, und 
wir in Ihn versetzt sind, ist der Kern des ganzen Evangeliums. Jetzt darin 
gewurzelt, gegr&uuml;ndet und erbaut werden, bringt die Kraft, die unseren 
ganzen inneren Menschen belebt, und die des alten Menschen Gesch&auml;fte 
t&ouml;tet. Erkenntnis all des Guten, das man hat in Christo JEsu, macht 
den <i>Glauben fest</i> und kr&auml;ftig. 
Auf das, was man von Anfang an geh&ouml;rt, und was seine Kraft und Wahrheit 
durch die erste Ver&auml;nderung des Sinns schon bewiesen hat, findet man 
gar viel Zur&uuml;ckweisen in der Apostel Schriften. Und es ist eine versuchliche 
L&uuml;sternheit, wenn man an allem Fremden eher anbei&szlig;t, als beim 
vorigen Bew&auml;hrten aush&auml;lt. Der Glaube lebt blo&szlig; eines Anderen 
Gnade; darum schickt sich f&uuml;r ihn nichts besser, als <i>reichlich 
dankbar sein</i>. Je mehr uns so zum Fortkommen in des Glaubens Schranken 
die Hand geboten wird, je eher ist es zu verh&uuml;ten, da&szlig; man nicht 
von Anderer Ansehen geblendet und wie ein angeworbener <i>Raub</i> 
weggef&uuml;hrt wird und um seine aus Christo erlangte Freiheit kommt. 
Dergleichen raubm&auml;&szlig;iges Hinnehmen geschieht, wenn man viel von 
der gro&szlig;en Brauchbarkeit gewisser Einsichten r&uuml;hmt, und dabei 
die Begierden sehr reizt, ehe man noch den Grund und die Wahrheit derselben 
fa&szlig;licher dargetan hat. So ging es damals, da man Manches aus der 
heidnischen Weltweisheit entlehnte, sonderlich auch aus den Aufs&auml;tzen 
der alten Morgenl&auml;nder, und solche mit der Lehre Christi vermengte, 
unter der Hoffnung und dem scheinbaren Vorgeben, da&szlig; dadurch das 
Evangelium eine bessere Gestalt bekommen, &uuml;berzeugender werden, und 
den Weisen dieser Welt mehr Gen&uuml;ge tun werde. Und so gibt es immer 
eine neue Mode, wo man mit mehrerem Schein der Weisheit die menschliche 
Wissensbegierde vergn&uuml;gen und etwas aufstellen will, wobei man sich 
im Grund des Wissens mehr r&uuml;hmt, als des Glaubens. Weil aber all dergleichen 
neue Trachten mehr versprechen, als sie wirklich halten, so hei&szlig;t 
es der Apostel <i>lose Verf&uuml;hrung</i>, 
oder eine falschber&uuml;hmte Kunst, die nichts Weiteres gibt, und den 
Geschmack an den vorigen gesunden Worten und Wahrheiten wegraubt. Unter 
den <i>Weltsatzungen </i>versteht der 
Apostel nicht zun&auml;chst s&uuml;ndliche Gewohnheiten oder verderbliche 
Grunds&auml;tze der Welt, sondern hergebrachte und in der Welt fortgepflanzte 
Meinungen, die in vorigen Zeiten zu etwas m&ouml;gen Dienst getan haben, 
die aber mit dem jetzigen Licht des Evangeliums nicht sollten verglichen 
oder vermengt werden. Denn zur Zeit, da GOtt alle Heiden ihre eigenen Wege 
wandeln lie&szlig;, verlieh Er doch gewisse Fu&szlig;stapfen, darunter 
man etwas von Ihm und seiner Wahrheit aufsuchen konnte. Das war von seiten 
GOttes zu brauchbaren Anfangsgr&uuml;nden verliehen, von Seiten der Menschen 
aber ist es nicht so rein geblieben. Und wenn man nun das als kostbare 
&Uuml;berbleibsel aus dem Altertum anpreisen wollte, so w&auml;re das eben 
so viel, als wenn man Jemand &uuml;ber einen Haufen Auskehricht hinsetzen 
wollte, um ein darin verlorenes Perlein herauszusuchen; und so protestiert 
nun der Apostel, da&szlig; dies Zeug keine Weisheit sei nach Christo, nicht 
nach dem Vorbild seiner heilsamen Lehre, nicht aus seinem Geist, nicht 
mit der Beweisung der Kraft, die der Lehre Christi eigen ist, nicht da&szlig; 
es zu Christo f&uuml;hrt, in welchem ja alles beisammen anzutreffen ist. 
Denn was der Vater dem Sohn, als seinem vollkommenen Ebenbild gegeben hat, 
das hat Er Alles auch in den heiligen Tempel seiner Menschheit gelegt, 
um von dort aus &uuml;ber uns auszuflie&szlig;en. Darum Ihn kennen, Ihn 
brauchen, von Ihm r&uuml;hmen lernen: Ich habe Alles in Ihm, aber bin freilich 
auch an das Nehmen von Ihm, an das Bleiben in Ihm gewiesen; das ist der 
lautere evangelische Sinn, dem wir nachzujagen haben. Von dieser Herrlichkeit 
des HErrn JEsu zieht der Apostel das vorz&uuml;gliche St&uuml;ck an: da&szlig; 
<i>Er 
das Haupt aller F&uuml;rstent&uuml;mer und Obrigkeit sei</i>; weil ihnen 
unter der losen Verf&uuml;hrung auch Vieles von engelischen und anderen 
himmlischen Kr&auml;ften aufgedrungen wurde, wodurch die Kluft zwischen 
GOtt und uns ausgef&uuml;llt werden mu&szlig;te. Dagegen behauptet der 
Apostel, wir haben Alles an Christo, mit dem wir in unmittelbarer Gemeinschaft 
stehen, und unter welchen, als das Haupt, sich auch die vornehmsten Engel, 
als unsere Mitknechte, hinstellen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Kolosser 2,11-17</font></b></h4> 
 
<p><b>Die F&uuml;lle der Gnade in Christo, besonders aus der Gemeinschaft 
mit seinem Tod, Begr&auml;bnis und Auferstehung, und was daran f&uuml;r 
Freiheit vom Gesetz, vom b&ouml;sen Gewissen, von der Obrigkeit der Finsternis 
h&auml;nge, und wie wir so getrost in solcher Freiheit bestehen sollen.</b> 
 
<p>Die<i> Beschneidung</i> im Alten Testament 
war eine mit dem Bund und Verhei&szlig;ung GOttes vers&uuml;&szlig;te Bu&szlig;predigt 
&uuml;ber unsere s&uuml;ndliche Empf&auml;ngnis und Geburt und &uuml;ber 
Alles durch die Fleischeslust im Menschen angerichtete Verderben. Sie betraf 
zwar nur die Vorhaut des Fleisches, war aber doch ein feierliches Bekenntnis, 
da&szlig; das ganze s&uuml;ndliche Fleisch m&uuml;sse abgetan, und die 
Herrschaft der S&uuml;nde in unseren Gliedern abgeschafft werden. Da man 
nun den  zum Glauben an das Evangelium gebrachten Kolossern die Beschneidung 
als zur Seligkeit n&ouml;tig aufdringen wollte, so sagt der Apostel: Das 
was bei der Beschneidung zu suchen w&auml;re, das habt ihr vollkommen in 
Christo; <i>in Ihm seid ihr beschnitten</i>, 
auf eine Weise mit Kraft und Segen, so alles Vorige weit &uuml;bertrifft. 
Die Beschneidung im Alten Testament geschah mit der Hand und scharfen Messern, 
und hinterlie&szlig; am Leibe eine Wunde und Narbe. Diese Beschneidung 
aber wurde durch das Evangelium und den dazu gegebenen Glauben bewirkt, 
und also ohne H&auml;nde, und ohne sichtbare am Leib des Menschen haftende 
Spur. Durch das Abtun der Vorhaut bei der Beschneidung im Alten Testament 
wurde abgebildet, da&szlig; k&uuml;nftig eine Hilfe aus der S&uuml;nde 
geschafft werden solle, wodurch die Macht der S&uuml;nde in allen unseren 
Gliedern gebrochen, und ein neues Leben im Geist angelegt w&uuml;rde, wobei 
man sich vom Fleisch und seinem Sinn scheiden, und endlich ganz davon loskommen 
w&uuml;rde. Diesen Segen des Evangeliums hei&szlig;t hier der Apostel <i>die 
Beschneidung Christi</i>, n&auml;mlich nicht die, so er am achten Tag 
selbst an seinem Fleisch vornehmen lie&szlig;, sondern die von Christo 
in seinem Reich nun eingef&uuml;hrte und g&uuml;ltige Beschneidung, die 
im Folgenden sogleich als eine Gemeinschaft mit Christi Tod und Grab beschrieben 
wird. Das Begr&auml;bnis geschah bei Christo zur Best&auml;tigung seines 
Todes und daneben zum Ablegen der bis an das Kreuz und in den Tod hineingetragenen 
Gestalt des s&uuml;ndlichen Fleisches. Wenn uns nun hier eine Gemeinschaft 
mit Christi Begr&auml;bnis zugeschrieben wird; so wird dabei freilich Gemeinschaft 
mit seinem Kreuz und Tod vorausgesetzt. N&auml;mlich am Kreuz und in seinem 
Tod ist der HErr JEsus allermeist als Der behandelt worden, den GOtt f&uuml;r 
uns zur S&uuml;nde gemacht hat. Im Grab aber hat er die bisher getragene 
&Auml;hnlichkeit des s&uuml;ndlichen Fleisches abgelegt, und sich in dieser 
Kammer ins Leben der Herrlichkeit umgekleidet. In diesem Allem aber handelte 
Er als in unserer Person, und das Evangelium, das er uns nun davon predigen 
l&auml;&szlig;t, hei&szlig;t uns glauben, wir seien mitgekreuzigt, mitgestorben, 
mitbegraben; wir d&uuml;rfen uns daf&uuml;r halten, und dorther unsere 
Vers&ouml;hnung und Rechtfertigung, auch unsere Macht, das Fleisch gekreuzigt 
zu halten, herrechnen. Sobald wir uns daf&uuml;r halten, da&szlig; wir 
mit Christo gekreuzigt, gestorben und begraben seien, so werden wir uns 
auch darnach halten. Dies beides wird durch den  dem Evangelio gegebenen 
und in der Taufe best&auml;tigten <i>Glauben</i> 
in Richtigkeit gebracht, und durch jedesmalige Erneuerung unseres Taufsegens 
mit jeder  im guten Gewissen an GOtt gemachten Ansprache behauptet; und 
GOtt genehmigt und versiegelt es durch seinen Geist. Ist das nicht genug? 
Wer will bei der Beschneidung mit den H&auml;nden etwas gewinnen, das man 
nicht in JEsu und in dieser neutestamentlichen Beschneidung genie&szlig;t? 
Im Grab hat Christus die Gestalt des s&uuml;ndlichen Fleisches abgelegt, 
und sein himmlischer Vater hat Ihn am dritten Tag von den Toten ausgef&uuml;hrt, 
und Ihn dadurch gerechtfertigt, oder aus aller Schmach und Schwachheit, 
in deren ER gekreuzigt ward, genommen, und Ihn kr&auml;ftiglich als den 
Sohn GOttes erwiesen, durch den nun Alle zu GOtt kommen, und der der Urs&auml;cher 
ewiger Seligkeit sein w&uuml;rde; deswegen Er nun auch in seinem Namen 
durfte Bu&szlig;e und Vergebung der S&uuml;nden unter allen V&ouml;lkern 
predigen lassen. Damit ist nun auch &uuml;ber uns die Rechtfertigung des 
Lebens gebracht, oder der gro&szlig;e Gnadenrat GOttes festgesetzt worden, 
da&szlig; wir in Dem leben sollen, der f&uuml;r uns gestorben und auferstanden 
ist. Das Alles zusammen ist kein eigenm&auml;chtiger Gedanke, den sich 
Jeder geschwind aus eigener Vernunft und Kraft machen k&ouml;nnte, sondern 
es wird auf den Ruf des Heiligen Geistes durch das Evangelium mit Glauben 
gefa&szlig;t, welcher Glauben des Herzens aus solchem Wort der Gnade ist, 
und eine ganz neue Kreatur in Christo austr&auml;gt. Bei der <i>Wirkung 
solches Glaubens</i> beweist GOtt eben die Kraft, die ER in der Auferweckung 
Christi bewiesen hat <i>(Eph. 1, 19 + 20)</i>. 
Um Ihnen nun diesen Glauben und dessen Wirkungen im Herzen, aber auch die 
Vers&auml;umnis dieser Gnade, desto bedenklicher zu machen, h&auml;lt er 
ihnen noch einmal ihr tiefes Verderben von Natur vor, und wie doch keiner 
um seiner von Adam her geerbten Vorhaut seines Fleisches, auch nicht um 
aller davon ausgebrochenen wirklichen S&uuml;nden willen in das Verderben 
kommen, sondern GOtt ihm vorher &uuml;ber dies Alles ein Nichtzurechnen, 
Schenken und Vergeben anbieten lasse, und erst der Unglaube, oder die Verachtung 
und Vers&auml;umnis dieser Vergebungsgnade einen Menschen verdammen.  
Wie gr&uuml;ndlich es aber bei diesem Nichtzurechnen oder Schenken <i>aller 
S&uuml;nden</i> zugehe, stellt der Apostel nun weiter durch die ausgetilgte 
und aufgehobene <i>Handschrift</i> vor. 
Durch eine Handschrift n&auml;mlich und derselben Aufweisen wird ein Schuldner 
so eingetrieben, da&szlig; er sich schuldig geben mu&szlig;. So hat GOtt 
mit seiner Schrift und heiligen Gesetz Alles beschlossen unter die S&uuml;nde, 
und der Mensch kann dieser Kraft des Gesetzes nicht ausweichen, sondern 
mu&szlig; sie in seinem Gewissen gelten lassen, mithin nicht nur die gerechte 
und heilige Anforderung des Gesetzes, sondern auch die Beschuldigung, Fluch 
und Strafank&uuml;ndigung daraus &uuml;bernehmen, und sich dazu bekennen. 
Dadurch entsteht eine Handschrift, durch die GOtt, so oft Er mit uns in 
das Gericht geht, unsere S&uuml;nden und Schulden liquid und unleugbar 
machen, unseren Mund stopfen, und sich uns schuldig machen kann. <i>Diese 
Handschrift ist wider uns und uns entgegen</i>, sie greift uns wirklich 
an, treibt uns mit ihrer Anklage ein, oder liegt doch als ein Zeugnis da, 
das sich heute und morgen wider uns aufmachen kann. Von den j&auml;hrlichen 
Opfern am Vers&ouml;hnungstag sagt der Apostel <i>(Hebr. 
10, 2 + 3)</i> es sei dadurch ein Ged&auml;chtnis der S&uuml;nden geschehen, 
und wenn die, so da opfern, kein Gewissen von der S&uuml;nde mehr gehabt 
h&auml;tten, so h&auml;tte das Opfern aufgeh&ouml;rt. So aber haben sie 
damit ihren Schuldbrief j&auml;hrlich erneuern m&uuml;ssen. Durch die im 
Evangelium festgesetzten Schl&uuml;sse und ausgek&uuml;ndigten Frieden 
aber ist diese Handschrift ausgetilgt, und als am Kreuz durchl&ouml;chert 
und <i>aus dem Mittel getan</i> ausgek&uuml;ndigt 
worden. Das Durchl&ouml;chern und Zerrei&szlig;en einer Handschrift benimmt 
ihr schon ihre G&uuml;ltigkeit und Beweiskraft, doch kann man sie noch 
weiter kassieren, und aus dem Mittel tun. So ist am Kreuz unsere Schuld 
und Strafe aufgehoben, die Missetat vers&ouml;hnt, und also die Handschrift 
angeheftet worden. Da GOtt aber unseren B&uuml;rgen und Z&auml;hler durch 
die Auferstehung gerechtfertigt hatte, so hatte Er die  von Ihm &uuml;bernommene 
Handschrift und Schuldbrief v&ouml;llig aus dem Mittel getan. Mit einer 
Sicherheit, welche sich die S&uuml;nde nur aus dem Sinn schlagen will, 
wird die Handschrift nicht getilgt <i>(1.Joh. 
1, 10)</i>. Eingestehen der Schuld, Verspruch der Besserung hilft auch 
nicht, schreibt nur eine neue Handschrift, die dem Menschen hintennach 
bei dazu kommender Untreue und Schwachheit, sein Versprechen zu halten, 
nur desto mehr Not macht. Der Glaube, den GOtt wirkt <i>(V. 
12), </i>vernimmt, mit vorg&auml;ngiger Beugung unter GOttes Gericht, 
mit Eingest&auml;ndnis seiner auch im Gewissen haftenden Handschrift, dasjenige, 
was am Kreuz seinethalben vorgegangen ist, kriecht zum Kreuz herzu, und 
empf&auml;ngt den Segen des Neuen Testaments in Freiheit vom b&ouml;sen 
Gewissen und vom Gesetz, das die Kraft der S&uuml;nde ist, und alle diejenigen 
verfolgt und hebt, die sich auf einem eigenen Weg helfen wollen.  Unter 
<i>F&uuml;rstent&uuml;mern 
und Gewaltigen</i> deutet die apostolische Rede sonst auch gute Engel 
an, hier aber kommen Ausdr&uuml;cke vor, die nur von Feinden und deren 
gewaltiger Niederlage gebraucht werden k&ouml;nnen. Daher man hier den 
Teufel und seine Engel, die auch eine reichsm&auml;&szlig;ige Verfassung 
unter sich haben, verstehen mag. Bei diesen aber hat man nicht nur an ihr 
Werk und Gesch&auml;ft in diesem oder jenem Kind des Unglaubens zu denken, 
sondern mu&szlig; das Reich der Finsternis mehr in seiner Ausbreitung und 
Einwirkung &uuml;ber den ganzen Erdboden ansehen. Diesen in Verf&uuml;hrung 
der Menschen und Aufhalten der Wahrheit gesch&auml;ftigen Feind hat Christus 
&uuml;berwunden, und ihm seinen Harnisch, darauf er sich verlie&szlig;, 
ausgezogen. Der Anfang zu diesem Sieg wurde schon in der gro&szlig;en Versuchung 
in der W&uuml;ste gemacht, und durch das ganze Leben Christi fortgesetzt, 
bis es unter dem letzten Leiden und bei JEsu Tod zur v&ouml;lligen Entscheidung 
kam, welche, das &uuml;ber die Welt ergehende Gericht hei&szlig;t, wobei 
der F&uuml;rst dieser Welt ausgesto&szlig;en ward <i>(Joh. 
12, 31)</i>. Vor GOtt dem himmlischen Vater lief es durch das Gericht, 
und auf Seiten des zum neuen Stammvater des menschlichen Geschlechts gesetzten 
K&auml;mpfers ging es durch viel Gehorsam, Geduld und Verleugnungstreue. 
Gleich nach dem Tod Christi zeigten sich im Unsichtbaren Wirkungen, da&szlig; 
Er von keinen Todes = und H&ouml;llen = Banden k&ouml;nne gehalten werden, 
vielmehr Er in seinem lebendig gemachten Geist sich auch in dortigen Gegenden 
als das Haupt zeigte, unter das k&uuml;nftig Alles verfa&szlig;t werden 
sollte. Durch seine Auferstehung und Himmelfahrt aber ging dieser Sieg 
noch weiter. Denn da GOtt den  durch Leiden des Todes vollendeten Herzog 
der Seligkeit mit Preis und Ehre kr&ouml;nte, und Ihn &uuml;ber Tote und 
Lebendige zum HErrn setzte, so wurde damit der Teufel, der bisher des Todes 
Gewalt hatte und darunter viel finstere Kr&auml;fte aus&uuml;bte, als besiegt 
aufgef&uuml;hrt. Daher es auch von dem  in der ganzen Welt gepredigten 
Evangelium einen Hauptteil ausmacht, da&szlig; der F&uuml;rst dieser Welt 
gerichtet sei. Und das geht nun so fort, bis es zu dem Sieg, wird hinausgef&uuml;hrt 
sein (<i>Offb. 20)</i>. Aber auch diese 
an sich so tief in das Unsichtbare hineinreichenden Nachrichten und Wahrheiten 
sind nicht zum leeren Wissen, sondern zu einer t&auml;tigen Weisheit verliehen, 
die der Apostel nun gleich daraus herleitet.  <i>Niemand</i>, 
sagt er: Es gibt n&auml;mlich oft besonders hoff&auml;rtige Geister, die 
nicht ohne eine solche Unterst&uuml;tzung aus dem Unsichtbaren sich viel 
&uuml;ber Andere herausnehmen. Aber der Apostel dr&uuml;ckt Alles nieder. 
Niemand, sagt er, richte es so, da&szlig; ihr euch mit eurem <i>Gewissen</i> 
unter sein Urteil hinunter gebt. Auch nur nach der Natur ist es so etwas 
Edles um das Gewissen, noch mehr, wenn es durch das Blut Christi gereinigt 
ist, da&szlig; man es unter keinen Menschen hinuntergeben soll. Freilich, 
wo mir Jemand dartun kann, da&szlig; ich nicht nach der Wahrheit des Evangeliums 
wandle, da hat auch ein Petrus sich unter eine Bestrafung Pauli hinunter 
zu geben; aber in Dingen, worin GOtt seiner Kinder Herz nicht beschwert 
haben will, da soll man sich nicht richten lassen. In Liebe nachgeben k&ouml;nnte 
man. Aber wenn der Andere eine Unterw&uuml;rfigkeit des Gewissens fordert, 
da hat man ihm zu zeigen, da&szlig; ein gutes Gewissen kein bl&ouml;des 
Gewissen ist. Auch unter dem Vorwand der geistlichen Gemeinschaft kann 
man sich zu viel &uuml;ber Andere herausnehmen. Lauterkeit, Eintracht und 
Freiheit m&uuml;ssen uns immer die rechten Schranken setzen. Lauterkeit, 
die GOtt sucht, und an Sein Wort sich h&auml;lt, und das Heil in Christo 
ergreift, als ob ich allein in der Welt w&auml;re, den es anginge; Eintracht, 
die sich an alle zu gleichem Ziel Berufene und Laufende mit dienstfertiger 
Liebe anschlie&szlig;t; Freiheit, die Keinen an sich bindet, und an keinen 
sich h&auml;ngt in Dingen, die mich in verordnetem Lauf weder hindern noch 
f&ouml;rdern.  Hinter dem Enthalten von <i>Speise 
und Trank</i> konnten auch b&ouml;se Geister stecken. Man vergleiche 
<i>1.Tim. 
4</i>. Denn es gibt gro&szlig;en und leeren Schein, und greift den fleischlichen 
Sinn nicht in seiner Wurzel an. Der Sabbat und dessen Feier stammte freilich 
schon vom Paradies her, und wurde zum Angedenken der Sch&ouml;pfung und 
der in GOtt zu suchenden Ruhe gestiftet. Bei der Gebung des Gesetzes aber 
wurde die Sabbatfeier nicht nur erneuert, sondern auch mit vielen neuen 
Umst&auml;nden belegt. Seitdem machte der Sabbat auch einen Teil von der 
zwischen Israel und den anderen V&ouml;lkern gemachten Schiedwand aus. 
Da nun der HErr JEsus kam, und im Evangelium den Frieden predigte, um die 
zerstreuten Kinder GOttes zusammen zu bringen, so brach Er, wie andere 
Z&auml;une, also auch den  mit dem levitischen Gottesdienst zusammenh&auml;ngenden 
Sabbat ab; l&ouml;ste damit aber nichts von dem Gesetz und den Propheten 
auf, sondern erf&uuml;llte, f&uuml;hrte es dem Geist und der Kraft nach 
h&ouml;her, aber doch im Gewissen freier; davon die Verlegungdes Sabbatsauf 
den Sonntageine entscheidende Probe gab. Wer also hinter dem Vorwand des 
Sabbats sich stecken, und auch anderen Unterschied der Zeiten, wie ein 
Joch, auflegen wollte, dem mu&szlig;te man so begegnen, wie der Apostel 
hiermit tut, und sagt: Unterschied der Speisen, der Zeiten und dergleichen 
hat wohl als ein <i>Schatten</i> dienen, 
schattenm&auml;&szlig;ig abbilden k&ouml;nnen, da&szlig; GOtt an denen, 
die zu Ihm nahen, geheiligt sein wolle, da&szlig; sich sein eigent&uuml;mliches 
Volk nicht gemein machen solle; es hat auch die Anbetung GOttes darunter 
gef&ouml;rdert, und die k&uuml;nftige Ruhe darunter abgebildet werden k&ouml;nnen; 
<i>aber 
der K&ouml;rper</i>, das Wesen, die Wahrheit, die bis zur Vollendung 
des Gewissens hinreichende Reinigkeit zc. <i>ist 
in Christo</i>. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Kolosser 2,18-23</font></b></h4> 
 
<p><b>Weitere Ermahnung, &uuml;ber seiner Gewissensfreiheit 
zu halten, und sich durch keinerlei Vorwand unter ein neues Joch fangen 
zu lassen.</b> 
 
<p>Bei den alten Kampf = und Lauf = Spielen waren auch solche Aufseher, 
welche Andere anfrischten, ihnen einen guten Vorteil zeigten, und sie mit 
dem Kleinod aufmunterten. Daher nimmt nun der Apostel Anla&szlig;, sie 
zu verwarnen, da&szlig; sie in ihrem Christenberuf und Kampf Niemand eine 
solche falsche Meisterschaft an ihnen aus&uuml;ben m&ouml;chte, und sie 
Keinem gestatteten, ihnen so vorzuschreiben, und sie wohl gar mit dem Verlust 
des Kleinods zu bedrohen, um sie in seine geisttreiberische Sachen hineinzujagen. 
Davon macht er jetzt besonders die Verehrung der Engel namhaft, die man 
unter dem Schein der Demut und Sinnes = Niedrigkeit aufdringen wollte, 
als ob wir nicht so geraden Zugang zu GOtt und seiner Gnade nehmen, sondern 
uns dieser Vermittlung aus schuldiger Demut bedienen sollten. Aber die 
eigene Wahl, die darunter steckt, verderbt Alles. Die eigene Wahl macht 
selbst die Demut zur Aufgeblasenheit. Es hat ein Jeder so eine eigene Herzens 
= Ecke, darin schnelle Vorurteile stecken, die in nat&uuml;rlichen und 
geistlichen Dingen geschwind ausbrechen, und nach denen man hurtig auf 
etwas hinfallen, oder unbedachtsam etwas wegsch&auml;tzen kann. Bei der 
t&auml;glichen Ver&auml;nderung und Erneuerung unseres Sinns soll es eine 
Haupt&uuml;bung ausmachen: Brich der Natur Gewalt entzwei, und mache von 
mir selbst mich frei! Damit man doch in Allem unter GOtt, unter den Ausschlag 
seines Worts, unter die zarten Triebe seines Geistes gebeugt sei. Es ist 
aus Verschonung GOttes gegen uns geschehen, da&szlig; er uns in seinem 
Wort nicht zu viel &uuml;berladen hat mit dem, dessen wir keines gesehen 
haben. Wer diese M&auml;&szlig;igung der gel&auml;uterten Worte GOttes 
nicht erkennt, sondern sich aus anderw&auml;rtigem Vorrat Kenntnisse zu 
sammeln meint, da&szlig; er in diesem Allem wie daheim zu sein sich einbildet, 
der verf&uuml;hrt sein Herz und Andere mit. Denn &uuml;ber Allem, was man 
Eigenes zu haben meint, sollte es auch eine eigene Demut sein, wird man 
aufgeblasen. Und so kann der fleischliche, eigenliebige, kurzsichtige Menschensinn 
auch an geistlichen Dingen eine Nahrung f&uuml;r sich suchen. Aus dem Haupt 
Christo, und der oben gepriesenen F&uuml;lle der Gnade in Ihm flie&szlig;en 
alle Kr&auml;fte des Lebens, des Lichts, der Erkenntnis, des Muts zur Bekenntnis, 
der Gewi&szlig;heit, der Festigkeit zc. aus; und da die Glieder, die diesen 
Leib ausmachen, in mancherlei Verbindung miteinander stehen, und einander 
von unterschiedlichen Seiten anfassen k&ouml;nnen, so gibt das Gelenke 
und Fugen, dadurch man Handreichung empf&auml;ngt, und auch wieder &uuml;ber 
Andere ausflie&szlig;en l&auml;&szlig;t. Und darunter treibt sich ein Wachstum 
GOttes; anfangs unansehnlich, unmerklich; aber anhaltend, gleich in alle 
Glieder und Kr&auml;fte, da&szlig; es ein Starkwerden am inwendigen Menschen, 
nicht nur an einem in eigener Wahl herausgenommenen Glied hei&szlig;t; 
und wer sich bei diesem Wachstum auch an Andere h&auml;lt, seine Einsichten, 
Gaben, Triebe von Anderen auch pr&uuml;fen l&auml;&szlig;t, aus ihren Gaben, 
Einsichten, Zeugnissen sich zu erwecken, zu l&auml;utern bedacht ist, der 
wird darunter von mancher Eigenheit verwahrt.  Von den Satzungen der Welt 
haben wir schon oben geh&ouml;rt, da&szlig; der Apostel hierdurch nicht 
den eitlen Wandel nach v&auml;terlicher Weise und s&uuml;ndliche Gewohnheiten 
versteht, sondern die aus den ersten Unterweisungen GOttes durch Wort und 
Werk gezogenen Lehren, und daher in der Welt fortgepflanzte Meinungen, 
worunter sich zwar bei allen V&ouml;lkern noch etwas von Religion, Gottesdienst, 
Begierde GOtt zu vers&ouml;hnen zc. erhalten hat, aber das eben, wie sogar 
der in die Augen fallende Opferdienst Alten Testaments nach der damaligen 
Minderj&auml;hrigkeit des Volks eingerichtet war. Von solcherlei &Uuml;bungen 
und dem Gesuch eines Trostes und Vertrauen darauf wird man nicht gr&uuml;ndlich 
los, wenn man sich blo&szlig; im Unglauben losrei&szlig;en will. Das sieht 
man an denen, welche aus dem Unglauben wieder so schnell auf den Aberglauben 
kommen, d. i. die, wenn sie das Einemal im Unglauben alle Seile zerrei&szlig;en, 
und alle Bande der Wahrheit von sich werfen wollen; so suchen sie &uuml;ber 
eine Weile wieder bei einbrechender Not ihres Gewissens in den schw&auml;chsten 
Satzungen der Welt bei Gel&uuml;bden, Fasten, Almosengeben, einen Trost. 
Aber mit Christo diesen Weltsatzungen absterben, das tr&auml;gt wahre Freiheit 
aus. N&auml;mlich da Christus am Kreuz die S&uuml;nde weggenommen, und 
eine ewige Erl&ouml;sung gebracht hat, da sind wir in Freiheit gesetzt 
worden, da&szlig; wir Vers&ouml;hnung, Vergebung, Friede des Gewissens, 
Zugang zu GOtt, Dienst GOttes im Geist nicht in dergleichen d&uuml;rftigen 
und die S&uuml;nde nirgends in ihrer Wurzel angreifenden &Uuml;bungen suchen 
d&uuml;rfen. Wer mit Christo gestorben ist, darf seinem alten Menschen 
nicht erst durch Abbruch einer Speise oder durch Anlegung einer rauhen 
Kleidung oder &Uuml;bernahme einer beschwerlichen Wallfahrt und dergleichen 
wehe tun, oder ihm den Tod drohen. Gemeinschaft mit Christo Tod reicht 
auf einmal weiter, und trifft dem alten Menschen das Herz, und bricht damit 
auch die Macht der S&uuml;nde hundertmal mehr, als durch Beobachtung aller 
solcher Weltsatzungen geschehen k&ouml;nnte. Daher bringt auch Gemeinschaft 
mit Christi Tod eine solche rechtm&auml;&szlig;ige Freiheit davon, weil 
man nichts dem Fleisch und dessen L&uuml;sten Vorteilhaftes, sondern nur 
dem Geist und dessen Verlangen Erquickliches darunter sucht. Aus der Gemeinschaft 
mit Christi Tod aber entsteht ein in GOtt verborgenes Leben <i>(Kap. 
3, 3)</i>, wobei man GOtt im Geist dient, und mit seiner Freiwilligkeit, 
GOtt zu dienen, und mit seinem Ernst, des Fleisches Gesch&auml;fte zu t&ouml;ten, 
ganz auf das Innere gerichtet ist. Durch Hingeben unter &auml;u&szlig;erliche 
Satzungen aber gibt es ein Leben, das mehr von au&szlig;en etwas gleich 
sieht, hinter dem aber von Innen wenig Nachdruck ist. Darum fragt nun der 
Apostel: Warum tut ihr, als m&uuml;&szlig;tet ihr euer Leben nach dem &auml;u&szlig;erlichen 
Schein richten, als wolltet ihr die F&uuml;hrung eures Christentums in 
das Weltm&auml;&szlig;ige, Geschminkte und Theatralische ausarten lassen? 
Die Worte, die der Apostel anf&uuml;hrt: Du sollst das nicht angreifen 
zc. m&ouml;gen entweder die eigenen Worte solcher Gesetztreiber gewesen 
sein, oder mag es ihnen der Apostel damit ihnen auf der schwachen Seite 
vorhalten, damit sie desto eher nachd&auml;chten, ob denn das zur Gemeinschaft 
mit GOtt so besonders f&ouml;rdern, ob man mit dieser Sorgfalt, sich hierin 
nicht zu beflecken, so viel gewinnen werde? Was zum Munde eingeht, sagt 
der Heiland, das verunreinigt den Menschen nicht; und so sagt der Apostel, 
in dem, was sich so schnell unter den H&auml;nden verzehrt, ist nicht so 
viel zu suchen, als diese Weltsatzungen darein setzen. Wem es Ernst ist, 
sein Fleische anzugreifen, der mu&szlig; es in solchen Gesch&auml;ften 
tun, die aus dem Herzen herauskommen. Aber Menschengebot und Lehre besch&auml;ftigt 
sich eben mit dem &Auml;u&szlig;erlichen, und trifft weder den Hauptsitz 
der S&uuml;nde, noch das Gesch&auml;ft der Gnade. Inmittelst k&ouml;nnen 
doch die, so es gebieterisch treiben, und die, so sich davon gefangen nehmen 
lassen, sich einen Schein der Weisheit geben. Denn, wenn es nur etwas anders 
ist, als die zum Seligmachen von GOtt beliebte t&ouml;richte Predigt des 
Kreuzes, so erlangt es unter den Menschen leicht einen Schein und Ruf der 
Weisheit. Aber was ist es? Da kommt alle zehn Jahre eine andere Mode auf, 
und &uuml;ber eine Weile wird eine alte Mode wieder neu; wie man jetzt 
heut zu Tage wieder mit der Geisterwelt und Nachrichten daraus sich einen 
Schein der Weisheit geben kann; und was man hernach aus R&uuml;cksicht 
auf solche Dinge f&uuml;r selbst erw&auml;hlte Demut &uuml;ben, und Eigenes 
haben will. Bei Enthaltung von Speise und Trank, bei &Uuml;bernahme der 
Beschneidung an Erwachsenen schien es &uuml;ber den Leib hart herzugehen. 
Der Apostel aber tut doch den ernstlichen Ausspruch dar&uuml;ber: Es ist 
in keinem Wert; vergeblich dienen sie mir, spricht GOtt; in Christo JEsu 
gilt nichts: Denn das Fleisch und sein Sinn sucht und findet doch seine 
Ers&auml;ttigung darunter. Man kann dem Leib streng sein, aber das Fleisch, 
das Vertrauen auf das Fleisch, und den Dienst im alten Wesen des Fleisches, 
die Einbildung von sich selbst wird doch darunter gen&auml;hrt. Das Richten 
und Meistern &uuml;ber Anderer Gewissen verr&auml;t doch den fleischlichen 
Sinn. JEsus und sein Geist haben ein Treiben von anderer Art, &uuml;bertreiben 
Niemand, und bringen es doch zu einem ganz anderen Sieg &uuml;ber den Fleisches 
= Sinn. Der alte Mensch kann sich wohl einen Streich an ein Bein oder anderes 
Glied geben lassen, wenn er nur Haupt und Herz ganz davon bringt. In der 
Gemeinschaft des Kreuzes und Todes Christi aber wird die eigene Wahl, der 
Kopf des alten Menschen, und die b&ouml;se Lust, das Herz desselben, zum 
Aufh&ouml;ren angegriffen; darum f&auml;llt das Fleisch auf Alles eher, 
um nur diesem Tod zu entgehen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Kolosser 3,1-4</font></b></h4> 
 
<p><b>Noch weitere Ermahnung, wie sie auch &uuml;ber ihrer Gemeinschaft 
mit Christi Leben, in der Herrlichkeit halten, und den Grund der Hoffnung, 
die daher in ihnen ist, doch nicht durch irgend ein begieriges Greifen 
nach dem, was auf Erden ist, schw&auml;chen sollen.</b> 
 
<p>Ihre Gemeinschaft mit Christi Auferstehung setzt der Apostel als etwas 
aus dem Evangelium Bekanntes <i>(Kap. 2, 
12 + 13)</i>, und auch aus der Kraft des Glaubens erfahrungsm&auml;&szlig;ig 
an ihnen Versiegeltes voraus; f&uuml;hrt sie aber nun an diesem Liebesseil 
zum Trachten nach dem, das droben ist. Sollte man das nicht vielmehr als 
eine Folge von Christi Himmelfahrt ansehen? Christi Auferstehung enth&auml;lt 
schon auch die Macht, sich zur Rechten GOttes zu setzen. Mit der Auferstehung 
ging Christus schon in ein Leben der Herrlichkeit ein. Ich fahre auf zu 
meinem GOtt <i>(Joh. 20, 17)</i>, war 
eines seiner ersten Osterworte, und zu unserer Gemeinschaft mit Christi 
Auferstehung werden die drei Stufen gerechnet: samt Christo lebendig gemacht, 
samt Ihm auferweckt, samt Ihm in das himmlische Wesen versetzt <i>(Eph. 
2, 5 + 6)</i>. Oben <i>Kap.</i> <i>2, 
18</i> hat er sie vor der ungeb&uuml;hrlichen Besch&auml;ftigung mit 
Dingen, deren man Keines gesehen hat, verwarnt; jetzt &ouml;ffnet er ihnen 
aber einen freien Zutritt, zu Dem, was droben ist, aber dabei man sich 
nur an Christum und an sein Sitzen zur rechten Hand GOttes halten soll. 
An dem Hohenpriestertum JEsu, an seinem Erscheinen f&uuml;r uns vor dem 
Angesicht GOttes, an seiner fortw&auml;hrenden F&uuml;rbitte, an dem Aufsteigen 
des Gebets aller Heiligen, an unserem Nahewerden durch sein Blut, an dem 
was die Geister der vollendeten Gerechten von diesem priesterlichen K&ouml;nigreich 
zu genie&szlig;en haben, an ihrem priesterlichen Aufwarten vor GOttes Thron, 
an ihren neuen Beilagen, die ihnen von Zeit zu Zeit gegeben werden, an 
ihrem Warten auf ihre Br&uuml;der, die noch in der Welt zur&uuml;ck sind, 
kurz, in Allem, was es bei der durch Johannes ge&ouml;ffneten T&uuml;r 
nun zu sehen gibt von Dem, das droben ist, da Christus ist, hat man genug. 
Bis sich das mit unserem Glauben und Hoffnung vermengt, wird man nicht 
nach Anderem l&uuml;stern zu werden Ursache haben. GOtt hat deswegen auch 
in diesen St&uuml;cken Licht und Schatten, Offenbaren und Verbergen, so 
miteinander gem&auml;&szlig;igt, damit sich der Menschen Liebe zur Wahrheit 
im Suchen und Trachten, im ganzen zum Himmel gerichteten Sinn, im Geschmack 
am Wort GOttes, als an dem Inventarium &uuml;ber Das, was droben ist, bew&auml;hren 
kann. Die Warnung: Nicht nach dem, das auf Erden ist, greift weiter, als 
das obige Selbsterw&auml;hlte (Du sollst das nicht anr&uuml;hren zc.) und 
l&auml;&szlig;t dem Eigenen, der Ehre bei Menschen, dem Sch&auml;tzesammeln 
auf Erden zc. keine Nahrung &uuml;brig. O, wer sich einmal den Sinn hat 
einpflanzen lassen, sein Leben zu verlieren, um es zu erhalten, was darf 
man einem solchen nicht zumuten? Und wie sicher darf man von ihm die &Uuml;bernahme 
auch des Schwersten als eines sanften Jochs hoffen? Christus selbst ist 
mit seinem in der Auferstehung angenommenen herrlichen Leben in GOtt verborgen 
worden. Die Welt wird mich nicht mehr sehen, hie&szlig; es von Ostern an. 
Nach vierzig Tagen wurden auch die  den vorerw&auml;hlten Zeugen gewidmeten 
Erscheinungen und Erweisungen seines Lebens durch seine Himmelfahrt abgebrochen, 
und er mit seinem Leben so in GOtt verborgen, da&szlig; Er seinen J&uuml;ngern 
noch zun&auml;chst vor der Himmelfahrt alle eilfertigen Gedanken auf das 
baldige Offenbarwerden seines Reichs abschnitt <i>(Apg. 
1, 6)</i>. Wie sie denn selbst bald darauf zeugten, da&szlig; Er nun 
den Himmel einnehme, bis alle Reden GOttes durch die Propheten ihre Erf&uuml;llung 
erhalten <i>(Apg. 3, 19 f.)</i>. Gleiche 
Bewandtnis hat es nun mit dem Leben der Gl&auml;ubigen aus der Gemeinschaft 
mit Christo. Es hat tief in GOttes Vorsatz und seiner verordneten Weisheit 
seinen Grund, da&szlig; Christus uns so zum neuen Stammvater gegeben ist, 
in welchem wir vor GOtt wieder aufgelebt sind. So ist es auch blo&szlig; 
GOttes Kraft, durch die wir zur Erkenntnis und zum Glauben dieser Heimlichkeiten, 
die nur GOttes Geist kann deuten, gekommen sind. Und tief in GOtt verborgen 
ist es, da&szlig; wir noch im Fleisch leben, und so viel &Auml;hnliches 
mit Anderen am Fleisch leiden und tun, und doch unserem Sinn, Absicht und 
Hoffnungsgrund nach so ein ganz anderes Leben in uns haben, das sich so 
verborgen mit Christo in GOtt durchdringen mu&szlig;, und so unbekannt 
ist als Christus selbst der Welt <i>(1.Joh. 
3, 1)</i>. Aber zum Offenbarwerden ist auch schon Zeit und Stunde gesetzt; 
und das wird Herrlichkeit sein f&uuml;r Ihn und uns und Alle, die sonst 
an dieser herrlichen Freiheit der Kinder GOttes Anteil nehmen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Kolosser 3,5-17</font></b></h4> 
 
<p><b>Aus dem bisher vorgetragenen Geheimnis GOttes und Christi 
leitet nun der Apostel noch weitere Ermahnungen her, die ihnen teils um 
ihres vorigen Wandels willen besonders n&ouml;tig waren, teils die ihnen 
nach ihrem Stand und Beruf eine Leuchte ihres Fu&szlig;es abgeben konnten.</b> 
 
<p>Dem Rat GOttes, der Liebes = Absicht des HErrn JEsu, und auch der Macht 
nach, die uns beim Glauben gegeben ist, kann es hei&szlig;en: Ihr seid 
gestorben. Aber der Pflicht nach, uns nun auch darnach zu halten, hei&szlig;t 
es: T&ouml;tet jetzt. T&ouml;ten aber hei&szlig;t uns die S&uuml;nde nicht 
mit dem Gesetz, sondern mit der Kraft des Todes Christi angreifen. Beim 
Kreuz und Tod JEsu, der mich losgekauft hat von aller Ungerechtigkeit, 
der in seiner Person GOttes Gericht &uuml;ber die S&uuml;nde getragen hat, 
und doch in GOttes Liebe eingedrungen ist, wird es mir nun m&ouml;glich, 
die S&uuml;nde zu verdammen, und GOttes Gericht &uuml;ber dieselbe zu rechtfertigen, 
weil ich merke, es ist darauf angesehen, mir armen von der S&uuml;nde &uuml;berw&auml;ltigten 
S&uuml;nder das Leben zu retten. Darum geht nun auch die Gemeinschaft mit 
Christi Tod, und das feste Eindringen in dieselbe der S&uuml;nde auf das 
Leben los, beschneidet den Dornstrauch der Natur nicht nur von Au&szlig;en 
ein wenig, sondern sticht ihm die Wurzel ab. Der Glaube dringt ein in das, 
was droben ist; die S&uuml;nde zieht in das herunter, was auf Erden ist. 
Mithin streiten die  in ihrem Dienst dahin gegebene Glieder t&ouml;dlich 
und m&ouml;rderisch wider alles Leben aus GOtt; entweder m&uuml;ssen wir 
sie t&ouml;ten, oder fallen wir unter das Wort: So ihr nach dem Fleisch 
lebt, so werdet ihr sterben. Dies Streiten wider die Seele geschieht, wenn 
man durch <i>Hurerei</i> an und mit Anderen 
den Willen des Fleisches vollbringt, oder durch <i>Unreinigkeit</i> 
f&uuml;r sich selbst und an seinem Leibe, Gliedern, Sinnen, Weide f&uuml;r 
das Fleisch sucht; oder durch <i>sch&auml;ndliche 
Brunst</i>, wenn dergleichen Hang zu einem inneren unruhigen &Uuml;bel 
wird, da&szlig; das Rad unserer Natur immer erregt; oder durch <i>b&ouml;se 
Lust</i>, womit man dem nachsinnt, nachgeht in Gedanken, B&uuml;cherlesen, 
Schauspielen, F&uuml;rwitz und Umgang, was solche Leidenschaften zu erregen 
oder zu vergn&uuml;gen im Stande ist. Alles Richten des Geistes am Menschen 
ist von Anbeginn her fruchtlos geworden, je mehr er sich solchen Erg&ouml;tzungen 
der S&uuml;nde &uuml;berlassen hat, und daher keinen Mut gegen die S&uuml;nde 
zu fassen gest&auml;rkt war, oder, wann es auch zu einem anf&auml;nglichen 
Entfliehen gekommen ist, man doch bald wieder in solche Unsauberkeiten 
gezogen wird. Doch geschieht es auch, da&szlig; Manche bei ver&auml;nderten 
Jahren und Reizungen der Natur in andere Stricke, wie z. B. in den Geiz 
fallen; wobei auch keine Liebe GOttes und kein Trachten nach dem, das droben 
ist, im Herzen aufkommen kann. Das ungestrafte Durchkommen in der Welt 
l&auml;&szlig;t man sich blenden, aber der Zorn GOttes wird es schon genauer 
suchen, als man jetzt nicht bedenkt. Doch hat sich die Macht der Gnade 
an Vielen verherrlicht, und ihnen auch aus dergleichen gewohnten, lang 
getriebenen, zum Leben und anderer Natur gewordenen S&uuml;nden geholfen. 
 Den Ernst anzuzeigen, der gegen das Fleisch und die von ihm herkommende 
Widerst&auml;nde angelegt werden mu&szlig;, hei&szlig;t es: So t&ouml;tet 
nun <i>(V. 5)</i>, wozu freilich aus 
Christi Kreuz und Tod alle Kraft gesch&ouml;pft werden mu&szlig;. Hingegen 
die Willigkeit anzudeuten, besonders wenn der Geist einmal zum Sieg schreitet, 
hei&szlig;t es auch: <i>So legt ab</i>. 
Ablegen wollen ohne T&ouml;ten, bringt es nicht weit. Das: <i>Alles</i>, 
greift freilich weit. Mit dem Allem, was zum alten Wesen geh&ouml;rt, wird 
man nie fertig. Doch darf man auch nicht verdrossen werden auf dem Wege: 
Mit kindlichem Sinn lernen, und seine Sache immer als im Werden achten, 
ist das Ruhigste. <i>Zorn</i> deutet 
die gewaltige Erregung des Gem&uuml;ts an, bei deren man nimmer beurteilen 
kann, wie man einem zugesto&szlig;enen Unrecht oder Ungeschick begegnen 
solle, sondern es mit Gewalt von sich st&ouml;&szlig;t. <i>Grimm</i> 
ist es, wenn das Feuer schon in Geb&auml;rden, Worten oder Werken ausschl&auml;gt. 
<i>Bosheit</i> 
denkt auf Rache, h&auml;ngt dem Argwohn nach, deutet Alles zum &Uuml;belsten 
aus, dichtet, wie man sich in seinem Affekt und feindseligen Gedanken erhalten 
wolle. <i>L&auml;sterung</i> m&ouml;chte 
alles am Nebenmenschen aus GOttes Werk sich noch befindende Gute und Brauchbare 
verleugnen, und gibt daher oft Sachen vor, die man selbst nicht glaubt. 
W&auml;ren <i>schandbare Worte</i> durch 
eine dergleichen h&ouml;llische Entz&uuml;ndung auch schon in den Mund 
gekommen, so verh&uuml;tet es noch Etwas, wenn man sie doch nicht aus dem 
Mund kommen l&auml;&szlig;t. L&uuml;gen, wenn auch dem Nebenmenschen damit 
nicht gro&szlig;er Schade geschieht, hindert doch alles Gew&auml;chs der 
Wiedergeburt aus der verborgenen Wahrheit GOttes.  Die gesamte s&uuml;ndliche 
Verderbnis, so Adam durch seine Abweichung von GOtt auf sich gebracht hat, 
und die ein Geschlecht auf das andere nicht ohne viel Vergr&ouml;&szlig;erung 
forterbt, hei&szlig;t <i>ein Mensch</i>, 
weil es nicht nur einen oder den anderen Teil, Glied und Kraft an uns angreift, 
sondern Alles durchdringt. <i>Der alte Mensch</i> 
hei&szlig;t es, weil er uns von der ersten Geburt her anh&auml;ngt, und 
sich unserer ohne unser Denken bemeistert hat, also &auml;lter ist, als 
wir uns besinnen k&ouml;nnen. Bei der Bekehrung zu Christo, rechnet der 
Apostel, sei dieser alte Mensch ausgezogen, d. i. Sinn, Wille, Gel&uuml;bde 
darauf gegeben, da&szlig; er abgeschafft sein soll.  Der durch die Geburt 
aus GOtt uns gegebene oder in uns geschaffene Geist hei&szlig;t auch <i>ein 
Mensch</i>, weil er auch etwas Ganzes ist, ob er schon in seinen &Auml;u&szlig;erungen 
schwach gegen den alten Menschen anzusehen ist; sein Licht, Kraft, Wahrheit 
durchdringt doch Alles, und zieht nach und nach auch den &auml;u&szlig;eren 
Menschen und dessen Glieder unter sein Regiment. Da&szlig; er in uns durch 
das gegenseitige Gel&uuml;sten des Fleisches nicht ged&auml;mpft, sondern 
in seiner Kraft, des Fleisches Gesch&auml;fte zu t&ouml;ten, erhalten wird, 
dazu braucht es Erneuerns. Dies Erneuern geschieht zur Erkenntnis, denn 
es beruht nicht auf Einbildung, Anma&szlig;ung, viel weniger Irrtum, sondern 
hat Wahrheit zum Grund, und stimmt Alles so zusammen, da&szlig; GOttes 
Sinn und Zeugnis, und unsere Erkenntnis und Erfahrung zusammentrifft. GOtt 
hat nicht nur unsere ersten Eltern anf&auml;nglich zu seinem Bild erschaffen, 
sondern auch den neuen Menschen in der Absicht geschenkt, da&szlig; er 
als sein Same zur Aufrichtung des Bildes GOttes im Menschen fortwirken 
soll. In dieser Gnade der Wiedergeburt und t&auml;glichen Erneuerung hat 
Keiner einen Vorzug vor dem Anderen, oder hat sich Keiner eines Nachteils 
zu besorgen von seinen &auml;u&szlig;eren Umst&auml;nden her. Die H&uuml;gel 
der eingebildeten Vorz&uuml;ge sind geniedrigt, und die T&auml;ler der 
heiligen Scheue sind erh&ouml;ht. Die Gnade Christi bringt Alles in das 
Ebene. Mithin gilt es aber auch nicht, sich auf seinen vorigen Stand, lange 
Gewohnheiten, anklebende Ungeschicklichkeiten berufen, und sich damit entschuldigt 
achten. Christus ist Alles. Wer sich r&uuml;hmen will, kann nichts G&uuml;ltiges 
aufbringen als Christum. Und Christus ist in Allen; Keiner ist Ihm zu gering, 
sein Werk in ihm zu haben.  Mit der sch&ouml;nen Ansprache: <i>Auserw&auml;hlte, 
Heilige und Geliebte</i>, f&uuml;hrt sie der Apostel auf den ersten 
Grund ihres Heils zur&uuml;ck, der im Vorsatz der Gnade &uuml;ber sie liegt, 
und auf die erste Kraft, so der himmlische Beruf an ihren Herzen bewiesen 
hat, sie aus der Welt heraus zum herrlichen Eigentum GOttes auszusondern, 
worunter ihnen freilich eine gro&szlig;e und mannigfaltige Liebe bewiesen 
worden ist, die sie eben auch ihrem Vater in der Liebe nachzufolgen verpflichtet. 
 <i>Herzliches Erbarmen</i> wird oft 
dem lieben GOtt selbst zugeschrieben, wenn von dem Grund die Rede ist, 
aus welchem alle seine Friedensgedanken geflossen sind. Besonders hei&szlig;t 
es &ouml;fters von dem Ebenbild des unsichtbaren GOttes bei seinem Wandel 
in der Welt: Es jammerte Ihn. So sollen nun auch wir teils beim allgemeinen 
Elend in allen St&auml;nden, teils bei unseres N&auml;chsten besonderer 
Not in einem Sinne stehen, der dem herzlichen Erbarmen GOttes entgegenkommt, 
nach welchem GOtt will, da&szlig; allen Menschen geholfen werde. Auch <i>Freundlichkeit</i> 
wird von GOtt gesagt <i>(Tit. 3, 4)</i>, 
und bedeutet seine Bereitwilligkeit, sich in aller seiner G&uuml;te den 
Menschen mitzuteilen. Bei uns ist es die Fertigkeit, Anderen unser herzliches 
Erbarmen wirklich zu beweisen, und damit ihr Bestes zu schaffen. <i>Demut,</i> 
die aus Gef&uuml;hl ihres Elends, Unw&uuml;rdigkeit und Unt&uuml;chtigkeit 
gering von sich h&auml;lt, kann sich auch in Worten und Geb&auml;rden so 
bezeugen. <i>Sanftmut</i> wird auch von 
unserem lieben Heiland ebenso in Verbindung mit der Herzensdemut gesagt 
<i>(Matth. 
11, 20)</i>. Bei Ihm war es die unbegreifliche Herunterlassung, mit 
welcher Er sich nach der Bed&uuml;rfnis derer gerichtet hat, denen Er ein 
gutes Herz zu sich machen wollte. Bei uns ist es die Beugsamkeit des Herzens, 
mit welcher man Allen allerlei zu werden bereit ist, oder ihnen doch mit 
Eigensinn keinen Ansto&szlig; zu machen Bedacht nimmt. <i>Geduld</i> 
l&auml;&szlig;t sich durch allerlei vorkommende Schwierigkeiten und &Uuml;bungen 
den Mut nicht nehmen, sondern h&auml;lt &uuml;ber herzlichem Erbarmen zc. 
dauerhaft aus. Alles zusammen st&auml;rkt zu <i>vertragsamer 
Liebe</i>. <i>Demut</i> h&auml;lt 
die Schwachheiten Anderer f&uuml;r geringer als ihre eigene; <i>Sanftmut</i> 
tut gemach, und wartet des Anderen Besserung aus; <i>Geduld</i> 
hat eine geistliche St&auml;rke, die nicht durch jeden Anlauf aus ihrem 
Vorteil gesetzt wird. Das zusammen hei&szlig;t: <i>Vertragsamkeit</i>, 
wobei man die im menschlichen Leben vorkommende &Uuml;bungen nicht zu hoch 
nimmt, sondern rechnet, da&szlig; der Andere auch etwas an uns zu tragen 
habe. Durch <i>Vergeben</i> aber werden 
auch wirkliche und schwerere Verschuldungen wider einander getilgt, und 
zwar schnell, zuvorkommend, gr&uuml;ndlich, v&ouml;llig, wie GOtt in Christo. 
<i>Liebe</i> 
fa&szlig;t alle zum rechtschaffenen Bezeugen geh&ouml;rige Fertigkeiten 
zusammen, ordnet es an ihren rechten Ort; wo Eins nachlassen will, kann 
man an diesem Band der Vollkommenheit wieder anziehen. Wer Liebe hat, ist 
auf alle F&auml;lle ger&uuml;stet. 
<i>Der 
Friede GOttes</i> begreift die in der Rechtfertigung empfangene Vers&ouml;hnung 
mit GOtt, den freudigen Zugang zu GOtt und seiner Gnade, und die &uuml;ber 
alle Angst und Sorgen in der Welt gehende Ruhe in GOtt: Das tut zu all' 
Obigem viele F&ouml;rderung. Denn manche Menschen sind gegen andere so 
m&uuml;rrisch, weil sie noch so wenig gr&uuml;ndlich wissen, wie sie mit 
GOtt daran sind. Beim <i>Regiment</i> 
des Friedens GOttes aber geht Alles in der Ordnung, da&szlig; man sich 
unter der Dienstfertigkeit nicht zerstreut und verliert, sich nicht ohne 
Unterschied Alles zumutet, sondern so, wie der Friede GOttes im Herzen 
treibt, auch handelt. Der<i> himmlische 
Beruf</i> beruft uns auch zum Frieden mit allen Menschen und besonders 
zur gliedlichen Gemeinschaft mit denen, die Christo angeh&ouml;ren. O wer 
kann genugsam danken, wenn er einsieht und erf&auml;hrt, wie GOtt uns unseren 
m&uuml;hsamen Lauf durch die Welt mit seinem Beruf zum Frieden vers&uuml;&szlig;t. 
 Das Wort GOttes hat viel sch&ouml;ne Namen in der Schrift. Hier hei&szlig;t 
es das <i>Wort Christi</i>, weil GOtt 
zuletzt zu uns geredet hat durch Christum, seinen Sohn, nach welcher v&ouml;lligen 
Offenbarung nun auf nichts Neues mehr zu warten ist. Zum Wort Christi aber 
geh&ouml;ren nicht nur seine eigenen ehemalen in der Welt gef&uuml;hrten 
Reden, sondern auch was nachgehends der Geist der Verkl&auml;rung Christi 
und seiner Reden auszusprechen gab. Ja, weil der Apostel bald im Folgenden 
auch von lieblichen Liedern sagt, so kann man auch das, was sonst aus dieser 
Quelle der Worte Christi unter des Geistes fortw&auml;hrendem Leiten in 
alle Wahrheit N&uuml;tzliches ausgeflossen ist, dahin rechnen. Dies Wort 
ist uns zwar eigentlich zum Wohnen in uns, zum Vermengen mit unserem Glauben, 
zum Bewahren in einem tiefen Herzensgrund gegeben, sodann aber auch zum 
Wohnen unter uns, da&szlig; es in all unserem Vornehmen Zugang und Einflu&szlig; 
bei uns hat, unsere Ratsleute abgibt, und da&szlig; wir es auch im Aufstehen 
und Niedergehen denen, die in unserem Haus sind, sch&auml;rfen. Wer selbst 
seinen Sinn durch das Wort GOttes t&auml;glich &auml;ndern l&auml;&szlig;t, 
der wird das, was er mit Sanftmut gefa&szlig;t hat, auch wieder mit Sanftmut 
an Andere bringen k&ouml;nnen, und die sich dazu anbietenden schicklichen 
Gelegenheiten wohl ben&uuml;tzen.  Eine alte und besonders erweckliche 
Weise, das Wort GOttes unter Mehreren in einen gemeinschaftlichen guten 
Gebrauch zu setzen, ist das <i>Singen</i>, 
da Viele zugleich in eine Erhebung der Herzen vor GOtt kommen k&ouml;nnen. 
Schon zu Mosis Zeiten kommen Spuren vom Singen vor, auch von musikalischen 
dabei gebrauchten Instrumenten <i>(2.Mo. 
15, 1)</i>, und so ging es unter dem Volk Israel fort <i>(Richt. 
5, 1 ; 1.Sam. 2)</i> bis zu Davids Zeiten die Offenbarung GOttes &uuml;berhaupt, 
und so auch die Erweisung des Geistes durch Lieder besonders ausbrach; 
deren man sich bis in die Zeiten Christi hinein mit Segen bediente, wie 
sonderlich beim Osterlamm des Lobgesangs gedacht wird. Auf die Zeiten des 
Neuen Testaments waren neben anderen Gaben besonders auch neue Lieder und 
ein fr&ouml;hlicher Geist dazu verhei&szlig;en; wie es auch an der Erf&uuml;llung 
nicht gefehlt hat <i>(1.Kor. 14, 26)</i>. 
Zur Ausbreitung des Evangelii bei der Reformation hat die Gabe der Lieder 
nicht wenig beigetragen; und so beweist hierunter der HErr dem wir singen 
sollen noch sein Dasein, und vor dessen Thron einst priesterlich aufzuwarten 
alles Singen eine Vorbereitungsanstalt abgeben soll.  Aber mit Allem dem, 
was man dem Wort Christi auch durch Hausgottesdienst zum <i>Wohnen 
unter uns</i> einr&auml;umt, ist die Wahrheit GOttes doch nicht abgefertigt, 
sondern sie greift nach Allem, was man tut mit <i>Worten 
und Werken. </i>Das Wort GOttes zieht all unser Tun und Lassen in das 
Licht. Wer aus der Wahrheit ist, dem gibt das den festen Grund zu aller 
Ruhe ab, da&szlig; er es Alles so zusammenstimmen kann. Der Name des HErrn 
JEsu ist der Inbegriff vom Wort Christi. Denn alles &Uuml;brige ist zur 
Verkl&auml;rung dieses Namens da. In Jemandes Namen etwas tun, hei&szlig;t 
dem n&auml;chsten Verstand nach etwas so tun, wie es der Andere selbst 
w&uuml;rde getan haben, da&szlig; es den Wert, die G&uuml;ltigkeit, die 
Annehmlichkeit hat, als ob es der Andere selbst getan h&auml;tte. So nennen 
die Apostel den Wandel der Gl&auml;ubigen in der Welt ein Wandeln, gleichwie 
Er gewandelt hat <i>(1.Joh. 2, 6)</i>. 
Von allem Guten, was in uns geschieht, hei&szlig;t es: Es geschehe durch 
JEsum Christ, und sei eine Frucht seiner Gerechtigkeit <i>(Phil. 
1, 11)</i>. Daneben hei&szlig;t in Jemandes Namen etwas tun, auch um 
seinetwillen, ihm zu Ehren und Wohlgefallen etwas tun <i>(1.Kor. 
10, 31 ; Joh. 15, 4 + 5)</i>, also sich des Wohlgefallens GOttes durch 
den Namen JEsu versichern; seine Wege durch diesen Namen reinigen <i>(1.Kor. 
6, 11 ; 1.Joh. 1, 7)</i>. Und so mu&szlig; auch unser Dank = und Lobopfer 
durch die Hand dieses Mittlers gehen, um so zum s&uuml;&szlig;en Geruch 
vor GOtt zu gedeihen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Kolosser 3,18-19</font></b></h4> 
 
<p><b>Wie der Flei&szlig;, Alles im Namen des HErrn JEsu zu tun, 
auch im Hausstand, und zwar zuerst zwischen Ehegatten, Alles in ein gutes 
Betragen setze.</b> 
 
<p>GOtt redet in seinem Wort gern mit einem Jeden in eigener Person, spricht 
Jeden um seinen Gehorsam und Wandel in der Wahrheit an. Eben so darf auch 
ein Jeder die Zeugnisse von der Gnade des Evangelii auf sich pers&ouml;nlich 
ziehen, als woraus alles Licht und Kraft zu Verfolgung solcher Pflichten 
flie&szlig;t. Vermutlich w&uuml;rde auch im Stand der Unschuld zwischen 
Mann und Weib eine solche Ordnung gewesen sein, wobei das Weib erkannt 
h&auml;tte, da&szlig; sie um des Mannes willen geschaffen sei <i>(1.Kor. 
11, 9)</i>. Aber die jetzt auferlegte Untert&auml;nigkeit r&uuml;hrt 
eigentlich vom Fall her, und ist dem Weibe teils zur Strafe, teils zur 
Arznei auferlegt, wodurch viel unordentliche Eigenliebe, Ungeduld, Ausschweifung 
der Sinnen, und sonstige Kraft der S&uuml;nde in den Gliedern gebrochen 
werden kann. Es geh&ouml;rt also ein Sinn dazu, der sich um GOttes willen 
aus Ehrerbietung vor seiner Ordnung, mit Erkenntnis des darunter liegenden 
Wohlmeinens, auch aus billigem Mi&szlig;trauen gegen sich selbst gern sagen 
l&auml;&szlig;t. Um der vielen h&auml;ufig vorkommenden, unvermutet aufsto&szlig;enden, 
das eigene Leben und sein Klebenbleiben am Kleinsten oft so besonders angreifenden 
Gelegenheiten willen ist es nichts Geringes. Wenn aber solche Untert&auml;nigkeit 
im HErrn bewiesen werden soll, so mu&szlig; man freilich auch im HErrn 
zusammengekommen sein <i>(1.Kor. 7, 39)</i>. 
Die meisten Irrungen in dem Ehestand sind Folgen von den S&uuml;nden der 
Jugend, sonderlich von den verf&uuml;hrerischen Beredungen, unter denen 
die Ehen gestiftet werden. Was im Namen JEsu, mit Danksagung gegen GOtt 
geschieht, der in dem  so weislich angelegten und wohlbewahrten Pflanzgarten 
Ehe so viel Gutes schafft, so viel Versuchlichem abhilft; das bleibt bei 
allen &Uuml;bungen doch ein Teil vom sanften Joch Christi. Ja auch noch 
das Befleckte, wenn man zur Zeit seiner Unwissenheit in eine mi&szlig;liche 
Verbindung hineingeraten ist, kann noch durch den Namen des HErrn JEsu 
und durch den Geist GOttes abgewaschen, gereinigt und geheiligt werden. 
Man mu&szlig; nur nicht schnell der Plage los sein wollen, sondern zuerst 
zufrieden sein, da&szlig; nur der Fluch und Zorn weggenommen ist. Wie alle 
Gebote in dem einigen verfa&szlig;t sind: Du sollst deinen N&auml;chsten 
lieben, so sind auch alle Pflichten der Ehem&auml;nner in der <i>Liebe</i> 
verfa&szlig;t. Die Liebe tut dem N&auml;chsten nichts Arges. Wer sein liebloses 
Herz kennt und bedenkt, wie das Wort GOttes den M&auml;nnern besonders 
durch zwei Worte: Herzensh&auml;rtigkeit und Zorn, ihre b&ouml;se Naturanlage 
aufdeckt, der wird bei der Liebe tief graben, und den Grund wohl legen. 
Wohlgefallen der Augen, Absicht auf Familien und Reichtum h&auml;lt das 
Haus nicht, wenn St&uuml;rme kommen. GOtt ist die Liebe; und unter Zukehr 
zu Ihm mu&szlig; die erstmalige Entz&uuml;ndung und t&auml;gliche Nahrung 
der Liebe gesucht werden. Nachlassen in der Liebe ist schon der erste Bruch 
in das Eheband. An der Liebe aber hat man eine Festung, die viel Anlauf 
aushalten kann.  <i>Bitterkeit </i>ist 
eine besondere Art der Feindseligkeit, wo sich zu der noch nicht gar erloschenen 
Liebe ein Ha&szlig; schl&auml;gt, der im Gem&uuml;t so verfinstert, da&szlig; 
man den Anderen nimmer wohl tragen mag. Sein Wachstum und Starkwerden im 
inwendigen Menschen kann man allermeist aus seinem Verhalten pr&uuml;fen, 
bei so behenden Versuchungen, wo man von keinen &auml;u&szlig;erlichen 
R&uuml;cksichten zur&uuml;ckgehalten wird, aus seinem n&auml;chsten Herzensgrund 
heraus zu handeln. Es h&auml;ngt auch hievon viel Gemeinschaft mit GOtt 
als einem Licht ab; viel Gebet wird verhindert, viel Wandel im Licht durch 
das ganze Haus gef&ouml;rdert, je nachdem man hierin Christi Sinn beweist 
oder nicht. Hilf, JEsu, da&szlig; ich allezeit entfernt von aller Bitterkeit 
ablege die Sanftmutsproben! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Kolosser 3,20-4,1</font></b></h4> 
 
<p><b>Wie sich die Verpflichtung, Alles in dem Namen des HErrn 
JEsu zu tun, auch &uuml;ber die Verbindung zwischen Eltern und Kindern, 
Herrschaften und Gesinde zu vielem Segen ausbreite.</b> 
 
<p>Das geh&ouml;rt auch unter das Alles, was man nach <i>V. 
17</i> im Namen JEsu tun, und wobei man dem Vater danken soll, da&szlig; 
Er uns einen solchen Heiland bereitet hat, durch den uns, bei der Hingabe 
unter seine z&uuml;chtigende Gnade, beim Gehorsam gegen seinen Geist, bei 
der Zuversicht, da&szlig; es in Ihm vor GOtt angenehm sei, auch von diesen 
&Uuml;bungen Alles erleichtert und vers&uuml;&szlig;t wird. Aus der in 
Christo erschienenen Leutseligkeit GOttes flie&szlig;t auch diese Achtung 
f&uuml;r die Kinder, da&szlig; Er sie so um ihren Gehorsam anspricht. Je 
weniger einer noch wei&szlig;, und selbst erfahren hat, desto sicherer 
ist f&uuml;r ihn Gehorsam. Auch nach einer abgelegten sch&ouml;nen Weisheitsprobe 
hei&szlig;t es von dem zw&ouml;lfj&auml;hrigen Jesusknaben: Er war seinen 
Eltern untertan. Durch Eines Ungehorsam sind wir Alle die eigenliebigen, 
eigenwilligen, unlenksamen S&uuml;nder geworden; durch Eines Gehorsam werden 
wir Alle gerecht, kommen unter billigem Mi&szlig;trauen gegen uns selbst 
in die Untert&auml;nigkeit unter die Gerechtigkeit GOttes, und damit in 
alle Willigkeit und Lenksamkeit hinein. In zarten Kinderjahren, und gegen 
Eltern, die ihr Regiment noch am meisten mit Liebe m&auml;&szlig;igen, 
und also den Gehorsam vers&uuml;&szlig;en, sollte es am wenigsten schwer 
fallen, Gehorsam zu lernen und zu &uuml;ben. Auf dem Weg des Gehorsams 
nahm der HErr JEsus selbst auch zu an Gnade bei GOtt. Es war n&auml;mlich 
auch in den Gnadenbezeugungen GOttes &uuml;ber seinen im Fleisch geoffenbarten 
Sohn, wie &uuml;ber einen anderen Glaubenspilgrim bald mehr schickliches 
Verbergen, bald mehr deutliches Erweisen; und da gereichte der unter Einem, 
wie unter dem Anderen ungehindert fortgehende Gehorsamslauf dem himmlischen 
Vater zu vielem Wohlgefallen. "Es gef&auml;llt den Eltern"; bringt einem 
wohlgearteten Kind schon einen starken Trieb bei; aber einen ungleich st&auml;rkeren: 
"Das ist dem HErrn gef&auml;llig." Das Weib oder die Mutter ist n&auml;chst 
zuvor <i>(V. 18)</i> selbst zur Untert&auml;nigkeit 
gegen den Mann angewiesen worden. Das gibt dem Vater auch in der Kinderzucht, 
wie in der ganzen Regierung des Hauses einen merklichen Voraus. Das Gesetz 
erbittert und richtet Zorn an, wenn es schon in seinen Forderungen nicht 
unbillig ist, aber eben auf unser Unverm&ouml;gen keine R&uuml;cksicht 
nimmt. So entsteht zwischen Eltern und Kindern Erbitterung, wenn man Alles 
blo&szlig; durch das Gesetz, Gebieten, Verbieten, Drohen, Strafen, auch 
durch den schrecklichen Sporn des Ehrgeizes ausrichten will. Wo man aber 
seine Kinder anfa&szlig;t, wie man selbst von der Barmherzigkeit GOttes 
angefa&szlig;t ist, ihr Unverm&ouml;gen mit in die Rechnung nimmt, durch 
Vergebungsgnade einem willigen Geist bei ihnen aufhilft, und sie so durch 
ihre Schwachheiten und Hindernisse durchf&uuml;hrt, da hat es Segen. Der 
himmlische Vater, der Vater der Geister, verh&uuml;tet es selbst so sorgf&auml;ltig, 
da&szlig; wir unter seiner Zucht nicht scheu werden <i>(Hebr. 
12, 5)</i>, und es freut ihn nichts mehr, als wenn wir unser Vertrauen 
nicht wegwerfen, und so ist auch bei der Verbindung zwischen Eltern und 
Kindern viel daran gelegen, da&szlig; man unter den Fehlern nicht verdrossen 
wird, sondern auf den endlichen Sieg einen Mut fa&szlig;t. Auch <i>Knechte</i> 
sollen sich nicht so wegsch&auml;tzen, als ob an ihrem Tun nichts gelegen 
w&auml;re. Auch ein Knecht kann die Lehre GOttes, seines Heilandes, zieren 
<i>(Tit. 
2, 10)</i>, oder widrigenfalls Anla&szlig; geben, da&szlig; der Name 
GOttes verl&auml;stert wird <i>(1.Tim. 6, 
1)</i>. Wem sein Stand nicht hinderlich gewesen ist, da&szlig; GOttes 
Beruf an ihm kr&auml;ftig geworden ist, an dem kann GOtt auch alles Wohlgefallen 
seines Willens ausf&uuml;hren. Wo noch in einem Haus zur Erhaltung der 
Ordnung, des Friedens, des vergn&uuml;glichen Wohlstandes Gehorsam bl&uuml;ht; 
da hat man es als einen gro&szlig;en Segen, als eine an dem Samen dieses 
Wort,  Seid gehorsam,  erwachsene Frucht anzusehen. Wer GOtt f&uuml;rchtet, 
und GOtt durch Bewahrung seiner Gebote ehrt, den ehrt Er auch wieder damit, 
da&szlig; Er ihm ein gem&auml;&szlig;es Ansehen zur Regierung seines Hauses 
schenkt. Menschengef&auml;lligkeit und Dienst vor Augen treibt zwar Anfangs 
stark, aber in die L&auml;nge kann man es nicht ausdauern. Reinigkeit des 
Herzens und Einfalt des Auges bewahrt vor Menschengef&auml;lligkeit, und 
GOttesfurcht treibt an, da&szlig; wir auch in Dingen, wo kein menschliches 
Auge auf uns sieht, doch Treue beweisen. Davon hat das Herz, wenn es getan 
ist, auch eine Befriedigung. Denn nach der Lindigkeit GOttes, will Er uns 
unserem leiblichen Dienst nach so veredeln, da&szlig; wir es Ihm zum Wohlgefallen 
darstellen d&uuml;rfen, ja auf einen Schatz im Himmel rechnen k&ouml;nnen, 
wenn wir dabei Christo, mit Nachfolge in seine Fu&szlig;stapfen, mit Glaube 
an sein Reich und die Vergeltung darin dienen. Was aber Jemand mit Ungehorsam, 
Untreue, Augendienst, Unrecht tut, daf&uuml;r wird er seinen Teil mit den 
Ungerechten und L&uuml;gnern bekommen. Und was Jemand sich beredet hat, 
da&szlig; er sich auf seinen hiesigen m&uuml;hsamen Stand herausnehmen 
d&uuml;rfe, das wird ihm das Wort  Bei GOtt gilt kein Ansehen der Person 
 durchstreichen.  Hinwiederum nimmt GOtt auch die Knechte in seinen Schutz, 
und empfiehlt sie an ihre Herrschaften. Die meisten Herrschaften haben 
doch auch wieder Jemand &uuml;ber sich, und wissen also, wie sie gerne 
von denen behandelt sein m&ouml;chten. Ich bin auch ein Mensch, sagt jener 
Hauptmann zu Kapernaum. Daran wird man einen schnellen Zeugen haben k&ouml;nnen, 
was recht und gleich sei, und wie man es im erforderten Gehorsam nicht 
&uuml;bertreiben, bei vorkommenden Fehlern die Vergebung nicht erschweren 
solle. Der Allerh&ouml;chste, den wir als unseren HErrn im Himmel haben, 
sieht auf das Niedrige, hat in seinem Wort oft von Unterdr&uuml;ckung des 
Geringen gewarnt, und bezeugt, da&szlig; das Schreien der an ihrem Lohn 
gekr&auml;nkten Arbeiter vor Ihn komme. So lieb dir deine Freudigkeit zu 
GOtt, deine Hoffnung, vor Ihm Barmherzigkeit zu finden, sein mag; so wenig 
verlege dir den Weg auch nur durch einen Dienstboten, der Klage wider dich 
h&auml;tte. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Kolosser 4,2-4</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel ermahnt zum anhaltenden Gebet &uuml;berhaupt, 
besonders aber zur F&uuml;rbitte f&uuml;r ihn und seine Arbeit am Wort.</b> 
 
<p>Beim Anhalten am Gebet hat man teils an das zu denken, was in den Psalmen 
als ein Anschicken des Herzens zu GOtt noch vor dem Gebet, und als ein 
Aufmerken auch nach dem Gebet auf g&ouml;ttliche Antworten und Anregungen 
beschrieben wird; teils auch an die  vor allem La&szlig;werden bewahrende 
St&auml;rke des inneren Menschen. Wenn auch nicht immer ein besonders Anliegen 
vorhanden ist, weswegen man in GOtt einzudringen hat, so soll doch die 
t&auml;gliche und st&uuml;ndliche Gemeinschaft mit GOtt, das Verlangen 
nach seinem Heil, die Freude an seinem Wort, die Hoffnung auf die Erf&uuml;llung 
desselben wie ein unaufh&ouml;rlicher Atemzug aus = und eingehen. Zu diesem 
Ende wird <i>Wachen</i> und <i>Beten</i> 
oft zusammengenommen. In Absicht auf die leibliche Wachsamkeit wissen wir 
von David seine mehrmaligen Erkl&auml;rungen: Fr&uuml;he schicke ich mich; 
zu Mitternacht stehe ich auf; der Morgenr&ouml;te sind meine Augen zuvorgekommen, 
usw. Noch mehr aber wird auf die geistliche Wachsamkeit gesehen, oder auf 
die Freiheit und N&uuml;chternheit des Herzens, dabei der Mensch wei&szlig;, 
was er will, und da&szlig; er eine Bitte nach GOttes Willen bittet, und 
ein durch GOttes Wort und Geist erwecktes Verlangen vor den HErrn bringt. 
 Ein wichtiges St&uuml;ck vom Ehrenstand der Kinder GOttes ist, da&szlig; 
sie auch f&uuml;r Andere beten d&uuml;rfen. Oben <i>(Kap. 
1, 3 + 9)</i>, hat Paulus die Kolosser seiner F&uuml;rbitte versichert, 
und nun spricht er sie auch um die ihrige an. So etwas Gemeinschaftliches 
und von eitler Erhebung &uuml;ber einander Entferntes ist es um diese &Uuml;bung. 
Die Schrift sagt sonst von einer aufgetanen T&uuml;r, als von einer verliehenen 
Gelegenheit, Gutes zu wirken <i>(1.Kor. 
16, 9)</i>. Sie hei&szlig;t sie auch die T&uuml;r des Glaubens <i>(Apg. 
14, 27)</i> und eine T&uuml;r, die Niemand zuschlie&szlig;en k&ouml;nne 
<i>(Offb. 
3, 8)</i>. Hier aber versteht man wohl am f&uuml;glichsten das Auftun 
seines Mundes (nach <i>Eph. 6, 19),</i> 
da&szlig; also die Ansprache um Anderer F&uuml;rbitte bei dem Apostel aus 
dem dem&uuml;tigsten Gef&uuml;hl seines Unverm&ouml;gens geht, von welchem 
er sonst auch schreibt <i>(1.Kor. 2, 3 ; 
Gal. 4, 13). </i>Hier deutet er gleich auf zwei Umst&auml;nde, die das 
freudige Auftun des Mundes d&auml;mpfen k&ouml;nnten. Denn eines Teils 
ist das Geheimnis Christi nicht nur ein Geheimnis, ehe es kund wird, sondern 
es bleibt auch ein Geheimnis, das man nie so unter seine Macht bekommt, 
wie eine andere Wissenschaft; sondern dar&uuml;ber man jedesmal eine neue 
Vollmacht, etwas davon auszusprechen, bekommen mu&szlig;. Und anderen Teils 
gibt die darauf liegende Schmach, wovon dem Apostel seine Bande der n&auml;chste 
Beweis waren, immer Anla&szlig; zu bitten, da&szlig; man nicht m&uuml;de 
werde, und die Freudigkeit verliere.  Nicht nur an dem,  Was?  sondern 
auch an dem  Wie?  man redet, ist viel gelegen, da&szlig; es aus Lauterkeit, 
nach dem Drang der Liebe Christi, aus GOtt, von dem wir Erleuchtung und 
Vollmacht haben, vor GOtt, dem wir es zum Pr&uuml;fen, L&auml;utern und 
Wohlgefallen darstellen, und in Christo, ohne den wir sonst kein Vertrauen 
zu GOtt fassen k&ouml;nnen, geredet werde. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Kolosser 4,5-6</font></b></h4> 
<p><b>Ermahnung zur Vorsichtigkeit in allem Wandel, besonders aber 
in der Rede.</b> 
 
<p>Der Ausdruck von <i>denen die drau&szlig;en 
sind</i>  kommt mehrmals vor. <i>Mark. 
4, 11</i> bezeichnet er Solche, die in keinem so nahen Umgang mit dem 
HErrn JEsu standen, wie seine J&uuml;nger. <i>1.Kor. 
5, 12</i> werden sie denen entgegengesetzt, die sich lassen Br&uuml;der 
nennen. So werden auch Ungl&auml;ubige, au&szlig;er der Gemeinschaft der 
Kirche Stehende dadurch angedeutet (<i>1.Thess. 
4, 12</i> und <i>1.Tim. 3, 7)</i>. 
Heutigen Tages ist es nicht so genau zu bestimmen, wer unter die geh&ouml;re, 
die drau&szlig;en sind. Weit drau&szlig;en hat man gerade nicht zu suchen, 
es k&ouml;nnen des Menschen eigene Hausgenossen sein. Dem Christen = Sinn 
und Wandel nach kann man weit von einander geschieden sein, wenn man schon 
sonst in genauer Verbindung steht.  Die <i>Weisheit</i> 
wird haupts&auml;chlich auf Erkenntnis des Willens GOttes gesetzt <i>(Eph. 
5, 17)</i>. Damit reicht man am weitesten, wenn unter jedem Umstand 
redlich gepr&uuml;ft wird, was des HErrn Wille sei. Denn das verwahrt auf 
der einen Seite vor Menschengef&auml;lligkeit und Lust, sich dieser Welt 
gleich zu stellen, auf der anderen Seite stellt es auch vor den ungest&uuml;men 
Anforderungen des eigenen Geistes sicher. Damit nimmt man von Anderer Unwesen 
nicht Schaden, und beleidigt doch auch Andere nicht mit unn&ouml;tiger 
H&auml;rtigkeit. Daraus ist auch zu beurteilen, warum die Weisheit bald 
einen guten, bald einen mi&szlig;lichen Namen in der Schrift hat. Die Weisheit 
von oben, deren Anfang die Furcht GOttes ist, hat einen guten Namen. Was 
der F&uuml;rst dieser Welt aufbringt, die ver&auml;nderlichen Meinungen 
der Gelehrten, die auf Vermischung des Lichts und der Finsternis hinauslaufenden 
weltm&auml;&szlig;igen Grunds&auml;tze sind mi&szlig;lich.  Eine Probe 
vom weislichen Wandel gibt das <i>Einschicken 
in die Zeit</i>, oder das <i>Auskaufen 
derselben</i>, wobei zwar keine heuchlerische Nachahmung des B&ouml;sen, 
oder Verleugnung des Guten Statt hat; aber doch eine geschmeidige Vorteilhaftigkeit, 
die zur b&ouml;sen Zeit nur sieht, wie sie mit Glauben und gutem Gewissen 
durchkommt, bis sich wieder einmal freier und ungehinderter Gutes wirken 
l&auml;&szlig;t. Auf die <i>Rede</i> 
und Bewahrung der Zunge dabei wird gar viel in der Schrift gesetzt; und 
es hat auch wirklich zum Beflecken oder unbefleckt Bewahren des &uuml;brigen 
Wandels vielen Einflu&szlig;. Die <i>Rede</i> 
hei&szlig;t 
<i>lieblich</i>, wenn sie 
aus dem Vorrat der Gnade hergenommen ist, und aus dem Schatz der Weisheit 
und Liebe von Oben etwas darreicht.  Das mit Salz Gew&uuml;rzte macht 
den Gegensatz gegen dem, was <i>Eph. 4, 
29</i> faules Geschw&auml;tz hei&szlig;t. Salz tut der F&auml;ulnis 
Widerstand. Der Gestank des Leichtsinns oder des Hochmuts und der Eigenliebe 
macht gar viel Reden in der Welt unbrauchbar, wor&uuml;ber man entweder 
in Scherz und Narreteidinge ger&auml;t, oder aber sich auf Unkosten des 
Nebenmenschen gro&szlig; machen will. Salz hei&szlig;t uns der Heiland 
allermeist bei uns selbst haben, und gegen uns selbst brauchen <i>(Mark. 
9, 50)</i>. Wer auf die innere Zucht des Geistes bei sich selbst aufmerksam 
achtet, der wird auch Anderen so begegnen, da&szlig; es sich als ein Salz 
und Kraft der Wahrheit beweist. Weil man es mit so Manchen zu tun bekommt, 
welche uns die Fehler in der Art und Weise, etwas anzugreifen, gar hoch 
anrechnen, so liegt freilich etwas daran, da&szlig; man wisse, wie man 
antworten soll. An der Welt macht uns auch die Schwierigkeit, durch die 
Welt durchzukommen, &ouml;fters Angst. Aber auch hierin hat der HErr JEsus 
die Welt &uuml;berwunden, und damit ist auf allen Wegen Schutz gestellt. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Kolosser 4,7-9</font></b></h4> 
 
<p><b>Von da an neigt sich der Brief zu seinem Beschlu&szlig;, 
und der Apostel bezieht sich auf den &Uuml;berbringer des Briefs und dessen 
Gef&auml;hrten, die das Weitere m&uuml;ndlich ausrichten w&uuml;rden.</b> 
 
<p>Tychikus war also der &Uuml;berbringer des Briefs. Den hei&szlig;t der 
Apostel um der rechtschaffenen Gemeinschaft willen mit Christo und allen 
Heiligen einen <i>lieben Bruder</i>; 
um seines am Reich GOttes bewiesenen Diensts willen einen <i>treuen 
Diener</i>; und um der  dem Apostel selbst zu Statten gekommenen Handreichung 
willen einen <i>Mitknecht</i>. Dies gute 
Zeugnis bekommt durch den Beisatz  <i>in 
dem HErrn</i>  seinen gr&ouml;&szlig;ten Wert. Denn was h&auml;lfe 
sonst Alles, wenn es nicht Wahrheit in dem HErrn w&auml;re? Dem Onesimo 
kommt Paulus auch mit einem guten Zeugnis zu Statten, weil man gegen diesen 
leicht von seinem vorigen Bezeugen her h&auml;tte k&ouml;nnen eingenommen 
werden. Mehreres von ihm wird es bei der Epistel an den Philemon zu vernehmen 
geben.  Mit solchen Absendungen hatte es die gute Absicht auf wechselseitige 
erweckliche Nachricht vom Reich GOttes, und dessen Genossen und Gehilfen. 
Auf diesem Weg ist den Aposteln unter ihrem Leiden viel Trost zugewendet, 
aber auch viel Gebet veranla&szlig;t worden. Kommt es dir ungelegen vor, 
in einer Gemeinschaft zu stehen, wo man aufeinander sieht, von einander 
Nachricht haben will, so besinne dich, wie es um deine Lichtsgemeinschaft 
mit GOtt steht. Wenn der treffende Blick eines redlichen Menschen dir zu 
beschwerlich ist, wie wirst du den ansehen d&uuml;rfen, der Augen hat wie 
Feuerflammen? Wie meinst du vor GOtt erscheinen zu k&ouml;nnen, wenn es 
dir ein Zwang ist, in der Gemeinschaft mit redlichen Kindern GOttes zu 
wandeln? 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Kolosser 4,10-15</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel &uuml;berschreibt ihnen einige Gr&uuml;&szlig;e, 
und bezeugt ihnen darunter zu ihrer Freude, wie weit die teilnehmende Liebe 
auch in die Ferne reiche.</b> 
 
<p>Es beweist gar eine gro&szlig;e Lindigkeit eines Apostels, da&szlig; 
er ihnen solche Gr&uuml;&szlig;e von Anderen &uuml;berschreibt. Aristarchus 
ist schon einmal zu Ephesus &uuml;ber die Gef&auml;hrtschaft Pauli in gro&szlig;e 
Gefahr geraten <i>(Apg. 19, 29)</i>. 
Aus Gelegenheit des Marcus, der hier ein Neffe Barnaba hei&szlig;t, entstand 
eine gro&szlig;e Ungleichheit der Meinungen zwischen Paulo und Barnabas 
<i>(Apg. 
15, 39)</i>. Nachgehends mu&szlig; sich Marcus wieder besser gefunden 
haben, und so fort auch Paulus gern Gelindigkeit gegen ihn vorwalten lassen. 
Doch scheint es, er habe dem Tychikus und Onesimus m&uuml;ndlich Einiges 
wegen dieses Marcus und seiner Behandlung aufgegeben, auf das er sich hiermit 
bezieht. Der hebr&auml;ische Name Josua lautet im Griechischen Jesus. Den 
konnte damals also noch Mancher von seiner Beschneidung her f&uuml;hren. 
Doch damit es nicht zu einem Mi&szlig;brauch und Geringsch&auml;tzung Dessen 
ausschl&uuml;ge, der diesen Namen allein mit voller Kraft und zum Seligmachen 
der S&uuml;nder f&uuml;hrte, so unterblieb dessen Gebrauch bei gemeinen 
Menschen.  Es mag damals mehrere aus dem Judentum Bekehrte zu Rom gegeben 
haben, aber die Benannten allein konnten sich so in Pauli Arbeit finden, 
da&szlig; sie ihm auch in seinen Banden zum Trost wurden. Epaphras war 
ehemalen ein gegenw&auml;rtiger Zeuge der Wahrheit unter den Kolossern, 
und jetzt in Abwesenheit nimmt er sich ihrer mit Ringen an, da&szlig; sie 
doch nach allem dem vollkommen dargestellt werden m&ouml;chten, was ihnen 
vom gn&auml;digen Willen GOttes zugedacht, und im Beruf GOttes angetragen 
sei. Weil Demas allein hier kein Beiwort zum guten Zeugnis hat, so steht 
dahin, ob man ihm nicht schon fr&uuml;her sein Abnehmen angesp&uuml;rt 
hat, aus dem endlich die gro&szlig;e Abweichung geworden ist deren <i>2.Tim. 
4, 10</i> gedacht wird. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Kolosser 4,16-18</font></b></h4> 
 
<p><b>V&ouml;lliger Beschlu&szlig; des Briefs, darin er sie zum 
rechten Gebrauch desselben anweist, ihnen noch etwas an Archippum aufgibt, 
und dann den Brief selbst mit seiner Hand und seinem Segensgru&szlig; versiegelt.</b> 
 
<p>Wie die Schrift Alten Testaments bei dem Volk Israel &ouml;ffentlich 
gelesen und auch daheim gesch&auml;rft wurde, so sollte es nun auch mit 
der Schrift Neuen Testaments eingeleitet werden. Die Freiheit, das liebe 
Wort GOttes auch daheim lesen zu d&uuml;rfen, samt allen zu dessen Gebrauch 
habenden Anleitungen, sollen wir f&uuml;r eine unsch&auml;tzbare Wohltat 
halten. Vermutlich ist der  bei uns so genannte Brief an die Epheser nach 
Art eines Circular = Schreibens unter mehreren Gemeinden in Asien herumgelaufen, 
und zwar an die Epheser zuerst, dann aber auch an die zu Laodicea gekommen; 
und von diesen ihren n&auml;chsten Nachbarn konnten ihn die Kolosser am 
f&uuml;glichsten erhalten.  Archippus war ein Arbeiter der Gemeinde zu 
Kolossen. Paulus nennt ihn Philemon, <i>V. 
2</i>. seinen Streitgenossen. Weil die Apostel ihre Briefe gern an die 
gesamten Gemeinden gerichtet, und der nachmalige gro&szlig;e Unterschied 
zwischen Lehrern und Laien nicht von ihnen herstammt, so haben sie gern 
ein solches Ermahnungswort an einen Vorsteher in den Mund der ganzen Gemeinde 
gelegt. Es gibt so viel Umst&auml;nde, die sich einem anbieten und aufdringen, 
da&szlig; man darauf zu sehen habe. Man hat eine Haushaltung, man hat Kinder, 
man hat verf&auml;ngliche Konnexionen. Da hei&szlig;t es immer: Auf das 
mu&szlig; man auch sehen. Aber nur zuerst und allermeist auf das Amt! Hat 
man es schon jetzt von Menschen und durch Menschen, die einem eben um deswillen 
so viel R&uuml;cksicht auf sie zumuten wollen, so mu&szlig; man sich von 
dem nicht verdringen lassen, da&szlig; man es im HErrn empfangen habe. 
Zur Bekr&auml;ftigung eines solchen Briefs und zu Verh&uuml;tung aller 
Verf&auml;lschung hat er ihn <i>mit eigener 
Hand unterschrieben</i>. Und &uuml;ber die obige Ansprache <i>(V. 
3)</i>, um ihre F&uuml;rbitte nun auch das <i>Angedenken 
an seine Bande</i> empfohlen. Wir beten billig in Absicht auf alle &uuml;ber 
der Wahrheit Angefochtenen. GOtt wolle uns Gnade geben, da&szlig; wir ihrer 
als Glieder eines Leibes allezeit im Gebet gedenken, und uns selbst auf 
die Stunde der Versuchung wohl bereiten.  Mit dem Schlu&szlig;wunsch sagt 
der Apostel: Was &uuml;ber das bereits Geschriebene weiter not ist, deshalb 
empfehle ich euch GOtt und dem Wort seiner Gnade; und auch was euch aus 
diesem Brief als ein unverg&auml;nglicher Same ins Herz f&auml;llt, das 
begie&szlig;e und f&ouml;rdere die Gnade zu reicher und reifer Frucht. 
Amen! 
 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Thessalonicher 1,1</font></b></h4> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Der erste Brief Pauli an die Thessalonicher Einleitung</font></b></h4> 
 
<p>Die richtigste Einleitung in denselben ist aus <i>Apg. 
17</i> zu nehmen. Daraus erlernen wir n&auml;mlich, da&szlig; Thessalonich 
eine von den Hauptst&auml;dten Macedoniens gewesen ist, in welche Gegend 
Paulus durch die bedenkliche Erscheinung eines macedonischen Mannes im 
Gesicht <i>(Apg. 16, 9)</i> aufgefordert 
wurde. Die zu Philippis, der ersten Stadt, an die sie sich mit dem Evangelio 
in Macedonien wandten, &uuml;ber Paulus und Silas ergangenen Verfolgung 
gab Anla&szlig;, da&szlig; sie sich von dort weg nach Thessalonich begaben 
<i>(Apg. 
17, 1 und 1.Thess. 2, 2)</i> Es ist mithin der zu Thessalonich geschaffte 
Segen des Evangelii auch ein Beweis, wie das himmlische Feuer, das der 
HErr JEsus auf Erden anzuz&uuml;nden gekommen war, selbst auch durch den 
 darein blasenden Wind der Verfolgung weiter ausgebreitet worden ist. 
Von Pauli Verrichtungen zu Thessalonich steht (<i>Apg. 
17, 4)</i>, da&szlig; er drei Sabbate nacheinander mit Juden und Judengenossen 
aus der Schrift geredet, und bei einigen Juden, noch mehr aber bei gottesf&uuml;rchtigen 
Griechen viel Eingang gefunden habe, wobei besonders nicht wenige vornehme 
Weiber bemerkt werden. Es fehlte aber auch hier nicht daran, da&szlig; 
viele halsstarrige Juden das mit Neid angesehen, und diesen Segen des Evangelii 
in Thessalonich zu d&auml;mpfen sich aufgemacht haben <i>(Apg. 
17, 5).</i> Deswegen wurde f&uuml;r ratsam erachtet, Paulus und Silas 
bei der Nacht abzufertigen, um schwerere Zuf&auml;lle &uuml;ber ihre Personen 
und f&uuml;r das Evangelium gr&ouml;&szlig;eren Nachteil zu verh&uuml;ten 
<i>(V. 
10).</i> Doch entfernte Paulus sich nicht weit, sondern nur in eine 
benachbarte macedonische Stadt, Beroen genannt, von wo aus er den Thessalonichern 
noch manche Handreichung tun konnte. Nachdem aber die Ungl&auml;ubigen 
Juden zu Thessalonich auch dorthin nachzogen, so wurde er gen&ouml;tigt, 
sich nach Athen zu fl&uuml;chten 
<i>(V. 
13</i> + <i>14).</i> Den Silas aber 
und Timotheus lie&szlig; er zum Besten dieses Ackerwerks GOttes noch l&auml;nger 
in macedonischen Gegenden; ist auch ohne Zweifel von seinem ersten Verlangen, 
da&szlig; Timotheus und Silas aufs B&auml;ldeste nachkommen m&ouml;chten 
<i>(Apg. 
17, 15), 
</i>nachgehends wieder abgestanden, und hat die Brauchbarkeit 
dieser seiner Mitarbeiter zur St&auml;rkung der Thessalonicher erkannt 
<i>(1.Thess. 
3, 1 + 2), </i>mithin ihrer lieber noch eine Weile entbehrt; bis Timotheus 
mit guter Nachricht aus Macedonien nachkam, und den Apostel Paulus zu Korinth 
antraf <i>(Apg. 18, 5), </i>und das gab 
dann Anla&szlig; zu diesem ersten Brief an die Thessalonicher, welcher 
den angef&uuml;hrten Umst&auml;nden nach wohl nicht zu Athen, wie eine 
vormals beigesetzte Unterschrift andeutet, sondern erst in Korinth nach 
Timothei R&uuml;ckkehr zu Paulus geschrieben worden ist. Der Zweck diese 
Briefs l&auml;&szlig;t sich aus dem, was Paulus <i>Kap. 
3, 16</i> bezeugt, am richtigsten bestimmen. Der Apostel schreibt n&auml;mlich 
aus einer gar sonderlichen Sorgfalt und Liebe, da&szlig; seine zu Thessalonich 
gehabte Arbeit und geschaffte Frucht, von deren er mit so inniger Freude 
spricht, nicht verderbt und geschw&auml;cht, sondern vielmehr aller Abgang 
bei seinen Thessalonichern verh&uuml;tet, und alle weitere Kraft und Frucht 
des Evangelii gef&ouml;rdert w&uuml;rde. Das Vorz&uuml;gliche dieses Briefs 
ist, wodurch er sich von manchen apostolischen Schriften dieser Art unterscheidet, 
da&szlig; er mit gar gro&szlig;er Gelindigkeit an eine in ihrer ersten 
Bl&uuml;te stehende Gemeinde geschrieben ist, wobei der Apostel nur seine 
Freude am Guten und seine Sorgfalt &uuml;ber die Bewahrung und Befestigung 
desselben zu bezeugen hatte, ohne noch denjenigen Ernst n&ouml;tig zu haben, 
den er anderw&auml;rts gegen bereits einrei&szlig;ende Mi&szlig;br&auml;uche 
anzulegen hatte. Vom Inhalt dieses Briefs kann man sich vorl&auml;ufig 
so viel merken: 
 
<ol> 
 
<li> 
Nach einer vorangesetzten &Uuml;berschrift (<i>Kap. 
1, 1)</i>,</li> 
 
<li> 
versichert sie der Apostel seiner Freude an der  bei ihnen 
so kr&auml;ftig gewordenen Gnade GOttes und seiner z&auml;rtlichen Sorgfalt, 
abwesend und gegenw&auml;rtig Alles beizutragen, was zu ihrer Befestigung 
dienlich sein k&ouml;nnte (<i>Kap. 1 + 2 
+ 3),</i></li> 
 
<li> 
lehrt und tr&ouml;stet er sie &uuml;ber einige St&uuml;cke, 
dar&uuml;ber sie weiteren Bericht n&ouml;tig hatten (<i>Kap. 
4.),</i></li> 
 
<li> 
f&uuml;gt er unterschiedliche Ermahnungen hinzu<i> 
(Kap. 5, 122)</i>, und beschlie&szlig;t mit herzlichen W&uuml;nschen 
und Gr&uuml;&szlig;en (<i>V. 2328)</i>.</li> 
 
</ol> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Thessalonicher 1,1</font></b></h4> 
 
<p><b>&Uuml;berschrift des Briefes</b> 
 
<p>Von dem gar m&uuml;tterlichen Sinn, nach welchem der Apostel 
die Thessalonicher bei seinem Dasein unter Ihnen behandelte (<i>Kap. 
2, 7),</i> ist auch das ein Beweis, da&szlig; er jetzt in diesem Brief 
an sie blo&szlig; seinen Namen Paulus setzt, ohne den Amtsnamen eines Apostels 
oder Knechts JEsu Christi gegen ihnen zu gebrauchen. Auch hievon gilt, 
was Paulus, <i>Phil. 4, 12</i> versichert: 
ich kann niedrig sein und kann hoch sein. Es mu&szlig; nicht das gerade 
das eine Mal so viel amtliches Ansehen angewendet werden, als das andere 
Mal. Bei Werken der Kunst geht es immer aus einem Ton; wo aber Leben, und 
noch mehr, wo Geist ist, da kann es unterschiedliche n&uuml;tzliche Abwechslungengeben. 
Die Namen Silvanus und Timotheus sind nicht zum leeren Gepr&auml;nge beigesetzt, 
sondern beweisen, wie im Reich Christi auch der Begabteste es doch nicht 
allein sein, noch Alles allein ausrichten will, sondern gerne die Gelegenheit 
ergreift, sein Zeugnis der Wahrheit und seine Handlungsart dabei mit anderer 
Bestimmung zu unterst&uuml;tzen. Man kann sich auch wirklich dadurch an 
Anderer Gewissen wohl beweisen, wenn sie einem ansp&uuml;ren, da&szlig; 
man gern auch Andere als seines gleichen neben sich ankommen l&auml;&szlig;t. 
Der Aufenthalt Pauli zu Thessalonich kann sich nicht &uuml;ber etliche 
Wochen belaufen haben, und doch hinterlie&szlig; er daselbst einen Samen, 
der nach kurzer Zeit eine sch&ouml;ne Gemeine austrug. O wo man hungrige 
Herzen, angegriffenen Gewissen antrifft, da legt sich das Evangelium bald 
an; solche, deren Sinn der macedonische Mann, der dem Paulus erschien, 
in der Bitte ausdr&uuml;ckte: Komm hernieder in Macedonien und hilf uns. 
In der Umschreibung, da&szlig; er sie eine Gemeine in GOtt dem Vater, und 
dem HErrn JEsu Christo nennt, stellt er ihnen kurz den Hauptgrund ihrer 
Bekehrung vor. Von den Abg&ouml;ttern zu dem lebendigen GOtt, und von dem 
hoffnungslosen Zustand ohne Christo in die Gemeinschaft mit Christo JEsu, 
und in die frohe Anwartschaft auf seine und seines Reichs Offenbarung gebracht 
zu sein, m&ouml;chte ja wohl eine erw&uuml;nschte Ver&auml;nderung ihres 
Sinnes hei&szlig;en <i>(V. 9 + 10 und 2.Thess. 
1, 8).</i> O selige Umkehr, vorher ohne GOtt, ohne Christo; jetzt in 
GOtt dem Vater und in dem HErrn JEsu Christo sein! O k&ouml;stliche Frucht 
von der f&uuml;r alle Zeiten eingelegten F&uuml;rbitte JEsu (<i>Joh. 
17, 2021).</i> Und mit Gnade und Frieden aus dieser gesegneten Gemeinschaft 
ist man von Anfang bis ans Ende auf jeden Fall genugsam ausger&uuml;stet. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Thessalonicher 1,2-5</font></b></h4> 
 
<p><b>Paulus versichert die Thessalonicher seines best&auml;ndigen 
Angedenkens vor GOtt, wobei er die ihnen widerfahrene Gnade preise, und 
wie es damit zugegangen &ouml;fters &uuml;berlege, und sich daraus ihrer 
Erw&auml;hlung versichere.</b> 
 
<p>Sein Amt mit Freuden oder so tun k&ouml;nnen, da&szlig; 
man GOtt dabei dankt, erquickt nicht nur das Herz des Arbeiters selbst, 
sondern gewinnt auch den Anderen, die bearbeitet werden sollen, ihre Liebe 
und Gehorsam um so mehr ab. Aber Anla&szlig; und Grund zum Danken mu&szlig; 
in der Wahrheit da sein, auch nicht nur in Einbildung und Anma&szlig;ung 
bestehen. Doch darf man sich auch nicht jedes Gebrechen, oder das, was 
noch am Glauben zu erstatten &uuml;brig ist, vom Danken abhalten lassen: 
denn Danken f&uuml;r die wirklich aufkeimende Frucht ist ja auch mit Beten 
um weiters Wachstum, Bewahren und Vermehren derselben verbunden. Die blinde 
Welt will uns alles Danken &uuml;ber die  uns selbst widerfahrenen Barmherzigkeit 
oder auch &uuml;ber das Gesch&auml;ft der Gnade an Anderen, f&uuml;r pharis&auml;ische 
Aufgeblasenheit, oder f&uuml;r selbstgef&auml;lligen Betrug erkl&auml;ren, 
und damit den Geist d&auml;mpfen. Aber bleibe man nur in den sicheren Fu&szlig;stapfen 
des Glaubens, die in der Schrift an allen Gnadengenossen GOttes und ihrem 
Weg zu finden sind. Der Gnadenruhm: Mir ist Barmherzigkeit widerfahren, 
dem ewigen K&ouml;nige sei daf&uuml;r Ehre in Ewigkeit, macht nicht aufgeblasen. 
Die Freude, wenn JEsus seine Gnadenzeit bald hie bald da verkl&auml;rt, 
und man Anteil nimmt an der Barmherzigkeit, die anderen widerf&auml;hrt, 
tut niemand weh, als wer von der m&uuml;rrischen Art der Pharis&auml;er 
ist, die sich &uuml;ber einen Verlorenen und Wiedergefundenen nicht freuen 
kann, aus lauter Selbstgen&uuml;ge an ihrer eigenen Art. O selige Verbindung 
wo Danken und Beten richtig miteinander verbunden werden! O erleichterte 
Amtslast, wo der HErr immer noch die Augen &ouml;ffnet und zeigt, wof&uuml;r 
man zu danken, und wof&uuml;r man zu beten hat! Wenn Paulus aber vorher 
auf einen allgemeinen Beifall h&auml;tte warten wollen, bis Niemand mehr 
etwas gegen sein Danken und Beten einzuwenden gehabt h&auml;tte; so w&auml;re 
er langsam dazu gekommen. Und gedenken vor GOtt und unserem Vater an euer 
Werk im Glauben zc. h&auml;ngt des Apostels Rede eigentlich zusammen, und 
eben das best&auml;tigt es aufs Neue, mit wem am sichersten von solchen 
Gnadenwerken zu reden sei, n&auml;mlich mit GOtt, vor dem unser Herz selbst 
fein in Zucht und Furcht bleibt, und der Worte nicht zuviel macht, aus 
Bedacht da&szlig; Er im Himmel und wir auf Erden sind; der uns aber auch 
unsere Freude nicht so mi&szlig;deutet, wie von Menschen geschehen kann, 
weil Er genauer wei&szlig;, was dabei des Geistes Sinn sei, und wie neben 
dem fr&ouml;hlichsten Ruhm und Dank doch die innigste Demut sein kann. 
Was an jedem der drei Grundst&uuml;cke des Christentums, n&auml;mlich dem 
Glauben, der Liebe und der Hoffnung, das Edelste und Brauchbarste ist, 
was ihm seinen inneren Wert gibt, das dr&uuml;ckt der Apostel durch das 
jedem beigef&uuml;gte Wort aus: also, da&szlig; der Glaube nicht in Worten, 
sondern in der Kraft besteht, da&szlig; dabei nicht abgerissene Triebe 
und Anforderungen, sondern ein aneinander h&auml;ngender Zug GOttes zum 
Grund liegt, und da&szlig; des Menschen Herz dabei auch nicht m&uuml;&szlig;ig 
ist, sondern von einer aus der verborgenen Tiefe gesch&auml;ftigen Wahrheit 
immer getrieben wird; das hei&szlig;t ein <i>Werk 
des Glaubens</i>; und da&szlig; die Liebe nicht mit Worten und mit der 
Zunge abzufertigen ist, sondern Tat und Wahrheit haben will, und zwar das, 
nicht nur soviel einem Jeden gelegen ist und ihm Ehre und guten Leumund 
macht, und nicht zu nah an das eigene Leben greift, sondern so, da&szlig; 
man dabei von seinem Stand und dessen geb&uuml;hrenden Auszeichnungen herabsteigen, 
nicht an sich selbst Gefallen haben, sondern sich in des Anderen Umst&auml;nde 
hineinstellen mu&szlig;, das hei&szlig;t <i>Arbeit 
der Liebe</i>. Die Liebe kann ohne Arbeit nicht ausge&uuml;bt werden, 
sie flieht aber auch die Arbeit nicht, sondern sie &uuml;berwindet die 
Gem&auml;chlichkeit, den Hochmut und andere Hindernisse. Und so auch mit 
der <i>Hoffnung</i>, da&szlig; sie nicht 
zu begierig ist, sondern sich den gem&auml;&szlig;en Verzug gefallen l&auml;&szlig;t, 
da&szlig; sie aus festem Halt an das Unsichtbare so Manches im Sichtbaren 
an sich vorbeigehen lassen kann, da&szlig; die Erwartung des Herrlichsten 
sie zum Leiden und zur &Uuml;bernahme des Schm&auml;hlichsten nicht verdrossen 
macht, das ist <i>Geduld der Hoffnung</i>, 
Beharrlichkeit bis ans Ende. Unter solcher Geduld der Hoffnung kann man 
den ganzen Lauf unseres HErrn JEsu Christi zusammenfassen. Denn darin, 
da&szlig; Er sich zum Schm&auml;hlichsten bequemt, und mit unverr&uuml;ckter 
Hoffnung &uuml;ber dem Herrlichsten gehalten, lief Alles zusammen; wie 
jetzt in unserem Glaubenslauf Alles darauf ankommt, da&szlig; sich die 
Hoffnung des K&ouml;nigreichs durch die Tr&uuml;bsal mit der Geduld Christi 
durchschl&auml;gt.  Bei der herzlichen Ansprache: <i>lieben 
Br&uuml;der von GOtt geliebt</i>, ist das letzte die Ursache des ersten. 
Aber das Erste, wo man uns damit begegnet, sollte uns auch auf Erkenntnis 
und Glauben des Anderen leiten. Man wird oft von der Liebe und Zuneigung, 
die ein Mensch zu uns tr&auml;gt, sehr ger&uuml;hrt. Aber warum braucht 
man es nicht gleich auch zu einer Leiter, daran aufzusteigen: so in eines 
sonst auch harten Menschen Herz Liebe kommen kann, wie vielmehr darfst 
du dich von GOtt geliebt achten.  Wie konnte aber der Apostel sagen: <i>Wir 
wissen, da&szlig; ihr auserw&auml;hlt seid?</i> Hat er denn in das Buch 
des Lebens sehen k&ouml;nnen? Bei der Ausf&uuml;hrung sieht man auch den 
Vorsatz. Der ausgef&uuml;hrte Bau stellt auch den Ri&szlig; dar; und so 
konnte der Apostel aus der Wirkung des Evangeliums unter ihnen auch wissen, 
wie sie auserw&auml;hlt seien. Freilich, wenn der Apostel schon unter alle 
die Grunds&auml;tze der heutigen Welt, unter die vielen menschlichen Urteile 
w&auml;re gefangen gewesen, so h&auml;tte er den Mund nicht soweit aufgetan. 
Denn nach der jetzigen Art h&auml;tte er wohl nicht weiter sagen d&uuml;rfen, 
als: ich habe mein Amt unter euch getan, was zu sagen war, euch gesagt, 
und meine Seele gerettet. Ob etwas oder nichts damit ausgerichtet worden 
sei, das habe ich nicht auszumachen; ob und wo das Reich GOttes in euren 
Seelen daran sei, das kann und will ich nicht beurteilen. Da kann mich 
mein eigener Geist betr&uuml;gen, oder das k&ouml;nnte auf ein Auswahl 
machen und vorneigende Anh&auml;nglichkeit hinauslaufen, wor&uuml;ber der 
eine Teil aufgeblasen, und der andere vor den Kopf gesto&szlig;en wird. 
Allein &uuml;ber dergleichen verzagte Zweifel geht des Apostel getrostes 
Herz weg und tut den bestimmten Ausspruch: ich wei&szlig; wie ihr auserw&auml;hlt 
seid. Vielleicht hat aber nur er bei seinem ganzen Ma&szlig; des Geistes 
es wissen k&ouml;nnen oder war damals die Ver&auml;nderung bei den Bekehrten 
aus dem Judentum und Heidentum merklicher, als wenn sich heutigentags Jemand 
aus dem toten und falschen Christentum zur Wahrheit und Kraft desselben 
umwendet? Der Apostel spricht so entscheidend von ihrer Erw&auml;hlung, 
aus dem Beruf und ihren dagegen bewiesenen Gehorsam; dies zu beurteilen 
ist auch nicht &uuml;ber unser jetziges Ma&szlig;, das Werk GOttes in einer 
Seele zu pr&uuml;fen. Merklicher mag es in allewege vormals gewesen sein. 
Aber um deswillen sollen wir das, was in der heutigen Zeit seine Schwierigkeit 
hat, nicht nur aufgeben und f&uuml;r unm&ouml;glich halten. Unser Amt kommt 
sonst um seine eigentliche Seele, wenn wir nimmer zwischen Gerechten und 
Ungerechten unterscheiden, f&uuml;r tot oder lebendig erkennen d&uuml;rfen, 
was so ist. Wie wollen wir den einem Jeden seine Geb&uuml;hr geben? Wir 
verst&uuml;nden ja sonst weit weniger bei GOttes Ackerwerk, als ein Ackermann 
von seiner Handarbeit bei der k&ouml;stlichen Frucht der Erden. Was wird 
aus der Behandlung der Kranken, aus der Zubereitung der Sterbenden auf 
die Ewigkeit werden, wenn wir uns nichts mehr von dem Geist anma&szlig;en 
d&uuml;rfen, die Menschen zu pr&uuml;fen, die Wirkungen der Gnade an ihnen 
zu erkennen, mit unserem Zeugnis zu unterst&uuml;tzen, da&szlig; sie in 
die rechte Gnade seien zu stehen gekommen? Den Beweis seines von ihm getanen 
Ausspruchs nimmt der Apostel zuv&ouml;rderst von der Behandlung des Worts 
und von den Erweisungen seiner Kraft an ihren Seelen her, da&szlig; dadurch 
n&auml;mlich nicht nur Glauben vorgehalten, sondern auch kr&auml;ftig gewirkt 
worden sei, welches auch den Heiligen Geist in ihr Herz gebracht, dessen 
Triebe und Zeugnisse sich in ihnen zu kindlichem Beten und gottseligem 
Leben, auch zur Behauptung einer v&ouml;lligen Hoffnung in gro&szlig;er 
Gewi&szlig;heit angelegt haben. Neben dieser  an den Thessalonichern kund 
gewordenen Frucht und Kraft des Evangeliums bezieht sich der Apostel auch 
auf das: <i>welcherlei er unter ihnen gewesen 
sei um ihretwillen</i>, oder was GOtt auch in sein Herz ihnen zu gut 
f&uuml;r einen Flei&szlig; gelegt habe, sie zu suchen und ihre Seelen zu 
retten. Den auch der Mut und das Bezeugen, so GOtt den Lehrern schenkt, 
tr&auml;gt ihnen etwas aus, GOttes Vornehmen daraus zu pr&uuml;fen; wie 
Paulus sonderlich &uuml;ber dem Umstand erfahren, wodurch ihm sein Weg 
nach Macedonien gelenkt worden; da er vorher bei einigen anderen Gegenden 
einen Versuch machte, und es hie&szlig;: der Geist lie&szlig; es ihnen 
nicht zu <i>(Apg. 16, 6 + 7).</i> O das 
Wort: ich will dir deine Zunge am Gaumen kleben lassen<i> 
(Ez. 3, 26), </i>geht noch oft in seine Erf&uuml;llung. Desto mehr hat 
man im Gegenteil ein freudiges Auftun seines Mundes f&uuml;r ein gutes 
Zeichen des mitwirkenden GOttes zu halten, zumalen wann es mit weiterem 
Erweis einer dringenden Liebe, eines br&uuml;nstigen Eifers und anhaltenden 
Gebets verkn&uuml;pft ist. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Thessalonicher 1,6-10</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel versichert sie aus noch weiteren Kennzeichen, 
da&szlig; das die wahrhaftige Gnade sei, in die sie zu stehen gekommen, 
und was er ihrethalben immer in das dankbare Angedenken vor GOtt bringe.</b> 
 
<p>Auch der Ausdruck Pauli: ihr seid unsere Nachfolger geworden 
und des HErrn, hielte man in der heutigen Welt beinahe f&uuml;r verd&auml;chtig, 
und auf einen Sektengeist zielend, der die Leute zuviel an sich h&auml;ngen 
will. Aber die n&auml;chste Hand, durch die man zur Erkenntnis der Wahrheit 
geleitet worden, und die Ersten, die dadurch gewonnen worden, mu&szlig; 
man doch nicht voneinander trennen. Es kommt sehr verkehrt heraus, wenn 
man das Vertrauen zu denen, die mit Wort und Werk, Lehre und Leben Gehilfen 
der Wahrheit sind, so niederschlagen, und sich dabei einen Eifer f&uuml;r 
den HErrn anma&szlig;en will, und meint, man streite nur wieder eine verderbliche 
Anh&auml;nglichkeit an Menschen, und eifere damit f&uuml;r die Ehre des 
HErrn. Ja wer kommt aber zu dem HErrn, wenn er keinen F&uuml;hrer zu ihm 
hat, und zu keinem F&uuml;hrer kein Vertrauen fa&szlig;t; wer wird ein 
Nachfolger des HErrn, ohne sich auch wackeren Vorg&auml;ngern und Gef&auml;hrten 
anzuvertrauen, und auch deren Nachfolger zu werden? Das Folgende zeigt 
genugsam, da&szlig; sich die Thessalonicher doch nicht nur bis zu Paulus 
bekehrt haben. GOttes Wort h&ouml;ren und annehmen hat der Heiland selbst 
f&uuml;r das entscheidende Kennzeichen derer, die aus GOtt und aus der 
Wahrheit sind, angegeben, sonderlich wenn man auch die darauf liegende 
Decke der Schmach und Tr&uuml;bsalen sich nicht abschrecken l&auml;&szlig;t. 
Da scheidet sich insgeheim der menschliche und g&ouml;ttliche Sinn. Ein 
menschlich gutes Herz kann sein, das die Wahrheit annimmt, Freude daran 
hat, so lange es nichts dar&uuml;ber zu leiden gibt; bald aber daran k&uuml;nstelt, 
schm&auml;lert, davon abweicht, wenn sich Anfechtung dar&uuml;ber erhebt, 
und Hoffnung ist, durch eine solche k&uuml;nstliche Wendung mit dem Kreuz 
Christi verschont zu bleiben. Grundweich, grundredlich aus GOtt ist ein 
Herz, das die Wahrheit GOttes aus seinem lieben Wort annimmt, es ergehe 
ihm auch dar&uuml;ber, wie es wolle. Eine solche Freude am Wort GOttes 
hei&szlig;t eine Freude im Heiligen Geist, die sich von der Freude unterscheidet, 
womit Manche das Wort aufnehmen, die nur eine Zeitlang glauben. Der Heilige 
Geist f&uuml;hrt tiefer in das hinein, was im Herzen der eigentliche Same 
zur Wiedergeburt wird, und eine dauerhafte Freude gew&auml;hrt. Von den 
Thessalonichern, die sich anfangs fein zur Nachfolge bequemten, sagt der 
Apostel bald auch, sie seien Anderen ein <i>Vorbild 
geworden</i>: denn so geht es. Wer die Demut bei der Nachfolge ausschl&auml;gt, 
der erlangt auch die Gnade nicht, ein Vorbild zu werden. Der Allerh&ouml;chste 
tut gro&szlig;e Dinge durch die Dem&uuml;tigen, w&auml;hrend dem, da&szlig; 
diejenigen, die gern gro&szlig;e Genies und Originalgeister vorstellen 
wollen, und sich an der Nachfolge, oder wie sie es sp&ouml;ttischerweise, 
am Nachbeten eigenwilligerweise sto&szlig;en, zuletzt so fallen, da&szlig; 
sie des Aufstehens vergessen. Der Eingang, den das Wort bei den Thessalonichern 
gehabt, die Frucht, der Glaube, den es geschafft, hat ihm auch bei Anderen ein 
Ansehen gemacht, und ihre Aufmerksamkeit darauf geweckt.  Der Ausdruck 
<i>ausgebrochen</i>, 
ist von einer Flut hergenommen, die sich nicht aufhalten l&auml;&szlig;t; 
mithin mu&szlig; es auch Leute gegeben haben, die sich gern zum Ausbreiten 
eines solchen Werks GOttes haben gebrauchen lassen, die gern davon redeten 
und zeugten. Wie es hinwiederum an solchen nicht fehlte, die es gern d&auml;mpften 
<i>(Apg. 
17, 56).</i> <i>Bekehrung von den Abg&ouml;ttern 
zu dem lebendigen und wahren GOtt</i> war freilich ehemals eine gro&szlig;e 
Ver&auml;nderung. Aber es ist noch jetzt nichts Geringes, wenn beim Gehorsam 
der Wahrheit die G&ouml;tzen des Reichtums, der Wollust, der Ruhe f&uuml;r 
das Fleisch, der Ehre bei Menschen, des Gesuchs, sein Leben zu erhalten 
auf dieser Welt, seiner Eigenliebe, seines Vertrauens auf das Fleisch, 
u. dergl. aus der Liebe seines Herzens gest&uuml;rzt werden. Die G&ouml;tzen 
von den Alt&auml;ren waren ehemals durch die reinere Erkenntnis von GOtt, 
die manche Weltweise selbiger Zeit hatten, nicht zu st&uuml;rzen. Das Wort 
vom Kreuz mu&szlig;te kommen, welches die G&ouml;tzen auch in der Liebe 
des Herzens, und sofort auch in den Gliedern zum Aufh&ouml;ren brachte; 
sodann fielen sie auch in dem Dienst, der ihnen vor den Alt&auml;ren geleistet 
wurde; wie hingegen jetzt der GOtt der fleischlichen L&uuml;ste und der 
unreinen Brunst in manchem Herzen, und von dort aus in vielen Gliedern 
herrscht, ohne da&szlig; man ihm gerade Alt&auml;re aufrichtet. Dem lebendigen 
und wahren GOtt kann allein im Geist und in der Wahrheit gedient werden; 
aber es erfordert ein im Blut JEsu von den toten Werken gereinigtes Gewissen, 
diesem lebendigen GOtt zu dienen <i>(Hebr. 
9, 14).</i> Ohne Gemeinschaft mit dem Licht, die man nicht anders, als 
neben Bekenntnis unserer S&uuml;nden und erfahrener Reinigung im Blut JEsu 
Christi f&uuml;hren kann, behandelt man auch den lebendigen und wahren 
GOtt nicht besser, als wie einen stummen G&ouml;tzen. Licht das in das 
Gewissen dringt, und den Menschen zur Bekenntnis der S&uuml;nden nach allem 
Wort und Wahrheit GOttes anh&auml;lt, und Zugang zu GOtt und der Gnade 
unter der  uns im Evangelio angewiesenen Vers&uuml;hnung f&uuml;r unsere 
S&uuml;nden, macht zusammen einen Dienst im Geist und in der Wahrheit aus, 
welcher GOtt als einem lebendigen und wahren GOtt, begegnet.  <i>Des 
Sohnes GOttes vom Himmel warten</i>, ist das uns im Evangelium so oft 
vorgehaltenen Ziel unserer Hoffnung, und macht die ganze Bereitschaft eines 
Christen aus, wobei er von allem r&uuml;ckw&auml;rts frei und vorw&auml;rts 
wacker ist, mit seinem Hoffen und Warten auf nichts zielt, als auf die 
Offenbarung des HErrn JEsu und seines Reichs; und seine jetzige Gemeinschaft 
mit dem Vater und seinem Sohn JEsu Christo so f&uuml;hrt, wie er dar&uuml;ber 
Freudigkeit zu haben hoffen kann bei der Zukunft unseres HErrn JEsu Christi 
<i>(1.Joh. 
2, 25).</i> Mit der <i>Auferweckung seines 
Sohnes von den Toten</i> und mit seligem Erweis, da&szlig; Er GOttes 
Sohn sei, hat GOtt auch Alles, was noch weiter von der Herrlichkeit desselben 
zu erwarten ist, glaublich gemacht. Darin, da&szlig; Er uns <i>von 
dem zuk&uuml;nftigen Zorn erl&ouml;st hat</i>, fa&szlig;t der Apostel 
das Gute, das wir haben in Christo JEsu, fein zusammen. Denn <i>Zorn 
GOttes</i>, Offenbarung desselben &uuml;ber alles gottlose Wesen der 
Menschen, Gericht &uuml;ber das Verborgene, ist schon tief in das Gewissen 
aller Menschen geschrieben. Darunter bleiben  und werden auch schon von 
der Furcht davor in dieser und der zuk&uuml;nftigen Welt schmerzlich genagt 
alle diejenigen, die nicht aus dem Evangelium zur Hoffnung der Herrlichkeit 
wiedergeboren, und dadurch in die Bereitschaft auf JEsu Kommen gesetzt 
worden sind. Erkenntnis der Liebe GOttes in Christo, nach welcher wir nicht 
gesetzt sind zum Zorn, sondern die Seligkeit zu besitzen durch unseren 
HErrn JEsum Christum <i>(1.Thess. 5, 9), 
</i>treibt die peinliche Furcht aus; und so widerf&auml;hrt uns schon t&auml;glich 
Errettung von dem zuk&uuml;nftigen Zorn. O GOtt! La&szlig; uns das Zeugnis 
von Deinem Sohn JEsu Christo, unserem HErrn, uns ganz und gar durchdringen, 
da&szlig; wir seiner mit lauterer Freudigkeit erwarten k&ouml;nnen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Thessalonicher 2,1-6</font></b></h4> 
 
<p><b>Dem Apostel hat man schon aus den &Auml;u&szlig;erungen 
im ersten Kap. ansp&uuml;ren k&ouml;nnen, wie viel ihm die Gewi&szlig;heit 
ausgetragen habe, mit welcher er nach Apg. 16, 10 an die Arbeit in Macedonien 
gegangen ist, gewi&szlig;, da&szlig; ihn der HErr dahin berufen h&auml;tte, 
ihnen das Evangelium zu predigen. Nun denkt er noch umst&auml;ndlicher 
den Wegen GOttes nach, auf denen er nach Thessalonich gef&uuml;hrt worden, 
und zu was einem lauteren Wandel in der Wahrheit ihn GOttes Augenleitung 
angehalten habe.</b> 
 
<p>Oben hat der Apostel seine gute Zuversicht, in welcher 
er der Thessalonicher halben stehe, mit dem unterst&uuml;tzt: <i>Wir 
wissen</i> (<i>Kap. 1,4).</i> Nun 
will er auch ihre Herzen gewi&szlig; machen, und mahnt <i>sie</i> 
an das, was sie aus ihrer n&auml;chsten R&uuml;ckerinnerung <i>wissen</i> 
k&ouml;nnten. Der Apostel Lauf hatte etwas vorz&uuml;glich heldenm&uuml;tiges, 
und darum haben sie bald <i>im Anfang oder 
Eingang</i> an ein Ort das Meiste ausgerichtet. GOtt kann es auch noch 
jetzt einem manchen seiner Knechte so bescheren. Doch bleibt es der freien 
Gnade auch anheim gestellt, eines Manchen sp&auml;tere Jahre auch noch 
mit Fr&uuml;chten zu segnen. Ja eines Menschen Zeugnis der Wahrheit hat 
auch noch eine gute Nachwirkung, wenn er selbst schon schlafen gegangen 
ist <i>(Joh. 10, 41), </i>und es erntet 
oft ein Nachfolger mit Freuden, &uuml;ber dessen Aussaat mit Weinen sein 
Vorfahr dahin gegangen ist <i>(Joh. 4, 37 
+ 38).</i> Der m&auml;&szlig;ige Ausdruck, den der Apostel braucht: 
sein <i>Eingang sei nicht vergeblich gewesen</i>, 
lehrt uns in solchen F&auml;llen eher zu wenig als zu viel zu sprechen. 
Was sie in <i>Philippen f&uuml;r Leiden</i> 
betroffen, hat ihre Gewi&szlig;heit, da&szlig; sie GOtt dahin berufen habe, 
nicht geschw&auml;cht. Noch in den Banden daselbst haben sie durch das 
Evangelium Kinder gezeugt. Erst neulich h&ouml;rte ich von einem Knecht 
des HErrn in unserem Vaterlande, er habe lange gezweifelt, ob er auch einen 
g&ouml;ttlichen Beruf an den damaligen Ort seines Aufenthalts und die dortige 
Arbeit habe; aber seitdem ihm nun so Manches daselbst zu leiden vorgekommen 
sei, habe ihm das die G&ouml;ttlichkeit seiner Sendung vergn&uuml;glich 
versiegelt. Das Leiden schw&auml;cht den Glauben nicht, und ebenso benimmt 
es auch die <i>Freudigkeit</i> nicht 
zum Auftun des Mundes. Das Leiden, mit Liebe und Willigkeit &uuml;bernommen, 
versichert uns ja, da&szlig; man in das Bild Christi erneuert werde und 
auf die Fu&szlig;stapfen komme, darin alle in der Welt geschm&auml;hten 
Zeugen der Wahrheit gewandelt haben. Das gibt Freudigkeit und den n&ouml;tigen 
Sieg &uuml;ber so viele Liebhaber ihres eigenen Lebens, die man mit der 
Wahrheit GOttes anzugreifen hat. Leiden macht ein gutes Salz; Kreuzesflucht 
macht zum dummen Salz. Wenn wir von Freudigkeit bei den Aposteln h&ouml;ren, 
so meinen wir oft, alle Furcht sei weggeblasen gewesen. Aber die Apostel 
selbst stellen Beides gern nebeneinander hin, einerseits was durch Gnade 
vorgeschlagen, und den Sieg behalten habe, n&auml;mlich die Freudigkeit; 
andererseits aber auch die Anf&auml;lle von der Natur und von dem Anblick 
in der Welt, durch die es sich <i>mit gro&szlig;em 
K&auml;mpfen</i> habe durchschlagen m&uuml;ssen.  Unter dem Ausdruck: 
<i>unsere 
Ermahnung</i>, fa&szlig;t er seinen ganzen Dienst am Wort und Lehre 
zusammen, teilt es aber im Folgenden (<i>V. 
1112), </i>so auseinander, euch 
<i>ermahnt, 
getr&ouml;stet und bezeugt</i>, mithin Alles so eingerichtet, da&szlig; 
wir Grund und Gewi&szlig;heit gegeben, Trieb und Willigkeit beigebracht, 
St&auml;rkung eingefl&ouml;&szlig;t, sich das Leiden nicht abschrecken 
zu lassen. Da&szlig; der Apostel es so ablehnt: <i>nicht 
zum Irrtum, noch zc</i>. deutet an, da&szlig; dergleichen Beschuldigungen 
<i>(vgl. 
2.Kor. 6, 8)</i> auf den Apostel und seinen Vortrag gelegt worden sind; 
wie es der Welt noch ein Leichtes ist, das Eine mit dem Schein des Irrtums, 
Aberglaubens, eigener Meinungen zu belegen, beim &Uuml;brigen aber, was 
man Jemanden noch gelten lassen mu&szlig;, ihn doch unlauterer Absichten 
und eigenen Gesuchs zu beschuldigen. Denkt man aber: Was ist es denn? 
K&ouml;nnte man nicht die arge und daher argw&ouml;hnische Welt richten 
lassen, was sie wollte, und nur still seinen Weg fortgehen, und sein Werk 
forttreiben, und an dem Trost GOttes h&auml;ngen; so haben ihre V&auml;ter 
es den Zeugen der Wahrheit auch schon gemacht? Ja! Das ist der sicherste 
und auch gew&ouml;hnlichste Weg. Doch sieht man aus dergleichen Verteidigungen, 
die der Apostel hier und anderw&auml;rts vornimmt, da&szlig; es auch Zeiten 
und F&auml;lle geben kann, wo man sagen mu&szlig;: es ist nicht so. Nicht 
als ob man damit der Welt den Mund stopfen k&ouml;nnte und wollte, sondern 
da&szlig; man Herzen, die schon auf dem Weg sind, nach der Wahrheit GOttes 
zu fragen, Luft macht, da&szlig; sie nicht von solchem Blendwerk abgehalten 
werden. Und das wird oft um so n&ouml;tiger, weil nicht zu leugnen ist, 
da&szlig;, wie schon zu der Apostel Zeiten, also auch in unseren Tagen, 
selbst unter dem Vorwand des Evangelii, auch 
<i>Irrtum, 
Unreinigkeit und List</i> getrieben wird. Seit der Satan dem Heiland 
bei der Versuchung auf dem Berg den Antrag machte, er wolle Ihm alle Reiche 
der Welt geben, wenn er niederfalle und ihn anbete, seitdem geht er immer 
darauf um, so etwas aufzubringen, wie wenn er sich mit Christo die Welt 
teilen wollte. Daraus zieht er einen doppelten Vorteil. Seine Kinder der 
Bosheit bringt er eine Weile unter dem Schein des guten Weizens fort; und 
wenn endlich ihre Bosheit offenbar wird, so macht er hernach auch dem guten 
Weizen ein b&ouml;s Geschrei, da&szlig; es hei&szlig;t: So ist es, man 
kann Niemand trauen; es hat so einen guten Schein gehabt, und jetzt kommt 
dieser und jener Betrug heraus. Darum sind lautere Herzen zuweilen, freilich 
nicht ohne vieles K&auml;mpfen gedrungen, ihre Unschuld zu bezeugen. Das 
weckt uns alle Morgen das Ohr, da&szlig; wir doch der auf uns gefallenen 
Wahl GOttes so entsprechen und sagen k&ouml;nnen: <i>wie 
wir von GOtt bew&auml;hrt sind, also reden wir</i>. Auf das Herz und 
dessen von GOtt, dem Herzensk&uuml;ndiger, gepr&uuml;fte und bew&auml;hrte 
Reinigkeit kommt bei der Predigt des Evangelii viel an; nur in ein gutes 
Gewissen kann das Geheimnis des Glaubens gelegt werden. Es braucht ein 
bew&auml;hrtes Herz, da&szlig; man das Kreuz Christi die einige Weisheit, 
die einige Gerechtigkeit sein lasse, wie es GOtt dazu gemacht hat. Bei 
dem Bestreben, nicht den Menschen zu gefallen, sondern GOtt, ist die Pforte 
eng und der Weg schmal. An der Menschen Gewissen soll man sich doch wohl 
beweisen, machen soll man es doch mit ihnen, da&szlig; sie einem Gutes 
zutrauen, und das Herz und Ohr nicht aus Mi&szlig;trauen abwenden; und 
doch nicht nach dem Fleisch ihnen gef&auml;llig werden; Jedermann alle 
Gelindigkeit, Nachgeben und Dienstfertigkeit beweisen, und doch an dem 
Kreuzessinn genugsame Scheidung an sich haben, da&szlig; man nicht den 
Menschen, sondern GOtt zu gefallen beflissen sei. Nicht nur im Anfang und 
bei der ersten Annahme in seinen Dienst pr&uuml;ft GOtt unser Herz, sondern 
t&auml;glich und st&uuml;ndlich. Seine feuerflammenden Augen, seine Kraft 
Herzen und Nieren zu pr&uuml;fen, zieht der HErr JEsu auch zum Reinigen 
der Kinder Levi an, die schon lange am Kirchendienst standen <i>(Offb. 
2, 24</i>). K&ouml;stliche Wirkung von dem Geist der Herrlichkeit, der 
&uuml;ber den Leidenden ruht, und sie anh&auml;lt, unter dem tiefsten Hinuntertauchen 
unter die Leidenstaufe doch ihr Haupt aufzurichten, und zu ihrem GOtt zu 
sagen: nun kennt er ja unseres Herzens Grund <i>(Ps. 
44, 22).</i>  Den Verdacht <i>mit Schmeichelworten 
umgegangen zu sein</i>, lehnt der Apostel noch besonders ab, weil es 
aus dem Bezeugen, dessen er selbst gleich nach <i>V. 
7 + 8</i> gedenkt: da&szlig; er m&uuml;tterlich, wie eine Amme, gehandelt, 
das Herz mit ihnen zu teilen bereit gewesen sei, an Vorwand nicht wird 
gefehlt haben, ihn der Schmeichelworte zu beschuldigen. Um der Menschen 
Seelen zu gewinnen, kann man nicht zuviel tun; und wenn das die Welt Schmeichelworte 
hei&szlig;t, so hat man sich so wenig daran zu kehren, so wenig der HErr 
JEsus um der feindseligen Pharis&auml;er willen sein Essen und Trinken 
mit den Z&ouml;llnern und S&uuml;ndern unterlassen hat. Freilich wenn man 
bei den Menschen f&uuml;r sich und die Seinigen etwas erschleichen, andere 
zu ihrem eigenen Seelenschaden einschl&auml;fern will, dann kann man in 
Gefahr der Schmeichelworte laufen. Deswegen lehnt der Apostel gleich auch 
den <i>Geiz</i> von sich ab, oder das 
Gesuch Gottseligkeit wie ein Gewerbe zu treiben <i>(1.Tim. 
6, 5).</i> An der Unschuld und dem guten Leumund eines Knechts Christi 
ist wohl so viel gelegen, da&szlig; man es deswegen auf einen Eid d&uuml;rfte 
ankommen lassen, wie der eifrige Ausdruck des Apostels: GOtt ist des Zeuge! 
zu erkennen gibt. Wenn man bei der Nachfolge Christi und beim Dienst am 
Evangelio endlich nichts mehr gegen einen Gl&auml;ubigen aufbringen kann; 
so ist der Verdacht des Gesuchs der Ehre noch das Letzte und Scheinbarste. 
Es ist aber wiederum eine blo&szlig;e Verwirrung der Begriffe. Das ist 
wahr vom Christentum, als dem Trachten nach dem Reich GOttes, und nach 
dem Ruhm, den wir vor GOtt haben sollen, vom Flei&szlig;, gutes Gewissen 
zu bewahren, vom Bestreben, dem HErrn zu gefallen, und sich Ihm als einen 
unstr&auml;flichen Arbeiter zu bew&auml;hren, ist freilich die Ehrliebe 
unzertrennlich. Deswegen ist es wahr, niedertr&auml;chtige Leute sind die 
Christen nicht; mit gro&szlig;en Absichten und Hoffnungen gehen sie um. 
Aber nicht von Leuten, nicht von Menschen, nicht in dieser Zeit suchen 
sie Ehre, sondern auf die Auferstehung der Gerechten borgen sie. Macht 
die Welt hier&uuml;ber den Einwurf: Ja, aber eben damit will man sich gro&szlig; 
machen auch vor den Leuten, so bleibt nichts &uuml;brig, als da&szlig; 
man sagt: Nun wenn du so argdenklich bist und bleiben willst, so gibt es 
ja deinesgleichen, die auf die Christen, um dieser hoffenden Ehre willen, 
jetzt desto mehr unverdiente Schmach legen. Treib denn, wenn du keiner 
besseren &Uuml;berzeugung Raum geben willst, dein Argesdenken fort, bis 
der HErr das Verborgene der Menschen an das Licht bringen, und den Rat 
der Herzen offenbaren wird; siehe zu, wem alsdann von GOtt Lob widerfahren 
wird. Du aber, o HErr JEsu, regiere mich und Alle, denen es um Wahrheit 
zu tun ist, je l&auml;nger je mehr so, da&szlig; wir uns und Andere nach 
der Wahrheit sch&auml;tzen, damit wir durch das Licht Deines Tages in keinem 
St&uuml;ck besch&auml;mt werden! Amen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Thessalonicher 2,7-12</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel f&auml;hrt fort, die Thessalonicher unter 
Beziehung auf ihr eigen Gewissen zu erinnern, was f&uuml;r einen  dem 
Evangelio w&uuml;rdigen Wandel sie an ihm gesehen haben, und was sie sich 
daraus zur Best&auml;tigung des unter ihnen gef&uuml;hrten Zeugnisses und 
zur Nachfolge in seinen Fu&szlig;stapfen nehmen k&ouml;nnten.</b> 
 
<p>Unter<i> das schwer sein 
als Christi Apostel</i> wird gleich (<i>V. 
9),</i> auch das gerechnet, da&szlig; er von ihnen f&uuml;r die Predigt 
des Evangelii auch seinen Unterhalt h&auml;tte nehmen k&ouml;nnen. Kraft 
des Gegensatzes aber: wir sind m&uuml;tterlich gewesen bei euch, mu&szlig; 
es hier noch etwas anderes andeuten; n&auml;mlich das Nachgeben von demjenigen 
Ansehen, das er sich h&auml;tte nehmen, und nach demselben ihre ihm schuldige 
Achtung fordern k&ouml;nnen; dessen er sich aber aus Liebe begeben habe. 
Darin liegt ein gro&szlig;es Geheimnis des Reiches Christi, da&szlig; er 
durch Liebe, wodurch der Gr&ouml;&szlig;te wie Aller Diener wird, mehr 
ausrichtet, mehr fruchtbare Ordnung erh&auml;lt, als in allen Weltreichen 
durch noch so hochgetriebenen Unterschied der St&auml;nde nicht erreicht 
wird. Darin liegt aber auch ein Hauptbeweis, da&szlig; man ein Sch&uuml;ler 
der himmlischen Weisheit geworden ist, wenn man es darin zu treffen wei&szlig;, 
da&szlig; man aus dem  unseren &Auml;mtern jetzt nach der Landesverfassung 
anhangenden Unterschied, Rang, und was man sich darauf herausnehmen k&ouml;nnte, 
nicht so besteht, da&szlig; dar&uuml;ber die Liebe, die sich Jedem zum 
Knecht machen sollte, Not litte. Und doch, da&szlig; man auf der anderen 
Seite von Unlauteren auch nicht &uuml;berlistet wird, da&szlig; sie uns 
zu Dienern aller ihrer Absichten machen k&ouml;nnen. Freiwillig sich nach 
Anderen richten, und dabei zwar nicht ihren Willen tun, aber doch ihr Bestes 
redlich suchen, wie es in einem wohlgeordneten Haus zwischen Ehegatten, 
zwischen Eltern und Kindern sein soll, das ist die richtigste Spur.  <i>M&uuml;tterlich, 
wie einen Amme</i>, handeln, kann dem gro&szlig;tuischen Weltsinn sehr 
ver&auml;chtlich vorkommen; aber wenn man nur auch bed&auml;chte, wie klein 
Alles bei denen, die jetzt die Gr&ouml;&szlig;ten sind, angefangen hat, 
und wie n&ouml;tig ihnen eine Pflege war, sie aus ihren Schwachheiten herauszuziehen, 
so m&uuml;&szlig;te es uns doch auch einfallen: la&szlig; mich an Anderen 
&uuml;ben was du an mir getan. Wie wenig ist all unser Nachgeben und Herablassen 
gegen Dem, wohin die Liebe den Sohn GOttes getrieben hat. Schrecklich ist 
es freilich auch, wenn man dergleichen nachgiebiges Wesen nicht aus dem 
Schatz der Liebe Christi darreicht, nicht mit dem Salz seiner himmlischen 
Wahrheit w&uuml;rzt, sondern aus Eigennutz so etwas nach&auml;ffen will, 
wodurch man der Menschen Seele nicht errettet, sondern verderbt. <i>Herzenslust 
</i>und 
besondere Liebe an den durch das Evangelium gezeugten Kindern l&auml;&szlig;t 
sich so wenig verbieten, als die nat&uuml;rliche Liebe und Freude an wohlgeratenen 
Kindern. Es tut auch der allgemeinen Liebe und der unverdrossenen Arbeit 
an denen, die noch zur&uuml;ck sind, nicht so viel Eintrag, als man oft 
besorgt. Es st&auml;rkt vielmehr den Mut, da&szlig; man keinen Einzigen 
aus seiner Hoffnung und aus seiner Liebe fallen l&auml;&szlig;t. Wenn uns 
immer Beispiele vorkommen, da&szlig; die Gnade m&auml;chtiger ist als die 
S&uuml;nde, und wie diese m&auml;chtige Gnade noch manchen Feind eingeholt 
und beg&uuml;tigt hat; so hilft das auch der allgemeinen Liebe auf. Wenn 
man schon einen Unterschied machen mu&szlig;, und nicht an Allen gleiche 
Herzenslust haben kann; so sind doch sonst andere Gr&uuml;nde &uuml;brig, 
aus denen ich solche auch Liebe, Mitleiden, Verl&auml;ugnungssinn genie&szlig;en 
lassen kann, oder sie doch sonst &uuml;berzeugen, da&szlig; man nicht herrschs&uuml;chtig, 
eigenn&uuml;tzig an ihnen handle. Den HErrn JEsum hat es wirklich das Leben 
gekostet, das Evangelium in die Welt zu bringen. Ein Diener des Evangelii 
will nun gern auch sein Leben nicht lieb haben auf dieser Welt, wenn er 
nur die Annahme des Evangelii bei Jemanden bef&ouml;rdern kann. Wenn schon 
nicht gerade t&auml;glich Gelegenheit dazu vorkommt, so kann es doch bei 
Seuchen, Sterbensl&auml;ufen und anderen Vorfallenheiten oft Umst&auml;nde 
geben, wozu eine Liebe geh&ouml;rt, die das Leben f&uuml;r die Br&uuml;der 
zu lassen gest&auml;rkt ist. Ihr Angedenken an solche Umst&auml;nde zu 
wecken, h&auml;lt der Apostel nicht f&uuml;r &uuml;berfl&uuml;ssig noch 
unanst&auml;ndig. Neben der Predigt des Evangelii so zu arbeiten, wie der 
Apostel f&uuml;r seinen Unterhalt gearbeitet hat, ist nach der jetzigen 
Einrichtung bei geordneten Besoldungen nicht gerade mehr so n&ouml;tig, 
noch auch so leicht ausf&uuml;hrbar. Doch fehlt es nie an Gelegenheit und 
Anla&szlig;, da&szlig; man in der Haushaltung, Kinderzucht, Kleidern, Gem&auml;chlichkeit 
Manches Einziehen kann, damit man teils eher hat zu geben den D&uuml;rftigen, 
teils damit unser bestimmtes Einkommen eher hinreicht, und man sich und 
Anderen nicht mit soviel Klagen, nicht mit soviel Bestrebung nach &Auml;nderungen 
beschweren darf; oder auch, da&szlig; man das, was man von dem Seinigen 
zuzusetzen gen&ouml;tigt ist, nicht so hoch anrechnet, sondern denkt: es 
ist ebenso viel, als wenn ehemalen Paulus neben der Predigt des Evangelii 
wie ein Handwerksmann gearbeitet, und sich davon gen&auml;hrt habe. Wenn 
man nur das, was man zusetzt, immer so ansehen kann, als um des Evangelii 
willen getan und zugesetzt.  <i>Ihr seid 
des Zeugen und GOtt</i>. Vergeblich ist es, sich auf GOtt berufen, und 
doch vieler Menschen Gewissen zu Zeugen wider sich haben. Vermessen ist 
es aber auch, Jemand, der sich am Gewissen wohl beweist, nur mit dem Verdacht 
heimlicher T&uuml;cke belegen, und ihn und seine Sache f&uuml;r so zweideutig 
ansehen, da&szlig; die Entscheidung erst auf GOttes Gericht ausgesetzt 
bleiben mu&szlig;. Wer in g&ouml;ttlichen Dingen nicht das Seine sucht, 
sondern dem Willen GOttes dient, der handelt <i>heilig</i>; 
wer den N&auml;chsten in nichts in seinem Recht kr&auml;nkt, sondern ihm 
alle Liebe beweist, der handelt <i>gerecht</i>; 
und wer sonst in seinem Betragen, Reden, Tun und Lassen vermeidet, da&szlig; 
man ihm keinen anst&ouml;&szlig;igen Unterschied zwischen Lehre und Leben, 
zwischen Sprache auf der Kanzel und im gemeinen Leben aufb&uuml;rden kann, 
der wandelt <i>unstr&auml;flich</i>. 
An dem Gewissen und Zeugnis derer, die glauben, ist das Meiste gelegen. 
Andere, die selbst nichts mit Gehorsam der Wahrheit angreifen, und also 
auch die Schwierigkeiten beim Wandel in der Wahrheit nicht aus Erfahrung 
an sich selbst kennen, geben keine Richter ab, deren Urteil man so hoch 
zu achten h&auml;tte. Darin, da&szlig; wir einen Jeglichen unter unseren 
Gemeinden geh&ouml;rig besorgten, bleiben wir in der heutigen Zeit sehr 
zur&uuml;ck. Der treue Knecht GOttes, der selige Dr. Spener, sagt in einer 
seiner Abschiedspredigten: " Ich kann nicht sagen, da&szlig; ich rein bin 
von Aller Blut: denn ich kann nicht sagen, da&szlig; ich nicht abgelassen 
habe, einen Jeglichen zu ermahnen." Gr&uuml;ndlich bezeugen, mitleidig 
an den Schwachheiten anfassen, und mit Trost durch die Schwierigkeiten 
durchf&uuml;hren, und anhaltend zum unverdrossenen Fortmachen ermahnen, 
gibt t&auml;gliche Arbeit. Seinem Christenberuf oder dem Evangelio w&uuml;rdiglich 
wandeln, stellt schon ein genaues Licht auf alle unsere Wege; aber w&uuml;rdiglich 
vor GOtt wandeln, der uns berufen hat, l&auml;&szlig;t noch weniger etwas 
Unrichtiges neben her laufen. Im Beruf zu GOttes Reich und Herrlichkeit 
liegt ja das Recht an unaussprechlich viel Gutes, aber gewi&szlig; auch 
die Macht gegen vieles dasselbe aufhaltendes B&ouml;se 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Thessalonicher 2,13-16</font></b></h4> 
 
<p><b>Nun legt es der Apostel auch etwas umst&auml;ndlicher 
dar, was ihn an der Thessalonicher Bezeugen allermeist gefreut, und zu 
Dank erweckt habe, und versichert sie daraus, da&szlig; ihnen gegeben sei, 
nicht nur an Christum zu glauben, sondern auch um seinetwillen zu leiden; 
mithin da&szlig; ihr Glaube das rechte Siegel habe, das er haben soll, 
n&auml;mlich der Sieg zu sein, der die Wellt &uuml;berwindet.</b> 
 
<p>Das ist die f&uuml;r die Ehre GOttes eifrige Sprache der 
Schrift, da&szlig;, wo wir sagten: es freut mich, ich denke nie ohne Freude 
daran, da treibt der Geist, aus welchem die Schrift geschrieben ist, an, 
zu sagen: <i>Wir danken GOtt</i>, damit 
Er immer als der Geber dieser erfreulichen Schickungen erkannt werde, und 
auch die Freude ein Salz habe, wobei das Fleisch weniger sich selbst etwas 
zuschreiben k&ouml;nne. GOtt hat sein Herz, seinen Sinn und Rat &uuml;ber 
uns in Worte gefa&szlig;t; den auszusprechen, und mit Beweisung des Geistes 
und der Kraft vorzutragen, hat er sich Werkzeuge erweckt und ausgesandt. 
Wo die nun hinkommen, und ihr Zeugnis ablegen, da empfangen Andere durch 
das Geh&ouml;r das Wort g&ouml;ttlicher Predigt, oder einen Ausdruck von 
GOttes Herzen &uuml;ber sie; und wie sie sich durch dies Geh&ouml;r zum 
Nachdenken, &Uuml;berzeugung und Gehorsam bringen lassen; so wirkt GOtt 
im Innern durch dies Wort zum Seligmachen ihrer Seelen fort. Deswegen ist 
freilich sehr viel daran gelegen, wie ein Mensch mit dem umgeht, was er 
zu h&ouml;ren Gelegenheit hat. Es sind freilich nur Samk&ouml;rnlein, sie 
sind leicht vertreten, durch einen leichtsinnigen Gedanken, Vorurteil, 
und Mi&szlig;deutung vom Herzen weggenommen. Aber damit ist Alles, was 
daraus erwachsen w&auml;re, Glauben und Seligwerden verhindert. Wer aber 
merkt, was ihm im Wort GOttes angeboten wird, warum er es so n&ouml;tig 
hat, in wie viel Dingen er ohne Wort GOttes im Finstern s&auml;&szlig;e, 
ungewi&szlig; und hoffnungslos dahin ginge; der nimmt es wie eine ihm angebotene 
Hilfe an. Nimmt man doch auch eines Menschen Wort an, traut eines Menschen 
Zeugnis. Und es ist keine geringe Versuchung, wenn auch das Vertrauen auf 
Menschen Wort so sehr abnimmt: es erschwert den menschlichen Lebensgang 
sehr; ja das Mi&szlig;trauen, das man in alle Menschen setzt, veranla&szlig;t 
oft auch, da&szlig; man sich weniger einem F&uuml;hrer in Christo anvertraut. 
Der Thessalonicher Herz aber neigte sich zu Pauli glaubw&uuml;rdigem Zeugnis, 
und hielt das Wort der Wahrheit in seinem Munde nicht f&uuml;r Menschen 
Wort, sondern f&uuml;r GOttes Wort. Denkt man etwa: ja, aus dem Mund 
eines so begabten Apostels haben sie es schon so annehmen k&ouml;nnen; 
aber, wer will uns zumuten, jetzt Alles, was von den Kanzeln erschallt, 
f&uuml;r GOttes Wort anzunehmen? Es hat damals auch seine Schwierigkeiten 
gehabt. Paulus stand zu Thessalonich nicht in all der Achtung, die wir 
jetzt gegen ihn tragen k&ouml;nnen. &Auml;u&szlig;erlich war er wie ein 
Handwerksmann anzusehen <i>(V. 9), </i>innerlich 
machte der Widerspruch, den er zu leiden hatte, Vieles zu schaffen. Da&szlig; 
man also sein Wort als GOttes Wort annehmen konnte, dazu halfen die Mittel, 
die auch noch bei unserem heutigen Vortrag anschl&uuml;gen: forschen in 
der Schrift, ob sich es also verhalte <i>(Apg. 
17, 11). </i>Nimm wenigstens das als Wort GOttes an, was du mit Beistimmung 
deines Gewissens daf&uuml;r annehmen kannst. GOtt m&auml;&szlig;igt seine 
Wirkung in denen, die glauben, so, da&szlig; Er sich durch das Wort anbietet, 
und wie sich ein Mensch in das darunter angebotene Licht schickt, und mit 
dem dabei noch &uuml;brigen Schatten Geduld hat, so kann GOtt in seinem 
Inwendigen fortwirken, und ihn immer mehr an das Licht bringen, und ihm 
aus dem Glauben auch Willigkeit, dar&uuml;ber zu leiden, schenken. F&uuml;r 
die ausw&auml;rtigen, in der Zerstreuung unter anderen V&ouml;lkern lebende 
Israeliten w&auml;re es ein gar schweres &Auml;rgernis gewesen, wenn sie 
JEsum Christum, den Gekreuzigten, auf die Predigt des Evangelii h&auml;tten 
glauben sollen, den doch ihre Obersten und das Volk zu Jerusalem verworfen 
haben, von welchen sie doch denken konnten, die h&auml;tten ja die beste 
Gelegenheit gehabt, ihn zu pr&uuml;fen, und an denen h&auml;tte sich ja 
die Frucht seiner Erscheinung zuerst &auml;u&szlig;ern sollen. Diesem &Auml;rgernis 
nun zu steuern hat GOtt dem  durch die Apostel gepredigten Evangelio so 
viel Sieg in Jerusalem und dem j&uuml;dischen Lande geschenkt, damit doch 
auch viele tausend Zeugen f&uuml;r die Wahrheit in selbigen Gegenden aufzuweisen 
w&auml;ren, und andere in der Zerstreuung lebende Israeliten sich daran 
aufrichten k&ouml;nnten. Wie ihm Blutsfreunde und Stammverwandte die haupts&auml;chlichsten 
Anstifter zu der Verfolgung des Evangelii waren, das konnten die Thessalonicher 
genauer wissen als wir. <i>Apg. 17, 5</i> 
hei&szlig;t es von boshaftigen M&auml;nnern, die sie vom Markt, aus dem 
gemeinsten Volk genommen, und die Stadt damit in L&auml;rm gesetzt haben. 
Das Volk braucht man immer gegen das Evangelium, wie man will. Richtet 
man mit der Lehre Christi etwas unter dem Volk aus, so macht man den Vorwurf: 
Niemand angesehenes und gescheites h&auml;lt mit, sondern eben das unwissende 
Volk. Ist aber durch das Volk und die Menge eine L&auml;sterung aufzubringen, 
so halten sich es die Vornehmsten nicht zur Schande, sich damit einzulassen, 
wenn es nur Gelegenheit macht, eine scheinbare L&uuml;ge schnell auszubringen. 
Wer sein eigen Heil vers&auml;umt, der sieht an Anderen ungern mehr Eifer 
f&uuml;r ihr Heil. Daher macht man gemeiniglich sein voriges S&uuml;ndenma&szlig; 
durch Verfolgung Anderer voll. Und das bringt den K&ouml;nig endlich dahin, 
da&szlig; er solche M&ouml;rder umbringt, und ihre Stadt, wie Jerusalem, 
anz&uuml;ndet. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Thessalonicher 2,17-3,5</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel bezeugt den Thessalonichern sein Verlangen, 
sie wieder selbst zu sehen, und da er dieses nicht in Stand setzen konnte, 
inzwischen seine Bem&uuml;hung, gr&uuml;ndliche Nachricht von ihnen einzuziehen, 
und dar&uuml;ber lieber des Timothei eine zeitlang zu entbehren.</b> 
 
<p>Es empfindet es wohl auch ein leiblicher Vater, wie Jakob, 
wenn er sein mu&szlig; als einer, der seiner Kinder beraubt ist; doch gibt 
keine Gemeinschaft so eine liebevolle Sehnsucht zusammen, als die Gemeinschaft 
am Evangelio, und die Begierde, Anderen zum Heil f&ouml;rderlich zu sein. 
Die Liebe im Geist <i>(Kol. 1, 8), </i>geht 
zwar fort, wenn man einander auch nicht von Angesicht sieht, doch bedarf 
sie zuweilen auch einer Ermunterung durch pers&ouml;nlichen Anblick. Bei 
unserer jetzigen Einrichtung wei&szlig; man es nicht so zu sch&auml;tzen, 
was das f&uuml;r eine Wohltat war, pers&ouml;nlich zusammen zu kommen und 
sich &uuml;ber dem gemeinschaftlichen Glauben zu st&auml;rken. Dergleichen 
Versicherungen, als der Apostel hier tut, k&ouml;nnen freilich auch zu 
Schmeichelworten mi&szlig;braucht werden. Aber bei ihm war es ein Verlangen 
in Christo <i>(Phil. 1, 8), </i>und auch 
die Erkl&auml;rung davon w&uuml;rde er nicht getan haben, wo sie nicht 
Christus in ihm gewirkt h&auml;tte.  Von dem benachbarten Beroen aus h&auml;tte 
es noch leicht geschehen k&ouml;nnen, da&szlig; Paulus nach Thessalonich 
gekommen w&auml;re, aber da die Verfolger ihn auch dort wegverdrungen, 
so fiel damit die Hoffnung weg, die Thessalonicher so bald von Angesicht 
zu sehen. Darum schreibt der Apostel die Hindernis dem <i>Satanas</i> 
zu. Das mu&szlig; ein Streiter JEsu Christi nie vergessen, da&szlig; er 
mit dem Evangelio JEsu Christi gegen den F&uuml;rsten der Welt zu Felde 
liegt; auch wenn es irgendwo ein gutes Ansehen hat, so darf man rechnen: 
Satanas wird nicht feiern. Als zur Zeit der &Uuml;bergabe der Augsburgischen 
Konfession der Kaiser und manche Gro&szlig;e in der Welt so viel bessere 
Meinung vom Evangelio bekamen und &auml;u&szlig;erten, so wollten manche 
der Anwesenden in Augsburg zu viel darauf bauen; der liebe Luther aber 
schrieb ihnen zur&uuml;ck: " Ich glaub ja alles Gute vom Kaiser; aber ob 
er so viel tausend Reizungen des Teufels wider das Evangelium wird widerstehen 
k&ouml;nnen, das ist eine andere Frage."  Auch die Worte: <i>Hoffnung, 
Freude und Krone des Ruhms</i>, h&auml;uft er nicht vergeblich auf einander. 
Denn ihr gegenw&auml;rtiger Stand im Glauben gereichte ihm zur <i>Freude(2.Joh. 
4 und 3.Joh. 4);</i> wegen ihrem weiteren Bestehen in der Wahrheit waren 
sie seine <i>Hoffnung</i>, und gegen 
so viel L&auml;sterungen, womit sie &uuml;ber ihrer Gemeinschaft am Evangelio 
beiderseits bedeckt wurden, sieht er sie als eine <i>Krone 
des Ruhms</i> an. Alles aber mu&szlig; aus der Gemeinschaft mit unserem 
HErrn JEsu Christo hergeleitet, und auf dieselbe zur&uuml;ckgef&uuml;hrt 
werden; und die Offenbarung und Entsiegelung Alles dessen, was uns damit 
beigelegt ist, bleibt auf die <i>Zukunft 
des HErrn</i> ausgesetzt; doch scheint diese im Evangelio so nahe herein, 
da&szlig; sie uns schon f&uuml;r jeden Schritt viel Fu&szlig;es Leuchte 
gew&auml;hrt. Die Frage: <i>seid nicht 
auch Ihr es?</i> l&auml;&szlig;t in alleweg auch f&uuml;r Andere Raum 
<i>(z. 
B</i>. <i>Phil. 2, 16 und 4, 1)</i>. 
Die Versicherung aber: ihr seid ja, gibt ihnen vollen Grund der Zuversicht 
und Beruhigung.  Athen war ein Platz, wo einem Paulus die Unterst&uuml;tzung 
von Timotheus wohl gekommen w&auml;re; doch wollte er denselben lieber 
entbehren, als den Thessalonichern etwas abgehen lassen. Unter der <i>Versuchung 
der Tr&uuml;bsalen</i>, hei&szlig;t es sonst, <i>werde 
man m&uuml;de</i>, verdrossen, traurig zc., aber man kann auch <i>weich 
werden</i>, es k&ouml;nnen sich n&auml;mlich darunter auch Wege und 
Mittel anbieten, wie man dem Kreuz Christi ausweichen, und der Tr&uuml;bsalen 
weniger haben k&ouml;nnte. Gegen&uuml;ber dergleichen Stimmen und Beispielen 
bedarf man ein <i>St&auml;rken im Glauben</i>, 
ein <i>Ermahnen</i> und Zuspruch, da&szlig; 
wir dazu gesetzt seien, und Tr&uuml;bsalen solcher Art ein Siegel unserer 
Erw&auml;hlung abgeben <i>(Kap. 1, 4).</i> 
Es ist freilich beschwerlich, den Satan und seinen Anhang zum Feind haben, 
aber es ist weit besser, als ihres Teils sein; lieber zum Leiden in der 
Zeit, als zum Zorn gesetzt sein (<i>Kap. 
5, 9).  Euch ist gegeben zu leiden</i>, ist so eine gro&szlig;e Gabe, 
als: euch ist gegeben zu glauben. O GOtt, befestige nur den Sinn Deiner 
Knechte gegen alles Weichwerden, wie Du Deine Knechte stark gemacht hast! 
<i>(Jer. 
1, 818).</i> In dem <i>Zuvorsagen 
</i>und<i> 
Zuvorwissen</i> liegt schon viel Bewahrung vor dem &Auml;rgernis des 
Kreuzes <i>(Joh. 16, 1).</i> Vom Unterliegen 
in der Versuchung w&auml;re zwar der Schade zun&auml;chst der Thessalonicher 
gewesen, aber Pauli teilnehmende Liebe h&auml;tte es sich doch auch zum 
empfindlichsten Verlust angerechnet. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Thessalonicher 3,6-13</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel bezeugt, zu welchem Trost und Freude es ihm 
gereicht habe, was Timotheus f&uuml;r gute Nachricht von ihnen gebracht, 
und empfiehlt deswegen sein Verlangen, zu ihnen zu kommen, dem gro&szlig;en 
GOtt zu gesegneter F&ouml;rderung, und schlie&szlig;t diese Materie mit 
herzlichem Wunsch um reichliche Vermehrung der g&ouml;ttlichen Gnade in 
ihnen.</b> 
 
<p>Diesem nach hat der Apostel den vorhabenden Brief gleich 
nach Timotheus R&uuml;ckkunft geschrieben, woraus sich denn die frische 
Freude und die zarteste Liebesbewegung, die darin best&auml;ndig herrscht, 
beurteilen l&auml;&szlig;t. Glaube und Liebe machte den Hauptstamm an dem 
Gew&auml;chs der Gerechtigkeit bei den Thessalonichern aus. Angedenken 
an ihn und Verlangen nach ihm sieht der Apostel doch auch f&uuml;r gute 
Triebe an, und als Beweis von dem Wert, den sie auf das Evangelium uns 
also auch auf wackere Arbeiter an demselben legten. Wohl dem, dem GOttes 
Ehre und Anderer Heil so am Herzen liegt, da&szlig; ihm Anderer Glaube 
ein wahrer Trost ist, und er  der etwa dar&uuml;ber oder auch sonst zu 
erduldenden Tr&uuml;bsale vergessen kann. O was mu&szlig; in Paulus Herzen 
f&uuml;r eine Liebe zu den Schafen gewesen sein, da&szlig; ihn gute Botschaft 
von ihnen so lebendig machen konnte. Wie Manchem mu&szlig; JEsus, der Lebendige, 
auch in diesem Betracht das Urteil in das Gewissen schreiben: du hast den 
Namen, da&szlig; du lebest, und bist tot, und unempfindlich gegen Alles, 
was dich in Freude oder Bek&uuml;mmernis setzen k&ouml;nnte und sollte. 
Wie genau aber der Apostel in dieser zarten Sache vor der Gefahr, sich 
selbst zu gefallen, und vor der Versuchung, Anderen sch&ouml;n zu tun, 
bewahrt worden sei, sieht man daraus, da&szlig; er Alles GOtt und seinem 
verliehenen Gedeihen zuschreibt und die Herzen und Gedanken vor Dem zusammenfa&szlig;t. 
Da&szlig; es an der Thessalonicher Glauben noch etwas zu erstatten geben 
konnte, das ist bei dem schnellen Abbrechen von ihnen, wozu Paulus gen&ouml;tigt 
wurde, gar nicht zu verwundern; dar&uuml;ber konnten wohl auch in der<i> 
Nacht</i> seine Augen gehalten werden, da&szlig; sie wachten, und er 
also mit GOtt, seinem Vater, und seinem HErrn JEsu Christo zu reden hatte. 
Und in der Erinnerung an dies sein Flehen vor dem Vater im Verborgenen 
flossen dann auch in den Brief selbst einige dergleichen W&uuml;nsche ein, 
wie sonst auch in den beiden Briefen an diese lieben Thessalonicher mehrmals 
vorkommt <i>(1.Thess. 5, 23 ; 2.Thess. 1, 
11 ; 2, 16 ; 3, 5 ; 3, 26).</i> Das Recht im Aussenden der Arbeiter 
und im Richten ihrer Wege hat sich GOtt und unser HErr JEsus Christus nicht 
vergeben; so verdeckt es auch in jetziger Zeit gef&uuml;hrt wird. &Uuml;brigens 
aber gehe es mit dem Vorhaben, euch zu sehen, wie es wolle; so ist inzwischen 
F&uuml;rbitte Ersatz f&uuml;r die Gegenwart, und GOtt kann &uuml;berschwenglich 
tun. Seinen Absicht reicht ja hinaus bis auf die Zukunft unseres HErrn 
JEsu Christi und unser unstr&auml;fliches Dargestelltwerden im Licht derselben. 
Doch schlie&szlig;t das Alles ein, woran sich die Gnade und derselben Gesch&auml;ft 
an uns und den gesamten Heiligen GOttes alsdann verherrlichen will. O wer 
versteht genug, auf diesen unerforschlichen Reichtum Christi zu beten, 
und aus dieser F&uuml;lle zu nehmen? 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Thessalonicher 4,1-8</font></b></h4> 
 
<p><b>Ermahnung zum gottseligen Wandel &uuml;berhaupt, sonderlich 
aber zur Vermeidung der Hurerei und aller Unreinigkeit.</b> 
 
<p>Den Anfang dieser Ermahnung macht der Apostel zwar schon 
sehr herzlich und ernstlich in dem HErrn JEsu und mit Bewu&szlig;tsein 
einer dazu empfangenen Macht und mit Andeuten, da&szlig; ihnen der Genu&szlig; 
ihres Heils in Christo darauf stehe; im Fortgang aber sch&auml;rft er die 
Rede noch mehr durch den Stachel: <i>der 
HErr ist R&auml;cher dar&uuml;ber</i>; und <i>GOtt 
l&auml;&szlig;t sich nicht verachten</i>. Wenn man einmal etwas in die 
Unterweisung zur Seligkeit Geh&ouml;riges voneinander angenommen hat; so 
gibt das ein Band zwischen den Herzen, da&szlig; man auch Weiteres auszurichten 
hoffen darf; wie der Heiland seine J&uuml;nger an dem Band festgehalten 
hat: ich habe ihnen gegeben Dein Wort; und sie haben es angenommen. Eine 
v&auml;terliche Lindigkeit GOttes ist es, da&szlig; er an unserem geringen 
Tun doch ein Wohlgefallen zu haben bezeugt, und uns zum Wandeln in seinen 
Wegen mit dem Zeugnis seines Wohlgefallens ermuntert. Ein mit Liebe in 
das Herz aufgenommenes Wort tr&auml;gt uns auch Trieb zum <i>immer 
v&ouml;lliger werden</i> aus. Ein Anmahnen ist wohl auch gut; doch darf 
es Niemand auf das &auml;u&szlig;ere Erinnertwerden ankommen lassen. Bei 
Menschen ist es oft schwer und ungewi&szlig;, ihren Willen zu treffen.<i> 
GOttes Wille</i> ist klar geoffenbart, da&szlig; man ihn unter seiner 
Gnade wohl treffen kann; die Heiligung f&auml;ngt mit der &Uuml;bergabe 
an GOtt durch Christum zu seinem Eigentum und Dienst an, und dringt unter 
seines Geistes Trieb durch Alles am Menschen durch, da&szlig; alle Kr&auml;fte 
und Glieder zum Dienst an der Gerechtigkeit eingenommen, und also von allem 
Befleckenden abgezogen werden. Auf das hat GOtt schon beim Fall unserer 
ersten Eltern gezielt, da Er seine Hand sobald dazwischen geschlagen, da&szlig; 
in ihnen noch eine Regung von Schamhaftigkeit, und also ein Bewu&szlig;tsein 
ihres Falls und ein Verlangen nach ihrer ersten Unschuld &uuml;brig geblieben 
ist. Der M&ouml;rder von Anfang hat die Menschen durch Lust des Sinnlichen 
gef&auml;llt, nun l&auml;&szlig;t er nicht nach, sie in allerlei Arten 
von fleischlichen L&uuml;sten, Hurerei und Unreinigkeit zu st&uuml;rzen, 
und dann sie zu verklagen, da&szlig; ihnen nimmer zu helfen sei. Da hat 
dann JEsu Evangelium den Ausweg gezeigt, wie der Mensch &uuml;ber alles 
s&uuml;ndliche Verderben zu Gnaden und Vergebung gelangen, dadurch aber 
auch zu einem inneren anhaltenden Ha&szlig; wider die S&uuml;nde im Fleisch, 
und zu einem inneren anhaltenden Trieb, GOtt im Geist zu dienen, gebracht 
werden k&ouml;nne. Ein guter Vorsatz macht es noch nicht aus; es geh&ouml;rt 
Unterricht, Lehre des Geistes, Angriff im Gehorsam, gemachte Proben, erlangte 
Witzigung und Erfahrung dazu, da&szlig; <i>ein 
jeglicher wisse</i>, was es nach seiner Leibes  und Gem&uuml;ts  Beschaffenheit, 
nach der St&auml;rke und Schw&auml;che seines inneren und &auml;u&szlig;eren 
Menschen erfordere. Vom Leib redet die Schrift immer so, da&szlig; es nicht 
ver&auml;chtlich, und doch auch nicht irdisch anh&auml;nglich herauskommt, 
da&szlig; die Not, die er jemand macht, nicht verheimlicht, der Grimm aber 
&uuml;ber den Leib allein nicht gereizt, sondern das Brauchbare an diesem 
Gef&auml;&szlig; auch angezeigt, und das Herz immer mit Hoffnung auf die 
v&ouml;llige Reinigung auch dieses Gef&auml;&szlig;es unterst&uuml;tzt 
werde; so wird<i> Heiligung</i> in der 
Absicht auf GOtt und seinen Dienst, und <i>Ehre</i> 
oder Achtung und W&uuml;rde, die der Leib um die Einwohnung des Geistes 
Christi und der Hoffnung der Auferstehung willen genie&szlig;t, mit einander 
verbunden. Durch<i> Lustseuche</i> hingegen 
wird die Absicht auf GOtt, und die Hoffnung, seine Herrlichkeit zu erlangen, 
ganz ausgel&ouml;scht, da&szlig; der Mensch vor Anklage seines b&ouml;sen 
Gewissens nicht die geringste Ehre mehr behaupten kann, sondern sich unter 
alles Vieh hinunter geben mu&szlig;. Vers&auml;umnis, nach GOtt zu fragen, 
und Ihn aus seinen Werken und dem in das Herz geschriebenen Gesetz kennen 
zu lernen, hat der Unreinigkeit T&uuml;r und Tor aufgetan. Wenn nun die 
abgestandene Christenwelt in Opern, Kom&ouml;dien, Gedichten, Romanen (sch&auml;ndlichen 
Gem&auml;lden und Bildern ) alle heidnischen Eitelkeiten immer wieder aufw&auml;rmt, 
so f&auml;llt sie bei heidnischem Unglauben auch wieder in heidnische Hurerei. 
Den N&auml;chsten vervorteilen braucht man sonst vom Handel und Wandel 
und von dem Schaden, den man jemand darin zuf&uuml;gt; hier aber wird auf 
die betr&uuml;blichen R&auml;nke gesehen, womit man sich um Unreinigkeit 
willen in manches Haus aufdringt, und unter tausend gef&auml;lligem Bezeugen 
den Grund zum Verwirren ganzer H&auml;user und Familien legt. Davon bleibt 
das Meiste in menschlichen Gerichten ungestraft; aber GOtt ist R&auml;cher 
dar&uuml;ber <i>(Hebr. 13, 4)</i>. An 
warnenden Beispielen seiner Rache hierin hat es GOtt von den ersten Zeiten 
an nicht fehlen lassen. Jetzt hat es ein Christ allermeist aus seinem Beruf 
zu entscheiden.  <i>Heiligung</i> darf 
man nicht als eine solche hohe Tugend ansehen, nach welcher nur die Wenigsten 
zu streben n&ouml;tig h&auml;tten, sondern das ist ein Grund, der bei Jedem 
gelegt sein mu&szlig;, so bald er sich mit dem himmlischen Beruf auf Gehorsam 
einl&auml;&szlig;t. An heillosen Ausfl&uuml;chten zur Verteidigung solcher 
Unsauberkeiten fehlt es freilich nicht; aber solche Ver&auml;chter haben 
es nicht mit Menschen, sondern mit GOtt zu tun, der sich nicht spotten 
l&auml;&szlig;t. Wer es aber nicht verachtet, der darf auch auf den Beistand 
des Geistes rechnen, dessen Zucht er an sich nicht verloren sein l&auml;&szlig;t. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Thessalonicher 4,9-12</font></b></h4> 
 
<p><b>Unter dem guten Zeugnis, das er ihnen der Bruderliebe 
halben gibt, reizt er sie doch zum V&ouml;lligerwerden darin, und preist 
ihnen ein eingezogenes Leben an, aus den Vorteilen, die es hat.</b> 
 
<p>Es l&auml;&szlig;t sich nicht von einer Materie so leicht<i> 
schriftlich</i> handeln als von der anderen. Manches bringt man durch 
ein wackeres m&uuml;ndliches Zeugnis, oder durch gutes Beispiel im Wandel 
ohne Worte eher in Gang. Von dieser Art ist wirklich die Bruderliebe; daher 
l&auml;&szlig;t es der Apostel im Schriftlichen bei dieser kurzen Anregung. 
Wer da liebt den, der ihn geboren hat, der liebt auch die, die gleichfalls 
von diesem Vater gezeugt sind. Das ist die eigentlichste<i> 
GOttes  Lehre von dieser Bruderliebe</i>. Der Liebe ist <i>(1.Kor. 
13)</i> ein Ziel gesteckt, das uns zum <i>V&ouml;lligerwerden</i> 
genug Raum machen wird.  Nach dem <i>Stillesein</i> 
hei&szlig;t sie der Apostel ringen, oder ihre Ehre darin suchen. Nach dem 
Weltsinn besorgt man sich von dem Stillesein Nachteil, Gefahr, f&uuml;r 
einf&auml;ltig und unbrauchbar geachtet und sonst zur&uuml;ckgesetzt zu 
werden. Daher wird es einer von den herrschenden Grunds&auml;tzen in der 
heutigen Zeit, Kinder und junge Leute belebt, gespr&auml;chig, beredt, 
beherzt zu machen. Dar&uuml;ber wird Alles in den fl&uuml;chtigen Witz 
gesetzt, und der Weisheitsbau mit sieben S&auml;ulen bleibt zur&uuml;ck. 
Die Schamhaftigkeit, die erste Werkstatt des Heiligen Geistes, wird fr&uuml;hzeitig 
verschlossen, das Herz statt der Furcht GOttes zur Vermessenheit gew&ouml;hnt, 
das Regiment der Zunge und damit des ganzen Lebens geht verloren, der F&uuml;rwitz 
des Ungehorsams wird aufgeblasen. O was w&auml;re daran gelegen, wenn man 
nur den Menschen wieder den rechten Begriff von der Ehre beibringen, und 
sie von vielem falschen Gesuch der Ehre in dem, das nichts ist, abbringen 
k&ouml;nnte, seine Ehre in der Stille zu suchen, in der Bildung des inwendigen 
Herzens  Menschen <i>(1.Petr. 3, 4), </i>der 
bei sanftem und stillem Geist so k&ouml;stlich vor GOtt ist. Beim Stillesein 
kann man sich mancher Dinge gar entschlagen, und als an einem unn&ouml;tigen 
F&uuml;rwitz vorbei gehen <i>(2.Thess. 3, 
11).</i> Das aber, was einem obliegt, kann man mit stillem Wesen angreifen 
<i>(2.Thess. 
3, 12), </i>mit Gelassenheit und Verleugnung betreiben. Durch die Absichten 
bei Etwas kommt erst mehr Unruhe darein, als durch das Gesch&auml;ft selbst. 
Der einige verf&auml;ngliche Gedanke: reich werden zu wollen, st&ouml;rt 
die Stille mehr, als der H&auml;nde voll zu schaffen haben. Unter Allem 
wird man immer auch eine Zeit einzukaufen haben, darin man sich vom &Auml;u&szlig;erlichen 
abwendet, in den Grund seines Herzens einkehrt, und mit dem Vater, der 
in das Verborgene sieht, es allein zu tun hat; wie GOtt durch den besonders 
verordneten Ruhetag, und durch so manche in die Stille f&uuml;hrende Z&uuml;ge 
es Jedem zu verstehen gibt. <i>Schaffen 
und Arbeiten</i> ist nicht wider die Stille, sondern derselben f&ouml;rderlich. 
Im Psalterbuch und in den Schriften Salomonis kommt mehr Gebot und Betrieb 
des Gesch&auml;fts vor. Im Neuen Testament war es mehr darum zu tun, das 
Trachten nach dem Reich GOttes, das Ergreifen des Unsichtbaren aufzurichten. 
Doch im m&uuml;ndlichen Unterricht wurde immer auch der Mi&szlig;verstand 
verh&uuml;tet, da&szlig; man das Gesch&auml;ft nicht zur&uuml;cksetzte, 
sondern sich auch unter seine pilgrimsm&auml;&szlig;ige Niedrigkeit beuge. 
 Der Flei&szlig;, GOtt zu gefallen, gibt zum <i>ehrbarlichen 
Wandel</i> st&auml;rkeren Antrieb, als aus allem Einpflanzen der Ehrbegierde 
gewi&szlig; nie herauskommt. Aus dem Grund soll man gern auch vom Christentum 
den Vorwurf ablehnen, da&szlig; es faule, unordentliche Leute ziehe. <i>Keines 
Weltmenschen zu bed&uuml;rfen</i> erh&auml;lt man teils durch redliche 
Arbeit in der Furcht des HErrn, teils durch stilles Vertrauen auf GOtt; 
wenn man den lieben GOtt nicht gleich so ausrichtet &uuml;ber dem, was 
einem etwa abgeht oder zusto&szlig;t. Besonders hilft hiezu auch die M&auml;&szlig;igung 
seiner Begierden und Absichten. Wer sich darin nicht einzieht, der kommt 
niemals zur wahren Ruhe und zum Sieg &uuml;ber die Welt. Bei jedem Schritt 
sieht er wieder einen, dessen er bedarf, der ihm zu seinem und der Seinigen 
Fortkommen n&ouml;tig scheint; dem er sich also zum Knecht hingeben will. 
Aber mit Stille, mit der eingezogenen M&auml;&szlig;igung seiner Begierden 
gewinnt man die Freiheit, da&szlig; man weniger bedarf. Sein Brot wird 
ihm gegeben, sein Wasser hat er gewi&szlig; <i>(Jes. 
33, 16), </i>daran mu&szlig; jedem nach der Gerechtigkeit Hungrigen 
und Durstigen gen&uuml;gen. Wer mehr sucht in der Welt, der bleibt gefangen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Thessalonicher 4,13-18</font></b></h4> 
 
<p><b>Paulus erstattet etwas, das am Glauben der Thessalonicher 
mangelte, und bringt ihnen von ihren entschlafenen Mitbr&uuml;dern tr&ouml;stliche 
Gedanken bei, aus dem gr&uuml;ndlichen Bericht, wie die Toten in Christo, 
und die vom j&uuml;ngsten Tag lebendig ergriffenen Gl&auml;ubigen in ihrem 
Anteil an der Herrlichkeit bei JEsu Zukunft ein gleich gutes Los haben 
werden.</b> 
 
<p>Hier ist also von Solchen zun&auml;chst die Rede, die 
vor uns ihren Lauf vollendet haben, und uns entweder durch die Geburt von 
oben, oder durch leibliche Geburt<i> verwandt</i> 
waren. Indem aber der Apostel &uuml;ber dies eine  dem Evangelium gem&auml;&szlig;e 
Einsicht verleiht, und uns daraus Trost sch&ouml;pfen hei&szlig;t; so<i> 
tr&ouml;stet</i> er uns auch &uuml;ber <i>unser 
eigenes Sterben</i> und &uuml;ber all die Gedanken, so die lange Todesnacht 
&ouml;fters unseren Herzen macht. Denn &uuml;ber fremden Beispielen, die 
uns aber nahe angehen, werden uns unsere Herzensgedanken offenbar. Schon 
<i>Ps. 
49, 7 + 8</i> wird es unter die Wege GOttes gerechnet, darauf den Menschen 
offenbar werde, ob sie aus der Vers&uuml;hnungs  und Erl&ouml;sungs  
Gnade einen ewigen Trost im Herzen haben, je nachdem es einem sei, wenn 
er &uuml;ber nahen Sterbf&auml;llen sein Unverm&ouml;gen, einen Bruder 
zu erl&ouml;sen, oder mit GOtt zu vers&uuml;hnen, empfinden mu&szlig;. 
Denn kannst du es an einem Anderen nicht, so nimm nur diesen fr&uuml;hzeitig 
vorgehaltenen Spiegel und denke: Noch viel weniger wirst du es in deiner 
eigenen Sterbensnot verm&ouml;gen. Hiezu kommt auch das, da&szlig; wir 
bei fremden Beispielen unsere Trost  und Hilflosigkeit eher herauslassen, 
und man uns also gegen unsere dabei kund werdende Herzensgedanken eher 
beikommen kann; hingegen die Furcht und Bedenklichkeiten, womit wir &uuml;ber 
unser eigenes Sterben beschwert sind, verbergen wir vor uns selbst und 
vor Anderen. Also ist es eine gro&szlig;e Treue GOttes, da&szlig; Er uns 
bei solchen Gelegenheiten an das Herz redet, da&szlig; wir es hernach in 
unseren eigenen Umst&auml;nden zu genie&szlig;en haben.  Des Apostels 
Ausdruck: <i>Ich will euch nicht verhalten</i>, 
gibt zu erkennen, da&szlig; bei ihnen ein gewisser Mi&szlig;verstand in 
dieser Sache vorgewaltet habe, der zu widrigen Gedanken Anla&szlig; gegeben 
hat. Allem Vermuten nach ist zu dem l&ouml;blichen Warten auf den HErrn 
JEsum vom Himmel, weswegen die Thessalonicher so ein gutes Zeugnis haben 
<i>(Kap. 
1, 10),</i> der Mi&szlig;verstand geschlagen, da&szlig; sie sich dieser 
Zukunft des HErrn zu bald versehen, und sie insgesamt noch im Leben zu 
erreichen gew&uuml;nscht haben. Dazu kann dann leicht eine Vorstellung 
geschlagen sein, da&szlig; man sich wegen der Entschlafenen eines Nachteils 
besorgt, und unvermerkt sich selbst auch damit die Lust, abzuscheiden, 
abgegraben hat. Man kann daraus eine Probe nehmen, wie bald es in diesen 
Materien geschehen ist, da&szlig; man Gedanken und Mutma&szlig;ungen aufbringt, 
womit man einander anfangs eine Freude machen, ein neues Nachdenken erwecken 
will, die aber unvermutet einen beschwerlichen Mi&szlig;verstand veranlassen 
k&ouml;nnen. Schon durch das Gesetz Mosis hat GOtt einige Vorsicht getan, 
unter seinem Volk zu verh&uuml;ten <i>(5.Mo. 
14, 1 + 2), </i>da&szlig; sie die ihnen beigelegte Hoffnung nicht durch 
eine <i>unm&auml;&szlig;ige Trauer</i> 
versehrten. Noch mehr geh&ouml;rt es nun zum w&uuml;rdigen Wandel nach 
dem Evangelium und nach der  durch dasselbe an das Licht gebrachten Hoffnung. 
Es ist freilich auch bei denen, <i>die keine 
Hoffnung haben</i>, die Trauer insgemein doch nicht langwierig; die 
Zeit heilt es auch bei ihnen oft bald genug. Doch sind auch nur diese ersten 
heftigen Ausbr&uuml;che und harte Reden zu denen es bei ihnen kommt, leidig 
genug, und k&ouml;nnen einem Menschen bis auf den Tag nachgehen, wo GOtt 
auch all das Harte richten wird, was die S&uuml;nder wider Ihn geredet 
haben <i>(Jud. V. 15).</i> Und auch das, 
was die Zeit an solchem tobenden Schmerzen heilt, ist deswegen nicht durch 
eine gr&uuml;ndliche Kur gehoben, sondern so bald wieder etwas &Auml;hnliches 
aufst&ouml;&szlig;t, so ist das Herz so hart und ungebrochen als &uuml;ber 
den vorigen Zufall. Die zwei Hauptquellen alles Trostes und aller Gelassenheit 
zum Sterben liegen im Tod und in der Auferstehung des HErrn JEsu. Ich war 
tot, und siehe, ich bin nun lebendig, war JEsu eigener Zuspruch <i>(Offb. 
1, 18).</i> Alles Empfindliche und Schwierige beim Tod kommt entweder 
aus der Anh&auml;nglichkeit an das Sichtbare, von dem man geschieden wird, 
oder aus der Ungewi&szlig;heit, in welcher man des Unsichtbaren halben 
steht. Dem ersten Schaden hilft der Tod  dem anderen das Leben JEsu ab. 
Starb Er, so lieb ich nicht mein Leben bis in den Tod; lebt Er, so hat 
es mit mir im Sterben keine Not.  Vom Sterben der Gl&auml;ubigen ist es 
gar ein herzlicher Ausdruck: <i>durch JEsum 
entschlafen sein</i>; diese alle sind gestorben beim Glauben, ist auch 
eine sch&ouml;ne Grabschrift f&uuml;r die Gl&auml;ubigen vor Christi Zeiten 
<i>(Hebr. 
11, 13).</i> Aber durch JEsum entschlafen sein, geht noch weiter; und 
setzt die Erl&ouml;sung, so durch JEsum Christum geschehen ist, und deren 
Genu&szlig; voraus, von welcher man auch durch den Tod nicht geschieden 
werde. Und so greift auch der Ausdruck: 
<i>GOtt 
wird sie mit ihm f&uuml;hren</i>, weit um sich. Vom Entschlafen bis 
auf den Tag der Offenbarung geht es in der Gemeinschaft mit JEsu nicht 
zur&uuml;ck, sondern immer vor sich. Vom Entschlafen durch JEsum bis auf 
das Offenbarwerden mit Ihm in der Herrlichkeit befinden sich die Gl&auml;ubigen 
immer in dem <i>Zug, den GOtt</i> f&uuml;hrt, 
nach dem ganzen Vorsatz, den Er dazu gemacht, und auch in seinem Wort vorgelegt 
hat. Wie mancherlei Arten es gibt, etwas Unzuverl&auml;ssiges in solcherlei 
Materien aufzubringen, deutet der Apostel unten (<i>2.Thess. 
2, 2</i>) n&auml;her an. Diesen allen aber setzt er das Einige mit Nachdruck 
entgegen: <i>Wir sagen euch als ein Wort 
des HErrn</i>.  Mit dem Ausdruck: <i>wir, 
die wir &uuml;berbleiben</i>, behauptet der Apostel nicht gerade, da&szlig; 
der Tag JEsu Christi so nahe vorhanden sei und er und das jetzt lebende 
Geschlecht davon werde lebendig ergriffen werden, sondern er redet, wie 
es dem HErrn und seiner Ehre gem&auml;&szlig; ist, da&szlig; seine Knechte 
auf Erden immer in Bereitschaft stehen, seiner, als des HErrn vom Himmel, 
zu warten. Bei der ungl&auml;ubigen Welt ergie&szlig;t sich die Sicherheit 
von einem Geschlecht auf das andere, und kommt bei den letzten Sp&ouml;ttern 
auf das H&ouml;chste; und so ergie&szlig;t sich hingegen in der Gemeinschaft 
der Heiligen die Bereitschaft auf JEsu Kommen von einem Geschlecht auf 
das andere. Von der Zukunft des HErrn JEsu hat man nicht zu gedenken, als 
ob Er nur die Lebenden zu sich nehmen, oder mit denen ein Reich anfangen 
w&uuml;rde; die Toten aber noch auf lange Zeit zur&uuml;ckbleiben, und 
sie also viel sp&auml;ter zum Genu&szlig; seiner Herrlichkeit k&auml;men. 
Wie man durch ein<i> Geschrei</i> Viele 
zum gemeinschaftlichen Angriff eines Werks aufmuntert, sonderlich auch 
im Krieg mancherlei Erregung der Gem&uuml;ter damit bewirkt; so wird bei 
JEsu Kommen, durch die Menge der himmlischen Heerscharen, mit denen Er 
kommen wird, eine solche Erregung gemacht werden, die vornehmlich zum Schrecken 
derer gereichen wird, die nicht wollten, da&szlig; Er &uuml;ber sie herrsche. 
Den Engeln wird auch sonst in der Schrift viel Gesch&auml;ft bei JEsu Erscheinen 
zugeschrieben <i>(Matth. 25, 31 ; 2.Thess. 
1, 7).</i> Im Alten Testament ist dem Volk GOttes Vieles, das einen 
Bezug auf den unter ihnen wohnenden GOtt gehabt, durch Trompeten kund getan 
worden, wie auch in den Weltreichen bei Kriegs  und Friedens  Zeiten 
der Gebrauch der Trompeten h&auml;ufig ist. So ist auch<i> 
Offb. 8</i> und folgend der Sieg, in welchem GOtt nach und nach das 
Reich der Welt seinem Sohn zu F&uuml;&szlig;en legt, durch sieben Trompeten 
angek&uuml;ndigt und ausgef&uuml;hrt worden. Hier und <i>1.Kor. 
15, 52</i> schreibt Paulus von der <i>letzten 
Trompete</i>, bei deren GOtt das Land der Toten st&uuml;rzen wird.  
Von der Auferstehung zum Gericht oder zu ewiger Schmach und Schande gibt 
die Schrift nur hin und wieder einen ernstlichen Blick. In ihrem Zeugnis 
treibt sie allermeist die Auferstehung derer, die Christo angeh&ouml;ren. 
Unter dem <i>Entgegenger&uuml;cktwerden</i> 
ist die, <i>1.Kor. 15</i> gemeldete Verwandlung 
und Umkleidung in das Unverwesliche mitbegriffen. <i>Bei 
dem HErrn sein allezeit</i> ist eine kurze und doch Alles in sich fassende 
Beschreibung vom ewigen Leben, nach dem eigenen Wort Christi <i>(Joh. 
17, 24).</i> Als Samenk&ouml;rnlein im Herzen bewahrt, nicht als Erkenntnis 
im Kopf aufgesch&uuml;ttet, als in Liebe zu JEsu und in der Geduld zum 
Leiden fruchtbar, nicht in das Aufbl&auml;hen &uuml;ber Andere gef&uuml;hrt, 
werden diese Wahrheiten ihre <i>tr&ouml;stliche</i> 
Kraft beweisen, und auch durch <i>Zuspruch</i> 
unter einander in geh&ouml;rige Bewegung gesetzt werden k&ouml;nnen. O 
was ist an der Gemeinschaft mit JEsu gelegen und an dem Glaubensruhm: Wir 
leben oder sterben, so sind wir des HErrn! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Thessalonicher 5,1-11</font></b></h4> 
 
<p><b>Sch&ouml;ne Anweisung und bew&auml;hrtes Mittel, wie man, 
ohne Zeit und Stunde zu wissen, doch von dem Tag des HErrn nicht unvorbereitet 
angetroffen, oder zu seinem Schaden ber&uuml;ckt werde.</b> 
 
<p>Das Zuk&uuml;nftige &uuml;berhaupt, und besonders die 
wichtigen St&uuml;cke der Hoffnung, die der Apostel n&auml;chst zuvor namhaft 
gemacht hat, haben eine gro&szlig;e Macht &uuml;ber das menschliche Herz; 
und deswegen ist der Gedanke und die Frage der<i> 
Zeiten</i> halber, nicht wohl davon zu trennen. Denn bei der Hoffnung 
ist ein Verlangen nach dem verhei&szlig;enen Guten, und aus dem Verlangen 
entspringt die Frage:<i> wann</i>? Den 
Propheten und Gl&auml;ubigen Alten Testaments wird es zum Lob angerechnet 
<i>(1.Petr. 
1, 10 f.)</i>, da&szlig; sie forschten, auf welcherlei<i> 
Zeit</i> deutete der Geist Christi, der in ihnen war. Und so hat auch 
der HErr JEsus den J&uuml;ngern ihre Fragen nach Zeit und Fristen nicht 
verargt, sondern Manches darauf geantwortet, dar&uuml;ber wir noch jetzt 
ein heilsames Forschen anstellen k&ouml;nnen <i>(Matth. 
24, 3 ff.)</i>. Nur hat die Wahrheit, und der Geist der Wahrheit, der 
auch das was zuk&uuml;nftig ist, verk&uuml;ndigt, uns immer von zwei Abwegen 
zur&uuml;ckzuziehen; eines Teils dem Gedanken: mein HErr kommt noch lange 
nicht, zu steuern, anderen Teils den schnellen und Alles zu nahe setzenden 
Vermutungen zu begegnen, die so leicht zum Nachteil der Christen  Hoffnung 
selbst umschlagen k&ouml;nnen. Darum liegt im Worte GOttes so Vieles, das 
Herz durch die Ungewi&szlig;heit wegen der Zeit in eine best&auml;ndige 
<i>Wachsamkeit</i> 
und Bereitschaft zu versetzen; und so auch Vieles, die schnellen Vermutungen 
zu d&auml;mpfen, und eine ausharrende Geduld zu pflanzen. Wer nun aus allem 
Vortrag g&ouml;ttlicher Wahrheit genugsamen Antrieb zur Wachsamkeit, und 
doch auch Nahrung zur ausharrenden Geduld zieht, der wird vom guten Geist 
auf ebener Bahn geleitet. Zur Wachsamkeit und Bereitschaft auf des HErrn 
Zukunft ist die <i>Gewi&szlig;heit</i> 
der Sache ohne Bestimmung der Zeiten und Fristen allein hinl&auml;nglich; 
aber um anderen dazu geschlagenen Mi&szlig;verstandes willen hat es der 
Apostel unten (<i>2.Thess. 2, 1 ff</i>.), 
doch f&uuml;r n&ouml;tig befunden, ihnen auch von den Zeiten und Stunden 
n&auml;heren Bescheid zu geben. So kann auch ein Zeugnis von so etwas das 
einmal mehr, das anderemal weniger n&ouml;tig sein. Wer gern gewisse Tritte 
tut, der wird immer lieber etwas weniger, aber gewi&szlig; wissen, als 
sich mit allzuvielem &uuml;berladen, ohne genugsamen Unterschied dessen, 
was daran gewi&szlig; oder nur Vermutung sei. Des Gleichnisses, <i>wie 
ein Dieb in der Nacht</i>, hat sich der Heiland nicht nur <i>Matth. 
24, 4244</i>, sondern noch vom Himmel herunter bedient <i>(Offb. 
3, 3 und 16, 15)</i>; und es dr&uuml;ckt freilich auf einmal nicht nur 
das Unvermutete, sondern auch die bei den Menschen &uuml;berhand nehmende 
Sicherheit und Schlafsucht zur Zeit dieser Zukunft aus. Sie, die keine 
Hoffnung haben (<i>Kap. 4, 13</i>), die 
sich also blo&szlig; dieses gegenw&auml;rtigen Lebens getr&ouml;sten, sprechen 
gern so: <i>es ist Friede, es hat keine 
Gefahr</i>. Denn auf das geht der Weltmenschen Sinnen und Bem&uuml;hen, 
ihren Wohlstand, die Aufnahme, das Bleiben ihrer H&auml;user so zu befestigen, 
da&szlig; sie von keinem Gedanken der Ver&auml;nderung, so das Reich GOttes 
und dessen Offenbarung an diesem Weltgang machen k&ouml;nnte, gest&ouml;rt 
werden. Deswegen soll nun je l&auml;nger je mehr Alles der Welt und diesem 
ihrem Sinn zu Gefallen reden, und das Evangelium vom Reich GOttes soll 
dar&uuml;ber unter die Bank gesteckt werden; das Sch&ouml;nste, Gemeinn&uuml;tzigste 
an der Religion soll aber das sein, was den zeitlichen Wohlstand und Frieden 
am meisten befestigt, der Hoffnung und Absicht auf das Zuk&uuml;nftige 
mag es dar&uuml;ber in der Menschen Herzen gehen, wie es will. Das sind 
die Eier in der heutigen Zeit, zu der Brut, die noch lauter sagen wird: 
es ist Friede. Wann sich aber der Schade von der vers&auml;umten Bereitschaft 
auf das Zuk&uuml;nftige offenbaren, und wie verloren alle Anschl&auml;ge 
auf das Sichtbare sind, sich auch nicht verbergen wird; so wird ihr Verderben 
so pl&ouml;tzlich und unvermittelt sein, <i>als 
einer Geb&auml;rerin</i>, die die Ursache ihres Schmerzens in sich selbst 
tr&auml;gt. O wie viel besser und ratsamer ist es, sich in die heilsamen 
Geburts  Schmerzen hinein zu begeben, darunter man zu einer lebendigen 
Hoffnung wiedergeboren wird.  <i>In der 
Finsternis sein</i>, hei&szlig;t in der Unwissenheit, Sicherheit, irdischem 
Sinn, Lieblosigkeit gegen den HErrn JEsum, Feindschaft wider das Licht, 
Unlittigkeit sein Verborgenes an das Licht kommen zu lassen, stecken, und 
so liegen bleiben wollen. GOtt aber ist <i>Licht</i> 
und ein Vater der Lichter, und zeugt uns durch das Wort der Wahrheit zu 
<i>Kindern 
des Lichts</i>, erweckt Lust zur Wahrheit im Verborgenen, die l&auml;&szlig;t 
das B&ouml;se an sich durch das Licht strafen, auch das, was in GOtt getan 
ist, offenbaren, also sich vom B&ouml;sen abziehen, auf das Gute befestigen; 
und so kommt man zu einem reinen Herzen und einf&auml;ltigen Auge, dem 
das Licht, wie sein Element angenehm ist, und so wird einem Gl&auml;ubigen, 
als einem Kind des Lichts, auch der Tag, der Alles klar macht, leidentlich 
und erw&uuml;nscht.  <i>Wachen und n&uuml;chtern 
sein</i> schlie&szlig;t den ganzen Sinn in sich, der der Zukunft des 
HErrn gewi&szlig;, auf seinen Empfang bedacht, der Hoffnung der Seligkeit 
froh, und auf den einstweiligen Verzug derselben doch ausger&uuml;stet 
ist. Hingegen wer um des HErrn Zukunft unbek&uuml;mmert, mit Sorgen und 
L&uuml;sten diese Lebens beschwert, an dem Gebrauch seiner Sinnen, an der 
Anwendung seiner Kr&auml;fte zum Warten auf den HErrn verhindert ist, der 
wird von der Schrift zu denen gerechnet, <i>die 
da schlafen und trunken sind</i>. Den Tag JEsu Christi aus GOttes Wort, 
aus seines Geistes Verkl&auml;rung zum Grund seines Glaubens, zum Ziel 
seiner Hoffnung gefa&szlig;t haben, das hei&szlig;t: wir sind des Tages. 
Bei einem Streiter liegt viel am innerlichen Mut und Fassung; darum hat 
der Apostel so viel auf das Wachen und N&uuml;chternsein gesetzt; aber 
neben dem doch auch an der angelegten<i> 
Kriegsr&uuml;stung</i>, und deren Gebrauch; darum nennt nun auch der 
Apostel den <i>Brustharnisch des Glaubens 
und der Liebe</i> und den <i>Helm der 
Hoffnung</i>. Mit nichts in seinem ganzen Rat, und so auch mit seinem 
Tag und dessen schneller &Uuml;berkunft<i> 
hat uns GOtt nicht gesetzt zum Zorn</i>; sondern wir m&ouml;gen von 
seinem Tag lebendig ergriffen, oder an demselben aus unserem Schlaf geweckt 
werden, so sollen wir zugleich mit Ihm leben. Dar&uuml;ber gilt es seiner 
selbst und auch Anderer wahrnehmen, mit Reizen zum Glauben. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Thessalonicher 5,12-14</font></b></h4> 
 
<p><b>Eine Bitte und Ermahnung, teils wie die geringeren und 
schw&auml;cheren Glieder der Gemeinde denen begegnen sollen, deren Gaben 
und Dienst sie zu genie&szlig;en haben, teils aber auch, wie die, so Andere 
zu f&ouml;rdern verm&ouml;gend sind, sich nach dem Bed&uuml;rfnis derer 
richten sollen, die sie vor sich haben.</b> 
 
<p>In der Angelegenheit, da er die Achtung der Geringeren 
f&uuml;r die Angesehenen gewinnen m&ouml;chte, spricht der Apostel doch 
diese Schw&auml;cheren sehr freundlich an, weil es leicht den Schein h&auml;tte 
haben m&ouml;gen, als ob es ihm auch um sich selbst und seine Ehre zu tun 
w&auml;re. Eine<i> Bitte</i> findet da 
eher Statt, denn ein Befehl. Auch die Aufgabe selbst: <i>Erkennt</i>, 
ist so gefa&szlig;t, da&szlig; dabei das Meiste eines Jeden eigenem Nachdenken, 
&Uuml;berzeugung und richtigem Beurteilen &uuml;berlassen bleibt. Und doch 
ist viel geholfen, wenn nur dies Erkennen aufgerichtet wird. Denn die meisten 
Irrungen entstehen daher, da&szlig; man nicht erkennt, in wie vielen M&auml;ngeln 
wir stecken, und warum wir Anderer Handreichung so n&ouml;tig haben. Damit 
ist der Grund zur Liebe aller Art tief gelegt, wenn man in dem  von GOtt 
erbetenen Sinn steht: La&szlig; mich das Gute, das wir an ihm haben, von 
Herzen lieben, weil es Deine Gaben. Und dies steht wieder auf der noch 
tieferen Wurzel: Gib mir ein Herz, das die Demut liebt, das sich selbst 
kennt. Wer sich, seine Bed&uuml;rfnisse, seine Unzuverl&auml;ssigkeit selbst 
kennt, dem werden Ordnungen von mancherlei Art nicht leicht zur Last, sondern 
er findet bald den Vorteil, das N&ouml;tige und N&uuml;tzliche daran zu 
erkennen.  An euch arbeiten, euch vorstehen, euch vermahnen, kann oft 
in einem Arbeiter beisammen sein; es k&ouml;nnen aber auch diese Gaben 
und deren Anwendung geteilt sein; es kann Jemand nicht gerade in einem 
Amt und damit verkn&uuml;pften Ansehen stehen, und GOtt gibt doch in seinem 
Herzen einen gro&szlig;en Flei&szlig;, viel zu Anderer Bestem zu arbeiten, 
zum Frieden zu raten, besorglichen Abweichungen vorzubeugen. Solcherlei 
Gaben soll man froh sein. Es ist nichts Ungeschickteres, als wenn man es 
allein sein will, und sorgt, durch Anderer Mitarbeiten entgehe ihm etwas. 
Was GOtt einem Anderen verleiht auszurichten, dessen darf man sich ja als 
eines gemeinschaftlichen Gutes freuen.  &Uuml;ber die gemeine und allen 
Menschen schuldige Liebe soll man auch das<i> 
Werk</i> und den Dienst, der uns geschieht, erkennen, und den Segen 
davon nicht durch Streiten, durch Andichten allerlei unlauterer Absichten; 
aber auch nicht durch ungeb&uuml;hrliche Anh&auml;nglichkeit an Einem vor 
dem Anderen verhindern. Konnte es denn auch bei einem so bl&uuml;henden 
Zustand <i>Ungezogene </i>und <i>unordentlich 
Wandelnde</i> geben? Ja, wo das, was von der Kraft des Evangelii und 
des Geistes Christi in einen Menschen kommt, nicht unter den Geist der 
Liebe und der Zucht hingegeben wird, da kann es leicht zu Unordnungen ausschlagen. 
Und das noch mehr, wenn man beim Ansatz oder Ausbruch solcher Mi&szlig;gew&auml;chse 
nur den Hals zum Richten ausstreckt, und in der Gemeinde, ja auch in H&auml;usern 
und Familien niemand zum Vermahnen und Abhelfen greift.  Das ist kein 
sicheres Zeichen vom Starkwerden am inwendigen Menschen, wenn man der <i>Kleinm&uuml;tigen 
und Schwachen</i> so leicht &uuml;berdr&uuml;ssig wird, und hinter ihren 
Fehlern im Gegenw&auml;rtigen oder unter ihren Klagen &uuml;ber ihr weiteres 
Durchkommen gleich Falschheit und Unlauterkeit vermutet, und mit solchen 
Reden wie mit H&ouml;rnern gegen ihnen sto&szlig;t. Dagegen hat Paulus 
(<i>R&ouml;m. 15, 1 ff</i>.<i> 
und</i> <i>Gal. 6, 1 ff</i>.), ernstlich 
gewarnt, weil ein mi&szlig;liches Wohlgefallen an sich selbst der Grund 
davon ist. Bist du geduldig gegen Fremde, lerne es auch gegen die Deinigen; 
wei&szlig;t du zu leben gegen Vornehmere, brauch ein solches Einschicken 
auch gegen Geringere. Eure Lindigkeit la&szlig;t kund sein gegen alle Menschen. 
Seid geduldig gegen Jedermann. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Thessalonicher 5,15-22</font></b></h4> 
 
<p><b>Unterschiedliche Ermahnungen, in allem Betragen nur immer 
dem Geist der Kraft, der Liebe und der Zucht das Regiment im Herzen zu 
lassen.</b> 
 
<p>Jeder hat freilich auf sich selbst zu sehen; doch kann 
man oft auch bei Anderen verh&uuml;ten, und der vorgehaltenen Selbstrache 
oder Selbsthilfe, wie Abigail bei David, durch eine geschickte Rede begegnen. 
Dem Frieden, der teilnehmenden Liebe, wobei das Gute sich Ausbreiten kann, 
da&szlig; der N&auml;chste unserer genie&szlig;en kann, wie GOtt hat auch 
an uns getan, soll man nachjagen. Das <i>Fr&ouml;hlichsein</i> 
in dem HErrn allewege (<i>Phil. 4, 4</i>), 
schlie&szlig;t nicht aus, da&szlig; man nicht auch von abwechselnden Begegnissen 
k&ouml;nnte oder d&uuml;rfte angegriffen werden. Nur der Hoffnung Grund, 
als die eigentliche Quelle des christlichen Fr&ouml;hlichseins, soll unter 
allen Ver&auml;nderungen einerlei bleiben, und darnach soll man Alles beurteilen, 
wie es uns zum Erreichen unserer vorgehaltenen Hoffnung Vorschub tut.  
<i>Beten</i>, 
ohne la&szlig; zu werden ohne es den Hindernissen gewonnen zu geben, ohne 
an der Rettung GOttes zu verzagen, hei&szlig;t Beten <i>ohne 
Unterla&szlig;</i>. Eben der Anblick und die &Uuml;bung nur vom N&auml;chstvorhergehenden, 
z. B. wie viel es kostet, das B&ouml;se mit Gutem zu &uuml;berwinden, wie 
viel Grimm in der Welt aufger&uuml;hrt wird, wie alle Bande der Zusammenfassung 
auf das Gute nachlassen, wie oft man damit mit Verdru&szlig; und Erm&uuml;den 
gedeckt wird zc.; das gibt Materie genug zum Beten ohne Unterla&szlig;. 
Alle Spr&uuml;che der Schrift m&uuml;ssen erst von dem Geist, der sie ausgesprochen, 
auch in &Uuml;bung gebracht werden; unter dessen Regiment wird der Bogen 
nie zu hoch gespannt, und auch der Tr&auml;gheit des Fleisches nie Raum 
gegeben.  Je mehr man den <i>Willen GOttesin 
Christo JEsu</i> erkennen und lieb gewinnen lernt, je mehr findet man 
immer Ursache zum <i>Danken</i>, und 
Spuren, wie auch das, was widrig scheint, so wohl eingerichtet ist, das 
Fleisch und seinen Sinn zu unterdr&uuml;cken, dem Geist aber Luft zu machen. 
Dem <i>Geist</i> und seinen Gaben wird 
&ouml;fters eine Inbrunst, eine Lichtskraft zugeschrieben, und die soll 
man nicht <i>d&auml;mpfen</i> und unterdr&uuml;cken, 
an ihrer Wirksamkeit und Fruchtbarkeit nicht hindern, wie durch widrige 
Urteile, Verdacht, &Auml;rgernisse, die man &uuml;ber des Geistes Gesch&auml;ft 
ausbringt, Fehler, die man andichtet, oder vergr&ouml;&szlig;ert, so leicht 
geschehen kann. In Sachen des Geistes braucht man nicht leicht so viel 
Billigkeit, als man doch in Angelegenheiten des b&uuml;rgerlichen Lebens 
braucht, da man doch eines jeden B&uuml;rgers Gabe und Verstand noch zu 
benutzen wei&szlig;; in geistlichen Dingen aber um des zu besorgenden Mi&szlig;brauchs 
willen Alles zu d&auml;mpfen unternimmt.  Die Behandlung g&ouml;ttlichen 
Worts, dadurch Jeder in seinem Inneren gerichtet, und also die Wort GOttes 
liegende Lichtskraft aufgeschlossen wird, hei&szlig;t <i>1.Kor. 
14, 2</i>4 f. auch <i>Weissagung</i>, 
und die soll man beim Abgang anderer Geistesgaben nicht gering achten. 
Verleiht GOtt aber auch aus seinem Wort wirkliche Aufschl&uuml;sse vom 
Zuk&uuml;nftigen, so soll man sie auch nicht ausschlagen. Mit dem Wort: 
<i>pr&uuml;ft 
Alles</i>, treiben Manche heutigen Tags so ein Jagdgeschrei, wie wenn 
man allen Auskehricht, der in der Welt aufgesch&uuml;ttet, und Alles was 
der jetzige Witz zu Markt bringt, durchsuchen und sehen m&uuml;&szlig;te, 
ob nicht eine verlorene Perle darin aufzutreiben w&auml;re? Aber in ein 
solch unsere ganze Lebenszeit verzehrendes Gesch&auml;ft begehrt uns der 
Apostel gewi&szlig; nicht hineinzutreiben: sondern was sich von der Seite 
anbietet, da&szlig; wir es zu pr&uuml;fen im Stand sind, und wo es Not 
tut, da&szlig; ich entweder Gemeinschaft damit haben, oder mich mit Grund 
entziehen mu&szlig;; da ist mir das Pr&uuml;fen aufgegeben, und was sich 
zum Erbauen auf den allerheiligsten Glauben, zur Gebetskraft, zum fr&ouml;hlichen 
Leben im Willen GOttes anlegt, das <i>beh&auml;lt 
man als das Gute, meidet</i> aber Alles, wodurch Andere in ihrem guten 
Vertrauen gegen uns gehindert, oder Arges von uns zu denken veranla&szlig;t 
werden k&ouml;nnten, oder wodurch auch wir in etwas hineingezogen w&uuml;rden, 
das unserem unstr&auml;flich Erfundenwerden Abbruch tun m&ouml;chte. O 
GOtt gib durch Deinen guten Geist in unser Herz und Sinnen Weisheit, Rat, 
Verstand und Zucht, da&szlig; wir Anders nichts beginnen, als was nur Dein 
Wille sucht! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Thessalonicher 5,23-28</font></b></h4> 
 
<p><b>Kr&auml;ftiger Wunsch, tr&ouml;stliche Aufmunterung, Schlu&szlig;ermahnung 
und Gr&uuml;&szlig;e.</b> 
 
<p>Bisher hatte Paulus das Seinige getan, durch Wort und 
F&uuml;rbitte, durch Nachfragen, durch Zuschicken solcher Gehilfen der 
Wahrheit, die ihnen f&ouml;rderlich sein k&ouml;nnten. So hat er sie auch 
angewiesen, das Ihrige zu tun, durch Ermahnen, Tr&ouml;sten, Aufsehen &uuml;ber 
einander. Jetzt wendet er sich zu Dem, von dem alles Gedeihen kommen mu&szlig;; 
<i>Er 
aber</i>, von dem er n&auml;chstens sagen wird, Er wird es tun und ausf&uuml;hren. 
Der Mensch kann freilich nichts ohne GOtt; aber GOtt will auch nichts ohne 
den Menschen, und dessen von Schritt zu Schritt bewiesenen Gehorsam.  
Den <i>Frieden mit GOtt</i> versteht 
man sonst zun&auml;chst von der Vers&ouml;hnung, die durchs Blut JEsu am 
Kreuz gemacht ist, und von uns im Glauben und Zugang zur Gnade angenommen 
wird. Hier aber geht es noch weiter und begreift den Frieden, von welchem 
her GOtt den tr&ouml;stlichen Namen hat: der <i>GOtt 
des Friedens</i>, auch Alles, wodurch GOtt uns sich selbst untert&auml;nig 
macht, da&szlig; alles Streiten und Rechthaben wider GOtt aufh&ouml;rt, 
sich hingegen Alles am Menschen mit Zufriedenheit unter GOtt beugt, unter 
dem sanften Joch Christi dahin geht; vom freudigen und willigen Geist zum 
fr&ouml;hlichen Leben im Willen GOttes angehalten wird, und also der Friede 
mit GOtt und in GOtt das Regiment im Herzen hat, wobei kein Gutes abgeht, 
und nichts Widriges einbrechen kann. Dieser GOtt des Friedens, der uns 
so ganz auf seine Seite zieht, und Alles, was an uns ist, in seinem Dienst 
und zu seinem Eigentum annimmt, der heiligt uns eben damit. Denn unsere 
Heiligung ist ja die willige und zufriedene &Uuml;bergabe an GOtt zu seinem 
Willen und Dienst und ewigen Anhangen an Ihn. Deswegen ist es so dem Evangelio 
w&uuml;rdiglich, da&szlig; der Apostel den GOtt des Friedens zur Quelle 
unserer Heiligung macht.  Der <i>Geist</i> 
ist das, was am Gl&auml;ubigen ist, nach der neuen Geburt durch den Glauben 
an das Evangelium, was aber auch mehr und mehr &uuml;ber das, was an uns 
ist nach der alten Geburt, n&auml;mlich &uuml;ber Seele und Leib, die Oberhand 
so gewinnen soll, da&szlig; zuletzt Alles vom Geist, oder vom Leben aus 
GOtt, durchdrungen, und damit der Mensch ein geistlicher Mensch wird, ja 
selbst der Leib nach der Auferstehung ein geistlicher Leib hei&szlig;en 
kann. <i>Der Geist wird also ganz unstr&auml;flich 
behalten</i>, wenn er nicht ged&auml;mpft, und an diesem Durchdringen 
an Leib und Seel nicht gehindert wird; wenn er nicht durch ungepr&uuml;ftes 
Verachten oder Annehmen dessen, was ihm vorkommt, Schaden nimmt, wenn er 
guten Unterschied macht und h&auml;lt, und sich nicht unter gutem Scheine 
vom B&ouml;sen beflecken l&auml;&szlig;t. <i>Die 
Seele</i> wird vom Geist gesalbt und durchdrungen, wenn das, was der 
Apostel, <i>V.1618</i> aufgegeben hat: 
Seid allezeit fr&ouml;hlich, betet ohne Unterla&szlig; zc. in guten Gang 
kommt. <i>Der Leib</i> wird auch zu diesem 
Dienst GOttes im Geist angehalten, wenn alle Rachgier, alle Entz&uuml;ndung 
aus der H&ouml;lle, B&ouml;ses mit B&ouml;sem zu vergelten, vermieden wird; 
wenn man hingegen dem Guten nachjagt, darnach ringt, da&szlig; man stille 
ist, und das Seine arbeitet mit seinen H&auml;nden, sich in allen seinen 
Bed&uuml;rfnissen einzieht, da&szlig; es nicht soviel Ecke gibt, daran 
einen der Verkl&auml;ger heben, oder zu Schanden machen kann.  <i>Die 
Zukunft unseres HErrn Christi</i> wird auch sonst als der Termin angegeben 
zur Offenbarung dessen, was am Menschen gerettet worden ist, es sei entweder 
durch Salz der himmlischen Zucht allein, oder durch das Gerichtliche des 
Feuersalzes ausgerichtet (<i>1.Kor. 5, 5</i>). 
<i>Der 
Ruf</i> ist ein aneinander h&auml;ngender Zug und mit Kraft begleiteter 
Antrag GOttes, uns zu dem zu bringen, wozu Er uns gesetzt hat, n&auml;mlich 
die Seligkeit zu besitzen. <i>Ruf</i> 
enth&auml;lt also teils den gn&auml;digen Willen GOttes &uuml;ber uns wegen 
dem bereiteten Guten, teils den Ernst und die Macht GOttes, uns durch das 
hemmende B&ouml;se hindurchzubringen. In Liebe ist es uns zugedacht, und 
bei standhafter Liebe oder Treue ist GOtt nicht so leicht von seinem Gnadenvorsatz 
abzubringen, wenn man es nicht macht, wie <i>4.Mo. 
14, 34</i>, denen er sagen l&auml;&szlig;t: Ihr sollt inne werden, was 
es ist, wenn ich die Hand abziehe.  <i>Tun, 
machen wird</i> <i>Er es</i>, braucht 
die Schrift <i>(Ps. 22, 32 und 37, 5)</i>, 
von GOtt, wenn sie Alles, was man den ganzen Weg hindurch bis an das frohe 
Ziel von ihm zu genie&szlig;en hat, kurz zusammenfassen will.  <i>Die 
Empfehlung in die F&uuml;rbitte</i> braucht der Apostel am ausf&uuml;hrlichsten 
entweder gegen Gemeinden, die er noch als fremde mit mehr Achtung behandelt, 
wie z. B. die R&ouml;mer, Epheser und Kolosser; oder &uuml;ber deren guten 
Stand im Glauben er in besonderer Zuversicht war, wie &uuml;ber die Philipper 
und Thessalonicher.  <i>Der heilige Ku&szlig;</i> 
hat auch zu dem ehemaligen vollen Segen des Evangelii geh&ouml;rt, von 
dem wir bei unserem Gefangensitzen an den Wassern zu Babel so viel erneuern 
sollen, als sich bereitete und geheiligte Herzen dazu finden.  So viel 
ernstliche Ermahnungen sonst vorkommen, so ist das doch die einige Stelle, 
darin der Apostel seine sonst so z&auml;rtlich behandelten Thessalonicher 
<i>beschw&ouml;rt.</i> 
Mithin mu&szlig; es etwas anbetreffen, das ihm besonders anliegt. Vom <i>Vorlesen</i> 
des Gesetzes und der Propheten waren in der Israelitischen Kirche ehemalen 
manche Anstalten, die von Zeit zu Zeit erneuert und gebessert wurden. Man 
sehe <i>Nehem. 8, 3 + 8</i> und Apg. 
15, 21, und so sollte nun auch die Schrift Neuen Testaments gelesen werden, 
teils selbst, teils zum Dienst derer, die nicht selbst lesen konnten, vorgelesen 
werden (5. Mo. 31, 11  13 und Jos. 8, 33  35) Die Gnade unseres HErrn 
JEsu Christi zum St&auml;rken im Guten und zum Bewahren vor dem Argen sei 
mit uns Allen. Amen! 
 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 2.Thessalonicher 1,1-5</font></b></h4> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Der zweite Brief Pauli an die Thessalonicher Einleitung</font></b></h4> 
 
<p>Dieser zweite Brief ist bald nach dem ersten geschrieben, da Silas und 
Timotheus noch bei Paulo zu Korinth waren, woselbst sie ihn nach ihrer 
Wiederkunft aus Macedonien antrafen, und durch ihre guten Nachrichten von 
Thessalonich zu dem ersten Brief veranlaten (Apg. 18, 5). Dergleichen 
Arbeiter aber blieben nie zu lange bei einander, sondern verteilten sich 
insgemein zum Dienst des Evangelii wieder in unterschiedliche Gegenden. 
Die Absicht des Briefs ist, seinen zuerst mndlich, und dann im vorigen 
Brief auch schriftlich getanen Vortrag noch einmal zu versiegeln (Kap. 
2, 15), und einige ihnen besonders ntige Stcke teils besser zu erlutern, 
teils nachdrcklicher einzuschrfen. Die Einteilung kann man nach der - 
schon mit den Kapiteln getroffenen Abteilung unter drei Haupstcke bringen, 
nmlich: 
 
<ol type=I> 
 
<li> 
Dankbare Freude ber der Thessalonicher zunehmenden&nbsp; Stand 
und Wachstum in der Gnade mit angehngtem Wunsch&nbsp;&nbsp; (Kap. 1).</li> 
 
<li> 
Lehrreicher Unterricht von der Zukunft unseres HErrn JEsu&nbsp; 
Christi, und was noch vor derselben hergehen werde, samt&nbsp; dem, was 
er in diesem Betracht fr die Thessalonicher zu&nbsp; hoffen und zu bitten 
ntig fand (Kap. 2).</li> 
 
<li> 
Ermahnungen und Warnungen, die aus dem Bisherigen&nbsp; 
flieen, und sich auf die besonderen Umstnde und&nbsp; Versuchungen der 
Thessalonicher beziehen (Kap. 3).</li> 
 
</ol> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 2.Thessalonicher 1,1-5</font></b></h4> 
 
<p><b>Ist als ein denkwrdiger Ausflu eines getrosten Herzens und aufgetanenen 
Mundes anzusehen, wenn man beim Wachen ber die Seelen und bei der bevorstehenden 
Rechenschaft darber sein Amt doch mit Freuden tun kann.</b> 
 
<p>Es ist kein wackerer Vorsteher, der sich nicht entweder freut oder seufzt, 
oder Beides neben einander durch seine Seele gehend erfhrt. Kann sich 
dein Lehrer nicht ber dich freuen, so hast du vermutlich auch nicht Grund, 
dich ber dich selbst zu freuen. Kannst du dich noch nicht freuen ber 
dich, so seufze, bis du dich freuen kannst. Schon 1.Thess. 1, 3 war ihm 
das Werk des Glaubens, die Arbeit der Liebe, die Geduld der Hoffnung ein 
frhliches Augenmerk bei den Thessalonichern; und zu erstatten was am Glauben 
mangelt (1.Thess. 3, 10 ; 4, 10), zum Vlligerwerden in der Liebe sie zu 
ermahnen, und das besorgte Weichwerden unter den Trbsalen zu verhten 
(1.Thess. 3, 3) war sein erster Brief eingerichtet. Mithin konnte er das 
jetzt gepriesene Wachstum ihres guten Zustandes als eine eigentliche Frucht 
seiner Ermahnungen und Frbitte ansehen. - Von ihren erduldeten Verfolgungen 
und Trbsalen ist auch schon Vieles vorgekommen (1.Thess. 1, 6 ; 3, 4+5). 
Diese betrafen sie freilich ber ihrem - zum Evangelio, zum Ruf in das 
Reich GOttes, gegebenen Glauben. Wenn sie das htten wollen aufgeben, wenn 
sie von dem lebendigen und wahren GOtt wieder zu den Abgttern htten umkehren, 
wenn sie die Zukunft des HErrn JEsu und ihre Bereitschaft darauf durch 
Wandeln in der Finsternis wieder htten verleugnen wollen, da htten sie 
solcher Leiden berhoben bleiben knnen. Aus diesen Leiden aber sollten 
sie ein Anzeigen nehmen, da GOtt recht richten werde. Das ist schon der 
- von Salomo angegebene Vorteil; da sprach ich, GOtt mu richten. Aus allem 
Bsen um dich herum nimm eine Anmahnung an GOttes unfehlbares Richten. 
Und damit lt sich auch alles rgernis an der niedrigen, verschmhten, 
verlsterten Gestalt der Christen berwinden. Es mu so sein, zum Anzeigen, 
da jetzt noch nicht die rechte Seite heraus sieht, sondern nur ein wenig 
durchscheint, aber vllig herausgekehrt wird, wenn GOtt das Verborgene 
der Menschen richten wird. Zum Reich GOttes wird man wrdig unter dem Leiden, 
nicht als ob man dasselbe durch Leiden verdienen knnte. Denn da ist freilich 
unsere Trbsal nicht wert der Herrlichkeit, die an uns soll offenbart werden 
(Rm. 8, 18). GOttes Erbarmen in Christo macht uns allein tchtig zu diesem 
Erbteil (Kol. 1, 12). Aber GOttes Rat und Ordnung ist es, der Menschen 
inneren Gehalt und Wert daran zu prfen, wie sie im Feuer der Trbsal bestehen, 
und ob eine berwiegende Lust zum Unsichtbaren und Ewigen oder ein unauslschlicher 
Hang zur Eitelkeit in ihnen ist. Auch erfordert es das Recht GOttes so, 
da die Erben seines Reichs die Anklage ihres Feindes, der sie gern als 
Liebhaber ihres eigenen Lebens belangen mchte, damit zurckzutreiben, 
und sich ein Zeugnis erwerben mssen, da sie ihr Leben nicht lieb haben 
bis in den Tod (Offb. 12, 11). Die Welt macht freilich ganz andere berschriften 
ber der Christen Kreuz; da leiden sie als beltter, als Eigensinnige, 
als unbotmige Leute; aber GOttes Zeugnis im guten Gewissen leuchtet durch 
diese Schmach hindurch, und heit sie hpfen (Luk. 6, 23), frhlich sein 
(1.Petr. 4, 13), sich rhmen der Trbsalen (Rm. 5, 3), weil sie ber dem 
Reich GOttes leiden. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 2.Thessalonicher 1,6-12</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel hlt ihnen zur Strkung in der Geduld vor, was ein Tag hereinbringen, 
und welch groen Unterschied derselbe zwischen ihnen und ihren bisherigen 
Verfolgern machen werde; zeigt ihnen auch mit seinem Vorgang und Beispiel, 
wie man diese krftigen Wahrheiten ins Herz hinein beten, und damit zur 
guten Frucht bewahren msse.</b> 
 
<p>Der Mensch meint freilich in vielen Stcken, GOtt werde sein, gleich 
wie er. Ja Mancher geht in seiner Blindheit gar so weit, da er meint, 
er tue GOtt einen Dienst daran, wenn er Anderen Trbsal anlegt; aber es 
wird ihm nicht nach seiner eigenliebigen Meinung vergolten werden, sondern 
nach dem, was bei GOtt recht ist. Jeder Abel hat seinen Kain, jeder Isaak 
seinen Ismael, jeder Jakob seinen Esau, der ihm Trbsal anlegt. - Durch 
das Evangelium ist man eigentlich zum herrlichen Eigentum unseres HErrn 
JEsu Christi berufen (Kap. 2, 14), aber davon ist Trbsal leiden unzertrennlich. 
Mitgenosse sein an der Trbsal, am Knigreich und an der Geduld JEsu, macht 
eben immer noch unsern ganzen Christenlauf aus. Aber es ist auch ein Kommen 
aus der groen Trbsal gesetzt, es ist noch eine Ruhe, eine herrliche Freiheit 
der Kinder GOttes vorhanden. Diese erreichen die Geister der vollendeten 
Gerechten gleich beim Abscheiden, da sie bei Christo sind. Die gesamte 
Menge der Kinder GOttes aber geht in ihre herrliche Freiheit bei der Offenbarung 
des HErrn JEsu vom Himmel ein, die auch durch das Gefolge der Engel wird 
ansehlich gemacht werden (Matth. 25, 31). Alsdann werden auch die, so GOtt 
nicht erkennen, und alle dazu leitende Wahrheit GOttes in Ungerechtigkeit 
aufgehalten haben, ja auch solche, die zwar sagten: sie kennen GOtt, aber 
mit den Werken Ihn verleugnet haben, und die dem Evangelium des seligen 
GOttes sich nicht mit ihrem Herzen und Gewissen bergeben haben, da GOttes 
Beruf und Wohlgefallen an ihnen konnte ausgefhrt werden, vor das Angesicht 
des HErrn gestellt, und von demselben ihnen ihre Strafe, die wohlverdiente 
Pein und Verderben zuerkannt werden; ja das Offenbarwerden vor Ihm und 
ihr Unvermgen, vor seiner herrlichen Macht zu stehen, wird ihnen schon 
so unertrglich als die Strafe selbst sein, wie der Proze und Gerichtstag 
oft empfindlicher ist, als die Strafe selbst. Im Gegenteil werden mit dem 
HErrn auch seine Heiligen und Glubigen offenbar werden, davon der HErr 
viel Ehre und Anbetung ber die wunderbare Ausfhrung seines Rats haben 
wird. Schon jetzt kann man Manches daran lernen, wie wunderbar GOtt seine 
Heiligen fhrt; noch vielmehr aber, wenn das ganze Werk wird ausgefhrt 
sein. Mit was fr Ausbrchen und Folgen Das begleitet sein wird, davon 
hat man schon in vorigen Zeiten ernsthafte Vorstellungen gehabt. Wohl dem, 
bei dem das Zeugnis von jenem Tag so viel ausrichtet, da die hierin vorgehaltenen 
Hoffnung ihn zu so viel Verleugnung des Irdischen und bernahme der Trbsalen 
willig macht, und er am Ende Alles so finden wird, wie er auf das Zeugnis 
des Worts geglaubt hat. Aber durch das Gebet mssen alle solche Wahrheiten 
zum Untersichwurzeln im Herzen gebracht werden. Durch vieles Reden und 
Feiltragen unter den Menschen schwcht man sich eher daran, und wird ber 
eine Weile wieder an dem groen Unterschied, den GOtt machen werde, verzagt. 
Im Beten darber wird das Herz fest. Das, was uns GOtt in unserer Erwhlung 
zugedacht, in unserem Beruf vorgehalten hat, enthlt alles Wohlgefallen 
seiner Gte; und unter unserer Frderung und Vollendung wird Alles an uns 
erfllt, und daraus der Name unseres HErrn JEsu Christi, und dessen Kraft 
erkannt, und wir lernen das auch fr unsern einig bleibenden Ruhm und gltige 
Ehre achten, was Er aus uns macht zum Lobe seiner herrlichen Gnade. Nach 
der Gnade unseres GOttes ist es uns zugedacht und angetragen, und nach 
der Gnade unseres HErrn JEsu Christi bleibt dies Werk bei seiner spt und 
frhe an uns verwandten Mhe nicht liegen, sondern gedeiht zu seiner herrlichen 
Vollendung. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 2.Thessalonicher 2,1-12</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel legt ihnen zur Verwahrung ein bedenkliches Zeugnis hin, 
was noch vor dem Tag Christi hergehen, und wie das schon heimlich schleichende 
Geheimnis der Bosheit gegen die letzte Zeit hin zu so einem schrecklichen 
Ausbruch kommen werde; auch wem diese Macht der Verfhrung allermeist gefhrlich 
sei; wer aber seine vorher in Bewahrung der Wahrheit bewiesenen Treue zu 
genieen haben werde, da ihn GOtt hinwiederum vor der Stunde der Versuchung 
bewahre.</b> 
 
<p>Unser Heil und dessen Vollendung in der Herrlichkeit knnte uns nicht 
besser versichert werden, als da es berall mit GOttes Ehre und mit JEsu 
eigener Herrlichkeit in einander geflochten wird: Er geoffenbarte in der 
Herrlichkeit; wir mit Ihm; Seine Zukunft und unsere Versammlung zu Ihm. 
Die Thessalonicher waren bei dieser Materie in der Gefahr eines Miverstandes; 
doch war dem Apostel ihr Sinn im Grunde schtzbar, ihre Bereitschaft und 
Verlangen nach des HErrn Zukunft hielt er fr edel. Den Miverstand dabei 
suchte er abzulehnen. Wenn man Unkraut ausjten will, so mu es doch mit 
dem zrtlichsten Bedacht fr den guten Weizen geschehen. Bei der Anzeige 
knftiger Dinge kann man in der berzeugung und Vorstellung leicht bewegt, 
noch mehr aber zur Unruhe und Geschftigkeit mancher Art erschreckt, eben 
damit aber auch zu Versumnissen im ordentlichen Gang veranlat werden. 
Wer aber da einen heilsamen Arzt abgeben will, der mu nicht gleich mit 
Trumern, Phantasten um sich werfen, und denen die zum Achten auf das prophetische 
Wort Lust haben, wei nicht was fr eitle und betrgliche Absichten andichten. 
Die Versuchung mit allzuviel Wissens = Begierde auf das Zuknftige hineinzufallen, 
oder darin mehr zu bestimmen, als zu berlegen, wird von Manchen betrieben, 
die sich wohl gar gewisser Erscheinungen. und dabei empfangener Offenbarungen 
rhmen, oder die sonst mit starker Geisttreiberei sich und Anderen von 
gewissen Erkenntnissen groen Vorteil und starkes Wachstum versprechen, 
und damit ber ganze Gegenden und Zeiten einen gewissen Geist ausbreiten 
knnen, wovon man eigentlich keinen nheren Grund angeben kann, sondern 
Alles auf einer solchen ausgegangenen dunklen Geistesmacht beruht. Vieles 
lauft auch durch mndlich oder schriftlich ausgebreitete Nachrichten, die 
man oft auch von wichtigen Mnnern herzuhaben vorgibt, und womit man sich 
das Ansehen geben will, als wre man hinter Manches gekommen, das man nicht 
so leicht unter Andere bringe. Nahe haben freilich die Apostel des HErrn 
Zukunft vorgestellt, wie der HErr selbst auch in seinen Reden (Matth. 24 
; 25. ) getan hat; aber das nicht aus Irrtum, der erst durch den Erfolg 
und lngeren Aufschub wre widerlegt worden, sondern nach der dem Glauben 
besonders eigenen Art, die uns, wie das Vergangene, so auch das Zuknftige 
gar nahe vor das Herz bringt, damit man es zum tglichen Licht, darin man 
wandelt, brauchen kann. Wenn man aber dieser angekndigten Nhe eine Deutung 
geben wollte, die der Wahrheit nachteilig wrde, so hat der Apostel schon 
in diesem Brief, der eine seiner ersten Schriften gewesen ist, gewehrt, 
und man kann also nicht sagen, da er erst durch den Erfolg auf diese anderen 
Gedanken gebracht worden sei. Eine Erwartung knftiger Dinge, wobei man 
sich auf GOttes Wort und Verheiung bezieht, und die doch nicht eintrifft, 
kann groes rgernis veranlassen. Darum wehrt der Apostel so sorgfltig. 
Von der Zukunft des HErrn und unserer Versammlung zu Ihm wre freilich 
erwnschter zu hren. Aber GOtt hat zu seinem groen Werk auch groe Weltzeiten 
sich in seinem Vorsatz vorgenommen, und darin lt Er auch dem Bsen seinen 
Lauf und Raum zum weiteren Offenbarwerden. Was dadurch seiner Ehre eine 
Weile zu entgehen scheint, das bringt Er durch Gerichte wieder herein und 
immittelst wird seine Geduldszeit noch eines Manchen Seligkeit; mithin 
jene Offenbarung und Versammlung doch herrlicher, als wenn sie frher geschehen 
wre. - Abfall heit das innere Nachlassen und Verderben, so lange es im 
Verborgenen schleicht; endlich aber wird Einer all' das durch so vieljhrigen 
Abfall angerichtete Verderben zur Erreichung seiner bsen Absichten an 
sich ziehen, und damit der vorzgliche Sndenmensch werden. Was also nicht 
die Gebote GOttes und den Glauben JEsu hlt, das ist schon mit dem Abfall 
angesteckt, und dem kann die Stunde der Versuchung bei dem letzten Ausbruch 
gefhrlich werden. - Dies Kind des Verderbens berhebt sich mit Herz, Worten 
und Werken ber Alles, was GOtt heit, und dafr verehrt wird, mat sich 
also einer groen, ber Alles in der Welt erhabenen Macht an. Wie Obrigkeiten 
oder Machten im Sichtbaren und Unsichtbaren Gtter heien, so mat sich 
dieser, eine ber sie alle gehende Macht an, und zwar unter einem Vorwand, 
der sich auf den eigentlichen Gottesdienst, oder auf die Anbetung des unsichtbaren 
hchsten GOttes grnden soll, dessen sichtbarer Statthalter dieser sein 
will. Fr den allmchtigen GOtt, Schpfer Himmels und der Erden, wird sich 
freilich kein Mensch, und also auch dieser Boshaftige nicht leicht ausgeben, 
aber doch fr einen, dem Macht gegeben sei, dergleichen sonst keinem von 
denen zukomme, die Gtter der Erden genannt werden. Gab Pauli mndlich 
erteilter Unterricht den Thessalonichern Aufschlu zum Vernehmen seiner 
Meinung, so haben wir hingegen den Verlauf der bisherigen Zeiten und das 
noch weiter dazugekommen Zeugnis der Offenbarung. - Von dem, was die Offenbarung 
dieses Sndenmenschen aufhlt, spricht der Apostel mit sorgfltiger Bescheidenheit; 
nicht aus ungebhrlicher Menschenfurcht, sondern mit Vorsicht, Niemanden 
Gelegenheit, Schaden anzurichten, durch allzu ungesparten Vortrag zu geben. 
Wie an dem Sndenmenschen und dessen letzter Entdeckung Vieles mit Anmaung 
einer weltlichen Macht nur unter geistlichem Schein und Vorwand verbunden 
ist, so hat man auch bei dem, was ihn aufhlt, nicht blo an die Wahrheit 
GOttes und den damit gemachten Aufenthalt, sondern auch an ein - das andere 
Schwert in der Scheide haltendes Schwert einer weltlichen Macht zu gedenken. 
Ein daher rhrender Widerstand aber kann gehoben werden, ohne da gerade 
die Macht selbst aus dem Weg getan wird, sondern nur sonst eine andere 
Wendung oder Gesinnung aufkommt. Jetzt rechne man auf der einen Seite ein 
- zu der Apostel Zeiten sich schon heimlich regendes Geheimnis der Bosheit, 
das durch alle Zeiten hindurch unter mancherlei Abwechslungen sich uerte, 
bis es endlich den grndlichen Feind aller Gerechtigkeit und Wahrheit ausgebiert, 
der mit seinem Toben auf die Erscheinung der Zukunft des HErrn stoen wird; 
und auf der anderen Seite auch einen schon zu der Apostel Zeiten in der 
Mitte gewesenen Aufenthalt und Widerstand, der auch durch alle diese Zeiten 
hindurch reichen, und erst gegen dem Ende so aus dem Weg gehen wird, da 
die schon lange betriebenen Herrschschtigen zu ihrem Ausbruch kommen werden; 
und denke nach, wo sich beides findet. Erhebung menschlichen Ansehens, 
irdischer Sinn, der sogar auch die Verheiung des Reichs Christi an sich 
zu reien so frech ist, veranlat alles Verderben. Demut und Verleugnung 
der Welt ist also die beste Verwahrung. Hinter Allem steckt der Satan als 
der Urscher aller Verfhrung (Offb. 12, 9), und der wird alle in vorigen 
Zeiten gemachte Verfhrung zum Unglauben und zur Ungerechtigkeit da in 
einen reienden Strom von rgernissen zusammenbringen. - Lgenhaftige Krfte 
und Wunder haben sich je und je geregt. Wenn aber das Reich des Lichts 
und das Reich der Finsternis in ihren letzten und schrfsten Kampf miteinander 
kommen werden, so wird die mitten inne liegende Natur noch am strksten 
zur Hervorbringung solcherlei Krften bewirkt werden. - Zeichen und Wunder 
allein geben nie einen sicheren Beweis fr die annehmungswrdige Gte einer 
Sache ab, weil wir das, was in Ansehung unserer bernatrlich ist, erst 
hernach wieder nach der Lehre prfen mssen, ob es aus dem Reich des Lichts 
oder der Finsternis ist? Weil aber freilich Zeichen und Wunder eine schnelle 
Kraft an der Menschen Gemtern beweisen, so hat GOtt in seinem Wort der 
Wahrheit auf solche Flle, wo falschen Wundern nicht geglaubt werden solle, 
gewarnt (5.Mo. 13. 1 ff. ; Matth. 24, 24). GOttes Wort gibt den wahren 
Wundern durch Verheiung derselben und durch Bestimmung ihrer Zeiten Zeugnis: 
und so geben dann die Wunder durch ihr Eintreffen dann dem Wort und der 
Wahrheit GOttes Zeugnis. Wahre Wunder gehen gemeiniglich voran; falsche 
sind eine Nachffung des Wahren, wie bei Mose und den Zauberern, wie bei 
Christo und den nachmals aufgestandenen falschen Christi. Ehe der Wahre 
da war, hat sich kein Falscher aufgeworfen. Die Falschen machten nicht 
so viel Aufsehen, wenn man nicht Beispiele von Wahren htte. Die Wahrheit 
hat etwas Liebenswrdiges, Erfreuliches, Beruhigendes, wie das Licht in 
der Natur. Es ist dem Menschen bei nichts so wohl als bei der Wahrheit. 
Sie kommt aber freilich bei uns mit anderen heftigen Neigungen in Streit. 
Das heit die Schrift mit einem Wort: Ungerechtigkeit, wodurch die Wahrheit 
aufgehalten wird. Wahrheit und der Glaube daran wird also durch des Menschen 
bse Begierde, durch seinen von der Ungerechtigkeit habenden Genu, durch 
seine Unlittigkeit, sich vom Licht strafen zu lassen, verhindert. Und wo 
die Wahrheit nicht in die Liebe des Herzens aufgenommen wird, da wirkt 
sie auch nicht zur Seligkeit. In der Liebe des Herzens allein kann die 
Wahrheit wurzeln und Frucht bringen. Die Wahrheit aber drngt sich ihren 
Verchtern gegen ihren Willen nicht auf. GOtt wei bei der Wahrheit auch 
seinen Respekt zu beobachten und sich zurckzuziehen. Anfangs nimmt es 
der Mensch mit der Wahrheit und mit der Verfhrung in Irrtum leicht, spielt 
mit Beidem, gibt der Wahrheit die Liebe seines Herzens nicht hin; meint 
aber, der Irrtum und die Verfhrung werde ihn auch nicht bemeistern. Aber 
es steckt hinter dem Irrtum eine Macht, die Jedem gefhrlich ist, der mit 
keiner Liebe zur Wahrheit bewaffnet ist. - Ist es aber nicht erschrecklich 
zu hren: GOtt sende Irrtmer? Unter dem Baum des Erkenntnisses Gutes und 
Bses haben wir uns schon Not genug zugezogen; darum sollen wir bei Allem, 
was den Ursprung oder die Zulassung des Bsen anbetrifft, sehr langsam 
tun. GOttes Wort und unser eigen Gewissen bezeugt es genugsam, da GOtt 
keinen Anteil am Bsen habe; und doch kann er bser Geister und bser Menschen 
Geschft zur Erreichung seiner Absichten gebrauchen. Gerechte Strafe ist 
es, da, wer GOtt nicht liebt, durch Leichtglubigkeit gegen die Menschen 
betrogen werde. Wenn es GOtt Jemanden zur Versuchungsfalle so einrichtete; 
so sagte Er es nicht in seinem Wort voraus, und warnte so treulich. Der 
Wahrheit nicht glauben ist der Menschen Snde; den Lgen glauben ist ihre 
Strafe. Unglauben wird oft mit Aberglauben gestraft (Joh. 5, 43).</p> 
 
<blockquote> 
 
JEsu ! hilf siegen, und la mich nicht sinken, wenn sich die 
Krfte der Lgen aufblhen, und mit dem Scheine der Wahrheit sich schmcken, 
la dann noch viel heller dann deine Kraft sehen. 
<br>Stehe mir zur Rechten, o Knig und Meister! Lehre mich kennen und prfen 
die Geister! (Johann Heinrich Schrder 1667 - 1699; "JEsu hilf siegen" Strophe 6) 
 
</blockquote> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 2.Thessalonicher 2,13-17</font></b></h4> 
 
<p><b>Von der Anzeige so betrbter und fr die Seele und Leib verderblicher 
Umstnde wendet sich der Apostel desto mehr in dankbare Anbetung der mchtigen 
Gnade GOttes, deren die Thessalonicher ihre bisherige Errettung von der 
gegenwrtigen argen Welt zu danken, und auch ihre knftige Bewahrung von 
dorther zu erwarten htten.</b> 
 
<p>Unter allem Anblick von dem, was der Feind getan hat, und tun wird, 
verlieren Knechte GOttes doch die Freude an GOttes Ackerwerk nicht. Der 
Verstand von dem, was Satanas im Sinn hat, macht nicht kleinmtig, sondern 
treibt nur desto mehr unter GOttes Gnadenflgel hinunter. Wie der liebe 
Heiland die - Ihm aus seinen Zeitgenossen heraus geschenkten Jnger als 
eine Gabe seines himmlischen Vaters erkannt, und von denselben auch weiter 
auf die gerechnet hat, die durch ihr Wort an Ihn glauben werden; so haben 
die Apostel diejenigen, die ihr Wort gern annahmen, auch als ihr liebliches 
Los mit Dank angesehen. Eben wenn Jemand eine vertraute Erffnung von den 
Geheimnissen des Reichs GOttes, eine Anzeige von den Hindernissen desselben 
geschieht, eine Warnung deshalb ans Herz gelegt wird; so kann man die vertraute 
Liebe des HErrn daraus abnehmen (Joh. 15, 9+15+16 und Luk. 12, 4-5). Bei 
der Ausfhrung sieht man den Vorsatz. Der Bau stellt den Ri dar. Aus ihrem 
Beruf, aus dem Gehorsam gegen denselben, aus dem Werk des Glaubens in der 
Kraft, aus der Frucht der Heiligung beurteilt der Apostel ihre Erwhlung. 
In der Beschreibung der gefhrlichsten Bedrngnisse wird oft die ewige 
Erwhlung als der Schirm der Heiligen angezogen (Matth. 24, 22+24+31; Offb. 
13, 8 ; 17, 8). Aber das Triumphlied: ich bin gewi, da weder Tod noch 
Leben zc. steht nicht voran in der Epistel an die Rmer, sondern Paulus 
hat zuvor den Weg der Gerechtigkeit beschrieben. Deswegen der selige Luther 
in seiner Vorrede den guten Rat gibt: " Folge dieser Epistel in ihrer Ordnung, 
bekmmere dich zuvor mit Christo und dem Evangelio, da du deine Snde 
und seine Gnade erkennest, darnach mit der Snde streitest, darnach, wenn 
du kommen bist unter das Kreuz und Leiden, das wird dich recht lehren, 
wie die Vorsehung GOttes so trstlich sei. " - Erwhlung verschafft eine 
Beilage im Verborgenen, Heiligung ist die aufgedeckte Erwhlung, dadurch 
der Unterschied zwischen der Welt, die im Argen liegen bleibt, und zwischen 
dem, was sich an GOtt zum Dienst der Gerechtigkeit ergibt, offenbar wird. 
Davon ist Glaube der Wahrheit die Wurzel. Denn im Wort der Wahrheit wird 
mir GOttes Wille angetragen, und im Glauben nehme ich ihn an. Der Ruf geht 
zugleich zum Glauben, zur Heiligung, zur Seligkeit mit ewiger Herrlichkeit. 
Vor dem Weichwerden hat der Apostel gewarnt (1. Thess. 3, 3), ber ihr 
Stehen im HErrn eben daselbst (V. 8) sich gefreut, und nun spricht er ihnen 
wieder zu: so steht nun. Bei allen Gnadenmitteln und Gnadenordnung aber 
fhrt er doch zur Quelle selbst, und leitet aus derselbigen Alles her, 
was gegen alle Gefahr, Schaden zu nehmen, und einen ewigen Trost, zum Erwarten 
des Heils mit ewiger Herrlichkeit uns eine gute Hoffnung durch die Gnade 
gewhrt, darin das Recht ber alles Gute und die Macht ber alles Aufhltige 
beigelegt ist. Durch Ermahnen werden wir in aller guten Lehre, durch Strken 
unserer Herzen in allem guten Werk erhalten. Ja Amen, Vater aller Treu, 
zhl mich den Auserwhlten bei! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 2.Thessalonicher 3,1-5</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel empfiehlt sich und seine Amtsfhrung der Thessalonicher 
Frbitte, und zeigt, wie und mit welchem Grund der Zuversicht, er hinwiederum 
fr sie bete.</b> 
 
<p>Eine dem Ehrenstand der Kinder GOttes vorzglich anhangende Wrde ist 
es, da sie nicht nur freinander beten, sondern sich dabei auch der groen 
Angelegenheiten des Reichs GOttes und der Ausbreitung seines Worts annehmen 
drfen (Matth. 9, 38). Der HErr der Ernte hat freilich selbst seine Freude 
an reichlicher Ernte ; doch hat die Gnade ihre Ordnung, vermgen deren 
immer diejenigen, die nahe gebracht sind, beten sollen fr diejenigen, 
die weiter zurck sind. Das Wort GOttes lauft durch weitere Ausbreitung 
in Gegenden, wo es zuvor nicht war; es wird gepriesen, wann es beim unter 
sich Wurzeln und ber sich Fruchttragen manches Lob GOttes erweckt. Das 
Angedenken, was das Wort GOttes auch bei uns zu berwinden gehabt, und 
wie es sich durchgearbeitet habe, soll uns ein steter Antrieb sein, uns 
dessen auch mit guter Hoffnung anzunehmen, da es anderwrts Gleiches auszurichten 
vermgend sei. Durch Wegrumung oder Gefangenlegen tchtiger Arbeiter suchte 
man den Lauf des Worts zu unterbrechen, darum empfiehlt der Apostel diesen 
Punkt besonders zur Frbitte (Rm. 15, 31). Wie man auch aus diesem Grunde 
bei einem sich erhebenden Sturm auf deren Sicherheit zuerst gedacht (Apg. 
17, 10+14 und 19, 30+31). Das Streiten wider das Evangelium soll oft Eifer 
fr GOtt heien; aber der Unverstand dabei macht Alles unartig, und im 
Grund ist es doch ein arger Unglaube, eine Lust zur Ungerechtigkeit. Wer 
die Kraft des gttlichen Worts an sich erfahren hat dadurch zum Glauben, 
und beim Glauben zu vieler Freude und zum Frieden gebracht ist, meint oft, 
es sollte nicht mglich sein, da sich nicht auch Andere leicht zum Glauben 
bequemten. Aber man mu sich oft auch in diesen Bedacht stellen lassen, 
da der Glaube nicht Jedermanns Ding sei, damit man teils unter der Erfahrung 
hievon weniger scheu werde, teils auch der oft scheinbaren Versuchung entgehe, 
am Glauben, an dessen Lehren und Lauf so lange zu knsteln und zu beschneiden 
, bis Jedermann es knne sich anstndig sein lassen. Doch verhtet der 
Apostel gleich wieder, da solche Anzeige das Herz nicht mit Kleinmtigkeit 
beschwere, und weist sie auf GOttes Treue, d. i. seine Liebe im bereiteten 
Guten, seinen Ernst im Antrag und Beruf dazu, seine GOttes = Macht zum 
Strken in dem zur Wahrheit gegebenen Glauben, und zum Bewahren vor dem 
Argen und vor den Menschen, hinter die er sich oft steckt. Zu einem von 
dem HErrn Ergriffenen kann ich auch ein Vertrauen in dem HErrn haben, und 
dabei die beiden Abwege vermeiden, nicht zu schnell ein groes Vertrauen 
zu fassen, aber auch nicht ber fehlgeschlagene Hoffnung mich zu weit in 
das Mitrauen zu verschlieen. Durch den Mangel der Liebe GOttes werden 
so viele vom Glauben abgehalten (Joh. 5, 42+44) und wo man nicht in der 
Geduld Christi gewurzelt ist, da kann man vom gemachten Anfang wieder leicht 
abgebracht werden. Deswegen ist es ein viel in sich fassender Wunsch, da 
unsere Herzen zur Liebe GOttes und zu der Geduld Christi gerichtet werden. 
Christus hat Gehorsam und Geduld gelernt, und damit auch allen haltbaren 
Samen dazu in unser Herz gebracht; darum ist all unser Gehorsam und Geduld 
wie eine aus diesem Weinstock herausgewachsene Rebe zu achten. 
<br>Ach drck mir Deinen Leidenssinn doch tglich tiefer ein, la, mit 
Dir sterben, mir Gewinn, Dein Kreuz mir Ehre sein! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 2.Thessalonicher 3,6-12</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel beruft sich auf sein Wort und Beispiel, da Jeder arbeiten, 
und wie man die - hierin in Unordnung geratenen wieder in Ordnung bringen 
soll.</b> 
 
<p>Im Alten Testament kommen hin und wieder, besonders in den Sprchen 
Salomonis, deutliche Anweisungen vor zur Arbeitsamkeit, zum Flei, zur 
Klugheit in Einrichtung seiner Geschfte usw. Im Neuen Testament wird aus 
dem Wort vom Reich mehr der himmlische Sinn gepflanzt. Doch da jetzt ein 
Miverstand und Mibrauch dazu schlagen wollte, und unordentliche Gemter 
unter dem Vorwand der nahen Zukunft des HErrn von der uerlichen Arbeit 
ab - und auf fremde Geschfte kamen; so begegnet der Apostel der Sache 
gar ernstlich. Hieraus ist noch ein richtiges Augenma zu nehmen, wie auch 
wir im ffentlichen und besonderen Unterricht zu verfahren haben, damit 
auf der einen Seite die Religion nicht blo zur Handlangerin fr die brgerliche 
Verfassung gemacht werde, wie wenn man die Leute nur zur Haushaltung und 
Arbeit anzutreiben htte; und auf der anderen Seite doch auch verhtet 
werde, da auf die Lehre GOttes und unseres Heilandes keine unverdiente 
Schmach falle. - Eine aber noch sanftere Anregung hievon ist schon oben 
(1.Thess. 4, 10+11 ; 5, 14) geschehen. Der Schade mu aber inzwischen grer 
geworden sein. Auch wenn man ein Gelbde der Armut bernehmen, und deswegen 
nichts Eigenes haben, sondern sich auf erbettelt fremd Brot legen wollte, 
wrde diese Unordnung in des Apostels Augen nicht entschuldigen. Viele 
Dinge werden besser durch Beispiele, als durch Worte gelehrt. Deswegen 
mu einem Knecht Christi an der Auferziehung seiner Kinder, Regierung seines 
Hauses, Einrichtung seiner Lebensart in Kleidern, im Genu der Speise und 
Trank zc. So viel gelegen sein. Denn was man hievon nicht in ffentlichen 
Vortrag bringen kann, darin mu das Beispiel lehren, und Andere sind wirklich 
auf ihn zu sehen berechtigt, und er soll Freudigkeit haben, sie auf sein 
Beispiel zu weisen. Der Apostel htte Macht gehabt sich vom Evangelium 
zu nhren (1.Kor. 9, 14+15), aber er begab sich dessen, um seinen gar mtterlichen 
Sinn gegen die Thessalonicher zu bewhren (1.Thess. 2, 7-9). Neben allem 
Erstarken am himmlischen Sinn steht doch die pilgrimsmige Treue im Geringen 
gar wohl. Wer sich fr so himmlisch gesinnt und in die Beschauung und Aufwartung 
vor GOtt hingerckt ausgeben wollte, da ihm die Arbeit unanstndig vorkommt, 
der sehe nur zu, ob er auch ber das Essen erhaben sei; und so lange er 
noch unter der Notwendigkeit zu essen steht, so nehme er daraus ab, da 
er auch noch arbeiten soll. Aus bertriebenen Erkenntnissen und Bemhungen, 
selbige auszubreiten, nimmt man sich so viel heraus, das nicht befohlen 
ist; das heit der Apostel Vorwitz treiben. Nach diesen Stcken soll man 
sich achten, so lieb uns die Gemeinschaft mit dem HErrn JEsu, der Ruhm 
an Ihm, die Hoffnung seines Reichs ist. Daher versichert der Apostel so 
oft, er ermahne durch unseren HErrn JEsum Christum. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 2.Thessalonicher 3,13-18</font></b></h4> 
 
<p><b>Schluermahnung mit angehngtem Segens Wunsch.</b> 
 
<p>Vor dem Verdrossenwerden zu verwahren lag dem Apostel oft an. Die Versuchungen 
dazu mu er tief empfunden - den Schaden davon schmerzlich vorausgesehen 
haben (Man sehe nach: 2.Kor. 4, 1+16 ; Gal. 6, 4 ; Eph. 3, 13 ; Heb. 10, 
35-39). Es gibt mdmachende Umstnde im Gutestun berhaupt, aber auch in 
dem, worber der Apostel nchst zuvor belehrt hatte, nmlich in der ordentlichen 
Einrichtung, sein eigen Brot zu essen. Darin hat oft auch eine Zeit ihre 
eigenen Versuchungen. Damals wollten die, so sich der Arbeit entzogen, 
fr die Besten, Geistreichsten, auf die Bereitschaft zur nahen Zukunft 
des HErrn Bedachtsamsten angesehen sein. Andere die in der Ordnung arbeiteten, 
muten sich von ihnen zurcksetzen lassen. Der Apostel aber sagt diesen: 
Macht nur fort, werdet nicht verdrossen, gebt weder von eurem - aus dem 
Evangelio gefaten himmlischen Sinn, noch auch von eurer pilgrimsmigen 
Bescheidenheit etwas ab. Und so mu man auch gegen die neuesten Versuche 
und rgernisse vom Weltlauf immer zusprechen: Werdet nicht verdrossen, 
lasset den Samen des gttlichen Worts nicht durch Lste und Sorgen dieses 
Lebens erstickt werden. - Die Worte: zeichnet an durch einen Brief, lassen 
sich zuerst ansehen, als ob sie dem Apostel davon Nachricht geben sollten; 
sie knnen aber auch so viel bedeuten: Gebt ihm ein Merkmal durch diesen 
Brief, haltet ihm diesen Brief vor, ob er nicht daraus zu berzeugen ist. 
In seiner Eigenliebe und Gutdnken meint Mancher: er treffe es weit besser 
als Andere; aber durch Entziehen vom Vertrauen und Umgang mit ihm mu man 
ihn empfinden lassen, da er Ursache hat, sich zu schmen. Doch beugt das 
Geduldwort der Schriften immer auch wieder dem andern Abweg vor. - Bei 
Allem was dem Frieden nachzujagen dient, mu der HErr des Friedens das 
Beste tun. Friede bedarf man in der Kirche, im gemeinen Wesen, in den Husern, 
Ehen, Familien, Handwerken, ber dem Essen seines eigenen Brots, ber Meinungen, 
darin sich oft Einer ber den Anderen Aufblst. Das Vorhergehende des Briefs 
mag Paulus einem in die Feder diktiert haben. Zur Vermeidung alles Betrugs 
und zur Sicherstellung der Glubigen, an die er schreibt, unterschreibt 
er es nun eigenhndig, und setzt auch so den Segensgru bei, damit man 
seine Handschrift desto gewisser unterscheiden knne. Der HErr (V. 16), 
und seine Gnade sei mit uns bis zur Erreichung des frohen Ziels, daran 
wir bei dem HErrn sein werden allezeit! 
 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Timotheus 1,1-2</font></b></h4> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Der erste Brief an den Timotheus Einleitung</font></b></h4> 
 
<p>Timotheus stammte aus einer ungleichen Ehe einer j&uuml;dischen 
und dazu gottesf&uuml;rchtigen Mutter, und eines griechischen oder heidnischen, 
wenigstens unbeschnittenen Vaters her <i>(Apg. 
16, 1)</i>, hatte Lystra, ein St&auml;dtlein in Lyaconien, entweder 
zu seinem Geburtsort, oder doch zum Ort seines Aufenthalts von Jugend auf. 
Ist diesem nach ein Muster, wie sich GOtt nach seiner freien Gnade Werkzeuge 
zubereiten kann, wo wir es nicht vermuteten. Eunike, die Mutter Timotheus, 
mu&szlig; durch ihren rechtschaffenen Wandel in der Furcht des HErrn auch 
ihren heidnischen Ehegatten so weit gewonnen haben, da&szlig; er ihr bei 
der Auferziehung dieses Sohnes zur Furcht GOttes, nach der Bedeutung seines 
Namens, viel Freiheit gelassen hat. Oder GOtt hat es so gef&uuml;gt, das 
Eunike dieses Ziehens am fremden Joch durch den fr&uuml;hen Tod, oder eine 
- von ihrem ungl&auml;ubigen Mann vorgenommene Trennung, los geworden ist. 
Wenigstens ist so viel gewi&szlig;, da&szlig; Timotheus unter seiner Mutter 
Eunike und Gro&szlig;mutter Lois eine gesegnete Auferziehung genossen hat, 
deren ihn Paulus selbst noch beweglich erinnert <i>(2.Tim. 
1, 5 und 3, 15)</i>. Doch ging das anf&auml;nglich nur auf die j&uuml;dische 
Religion. Denn Christum und sein Evangelium brachte erst Paulus in diese 
Gegenden <i>(Apg. 14, 6 f.)</i> und da 
m&ouml;gen die M&uuml;tter des Timotheus unter den Ersten gewesen sein, 
die dem Evangelium in ihrem Herzen Platz gegeben haben; und Paulus mag 
von dorther schon den Timotheus als seinen durch das Evangelium gezeugten 
Sohn gerechnet haben. Denn da er bei seinen nachmaligen Durchreise durch 
Lystra Timotheum wieder antraf, so fand er ihn schon als einen mit guten 
Zeugnissen versehenen J&uuml;nger, den er von da an zum Dienst des Evangeliums 
und meist zu seiner Gef&auml;hrtschaft auf seinen Reisen annahm <i>(Apg. 
16, 2 f.)</i>. Von solcher Zeit an hatte Timotheus eine gar genaue Verbindung 
und &Uuml;bereinkunft mit Paulus, so da&szlig; er ihn sein anderes Ich 
nennt, der so gar seines Sinnes sei <i>(Phil. 
2, 20)</i>, nach der von Paulus empfangenen Lehre <i>(2.Tim. 
1, 13)</i>, und nach dem &uuml;brigen Wandel in seinen Fu&szlig;stapfen 
<i>(2.Tim. 
3, 10)</i>. Timotheus Aussonderung zum Dienst am Evangelium geschah 
nach besonders &uuml;ber ihn ergangenen Weissagungen <i>(1.Tim. 
1, 18)</i>, n&auml;mlich nach der Gabe, die Geister zu pr&uuml;fen, 
konnten von GOtt erweckte M&auml;nner &uuml;ber die Brauchbarkeit eine 
solchen J&uuml;nglings ein nachdr&uuml;ckliches Zeugnis ablegen <i>(1.Kor. 
12, 10)</i>. Diese Wahl und Beruf wurde ihm auch durch den alten ehrw&uuml;rdigen 
Gebrauch der Handauflegung desto eindringlicher gemacht, und Paulus leitet 
dorther seine Ausr&uuml;stung mit den zu F&uuml;hrung seines Amts besonders 
n&ouml;tigen Gaben <i>(2.Tim. 1, 6)</i>, 
und zwar hat Timotheus diesen Dienst am Evangelium mit so guter Hoffnung 
bei ungew&ouml;hnlich jungen Jahren angetreten; deswegen der Apostel nach 
bereits zur&uuml;ckgelegter einiger Zeit seines Dienstes noch n&ouml;tig 
erachtet, ihn anzuweisen, sein Amt so zu f&uuml;hren, da&szlig; Niemand 
seine Jugend zu verachten Vorwand nehmen k&ouml;nne <i>(1.Tim. 
4, 12)</i>. Was Timotheus dem Paulus f&uuml;r Dienst auf seinen Reisen 
getan, und was er f&uuml;r Teil am Segen des Evangeliums gehabt habe, davon 
ist <i>Apg. 16 - 20 </i>nachzusehen. 
Da Paulus durch den Aufruhr, so Demetrius erregte, aus Ephesus zu weichen 
gen&ouml;tigt war, so lie&szlig; er Timotheus daselbst zur&uuml;ck <i>(1.Tim. 
1, 3)</i>, und w&auml;hrend dieses seines Aufenthalts zu Ephesus schrieb 
ihm dann der Apostel diesen Brief. Der Ort, woher er ihn schrieb, ist nicht 
wohl zu bestimmen, auch die Zeit schwerlich genauer zutreffen, als da&szlig; 
es eben w&auml;hrend der Reise Pauli in Macedonien geschehen sein mu&szlig;. 
Dieser Brief diente dem Timotheus zu seinem wichtigen Gesch&auml;ft, die 
Gemeinde zu Ephesus einzurichten, die Kirchen&auml;mter zu besetzen, den 
Irrlehrern zu widerstehen, auf eine doppelte Weise. Denn er gab ihm nicht 
nur gute Lehren, wie er hierin verfahren sollte, sondern er diente ihm 
auch zu einer Vollmacht, die er Anderen vorlegen, und ihre b&ouml;sen Absichten 
damit zur&uuml;cktreiben konnte. Deswegen der Brief auch so vermischt ist 
von vielen - den Timotheus zun&auml;chst betreffenden Anweisungen, und 
von anderen auch auf die &uuml;brigen Glieder der Gemeinde sich beziehenden 
Umst&auml;nden. 
 
<p>Zur Einteilung mag man sich Folgendes merken: 
 
<ol TYPE="I"> 
 
<li> 
Die &Uuml;berschrift mit Segenswunsch und Veranlassung zum 
Schreiben<i> (Kap. 1, 1 - 3)</i>.</li> 
 
<li> 
Unterricht, wie sich Timotheus in Pauli Abwesenheit verhalten 
soll; und zwar teils diejenigen, die mit ungeschickten Lehren Irrung anrichteten, 
auf besseren Weg zu weisen <i>(Kap. 1, 4 
- 20)</i>, teils das Gebet und dessen &Uuml;bung zu ordnen<i> 
(Kap. 2, 1 - 15)</i>, teils die n&ouml;tigen Eigenschaften eines Bischofs 
und sonstigen Kirchendieners wohl vor Augen haben<i> 
(Kap. 3, 1 - 16)</i>, teils bei bew&auml;hrten Hauptsachen zu bleiben, 
und damit Abweichung auf Nebendinge zu vermeiden <i>(Kap. 
4, 1 - 16)</i>, teils auch mit Menschen, von allen 
St&auml;nden so umzugehen, da&szlig; man in keine Gemeinschaft der S&uuml;nden 
gezogen, vielmehr Jedem zum Tun des Willens GOttes behilflich werde <i>(Kap. 
5 - 6, 19)</i>.</li> 
 
<li> 
Eindringlicher Beschlu&szlig; <i>(Kap. 
6, 20 - 21)</i>.</li> 
</ol> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Timotheus 1,1-2</font></b></h4> 
 
<p><b>Aufschrift, darin der Verfasser des Briefs, und der, an 
den er geschrieben ist, samt dem Segenswunsch &uuml;ber diesen, enthalten 
ist.</b> 
 
<p>In was f&uuml;r Anbetung Paulus &uuml;ber seiner empfangenen 
Gnade und Apostelamt gezogen worden sei, davon wird bald im Folgenden vorkommen. 
Wenn Mancher d&auml;chte, was er in seiner Jugend gewesen ist, und was 
er durch Betrug der S&uuml;nde weiter h&auml;tte werden k&ouml;nnen, wozu 
ihn aber die Gnade noch gesetzt und erhalten hat; mit was f&uuml;r Beugung 
sollte er seinen <i>Amtsnamen</i> f&uuml;hren, 
oder schreiben, oder nennen h&ouml;ren. <i>GOttes 
Befehl</i> und Wille ist eine St&uuml;tze, darauf man sich verlassen 
kann. Deswegen ist es so gut, im Anfang seinen Weg bewahren, damit man 
in nachfolgenden N&ouml;ten sich darauf beziehen kann. Als <i>GOtt, 
unser Heiland</i>, hat sich GOtt sonderlich auch durch die Aufrichtung 
des Amts, das die Vers&ouml;hnung predigt, an der Welt bewiesen, und beweist 
sich noch so an Lehrenden und Lernenden. Halte dich doch in Amtssachen 
nur recht an GOtt, deinen Heiland und Helfer; denke nicht viel auf Berge, 
von welchen dir Hilfe kommen soll: deine Hilfe kommt vom HErrn. Freilich 
geht es nicht leer ab, man wird doch geschm&auml;ht, da&szlig; man auf 
den lebendigen GOtt hofft <i>(1.Tim. 4, 
10)</i>, und im Vertrauen auf den lebendigen GOtt sich dem widersetzt, 
was Andere meinen, man sollte es annehmen, als ob es vom Himmel herab geredet 
w&auml;re. GOtt als seinen Heiland und <i>Christum 
als seine Hoffnung</i> fassen und halten, ist etwas Ganzes vom Evangelium. 
Von Christo, als seiner Hoffnung, die Vergeltung des Erbes erwarten, st&auml;rkt 
auch im Amt die l&auml;ssigen H&auml;nde. Dieses nimm immer mehr in die 
Liebe deines Herzens auf; was dir die himmlische Berufung in Christo JEsu 
vorh&auml;lt, das halte f&uuml;r Gewinn. Auch zum <i>Lehrvortrag</i> 
gibt es das richtige <i>Augenmerk</i>, 
das treiben, was dient, sich und Andere selig zu machen. Den Namen <i>Timotheus</i> 
setzt der Apostel hier im Anfang und nachgehends im Beschlu&szlig; besonders 
<i>(Kap. 
6, 20)</i>, da er eine so sch&ouml;ne Bedeutung hat, und so viel hei&szlig;t 
als Gottesverehrer, oder Ehre = GOtt, wie das in manchen Gegenden Deutschlands 
noch als ein Name gebraucht wird. Paulus nennt Timotheum einen <i>Sohn</i>, 
und erinnert sich der &uuml;ber ihm gehabten Geburts = Arbeit, aber auch, 
da&szlig; er sich von Paulus wie ein Sohn hat leiten lassen, und darunter 
eine Bew&auml;hrung erlangt hat, deren Zeugnis man nicht einem Jeden geben 
konnte. Und was den Apostel an Timotheus allermeist freute, war sein Glaube. 
Im &Auml;u&szlig;erlichen mag Timotheus nicht so stark und bl&uuml;hend 
gewesen sein, wie Kinder oft damit der Eltern Augen und Freude auf sich 
ziehen, wenn sie aufwachsen in ihrer Jugend wie Pflanzen, und die T&ouml;chter 
wie die ausgehauenen Erker, wie die Pal&auml;ste <i>(Ps. 
144, 12)</i>. Timotheus war viel krank, hatte einen schwachen Magen 
<i>(1.Tim. 
5, 23)</i>, aber sein <i>gesunder Glaube</i>, 
den Christus ihm gegeben, der war der Liebe wert. Der Wunsch: 
<i>Gnade, 
Barmherzigkeit, Friede</i>, war ein Anstrich f&uuml;r ein Herz, das 
so viel mit Sch&uuml;chternheit zu k&auml;mpfen hatte wie Timotheus. In 
den Psalmen findet man besonders viel herzliche W&uuml;nsche &uuml;ber 
das Haus Aaron, &uuml;ber die Kinder Levi <i>(z. 
B. Ps. 115, 10 - 15 und 132, 9 + 16)</i>. Wo wir einander begegnen, 
besonders auf Kirchwegen, sollten wir einander so segnen. Wie dem Jesaja 
seine Amtsverrichtung erleichtert <i>(Jes. 
6, 5 ff.)</i>, und dem Hohenpriester Josua aus der Angst und Anklage 
geholfen worden ist <i>(Sach. 3, 3 - 7)</i>, 
das bildet ab, wie sich GOtt seiner Knechte annimmt; wie aber der Lehrer 
das, was ihm selbst widerfahren ist, an Anderen so gern handhaben solle. 
Streng sein geht unserer Natur noch leichter ein, aber da&szlig; Gnade, 
Barmherzigkeit und Friede &uuml;berall das Regiment hat, das mu&szlig; 
auf den Knieen erbeten werden, von GOtt, der es uns zugedacht, und von 
JEsu Christo, der es uns vermittelt, und es nun auch auszuteilen in der 
Hand hat. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Timotheus 1,3-7</font></b></h4> 
 
<p><b>Paulus f&uuml;hrt es dem Timotheus zu Gem&uuml;t, in welcher 
Absicht er ihn zu Ephesus gelassen habe, und legt ihm die Wachsamkeit &uuml;ber 
die Lehre besonders nahe. Denn das Einf&uuml;hren fremder Lehren zu verh&uuml;ten, 
oder &uuml;ber die Reinigkeit des Evangeliums zu Felde liegen (V.18), ist 
eine Hauptpflicht der W&auml;chter.</b> 
 
<p>Schon pers&ouml;nlich bei seinem fr&uuml;heren Abzug von 
Ephesus fand sich der Apostel veranla&szlig;t, dem Timotheus Manches aufzutragen, 
was noch in bessere Ordnung zu bringen, oder wogegen noch weitere Vorsicht 
zu gebrauchen w&auml;re. Wo er es nun im M&uuml;ndlichen gelassen hatte, 
da f&auml;ngt er hier im Schriftlichen wieder an. Denn das <i>Wie 
V.3 </i>findet erst <i>V.18</i>, seinen 
Nachsatz; und die gro&szlig;e Bewegung, in welche der Apostel wegen dieses 
wichtigen Anliegens kommt, veranla&szlig;t ihn zu dieser langen Zwischenrede, 
darin er Vieles zu Abtreibung fremder Lehre anbringt. Mit dem wichtigen 
Auftrag im Anfang dieses Briefs stimmt auch der Beschlu&szlig; &uuml;berein 
<i>(Kap. 
6, 20)</i>. Denn mit der Wachsamkeit &uuml;ber der Lehre mu&szlig; alle 
amtliche Sorge anfangen und enden. Die Lehre ist ja der Grund von allem 
&Uuml;brigen. Eine nochmalige Sorgfalt tut der Apostel der Gemeinde zu 
Ephesus zum Besten bei seiner Ansprache an ihre &Auml;ltesten <i>(Apg. 
20, 28 ff.)</i>, und am allermeisten nimmt sich der Sohn GOttes noch 
einmal vom Himmel herunter dessen an, was die Gemeinde von Ephesus von 
falschen Aposteln, von der Lehre der Nicolaiten usw. f&uuml;r Versuchung 
hatte, denen sich ihr damaliger wackerer Vorsteher entgegensetzte. Doch 
sieht man, wie der Geist der Sanftmut die Apostel geleitet hat, da&szlig; 
sie in einer Sache die ihnen gewi&szlig; am Herzen lag, das Geschrei doch 
nicht zu gro&szlig; gemacht haben. Der Apostel sagt m&auml;&szlig;iglich 
von <i>Etlichen</i>, wie wenn er sich 
zu den &Uuml;brigen meistens etwas Besseres versehe. Gleichwohl ist er 
nicht gleichg&uuml;ltig gegen dem, was auch nur <i>Etliche</i> 
anrichten k&ouml;nnten. Auch sagt er: <i>ihnen 
geb&ouml;test</i>, oder sie ermahntest, also sie durch Vorstellung abbr&auml;chtest, 
inzwischen aber das Meiste durch Aug und Gegenwart verh&uuml;test. Man 
mu&szlig; nicht schnell zur &auml;u&szlig;ersten Sch&auml;rfe schreiten, 
sonst macht man damit auch denen Unruhe, die man doch verschonen k&ouml;nnte 
und sollte. Auf die Schw&auml;che, diese nicht zu verwirren, mu&szlig; 
man immer ein Auge haben. Auf was das: <i>anders 
lehren</i>, hinausgelaufen sei, das gibt der Apostel <i>Kap. 
6, 3 </i>zu erkennen, n&auml;mlich nicht bleiben bei den gesunden Worten 
unseres HErrn JEsu Christi, und bei der Lehre der Gottseligkeit. Das Einerlei 
entleidet so gern den ecklen Herzen; man will auch etwas Anderes haben. 
Hier hei&szlig;t es, acht haben <i>(V.4)</i>; 
und <i>Kap. 4, 1</i> hei&szlig;t es: 
<i>Anhangen</i>. 
Der eine Teil treibt es n&auml;mlich mit dem Anhangen daran, und der andere 
Teil h&ouml;rt es gern, und achtet mit F&uuml;rwitz darauf. Beides hat 
viel Einflu&szlig; in einander. Wenn Zuh&ouml;rer nach etwas Anderem l&uuml;stern 
werden, so stimmen sie damit den Lehrer, und wenn der Lehrer etwas Anderes 
vorbringt, so reizt er damit l&uuml;sterne Zuh&ouml;rer <i>(2.Tim. 
4, 3 - 4)</i>. <i>Fabeln</i> und <i>Geschlechtsregister</i> 
hei&szlig;t der Apostel <i>Tit. 1, 14j&uuml;dische 
Fabeln</i>. Auch hier zeigt der Zusammenhang, da&szlig; allermeist J&uuml;dischgesinnte 
diese fremde Lehre eingef&uuml;hrt haben. Es hat sich n&auml;mlich von 
der babylonischen Gefangenschaft her Vieles von der heidnischen Weltweisheit 
und von ihrer G&ouml;tterlehre unter die j&uuml;dische Lehre gemengt, und 
sie haben Manches aus ihren Begriffen von der Sch&ouml;pfung, Erhaltung, 
Fortpflanzung aller Dinge angenommen, und daraus ein besonderes Gewebe 
von j&uuml;dischen Fabeln und von den aus der heidnischen Weltweisheit 
entlehnten Geschlechtsregistern oder Abstammung aller Zeiten und aller 
geschaffenen Dinge zusammengemacht, und versuchten es nun auch mit der 
Christen Lehre zu verweben, und haben damit eine gro&szlig;e Kunst vorgegeben, 
die Paulus eine falschber&uuml;hmte Kunst hei&szlig;t <i>(1.Tim. 
6, 20)</i>. Wo GOtt mit seiner Wahrheit Erweckungen macht, da mengen 
sich freilich bald auch fremde Sachen darein, und man bekommt vielerlei 
Leute vor sich, die Not verursachen. Unter dem Schein des Flei&szlig;es, 
der Lehrbegierde, des Wachstums wird man nach Vielem l&uuml;stern; es hei&szlig;t: 
man k&ouml;nne ihm doch auch seinen Lauf lassen; es habe auch seine brauchbare 
Seite. Aber der Apostel will eben Alles vermieden haben, was die Gem&uuml;ter 
der Menschen zerstreut, und vom gesunden Wachstum abh&auml;lt, eben, weil 
es kein Ende hat, weil es nicht ausgemacht, noch zu einer vergn&uuml;glichen 
&Uuml;berzeugung gebracht werden kann; oder wie es <i>2.Tim. 
3, 7</i> hei&szlig;t: weil man dabei immer lernt, und nicht zur Erkenntnis 
der Wahrheit kommt, sondern einem &uuml;ber dem eingemischten vielen Ungewissen 
zuletzt auch das Gewisse verd&auml;chtig wird, da&szlig; man Eins mit dem 
Anderen wegwirft. Seelensorge erheischt ja des Menschen seine ganze Lebenszeit: 
was kann denn &uuml;brig bleiben f&uuml;r Sachen, die kein Ende haben? 
Alles M&uuml;hsame aber &uuml;bernimmt der Mensch eher, als da&szlig; er 
mit Geduld blo&szlig; beim N&ouml;tigen aushielte. Das hat schon Salomo 
beklagt <i>(Pred. 12, 11 - 14)</i>. Aus 
was Paulus sein Hauptgesch&auml;ft gemacht im Hause GOttes, und womit er 
auch Anderen am erbaulichsten zu werden gehofft hat, das siehe in seiner 
Rede an die &Auml;ltesten zu Ephesus <i>(Apg. 
20, 20 f.)</i>. Und so fa&szlig;t er es nun auch dem Timotheus in eine 
Summe zusammen <i>(V.5)</i>. Liebe h&ouml;rt 
die Welt endlich noch an, und gibt es auch f&uuml;r ihre Meinung aus, da&szlig; 
die Religion haupts&auml;chlich Liebe pflanzen m&uuml;sse: aber wie viel 
f&auml;llt von dieser in der Welt gepriesenen Liebe weg, wenn man dabei 
 
<ul> 
 
<li> 
gegen den N&auml;chsten kein <i>reines 
Herz,</i></li> 
 
<li> 
in sich selbst kein <i>gutes 
Gewissen</i></li> 
 
<li> 
und vor GOtt keinen <i>ungef&auml;rbten 
Glauben</i> hat!</li> 
</ul> 
 
<p>Wo man bei der Liebe noch das Seine sucht, das ist gegen 
die <i>Reinigkeit des Herzens</i>; je 
mehr man es noch auf der Zunge und mit Worten &uuml;bertreibt, &uuml;ber 
das, wessen man sich bewu&szlig;t sein k&ouml;nnte, da fehlt es noch am 
<i>guten 
Gewissen</i>; und bei diesen M&auml;ngeln kann man es auch nicht mit 
<i>ungef&auml;rbtem 
Glauben</i> vor GOtt bringen, und als eine von Ihm gepflanzte Frucht 
Ihm zum Wohlgefallen darstellen. Und wo man von dem, was so unzertrennlich 
zusammen geh&ouml;rt, Einiges herausrei&szlig;t und zur&uuml;ckl&auml;&szlig;t, 
da <i>verfehlt</i> man des <i>Ganzen</i>; 
und wo man sich beim Verfehlen der Wahrheit doch gro&szlig;e Einsichten 
einbildet, da gibt es die gr&ouml;&szlig;te Eitelkeit und <i>unn&uuml;tzes 
Geschw&auml;tz</i>. &Uuml;ber dem Vielen und Tieferen, dem man nachzujagen 
meint, kommt man um das Gewisse. Die Schrift h&auml;lt uns etwas Wenigeres, 
aber mit desto mehr Gewi&szlig;heit vor; und das ist besser, als so Vieles, 
aber wenig Gewisses. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Timotheus 1,8-11</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel f&auml;hrt fort, dem Timotheus das an die 
Hand zu geben, womit er das Einf&uuml;hren fremder und der Lauterkeit nachteiliger 
Lehren verh&uuml;ten solle.</b> 
 
<p>&Uuml;ber dem unn&uuml;tzen Geschw&auml;tz wird das Ziel 
verr&uuml;ckt, da&szlig; man sich in Widerspr&uuml;chen verwickelt <i>(Tit. 
3, 9)</i>. <i>Wir</i> aber sind unter 
Not und Kampf zur erquicklichen <i>Gewi&szlig;heit</i> 
gekommen, die GOtt Jedem bei &Uuml;bung einer guten Ritterschaft auch schenken 
wird <i>(V.18)</i>. Des Ausspruchs: <i>da&szlig; 
das Gesetz gut ist</i>, h&auml;tte man sich hier am wenigsten vermutet. 
Denn da der Apostel dem Timotheus Waffen gegen die Gesetzlehrer in die 
Hand geben wollte, so h&auml;tte man eher etwas Nachteiliges gegen das 
Gesetz erwartet. Menschen begegnet das sonst in Streitsachen, da&szlig; 
sie aus Eifer, dem Mi&szlig;brauch zu wehren, auch den guten Gebrauch aufheben 
und schm&auml;lern. Aber die Wahrheit hat lauter Waffen des Lichts, und 
wer f&uuml;r sie streitet, darf zu keinen solchen Fechterstreichen Zuflucht 
nehmen. Auch wenn der Apostel den - durch Mi&szlig;brauch des Gesetzes 
angerichteten Schaden verh&uuml;teten will, so setzt er voraus, das Gesetz 
ist gut und brauchbar; hat also nicht nur innerliche G&uuml;te, sondern 
auch Brauchbarkeit und gute Wirkung am Menschen. Nur kommt es darauf an, 
da&szlig; man <i>gesetzm&auml;&szlig;ig</i> 
damit umgeht, d. i., bei dem bleibt, wann und wie und aus was Ursache und 
Zweck das Gesetz dazu gekommen ist, da sich GOtt vorher mit den Menschen 
auf das Wort der Verhei&szlig;ung eingelassen hatte. Der Gebrauch des Gesetzes 
kann ja aus nichts richtiger bestimmt werden, als aus seinem Ursprung, 
aus der Zeit, wann es gegeben worden ist: darum wei&szlig;t der Apostel 
immer auf solche Spuren, die ihm kein noch so gro&szlig;er Eiferer f&uuml;r 
das Gesetz abstreiten konnte <i>(Gal. 3, 
17 -19)</i>. Mit dem Gesetz gesetzm&auml;&szlig;ig umgehen, ist die 
billigste Forderung, oder das Gesetz so brauchen, wie es die Zeit, die 
Ordnung, darin es gegeben ist, mit sich bringt, so, da&szlig; Verhei&szlig;ung 
und Glaube dadurch nicht aufgehoben werden. Au&szlig;erdem aber hindert 
man sich nicht nur am Glauben der Verhei&szlig;ung, sondern man zieht auch 
vom Gesetz den Nutzen nicht, den man k&ouml;nnte und sollte, wird im Grunde 
auch nicht einmal mit dem Gesetz recht zufrieden gestellt. Was demnach 
durch das Gesetz f&uuml;r Schaden geschieht, das ist dem Mi&szlig;verstand, 
dem falschen Wahn dabei, dem unschriftm&auml;&szlig;igen Gebrauch desselben 
zuzuschreiben. Kann und soll man aber sein recht brauchen, so kann es ja 
aus der &ouml;ffentlichen Lehre nicht wegbleiben, sondern man mu&szlig; 
vielmehr dessen rechten Gebrauch darin zeigen und treiben; mithin freilich 
auch zeigen, da&szlig; es nicht mit spitzfindigen Lehren auseinander zu 
setzen sei, sondern da&szlig; man in den Weg des <i>Brauchens</i> 
und der <i>Erfahrung</i> hinein mu&szlig;, 
auf den GOtt die Elenden leitet. Wenn man schon nicht alle Fragen bei Etwas 
beantworten, alle Schwierigkeiten heben kann: so kann man doch das N&ouml;tigste 
und N&uuml;tzlichste wissen; und dar&uuml;ber mu&szlig; man halten, wenn 
es auch nur einen Fu&szlig; breit Leuchte austr&auml;gt. Man will freilich 
meistens lieber Einsichten, die eine ganze Gegend vom Reich der Wahrheit 
beleuchten, wo man das Ganze &uuml;bersehen kann, wie man so gern redet; 
aber man sehe nur zu, da&szlig; man bei diesem Gesuch nicht der falschber&uuml;hmten 
Kunst in das Netz f&auml;llt. Lieber Weniges, aber Gewisses, und zum festen 
Fu&szlig;setzen im Wandel brauchbar. <i>Da&szlig; 
dem Gerechten das Gesetz nicht gegeben sei</i>, sieht man ja deutlich 
aus der Zeit, da das Gesetz dazu gekommen ist. Es traf uns ja schon unter 
der S&uuml;nde an, da war Keiner, der gerecht sei, auch nicht Einer. Es 
hatte also Recht und Macht, Alles unter die S&uuml;nde zu beschlie&szlig;en. 
Das Gesetz ist nicht gegeben, da&szlig; wir uns geschwind daran machen, 
und sagen k&ouml;nnten: Nach all dem Wort, das uns gesagt ist, wollen wir 
tun. Eine solche Gerechtigkeit, Kraft, freier und gest&auml;rkter Wille 
ist nimmer in uns. Da ist Alles durch das Fleisch und die im Fleisch wohnende 
S&uuml;nde geschw&auml;cht. Doch braucht man hundert und tausendmal das 
Gesetz gegen diesen seinen ersten Ursprung, und tut, wie wenn es k&ouml;nnte 
lebendig machen, wie wenn es uns als Gerechten gegeben w&auml;re, als Leuten, 
denen man nur sagen d&uuml;rfte, was sie zu tun und zu lassen haben, bei 
deren guten und edlen Gem&uuml;tern es an keinem fehlen w&uuml;rde. Das 
ist gegen die allerersten Anf&auml;nge. GOtt hat sein Gesetz nicht den 
Gerechten gegeben, sondern es ist dazu gekommen um der S&uuml;nde willen, 
wie auch gleich sein Wortlaut: du sollst nicht t&ouml;ten, nicht stehlen 
zc. Zu erkennen gibt. 
 
<ul> 
 
<li> 
Das<i> erste</i> Gebot 
ist den <i>Ungerechten und Ungehorsamen(V.9);</i></li> 
 
<li> 
Das<i> zweite</i> Gebot 
den <i>Gottlosen und S&uuml;ndern,</i> 
die GOttes Namen vergeblich zu f&uuml;hren geneigt sind;</li> 
 
<li> 
Das <i>dritte </i>Gebot 
den <i>Unheiligen und Ungeistlichen</i>, 
die allen Dienst GOttes im Geist und in der Wahrheit mit rohem Sinn verachten;</li> 
 
<li> 
Das <i>vierte </i>Gebot 
den <i>Vater = und Mutterm&ouml;rdern</i>, 
wohin der Ungehorsam f&uuml;hrt;</li> 
 
<li> 
Das <i>f&uuml;nfte </i>Gebot 
den <i>Totschl&auml;gern</i>;</li> 
 
<li> 
Das <i>sechste</i> Gebot 
den <i>Huren = und Knabensch&auml;ndern; 
(V.10)</i></li> 
 
<li> 
Das <i>siebente</i> Gebot 
den <i>Menschendieben</i>, die Anderen 
an ihrem Leib oder Hab und Gut schaden tun;</li> 
 
<li> 
Das <i>achte </i>Gebot 
den <i>L&uuml;gnern und Meineidigen</i>;</li> 
 
<li> 
Das <i>neunte</i> und <i>zehnte</i> 
Gebot Allen, die sonst in etwas befangen sind, was der heilsamen Lehre 
zuwider ist;</li> 
 
</ul> 
 
<p><i>Also das ganze Gesetz 
den S&uuml;ndern gegeben.</i></p> 
 
<p>Wollte Jemand aber denken und sagen: Ja, mit dem Gesetz lasse 
ich mich nicht ein; die beiden Gebote: Liebe GOttes und des N&auml;chsten, 
sind mein Gesetz, was Paulus selbst <i>(V.5)</i> 
die Hauptsumme gehei&szlig;en hat; so mu&szlig; man ihm sagen: Ja, das 
ist schon gut; wir m&ouml;chten es selbst je b&auml;lder je lieber mit 
den Menschen zu diesem Ende und Hauptziel des Gesetzes bringen; aber man 
mu&szlig; eben vorher durch das Gesetz hindurch, sonst kommt man nicht 
an das Ende und Ziel desselben. Mit Ableugnen, mit Abwenden des Angesichts 
von dem, was dir das Gesetz zu sagen h&auml;tte, und du im Spiegel desselben 
zu sehen h&auml;ttest, kommst du nicht durch. Gebrauche das Gesetz gesetzm&auml;&szlig;ig, 
la&szlig; es dir die S&uuml;nde &uuml;beraus s&uuml;ndig machen, Alles 
an dir unter die S&uuml;nde beschlie&szlig;en, alles Bem&uuml;hen, eine 
eigene Gerechtigkeit aufzurichten, niederschlagen, und so dich in die einzig 
&uuml;brig gebliebene Zuflucht, in das g&ouml;ttliche Erbarmen treiben, 
da wirst du dich wohl befinden, da wird das Gesetz sein Amt an dir getan 
haben, dich zur Erkenntnis der S&uuml;nden zu bringen; und so wird auch 
dem Erbarmen GOttes sein Preis bleiben. Du darfst dem Gesetz nichts abstreiten, 
sondern gib ihm &uuml;ber Alles recht, wie es dich angetroffen, eingetrieben 
und beschlossen hat; und das Gesetz l&auml;&szlig;t dir auch deine ins 
Erbarmen GOttes, in die Gnade JEsu Christi genommene Zuflucht gelten. Die 
Worte <i>nach dem herrlichen 
Evangelium des seligen GOttes zc. (V.11)</i>, 
verbindet man vermutlich am f&uuml;glichsten mit dem "Wir wissen"<i> 
in V.8</i>." und wei&szlig; solches" in <i>V.9</i> 
und denkt also, da&szlig; Paulus diese richtige Einsicht aus dem herrlichen 
Evangelium des seligen GOttes, das ihm anvertraut sei, herleite: Denn bei 
dem sieht man durch, wie GOtt gerecht ist, und gerecht macht, selig ist, 
und selig macht, Alles so richtig leitet, da&szlig; Er f&uuml;r seine herrliche 
Gnade das Lob - und wir die ewige Errettung oder das Heil haben. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Timotheus 1,12-17</font></b></h4> 
 
<p><b>Da Timotheus in der Sorgfalt f&uuml;r das Evangelium und 
in der Wachsamkeit &uuml;ber der Lauterkeit desselben sollte gest&auml;rkt 
werden, so h&auml;lt ihm Paulus das Beispiel seiner eigenen Bekehrung vor, 
und wie sich darin das herrliche Evangelium bewiesen habe, da&szlig; nun 
Jeder dasselbige anzunehmen, oder auch Anderen zu der Annahme desselben 
behilflich zu sein f&uuml;r eine preisw&uuml;rdige Gnade achten solle.</b> 
 
<p>Paulus ist auch tief im Unverstand und Mi&szlig;brauch 
des Gesetzes gesteckt, da er sich n&auml;mlich aus Eifer f&uuml;r da Gesetz, 
des Glaubens an das Evangelium oder der Erkenntnis Christi erwehren wollte. 
Darum ist es ihm desto mehr Danks wert, da&szlig; Christus JEsus ihn da 
heraus gebracht hat. Von seiner Bekehrung hat Paulus einen unausl&ouml;schlichen 
Eindruck behalten, und sich oft darauf bezogen <i>(Gal. 
1, 15 ff.; Phil. 4, 13)</i>, was ihm dabei f&uuml;r eine St&auml;rke 
durchzubrechen verliehen worden sei; aber darin mu&szlig;te er noch oft 
in der Folge seinen Seele setzen und stillen, da&szlig; GOttes Kraft unter 
der Schwachheit und anhaltenden Leiden an Ihm zum Ziele kommen m&uuml;sse. 
Bei Pauli Bekehrung hat der HErr JEsus gleich auch hinausgesehen, was er 
Ihm f&uuml;r ein brauchbares R&uuml;stzeug abgeben werde <i>(Apg. 
9, 15)</i>, und darum hat Er ihn in das Amt gesetzt, und mit Gnade und 
Gaben ausger&uuml;stet. Paulus h&auml;uft nicht ohne Ursache die Worte 
bei Beschreibung seines ehemaligen Zustandes, sondern wider <i>GOtt 
und seine Wahrheit</i> gibt er sich als einen gewesenen L&auml;sterer; 
wider die <i>Heiligen</i>, die GOtt und 
Wahrheit liebten, als einen <i>Verfolger</i>, 
und als Einer, der sein eigen Heil unbesonnen von sich stie&szlig;, gibt 
er sich als einen <i>Schm&auml;her</i> 
an. Barmherzigkeit, so ihm widerfahren, sah Paulus immer nicht nur f&uuml;r 
den Anfang und die Quelle seines Lebens aus der Gnade, sondern auch seines 
Amts und ganzer T&uuml;chtigkeit an. So ist auch dem Petro die tiefe Zermalmung 
seiner Natur, in deren er sprach: Ich bin ein s&uuml;ndiger Mensch; zum 
Termin gesetzt worden: F&uuml;rchte dich nicht - denn von nun an wirst 
du Menschen fangen. Alle Arbeit an Anderen mu&szlig; dich immer zur&uuml;ckf&uuml;hren 
wie du selbst herumgeholt worden bist vom Irrtum deines Weges und in diese 
Barmherzigkeit, womit GOtt dich angesehen hat, m&uuml;ssen alle Amtsverrichtungen 
eingetaucht werden. Der Umstand, da&szlig; etwas <i>unwissend, 
im Unglauben</i> geschehen, entschuldigt freilich nicht, vielweniger 
verdient es Gnade. Aber doch kann GOttes Erbarmen eher zugreifen, als bei 
einem, der wissentlich, aus irdischem Sinn sein Heil von sich st&ouml;&szlig;t, 
die Ehre bei den Menschen lieber hat, als die Ehre bei GOtt. Paulus h&auml;lt 
es den gewaltigen Eiferern vor, er sei auch gewesen wie sie, und wisse 
aus Erfahrung, wohin der Eifer im Unglauben hinrei&szlig;en k&ouml;nne 
<i>(Apg. 
22, 3)</i>. Aus gleichem Grund war nun f&uuml;r die, die das Gesetz 
neben dem Evangelio einf&uuml;hren wollten, Pauli Beispiel so lehrreich. 
Denn er hat ja das Gesetz tiefer als je Einer durchgemacht. Je mehr zuvor 
der Unglaube, die Unwissenheit, und was daraus entsteht, bei mir ausgebrochen 
ist, desto mehr mu&szlig; man an meiner Errettung einen herrlichen Erweis 
der Gnade erkennen. Wie sich GOttes Gnade im Geben verherrlichte, so auch, 
da&szlig; sie mich zum Glauben erweckte, und zum Gebrauch der Gnade treu 
machte. Es hat bei mir nichts anders werden k&ouml;nnen, als ein gl&auml;ubiges 
Hinlehnen auf Den, der gekommen ist, die S&uuml;nder selig zu machen; und 
damit wurde auch eine <i>Liebe</i> in 
das Herz ausgegossen, wobei ich GOtt und seine Heiligen, und mich, und 
alle Menschen, zu deren Seligkeit JEsus Christus in die Welt gekommen war, 
ganz anders ansehen und behandeln lernte, und wobei ich Dem zu leben anfing, 
der mich geliebt, und sich selbst f&uuml;r mich gegeben hat. Und ein von 
solcher Liebe ihm abgedrungenes Zeugnis legt der Apostel sogleich ab, welches 
ja freilich einen starken Gegensatz machte gegen dem, was er oben Fabeln, 
Geschlechtsregister hie&szlig;, die auf kein Ende und Gewi&szlig;heit zu 
bringen sind. - O wohl dem, der durch die Gnade auf Etwas gebracht wird, 
darauf er sich ganz und gar verlassen kann, das alle seine Bed&uuml;rfnisse 
stillt, und das er aller Annehmung wert findet. - Paulus fa&szlig;t in 
dem evangelischen Zeugnis, das schon so viele Kraft an Lebenden und Sterbenden 
erwiesen, Alles zusammen, wodurch Verhei&szlig;ung und Erf&uuml;llung, 
Gesetz und Evangelium in seinen rechten Gebrauch kommt. Was von Christo 
verhei&szlig;en und erwartet worden ist, das hat in JEsu, in seinem Kommen 
in die Welt, volle Erf&uuml;llung erreicht. Und was das Gesetz zur Erkenntnis 
der S&uuml;nde und zur Vermehrung ihrer Not im Gewissen wirkt, dem abzuhelfen 
beweist der HErr JEsus seine Macht. GOtt an dieser seiner Anstalt zu dienen, 
oder dazu mitzuwirken, da&szlig; die S&uuml;nde gr&uuml;ndlich erkannt, 
und gegen Schuld, Strafe und Herrschaft derselben keine unzul&auml;nglichen 
Mittel gebraucht, sondern alle zu Dem gewiesen werden, der gekommen ist, 
uns wiederum zu GOtt zu f&uuml;hren, damit ist Einem genug aufgegeben. 
&Uuml;ber der Annahme der S&uuml;nder hat sich der HErr JEsus selbst, w&auml;hrend 
seines Wandels in der Welt, viel leiden m&uuml;ssen <i>(Luk. 
15, 1 ff.)</i>. Und das ist nun auch der uns verordnete Lauf und Kampf, 
uns durch kein unn&uuml;tzes Geschw&auml;tz auf Etwas verlocken zu lassen, 
das dieser Zukunft JEsu in der Welt, und ihrer Absicht und Frucht das Geringste 
schm&auml;lerte. Man macht freilich denen, die so &uuml;ber der Reinigkeit 
des Evangeliums halten, oft den Vorwurf: ob sie denn alles menschliche 
Tun so vernichtigen wollen? Aber f&uuml;r uns und all unser Tun ist es 
nicht so Schade, wenn es vernichtigt, oder vielmehr aus einem Wert, den 
es nicht hat, noch haben kann, gesetzt wird. Aber wer <i>GOttes</i> 
Anstalt in der Sendung seines Sohnes, <i>Christi</i> 
Gesch&auml;ft im Seligmachen der S&uuml;nder zu vernichtigen, oder den 
Menschen aus dem Gesicht zu verr&uuml;cken unternimmt, der tut ja etwas 
viel Mi&szlig;licheres. Das in Pauli Bekehrung liegende Beispiel ist bei 
unterschiedenen Gelegenheiten in das Licht gesetzt worden: 
 
<ul> 
 
<li> 
<i>Zuerst</i> hat es der 
HErr JEsus selbst dem sch&uuml;chternen Anania vorgestellt <i>(Apg. 
9, 11)</i>;</li> 
 
<li> 
<i>hernach</i> Barnaba 
denen durch Pauli vorigen Wandel zur&uuml;ckgeschreckten J&uuml;ngern zu 
Jerusalem <i>(Apg 9, 27)</i>;</li> 
 
<li> 
<i>weiter</i> Paulus selbst 
dem aufgebrachten Volk <i>(Apg. 22),</i>und</li> 
 
<li> 
<i>endlich</i> in seiner 
Rede vor Agrippa <i>(Apg. 26).</i></li> 
 
</ul> 
 
<p>Jeder Begnadigte w&uuml;nscht mit David auch etwas dazu beizutragen, 
da&szlig; Andere GOttes Wege lernen, und sich viel S&uuml;nder zu GOtt 
bekehren <i>(Ps. 32, 6)</i>. Aber freilich, 
wer nach Pauli Beispiel glauben will, mu&szlig; sich auch zu solcher Zur&uuml;cklassung 
und Abgeschiedenheit von Allem bequemen, was er h&auml;tte f&uuml;r Ruhm 
oder Gewinn achten k&ouml;nnen. Wer in Das hineinsieht, was GOtt in Bescherung, 
Fortpflanzung, und Erhaltung des Evangelii tut, der wird gewi&szlig; auch 
in solche Anbetung GOttes hineingezogen, dabei er Ihm als dem 
<i>ewigen</i> <i>K&ouml;nige</i>, 
der alle Zeitl&auml;ufe in dieser und jener Welt nach dem gro&szlig;en 
Werk, S&uuml;nder selig zu machen, eingerichtet hat; und Alles mit der 
gro&szlig;en Kraft eines <i>unverg&auml;nglichen 
Lebens</i> betreibt, die Ehre gibt, auch sich darein schickt, da&szlig; 
Er als der <i>Unsichtbare</i> dies 
Reich seines lieben Sohnes nicht mit &auml;u&szlig;erlichen Geb&auml;rden 
kommen l&auml;&szlig;t, sondern an dessen verborgener, und doch Alles durchdringender 
Art vorz&uuml;gliche <i>Weisheit</i> beweist. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Timotheus 1,18-20</font></b></h4> 
 
<p><b>Paulus heftet den Auftrag, &uuml;ber der Reinigkeit des 
Evangelii zu halten, dem Timotheus auch noch mit diesem in seinem Herzen 
an, da&szlig; er ihm neben sein eigenes seliges Beispiel nun etlicher Anderer 
kl&auml;gliches Beispiel hinstellt, und an demselbigen zeigt, wie bei einmaligem 
Abweichen der Fall so gro&szlig; werden k&ouml;nne.</b> 
 
<p>Den ganzen Auftrag an Timotheum, was er zu lehren und 
zu treiben <i>(V.5)</i>, was er dabei 
zu vermeiden, und auch bei Anderen zu verh&uuml;ten habe <i>(V.4 
- 6)</i>, hei&szlig;t nun der Apostel zusammen: <i>dies 
Gebot</i>, und das &uuml;bergibt er ihm als die nachmals so genannte 
<i>Beilage(2.Tim 
1, 13 f.; 1.Tim. 6, 13)</i>. Da Timotheus zum Dienst des Evangelii ausgesondert 
ward, und Ihm die &Auml;ltesten die Hand auflegten, so m&uuml;ssen manche 
Weissagungen &uuml;ber ihn ergangen sein, darin rechtschaffene und von 
GOttes Geist belebte M&auml;nner ihre gute Hoffnung seinethalben bezeugt 
haben; dem nachzukommen er selbst auch mit einem vor vielen Zeugen abgelegten 
Bekenntnis &uuml;bernommen hat. Diese Umst&auml;nde bringt Paulus gern 
bei Timotheus in &ouml;fteres Angedenken 
<i>(1.Tim. 
4, 14 und 6, 12)</i>. Paulus tr&ouml;stet sich selbst dabei, da&szlig; 
er in seiner guten Hoffnung von Timotheus mit so vieler Anderer Beistimmung 
unterst&uuml;tzt worden sei, und hebt Timotheum aus dem heraus, was ihm 
sein sch&uuml;chternes Naturell, der sorgliche Anblick der Umst&auml;nde, 
und Anderer widrige Urteile &Auml;ngstliches h&auml;tten einjagen m&ouml;gen. 
So sind &uuml;ber Johannes den T&auml;ufer 
<i>(Luk. 
1, 76)</i>, &uuml;ber unseren lieben Heiland selbst <i>(Luk. 
2, 34)</i>, in zarter Kindheit Weissagungen ergangen. So hat GOtt sonst 
M&auml;nner durch deren Hand Er Heil geben wollte, auch mit mancherlei 
Zeugnissen anderer Art ausgezeichnet, wovon man in der Lebensbeschreibung 
des seligen Luthers, Speners zc. merkw&uuml;rdige Fu&szlig;stapfen antrifft. 
Der Welt kann man freilich dergleichen Perlen nicht zum Zertreten hinwerfen, 
aber sich um deswillen sich doch ihrem Unglauben auch nicht am Aufmerken 
auf dergleichen Regungen des Geistes hindern lassen. Ist aber ein solch 
hoffnungsvolles Zeugnis, abgelegtes Bekenntnis um den Weg, so hat man freilich 
auch &uuml;ber - und in demselben zu k&auml;mpfen, da&szlig; es n&auml;mlich 
zur Erf&uuml;llung komme. Man erf&auml;hrt es noch, wie einen Lehrer oft 
das, was beim Eintritt in ein Amt, bei der Ordination und Einsegnung dazu, 
&uuml;ber ihn bezeugt worden ist; oder was unser eigener Mund in der Not 
und in der erlangten Hilfe gelobt hat, was man im Gebet, in einer Antrittspredigt, 
als ein williges Opfer vor GOtt gebracht hat, wie das uns dringt und treibt, 
da&szlig; doch nichts davon auf die Erde falle. Begibt sich aber Jeder, 
der sich zu der Gemeinde christlicher Kirche tut in einen geistlichen Streit; 
wie viel weniger ist in einem W&auml;chter = und Hirtenamt ohne eine <i>gute 
Ritterschaft</i> fortzukommen. Wer immer auf der Schwelle steht, bereit, 
sich auf die Seite zu schlagen, wobei es am wenigsten zu leiden gibt, wird 
wenig im Reich Christi erbauen. Ohne Wehre in der anderen Hand zu halten, 
kommt man im Bauen nicht fort, sondern ger&auml;t unter die Saneballat 
und Gosem unserer Zeit, die alle Bauleute st&ouml;ren und mutlos machen 
wollen. An der - dazugeh&ouml;rigen Waffenr&uuml;stung GOttes sind <i>Glauben 
und gutes Gewissen (V.19)</i>, unentbehrliche Hauptst&uuml;cke. <i>Glaube</i> 
aus Erkenntnis der Wahrheit und aus der Liebe, bei derselben unverr&uuml;ckt 
auszuhalten. 
 
<p><i>Gutes Gewissen</i>, 
aus dem Bedacht, diese Wahrheit mit keiner Ungerechtigkeit aufzuhalten, 
sondern sie zum ganzen Gehorsam bei sich durchwirken zu lassen; keinen 
Genu&szlig; von der Ungerechtigkeit, keine Gemeinschaft mit irgend einem 
Werk der Finsternis beizubehalten, sondern das Evangelium als eine Verk&uuml;ndigung, 
da&szlig; GOtt Licht sei, zu behandeln, und es zu lauter Lichtsgemeinschaft 
mit GOtt anzuwenden. 
 
<p>Was man heutigen Tage so stark vom Ruhm eines guten Gewissens 
betreibt, darunter schiebt man unvermerkt die Meinung und Absicht in das 
Herz, als ob man eine Reinigung im Blute Christi, blo&szlig; aus Bewu&szlig;tsein 
unserer Rechtschaffenheit sich ein gutes Gewissen anma&szlig;en k&ouml;nnte; 
das hei&szlig;t eben so viel, als ohne der Gerechtigkeit GOttes untertan 
zu sein, eine eigene Gerechtigkeit aufzurichten d&uuml;rfen. So redet nie 
ein Apostel vom guten Gewissen. Die Wahrheit hat gleichwohl keine geringe 
Kraft, mit der sie sich in des Menschen Herz festsetzen will; wo sie einmal 
Liebe gewonnen hatte, da ist sie nicht anders als mit einer angelegten 
Gewalt und Macht der Finsternis <i>auszusto&szlig;en</i>. 
Auch geschehen an einem Menschen, bei dem es in das Weichen und Unlauterkeiten 
hineingeht, noch manche Erinnerungen von Innen und Au&szlig;en; wenn er 
also v&ouml;llig abkommt, so geht es durch ein eigentliches <i>Vonsichsto&szlig;en 
(V.19)</i>. Wenn es dann endlich zum v&ouml;lligen <i>Schiffbruchleiden 
am Glauben</i> kommt, so kann wohl dieser und jener Sturm von Au&szlig;en 
dazu Anla&szlig; geben; aber damit hat der Schade nicht angefangen, sondern 
dort ist er nur ausgebrochen. Mit dem Wegsto&szlig;en des guten Gewissens 
hat Vieles Eingang in das Herz gefunden, wobei Schiffbruch am Glauben unvermeidlich 
ist, wie bei Allem, was den Menschen in t&ouml;richte und sch&auml;dliche 
L&uuml;ste versenkt. 
 
<p>Was Paulus am <i>Hymen&auml;us 
und Alexander</i> durch die - in apostolischer Macht vorgenommene <i>Kirchenzucht</i> 
auszurichten suchte, das gew&auml;hrt GOtt seinen Knechten in der heutigen 
Zeit, wo Er sieht, da&szlig; ihre Macht dahin ist, oft durch andere verborgene 
Schickungen, worunter er bewirkt, da&szlig; manches L&uuml;genmaul gestopft, 
mancher <i>L&auml;sterer</i> durch uns 
unbekannte Umst&auml;nde angegriffen wird, da&szlig; er nachlassen mu&szlig;. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Timotheus 2,1-4</font></b></h4> 
 
<p><b>Bei der Kirchenordnung, die Paulus dem Timotheus in diesem 
Brief an die Hand zu geben bedacht war, geht nun eine seiner ersten Sorgen 
auf die GOtt wohlgef&auml;llige Einrichtung des Gebets.</b> 
 
<p>Auf das Gebet, dessen gemeinschaftliche, &ouml;ffentliche 
und besondere &Uuml;bung ist von Anfang der christlichen Kirche viel gesehen 
worden. Denn nach der jedesmaligen Lehre GOttes und deren reichlichen Darreichung 
hat sich freilich auch das Gebet und dessen &Uuml;bung gerichtet. Da nun 
im Evangelio der reichlichste Aufschlu&szlig; vom Geheimnis GOttes und 
Christi geschah: so trug das auch zum Gebet und dessen &Uuml;bung eine 
gro&szlig;e F&ouml;rderung aus. Es kommt deswegen in keinem Buche der Schrift 
so viel vom Gebet und dessen Kraft vor, als in der Apostelgeschichte unter 
der Anfechtung der christlichen Kirche und deren Besch&uuml;tzung <i>(Apg. 
1, 14; 2, 42; 4, 24; 6, 4 ).</i> Auch in der Lehre unseres Heilandes 
kommt schon Vieles vor, was auf das Gebet und das Anhalten in demselben 
f&uuml;hrt, sonderlich auch in Kirchenn&ouml;ten <i>(Luk. 
18, 1 - 8)</i>. Auf der - durch die S&uuml;nde unter den Fluch geratenen 
Erde k&ouml;nnen wir freilich eines manchen Drucks von der gro&szlig;en 
Tr&uuml;bsal und dessen Empfindung an uns und Anderen nicht &uuml;berhoben 
sein: aber GOttes Wort und Geist deutet uns immer darauf, wie GOtt an so 
vielem eingedrungenen B&ouml;sen sich als Arzt und Helfersmann beweisen 
wolle. Das gibt Anla&szlig; zu <i>Bitte</i> 
um Abwendung des B&ouml;sen. - GOtt l&auml;&szlig;t sich aber auch an Keinem 
durch mancherlei Wohltaten unbezeugt, und bringt darunter ein Locken an 
unser Herz, da&szlig; wir aus seiner teuren G&uuml;te <i>immer 
Weiteres im Gebet suchen sollen</i>, was Er verborgen oder in den Schatz 
gelegt hat f&uuml;r die, so Ihn f&uuml;rchten. Wir k&ouml;nnen bei wenigem 
Nachdenken doch leicht merken, wie sich immer auch Andere unser angenommen, 
wie GOttes Wohltaten uns durch Anderer H&auml;nde zugeflossen sind, wie 
sich Andere uns zu Priestern dargestellt, uns den Zugang zu GOtt vermittelt 
haben, uns zur Zeit unserer Unwissenheit ihr Auge, Hand, Mitleiden, <i>F&uuml;rbitte</i> 
haben genie&szlig;en lassen; in die Stelle solcher Vorg&auml;nger sollen 
nun wir treten, und so vielen Nachwachsenden, so vielen in der Welt Gefangenen 
mit unserer <i>F&uuml;rbitte</i> zu Statten 
kommen. Endlich sehen wir auch, wie GOtt noch t&auml;glich an seinen Namen 
gedenkt, da&szlig; Er alle Hilfe tut, die auf Erden geschieht, und damit 
manches neue Lied in unseren Mund legt, <i>zu 
loben unseren GOtt</i>. So freut man sich mit den Fr&ouml;hlichen; so 
weint man mit den Weinenden; so betet man mit den Leidenden, und singt 
Psalmen mit denen, die guten Muts sind. Da&szlig; die K&ouml;nige und alle 
Obrigkeit so den Christen auf das Herz gebunden sind, damit ist recht wohl 
f&uuml;r das Christentum gesorgt. Denn die Christen m&uuml;ssen freilich 
oft sich auch von dem Teil des Weltlaufs und der s&uuml;ndlichen Gewohnheiten 
enthalten, und im Kampf dagegen stehen, der von K&ouml;nigen und Obrigkeiten 
durch Wort und Beispiel verteidigt wird. Da machte man ihnen gern dies 
Meiden solchen Unflats zu Aufruhr, und g&auml;be sie als sch&auml;dliche, 
dem Staat gef&auml;hrliche Leute an. Aber da tritt das dazwischen, da&szlig; 
sie zu solchem Beten f&uuml;r die K&ouml;nige und f&uuml;r alle Obrigkeit 
angewiesen, und in ihrem Gedulds = Sinn dazu auch ausger&uuml;stet sind, 
wie Paulus sagen kann: La&szlig;t uns als Knechte GOttes beweisen auch 
in Aufruhren <i>(2.Kor. 6, 4 - 7)</i>. 
Bei den mi&szlig;lichsten Ersch&uuml;tterungen des Staates beweisen sich 
Christen als Knechte GOttes und als die geduldigsten Untertanen der Obrigkeit. 
Das hat GOtt zur &Uuml;berzeugung der Hohen in der Welt immer auf den Leuchter 
gestellt. Der K&ouml;nige und anderer Obrigkeit Gesinnung, Bezeugen und 
Anstalten haben viel Einflu&szlig; in Anderer Lebensgang, dessen Erleichterung, 
Nahrung; aber auch in die Gelegenheiten, die den Weg des Lebens zu finden 
und zu gehen f&ouml;rderlich sind. Die geringste Dorf = Obrigkeit kann 
an einem Ort viel zur Aufrechterhaltung der Wahrheit und Aufrichtigkeit 
beitragen, oder aber zu heimlichen Schlichen, Ungerechtigkeiten und &Uuml;bervorteilung 
Anla&szlig; geben. Wenn wir die Welt auch als unser Gef&auml;ngnis ansehen, 
so hie&szlig;e es doch, wie an die in Babel gefangenen Juden: Sucht der 
Stadt Bestes <i>(Jer. 29, 7)</i>. <i>Uns 
selbst</i> und <i>Anderen</i> ist 
solche Gebets&uuml;bung <i>gut</i> und 
n&uuml;tzlich <i>(V.3)</i>, vor <i>GOtt</i> 
aber <i>angenehm</i>. Vom ernstlichen 
<i>Willen 
GOttes (V.4)</i> ist der gr&ouml;&szlig;te Beweis die Sendung des Sohnes 
GOttes in die Welt, die Verkl&auml;rung desselben im Wort der Wahrheit 
durch den Heiligen Geist, und die Erweckung der Herzen zum Gebet. Denn 
GOttes Wille erweckt zuerst unseren Willen, und im Gebet begegnen wir dem 
guten gn&auml;digen Willen GOttes, und so geschieht er dann. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Timotheus 2,5-7</font></b></h4> 
 
<p><b>Weiterer Beweis, wie angenehm es vor GOtt, unserem Heiland 
sei, wenn wir uns mit Bitte, Gebet, F&uuml;rbitte und Danksagung Aller 
annehmen, denen Er geholfen, und zur Erkenntnis der Wahrheit sie gebracht 
haben will.</b> 
 
<p>Unser Herz braucht zum Gebet unterst&uuml;tzt zu werden; 
die H&auml;nde werden nur zu bald l&auml;ssig. Wenn man nur in die Welt, 
in das Verderben, in die Hindernisse hineinsieht, so entf&auml;llt uns 
der Mut. Aber durch das, was bei GOtt m&ouml;glich ist, durch das, was 
vor GOtt angenehm ist, mu&szlig; uns wieder ein Trieb beigebracht werden. 
Die Grundwahrheit, da&szlig; nur ein GOtt sei, wird sonst in der Schrift 
als der h&ouml;chste Grund getrieben, da&szlig; wir ihm von ganzem Herzen, 
von ganzer Seele - Gem&uuml;tskr&auml;ften anhangen sollen. Hier aber und 
noch in anderen Stellen wird sie auch zum Grund einer unparteiischen Liebe 
gegen alle Menschen angezogen <i>(5.Mo. 
4, 35 und 6, 4 f.; Jes. 45, 21 - 24; Mal. 2, 10; Eph. 4, 6)</i>. Dieses 
einigen GOttes Gnade, Liebe und Gemeinschaft kann auch keiner der Hohen 
dieser Welt entraten, sondern es ist f&uuml;r Jeden eine unsch&auml;tzbare 
Wohltat, wenn man ihm Anla&szlig; geben kann, zur Erkenntnis solcher Wahrheit 
zu kommen. Paulus hat es den Agrippa deutlich merken lassen, da dieser 
mit seiner anf&auml;nglichen &Uuml;berzeugung fast nur spielte, nach seiner 
&Auml;u&szlig;erung: es fehlt nicht viel, du &uuml;berredest mich, da&szlig; 
ich ein Christ w&uuml;rde <i>(Apg. 26, 29)</i>, 
so setzt Paulus einen gro&szlig;en Ernst entgegen, in welchem er dieser 
Sache halber stehe. Auch die, so noch ferne sind, ja die, so durch die 
Scheidewand einer anderen Religion von uns unterschieden sind, kann man 
doch aus diesem Grunde mit Liebe und F&uuml;rbitte umfassen: <i>es 
ist Ein GOtt</i>. Ohne den einigen Mittler aber kommt Niemand zu dem 
einigen GOtt <i>(Joh. 14, 6)</i>. Das 
ist der erste Kern der christlichen Religion: Den erkennen, der allein 
wahrer GOtt, und den Er gesandt hat in die Welt, den Mittler <i>(Joh. 
17, 3)</i>. Dieser Mittler hat ein solches Amt, ein solches Leben und 
&uuml;brige Ausr&uuml;stung dazu, da&szlig; Ihm darin kein Anderer an die 
Seite gesetzt werden kann, so wenig, als der einige GOtt seine Ehre einem 
Anderen geben kann <i>(Hebr. 5, 5 f.; 7, 
23 ff.; 9, 24; 10, 1 ff.)</i>. Johannes fa&szlig;t unter der Warnung: 
Kindlein! h&uuml;tet euch vor den Abg&ouml;ttern Beides zusammen <i>(1.Joh. 
5, 21)</i>, da&szlig; man nicht einen anderen GOtt neben dem Einigen 
habe, und sich auch nicht eines Mittlers neben dem Einigen r&uuml;hme. 
- Paulus vor anderen Aposteln nennt unseren lieben Heiland bei seinem Mittleramt 
und Erl&ouml;sungsgesch&auml;ft einen <i>Menschen</i>. 
Er hatte Ihn n&auml;mlich nicht im Fleisch gesehen, wie die &uuml;brigen 
Apostel, die mehrere Zeit seines hiesigen Wandels um Ihn waren. Aber auch 
in seiner Herrlichkeit ist er Paulo als des Menschen Sohn erschienen, und 
was Paulus nachgehends aus der Offenbarung GOttes von diesem seinem Sohn 
erkennen, glauben und bezeugen lernte, das ging auf das in den Tagen seines 
Fleisches auf Erden verrichtete Opfer, und auf das nun fortw&auml;hrende 
Erscheinen vor dem Angesichte GOttes f&uuml;r uns; oder auf den Blick: 
Wie der Segen von der Offenbarung im Fleisch hinaufreiche bis zur Offenbarung 
in der Herrlichkeit. Darum war es dem Apostel so lieblich zu sagen: <i>Der 
Mensch, Christus JEsus</i>. Es gereicht auch diese Benennung so gar 
nicht zu einer Verkleinerung unseres lieben Heilandes, da&szlig; es vielmehr 
auch einer von seinen vorz&uuml;glichsten und r&uuml;hmlichsten Namen ist. 
Denn es sagt im Grunde so viel, als der <i>Einige 
Mensch (R&ouml;m. 5, 15)</i>, der Eine f&uuml;r Alle <i>(2.Kor. 
5, 14)</i>. Der neue Stammvater, das Haupt des menschlichen Geschlechts, 
von dem Leben und Gerechtigkeit &uuml;ber Alle kommt, unter das zuletzt 
auch Alles wird verfa&szlig;t werden <i>(1.Kor. 
15, 21 f.)</i>. Jetzt ist das Mittleramt und dessen F&uuml;hrung lauter 
<i>W&uuml;rde</i>: 
Aber sie hat vorher auch <i>B&uuml;rde</i> 
gehabt; Hingabe, M&uuml;he und Arbeit, die ewige Erl&ouml;sung zu erfinden, 
GOtt mit Gehorsam und Beobachtung aller seiner heiligen Rechte zu ehren, 
seinen Leib zum Opfer hinzugeben, sein Blut zur Vergebung der S&uuml;nden 
zu vergie&szlig;en. Jetzige F&uuml;rsprache und F&uuml;rbitte gr&uuml;ndet 
sich auf die ehemals am Kreuz durch sein Blut gestiftete Vers&ouml;hnung 
f&uuml;r der ganzen Welt S&uuml;nde <i>(1.Joh. 
2, 1 f.)</i>. Vor der Zeit der Predigt des Evangeliums sind freilich 
Zeiten der Unwissenheit vorangegangen <i>(Apg. 
14, 16 und 17, 30)</i>. Aber jetzt wurde das Licht zu seiner Zeit <i>(V.6)</i>, 
aufgestellt, diese Gelegenheit zur Erkenntnis der Wahrheit zu kommen gemacht. 
Nach dem steigenden Licht in der Lehre richtet sich auch die Inbrunst im 
Gebet, und das um so mehr, als sich auch die eigene Zeit naht, da es sich 
zeigen wird, wie sich Jeder in die Gnade seiner Zeit geschickt hat <i>(1.Tim. 
6, 15)</i>. Seiner Bestellung zum <i>Prediger 
und Apostel</i> war er gewi&szlig;; darum baut er auch mit der Versicherung 
so vor: <i>ich sage die Wahrheit und l&uuml;ge 
nicht (V.7)</i>. Denn die Welt schreit gleich dazwischen; von Botschaftern 
GOttes, von Herolden des Evangeliums besorgt sie sich gleich eines Dominats, 
hinter diese Namen, meint sie, stecke man seine Herrschsucht. Aber die 
Amtstitel bl&auml;hen nicht auf, wenn sie recht verstanden werden, sondern 
sie fassen das Gewissen, ob man das, was man hei&szlig;t, und was man amtshalber 
treibt, auch im Glauben und Wahrheit sei und treibe. Diejenigen k&ouml;nnen 
dereinst die Welt richten, die so im Glauben und Wahrheit f&uuml;r die 
Welt gearbeitet, ihr zum Besten gezeugt, f&uuml;r sie gerungen und gebeten 
haben. Man erw&auml;ge, was die Apostel h&auml;ufig von ihren F&uuml;rbitten 
f&uuml;r Versicherung getan haben. Nachgehends sind freilich Andere dar&uuml;ber 
gekommen, haben gedacht: das tr&auml;gt Etwas ein, damit kann man Gewerbe 
treiben, wenn man sich so als einen Seelsorger und F&uuml;rbitter angibt 
und unterschreibt, haben aber Glauben und Wahrheit dabei zur&uuml;ckgelassen. 
O GOtt, verleihe und erhalte den Gemeinden rechtschaffene Diener des Worts 
der Wahrheit! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Timotheus 2,8-15</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel ist weiter bedacht, beim &ouml;ffentlichen 
oder auch Hausgottesdienst Alles in solcher Ordnung einzuleiten, darin 
beim m&auml;nnlichen und weiblichen Geschlecht auf die - in dem anf&auml;nglichen 
Wege GOttes liegende Spuren genau gesehen, Versuchungen verh&uuml;tet, 
gemeinschaftlicher Segen und Erbauung aber gef&ouml;rdert werde.</b> 
 
<p>Auf seine n&auml;chstvorhergegangene Versicherung: dazu 
ich gesetzt bin, nimmt sich nun der Apostel die wohlanst&auml;ndige Macht 
zu sagen: <i>So will ich nun</i>; und 
damit anzudeuten, da&szlig; es nicht ein Jeder nach eigenem Belieben abweisen 
k&ouml;nne. Bei &ouml;ffentlichen Zusammenk&uuml;nften wird den <i>M&auml;nnern</i>, 
wie zu lehren, so auch zu <i>beten</i> 
allein aufgegeben, so da&szlig; sie dabei der Anderen Mund seien, und die 
&uuml;brigen Anwesenden dazu Amen sagen sollen. Zu Haus wird auch der Mann 
oder Hausvater angewiesen, im Gebet Anderen voranzugehen, gegen unsere 
jetzige Art, wo man es nur mehr von Kindern verrichten l&auml;&szlig;t; 
es hat auch seinen Nutzen, diese allm&auml;hlich anzuf&uuml;hren; aber 
die meiste Gebets = &Uuml;bung im Haus sollte doch der Hausvater f&uuml;r 
sein priesterliches Amt achten. Den Beisatz: an allen Orten, versteht man 
vermutlich am besten in dem Sinn, den der Apostel sonst mehrmals bezeugt, 
da&szlig; er es in allen Orten, bei allen Gemeinden so ordne <i>(1.Kor. 
7, 17 und 14, 33)</i>, und da&szlig; Niemand leichtlich Etwas annehmen 
solle, dergleichen in anderen Gemeinden GOttes nicht gew&ouml;hnlich ist 
<i>(1.Kor. 
11, 16)</i>. Damit liegt aber auch der Sinn zum Grund, in welchem sonst 
diese Worte angef&uuml;hrt werden, da&szlig; man im Neuen Testament mit 
seiner Andacht im Gebet an keinen Tempel oder sonstiges Heiligtum auf Erden 
gebunden sei, sondern den Vater in allen Orten anrufen k&ouml;nne <i>(Joh. 
4, 21 - 23).</i> <i>H&auml;ndeaufheben</i> 
ist ein alter ehrw&uuml;rdiger und dem Gebet gem&auml;&szlig;er Gebrauch. 
Nimmt Kniebeugen und H&auml;ndeaufheben unter der heutigen Welt ab: so 
hat man an denen, die Tag und Nacht im Tempel priesterlich dienen, noch 
Vorg&auml;nger und Gef&auml;hrten genug auch in solchem ehrerbietigen Bezeugen. 
- Neben Reinigkeit des Herzens ist freilich auch auf die Heiligung der 
H&auml;nde zu sehen, da&szlig; auch sie dieser Gnade, beten zu d&uuml;rfen, 
w&uuml;rdiglich gehalten werden <i>(Jak. 
4, 8)</i>. Darum geht oft eben das gemeinschaftliche Gebet in den H&auml;usern 
so ab, weil das Betragen gegen einander sonst so ist, da&szlig; uns das 
b&ouml;se Gewissen davon nimmer wohl zum Gebet kommen l&auml;&szlig;t. 
Glaube und Liebe sind die Seele von allem Gebet: mithin <i>Zorn 
und Zweifel</i> die gef&auml;hrlichsten Feinde, welche wider die Gebets 
= &Uuml;bung streiten. Zorn, Unvers&ouml;hnlichkeit, &uuml;ber Hand genommenes 
Mi&szlig;verst&auml;ndnis wacht nie mit mehr Sturm im Gem&uuml;t auf, als 
wenn man sich zu GOtt nahen will <i>(Matth. 
5, 23 f. Mark. 11, 25)</i>, besonders ist in Ehen und Haushaltungen 
die Bitterkeit, das unachtsame Ansto&szlig;en an einander eine gro&szlig;e 
Hindernis des Gebets <i>(1.Petr. 3, 7; Mal. 
2, 13 f.), </i>und wenn man einmal durch das b&ouml;se Gewissen vom 
Gebet abgekommen ist, so h&auml;ngt man desto mehr den Zweifeln wider das 
Gebet und dessen Frucht nach, mit denen man von allen Seiten her umgeben 
ist. - Wie bei den <i>M&auml;nnern</i> 
Zorn und Zweifel dem Gebet zusetzt; so ist bei den <i>Weibern</i> 
dem Geist des Gebets nichts gef&auml;hrlicher, und denselben zu d&auml;mpfen 
versuchlicher, als die <i>Eitelkeit</i>, 
die Liebe der Welt und ihres hoff&auml;rtigen Wesens. Der Flei&szlig; f&uuml;r 
den &auml;u&szlig;eren Menschen, die Begierde, mit dem in die Augen zu 
fallen, verr&uuml;ckt den verborgenen Herzensmenschen von der allein g&uuml;ltigen 
Ehrbegierde, GOtt zu gefallen. Der Kopfputz, die Kleidertracht ist selbst 
f&uuml;r einen Apostel wichtig genug gewesen, da&szlig; er davon schrieb, 
und Christi Sinn bezeugte; wie viel weniger soll man es denen, die jetzt 
&uuml;ber die Seelen zu wachen haben, verargen, wenn sie in ihrem Vortrag 
so etwas ber&uuml;hren. O wenn wir w&uuml;&szlig;ten, was unsere Versammlungen 
zu einem solchen Greuel macht, da&szlig; GOtt nicht darein riechen mag, 
so w&uuml;rde man finden, da&szlig; die Schuld oft auch an dem Aufzug liegt, 
in welchem man zur Kirche, Altar und Taufstein kommt. Auch die leidige 
Art, Alles in eine Parade zu verwandeln, und so auch <i>Kirchparade</i> 
zu machen, schadet mehr, als man denkt. Dagegen soll sich Einer gern mit 
Wort und Werk zum Salz brauchen lassen, vielmehr aber bedenken, was sein 
zur Gottseligkeit abgelegtes Bekenntnis ausweist. Jetzt will man freilich 
Alles mit der Gottseligkeit zusammenreimen k&ouml;nnen; aber das Wort der 
Wahrheit urteilt anders. Da&szlig; im Reich GOttes auch durch Werkzeuge 
aus dem weiblichen Geschlecht gute Botschaft gebracht, Glaube erweckt und 
gest&auml;rkt werden k&ouml;nne, davon gibt die Schrift selbst Beispiele. 
Darin soll der Geist auch nicht ged&auml;mpft werden. Anders aber verh&auml;lt 
es sich mit dem &ouml;ffentlichen Vortrag in der Gemeinde. Stille und Untert&auml;nigkeit 
verbindet hier der Apostel so miteinander <i>(V.11)</i>, 
wie auch sonst in der Schrift das Regiment &uuml;ber die Zunge als der 
Grund vom Regiment &uuml;ber den ganzen Leib angegeben wird. In der Schrift 
wird Alles aus den ersten Urspr&uuml;ngen hergeleitet, oder auf das zur&uuml;ckgef&uuml;hrt, 
was uns von den ersten Wegen und Gerichten GOttes zur Lehre und Warnung 
geschrieben ist. Der Glaube stellt uns auch darinnen das, was man nicht 
sieht, dar, da&szlig; er uns immer im Licht der vorigen Lehren GOttes zu 
wandeln anh&auml;lt. GOtt hat sich mit seinem Gnadenrat bald wieder zwischen 
den Fall unserer ersten Eltern geschlagen, und dem Weib unter der - ihr 
aufgelegten Zucht beim Kindergeb&auml;ren einen richtigen Schrankenlauf 
zu ihrem Heil gezeigt. Sie hat deswegen nicht n&ouml;tig, sich nach dem 
Lehren, oder anderen wichtigen Verrichtungen gel&uuml;sten zu lassen, wenn 
sie nur gegen GOtt im <i>Glauben</i>, 
gegen den N&auml;chsten <i>in der Liebe</i>, 
gegen ihren eigenen Leib und Gem&uuml;t in der <i>Heiligung</i>, 
und was sie um ihres Geschlechts und der sonst f&uuml;r sie und Andere 
daraus entstehenden Versuchung willen besonders n&ouml;tig hat, <i>in 
der Zucht bleibt</i>. Es ist ein k&ouml;stliches Siegel auf das Wort 
GOttes und dessen Wahrheit, da&szlig; es auch zwischen den beiden Geschlechtern 
und ihrer k&uuml;nftigen T&uuml;chtigkeit zum Reich GOttes das Ebenma&szlig; 
so halten lehrt, da&szlig; ohne Unterdr&uuml;ckung des Einen doch Ordnung 
gehalten wird. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Timotheus 3,1-7</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel zeigt, was f&uuml;r Eigenschaften sich an 
dem finden sollen, dem man einen Dienst an der Gemeinde, besonders die 
Arbeit am Wort und an der Lehre, anvertrauen wollte; damit teils Timotheus 
selbst sich in Ausw&auml;hlung solcher Personen darnach richten k&ouml;nne, 
teils diejenigen, die zu dergleichen Arbeit eine erweckte Lust in sich 
sp&uuml;rten, sich daraus ersehen m&ouml;chten, nach was sie sich zu pr&uuml;fen, 
ob ihre <font face="Symbol">B</font>egierde rechtm&auml;&szlig;ig und vor 
GOtt wohlgef&auml;llig sei?</b> 
 
<p>Schon der Eingang: <i>das 
ist gewi&szlig;lich wahr</i>; gibt zu erkennen, da&szlig; der Apostel 
nicht nach der leichtsinnigen Weltart ein Urteil f&auml;llen, und im fleischlichen 
Sinn sagen will: es hat's Niemand besser als die Pfaffen. Denn dazu brauchte 
es den Eingang nicht, der nur in wichtigen Materien und bei Urteilen vorkommt, 
die weit von dem Ermessen der fleischlich gesinnten Vernunft abgehen. Aber 
ernsthaften Gem&uuml;tern, die von den Schwierigkeiten des Amts beinahe 
zur&uuml;ckgeschreckt werden, wird hiermit ein Halt angeboten. <i>Bischofsamt</i> 
wird von den Dienern unterschieden <i>(V.8)</i>; 
mithin begreift der Apostel allen &uuml;brigen Dienst an der Gnade mit 
Wort und Lehre, oder Vorstehen als ein &Auml;ltester, darunter. Wer sich 
hierzu bestellen zu lassen willig ist, oder, nach der jetzigen Art, die 
Lebensart erw&auml;hlt, darinnen er zu k&uuml;nftigen Diensten an der Gnade 
vorbereitet wird, der widmet sich einem <i>k&ouml;stlichen 
Werk</i>; nicht eben um der jetzigen bequemen Lebensart oder daran h&auml;ngenden 
H&ouml;flichkeit, sondern um der Gelegenheit willen, dem Willen GOttes 
zu dienen, und um der vorz&uuml;glichen Eigenschaften willen, die dazu 
geh&ouml;ren. Diesem nach hat alles Folgende nicht nur derjenige zu beobachten, 
der Jemand dazu w&auml;hlen und verordnen will, sondern auch derjenige, 
so sich dazu anbietet, oder doch bestellen l&auml;&szlig;t. <i>Unstr&auml;flich 
sein</i> sieht auf die vergangene Zeit zur&uuml;ck, da&szlig; dorther 
kein Vorwurf, Anklage und gegr&uuml;ndeter Verdacht an Einem hafte, wodurch 
Andere vom n&ouml;tigen Vertrauen abgehalten werden k&ouml;nnten. <i>Das 
wird</i> man allermeist durch die einem widerfahrene Barmherzigkeit 
<i>(Kap. 
1, 16)</i>. Bei derselbigen hat man des Satans und seiner Werkzeuge 
Tadel nicht zu achten. Denn vor deren argw&ouml;hnischem Andichten ist 
Niemand sicher <i>(Sach. 3, 1 ff.)</i>. 
Deswegen wird auch unten f&uuml;r den guten Namen eines &Auml;ltesten so 
weislich gesorgt <i>(Kap. 5, 19)</i>. 
<i>Eines 
Weibes Mann</i> sein ist nun die gew&ouml;hnliche Beschreibung des ehelichen 
Standes, nachdem Christus denselben auf seine urspr&uuml;ngliche Reinigkeit 
zur&uuml;ckgef&uuml;hrt hat <i>(Matth. 19, 
4)</i>. Da sollte nun Keiner als ein F&uuml;rbild der Herde auftreten, 
der noch gegen den Sinn Christi mit mehr als einem Weibe ehelich lebte. 
Ob er aber nicht ledig oder im Mittelstand sein k&ouml;nnte, das entscheidet 
der Apostel damit nicht; doch hat der eheliche Stand und die damit verbundenen 
Dem&uuml;tigungen nicht wenig Einflu&szlig; in die folgenden Tugenden; 
und das Beispiel, das man durch eine nach dem Sinn Christi gef&uuml;hrte 
Ehe und Haushaltung gibt, ist allemal von ausgebreiteterem Nutzen, als 
man durch einen noch so rein gef&uuml;hrten ledigen Stand gibt. <i>N&uuml;chtern, 
m&auml;&szlig;ig</i> deutet an, nicht zu schl&auml;frig und nachl&auml;ssig, 
nicht zu schnell und heftig, damit man sich nicht &uuml;bereile, nicht 
von Allem angegriffen werde <i>(2.Tim. 4, 
5)</i>. Das Bestreben nach der Menschen Beifall kann dem N&uuml;chtern 
= und M&auml;&szlig;igsein sehr Abbruch tun. <i>Sittig</i>, 
s&auml;uberlich in Kleidung, Auff&uuml;hrung und Handlungsweise. Es w&auml;re 
nicht fein, ein solches Gelenk aus der &uuml;brigen Kette herauszurei&szlig;en, 
und in dem Einigen sich zeigen wollen; aber eben so wenig die Vers&auml;umnis 
hierin mit der Beobachtung der &uuml;brigen St&uuml;cke bedecken zu wollen. 
<i>Gastfrei</i> 
nach jedem Tafelzettel 
<i>(Luk. 14, 12 - 
14)</i>. Bei <i>Lehrhaftig</i> k&ouml;nnte 
man denken: Warum das so sp&auml;t? Eben damit man es nicht bis zum Hintansetzen 
anderer Eigenschaften &uuml;bertreibe. Heutigen Tages ist die Zeit der 
sogenannten Gaben und Talente. Damit macht man sich zur Unterdr&uuml;ckung 
aller edlen Herzens = Eigenschaften breit. So parteiisch ist die Schrift 
nicht. Auch wenn sie <i>lehrhaftig</i> 
sagt, so meint sie etwas Anderes, als eine stattlich abgelegte Antrittspredigt, 
sondern so, wie die Schrift selbst n&uuml;tze ist zur Lehre, und wie Einer, 
der die Schrift inne hat lehren <i>(2.Tim. 
3, 16)</i>, und es mit Geschick an Andere bringen kann <i>(2.Tim. 
2, 2)</i>, allermeist mit einer - dazu von GOtt in gutem Gewissen empfangenen 
Macht <i>(Matth. 7, 29)</i>. Es ist freilich 
keine Ehre, da&szlig; es weiter hei&szlig;t: kein Weins&auml;ufer <i>(V.3)</i>. 
Aber das Wort GOttes ist nirgends zum Gro&szlig;tun, sondern nach unserem 
Bed&uuml;rfnis eingerichtet. Man kann viel Amtst&uuml;chtigkeit vertischeln, 
auch damit seine eigene Lehre niederrei&szlig;en, oder sich auf ein andermal 
den Mund stopfen. <i>Nicht pochen</i>, 
nicht Schl&auml;ge austeilen, wie man gern gegen die Stillen tut, die nicht 
in das w&uuml;ste, unordentliche Wesen mitlaufen <i>(Luk. 
12, 45)</i>. <i>Nicht sch&auml;ndlichen 
Gewinns begierig sein</i>, selbst mit dem Vorwand der Gottseligkeit 
(<i>1.Tim. 6, 5)</i>, oder beim Verdienst 
von Amtssachen <i>(1.Petr. 5, 2 ; Hes. 13, 
19)</i>. Aus Erfahrung der Schwierigkeiten an sich selbst mu&szlig; 
man <i>gelinde</i> sein, und langsam 
tun k&ouml;nnen <i>(Phil. 4, 5)</i>; 
auch &uuml;ber Meinungen, und worin man sonst das Seine suchen k&ouml;nnte. 
<i>Nicht 
haderhaftig</i>, dergleichen oft aus Geiz, der Wurzel alles &Uuml;bels, 
herkommt, oder woraus sonst Belieben an dem Lohn der Ungerechtigkeit, wie 
bei <i>Bileam</i>, oder Griffe, wie bei 
den ausgearteten <i>S&ouml;hnen Samuels</i>, 
oder wie bei <i>Gehasi</i>, entstehen. 
Da man ehemals &Auml;lteste und Bisch&ouml;fe aus den &uuml;brigen Gemeindegliedern 
herausw&auml;hlte: so konnte man auch auf die <i>in 
ihren eigenen H&auml;usern</i> schon abgelegten Proben sehen <i>(V.4)</i>. 
Diejenigen, die bei uns jetzt ledig auf die ersten Bedienungen kommen, 
k&ouml;nnen sich hieran doch ersehen, womit sie gleich den Grund zu legen, 
und was f&uuml;r Ehegattinen sie zu w&auml;hlen haben. <i>Seinem 
eigenen Hause wohl vorstehen</i>, steht zwischen dem: nicht geizig sein, 
und dem: gehorsame Kinder haben, mitten inne. Mithin sieht man wohl, da&szlig; 
der Apostel zu dem: seinem eigenen Haus wohl vorstehen nicht die Kunst 
rechnet, &uuml;berall dem Geiz zu richten, sein Garn so zu legen, da&szlig; 
einem nichts entgehen m&ouml;ge. Bei Kindern und Hausgenossen hat man freilich 
nicht Alles in seiner Macht. Es wird selbst <i>Ps. 
127</i> unter den St&uuml;cken angezogen, durch die dem Menschen so 
empfindlich wohl oder wehe geschehen kann, und die er doch so gar nicht 
in seiner Macht hat. Je mehr man aber das erkennt, und die Regierung seines 
Hauses und Erziehung seiner Kinder mit solchen Selbst = Erniedrigungen 
angreift und f&uuml;hrt, dem wird GOtt als einem Dem&uuml;tigen desto eher 
Gnade geben. Und wenn die Kinder merken, da&szlig; man sie nicht zu Werkzeugen 
seiner Eitelkeit machen, oder sie als Zutreiber seines Geizes brauchen 
will, sondern da&szlig; man sie nur in die Wahrheit ziehen will, in welcher 
die Eltern selbst auch wandeln, so werden sie f&uuml;r das Gute auch eher 
geneigt. Auch verschafft die Bewahrung vor der Welt, die bei diesem Stand 
so viel leichter m&ouml;glich ist, manche F&ouml;rderung <i>(Tit. 
1, 6)</i>. Sehr nachdenklich ist das Gericht &uuml;ber eine Priesterstochter 
<i>(3.Mo. 
21, 9)</i>, und das den Kindern Eli gedrohte und so auch vollzogene 
Gericht <i>(1.Sam. 2, 29 - 34; 3, 11 f. 
und 4, 11 - 18)</i>. Im eigenen Haus mu&szlig; das Meiste durch ernsthafte 
Liebe, einerlei redlichen Wahrheitsgrund und mitleidiges Zurechthelfen 
ausgerichtet werden. Man kann da keine obrigkeitlichen Zwangsmittel zu 
Hilfe nehmen. Eben so mu&szlig; auch das Kirchenregiment oder das <i>Versorgen 
der Gemeinde</i> eingerichtet werden. Durch christliche Art, seinem 
Hause vorzustehen, wird doch mehr Ordnung, Gehorsam, gemeinschaftliche 
Hilfeleistung, teilnehmende Liebe erhalten, und in Gang gebracht, als durch 
kein Regiment in der Welt nimmer mehr geschieht. Wo man bei der Gemeinde 
GOttes Alles auf den Fu&szlig; der Strenge und obrigkeitlichen Gewalt setzt, 
so wird aller Geist Christi und alle innere Willigkeit ged&auml;mpft. <i>Nicht 
neugepflanzt</i>, und erst k&uuml;rzlich zur Erkenntnis und Gehorsam 
der Wahrheit gebracht, das liegt nicht gerade am nat&uuml;rlichen Alter: 
denn nach demselben war Timotheus selbst noch jung, sondern an dem - im 
Herzen kr&auml;ftig gewordenen Evangelio. Da ist es immer erw&uuml;nschter, 
wenn man solche haben kann, die durch die ersten - bei Neubekehrten vorkommenden 
Versuchungen schon gewitzigt sind. &Uuml;berhaupt ist es in allen St&auml;nden 
so, da&szlig; diejenigen, welche gleich bei der obersten Stufe antreten, 
oder zu bald dazu gelangen, sich nicht darein schicken, zu Niedrigen sich 
nicht herunter lassen k&ouml;nnen, mit Bedr&auml;ngten kein Mitleid haben, 
sich selbst nicht wohl m&auml;&szlig;igen. Der <i>Teufel</i> 
ist nicht bestanden in der Wahrheit, ist aus seinem anerschaffenen guten 
Zustand noch als ein <i>Neuling</i> bald 
abgefallen, und in das noch jetzt fortw&auml;hrende Streiten wider GOtt 
geraten. Unter dem <i>guten Zeugnis von 
denen drau&szlig;en</i> wird freilich nicht gemeint, da&szlig; einem 
Jedermann wohl reden m&uuml;&szlig;te. Denn das widerf&auml;hrt einem bei 
Bekenntnis der Wahrheit oft am wenigsten. Doch findet und erh&auml;lt man 
das, was man &uuml;ber dem Namen Christi gewagt und verleugnet hat, oft 
auch wieder durch den Mund derer, von welchen man es am wenigsten vermutet 
h&auml;tte. Nur nicht durch &auml;rgerliches Verhalten dem Satan oder seinen 
Werkzeugen im Sichtbaren Anla&szlig; gegeben, da&szlig; sie dir Verdru&szlig; 
machen, wie sie gerne tun <i>(Apg. 19, 15 
f.; Luk. 14, 28 - 34)</i>. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Timotheus 3,8-13</font></b></h4> 
 
<p><b>Weitere Anweisung, wie auch Diener in einer Gemeinde beschaffen 
sein sollen.</b> 
 
<p>Dienen und ein Diener sein wird sonst oft von unserem 
lieben Heiland selbst <i>(Matth. 20, 28)</i>, 
und von den Aposteln und anderen ansehnlichen Arbeitern gebraucht <i>(2.Kor. 
6, 4; 1.Kor. 3, 5)</i>. Wo aber Diener im Gegensatz gegen die Bisch&ouml;fe 
und &Auml;ltesten steht, da bedeutet es einen solchen Diener der Gemeinde, 
der nicht sowohl zur Arbeit am Wort und Lehre, als vielmehr zur Besorgung 
anderer vorfallender Bed&uuml;rfnisse bestellt ist. Die Apostel nennen 
es: zu Tische dienen <i>(Apg. 6, 2)</i>, 
im Gegensatz gegen dem Anhalten am Wort und an der Lehre <i>(V.4)</i>. 
Doch sah man auch dazu nach M&auml;nnern voll Heiligen Geistes und Weisheit 
<i>(V.3)</i>, 
und d&auml;mpfte von daher auch ihren Geist nicht, wenn sie zu weiterem 
brauchbar waren, wie an Stephani Exempel zu sehen. Daher sind auch zu folgenden 
Zeiten die Amtsverrichtungen solcher Diener bald enger eingeschr&auml;nkt, 
bald weiter ausgedehnt worden, je nachdem es das Bed&uuml;rfnis der Gemeinde 
erforderte, und auch die T&uuml;chtigkeit der Diener zugab. Je mehr man 
bei den ungleichen &Auml;mtern der Kirche doch in gleichen Fu&szlig;stapfen 
des Glaubens und rechtschaffenen Wesens wandelte, je weniger w&uuml;rde 
den Untergebenen schwer ankommen, dem Ehre zu geben, dem Ehre geb&uuml;hrte, 
und der Obere w&uuml;rde auch leichter den - in gleicher Wahrheit wandelnden 
Untertanen in geh&ouml;rigem Wert halten. Das w&uuml;rde auch die Begierde 
schnell h&ouml;her zu steigen, m&auml;&szlig;igen; man w&uuml;rde finden, 
da&szlig; einem auch schon auf der niederen Stufe viel anvertraut ist. 
Was hat der liebe Heiland mit seinen J&uuml;ngern &uuml;ber dem Gedanken: 
Wer unter ihnen f&uuml;r den Gr&ouml;&szlig;ten sollte gehalten werden, 
zu tun gehabt? Wie hat Er ihnen noch durch die Fu&szlig;waschung vorgebildet, 
da&szlig; auch der Meister und Herr sich herabgeben m&uuml;sse? Die Achtsamkeit 
auf den Wohlstand, die Sorgfalt, Niemand irgend einen unbedachtsamen Ansto&szlig; 
zu geben, empfiehlt das Wort GOttes &ouml;fters unter dem Namen der <i>Ehrbarkeit(V.8)</i>. 
Der Diener Amt brachte Umgang mit unterschiedenen Leuten mit sich, besonders 
mit vorgesetzten Bisch&ouml;fen und &Auml;ltesten und mit &uuml;brigen 
Gemeindegliedern. Dabei war Versuchung, Jedem zu Gefallen zu reden, und 
dar&uuml;ber zweiz&uuml;ngig zu werden, bei dem einen Teil etwas billigen, 
bei dem anderen doch die Unzufriedenheit dar&uuml;ber zu n&auml;hren. Zweiz&uuml;ngig 
sein hat freilich einen tieferen Grund in Doppelherzigsein aus Liebe zur 
Welt und ihrer Freundschaft, aus Kreuzesflucht zc. <i>(Jak. 
4, 8)</i>. Selbst der Stand und die Not entschuldigt da nicht, wie man 
oft meint: ja wer so zwischen inne steckt, der komme nicht anders durch. 
Weil gleich dabei steht: <i>nicht Weins&auml;ufer</i>, 
so kann man auch daran denken, was oft ein Gl&auml;slein Wein oder andere 
Aufwartung f&uuml;r Versuchung zum Zweiz&uuml;ngig = werden verursacht; 
neben diesem aber die Begierde nach Gewinn, wobei man keinen Schritt umsonst 
tun will, &uuml;berall darauf sieht, wie es bezahlt wird. Die leidige Sucht, 
selbst die Gottseligkeit wie ein Gewerbe zu treiben, verunreinigt das Gewissen 
sehr. <i>Glauben und gutes Gewissen</i> 
kommt neben einander auf <i>(V.9)</i> 
und wird neben einander verloren <i>(1.Tim. 
1, 19)</i>. Wo man den Glaubenswahrheiten nicht Raum l&auml;&szlig;t, 
sich in den ganzen Gehorsam und Frucht zu treiben, da erstickt es. An dem 
Unterschied der &Auml;mter in der Kirche ist das noch das Brauchbarste, 
da&szlig; man dadurch Gelegenheit bekommt, einen <i>zu 
pr&uuml;fen</i>, und nachdem er sich offenbart, ihn noch von Weiterem 
zur&uuml;ckzuhalten. Was von den <i>Weibern</i> 
vorkommt <i>(V.11)</i>, kann von den 
Ehegattinen der Helfer oder auch von den Weibern, die als Witwen zum Dienst 
der Gemeinde verordnet wurden, verstanden werden. Bei dergleichen Bedienungen 
hatte man auch manches ausgehende Ger&uuml;cht an die Oberen zu bringen; 
dazu geh&ouml;rte eine vor <i>L&auml;stersucht</i> 
bewahrte Zunge. Ein Weib, das schweigen kann, ist eine Gabe GOttes. Die 
Verhei&szlig;ung: welche aber wohl dienen, die erwerben zc. <i>(V.13)</i> 
mu&szlig; man nicht wie einen sogenannten Kanzleitrost auf eine gute Bef&ouml;rderung 
behandeln, und wenn es ausbleibt, verdrossen werden, sondern man mu&szlig; 
es als ein Wort von Dem, der in der Mitte der s&auml;mtlichen Gemeinden 
wandelt, annehmen und bewahren, mithin darauf merken, wie Der es auch ohne 
eigentliche Amtsver&auml;nderung erf&uuml;llen kann. <i>Denn 
gro&szlig;e Freudigkeit</i> im Glauben kann GOtt in das eigene Gewissen, 
und auch durch die Legitimation, an Anderer Gewissen schenken. Und das 
macht zum Zeugnis von Christo, zur Predigt des Glaubens und auch zum Wandel 
im Glauben immer getroster. Das &Uuml;brige, wenn dich GOtt brauchen kann 
und will, bleibt doch nicht aus. Erreichte man aber hierin nichts Weiteres, 
so nehme man es als ein wahres Verschonen an, und sei versichert, je niedriger 
man in der Welt geblieben ist, desto eher kann man sich noch mit Stephano 
ein freudiges Sterbest&uuml;ndlein im Glauben versprechen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Timotheus 3,14-16</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel bezeugt, in welcher Absicht alles Bisherige 
geschrieben sei, und muntert alle Diener im Hause GOttes zu m&ouml;glichster 
Treue und Geduld auf, durch den Vorhalt des gro&szlig;en Geheimnisses, 
am welchem sie dem Willen GOttes zu dienen Gelegenheit haben.</b> 
 
<p>Bei baldiger Hoffnung zu kommen, hat der Apostel doch 
nichts vers&auml;umen, und inzwischen schreiben wollen. Das Schreiben ist 
auch in menschlichen Angelegenheiten ein Ersatz f&uuml;r das, was man in 
der Abwesenheit von einander entbehren oder vers&auml;umen mu&szlig;. So 
wird auch im Reiche GOttes durch Schreiben oder jetzt in Druck gegebene 
Schriften Manches ersetzt, was an der lebendigen Stimme abgeht. Es ist 
daher f&uuml;r eine Gabe und Wirkung des - auf so mancherlei Frucht arbeitenden 
Geistes anzusehen, wenn Knechte GOttes auch zu Ablegung ihres Zeugnisses 
in Schriften geneigt werden. Oft kann aber auch nur ein geringscheinendes 
Brieflein, eine darin gegebene Nachricht, ein zugesprochenes Gedulds = 
und Trostwort dem Anderen so zu gelegener Stunde kommen, da&szlig; es viel 
zu Aufrichtung l&auml;ssiger H&auml;nde u. s. f. austr&auml;gt. Die Welt 
hat Posten und Briefbestellungen um ihrer Gesch&auml;fte willen eingerichtet: 
aber das Reich GOttes gewinnt nun auch darunter, und ist auf diesem Weg 
schon manches K&ouml;rnlein &uuml;ber das Wasser gefahren. Paulus war in 
seinen Glaubenswegen schon gewohnt, da&szlig; es auch mit dem besten Vorhaben 
oft durch das Gedr&auml;nge m&uuml;&szlig;te <i>(1.Thess. 
2, 18 und 3, 11; 2.Kor. 1, 18 - 23)</i>. Darum sorgt er auch f&uuml;r 
den Fall, ob er verz&ouml;ge <i>(V.15)</i>. 
Paulus sagt von seinem Wandel, da&szlig; er sich darin nicht nach dem Weltwitz, 
sondern nach der Gnade GOttes gerichtet habe <i>(2.Kor. 
1, 12)</i>. Die Gemeinde des lebendigen GOttes hei&szlig;t er das Haus 
GOttes, wo GOtt Hausherr ist <i>(2.Tim. 
2, 21)</i>, wo GOtt bei ihr darinnen ist, wie der <i>Psalm 
46</i> von der Stadt GOttes r&uuml;hmt, und Ezechiel die Beschreibung 
von seinem Tempel und dem Gottesdienst darin endlich mit dem beschlie&szlig;t: 
Hier ist der HErr! <i>(Hes. 48, 35)</i>. 
Wo w&auml;re es sonst mit der Kirche schon hingekommen, wenn <i>GOtt</i> 
nicht immer wieder Sein <i>Hausrecht</i> 
gerettet h&auml;tte. Darum behalten aber auch die Vorh&ouml;fe GOttes und 
das T&uuml;rh&uuml;ten im Hause GOttes immer noch den Vorzug, der ihnen 
schon <i>Psalm 84, 11</i> gegeben wird. 
Vor einem wichtigen Zeugnis Etwas zur Vorbereitung hergehen lassen, oder 
auch es nachgehends mit einem Ausruf versiegeln, ist Pauli gewohnte Art 
<i>(1.Tim 
1, 15 und 4, 9; 2.Tim. 2, 11)</i>. 
<i>Pfeiler 
und Grundfeste der Wahrheit</i> deutet die unver&auml;nderliche Wahrheit 
und Gewi&szlig;heit an, aus der H&ouml;he und Tiefe dieses Geheimnisses, 
und k&uuml;ndlich gro&szlig; geht auf die Freude und Freim&uuml;tigkeit, 
mit welcher man sich dieses - in den Glauben des Herzens aufgenommenen 
Geheimnisses auch mit dem Bekenntnis des Mundes annehmen soll. Hier hei&szlig;t 
der Apostel ein <i>Geheimnis der Gottseligkeit</i>, 
was er, <i>Tit 1, 1</i> Erkenntnis der 
Wahrheit zur Gottseligkeit nennt. Jeder Teil dieses Geheimnisses f&uuml;hrt 
seine Kraft der Gottseligkeit bei sich, oder hebt ein im Fleisch steckendes 
Hindernis derselben, oder besiegt die - von der Gottseligkeit abf&uuml;hrende 
Welt. Erscheinen, offenbaren braucht die Schrift oft von der Zukunft des 
Sohnes GOttes in der Welt <i>(1.Joh. 3, 
8; 1.Petr. 1, 20)</i>, wodurch GOttes Vorhersehen und verhei&szlig;en 
endlich in das Werk gef&uuml;hrt, zu h&ouml;ren, zu sehen, zu betasten 
gegeben worden ist <i>(1.Joh. 1, 1 - f.)</i>, 
so, da&szlig; Christus von den V&auml;tern herkam, Davids Sohn, Abrahams 
Samen hei&szlig;en konnte, aus Maria geboren war, unter den Menschen wohnte, 
an Geb&auml;rden erfunden wurde, ja Knechtsgestalt an sich nehmen, leiden 
und sterben konnte. W&auml;hrend seines Wandels auf Erden stand Christus 
in der Gestalt des s&uuml;ndlichen Fleisches da <i>(R&ouml;m. 
8, 3)</i> war wirklich das Lamm GOttes, das der Welt S&uuml;nde trug 
<i>(Joh. 
1, 29)</i>. Weil das Wenige verstanden, so hielten sie Ihn selbst f&uuml;r 
einen S&uuml;nder, der von GOtt geplagt und gemartert w&auml;re <i>(Jes. 
53, 4)</i>, aber aus dieser Angst und Gericht ist Er genommen, und kr&auml;ftig 
erwiesen worden als der Sohn GOttes. Alles demnach, was Er im Namen GOttes 
auf Erden getan und geredet hat, ist als GOttes Werk erwiesen und best&auml;tigt 
worden, allermeist durch seine Auferstehung von den Toten, ja schon von 
da an, da beim erlittenen T&ouml;ten am Fleisch die Lebenskraft an seinem 
Geist ausbrach, und sein hohes Recht schon beim Hingehen im Geist zu den 
Geistern behauptet wurde. Aber zum Glaubensvorhalt an alle Welt ist diese 
Rechtfertigung erst vollends durch die Auferstehung geschickt worden <i>(Apg. 
2, 36)</i>. Die <i>Engel</i> haben 
auch schon bei dem - im Fleisch geoffenbarten Sohn GOttes manches Gesch&auml;ft 
gehabt, und in Seiner Sache noch w&auml;hrend der Tage seines Fleisches 
manchen ehrerbietigen Dienst geleistet; wie Er sich selbst auf solche Gemeinschaft 
mit dem offenen Himmel beruft. Doch wird hier mehr auf das gesehen, was 
vorging, seitdem die Welt Ihn nicht mehr sahe, da besonders w&auml;hrend 
der heiligen Grabesruhe seines Leibes, und w&auml;hrend der vierzig Tage 
zwischen der Auferstehung und Himmelfahrt bei selbigem Versetztsein in 
das himmlische Wesen mehr vorgegangen sein wird, als wir umst&auml;ndlich 
wissen. Doch sollen wir uns durch eine solche kurze Anzeige zum Nachdenken 
wecken lassen. - Auf das Predigen den Heiden hat der Heiland gleich nach 
seiner Auferstehung gewiesen <i>(Luk. 24, 
46 f.)</i>, und seine meisten Reden vom Reich GOttes zwischen Ostern 
und Himmelfahrt sind darauf gegangen, wie man deutlich aus <i>Apg. 
1, 8</i> abnehmen kann, aus welchem Grund es hier schon einger&uuml;ckt 
wird. Die Sendung des Sohnes GOttes in die Welt und aller darunter ausgef&uuml;hrte 
Gnadenrat GOttes ist eine heimliche Weisheit, die GOtt verordnet hat. Aber 
nicht weniger ist es zu bewundern, wie GOtt in der Welt den Glauben an 
dies Evangelium aufgerichtet hat. Nicht nur bei den aus der Welt Erretteten, 
sondern auch bei der ganzen und gro&szlig;en Welt ist das von gro&szlig;en 
Folgen gewesen; wenn man aus den Briefen der Apostel dazu nimmt, in welchen 
Banden der Finsternis Alles gelegen ist, so kann man es abnehmen. Aufnahme 
in die Herrlichkeit ging zwar der Himmelfahrt vor, noch ehe die Predigt 
des Evangelii und der Glaube daran in aller Welt anfing; es steht aber 
doch dieser Punkt hier zuletzt, weil auch nach der Ausgie&szlig;ung des 
Heiligen Geistes und der - durch Ihn in der Welt veranstalteten Predigt 
des Evangeliums noch viel zur Einnahme Seiner Herrlichkeit oder Seines 
Reichs im Himmel vorging <i>(z. B. Offb. 
5)</i>, und weil das gesamte Sitzen zur Rechten GOttes, die Niederlage 
der Feind zum Schemel der F&uuml;&szlig;e, ja selbst die k&uuml;nftige 
Offenbarung in der Herrlichkeit mit eingeschlossen ist. An einem solchen 
Werk GOttes dienen d&uuml;rfen, welche Freude sollt es uns sein! Unter 
Allem aufblicken d&uuml;rfen, wie Stephanus, und JEsum zur Rechten GOttes 
sehen, welche St&auml;rkung! Wer an der Erde klebt, der ist betrogen. Wer 
Einblick in diese Herrlichkeit genie&szlig;t, dem fehlt es nicht am Sieg. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Timotheus 4,1-5</font></b></h4> 
 
<p><b>Auf die fr&ouml;hliche Anzeige von dem - mit dem Geheimnis 
der Gottseligkeit gelegten k&ouml;stlichen Grund, und von dem - durch die 
Predigt desselben unter allen V&ouml;lkern in der Welt aufgerichteten Gehorsam 
des Glaubens folgt nun eine bedenkliche Warnung, wie Manche von diesem 
Glauben abfallen, und auf welche mi&szlig;liche Wege sie geraten werden.</b> 
 
<p>Zum Unterricht wie man wandeln soll im Hause GOttes, geh&ouml;ren 
auch dergleichen Einsichten. Denn im Hause GOttes brechen solche Sch&auml;den 
aus. Die Gemeinde des lebendigen GOttes hat freilich herrliche Verhei&szlig;ungen; 
aber es fehlt auch nicht an durchdringenden Warnungen, was f&uuml;r falsche 
Geister ausgehen werden, und an Drohungen, wie es denen gehen werde, die 
sich in keine Waffenr&uuml;stung GOttes setzen lassen. Wer steht, mag zusehen, 
da&szlig; er nicht falle, gilt jedem einzelnen Gl&auml;ubigen, aber es 
gilt auch ganzen Gemeinden und Gemeinschaften. Der Pfeiler und die Grundfeste 
der Wahrheit f&auml;llt nicht; aber etwas Kl&auml;gliches kommt dazwischen. 
Das Geheimnis der Gottseligkeit und der Glaube daran wird nimmer aus der 
Welt verdrungen; aber ein Geheimnis der Bosheit l&auml;uft daneben her. 
<i>Davon 
sagt der Geist deutlich</i>; das steht zum Aufwecken vornen an, wie<i> 
Offb. 2 und 3</i> die sieben Weckstimmen: Wer ein Ohr hat der h&ouml;re 
was der Geist den Gemeinden sagt. Denn der Geist hat ein wachsames Auge 
&uuml;ber das Haus GOttes, und weckt auch treuen W&auml;chtern und Gemeindegliedern 
gern das Ohr. Auch hierin nimmt der Geist sein Anzeigen aus den Worten 
Christi. Denn der hat, <i>Matth. 24</i>, 
und anderw&auml;rts manches K&ouml;rnlein hingelegt, und neben anderen 
- Seinen J&uuml;ngern vom Geist zugesagten Hilfeleistungen war auch das: 
Was zuk&uuml;nftig ist, wird Er euch verk&uuml;ndigen <i>(Joh. 
16, 13 f.)</i>. <i>Letzte Zeiten</i> 
werden hier in dem Sinn genommen, da&szlig; auch die ersten Jahre des Christentums 
mit eingeschlossen sind, so da&szlig; der Apostel doch schon zu seinen 
Zeiten n&ouml;tig fand, zu warnen und zu wehren. Weil das Geduld = und 
Trostwort der Schrift in seinem Hoffnungsblick schon hinaussieht, wie die 
Wahrheit doch das Feld behalten werde: so rechnet sie die gro&szlig;e <i>Menge</i> 
derer, die <i>abfallen</i>, nur f&uuml;r 
<i>Etliche</i>. 
Auf den obigen k&ouml;stlichen Grund des Glaubens waren diese anf&auml;nglich 
auch erbaut: aber sie lie&szlig;en ihn sich unvermerkt geringsch&auml;tzig 
werden, fingen an nach etwas Anderem zu gel&uuml;sten, und damit fing der 
Abfall an. Wir haben ein l&uuml;sternes 
<i>Ohr</i>, 
wie sich schon im Fall unserer ersten Eltern geoffenbart hat, hartgl&auml;ubig 
gegen GOtt und leichtgl&auml;ubig gegen Menschen und die aus ihnen redenden 
verf&uuml;hrerischen Geister 
<i>(Joh. 5, 
43; R&ouml;m. 2, 8)</i>. Wer nicht Geduld hat, von der himmlischen Unterweisung 
sich lehren zu lassen; wer wenigstens die Befestigung darin nicht in geh&ouml;riger 
Ordnung abwartet, der f&auml;llt durch sich selbst oder durch Andere auf 
Verkehrungen, verf&uuml;hrt und wird verf&uuml;hrt. Der <i>Teufel</i> 
ist ein Feind von Allem, was GOtt geordnet hat, und sonderlich von der 
Einfalt auf Christum <i>(2.Kor. 11, 3)</i>. 
Zu seinem Vorgeben aber entlehnt er immer Etwas aus der Schrift und bringt 
unter solchen Fetzen der Wahrheit seine Ware aus, verspricht, als ob man 
unter den einem angeratenen &Uuml;bungen viel weiter kommen w&uuml;rde, 
als auf dem gemeinen Glaubensweg. Aber es l&auml;uft auf <i>L&uuml;genreden 
in Gleisnerei</i> hinaus <i>(V.2)</i>. 
Anfangs widerspricht solchen Verf&uuml;hrern ihr eigenes Gewissen noch, 
und schilt sie, da&szlig; es ihnen nicht um das zu tun sei, was sie vorgeben; 
aber &uuml;ber eine Weile wird auch ihr <i>Gewissen</i> 
unrein <i>(Tit. 1, 15 - 16)</i>, sie 
lernen die unselige Kunst, das Licht in sich zur Finsternis zu machen, 
oder die &Uuml;berzeugungen ihres Gewissens so zu drehen, wie es ihren 
falschgeistlichen und im Grund f&auml;lschlichen Absichten gem&auml;&szlig; 
ist. Wer das eine Weile treibt, der wird so verh&auml;rtet, das alle Kraft 
der Wahrheit im Gewissen abget&ouml;tet wird, wie man einem Glied durch 
ein daran vorgenommenes <i>Brennen (Brandmal)</i> 
alle Empfindungen und Schmerzen benehmen kann. Die als Beispiel angef&uuml;hrten 
Lehren <i>(V.3)</i> haben wir zwar zu 
unserer Zeit nun im Papsttum herrschend; aber man mu&szlig; es darum nie 
auf das allein schieben. Von vornen herein hat Vieles dazu Bahn gemacht, 
da&szlig; es zu dem Abfall unter dem Papsttum kommen konnte; und nachgehends 
schleicht jetzt Manches, das im Papsttum aus Staats = Interesse behauptet 
wird, doch bei uns aus anderen falschgeistlichen Gr&uuml;nden noch mit 
unter. Sonderlich hat der Feind immer gern in den sch&ouml;nen Garten GOttes, 
den Ehestand, Unkraut eingestreut, der Menschen Gewissen verwirrt, den 
Gnadenweg verkehrt, GOttes Ordnung nicht vom angeschmitzten Unflat unterschieden, 
das Evangelium verdunkelt, auf eigene &Uuml;bungen gef&uuml;hrt. Wer im 
Hause GOttes fruchtbar wandeln will, mu&szlig; der Menschen Gewissen auch 
hierin zu raten wissen. Paulus hat selbst <i>ohne 
Ehe</i> gelebt, und sonst von solchem Gang r&uuml;hmlich gesprochen. 
Sobald es aber zum Strick der Gewissen werden wollte, hat er so gewehrt. 
- Aus dem Wort GOttes lernt man den rechten Sinn von GOttes Gaben und Ordnungen: 
im Gebet aber &uuml;bt man sich auf die Freiheit, N&uuml;chternheit des 
Herzens, gutes und reines Gewissen, womit alle Kreatur empfangen und gebraucht 
werden mu&szlig;. Zu welchem Greul wird man in der Christenheit auch nur 
durch Vers&auml;umnis und Mi&szlig;brauch des Tischgebets! Siehe hiervon 
nach <i>Dan. 5, 23</i>. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Timotheus 4,6-11</font></b></h4> 
 
<p><b>Timotheus soll desto p&uuml;nktlicher bei der gesunden 
Lehre des Evangelii bleiben und versichert sein, da&szlig; er es bei solchem 
&Uuml;ben in GOttes Wort f&uuml;r dieses und das zuk&uuml;nftige Leben 
am besten treffe.</b> 
 
<p>Das Obige, n&auml;mlich die Gefahr der Verf&uuml;hrung, 
wie solcher auszuweichen, was uns durch Wort GOttes und Gebet zur Heiligung 
Alles dessen, was wir von der Welt zu brauchen haben, f&uuml;r ein richtiger 
Gebrauch zu machen, wie den - &uuml;ber dem Ehestand und dessen Gebrauch, 
&uuml;ber Speise und Trank und die Ma&szlig; darin, Angefochtenen zu begegnen, 
und ihre Gewissen zu berichten seien, das Alles fa&szlig;t der Apostel 
zusammen, und sagt: Solches hast du den Br&uuml;dern, worunter immer auch 
schwache Gewissen sind, die leicht verwirrt werden k&ouml;nnten, vorzuhalten 
<i>(Apg. 
15, 1 - 10)</i>. Das darf man nicht zu leicht nehmen, noch denken: ich 
will sie schon heruntersetzen, und es ihnen vertreiben, da&szlig; sie mir 
mit nichts so kommen. Denn solche Art zu handeln heilt die Gewissen nicht. 
Es braucht Vorhalten, darunter man das Mitleiden, das bed&auml;chtliche 
Arbeiten, wie an einem Auge u.s.f. sp&uuml;rt. Und das geh&ouml;rt zu einem 
guten Diener JEsu Christi, zu einem rechtschaffenen und unstr&auml;flichen 
Arbeiter, da&szlig; er sich in die Not, in den Staub beim Kehren des Hauses 
und nachsuchen des Verlorenen hineingibt <i>(2.Tim 
Tim 2, 15)</i>. Sonst brauchte man unseren Stand nicht, wie die Welt 
anf&auml;ngt &uuml;berlaut davon zu sprechen, man k&ouml;nnte ihn entbehren. 
Je mehr man freilich unsere Treue und Arbeit blo&szlig; in das &Auml;u&szlig;erliche 
und in Beobachtung der Kirchengesetze treibt, und von diesem Kern unseres 
Amts, von der Seelsorge, vom Aufsuchen und Berichten irriger Gewissen abkommt, 
je mehr hat die Welt recht, da&szlig; das &Uuml;brige auch einer aus ihrem 
Mittel versehen k&ouml;nnte. Aber Zerr&uuml;ttung wehren, Br&uuml;der tr&ouml;sten, 
&uuml;ber dem Evangelio und dessen Lauterkeit f&uuml;r die Gewissen wachen, 
dem Flei&szlig; der Gottseligkeit nichts dabei vergeben, das sind Meisterst&uuml;cke 
in unserer Amtsf&uuml;hrung <i>(Luk. 12, 
42)</i>. Schon in Timothei Jugend und Auferziehung war viel zu dieser 
seiner Brauchbarkeit gelegen <i>(2.Tim 1, 
5 und 3, 15)</i>. Wenn aber hierin ja an einem etwas vers&auml;umt worden 
w&auml;re, so fange man doch sonst noch bei Zeiten an, und bleibe darin. 
Es geh&ouml;rt bei Tag und Nacht mehr Umgang mit GOttes Wort dazu, als 
man glaubt, mehr mit dem Wort GOttes an seinem eigenen Gewissen gemachte 
Erfahrung, wenn der Vortrag Worte des Glaubens, mit dem eigenen Glauben 
vermengte Worte, dar&uuml;ber man eine Macht hat, es als ein Zeugnis zu 
f&uuml;hren, hei&szlig;en, und f&uuml;r Andere eine gute Lehre sein soll. 
Was zum ung&ouml;ttlichen Wesen hilft, wenigstens die Gottseligkeit und 
deren &Uuml;bung nicht f&ouml;rdert, hei&szlig;t der Apostel <i>ungeistlich</i> 
oder <i>unheilig</i> <i>(V.7)</i>; 
und wie er den Timotheus die <i>L&uuml;ste 
der Jugend</i> fliehen hei&szlig;t <i>(2.Tim. 
2, 22)</i>, und darunter auch Alles einschlie&szlig;t, womit sich <i>Junge</i> 
im Vortrag und in der Amtsf&uuml;hrung tragen und Wohlgefallen k&ouml;nnen, 
und etwas Besonderes damit auszurichten meinen: so hei&szlig;t er ihn hier 
auch das vom alten Aberglauben Nachgef&uuml;hrte vermeiden. Solcher Dinge 
hat man sich beim Glauben und bei der Lehre zu entschlagen. Weil Timotheus 
in Pauli Abwesenheit Niemand hat, der ihn antriebe, so gibt ihm der Apostel 
auf, sich <i>selbst</i> desto weniger 
<i>nachzusehen, 
</i>sondern 
mit der Furcht GOttes im Herzen, mit der Willigkeit und Ernst, solches 
auch in allem Wandel, Dienst GOttes und Umgang mit seinem N&auml;chsten 
zu beweisen, auf ernstliche &Uuml;bung zu dringen. Denn aus dem, was man 
etwa <i>an seinem Leib vornehmen</i> 
k&ouml;nne, <i>entweder</i> mit Strenge, 
durch Einschr&auml;nkung im Genu&szlig; der Speise und Tranks, dergleichen 
Timotheus nach <i>Kap. 5, 23</i> mit 
dem Wassertrinken mu&szlig; versucht haben; <i>oder</i> 
auch auf gelindere Weise, wie man jetzt einem viele Leibesbewegung, Handarbeit 
und dergleichen anraten kann; auf so etwas ist sich nicht viel zu verlassen, 
oder davon zu versprechen. Zum Leben, zur Gesundheit, zum Ersparnis im 
Verm&ouml;gen, zum guten Namen unter Anderen mag es etwas nutz sein; bei 
der Gottseligkeit aber gewinnt eine gr&ouml;&szlig;ere Hoffnung Raum. In 
den Spr&uuml;chen Salomonis und sonst im Alten Testament hat die Gottseligkeit, 
die Weisheit viel Verhei&szlig;ung dieses Lebens. Im Neuen Testament schl&auml;gt 
die Verhei&szlig;ung des Zuk&uuml;nftigen vor; das Vorige aber wird damit 
nicht zur&uuml;ckgenommen. Verhei&szlig;ungen aber lassen sich nicht abpochen, 
sondern mit Glauben und Hoffnung abwarten. Mit dem nachdenklichen Wort: 
<i>Das 
ist gewi&szlig;lich war (V.9)</i>, versiegelt der Apostel das Obige, 
und macht sich zugleich Bahn zu dem Weiteren. Nach der Menschen schnellem 
Urteil sieht es oft anders aus, als ob die Gottseligkeit einem an der Bef&ouml;rderung, 
an einer guten Heirat und dergleichen hinderlich gewesen w&auml;re. Aber 
la&szlig; dir dies Wort gewisser sein. Davon geleitet und unterst&uuml;tzt, 
<i>arbeite, 
leide dich</i>, mit dem Sinn, dein Leben zu hassen und zu verlieren 
auf dieser Welt. Auf Niemand als auf den lebendigen GOtt zu hoffen, kommt 
den am Sichtbaren klebenden Weltmenschen ver&auml;chtlich vor <i>(Psalm 
14, 6 f.)</i>. 
<i>Als Heiland aller Mensche</i>n 
tut GOtt auch schon in diesem Leben viel Vergeltung; <i>besonders 
als der Gl&auml;ubigen GOtt</i> beweist Er sich an denen, die Ihm und 
seiner Verhei&szlig;ung, auch des zuk&uuml;nftigen Lebens halber, redlich 
trauen. Solches, mit Entschlagen alles Anderen, <i>gebiete 
und lehre (V.11)</i>. <i>Was ich getan 
und gelehrt habe</i>, spricht uns der Heiland selbst an, <i>das 
sollst du tun und lehren, damit das Reich GOttes werde vermehrt zu seinem 
Lob und Ehren, und h&uuml;te dich vor der Menschen Gsatz, davon verdirbt 
der edle Schatz zc</i>. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Timotheus 4,12-16</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel f&auml;hrt fort, dem Timotheus alle gute Anweisung 
zu geben, und alle Hoffnung vorzuhalten, wie er in seinem Amts = und Christenberuf 
fortmachen solle, damit das, wozu ihn GOtt anf&auml;nglich ausersehen und 
begabt h&auml;tte, an ihm und durch ihn erreicht w&uuml;rde.</b> 
 
<p>In Absicht auf Timotheum hie&szlig; das so viel, als: 
Beweise dich so, da&szlig; Niemand von deiner Jugend her Vorwand nehmen 
k&ouml;nne, dich zu verachten. Doch weil der ganze Brief darauf eingerichtet 
ist, da&szlig; er dem Timotheus gegen Andere zu Statten komme, und er ihn 
als eine - vom Apostel erteilte Vollmacht Anderen vorlegen k&ouml;nne: 
so ist es auch eine zu Gunsten Timothei geschriebenes Wort: <i>Niemand 
verachte deine Jugend</i>. An mancher Verachtung unseres Stands und 
unserer Personen sind wir selbst schuld, Manches liegt aber auch als ein 
Gericht GOttes auf uns nach unserer Zeit <i>(Mal. 
2, 9)</i>. Wer es erkennt und vor GOtt bekennt, und nur um so viel Offenbarung 
in der Menschen Gewissen anh&auml;lt, als n&ouml;tig ist, f&uuml;r GOtt 
und Vollbringung seines Willens zu dieser Zeit nicht gar unbrauchbar zu 
werden, der wird immer so viel Durchkommen finden als n&ouml;tig ist. <i>Ein 
Vorbild</i> werden ist die sicherste Art, sich im Respekt zu erhalten. 
Wenn man einmal die Ehre, die von GOtt allein ist, zusamt dem guten Gewissen 
von sich gesto&szlig;en hat, so f&auml;llt man auf allerlei Mittel, wenn 
man sich gleichwohl nicht will verachten lassen; aber ohne Befolgung diese 
Rats ist eben nicht gr&uuml;ndlich zu helfen. Paulus aber legt Timotheus 
Manches hin: Auf deine Worte lauert nicht nur die geh&auml;ssige Welt, 
sondern auch unter Gl&auml;ubigen k&ouml;nnen sich so Schwache finden, 
die suchen ihren eigenen Gewohnheiten leichter nachzuh&auml;ngen, wenn 
sie an ihrer Lehrer Wort und <i>Wandel</i> 
Etwas bemerken, das ihnen dazu aufhilft. Wer dergleichen <i>&Auml;u&szlig;erliches</i> 
nicht sonderlich achten wollte, der k&auml;me dar&uuml;ber auch vom <i>Innerlichen</i> 
ab. Was hat uns Salomo zur Bewahrung unseres Mundes aufgegeben? Wie hat 
es aber Der, so mehr ist als Salomo, noch h&ouml;her getrieben? <i>(Matth 
12, 36 f.)</i>. An der Liebe ist mehr gelegen, als mit Engelszungen 
reden k&ouml;nnen <i>(1.Kor. 13, 1)</i>. 
An der Willigkeit, sich vom Geiste GOttes leiten zu lassen, vom Weltgeist 
sich zu entfernen, an der Inbrunst im Geist, die nicht tr&auml;ge werden 
l&auml;&szlig;t, ist auch viel gelegen. Wenn der Glaube so zwischen anderen 
zur Christenkraft geh&ouml;rigen St&uuml;cken steht, da wird damit nicht 
sowohl auf die - zum Ergreifen der Vergebungsgnade n&ouml;tige Untert&auml;nigkeit, 
als vielmehr auf die ganze Treue gesehen, womit man sich unter Ehre und 
Schande, unter guten und b&ouml;sen Ger&uuml;chten an GOtt h&auml;lt. <i>Keuschheit</i> 
setzt der Apostel besonders auch wegen Timothei Jugend hinzu. &Uuml;ber 
Pauli Abwesenheit konnte es manchen Anstand, schweren Vorfall in Timothei 
Amts = und Christenlauf geben; da weist er ihn dann an getreue Ratsleute: 
im <i>Worte</i> GOttes wirst du immer 
&uuml;ber Alles Bescheid finden. Darum <i>halte 
nur an mit Lesen</i>, f&uuml;r dich und auch in der Gemeinde. Die Schrift 
und ganze B&uuml;cher derselben seinen Zuh&ouml;rern bekannt machen, und 
zum Verstand und Gebrauch derselben Handreichung tun k&ouml;nnen, ist ein 
Hauptst&uuml;ck unseres Amtes. Denn zum Wort GOttes in der Schrift sind 
wir als die lebendigen Stimmen zugeordnet. <i>Anhalten 
mit Lesen</i> ist auch zu k&uuml;mmerlicher Zeit, wo sonst manche andere 
Erbauung abgeschnitten wird, doch die <i>Arche</i>, 
in deren die Seelen noch erhalten werden, und Viele, die mit uns eben denselben 
teuren Glauben empfangen haben, retten sich mit dem, da&szlig; sie noch 
am Lesen anhalten k&ouml;nnen. Aber auch, wo man alle Freiheit zum sonstigen 
Lehren hat, mu&szlig; das Lesen der Schrift die Hauptquelle bleiben. Ermahnen, 
Lehren sind die Ausfl&uuml;sse &uuml;ber Andere, die aber einen steten 
Zuflu&szlig; aus Wort GOttes und Gebet haben wollen. Es ist nicht das Predigt 
= Studieren allein, sondern es mu&szlig; einer t&auml;glich sein und Anderer 
Herz aus dem Worte GOttes studieren. &Uuml;ber der langen Zeit, &uuml;ber 
mancher Not und Ratlosigkeit kann es einem aus der Stimme kommen, oder 
auch &uuml;ber einer falschen Vergn&uuml;gsamkeit an dem Gang, in welchem 
es nun einmal steht, kann man vom Erwecken und Fortschreiten abkommen. 
Bei Timothei Ordination und Einsegnung, die ihm vorderst von Paulus selbst 
widerfuhr <i>(2.Tim. 1, 6)</i>, wozu 
aber auch mehrere &Auml;lteste m&ouml;gen beigetreten sein, sind auch manche 
Weissagungen <i>(V.14)</i>, und vom Geist 
GOttes erweckte gute Vermutungen seinethalben kund geworden. Wie sich noch 
jetzt bei unserer Geburt, Auferziehung, Vorbereitungs = Jahren, Amtsantritt 
Manches ergibt, das eine Frage veranla&szlig;t: Was meinst du will aus 
dem Kindlein werden <i>(Luk. 1, 66)</i>? 
Da k&ouml;nnen denn auch zuweilen gesegnete Erinnerungen vorgehen, was 
einem GOtt von Kindesbeinen an f&uuml;r Anzeigen gegeben, da&szlig; er 
einen zu seinem Dienst ausgesondert habe. An dem <i>Umgang</i>, 
zu dem Paulus anweist <i>(V.15)</i> kann 
man seine ganze Lebenszeit genug haben, aber dadurch auch von manchem anderen 
Umgang abgezogen werden. Unter mehr Furcht vor besorgtem Abnehmen und Stillstehen 
kommt man in das <i>Zunehmen</i>. <i>Acht 
haben auf sich selbst</i>, und die Lehre l&auml;&szlig;t sich nicht 
trennen. Mit dem Eifer f&uuml;r die Lehre l&auml;&szlig;t sich die Vers&auml;umnis 
in der Achtsamkeit auf sich selbst nicht bedecken. Naturkraft f&auml;ngt 
oft Vieles an; allein sie l&auml;&szlig;t uns stecken. In Glaubenswerken 
kann man beharren. Welch gro&szlig;er Zweck, sich selbst und die uns h&ouml;ren, 
selig machen! O GOtt, la&szlig; mich hierin nicht leer ausgehen! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Timotheus 5,1-8</font></b></h4> 
 
<p><b>Mit welcher Vorsicht und gemachten guten Unterschied das 
Amt gef&uuml;hrt werden m&uuml;sse, es betreffe entweder Irrende, die man 
zu bestrafen und zurecht zu weisen, oder aber Betr&uuml;bte und Verlassene, 
die man zu tr&ouml;sten und zu beraten hat.</b> 
 
<p>Ein &ouml;ffentliches Amt ist und hei&szlig;t, wo man 
mit vielen Personen zu tun bekommt, die sich zwar um ihres Standes willen 
nicht von dem den Lehrern schuldigen Gehorchen entziehen sollen, aber doch 
Jeder eine seinem Alter und &uuml;brigen Umst&auml;nden gem&auml;&szlig;e 
Behandlung erwarten kann. Die <i>Alten</i> 
hat GOtt den J&uuml;ngeren so ernstlich zur Ehrerbietung empfohlen <i>(3.Mo. 
19, 32)</i>. Das soll sich auch bis in Amtssachen erstrecken. Auch &uuml;ber 
J&uuml;ngere soll es nicht herrschs&uuml;chtig, sondern br&uuml;derlich 
hergehen. Ein Schulkind sp&uuml;rt es, ob man nur seine Autorit&auml;t 
gegen ihm behaupten will, oder ob man redlich sein Bestes sucht. Wir sind 
Gehilfen der Freude <i>(2.Kor. 1, 24und 
13, 7 ff.)</i>, und sollen daher keine Freude am Strafen haben. &Uuml;ber 
dem n&ouml;tigen Umgang mit so nach Geschlecht und Stand unterschiedenen 
Personen kommt man freilich ins Gedr&auml;nge, und man kann nicht immer 
mit sich selbst, und wie man es etwa angreift, zufrieden sein, sondern 
mu&szlig; sich oft vor dem HErrn dem&uuml;tigen. Aber die Frage an Petrum: 
Hast du mich lieb? entscheidet manche beim Weiden der Schafe oder L&auml;mmer 
vorkommende Schwierigkeit. Die Natur f&auml;llt sonst immer zwischen einer 
strengen und einer l&auml;ppischen Behandlung herum und hinum, wenn man 
sich nicht mit GOttes Wort waffnet. - <i>Witwen</i> 
halten sich sonst leicht f&uuml;r verachtet und zur&uuml;ckgesetzt, das 
Wort GOttes aber zieht sie h&auml;ufig hervor, und befiehlt sie zu ehren, 
zu besuchen, und hierunter seinen vom Weltsinn unterschiedenen Christensinn 
zu bew&auml;hren. Doch mu&szlig; solche Ehre auch ihren Grund haben, und 
man mu&szlig; sie als von GOtt in das Kreuzgeheimnis Gezogene ansehen k&ouml;nnen. 
&Auml;u&szlig;erlich kann man oft nicht Einem Ehrenbezeugungen machen, 
wie dem Anderen: Aber der Christensinn hat noch viele andere Arten, seine 
Ehrerbietung zu &auml;u&szlig;ern. Timotheus sollte die Witwen ehren, damit 
er sich aus ihnen Gehilfinnen aussuchte, die an ihrem Geschlecht dem Evangelio 
mit Segen dienten. Darin liegt viele Amtstreue, ob man gern und mit Ehrerbietung 
gegen Andere die Gnade und Gabe sieht, wodurch Andere das ausrichten, was 
nicht durch einen allein geschehen kann. Timotheus war selbst so eine unter 
der Gro&szlig;mutter Lois und der Mutter Eunike aufgewachsene Pflanze; 
desto leichter konnte er an diesem Muster pr&uuml;fen, was er f&uuml;r 
Witwen habe, und wie sie es im g&ouml;ttlichen Regieren ihrer H&auml;user 
treffen. &Uuml;brigens scheint es fast, es seien da der Witwen und ihrer 
Kinder und Nachkommen Pflichten so in einander geflochten, da&szlig; das 
Eine, <i>das g&ouml;ttliche Regieren der 
H&auml;user</i> auf die Witwen, und das Andere, <i>das 
Gleiches vergelten den Eltern</i>, auf Kinder und Neffen gehe; und weil 
sie beiderseits dazu keinen Hausvater und Anf&uuml;hrer haben, so sollten 
sie das an einander selbst lernen. Wo man aber ohne Kinder und Nachkommen 
in v&ouml;llige Einsamkeit gesetzt ist, da soll man sich um so mehr eines 
ganz eingezogenen Lebens beflei&szlig;igen. 
<i>Seine 
Hoffnung auf GOtt stellen</i>, kommt zwar allen Christen zu; denen aber 
desto mehr, die von Anderen abgeschnitten sind, auf was man sonst noch 
seine Hoffnung stellen kann. Der <i>Grund</i> 
zur Witwenhoffnung liegt in so vielen Verhei&szlig;ungen GOttes <i>(Ps. 
68, 8 und 146, 9; Jak. 1, 27; 2.Mo. 22, 22 ff.).</i> Einsamkeit und 
Stille tr&auml;gt viel zur F&ouml;rderung des <i>Gebets</i> 
aus. Man sehe der Hanna Beispiel <i>(Luk. 
2, 35)</i>. In Woll&uuml;sten zu leben kann auch eine Witwe oft durch 
die Beredung einer guten Lebensart, oder durch die Hoffnung, es gereiche 
zu der Seinigen besserem Fortkommen, verleitet werden: Aber es ist eben 
nach dem <i>Fleisch</i> gelebt, und nicht 
nach dem Geist; aber nicht nach dem Geist gelebt und nach Allem, wozu ein 
Licht und Kraft des Geistes geh&ouml;rt, hei&szlig;t die Schrift <i>tot</i>. 
Auch nur dergleichen zu gebieten, erforderte einen unter der Zucht und 
Bet&auml;ubung gehaltenen Leib. Es ist nicht nur um des weiblichen Geschlechts 
willen not, da&szlig; darunter ein Salz von solchen erhalten werde, die 
<i>untadelich</i> 
sind, sondern auch im anderen Geschlecht gibt es der Versuchungen weniger, 
wenn das ernste Vorsicht geschieht. <i>Wer 
aber die Seinigen nicht versorgte</i>, sondern sie auf das &ouml;ffentliche 
Almosen, und den Unterhalt davon verweisen wollte <i>(V.16)</i>, 
der <i>verleugnete</i> damit den Glauben 
und dessen t&auml;tige Liebe, da doch die Natur und der darein gelegte 
Trieb einen <i>Heiden</i> zu solcherlei 
Liebe und dankbaren Wiedervergeltung dringt. Dieser Spruch wird oft gegen 
seinen Sinn von dem angezogen, was die Eltern, sonderlich wo sie Macht 
zu helfen haben, f&uuml;r die Ihrigen und zu Ihres Wohlstandes Gr&uuml;ndung 
tun; und mu&szlig; sich oft manches Sch&auml;tzesammeln, oder anderer ungerechte 
Voraus, den man den Seinigen zuwendet, mit diesem verdrehten Wort entschuldigen 
lassen. Nach seinem wahren Sinn aber sollte dieser Spruch eher ein Same 
zu gro&szlig;m&uuml;tiger Verleugnung werden, unter der Hoffnung zu GOtt, 
da&szlig;, was man anf&auml;nglich zu verlieren scheine, das werde GOtt 
schon wieder finden lassen, und einem auf sein Alter von seinen in der 
Furcht des HErrn auferzogenen Kindern n&ouml;tige Hilfe bereiten. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Timotheus 5,9-16</font></b></h4> 
 
<p><b>Das weitere Anliegen des Apostels, in einer Gemeinde Alles 
so einzurichten, da&szlig; Ansto&szlig; m&ouml;glichst verh&uuml;tet, und 
die Abweichungen einiger Gemeindeglieder nicht der ganzen Gemeinde zur 
Last gelegt werden.</b> 
 
<p>Paulus bringt hiermit das Erw&auml;hltwerden einer Witwe 
in Ordnung, n&auml;mlich zum Genu&szlig; eines &ouml;ffentlichen Unterhalts 
von der Gemeinde gegen gewisse Dienste, so sie an Personen ihres Geschlechts, 
oder an Kranken, Gefangenen in solchen Umst&auml;nden zu leisten hatte, 
wo der Dienst einer Weibsperson dazu tauglich war. Die Bestimmung der Jahre 
(60) nimmt der Apostel von der <i>Natur</i> 
und in den Gliedern insgemein gebrochenen Gewalt her; im Folgenden aber 
kommt er auch auf die Gnade, und zeigt, in welchen Fr&uuml;chten dieselbige 
zu erkennen sein m&uuml;sse. Doch sieht man aus der Bestimmung des Alters, 
da&szlig; man in solchen Dingen, wo die Natur und ihre Reizungen viel verderben 
k&ouml;nnten, auch darauf viel zu sehen habe. Wie Viele sind nicht so bescheiden 
und billig mi&szlig;trauisch gegen sich selbst, meinen vielmehr, wenn sie 
von der Gnade ergriffen sind, solle man um der Natur willen kein Mi&szlig;trauen 
mehr in sie setzen. Auch hier setzt der Apostel etwas darein, da&szlig; 
sie eines Mannes Weib gewesen sei, also in rechtm&auml;&szlig;iger Ehe 
gelebt, auch von ihren Jugendjahren her keinen Vorwurf habe, da&szlig; 
sie ihren Leib Mehreren gemein gemacht h&auml;tte; die auch durch keine 
leichtsinnige Ehescheidungen an mehrere M&auml;nner gekommen ist, sondern 
eben dadurch, da&szlig; sie in eines Mannes Gemeinschaft geblieben ist, 
auch einen Beweis gegeben hat. Wo die ganze Gemeinde, wo die Lehre Christi 
unter etwas Schaden oder L&auml;sterung zu leiden haben k&ouml;nnte, da 
sollte man es ganz genau nehmen, und das <i>Zeugnis</i> 
sorgf&auml;ltig pr&uuml;fen; solches Zeugnis auch mehr aus einer jeden 
(Witwe) eigenen Werke, als den empfehlenden Worten und Schrift hernehmen. 
Die <i>Werke</i>, in die sich der Christensinn 
bei einer Hausmutter treiben konnte, werden auch wieder schicklich eingeteilt. 
Beim Kinderzeugen und Auferziehen wird auf den Erweis der Liebe gesehen, 
wozu auch noch in der Natur viel Trieb liegt, und woraus also auf ein mildes, 
durch den Weltsinn nicht gar zu viel verdorbenes Naturell zu schlie&szlig;en 
ist. Davon schreitet es beim <i>Gastfreisein</i> 
auf die Ausbreitung der Liebe auch &uuml;ber Fremde fort. Dann kommt es 
noch auf tieferes Eindringen in Christi Sinn, wo man sich an den <i>Heiligen</i> 
auch der geringsten Dienste nicht sch&auml;mt, und die Heiligen auch f&uuml;r 
das, was sie sind erkennt, wenn sie GOtt wunderlich f&uuml;hrt, und unter 
die Decke <i>tr&uuml;bseliger</i> Umst&auml;nde 
hinuntersteckt. In guten Werken sollten freilich M&auml;nner vorangehen, 
doch Andere auch mit nachkommen, nicht zur&uuml;ckbleiben. Es kann kein 
gutes Werk von ausgebreitetem Nutzen ausgef&uuml;hrt werden, wo nicht auch 
Anderer <i>Handreichung</i> dazu kommt. 
Wenn sich aber auch j&uuml;ngere Witwen zu solchem Werk im Dienst des HErrn 
anb&ouml;ten, und Andere ihnen mit Empfehlungen deshalb zu Statten kommen 
wollten; <i>so entschlage dich</i>. Es 
ist mehr auf die Lehre Christi in deren Zierde zu sehen, als auf alles 
Andere, das man uns anzusehen &uuml;berreden will. Anf&auml;nglich versprechen 
sie viel, wie sie sich ganz an Christum ergeben, und in seinem Dienst verzehren 
wollen: aber wenn sie damit einen bequemen Unterhalt, ein sorgenfreieres 
Leben erlangt haben, so wenden sie das nicht f&uuml;r Christum, und zur 
Zierde seiner Lehre an, sondern wider Christum nehmen sie sich des Leibes 
und seiner Pflege so an, da&szlig; darunter die L&uuml;ste aufzuleben Gelegenheit 
gewinnen. Vorher w&auml;re ihnen ehelich zu werden immer frei gestanden; 
aber nachdem sie einmal solchen Beruf eingegangen: so ist das <i>Freienwollen 
ein Zur&uuml;cknehmen ihres</i> vorher bezeugten <i>Glaubens</i>. 
Man wird sie nicht gerade mit einem Gel&uuml;bde angestrengt haben, wie 
jetzt bei Klostergel&uuml;bden geschieht, doch haben sie, wie Jeder, der 
in ein Amt eintritt, einen Verspruch von sich gegeben, und haben dabei 
auch ihre erste zu Christo und seiner Nachfolge gewonnene Liebe verpf&auml;ndet. 
Mit Haushaltungslast und Gesch&auml;ft war eine solche Witwe bei solchem 
Beruf nimmer belegt, und wenn sie anfing und gewohnte, das, was ihr oblag, 
t&auml;ndelhaft zu treiben, so wurde sie <i>faul</i>. 
<i>Hausbesuch</i> 
mit Salz und Kraft, waren ihr aufgegeben; aber ohne dieses artete es in 
<i>Umlaufen</i> 
aus. So blieb bei allem Weiteren auch ein Vorwand ihres habenden Auftrags, 
aber ohne Geist wurde aus dem, was Rat und Zuspruch sein sollte ein <i>Geschw&auml;tz</i>; 
was auf sorgf&auml;ltige Rettung und Abwendung der Gefahr und Versuchung 
eingerichtet sein sollte, ward in <i>Vorwitz</i> 
verwandelt; was amtlich und an seinem Ort behutsamlich geredet werden sollte, 
wurde <i>untauglich preisgegeben (Reden, 
das nicht sein soll)</i>. Nothalben und wohlmeinend tut der Apostel 
&uuml;ber j&uuml;ngere Witwen den Ausspruch: <i>ich 
will, da&szlig; sie freien</i> usw. Man sieht aber genugsam, da&szlig; 
es ihm dabei mehr um ein f&uuml;r sie zu Brechung der Lust und ihrer Gewalt 
n&ouml;tiges Joch, als um B&uuml;&szlig;ung der Lust zu tun ist. Ursache 
zu schelten sucht man, darum gilt es abschneiden. Die Kirchengeschichte, 
und was darin zu unserer Warnung vorkommt, soll man nicht vers&auml;umen. 
<i>Vermessen</i> 
ist es, wenn Jemand sagt: ja soll ich denn eines Anderen Beispiel entgelten? 
<i>Dem&uuml;tiger</i> 
ist es,, denken: was Anderen widerfahren, k&ouml;nnte mir auch begegnen. 
Anf&auml;nglich geht es freilich durch die reizende eigene Lust, und mithin 
nat&uuml;rlich zu, wie man so redet; aber bald schlagen sich Bezauberungen 
dazu, da&szlig; es dem Satan nachgeht. - Wenn man in ihren Familien sich 
solcher verwitweten Personen geh&ouml;rig annahm, so konnte man verh&uuml;ten, 
da&szlig; sie ihr Auge nicht so schnell auf dergleichen &ouml;ffentliche 
Versorgungen lenkten. Damit reichten den die Kr&auml;fte der Gemeinde eher 
hin, sich der <i>ganz verlassenen Witwen 
desto mehr anzunehmen</i>. O GOtt! was gut, und vor Dir angenehm ist, 
la&szlig; in allen St&auml;nden aufkommen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Timotheus 5,17-25</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel tut noch einiges zur Ordnung und Wohlstand 
einer bl&uuml;henden Gemeinde geh&ouml;riges hinzu, sonderlich die Vorsteher 
und Arbeiter betreffend, wie ihre Arbeit eines Lohns, aber noch mehr der 
Lohn und ganze Beruf auch der Arbeit und aller gewissenhaften Sorgfalt 
bei Bestellung und Verrichtung solcher &Auml;mter wert sei.</b> 
 
<p>Paulus redet hier ein Wort zu Gunsten derer, die <i>wohl 
vorstehen</i>, wenn es schon von ungetreuen Arbeitern hernach auch zum 
Vorwand mi&szlig;braucht werden kann. Der Apostel redet meist von Verschaffung 
des n&ouml;tigen Unterhalts. Doch, weil es hierbei nicht gezwungen, nicht 
blo&szlig; Schanden halber hergehen soll, sondern aus &Uuml;berzeugung 
von dem Nutzen, den sie schaffen, so setzte der Apostel voran, da&szlig; 
man sie <i>in Ehren halten</i> solle. 
Um dem Wort und der Lehre nirgends keinen Ansto&szlig; zu machen, mu&szlig; 
sich ein Lehrer mancher Vorteile begeben; desto billiger ist es, da&szlig; 
man ihm seine Notdurft besorgt. Die Schrift ist auch hierin unsere beste 
F&uuml;rsprecherin. Mit dem Worte GOttes stehen und fallen wir. Mit dem 
wollen wir uns auch leiden, und es nicht besser haben wollen, als es dem 
Worte GOttes selbst in der Welt ergeht. - Wie GOtt diesem immer wieder 
Raum und wert verschafft, so werden es auch die - an demselben haltenden 
Diener zu genie&szlig;en haben. Der Ausspruch: <i>ein 
Arbeiter ist seines Lohnes wert</i>; ist aus JEsu Mund gegangen: Der 
Apostel zieht ihn aber schon als <i>geschrieben</i> 
an. Paulus war sonst in diesem St&uuml;ck f&uuml;r seine eigene Person 
so nachgiebig; aber eben deswegen kann er nun ein desto fruchtbareres Wort 
reden. Da hilft es weniger, wo das Eigengesuch so hervorsticht. Wer sich 
durch Verleugnung wohl an den Gewissen beweist, der kann ein Wort reden, 
das man nicht so schlechterdings absch&uuml;tteln kann. Auch die wohl vorstehen, 
sind nicht vor aller &uuml;bler Nachrede gesichert. Darum mu&szlig; man 
&uuml;berhaupt nicht auf <i>Klagen</i> 
verpicht sein, wie wenn es einen freute, da&szlig; man nur einmal eine 
Sache an Jemand h&auml;tte. Einem Herzen, das in der Liebe steht, und sich 
der Wahrheit freut, tut es vielmehr weh, wo ihm etwas Widriges zu Ohren 
kommt. Die zwei oder drei Zeugen m&uuml;ssen keine, wie in der Leidensgeschichte 
JEsu zusammengesuchte und aufgetriebene, falsche Zeugen sein. Zeugnisse 
wider Christum und die Seinigen sucht man geflissen auf, und von dem, was 
f&uuml;r sie w&auml;re, tut man, als w&uuml;&szlig;te man nichts. Doch 
beugt auch hier wider der Apostel einem Abweg vor, wenn man gar zu sch&uuml;chtern 
werden wollte, etwas zu bestrafen; und sagt: Was einmal unstrittig und 
vor Anderen zum &Auml;rgernis kund worden ist, das erfordert um der Ehre 
GOttes und Anderer Rettung willen auch ein &ouml;ffentliches Zeugnis; doch 
nach den - vom lieben Heiland bed&auml;chtlich gesetzten Stufen <i>(Matth. 
18, 15 ff.)</i>. So lange man freilich noch eine <i>Gemeine</i> 
hatte, d. i. von Allen, die sich zur Gemeinde hielten hoffen konnte, da&szlig; 
es ihnen um ihre und Anderer Seelenrettung zu tun sei, so ging Manches 
leichter. Jetzt behandelt man Alles auf den Weltfu&szlig;, und was man 
auf die Kanzel bringt, das nimmt man nimmer als eine &Uuml;berzeugung, 
sondern als eine Beschimpfung auf. Die Welt h&auml;lt es f&uuml;r einen 
Sieg, da&szlig; sie &ouml;ffentliche Stimmen der Religion einmal so weit 
eingeschr&auml;nkt habe; aber es ist eigentlich ein Gericht &uuml;ber sie. 
Weil sie und ihre V&auml;ter sich die vorigen Zeugnisse der Wahrheit nicht 
besser zu nutz gemacht haben, so klebt nun den neueren Zeugen die Zunge 
oft so am Gaumen, da&szlig; sonderlich unser Strafamt den Geist der alten 
Zeugen nimmer erreicht. Es kann einen geschwind ankommen, diesem und jenem 
etwas zu lieb oder zu leid zu tun: aber man mu&szlig; bed&auml;chtlich 
handeln, und bedenken, was dem Willen GOttes gem&auml;&szlig; ist. Im Stande 
der Kirchenvorsteher hat es deshalb auch seine eigene Versuchungen, und 
man setzt einem oft von allen Seiten her gewaltig zu, da&szlig; man straucheln 
und fallen solle. Deswegen ist es von Alters her dem Stamm Levi in seinen 
Staat gesetzt worden, da&szlig; vom Ansehen der Person frei sein m&uuml;sse, 
wer Andere GOttes Rechte lehren wolle <i>(5.Mo. 
33, 9)</i>. Ja, wer ist hierzu t&uuml;chtig? Wem es um Wahrheit zu tun 
ist, der bekommt schon auch eine Bewahrung aus dem Unsichtbaren <i>(Sach. 
3, 7)</i>. Paulus legt es dem Timotheus wie eine <i>Eidformel</i> 
auf das Gewissen, da GOttes und des HErrn JEsu Christi wachsames Richterauge, 
und des ganzen himmlischen Heeres Aufmerksamkeit &uuml;ber ihn erweckt 
wird, samt dem Licht des Tages, daran die Engel alle &Auml;rgernisse aus 
dem Reiche Christi hinausschaffen werden. <i>H&auml;nde 
= Auflegen</i> geschah meist bei Erw&auml;hlung und Einsetzung in ein 
&ouml;ffentliches Amt. Durch &Uuml;bereilung hierin und in anderen Sachen 
kann man <i>sich mancher fremder S&uuml;nden 
teilhaftig machen</i>. Es liegt unter dem heutigen Treiben auf mehr 
gesellschaftliches Leben viel Versuchung zu gemeinschaftlichen S&uuml;nden. 
Bei ansteckenden Seuchen ist es nicht vortr&auml;glich, wenn die Leute, 
ob sie schon einander alles Gute g&ouml;nnen, h&auml;ufigen Umgang miteinander 
haben. Und so mu&szlig; in unseren Zeiten neben aller Vertr&auml;glichkeit 
und Geduld doch auch ein billiges Mi&szlig;trauen und die n&ouml;tige Wachsamkeit, 
nicht in S&uuml;ndengemeinschaft zu geraten, aus GOttes Wort gepflanzt 
werden. Die Weisheit von oben ist aufs erste keusch <i>(Jak. 
3, 17)</i>. Wer darin nicht an sich halten lernt, der gewinnt gewi&szlig; 
auch im anderen das geh&ouml;rige Geschick nicht. Wachsamkeit &uuml;ber 
ein Glied, Zunge, Augen, Nieren zieht immer auch eine Macht &uuml;ber den 
ganzen Leib nach sich. Vers&auml;umnis in Einem spielt einem auch das Regiment 
&uuml;ber das Andere aus der Hand. Die <i>kr&auml;nklichen</i> 
Leibesumst&auml;nde k&ouml;nnen auch in unsere Amtsf&uuml;hrung, den n&ouml;tigen 
Mut, einen vortr&auml;glichen oder hinderlichen Einflu&szlig; haben. Darum 
darf man sich nicht wundern, da&szlig; Paulus gegen den Timotheus, auch 
die Sorge f&uuml;r seine Gesundheit ber&uuml;hrt. Auch kann der Apostel 
im Angedenken gehabt haben, wie er keinen habe, der so gar seines Sinnes 
sei wie Timotheus, und wie selten bew&auml;hrte Arbeiter zu bekommen seien, 
und also ihm auch aus diesem Grund solche Erinnerung gegeben haben, damit 
er seiner nicht vor der Zeit beraubt werde. F&uuml;r Timothei bekanntlich 
sch&uuml;chternes Gem&uuml;t tut der Apostel noch ein Gedulds = und Trostwort 
hinzu. N&auml;mlich wenn es einen in das Gedr&auml;nge bringt, da&szlig; 
man auf der einen Seite nicht durch leichtgl&auml;ubiges und gef&auml;lliges 
Wesen sich fremder S&uuml;nden teilhaftig mache; auf der anderen Seite 
aber auch nicht zu mi&szlig;trauisch und r&uuml;ckhaltig werde, und sich 
denen entziehe, an denen man doch noch ein Gehilfe der Wahrheit werden 
k&ouml;nnte; so sagt der Apostel: Man kann einem freilich nicht Alles zum 
Voraus bestimmen, weil sich das gar unterschiedlich verh&auml;lt. Einige 
zeigen sich in ihrem unlauteren Grund bald, da&szlig;, sie zu richten, 
zu meiden, sich vor Gemeinschaft mit ihren S&uuml;nden zu bewahren, nicht 
schwer ist. Andere aber k&ouml;nnen ihre Unart l&auml;nger verbergen, ihr 
b&ouml;ses Tun schm&uuml;cken, da&szlig; man sie zu meiden, oder mit einem 
Gesuch zur&uuml;ckzuweisen, nicht so bald vollen Grund hat. Doch wenn man 
nur nicht schnell ist, so kann man schon noch etwas auswarten. Und so leuchtet 
auch Mancher Licht, da&szlig; man mit Lobe GOttes ihre guten Werke sehen 
kann, und sich sonst mit vertrauen zu ihnen zuneigen keinen Anstand nehmen 
darf. Anderen ist es zwar auch um Wahrheit zu tun, es haftet aber doch 
von ihren vorigen Gewohnheiten her etwas Unansehnliches an ihnen; oder 
es liegt ein gewisses Vorurteil auf ihnen, oder sie sehen nicht genug auf 
den Flei&szlig;, sich Anderen zur Besserung gef&auml;llig zu machen. Da 
m&uuml;ssen besondere Schickungen kommen, bis ihr in GOtt getanes Werk 
offenbar wird. Bei so viel Licht wird man sich immer zu folgenden wohlbed&auml;chtlichen 
Schritten gest&auml;rkt finden: 
 
<ol> 
 
<li> 
Gegen der Welt und ihren Unflat wird man nicht gleichg&uuml;ltig; 
durch die Weltf&ouml;rmigkeit sich in denselben einflechten zu lassen, 
nicht nachgiebig, zur Gegenwehr gegen ihr S&uuml;ndengemeinschaft nicht 
verzagt. Aber auch</li> 
 
<li> 
sich mit falschen Leuten und ihrem Geist eine Weile leiden 
nicht verdrossen, bis sie sich selbst verraten. Doch tut man</li> 
 
<li> 
nicht, als ob gar Niemand mehr zutrauen w&auml;re, sondern 
lernt doch immer das, was auf JEsu Christo hergr&uuml;nt und Wurzel hat, 
von dem unterscheiden, was so schnell wieder einschl&auml;gt; ist endlich 
auch</li> 
 
<li> 
nicht verdrossen, sch&uuml;chterne Herzen aufzusuchen, und 
das, was von Christi Sinn an ihnen ist, aus dem Schutt aufzuheben, und 
zum gemeinen Nutzen zu bringen. Damit entrei&szlig;t man sich den Versuchungen 
dieser Zeit und dem jetzigen Weltsinn, der vor allem noch so offenbaren 
Werken des Fleisches das Auge zu tut, und nicht meint, da&szlig; man es 
mehr als einen Unflat zu meiden habe, sondern sich von den - dar&uuml;ber 
her gebreiteten Fetzen eines guten Charakters m&uuml;sse blenden lassen. 
Wobei man</li> 
 
</ol> 
 
<ul> 
 
<li> 
alles Geschick verliert, die zu pr&uuml;fen, die nicht dem 
HErrn Christo, sondern ihrem Bauch dienen, vielmehr wird man von deren 
ihren pr&auml;chtigen Worten eingenommen; woraus</li> 
 
<li> 
auch der Schade entsteht, da&szlig;, je leichtgl&auml;ubiger 
man gegen der Welt und ihren Kindern ist, desto weniger k&ouml;nnen sich 
Kinder des Lichts mit Offenbarung der Wahrheit an unser Gewissen wohl beweisen; 
und</li> 
 
<li> 
wie Alles in der heutigen Zeit auf den Schein, auf Gaben, 
auf brillante Talente abgerichtet ist: so will man auch im Hause GOttes 
solche gl&auml;nzende Gef&auml;&szlig;e haben, und ger&auml;t in die Gefahr 
sich mit manchem scheinbaren B&ouml;sen zu vermengen, und hingegen manches 
unscheinbare Gute wegzusch&auml;tzen.</li> 
 
</ul> 
 
<b>Ach da&szlig; sich m&uuml;&szlig;ten zu mir halten, die 
Dich f&uuml;rchten.</b> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Timotheus 6,1-2</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel gibt dem Timotheus die k&ouml;stlichen Gr&uuml;nde 
an, mit denen er auch allen im Hausstand vorkommenden Irrungen am besten 
begegnen, und den f&uuml;r das Evangelium sonst zu besorgenden Ansto&szlig; 
abwenden k&ouml;nne.</b> 
 
<p>Auch mit Knechten macht sich GOtt in seinem Wort und himmlischen 
Beruf viel zu tun; deswegen ist es auch f&uuml;r einen Arbeiter am Wort 
und an der Lehre ein wichtiges Augenmerk, solcherlei Personen zurechtzuweisen, 
und sie aus dem Geduld = und Trostwort der Schrift in einer gesunden Christenhoffnung 
zu unterhalten. Hat doch der Engel des HErrn, oder vielmehr der schon damals 
im Suchen des Verirrten besch&auml;ftigte Sohn GOttes selbst, es &uuml;bernommen, 
die in der Ungeduld von ihrer Frau Sarah weggelaufene Hagar zurechtzuweisen 
<i>(1.Mo. 
16, 7 - 9)</i>. Unter dem Joch sein, hei&szlig;t, Kraft des Gegensatzes, 
die gl&auml;ubige Herren haben, soviel, als unter heidnischer Herrschaft 
stehen, und von derselben h&auml;rter gehalten werden. Das Christentum, 
und die darin allen Menschen erschienene Gnade GOttes, hat gleichwohl in 
diesem St&uuml;ck viel gemildert, nicht durch das Emp&ouml;ren der Knechte, 
sondern da&szlig; der Herrschaften Herzen durch das Lernen von dem Sanftm&uuml;tigen 
und dem&uuml;tigen Lehrmeister milder geworden sind. Aber auch wo das noch 
nicht war, und Knechte noch das ganze Joch der Leibeigenschaft zu tragen 
hatten, da will doch der Apostel zu allem Rechtschaffenen deswegen den 
Grund tief mit der Einsicht von der Herrschaft Recht, und der Knechte Pflicht, 
gelegt haben; wo man sich aber einmal gew&ouml;hnt, nur auf die Fehler 
zu sehen, oder einen Witz dahinter sucht, wenn man auch das Gute auf eine 
zweideutige Seite drehen kann: da gr&auml;bt man der Ehrfurcht ihre beste 
Wurzel ab, dar&uuml;ber gibt es einen elenden Dienst vor Augen, ohne Geradheit 
des Herzens. Diesfalls mu&szlig; jeder auf seine eigene Herrschaft allermeist 
sehen, und es der Treue GOttes zutrauen, da&szlig; man nicht ohne ihre 
weise Leitung zusammen gekommen sei. Das viel vergleichen mit anderen Herrschaften, 
die L&uuml;sternheit zu &ouml;fterem Wechseln macht nichts Gutes. Besonders, 
wenn ein Knecht an einem solchen Ort vom himmlischen Beruf ergriffen worden 
ist, sollte er nach des Apostels anderw&auml;rtiger Anweisung <i>(1.Kor. 
7, 21 ff.)</i> der Gnade auch trauen, da&szlig;, in welcherlei Umst&auml;nden 
sie ihn ergriffen habe, in den n&auml;mlichen werde sie ihn auch bewahren, 
bis an das Ende. Das ist ein gro&szlig;er Grund zur Ehrerbietung, wenn 
man von einer Herrschaft denken kann: Du hast dich doch in ihrem Dienst 
bekehren k&ouml;nnen, und man hat dir Ruhe und Freiheit dazu gelassen. 
Hingegen kann sich auch jeder Dienstbote durch sein Betragen ehrenwert 
machen <i>(Luk. 7, 2)</i>, was er sich 
vom Bilde GOttes hat eindr&uuml;cken lassen, das verschafft, da&szlig; 
ihn Andere nicht ohne innere Hochachtung ansehen k&ouml;nnen. Der Name 
GOttes ist bei unserer Taufe auf uns gelegt worden, und soll nun durch 
unser Bekenntnis mit Wort und Werk geehrt werden, wie einem wohlgeratenen 
Kind nichts z&auml;rtlicher anliegt, als seines Vaters Name; so einem Kind 
GOttes der Name GOttes. Unser Bezeugen schiebt man so gern auf die Lehre, 
und sagt gleich: so sind sie, so machen sie es, das lernen sie bei ihren 
Zusammenlaufen; darum kann der niedrigste Dienstbote dem Evangelium Schmach, 
aber auch Zierde zuziehen <i>(Tit. 2, 9 
- 10)</i>. Manche Knechte konnten aber gl&auml;ubige Herren haben, und 
da durfte Niemand wider GOttes ungleichen Austeiler hinein murren. Da k&ouml;nnte 
einer durch Betrug der S&uuml;nde etwas f&uuml;r einen geziemenden Gebrauch 
seines Christenrechts ansehen, aber der Apostel nennt es mit dem rechten 
Namen, da&szlig; eine Selbsterhebung und also Verachtung Anderer dahinter 
stecke. So hat es immer Leute gegeben, die das Christentum deswegen studiert, 
damit sie fein w&uuml;&szlig;ten, was sie einander auf Rechnung desselben 
zumuten, oder wie sie sich mit Anderen ins Gleiche setzen d&uuml;rften. 
Die Natur will sich eben immer auf den Thron setzen, und das Ihre suchen, 
nicht das, was des Anderen ist. Herren die des Glaubens und also auch der 
Liebe GOttes Kraft an ihren Herzen erfahren haben, werden dadurch auch 
zur Lindigkeit geneigt, daher soll Alles der Wohlt&auml;tigkeit die Hand 
bieten, oder zu dem Liebesregiment, das GOtt gern durch das Evangelium 
aufrichten m&ouml;chte, behilflich sein; und ja kein Teil den anderen durch 
Mi&szlig;brauch wider auf h&auml;rtere Gesinnungen und Verhandlungen treiben. 
Auch deswegen ist es f&uuml;r die im Lehrstand sich befindenden gut, da&szlig; 
sie das Joch in ihrer Jugend tragen <i>(Klagel. 
3, 27)</i>; wer sich selbst zur Unlittigkeit gew&ouml;hnt, kann das 
Lehren und Ermahnen bei Anderen nicht wohl treiben. In der Lehre mu&szlig; 
man mit der Wahrheit ohne Ansehen der Person hindurch, deswegen st&auml;rkt 
Paulus dem Timotheus die H&auml;nde dazu, von allen Seiten. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Timotheus 6,3-5</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel stellt dem Timotheo die Gefahr und das verderben 
derer vor, die nicht an der bisher bezeugten Wahrheit bleiben, sondern 
auch f&uuml;r Andere unbedachtsame F&uuml;hrer in die Verderbensgrube abgeben.</b> 
 
<p>Von hier an wendet es sich mit dem Brief zum Beschlu&szlig;; 
und dieser stimmt mit dem Anfang &uuml;berein <i>(Kap. 
1, 3)</i>. Die Wahrheit war jetzt durch den Brief aufs Neu von allen 
Seiten her bezeugt; wer auf anderem Sinn und Sprache bleiben wollte, den 
konnte nun der Apostel mit solchem Ernst von der Gemeinschaft der Heiligen 
abschneiden. Was man &uuml;ber den heilsamen Worten unseres HErrn JEsu 
Christi und &uuml;ber der Lehre der Gottseligkeit f&uuml;r mancherlei &Uuml;bung 
haben k&ouml;nne, um den Sinn derselben zu forschen, oder die davon versp&uuml;rte 
Kraft im Herzen zu bewahren, bei vorkommenden Versuchungen davon Gebrauch 
zu machen, dar&uuml;ber siehe <i>Psalm 119</i>. 
Da wird kein so fr&uuml;hzeitiges Sattsein aufkommen, &uuml;ber welchem 
so Viele nach etwas Anderem l&uuml;stern werden. Ein solcher wird verd&uuml;stert, 
oder eigentlich aufgeblasen, wie ein ungesunder K&ouml;rper von der Sch&auml;rfe 
und F&auml;ulnis seiner S&auml;fte aufschwillt, so socht einer an der Fragsucht 
aus, und kommt dar&uuml;ber um alles Licht und Leben aus GOtt. Den Abgang 
des rechtschaffenen Wesens will man doch mit etwas ersetzen, und sich in 
einem anderen Feld hervortun; dar&uuml;ber f&auml;llt man in Wortkriege. 
Diesen aber einen Schein des rechtes zu geben, eine Gefahr f&uuml;r die 
Kirche oder gar f&uuml;r den Staat vorzuspiegeln, f&auml;llt man auf b&ouml;sen 
Argwohn, den man anf&auml;nglich ins seinem eigenen Gem&uuml;t festsetzt, 
und ihn dann auch Anderen beibringt; eigentlich aber die Macht der Stimme: 
Ich bin JEsus, den du verfolgst, damit abtreibt. Anf&auml;nglich wenden 
sich die Menschen selbst von der Wahrheit zu den Fabeln oder anderem Nebengezeug; 
dar&uuml;ber trifft sie das gerechte Gericht, das sich ihnen das Licht 
entzieht. Dar&uuml;ber wird nach des Heilandes Ausdruck, auch das Licht 
in ihnen zur Finsternis, daher meinen sie auch, die Lehre, die eine Lehre 
zur Gottseligkeit sein soll, lasse sich drehen, wie es zum Gewerbe und 
Einkommen n&uuml;tzlicher sei. Mit der Freudigkeit eines guten Gewissens, 
das seinen Teil nicht bei ihnen sucht, kann man sich von solche tun, in 
dem ernstlichen Bedacht, da&szlig; sie der HErr JEsus selbst einst nicht 
f&uuml;r die Seinen erkennen, sondern als &Uuml;belt&auml;ter von sich 
treiben werde. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Timotheus 6,6-10</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel erkl&auml;rt sich noch umst&auml;ndlicher 
dar&uuml;ber, was ein schalkhaftes Auge, oder unreine Herzensabsicht, Gottseligkeit 
und ihre Lehre zum Gewerbe nach zeitlichen Vorteilen zu mi&szlig;brauchen, 
f&uuml;r Zerr&uuml;ttung anrichte, was man aber bei der Einfalt des Auges, 
oder bei einem lauteren gen Himmel gerichteten Sinn f&uuml;r einen erleichterten 
und von mancher selbstgemachten Plage befreiten Lebensgang haben k&ouml;nne.</b> 
 
<p>Gottseligkeit und ihre Lehre ist nicht zum Gewerbe, kann 
nicht, wie die Lehre mancher Weltweisen, nach steigenden oder fallenden 
Aspekten so gedreht werden, da&szlig; mehr Anhang, Ehre und Genu&szlig; 
davon gewonnen wird. Doch ist ein gro&szlig;er Gewinn dabei; sie ist an 
vieles Reichtums und Einkommens Statt; sie f&uuml;llt und stillt das Herz 
mehr als viel tausend Sch&auml;tze Goldes <i>(Psalm 
119, 14 / 36 - 37 / 56 - 57 / 127)</i>. Die Gottseligkeit bringt und 
pflanzt auch Begn&uuml;gsamkeit in da Herz. Darauf war Paulus besonders 
geschult <i>(Phil. 4, 11 - 13)</i>, darauf 
gr&uuml;ndete er auch viel Hoffnung seines vorz&uuml;glichen Amtssegens 
<i>(2.Kor. 
11, 7 - 10)</i>. Einer der &auml;ltesten Gr&uuml;nde zur Begn&uuml;gsamkeit 
ist unser Eingang und unser Ausgang aus der Welt <i>(Hiob 
1, 21)</i>; wer in unm&auml;&szlig;iger Sorgen, Geiz, Hab = und Haltbegierde 
ger&auml;t, der r&uuml;ckt sein Herz aus diesem Anblick: nackend lag ich 
auf dem Boden - nackend werde ich auch hinziehen. Wer r&uuml;ckw&auml;rts 
denkt und sieht, wie GOttes Hand seiner &auml;u&szlig;ersten D&uuml;rftigkeit 
von Mutterlaib an vorgeschafft habe, und wer vorw&auml;rts sieht, wie der 
Weg immer abk&uuml;rzt, und &uuml;ber denselben hinaus weiter nichts n&ouml;tig 
ist, der wird viel das Herz stillende Wahrheit darin antreffen. In Nahrung 
und Kleidern, die einem GOtt bei der Gottseligkeit zufallen zu lassen verhei&szlig;en 
hat, hat man wirklich genug, warum wollte man denn nicht auch dem Willen 
und der Begierde dabei ein Ziel setzen? Denn das Reichwerdenwollen ist 
doch eigentlich das Giftige, und fri&szlig;t, wie der Vergn&uuml;gsamkeit, 
so auch der Gottseligkeit, das Herzblatt ab. Ein Reicher kann in Armut 
des Geistes stehen, das ist, im Geist mit Geringsch&auml;tzung seines Reichtums 
bewaffnet sein; ein Armer aber kann durch das Reichwerdenwollen alle Vorteile 
seines Standes verschlagen. Das Wollen hat keine Grenzen mehr, wenn man 
die durch das Wort GOttes gesetzte einmal durchbricht. Mancher hat sich 
ein Ma&szlig; im verm&ouml;gen vorgenommen, und gedacht, wenn er es einmal 
so weit bringe, so wolle er sich begn&uuml;gen lassen; aber da er es nun 
l&auml;ngst dahin gebracht, so haben die gesammelten G&uuml;ter den Durst 
nach Weiterem entz&uuml;ndet. In Versuchung und Stricke zu fallen ist Niemand 
gef&auml;hrlicher, als Personen die in &Auml;mtern stehen <i>(Kap. 
3, 3 - 8 und Apg. 20, 30 - 33)</i>. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Timotheus 6,11-16</font></b></h4> 
 
<p><b>Welch ein ganz anderer Sinn und Bezeugen sich bei Timotheo 
finden soll, wobei Paulus vollends Alles anwendet, was seines Timothei 
Gewissen fassen konnte, da&szlig; er seinem ganzen Auftrag wacker nachkomme, 
ohne sich widrige Umst&auml;nde niederdr&uuml;cken zu lassen, ohne sich 
g&uuml;nstige Aussichten und guten Fortgang zu voreiligen Rechnungen und 
Hoffnungen aufblasen zu lassen.</b> 
 
<p>GOttesmensch, ein Name, den zwar Alle f&uuml;hren k&ouml;nnen, 
die GOtt in Christo angeh&ouml;ren, der aber in der Schrift denen besonders 
gegeben wird, die sich GOtt zu seinem Dienst an der Kirche gewidmet haben; 
die also freilich auch vorz&uuml;glich das, was g&ouml;ttlich ist, und 
nicht das, was menschlich ist, meinen, suchen und lieben sollen, mithin 
auch in einer sieghaften Geringsch&auml;tzung alles Zeitlichen stehen, 
ihre Hoffnung auf den lebendigen GOtt setzen sollen <i>(Kap. 
4, 10)</i>, aber auch ihren Wandel als im Hause des lebendigen GOttes 
zu f&uuml;hren haben <i>(Kap. 3, 15)</i>. 
Was braucht die Welt f&uuml;r schmeichelhafte Namen, f&uuml;r ungesunde 
Titulaturen; was liegt hingegen in den Ansprachen, so die Schrift braucht, 
f&uuml;r ein guter und anziehender Geruch! - Unter dem geschmeidigen W&ouml;rtlein: 
solches, fa&szlig;t nun der Apostel all` Obiges zusammen, den Geiz, die 
verfinsterten Absichten auf Reichwerdenwollen, die dadurch entstehenden 
t&ouml;richten und sch&auml;dlichen L&uuml;ste, den verkehrten Sinn, der 
auch Gottseligkeit und ihre Lehre, Amt und Amtsverrichtungen zu einem Gewerbe 
macht, dar&uuml;ber von den gesunden Worten unseres HErrn JEsu Christi 
abkommt, sich von denen, die daran halten, durch Streitigkeiten und b&ouml;sen 
Argwohn trennt; solches Alles fliehe, la&szlig; dich alle Beispiele Anderer 
nicht darein ziehen, halte dich auch in Gedanken nicht viel dabei auf; 
Flucht ist das Beste daf&uuml;r. Vergi&szlig; was dahinten ist; erinnere 
dich, was dir f&uuml;r ein viel besseres Ziel vorgesteckt ist, dem, und 
Allem, was den richtigen Schrankenlauf dahin ausmacht, jage nach. Gerechtigkeit 
ist der Grundbegriff und Umfang alles rechtschaffenen Wesens, dabei man 
aber nicht auf den Sand seines unge&auml;nderten Sinnes bauen, sondern 
in der Bu&szlig;e den Grund tief legen mu&szlig;, da&szlig; rechtschaffene 
Fr&uuml;chte der Bu&szlig;e erfolgen k&ouml;nnen. In dem Sinn hei&szlig;t 
es <i>(Matth. 21, 32)</i> Johannes habe 
den Weg der Gerechtigkeit gelehrt; Noah hei&szlig;t ein Prediger der Gerechtigkeit 
f&uuml;r die, denen Bu&szlig;frist verliehen ward; Paulus hei&szlig;t abtreten 
von der Ungerechtigkeit, wer den Namen Christi nennt <i>(2.Tim. 
2, 19)</i>. Gerechtigkeit schr&auml;nkt schon die sch&auml;dlichen Begierden 
um Vieles ein, und verh&uuml;tet, da&szlig; man wenigstens nichts mit Schaden 
seines N&auml;chsten begehrt. Gottseligkeit mit Vergn&uuml;gsamkeit <i>(V.6)</i>, 
und also mit der Bewahrung, Amtssachen nicht zu einem Gewerbe, tut weitere 
gute Dienste; der Glaube bringt eine Hochachtung des Unsichtbaren und Ewigen 
in das Herz; Liebe schlie&szlig;t Herz und Hand mehr zum Mitteilen dessen, 
was da ist auf, als da&szlig; man sich auf das Sammeln und Zusammenheben 
steift. Geduld wird auch &uuml;ber niedrige Umst&auml;nde, wo man sich 
etwa &uuml;ber Nahrung und Kleidung sauer werden lassen mu&szlig;, nicht 
verdrossen, oder tut zu dem, worunter einem zuweilen zu kurz geschieht, 
gern ein Auge zu; Sanftmut l&auml;&szlig;t sich auch durch den b&ouml;sen 
Argwohn <i>(V.4)</i>, in den man zuweilen 
gezogen wird, nicht aufbringen. Wortkriege <i>(V.4)</i>, 
Schulgez&auml;nke <i>(V.5)</i>, anderer 
Streit um das Zeitliche, sind elende K&auml;mpfe. K&auml;mpfe du den guten 
Kampf des Glaubens. Das Kleinod r&uuml;ckt immer n&auml;her herbei. Strecke 
dich nach dem, was das vornen ist. GOttes ernstlicher Antrag, der darunter 
liegende kr&auml;ftige Zug, die allem Aufh&auml;ltigen gewachsene Macht, 
ist dir ja nicht fremd. Dein dazu gegebener Glaube, bezeugte Lust, gemachter 
Anfang, ist vielen Zeugen bewu&szlig;t, die deshalb gute Hoffnung von dir 
gesch&ouml;pft haben <i>(Kap. 4, 14)</i>. 
GOtt nimmt dich selbst bei einer einmal Ihm getanen Zusage: Wer bedenkt: 
der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach, den wird es nicht befremden, 
wenn er bei all seinem guten Willen doch von GOttes Geist so angetrieben 
wird, wie hier Paulus an Timotheus tut. Gegen Allem, was einen teils abschrecken 
will, teils reizen, seine H&auml;nde zum fremden GOtt aufzuheben, kann 
man sich am lebendigen GOtt aufrichten. Die Schrift geht immer gern auf 
das H&ouml;chste, und verwahrt einen, wenn es auch darauf ank&auml;me, 
da&szlig; man einem den Leib t&ouml;tete <i>(Matth. 
10, 28; Offb. 1, 17 und 18, 2 - 6)</i>, aber auch gegen andere Ert&ouml;tungen 
und Kr&auml;nkungen gilt der Halt an den lebendigen GOtt <i>(2.Kor. 
4, 7 - 10 und 16 - 18)</i>. Wie sich der HErr JEsus denen zur Seite 
stellt, die in Amtsn&ouml;ten sind, und sich seiner Wahrheit mit ihrem 
Zeugnis annehmen, davon siehe <i>(Apg. 7, 
56; 18, 9; 22, 17)</i>. Niemals war die Wahrheit, das Wort vom Reich, 
in solchem Gedr&auml;nge, als unter Pontio Pilato, wird auch in keines 
mehr so kommen. Und doch war der Glaube unseres HErrn JEsu Christi an das, 
was Ihm der Vater verhei&szlig;en hatte, durch alle geringsch&auml;tzigen 
Gedanken der Menschen nicht zu unterdr&uuml;cken; das belebt durch alle 
Zeiten hindurch unseren Mut zur Bekenntnis der Wahrheit <i>(Apg. 
4, 24 - 31 und Luk. 21, 12 ff.)</i>. Aber ein gutes Bekenntnis war es, 
von einem Reich, das mit lauter Wahrheit aufzurichten sei, und wozu man 
von dieser Welt keine zwei F&auml;dlein brauche. Den ganzen hiermit von 
Paulus empfangenen Auftrag, nach Allem, was in Amts = und Christenberuf 
einschl&auml;gt, hatte Timotheus mit Glauben und Vertrauen des Herzens, 
mit Bekenntnis des Mundes, und mit. Ausrichtung in allem Tun und Lassen 
halten. Das Gebot, und die darin aufgegebene Furcht des HErrn ist rein, 
das helle Auge des HErrn JEsu ist lauter, und so wird auch Herz und Sinn 
durch Bleiben daf&uuml;r gereinigt und durchl&auml;utert; au&szlig;er dem 
aber ist leicht seiner Christen = Hoffnung ein Fleck angeh&auml;ngt. Die 
Erscheinung unseres HErrn JEsu Christi hat freilich Timotheus ins einem 
Dienst hier nicht erlebt. Aber seine bis in den Tod gehaltene Treue wird 
er bei der Erscheinung unseres HErrn JEsu Christi zu genie&szlig;en haben 
<i>(2.Tim 
4, 5)</i>, und mit Hineinstellen in das Licht jenes Tages hat er sich 
darin erhalten k&ouml;nnen. O was sind seit jenem Bekenntnis unter Pontio 
Pilato f&uuml;r Geburtsschmerzen, Tr&auml;nen, Rufen auf diese Wiedergeburt 
vorgegangen! Wer wollte nicht auch zu seiner Zeit GOtt mit viel Tr&auml;nen 
und Anfechtungen dienen, auf die Hoffnung, was GOtt noch alsdann zeigen, 
was ein Tag hereinbringen wird. Inzwischen wartet der HErr JEsus selbst 
noch, was Ihm sein Vater noch weiter Gro&szlig;es zeigen wird <i>(Joh. 
5, 20)</i>, wie gern sollen wir uns gedulden <i>(2.Tim. 
2, 10)</i>. Was so oft GOtt allein zugeschrieben wird, das erniedrigt 
alles Andere, wehrt der Furcht und der Lust, womit Gegenw&auml;rtiges und 
Zuk&uuml;nftiges, Hohes und Tiefes, irgend eine Kreatur in uns wirken will 
<i>(Jes. 
2, 17 und 26, 13 Sach. 14, 19)</i>. Der Glaube an diesen hat Moses schon 
gest&auml;rkt, da&szlig; er sich nicht f&uuml;rchtete vor des K&ouml;nigs 
Grimm <i>(Heb. 11, 27)</i>. Licht und 
Leben meldet die Schrift oft nebeneinander. Nicht anders und nicht n&auml;her 
kann der Mensch Zugang und Gemeinschaft mit diesem Licht haben, als ihn 
GOttes Wort und Wille anweist. K&ouml;nnen wir aber schon nicht in die 
Sonne hineinsehen, so k&ouml;nnen wir doch beim Licht der Sonne viel Gutes 
schaffen, viel Gefahr vermeiden, viel Vergn&uuml;gen genie&szlig;en. So 
auch bei diesem unzug&auml;nglichen Licht GOttes. Im Glauben kann man sich 
an den, den man nicht sieht, halten, als sehe man Ihn; und was k&uuml;nftig 
noch wird sein k&ouml;nnen, das ist noch nicht erschienen <i>(1.Joh. 
3, 2)</i>. Als dem Ewigen, der allein Unsterblichkeit hat, sei Ihm Ehre. 
Als dem K&ouml;nig aller K&ouml;nige, sei Ihm ewiges Reich! Amen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Timotheus 6,17-21</font></b></h4> 
 
<p><b>Noch ein kurzer Anhang, darin der Apostel dem Timotheus 
ein n&ouml;tiges Zeugnis der Wahrheit an die Reichen aufgibt, und dann 
mit einem an Timothei Herz gelegten Worte beschlie&szlig;t.</b> 
 
<p><b>Geschrieben von Laodicea, die da eine Hauptstadt des Landes Phrygia Pacatina.</b> 
 
<p>Vom Reichwerdenwollen ist zwar schon oben <i>(V.9)</i>, 
etwas vorgekommen; als von einer Versuchung, in die solche geraten k&ouml;nnten, 
die sonst von der Gottseligkeit und ihrer Lehre Profession machen. Hier aber 
ist nun die Rede von Solchen, die bereits reich sind, und in solchem Gewerbe 
oder Familien = Vorteilen stehen, da&szlig; sie t&auml;glich reicher werden 
k&ouml;nnen. Dergleichen m&ouml;gen zu Ephesus Manche dem Glauben gehorsam 
worden sein <i>(Apg. 19, 19)</i>. Was 
bei den Menschen unm&ouml;glich ist oder scheint, das ist bei GOtt m&ouml;glich. 
Darum nimmt sich auch GOttes Wort Aller an, ihnen eine Gotteskraft zum 
&Uuml;berwinden anzubieten. Der Anhang: Reiche dieser Welt, ist schon 
auf das eingerichtet, den Reichtum aus der ungeb&uuml;hrlichen Macht herabzusetzen, 
die er sich &uuml;ber der Menschen Herzen herausnimmt, und zu zeigen, da&szlig; 
Erde an dem Namen klebt, worin sich Mancher so erhebt! Reiche lassen sich 
sonst nicht gern befehlen. Hier aber hei&szlig;t es: gebiete ihnen. Denn 
GOttes Wort hat, wie eine unparteiische Liebe, so auch einen Wahrheit ohne 
Ansehen der Person. Der Reichtum kann freilich etwas &Uuml;berm&uuml;tiges 
einfl&ouml;&szlig;en, und das nicht nur gegen Menschen, sondern auch einen 
Stolz, der sich &uuml;ber die Himmelslehre des Evangelii hinaus setzen 
will <i>(Luk. 16, 14 - 15)</i>. &Uuml;ber 
keinen Stand in der Welt, &uuml;ber keinerlei demselben anh&auml;ngende 
&auml;u&szlig;erliche Umst&auml;nde verwirre man der Menschen Gewissen; 
aber man verberge auch Keinem die dabei sich findenden Gefahren und Versuchungen, 
das ist einen treuen W&auml;chters Amt. Eine weitere sch&auml;dliche Kraft 
des Reichtums am menschlichen Herzen ist es auch, wenn er einem zu einer 
festen Stadt und hohen Mauer wird <i>(Spr. 
18, 11)</i>, da&szlig; man sich auch des morgenden Tages r&uuml;hmt, 
und sich gegen alle k&uuml;nftigen Zuf&auml;lle gesichert h&auml;lt, oder, 
wie der Apostel da sagt, auf ihn hofft; da doch GOtt den b&ouml;sen Tag 
neben den guten gemacht hat, da&szlig; der Mensch nicht wissen soll, was 
k&uuml;nftig ist <i>(Pred. 7, 15)</i>. 
Je mehr in der Welt die Ungerechtigkeit &uuml;berhand nimmt, je ungewisser 
wird der Reichtum. Der lebendige GOtt, der allein Unsterblichkeit hat, 
kann auch uns allein unverg&auml;ngliches Wesen gew&auml;hren; aber auch 
zum Genie&szlig;en und Brauchen reichlich bescheren, wenn man nicht zuviel 
auf das Versperren und verscharren oder Anh&auml;ufen verf&auml;llt; dar&uuml;ber 
leicht die Zeit, Gutes zu tun entgehen kann <i>(Gal. 
6, 10); </i>denn auch in diesem Betracht ist der Reichtum ein ungewisser 
Reichtum. Behilflich sein zielt auf Gemeinschaft haben mit guten Werken, 
die sich nicht anders, als durch gemeinschaftliche Hilfeleistung betreiben 
lassen. Dar&uuml;ber kann man aber auch in manche gro&szlig;e unvermutete 
Gemeinschaft kommen <i>(Matth. 10, 41; Hebr. 
13, 2 - 16)</i>. Was man bei Sammlung eines Verm&ouml;gens den Satz 
oder Fond hei&szlig;t; da gibt der Apostel hier das Reichwerden in guten 
Werken als einen guten Grund auf das Zuk&uuml;nftige an; wovon sich das 
Interesse in den ewigen H&uuml;tten finden werde. Das ewige Leben ist also 
auch den reichen dieser Welt zu ergreifen m&ouml;glich, aber Ernst braucht 
es, da&szlig; es nicht vom Greifen nach dem Gegenw&auml;rtigen verdrungen 
werde. Mit einer ganz vertrauten und v&auml;terlichen Ansprache macht der 
Apostel, vollends den Beschlu&szlig;. Was der Apostel von heilsamen Worten 
dem Timotheo anvertraut hatte, das befiehlt er ihm im Herzen zu bewahren, 
zu bewegen, und ihm sofort auch seinen Trieb zu lassen. Das Reich GOttes, 
oder wie wir jetzt sagen, das Christentum besteht nicht in Worten, sondern 
in Kraft. Bei der Welt aber sind aufgeblasene Worte, f&auml;lschlich vorgegebene 
Erkenntnisse, die keinen Dienst zur Kraft der Gottseligkeit tun, aber einen 
Schein der Weisheit haben, die vom Wesen GOttes, von der Sch&ouml;pfung 
der Welt, vom Ursprung des B&ouml;sen, der menschlichen Willensbegierde 
mehr verschaffen will, und davon mehr vorgibt, als in der Beilage der heilsamen 
Worte anzutreffen ist. Je mehr man sich aber solches Wissens r&uuml;hmt, 
je mehr kommt man vom Glauben und der gen&uuml;ge desselben ab. Ohne das 
leuchtende Angesicht der Gnade GOttes wollte Moses keinen Schritt tun <i>(2.Mo. 
33, 13 - 14)</i>, so ist auch dem Timotheo zum Anfang <i>(Kap. 
1, 2)</i> und nun hier zum Beschlu&szlig; Gnade gew&uuml;nscht; wie 
uns auch <i>Jes. 52, 12</i> der HErr 
unser GOtt zum Vor = uns = herziehen, und zum Sammeln verhei&szlig;en ist. 
 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 2.Timotheus 1,1-5</font></b></h4> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Der zweite Brief an den Timotheus Einleitung</font></b></h4> 
 
<p>Die zweite Epistel an den Timotheum wird insgemein f&uuml;r 
Pauli letzte Schrift aus seiner zweiten Gefangenschaft von Rom aus, gehalten, 
das er sein nahes Ende vor sich sah <i>(Kap. 
4, 6)</i>, und deswegen Timotheum noch einmal sehen und sprechen mochte; 
weil das aber ein Wunsch war, gegen welchen Timotheus viel Bedenkliches 
h&auml;tte haben m&ouml;gen, so bringt der Apostel dies verlangen: Komme 
du zu mir, gar bed&auml;chtlich und mit aufsteigendem Liebesernst an den 
Timotheum, damit es ja desto eher guten Eingang finden m&ouml;chte. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 2.Timotheus 1,1-5</font></b></h4> 
 
<p><b>Aus diesem Grund f&auml;ngt er gleich an, dem Timotheo 
Alles in das Angedenken zu bringen, was die langwierigen und von den Eltern 
und Voreltern her best&auml;tigten Verbindungen zwischen Paulo und Timotheo 
nur immer Herzliches an Hand gab.</b> 
 
<p>Paulus hatte dem Timotheus einen Antrag zu machen, der 
diesem lebensgef&auml;hrlich vorkommen konnte; deswegen gedenkt er sogleich 
der Verhei&szlig;ung des Lebens in Christo JEsu, an deren und ihrer Ausf&uuml;hrung 
zum Besten vieler Anderer zu dienen, wir f&uuml;r Gewinn, und dabei auch 
selbst unser Leben nicht teuer achten sollen <i>(Kap. 
2, 10 ; Tit. 1, 1-2)</i>. Mit der Ansprache: meinem lieben Sohn Timotheus, 
legt Paulus schon ein starkes Liebesseil an, und bringt ihm einen merklichen 
Zug bei. Wie getrost ist Pauli Herz. DA es um ihn herum im &Auml;u&szlig;erlichen 
so k&uuml;mmerlich aussah, so wei&szlig; er doch Etwas aufzusuchen, da&szlig; 
ihm Anla&szlig; zum Danken geben konnte, n&auml;mlich den ungeheuchelten 
Glauben Timothei und seiner M&uuml;tter. Denn so h&auml;ngt die Rede zusammen: 
ich danke GOtt, wenn ich eine Anmahnung bekomme an den ungef&auml;rbten 
Glauben. Abraham, Isaak und Jakob, waren unter dem Namen der V&auml;ter 
bei ihren gl&auml;ubigen Nachkommen in gesegnetem Angedenken; wenn sie 
aber von Voreltern sagten, so verstand Jeder seine n&auml;chsten Vorfahren, 
von welchen er herstammte. Bei den holdseligen Stimmen, womit GOtt je und 
je einen seiner Pilgrime und B&uuml;rger zu Grab rief, flo&szlig; das insgemein 
auch mit ein: Du sollst zu deinen V&auml;tern, zu deinem Volk versammelt 
werden <i>(1.Mo. 15, 15 ; 2.K&ouml;n. 22, 
20)</i>, und so hat noch f&uuml;r Jeden, besonders gegen das Ende seiner 
Wallfahrt hin, das Angedenken rechtschaffener Voreltern gar etwas Liebliches. 
Auch hierin liegt einige Anzeige, da&szlig; diese Epistel wie Pauli Schwanengesang 
anzusehen ist. Von seinem Verlangen, ihn zusehen, tut Paulus die erste 
sanfte Anregung, und r&uuml;ckt dann im Folgenden immer weiter damit heraus. 
Tr&auml;nen konnte es bei jenem Abschied <i>(Apg. 
20, 37)</i>, auch von Seiten Timothei, oder bei einer anderen namhaften 
Gelegenheit, wie <i>1.Tim. 6, 12</i>, 
gegeben haben; es kann aber auch &uuml;berhaupt Timothei weiches Herz, 
das ihm best&auml;ndig anzusp&uuml;ren war, das ernstliche Gesuch dessen, 
was JEsu Christi war, worin er so gar Pauli Sinn hatte <i>(Phil. 
2, 10)</i>, und mithin auch nach Pauli Art <i>(Apg. 
20, 19)</i>, GOtt gern diente mit aller Demut und mit vielen Tr&auml;nen, 
dem Apostel im Sinn gelegen sein. Wie gar andere St&uuml;cke lobt man jetzt 
an jungen M&auml;nnern, aus was f&uuml;r ganz anderen Kennzeichen sch&auml;tzt 
man eines Mannes Amtsbrauchbarkeit, als aus Tr&auml;nen und Weichherzigkeit. 
Aber wie wird die Welt noch erfahren, was f&uuml;r eine Brut sie zieht. 
Unter der Sorgfalt seiner beiden M&uuml;tter hat Timotheus von Kind auf 
die Heilige Schrift gelernt <i>(Kap. 3, 
15)</i>, um so erquicklicher konnte auch ihm das gute Zeugnis sein, 
das der Apostel ihrem innewohnenden, also bleibenden und gewurzelten, ihrem 
ungef&auml;rbten, also an GOtt, der ins Verborgene sieht, h&auml;ngenden 
Glauben beilegt. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 2.Timotheus 1,6-8</font></b></h4> 
 
<p><b>Aus Veranlassung dieses bei Timotheo durch seine gottseligen 
M&uuml;tter fr&uuml;hzeitig gelegten guten Grundes weckt ihm nun der Apostel 
weiter das Ohr, und leitet ihn an, da&szlig; er nach Art seines lieben 
Heilandes, der sich in j&uuml;ngeren Jahren alle Morgen das Ohr wecken 
lie&szlig;, und von seinem himmlischen Vater lernte, also er sich auch 
gegen alle zum M&uuml;dwerden ansetzende Versuchungen mit der ihm nicht 
unbekannten Kraft GOttes waffnen m&ouml;chte.</b> 
 
<p>Erinnern darf man einem ja nicht &uuml;bel nehmen, es 
ist ja nicht allemal eine Wirkung eines besonderen Mi&szlig;trauens, sondern 
nur eines Gemerks auf unseren Zug durch die Versuchungsw&uuml;ste; und 
hier flo&szlig; es aus gar herzlicher Liebe, z&auml;rtlichem Angedenken 
an die schon von l&auml;ngerem her gehabte Glaubensgemeinschaft, und an 
das dabei oft beobachtete weiche herz, des anderen Teils. Unter der Gabe 
GOttes, die in Timothei war, lag freilich ein lebendiger Geist, doch war 
das Erwecken dabei nicht &uuml;berfl&uuml;ssig. Lie&szlig; sich ja unser 
lieben Heiland, so lange Er im Fleisch unter uns wohnte, alle Morgen das 
Ohr wecken <i>(Jes. 50, 4)</i>. Was will 
uns bei der uns immer anklebenden und tr&auml;gmachenden S&uuml;nde geb&uuml;hren, 
wenn uns weder inneres Nachlassen, noch auch eine Zaghaftigkeit &uuml;ber 
die &Auml;u&szlig;erlichen Umst&auml;nde <i>(V. 
8)</i> gef&auml;hrlich werden soll. Gegen Beides liegt aber Kraft in 
der Gnadengabe GOttes. - Der Handauflegung hatte Paulus gegen Timotheum 
schon <i>1.Tim. 4, 14</i> gedacht. Hier 
sagt er ihm: Der Geist, den uns GOtt gegeben hat, ist nicht ein Geist der 
Furcht. Dergleichen Mi&szlig;verstand mu&szlig; oft vorgebeugt werden. 
Der Heiland selbst sagt schon so: Nicht gebe Ich euch, wie die Welt gibt 
<i>(Joh. 
14, 27)</i>, und Paulus: Wir haben nicht empfangen den Geist der Welt 
<i>(1.Kor. 2, 12)</i>; wir haben nicht 
einen knechtischen Geist empfangen <i>(R&ouml;m. 
8, 15)</i>. Wenn es freilich der Geist GOttes allein w&auml;re, der 
auf unser Herz, dessen Gedanken, Liebe, Mut oder Furcht wirkte, so w&auml;re 
es leichter; aber so kommt immer eine Not dazwischen, da&szlig; man es 
pr&uuml;fen, von eines fremden Stimme unterscheiden mu&szlig;. Die furcht, 
oder das Erm&uuml;dende, am Leiden Verdrossene, kommt freilich zun&auml;chst 
aus dem Fleisch; aber weil das Fleisch seine fleischlichen Anschl&auml;ge 
und Sorgen zu verbergen, und seinem Angeben einen geistlichen Schein anzustreichen 
wei&szlig;, da&szlig; es sich als eine feine Klugheit, als eine n&ouml;tige 
Vorsicht hinstellt: so kann es doch ein Geist der Furcht hei&szlig;en, 
und wer sich davon einnehmen l&auml;&szlig;t, der kommt in eine Enge, wobei 
man sich lauter dornige Wege und un&uuml;berwindliche Schwierigkeiten vorstellt, 
und dar&uuml;ber zu nichts kommt. Aus einer solchen herrschenden Furcht 
mu&szlig; man ja keine Tugend machen, eine solche herrschende Denkungsart 
macht vielmehr die meisten Mietlinge in allen St&auml;nden, man sieht den 
Wolf kommen, man sieht Schwierigkeiten, man besorgt Widerstand, Verdru&szlig;, 
L&auml;sterung, die man sich &uuml;ber der Wahrheit zuziehen k&ouml;nnte; 
daher kriecht man in die Scheue zur&uuml;ck; meint freilich oft, man k&ouml;nnen 
sich mit seinem Temperament, Neigung zur Stille zc. Entschuldigen. Aber 
nein, GOtt hat es uns nicht so gegeben. Gegen die Versuchung vom Temperament 
hat Er uns ja den Geist der Kraft gegeben, der erweist sich gesch&auml;ftig 
zur Glaubenskraft, zur Kraft der Gottseligkeit, zur Gebetskraft, zur Geduld, 
die vollkommen Werk hat. Da&szlig; einem das von GOtt gegeben sei, mu&szlig; 
man sich ja nicht streitig machen lassen; den es wollen oft falsche Br&uuml;der 
eindringen, die einem wie Eliab dem David seinen Glaubensmut f&uuml;r Vermessenheit 
ausdeuten <i>(1.Sam. 17, 25)</i>, und 
ihn so d&auml;mpfen wollen; wogegen aber Davids Verteidigung die k&uuml;rzeste 
und beste ist: Was habe ich denn nun getan? Ist es mir nicht befohlen? 
- Vom Geist der Kraft ist unzertrennlich der Geist der Liebe und der Zucht. 
Die Kraft macht m&auml;nnlich und stark, die Liebe z&auml;rtlich und sorgf&auml;ltig, 
die Zucht dem&uuml;tig und bescheiden. Der Geist der Kraft hat im Dienst 
GOttes, zur Bekenntnis der Wahrheit, sein meistes Gesch&auml;ft, die Liebe 
bem&uuml;ht sich redlich um den N&auml;chsten, und die Zucht bewahrt vor 
dem eigenen Geist, und vor Allem, was zu viel ist, oben hin f&uuml;hrt 
und das Seine sucht. Wer &uuml;ber der empfangenen Kraft nachgehends der 
Liebe, der Demut, der Zucht vergessen wollte, der k&ouml;nnte ein Schw&auml;rmer 
werden; wer nur immer von Liebe, M&auml;&szlig;igung, Klugheit spr&auml;che, 
und darunter den Geist der Kraft d&auml;mpfte, k&ouml;nnte zu einem in 
JEsu Mund ekelhaften Lauen werden. GOtt gibt und will keine Tollk&uuml;hnheit, 
sondern eine unter der Zucht stehende Kraft, keine l&auml;ppische Liebe, 
sondern eine mit Beweisung des Geistes sich dem N&auml;chsten zur Besserung 
gef&auml;llig machende Art; einen bei der Zucht sich nicht selbst aussch&uuml;ttenden 
Geist. Mit der ausgetriebenen Furcht weicht auch die sch&auml;dliche Scham, 
die sich einer guten Sache entzieht. Ehemalen warnte der Heiland, da&szlig; 
man sich Seiner und Seiner Worte nicht sch&auml;me. Jetzt ist seine Person 
entr&uuml;ckt auf den Thron der Ehren; aber sein Wort, und das Zeugnis 
von Ihm, und Alles, was daraus erwachsen soll, ist unter der Menschen noch 
gelassen; wie sich Jemand gegen diesem verh&auml;lt, so h&auml;tte er sich 
ehemalen gegen JEsu eigener Person verhalten. Darum wird die Bewahrung 
seines Worts, oder die Tr&auml;gheit und Falschheit, die sich seines Zeugnisses 
sch&auml;mt, so hoch angerechnet. "Unser Herr", ist sonst so eine Hofsprache, 
mit welcher manche ungeb&uuml;hrliche Menschenfurcht eingejagt wird. "Unser 
HErr", kann aber auch die Glaubenssprache werden zu Austreibung aller ungeb&uuml;hrlichen 
Furcht. Neben dem Zeugnis JEsu aber hat auch ein Jeder seine Zeitgenossen, 
die ihm zur Pr&uuml;fung hingestellt sind, und wo unser Verhalten gegen 
sie viel auf GOttes Denkzettel austr&auml;gt. Man sehe <i>Offb. 
2, 13</i>. Jeder frage sich: Halte ich es zu meiner Zeit redlich mit 
denen, die am meisten &uuml;ber dem Zeugnis unseres HErrn halten, k&auml;mpfen, 
leiden? Ein alter Paulus kann oft noch Anla&szlig; bekommen, einen sonst 
mit ihm so einstimmig gewesenen Timotheo, so ein W&ouml;rtlein hinzuschieben: 
Du wirst dich mein doch nicht sch&auml;men! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 2.Timotheus 1,9-11</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel zeigt, warum das Zeugnis von Christo wohl 
verdiene, da&szlig; man sich seiner nicht sch&auml;me, sondern da&szlig; 
Jeder in den Weg des Leidens, auf welchem unser Heil erfunden worden ist, 
auch bei der Ausf&uuml;hrung desselben an sich, getrost eintrete, und das 
Leiden auch darin nicht scheue, worin er Anderen zum Heil behilflich sein 
soll.</b> 
 
<p>Wer sich dem Evangelio und dessen tapferer Bekenntnis 
entzieht, der vers&auml;umt damit auch seine Seligkeit. Denn es ist ein 
Evangelium von unserer Seligkeit, wer will aber entfliehen, so er eine 
solche Seligkeit nicht achtet <i>(Heb. 2, 
3)</i>? Wer es aber annimmt, der gelangt dadurch zum Heil, und erf&auml;hrt 
an sich eine Kraft GOttes, der ihn selig gemacht, errettet, herausgerissen 
hat; und wenn er dar&uuml;ber nachdenkt, wie es zugegangen, und wie GOtt 
an ihn gekommen sei, so mu&szlig; er dem Apostel mit Verwunderung nachsprechen: 
GOtt hat uns berufen. GOttes Z&uuml;ge, die Stimmen des suchenden und auf 
Seligmachen des Verlorenen ausgehenden Hirten macht &uuml;berall den Anfang. 
Auf die Stimme Dessen, der mit ihm redete, setzte Paulus viel in seiner 
Bekehrung <i>(Apg. 22, 7-9 ; 26, 14)</i>. 
Dieser Ruf GOttes hei&szlig;t ein heiliger Ruf, weil er ganz nach GOttes 
Rat und Gedanken abgefa&szlig;t ist, und uns ganz zu GOttes Eigentum auffordert; 
darin also auch Alles, was GOtt den Heiligen aufgibt verfa&szlig;t ist 
<i>(Judas 
3)</i>, und Alles enth&auml;lt, wie GOtt die Gleichheit mit dem Ebenbilde 
seines Sohnes, unter Gemeinschaft seiner Leiden und &Auml;hnlichkeit seines 
Todes, bis zum Gleichwerden in der Auferstehung an Jedem ausf&uuml;hren 
wolle. Wie wenig hat sich Paulus mit Allem, was in der Zeit seiner Unwissenheit 
vorkam, zu demjenigen angeschickt, was nachmals durch Gnade des Berufers 
aus ihm werden sollte; wie deutlich zeigte es sich also, da&szlig; es nicht 
nach seinen Werken (Tit. 3, 5), sondern nach GOttes Vorsatz und Gnade ergangen 
sei; auf die man aber erst mit Zufriedenheit zur&uuml;cksehen kann, wenn 
es uns durch den Beruf aufgeschlossen ist, und uns beim erwiesenen Gehorsam 
nun Alles, was von GOtt kommt, lieb und annehmenswert ist. Je mehr der 
Mensch noch mit irgend einem Teil seines Herzens am Vertrauen auf seine 
werke h&auml;ngt, je scheuer ist er, an GOttes Vorsatz zu gedenken; je 
lauterer er aber an der Gnade h&auml;ngt, je erquicklicher ist es ihm, 
diese Gnade so als tief im Vorsatz GOttes gegr&uuml;ndet zu wissen. Von 
einer in dem Vorsatz GOttes gefa&szlig;ten Gnade sagten wir eher, sie sei 
uns zugedacht und bestimmt; der Apostel aber sagt nachdr&uuml;cklicher: 
Gegeben in Christo JEsu vor der Zeit der Welt, weil der k&uuml;nftige Mittler 
zwischen GOtt und den Menschen schon da gewesen ist, und in unserem Namen 
den ganzen Vorsatz GOttes und die Sch&auml;tze seiner Gnade in Empfang 
nehmen konnte. Der Grund unseres Heils lag schon vor der Zeit der Welt, 
wie er auch unbeweglich steht, wenn Erde und Himmel untergeht. Den ersten 
Aufschlu&szlig; von seinem Vorsatz und dessen gn&auml;digem Inhalt tat 
GOtt schon im Wort der Verhei&szlig;ung, weil aber im Vorsatz GOttes auch 
zu Allem seine eigenen Zeiten bestimmt waren, so ging viel darauf, die 
Welt zum Glauben vorzubereiten, und dann erst bei der Erscheinung unseres 
Heilandes JEsu Christi die Sonne der Gerechtigkeit so einzuf&uuml;hren, 
damit davon alle Weltzeiten beleuchtet, und die Zeiten des Wartens auf 
die erste Erscheinung, und nun unseres Wartens auf seine Offenbarung in 
der Herrlichkeit ziemlich gleich ausfielen. Dem Tod die Macht zu nehmen, 
Leben an das Licht bringen, kann man f&uuml;r die Haupst&uuml;cke rechnen, 
auf die es bei der ersten Erscheinung ankam. Denn unser lieber Heiland 
kam in die Welt, nicht darin zu ruhen und zu herrschen, sondern zu leiden 
und zu sterben, eben aber damit den Tod und alle, durch seine Furcht bisher 
ausge&uuml;bte Macht abzuschaffen, und Er wurde wieder lebendig, auferweckt 
und in das himmlische Wesen versetzt, um die Hoffnung zum Leben und unverg&auml;nglichen 
Wesen auch &uuml;ber uns zu bringen. Darum mu&szlig; man es als Gnade erkennen, 
weil es aus einer solchen Tiefe und Finsternis an das Licht, aus einer 
solchen, vom Tod &uuml;ber uns ausge&uuml;bten Macht, in das Leben gebracht 
werden mu&szlig;te. In Richtigkeit vor GOtt kam es durch seine Erscheinung, 
und durch Alles, was Er in selbigem ganzen Lauf durchmachte. Aber zu unserer 
Kundschaft und Genu&szlig; kommt es nun durch das Evangelium, und diesem 
Amt der Vers&uuml;hnung ein Amt aufzurichten, oder Prediger zu setzen, 
ist auch ein wichtiger teil von GOttes Vorsatz und Gnade. Im Vertrauen 
darauf k&ouml;nnte man mit dem Evangelio als ein Prediger frei und fr&ouml;hlich 
als mit einer an das Licht gebrachten Sache handeln, als ein Apostel die 
ganze Welt dabei in Anspruch nehmen, als ein Lehrer aber mit aller Geduld 
und Weisheit verfahren, und an einem jeden Menschen anhalten, bis man ihn 
vollkommen dargestellt in Christo JEsu. HErr JEsu, erf&uuml;lle mich mit 
Deiner Lebenskraft, damit ich mich des Zeugnisses von Dir rechtschaffen 
annehme. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 2.Timotheus 1,12-14</font></b></h4> 
 
<p><b>Paulus bezeugt dem Timotheo den Grund seiner Freudigkeit, 
sich des Evangelii bis an die Bande und in den Tod mutig anzunehmen, und 
fordert ihn auf, gleiche Treue an die Bewahrung dieser teuren Vorlage zu 
wenden.</b> 
 
<p>Da&szlig; einem die tiefe Ursache seines Leidens recht 
in das Licht gesetzt werde, und im Gewissen unverdunkelt bleibe: daran 
ist sehr viel zur ausharrenden Geduld gelegen. Man sehe <i>Joh. 
15, 21 ; 16, 3</i> wie der Heiland seinen J&uuml;ngern hierin zur Hilfe 
gekommen ist. Die Welt, oft auch unsere Freunde, wie des Hiobs, m&ouml;chten 
einem ganz andere &Uuml;berschriften auf das Kreuz heften; selbst das eigene 
Herz will einem abstehen, und einen bereden, man habe es sich selbst zugezogen, 
so und so h&auml;tte man ausweichen k&ouml;nnen. Aber der Geist Christi 
hilft einem wieder auf das rechte Darum. Unter der Andichtung anderer unlauteren 
Ursachen m&ouml;chte man einen dahin treiben, da&szlig; man sich der Leiden 
Christi sch&auml;mte, sich in die fleischlichen Wege der irdisch gesinnten 
Menschen zur&uuml;ckz&ouml;ge, die Alles so einzurichten wissen, da&szlig; 
sie mit dem Kreuz Christi verschont bleiben, und da sitzt es oft tief und 
wirkt schnell, was einen in eine solche erm&uuml;dende Scham vor den Leiden 
Christi st&uuml;rzen will; deswegen mu&szlig; auch das, was selbige auszutreiben 
verm&ouml;gend ist, von so durchdringender Kraft sein, als die Versicherung 
ist, die Paulus tut: Ich wei&szlig;, was Andere nicht wissen k&ouml;nnen, 
oder mir nicht gern zutrauen, an wen ich glaube. Paulus umg&uuml;rtet die 
Lenden seines Gem&uuml;ts auf die letzten Stunden, auf die Ankunft des 
HErrn, ihn heimzuholen, und da sieht er auf den vollendeten Lauf, auf den 
gehaltenen Glauben zur&uuml;ck, und erinnert sich, wie treu er Den bisher 
gefunden habe, Dem er sich auf seinen heiligen Ruf einmal anvertraut hatte, 
und seine allererst (V. 10) dargelegte Einsicht in das Evangelium gew&auml;hrte 
ihm noch weitere Gewi&szlig;heit; wobei er sich neben der bisher bew&auml;hrten 
Treue, auch auf die f&uuml;rw&auml;hrende Macht des HErrn JEsu hinlehnte. 
Wenn ich also schon nicht wei&szlig;, was sich noch vor, in und nach dem 
Tod an mich wagen, und mit Verklagen mein Heil aufhalten k&ouml;nnte, so 
wei&szlig; ich doch, da&szlig; Der, an welchen ich glaube, diesem Allem 
gewachsen ist <i>(R&ouml;m. 8, 34-35)</i> 
mithin mir meine Beilage bewahren kann. Beilage ist das, was Paulus bei 
dem an das Evangelium gewonnen Glauben GOtt und seinem Heiland &uuml;bergeben 
hat, und woran ER nun die Vollendung des ganzen Vorsatzes GOttes abwartet 
<i>(1.Petr. 
4, 19 ; Luk. 23, 46)</i>. Man stelle sich Paulum in der nahen Erwartung 
seines Abschieds vor, und denke wie er sein Vornehmstes zu beraten bedacht 
ist, das Eine als eine Beilage in GOttes Hand zu stellen, das Andere dem 
Timotheo, und durch diesen anderen treuen H&auml;nden zu &uuml;berlassen. 
Die Schrift bezieht sich gern auf jenen Tag, schlie&szlig;t aber damit 
auch noch alles Fr&uuml;here ein, was noch vorfallen k&ouml;nnte. Vorbild 
hei&szlig;t, was uns von verst&auml;ndigen H&auml;nden vor die Augen gemalt 
worden, mit was man selbst im Herzen stets besch&auml;ftigt sein, und woraus 
man auch zum Wandeln nahes Licht und Rat sch&ouml;pfen kann, was Glauben 
in das Herz bringt, der durch die Liebe t&auml;tig ist, und wobei alle 
Gottseligkeit aus Christo JEsu hergr&uuml;nt, das gibt heilsame oder unseren 
ganzen Schaden heilende Worte. Das Bewahren solch einer guten Beilage ist 
mit Lesen, Forschen, Predigen, Verteidigen allein nicht ausgerichtet, sondern 
es braucht einen in uns wohnenden Geist, und gehorsame Befolgung aller 
Triebe desselben. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 2.Timotheus 1,15-18</font></b></h4> 
 
<p><b>Timotheus soll sich Einiger b&ouml;ser Beispiele nicht 
abhalten; Anderer guten Vorgang aber zu wackerer Nachfolge aufmuntern lassen.</b> 
 
<p>Wenn eine gute Sache einen Sto&szlig; leidet, so ist bald 
viel Redens davon; daher k&ouml;nnte der Apostel wohl vermuten, es werde 
bereits vor Timotheo Ohren gekommen sein, wie Viele, die in Rom ihm beizustehen 
Gelegenheit gehabt h&auml;tten, ihn verlassen (Kap. 4, 16),und zwar nicht 
gerade mit Verleugnung des Christentums sich von ihm abgewandt, aber doch 
von dem Bekenntnis, dar&uuml;ber sich Paulus bis an die Bande litt, sich 
entzogen, und aus Kreuzesflucht sich nach Asien gewendet haben. Von ihnen 
macht er den Phygellus und Hermogenes namhaft, weil man etwa diesen vor 
Anderen etwas Besseres zugetraut h&auml;tte, h&auml;lt sich aber bei dieser 
betr&uuml;bten Materie nicht lange auf, sondern erinnert sich lieber, welchen 
Ersatz ihm der HErr von einer anderen Seite her daf&uuml;r getan, und Erquickung 
bereitet habe. Denn so findet man es immer: man wird unter falschen Br&uuml;dern, 
unzuverl&auml;ssigen 
Menschen, lieblosen Richtern so viel ge&uuml;bt, als man zu L&auml;uterung 
seines Glaubens n&ouml;tig hat; man wird durch Anderer Liebe und treue 
so viel erquickt, als einem zur St&auml;rkung des Glaubens gut ist, vor 
bewiesene Barmherzigkeit findet man auch das Gleiche. Einige schlie&szlig;en 
hieraus, da&szlig; Onesiphorus selbst damals schon in die Ewigkeit gegangen 
sei, weil der Segen hier, wie <i>Kap. 4, 
19</i> der Gru&szlig;, an sein Haus oder Nachkommen gerichtet sei. Man 
vergleiche <i>1.K&ouml;n. 2, 7</i>. Man 
k&ouml;nnte aber auch denken, da&szlig; Onesiphorus damals noch zu Rom, 
oder sonst von Haus abwesend gewesen, und das dem Apostel bewu&szlig;t 
gewesen sei. Was k&ouml;nnten wir einander, oft auch ohne alle Unkosten, 
doch f&uuml;r Erquickung schaffen, wenn wir nur immer im Licht, in der 
Liebe, unter den Einfl&uuml;ssen des Geistes Christi blieben. Die Beschreibung 
von Onesiphori Liebe ist so gemacht, da&szlig; sie sich am besten auf Pauli 
erste Gefangenschaft schickt, da er noch mit einer Kette an einen Kriegsknecht 
angeschlossen, &uuml;brigens in seinem eigenen Geding zu bleiben Freiheit 
hatte; mithin Onesiphorus ihn nicht ohne M&uuml;he in Rom aufzusuchen hatte, 
woselbst es an Vorwand, so etwas zu unterlassen, oder sich der Ketten zu 
sch&auml;men, nie gefehlt h&auml;tte. Wenn Manches, was man in anderer 
Herren Diensten getan hat, verloren sein wird, wird dieser HErr allein 
gro&szlig;, - und was man bei Dem als eine Beilage gut stehen hat, allein 
sicher sein; Barmherzigkeit vor Ihm zu finden, ist der Inbegriff von Allem, 
worauf der Glaube wartet <i>(Judas 2)</i>. 
Bis auf jenen Tag hinaus k&ouml;nnen wir einander der bewahrenden GOttes 
= Macht, und seinem alles vergeltenden Aufsehen empfehlen. Da wird sich 
die Frucht von einem durch die Liebe t&auml;tigen Glauben allermeist finden. 
Zu Ephesus schon hatte auch Onesiphorus Paulo viel gedient, entweder in 
dessen damaliger Anwesenheit, oder auch inzwischen in Abwesenheit, durch 
Betreibung des guten Werkes, das daselbst angefangen war, und von diesem 
letzteren sonderlich konnte Timotheus, als ein Augenzeuge, die meiste Nachricht 
haben und geben. Barmherziger Vater, la&szlig; mich Deine Barmherzigkeit 
erfahren, und derselben nachfolgen. Des Einen bin ich alle Stunde bed&uuml;rftig, 
zum Anderen habe ich alle Stund Gelegenheit! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 2.Timotheus 2,1-5</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel erweckt des Timothei Gem&uuml;t auf alle Weise, 
damit er ihn doch zu der von ihm erwarteten Hilfe nicht tr&auml;g, nicht 
durch Einflechtung in irdische Dinge entkr&auml;ftet und unbrauchbar antreffe, 
sondern durch Gnade willig und Gest&auml;rkt finde.</b> 
 
<p>Bei Anderer Abweichen und zur&uuml;ckgehen greift der 
himmlische Beruf mit neuer Kraft an die Herzen derer, die seiner einmal 
teilhaftig geworden sind. Es hei&szlig;t: Ihr seht nun an Anderer Beispiel, 
wie es geht und gehen kann: Wollt ihr auch weggehen? Oder: Ihr nun, du 
nun, was willst du tun? Was bist du entschlossen? Siehe unten <i>Kap. 
3, 10 ; 4, 4</i>. Durch die Ansprache: mein Sohn, weckt der Apostel 
viel in Timothei Herzen auf, was er f&uuml;r Segen vom Apostel genossen, 
und was er deshalb f&uuml;r Verpflichtung auf sich habe. An der Fassung 
im Innern liegt bei allem zu erduldenden Anlauf im &Auml;u&szlig;eren das 
Meiste. Deswegen ging schon <i>Kap. 1, 6-7</i> 
der Zuspruch: Erwecke, und das jetzige Wort: sei stark, allermeist auf 
die innere Fassung, wie man auch an unserem Lieben Heiland sieht, da&szlig; 
ER bei einbrechendem Leiden sich und seine J&uuml;nger auf alle Weise im 
Innern ausger&uuml;stet hat. Die Gnade in Christo JEsu ist unsere eigene 
Festung; wenn man deren fest versichert ist, so l&auml;&szlig;t sich erst 
auch zu den Waffen gegen die Feinde greifen. Paulus hatte seinen Abschied 
vor sich, und wollte nun Timotheum zu sich rufen, da kam es denn auch darauf 
an, wer denn nach ihm das Werk des HErrn in Ephesus treiben sollte? Paulus 
macht ihm unter der Hand Hoffnung, GOtt werde ihm schon auch treue Leute 
zuweisen. Mancher gewinnt auch unter dem Bedr&auml;ngnis einer guten Sache 
Zuversicht. Da JEsus h&ouml;rte, da&szlig; Johannes &uuml;berantwortet 
war, trat Er desto mutiger mit seinem Zeugnis der Wahrheit hervor; so zieht 
eine erledigte L&uuml;cke erst denjenigen hervor, der darein tritt. GOtt 
l&auml;&szlig;t immer etwas nachwachsen; wer zum Leiden dar&uuml;ber willig 
ist, der ist auch der T&uuml;chtigste zum Lehren <i>(1.Thess. 
2, 2-4)</i>, daher ist es auch aus <i>Kap. 
1, 5</i> der wiederholte Zuspruch an Timotheus: leide dich. Von Christo 
JEsu hat man seinen eigenen Vorgang hierin, und Jeder darf auch seinen 
Lauf als von Ihm verordnet ansehen, - H&auml;ndel der Nahrung machen zum 
Kampf verdrossen, und ziehen das Gem&uuml;t auf andere Absichten und Hoffnungen 
hin. Die Begierde dem HErrn zu gefallen, bleibt das Vornehmste Augenmerk 
eines Solchen, der sich GOtt zum Dienst ergeben hat <i>(2.Kor. 
5, 9)</i>. Gro&szlig;e Gefahr, in die man durch Verwicklung mit zeitlichen 
Absichten ger&auml;t, da&szlig; man dar&uuml;ber GOttes Wohlgefallen verscherze 
<i>(1.Kor. 
10, 5)</i>! Wer auch anf&auml;ngt zu k&auml;mpfen, erlangt doch das 
Kleinod nicht <i>(1.Kor. 9, 24)</i>, 
wenn er nicht anh&auml;lt bis zum Sieg, und sich gegen jede Versuchung 
auf den Ernst erneuert: es gelte ihm seine Krone. Viele machen Frieden, 
ehe sie siegen, und lassen sich gar bald gen&uuml;gen, wenn es nur ein 
wenig besser geht. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 2.Timotheus 2,6-10</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel zieht den Timotheus mit gar freundlichen Seilen 
der Liebe in die n&auml;here Gemeinschaft seiner Leiden.</b> 
 
<p>Vermutlich hat der Apostel dem Timotheus auf eine etwas 
verdeckte, und mehr dessen eigenem Nachdenken &uuml;berlassen gebliebene 
Weise zu erkennen geben wollen: Die Hilfe, der Beistand, den ich von dir 
erwarte, ist nicht unbillig. Du, mein Sohn (V.1), bist unter meiner Hand 
zu der Pflanze des HErrn gediehen; soll ich, der Ackermann, nicht vorz&uuml;glich 
der Frucht von dir zu genie&szlig;en haben? So spricht man mit denen, deren 
Gutes man nicht gezwungen haben will (Philem. 14), sondern in Fr&uuml;chten, 
davon das Freiwillige das Schmackhafteste ist. Darum hat der Apostel seinen 
Sinn nur so geschmeidig, als in einem Samenk&ouml;rnlein hingelegt, und 
es auf das weitere Bewahren und Bewegen desselben, oder auf das Nachdenken 
unter den hiezu erbetenen Erinnerungen des gute Geistes ankommen lassen. 
Manche gutwillige Menschen meinen, man k&ouml;nne ihnen Alles, was sie 
tun sollen haarklein sagen, dringen auch immer mit Anfragen in Andere, 
was sie tun und lassen sollen? Aber an sich selbst wahrnehmen, durch Gemerk 
auf das Wort, durchs Gebet um Verstand, den der HErr gibt, w&auml;chst 
man gr&uuml;ndlicher. Mittel und Mittelspersonen brauchen, ist nicht unrecht; 
aber das Beten, Suchen und Nehmen vom HErrn, der gern gibt, mu&szlig; man 
dar&uuml;ber nicht vers&auml;umen. Man hat ja keines dem Anderen entgegenzusetzen. 
Die Vers&auml;umnis des Betens um Erkenntnis der Wahrheit bekennt Daniel 
unter seines Volks S&uuml;nden <i>(Dan. 
9, 13)</i>. La&szlig;t uns aufsehen auf JEsum, da&szlig; wir nicht in 
unserem Mut matt werden, spricht Paulus <i>(Hebr. 
12, 2-3)</i>; so jetzt hier: Gedenke unter aller gegenw&auml;rtigen 
und k&uuml;nftigen Kirchennot am JEsum Christum, der auferstanden ist von 
den Toten. Gedenkst du daran, so kannst Du auch Andere daran erinnern. 
Das ist der kr&auml;ftigste Zug in die Gemeinschaft der Leiden, wenn man 
den Hoffnungsblick so hinausf&uuml;hrt auf die Auferstehung JEsu Christi, 
und unser Herrschen mit Ihm im Leben. Man mag so tief hinunterkommen, als 
m&ouml;glich ist, so kann das aufrichten. Damit man sich desto mehr mit 
Christo als mit unserem Haupt vereinigen k&ouml;nne, setzt der Apostel 
hinzu: Aus dem Samen Davids. Damit ist Er in unsere Mitte getreten, und 
daher hat mit Ihm das ganze Menschengeschlecht vor GOtt aufgelebt. GOtt 
hat Alle, deren Samen sein Sohn an sich genommen hat, mit ihm lebendig 
gemacht und auferweckt. - Die Worte: nach meinem Evangelio, k&ouml;nnen 
andeuten, da&szlig; das Zeugnis der Auferstehung ein Hauptst&uuml;ck von 
der Predigt Pauli ausgemacht habe, oder auch, das Timotheus sein An = und 
Nachdenken mit dem Evangelio &uuml;ben und unterhalten, also aus dem Evangelio 
immer besser lernen k&ouml;nnte, was f&uuml;r Sch&auml;tze der Gnade, was 
f&uuml;r Gr&uuml;nde der Hoffnung in der Auferstehung Christi liegen. Da 
es mit dem seligen Luther einmal tief in das Gedr&auml;nge kam, so war 
seine edle Erkl&auml;rung: Jetzt legt man mich in da Grab; aber mein Ostertag 
wird schon kommen; das hei&szlig;t: Christi Kreuz tragen, und auch im Tode 
nicht verzagen. O wie viele solche Todes = und Begr&auml;bnistage brauchen 
wir noch, bis es abgestorben hei&szlig;t mir und alle dem Meinen. Es ist 
oft noch, wie wenn da Evangelium, ein freim&uuml;tiges Zeugnis desselben, 
der Segen, den es schafft, ein w&uuml;rdiger Wandel danach, sich m&uuml;&szlig;te 
begraben, verscharren, mit L&auml;sterungen zudecken lassen. Aber Kraft 
der Auferstehung JEsu Christi von den Totenmu&szlig; es doch wider hervor. 
La&szlig; dir nur &Uuml;berschriften auf dein Kreuz machen, als ob du als 
ein &Uuml;belt&auml;ter, Unbotm&auml;&szlig;iger, Eigensinniger, littest; 
sei nur nicht gesch&auml;ftig, deine Unschuld an den Tag zu bringen, sondern 
&uuml;berlasse es, wie Christus am Kreuz, demjenigen, der in der Auferstehung 
seine Ehre gesucht und gefunden hat. Sorge nicht: Inzwischen wird viel 
Gutes unterdr&uuml;ckt und verhindert. O nein! Das Leiden dar&uuml;ber 
hat seine eigene Kraft, das verderben ist freilich gro&szlig; in allen 
St&auml;nden, die Heuchelei greulich, der Ruhm vom Christentum bei allen, 
noch so tief in der Welt und ihrem Sinn steckenden, Herzen abscheulich, 
da k&ouml;nnte einem Zeugen der Wahrheit oft der sorgsame Gedanke ankommen: 
ja wirst du es denn heben k&ouml;nnen? W&auml;re es nicht besser, du schicktest 
dich auch vollends in deine Zeit und Leute! Aber nein! fiele Christus, 
falle ich lieber mit, und hoffe mit Ihm wieder aufzustehen, als da&szlig; 
ich mich zu ihren Feinden und ihrem Sinn schlagen m&ouml;chte. Um der elenden 
Schafe willen h&uuml;tete ich auch der Schlachtschafe sagt der Erzhirte 
<i>(Sach. 
11, 7)</i>, und so mu&szlig; noch jeder Unterhirte um der Auserw&auml;hlten 
willen auch alle oft sonst vergeblich scheinende Arbeit &uuml;bernehmen. 
Der vierte Teil, der in die Frucht geht, belohnt die Arbeit, so an den 
ganzen Acker gewendet wird. Auch in den Banden, auch unter den Leiden zeugt 
man manche Kinder <i>(Philem 10)</i>. 
O GOtt la&szlig; mich nicht leer ausgehen! O fiel ein reifes K&ouml;rnlein 
aus zur letzten Erntezeit, wie freut ich mich in Deinem Haus der unverhofften 
Beut! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 2.Timotheus 2,11-15</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel zeigt, wie das, wozu er allern&auml;chst den 
Timotheus aufgefordert habe, auch anderem Gl&auml;ubigen verordnete Lauf 
sei, zu welchem Timotheus desto gesegneter w&uuml;rde anf&uuml;hren k&ouml;nnen, 
je richtiger und mutiger er selbst darin laufe und k&auml;mpfe.</b> 
 
<p>Der Heiland sagt <i>Matth 
19, 29</i>, um meines Namens willen, <i>Mark. 
10, 29</i>, um meiner und des Evangeliums willen, und <i>Luk. 
15, 29</i> um des Reichs GOttes willen, Alles verlassen, und so kann 
man auch hier von diesem Sterben und Dulden sagen: Was einem jeden von 
Christo und seiner Sache allermeist zu erlernen, zu glauben, zu zeugen 
anvertraut ist, das mu&szlig; ihm so lieb sein, da&szlig; er dar&uuml;ber 
sterben und dulden kann. Auf das Mitdulden ist eine so gro&szlig;e Verhei&szlig;ung 
gesetzt, als auf das Mitsterben. Besonders aber soll man es Einem im Lehramt 
ansp&uuml;ren, da&szlig; er ein Zeuge der Leiden und ein Genosse der Herrlichkeit 
sei <i>(1.Petr. 5, 1)</i>, sonst k&ouml;nnen 
wir kein Salz und Licht der Welt abgeben, &uuml;ber der Kreuzesflucht wird 
das Salz dumm, und das Licht unter den Scheffel gesteckt. Sich der Wahrheit 
so weit annehmen, als man Ehre bei den Menschen davon hat, und es um Bestellung 
und Besoldung willen sein mu&szlig;, tr&auml;gt der Welt kein sonderliches 
Licht und Salz aus. Die Scheue vor dem Mitsterben und Mitdulden wird eine 
Versuchung zur Verleugnung, worunter der Herzensglaube erl&ouml;scht. So 
lang man aber noch im Ringen mit dem Unglauben steht, und ihm durch Verleugnen 
noch nicht v&ouml;llig Platz gegeben hat, so bietet einem der Apostel unter 
solchem Straucheln noch die Treue GOttes, als eine ausgestreckte Hand an, 
die einem zum Aufrichten geboten ist. Wer also bis zum Verleugnen, mithin 
auch Verleugnetwerden verf&auml;llt, der hat es sich selbst zugezogen. 
GOtt hat Alles zu seiner Rettung und Bewahrung getan. GOtt kann nicht &auml;ndern, 
was aus seinem Munde gegangen ist: mithin auch von seinem Grundgesetz: 
durch Leiden zur Herrlichkeit, um keines Menschen willen abgehen. Daran 
mu&szlig; es sich zeigen, wer aus der Wahrheit ist, oder wer einen un&uuml;berwindlichen 
Hang zur Eitelkeit hat, und an der Erhaltung seines Lebens auf dieser Welt 
klebt. - Halte im Ged&auml;chtnis, hat es oben <i>V.8</i> 
gehei&szlig;en; nun worin Einer selbst steht und lebt, das kann er auch 
Anderen durch Erinnern besser beibringen. Im &ouml;ffentlichen Vortrag 
und sonstigen Umgang bleibt Manches zur&uuml;ck, weil es einem selbst nicht 
nahe im Herzen und im Munde ist; auch wenn Jeder eine eigene Sprache einzuf&uuml;hren, 
die Worte in einem anderen Sinn zu nehmen, sich berechtigt h&auml;lt, wie 
die, so nach V. 18 sagten: die Auferstehung sei schon geschehen, richten 
eben Streit um Worte an, wor&uuml;ber das Kreuz Christi vernichtigt wird. 
Wie manche Frage, wie manches Wortgez&auml;nk, das man selbst auf die Kanzel 
zu bringen sich untersteht, w&uuml;rde man nicht einmal vor einem Timotheus 
oder Paulus, will geschweigen vor den HErrn JEsus zu bringen sich getrauen, 
wenn man in seiner Augen Licht zu handeln gewohnt w&auml;re; darum sagt 
der Apostel: bezeuge vor dem HErrn. Vom darstellen, pr&auml;sentieren, 
sich zeigen, spricht man heutigen Tags viel, da fehlt es an Mitteln und 
Vorw&auml;nden, sich in das Angedenken zu bringen nie. Aber sich GOtt erzeigen 
und pr&auml;sentieren, dessen Diener man doch allermeist hei&szlig;en will, 
das bleibt dar&uuml;ber zur&uuml;ck, und daran sonderlich, da&szlig; man 
&uuml;ber der hier bezeugten Gemeinschaft der Leiden sich nicht besch&auml;mt 
erzeige. Daran w&auml;re doch so viel gelegen. Am Wort der Wahrheit selbst 
stracks bleiben <i>(Ps. 119, 128)</i>, 
dessen Gebrauch und Anwendung aber auch bei Anderen so f&ouml;rdern, da&szlig; 
Jeder dabei seine Geb&uuml;hr bekenne <i>(Luk. 
12, 42)</i>, das ist der bew&auml;hrten Arbeiter GOttes ihre Hauptsache. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 2.Timotheus 2,16-21</font></b></h4> 
 
<p><b>Wie Timotheus sich der &Auml;rgernisse seiner Zeit zu 
erwehren, und womit er sich unter der dadurch angerichteten Kirchennot 
zu tr&ouml;sten habe?</b> 
 
<p>Das Wort der Wahrheit <i>(V. 
15)</i>, hat etwas Gr&uuml;ndliches und Bescheidenes; das ungeistlich 
lose Geschw&auml;tz ist grundlos und macht doch viel Geschrei, gibt sich 
viel eitles Ansehen, das soll man antreiben, denn wenn die Menschen frech 
werden im Denken, Raisonnieren und Lehren, so werden sie auch frech im 
Gem&uuml;t und im Leben. Dergleichen Wort richtet sich nach dem im Menschen 
liegenden Schaden und L&uuml;sternheit, hilft der Eitelkeit und Ruhmsucht 
auf, und daher findet es schnellen Beifall; aber sein Ausbreiten ist wie 
das schnelle Zunehmen eines krebsm&auml;&szlig;igen t&ouml;dlichen Schadens, 
der alle gesunden S&auml;fte am Menschen verzehrt, so wird durch dergleichen 
Wort Alles in L&uuml;ste und Irrtum verderbt. - Von Hymen&auml;us kommt 
schon <i>1.Tim. 1, 20</i> vor, mithin 
hat es dieser lange getrieben. So l&auml;&szlig;t GOtt noch manchen Widersprecher 
lange stehen, aber weiter nicht zum Schaden der Wahrheit GOttes. Denn gemeiniglich 
&uuml;berleben solche eitlen Schw&auml;tzer sich selbst und ihre, durch 
Unglauben und Frechdenkerei erworbene, Reputation in der Welt; und m&uuml;ssen 
nach einer vielj&auml;hrigen Arbeit sehen, da&szlig; sie Etwas heben wollten, 
das doch wie Berge GOttes gegr&uuml;ndet ist. Das eitle Geschw&auml;tz 
br&auml;chte sich freilich ohne einen von der Wahrheit entlehnten fetzen 
nicht fort. So k&ouml;nnte man zu dem Vorgeben: die Auferstehung sei schon 
geschehen, den Ephesern vorspiegeln: Paulus hat euch ja selbst geschrieben: 
ihr seid mit Christo lebendig gemacht, auferweckt, in das himmlische Wesen 
versetzt, durch den Glauben, den GOtt wirkt; damit ist die Auferstehung 
geschehen. Mit diesem Vorgeben haben sie den Leib nicht nur der k&uuml;nftigen 
Hoffnung halber weggesch&auml;tzt, sondern ihn auch als das unb&auml;ndige 
Tier angesehen, auf dessen Untergang man eben warten m&uuml;sse, wodurch 
aber der ganze Glaube, oder die v&ouml;llige Lehre von der S&uuml;nde und 
der Gnade, von der Kraft der Erl&ouml;sung, und deren Ausf&uuml;hrung an 
Seele und Leib, verkehrt wurde. Das hat freilich Not gemacht, das hat Sorge 
erweckt, ob es nicht dem kaum aufgegangenen Christentum auch gehen werde, 
wie mancher anderen Lehrform, die im Anfang Aufsehen gemacht und Beifall 
gefunden hat, bald aber wieder in Parteien getrennt, und so von einer anderen 
nachfolgenden wieder verschlungen worden ist. Darum spricht nun der Apostel 
gegen solche Kirchennot tr&ouml;stlich zu. Grund GOttes ist Alles, was 
GOtt den Glauben vorh&auml;lt, worauf er sich verlassen kann; GOttes Wahrheit 
und Wille, Vorsatz und Anstalt, Geheimnis und Er&ouml;ffnung in seinem 
Wort, Zeugnis der Apostel und Propheten, das Alles zusammen ist fest gegr&uuml;ndet, 
da&szlig; es nicht umgekehrt werden kann; auch alle Wege und Gerichte GOttes 
beweisen diesen festgelegten Grund. Auf einen Grund pflegte ehemals, wie 
noch jetzt, Etwas eingehauen, eingegraben, oder auch Ged&auml;chtnis = 
M&uuml;nzen eingelegt zu werden. So f&uuml;hrt der Apostel auch vom Grund 
GOttes eine doppelte In = und Umschrift an, auf der Einen Seite den ewigen 
Trost: der HErr kennt die Seinen, und wei&szlig;, wer aus der Wahrheit 
ist, wer seine Stimme h&ouml;rt, wer sein Geduldwort bewahrt; und den bewahrt 
auch Er, es mag Stunden der Versuchung geben, was es f&uuml;r will; auf 
der anderen Seite dieses Grundsteins, oder dieser Denkm&uuml;nze steht: 
es trete ab von der Ungerechtigkeit, wer den Namen Christi nennt. Viel 
Unglaube, viel Aber - und Mi&szlig;glaube hat seinen Grund in der Ungerechtigkeit, 
und in dem verhofften Genu&szlig; von derselben. Wer also nicht von der 
Ungerechtigkeit abtritt, der macht all sein Nennen des Namens Christi, 
sollte es auch mit weissagen, predigen und anderen ansehnlichen Taten geschehen, 
so zu nichte, da&szlig; ihn der HErr als einen &Uuml;belt&auml;ter, den 
Er nie f&uuml;r den Seinen erkannt, wird wegtreiben m&uuml;ssen <i>(Matth. 
7, 22-23)</i>. Gold und Silber hat nicht nur gr&ouml;&szlig;eren Wert, 
sondern auch mehrere Dauer, sonderlich im Feuer und dessen Probe, h&ouml;lzern 
und irden h&auml;lt weniger Probe und dauert kein Feuer aus. Solcherlei 
Vergleichung stellt der Apostel auch sonst an <i>(1.Kor. 
3)</i>, wo nur von mehr oder weniger Brauchbarkeit die Rede ist, der 
Grund aber doch gemeinschaftlich gut sein kann. Hier aber scheidet sich 
es durch Unreinigkeit des Sinnes gleich von vornen, und durch Unehre, auf 
die es hinauslaufen wird, noch weiter von einander; wo demnach kein aus 
dem Wort der Wahrheit gefa&szlig;ter, und die Bew&auml;hrung aushaltender 
Glaube, keine reine Herzens = Absicht, kein gutes Gewissen, sondern irdischer 
Sinn und Ungerechtigkeit des Menschen ganzes Inneres eingenommen hat. Die 
Pr&uuml;fung wird Keinem zu schwer gemacht, man kann bald merken, womit 
man in seiner Zeit unvermengt bleiben mu&szlig;, wenn man hier geheiligt, 
und dort zur Herrlichkeit erhalten werden will. Der Hausherr, der lebendige 
GOtt, dessen Haus die Kirche ist, hat darin manche Dienste n&ouml;tig, 
es steht oft manches gute Werk ledig, wozu sich kein bereitetes Gef&auml;&szlig; 
findet. O GOtt, bringe die Dir in Christo geheiligten Gef&auml;&szlig;e 
durch, da&szlig; sie nicht auch von dem krebsm&auml;&szlig;igen Schaden 
ihrer Zeit angefressen werden; erhalte alle Bisch&ouml;fe, Pfarrer und 
Kirchendiener im heilsamen Wort und heiligen Leben! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 2.Timotheus 2,22-26</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel zeigt dem Timotheo noch n&auml;her, wie und 
worin er sich haupts&auml;chlich dem Hausherrn brauchbar machen, und unter 
Abtreten von der Ungerechtigkeit sich des Siegels, da&szlig; ihn der HErr 
f&uuml;r den Seinen erkenne, vergewissern k&ouml;nne.</b> 
 
<p>Timotheus hatte sich schon in Vielem so bew&auml;hrt erwiesen, 
und doch h&auml;lt der Apostel die Ermahnung: Fliehe die L&uuml;ste der 
Jugend, nicht f&uuml;r &uuml;berfl&uuml;ssig, und Timotheus deuchte sich 
auch nicht &uuml;ber dieselbe hinaus. Wir sind und gew&ouml;hnen einander 
heutigen Tages &uuml;berz&auml;rtlich, wenn man einmal meint, man habe 
einem Gutes zuzutrauen Ursache, so will man nimmer gern eine Warnung h&ouml;ren. 
Aber der Geist ist willig, das Fleisch ist schwach. Bei L&uuml;sten der 
Jugend hat man nicht nur an die Versuchungen zur Wollust und Unreinigkeit 
zu gedenken, sondern auch andere Heftigkeiten, Einbildungen, wei&szlig; 
nicht was, geschwind ausrichten zu k&ouml;nnen. Aber der HErr hat nicht 
Lust an der St&auml;rke des Rosses, noch Gefallen an Jemands Gebeinen, 
der HErr hat Gefallen an denen die Ihn f&uuml;rchten, und auf seine G&uuml;te 
warten. Den Gnadenweg mu&szlig; man in Allem gehen lernen, mit Mi&szlig;trauen 
und Flucht gegen dem, was einem das jugendliche Herz eingeben k&ouml;nnte. 
Unter ernstlicher Abwendung von dem, was Jugend oder Angedenken und erinnern 
der jugendlichen Dinge einem zum Aufhalten dazwischen bringen wollte, mu&szlig; 
man sich auf das Nachjagen legen. Man mu&szlig; sich oft auch &uuml;ber 
Alte wundern, wie sie noch ihrer jugendlichen Denkungsart anhangen, wie 
gerne sie an ehemaligen, eigenen und fremden Jugendstreichen sich leichtsinnig 
erlustigen, und wie unbesonnen sie daher auch die wichtigsten Amtssachen 
nach dem vorigen jugendlichen Fu&szlig;e behandeln! Eine von den Hauptquellen 
des heutigen Verderbens in allen St&auml;nden! Solche weibische M&auml;nner 
sind ein gro&szlig;es Gericht &uuml;ber ein Land. Ohne Nachjagen nach dem 
Gegenteil entgeht man diesem leidigen Sinn nicht. Unter dem, auf was man 
sich mit Nachjagen legen soll, setzt der Apostel vorne an, die Gerechtigkeit: 
eine m&auml;nnliche Tugend, bei Allem, was einem vorkommt, Personen und 
Sachen, was zu tun und zu unterlassen, auf GOttes Willen, und was demselben 
gem&auml;&szlig;, auf das Licht jenes Tages, und was es offenbaren wird, 
allermeist zu sehen, und nicht nach schnellen Einf&auml;llen, wie es einen 
ankommt, nach Vorneigung einem zu lieb, oder nach Abneigung einem zu leid, 
Etwas vorzunehmen. Sodann soll man nachjagen dem Glauben, der aus Hochachtung 
des Himmlischen das unter seine F&uuml;&szlig;e tritt, was je die Welt 
erhebt; und dabei doch geschmeidig und gnadenm&auml;&szlig;ig mit dem umgeht, 
was er empfangen hat, und nicht tut, als ob er es nicht empfangen h&auml;tte. 
Man soll nachjagen der Liebe, wie sie sonst hei&szlig;t, allgemeine Liebe, 
und den frieden, oder die besondere Verbindung mit denen, die den HErrn 
anrufen; an diese hat man sich also vorz&uuml;glich anzuschlie&szlig;en, 
an denen hat man sich unter mancher Kirchennot aufzurichten, die nimmt 
man beim Anrufen des HErrn als seine Mitk&auml;mpfer mit sich, und spricht 
ihnen zu: Wacht mit mir und betet. "Ja, das kann aber auf das leidige Unterschiedmachen 
hinauslaufen, dar&uuml;ber der eine teil sich aufbl&auml;ht, und der andere 
vor den Kopf gesto&szlig;en wird!" Solche Einwendungen abzulehnen, setzt 
der Apostel hinzu: Mit reinem Herzen. GOtt wird schon solche Schlacken 
abzuschmelzen wissen. Die Not wird auch einen Lehrer bed&auml;chtlich handelnd 
machen. Mancher der sich anf&auml;nglich gesto&szlig;en hat, kommt noch 
zu besserem Nachdenken, und schlie&szlig;t sich wohl gar noch selbst an 
ein solches H&auml;uflein an. Zu wachen, zu beten, zu wehren hat man freilich 
genug, da&szlig; Herzensreinigkeit bewahrt werde. Aber um der etwa ausbrechenden 
Fehler willen darf sich doch ein Fauler nicht kl&uuml;ger d&uuml;nken, 
als die, deren Arbeit oft mit einem solchen Fehler verunstaltet wird. Es 
kann aus solche Fehlern noch mehr gutes herauskommen, als aus all dem ung&ouml;ttlichen 
Frieden mit der Welt. - Der unn&uuml;tzen Fragen sich zu entschlagen hat 
der Apostel schon <i>1.Tim. 4, 7 ; 6, 4</i> 
aufgegeben, und jetzt wieder. Warum so oft Einerlei? Wie sich es treibt; 
wie die Versuchung dazu auch immer wieder unter neuen Vorw&auml;nden aufkommt; 
wer das allererst aufgegebene Nachjagen vers&auml;umt, der will sich doch 
auch in etwas hervortun, und dar&uuml;ber f&auml;llt man oft auf solche 
t&ouml;richte und unn&uuml;tze Fragen. - Die weitere Anweisung, wie ein 
Knecht des HErrn sein soll, geht immer eine zwischen zwei Abwegen durchf&uuml;hrende 
Mittelstra&szlig;e; nicht z&auml;nkisch, doch die Widerspenstigen zu strafen 
gest&auml;rkt, freundlich gegen Jedermann, doch lehrhaftig, und also ein 
Licht und Salz gegen das Gef&auml;llige in der Welt, das ganz keine Besserung 
bezielt; der die B&ouml;sen tragen kann; doch da&szlig; es ihm also ein 
Leiden und eine Last ist, die er tr&auml;gt, und worunter er zwar nichts 
erzwingen kann und will, aber sich doch immer um eine offene T&uuml;r bewirbt, 
die GOtt geben, und wodurch Er m&ouml;glich machen k&ouml;nnte, was bei 
Menschen unm&ouml;glich scheint; es auf ein N&uuml;chternwerden, auf ein 
Erwachen im eigenen Nachdenken ankommen l&auml;&szlig;t, aber doch auch 
darauf umgeht, sie heilsam auf den Willen GOttes herumzulenken, und ihr 
N&uuml;chternwerden aus des Teufels Stricken gleich zu einer v&ouml;lligen 
Hingabe in den guten Gotteswillen zu ben&uuml;tzen. Was dergleichen Aufgaben 
zu schaffen machen, wollen wir aus einem Bekenntnis des seligen Dr. Speners 
abnehmen, der im dritten Teil seiner Bedenken S. 700, ferner an eine Freundin 
in Frankfurt schreibt: " Der HErr lasse doch Ihr und anderer gottseligen 
Herzen Seufzen f&uuml;r mich niemals vergeblich sein, sondern mache mich 
t&uuml;chtig in allen St&uuml;cken, zu demjenigen, was sein aufgetragener 
Beruf von mir erfordert." S. 701 "Das g&ouml;ttliche Licht, in welchem 
wir allein, was unseren und anderen Seelen dienlich ist, erkennen k&ouml;nnen, 
ist das Meiste, warum ich f&uuml;r mich mit ihr zu beten habe, sonderlich, 
wie sie recht bemerkt, die Erkenntnis, wie weit zu unserer Zeit sich unsere 
Geduld und Langmut erstrecken soll, und hingegen wo mit einer mehreren 
Widersetzung durchgebrochen werden m&uuml;sse. Ach, wie ich mir den Spruch 
Pauli 2.Tim. 2, 24-26, f&uuml;r eine meiner Hauptregeln vorgestellt, da&szlig; 
ich doch recht diese Beiden m&ouml;ge zusammengatten lernen, die B&ouml;sen 
zu tragen mit Sanftmut, und zu strafen die Widerspenstigen; da&szlig; ich 
weder mit unzeitiger Sanftmut die Seelen vers&auml;ume, noch mit unbesonnenem 
und eigensinnigem Strafen das B&ouml;se b&ouml;ser mache. Dieses bleibt 
mir wohl eines meiner vornehmsten Anliegen; nachdem ich aber ja herzlich 
gern sowohl meine Affekten z&auml;hme, wo die Ehre des HErrn und der Seelen 
Heil eine Sanftmut erfordert, als auch den Undank des harten Strafens nicht 
scheue, wo der Wille GOttes dieses haben will; so trage ich die kindliche 
Zuversicht, mein himmlische Vater werde Seinem armen Kind auch in seiner 
Einfalt so viel Weisheit geben als n&ouml;tig ist, doch auf das Wenigste, 
ob ich auch zu meiner Dem&uuml;tigung ein = und andermal all meine Fehler 
gewahr werden, doch keinen Seelenschaden zu meiner g&auml;nzlichen Niederwerfung 
gewahr werden lassen." S. 703 "Die Weisheit, mich vor der T&auml;uscherei 
falscher Freund zu h&uuml;ten, bedarf ich auch so viel als einiger anderer 
Gabe; ob ich schon mein Herz nicht ohne Bedacht bei Jedermann aussch&uuml;tte; 
doch wo mich d&uuml;nkt, etwas Gutes bei einem anderen Menschen zu sehen, 
geht mir doch das Herz leicht zu weit auf, und aus Furcht, einen Solchen 
nicht mit einem unbegr&uuml;ndeten Verdacht zu belegen, la&szlig; ich mich 
oft weiter, als nutz ist, heraus, und sage, was bei einem aufrichtigen 
Kind GOttes zu seinem Bericht und Aufmunterung w&uuml;rde n&uuml;tzlich 
gewesen sein, aber bei einem falschen Herzen zu eigenem Schaden und auch 
meinem Nachteil mi&szlig;braucht werden kann. Daher das Gebet auch in solcher 
Sache f&uuml;r mich h&ouml;chst n&ouml;tig ist, damit ich auch hierin die 
GOtt wohlgef&auml;llige Mittelstra&szlig;e treffe, Niemanden in der Welt, 
ohne einige Ausnahme, mich so darzustellen, wie GOtt allein in mich sehen 
mu&szlig;; anderen gottseligen Herzen aber, in dem, wo ich schwach und 
stark bin, mich also zu offenbaren, wie es zu eines Jeden Erbauung, Warnung, 
Trost, Aufmunterung und Hoffnung, dadurch gebessert zu werden, dienlich 
ist; vor Weltherzen aber mich wiederum recht vorzusehen, damit sie nichts 
an mir gewahr werden m&ouml;chten, woran sie sich entweder selbst &auml;rgerten, 
oder auch Anderen damit schaden k&ouml;nnten; hingegen auch vor denselben 
nichts zu verbergen, was zu ihrem geistlichen Besten dienen m&ouml;chte." 
Den 8 September 1686. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 2.Timotheus 3,1-5</font></b></h4> 
 
<p><b>&Uuml;ber die von der N&auml;he her gemachten Vorstellungen 
&ouml;ffnet nun der Apostel dem Timotheus auch eine dienliche Aussicht 
in die Ferne, wie es noch ferner in dem gro&szlig;en Hause, in der Gemeine 
GOttes, gehen, und welche Not sich erheben werde, deren Voraussicht die 
Gl&auml;ubigen auch schon im gegenw&auml;rtigen Zustand zu mancher bed&auml;chtlichen 
Handlungsweise anhalten soll.</b> 
 
<p>Der feste Grund GOttes besteht freilich nach <i>Kap. 
3, 19</i>, aber das Geheimnis der Bosheit l&auml;uft auch daneben her. 
Die Kirche, wie einzelne Gl&auml;ubige, hat gro&szlig;e Verhei&szlig;ungen; 
aber es ist auch Vieles ihr zur Warnung und Drohung vorher geschrieben. 
Das mu&szlig; man auch nicht aus der Acht lassen. Gegen dem Ende seines 
Lehramts hat der liebe Heiland erst seinen J&uuml;ngern reichere Aufschl&uuml;sse 
vom Zuk&uuml;nftigen verliehen; nicht zum F&uuml;rwitz, sondern zur Verwahrung 
<i>(Matth. 
24, 4)</i>. So schreibt der seinem Abschied nahe Paulus auch dieses 
an seinen Timotheus, &uuml;ber die schon <i>1.Tim. 
4, 1</i> gemachte Anzeige. Ein Knecht des HErrn soll auch hierin weder 
voreilig, noch tr&auml;g und sicher sein, sondern wachen, mithin wissen, 
wo er daran sei <i>(Kap. 2, 24)</i>. 
Der Lehrstand hat zu allen Zeiten gro&szlig;en Anteil an dem Zustand der 
Kirche, und auch an den dadurch veranla&szlig;ten Gerichten GOttes. Darum 
hat sich auch das Wort der Weissagung mit dem, was es von Einsicht in die 
Zukunft verleiht, an diese zu W&auml;chtern bestellten Knechte gewandt 
(Offb. 2 und 3). Deswegen soll man sich das prophetische Wort von Niemand 
verd&auml;chtig machen lassen. So ein einziger apostolischer Ausspruch: 
das sollst du aber wissen, soll und mehr gelten, als tausend spitzfindige 
Warnungen, wodurch man uns davon abschrecken will. Wissen hei&szlig;t freilich 
aber auch hier nicht so viel, als F&uuml;rwitz damit treiben, sich darin 
aufbl&auml;hen, und es &uuml;berall feiltragen und damit unwert machen; 
sondern wissen hei&szlig;t auch hier bedenken, sich es zu Herzen gehen 
lassen, es zu seiner Nachachtung f&uuml;r sich nehmen, besonders auch es 
als einen Samen des Gebets in sich herumtragen, zu dem Seufzen und dem 
dadurch veranla&szlig;ten Sieg des Reichs GOttes mitzuwirken. In die letzten 
Tage ergie&szlig;t sich das Verderben der vorigen Zeiten. Das menschliche 
Geschlecht, und der Christenhaufe darunter ist in allen nach einander folgenden 
Geschlechtern wie ein Mensch anzusehen, bei dem sich die Vers&auml;umnisse, 
die zugezogenen b&ouml;sen Gewohnheiten, von Jahren zu Jahren mehren, und 
zu gr&ouml;&szlig;erem Verderben ausschlagen. Gleich wie hingegen bei den 
Gl&auml;ubigen ein Geschlecht vom Anderen im Warten auf die selige Hoffnung 
abgel&ouml;st wird, und die Wachsamkeit der Vorhergehenden auch den Nachfolgenden 
zu gut kommt. Darum k&ouml;nnen auch wir gegen die letzten Zeiten nicht 
fremd tun. Die Brut dazu regt sich schon genugsam, man vergleiche <i>1.Joh. 
2, 15</i>. Was im Deutschen: gr&auml;uliche Zeiten hei&szlig;t, deutet 
nach der Grundsprache eigentlich schwere Zeiten an. Innerlich werden es 
freilich greuliche Zeiten sein; aber &auml;u&szlig;erlich werden sie doch 
eine Maske haben, dergleichen man wirklich schon unserem Hof, Stadt und 
Land ansp&uuml;rt, da&szlig; man bei Allem dem, was der Gottseligkeit das 
Herzblatt abfri&szlig;t, doch noch Religion, deren Achtung, Aufnahme und 
Besorgung im Munde f&uuml;hren will, und das macht eigentlich schwere Zeiten, 
wobei ein Knecht des HErrn nicht wei&szlig;, wo er es angreifen soll, der 
angenommene Schein <i>(V.5)</i>, l&auml;&szlig;t 
ihn nicht mit dem n&ouml;tigen Eifer aufkommen, und die abgehende Kraft 
ist ihm doch handgreiflich genug. Verleugnung seiner selbst ist der Grund 
und die Spitze vom Christentum; hingegen sein Leben lieb haben auf dieser 
Welt, das Seine suchen, von sich selbst halten, ist der Abgrund von aller 
&uuml;brigen Abweichung, besonders auch im Lehrstand <i>(Luk. 
20, 46-47)</i>. Die ganze weitere Beschreibung der Menschen in den letzten 
Zeiten trifft genau mit der <i>R&ouml;m. 
1, 29</i> vorkommenden Beschreibung &uuml;berein, die vom heidnischen 
Unwesen gemacht wird; so gewi&szlig; zieht der Abfall vom Glauben wider 
heidnische Laster nach sich. Das Verhalten der Jugend, sonderlich auch 
gegen die Eltern, hat gro&szlig;en Einflu&szlig; in die Bildung k&uuml;nftiger 
Zeiten. Hat man das Herz einmal gegen die Seite verh&auml;rtet, wo es noch 
am empfindlichsten sein sollte, so ist es noch viel leichter geschehen, 
da&szlig; man auch gegen Andere undankbar wird, und &uuml;ber eine Weile 
alles Gef&uuml;hl gegen die Zucht des Geistes verliert, oder alle Werkst&auml;tte 
verschlie&szlig;t, durch die sonst GOttes Geist dem Menschen beikommen 
sollte. St&ouml;rrisch, unvers&ouml;hnlich; wo die nat&uuml;rlichen Bande 
der ehelichen und sonst von Blutsfreundschaft herstammenden Liebe nachlasen, 
da gibt es gegen Andere desto leichter H&auml;rtigkeit. Wie ist es aber 
m&ouml;glich, bei so viel ausbrechendem B&ouml;sen noch einen Schein des 
gottseligen Wesens haben? Merke nur an deiner jetzigen Welt, wie sie sich, 
ihres w&uuml;sten Wesens ungeachtet, doch noch der Religion und Tugend 
r&uuml;hmt. Eigentlich aber hei&szlig;t es auch, wie <i>R&ouml;m. 
2, 20</i>, die Form haben, was zu wissen und recht ist. Die Kraft f&uuml;hrt 
in Verleugnung, in Gemeinschaft des Kreuzes hinein, und ist vom geist, 
als einem Geist der Kraft unterst&uuml;tzt <i>(Kap. 
1, 7)</i>. Durch den Zuspruch solche meide, gibt der Apostel zu erkennen, 
da&szlig; die Brut zu jenen Menschen der letzten Zeit, schon zu fr&uuml;heren 
und jetzigen Zeiten anzutreffen sei. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 2.Timotheus 3,6-9</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel beschreibt dem Timotheus die Verf&uuml;hrer 
und ihre K&uuml;nste, die sie brauchen werden noch n&auml;her, damit er 
sich und Andere desto eher vor ihnen verwahren, und den Ausgang, den es 
mit ihnen nehmen werde, abwarten k&ouml;nnte.</b> 
 
<p>Es ist nicht ungew&ouml;hnlich, da&szlig; man diese Worte 
aus all ihrem Zusammenhang herausrei&szlig;t und so deutet, da&szlig; man 
damit die beste Sache, den redlichsten Flei&szlig; eines Knechtes Christi 
im Suchen des Verlorenen, im Warten des Schwachen verd&auml;chtig machen, 
und auf alles &Uuml;ben des Wortes GOttes in den H&auml;usern einen b&ouml;sen 
Argwohn bringen will. Es kommt aber nicht darauf an, was der Geist des 
Widerspruchs Jedem eingibt. Seine Sache aus der Schrift zu beweisen, hei&szlig;t 
nicht einen Spruch herziehen, da&szlig; unbedachtsame und mutwillige Zuh&ouml;rer 
sich daran kitzeln k&ouml;nnen. Sondern zur Erkl&auml;rung auch eines einzelnen 
Spruchs mu&szlig; man das ganze &uuml;brige Schriftzeugnis vor sich haben, 
und nicht das Eine Wort so drehen, da&szlig; zehn anderen Schriftzeugnissen 
dadurch widersprochen wird. Wer kann mit dem geringsten Schein vorgeben, 
da&szlig; Paulus, der von sich sagt er habe drei Jahre Tag und Nacht nicht 
nachgelassen, einen Jeden mit Tr&auml;nen zu ermahnen <i>(Apg. 
20, 31)</i>, der &ouml;ffentlich und besonders gelehrt zu haben bezeugt 
<i>(Apg. 
20, 31)</i>, jetzt alles Zusammenkommen in den H&auml;usern verd&auml;chtig 
machen, und die damit verbundene Gefahr aufdecken wolle? Vielmehr mu&szlig; 
man umgekehrt sagen, die hier beschriebenen Verf&uuml;hrer w&uuml;rden 
nicht so leicht Eingang finden, und ihr angema&szlig;ter Schein der Gottseligkeit 
w&uuml;rde nicht so viel verblenden, wenn diejenigen, die Amtshalber dazu 
verbunden sind, sich auch der Seelen genugsam ann&auml;hmen, und dabei 
mehr Kraft der Gottseligkeit an sich zeigten. - Zu dem Schleichen machen 
manche der obenbenannten St&uuml;cke, als L&auml;stern, verraten, zc. dem 
Geiz stellen, Vorwand und Bahn. - Unter den H&auml;usern hat man auch nicht 
blo&szlig; an die Zimmer und den dortigen Genu&szlig; zu denken, sondern 
in die H&auml;user schleichen hei&szlig;t auch, sich in die Angelegenheiten, 
in die Situationen der Familien, in die darin vorwaltenden Irrungen dringen, 
und aus allem Vorteil zu seinen Absichten ziehen. - Nach Art der Schlange 
und ersten Verf&uuml;hrerin machen sie sich an den schw&auml;cheren Teil, 
den der Apostel deswegen auch mit einem solchen Ausdruck bezeichnet. Das 
Gefangenf&uuml;hren geschieht freilich durch Lehren und Lernen <i>(V. 
7)</i>, aber doch eigentlich durch eine solche Art Lehrens, wobei dem 
Zuh&ouml;rer nicht vielleicht oder Erkenntnis der Wahrheit gew&auml;hrt 
wird, sondern wo das Gem&uuml;t mehr mit gro&szlig;en Verspr&uuml;chen, 
Hoffnungen und Einbildungen eingenommen wird, davon sich auch Etwas in 
die Sinne und Glieder ausbreitet, das ihm seine Freiheit benimmt, oder 
ihn in einen Gewohnheit dahinrei&szlig;t, ohne die er nimmer sein kann. 
Denn so wird sonst das Gefangennehmen gebraucht <i>(R&ouml;m. 
7, 23 ; 2.Kor. 10, 5)</i>; das kann durch s&uuml;&szlig;e und pr&auml;chtige 
Reden bewirkt werden <i>(R&ouml;m. 16, 15)</i>. 
Von dergleichen der Verf&uuml;hrung allermeist offenstehenden Weibsleuten 
macht der Apostel die weitere Beschreibung, da&szlig; sie mit S&uuml;nden 
beladen seien, und sich also im Stand eines b&ouml;sen und unreinen Gewissens 
befinden, dabei sie sich selbst nicht helfen k&ouml;nnen, zu denen aber, 
die ihnen die Hand bieten k&ouml;nnten, kein vertrauen haben, mithin freilich 
jedem Knecht des Verderbens, wenn er ihnen Freiheit verspricht, leicht 
Geh&ouml;r geben <i>(2. Petr. 2, 19)</i>.Statt 
der gehofften Freiheit aber werden sie von der Menge ihrer L&uuml;ste bald 
in 
die H&ouml;he, bald in die Tiefe gef&uuml;hrt, bald in das Fleisch, bald 
beim Ekel daran, wieder in eine angema&szlig;te Geistlichkeit verlockt, 
wobei aber das Fleisch auch durch Neugier, Wi&szlig;begierde, Einbildung 
besonderer Kenntnisse seine Ers&auml;ttigung findet. Von Allem diesen hat 
man in der Kirchengeschichte &auml;lterer und neuerer Zeit dem&uuml;tigende 
Beispiele; wie viel ist also daran gelegen, teils die &ouml;ffentliche 
Lehre so zu f&uuml;hren, da&szlig; man daran eine gesund Weide habe, teils 
da&szlig; die Schafe auch sonst sp&uuml;ren, sie seine nicht ohne Hirten, 
haben nicht n&ouml;tig, sich jedem Uml&auml;ufer anzuvertrauen. Wie gern 
soll man sich aber auch warnen lassen durch die schauderhaften Fu&szlig;stapfen, 
daraus man abnehmen kann, was daraus wird, wenn sich Weibsleute von unzuverl&auml;ssigen 
Mannsleuten einnehmen lassen, und sich oft Wunder = Segen von ihnen versprechen. 
Die Form Etwas zu wissen, die sich die Verf&uuml;hrer anma&szlig;en, der 
Ekel an dem Gewohnten und die Begierde nach etwas Besonderem auf Seiten 
der Verf&uuml;hrten, treibt in ein best&auml;ndiges Lernen; aber weil der 
Unterricht nicht auf Wahrheit und deren freimachenden Kraft geht, sondern 
nur Bet&auml;ubung des Gewissens und erm&uuml;dende &Uuml;bungen mit fleischlichem 
Vertrauen darauf betreibt, so kommt man nimmer zur Erkenntnis der Wahrheit. 
Bei den &auml;gyptischen Zauberern, f&uuml;r deren Anf&uuml;hrer Jannes 
und Jambres gehalten werden, fanden sich im Finstern schleichende Kr&auml;fte, 
wodurch aber doch Mosis Wunder nachgeahmt, und also der Glaube und Gehorsam, 
den sie bewirken sollten, verhindert, vielmehr Versuchung veranla&szlig;t 
wurde, Eins mit dem Anderen wegzuwerfen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 2.Timotheus 3,10-13</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel zeigt dem Timotheus, wodurch er von den betr&uuml;glichen 
Stegen dieser b&ouml;sen Menschen bereits verwahrt sein, und auch ferner 
bewahrt bleiben k&ouml;nne.</b> 
 
<p>Bei den betr&uuml;btesten Anzeigen gibt der Apostel zu 
erkennen, da&szlig; er noch immer etwas &uuml;brig habe, l&auml;ssige H&auml;nde 
aufzurichten. Siehe <i>V. 14 und Kap. 4, 
5</i>. Unter den hier namhaft gemachten Umst&auml;nden liefen einige 
in die Zeit hinein, da Timotheus schon in t&auml;glichem Umgang mit Paulus 
stand, einige aber sind noch fr&uuml;her, da&szlig; sie also Timotheus 
nur aus Nachrichten wissen konnte; die ihm der Apostel gern gegeben haben 
wird, wie ein Vater den Arm des HErrn seinen Kindern verk&uuml;ndigt, und 
sie auch von der Frucht der Leiden unterh&auml;lt. Neben allem t&auml;glichen 
Wachstum in der Gnade und in der Erkenntnis unseres HErrn JEsu Christi 
mu&szlig; man doch in der Lehre bei gewissen bew&auml;hrten Worten bleiben, 
und der Schwachen zu schonen, auch nicht einmal in Ausdr&uuml;cken zu viel 
abwechseln und &auml;ndern. Darum verbindet der Apostel mit seiner Lehre 
so seine Meinung oder Festigkeit, und mit dem Glauben seine Langmut oder 
sein langm&uuml;tiges Bleiben bei Einem, und Abwarten dessen Frucht. Eben 
daran unterscheidet es sich, ob man etwas nur im m&uuml;&szlig;igen Wissen 
hat, wobei man aber immer von Einem auf das Andere fallen kann, oder ob 
man etwas als ein Gew&auml;chs des Glaubens und zum Samen einer ganzen 
Ver&auml;nderung und Erneuerung des Sinnes in sich herumtr&auml;gt. Auch 
hier, wie <i>2. Kor. 11, 30</i>, r&uuml;hmte 
sich der Apostel am liebsten seiner Schwachheiten, oder seiner erlittenen 
Verfolgungen, und des unter diesen Fersenstichen doch davongetragenen Siegs; 
in welche Gemeinschaft des Ruhms er Alle, die gottselig leben wollen in 
Christo JEsu, zusammenfa&szlig;t. &Uuml;ber der Gottseligkeit, die aus 
Christo JEsu hergr&uuml;nt, gibt es die gr&ouml;&szlig;te Scheidung zwischen 
der Welt und zwischen diesen an dem wahrhaftigen Weinstock fruchtbaren 
Reben <i>(Joh. 15)</i>. Der einige Abgang, 
wo man sich nicht zum Verfolgungsleiden bequemen wollte, k&ouml;nnte das 
ganze Gew&auml;chs wieder abtreiben, und zum fr&uuml;hzeitigen Verdorren 
bringen. La&szlig;t sie fahren, sagt der Heiland von den B&ouml;sen seiner 
Zeit, sie sind blind, und der Blinden F&uuml;hrer, und so sagt auch hier 
der Apostel: Halte dich nicht bis zur Beschwerung deines Herzens auf bei 
anderer Unglauben; danke du GOtt desto mehr f&uuml;r dein F&uuml;nklein 
Glauben! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 2.Timotheus 3,14-17</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel ermahn den Timotheus, er m&ouml;chte, ohne 
sich viel an Andere zu kehren, nur bei dem bleiben, was er als Wahrheit 
habe erkennen und liebgewinnen gelernt, und versichert ihn, da&szlig; er 
dabei nicht faul noch unfruchtbar sein, sondern aus dem Reichtum der Heiligen 
Schrift in der Erkenntnis und in aller sonstigen Brauchbarkeit gen&uuml;gsam 
werde gef&ouml;rdert werden.</b> 
 
<p>Es geh&ouml;rt mit zu dem Gehorsam Christi, unter den 
unsere unm&uuml;&szlig;ige und f&uuml;rwitzige Vernunft gefangen genommen 
werden mu&szlig;, da&szlig; man bei dem bleiben lernt, was man von Anfang 
geh&ouml;rt hat. Die Vernunft m&ouml;chte immer gern das, was ihr GOttes 
Geist und Wort nach ihren Begriffen nicht hinl&auml;nglich genug entdeckt, 
sich aus ihrem eigenen geist er&ouml;ffnen, und bringt dar&uuml;ber, unter 
dem Vorwand des Wachstums, viel ungereimte Anh&auml;nge an die g&ouml;ttlichen 
Geheimnisse hervor. Dagegen w&auml;re das Bleiben bei der Einfalt des Glaubens 
eine k&ouml;stliche Bewahrung. Einfalt des Glaubens aber ist keine Unwissenheit 
oder Gleichg&uuml;ltigkeit gegen alle Erkenntnis, sondern eine Festigkeit 
des Herzens, die das ihr als Wahrheit Anvertraute lauterlich bewahrt, und 
&uuml;ber dem Wenigen so treu erfunden werden bedacht ist, da&szlig; es 
desto mehr in t&auml;tiger Weisheit und Brauchbarkeit wuchert, da sich 
sonst unter den Fragen nach Weiterem und Neuerem ein aufbl&auml;hendes 
Wissen einmengt, wo die vollst&auml;ndigste Erkl&auml;rung doch ohne Frucht 
bleibt. - Gelernt hast und dir vertraut ist, setzt der Apostel nicht umsonst 
zusammen, sondern er deutet damit ein solches Lernen an, das mit Gottesz&uuml;gen 
im Innern begleitet ist, und wobei man das, was man aus menschlicher Unterweisung 
fa&szlig;t, als GOttes Wort und Wahrheit aus Erfahrung seiner Kraft annehemn 
und versiegeln kann. Bei noch so mancherlei Gaben GOttes zu jeder Zeit, 
bei noch so mannigfaltigem Unterricht, den man aus m&uuml;ndlichen und 
schriftlichem Vortrag genie&szlig;en kann, wird doch nicht bald ein Kind 
des Lichtes sein, das nicht einen Lehrer oder gewisse Schriften hat, daraus 
es vorz&uuml;glich lernt, und das ist nicht gerade f&uuml;r einen Eigensinn, 
oder f&uuml;r einen an Menschen gesuchten Ruhm auszugeben, sondern es bewahrt 
einen oft besser, als wenn man so an Allem anbei&szlig;en will, und sich 
mit mehr &uuml;berladet, als man verdauen kann, und von jedem nur etwas 
nimmt, das einem anst&auml;ndig ist, dar&uuml;ber aber gar zu keinem Vorbild 
der heilsamen Lehre gelangt. - Da&szlig; sich jetzt aber Paulus selbst 
auf die fr&uuml;hzeitige Kenntnis der Heiligen Schrift beruft, zeigt deutlich, 
da&szlig; auch ein Apostel Keinen an sich allein hinbinden, und damit Herr 
&uuml;ber unseren Glauben sein wollte. Je mehr auch unser Dienst dahin 
gerichtet ist, da&szlig; wir unsere Zuh&ouml;rer in die Schrift hineinf&uuml;hren, 
selbige zu forschen ihnen Lust und Mut machen; desto gewisser bleibt unsere 
Frucht auch nach unserem Abschied. Schon unter seinem Volk im alten Bund 
hat GOtt gute Einrichtung gemacht, da&szlig; sie von Kind auf in der Schrift 
unterwiesen w&uuml;rden, und der liebe Sohn GOttes hat ja bei seinem Wandel 
in der Welt diese Achtung f&uuml;r die Kleinen auf alle Weise best&auml;tigt, 
und das soll uns mehr gelten, als alle die Kl&uuml;geleien, womit man heutigen 
Tages vorgibt, es sei den Kindern noch nichts von der Religion beizubringen. 
Unter dem Namen heilige Schrift, wurden ehemalen Moses und die Propheten 
angedeutet; denn darin konnten Lois und Eunike, als rechtschaffene Israelitinnen, 
den Timotheus von Kind auf unterweisen. Heilige Schrift hie&szlig; es vom 
Urheber, GOtt und seinem Heiligen Geist her, auch von ihrem Inhalt und 
Absicht, uns zu GOtt zu f&uuml;hren, da&szlig; wir seine Heiligung erlangen; 
welches freilich einen gro&szlig;en Unterschied und Vorzug vor allen anderen 
Schriften gr&uuml;ndet. - Die n&auml;chste Unterweisung der Schrift geschieht 
zum Glauben, eben damit aber auch zur Seligkeit. Alles was der Sohn GOttes 
bei seinem Wandel in der Welt so oft als Schrift angezogen, woraus Er alle 
vorgekommenen Fragen entschieden, worauf Er sich als auf seine Zeugin berufen, 
&uuml;ber deren Erf&uuml;llung Er gelitten, und von deren Er kein Buchst&auml;blein 
unerf&uuml;llt zu bleiben verhei&szlig;en hat, das hei&szlig;t uns noch 
- <i>Alle Schrift</i> mit allen damals 
dazu gerechneten B&uuml;chern und derselben Teile; und diese ist <i>von 
GOtt eingegeben</i>, GOtt hat die heiligen Menschen getrieben, so zu 
reden und zu schreiben, Sein Geist hat es ihnen geoffenbart, was sie aus 
eigener Vernunft und Kraft nicht wissen konnten, die zum Glauben und zu 
unserer Seligkeit n&ouml;tigen Wahrheiten sind ihnen so auszusprechen verliehen 
worden, da&szlig; man nun ihr Wort nicht als Menschen = sondern als Gotteswort 
annehmen und sich mit v&ouml;lligem Glauben darauf verlassen kann. Wie 
denn der Geist GOttes, der beim Eingeben der Schrift gesch&auml;ftig war, 
eben so nun auch zum Lesen und fruchtbarer Anwendung der Schrift nahe und 
kr&auml;ftig ist. Das verschafft eben, da&szlig; die Schrift f&uuml;r Unwissende, 
Schwache und Anf&auml;nger, zur Lehre oder Unterricht, f&uuml;r Irrende, 
in gegenseitigen Meinungen und Vorurteilen Gefangene, zur Strafe oder &Uuml;berzeugung; 
f&uuml;r die, so von sch&auml;dlichen Wegen herumgeholt werden m&uuml;ssen, 
zur Besserung, und f&uuml;r die Einrichtung unseres ganzen Gangs auf Wegen 
des Friedens zur Z&uuml;chtigung in der Gerechtigkeit, wobei man das gro&szlig;e 
Ziel, der Seelen Seligkeit, nicht verfehlt, und mithin zu Allem n&uuml;tzlich 
ist, was ein Jeder Christ, oder auch ein Diener im Hause GOttes zu seiner 
eigenen Seligkeit, oder in der Absicht, auch Anderen zum Heil zu helfen, 
n&ouml;tig hat. Was man auf solche Weise t&auml;glich aus der Schrift sch&ouml;pft 
und mit Sanftmut annimmt, das kann man auch wieder in diesem Geist an Andere 
bringen, und ist damit zu allem guten Werk ausger&uuml;stet. Was sich au&szlig;erdem 
als gr&ouml;&szlig;ere Weisheit anpreisen will, an dem kann man ruhig vor&uuml;bergehen 
und aus 1.Joh. 2, 27 sagen: ich bedarf dessen nicht, und wem ein solcher 
Schriftunterricht kein Gen&uuml;ge tut, von dem ist zu besorgen, da&szlig; 
es ihm noch nicht mit ernst um s Glauben und Seligwerden zu tun ist. O 
GOtt, Dein Wort in der Schrift mache mich weise zur Seligkeit durch den 
Glauben an Christo JEsu, und zu allem guten Werk geschickt! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 2.Timotheus 4,1-4</font></b></h4> 
 
<p><b>Von da an lenkt sich der Brief merklich zum Beschlu&szlig;, 
und daher nimmt der Apostel Alles zusammen, was des Timothei Herz anfassen, 
und es zu unverdrossenem Anhalten am Guten st&auml;rken konnte.</b> 
 
<p>Auch die Gutwilligsten bed&uuml;rfen gegen die Schwachheit 
des Fleisches und die Versuchungen ihrer Zeit so angetrieben zu werden, 
wie der Apostel hier und oben <i>(1.Tim. 
6, 13)</i> tut; wer das nicht n&ouml;tig zu haben meint, der ist schon 
auf schl&uuml;pfrigem Wege. Mit den Folgen unseres Amts auf die Ewigkeit, 
sonderlich auf den Tag JEsu Christi, mu&szlig; man seine l&auml;ssigen 
H&auml;nde oft aufrichten, und seine m&uuml;den Knie st&auml;rken. Dem 
HErrn JEsu zu gefallen, und auf seinen Tag zu bestehen, soll der Grund 
sein, auf dem wir uns t&auml;glich erneuern. Das verh&uuml;tet, da&szlig; 
aus der Gesch&auml;ftigkeit kein zerstreutes Wesen, aus der Geduld keine 
Faulheit, aus der Begierde weiter zu kommen, kein F&uuml;rwitz wird; das 
Licht jenes Tages h&auml;lt Alles in Zucht und Ordnung. Im k&uuml;nftigen 
Gericht wird es einen Hauptumstand ausmachen, da&szlig; mit Denen abgerechnet 
wird, die Anderen den Weg zeigen wollten und sollten <i>(Matth. 
7, 13- 23)</i>, oder die der HErr &uuml;ber sein Gesinde setzte <i>(Matth. 
24, 45-51)</i>. - Mit seiner Erscheinung und mit seinem Reich, sagt 
der Apostel, oder mit seiner Erscheinung, wobei zugleich sein Reich offenbar 
werden wird <i>(1.Tim. 6, 14)</i>. Die 
vormalige Erscheinung im Fleisch gibt ihm das Recht zu dieser; und wer 
dem Willen GOttes an der Verk&uuml;ndigung und Aufrichtung des Segens von 
JEsu Offenbarung im Fleisch dient, der hat dessen Erscheinung oder Offenbarung 
in der Herrlichkeit als das Hauptziel seiner Arbeit anzusehen. - Predigen 
war ja auch das Gesch&auml;ft des Sohnes GOttes bei seinem hiesigen Lauf. 
Genugsame W&uuml;rde, GOtt an diesem seinen Wohlgefallen zu dienen, da&szlig; 
sein Wort und Evangelium in der Welt bleibe! Predigen f&uuml;hrt einen 
erwecklichen Aufruf bei sich, Anhalten geschieht durch sachtere Arten, 
wie man einem Menschenherzen beikommen kann; beim Predigen erhebt man seine 
W&auml;chterstimme, beim Anhalten steht man sonst auf seiner Hut, und merkt, 
wo sich unter einer Schickung GOttes eine T&uuml;r &ouml;ffnet, oder eine 
Gelegenheit, Gutes zu wirken, sich anbietet. Zu solcher Arbeit an einander 
hat man vorgeschriebene Zeiten und &ouml;ffentliche Zusammenk&uuml;nfte, 
das hei&szlig;t der Apostel zu rechter Zeit; man mu&szlig; aber daneben 
auch Zeiten, einen Jeden insonderheit zu erinnern auskaufen <i>(Apg. 
20, 31)</i>, das hei&szlig;t der Apostel zur Un = oder ungew&ouml;hnlichen 
Zeit. Zur Unzeit hei&szlig;t freilich nicht soviel als unbesonnen, st&uuml;rmische, 
sonst st&auml;nde nicht dabei: mit aller Geduld. Auch zu dem, was Unzeit 
hei&szlig;t, m&uuml;ssen einem Schickungen GOttes erst Bahn machen, aber 
verdrossen mu&szlig; man nicht sein, selbige zu gebrauchen, wie sie sich 
anbieten; von den Schreckgeistern dieser Welt, von den Vernunftsbedenklichkeiten 
mu&szlig; man sich den Mund nicht stopfen lassen. Das Wiegenlied der Faulheit: 
Du hast das Deinige schon getan, mu&szlig; man sich nicht einwiegen lassen; 
sondern dagegen darf einem das Wort: zur Unzeit, Herz und Ohr wecken. Je 
mehr das, was zu rechter Zeit geschieht, durch Gewohnheit geringsch&auml;tzig 
wird, je froher mu&szlig; man sein, wenn einem auch au&szlig;er der Zeit 
etwas anzubringen beschert wird. Aber dazu braucht man freilich nach <i>V. 
1</i> die Aussicht auf den Tag des Gerichts. Wer an menschlichen Tagen 
h&auml;ngt, auf der Menschen Lob sieht, der beliebt bei dem, was zu rechter 
Zeit geschieht, stehen; denn das hat vor Menschen Lohn und Lob. Was man 
aber au&szlig;er dieser Zeit h&auml;tte schaffen k&ouml;nnen und sollen, 
dar&uuml;ber wird einem Manchen erst die Erscheinung des HErrn seine schlummernden 
und vom Geist der Furcht zugedr&uuml;ckten Augen zu sp&auml;t &ouml;ffnen; 
und Er wird mit seinem Schwei&szlig;tuch, aus welchem er seine gleichwohl 
bewiesene Treue wird dartun wollen, zu kurz kommen. - Wenn der Apostel 
sagt: Strafe, so meint er freilich nicht um Geld, wie jetzt vor Kirchenkonvent 
oder in den Armenkasten geschieht, sondern mit &Uuml;berzeugung, da&szlig; 
der Geist darunter mitwirken kann, der die Welt straft, und so auch: - 
Drohe nicht aus Gesuch deiner Ehre, sondern mit Begierde, aus dem Feuer 
zu r&uuml;cken und selig zu machen <i>(Joh. 
5, 34 + 41-42 ; 8, 24)</i>, wie man einem Kranken eine Arznei beibringt, 
unter Bezeugung seiner &auml;u&szlig;ersten Todesgefahr, darin er sich 
befinde. Auch darin mu&szlig; man lernen niedrig und hoch sein; und der 
Lehrflei&szlig; und alle davon abh&auml;ngende Brauchbarkeit mu&szlig; 
auf der Wurzel der Sanftmut und Herzensdemut stehen, da&szlig; die besten 
Absichten im Geist der Langmut betrieben werden. - Warum das Alles, warum 
so ein wachsames Herz und Auge, warum solche Bereitschaft, Manches zu tun, 
das man f&uuml;r &uuml;bern&uuml;tzig anrechnet? Darum, weil Zeiten kommen, 
und mit ihren Versuchungen schon auch in unsere Zeit hineinreichen, da 
man die heilsame Lehre nicht leiden will. Nach einer heilsamen Lehre, meinte 
man sonst, werde Jedermann begierig greifen. Aber weil das Heilsame den 
Menschen so mit Erkenntnis und Empfindung seines Schadens angreift und 
dem&uuml;tigt, so ist es der Natur, die ihren grindigen Kopf doch aufrichten 
will, unertr&auml;glich. Eines der gr&ouml;&szlig;ten Gerichte &uuml;ber 
die Welt ist, da&szlig; sie so viel Zungen und Federn findet, die ihr und 
ihren eigenen L&uuml;sten zu gefallen leben, und die sie dann entweder 
in den Lehrstand ziehen, oder doch an derselben Schriften h&auml;ngen kann. 
Alles, was am Wort vom Kreuz vorbeigeht, und von der Erkenntnis unseres 
Schadens und der heilsamen Gnadenkur vorbeif&uuml;hrt, rechnet die Wahrheit 
GOttes unter die Fabeln. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 2.Timotheus 4,5-8</font></b></h4> 
 
<p><b>Der sterbende Paulus spricht dem Timotheus herzhaft zu, 
da&szlig;, wenn das B&ouml;se rings umher die Oberhand habe, so soll er 
sich's doch nicht mutlos machen lassen, sondern auf dem Gleis eines redlichen 
Arbeiters am Evangelio bleiben; und hei&szlig; ihn dabei an seinen gehabten 
Lehrer gedenken, dessen Ende anschauen, und seinem Glauben folgen.</b> 
 
<p>Du aber, ruft der Apostel dem Timotheo in seines Glaubens 
Schranken zu, ohne dich das bei Anderen &uuml;berhandnehmende Verderben 
hindern zu lassen, ja daraus vielmehr einen Antrieb zu nehmen, sei n&uuml;chtern 
allenthalben! Wachen und n&uuml;chtern sein geh&ouml;rt dazu, da&szlig; 
man dem B&ouml;sen nicht gewonnen gebe, sich durch Betrug desselben nicht 
einschl&auml;fern lasse, und doch auch nichts Unbedachtsames vornehme. 
Seine Bedachtsamkeit aber nicht in der Kl&uuml;gelei, dem Leiden auszuweichen, 
setze, sondern im Aufsehen auf Den, der unter dem Leiden die Welt und ihren 
F&uuml;rsten &uuml;berwunden hat, sich leide. Aber auch die im Evangelio 
liegende fr&ouml;hliche Botschaft, die dadurch an das Licht gebrachte selige 
Hoffnung sich allenthalben ansp&uuml;ren zu lasse. So viel dich der Welt 
Undank, Verachtung, abgewendete Huld, gedrohtes oder angetanes Unrecht 
m&uuml;de machen kann; so viel fehlt es dir noch an einem festen Stand 
im Evangelio des Friedens. Bei St&auml;rkung aus demselben aber kann man 
seinen Dienst vollf&uuml;hren, ohne den Hindernissen der Zeit, ohne den 
ansetzenden Schwachheiten zu viel nachzugeben. - Von diesem hoffnungsvollen 
Zuspruch an das Herz des Timotheus wendet sich nun Paulus wieder auf seine 
eigenen Umst&auml;nde und sagt: den ich zc., woraus man sieht, wie es ihm 
bei seinem nahe vermuteten Ende ein eigentlicher Trost gewesen ist, an 
Timotheus eine solche Pflanze des HErrn hinter sich zu lassen. Der selige 
Bengel schreibt in gleichem Sinn an einen seiner gewesenen Sch&uuml;ler, 
der ihm f&uuml;r einen von ihm genossenen Segen gedankt, zur Antwort: " 
Ich erinnere mich nicht leicht, was ich gestern oder vorgestern gesagt 
habe. Wenn nun diejenigen, die mich geh&ouml;rt haben, bisweilen mit solch 
einem K&ouml;rnlein kommen, so verwundere ich mich dar&uuml;ber, wie die 
Kraft von Oben dasjenige, was zwar nicht in meinem Herzen und auf meiner 
Zunge gewachsen, aber doch dadurch gegangen ist, und insofern schwach gewesen, 
doch so hat zu Nutzen bringen k&ouml;nnen. Doch GOtt wirkt Alles in Allen, 
auf allerlei gute Weise. Er lasse durch diejenigen, die mir anbefohlen 
waren, noch viel - viel mehr Gutes und Heilsames an Gro&szlig;en und Kleinen 
zu Wege gebracht werden, als durch mich geschehen ist. Mit mir schickt 
es sich &auml;u&szlig;erlich zum Abnehmen; ich sehe es aber herzlich gern, 
wenn J&uuml;ngere sich regen und stark erweisen, und mich &uuml;ber das 
Gegenw&auml;rtige und Vergangene besch&auml;men, und hoffe dabei, sie werden 
mich, wenn ich sonst erliegen m&ouml;chte, doch auch mitnehmen; ja der 
gro&szlig;e Aufseher unserer Seelen wird es tun, und wir werden seine Tugenden 
daf&uuml;r preisen immer und ewiglich." - Seinen vor Augen schwebenden 
Tod dr&uuml;ckt Paulus auch <i>Phil. 2, 
17</i>, als eine Aufopferung aus, nicht nur weil es ein gewaltsamer 
und mit Vergie&szlig;ung seines Bluts verbundener Tod war, sondern allermeist, 
weil daran Alles GOtt zu preisen, und in seinem Dienst sich zu verzehren 
eingerichtet war, und er also damit vor GOtt ein angenehmes Opfer wurde. 
Seiner vorhandenen Abschiedszeit mag Paulus nicht nur aus den &auml;u&szlig;erlichen 
Umst&auml;nden gewahr worden sein, sondern auch dar&uuml;ber eine Anregung 
des Geistes gehabt haben. Auch uns predigen nicht nur unsere Glieder und 
die versp&uuml;rte Abnahme unserer irdischen H&uuml;tte laut von der Sterblichkeit, 
sondern es fehlt auch nicht an anderen Z&uuml;gen GOttes, die uns darauf 
f&uuml;hren. Dem Petrus hat es der HErr in den Ostertagen angedeutet, mit 
welchem Tode er GOtt preisen w&uuml;rde <i>(Joh. 
21, 19)</i>. Je mehr noch jetzt ein Gl&auml;ubiger JEsum Christum im 
Ged&auml;chtnis h&auml;lt, der Auferstanden ist von den Toten, je freier 
und ruhiger kann er noch dem nachdenken: die Zeit meines Abscheidens ist 
vorhanden. Dabei wirft der Apostel auch einen ernsthaften Blick r&uuml;ckw&auml;rts, 
nicht, wie Manche, auf ihre hochangerechneten guten Werke oder ausgestandenen 
vielen Leiden, sondern eigentlicher auf seine Erw&auml;hlung und Beruf, 
wie GOtt ihn nach seinem Vorsatz und Gnade berufen, und das Evangelium 
ihm den Gehorsam des Glaubens abgewonnen habe, wodurch er freilich in einen 
Kampf und Lauf gestellt worden, darin es Beharrens kostete. Dadurch ger&auml;t 
man auf keinen verwerflichen Ruhm der Werke, sondern auf ein g&uuml;ltiges 
Zeugnis, da&szlig; man in die rechte Gnade sei zu stehen gekommen. Nach 
der bis in den Tod gehaltenen Glaubenstreue aber hat der Christ nichts 
Mi&szlig;liches mehr zu besorgen, sondern hinfort ist Freude und Friede. 
Die Krone des Lebens wird ihm wirklich gegeben <i>(Offb. 
2, 10)</i>, die Krone der Gerechtigkeit aber so beigelegt, da&szlig; 
er ihr und alles davon abh&auml;ngenden guten Loses so versichert ist, 
wie wenn sein Name auf etwas geschrieben oder gestochen ist <i>(Offb. 
3, 12)</i>; so erlangt er eine Anweisung auf die Krone der Gerechtigkeit, 
neben dem Genu&szlig; Alles dessen, was seinem in GOttes H&auml;nde heimgerufenen 
Geist erquicklich sein kann. - Bescheiden handelt der Apostel, da&szlig; 
er es hinaussetzt auf jenen Tag, wie der Heiland selbst in seinen Reden 
es immer auf diesen j&uuml;ngsten Tag gesetzt hat. Freudig aber handelt 
er darin, da&szlig; er es als zur Offenbarung der Gerechtigkeit GOttes 
geh&ouml;rig erwartet. Nicht nach den Werken der Gerechtigkeit, die wir 
getan haben; sondern nach seinem Vorsatz und Gnade geh&ouml;rt es zur Offenbarung 
der Gerechtigkeit GOttes. Um der Auserw&auml;hlten willen hat Paulus gern 
gelitten, da&szlig; auch sie die Seligkeit erlangen mit ewiger Herrlichkeit 
<i>(Kap. 
2, 10)</i>, darum denkt er nun neben sich gern auch an Andere, denen 
zum Heil der HErr JEsus erscheinen werde, und zieht die Liebe zu JEsu Erscheinung 
an, als den Haupterweis von dem am Herzen kr&auml;ftig gewordenen Evangelio. 
O wohl einer jeden in reiner Brautliebe zu dem HErrn JEsu stehenden Seele, 
die spricht: Amen! Komm, HErr JEsu! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 2.Timotheus 4,9-15</font></b></h4> 
 
<p><b>Paulus f&uuml;hrt dem Timotheo unterschiedliche Umst&auml;nde 
zu Gem&uuml;t, in deren Betracht er eilen sollte, bald zu ihm zu kommen.</b> 
 
<p>Der Sinn Christi l&ouml;scht die nat&uuml;rlichen Neigungen, 
und das Verlangen, Bekannte zu sehen und um sich zu haben, nicht aus, sondern 
reinigt es, m&auml;&szlig;igt es, veredelt es, da&szlig; etwas Fruchtbares 
auf die Ewigkeit daraus erw&auml;chst <i>(R&ouml;m. 
1, 11 ; 2.Tim. 1, 4)</i>. Wenn wir schon mit dem Herzen an GOtt h&auml;ngen; 
so kann uns doch ein Glied Christi zu einer sehr gew&uuml;nschten Handreichung 
und wohlgelegenen Hilfe kommen <i>(2.Kor. 
7, 6)</i>. Hat doch unser lieber Heiland selbst zu seinem Gebetskampf 
am &Ouml;lberg drei seiner J&uuml;nger, als n&auml;chste Zeugen, mitgenommen, 
und noch vom Kreuz herunter gegen Maria seine Mutter und Johannes sein 
Liebesgebot best&auml;tigt, wor&uuml;ber wir ihn billig anbeten:</p> 
 
<blockquote>Dank sei Dir f&uuml;r die so z&auml;rtlichen Triebe, 
die Du der Mutter zum Besten behielt'st, da Du sie sterbend der kindlichen 
Liebe Deines geliebten Johannes empfiehlst. JEsu, Du liebst bis ans Ende 
die Deinen, ach so berate auch Mich und die Meinen.</blockquote> 
 
<p>Doch war es Paulus nicht allein um die Erquickung zu tun, 
die er von Timotheus haben m&ouml;chte, sondern auch um die Frucht, die 
davon auf Timotheus kommen konnte. GOtt lehrt uns Vieles an Anderer Beispiel. 
Timotheus hatte bei dieser Reise etwas zu wagen, aber auch einen Segen 
davon zu hoffen. K&ouml;stliche Perlen findet man nicht im Weg. Wer zu 
genau &uuml;ber seiner Bequemlichkeit h&auml;lt, kann Vieles verschlafen, 
das ihm wohl k&auml;me. Von Demas wird noch <i>Kol. 
4, 14</i>, ein Gru&szlig; &uuml;berschrieben, doch ist kein weiterer 
r&uuml;hmlicher Beisatz, wie sonst bei Anderen, beigef&uuml;gt, da&szlig; 
man also seiner Beharrlichkeit halben nicht sonderliche Hoffnung hatte. 
Ob der Ausdruck: hat diese Welt liebgewonnen, so viel sagen wollte, da&szlig; 
er mit &ouml;ffentlicher Verleugnung des Christentums von der Wahrheit 
abgetreten, oder zwar mit Beibehaltung desselben in der Bekenntnis des 
Mundes von der Kraft abgewichen sei, l&auml;&szlig;t sich nicht gewi&szlig; 
ausmachen. Eins ist so kl&auml;glich als das Andere. Eben <i>(V. 
8)</i>, war von solchen die Rede, die JEsu Erscheinung lieb haben, hier 
von einem, der diese Welt liebgewonnen. Auf welcher von diesen beiden Wurzeln 
steht auch dein Herz? Was regiert und treibt dich in allem Unternehmen? 
Was Crecens und Titus f&uuml;r Z&uuml;ge gemacht, die waren nicht so dem 
Bauch, sondern dem HErrn Christo, zu dienen eingerichtet. Lukas allein 
von Freunden war bei ihm; sonst aber hat es in Rom selbst viele aus Juden 
und Heiden gesammelte Christen gegeben. Demas fiel zur&uuml;ck. Markus 
wurde aus einer vormals erlittenen Schwachheit <i>(Apg. 
13, 13 ; 15, 37-38)</i> wieder aufgerichtet. O! Was mu&szlig; man im 
Dienst Christi an sich und Anderen erfahren! Wie oft mu&szlig; uns der 
Stecken und Stab des guten Hirten tr&ouml;sten! Der vom Eifer des HErrn 
regierte Stecken, der von der Langmut des HErrn gef&uuml;hrte Stab! Das 
Paulus Tychicum gen Ephesus gesandt habe, konnte Niemand besser wissen, 
als Timotheus selbst, der sich damals noch zu Ephesus aufhielt. Der Apostel 
gedenkt aber dieses Umstandes doch gar schicklich; damit Timotheus erinnert 
werde, sich desto weniger Paulo zu entziehen, da dieser durch Absendung 
des Tychikus selbst schon gesorgt hatte, da&szlig; die Umst&auml;nde in 
Ephesus nicht unberaten blieben. - Hat unser lieber Heiland jedesmal hei&szlig;en 
die &uuml;brigen Brocken sammeln, da&szlig; nichts umkomme; so ist es einem 
Mann GOttes nicht unanst&auml;ndig, auch dergleichen Bed&uuml;rfnisse, 
wie das vom Mantel ist, zu empfehlen. Ein Trunk kalten Wassers findet seinen 
Lohn (Matth. 10, 42), also gewi&szlig; auch die P&uuml;nktlichkeit und 
Treue in Besorgung solcher Dinge. Von den B&uuml;chern und Pergamenten 
vermuten Einige, es seinen Schriften der Evangelisten und Apostel gewesen, 
die Paulus als ein Gefangener sich nicht wohl getraut habe selbst nach 
Rom mitzunehmen, die er aber unter des Timotheus H&auml;nden sicherer fortzubringen 
hoffte. - Die Liebe rechnet freilich sonst das B&ouml;se nicht zu. Aber 
gegen einen l&auml;sternden Goliath macht sich David nicht klein. Bei aller 
geduldigen Hoffnung, Fersenstiche von aller Art zu leiden, bleibt doch 
Fassung und Ansprache, da&szlig; der HErr dem Satan und allen seinen Gehilfen 
den Kopf zertreten werde. Christus drohte nicht, da Er litt. Er stellte 
es aber doch Dem heim, der da recht richtet <i>(1.Petr. 
2, 23)</i>. Unter der bewiesenen Sanftmut hat man die g&uuml;ltigste 
Ansprache an GOttes Vergeltungsrecht. Gib da&szlig; ich mit Tapferkeit 
Dich zu lieben sei bereit: wenn mich Pein nehmt ein, da&szlig; ich m&ouml;g 
ein Lamm und L&ouml;we vor Dir sein! Amen! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 2.Timotheus 4,16-18</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel gedenkt noch einiger Umst&auml;nde, die den 
Timotheus in seiner Willigkeit, Paulum mit seinem Besuch zu unterst&uuml;tzen, 
f&ouml;rdern sollten.</b> 
 
<p>Es kommt uns fast unbegreiflich vor, wie bei der sonst 
so als br&uuml;nstig beschriebenen Liebe der ersten Christen es habe geschehen 
k&ouml;nnen, da&szlig; ein so wichtiger Arbeiter in einer so schweren Sache 
ganz allein gelassen worden sei. Man mu&szlig; sich aber den Zustand der 
Apostel &uuml;berhaupt, und so auch ihre Leiden, indem sie darunter stunden, 
nicht schon mit all dem Sieg und Herrlichkeit beleuchtet vorstellen, so 
GOtt nachgehends darauf gelegt hat. W&auml;hrend sie darunter stunden, 
so war es, wie Christi Leiden selbst, ein wahrhaftiges Leiden, auch darin, 
da&szlig; es Anderen anst&ouml;&szlig;ig und &auml;rgerlich vorkam. Wenn 
man es auch der Hauptsache nach f&uuml;r ein Leiden Christi erkannte, und 
da&szlig; es zur Verteidigung des Evangelii gereichte; so konnte man doch 
sonst leicht daran etwas ausklauben, daraus man sich so viel Ansto&szlig; 
machte, als genug war, daran einen Vorwand zu nehmen, da&szlig; man sich 
der Gemeinschaft daran entziehe. Das Ziel, das uns der HErr erbeten hat, 
da&szlig; wir Alle Eins seine, mithin auch, wo ein Glied leidet, auch Alle 
leiden, ist freilich gro&szlig; und herrlich; Er wird es auch darauf hinausf&uuml;hren. 
Aber auf dem Weg ihm entgegen zu kommen, gibt es oft unbegreifliches Straucheln 
und Fallen. Oft mu&szlig; auch ein solcher Fall, wobei man sich in seiner 
Schw&auml;che kennengelernt hat, Einem zum Aufstehen und besseren Verhalten 
auf ein anderemal gereichen; wie den J&uuml;ngern ihr Fliehen beim Leiden 
ihres HErrn viel Tr&auml;nen gekostet hat, unter welchen ihnen die Waffenr&uuml;stung 
mit Leidenssinn desto besser angelegt werden konnte. Es ist oft auch schon 
ein Zusammenflu&szlig; von Umst&auml;nden, der ein solches Zerstreutwerden 
in das Seine veranla&szlig;t; dar&uuml;ber eine gute Sache, und der so 
dar&uuml;ber leidet, allein gelassen wird. Das mu&szlig; man denn als eine 
&uuml;ber unseren Glauben ergehende L&auml;uterung annehmen; und in dem 
Ersatz, den der HErr tut, seine Seele setzen und stillen. Der Apostel hat 
es wirklich auch mehr einem schwachen Unterliegen unter einer damals besonders 
gesch&auml;ftigen Macht der Finsternis, als einer vors&auml;tzlichen Falschheit 
bei ihnen zugeschrieben; darum tritt er so mit seiner F&uuml;rbitte dazwischen. 
Es mag auch sein, da&szlig; er damit einen Unterschied machen will zwischen 
denen, die Andere abgeschreckt, dergleichen Alexander gewesen sein mag; 
und zwischen denen, die von einer solchen fremden Macht bet&auml;ubt wurden. 
Daneben ist es ein Beweis von des Apostels Demut, darin er sich Anderer 
Liebe auch unwert achten konnte. Wer in der Liebe steht, und in GOtt ist, 
wird es mit seinen Anspr&uuml;chen nie so hoch spannen, oder so empfindlich 
sein, wenn gegen ihn etwas vers&auml;umt wird, sondern andere Umst&auml;nde 
und daher r&uuml;hrendes zuweiliges Unverm&ouml;gen auch zu Herzen nehmen. 
Ohne immer dazwischen kommendes Nachgeben und Vergeben, kann man nicht 
miteinander im Geleis der Liebe bleiben. Man bedenkt nicht, wie selten 
es ist, da&szlig; sich Jemand ganz in des Anderen Umst&auml;nde hineinstellt; 
es mu&szlig; ein Mensch selbst oft tief unter das Leiden gesteckt, und 
von Anderen dabei verlassen werden, bis er es nur erkennen lernt, wie oft 
er auch &uuml;ber dem Zerstreutwerden in das Seine einen Anderen allein 
gelassen habe, der etwas Besseres von ihm erwartet h&auml;tte. Aber das 
erf&auml;hrt man denn auch, was es kostet, verlassen und doch gelassen 
zu sein. Der Vater l&auml;&szlig;t mich nicht allein; der Vater ist bei 
mir, war unseres lieben Heilands Halt <i>(Joh. 
16, 32)</i>, und so erfuhr es auch Paulus.: Der HErr aber stand mir 
bei. Allgemeines Grundgesetz GOttes: Wo menschlicher Beistand ermangelt, 
da legt GOtt Ehre ein mit seinem Ersatz <i>(Ps. 
27, 9-10)</i>. Er wendet sich zum Gebet des Verlassenen <i>(Ps. 
102, 15)</i>. Wenn schon die Christen als Schlachtschafe geachtet sind, 
so widerf&auml;hrt ihnen doch oft vor ihrer &Uuml;bergabe in der Menschen 
H&auml;nde noch eine Rettung, und schafft ihnen Freiheit, zur Vollendung 
ihres Werks, da&szlig; auch Andere daran abnehmen k&ouml;nnen: sie sind 
nicht in den Willen ihrer Feinde dahingegeben, sondern GOtt h&auml;lt auch 
&uuml;ber ihren Leiden seine Hand so genau, als sich dessen unser HErr 
getr&ouml;stet hat <i>(Luk. 13, 31-32)</i>. 
- Eine damals nicht ungew&ouml;hnliche Art Christen hinzurichten, war auch 
diese, da&szlig; man sie wilden Tieren, besonders L&ouml;wen, vorwarf. 
Daher meinen Einige; der Apostel wolle sagen, diese Todesart habe GOtt 
von ihm abgewendet. Es ist aber fast wahrscheinlicher, er verstehe unter 
dieses L&ouml;wen Rachen den grausamen Kaiser Nero, oder einen seiner Gewaltigen, 
der stark auf Pauli Hinrichtung gedrungen, dessen Rat aber durch GOttes 
Rat zur&uuml;ckgetrieben worden. Daraus sollte Timotheus Zuversicht sch&ouml;pfen, 
da&szlig; eine Reise nach Rom f&uuml;r ihn nicht gerade ein Sprung in des 
Todes Rachen sei, sondern da&szlig; er unter der Hand und dem Schutz eines 
HErrn reise, der auch L&ouml;wen den Rachen zuhalten k&ouml;nne. - Nun 
gibt sich aber Paulus doch vollends mit guter Hoffnung in sein letztes 
Leiden hinein, worunter seine Vollendung erreicht werden sollte. Das Einemal 
nimmt man die leibliche Erl&ouml;sung an, das Anderemal greift man nach 
dem, was noch besser ist <i>(Hebr. 11, 35)</i>. 
Nichts zu verlieren, aber viel zu gewinnen hat der Christ beim Sterben. 
Der HErr wird mich erl&ouml;sen von allem B&ouml;sen, und helfen da hinein, 
wo K&ouml;nigreich und Himmel, wo ewiges Gewimmel von Lieb und Lob und 
Dank wird sein! So la&szlig;t mich denn in Ruhe, fragt nicht mehr was ich 
tue? Ich tue, was ich will; ich will von hinnen gehen, um meinen HErrn 
zu sehen; Gottlob es schickt sich in der Still! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 2.Timotheus 4,19-22</font></b></h4> 
 
<p><b>Wechselseitige Gr&uuml;&szlig;e, nochmaliger Zuspruch 
zu baldigem Kommen, herzlicher Beschlu&szlig; mit Segnen.</b> 
 
<p>Diese Gr&uuml;&szlig;e hat man wie von einem Sterbebett 
kommend anzusehen. Sieht man nun zur&uuml;ck auf <i>Apg. 
18, 2-3</i>, wie zuf&auml;llig sich Pauli Bekanntschaft mit Aquila und 
Pricilla angesponnen, so verdient es einen Preis der Gnade, da&szlig; sie 
doch auf das ganze leben hinein zu so vielem Guten fruchtbar <i>(Apg. 
15, 26 ; R&ouml;m. 16, 3-4)</i> und ihm noch am Ende seines Laufs so 
erquicklich geworden ist. Erastus war allem Ansehen nach von Korinth geb&uuml;rtig, 
oder dort doch so angesessen <i>(R&ouml;m. 
16, 23)</i>, da&szlig; er der Gemeinde Christi daselbst n&uuml;tzlich 
sein konnte. Einige verlie&szlig;en Paulum ohne Not und Grund; einen anderen 
erw&uuml;nschten Gehilfen mu&szlig;te er mit ihrem beiderseitigen Schmerzen 
krank zur&uuml;cklassen. Dergleichen &Uuml;bungen mu&szlig; man sich auf 
dem Glaubensweg immer gefallen lassen, wie wir <i>Phil. 
2, 26-27</i> von Epaphrodito und seiner t&ouml;dlichen Krankheit das 
namhafte Beispiel hatten. Denkt aber Jemand bei dem nochmaligen Zuspruch: 
tue Flei&szlig;, da&szlig; du vor dem Winter kommst, mu&szlig; man denn 
um einen Menschen, um seinen Umgang, um die verhoffte Handreichung von 
ihm sogar angelegentlich bitten? so antworte man: Erfahre nun vorher etwas 
von Pauli Leiden, von seinem Verlassensein darunter, von seinem Eifer f&uuml;r 
die Sache Christi; hernach urteile. Wir nehmen unsere Vers&auml;umnisse, da&szlig; 
wir einander nicht auch besser die H&auml;nde bieten in unseres Glaubens 
Schranken, viel zu gering. GOtt hat Jedem seinen N&auml;chsten befohlen. 
- Die folgenden Gr&uuml;&szlig;e beweisen, da&szlig; Timotheus auch au&szlig;er 
Paulo in Rom manche Seele antraf, deren Gemeinschaft ihm erquicklich sein 
konnte. Des L&ouml;wen Rachen daselbst durfte nicht Alles verschlingen. 
Unter dem Machtwort JEsu: la&szlig;t diese gehen, blieb Manches stehen. 
Das H&ouml;chste was der HErr JEsus den Seinen hinterl&auml;&szlig;t, war 
das Wort: Ich in euch <i>(Joh. 14, 20)</i>. 
Und auf dessen Grund w&uuml;nscht Paulus dem Timotheus: Der HErr JEsus 
Christus sei mit deinem Geist, weil das besonders in Amtsn&ouml;ten so 
unentbehrlich ist. Ein von dem HErrn JEsu bewohnter, und also in Kraft, 
Liebe und Zucht gehaltener Geist ist etwas anderes, als ein geschickter 
Kopf, auf welchen hin man jetzt Alles &uuml;bernimmt. Paulus war versichert, 
da&szlig; Timotheus diesen Brief auch Anderen zu Ephesus und nach sonstiger 
Gelegenheit mitteilen werde, darum breitet er sich in seinem Schlu&szlig;wunsch 
auch auf diese weiter vermutete Leser aus. Ja auch uns sp&auml;ten Nachkommen, 
denen zur Lehre auch dieser Brief geschrieben und gediehen ist, gilt der 
Gl&uuml;ckwunsch desselben: die Gnade sei mit euch. Die Gnade in welcher 
etwas geschrieben ist, der Geist aus dem es geflossen, wirkt noch immer 
mit, wo es begierig gelesen, und der Gnade gem&auml;&szlig; angewendet 
wird. Amen, die Gnade bewahre, und erwecke zur guten Stunde auch alle aus 
der Betrachtung dieses Briefs in unsere Herzen gefallene Wahrheit K&ouml;rnlein 
der Wahrheit. Tue also mit mir, lieber HErr, wie Dir's gef&auml;llig ist; 
nur da&szlig; Dein Geist, was mir oft schwer, durch Deinen Tod vers&uuml;&szlig;t. 
Ach dr&uuml;ck mir deinen Leidenssinn doch t&auml;glich tiefer ein, da&szlig; 
mit Dir Sterben mir Gewinn, Dein Kreuz mir Ehre sein! Amen. 
 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Titus 1,1-4</font></b></h4> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Der Brief Pauli an Titus Einleitung</font></b></h4> 
 
<p>Dieser Brief hat viel hnliches dem Inhalt und der Absicht nach mit dem 
ersten Brief an Timotheus. Nmlich, war auch dem Titus Anweisung zu geben, 
wie er sich bei Einrichtung der Gemeinde zu Kreta verhalten, und auf was 
er bei Bestellung rechtschaffener Bischfe und ltesten sehen solle; zugleich 
aber doch auch die ntigsten Lehren, welche Titus zu treiben hatte, mit 
seinem apostolische Ansehen zu untersttzen, und ihnen damit bei Leuten 
von allen Stnden mehreren Eingang zu verschaffen. Mithin freilich auch 
dem Titus Herz und Hand zu strken, da er desto unverbrchlicher darber 
hielte. Titus selbst war seiner Geburt und Abkunft nach ein Heide oder 
Grieche (Gal. 2, 3). Weil seiner in dem zweiten Brief an die Korinther 
so hufig gedacht wird, sind Einige auf den Gedanken geraten, er sei von 
Korinth gebrtig. Von seiner Bekehrung zum Christentum geschieht nirgends 
ausdrckliche Meldung. Vermutlich aber ist sie durch den Dienst Pauli geschehen, 
der Titus deswegen seinen rechtschaffenen Sohn nennt (V. 4). Wenn er ihn 
aber auch nicht gezeugt htte durch das Wort der Wahrheit, so hat er sich 
doch wenigstens seiner zu seiner Auferziehung und festem Stand im Evangelio 
nachdrcklich angenommen, und gegen die andringenden Forderungen, da er 
sich sollte beschneiden lassen, ihn verteidigt und verhtet, da nicht 
daraus zur Beschwerde und Nachteil anderer Bekehrten aus dem Heidentum 
die Notwendigkeit der Beschneidung gefolgert wrde. Als einen Gehilfen 
und Mitarbeiter am Evangelio hat der Apostel Titum fleiig gebraucht; z. 
B. ihn gen Korinth verschickt, und ihn dorther bald wieder erwartet (2.Kor. 
2, 13); ber welchen Verzug er aber durch die Ankunft Titi in Macedonien, 
und durch die - von Korinth mitgebrachten guten Nachrichten reichlich getrstet 
worden ist (2.Kor. 7, 6 f. und 13 f.). Bei solchem in Korinth gewonnen 
guten Vertrauen und Eingang hlt ihn auch der Apostel fr besonders tauglich 
zu Veranstaltung einer Almosensteuer (2.Kor. 8, 16 + 23), und lt die 
Korinther selbst dabei den Ausspruch tun, ob nicht Titus in einem Geist 
und einerlei Fustapfen mit ihm gewandelt habe (2.Kor. 12, 18)? Wann Paulus 
nach Kreta gekommen sei, und daselbst das Evangelium gepredigt, Titum aber 
zu weiterer Fortsetzung des gemachten guten Anfangs zurckgelassen habe, 
davon kommt unter den Verrichtungen Pauli in der Apostelgeschichte keine 
deutliche Meldung vor. Wahrscheinlich mag Pauli Aufenthalt in Kreta zu 
den drei Monaten gehren, die er in Griechenland zubrachte (Apg. 20, 2), 
und den Brief an Titum mu er bald darauf in Macedonien geschrieben haben 
(Apg. 20, 3). Die alte Unterschrift gibt Nicopolis an fr den Ort, woher 
der Brief geschrieben sei, vermutlich aus Veranlassung der Stelle Kap. 
3, 12. Er knnte aber auch frher und anderwrts her geschrieben worden 
sein, Paulus aber Nicopolis fr den bequemsten Ort ihrer Zusammenkunft 
gehalten haben. Ob sie nach selbigem Vorhaben zu Nicopolis zusammengekommen 
seien, oder nicht? Davon haben wir in der Schriftgeschichte keine deutliche 
Anzeige. Das Letzte was wir wissen ist, das Titus auch noch etwas von Pauli 
letzter Kraft genossen habe, seines Berufs halben aber nach Dalmatien gezogen 
sei (2.Tim. 4, 10). Von dem, was Titus weiter im Dienst des HErrn ausgerichtet, 
und wie er seinen Lauf vollendet habe, findet man keine sichere Nachricht. 
Wir wollen die Glaubens = Fustapfen, in die ihn der Apostel auch durch 
diesen Brief hineingewiesen hat, fleiig aufsuchen, herzlich lieb gewinnen, 
treulich darin wandeln. So werden wir mit Wonne dabei sein, wenn der HErr 
JEsus auch an diesem Heiligen und Glubigen sich verherrlichen und bewundern 
lassen wird. Zur Einteilung des Briefs mag man sich folgendes merken. 
 
<ol type=I> 
 
<li> 
Er hat eine aus vollem Herzen geflossene Aufschrift (Kap. 1, 1-4)</li> 
 
<li> 
Lehrreichen Inhalt (Kap. 1, 5- Kap. 3, 11)</li> 
 
<li> 
Schlieliche Ermahnungen und Bestellungen (Kap. 3, 12 -15)</li> 
 
</ol> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Titus 1,1-4</font></b></h4> 
 
<p><b>Aufschrift, wie sie sich auf Pauli Person und Titi Amt besonders reimt, 
und aus einem solchen vollen Herzen geflossen ist, das gleich zu Anfang 
Alles anbringen wollte, was in der gegenwrtigen Wahrheit zu strken, und 
das eindringende Versuchliche abzuschneiden vermgend wre.</b> 
 
<p>Was man aus so vollem Herzen schreibt, dabei behlt man gemeiniglich 
einige Gedanken zurck, die man nicht in vlligen Ausdruck bringt, die 
sich aber leicht aus dem Zusammenhang ergnzen lassen. So viel sieht man 
bald, da der Apostel mit dieser Aufschrift dem Titus einen tiefen Eindruck 
machen wollte, da man bei einem solchen Amt nicht auf das Vergebliche 
laufen, sondern wissen me, 
 
<ul> 
 
<li> 
was einem von GOtt anvertraut sei.</li> 
 
<li> 
worin man seinen Willen zu dienen,</li> 
 
<li> 
was man auszurichten,</li> 
 
<li> 
wie man sich auch in der Wahl der Mittel nach dieser Absicht zu richten</li> 
 
<li> 
mit welcher Hoffnung man seine lssigen Hnde zu strken,</li> 
 
<li> 
wie man das Eigene, das Einem zu seiner Zeit aufgegeben ist, immer 
im&nbsp; Zusammenhang mit dem ganzen Werk GOttes der vorigen Zeiten anzusehen 
und zu behandeln habe.</li> 
 
</ul> 
 
<p>Das Nhere wird sich aus der nachmaligen Ansicht der Worte ergeben. 
"Paulus Tito, meinem rechtschaffenen Sohn," so hngt es allernchst zusammen; 
was dazwischen steht, ist aus der Flle des Herzens geflossen, die gleich 
anfangs alles Das in Titi Herz pflanzen wollte, was ihm ntig, und wozu 
ihm Pauli Vorgang erwecklich war. Mit jener zitternden Frage: HErr was 
willst Du, da ich tun soll? (Apg. 6, 9), hat sich Paulus zum Knecht GOttes 
angeboten. Seitdem hat er sich nimmer entzogen, sondern GOtt mit aller 
Demut, und mit viel Trnen und Anfechtungen gedient (Apg. 20, 19) und sich 
in allen Dingen als Diener GOttes bewiesen (2.Kor. 6, 4), aber dafr auch 
in den grten Nten den Trost genossen: GOtt, de ich bin, und dem ich 
diene (Apg. 27, 23). Damit kann man seine Seele setzen und stillen: du 
bist ein Knecht GOttes; was du bist, wo du bist, bist du nach dem Willen 
GOttes. GOtt setzt uns freilich bei unserem Dienst am Evangelio in keinen 
Paradies = Garten, sondern in eine Wste. Aus einer Welt heraus Ihm Auserwhlte 
zu berufen und zu sammeln, ist unsere Sache. Kreta, wo Titus angestellt 
war, hatte auch von Alters her kein gutes Lob. Doch war auch daselbst fr 
den Willen GOttes etwas Gutes auszurichten. Doch weil man auch in anderen 
Stnden ein Knecht GOttes sein, und dessen Willen dienen kann, so bestimmt 
es Paulus noch nher dadurch: Aber ein Apostel JEsu Christi: denn zum Evangelium 
Christi war er ausgesondert (Rm. 1, 1), zwar nicht so frh, wie jene Zwlfe, 
die der HErr erwhlte, aber so geschftig und gesegnet als Jene (Apg. 22, 
15 und 26, 16). An diesem seinem Apostelamt war die Hauptsache, den Gehorsam 
des Glaubens aufzurichten, aber so, da der Glaube freilich nicht Jedernmanns 
Ding ward, sondern durch die Predigt vom Glauben GOtt eine Auswahl zugerichtet 
ward. Das grndet einen verstndigen Eifer und Treue im Amt, wobei man 
mit einfltigem Auge nicht mehr, und bei fleiiger Hand nicht weniger sucht, 
als GOtt Jedem zugemessen hat. Es ist eine der scheinbarsten Versuchungen 
auch in der heutigen Zeit; so geschftig zu werden, und dem Christentum 
eine Gestalt zu geben, wobei der Glaube Jedermanns Ding werden knnte. 
Aber man sehe zu, ob nicht das dahinterstecke, da man sich mit den Auserwhlten 
GOttes, das ist, mit dem Schwachen, Verachteten, Unedlen, das GOtt erwhlt, 
nicht gedulden mag, sondern es fr ansehnlicher hielte, wenn auch Weise, 
Edle, Gewaltige dem Glauben zufielen. Nun wenn sich auch solche die Erkenntnis 
der Wahrheit zur Gottseligkeit gefallen lieen, so stnde ihnen der Zugang 
zur Gnade auch offen; aber ihnen zu gefallen kann man an dieser nichts 
beschneiden. Was im Wort und Antrag GOttes Wahrheit ist, das mu auch im 
Herzen und Gewissen der Glubigen Wahrheit werden. Das aber gnnt uns GOtt 
gern zu einer Sttze, wie bei aller Arbeit, so besonders bei dem Dienst 
an seinem Evangelio, da wir daran auf Hoffnung des ewigen Lebens arbeiten. 
Man schwche sich nur nicht selbst diese Hoffnung durch einen begierigen 
Griff nach dem Sichtbaren und Zeitlichen. O Gottlob fr ein Amt, das es 
bei mir selbst, und durch mich auch bei Anderen meist mit der Hoffnung 
des ewigen Lebens zu tun hat. War es doch das Erste, da, GOtt mit seinem 
Verheiungs = Wort wieder ein Leben der Hoffnung in den Herzen unserer 
ersten Eltern angeblasen hat. Welch eine Wrde unseres Amts aber ist es, 
da uns nun die Predigt anvertraut ist, darin Leben und unvergngliches 
Wesen geoffenbart oder an das Licht gebracht ist. - Die Ansprache: "Tito 
meinem rechtschaffenen Sohn," war fr Titus eine schne Empfehlung; dem 
Paulus aber war es eine innige Freude, ein Kind so sehen in der Wahrheit 
wandeln, das belohnte die nach Gal. 2, 3-5 auf ihn verwendete Arbeit reichlich. 
Auch ber den Glauben, der durch das Evangelium erzeugten Kinder sind wir 
nicht Herren, sondern Gehilfen der Freude ber den gemeinschaftlichen Glauben. 
Gnade, Barmherzigkeit und Friede widerfhrt Jedem bei dem Glauben an das 
Evangelium; aber Erneuerung, Vermehrung und Bewahrung bedrfen wir tglich, 
damit wir aus solchem gelinden Grund auch wieder mit Anderen handeln, und 
Gnade, Barmherzigkeit und Friede berall das Regiment habe. GOtt lehre 
uns bedenken, was an der Predigt und dem Hren des Evangeliums gelegen 
ist! Ach verleihe Gnade, da aus demselben berall das schne Kleeblatt, 
Erkenntnis der Wahrheit, Gottseligkeit und Hoffnung des ewigen Lebens aufkomme! 
Amen. 
 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Titus 1,5-9</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel stellt dem Titus vor, was er als sein Hauptgeschft in Kreta 
ansehen, und welche Eigenschaften bei der Wahl der ltesten und Bischfe 
hauptschlich in Betracht kommen sollen.</b> 
 
<p>Kreta ist eine berhmte Insel, die heutigen Tages Candia heit, im 
mittellndischen Meere liegt, meist unter trkischem Gebiet steht, sonst 
aber von katholischen und griechischen Christen bewohnt wird. Der Apostel 
mu selbst da gewesen sein, aber noch manche ntige Einrichtung dem Titus 
berlassen haben. Wird doch unseres lieben Heilands Amtslauf und Arbeit 
nur fr einen Anfang gerechnet (Apg. 1, 1). Der Apostel Auftrag war nicht, 
den Gemeinden ohne ihr Wissen und Willen lteste, Vorsteher, Lehrer und 
Bischfe aufzudringen, sondern sich nach tchtigen Gemeindegliedern umzusehen, 
und wo ihnen solche kund wurden, sie mit Gebet und Hndeauflegen zu solchem 
Geschft auszusondern. Auer dem schon mndlich gegebenen Auftrag legitimiert 
er ihn hiermit auch schriftlich dazu, damit, wenn er Widerstand finden, 
oder sich Untaugliche eindringen sollten, er sich desto nachtrglicher 
auf des Apostels schriftliche Verordnung berufen knnte. Von seinem vorigen 
Leben her, wenigstens von der Zeit an, da ihm Barmherzigkeit widerfahren 
war, sollte ein Bischof keinen Vorwurf wider sich haben, dadurch Andere 
vom ntigen Vertrauen abgehalten werden. Nach Christi Sinn soll eheliche 
Verbindung nur zwischen einem Mann und einem Weib statt haben, und wer 
untadelig sein sollte, der konnte nur in einer solchen rechtmigen Ehe 
leben. Glubige Kinder zu haben, hat freilich Niemand in seiner Gewalt. 
Doch, wer das demtig erkennt, dem gibt GOtt am ehesten Gnade dazu. Der 
Kinder Unordnungen bringen auf den Vater den Verdacht, da er es durch 
Liebe und Ernst nicht zu verhten gewut habe. - Die Welt und zuweilen 
auch das nach Weltart eingerichtete Kirchenregiment mchte es mit Hirten 
und Lehrern so herunterbringen, da sie kaum noch einem Hauspoler gleichshen, 
und nicht das Geringste von Haushalters Rechten mehr brig behielten. GOtt 
wei aber seine Knechte durch den Geist der Kraft, der Liebe und der Zucht 
immer wieder so aufzurichten, da sie zu ihrem Haushaltersgeschft nicht 
untchtig werden. - Nicht eigensinnig, sondern gastfrei; es ist also ein 
solcher Eigensinn gemeint, dabei man nur das Seine sucht, und Andere in 
ihrem guten Werk zu frdern gar keinen Bedacht nimmt. - Nicht zornig, sondern 
gtig, demtig, sanftmtig; nicht ein Weinsufer, sondern zchtig, nchtern; 
nicht pochen, nicht dreinschlagen, sondern gerecht, der seinen Nchsten, 
auch seine Untergebenen fr das gelten lt, was sie sind, und Niemand 
mit Gewalt zu unterdrcken gemeint ist; nicht schndlichen Gewinn suchen, 
sondern heilig, keusch, GOttes Namen nicht um eine Hand voll Gersten entheiligt 
(Ez. 13, 19), mig, sich von allen zu weit greifenden Begierden enthalten, 
auch sein Amt nicht zum Vorwand eines Gewinns mibrauchen; die Schrift 
inne haben, und zu Allem gebrauchen knnen, wozu sie nutz ist (2.Tim. 3, 
16), und darber eine im guten Gewissen von GOtt empfangene Macht erweisen 
(Matth. 7, 29). 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Titus 1,10-16</font></b></h4> 
 
<p><b>An dem Lehrstand ein rechtmiges Salz zu haben, soll man um so mehr 
bedacht sein, je allgemeiner das Verderben in anderen Stnden wird, um 
so viel GOtt noch Vermgen, demselbigen zu steuern, darreicht, damit soll 
man nach jedesmaliger Notdurft einander dienen.</b> 
 
<p>Da mu man nicht denken: was geht es uns an, wie die Leute zu Kreta 
gewesen, und was Paulus und Titus mit ihnen ausgestanden haben; sondern 
man mu rechnen, da so Manches von der auch damals drckenden Kirchennot 
uns zur Lehre geschrieben sei, damit wir auch durch dies Geduld = und Trostwort 
der Schrift Hoffnung haben. Dem Wort, das gewi ist und lehren kann, kann 
man von Herzen gehorsam werden, und sich darauf verlassen. Diese Schwtzer 
aber mit ihren eitlen und verfhrerischen Reden geben weder Grund im Gegenwrtigen 
noch Zuversicht auf das Knftige. Aber eben ihr freches Maul, auf das sich 
diese Schwtzer verlassen, mu man ihnen stopfen, oder sie zum Stillschweigen 
bringen, und sie vor Anderer Gewissen aus der ungebhrlichen Achtung setzen. 
Das kann bei von GOtt verliehenem Mund und Weisheit, oft ein einiges Wrtlein 
ausrichten (Luk. 21, 15). Mehr untaugliches Zeug wird durch Gesprch, Bcherlesen 
unter die Menschen gebracht, als durch Lehren von den Lehrsthlen herunter. 
Wenn man den Menschen Lust macht, am Kreuz Christi vorbei zu kommen; wenn 
man ihnen zu einer eitlen Anmaung von Erkenntnis GOttes aufhilft, die 
sie mit den Werken verleugnen, so kann man ihnen damit abschwtzen, was 
man will. Auch unter die Zeit der Unwissenheit hinein, da GOtt die Heiden 
ihre eigenen Wege gehen lie, hat Er doch je und je durch ihre Weltweisen 
oder Poeten einen Strahl von Seiner auf den Gassen rufenden Weisheit verliehen, 
der freilich die Finsternis nicht erleuchten, aber doch achtsamen Gemtern 
einen Dienst tun konnte. Jetzt setzt man bei Verblendung der Sinne gegen 
das helle Licht des Evangeliums das erschienene wahrhaftige Licht hintan, 
erhebt dafr die alten Poeten und Schriftsteller, und fngt wieder an, 
in diesen seine Weisheit zu suchen. Wer bedenkt, wie Jesajas sich nicht 
nur ber seine eigenen unreinen Lippen, sondern auch ber sein Wohnen unter 
einem Volk von unreinen Lippen demtigt (Jes. 5, 4), der wird nicht gleichgltig 
ber dem sein, was sich auch nur aus der allgemeinen Gewohnheit an einen 
dringen kann. Einer, der mit Lachen, der mit einer Tinktur vom Weltgeist 
die Wahrheit sagen will, der darf es der Welt noch so scharf sagen, als 
den Kretern einer ihrer Poeten. Wenn aber ein Paulus mit Weinen von Feinden 
des Kreuzes Christi und ihrem Wandel sagt, da nimmt man jeden Ausdruck 
bel. Die drauen sind, hatte Titus nicht gerade anzugreifen, aber um ihretwillen, 
und um des durch sie ausgebreiteten Lgen = Geistes willen, mute er denen, 
die dem Glauben gehorsam geworden waren, desto schrfer sein, damit sie 
nicht an diesem ihrem National = Fehler gehalten, und wieder in das ewige 
Verderben eingeflochten wrden, sondern bei der gesunden Lehre der heilsamen 
Worte auch zu einem gesunden Glauben gelangten. Darin hat es die heutige 
Welt weit gebracht, da sie sich das scharfe Strafen so vom Hals geschoben, 
und dafr auch bei den Dienern der Kirche den Ruhm der Klugheit und der 
Moderation auf den Thron gesetzt hat. Nehmen kann sich freilich Keiner 
nichts, aber erbeten; mit Fordern an Anderen, und Verschieben der Schuld 
auf sie ist auch nicht geholfen, aber gemeinschaftlich darber ringen. 
Der GOtt dieser Welt richtet sich an jedem Ort und bei jedem einzelnen 
Menschen in den Verblendungen, womit er ihm zusetzen will, nach seinen 
vorherigen Neigungen. Weil nun in Kreta vorher viel heidnisches Fabelwerk 
herrschte, und der Hang der Gemter auf das Faule und Weichliche ging, 
so suchte er dem gesunden Glauben durch jdische Fabeln Abbruch zutun. 
Das schien etwas Neues, und unterhielt doch die vorige Neigung des alten 
Menschen; es sollte etwas getan heien durch Menschengebot, und vor GOtt 
und im Zugang zu Ihm kam doch keine wahrhaftige Frderung heraus. - Der 
Ausspruch des Apostels: den Reinen ist Alles rein, gehrt unter die Worte 
der Schrift, die von langer Zeit her in groen Mibrauch gezogen worden 
sind. Der eigentliche Sitz der Reinigkeit ist das Herz (Apg. 15, 9). Das 
wird durch den aus dem Evangelio gewonnen Glauben gereinigt, und in eine 
lautere Begierde, GOtt zu dienen, GOtt zu gefallen, gesetzt. Bei einem 
solchen Sinn nun ist einem Alles rein.: d. i. wenn er keinen Unterschied 
der Speisen hlt, sich an keinen Unterschied der Tage mehr bindet, oder 
was ihm sonst aufgebrdet werden will; so schadet es ihm nichts, es schmlert 
ihm den Genu der Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist nicht. 
Wenn einer aber auch aus irgend einer eigenen berzeugung oder aus Achtung 
fr Andere dergleichen Unterschied beobachten wollte, so kann er es auch 
mit reinem Herzen dem HErrn tun, ohne sich mit einer dahinter gesuchten 
Aufrichtung einer eigenen Gerechtigkeit zu beflecken (Rm. 14, 5-6). Unreinen 
und Unglubigen aber, die der Gerechtigkeit GOttes nicht im Glauben untertan 
geworden, also immer im unreinen Aufrichten ihrer eigenen Gerechtigkeit 
begriffen sind, und dabei oft niedertrchtige Absichten auf schndlichen 
Gewinn, und anderes Futter fr das Fleisch und dessen Gelste hegen, unter 
der Kreuzesflucht gefangen bleiben, denen ist nichts rein, sie mgen solches 
mit noch so viel Geschwtz und Vorwnden bedecken: mit ihren Menschengeboten, 
mit Beobachtung aller jdischen Reinigungen wird nichts gereinigt. Denn 
das Alles reicht nicht an das Herz, und an das, was aus demselben zunchst 
heraus kommt. Die bleibende Herzens = Unreinigkeit aber verunreinigt Alles, 
den Sinn, das Nachdenken, die berlegungs = und Beurteilungs = Kraft, ja 
auch das Gewissen, das vor und nach der Tat, mit Erinnern, Antreiben, Abhalten, 
mit Unruhe, oder Trost und Befriedigung sein Geschft hat. Im Gewissen 
ist sonst Gotteslicht und Wahrheit noch mehr als im Verstand und allen 
anderen Krften der Seele geschftig, doch kann es auch durch ungesunde 
Lehre, lange Gewohnheit, falsche Bespiele, Absicht auf Genu von der Ungerechtigkeit, 
so verunreinigt werden, da es in seinem Amt und guten Dienst verhindert 
wird, und durch falsche Vorstellungen einem Menschen auch ganz verkehrte 
Triebe beibringen kann. - Beim Sagen: sie erkennen GOtt, gibt es oft Anmaungen 
von hheren Einsichten, Einbildungen auf eine falsch = berhmte Kunst, 
auf eine flschlich so genannte Erkenntnis (1.Tim. 6, 20). Alle groen 
Anmaungen aber, die sich nicht mit Treue und Brauchbarkeit im Geringen 
bewhren, die einem nicht im tglichen Wandel vor GOtt, zu kindlichem Gebet, 
berwindung der Welt und des Fleisches zc. die besten Dienste tun, die 
lasse man sich ja nicht einnehmen. Denn daran wird es offenbar, die Werke 
zeigen es, da hinter der vorgegebenen Erkenntnis keine Wahrheit ist, GOtt 
aber hat an nichts mehreren Greul als an den Falschen und Lgnern, mithin 
auch an flschlich angemater Erkenntnis; sonderlich, wenn man keiner besseren 
berzeugung mehr Raum gibt, alles Gehorchen ausschlgt, und sich in seine 
angemate Erkenntnis wie in eine Festung hineinsetzt; worber man zu allem 
guten Werk untchtig wird. Ja bei der Unreinigkeit des Gewissens kommt 
man nicht nur um seine Tchtigkeit zum Tun, sondern sogar auch zum Prfen. 
Auch die Tchtigkeit eines Lehrers zu allen Zeiten, sein Amt als ein Amt 
des Geistes und nicht des Buchstabens zu fhren, ist viel daraus zu ersehen, 
da er einesteils nichts mit einem Verbot belegt, wo kein gttliches Verbot 
ist, und also die Gewissen nicht ohne Not verstrickt; und andernteils, 
da er eben so wenig unter dem Vorwand christlicher Freiheit manche Handlungen 
der Menschen fr Mitteldinge erklrt, da doch Alles mit einem durch den 
Glauben gereinigten Herzen geschehen soll, und ohne dasselbige Alles unrein 
ist. O GOtt, gib, da ich Dich Alle Zeit in der Wahrheit erkennen, und 
mit Werken bekennen mge! Amen! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Titus 2,1-6</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel gibt noch eine nhere Anweisung, wie Titus mit Alten und 
Jungen beiderlei Geschlechts umgehen soll, damit sie vor den Versuchungen 
ihres Alters, Geschlechts und der damaligen Gewohnheiten verwahrt, und 
hingegen an Anderen brauchbare Gehilfen der Gnade wrden</b> 
 
<p>Diesfalls fllt man in der Welt immer von einem Irrweg auf den anderen. 
Das Einemal heit es: man soll bei der Bue zu GOtt, und bei dem Glauben 
an den HErrn JEsu bleiben, und sich nicht in alle personelle Umstnde der 
Menschen, und in die Begebenheiten jeder Zeit einlassen. Allein, wie soll 
ich die Bue zu GOtt, oder Glauben an den HErrn JEsum treiben, wenn ich 
nicht auf die jeder Zeit, jedem Alter eigenen Versuchungen und Snden kommen 
darf, darber man Bue zu GOtt ntig hat; wenn ich nicht auch auf die Hindernisse 
deuten darf, wodurch man vom Glauben abgehalten wird. Ja, sagt man: das 
wird GOttes Geist, das wird das Licht des Evangeliums schon tun, und es 
Jedem nher legen. Ja, GOttes Geist tut es, aber durch den Dienst seiner 
Mitarbeiter. Wir haben uns ja verpflichtet, dem Geist zu seinem Strafamt 
unsere Stimmen herzuleihen. Oft aber fllt man auch auf den anderen Irrweg 
zur Linken, und will lauter in das gesellschaftliche Leben der Menschen 
gehrige Tugenden in der Kirche getrieben haben, und mchte unter diesem 
Vorwand gern die Geheimnisse und Glaubenslehren verdrngen. Das hiee aber 
immer auf den Sand der Natur gebaut, oder an dem Dornbusch beschnitten, 
aber nie keinen guten Baum, keine Pflanze des HErrn zum Preis gesetzt. 
O wie grndlich, wie brauchbar wrde Alles, wenn man es bei dem liee, 
wie es im Wort GOttes so weislich angeordnet ist. - Rede, sagt der Apostel 
hier, nicht gerade: Predige. Den Manches von den folgenden Stcken liee 
sich nicht sowohl von der Kanzel herunter betreiben, als sonst durch weislichen 
Umgang beibringen und einrichten. Diesen Unterschied mu man immer noch 
halten, und um deswillen sich mit seiner Amtsfhrung nicht blo an Kanzel 
und Altar hinbinden lassen, sondern sich auch noch die Freiheit zu anderem 
Umgang und Reden offen halten. - Heilsame Lehre deckt den Schaden grndlich 
auf, und begegnet ihm mit Mitteln, die weder zu schwer noch zu schwach 
sind. - Nchtern sein, ist mit dem Wachen und Beten in der Schrift oft 
verbundene Freiheit des Gemts von Allem was beschwert. Da es hier den 
alten Mnnern aufgegeben wird, so hat man auch an die vielen Sorgen, Streitigkeiten, 
und sonstige Erregungen des Gemts zu gedenken, uns im Gegenteil, an die 
Bereitschaft, die es verschafft, wenn der HErr kommt, da man von Allem 
rckwrts frei und vorwrts wacker sei, oder, was den Alten sonst ziemt, 
sein Haus zu bestellen, da man bereit sei fr und fr. - Ehrbar, drckt 
das Wohlanstndige in Worten und Werken aus, womit sich die Alten bei den 
Jungen in Ehrerbietung setzen und darin erhalten knnen. Das Gegenteil 
von dem, was man oft durch Scherzen, durch Erzhlen seiner Jugendstreiche 
an dem niedertreten kann, woraus Ehrerbietung erwachsen sollte. - Zchtig 
zu sein wird unten (V. 6) gleicherweise den jungen Mnnern aufgegeben. 
Denn, wenn Schamhaftigkeit, Unschuld, aus Herz, Gebrden, Zunge in jngeren 
und mittleren Jahren vertrieben wird, so lt es gemeiniglich auch im Alter 
tiefe berbleibsel. Bei Abnahme der Leibeskrfte im Alter steht es gar 
wohl, gesund und stark sein im Glauben, in der Fassung gegen GOtt, in der 
Liebe und allem verhalten gegen den Nchsten, in der Geduld, zum endlichen 
Durchkommen durch die Welt unter dem Druck mancher vorher ungewohnten Umstnde. 
- Wenn es heit sich stellen oder sich auffhren, so hat man freilich an 
kein Verstellen ohne inneren Grund zu gedenken; aber doch auch das uerliche 
so mit in Betrachtung zu ziehen, damit nicht der bessere Grund im Innern 
unter eine Maske der Weltfrmigkeit hinunter gesteckt werde, sondern Inneres 
und ueres bei einer heilig anstndigen Auffhrung zusammen stimme. Freilich 
kommt es nicht auf das uere an; aber wenn ich im Innern wiedergeboren 
bin auf die Hoffnung zum Erbteil der Heiligen im Licht, und zur Wrdigkeit, 
mit dem HErrn JEsu zu wandeln in weien Kleidern: so werde ich gewi auch 
hier meine Kleider, oder das, was von der Welt und ihrer Gleichstellung 
an mir leicht knnte befleckt werden, sorgfltig in Acht nehmen. - Aus 
Neigung zu vielem Reden kann im Alter, zu einer Zeit, wo mir am Weltlauf 
Vieles nimmer gefllt, eine Neigung zum Lstern werden. Denn unter das 
Lstern gehrt, nicht nur was wider die Wahrheit, sondern auch was wider 
die Liebe und Barmherzigkeit ist, die ich dem Nchsten schuldig wre, ja 
auch, was wider das Gericht ist, so ich gegen mich selbst brauchen, und 
also nicht an Anderen Ruhm suchen, oder mich durch Anderer Fehler fromm 
machen sollte, ohne Rckdenken, wie ich selbst in vorigen Jahren und Versuchungen 
war; statt, da ich anstimmen sollte: O GOtt, wie teuer ist deine Gt, 
da du erleuchtet mein Gemt! Es fllt mancher Person oft erst im Alter 
so viel Vermgen, oder so viel Freiheit zu, da sie sich gtlicher als 
zuvor, tun kann. Zur Erquickung auf dem Wege wre es auch einem zu gnnen, 
aber es hat doch Gefahr, da man nicht vom Maul berwltigt werde, des 
Leibes zu pflegen, bis Lste darin aufwachen. - Zur Bewahrung vor all dem 
Obigen gibt der Apostel etwas Anderes auf, gute Lehrerinnen zu werden. 
Wie weit waren Paulus und Titus und Alle, die das Werk des HErrn verstehen, 
von der jetzigen Eifersucht entfernt, da man ber die geringste Handreichung, 
die ein Christ dem Andern tut, gleich schreit: Was sollen diese lehren? 
Uns gebhrt zu reden. Darber ist der Verfall der Christenheit angegangen, 
da ein Stand den Schlssel der Erkenntnis so an sich gerissen hat, und 
die Andern also sagten: nun wollt ihr alle Christenrechte allein haben, 
so schieben wir auch alle Christenpflichten auf euch allein, und das haben 
diese bernommen, und den groen Haufen in alle Unwissenheit und Sorglosigkeit 
gestrzt. Jetzt treibt man es bald wieder auf das hinaus, und verdrngt, 
wo man kann, die Lichter von ihrem Christenrecht, zu leuchten; was wird 
daraus werden? Die, so ihr Ansehen darunter suchen, werden zum dummen Salz 
werden, das alle gescheiten Weltleute mit Fen treten. O htten wir nur 
in allen Stnden an alten Mnnern und Weibern viel gute Lehrer und Lehrerinnen! 
Das wrde unsere Kirchen nicht leer und verchtlich machen, wackere Leute 
wrden darunter viel Antrieb bekommen, da ihr Zunehmen doch wrde offenbar 
werden, und sie sich durch Starkwerden am inwendigen Menschen mehr Ansehen 
verschaffen knnten, als von dem eigentmlichen Recht, dabei sie Alles 
allein sein wollen. O was kommen im Hausstand, im Ehestand fr Umstnde 
vor! Was fr Gewissensnot erhebt sich im Verborgenen, wo unser Predigen 
und Lehren in der Kirche nicht hinreicht, wenn man da erfahrene und an 
sich selbst gewitzigte Christinnen an der Hand htte, wie manchen Knopf 
an den Werken des Teufels knnten sie auflsen! - Mit Zchtigsein wre 
der Grund einer guten Ehe fest zu legen, wo das, was die Liebe fr Untersttzung 
aus der Ehrerbietung haben mu, nicht versumt wird. - Mnner zu lieben, 
Kinder zu lieben, hat zwar GOttes Finger schon auch in der Natur vorgeschafft; 
aber Versuchungen zum Nachlassen in der natrlichen Liebe dringen auch 
an unser arges Herz. Darum tut Unterweisung wohl, da man nicht unterliege. 
Die Liebe stellt sich nicht ungebrdig, legt das, was zu viel werden, und 
an unsere Art in Unart ausschlagen knnte, ab; das heit sittig sein. Keusch, 
zu Bewahrung vor bsen Hnden, die einem oft mehr als im ledigen Stand 
nachstellen. Huslich, die gern das Haus hten; das Gegenteil kommt Sprche 
7, 11 vor; woraus man zugleich ersieht, wie keusch und huslich sein miteinander 
zusammenhngt. Gtig, also nicht unter dem Vorwand des Huslichen sein 
Herz vor Anderer Not verschliet. - ber die Unfruchtbarkeit an guten Werken, 
ber gegenseitigen ungeschlachten Trieben, knnte GOttes Wort, von dem 
man wei, da es der Christen Wachstum betreiben soll, verlstert werden. 
- An den jungen Mnnern konnte Titus selbst mit Ermahnen ankommen, auch 
ihnen aus eigener Erfahrung Manches sagen. Wer auch nur in einem Stck 
dem Ruhm und Schmuck seiner ersten Unschuld nachstrebt, der bleibt gewi 
auch in anderen Stcken nicht dahinten. O GOtt, mach Du mich selbst, wie 
ich soll sein! Ich wei hier gilt kein Heuchelschein; versetze mich in 
deine Natur! denn hier gilt nur, und eine neue Kreatur. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Titus 2,7-10</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel zeigt dem Titus, wie er in solcher Einleitung aller Stnde 
zum Gehorsam der Wahrheit, das Meiste mit seinem eigenen guten Beispiel 
ausrichten; und so an aller Menschen Gewissen als unstrflich im Wandel 
und in der Lehre wohl beweisen werde.</b> 
 
<p>Titus gehrte auch noch unter die Jngeren, wie denn der Apostel sogleich 
(V. 15), die Verachtung Anderer von ihm abwendet, wie er an seinem Sohn 
Timotheus gleichfalls getan hat (1.Tim. 4, 12). Junge nehmen besonders 
gern von ihres Gleichen Etwas an. Aber auch Andere wollen ein gutes Beispiel 
oder Vorbild haben. Man meint sonst, bei unrichtigem Wandel knne gleichwohl 
die Lehre gut bleiben. Aber wo der Lehrer nicht auch der Tter seines Worts 
ist, da geschieht es gar leicht, da man bei der Unreinigkeit des Gewissens, 
die einen zu fleischlichen Freiheiten im Wandel verleitet, auch die Lehre 
verdreht, oder doch Manches daraus weglt, woher sie ihre frische Kraft 
und Ernst haben sollte. Lehre geht immer auf den ffentlichen Vortrag; 
Wort auf Alles, was man im gemeinen Leben, bei sonstigem Umgang und Befragen 
von sich vernehmen lt, welches auch gesund und untadelich sein soll, 
nicht der Fulnis und dem Verderben des alten Menschen durch Lste in Irrtum 
aufhelfend, sondern vielmehr steuernd, uns so, da auch die, so auf unsere 
Worte lauern, nichts daran tadeln, oder zum Vorwand ihrer eigenen Nachlssigkeit 
brauchen knnen. Unter dem Schlangensamen der Widerwrtigen hat man immer 
seinen Wandel zu fhren, und der Frst dieser Welt kommt und sucht (Joh. 
14, 30). Wie gut, wenn er nichts findet! - ber das Verderben unter dem 
Gesinde und Dienstboten klagt man hufig, aber wie wenig Gelegenheit man 
ihnen zur Erkenntnis des Wortes und der Wahrheit GOttes macht, das bedenkt 
man nicht genugsam. Wer Alles mit Zrnen, Schelten, Drohen auszurichten 
meint, der macht sich und Anderen ein elendes Leben, wer aber allen Gehorsam, 
den man ihm beweist, gern als eine Frucht von GOttes Wort mit Dank annimmt, 
und wer GOtt selbst auch mit Bewahrung seines Worts ehrt, den kann Er auch 
wieder ehren durch eine im Haus erhaltene gute Ordnung. Wer wenig Armesmacht 
brauchen kann, der braucht oft desto mehr sein Maul. Dieses auch zhmen, 
und vom Widerbellen zurckhalten, ist ein herrlicher Sieg der Wahrheit. 
Niemand schtze sich so dahin, als ob an ihm und seinem Eigentum nichts 
gelegen wre. Je geringer oft der Stand ist, und je mehr Verderben sich 
durch die Menge der Bsen darin ausgebreitet hat, je leuchtender knnen 
brauchbare Lichter darin werden. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Titus 2,11-15</font></b></h4> 
 
<p><b>Zu den - bisher allen Menschen und allen Stnden der Menschen vorgehaltenen 
Pflichten preist nun der Apostel die allen Menschen erschienene Gnade an, 
damit Jeder daraus Zuversicht fasse, was noch aus ihm zu Lobe dieser herrlichen 
Gnade werden knne.</b> 
 
<p>So wenig man an seiner ob habenden Pflicht zweifeln darf; so wenig 
auch an der durch die erschienene Gnade dazu bereiteten Kraft. Niemand 
nehme sich es also zu schwer dabei. Die einmal erschienene Gnade GOttes 
leuchtet seitdem als das wahrhaftige Licht, das Keinen trg oder unfruchtbar 
werden lt. Es ist eine heilsame, von aller Ungerechtigkeit rettende, 
zu allem guten Werk fruchtbar machende Gnade. Wie diese Gnade allen Menschen 
ohne Unterschied des Standes erschienen ist (V. 2-9); so ist sie auch allen 
Hindernissen und Versuchungen des Alters und der Zeit gewachsen. So wenig 
aber die Gnade im Anerbieten ihrer heilsamen Hilfe einen Unterschied macht; 
so ein groer Unterschied entsteht doch ber der sorgfltigen Anwendung, 
oder ber der Versumnis dieser Gnade. Deswegen wendet sich auch des Apostels 
Rede sogleich, da er von sich und Anderen, an denen diese Gnade nicht 
vergeblich gewesen ist, sagt: sie zchtigt uns; geht also mit uns als mit 
Kindern um, mit denen man immer beschftigt sein mu, die man nicht zu 
hart hlt, die man aber auch nicht ihrem eigenen Willen oder anderer Verfhrung 
berlt. - Verleugnen ist ein der Gnade des Neuen Testaments eigenes Wort, 
denn beim Licht derselben sieht und empfindet man freilich die Snde, ihre 
Kraft, ihr nahes Ankleben auf das Genaueste, trifft aber auch die Spur, 
wie der aus dem Wort der Gnade gezeugte Geist sich von der Snde lossagt, 
so da damit nicht nur den Ausbrchen derselben gewehrt wird, sondern im 
Innersten eine Scheidung von diesem Unwesen vorgeht. Das geht grndlich 
und auf etwas Ganzes, und hlt den Menschen doch immer in der Armut des 
Geistes und im Leidtragen ber das harte Ankleben der Snde; lt den Stolz 
nicht aufkommen, als ob der Mensch von Natur aus besser wre, sondern macht 
es ihm empfindlich, da er sich durch Verleugnen von etwas scheiden mu, 
das ihm nahe genug ist, und es lt ihn doch auch nicht mutlos werden, 
da man von der heilsamen Gnade immer untersttzt wird. - Was GOtt seine 
Ehre und uns unseren Genu von GOtt raubt, das heit, ungttliches Wesen. 
Dahin gehrt Unglaube, Sicherheit, Versumnis des Gebets und gttlichen 
Worts zc., Wer aber ohne Liebe GOttes, ohne Freude an GOtt, ohne Verlangen 
nach GOtt im ungttlichen Wesen liegen bleibt, der steht eben damit allen 
weltlichen Lsten offen. Hingegen, wer sich vom ungttlichen Wesen lossagt, 
der tritt auch den weltlichen Lsten auf den Kopf. Man beredet sich oft, 
es sei bei weltlichen Lsten nicht gerade ungttliches Wesen, und will 
sich dabei keiner Feinschaft wider GOtt, keiner Absicht GOtt zu beleidigen, 
bewut sein; aber man gebe nur Acht, was die weltlichen Lste am Herzen 
verderben, vom Samen des gttlichen Worts ersticken, so wird man erfahren, 
wie ungttliches Wesen und weltliche Lste aneinander grenzen, und wie 
bei den weltlichen Lsten, und was der Mensch dabei fr sein eigen Leben, 
mit Krnkung seines Nchsten, sucht, das Zchtige und Gerechte, wie bei 
dem ungttlichen Wesen, das Gottseligleben nicht aufkommen kann. In dieser 
Welt wollen sich freilich die weltlichen Lste als ntig und unvermeidlich 
aufdringen, und an Vorwnden zum ungttlichen Wesen fehlt es auch nie; 
hingegen ist auch die kurze whrend unseres Wandels in dieser Welt bewiesene 
Treue von den wichtigsten Folgen. Aus der erschienenen Gnade aber hat man 
ein trstliches Licht, dabei man auch auf weitere warten kann, und eine 
Strkung in der Geduld, da uns der Verzug zu keiner Torheit verleitet. 
In Christi JEsu und bei seinem Kommen in die Welt ist die heilsame Gnade 
GOttes erschienen, bei seiner knftigen Offenbarung wird auch die Herrlichkeit 
des groen GOttes erscheinen; und wie das fr den groen GOtt und unseren 
Heiland JEsum Christ herrlich ist, so wird es fr Alle, die Ihm angehren, 
selig sein. Groe Untersttzung unserer Hoffnung! Ich warte auf das, was 
zur Herrlichkeit GOttes und meines Heilandes eben so dienlich, als zu meiner 
Seligkeit ist. - Diese Erscheinung und Offenbarung in der Herrlichkeit 
ist unserem Heiland von seinem Vater, dem groen GOtt der Herrlichkeit, 
dafr beschieden worden, da Er sich in seiner ersten Erscheinung in Niedrigkeit, 
Gehorsam, Leiden und Tod fr uns hingegeben hat, und damit uns, die wir 
der Snde Knechte, und uns zur Freiheit durchzuarbeiten ganz unvermgend 
waren, losgekauft hat. Daher denn unser enthalten von weltlichen Lsten 
nicht auf einem Eigensinn, nicht auf einer eigenliebigen Neigung fr das 
Sonderbare beruht, sondern einen tieferen und besseren Grund in der Kraft 
unserer Erlsung, und in der Wirkung unserer Hoffnung hat. Dies alles bergibt 
Paulus dem Titus, so ffentlich und insbesondere zu treiben, da Jeder 
sich berzeugt, angefat und gezogen fhlen knnte, und daraus GOttes und 
seiner Gnade ganzen Ernst erkennen, aber auch sich mit Kraft ausgerstet 
fhlen, ber seine Hindernisse sieghaft zu werden, und das Werk seines 
Heils ausfhren zu knnen. Ein von weltlichen Lsten selbst Gefangener, 
ein an der Erscheinung GOttes und unseres Heilandes JEsu Christi verzagter 
Liebhaber seines Lebens auf dieser Welt ist noch mehr in Gefahr, als ein 
dummes Salz vertreten und verachtet zu werden. Einen Anderen, der fest 
an der angebotenen Hoffnung des Evangeliums hlt, bekommt die Welt bei 
ihrem Sptteln und Verachten doch nicht so unter ihre Fe. O GOtt, Deine 
Gnade werde an mir, und durch mich an Vielen gepriesen! Amen! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Titus 3,1-7</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel zeigt dem Titus den evangelischen Handgriff, wie er den 
Glubigen in Kreta die Gnade ihres Berufs vorhalten, und ihnen dabei in 
das Angedenken bringen soll, in was sie ehemals auch gesteckt, aus was 
sie errettet, und in welche eine Hoffnung sie gesetzt worden seien, damit 
sie desto gewisser den - ihren Oberen schuldigen Gehorsam, den brigen 
aber alle Lindigkeit beweisen, und sich durch keinerlei angetanes Unrecht 
zu irgend einer Ungebhr auftreiben lassen.</b> 
 
<p>Unser leichtsinniges und auf Behauptung seines Eigensinns so trotziges 
Herz braucht immer Ermahnens oder Erinnerns. Eine vorzgliche Zierde des 
Evangeliums hat es zu allen Zeiten ausgemacht, da ungeachtet es eine Predigt 
vom Himmelreich ist, und also einen HErrn, JEsum, zum Knig einsetzt, es 
doch den Frsten und Obrigkeiten so wenig etwas vorrckt, als wenig der 
HErr JEsus zu seinem Reich eines Fadens breit verlangt hat. Das Evangelium 
schmeichelte also freilich den Groen dieser Welt nicht so, als ob sie 
das unbewegliche Reich htten, sondern das Evangelium setzt Alles in das 
Warten auf die Offenbarung des HErrn JEsus in seinem Reich; bis dahin aber 
lt es dem Reich der Welt alle von GOtt ihm eingerumten Zeiten, und macht 
die Mitgenossen des Evangeliums zu der Obrigkeit getreuesten Dienern, und 
geduldigsten Untertanen. Dabei geht es nicht nur aus Furcht vor der Strafe, 
sondern auch aus Wohl eines guten Gewissens, woraus besonders die Bereitschaft 
zu allem guten Werk oder die Brauchbarkeit zu mancherlei angenehmen Diensten 
entsteht. Bei jedem brgerlichen Gang und Verfassung in der Welt gibt es 
freilich auch Solche, die von der ihnen darin eingerumten Gewalt einen 
Mibrauch zu Anderer Bedrckung machen; da ist denn das gemeinste, womit 
man sich noch wehren will, das Maul; aber auch das zu bezhmen, soll man 
Erinnerung tun und annehmen. Denn geholfen ist damit nichts, weil sich 
es die Groen schon lange zur Gewohnheit gemacht haben: Lat sie schwtzen, 
wenn sie uns nur mssen machen lassen. Inmittelst kommt doch durch eine 
zum Lstern entzndete Zunge viel Befleckung in den Wandel. Im Hadern soll 
man nicht der angreifende Teil, aber bei erlittenem Angriff gelinde sein, 
nirgends Bses mit Bsem, oder Scheltwort mit Scheltwort vergelten. Je 
mehr man von der Wahrheit GOttes eingenommen ist, je sanftmtiger kann 
man auch bei Verteidigung derselben verfahren. Die ruhige Gewiheit vom 
Sieg schneidet Alles ab, in was man sonst durch Bestrzung hineinkme; 
und das Angedenken, wie nichts zu erzwingen sei, wie freundlich uns GOtt 
herumgeholt habe, durch welcher Schwierigkeiten berwindung es bei uns 
gegangen sei, verhtet, da man doch ja Keinem den Weg zur Umkehr in der 
Wahrheit mit irgend etwas erschweren mchte. Ohne Rckdenken an seine eigene 
Jugend, an seine sonstigen Schwachheiten und Versuchungen, aber auch an 
die von GOtt verschafften Ausgnge daraus, kann man nicht einmal ein Kind 
weislich ziehen; wie viel ntiger ist solches Rckdenken zu allem sonstigen 
Umgang. Aus diesem Grund empfiehlt dort der HErr JEsus dem Petrus, da 
er die Wiederaufrichtung aus seinem Fall, und die darunter erlangte Witzigung 
auch seine Brder solle genieen lassen. Alles was uns jetzt an Anderen 
bt, worber wir zu hadern versucht werden, hat sich weiland auch an uns 
gefunden. - Als Unweise haben wir ehemalen mit unseren Urteilen oft nicht 
nur wider die Gottseligkeit, sondern auch wider die natrliche Billigkeit 
angestoen; als Ungehorsame haten wir die Zucht, und man mute uns oft 
Zeit lassen, uns hintennach eines Besseren zu besinnen; bei aller angematen 
Rechthaberei waren wir doch Irrige, hatten unsere eigenen Neigungen, und 
wollten unserem Fleisch und seinen Freiheiten keinen Einhalt tun lassen; 
woraus wie in allem Weltlauf, viel Beien und Fressen unter einander entstand. 
O GOttes Sohn! wie konnt es sein, Dein Himmelreich zu lassen, zu kommen 
in die Welt herein, da nichts, denn Neid und Hassen? Ach Deine groe Liebe 
und unsere groe Not hat das bei Deiner und Deines himmlischen Vaters Menschenliebe 
vermocht; und die erscheint noch, wo jetzt das Evangelium davon eine Finsternis 
durchbricht. - Der Vorwand, den man oft zu seiner Ungeduld und richterlichen 
Schrfe nimmt, ist der: ja, wir wollen doch nichts Anderes, als was recht 
ist. Ja, wie hat GOtt dich aus der Ungerechtigkeit errettet? Hat er auch 
auf dich hineingeschlagen, bis Werke der Gerechtigkeit herausgekommen sind? 
O nein, nach seiner Barmherzigkeit brachte Er uns zur Erkenntnis der Wahrheit, 
berief uns in die Gnade Christi, versetzte uns dadurch in einen seligen 
Stand; aus der Obrigkeit der Finsternis in das Reich der Liebe; aus Bosheit, 
Hassen, Neiden zc., in das Wandeln im Licht, in der Wahrheit, in der Sanftmut 
und Demut. Der Anfang dazu wurde gemacht in der Taufe, als im Bad der Wiedergeburt. 
Diese in der Taufe angefangene Gnade aber hatte ihren Fortgang in der Erneuerung 
des heiligen Geistes, und der aus dessen Trieb fortgehenden Heiligung. 
Bei der Taufe und bei der weiteren gehorsamen und glubigen Annahme des 
Evangelii wird uns je mehr und mehr geschenkt der Heilige Geist; was Der 
bei uns vermocht hat, zu was die Vergebungsgnade bei uns fruchtbar geworden 
ist, und welche Hoffnung wir nun durch die Kraft des Heiligen Geistes behaupten 
knnen, das macht das Rckdenken an das, was wir zuvor waren, ertrglich, 
und legt alles Neiden, Hadern ber das, was auf Erden ist, danieder, weil 
man sich dazu berufen findet, da wir den Segen beerben. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Titus 3,8-11</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel spricht Tito zu ber den obigen Grundstcken fest zu halten, 
und im Vortrag immer nur auf das Ntigste und Ntzlichste zu sehen; das 
aber, was weniger zur Erbauung taugt, von sich zu weisen, und sich nicht 
in langwierige, vergebliche Streitigkeiten verwickeln zu lassen.</b> 
 
<p>Die Worte: das ist gewilich wahr, kann man teils als ein Siegel ber 
das Vorige ansehen, teils aber auch als den Grund, warum Titus das so ernstlich 
soll. In der ffentlichen Lehre mu man um der Menschen Bedrfnis willen 
auf gewisse Hauptsachen befestigt werden, und selbige bestndig treiben 
sich nicht verdrieen lassen. Auch mu ein Jeglicher nach seinem eigenen 
inneren Grund, und nach Strke seines inwendigen Menschen eine Macht bekommen, 
das zu zeigen, was fr seine Zeit und Umstnde das Ntigste ist, das Andere, 
wie bei der Bergpredigt, spren mssen: er lehrt gewaltig, oder bevollmchtigt 
dazu. Wer in den Wirbel hineinkommt, da er sich in der Wahl der Materien, 
in der Art des Vortrags, in Fhrung der Beweise nach dem richtet, was in 
der Welt Mode ist, was zu seiner Zeit fr weise, gemigt, gemeinntzig 
gehalten wird, der kann darber ein dummes Salz werden. In den Reden Christi 
und seiner Apostel, in ihren Vorschriften mu man sich ersehen, was das 
Ntigste und Ntzlichste ist, und mit welchen Spieen und Ngeln sie es 
in der Menschen Gewissen wohl angeheftet haben; es kann Etwas sehr feurig, 
lebhaft, affektvoll vorgetragen scheinen, und es hat doch das Beste aus 
dem Ebenma des gttlichen Wortes nicht. So sorgfltig der Apostel, die 
Werke der Gerechtigkeit unsererseits weggerumt hat; als ob wir den Anfang 
damit gemacht und den Grund zu unserer Seligkeit gelegt htten (V. 5); 
so lauterlich er Alles der Gnade GOttes zugeschrieben, da wir durch dieselbe 
gerecht und Erben des ewigen Lebens seien (V. 7); so fest will er nun auch 
betrieben haben, da ein Glaube, der in dieser Gnade zu stehen gekommen 
ist, einen Menschen nicht faul und unfruchtbar sein lasse, sondern ihn 
so geschftig und ttig mache, da man nicht nur ein oder anderes gutes 
Werk tun, sondern im Stand guter Werke erfunden werde, da man ihn brauchen 
kann, wozu man ihn bedarf (V. 14). O wie viel Bedrfnisse gibt es immer 
am Leib Christi, in einer Gemeinde, in einer Familie, bei Gesunden und 
Kranken, bei Kindern und Waisen, wo man Leute, die im Stand guter Werke 
stehen, brauchen knnte. Es ist nicht immer nur auf das Geben angesehen, 
wie man bei guten Werken sonst auf das hineinfllt, sondern es gibt auerdem 
mit Trost, Rat, Tat manche Hilfeleistung im menschlichen Leben, manche 
Strkung lssiger Hnde zu tun. - Zum Licht der Welt, zum Salz der Erden 
haben wir uns in unserem Stand brauchen zu lassen, auch nhren wir uns 
jetzt von dem, was andere ehemalen zum gemeinen Besten zusammengetragen 
haben; darum liegt uns an, bei unserer Amtsfhrung, bei dem, was durch 
unser Wort und Beispiel fr Leute gezogen werden, auch darauf zu sehen, 
was gut und dem Menschen ntzlich ist, da wir nicht dem Strom der rgernisse, 
den vergeblichen Gewohnheiten unserer Zeit nachgeben, sondern ber dem 
halten, was den Menschen gut und ntzlich ist. Diesem festen Bleiben ber 
dem was gut und ntzlich ist zuwider, hat der Vater der Lgen zu allen 
Zeiten viel Anderes aufzuwerfen. - Was der Apostel hier und anderwrts 
von Geschlechtsregistern, vom Streiten ber dem Gesetz sagt, das hat man 
nicht dahin zu deuten, als ob er wehren wollte, da man sich mit den Schriften 
Alten Testaments nicht mehr aufhalten sollte, denn wie viel hat Paulus 
selbst aus den Geschichten Alten Testaments hergeleitet, wie hat er dem 
Timotheus die Heilige Schrift, die er von Jugend auf wute, so hoch eingebunden 
und ihre Brauchbarkeit angepriesen. Und was ist denn an den biblischen 
Geschlechtsregistern trichtes? Aber das gab trichte Fragen und Geschlechtsregister, 
an denen kein Ende zu finden war, wenn man die Schpfung, den Ursprung 
aller Dinge, ihre Abstammung von einander, ihre Erhaltung erklren wollte, 
und dabei zwar Einen hchsten GOtt annahm, der aber zunchst aus sich selbst 
gewisse Krfte gezeugt und geboren htte, und diese wren hernach die Urheber 
der sichtbaren Welt geworden, von einem derselben komme auch das Gesetz 
her, woraus dann wunderliche Gedanken von der Fortpflanzung der Menschen, 
vom Ursprung der Leiber, vom Ehestand, vom Gebrauch der Speise und Trank, 
von der Verehrung der Engel usw. entstanden. Wo man nun das Alles mit der 
Lehre Christi vermengen, und so ineinander weben wollte, da stand der Apostel 
scharf dagegen, weil zu besorgen war, man werfe ber eine Weile Eins mit 
dem Anderen weg. Es ist sehr darber zu wachen, da sich nichts in der 
Hochachtung des menschlichen Gewissens festsetze, was nicht aus der Wahrheit 
ist; denn man kann es hernach nimmer auseinander lesen. Alle Mhe gibt 
sich der Mensch eher, als da er bei dem Einen, das not ist, fest aushielte. 
Das hat schon Salomo unter den brigen Eitelkeiten beseufzt (Pred. 12, 
12-14). Denn bei der Fragsucht und bei allen Verstandeswahrheiten kann 
er sich mit einem aufblhenden Wissen kitzeln; Gewissenswahrheiten aber 
demtigen den Menschen. Hren kann man freilich einen Jeden, was er vorzubringen 
hat, sodann auch suchen, ihm durch Ermahnen, Zurechtweisen, berzeugen 
beizukommen; lt er sich aber nicht gewinnen, so ist des Apostels Meinung: 
halte dich nicht immer mit ihm auf, befiehl ihn GOttes Erbarmen, warte 
dorther Schickungen ab, ob ihm GOtt Bue zum Leben gebe. Eigensinnige Kpfe 
werden oft eher durch ein bedchtliches Meiden zur Bue und Sinnesnderung 
geleitet, als durch ein bestndiges Anhalten bei ihnen. Der Satan mchte 
einem oft auch am Zaun des Gartens so viel zu schaffen machen, da man 
darber das Pflanzen versumte. Da mu man auch wissen was er im Sinn hat, 
und eine so unfruchtbare Arbeit stehen lassen. Was aus dem Gelenk der Demut 
verrenkt ist, das ist eine gliedliche Handreichung anzunehmen nicht fhig, 
und das heit verkehrt. Ungehorsam, Ha der Zucht, Ungeneigtheit, sich 
berzeugen zu lassen, sind Wurzelsnden, also sndigt man damit nicht nur, 
sondern veranlat auch viele andere Snden. Wer sich oft unter Anderer 
Urteil am wenigsten beugen will, der trgt das Urteil und Zeugnis seines 
Gewissens wider sich, da er sich selbst, und seine Ehre suche, Gehorsam 
versage u. dgl. Dieser unter seinem Selbsturteil noch geschftigen Wahrheit 
kann man ihn berlassen. Sieh, ob ich auf bsem betrglichem Stege, und 
leite mich, Hchster, auf ewigem Wege - auch bei meiner Arbeit an Anderen, 
nicht auf Holzwege! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Titus 3,12-15</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel macht etliche ntige Bestellungen, und beschliet den Brief 
mit wechselseitigen Gren, und seinem herzlichen Segenswunsch.</b> 
 
<p>Artemas oder Tychikus waren fr solche zu achten, denen Titus das Werk 
des HErrn in Kreta sicher anvertrauen konnte. Blder aber sollte er von 
seinem Posten nicht weichen, bis er durch dergleichen tchtige Gehilfen 
abgelst wrde. Dergleichen Trstungen, wie ihm Titi Besuch sein konnte 
(2.Kor. 7, 6), hat sich Paulus immer bedrftig geachtet, und daneben gerechnet, 
da Titus auch seinerseits nicht leer dabei ausgehen werde. In der alten 
Beischrift: geschrieben von Nicopolis hat dieser zwlfte Vers Anla gegeben. 
Der Brief knnte aber deswegen doch anderswoher geschrieben sein, und Paulus 
nur zu Nicopolis zu wintern vorgehabt haben. - Von Seiten der Schriftgelehrten 
her hatte ehemals unser lieber Heiland viel Widersprechen zu erdulden. 
Doch ergriff der himmlische Beruf, in der nachmaligen Predigt des Evangeliums, 
immer auch einige als eine Auswahl; und diese konnten dann auch mit ihren 
Wissenschaften fr da Reich Christi brauchbar werden. Titus, ein Vorsteher 
der Gemeinde, durfte sich nicht beschweren, auch uerliche Dinge, wie 
die Abfertigung solcher Gehilfen der Wahrheit nach all ihrer Bedrfnis 
war, zu besorgen. Es ist ein Unterschied zwischen der Vielgeschftigkeit 
mit Eingriff in fremde Hndel, und zwischen der Besorgung uerlicher Angelegenheiten, 
worunter aber blo Liebe gebt, und fr die Wahrheit GOttes und deren Ausbreitung 
gesorgt wird. Der Vielgeschftigkeit der ersteren Art soll sich ein Christ 
enthalten; aber zum Anderen soll er sich unverdrossen finden lassen. - 
Paulus war durch die Gnade Christi abgerichtet, niedrig zu sein und Mangel 
zu leiden: aber Anderen wollte er um deswillen nichts abgehen lassen. Eben 
an solchem Flei sollen die in Kreta neugewonnenen Christen lernen, zu 
was fr knftigen Diensten und Brauchbarkeit Jeder soll nachgezogen werden, 
und wie der, den GOtt einmal zu einem Gef der Barmherzigkeit gemacht 
hat, auch zu einem Werkzeug der Gnade soll nachgezogen werden. An einem 
Leibe sind viele Glieder; jedes Glied aber hat seine eigene Verrichtung 
und Brauchbarkeit. Groe und in das Gesicht fallende Gaben machen das Brauchbare 
nicht allein aus. Ein Geduldiger, einer der schweigen, der Etwas tragen 
kann, der seines Mutes Herr ist, ist oft besser als ein Starker. Beim Unfruchtbarsein 
aber geht es in das Verdorren, und von diesem zum Weggeworfenwerden und 
Brennen (Joh. 15, 2 + 5-6). Sonst macht der Apostel diejenigen namhaft, 
von denen er Gre ausrichtet; weil aber Titus vermutlich noch nicht lange 
von Paulo getrennt war, so konnte er selbst wissen, wer bei ihm sei, - 
vermutlich die Apg. 20, 4 namhaft Gemachten. So machte er auch die, an 
die er dem Titus Gre aufgibt, nicht namhaft, wie sonst geschieht. Auch 
solche Abwechslungen lehren uns, da wir nicht in Allem zu viel Einfrmigkeit 
betreiben, vielweniger uns beschweren sollen, wenn man mit uns nicht immer 
so pnktlich umgeht, wie wir es etwa zu anderer Zeit beobachtet haben. 
Es ist brigens eine nachdrckliche Beschreibung: Alle, die uns lieben 
im Glauben. Mit der Liebe kann man sonst manche Tndelei zu treiben versucht 
werden, und einander manches Lppische, Unfruchtbare, von der Salz = und 
Licht = Kraft des Christentums Abweichende unter diesem Namen zumuten. 
Aber die Schrift verwahrt es genugsam. Hier heit sie es: Liebe im Glauben; 
ein anderesmal: Liebe in der Wahrheit, 2.Joh. V. 1, wiederum: Liebe von 
reinem Herzen und gutem Gewissen zc., 1.Tim. 1, 5 und 1.Petr. 1, 22 wird 
angedeutet, da nur bei einer im Gehorsam der Wahrheit keusch gemachten 
Seele sich ungefrbte Bruderliebe finde. - Mit Anwnschung der Gnade schliet 
der Apostel auch diesen Brief. Denn von der Gnade ist erst fruchtbare Anwendung 
des Geschriebenen, aber auch Erstattung dessen zu gewarten, was nicht so 
in Worte gefat werden konnte. HErr! es sind Gnadenwerke, der Liebe Brunst, 
des Glaubens Strke, der Hoffnung Trost! Die schenke Du! Amen. 
 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Philemon 1,1-9</font></b></h4> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Der Brief Pauli an Philemon Einleitung</font></b></h4> 
 
<p>Philemon wird von Alters her fr einen angesehenen Einwohner von Kolossus, 
oder auch Vorsteher der dortigen Gemeinde gehalten, weil ihn Paulus seinen 
Gehilfen nennt (V. 1). Wenigstens hat er sein Haus dazu hergegeben, da 
die Gemeinde sich darin versammeln konnte (V. 2). Und es gedenkt noch ein 
Schriftsteller aus dem fnften Jahrhundert, Theodoretus, da noch zu seiner 
Zeit des Philemons Haus zu den gottesdienstlichen Verrichtungen gebraucht 
worden sei. Dieser Philemon hatte einen Knecht mit Namen Onesimus, welcher 
seinem HErrn Philemon untreu geworden war, entweder einen Diebstahl begangen, 
oder ihm sonst Schaden zugefgt, und deswegen die Flucht vor Ihm ergriffen 
hat. Bei dieser mag Onesimus Rom fr einen Ort angesehen haben, wo er am 
wenigsten knnte ausgekundschaftet werden. GOttes Hand aber mag so ber 
ihm gewesen sein, da er aus irgend einem Trieb des Gewissens Paulum, der 
ihm von seines Herrn, des Philemons Haus her nicht unbekannt war, aufgesucht 
und durch dessen Vermittlung, sich mit seinem Herrn wieder auszushnen 
verlangt hat. Der im Unterweisen der Snder auf dem Wege so gute und fromme 
GOtt aber segnete diese unvermutete Zusammenkunft Onesimi und Pauli zu 
Rom so berschwenglich, da Onesimus zu ganzer Vernderung seines Sinnes, 
Glaubens und Erkenntnis unseres HErrn JEsu Christi durch das Evangelium 
gebracht, und von Paulo fr einen - in seinen Banden erzeugten Sohn, und 
knftiglich recht brauchbares Glied Christi erklrt, und so dem Philemon 
angelegentlich empfohlen wurde, der ihn dann auch aus diesem Grunde wohl 
aufnahm, ihn der Knechtschaft entlie, und sofort dem guten Werk in Onesimo 
Raum machte; da man von Alters her dafr hlt, Onesimus sei noch ein Vorsteher 
der Gemeinde zu Ephesus geworden, und habe zuletzt in Rom die Wahrheit 
Christi mit seinem Martertode versiegelt. Wegen des Orts, woher dieser 
Brief geschrieben ist, kann wohl kein Zweifel sein, da Paulus so oft darin 
seiner Bande gedenkt, da er von Rom aus, und vermutlich in seiner ersten 
dortigen Gefangenschaft, und bei erlangter naher Hoffnung seiner Befreiung 
geschrieben worden, weil er sich schon die Herberge bei Philemon bestellt. 
Der Zeit halber setzen Manche diesen Brief ganz gleich mit dem an die Kolosser, 
und erachten, beide Briefe seien zugleich durch Onesimum berbracht worden 
(Kol. 4, 9). Andere halten es aber fr schicklicher, da zuerst Onesimus 
mit diesem Brief an Philemon abgegangen sei, und dann Philemon ihn wiederum 
dem Paulus zu Dienst nach Rom geschickt habe, von wannen aus er noch einmal 
mit dem Brief an die Kolosser abgegangen sei. Denn man zweifelt mit Grund, 
da Paulus des Onesimus schon so ffentlich in dem Brief an die Kolosser 
wrde gedacht haben, ehe er noch gewut, wie Philemon seine Ausshnung 
angenommen habe, und wie sich Onesimus weiter in seinem rechtschaffenen 
Sinn bewhren wrde. Die Absicht dieses Briefs ist, den Philemon, die Appia 
und den Archippus zuvrderst selbst in der gegenwrtigen Gnade, darin sie 
standen, zu befestigen. Sodann aber auch ihnen den Onesimus zu solch einer 
liebreichen Aufnahme zu empfehlen, als es nun der Gnade, deren er mit ihnen 
teilhaftig geworden, gem sei. Dieser Brief ist also ein sehr schtzbares 
Denkmal teils der wunderbaren Schickungen GOttes, unter denen er seine 
Auswahl zusammen bringt, und manche verlorenen Groschen aus einem solchen 
Staub und Wust aufhebt, worin Niemand etwas zu finden sich getraut htte; 
teils aber auch von der apostolischen Sanftmut und Liebe, dem Willen GOttes 
nicht nur im Suchen und Seligmachen solcher Verlorenen zu dienen, sondern 
sich hernach auch unter ihre uerliche Not hinzustellen, und ihnen aus 
dem Gedrnge in das Geraume zu helfen. Endlich aber auch von der Pnktlichkeit, 
mit welcher sie auch das in das uerliche Einschlagende behandelt, und 
dabei sorgfltig auf das, was des Anderen ist, gesehen haben. Der Brief 
hat 
 
<ol type=I> 
 
<li> 
nach der gewhnlichen Aufschrift (V. 1-3)</li> 
 
<li> 
ein Zrtliches Zeugnis, wie viel Paulus mit Danken und Beten Anteil an Philemons gesegnetem 
Gnadenstand nehme (V. 4-9)</li> 
 
<li> 
Die hauptschlichste Ermahnung wegen Onesimi Begnadigung und liebreicher Aufnahme (V. 10-21)</li> 
 
<li> 
Schluermahnung und Gre (V. 22-25)</li> 
 
</ol> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Philemon 1,1-9</font></b></h4> 
 
<p><b>Paulus bahnt sich zu seinem eigentlichen, in Empfehlung des Onesimus 
vorhabenden Geschft gar schicklich den Weg, durch Berhrung alles Dessen, 
was Philemons Herz ffnen und anfassen konnte.</b> 
 
<p>Im Anfang und Beschlu dieser Worte nennt sich Paulus einen Gebundenen 
JEsu Christi, und sucht also darin einen Grund, da man einem seines Gleichen 
nicht leicht etwas abschlage, vielmehr man durch gute Aufnahme seiner Ermahnung 
dasjenige Mitleiden bewhren knne, das man mit seinen Banden trage. Aus 
dem Beisatz: Timotheus, der Bruder, schliet man, da der Brief in Pauli 
erster Gefangenschaft geschrieben sei, denn damals hatte er Timotheum bei 
sich. Philemon ist vermutlich durch Pauli Dienst zum Glauben an das Evangelium 
gebracht worden, und mu also vorher anderwrts, als zu Kolossen, gewesen 
sein, denn dorthin war Paulus damals noch nicht gekommen, wie er die Kolosser 
noch am Brief an sie zu denen rechnet, die seine Person im Fleisch nicht 
gesehen haben. Appia mag vermutlich Philemons Ehegattin gewesen sein, und 
der Apostel gedenkt ihrer in dieser Aufschrift um so mehr namentlich weil 
sie als Hausmutter zu dieser Angelegenheit des Onesimus auch das Ihrige 
zu sprechen hatte. Je mehr man ein gutes Vorhaben gemeinschaftlich und 
mit allseitiger Zufriedenheit betreiben und erreichen kann, desto besser 
ist es. Archippus wird Kol. 4, 17 angefhrt, als einer, dem zur Vollendung 
seines Amts ein strkender Zuspruch zu tun sei. Hier heit er Pauli Streitgenosse, 
weil er vermutlich in anderwrtigen Leiden Pauli sich als einen tapferen 
Mitstreiter erwiesen hatte. Die Gemeinde in deinem Haus, knnte man zwar 
von Philemons Hausgenossen verstehen, die zusammen eine Hausgemeinde ausmachten, 
doch ist es wahrscheinlicher, da, wo nicht die ganze Gemeinde, so doch 
ein starker Teil derselben sich in Philemons Haus gewhnlich versammelt 
hat. Da GOtt unser Vater und JEsus Christus unser HErr ist und uns von 
Einem wie von dem Anderen Gnade und Friede widerfhrt, das ist die Summa 
des Evangeliums. Kstlicher Vorteil, da man mit so wenigen Worten das 
ganze Gewchs des Glaubens in einem Herzen erfrischen und strken kann. 
Durch gemeinschaftliches Stehen fr einander im Gebet zu GOtt wird viel 
ffnung der Herzen, Zutrauen, Gehorsam, Willigkeit, etwas voneinander anzunehmen, 
bewirkt. Wir verlassen uns heut zu Tage viel zu viel auf Worte, Strke 
der Grnde, Heftigkeit der Vorstellungen, die man einander macht, und beklagen 
uns, wenn es nicht die gewnschte Wirkung hat; aber was sonst fr ein sich 
ganz in des Anderen Platz stellendes Herz dazu gehrt, bedenkt man zu wenig. 
Liebe und Glauben findet sich freilich nie keines ohne das andere. Doch 
kann eines vor dem anderen an Einem leuchten. Der Eine kann mehr zum geheimen 
Umgang mit dem HErrn JEsu im Gebet und Glauben gezogen, und dadurch zu 
einem Reichtum an Erkenntnis und Erfahrung gebracht werden. Ein Anderer 
kann mehr in die Liebesbung gegen alle Heiligen gestellt werden, wozu 
ihn freilich auch der Glaube beleben mu. Das Gute, das uns in Christo 
JEsu von GOtt bereitet und geschenkt ist, macht die Nahrung aus, von welcher 
der Glaube seine Strkung, und durch deren Erkenntnis und Genu der Glaube 
krftig wird. Der Glaube wird aber auch wirksam und ttig durch die Liebe 
gegen alle Heiligen. In dieser ttigen Liebe gibt es sich zu erkennen, 
was in Christo JEsu und in seinem Reich der Liebe fr eine Handreichung 
von mancherlei Gaben und Gtern ist, und wie wir das, was wir durch den 
Glauben aus der Flle JEsu Christi nehmen, durch die Liebe ber seine Glieder 
wieder ausflieen lassen, so, da der Glaube hieran nicht nur sein Geschft 
und bung, sondern auch seine Strkung hat. Zuerst hat Paulus versichert, 
was Philemons wackerer Glaubensstand fr Danksagung und Gebet gegen GOtt 
gewirkt; jetzt auch, was es ihm fr groe Freude und Trost ausgetragen 
habe. Die Heiligen GOttes durch Zutritt in ein Haus erquicken, oder es 
versumen, nimmt man oft gering. Aber nach Matth. 25, 40 wird Eines oder 
das Andere hoch angerechnet werden. Um der Liebe willen, die Paulus dem 
Philemon zutraut, und in deren er ihn hinwiederum zrtlich behandeln wollte, 
braucht er keinen Ernst des Gebots, sondern nur Lindigkeit des Vermahnens 
gegen ihn, und das teils nach dem alten Grund, auf welchem Paulus schon 
lngst dem Philemon bekannt war, teils als einer, den das Alter und seine 
erlittenen Trbsale noch mehr zu aller Sanftmut anhielt, und der sich in 
seinen Banden als den Allergeringsten dargestellt achtete, mithin keine 
Autoritt zu brauchen verlangte, sondern der Entdeckung seiner verborgenen 
Herrlichkeit mit aller Gelassenheit erwartete. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: Philemon 1,10-25</font></b></h4> 
 
<p><b>Nun trgt Paulus das, was er des Onesimus wegen zu bitten hatte, beweglich 
vor, und bahnt diesem entwichenen - aber von GOtt ergriffenen - und vom 
Irrtum seines Weges bekehrten Knecht den Weg an Philemons Herz und Haus, 
und hngt zum Beschlu noch Einiges an.</b> 
 
<p>Den neuen Namen - um meines Sohnes willen - der in der neuen Geburt 
durch den Glauben an JEsu Namen seinen Grund hat, setzt der Apostel voran, 
und dann nennt er ihn erst mit seinem schon von der alten Geburt her gefhrten 
Namen, Onesimus, dessen schne Bedeutung, nmlich eines Brauchbaren, jetzt 
erst in seine Erfllung geht. Groe Versung der Bande Pauli ward es, 
in denselben einen solchen Sohn durch das Evangelium zu zeugen. Die Freude 
an diesem Sohn war also noch neu. Mit Leugnen und Vertuschen macht man 
nirgends etwas Gutes. Auch bei dieser Vermittlung lag Wahrheit und deren 
Bekenntnis zum Grund. Durch die ihm widerfahrene Barmherzigkeit konnte 
jetzt Onesimus weit mehr ntze sein, als zuvor. Aber seiner Flucht oder 
sonstigen Wegen des Ungehorsams hatte sich Onesimus zu Paulo gewendet, 
und durch ihn die Rckkehr in Philemons Haus und Dienst gesucht. Darum 
sagt der Apostel, er sende ihn wieder, und empfiehlt ihn dabei so, da 
er die - ihm widerfahrene gute Aufnahme annehmen wollte, als widerfhre 
sie ihm. Gegen eine solche Empfehlung liee sich Manches mit Schein einwenden, 
ob man einem Menschen gleich so trauen, so viel aus ihm machen msse? usw. 
Vermutlich aber hat Paulus gegen Onesimus in das Gesicht auch nicht so 
viel merken lassen, als er zu seinen Gunsten an den Philemon geschrieben 
hat. Da man betrogen werden kann, mu man die Redlichen nicht entgelten 
lassen. Das Christentum krnkt Keinem sein Recht. Auch unter dem Vorwand 
der in der Nachfolge Christi schuldigen Verleugnung soll Keiner den Anderen 
meistern, oder ihm Verleugnungsproben nach seiner Willkr aufbrden. Auch 
mit Empfehlungen mu man einander nicht zu viel in Versuchung fhren, damit 
das, was geschieht, nicht nur Schanden halber oder halbgezwungen geschehe, 
sondern so, da man es als freiwillig geschehen erkennen mge. Nach den 
Wegen GOttes, auf welchen Er den Fall zu lauter Kuren macht, konnte man 
wohl schlieen, da das Bse zugelassen worden sei um des daraus kommenden 
Guten willen. Doch weil man dergleichen Deutung mibrauchen knnte, so 
setzt es der Apostel durch das 'vielleicht' nicht ganz bestimmt. Es war 
auf Seiten des Onesimus ein mutwilliges, ungehorsames und dem Philemon 
nachteiliges Weglaufen, doch weil die Gnadenkur schon dazwischen gekommen 
war, so redet der Apostel nun so gelind davon: Eine Zeitlang von dir gekommen. 
Ohne Mitrauen einer neuen Verschuldung sich von ihm zu befahren, sollte 
ihn Philemon aufnehmen. Mit Versicherung seiner bestndigen Treue und einer 
- von ihrer Verbindung zu hoffenden ewigen Frucht fertigt ihn Paulus ab. 
Der Name und die Verhltnisse, darin Onesimus knftig als ein Bruder mit 
Philemon stehen sollte, durfte zwar dessen Rechten an ihn als einen Knecht 
keinen Abbruch tun (1.Tim. 6, 2). Aber mehr als einen Knecht machte es 
Onesimum brauchbar, weil Alles nun mit mehr innerem Gehorsam, Flei und 
Treue verrichtet wurde. Die Verbindungen, in die man miteinander kommt, 
nach dem Fleisch, durch Verwandtschaft, Dienst, Beisammenwohnen u. dgl., 
wenn sie vom HErrn, seinem Namen, der Hoffnung seines Reichs, etwas Bleibendes 
bekommen, werden noch so brauchbar und erquicklich. Durch Untreue und Entwenden 
mochte Onesimus dem Philemon Schaden getan haben, und durch sein Entweichen 
und den - ihm entzogenen Dienst und daraus entstandene Versumnis war er 
ihm schuldig. Darber stellt Paulus eine eigene Handschrift oder Schuldenverschreibung 
aus, da er, wie ein Fremder, ohne des Philemons sonst gegen ihn auf sich 
habende Verbindung in Abrechnung zu bringen, fr den ganzen Schaden und 
dessen Ersatz haften wolle. Paulus rechnet es sich bereits als eine - ihm 
verschaffte Erquickung, da Philemon das genehmigen werde, und grndet 
sich hierbei zuversichtlicher auf die Gnade und ihre Wirkung an Philemons 
Herzen, als wenn er nur auf sein billiges Gemt htte rechnen mssen. Die 
Nachricht von Pauli baldiger Befreiung, in welcher Hoffnung er schon die 
Herberge bestellt, konnte Philemons Herz auch aufrichten, und ihn zu dem 
- von ihm erbetenen Erweis seiner Liebe desto williger machen. Die Gnade 
sei mit eurem Geiste! Denn sie ist des neuen Menschen Lebensursprung, und 
sofort auch seine Nahrung. Das Fleisch will freilich bei der Gnade auch 
seinen Vorteil und seine Freiheit suchen. Aber die Gnade soll nicht in 
solchen Mibrauch gezogen werden, kann sich auch nicht in die Lnge so 
mibrauchen lassen. La dem Fleisch nicht den Willen, gib der Lust den 
Zgel nicht; willst du die Begierden stillen, so verlscht dein Gnadenlicht. 
Die Gnade unseres HErrn JEsu Christi sei mit unserem Geist! Amen! 
 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Petrus 1,1-2</font></b></h4> 
 
<h4><b><font color=#0000FF>1.Petrus Einleitung</font></b></h4> 
 
<p>Die bisherigen Briefe des Paulus waren teils an gewisse Gemeinden, 
teils an einzelne Personen gerichtet. Die Jetzt folgenden Briefe des 
Petrus, samt dem Brief des Jakobus und Judas, sind &uuml;berhaupt an neu 
bekehrte Christen, in vielen L&auml;ndern hin und her zerstreut, gerichtet, 
und haben daher von Alters her den Namen der allgemeinen Briefe. Petrus 
der diesen ersten und zweiten Brief geschrieben hat, ist uns aus der 
evangelischen und apostolischen Geschichte als ein besonders gesegnetes 
Gef&auml;&szlig; der Barmherzigkeit und Werkzeug der Gnade bekannt. Von der 
leiblichen Geburt her hie&szlig; er Simon, Jonas Sohn. Sein Bruder Andreas 
war nach ihrer beiderseitigen - aus der Predigt und Taufe des Johannes 
erreichten Erweckung das gesegnete Werkzeug, das ihn in die erste 
Bekanntschaft mit dem HErrn JEsu brachte, der ihm bei einem 
durchdringenden Anblick, womit Er ihn empfing, zum Zeugnis seines 
k&uuml;nftigen Rechts an ihn, und der Brauchbarkeit in seinem Reich, den 
Zunamen Kephas oder Petrus gab, <i>Joh. 1:40-42</i>. Nachdem er einige Zeit 
mit Mehreren seines Gleichen in dieser Bekanntschaft mit JEsu stand, 
und in derselben so ab= und zuging, und durch Alles, was es dabei zu 
sehen und zu h&ouml;ren gab, in seinem Vertrauen zu JEsu gest&auml;rkt wurde so 
machte der reiche Fischzug, den ihm JEsus bescherte, vollends 
Gelegenheit, da&szlig; er bei dem nahen Licht der Herrlichkeit JEsu einen 
tiefen Blick in seine s&uuml;ndliche Unw&uuml;rdigkeit tat. Und da fand ihn der 
liebe Heiland so auf den Grund hinein erweicht, da&szlig; Er ihn von nun an 
in seine unzertrennte Nachfolge berief, und darin ihn zu dem gesegneten 
Menschenfischer zu machen versprach, der er auch geworden ist, 
<i>Luk. 5:10, Matth. 4:19</i> . W&auml;hrend dieser seiner J&uuml;ngerschaft zeigte sich an 
ihm eine besondere Lernbegierde, Freim&uuml;tigkeit im Fragen und Antworten, 
befestigte Lust, JEsu anzuhangen. Er wurde auch bei manchen 
Gelegenheiten, neben den zwei S&ouml;hnen des Zebed&auml;us, Johannes und 
Jakobus, einer besonderen Vertraulichkeit vom HErrn JEsu gew&uuml;rdigt, und 
bei seinem abgelegten Bekenntnis: du bist Christus, des lebendigen 
GOttes Sohn, auf die gegenw&auml;rtige Gnade und Seligkeit, in die er durch 
GOttes Offenbarung zu stehen gekommen sei, und auf seine k&uuml;nftige 
Brauchbarkeit beim Bau der Gemeinde ansehnlich versiegelt, 
<i>Matth. 16:16</i>. Gegen das Geheimnis des Kreuzes aber war er, wie seine 
&uuml;brigen Mitj&uuml;nger, noch mit einem leidigen &Auml;rgernis behaftet, das ihm 
der Heiland gleich bei der ersten Verk&uuml;ndigung seines Leidens in einer 
sehr scharfen Bestrafung, <i>Matth. 16:22-24</i> und da es n&auml;her hinzukam, in 
beweglichen Vorstellungen und Warnungen, <i>Luk. 22:31-33; Matth. 26:31, 40</i>. 
zu erkennen gab; und da er sich darunter nicht genugsam beugte, so 
mu&szlig;te er unter der dreimaligen Verleugnung seines HErrn in des 
Hohenpriesters Palast die Macht seines schwachen Fleisches &uuml;ber den 
willigen Geist so erfahren, da&szlig; es ihm nachmals viel bittere Tr&auml;nen 
kostete. Unter der Hand des HErrn JEsus aber wurde auch dieser Fall zu 
einer Kur, und Petrus zum k&uuml;nftigen St&auml;rken seiner - in Versuchung 
geratenen Br&uuml;der t&uuml;chtig gemacht, <i>Matth. 26:72</i>. Wie ihn denn auch der 
HErr JEsus nach seiner Auferstehung in einer besonderen Erscheinung am 
Meer bei Tiberias wieder nachdr&uuml;cklich zum Weiden seiner Schafe und 
L&auml;mmer einsetzte, <i>Joh. 21:16</i>. Und da nach der Himmelfahrt des HErrn 
JEsu bei dem gemeinschaftlichen Beisammensein und Erwarten des 
verhei&szlig;enen Pfingstsegens die Namen der zw&ouml;lf Apostel noch einmal, 
<i>Apg. 1:13</i> , vorkommen, so hat Petrus darin wieder seinen ersten 
Platz, den er durch die ganze Evangelische Geschichte best&auml;ndig 
behielt. Er hat auch bei Ersetzung der erledigten Stelle Judas 
Jscharioths, <i>Apg. 1:15-22</i> und nachgehends beim Pfingstfest, 
<i>Apg. 2:14</i>, ff., und weiterhin das Wort mit Segen gef&uuml;hrt. Und bis in 
das zw&ouml;lfte Kapitel der Apostelgeschichte finden sich meist Geschichten 
Petri, wie GOtt ihn zuerst unter die Beschneidung, und dann euch bei 
Kornelius, <i>Apg. 10</i>, bei den Erstlingen aus den Heiden zu seinem 
Zeugen gebraucht habe, mit wie viel m&auml;chtigen Taten sein Zeugnis zu 
versiegeln ihm verliehen worden, und was ihm f&uuml;r eine wunderbare 
Rettung aus der Hand des Herodes widerfahren sei. Die letzte Meldung, 
die von Petrus in der Apostelgeschichte vorkommt, findet sich bei der 
Kirchenversammlung, <i>Apg. 15:7</i>, wo er auch einen Vortrag tat und 
dadurch den f&uuml;r die Freiheit des Evangeliums so erw&uuml;nschten Schlu&szlig; 
bef&ouml;rderte. Die allerletzte Erw&auml;hnung aber, die von ihm in der Schrift 
geschieht, ist <i>Gal. 2:11</i>, woselbst Paulus schreibt, er habe Petrus 
unter Augen widerstehen m&uuml;ssen, da er befunden, da&szlig; sein Beispiel zum 
Nachteil der aus den Heiden bekehrten Gl&auml;ubigen h&auml;tte ausschlagen 
k&ouml;nnen. Sonst wei&szlig; man von ihm, da&szlig; er schon beim Eintritt in Christi 
Nachfolge eine Schwiegermutter hatte, und also verheiratet gewesen ist, 
wie ihn denn Paulus, <i>1. Kor. 9:5</i>, zu denen rechnet, die eine Schwester 
zum Weibe auch im Dienste des Evangeliums bei sich gehabt haben. Was 
man in der R&ouml;mischen Kirche von seinem f&uuml;nf und zwanzig Jahre lang 
gef&uuml;hrten Bischofsamt in Rom, und damit gegr&uuml;ndeten R&ouml;mischen Stuhl 
vorgibt, samt allen daraus weiter gefolgerten Rechten und Ansehen, hat 
nicht nur in der Schrift, sondern auch in der alten Geschichte keinen 
Grund. Da&szlig; er aber nach Rom gekommen, und daselbst gekreuzigt worden 
sei, das hat das einstimmige Zeugnis der alten Kirchenlehrer f&uuml;r sich. 
Da&szlig; er aber auf Anderer Rat aus dem Gef&auml;ngnis entflohen, und durch eine 
Erscheinung unseres HErrn JEsu Christi in dasselbe zur&uuml;ckgewiesen 
worden sei, nachgehends bei der wirklichen Kreuzigung verlangt habe, 
nicht in der Gestalt, wie sein HErr gelitten habe, sondern mit zur Erde 
gerichtetem Haupt gekreuzigt zu werden, hat auch keinen t&uuml;chtigen 
Zeugen im Altertum f&uuml;r sich. Gewisser ist, was darunter erf&uuml;llt worden, 
was ihm der Heiland <i>Joh. 21:19</i> andeutete, mit welchem Tode er GOtt 
preisen w&uuml;rde. Diesen ersten Brief scheint Petrus nicht lange vor dem 
zweiten geschrieben zu haben, nach <i>2. Petr. 3:1</i>; der andere aber ist 
deutlich bei herannahendem Ende seines Laufs geschrieben, in der 
Absicht, da&szlig; sie auch nach seinem Abschied ein gutes Angedenken h&auml;tten, 
<i>2. Petr. 1:12-15</i>. Der erste Brief ist in Babylonien geschrieben, 
<i>1. Petr. 5:13</i>, welchen Namen damals noch unterschiedliche St&auml;dte 
f&uuml;hrten. Insgemein glaubt man, der Apostel habe sich damals in Chald&auml;a 
aufgehalten; von dort aus wenigstens kommen einem Reisenden die L&auml;nder 
in der Ordnung so vor, wie sie Petrus in der Aufschrift des Briefs 
setzt. Manche Gottesf&uuml;rchtige aus selbigen Gegenden hatte Petrus schon 
bei seiner ersten Pfingstpredigt zu Zuh&ouml;rern gehabt, <i>Apg. 2:9</i>. Das 
Augenmerk des Apostels ging vorz&uuml;glich auf die in selbigen Gegenden von 
langem her zerstreuten Juden, so Viele ihrer nun zu dem Hirten und 
Bischof ihrer Seele sich hielten. Doch waren unter solchen aus der 
Judenschaft gesammelten Gemeinden immer auch viele aus dem Heidentum 
Bekehrte. Von der n&auml;heren Absicht bei diesem Brief zeugt er selbst 
<i>1. Petr. 5:12; 2. Petr. 3:1</i>, da&szlig; er sie in der angebotenen Gnade und in der 
ganzen Hoffnung ihres Herzens auf dieselbe st&auml;rke, unter manchen ihnen 
zugesto&szlig;enen Leiden sie tr&ouml;ste, und ihren lautern Sinn zum w&uuml;rdigen 
Wandel nach der Hoffnung ihres Berufs erwecke. Dabei sind denn 
Glaubenslehren, Hoffnungsgr&uuml;nde, Lebenspflichten so in einander 
geflochten, wie es nach dieser Absicht n&ouml;tig war,</p> 
 
<p> 
Die Einteilung ergibt sich also &uuml;berhaupt</p> 
 
<ol> 
 
<li> 
ihn Aufschrift, Kap. 1:1-2.</li> 
 
<li> 
Abhandlung, Kap. 1:3 bis Kap. 5:11. und</li> 
 
<li> 
Beschlu&szlig;, Kap. 5:12-14</li> 
 
</ol> 
 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Petrus 1,1-2</font></b></h4> 
 
<p><b>Die Aufschrift belehrt und, wer diesen Brief geschrieben; an wen er 
gerichtet, und wie diese nach ihrem &auml;u&szlig;erlichen und innerlichen 
Zustand anzusehen seien.</b></p> 
 
<p>O aus welcher Macht der S&uuml;nden, des Unglaubens, der Verf&uuml;hrung, aber 
auch aus welcher Gemeinschaft der Schuld und Strafe rei&szlig;t GOttes 
Auswahl heraus! Zu was f&uuml;r einem Aas ist der &uuml;brige Teil der j&uuml;dischen 
Nation geworden, <i>Matth. 24:18</i>, da durch GOttes Auswahl das Salz 
herausgezogen war! Zu was f&uuml;r Gerichten reift aber auch unsere jetzige 
Welt! Wer kann GOtt genug danken, wenn Er ihn durch seine Erw&auml;hlung und 
Beruf herausgebracht hat? Aber wie gern soll er auch mit allem &Uuml;brigen, 
was ihn um seiner Pilgrimschaft und Zerstreuung hin und her betrifft, 
vorlieb nehmen. Die Gelegenheit wie das j&uuml;dische Volk in die 
Zerstreuung geraten, war etwas Gerichtliches doch brachte es GOtt 
nachgehends zu einer Br&uuml;cke, auf welcher sich das Reich GOttes zu den 
Heiden wandte; und die in der Zerstreuung befindlichen Juden hatten 
auch wenigere Befestigungen wider das Evangelium vor sich, als die zu 
Jerusalem und im j&uuml;dischen Lande. Und damit wurde ihnen der Gehorsam 
des Glaubens erleichtert, und die Gottesf&uuml;rchtigen aus den Heiden, die 
durch sie zwar Furcht des GOttes Israel gebracht waren, flossen auch im 
Glauben des Evangeliums leichter mit ihnen zusammen. Wenn man gro&szlig;en 
Gerichten GOttes entgegen sieht, wenn man aus dem Undank und Kaltsinn 
gegen das Evangelium Sorgen mu&szlig; GOtt baue einmal mit uns ab wie mit dem 
Volk Israel, so ist das f&uuml;r alle in lebendiger Gemeinschaft mit dem 
HErrn JEsu stehende Herzen noch der einzige Trost, da&szlig; GOtt solche 
Gerichte zu anderw&auml;rtiger Aufnahme seines Reichs segnen wird. Um ihnen 
aber ihren gegenw&auml;rtigen Gnadenstand um so mehr zu aller Hochachtung zu 
empfehlen, so stellt er denselben als ein Werk vor, worin sich der 
Dreieinige GOtt von Anfang an herrlich bewiesen habe. Denn Alles, was 
ihnen schon widerfahren sei, und noch weiter bevorstehe, r&uuml;hre von der 
Vorsehung und dem ewigen Vorsatz GOttes her. Der Geist GOttes aber habe 
sie diesen Liebessinn nicht nur wissen lassen, sondern ihre Herzen auch 
zur Annahme dieses heiligen Berufs geneigt; wodurch sie dann ein 
Eigentum des Sohnes GOttes geworden seien, indem sie Ihm im Glauben 
untertan, und durch sein Blut und dessen Besprengung zu allem 
priesterlichen Dienst und Aufwartung vor GOtt, auch zum k&uuml;nftigen 
unbefleckt erfunden werden vor Ihm ausger&uuml;stet worden seien. Aus dieser 
&uuml;ber einen Gl&auml;ubigen einmal aufgetanen F&uuml;lle flie&szlig;t freilich viel Gnade 
und Friede. O GOtt! tue an mir und mit mir, was Dir gef&auml;llt, da&szlig; an mir 
viel t&auml;tiger Beweis sich finde, was f&uuml;r Reichtum und Sch&auml;tze in Deinem 
Vorsatz, o Vater, in Deinem heiligen Ruf, o Geist der Gnade, in Deinem 
Blut der Besprengung, o Du zum ewigen Hohenpriester eingesetzter Sohn 
GOttes liegen! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Petrus 1,3-9</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel r&uuml;hmt mit einem - in das Lob GOttes sich ergie&szlig;enden Herzen 
die gro&szlig;e Gnade an, die ihnen widerfahren sei, nach welcher sie sich 
nun als Mitgenossen an der Tr&uuml;bsal, am K&ouml;nigreich, und an der Geduld 
JEsu ansehen d&uuml;rfen, und an sich erfahren k&ouml;nnen, wie sich die Hoffnung 
der Herrlichkeit durch alle Tr&uuml;bsale mit der Geduld JEsu durchschlage. 
Darunter schlie&szlig;t sich, es schon auf, wie ihre Erw&auml;hlung nach dem 
Vorsatz des Vaters, durch des Geistes heiligen Ruf zum Gehorsam und 
Unterw&uuml;rfigkeit eingerichtet sei, in Allem dem Ebenbilde JEsu Christi 
&auml;hnlich zu werden.</b></p> 
 
<p>Wie wir im Anfang eines Briefs oder einer Anrede sagen: es freut mich; 
ich habe mit Vergn&uuml;gen geh&ouml;rt; so sagen die Apostel: Gelobt sei GOtt! 
Zum Beweis wie sie in Allem vor GOtt und aus GOtt reden und tun. Die 
Gl&auml;ubigen voriger Zeit sagten : der GOtt Abrahams, der GOtt unserer 
V&auml;ter; jetzt hei&szlig;t es : GOtt, der Vater unseres HErrn JEsu Christi, 
seitdem der HErr JEsus Seinen Gott auch zu unserm GOtt, Seinen Vater 
auch zu unserem Vater gemacht hat. GOtt ist JEsu Christi Vater, da Er 
Ihm als dem Sohn gegeben hat, das Leben zu haben in Ihm selbst. GOtt 
ist unser Vater, da er uns wiedergeboren hat, da Er uns in unserer 
gro&szlig;en Not mit Gnaden angesehen hat. Nach denn Vorsatz und Gnadenrat 
GOttes sind wir gleich bei der Auferstehung unseres HErrn JEsu Christi 
mit Ihm auferweckt, und in das himmlische Wesen versetzt, oder uns ist 
eine Hoffnung im Himmel beigelegt worden. Da uns aber dieser Vorgang im 
Evangelium gepredigt wurde, und der Heilige Geist Glauben in unserem 
Herzen gewirkt hat; so ist durch diese Kraft GOttes auch in uns eine so 
gro&szlig;e Ver&auml;nderung vorgegangen, als wie in einer Geburt; es ist ein 
inwendiger Mensch, ein neuer Mensch, ein Geist in uns aufgegangen, der 
Glaube und Hoffnung zu GOtt hat; und nun geht es als ein an einander 
hangen des Gesch&auml;ft fort, uns zur Gleichf&ouml;rmigkeit mit dem Bilde 
unseres HErrn JEsu Christi nach seinem ganzen Lauf bis zu seiner 
Auferstehung und Eingang in die Herrlichkeit zu bringen. Von der Geburt 
ist die n&auml;chste Folge Kindschaft, und daran h&auml;ngt Erbschaft. So bringt 
auch die Wiedergeburt Hoffnung auf ein Erbe, und zwar auf ein 
unverg&auml;ngliches wegen seiner bleibenden G&uuml;ter, auf ein unbeflecktes, da 
Niemand als die im Blut der Besprengung und durch denn Geist unseres 
GOttes Gereinigten dazu gelangen, auf ein unverwelkliches, das au&szlig;er 
dem Umlauf der Eitelkeit gesetzt ist, darin Alles seine abwechselnde 
Zeit hat, und wir an nichts mit Festigkeit bleiben k&ouml;nnen; das aber 
wird behalten im Himmel wo weder Motten noch Rost fressen, wo keine 
Diebe nachgraben und stehlen. Und wie das Erbe behalten wird, so werden 
auch die Erben bewahrt. GOtt wendet seine ganze Macht daran, da&szlig; sie 
Niemand aus seiner Hand soll rei&szlig;en k&ouml;nnen. Unser Glaube darf sich nur 
an diese starke Hand GOttes hinh&auml;ngen, Der Glaube hei&szlig;t aber V.2. ein 
Gehorsam, eine untert&auml;nige Hingabe an JEsum Christum. Wer sich von 
dieser abrei&szlig;t, der rei&szlig;t sich auch von der bewahrenden GOttes=Macht 
ab. Seit des Auferstehung JEsu Christi und seinem bald darauf erfolgten 
Eingang in die Herrlichkeit ist Alles in der Anstalt begriffen, auf 
Seine und unsere Offenbarung mit Ihm in der Herrlichkeit. O erw&uuml;nschte 
Offenbarung der Kinder GOttes! </font>R&ouml;m. 8:19</font>. Jetzt ist es noch nicht 
erschienen, was wir sein werden, <i>1. Joh. 3:2</i>. Auf diesem Kampfplatz 
der S&uuml;nde und der Gnade, auf diesem L&auml;uterungsort der Auserw&auml;hlten 
GOttes kann es nicht wohl anders sein, als da&szlig; es uns oft bange wird, 
aber wir verzagen doch nicht; da&szlig; man keinen Ausgang sieht, und am 
Ausgang fehlt es doch nicht; wobei sich bald der trotzige, bald der 
verzagte Teil unseres nat&uuml;rlichen Herzens verr&auml;t, bis GOtt das Licht 
wieder aus der Finsternis hervorruft, und der Glaube, der sich an das 
Wort der Verhei&szlig;ung und nach demselben an die angebotene Hoffnung h&auml;lt, 
immer weitere Bew&auml;hrung erlangt. Hierin geht es, wie es von 
Joseph,<i> Ps. 105:19</i>, hei&szlig;t: Sein Leib lag gefangen, bis da&szlig; sein 
Wort kam, und die Rede des HErrn ihn durch l&auml;uterte. Ohne ein im Herzen 
bewahrtes und bewegtes Wort GOttes kann Vieles &uuml;ber einen Menschen 
ergehen, und es l&auml;utert ihn weiter nicht. Aber wer einen 
unverg&auml;nglichen Samen der Wiedergeburt auf eine lebendige Hoffnung mit 
sich in das Leiden bringt, denn kann es l&auml;utern, wie es den Joseph 
gel&auml;utert hat, da&szlig; man sich eines Teils die unansehnlichen Umst&auml;nde im 
&Auml;u&szlig;ern von der gefa&szlig;ten Hoffnung im Innern nicht abbringen l&auml;&szlig;t, doch 
aber anderen Teils manche andere schmeichelhafte Umst&auml;nde, die man sich 
noch hinzugedacht hat, aufgibt. O wie viel Verwunderung wird entstehen, 
wenn zuletzt GOtt die Seinen so mit Worten, mit Tat und mit dem 
wirklichen Erfolg zu Lob, Preis und Ehren setzen wird, <i>R&ouml;m. 2:7-10</i>. 
So lange aber JEsu Christi Leben und Herrlichkeit noch in GOtt 
verborgen ist: so la&szlig; du dich es auch nicht befremden, da&szlig; du hier &uuml;bel 
genannt und wenig erkannt bist. La&szlig; dir an der gro&szlig;en Kraft des 
Evangeliums gen&uuml;gen, da&szlig; es gegen Einen, den man nie gesehen hat, doch 
so viel Glauben und Liebe in das Herz pflanzen kann. Das Ziel unseres 
verordneten Laufs, das daran h&auml;ngende Kleinod, der Seelen Seligkeit, 
wird mit der Freiheit, Ihn zu sehen, wie Er ist, unaussprechliche und 
herrliche Freude genug bringen. Hallelujah! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Petrus 1,10-13</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel erweckt sie noch weiter, die Gnade ihrer Zeit und die 
Einsicht in das Geheimnis Christi und dessen Ausf&uuml;hrung auch an ihnen 
selbst um deswillen teuer zu achten, weil Propheten, ja selbst Engel 
in einer heiligen Begierde gestanden seien, und noch stehen, 
dasselbige einzusehen.</b></p> 
 
<p>Das Wort der Verhei&szlig;ung und also auch der Propheten gl&auml;ubige 
Besch&auml;ftigung mit demselben ging freilich auf das gesamte Geheimnis 
GOttes und Christi, und auf alle darin liegenden Sch&auml;tze der Weisheit; 
doch erweckte die davon abh&auml;ngende Seligkeit der Menschen allermeist 
ihre Begierde. Jedes verhei&szlig;ene Gut und ein darnach ausgestreckter 
Sinn veranla&szlig;t auch Anliegen und Nachfrage: wann es kommen werde? So 
ging es freilich auch bei den Propheten, und denen, die auf ihr Wort 
achteten; wie es noch jetzt bei Allen so ist, die auf das Reich GOttes 
warten. Am Worte GOttes ist immer zu unterscheiden der ganze, volle, 
und bis an das Ende hinausreichende Sinn, den GOtt darin gelegt hat; 
dasjenige, was man zu einer Zeit nach der andern davon erreicht, und 
davon, was auch Einer vor dem Andern zu seiner und Anderer F&ouml;rderung 
im Glauben anwendet. Wer das bedenkt, der wird das Suchen und 
Forschen, auch so fern es auf Zeiten und auf die darein fallende 
Begebenheiten geht, nicht so leicht f&uuml;r Aberwitz, oder f&uuml;r Etwas an 
der Hauptsache des Christentums Hinderliches ausgeben. Wenn auch Etwas 
von Mutma&szlig;ungen mit unterl&auml;uft, die man hintennach um des Erfolges 
willen zur&uuml;cknehmen mu&szlig;, so verschl&auml;gt das nicht so viel. Es ist noch 
besser, als wenn man aus Tr&auml;gheit und Gleichg&uuml;ltigkeit Alles liegen 
l&auml;&szlig;t, und zu gar keiner Begierde gereizt werden kann. Der Heiland hat 
bei seinen J&uuml;ngern und andern rechtschaffenen Seelen die Begierde nach 
seinem Reich und nach ihrem Los in demselben, wenn auch ihn ihren 
Begriffen etwas Irdisches mit unterlief, nie so getadelt, als wenn sie 
nicht genug Bedacht auf die so n&ouml;tige Gemeinschaft seiner Leiden dabei 
genommen haben. Jetzt dringt man stark auf reine Begriffe vom Reich 
GOttes, merkt aber nicht, wie tief man in den irdischen Sinn, in die 
Begierde, hier seinen Teil dahin zu nehmen ger&auml;t, und darunter die 
Gemeinschaft der Leiden von sich schiebt. Dar&uuml;ber wird das Reich 
GOttes, und die Hoffnung auf dasselbige nur in das kalte Oberdach der 
Gedanken gesetzt, die Welt und ihre Liebe aber beh&auml;lt im Herzen die 
Oberhand und st&auml;rksten Einflu&szlig; in das Leben. Propheten haben in ihrem 
Teil an denn g&ouml;ttlichen Erscheinungen und Ausspr&uuml;chen viel 
Vorz&uuml;gliches gehabt, aber doch wohl gemerkt, da&szlig; das Bessere auf die 
zuk&uuml;nftige Gnade verspart sei, daher sie auch das zu sehen und zu 
h&ouml;ren verlangt haben, was mit derselben erst geoffenbart worden ist. 
Der Geist Christi war l&auml;ngst besch&auml;ftigt Christum in dem Wort der 
Verhei&szlig;ung zur Erwartung der Gl&auml;ubigen vorzustellen, Ihn auch nach 
allen Kennzeichen kennbar zu machen besonders aber Leiden und 
Herrlichkeit in den ungetrennten Anblick zu bringen. Wem GOtt auch das 
schenkt, da&szlig; er lernt Leiden mit der Herrlichkeit zusammen reimen, und 
da&szlig; er sich also gern durch Leiden zur Herrlichkeit f&uuml;hren l&auml;&szlig;t, auch 
alle Hoffnung zur Herrlichkeit nur dazu anwendet da&szlig; er sich aus aller 
Verdrossenheit zum Leiden aufrafft, und unter Allem, was von Leiden an 
ihn kommt doch man Innern die Hoffnung zur Herrlichkeit nicht aufgibt, 
der hat Christi Sinn in seiner rechten St&auml;rke. Unter GOttes gn&auml;digem 
Darreichen, aber auch unter der Propheten ihrerseits angewendetem 
Forschen haben sie die gute Spur getroffen, da&szlig; sie sich zwar bei 
ihrem Teil Warten auch begn&uuml;gen lassen konnten, die G&uuml;ter selbst aber 
doch auf die Nachkommen anfbehalten werden. Daher man von 
prophetischen Wort auch nach geschehener Erf&uuml;llung, noch guten, in 
manchen St&uuml;cken erst den besten Gebrauch machen konnte. Eine heilige 
Wi&szlig;begierde in Sachen, das Reich GOttes betreffend, ist nicht nur 
Propheten, sondern auch selbst den Engeln wohlanst&auml;ndig. Propheten 
waren haupts&auml;chlich auf die Erf&uuml;llung an Christo, seiner Person, 
Lehre, Leiden und Herrlichkeit begierig. Engel sind nun haupts&auml;chlich 
auf die Predigt des Evangeliums durch den Heiligen Geist und deren 
Wirkung begierig, da&szlig; ihnen an der Gemeine Christi und deren F&uuml;hrung 
die manchfalti ge Weisheit GOttes kund werde. Aus diesem Allem gibt 
ihnen nun der Apostel unter dem Bild der zum Schaffen und 
ungehindertem Laufen umg&uuml;rteten Lenden, eine solche Sammlung der 
inneren und &auml;u&szlig;eren Kr&auml;fte, und eine solche Richtung auf Eins an, 
wobei sie aller Nebenabsichten frei werden, daran sie sonst der Feind 
heben, und zum Leiden verdrossen machen k&ouml;nnte. Geegen die Versuchung 
aber, am guten Ausgang zu verzagen, gibt ihnen der Apostel eine 
v&ouml;llige Hoffnung auf, die sich an die - durch JEsu Kommen in die Welt, 
Eingang durch das Leiden zur Herrlichkeit, bereitete Gnade h&auml;lt, die 
auch nicht nachl&auml;&szlig;t, bis sie ihre Genadengenossen vor das Angesicht 
der Herrlichkeit GOttes mit Freuden stellen wird. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Petrus 1,14-21</font></b></h4> 
 
<p><b> Der Apostel ermahnt sie, da&szlig; sie als gehorsame Kinder ihrem 
 himmlischen Vater, der da heilig ist, Fr&uuml;chte der Heiligung 
 bringen sollen, zum Erweis, wie die Erl&ouml;sung unseres HErrn JEsu 
 Christi an ihnen so gesegnet gewesen sei.</b></p> 
 
<p>Die innerste &Uuml;bergabe des Herzens an GOtt geht bei der gehorsamen 
Annahme seines Wortes der Wahrheit vor, aus dem man zu Seinem Kind 
wiedergeboren wird. Dies Innerste aber mu&szlig; auch in das &Auml;u&szlig;ere gef&uuml;hrt 
werden, sonst l&auml;uft man Gefahr, es unter eine Gleichstellung mit der 
Welt zu verbergen ; und das geht uns nach empfangenem besserem Licht 
nimmer so hin, wie zur Zeit der Unwissenheit, die GOtt &uuml;bersehen hat. 
Jetzt w&auml;re jedes Leben in der Lust eine Verleugnung eures Berufes, und 
ein Bruch in euren dazu gegebenen Gehorsam. In der Heiligkeit GOttes 
ist Beides begriffen, das, worin wir GOtt &auml;hnlich und mit Ihm 
vereiniget sein sollen, und das, was den unendlichen Unterschied 
zwischen Ihm und uns ausmacht; mithin Alles, was bei uns den Grund zur 
reinen Furcht und zum zarten Vertrauen abgeben kann. Durch den Beruf, 
darin uns GOtt zu seinem Eigentum und Dienst auffordert, wird uns 
Beides nicht nur zu unserer Erkenntnis vorgehalten, sondern es liegt 
auch im Beruf die Kraft, da&szlig; Alles an uns so kann ausgef&uuml;hrt werden, 
und wir uns also heilig und abgesondert halten k&ouml;nnen von Allem dem, 
was nicht zur Gemeinschaft, Dienst und Anbetung GOttes taugt, und 
hingegen Ihm unsern Wandel zum Wohlgefallen darstellen als eine aus 
seinem Beruf erwachsene Frucht. Wie manche der vormaligen Verordnungen 
bei seinem Volk des Eigentums hat GOtt mit diesem Siegel bekr&auml;ftiget: 
bin heilig; ich bin auch Der, der euch heiliget und absondert; achtet 
euch nun darnach. 
 
<p>Das Anrufen geschieht nicht nur im Gebet, sondern auch in einem 
jeden andern Bekenntnis und Ruhm, darin man behauptet, an GOtt 
einen Vater zu haben. In der Unwissenheit meint ein Jeder etwas 
Eigenes zum Vorstand seiner L&uuml;ste zu haben, und beredet sich, GOtt 
werde sein, gleichwie er; aber bei der Bekehrung zum Licht lernt 
man GOtt als Den kennen, der ein recht Gericht richtet, und um 
keines Menschen willen Seiner Heiligkeit Etwas vergeben kann. Wir 
blo&szlig; nach dem &Auml;u&szlig;erlichen urteilende Menschen m&uuml;ssen bei dem 
wunderlichen Gemenge, das sich in der Menschen Werken findet, oft 
sehr abwechselnde Gedanken von einander haben; in GOttes Augen 
aber ist jedes Menschen Tun und Lassen ein einiges 
zusammenh&auml;ngendes Werk, entweder Gehorsam gegen den 
ununterbrochenen Zug GOttes oder aber ein Gewebe von Untreue und 
Falschheit der angebotenen Gnade auszuweichen, und seine Nahrung 
in der Eitelkeit zu suchen. Sonst weiset der Apostel auf v&ouml;lligen 
Glauben und Hoffnung: Dem ist aber die Furcht, mit welcher er uns 
unsern Wandel f&uuml;hren hei&szlig;t, nicht entgegen. Denn die Furcht hat 
keinen Zweifel an der Gnade GOttes zum Grunde, sondern nur den 
Anblick solcher Hindernisse und Versuchungen, die uns gef&auml;hrlich, 
und an der Erreichung dessen, was uns angeboten ist, hemmend 
werden k&ouml;nnten. Darum deutet der Apostel auch an, da&szlig; die Furcht 
meist in dieser Versuchungsw&uuml;ste und w&auml;hrend der hiesigen 
Probezeit n&ouml;tig sei. Das Gef&auml;hrlichste f&uuml;r Jeden ist das, was sich 
von langem her durch vielj&auml;hrige Gewohnheit bei ihm festgesetzt 
hat, zu was man auch noch jetzt durch Vieler ihren Vorgang und 
Beispiel gereizt wird, wovon auch der Schade nicht so gro&szlig; in die 
Augen f&auml;llt, sondern sich erst in der Folge mehr offenbart, wie es 
beim eiteln Wandel von V&auml;tern her ist. Darum zieht der Apostel 
gegen diesen behenden Feind unsere Erl&ouml;sung und Loskaufung an, 
&uuml;ber deren GOtt halten, und auch uns mit Macht, dar&uuml;ber zu halten, 
ausr&uuml;sten werde, je gr&ouml;&szlig;er der Aufwand ist, den Er sich's hat 
kosten lassen. GOtt hat Den, der von keiner S&uuml;nde wu&szlig;te, f&uuml;r uns zur S&uuml;nde und 
Opferlamm gemacht. Wer nun die - an Diesem vorgenommene Verdammung 
der S&uuml;nde, dies Leiden des Gerechten f&uuml;r die Ungerechten aus dem 
Evangelio h&ouml;rt, und mit Beistimmung seines Gewissens gut hei&szlig;t, 
sich dem - darunter auch &uuml;ber seinen alten Menschen und die in ihm 
wohnende S&uuml;nde ergangenen Gericht unterwirft, der findet daran 
eine Erl&ouml;sung, eine Freiheit, die ihm sonst nichts verschaffen 
konnte. Darin liegt die heimliche Weisheit, die GOtt verordnet 
hat, zu unserer Seligkeit, da&szlig; Er uns durch das Evangelium und den 
darin verk&uuml;ndigten Wechsel dieses Gerechten mit uns Ungerechten 
den Ha&szlig; wider sein Gericht benimmt, und uns der - im Evangelio 
geoffenbarten Gerechtigkeit damit untert&auml;nig macht, woran unsere 
Erl&ouml;sung von der Eitelkeit h&auml;ngt, in deren Alle bleiben, die nicht 
zu diesem Gehorsam gelangen. 
 
<p>Das hat in der Vorhersehung und in der nachmaligen Ausf&uuml;hrung ein 
Haupt Augenmerk von GOttes Regierung ausgemacht. GOttes 
Erweisungen in Wort und Werk haben auch einigen Glauben an GOtt 
gr&uuml;nden k&ouml;nnen ; aber die F&uuml;hrung seines Sohnes durch das Leiden 
zur Herrlichkeit gr&uuml;ndet nun einen Glauben, der sich in die ganze 
Regierung GOttes finden, und unter Allem sich eines guten Ausgangs 
versehen kann. Durch die Auferweckung hat GOtt seinen Sohn aus dem 
Gericht genommen, und durch die Herrlichkeit hat Er ihm die Macht 
gegeben, nun den Segen seiner Erl&ouml;sung im ganzen Reich GOttes 
auszubreiten. Darum haben wir aus der Auferstehung JEsu Christi 
Glauben, und aus seiner Herrlichkeit Hoffnung zu GOtt ; aus beidem 
also Zuversicht, GOtt werde nicht anders an uns handeln, als uns 
an seinem in die Welt gesandten Sohn und dessen ganzem Lauf 
vorgebildet sei. Nach GOttes Vorsatz sind wir ja schon als Glieder 
in Alles mit hineingerechnet, was an diesem unserm Haupt 
vorgegangen ist. Ich habe ihnen die Herrlichkeit gegeben, die Du 
mir gegeben hast, konnte unser lieber Heiland seinem himmlischen 
Vater sagen &uuml;ber Alle, die durch das Evangelium an Ihn glauben. O 
hilf, Christe, durch Dein Leiden dem erl&ouml;seten Geschlecht aus viel 
Tr&uuml;bsal zu den Freuden ; Du allein machst uns gerecht 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Petrus 1,22-25</font></b></h4> 
 
<p><b>Er zeigt ihnen wie auch die Gemeinschaft unter einander heilig, oder 
ihre Bruderliebe als aus dem Lebensfunken der Wiedergeburt aus GOtt 
herr&uuml;hrend, rechter Art sein soll.</b></p> 
 
<p>Wer ein wenig aus der Erfahrung wei&szlig;, was in der Gemeinschaft der 
Heiligen, zwischen wirklich redlichen, aber deswegen doch noch im 
Fleisch wohnenden Kindern GOttes vorkommt, oder was sich sonst zu 
einer - &uuml;ber dem himmlischen Beruf entstandenen Bekanntschaft 
schlagen kann, der wird dem lieben Apostel nicht genug f&uuml;r dies 
heilsame Salz danken k&ouml;nnen, das er uns in diesen Worten 
darreicht, eine Ouelle rein zu halten, daran so viel gelegen ist. 
Es lassen sich aber deswegen wirklich solche Worte zutreffender 
gebrauchen, wenn ein Umstand oder Notstand um den Weg ist, dahin 
sie geh&ouml;ren, als da&szlig; sich Alles in Begriffen auswickeln lie&szlig;, auf 
was sie gerichtet sind. Doch nur zu n&auml;herem Nachdenken Anla&szlig; zu 
haben, merke man sich Folgendes: Eine Seele ist oder wird vielmehr 
keusch, wenn sie das Gute, des an ihr ist, aus der neuen Geburt 
durch den Glauben und Gehorsam der Wahrheit, niemalen zu 
Verl&auml;ugnung oder Besch&ouml;nung dessen, was noch ans der alten Geburt 
an ihr ist, und sich in seinen Gesch&auml;ftigkeiten regt, mi&szlig;braucht, 
sondern vielmehr zur Erkenntni&szlig;, Bekenntni&szlig;, Abnahme und 
Vertilgung desselben, redlich anwendet. Es gibt aber eine Menge 
von Versuchungen, die der Keuschheit unserer Seele Abbruch tun, 
und dergleichen Befleckung uns anh&auml;ngen k&ouml;nnen. Die st&auml;rkste 
Versuchung macht uns freilich unsere Eigenliebe, die nicht gern 
tief in der Erkenntnis unserer selbst gr&auml;bt, die dessen, was ihr 
von ihrer Gestalt im Spiegel gezeigt worden ist, schnell wieder 
vergessen kann. Darum st&auml;rkt man sich durch unrichtige Begriffe, 
die man sich vom Stande in der Gnade, vom Zugang zu GOtt dabei, 
macht. Besonders aber kann viel Unrichtiges in der Gemeinschaft 
unter einander sich anh&auml;ngen, da&szlig; man ohne Gemeinschaft mit dem 
Vater und seinem Sohn JEsu Christo im Licht mehr auf die 
Gemeinschaft mit Kindern GOttes und ihren &Uuml;bungen hineinf&auml;llt, 
mehr an das Zeugnis, so man deshalb von Menschen hat, sich h&auml;ngt, 
als an die Ehre, die von GOtt allein ist, eindringt daher auch 
Vieles ungepr&uuml;ft von einander annimmt und nachmacht, ohne darauf 
zu sehen, ob es sich mit unserm Glauben vermengt. D ar&uuml;ber gibt es 
freilich viel, gef&auml;rbte oder heuchlerische Bruderliebe. Man gibt 
mit Worten, Bezeugen, Gesch&auml;ftigkeit' Dienstfertigkeit mehr vor, 
als Grund dazu da ist ; und man bestreicht Unarten, die wirklich 
da sind, und die man mit Gehorsam der Wahrheit bestreiten und 
abtun k&ouml;nnte, mit diesem Anstrich der Liebe und mit dem davon 
gesuchten Ruhm. O darum machet keusch eure Seelen, haltet sie dazu 
an, nirgends keine geteilte Liebe, nichts Vermengtes zu haben, mit 
dem Guten nicht das B&ouml;se zu behaupten, sondern anzugreifen, und zu 
vertilgen. Denn Sonst hei&szlig;t es kein Ge horsam der Wahrheit durch 
den Geist, sonst l&auml;&szlig;t man der Wahrheit und dem darunter 
gesch&auml;ftigen Geist die Freiheit nicht, ihr Werk zu haben, sondern 
h&auml;lt sie durch dergleichen Hang zur Ungerechtigkeit und 
Unreinigkeit gewaltig auf. So aber gibt es erst eine ungef&auml;rbte 
Bruderliebe, wobei man nicht not hat, sich mehr anzuma&szlig;en, als da 
ist ; wobei man aber auch das Fleisch und sein Gesch&auml;ft nicht zum 
&uuml;bert&uuml;nchen verlangt, sondern sich in redlichem Streit dagegen 
antreffen l&auml;&szlig;t. Alle diese Zucht, die man sich anlegen mu&szlig;, 
entleidet uns die Liebe in der Gemeinschaft der Heiligen nicht. 
Man findet dabei nur da&szlig; man sich es nicht wie ein Spielwerk und 
T&auml;ndelei nach Art der Weltfreundschaften vorstellen darf. Je mehr 
aber einmal Kraft aus der Wahrheit darein gekommen ist, je 
br&uuml;nstiger und unanst&ouml;&szlig;iger aus reinem Herzen kann es dabei 
hergehen. Freilich mu&szlig; zu Allem der Grund in der Wiedergeburt wohl 
gelegt sein. Die Probe, ob die Liebe zu Kindern GOttes rechter Art 
sei, mu&szlig; von der Liebe zum gemeinschaftlichen Vater hergenonmmen 
werden ; und die zeigt sich in der Aufnahme und Bewahrung seines 
Worts in unsern Herzen, und in dem Trieb und Wachstun, so man 
demselbigen in all unserm Tun und Lassen einr&auml;umt. Dieser 
unverg&auml;ngliche Same bringt auch eine unverg&auml;ngliche Ehre der 
Kindschaft und Erbschaft GOttes &uuml;ber uns, und f&ouml;rdert den, der ihn 
ben sich zur Frucht kommen l&auml;&szlig;t, zumal ewiglichen: Wohlbleiben. 
Fleisch hat freilich auch eine Kraft, aus sich etwas zu zeugen und 
zum geb&auml;ren, und damit seine Vorz&uuml;ge fortzupflanzen; aber was es 
darunter von der Hand seines lebendigen Sch&ouml;pfers Bl&uuml;hendes hat, 
das ist gar kurz und verg&auml;nglich. Was man auch f&uuml;r das 
Vorz&uuml;glichste daran in Gaben des Leibes, Lebens, Gesundheit, oder 
in G&uuml;tern des Gl&uuml;cks rechnen k&ouml;nnnte, das ist unter manchen 
fr&uuml;hern Heimsuchung,en <i>Ps. 39:12</i>, oder wenigstens im Tode ganz 
hinf&auml;llig. Des HErrn Wort aber der daraus gezeugte Geist, und was 
eben an einen Jeden aus der neuen Geburt ist durch den Glauben an 
des HErrn Wort, bleibt in Ewigkeit; mund was alle Ewigkeiten mit 
sich bringe,n, wird zu lauter Best&auml;tigung dieses Worts dienen ; 
alle auf dies Wort gefa&szlig;te Hoffnung wird zu ewiger Freude werden. 
Hab' ich bisher etwas geliebet, das mir hat Zeit und Kraft 
verzehrt, fo bin ich weiter nicht betr&uuml;bet, wenn mir wird der 
Genu&szlig; verwehrt. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Petrus 2,1-5</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel f&auml;hrt fort, ihnen zu zeigen, was die ungef&auml;rbte Liebe, und 
der Flei&szlig; selbiger nachzujagen erfordere; und wie er ihnen zuvor ihre 
Wiedergeburt aus unverg&auml;nglichem Samen vorgehalten hatte, so zeigt er 
nun wie das ihrem n&ouml;tigen Wachstum durch die lautere Milch des 
Evangeliums so gem&auml;&szlig; sei.</b></p> 
 
<p>Wer das nicht an sich erkennt, was er abzulegen hat, dessen Gutes 
steht nicht auf der reinen Wurzel der Gnade, bei welcher alle 
Erneuerung in's Bild GOttes aus T&ouml;ten und Ablegen des 
entgegengesetzten Alten besteht, das wir an uns haben. Der Apostel 
treibt mit dem hier etlichemal wiederholten Ausdruck : Alle, auf 
das Ganze, um das es ihm zum tun ist. Bosheit ist die innere 
F&auml;ulnis des Baums; das Weitere benennet einige der faulen Fr&uuml;chte 
desselben, dadurch der N&auml;chste entweder in wirklichen Schaden, 
oder doch Betrug und vergebliche Hoffnung gesetzt, wenigstens in 
seinem Guten und seiner Brauchbarkeit verhindert wird. Bei Kindern 
erfordert das n&ouml;tige Wachstum einen starken Zusatz von Nahrung und 
die Natur erweckt h&auml;ufige Begierde danach. So ist das aus der 
Wiedergeburt empfangene Leben immer auch eines Wachstums und 
Starkwerdens bed&uuml;rftig. Wie nun das Leben aus dem unverg&auml;nglichen 
Samen des Worts seinen Ursprung hat: so sucht es auch in der 
Begierde nach demselben seine Nahrung, als in einer lautern Milch 
Und solches Wachstum und Zunehmen zieht dann freilich auch eine 
St&auml;rke und Fertigkeit zum Ablegen nach sich. Aus dem g&uuml;tigen Worte 
GOttes, <i>Hebr. 6:5</i> konnten sie schon eine anf&auml;ngliche, mithin 
auch weitere Begierde erweckende Erfahrung von der Freundlichkeit 
des HErrn haben. O wie manches Neiden und Afterreden kommt daher, 
weil man nichts Besseres wei&szlig;, den Frieden in GOtt nicht 
geschmeckt hat. Wer einmal geschmeckt hat, wie viel Seligkeit und 
S&uuml;&szlig;igkeit im Umgang mit denn HErrn JEsu, in der Betrachtung seiner 
Worte, Verhei&szlig;ungen und Wege sei, der macht sich nicht gern mehr 
so verdorbene Stunden, wie man bei der alten F&auml;ulnis hat. Es darf 
uns nicht befremdend sein, da&szlig; der Apostel jetzt so schnell auf 
ein anderes Bild kommt, und da er bisher unser Wachstum und 
Starkwerden als Zunehmen eines Kindes bei gesunder Nahrung 
vorgestellt hat, nun auf das Bild von einem Bau kommt Denn nicht 
davon zu sagen, da&szlig; Petrus diese Vorstellung von einem Bau 
besonders lieb sein konnte, weil er von seinem HErrn JEsu selbst 
einen Namen bekommen hat, der sich auf einen Stein oder Felsen 
bezieht, und eine Verhei&szlig;ung, da&szlig; er bei der Auferbauung der 
Gemeine dem Hausherrn brauchbar sein werde: so hat es auch au&szlig;er 
dem seine gute Ursache, warum die Schrift gern unter den aus der 
Natur, und unter andern aus der Kunst entlehnten Bildern unser 
Wachstum vorstellt. Es findet sich n&auml;mlich wirklich bei eines 
jeden Christen Wachstum solch' ein Unterschied, da&szlig; Einiges daran 
mehr dem Wachstum eines Kindes von der lauteren Milch gleich ist, 
wozu der Mensch weniger beitragen kann, und das sehr verborgen 
zugeht; Anderes aber mehr &Auml;hnlichkeit mit dem Wachstum eines 
Geb&auml;udes hat, wo Menschenkunst und H&auml;nde ihr Gesch&auml;ft dabei haben, 
und worin man also des Menschen Treue und Flei&szlig;, oder auch 
Vers&auml;umnis hierin mehr sp&uuml;ren kann. Beides aber ist oft so in 
einander geflochten, wie im Vortrag des Apostels die beiderlei 
Vorstellungen. Es ist also kein Fehler der Rede wenn man schnell 
von einer Abbildung auf die andere kommt, sondern es ist vielmehr 
Sorgfalt, es in der Rede so genau zu treffen, als es sich in der 
Erfahrung befindet. - Und es ist oft auch in dem &Uuml;bung an sich 
selbst n&ouml;tig Beides zusammen zu nehmen. - Dieser Stein und Grund 
unsers Heils ist anf&auml;nglich von den Menschen als untauglich zu 
einer solchen gro&szlig;en Absicht verworfen, von GOtt aber, der seine 
Brauchbarkeit besser kannte, auch um dieses erduldeten Verwerfens 
und dabei bewiesenen Gehorsams willen, f&uuml;r k&ouml;stlich erkl&auml;rt 
worden. Was die Schrift sonst hei&szlig;t: Auf den Zug des Vaters zu 
Christo kommen, in die Gemeinschaft des Sohnes GOttes berufen, 
seines Lebens teilhaftig werden, das hei&szlig;t hier als ein lebendiger 
Stein auf Ihn erbauet werden aus ihm Wert, Festigkeit, 
Brauchbarkeit zum Dienst GOttes gewinnen. Ein geistliches Haus 
hei&szlig;t, was GOtt und seinem Dienst im Geist gewidmet ist; zugleich 
aber sind wir auch heilige Priester, die in diesem Haus durch 
Bekenntni&szlig;, durch Lob, durch &Uuml;bergabe an GOtt priesterliche 
Dienste tun, Alles aber durch die Hand des, vor GOtt so k&ouml;stlich 
geachteten obersten Priesters gehen lassen, und in diesem 
Geliebten auch angenehm werden. Denn die Liebe nimmt nichts an, 
was Du, Liebe! nicht getan. Was durch Deine Hand nicht gehet, wird 
zu GOtt auch nicht erh&ouml;het. In Dir aber wird es wohl geschehen, 
da&szlig; der HErr es wird ansehen; in Dir werd' ich noch auf Erden GOtt 
ein liebes Opfer werden. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Petrus 2,6-10</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel hei&szlig;t sie bei Anderer Unglauben GOtt desto mehr f&uuml;r ihr 
F&uuml;nklein Glauben danken, oder sich desto fester an Christum halten; je 
gef&auml;hrlicher sich Andere an Ihm sto&szlig;en, und je wichtiger also der 
Unterschied ist, den GOttes Erw&auml;hlung und Beruf hierin mit den 
Gl&auml;ubigen gemacht hat.</b></p> 
 
<p>In der Schrift hat man das Zeugnis von Christo, aber auch die Anzeige 
von der ungleichen Aufnahme und Behandlung desselben. Man hat 
Fu&szlig;stapfen des Glaubens vor sich; man ist aber auch gegen &Auml;rgernisse, 
die aus Anderer Unglauben entstehen k&ouml;nnten, verwahrt. So zieht der 
Apostel mehrere Spr&uuml;che aus <i>Jes. 8:14 ; 28:16 ; Ps. 118:22</i> in Einem 
zusammen, in dieser vielfachen guten Absicht. - Siehe da! ist der so 
oft vorkommende Wecker, wodurch alle Aufmerksamkeit und Begierde auf 
Den geleitet wird, den GOtt in die Welt einzuf&uuml;hren versprochen hat, 
und auf Den noch jetzt unser Glaube gerichtet sein soll. - Das Legen 
dieses Grundsteines geschah im ewigen Rat und Vorsatz GOttes, aber 
auch im Wort der Verhei&szlig;ung, und noch mehr bei dessen Erf&uuml;llung unter 
der Sendung des Sohnes GOttes in die Welt; und noch weiter bei der 
Einf&uuml;hrung desselben in die Herrlichkeit, und der darauf ausgegangenen 
Predigt des Evangeliums in alle Welt. Da hie&szlig; es jedesmal im Herzen 
GOttes: Ich lege einen Grundstein. Ein Grund hei&szlig;t Christus, in so 
fern in Ihm allein das Heil ist, au&szlig;er dessen Namen kein Anderer zum 
Anrufen und Seligmachen gegeben ist. Wenn aber zugleich auf die 
Zusammenfassung der Beiden, Juden und Heiden, in ein neues Volk des 
Eigentums gesehen wird, oder auf die Sammlung aller hin und her 
zerstreuten Kinder GOttes, so hei&szlig;t es: Eckstein, weil dessen 
Eigenschaft vorz&uuml;glich die Zusammenfassung zweier Hauptteile an einem 
Geb&auml;ude ist. In Zion ist es an=, von dort aber in alle Welt 
ausgegangen. Zur Best&auml;tigung der Wahrheit GOttes kam das Heil von den 
Juden; in der Predigt des Evangeliums aber, ging es in alle Welt aus. 
Und so liegt nun freilich das, was in den Grenzen des j&uuml;dischen 
Landes, in Jerusalem, vor den dortigen Gl&auml;ubigen und Ungl&auml;ubigen, 
anf&auml;nglich geschehen ist nun zum Zeugnis vor aller Welt da, und wird 
zum Glauben vorgehalten. Das Wohlgefallen und Vertrauen, so GOtt auf 
diesen Eckstein legt, der Wert, den selbiger in GOttes Augen hat, 
breitet sich auch auf den aus, der an Ihn glaubet, da&szlig; er unbesch&auml;mt, 
ja mit Freudigkeit vor GOtt stehen und bestehen kann. Und da leistet 
nun der Apostel mit der Tat, was er von seinen beiden Briefen und 
deren Absicht, <i>1Pe 5:12</i> und <i>2Pe 3:1</i>, versichert, indem er 
nicht nur Glauben fordert, sondern auch zuspricht und versiegelt. Wem 
die Tugenden dieses gelegten Steines und ihre Brauchbarkeit zur 
Erstattung aller unserer M&auml;ngel bekannt sind, dem ist er gewi&szlig; 
k&ouml;stlich. Wer aber in &Auml;rgernis, Tr&auml;gheit, Unentschlo&szlig;enheit 
zur&uuml;ckbleibt, und sich nicht in die angebotene Gnade schicken mag, wem 
die dahin f&uuml;hrenden Mittel nicht anst&auml;ndig sind, der hat gewi&szlig; nicht 
genug vor Augen, wie sich der Sieg der Wahrheit vom Kreuz Christi 
durch die Predigt des Evangeliums in des Geistes Kraft so wunderbar 
gewendet hat, sonst w&uuml;rde er auch noch jetzt der Hand GOttes trauen, 
da&szlig; sie das zu seiner Zeit Verworfene noch hervorziehen, und zum 
Eckstein brauchbar machen k&ouml;nne. Ansto&szlig; und &Auml;rgernis nimmt man 
eigentlich, wenn man zwar Manches hat, das einen zum Glauben neigt, 
aber bald wieder auf Etwas f&auml;llt, um deswillen man meint, da&szlig; man 
seine vorige &Uuml;berzeugung und besseres Vertrauen wieder aufgegeben, 
oder sich doch mit dem Schritt eines v&ouml;lligen Gehorsams nicht 
&uuml;bereilen m&uuml;&szlig;e. Am Wort st&ouml;&szlig;t der Mensch sich eigentlich nicht, 
sondern aus andern Vorw&auml;nden glaubt er nicht an das Wort, das ihm 
sonst seine Vorw&auml;nde benehmen k&ouml;nnte. Die Worte: darauf sie gesetzt 
sind, kann man verstehen: sie sto&szlig;en sich an dem, was ihnen doch zum 
Aufstehen und Grund des Heils gereichen k&ouml;nnte; oder auch: sie sind zu 
solchem Ansto&szlig; gesetzt, nicht aus einem unhintertreiblichen Vorsatz 
GOttes, sondern durch ihre &ouml;ftere Untreue, Falschheit, womit sie der 
Wahrheit GOttes ausweichen, ziehen sie sich eine solche Unt&uuml;chtigkeit 
zum Glauben zu, da&szlig;, wie sie Anfangs nicht glauben wollten, so sie 
zuletzt nicht glauben k&ouml;nnen, und wie jenem unter den Fluch geratenen 
Feigenbaum, ihre anf&auml;ngliche Schuld zuletzt ihre Strafe wird. O GOtt, 
wie teuer ist Deine G&uuml;te, die uns von solchen b&ouml;sen Haufen abzieht! 
Wie kann der Unterschied Anfangs so klein sein, und wie gro&szlig; wird er 
nach und nach! Was hat derjenige, der durch GOttes Vorsatz und Gnade 
aus diesen, im Unglauben Zur&uuml;ckbleibenden herausgew&auml;hlet und berufen, 
von GOtt, dem ewigen K&ouml;nige, zum n&auml;chsten priesterlichen Zutritt 
berechtigt, zum Dienst GOttes durch einen teuren Kauf verpflichtet 
ist; was hat ein solcher von GOttes Wahrheit, Barmherzigkeit, Geduld, 
und &uuml;brigen Tugenden zu verk&uuml;ndigen? Was ist das f&uuml;r ein wunderbares 
Licht, das einen Menschen zur Erkenntnis und Bekenntnis seiner S&uuml;nden 
anh&auml;lt, ihn auch mit Vergebung derselben aufrichtet, durch 
Vergebungsgnade aber ihn zum Wandel im Licht und Gemeinschaft mit GOtt 
t&uuml;chtig macht. Und das Alles aus der Finsternis hervor; bei den Juden 
aus dem Gerichte der Versto&szlig;ung des &uuml;brigen Volkes wurde die Auswahl 
behalten; bei den Heiden, aus der Zeit der Unwissenheit, wurde dies 
wunderbare Licht hervorgerufen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Petrus 2,11-17</font></b></h4> 
 
<p><b>Ermahnung zu einem guten Wandel, sonderlich in Ansehung der Obrigkeit 
und anderer zu unserm &auml;u&szlig;erlichen b&uuml;rgerlichen Gang in der Welt 
geh&ouml;rigen St&uuml;cke.</b></p> 
 
<p>Wo man nach V.9-10. gelernt hat, GOttes Auswahl und Beruf an 
einander erkennen und respektieren, da gibt es auch den Grund zu 
einer ehrerbietigen Bruderliebe, die nicht t&auml;ndelt und heuchelt, 
vielmehr Ermahnen und Warnen f&uuml;r die gr&ouml;&szlig;te Liebe achtet, die man 
einander beweisen kann, nach <i>Offenb. 3:19</i>. Die falsche Welt 
verderbt diejenigen durch Schmeichelei, die durch gute 
Erinnerungen noch zurecht zu bringen w&auml;ren. Im Reich Christi ist 
die Liebe mit Wahrheit vergesellschaftet. Als ein Fremdling und 
Pilgrim erachtet man, da&szlig; uns Alles, wie in einem fremden Haus und 
Land, nur zur Notdurft, zum Durchkommen, zur Erleichterung der 
Reise, kurz, nur zum Brauchen, nicht zum Genie&szlig;en einger&auml;umt sei; 
wobei man sich also nicht so aufzuhalten habe, da&szlig; man das, uns im 
Vaterland aufbehaltene, <i>1. Petr. 1:4</i>, weit Bessere dar&uuml;ber 
vers&auml;umte, sondern sich in solcher Abgeschiedenheit davon halte, 
die sich nicht freuet, da&szlig; man es hat, sondern es mehr beseufzet, 
da&szlig; man es doch nicht entbehren kann mithin Alles als Denkmale 
unserer hiesigen Fremdlingschaft, als Beweise, da&szlig; wir aus dem 
Paradies vertrieben, und unter den Dienst des verg&auml;nglichen 
Wesens, und dabei in manche d&uuml;rftige Umst&auml;nde geraten sind. Die 
L&uuml;ste hei&szlig;en fleischlich, weil sie aus dem Fleisch und der darin 
wohnenden S&uuml;nde entspringen, mit dem Fleisch durch den Leib und 
dessen Glieder ausge&uuml;bt werden, aber deswegen auch eben so gewi&szlig; 
mit Fleisch vergehen, ja oft gar das Fleisch desto b&auml;lder 
auftreiben. Doch sieht man aus <i>2. Petr. 2:10, 18</i> und andern 
Schriftzeugnissen genug, da&szlig; man dabei nicht allein an die S&uuml;nden 
der Unreinigkeit zu gedenken habe, sondern auch an Alles, was dazu 
Reiz und Zunder gibt oder was sie f&uuml;r weitere Ruchlosigkeit nach 
sich ziehen, auch Alles, wodurch man sie rechtfertigen und 
behaupten will. Solches gesamten Unwesens hat man sich zu 
enthalten, und bei den davon zu erleidenden Anf&auml;llen sich doch, 
dem Geist und dem darin erweckten himmlischen Sinn nach, davon zu 
scheiden.  In des Apostels angezogenem Grund: sie streiten wider 
die Seele, ist mit Wenigem viel gesagt. Paulus sagt deswegen, 
<i>R&ouml;m. 6:13</i>, beim S&uuml;ndendienst werden unsere Glieder zu Waffen 
der Ungerechtigkeit dahin gegeben. Oft will man f&uuml;r die 
fleischlichen L&uuml;ste eine Entschuldigung darin suchen, man schade 
damit doch nicht so viel, als mit S&uuml;nden der Ungerechtigkeit usw. 
Lasse aber Jemand nur die Dornen der L&uuml;ste bei sich aufkommen, und 
sehe zu, ob noch eine Kraft vom Worte der Gerechtigkeit in ihm 
bleibt, und ob er also nicht allen S&uuml;nden offen steht? Die L&uuml;ste 
bestreiten und unterdr&uuml;cken Alles, woher sie sich eines 
Widerstandes besorgen. Unter dem guten Wandel, den er ihnen 
aufgibt, wird im Nachfolgenden das Betragen gegen die Obrigkeit, 
gegen die Herrschaften im Haus, zwischen Ehegatten, und gegen 
Jedermann verstanden. Wo ich bin, und was ich tue, so sehen Andere 
auf mich, k&ouml;nnen ein gutes Exempel oder einen Vorwand zur 
Nachl&auml;ssigkeit daran nehmen, und schreiben das Eine oder das 
Andere nicht nur mir und meiner pers&ouml;nlichen Denkungsart, sondern 
der Lehre zu, dazu ich mich bekenne; mithin f&auml;llt auf den Namen, 
der &uuml;ber mir genannt ist, eine Ehre oder Schande davon. Das gibt 
der Anregung des Apostels: unter den Heiden, ein gro&szlig;es Gewicht. 
Afterreden mu&szlig; damals schon ein gemeines Laster gewesen sein, weil 
der Apostel dessen so gar oft gedenkt, <i>1. Petr. 3:16 ; 4:4, 14</i>. Es 
flie&szlig;t auch zun&auml;chst aus dem Wesen der argen Welt, da&szlig; sie argw&ouml;hnisch 
und argdenklich ist; sie d&uuml;nkt sich dabei oft klug und scharfsinnig zu 
sein; der Apostel hei&szlig;t es, V. 13., Unwissenheit der th&ouml;richten 
Menschen. Dem gegenw&auml;rtigen Zusammenhang nach mu&szlig; man die Christen, 
sonderlich auch mit dem Verdacht belegt haben, sie seien dem Staat 
gef&auml;hrlich, der b&uuml;rgerlichen Verfassung nachteilig; tragen f&uuml;r die 
Obrigkeit nicht genug Respekt, sagen: ein Anderer sei K&ouml;nig, JEsus; 
wollen in manchen St&uuml;cken GOtt mehr gehorchen, als den Menschen. 
Dergleichen Beschuldigungen lassen sich nun nicht gerade mit vielen 
Worten, desto sicherer aber mit guten Werken ablehnen. Das schl&auml;gt 
dann wenigstens bei solchen an, die mehr durch Unwissenheit, Vorurteil 
und Nachsagen von Andern in's Afterreden gezogen werden; wenn es aber 
anders herauskommt, und etwas Besseres an den Tag kommt, so haben sie 
noch so viel Liebe und also Freude an der Wahrheit, da&szlig; sie GOtt 
preisen, der noch einen Samen in der Welt hat, und solche um der 
Gerechtigkeit willen geschm&auml;heten Kinder nicht ausgehen l&auml;&szlig;t. V&ouml;llig, 
unstrittig und allgemein kommt es freilich erst an Tag, wenn GOtt das 
Verborgene der Menschen richten wird; doch gibt es auch fr&uuml;here Tage 
der Heimsuchung mancherlei Art, woran auch noch mitten auf dem 
Kampfplatz der S&uuml;nde und der Gnade doch der Sieg der Gnade an den 
Genossen derselben stark durchscheint; wer aber auf nichts achtet, 
sondern f&uuml;r seine eigene Gottlosigkeit ein Interesse darunter hat, in 
seinem Afterreden &uuml;ber alle Gottseligen fortzufahren, der sehe zu, was 
er antworten wird Dem der bereit ist zu richten die Lebendigen und die 
Toten, <i>1. Petr. 4:5</i>. Durch den Namen: aller menschlichen Ordnung, 
benimmt der Apostel der Obrigkeit nichts von der Ehre, da&szlig; sie GOttes 
Dienerin sei, <i>R&ouml;m. 13</i>. Stand und Amt der Obrigkeit ist von GOtt; 
aber das hat nach und nach mancherlei menschliche Gestalten 
angenommen, ist unter der Menschen H&auml;nde zu einer Zeit so, zur andern 
anders eingerichtet worden. Aber auch dies Menschliche soll keinen 
Vorwand zum Entziehen von der Untert&auml;nigkeit geben, vielmehr eine 
Wurzel der Geduld, sich gern auch hierin mit menschlichen 
unvermeidlichen Schwachheiten zu leiden, und an sich selbst 
abzunehmen, da&szlig; der Genu&szlig; mancher Wohltaten in vielen F&auml;llen des 
menschlichen Lebens mit der &Uuml;bernahme einiger Beschwerden gewonnen 
werden mu&szlig;. Unser HErr hat selbst auch einmal so einen Lauf in 
Knechtsgestalt durch die Welt getan, und ist daf&uuml;r nun zur Rechten der 
Kraft GOttes gesetzt; dessen Ehre, Wort und Reich gewinnt nun oder 
verliert unter dem Wandel seiner Bekenner. Man fragt noch immer 
dar&uuml;ber, welches die beste, sicherste, zur Bef&ouml;rderung alles Guten 
gesegneteste Art des b&uuml;rgerlichen Regiments sei? Ob es die sei, wo die 
h&ouml;chste Gewalt ohne alle Einschr&auml;nkung durch Gesetze und Vertr&auml;ge in 
eines Einigen Hand sei? Oder, wo die Macht zu befehlen und zu ordnen 
unter Mehrere, unter die Bestgesinnten, Weisesten, Angesehensten 
verteilt ist? Oder wo man sogar auch das gesamte Volk an der Regierung 
und Einrichtung des gemeinen Wesens Teil nehmen l&auml;&szlig;t? Das Fragen 
dar&uuml;ber wird wohl fortw&auml;hren. Ein Christ mu&szlig; sich in alle Arten 
schicken, und kann sich beim Pilgrims-Sinn leicht darein schicken. 
Denn wer h&auml;lt sich so viel &uuml;ber eine Nachtherberge V.11. auf, wer 
kritisiert so viel, ob in einem Land Alles auf das Beste bestellt sei, 
das er nur f&uuml;r einem kurzen Durchzug (V.11) zu passiren hat. Zur Rache 
&uuml;ber die &Uuml;belt&auml;ter und Lob der Frommen, ist die Obrigkeit von GOtt 
gesetzt; wenn es aber auch in Verfall ger&auml;t, so mu&szlig; die Obrigkeit doch 
um ihrer eigenen Sicherheit und Vorteils willen noch Etwas von diesem 
Gesch&auml;ft erhalten. Viel B&ouml;ses unterbleibt doch aus Furcht vor der 
Strafe der Obrigkeit; viel Gutes in Kirchen und Schulen erh&auml;lt sich 
doch unter ihrem Schutz. Auch bei dem Gebrechlichen daran, womit man 
sich zu leiden hat, mu&szlig; man nur immer auf den Willen und Regierung 
GOttes sehen; Andern aber ihr L&auml;stern unter die Zeit ihrer 
Unwissenheit rechnen, und sich daher GOttes Beruf, V.9, aus der 
Finsternis zu seinem wunderbaren Licht desto teurer sein lassen, und 
seine Herz, wenn es ungeduldig werden will, nur gleich damit 
z&uuml;chtigen: O GOtt! wie teuer ist Deine G&uuml;t', da&szlig; Du erleuchtet mein 
Gem&uuml;t ! Aus diesem himmlischen Beruf haben freilich Christen einen 
k&ouml;niglichen Geist, eine Anwartschaft auf eine herrliche Freiheit der 
Kinder GOttes, <i>R&ouml;m. 8:21</i>. Aber deswegen enthalten sie sich doch 
alles dessen, was nicht an den Tag kommen d&uuml;rfte, was besonders nicht 
im Lichte jenes Tages besteht: Denn das ist ein Deckel der Bosheit; 
sondern ihnen ist es als Knechten GOttes um Lob und Ruhm vor GOtt zu 
tun. Ehre antun, und damit wieder Ehre bei den Menschen suchen, und 
sich dar&uuml;ber der verachteten Br&uuml;der und Gliederschaft Christi 
entziehen, geh&ouml;rt unter die betr&uuml;glichen Stege der jetzigen Zeit. Aber 
eben so gefehlt w&auml;re es auch, wenn ein Mensch unter dem Vorwand, die 
Gottesf&uuml;rchtigen zu ehren, die Ehrerbietung denen versagen wollte, die 
Gewalt &uuml;ber ihn haben. Eine festere St&uuml;tze f&uuml;r die Throne auf Erden 
gibt es nicht, als Gottesfurcht, nach den Verbindungen, in die unser 
Augsburgisches Glaubensbekenntnis die Lehre von der Obrigkeit mit der 
Lehre von dem J&uuml;ngsten Gericht gebracht hat. Eine schrecklichere 
Unehre kann Niemand auf die Obrigkeit bringen, als wenn man auf ihre 
Verantwortung hineins&uuml;ndiget, und meint, die m&ouml;gen zusehen, die es ihm 
zugemutet haben, und denen man zu Gefallen leben m&uuml;sse. Eine 
rechtschaffene Gottesfurcht ist oft eine Mauer um dich herum, da&szlig; man 
dir etwas Zweideutiges nicht einmal zumutet; da&szlig; man dir es zumutet, 
ist schon ein Beweis, da&szlig; man dir mehr Lust zur Eitelkeit, und also 
Mangel an einer un&uuml;berwindlichen Furcht GOttes ansp&uuml;rt. O GOtt! senk' 
Deine wahre Furcht in aller Menschen Herzen ; la&szlig; Niemand mit der Bu&szlig;' 
und wahrem Glauben scherzen, so wird deine Furcht unsere Weisheit 
sein, aus bereit wir auch unsern Wandel weislich f&uuml;hren, und nirgends 
zu viel noch zu wenig tun. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Petrus 2,18-25</font></b></h4> 
 
<p><b>Ermahnung an die Knechte zu einen guten Wandel in Allem, was ihnen zu 
tun oder zu leiden vorkam, wobei er ihnen das unvergleichliche 
Beispiel Christi im Leiden zu ihrer Nachfolge vorh&auml;lt.</b></p> 
 
<p>An M&uuml;hseligen und Beladenen, dergleichen die Knechte selbiger Zeit 
waren, hat der himmlische Beruf am Meisten seine Kraft bewiesen. 
Diese werden nun auch aufgefordert, der ihnen beigelegten gro&szlig;en 
Hoffnung w&uuml;rdiglich zu wandeln. An der Ausr&uuml;stung mit dem Sinn der 
Untert&auml;nigkeit hat man den Vorteil zu Allem, was je vorkommen 
kann. Untert&auml;nigkeit tr&auml;gt hinl&auml;ngliche Wurzel und Triebe zu allem 
Guten aus. Furcht bedarf man nur um derjenigen Versuchungen 
willen, die diesen Trieb zuweilen aufhalten wollen; z. B. wenn die 
Verf&uuml;hrung Anderer, oder die Beredung, es bleibe verborgen, oder 
die Gem&auml;chlichkeit des eigenen Fleisches an der n&ouml;tigen 
Untert&auml;nigkeit Abbruch tun will. G&uuml;tige Herren fordern nicht viel; 
gelinde k&ouml;nnen auch einen begangenen Fehler, angerichten Schaden 
&uuml;bersehen und vergeben; bei wunderlichen aber gab es Unrecht und 
Streiche zu leiden. Damals nun konnte man sich gegen Wunderliche 
nicht so schnell mit dem Weggehen helfen, weil man nicht nach 
Willk&uuml;hr um Speise und Lohn dienete, sondern ein geborner oder mit 
Geld erkaufter Knecht war. Doch ist es auch jezt noch mi&szlig;lich, 
wenn man sich zu schnell mit vielem Wechseln helfen will. Denn die 
Selbsthilfe f&uuml;hrt gemeiniglich in verwickeltere Umst&auml;nde. Das ist 
aber Gnade, oder ein Beweis, da&szlig; ein Werk oder Gesch&auml;ft der Gnade 
GOttes in dir sei, wodurch du, unter Gemeinschaft der Leiden, dem 
Ebenbilde des Sohnes GOttes gleich werden sollest, wenn du 
wunderlichen Herrschaften nie Etwas recht machen kannst, von 
eigenliebigem, neidischem, schwazhaftem Nebengesinde immer 
weggestochen und verdr&auml;ngt wirst, und dir das Gewissen, der 
Wiederschein, den man von GOttes Zeugnis genie&szlig;t, Ersatz und Trost 
genug daf&uuml;r gew&auml;hrt. Man meint sonst, das tue am wehesten, da&szlig; man 
so unschuldig sei, und Unrecht leiden m&uuml;sse. Aber bei wem seine 
eingebildete Unschuld noch Reizung zur Ungeduld wird, der hat 
Ursache, daran zu zweifeln, der entschuldiget sich sorglich mehr, 
als er das Gewissen zu GOtt ruhig wirken l&auml;&szlig;t. Wo das Gewissen zu 
GOtt der Unschuld Zeugnis gibt, da wird Unrecht leiden leicht: 
denn es f&uuml;hret einen friedsamen Genu&szlig; der beugenden Gnade mit 
sich. Was man sich mit &Uuml;beltun, Nachl&auml;&szlig;igkeit oder doch mit seinem 
b&ouml;sen Maul zuzieht, darunter hat man keine Unterst&uuml;tzung vom 
Gewissen zu genie&szlig;en, mithin hat man mehr Ursache sich zu sch&auml;men 
als zu r&uuml;hmen. Aber wer beim Wohltun leidet,hat sich nicht zu 
sch&auml;men, doch auch nicht sich selbst, oder sein Verdienst zu 
r&uuml;hmen, sondern GOtt f&uuml;r Seine zum Tun und Leiden verliehene Gnade 
zu preisen, <i>1. Petr. 4:16</i>. - Der noch so geringe Stand eines 
Knechts oder Sklaven hindert GOtt nicht in seinem himmlischen 
Beruf ihm die Hoffnung des ewigen Erbes und der Mitgenossenschaft 
am Reich seines lieben Sohnes vorzuhalten; daher kann man das auch 
sonst unvermeidliche Leiden durch diesen Beruf so veredeln, da&szlig; 
man all sein Leiden in die Gemeinschaft der Leiden Christi 
hineinrechnen, und es als richtige Schritte der Herrlichkeit 
entgegen ansehen kann. Christus hat den Weg, durch Leiden zur 
Herrlichkeit zu gehen, nicht ausgeschlagen vielmehr durch sein 
Leiden f&uuml;r uns ihn so gangbar gemacht, da&szlig; nun auch in unser zum 
Leiden sonst so verdrossenes Herz ein Same der Willigkeit kommen 
kann. An dem von Christus uns hinterlassenen Vorbild zeichnet der 
Apostel im Folgenden solche Fu&szlig;stapfen, die ein Knecht zu betreten 
vorz&uuml;gliche Gelegenheit hatte, z. B. g&uuml;tige Herren mit S&uuml;nden zu 
hintergehen, der Wunderlichen H&auml;rtigkeit mit Betrug auszuweichen, 
ist eine gemeine Versuchung f&uuml;r Knechte; darum sagt der Apostel 
von Christo: er habe nie eine S&uuml;nde getan, und in seinem Munde sei 
nie ein Betrug erfunden worden. Wiederschelten oder Drohen sind 
sonst die Waffen derer, die sich mit nichts Anderem helfen k&ouml;nnen. 
Christus aber war unter seinem Leiden, wie ein Schaf, das 
verstummet vor seinem Scherer. Auch da Er sein Kommen in den 
Wolken des Himmels vor des Hohenpriesters Gerichte bekannte, blieb 
er so entfernt von allem Drohen, wie noch bei uns GOttes Gericht 
vielmehr der tiefe Grund zur Geduld sein, ja nicht aber ein 
Stachel werden soll, womit wir Andern wehe zu tun begehren. Da&szlig; 
aber der Geist Christi vorher in den Leidenspsalmen so 
nachdr&uuml;ckliche Fl&uuml;che &uuml;ber die ausgesprochen, die sich dem M&ouml;rder 
von Anfang als Werkzeuge zur Vollendung seiner Lust in dieser 
Sache hingegeben haben, das geschah, da&szlig; man die Stille und Geduld 
des Leidenden nicht auf Mutwillen z&ouml;ge, wie es der liebe Heiland 
dem Judas so neben einander hinlegte: Des Menschen Sohn geht 
freilich dahin, wie es von Ihm beschlossen und geschrieben ist; 
doch wehe dem Menschen, durch welchen er verraten wird. Ein Knecht 
mu&szlig; das Schwerste selbst angreifen; und so hat Christus im Tragen 
unserer S&uuml;nden auch selbst das Schwerste getan, und hatte Keinen, 
auf den Er es schieben konnte. Unter dem Gericht und Verdammung 
der S&uuml;nde am Leib und Fleisch Christi ist ihr ihre verdammende 
Kraft im Gewissen benommen, und damit auch der Hauptsitz zu ihrer 
Herrschaft und deren Behauptung zerst&ouml;rt, hingegen eine ewige 
Gerechtigkeit wieder gebracht, oder ein Recht befestiget worden, 
auf das sich nun GOtt mit dem S&uuml;nder einlassen, und Jedem, der der 
S&uuml;nde gern los w&auml;re, sie vergeben, und ihn in den Dienst der 
Gerechtigkeit einleiten kann. Bei den Wunden JEsu mu&szlig; man immer 
auch auf den - darauf ruhenden Rat GOttes, da&szlig; damit S&uuml;nde und 
S&uuml;ndenstrafe weggetragen und aufgehoben sein soll, sehen. Denn 
dorther schreibt sich eigentlich das Leben, oder Heilwerden, das 
wir daraus haben. Ein irrendes Schaf wird bei einem schon vorher 
k&uuml;mmerlichen Leben endlich eine Beute f&uuml;r den Wolf. So ist ein 
Mensch au&szlig;er der Berufung GOttes in Christo, hier und dort vom Tod 
genagt, <i>Ps. 49</i>, durch GOttes Ruf aber zu dem Hirten und 
Aufseher der Seelen gebracht, bei Dem Leben und volle Gen&uuml;ge ist, 
<i>Joh. 10:11</i>. O, was hat derjenige nur zu genie&szlig;en, dem das 
Geheimnis der Leiden Christi und unserer Gemeinschaft mit 
demselben aufgeht; der hat etwas, von dem er sagen kann: Dies 
dr&uuml;ckt mich in Hoffart nieder, in Betr&uuml;bnis hebt's empor, gibt in 
Schwachheit Kr&auml;fte wieder, aus der Ohnmacht zieht's hervor, und 
h&auml;lt mich in Lieb' und Leid bei der rechten M&auml;&szlig;igkeit. Ja ich 
find' die tiefste Stille, wenn am Kreuze h&auml;ngt mein Wille. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Petrus 3,1-7</font></b></h4> 
 
<p><b>Wie Ehegatten durch rechtschaffenes Betragen gegen einander ihrem 
Beruf und Erw&auml;hlung w&uuml;rdiglich wandeln sollen.</b></p> 
 
<p>Das Wort GOttes ist und redet so unparteiisch als sein Urheber, 
GOtt; und da ein Teil anfangen mu&szlig;, seine Pflicht zu tun, so macht 
sich das Wort GOttes durchgehends zuerst an den Teil, der auch 
sonst nachzugeben die gr&ouml;&szlig;te Ursache hat, der mit seinen Vorgang 
aber gewi&szlig; auch den andern Teil gewinnen kann. Eine Art der 
Ehrerbietung gegen das m&auml;nnliche Geschlecht treibt die Schrift 
auch schon von der ersten Sch&ouml;pfung und deren Ordnung her. Aber 
Untert&auml;nigkeit r&uuml;hrt erst vom Fall her, und von selbigem 
Gnadengerichte GOttes, darin dem Mann M&uuml;he und Arbeit, dem Weib 
aber Unterw&uuml;rfigkeit unter den Mann auferlegt worden ist, um damit 
als ein n&ouml;tiges Joch, die unordentliche Eigenliebe zu 
unterdr&uuml;cken. - Gef&uuml;hl seiner Schwachheit, billiges Mi&szlig;trauen 
gegen sich selbst ist die gute Wurzel zu dieser Untert&auml;nigkeit. 
Der Wandel soll ein Ausdruck des Worts ohne vieles Reden sein. Ein 
darin gegebenes gutes Beispiel kann freilich Niemand gegen seinen 
Willen bekehren ; aber doch viel Nachdenken erwecken, wodurch 
einer Seele vom Tode geholfen werden kann. Und welch' ein Gewinn 
ist das? Aber wer legt sich so unverdrossen manche Jahre darauf 
und &uuml;bernimmt so vieles Leiden dar&uuml;ber, als man oft um eines 
zeitlichen Gewinns willen tut? Eine in der Furcht GOttes 
gewurzelte Keuschheit bewahrt nicht nur vor Befleckung mit fremder 
Liebe, sondern wei&szlig; auch der ehelichen Liebe ein solches Salz 
beizubringen, wobei sie mit einer Art von Ehrerbietung unterst&uuml;tzt 
wird, welches ihr feste Dauer gibt. Da hingegen die Liebe, wie 
feurig sie scheint, wenn man durch Unkeuschheit die Ehrerbietung 
gegen einander verletzt schon ihr Herzblatt eingeb&uuml;&szlig;t hat. 
Keuschheit des Herzens zeigt sich auch in Worten, Geb&auml;rden und 
Kleidung. In der Kleidung kann freilich keiner ganz &uuml;ber seine 
Zeit hinaus, oder unter seine Zeit herunter; aber wenn er es in 
der Liebe seines Herzens nicht f&uuml;r Geschmack achtet, so wird man 
es immer auch so einzuschr&auml;nken wissen, da&szlig; man einem Menschen 
auch etwas davon ansieht. - Der Herzensmensch ist f&uuml;r sich schon 
innerlich, wird aber durch einen wohlanst&auml;ndigen Flei&szlig; noch mehr 
verborgen, und dem Vater, der in das Verborgene sieht, allein 
offen gehalten, und nicht Anderen in das Gesicht gerichtet, als 
den Menschen zu gefallen. Man vergl. <i>Matth. 6:1; 2. K&ouml;. 5:11</i>. 
Dieses inwendigen Herzensmenschen sein Schmuck ist der unverr&uuml;ckte 
Stand im sanften und stillen Geist. Schmuck, Gold, Edelgestein 
sollen etwas Dauerhaftes haben, das ihnen auch ihren vorz&uuml;glichen 
Wert gibt, so auch der unverr&uuml;ckte Stand, das Unverwesliche, das 
Sanfte das Niemand beunruhige ; das Stille, das sich nicht von 
Andern auftreiben l&auml;&szlig;t, das ist vor GOtt, welchem zu gefallen die 
einige g&uuml;ltige Ehrbegierde ist, ein kostbarer Schmuck. Durch das 
Sehen auf Andere, durch Nacheifern wird beim Frauenzimmer und 
ihren Moden so viel Eitelkeit fortgepflanzt und ausgebreitet. Wie 
gut w&auml;re es, wenn man von den Familiengeschichten der Schrift den 
guten Gebrauch machte, und dorther die rechten Muster n&auml;hme ; aber 
auch zu weilen einen ernstlichen Blick auf die andere Seite t&auml;te: 
Ach GOtt wo sind sie, die vor Jahren gedienet aller Eitelkeit? 
Seine Hoffnung auf GOtt setzen, macht den eigentlichen heiligen 
oder von der Welt geschiedenen Sinn aus, aus dem Geduld und Trost 
Wort der Schrift Hoffnung haben, wenn inzwischen Andere ihren Teil 
dahin nehmen in diesem Leben. Bei &uuml;bernommenem Joch der Demut bleibt 
man auch eher am Bande der Keuschheit und anderer Tugenden, da im 
Gegenteil die Untert&auml;nigkeit oft abgesch&uuml;ttelt wird, um auch in 
Anderem nach seinen L&uuml;sten leben zu k&ouml;nnen. Sara bewies ihren Gehorsam 
und auch einen dazu geh&ouml;rigen Mut, besonders beim Auszug aus ihrem 
Vaterland, aber auch bei der Aufnahme der G&auml;ste, <i>1. Mo. 18:6, 12</i>. Bei 
der Wiedergeburt <i>1. Petr. 1:3</i>, wird man auch deren Tochter, von 
welcher man sonst dem Fleisch nach nicht herstammt. Vom Wohltun wollen 
dich oft besorgte Schwierigkeiten abschrecken; aber sei nicht so 
sch&uuml;chtern, du Tochter der Sara! Wage etwas, es l&auml;uft oft besser ab, 
als du gemeint h&auml;ttest. Die dem Mann einger&auml;umte Herrschaft und alle 
vom Weib zu fordernde Untert&auml;nigkeit ist doch mit viel M&auml;&szlig;igung zu 
gebrauchen. Denn es ist str&auml;flicher Mutwille, des Andern 
Schwachheiten, sie liegen nun im Verstand, oder Mut, oder im Leib, zu 
seiner Geringsch&auml;tzung mi&szlig;brauchen; Gottgef&auml;llige Lindigkeit ist es, 
ihm seine geb&uuml;hrende Ehre zu geben. Was das Betragen der Ehegatten 
gegen einander in ihren ganzen Gottesdienst f&uuml;r Einflu&szlig; habe, davon 
findet sich schon <i>Mal. 2:13</i> f. eine denkw&uuml;rdige Stelle ; und wie 
Zwistigkeiten ihre das Gem&uuml;t verw&uuml;stende Kraft besonders &auml;u&szlig;ern, wenn 
man sich zu GOtt. nahen will, davon hat der Heiland mehrmalen 
gezeuget, und die Beobachtung seiner selbst kann es Jeden lehren. GOtt 
mein Gebet m&uuml;sse immer unverhindert von statten gehen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Petrus 3,8-12</font></b></h4> 
 
<p><b>Er zeigt, wie der gute Wandel besonders auch durch friedsames Betragen 
gegen Jedermann zu f&uuml;hren und die innere Kraft dazu durch sorgf&auml;ltiges 
Bez&auml;hmen der Zunge zu bewahren sei.</b></p> 
 
<p>Wie sonst unsere sogenannte Haustafel von den besondern Pflichten 
auf das Amt f&uuml;r Jedermann und gegen alle Menschen fortr&uuml;ckt: so 
verf&auml;hrt auch hier der Apostel. Die meiste Veranlassung zur 
Lieblosigkeit, Unwillen, Argwohn, &Uuml;belreden entsteht aus der 
Menschen ungleichem Sinn und aus der hartn&auml;ckigen, eigenliebigen 
Behauptung seines Sinns gegen des Andern Art. Wenn aber Jeder 
unter Brechung und Einschr&auml;nkung seines Sinnes des Andern Sinn und 
der Gleichheit mit demselben entgegengeht, so kommt man am dritten 
Ort zum Frieden halten zusammen. Aller Unterschied im Sinn, 
Einsichten, Neigungen, und Absichten, ist nicht aufzuheben: aber 
da&szlig; der Unterschied den Frieden nicht unterbricht, das kann 
verh&uuml;tet werden durch das schon <i>1. Petr. 1:22</i> angepriesene 
Keuschmachen seiner Seele im Gehorsam der Wahrheit zu ungef&auml;rbter 
Bruderliebe. So bald ein Mensch nur vom Wohlgefallen an sich 
selbst, von Erhebung &uuml;ber Andere los wird, und anf&auml;ngt, in seinen 
Sinn und in das Bestehen auf demselben, um des besorgenden 
Mi&szlig;brauchs willen ein Mi&szlig;trauen zu setzen; so f&auml;llt es ihm schon 
nimmer schwer, des Andern Sinn n&auml;her zu kommen. Kurz man mu&szlig; aus 
dem, worin man unterschieden ist, nicht so viel machen, sondern 
sich mehr dessen freuen und r&uuml;hmen, worin man gewi&szlig; einig ist, z. 
B. um der Gnade des Lebens V.7, in der Hoffnung der Herrlichkeit, 
<i>1. Petr. 1:3</i>. Man vergleiche auch <i>Eph. 4:1; 1. Kor. 8:8</i>. Durch 
Mitleiden stellt man sich in des Andern Stelle, und wei&szlig;, wie es 
ihm zu Mut ist. Von dieser Seite her hat GOtt schon um das Herz 
der sonst der H&auml;rtigkeit beschuldigten Israeliten gegriffen Du 
wei&szlig;t um der Fremdlinge Herz, dieweil Du auch Fremdling gewesen 
bist, <i>2. Mo. 23:9</i>. Wenn das Herz durch diese erst p&uuml;nktlich 
aufgeschlossen wird, so gewinnen auch die &uuml;brigen Eingang. Man 
wird einander auch dem innern Grund der Wiedergeburt nach 
offenbar; und das zeugt Bruderliebe, br&uuml;derlichen Sinn. 
Aufgeschlossenes Herz schlie&szlig;t auch die Hand zur &Uuml;bung der 
Barmherzigkeit auf. An der Barmherzigkeit aber ist es das 
Annehmnlichste, wenn es mit Lust geschieht, und also Freudigkeit 
Alles begleitet. Ja oft mit dieser allein k&ouml;nnte man schon einen 
Bedr&auml;ngten erquicken. Freilich bekommt man es in der Welt auch mit 
solchen zu tun, die Scheltwort und anderes B&ouml;se austeilen; und da 
hat man sich auf diesem Wege des M&ouml;rders durch das Wort der Lippen 
GOttes vor Menschenwerk zu bewahren, <i>Ps. 17:4</i> besondere 
Ursache. Alles Bem&uuml;hen, sich des zu erduldenden Unrechts zu 
erwehren, l&auml;uft auf Menschenwerk hinaus. Beim Wort der Lippen JEsu 
wird man sich allemal besser befinden. Jedes Willf&auml;hrigsein gegen 
meinen Widersacher, jedes Vorbeilassen einer scheinbaren 
Gelegenheit zur Selbsthilfe bringt ein neues Siegel &uuml;ber mich, da&szlig; 
mein Beruf und Erw&auml;hlung fest stehe, da&szlig; ich ein Kind sei des 
Vaters im Himmel, der auch g&uuml;tig ist &uuml;ber die Undankbaren und 
Boshaftigen; da&szlig; mir mein Erbe im Himmel aufbehalten sei, und auch 
ich zu demselben unbefleckt bewahret werde, da&szlig; mir des Andern 
Schelten und B&ouml;ses zuf&uuml;gen nicht nur an diesem k&uuml;nftigen Erbe 
nichts Schm&auml;lern k&ouml;nne, sondern da&szlig; mir GOtt gar oft mit Wohltun 
vergelte des Andern Fluchen, <i>2. Sa. 16:12</i>. Man beredet sich 
leichtlich: man wolle leben und gute Tage sehen; aber ehe der 
Mensch ein durch GOttes Ruf gefa&szlig;tes und gesammeltes Herz bekommt, 
so zerst&ouml;rt er in der n&auml;chsten Stunde durch ein widriges Bezeugen 
dasjenige wieder, was er in der einen Stunde wollte. Ein 
befestigtes Wollen erw&auml;chst aus der Wurzel der Gottesfurcht. Die 
Zunge das kleine Glied, aber unruhige &Uuml;bel, darin sich das Herz am 
schnellsten ergie&szlig;t, hat schon viele Vors&auml;tze veranla&szlig;t : ich will 
mich h&uuml;ten, da&szlig; ich nicht s&uuml;ndige mit meiner Zunge <i>Ps. 39:1</i>, 
aber fast eben so viele auch zu Schanden gemacht, weil man ihm 
nicht das rechte Schlo&szlig; angelegt hat. Wer sich fruchtbarlich vom 
B&ouml;sen wenden will, mu&szlig; sich vom Nachdenken &uuml;ber das erlittene B&ouml;se 
wenden, sonst wird er dadurch immer entz&uuml;ndet, da&szlig; er auch die 
Zunge nicht bez&auml;hmen kann. Die Zeit zum Gutestun ist ohnehin kurz. 
Schade, wer durch Verdru&szlig; und Rachbegier etwas davon verliert. 
Durch Suchen und Nachjagen ist oft noch m&ouml;glich Friede zu 
erhalten, den widerw&auml;rtiges Bezeugen zu vertreiben schien. 
Aufmerksamkeit auf die nahe Gegenwart des HErrn, auf seine 
Augenleitung, auf seine Bereitwilligkeit, uns zu h&ouml;ren, 
erleichtert Vieles. Auch ist der starke Eifer des HErrn wider das 
B&ouml;se und wider die B&ouml;sen Warnung genug, da&szlig; man nicht n&ouml;tig habe, 
sich selbst zu helfen; Zuspruch genug, da&szlig; des HErrn Angesicht 
unsere Hilfe sein werde; welches Angesicht uns aber auch 
schrecklich w&uuml;rde, sobald wir uns auf den Grund und Boden der 
B&ouml;sen verlocken lie&szlig;en. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Petrus 3,13-17</font></b></h4> 
 
<p><b>Er spricht ihnen einen tapfern Mut ein, besonders zum Bekenntnis der 
Hoffnung, die in ihnen ist, und zur Erduldung der Leiden und 
L&auml;sterungen, so deswegen auf sie fallen.</b></p> 
 
<p>Wenn man an etwas scheut, so mu&szlig; man einen Menschen nur recht nahe dazu 
hinf&uuml;hren, damit man sieht, man habe nicht Ursache dazu. So tut auch 
die mutige Frage : wer ist, der euch Schaden k&ouml;nnte ? Betrachtet es nur 
auch recht, ein Vorteil, den die Schrift &ouml;fters braucht. Was sollte mir 
Fleisch tun ? <i>Ps. 56:3</i>. Was k&ouml;nnen mir die Menschen tun ? V.12. u. 
<i>Ps. 118:6</i>. Was kann dir die falsche Zunge tun? <i>Ps. 120:3</i>. Nun 
denkt man freilich, wenn es schon nicht bleibenden Schaden tut, so ist 
es doch Tr&uuml;bsal anlegen. Wenn es aber nur um der Gerechtigkeit willen 
ist so wird es allemal wohl belohnt werden, weil Recht doch Recht 
bleibt. <i>Matth. 5:10</i> ist es die letzte unter den acht Seligpreisungen: 
Selig sind, die um Gerechtigkeit willen verfolgt werden. Denn alle 
vorigen Seligkeiten k&ouml;nnten wieder verscherzt werden wenn man zum 
Leiden verdrossen w&auml;re. Wer Wahrheit und Gerechtigkeit wieder zu 
verlassen im Stande ist, so bald es dar&uuml;ber zu leiden gibt, in solchem 
hat die Liebe dazu gewi&szlig; keine tiefe Wurzeln. Die einem Menschen Furcht 
einjagen wollen, sind oft selbst davon eingenommen, und werden am 
meisten davon regiert, wie aus <i>Luk. 13:31</i> zu ersehen ist. Daher des 
Apostels Wort nach der Grundsprache sehr treffend ist: wie sie sich 
f&uuml;rchten, f&uuml;rchtet euch nicht. Wahre Gro&szlig;mut geh&ouml;rt mit zur Erneurung 
in das Bild GOttes; der k&ouml;nigliche Geist, der sich nicht gleich &uuml;berall 
un&uuml;berwindliche Schwierigkeiten vorstellt, wird einem von Christus 
gegeben. Die unbillige und sch&auml;dliche Furcht aber mu&szlig; durch eine 
rechtm&auml;&szlig;ige ausgetrieben werden, und diese hei&szlig;t der Apostel hier: den 
HErrrn heiligen in seinem Herzen <i>Jes. 8:12</i> , Denn der HErr wird 
geheiliget, wenn er in der Furcht, Liebe und Vertrauen unsers Herzens 
das gilt, was ihm nach seiner Allmacht, Weisheit und G&uuml;te geb&uuml;hrt. 
Menschenfurcht verteilt das Herz in vielerlei Absichten, da&szlig; man auf 
einen Notfall seine Kraft nirgends beisammen hat. Heiligung GOttes im 
Herzen umg&uuml;rtet die Lenden, da&szlig; man allezeit bereit ist. Verantwortung 
hei&szlig;t sonst Bekenntnis seines Namens vor Menschen; Freudigkeit, wobei 
man sich seiner Worte nicht sch&auml;mt. Paulus hei&szlig;t es den Geist des 
Glaubens haben, und daraus reden. Petrus w&auml;hlt ein Wort, darin 
Untersuchung und Pr&uuml;fung, die man bei sich selbst vornimmt, Erkenntnis 
und &Uuml;berzeugung, in deren man steht, Bekenntnis und Verteidigung, die 
er gegen Andere ablegt, zusammenflie&szlig;t. Herzens Festigkeit durch Gnade 
ist dem Menschen auch nur um sein selbst willen h&ouml;chst n&ouml;tig; aber, 
wenn er auch sein Herz zur Gen&uuml;ge stillen k&ouml;nnte, so ist ihm auch um 
Anderer willen n&ouml;tig, da&szlig; er etwas habe zu antworten dem, der ihn 
schilt. Grund fordern kann zwar von Freunden und Feinden geschehen, mit 
Recht oder Gewalt eingerichtet werden, auf Unterricht und Besserung, 
oder aber auf Gef&auml;hrung und Verfolgung angesehen sein. Also hat der 
Geist des Glaubens ein weites Feld vor sich, darauf er sich &auml;u&szlig;ern 
kann. Mit der Religion l&auml;uft es nicht auf einen Meinungskram hinaus, 
den der Eine so, der Andere anders haben k&ouml;nnte, auch nicht auf 
angenommene Manieren, darin sich einer von dem andern unterscheidete, 
sondern eine Hoffnung zu deren man wiedergeboren ist, <i>1. Petr. 1:3</i>, und 
die uns st&auml;rkt, GOtt als Den zu fassen, der denen, die Ihn suchen, ein 
Vergelter ist. Hoffnung verbindet Zeit und Ewigkeit, dieses und das 
zuk&uuml;nftige Leben so, da&szlig; die Wahrheit des Evangeliums, die den Grund 
meiner Hoffnung abgibt, mich &uuml;ber das Vergangene tr&ouml;stet, mich im 
Gegenw&auml;rtigen leitet, und auf das Zuk&uuml;nftige mein Haupt aufrichtet. 
Davon l&auml;&szlig;t sich Grund geben, nicht mit einer aus B&uuml;chern erlernten oder 
hergelesenen Antwort, sondern als von einem Recht und Beilage, wof&uuml;r 
mein ganzes Herz eingenommen ist, und die ich wie mein kostbarstes 
Eigentum verteidige; doch mit Sanftm&uuml;tigkeit und Furcht. Kurz vorher 
hie&szlig; es: F&uuml;rchtet euch nicht. Aber so mu&szlig; sich die Wahrheit GOttes 
immer wenden, um der Schwachheit unsers Herzens willen, das immer den 
Irrweg will; dem man also gegen seine Menschenfurcht sagen mu&szlig;: 
F&uuml;rchtet euch nicht ; dem man aber auch gegen seine Versuchungen zur 
Bitterkeit und Vermessenheit sagen mu&szlig;: Mit Sanftm&uuml;tigkeit und Furcht. 
Religionsha&szlig; ist eine bittere Wurzel; aus derselben erw&auml;chst keine 
Wahrheit noch Bekenntnis derselben. Weisheit von oben ist gelinde steht 
in billigem Mi&szlig;trauen gegen sich selbst, und in schuldigem Mitleiden 
gegen des Andern Versuchungen. Selbst beim guten Gewissen mu&szlig; man doch 
bedenken, da&szlig; man nicht sein eigener Richter ist. Oben <i>1. Petr. 2:12</i>, 
ist der Hoffnungs=Blick gezeigt worden, da&szlig; Mancher, der den guten 
Wandel geschm&auml;het hat, noch eines Bessern &uuml;berzeugt werden k&ouml;nne. Wer 
sich aber nicht &uuml;berzeugen lassen will, der schreibe es sich selbst zu, 
wenn er zu Schanden wird. An Exempeln solcher die um &Uuml;beltat willen 
leiden, fehlt es auch in der Welt nie; und an solchen kann ein Christ 
immer lernen, wie Christi Kreuz, oder um Wohltat willen leiden, so viel 
leichter sei, als sich solche Schande und Schaden zuziehen, womit die 
S&uuml;nde insgemein lohnt. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Petrus 3,18-22</font></b></h4> 
 
<p><b>Wie sich Petrus unten <i>1. Petr. 5:1</i>, einen Zeugen der Leiden, die in 
Christo sind, und teilhaftig der Herrlichkeit nennt; so beweist er 
sich wirklich in dieser Stelle, und st&auml;rkt seiner Br&uuml;der Geduld 
ansehnlich, durch Vorhalt, wie die Leiden Christi einen f&uuml;r ihn selbst 
herrlichen und f&uuml;r viel Andere gesegneten Ausgang gewonnen haben, 
damit wir recht auf den Sinn erbauet werden: Alles ist ein Vorteil 
nur, was mich nur gleich machet Dir.</b></p> 
 
<p>Wie vortr&auml;glich es sei, um Wohltat willen zu leiden, beweist nun 
der Apostel aus dem Leiden Christi. Das war nun freilich, wenn man 
seinen Ausgang vom Vater, sein Kommen in die Welt und Hingang zum 
Vater &uuml;berdenkt, ein mit viel tausend sauren Tritten verbundener 
Leidensgang, den aber doch die Schrift, in der Vergleichung mit 
der nunmehrigen Herrlichkeit, &ouml;fters als ein mit einmal 
&uuml;berstandenes &Uuml;berg&auml;nglein vorstellt. Die Ursache davon waren 
freilich wir und unsere auf dies Lamm gelegten S&uuml;nden. Seine 
pers&ouml;nliche Unschuld aber hat auch zwischen das Leiden hinein 
&ouml;fters bezeugt werden m&uuml;ssen und Ihm war Der, der Ihm Recht 
sprechen w&uuml;rde, auch so nahe und allezeit vor den Augen, da&szlig; er 
sich seinen Mund nicht stopfen lie&szlig;, sondern unter dem Leiden 
immer auch ein gutes Bekenntnis zu rechter Zeit abzulegen wu&szlig;te. 
Unsere Entfremdung von GOtt, unsere den Zugang zu GOtt uns 
verschlie&szlig;ende Verschuldung erforderte freilich ein solches mit 
Opfern vermitteltes Zuf&uuml;hren zu GOtt, welches aber freilich an uns 
nun nicht anders als unter Gemeinschaft seiner Leiden und 
Gleichf&ouml;rmigkeit mit seinem Tode zu Stande kommen kann. - Wenn die 
Schrift sonst von Christo sagt, was Er nach dem Fleisch, und was 
Er nach dem Geist sei, so deutet sie unter Fleisch seine 
menschliche, und unter dem Geist seine g&ouml;ttliche Natur an, 
<i>R&ouml;m. 1:3</i> f. Hier aber ist nicht von etwas die Rede, was Christus 
nach dem Fleisch oder Geist gewesen sei, sondern von dem, was am 
Fleisch und Geist Christi vorgegangen sei. Mithin hat man hier Fleisch 
und Geist zu verstehen, wie man es sonst bei jedem Menschen versteht 
von Seele und Leib, zwischen welchem auch der deutlichste Unterschied 
im Tode sich zeigt, wo Beider Trennung vorgeht, die auch so lange 
besteht, als man unter die Toten gerechnet wird, <i>1. Petr. 4:6</i>. Ert&ouml;tet 
nach dem Fleisch ist zwar ein scharfer, doch Sonst sehr geziemender 
Ausdruck von JEsu Todesleiden; es werden n&auml;mlich darunter freilich die 
vielen Fersenstiche, Leiden, Schmerzen, Ve&auml;ngstigungen aus dem 
Sichtbaren und Unsichtbaren, die diesen Tod betrieben haben, merklich 
angedeutet. Es bleibt aber dabei doch auch Raum f&uuml;r das an Christo, 
was von diesem Ert&ouml;ten nicht erreicht werden konnte, sondern was 
vielmehr unter demselben solchen Glauben, Geduld und Gehorsam halte, 
da&szlig; der wirklich erfolgte Tod nicht als eine notwendige Folge von der 
an ihm ausge&uuml;bten Gewalt, sondern als ein freiwilliges Lassen seines 
Lebens anzusehen ist, da Er wu&szlig;te, da&szlig; nun Alles vollendet, und das 
Ma&szlig; seiner, Ihm am Fleisch bestimmten Ert&ouml;tungen voll sei. Schon von 
dem Beschneidungs Messer an, das &uuml;ber JEsu Fleisch gef&uuml;hrt wurde, bis 
auf die Er&ouml;ffnung seiner Seite mit einem Speer ging ein vielfaches 
Ert&ouml;ten an seinem Fleisch vor, das im Nu seines Todes sein Ziel 
erreichte ; und dann auch bis zu seiner Ausf&uuml;hrung von den Toten 
anhielt; deswegen der HErr JEsus, noch von seiner Herrlichkeit aus, 
davon als von einem durchgemachten Gang sagt: ich war tot. - Die 
genaue Verbindung und |brige Gleichheit, in die der Apostel das 
Ert&ouml;ten am Fleisch und Lebendig gemacht werden am Geist mit einander 
setzt, gibt zu erkennen, da&szlig; Beides mit einander vorgegangen; und 
alles Folgendes zeigt weiter, was man von dem, beim Nu des Todes in 
des Vaters H&auml;nde empfohlenen Geist zu denken habe. Der himmlische 
Vater hat n&auml;mlich diesem aufgegebenen Geist sogleich den Weg zum Leben 
kund getan; und das wird hier als ein Lebendigmachen vorgestellt, 
dabei er nicht nur lebendig erhalten wurde, so, da&szlig; der Tod ihm nichts 
anhaben, ihn mit keinem Schlummer noch Unt&auml;tigkeit decken, noch viel 
weniger mit Schmerzen und Banden der H&ouml;lle zusetzen k&ouml;nnte, sondern 
seine Lebenskraft wurde durch die Freiheit von dem Druck des Fleisches 
in einen neuen Lauf gesetzt, und bekam auch ein ganz anderes Feld im 
Unsichtbaren vor sich, als sie bisher beim Wandel in der sichtbaren 
Welt gehabt hatte. - In demselbigen lebendiggemachten Geist sei er 
hingegangen, sagt der Apostel, und braucht dabei das n&auml;mliche Wort, 
das gleich V.22. vorkommt. Da es nun daselbst in den Himmel gefahren, 
&uuml;bersetzt wird, so darf man es hier wohl auch die H&ouml;llenfahrt hei&szlig;en, 
oder einen Hingang zu den Geistern im Gef&auml;ngnis. Der Zustand 
derjenigen, die im Warten aufs Gericht, mit mehr oder weniger Furcht, 
mit einer beibehaltenen und zuletzt doch betr&uuml;glichen Hoffnung stehen, 
wird uns sonst auch in der Schrift als ein Aufenthalt im Kerker und 
Gef&auml;ngnis beschrieben, <i>Matth. 5:23, 27:22; Offenb. 20:7, 13</i>. Des HErrn 
JEsu Gesch&auml;ft daselbst wird mit gutem Bedacht ein Predigen benannt, 
wodurch nicht zu viel bestimmt wird, und wir nach unsern Ein und 
Absichten weiteres zu bestimmen auch nicht schnell sein sollten. In 
der Predigt des Evangeliums ist nachgehends auch in alle Welt das 
Zeugnis ausgegangen, da&szlig; Er verordnet sei von GOtt ein Richter der 
Lebendigen und der Toten. Wie nun selbige Predigt auf Erden Manchen 
heilsam und erfreulich, Manchem gerichtlich und erschrecklich 
auff&auml;llt, so kann wohl auch dies Predigen im Unsichtbaren eine 
doppelte Wirkung, nach dem auch daselbst fortdauernden Unterschied, 
gehabt haben. Die gesamten vor dem Tod Christi voran gegangenen Zeiten 
werden im Worte GOttes als Zeiten der Geduld und des g&ouml;ttlichen 
&Uuml;bersehens angegeben. Von diesen k&ouml;nnen Alle, die vor Zeiten nicht 
glaubten, herr&uuml;hren; unter denselbigen aber diejenigen ein besonders 
namhaftes Exempel ausmachen, welche GOttes Langmut in den Tagen Noahs 
zu genie&szlig;en hatten, aber nach meist vergeblichem Empfang dieses 
Reichtums h&auml;ufig von der S&uuml;ndflut hingerissen wurden. Welche durchs 
Wasser umgekommene Welt auch sonst &ouml;fters unserer zum Feuer 
aufbehaltenen Welt als ein Vorbild hingestellt wird. - Wir machen 
insgemein so zwei Klassen der Gl&auml;ubigen und Ungl&auml;ubigen ; doch kann 
sich auch unter beiden wieder ein manchfaltiger Unterschied finden 
; z. E. wie Manche gelangen zu keiner Erkenntnis und Glauben, haben 
aber auch wenig Anleitung dazu gehabt; Andern hat es nicht an Ruf und 
Anleitung gefehlt, sie aber haben sich nur mit ihrem Entschlu&szlig; 
verweilt, oder bald wieder, wie Lots Weib, hinter sich gesehen, oder 
sind, wie jener J&uuml;ngling, betr&uuml;bt weggegangen, und haben die Kosten zu 
&auml;ngstlich &uuml;berschlagen. Dergleichen kann es in der geraumen Zeit, als 
man die Arche zurichtete, viele gegeben haben. Eben die gar geringe 
Anzahl der Erretteten, nur acht Seelen macht es desto glaublicher, da&szlig; 
unter so vielen in's Gericht Verwickelten doch ein gro&szlig;er Unterschied 
m&uuml;sse gewesen sein. Das wird sich freilich auch &uuml;ber der, ihnen 
hiermit widerfahrenen, Predigt noch mehr auseinander gesetzt haben. Ob 
es aber jetzt bei dieser einmaligen Predigt des lebendig gemachten 
Geistes Christi geblieben ist, oder ob man von dem, was in der Welt 
vorgegangen, da&szlig; er n&auml;mlich nach dem, was er anfing, zu lehren, ein 
Amt aufgerichtet, und nach sich gelassen hat, so auch den Schlu&szlig; 
machen darf, da&szlig; eine dergleichen Anstalt f&uuml;r Manche nach dem Tod 
eingerichtet sei, das l&auml;&szlig;t sich hieraus nicht f&uuml;r gewi&szlig; dartun. Eben 
so wenig l&auml;&szlig;t sich auch bestimmen, ob es in jener Welt eine aneinander 
h&auml;ngende Gnadenordnung und Arbeit gebe? Oder, ob nur selten solche 
Heimsuchungen vorfallen, zwischen welchen viele Zeiten verflie&szlig;en 
k&ouml;nnen ? Ob hierbei das hier Angefangene nur fortgesetzt, dem - durch 
Hindernisse hier Unterdr&uuml;ckten nur Luft gemacht, oder ob auch bei, 
Manchen von vornen an Grund gelegt werde ? Ob selbige Gnade durch 
einen Notzwang angenommen werden m&uuml;sse? Oder ob man auch dort noch, 
wie hier, widerstreben k&ouml;nne? Ob noch vor dem offenbarlichen Tag des 
HErrn Befreiungen aus selbigen Kerkern vorgehen, oder ob der Ausgang 
jenem Tag vorbehalten sei, und inzwischen noch viel vorschlagende 
Furcht und Nagen vom andern Tod statt habe ? Wer will das bestimmen? 
Da der Apostel sich auf das Alles nicht einl&auml;&szlig;t, sondern uns vielmehr 
auf den Anfang und Grund der uns in der Taufe beigelegten Frucht des 
Todes und der Kraft der Auferflehung JEsu weiset, als da&szlig; er mit uns 
auf solche Spitzen hinausginge, Wie nun aber der Apostel das Wasser in 
der S&uuml;ndflut als ein Gegenbild des Wassers in der Taufe angeben k&ouml;nne, 
dar&uuml;ber sagt unser sel. Luther: "Es w&auml;re kein Wunder, die acht Seelen 
in der Arche w&auml;ren vor Furcht und Traurigkeit gestorben; es hat 
Glauben dazu geh&ouml;rt, sich mit dem Worte der Verhei&szlig;ung zu tr&ouml;sten. 
Wenn das Fleisch au&szlig;erhalb der Gefahr ist, so h&auml;lt es den Glauben f&uuml;r 
ein gering Ding, f&auml;llt lieber auf scheinbare Werke. Siehe aber hier 
Noah an, der allenthalben mit Wasser umgeben war, den erh&auml;lt nichts 
als das Vertrauen dazu ihn das Wort der Verhei&szlig;ung berechtigte." 
 
<p>So am Wort allein hangen, und blo&szlig; im Glauben leben, ist schwerer 
als das beschwerlichste Gel&uuml;bde &uuml;bernehmen Die Rettung der acht 
Seelen geschah also durchs Wasser so, da&szlig; ihre Rettung ein 
eigentlicher Durchgang durch den Tod ins Leben war. So ist das 
Wasser neben dem, da&szlig; es das zu unserer Wiedergeburt von GOtt 
beliebte Mittel ist, doch auch als eine Flut anzusehen, wodurch 
der Durchgang ins Leben auch einen f&uuml;r's Fleisch grauenhaften Tod 
mit sich f&uuml;hrt. - Die Taufe dient auf's ganze Leben, sonderlich 
aber auch aufs Sterben, sich daran zu halten, da&szlig; man auf einen 
Hinzug durch den Tod ins Leben begriffen sei. Wenn das Urteil an 
uns vollzogen wird: Der Leib ist tot um der S&uuml;nde willen, der 
Geist aber ist das Leben um der Gerechtigkeit willen; so wird eben 
damit auch die Kraft und Frucht unserer Taufe und des dabei uns 
&uuml;bergebenen Gnadenbundes an uns ausgef&uuml;hrt. So rettet uns also das 
Wasser im Gegenbild gegen jene acht geretteten Seelen in unserer 
Taufe, als welche in JEsu Tod, aber auch auf die Gemeinscahft des 
Lebens mit Ihm geschieht. Bei den j&uuml;dischen und heidnischen 
Reinigungen war Vieles angenommen, das zur &auml;u&szlig;erlichen 
Reinlichkeit und auch zu des Menschen davon abhangender Gesundheit 
nebenher dienen sollte. So aber will der Apostel die Taufe nicht 
angesehen haben, sondern als den Bund eines guten Gewissens mit 
GOtt durch die Auferstehung JEsu Christi. Der leiblichen 
Reinigkeit wird auch <i>Hebr. 9:13 ; 10:22</i>, die Reinigung des 
Gewissens entgegengesetzt; dem, was uns unter Menschen leidsam und 
angenehm macht, das, was uns vor GOtt gef&auml;llig macht. So auch 
hier. Es ist bei der Taufe nicht um Abtun des Unflats am Fleisch, 
sondern um die Freiheit vom b&ouml;sen Gewissen zu tun, um die Beilage 
des g&ouml;ttlichen Wohlgefallens im guten Gewissen. Im guten Gewissen 
aber erlangt der Mensch Ansprache an GOtt, Vertrauen auf die 
zugesagte Gnade GOttes, Willigkeit, das Gericht GOttes &uuml;ber die 
S&uuml;nde zu rechtfertigen seine Rettung als eine Rettung aus der 
&auml;u&szlig;ersten Gefahr, aus der Verdammnis der &uuml;brigen Welt anzusehen, - 
daher auch das an sich gern unter das Gericht hinzugeben, was 
darunter gebrochen, get&ouml;tet, und zum Aufh&ouml;ren gebracht werden 
soll. Denn gutes Gewissen fa&szlig;t nicht nur die, ihm zu seiner 
Austeilung beigelegte Vergebungsgnade, sondern wird der ganzen 
Gerechtigkeit GOttes untertan und k&ouml;nnte seine Ansprache an GOtt 
nicht behaupten, wenn es irgend etwas wider GOtt und sein Licht 
behaupten wollte. GOttes Antworten auf diese unsere Ansprache 
genehmigen auch Alles, was wir im guten Gewissen, teils uns vom 
S&uuml;ndenunwesen zu scheiden, teils die Gnade GOttes zu ergreifen, 
immer vornehmen, <i>5. Mo. 26:17</i>. - Die Auferstehung JEsu Christi 
von den Toten hat der Apostel schon oben <i>1. Petr. 1:3</i> als den 
Grund unsers v&ouml;lligen Glaubens und unserer v&ouml;lligen Hoffnung zu 
GOtt angezogen ; und daran h&auml;ngt auch der weitere Grund zur 
Ansprache an GOtt im guten Gewissen: Wir haben einen F&uuml;rsprecher 
bei dem Vater, JEsus Christ, der gerecht ist ; Er ist hingegangen 
zu erscheinen vor dem Angesicht GOttes f&uuml;r uns. Und da Ihm die 
Engel und die Gewaltigen und die Kr&auml;fte untertan sind ; so zeigt 
das auch, da&szlig; wir unsern Zugang zu GOtt nicht erst durch 
Vermittlung solcher Kr&auml;fte zu suchen haben, sondern da&szlig; unser HErr 
&uuml;ber Alles gesetzt ist, und da&szlig; wir durch dieses unser Haupt GOtt 
nahe geworden sind, da&szlig; nun kein Guter sich der Gemeinschaft mit 
uns sch&auml;mt, gleichwie aber auch keine Kraft aus dem finstern Reich 
uns von der Liebe GOttes in Christo JEsu unserm HErrn scheiden 
kann. Die Engel stellen sich gern als Mitknechte deren hin, die 
das Zeugnis JEsu haben. Ach wer richtet sich genug zum Ruhm eines 
guten Gewissens auf. Wer l&auml;&szlig;t sich das b&ouml;se Gewissen nicht Manches 
von diesem Reichtum in Christo streitig machen! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Petrus 4,1-7</font></b></h4> 
 
<p><b>Nach bein sch&ouml;nen Blick, den er ihnen in den sch&ouml;nen Lauf Christi 
durch Leiden zur Herrlichkeit verliehen hatte, spricht er ihnen nun 
zu, da&szlig; sie sich vor nichts sollen grauen lassen, was auf dieser Bahn 
vorkommt, auf welcher Christus sie GOtt zuf&uuml;hrt, sondern da&szlig; sie 
verst&auml;ndig w&uuml;rden, was das Leiden am Fleisch, kraft des Evangeliums, 
f&uuml;r gute Absicht und Wirkung habe; wer aber daran Vorwand zum L&auml;stern 
nehme, den m&uuml;sse man seinem k&uuml;nftigen Richter &uuml;berlassen, und k&ouml;nne 
sich tr&ouml;sten, da&szlig; dessen Sinn auch unter allem Gerichtlichen noch auf 
m&ouml;glichste Rettung ziele.</b></p> 
 
<p>Unter dem Ausdruck: Christus hat im Fleisch f&uuml;r uns gelitten, fa&szlig;t 
der Apostel Alles zusammen, was &uuml;ber die gesamte Menschheit unsers 
Erl&ouml;sers bei, Betr&uuml;bnis und Angst seiner Seele, und bei Hingabe 
seines Lebens unter alle Arten der Leiden, die gesamten Tage 
seines Fleisches hindurch ergangen ist. An Allem aber ist das 
Vornehmste sein darunter gef&uuml;hrter Sinn, unversehrter Gehorsam, 
gel&auml;uterter Glaube, un&uuml;berwindliche Geduld, da er sich immerdar 
zum Schm&auml;hlichsten bequemt, und doch fest &uuml;ber der Hoffnung der 
Herrlichkeit gehalten hat. Dieser Sinn mu&szlig; nun von denen, die Ihm 
angeh&ouml;ren, auch im Innern angezogen und behauptet, ja einer 
Waffenr&uuml;stung gleich gebraucht, mithin freilich auch in das &Auml;u&szlig;ere 
gef&uuml;hrt werden. Denn Christus hat ja nicht nur heimlich unter der 
Hand Seines himmlischen Vaters leiden d&uuml;rfen, sondern es hat auch 
mit Ihm durch &ouml;ffentliche Schmach durchgehen m&uuml;ssen. So geh&ouml;rt es 
oft auch zu unserer Bu&szlig;e, oder zum Abt&ouml;ten der S&uuml;nde, da&szlig; wir auch 
in &ouml;ffentliche Leiden gestellt werden. Als Vers&ouml;hner hat freilich 
Christus allein gelitten; aber aus Begierde nach dem Segen seiner 
Erl&ouml;sung sollen wir uns nun gerne mit ihm vereinigen, und aus 
seinem Verdienst so viel Kraft sch&ouml;pfen, da&szlig; man sich entschlie&szlig;e, 
ein Opfer der g&ouml;ttlichen Gerechtigkeit zu werden, worunter die 
S&uuml;nde gerichtet, und der S&uuml;nder gerettet wird. 
 
<p>"Wenn Vernunft von Christi Leiden und von dessen Nutzen spricht, 
will sie sich von au&szlig;en weiden in dem Trost, den sie erdichtet. 
Aber meines Geistes Sehnen zielt auf die Gemeinschaft hin, stets 
zum Sterben zu gew&ouml;hnen den so tief verderbten Sinn." 
 
<p>Freilich hat nicht alles Leiden am Fleisch die Wirkung, da&szlig; man 
aufh&ouml;rt zu s&uuml;ndigen; bei, Manchem macht es kaum einen kleinen 
Stillstand im S&uuml;ndigen, oder einen Wechsel, da&szlig; man von der Lust 
des Fleisches mehr in den Grimm des Fleisches f&auml;llt. Aber wer mit 
Christi Leidenssinn gewaffnet am Fleisch leidet, den zieht es 
freilich in eine sonstige kr&auml;ftige Gemeinschaft, wodurch nach 
<i>R&ouml;m. 6:6-11</i>. der S&uuml;ndendienst in der Wurzel angegriffen, und so 
geschw&auml;cht wird, da&szlig; es ein Aufh&ouml;ren von S&uuml;nden zu hei&szlig;en 
verdient. Doch wird das Fleisch auch durch einen merklichen 
Leidensdruck weder aufgerieben noch sonst ver&auml;ndert, sondern was 
es auch nach einem &uuml;berstandenen Leiden hinfort zu leben gibt, das 
hei&szlig;t doch noch im Fleisch, und mithin auch unter den Anf&auml;llen und 
Versuchungen desselben gelebt; aber weder unter des eigenen - noch 
viel weniger Anderer Fleisches Willen gibt man Sich mehr hinunter, 
sondern GOttes Wille beh&auml;lt durch den willigen Geist die Oberhand. 
O wohl, wenn nur einmal ein solches Ziel gesteckt wird: Es ist 
genug! Auch solche, die sich r&uuml;hmten, Abraham zum Vater zu haben, 
konnten in heidnischen Willen, L&uuml;ste und Sorgen geraten, wie jetzt 
mitten in der Christenheit der R&uuml;ckfall in heidnischen Unglauben 
auch solche heidnische Laster nach sich zieht, da&szlig; aller Umgang, 
unm&uuml;&szlig;iges Umlaufen, f&uuml;rwitziges B&uuml;cherlesen auf Erwecken der 
L&uuml;ste, und auf Mittel, selbige zu b&uuml;&szlig;en, eingerichtet ist. Der 
Apostel nennt nicht umsonst die Trunkenheit, oder alle &Uuml;berma&szlig;, 
die man in seinem eigenen Hause begehen kann, besonders, und 
unterscheidet sie von Fresserei und Sauferei, die in 
Gesellschaften und dazu angestellten Zusammenk&uuml;nften getrieben 
wird. Unter der Beredung, da&szlig; man sich &uuml;ber alle dergleichen 
unsauberen Werke der Finsternis keines Mi&szlig;fallens noch Zorns 
GOttes zu besorgen habe, liegt eine so greuliche Abg&ouml;tterei, als 
wenn man ehmalen einen Bachus oder eine Venus auf dem Altar 
angebetet hat. Bei der Ver&auml;nderung des Sinnes weicht man nicht nur 
vom B&ouml;sestun, sondern auch von b&ouml;sen Menschen, tritt nimmer auf 
den Weg der S&uuml;nder, wird ihnen fremd, und l&auml;&szlig;t sie es befremden, 
da&szlig; man sie und ihr Tun meidet, wie einen Unflat, und da&szlig; uns das 
Laufen, die Menge, die vielen Beispiele, die lange Gewohnheit 
nimmer so leichtlich ber&uuml;cken kann. Weil wir uns aber beim 
Abtreten von der Ungerechtigkeit. doch zuweilen verz&ouml;gerten, so 
mu&szlig; uns oft die Welt durch ihr L&auml;stern schneller von sich sto&szlig;en. 
Wer aber solches L&auml;stern, Bez&uuml;cht des Hochmutes und der Heuchelei 
vermeiden, und deswegen sich zu mehrerer Gleichstellung mit der 
Welt bequemen will, der st&uuml;rzt sich in eine viel schrecklichere 
Heuchelei, wodurch er seine aus GOttes Wort und Geist gcfa&szlig;te 
bessere &Uuml;berzeugung gef&auml;hrlich unterdr&uuml;cken und verbergen m&uuml;&szlig;te. 
Es ist freilich auch unter Weltmenschen noch ein manchfaltiger 
Unterschied. Einige afterreden aus Unwissenheit, k&ouml;nnen aber noch 
eines Andern berichtet werden, <i>1. Petr. 2:12</i>. Andere schm&auml;hen den 
guten Wandel, werden aber dar&uuml;ber noch in der Zeit zu Schanden, 
lassen etwa auch ab, <i>1. Petr. 3:16</i>. Andere aber sind hartn&auml;ckiger, 
wissen sich mehr Schein des Rechtens zu geben, nehmen oft von 
einem Umstand eures vergangenen Lebens her Vorwand, darum ihr 
nicht unschuldig seid, oder ergreifen wohl gar das, das Gottes 
Gericht an euch anfangt, V.17. Da ist wohl keine andere Auskunft, 
als GOttes k&uuml;nftiges Gericht und ihr Rechenschaft geben vor 
demselben, <i>Matth. 12:36</i>. Und auf das darf man sich die Weile 
nicht lange sein lassen. Der Richter ist vor der T&uuml;r, und bereit 
zu richten. Es ist nahe gekommen das Ende aller Dinge, V.7. Und 
noch n&auml;her ist die Zeit, da&szlig; anf&auml;het das Gericht am Hause GOttes, 
V.17. Menschen richten selten ein recht Gericht; entweder sind sie 
aus Abneigung froh, wenn wider einen Christen nur Etwas mit 
einigem Schein kann aufgebracht werden; oder fallen sie mit einer 
Vorneigung nur auf die Unschuld der Verl&auml;sterten hinein, und sehen 
an dem L&auml;sterer nichts als Feindseligkeit; aber GOttes Gericht 
geht nach der Wahrheit, und &uuml;bersieht selbst an den durch das 
Evangelium Berufenen nicht, wenn irgend etwas Anst&ouml;&szlig;iges mit 
untergelaufen ist, das ein g&ouml;ttliches Gericht &uuml;ber sie erwecken 
k&ouml;nnte; sonst k&ouml;nnte Er nicht aller Welt Richter sein. Da&szlig; es hier 
hei&szlig;t: Er sei bereit zu richten die Lebendigen und die Toten, kann 
zwar auch von jenem allgemeinen Gericht verstanden werden, nach 
welchem es ein Hauptst&uuml;ck der Predigt des Evangeliums von Christo 
ausmacht, da&szlig; Er verordnet sei von GOtt ein Richter der Lebendigen 
und der Toten; daher wir auch nach unserm christlichen 
Glaubensbekenntnis Ihn so vom Himmel erwarten. Hier aber, wenn wir 
uns ganz in die Reihe der Gedanken des Apostels hineinstellen, hat 
man bei dem Richten der Lebendigen und der Toten auch an die 
fr&uuml;heren Gerichte zu denken, die im Leben, Leiden und Sterben 
ergehen, und woran man oft einen Vorwand zum L&auml;stern nimmt, wie an 
JEsu eigenem Leiden und Tode. Denn es wird hier das Richten der 
Lebendigen und der Toten vom Ende aller Dinge so unterschieden, 
wie bald hernach, V.17., das am Hause GOttes anfangende Gericht 
vom Ende derer, die dem Evangelium nicht glanben. In gleicher Art 
wird auch, <i>R&ouml;m. 14:7</i>, JEsu Herrschaft &uuml;ber Lebendige und Tote 
angezogen, als der Grund da&szlig; wir uns nicht selbst leben oder 
sterben, sondern lebendig und tot sein seien. So kann man auch 
hier sagen: Alles, was im Sichtbaren und Unsichtbaren an unserm 
Fleisch zum Richten und Ert&ouml;ten, und an unserm Geist zum Leben 
vorgeht, und was Beides auch zum &Uuml;berwinden unsers Verkl&auml;gers und 
zum Verstummen unserer L&auml;sterer beitr&auml;gt, das geh&ouml;rt unter das 
Richteramt JEsu &uuml;ber die Lebendigen und Toten. Darum f&uuml;hrt nun der 
Apostel gleich im N&auml;chstfolgenden von diesem Richteramt JEsu nicht 
eine - erst auf jenen Tag vorbehaltene Probe an, sondern weiset 
auf das was best&auml;ndig im Gang ist, und das auch jenen L&auml;sterern 
gleich bei ihrem &Uuml;berschritt in die Ewigkeit einen h&auml;rtern Stand 
machen kann, als man nicht bedenkt. Er sagt n&auml;mlich: Den Toten, 
die unter einem &uuml;ber sie ergangenen Gericht schnell aufgetrieben 
worden sind, oder bei denen doch abwechslungsweise ihr Leiden bis 
in den Tod angehalten hat, da&szlig; sie so wenig als ihr am Kreuz 
ert&ouml;teter HErr vom Kreuz steigen durften, an denen mithin die 
L&auml;sterer den scheinbarsten Vorwand nahmen, ihr Ende f&uuml;r eine 
Schande zu achten,und aus demselben den Verdacht auf das 
Evangelium zu bringen, da&szlig; nichts aus dem geworden sei, auf was 
sie gewartet haben, und ihr Hoffnungsgrund also eitel gewesen. 
Jetzt auch solchen, in ihrem Leben und allermeist auch in ihrem 
Tobe, Verl&auml;sterten ist das Evangelium nicht vergeblich geprediget, 
und ihr daraus gefa&szlig;ter Glaube ist nicht eitel. Denn der Zweck des 
Evangeliums geht &uuml;ber Todesleiden und &uuml;ber alle daher genommene 
L&auml;sterung weit hinaus; das, wozu ihnen Evangelium verk&uuml;ndiget 
worden ist, haben sie nun auch im Zustand nach dem Tode zu 
genie&szlig;en. N&auml;mlich des Evangeliums und ihres Glaubens daran 
ungeachtet sind sie doch am Fleisch gerichtet worden; aber auch 
des erlittenen Gerichts ungeachtet stehen sie doch im Segen des 
Evangeliums. Das Evangelium hat Sie zur Gemeinschaft des Sohnes 
GOttes berufen, da&szlig; sie durch Diesen sollten GOtt zugef&uuml;hret 
werden, aber auf den wohl abgemessenen Schritten der Gemeinschaft 
seiner Leiden und der &Auml;hnlichkeit seines Todes. So wenig ihrem 
HErrn und Haupt sein Ert&ouml;tetwerden am Fleisch <i>1. Petr. 3:18</i>, 
geschadet hat, so wenig schadet es ihnen, da&szlig; sie gerichtet am 
Fleisch hei&szlig;en. Was die Menschen hieraus f&uuml;r Anla&szlig; zum L&auml;stern 
nehmen, das ist unbefugt, und wird durch GOttes, nach der Wahrheit 
gehendes, Gericht genugsam ersetzt. Denn eben, da sie im Tode 
gerichtet sind, und von l&auml;sternden Menschen so unrecht angesehen 
werden, da genie&szlig;en sie wirklich des Evangeliums und alles des 
Guten, wozu es ihnen geprediget worden ist, n&auml;mlich die ihnen im 
Evangelio zuerkannte Gemeinschaft mit Christo, da es von Ihm hie&szlig;: 
Lebendig gemacht am Geist, nach welcher es nun auch von ihnen 
hei&szlig;t: im Geist GOtte leben. Kraft des Evangeliums und ihres 
Glaubens daran sind sie vom Tod und Gericht in das Leben 
hindurchgedrungen; ihre L&auml;sterer werden nicht bestehen, noch mit 
einiger Rechenschaft aufkommen k&ouml;nnen. Eben die Art, wie das 
Evangelium an ihnen, unter Gericht und Fleisch, doch zum Leben am 
Geist vor GOtt kr&auml;ftig geworden ist, wird sie so besch&auml;men, da&szlig; 
GOtt mit seinen Heiligen und Gl&auml;ubigen Recht behalten wird. So 
selten eine dergleichen Nachricht vom Zustand nach dem Tode ist, 
und so gern wir dieselbige weiter fortgesetzt w&uuml;nschten; so 
schnell bricht Petrus ab, und bezieht sich auf den nahe kommenden 
Tag JEsu Christi, der aller Dinge ein Ende machen werde. Dessen 
Licht war den Aposteln in ihrem Herzen und Munde so nahe, da&szlig; sie 
vom Zustand nach dem Tode, ob in demselben auch noch so viel 
Wichtiges vorgehen mag, doch nicht viel Worte machen, sondern mehr 
auf das Ende aller Dinge, auf den Tag, der dem ganzen Werke GOttes 
die Krone aufsetzen wird, hinausweisen. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Petrus 4,8-11</font></b></h4> 
 
<p><b>Bei wem das Leiden am Fleisch die gute Wirkung gehabt, und ihn von der 
S&uuml;nde ab - hingegen auf den Sinn gebracht hat, das &Uuml;brige dem Willen 
GOttes zu leben, und sich auf das herannahende Ende aller Dinge in 
Bereitschaft zu setzen, dem gibt nun der Apostel eine n&auml;here 
Anweisung, worin er diesen neuen Sinn haupts&auml;chlich &uuml;ben k&ouml;nne.</b></p> 
 
<p>Beten und Wachen nimmt der liebe Heiland selbst in seinen Reden 
zusammen, und warnet, da&szlig; das Herz nicht beschwert werde mit Fressen 
und Saufen, und mit Sorgen der Nahrung. Denn dergleichen heftige, das 
Gem&uuml;t sehr zerteilende Affekte sind gegen die zum Gebet n&ouml;tige 
N&uuml;chternheit. Paulus hei&szlig;t, </font>1. Tim. 2:8</font>, beten ohne Zorn und Zweifel; 
und <i>Jak. 4:3</i> wird vor dem gewarnet, was da hei&szlig;t: &Uuml;bel beten, 
n&auml;mlich dahin, da&szlig; man es mit seinen Woll&uuml;sten verzehre, d. i. da&szlig; man 
dadurch in Erhebung, in gewaltiges Durchtreiben seiner Absichten 
gerate, Andere verdunkeln und verdr&auml;ngen wolle. Was hat der Geist bei 
Manchem noch f&uuml;r Ha&szlig;, Neid und Eifersucht zu d&auml;mpfen, bis es eine 
n&uuml;chterne Herzensfassung abgibt. Es darf oft nichts Gro&szlig;es, 
Unterschied der Meinungen, Gaben und Beifall anbetreffen; es d&uuml;rfen 
oft nur zwo M&auml;gde nebeneinander dienen, davon die eine immer wohler 
daran sein, und ihre Sache gescheidter in das Gesicht richten will: so 
mu&szlig; GOtt oft Jahr und Tag einem solchen eigenliebigen Gesuch 
widerstehen, und es kommt kein n&uuml;chternes Gebet auf. Was die Liebe im 
menschlichen Leben erleichtert, das erf&auml;hrt man etwa noch an der durch 
den Finger GOttes in das Herz geschriebenen Liebe zwischen Eltern und 
Kindern, Ehegatten und Geschwistern, wenn selbige durch Wort GOttes 
und Gebet erhalten wird. Zu welch t&auml;glicher und n&auml;chtlicher M&uuml;he, zu 
welchem Wohlmeinen mit einander, zu welchem Teilnehmen kann es uns 
st&auml;rken! Jetzt, wenn sich die br&uuml;nstige Liebe auch so &uuml;ber Andere 
ausbreitete, so k&ouml;nnte sie mir meinen ganzen Christenlauf in seinem 
ganzen Umfang erleichtern: Denn was mit Liebe angegriffen, und mit 
anhaltender Liebe durchgesetzt wird, das geschieht noch so leicht. Was 
aber die Liebe erm&uuml;den kann, ist das &ouml;ftere an einander, Versto&szlig;en und 
Beleidigen. Der Apostel sagt aber: Der Anblick an das nahe kommende 
Ende aller Dinge; das Angedenken an Den, der bereit ist zu richten die 
Lebendigen und die Tobten, kann die Liebe auch st&auml;rken, da&szlig; sie eine 
Menge solcher Anst&ouml;&szlig;e bedeckt, nicht zurechnet, nicht nachrechnet, 
Herz und Auge davon abwendet, das Gem&uuml;t nicht durch Ausbreiten 
derselben immer mehr verwundet und entz&uuml;ndet, vielmehr mit Abbitte und 
F&uuml;rbitte bei GOtt immer mehr dazwischen tritt. Ohne br&uuml;nstige Liebe 
kann aus &Uuml;bung der Christenpflichten so Etwas werden, was man sonst 
hei&szlig;t: Schanden halber Etwas tun; und das hinterl&auml;&szlig;t im Gem&uuml;t ein 
Murmeln, Beschweren &uuml;ber Ungleichheit und daraus entstehendes Erm&uuml;den. 
Aber das nahe Ende, die Stimme des Richters: Ich bin ein Gast gewesen, 
und ihr habt mich beherberget, macht fr&ouml;hliche Geber. Die br&uuml;nstige 
Liebe setzt auch Gr&ouml;&szlig;ere und Vorsteher so herunuter, da&szlig; sie an Andern 
nicht ihre Autorit&auml;t behaupten, noch sonst Vorteil suchen, sondern 
sich eigentlich zum Dienst Anderer, deren ihr Bestes zu suchen, 
gesetzt achten; wie der liebe Heiland von seinem Gang unter seinen 
J&uuml;ngern sagen konnte: Ich bin unter euch wie ein Diener. Deswegen sind 
auch die Gaben so unterschiedlich ausgeteilt, da&szlig; Keiner den Andern 
entbehren kann, oder verachten soll, sondern die Gaben zusammenflie&szlig;en 
sollen wie die Kr&auml;fte der Glieder Eines Leibes. Was aber Jeder 
empfangen hat, das hat er auf Haushalters Treue und Rechung empfangen; 
nicht nach seinem Willen und Gutd&uuml;nken, nicht zu seiner Ehre und 
Vorteil, sondern dem Hausherrn br&auml;uchlich anzulegen. - Das &ouml;ffentliche 
Reden in der Gemeinde war zwar damals noch nicht so an Einen gebunden, 
wie jetzt. Doch arbeiteten schon damals auch Manche vorz&uuml;glich am Wort 
und an der Lehre. Wer nun nach seines Amtes Pflicht, oder nach einer 
sonstigen Anregung des Geistes redet, der soll GOttes Rat, Sinn und 
Willen mit Worten, die der Heilige Geist lehret, vortragen, wovor man 
seine Scheue und Achtung nicht besser beweisen kann, als wenn man 
ihnen ihre Lauterkeit l&auml;&szlig;t, <i>2. Kor. 2:17</i>. Au&szlig;er dem Worte und Lehre 
aber gibt es noch sonst manches Amtliche zu besorgen, und in Ordnung 
zu halten, und dabei soll man auf GOttes Beistand getrost, 
gewissenhaft und treu sein. Denn durch der Menschen Fall in die 
Finsternis, Neid, Ha&szlig;, Eigensucht ist die Ehre, die GOtt vom Menschen 
haben soll, sehr unterbrochen worden. In Christo JEsu hat GOtt seine 
Ehre wieder gerettet; durch den Glauben f&auml;ngt man an, GOtt wieder Ehre 
zu geben, da&szlig; Er sich seiner Werke annehme. Und wer auf diesem Weg ein 
Gef&auml;&szlig; der Barmherzigkeit zu seiner eigenen Rettung wird, den bereitet 
GOtt gewi&szlig; auch zu einem Werkzeug der Gnade an Andern, und richtet es 
also ein, da&szlig; durch manchfaltige Gnade auch vielfacher Preis derselben 
entstehe. Auf was es am Ende und von Ewigkeit zu Ewigkeit hinauslaufen 
wird, auf das richtet es ein gl&auml;ubiges Herz schon jetzt ein, da&szlig; Alles 
auf GOtt in Christo als auf seine Ouelle, woraus es uns zugesto&szlig;en 
ist, mit Danken zur&uuml;ckgef&uuml;hrt werde. Unter den Menschen ist es so: Ein 
Jeder will mit seiner Arbeit allen andern Arbeitern den Vorzug 
streitig machen; unter den Christen aber ist es so: Ein Jeglicher will 
gern mit der Gabe, die ihm GOtt gegeben hat, den Andern dienen, damit 
es nicht hei&szlig;e: Dieser oder Jener hat es allein getan, sondern damit 
es am Ende hei&szlig;e: Wir haben miteinander gearbeitet; Jeder hat nach dem 
- von GOtt dargereichten Verm&ouml;gen Etwas dazu beigetragen, da&szlig; in allen 
Dingen GOtt gepreiset werde durch JEsum Christ. O GOtt! Segne uns in 
Christo JEsu mit Allem, was Dir gef&auml;llt. Gib uns So viel Kraft und 
Weisheit, als uns not ist, in dem Stand, darein Du uns Dir zu dienen 
gesetzt hast. Zeige uns die Fu&szlig;stapfen Deines Sohnes, Ihm treulich zu 
folgen! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Petrus 4,12-19</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel beschlie&szlig;t seine umst&auml;ndliche Abhandlung vom Leiden der 
Christen und ihrem Verhalten darunter, und weiset sie besonders an, 
wie sie auch unter der gerichtlichen Z&uuml;chtigung GOttes doch nicht 
scheu werden, sondern ihren Unterschied von der ungl&auml;ubigen Welt 
zuversichtlich behaupten sollen.</b></p> 
 
<p>F&uuml;r allen Ha&szlig; der Welt, und was sie einem anlegen kann, hat der 
HErr JEsus durch das unter den Seinigen so best&auml;tigte Liebesgebot 
reichlichen Ersatz getan. Und noch jetzt unterh&auml;lt Er durch Seinen 
Geist so viel Verstand von dem Geheimnis des Kreuzes, da&szlig; Sich 
Andere von denen im Leiden stehenden Gliedern nicht abziehen, 
sondern vielmehr oft zu desto br&uuml;nstigerer Liebe gegen sie erweckt 
werden, wie auch die Ansprache: Ihr Lieben! aus solcher flie&szlig;t. 
Die mancherlei Tr&uuml;bsale hei&szlig;t der Apostel eine Hitze oder ein 
Feuer, teils um der schmerzlichen Empfindungen willen, die dadurch 
veranla&szlig;t werden, teils auch wegen der reinigenden und bew&auml;hrenden 
Kraft und Absicht, so sie mit sich f&uuml;hren. Als eine empfindliche 
Hitze verzehren sie freilich des Menschen Sch&ouml;ne und Gestalt; man 
findet sich darunter so ausgetrocknet als eine Scherbe, das Herz 
wird oft im Leibe wie zerschmolzenes Wachs. Als ein 
L&auml;uterungsfeuer scheiden sie das ab, was zu dem - aus dem 
Evangelium gefa&szlig;ten Hoffnugsgrund Unrichtiges, &Uuml;bereiltes, auf das 
Fleisch Zielendes sich geschlagen hat, bew&auml;hren aber das 
Rechtschaffene, und widerlegen also der Welt und ihres F&uuml;rsten 
Anklage und L&auml;sterung, als ob gar nichts die Probe Haltendes an 
ihnen w&auml;re. 
 
<p><i>1. Joh. 3:13</i> hei&szlig;t es vom Ha&szlig; der Welt: Verwundert euch nicht; 
hier von andern Arten der Tr&uuml;bsalen: Lasset es euch nicht 
befremden; deutet nicht, als ob es noch, Niemand so ergangen sei; 
lasset uns aufsehen auf JEsum; nehmet zum Beispiel der Geduld und 
des Leidens die Propheten, die vor euch gewesen sind; lernet 
Leiden und Herrlichkeit zusammenreimen; nehmet das Wort auf 
welches euch GOtt l&auml;&szlig;t hoffen, mit hinunter in den Tigel der 
Hitze, das wird euch GOttes Sinn nicht nur erkl&auml;ren, sondern an 
euch ausf&uuml;hren, wie an Joseph. Was w&auml;re es mit aller vorgegebenen 
Demut, Sanftmut, Geduld und allen &uuml;brigen Christentugenden, wenn 
sie nicht ihre Bew&auml;hrung unter Leiden, Verfolgungen und 
L&auml;sterungen erhielten? Darum mu&szlig; einem Menschen Manches zur 
Versuchung widerfahren. Wie ist es aber mit dem Folgenden: Freuet 
euch da&szlig; Christo leidet? ist das nicht zu viel gefordert? Du hast 
das gar nicht als eine Forderung anzusehen. Denn auch Traurigkeit 
unter den Anfechtungen wird Niemand verargt, <i>1. Petr. 1:6</i>. Aber 
eine Einladung ist es, was du tun d&uuml;rftest, was dem ganzen Sinn 
Christi gem&auml;&szlig; w&auml;re, <i>Luk. 6:22</i> , was du auch tun werdest, so 
bald der willige Geist sich bei dir durchgek&auml;mpft hat. Man leidet 
mit Christo, wenn man als sein Knecht &uuml;ber seiner Nachfolge das 
N&auml;mliche erduldet, was &uuml;ber Ihn den HErrn ergangen ist. Man leidet 
aber auch mit Christo, wenn man nur andere Leiden am Fleisch, 
Krankheiten und dgl. mit Christi Sinn ansieht, des Vaters Namen, 
sein Gericht, darunter heiliget, und erkennt, wie dem Geist 
darunter Luft gemacht werden m&uuml;sse. Auch nur Christi Offenbarung 
in der Herrlichkeit ist schon Anla&szlig; zu vieler Freude und Wonne; 
aber auch unser Offenbarwerden mit Ihm in der Herrlichkeit gew&auml;hrt 
uns unaussprechliche und herrliche Freude. Das b&ouml;se W&uuml;rzelein in 
uns, da&szlig; man sich des Guten sch&auml;mt, und nirgends gewissenhafter 
handeln will, als es uns Andere guthei&szlig;en, sich also von Allem 
abzieht, worauf die Welt einen Verdacht des Sonderlichen legt, ist 
gar sch&auml;dlich; deswegen mu&szlig; so oft ein starker Gegenzug auf das 
Seligsein beim Leiden um der Gerechtigkeit willen geschehen. Der 
Geist wird als der gro&szlig;e Beweger aller himmlischen Kr&auml;fte 
angegeben, besonders aber auch als der Ursprung aller Freude und 
festgehaltenen Hoffnung, <i>R&ouml;m. 5:3, 5 ; 8:23, 26 ; 15:13</i>. Hier 
hei&szlig;t Er ein Geist der Herrlichkeit und GOttes, weil Er uns GOtt 
und seinen Willen, und da&szlig; unser Leiden nach GOttes Willen sei, 
verkl&auml;ret, aber auch uns, mit unserer Hoffnung und unsern Seufzern 
Ansprache an die Herrlichkeit machen lehrt. Vom Geist hei&szlig;t es 
etwa sonst er wohnet in euch, ihr seid mit ihm versiegelt; hier 
aber um seiner herzstillenden Kraft willen: er ruhet auf euch. Bei 
den Feinden war der Name Christi so verl&auml;stert, da&szlig; man Jemand mit 
dem Namen eines Christen zu schm&auml;hen meinte ; wer aber im Glauben 
stand, machte sich aus dem eine Ehre, womit ihm Andere Schande 
anzutun glaubten. Weil aber das Leiden aus der Gemeinschaft des 
Kreuzes Christi so eine W&uuml;rde hat, so soll man es ja nicht 
vermengen mit dem, in was man sich durch &Uuml;beltat st&uuml;rzen kann. Wer 
zur Zeit seiner Unwissenheit in so Etwas hineinger&auml;t, und empf&auml;ngt 
dar&uuml;ber, was seine Taten Wert sind, dem kann zwar ein dergleichen 
Leiden durch Bu&szlig;e und Gebet auch noch so gesegnet werden, wie dem 
einen Sch&auml;cher. Hier aber ist von bereits wirklichen Genossen des 
himmlischen Berufes die Rede; diese sollen auf die Lehre GOttes 
und ihres Heilandes keine solche Schmach bringen, da&szlig; sie um 
&Uuml;beltat willen leiden. 
 
<p>Die &ouml;fteren Warnungen, <i>1. Petr. 2:20 ; 3:17</i>, geben zu erkennen, da&szlig; 
man deshalb nicht sicher sein d&uuml;rfe. Verdacht, Beschuldigung, und 
dadurch unter die &Uuml;belt&auml;ter gerechnet werden, kann ein Christ bei der 
Welt nicht vermeiden; aber der Tat solle er nicht &uuml;berf&uuml;hrt werden 
k&ouml;nnen. In ein fremdes Amt greifen kann mit mehr Schein des Rechten, 
oft mit Anma&szlig;ung eines besonderen Eifers geschehen. GOtt zeigt aber 
gemeiniglich, da&szlig; Er eine solche Anma&szlig;ung nicht unterst&uuml;tze. Unserem 
lieben Heiland sind mehrmalen solche Versuchungen gelegt worden, da er 
eine streitige Erbschaftssache schlichten, ein im Ehebruch ergriffenes 
Weib verurteilen sollte und dgl. Er ist aber immer weislich 
ausgewichen. - Unser bl&ouml;des Herz und Anderer Urteile wollen zwar auch 
gegen das Christenleiden, d. i. gegen das Leiden um der Gerechtigkeit 
willen, <i>1. Petr. 3:14</i>, so eine Scheue aufr&uuml;hren; der Apostel aber 
sagt: Man k&ouml;nne sich GOttes auch unter den Tr&uuml;bsalen r&uuml;hmen, 
<i>R&ouml;m. 5:3, 11</i>. Nicht, da&szlig; man aus seinem Leiden Bruchst&uuml;cke einer 
eigenen Gerechtigkeit aufrichten, sondern da&szlig; man GOtt &uuml;ber Seinem 
Gnadenrat in Christo Ehre gebe, nach welchem Er uns durch Leiden zur 
Herrlichkeit leitet. - Auch Christenleiden, Leiden nach GOttes Willen, 
V.19, hei&szlig;t der Apostel ein - am Hause GOttes anfangendes Gericht. Man 
sollte nicht so delikat sein, da&szlig; man bei seinem Leiden an nichts 
Gerichtliches denken wollte. Es m&uuml;ssen Jedem Herzensgedanken, die man 
sonst nicht gerne vor sich kommen lie&szlig;e, offenbar werden. Unter dem 
Gericht sucht GOtt Etwas zu retten, das sein - aber unter Werken des 
Teufels verwickelt ist aus denen es mu&szlig; herausgesch&auml;lt und abgetrennt 
werden. Zum Hause GOttes werden, <i>1. Petr. 2:5</i>, auserkohrene Seelen 
gerechnet. Der ganzen Sache halber aber vergleiche man, was 
<i>Jer. 25:29 ; 45:4 ; 49:12</i> zu lesen ist. Der Apostel schlie&szlig;t sich 
ja selbst durch den Ausdruck: an uns, unter das ein, was er vom Hause 
GOttes gesagt hat. Bald nach der schrecklichen Verfolgung der Christen 
unter dem Kaiser Nero ist der endliche Zorn &uuml;ber Jerusalem und das 
j&uuml;dische Volk gekommen. Mancher preiset sich gl&uuml;cklich, und schreibt 
es seiner Klugheit zu, da&szlig; er so mancher Gemeinschaft der Leiden 
Christi ausweichen k&ouml;nne. Aber alle Ruhe, Gem&auml;chlichkeit und Vorteil, 
so man sich durch ungl&auml;ubiges Entziehen vom Evangelium verschafft, 
soll uns verd&auml;chtig sein. Was um dieselbige Zeit f&uuml;r besondere 
Versuchungen und Verf&uuml;hrungsKr&auml;fte sein werden, hat unser lieber 
Heiland nach <i>Matth. 24:24</i> selbst angedeutet, und &auml;hnliche Winke auch 
von den letzten Zeiten gegeben, <i>Matth. 25:5, 9</i>. Das verursachte, da&szlig; 
auch Gerechte kaum erhalten wurden, welchen sonst ein reichlicher 
Eingang in das ewige Reich, <i>2. Petr. 1:11</i>, verhei&szlig;en ist. - Wer wird 
bestehen? wo wird man erscheinen? Das sind Fragen, die allen aus 
Sicherheit angema&szlig;ten Mut gewaltiglich darnieder schlagen. Der 
endliche, V.19, aus Allem gezogene Schlu&szlig;; bezieht sich gar deutlich 
auf das Vorhergehende. Was kurz zuvor noch ein Gericht hei&szlig;t, f&uuml;hrt 
jetzt den lindernden Namen: ein Leiden nach GOttes Willen. Wie denn 
auch beim Gericht nicht ausdr&uuml;cklich stand: Gericht GOttes, weil sich 
auch andere H&auml;nde darein schlagen. Nun aber wird GOttes wohlmeinender 
und wohlmachender Wille versichert. -- Unter der Aufgabe: GOtt seine 
Seele befehlen, geschieht eine sanfte Anmahnung an den Tod, wobei das 
Abscheiden und die &Uuml;bergabe in andere H&auml;nde eigentlich vorgeht, 
<i>Luk. 23:46</i>. An seinem in des Vaters H&auml;nde &uuml;bergebenen Geist ist 
Christus lebendig gemacht worden, <i>1. Petr. 3:18</i>. Auch die am Fleisch 
gerichteten Gl&auml;ubigen leben Gott am Geist, <i>1. Petr. 4:6</i>. Das kann uns 
unter dem empfindlichsten Leiden und unter der auch im Innern 
brennenden Goldschmiedsglut sehr halten, da&szlig; wir das Vertrauen nicht 
wegwerfen. Unter den tiefsten Zermalmungen kommt man so auf seinen 
kleinen Kinder=Glauben zur&uuml;ck, da&szlig; man GOtt als seinen Sch&ouml;pfer, der 
uns aus Mutterleibe gezogen, der unsere Zuversicht an unserer Mutter 
Br&uuml;sten war, <i>Ps. 22:10</i>, der die Seele gegeben, und sie nun 
zur&uuml;ckfordere, <i>Pred. 12:7</i>, der aber als ein getreuer Sch&ouml;pfer uns 
nicht zum Zorn gesetzt habe, <i>1. Thess. 5:9</i>, und der uns mit aller, 
V.23-24, zugesagten Hilfe nicht verlassen werde, da sie uns nun am 
n&ouml;tigsten ist. Der Beisatz: in guten Werken, verh&uuml;tet, da&szlig; man dies 
Befehlen der Seele nicht auf die letzten Z&uuml;ge hinausschiebe, und 
inzwischen ein unfruchtbarer Baum bleibe, sondern da&szlig; man als Einer, 
der dem Guten nachgekommen, <i>1. Petr. 3:13</i>, auch vom Leiden und Tod 
angetroffen werde. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Petrus 5,1-4</font></b></h4> 
 
<p><b>Unter den n&ouml;tigen Ermahnungen und Warnungen mit denen sich der erste 
Brief Petri zu seinem Ende neiget, geht die erste auf die Hirten und 
Lehrer, und muntert sie zu redlicher Ausrichtung ihres Amtes mit einer 
vorgehaltenen gro&szlig;en Verhei&szlig;ung auf.</b></p> 
 
<p>&Auml;lteste konnten sie dem Amt nach, V.2., aber auch den Jahren nach, 
V.5, sein. Denn da man ehmalen die Arbeit am Worte und an der Lehre, 
und auch andere Besorgungen den bew&auml;hrtesten Gemeinde Gliedern 
auftrug, so konnten sie oft dem Amt und den Jahren nach die &Auml;ltesten 
sein. Da solchen, sonderlich heutiges Tages, Niemand prediget, so hat 
ihnen der Geist Christi im Worte der Wahrheit zum Voraus so viel 
geprediget. Wohl Jeglichem unter ihnen, dem das alle Morgen Herz und 
Ohr weckt! In welches &Ouml;l der Sinnes=Niedrigkeit und Lindigkeit taucht 
der Apostel seine Ermahnung ein. Alles Vorzugs der Gaben und Macht, 
womit er als ein Apostel ausger&uuml;stet war, vergi&szlig;t er, und stellt sich 
als einen Kollegen dieser &Auml;ltesten ins Gleiche mit ihnen. Wie 
&uuml;bertreibt man hingegen oft den Amts=Unterschied, der sich doch 
insgemein auf keine aus der F&uuml;lle JEsu ausgeflossene Gaben und 
Vorz&uuml;ge, sondern mehr auf weltm&auml;&szlig;ige Eitelleit gr&uuml;ndet. Petrus war 
Einer von denen, die bei Christus verharret haben in seinen 
Anfechtungen, die Ihn gesehen haben, wie Er unter ihnen war wie ein 
Diener; ja er hatte Christus auch am &Ouml;lberg und auf Golgatha im Leiden 
gesehen: Ihm hat aber auch der Heilige Geist die Ursache, Kraft und 
Frucht des Leidens aufgeschlossen, und ihn damit zum Zeugen davon 
ausger&uuml;stet. Er hat aber auch die Gemeinschaft dieser Leiden 
erfahrungsm&auml;&szlig;ig verstanden, und war mit demselbigen Sinn gewaffnet, in 
welchem Christus gelitten hat, mithin hie&szlig; er in gro&szlig;em Nachdruck ein 
Zeuge der Leiden, die in Christo sind. Schon die erste Anzeige seines 
bevorstehenden Leidens beleuchtete der liebe Heiland mit einem 
Vorblick seiner Herrlichkeit bei der Verkl&auml;rung auf dem Berge, wovon 
Petrus auch ein auserkohrner Zeuge war. Und so &ouml;ffnet einem noch ein 
jeder Schritt in die Gemeinschaft der Leiden auch einen weitern 
Schritt in die Mitgenossenschaft der Herrlichkeit, und es macht, nach 
<i>Offenb. 1:9</i>, die ganze Gestalt des Christentums in diesem Leben aus, 
da&szlig; sich das K&ouml;nigreich oder die Hoffnung der zuk&uuml;nftigen Herrlichkeit 
durch die Tr&uuml;bsal mit der Geduld JEsu durchschl&auml;gt, bis die Tr&uuml;bsal 
&uuml;berstanden, und keine Geduld mehr n&ouml;tig ist. Dem Petrus selbst war, 
<i>Joh. 21:15</i>, das Weiden der L&auml;mmer und Schafe JEsu aufgegeben; und 
so fa&szlig;t er nun auch der &Auml;ltesten ganze Pflicht ins Weiden zusammen. Es 
ist auch wirklich Alles in diesem: Weidet die Herde, ausgedr&uuml;ckt, 
n&auml;mlich freie und volle Gelegenheit zu dem von Christo seinen Schafen 
bereiteten Leben, und zu seiner vollen Gen&uuml;ge, und das Abwenden von 
allem Gef&auml;hrlichen und Sch&auml;dlichen. Zugleich ist aber auch unter 
diesem Ausdruck: Weidet, angedeutet, da&szlig; bei diesem Gesch&auml;fte Alles 
sehr schonend und aus Liebe zu Christus, des die Schafe eigen sind, 
eingerichtet sein m&uuml;sse. Das Bestellen der Unterhirten und das 
Anbefehlen der Herde zu ihrem Weiden war die n&auml;chste Folge von dem 
Erh&ouml;hen des Erzhirten. Denn bei seinem Eingang in die Herrlichkeit 
setzte Er Hirten und Lehrer, <i>Eph. 4:11</i>. Jetzt hat freilich in 
diesem Befehlen der &Auml;mter auch die Welt viel Macht erlangt, und daher 
mutet sie einem Diener auch bei Ausrichtung derselben viel R&uuml;cksicht 
auf ihren Lauf zu. Wohl dem, der durch diese Nebel hindurchsieht, und 
sich Den, der ihm die Herde befohlen, und der beim k&uuml;nftigen Scheiden 
der B&ouml;cke von den Schafen darnach fragen wird, nicht verdecken l&auml;&szlig;t! 
Aber manchen Wecker: Sehet wohl zu! Habt Acht auf euch und Andere! 
bedarf man. Wie viel Bezauberndes, Einschl&auml;ferndes, die Augen mit 
Erm&uuml;den Deckendes ist um uns! O lieber aufsehen, als den HErrn reizen, 
da&szlig; sein Schwert &uuml;ber unsern Arm und &uuml;ber unser rechtes Auge kommen 
m&uuml;sse, <i>Zec 11:17</i>. Zur &Uuml;bernahme des Amtes ist ein Mancher jetzt 
willig, ja gibt sich wohl noch gar M&uuml;he darum; aber bei der F&uuml;hrung 
des Amtes geht es hernach doch gezwungen her, und ist wenig innere 
Freude und Willigkeit da. Der irdische Sinn, der nur gern nimmt und 
ungern gibt, richtet in allen St&auml;nden viel Elend an, doch allermeist 
bei b&ouml;sen Hirten, die GOttes Namen um einer Hand voll Gersten und 
Bissen Brotes willen entheiligen. Nahrung und Unterhalt aber vom 
Evangelium zu nehmen, ist nicht verboten, <i>1. Kor. 9:14</i>. - Zur 
Herrschsucht hat man auch das Evangelium Christi h&auml;ufig gemi&szlig;braucht, 
und es fehlt noch jetzt nicht an Versuchung dazu. Doch nimmt die 
empfindliche Welt von einem Knecht Christi aus Manches f&uuml;r 
Herrschsucht auf, was sie an Andern leicht vertr&auml;gt, wie schon Paulus, 
<i>2. Kor. 11:19</i> , zu erkennen gibt. Die Macht im Wort, die GOtt einem 
Diener verleiht, darf man sich nicht als Herrschsucht verd&auml;chtig 
machen lassen, wenn man nur sonst wei&szlig;, da&szlig; man damit nicht das Seine 
sucht. Vorbilder der Herde werden, verschafft die gem&auml;&szlig;este Autorit&auml;t, 
wobei man am Gewissen offenbar wird. An der jetzigen Verborgenheit des 
Erzhirten nimmt man freilich Anla&szlig;, ihn gar aus den Augen zu setzen. 
Aber Er wird erscheinen, und wir werden auch vor ihm offenbar werden. 
Sein Lohn ist bei ihm Seine Vergeltung vor ihm und wird hiermit auch 
uns als die unverwelkliche Krone der Ehren vorgehalten. O k&ouml;stliches 
Kleinod! aber auch Wert, da&szlig; man es ganz begehrt, und seine Hoffnung 
darauf nicht mit einem einzigen Griff nach einer verwelklichen Krone 
schw&auml;cht oder beflecket. Darum, ach, beh&uuml;t in; Gnaden, da&szlig; mein Herz 
nicht sei beladen mit der Erden Eitelkeit! 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Petrus 5,5-9</font></b></h4> 
 
<p><b>Ermahnung an die J&uuml;ngeren, da&szlig; sie untertan seien den &Auml;lteren, und da&szlig; 
&uuml;berhaupt Jedermann fest halte an der Demut, der herzbeschwerenden 
Sorgen sich entschlage, und wider den Teufel auf seiner Hut sei.</b></p> 
 
<p>Das Wort GOttes wendet sich mit seiner Ansprache an Aller Herz: denn 
kein Stand, wenn er auch noch so wohl besetzt w&auml;re, und das Seinige 
noch so treulich t&auml;te, kann es allein ausrichten, wenn ihm nicht auch 
die Anderen mit Liebe und Folgsamkeit begegnen. Wer seine Schwachheit 
kennt, wer gern an seine Fehler und &Uuml;bereilungen denkt, wer 
nachrechnet, wie leicht er auch seine guten Gaben mi&szlig;brauchen w&uuml;rde, 
wenn er nicht eingeschr&auml;nkt w&auml;re, dem wird untertan sein eine Wohltat. 
Wie der Unterschied des Alters eine Willigkeit, sich sagen zum lassen, 
begr&uuml;ndet, so gibt auch der Unterschied der Gaben, die brauchbare 
Ineinanderrichtung derselben Anla&szlig;, da&szlig; Keiner seine Vorteile zur 
Verdunklung des Andern mi&szlig;brauche, sondern man Alles zum gemeinen 
Nutzen zusammentrage. Demut, oder niedriger Sinn von sich selbst, 
Angedenken: was hast du, das du nicht empfangen hast? Redlichkeit, den 
Andern h&ouml;her zum achten, denn sich selbst, ist die s&uuml;&szlig;e Wurzel zu 
aller Untert&auml;nigkeit. Daran soll man gegen noch so scheinbare 
Vorw&auml;nde, die uns davon abtreiben wollen fest halten. In der Welt 
suchet man freilich einander zu bereden: man m&uuml;&szlig;e sich auch angreifen 
und vordringen, man k&ouml;nne GOttes Wollen machen, man m&uuml;sse nur nicht zu 
gewissenhaft dazu sein. Allein der Widerstand, den GOtt den 
Hoff&auml;rtigen tut, bleibt doch nicht aus. Macht doch GOtt der ganzen 
Welt und aller Nationen Rat zu Schanden, damit sein Rat ewiglich 
bestehe. GOtt, der Allerh&ouml;chste, tut gro&szlig;e Dinge durch die Dem&uuml;tigen; 
spricht ihnen in ihrer Niedrigkeit zu: la&szlig; dir an meiner Gnade gen&uuml;gen 
zeigt ihnen, wie unter ihrer Schwachheit GOttes Kraft zum Zweck komme. 
Wer unter GOtt gedem&uuml;tigt ist, der kann auch unter Andere untertan 
sein, und die Hand GOttes unter menschlichen Ordnungen und Schickungen 
merken. Es wird Alles leicht, wenn der Grund wohl gelegt ist: ich 
danke Dir, da&szlig; Du mich gedem&uuml;tiget hast; Du dem&uuml;tigest treulich, nach 
der Wahrheit, da&szlig; man sein Herz darauf ergeben, und Dein Wohlmachen 
darunter sp&uuml;ren kann. Hoffart, Trachten nach hohen Dingen, Bem&uuml;hen, 
seine Absicht zu erreichen usw., verursacht viel Sorgen. Demut und 
Freiheit von Sorgen ist beisammen. Der himmlische Vater wei&szlig;, was wir 
bed&uuml;rfen was uns nutz sei oder schade; Er l&auml;&szlig;t sich auch erbitten. Ein 
sorgenfreies Herz ist desto t&uuml;chtiger zum Wachen, <i>Luk. 12:22, 37</i>. 
Am Teufel einen Widersacher haben ist schwer; aber doch zehnmal 
besser, als seines Teils sein. Wenn es dir schwer werden will, seinen 
und seiner Werkzeuge Ha&szlig; und Widerspruch zu leiden, frage Dich nur 
gleich: m&ouml;chtest Du denn lieber seines Teils sein? Als ein Widersacher 
sucht er Recht, Ansprache und Anklage auf; als ein br&uuml;llender L&ouml;we 
wendet er Gewalt an. Durch Geiz, durch Sorgengift, durch Hoffart und 
dergl. in viele t&ouml;richte und sch&auml;dliche L&uuml;sten verwickeln, die 
Menschen in Ungehorsam und Unbotm&auml;&szlig;igkeit st&uuml;rzen, und damit nicht nur 
an der Seele Schaden tun, sondern Jemand seinen ganzen Gang umsto&szlig;en, 
so hat er schon Viele verschlungen. Der Glaube fa&szlig;t das Wort GOttes 
und den - im Wort angebotenen Sieg Christi &uuml;ber den Teufel, Der Glaube 
bringt das Gebet in Lauf, und damit geschieht Widerstand. Die 
Erinnerung an die Leiden, die &uuml;ber unsere Br&uuml;der in der Welt ergehen, 
mu&szlig; man nicht als einen elenden Trost wegschlagen, sondern merken, da&szlig; 
uns darunter das Siegel der Br&uuml;derschaft, und also auch der Kindschaft 
GOttes aufgedr&uuml;ckt, zugleich aber auch verh&uuml;tet wird, da&szlig; man sich 
&uuml;ber dergleichen Leiden nicht &auml;ngstiget, als ob man seinen Ruhm an 
Gott deswegen aufgeben m&uuml;&szlig;te, <i>Matth. 5:12 ; Phil. 1:30</i>, vielmehr 
daraus abnimmt: das gesetzte Ma&szlig; der Leiden wird inmittelst voll, und 
die herrliche Freiheit der Kinder GOttes bricht an. 
 
<h4><b><font color=#0000FF>Text: 1.Petrus 5,10-14</font></b></h4> 
 
<p><b>Der Apostel macht den v&ouml;lligen Beschlu&szlig; seines Briefes mit einem zum 
Segnen und fr&ouml;hlichen Lobe GOttes aufgeschlossenen Herzen, und gibt 
noch einen dienlichen Wink, wie sie diesen Brief an sie ansehen, und 
wozu sie ihn anwenden sollten; f&uuml;gt auch einige Gr&uuml;&szlig;e bei.</b></p> 
 
<p>Nach allen angebrachten Ermahnungen weiset nun der Apostel schlie&szlig;lich 
an den, der das Beste durchgehends tun m&uuml;&szlig;e, und den er deswegen den 
GOtt aller Gnade nennet. N&auml;mlich es gibt anfangende und vollendende, 
berufende und vollbereitende Gnade. GOtt ist ein GOtt aller Gnade. Er 
gibt uns Gnade, seine Kinder zu werden, als seine Kinder zu wandeln, 
zu leiden, und zur Herrlichkeit einzugehen. Von der ersten Gnade an, 
wodurch Er uns berufen hat, bis zum letzten &Uuml;berschritt in die 
Herrlichkeit hinein, ist uns der GOtt aller Gnade f&uuml;r AIles gut; an 
Ihn haben wir uns unter allen Umst&auml;nden zu halten. GOtt ist ein GOtt 
der Propheten, die auf die zuk&uuml;nftige Gnade geweissaget haben, 
<i>1. Petr. 1:10</i>. GOtt ist ein GOtt derer, die das Evangelium durch den - 
vom Himmel gesandten Geist zuerst im Segen angenommen haben, 
<i>1. Petr. 1:12</i>. GOtt ist aber nicht nur dieser ersten, sondern auch 
unserer, in dieser letzten betr&uuml;btem Zeit gn&auml;diger GOtt. Wie viel hat 
sich seit Petrus Zeiten ge&auml;ndert; Berge sind gewichen, H&uuml;gel sind 
gefallen, aber der GOtt aller Gnade hat sich nicht ge&auml;ndert. - Den 
Beruf und unsern dazu gegebenen Gehorsam sehen die Apostel als den 
Anfang des guten Werkes an, in welchem aber auch schon alles bis in 
das Ziel hinaus Ben&ouml;tigte liegt. GOtt ruft uns zur Bu&szlig;e: er ruft uns 
aber auch zu Seinem wunderbaren Lichte, <i>1. Petr. 2:9</i>, und eben damit 
auch zu seiner ewigen Herrlichkeit. Die Bekehrung durch Christum zu 
GOtt ist ein wirklicher Antritt zur Herrlichkeit. Auf den ersten 
Gehorsam gegen GOttes Ruf folgen die seligen Erfahrungen der Gnade, 
welche uns aus der ewigen Herrlichkeit entgegen kommt, um uns durch 
das Leiden durch zu bringen: Denn die zur Herrlichkeit Berufenen 
werden doch auch in das Leiden gesteckt, das einem Menschen sonst so 
lange Weile macht; aber aus der Hoffnung der Herrlichkeit gewinnt man 
dabei so eine Aussicht, da&szlig; man sich nimmer so verschlossen darunter, 
und zu den Fragen: HErr! wie lange? hast Du denn ewiglich versto&szlig;en? 
gedrungen f&uuml;hlt, sondern es wie ein kurzes Durchg&auml;nglein achten kann. 
- Beim &Uuml;berschlagen der Kosten, beim Berechnen seiner Kr&auml;fte aus dem 
willigen Geist, und seines Unverm&ouml;gens aus dem schwachen Fleisch, 
feiner Leiden und der Zeiten der Erquickung usw. k&ouml;nnte es uns doch 
bange werden; aber der GOtt aller Gnaden vollbereitet und verschafft, 
da&szlig; es nicht fehlet, da&szlig; man hinaus langt, und nicht &uuml;ber Verm&ouml;gen 
versucht wird. Und so st&auml;rkt Er auch, da&szlig; uns kein Fall st&uuml;rzen wird, 
so gro&szlig; er ist; da&szlig; wir vielmehr durch sein Kr&auml;ftigen in Allem weit 
&uuml;berwinden, und durch sein Gr&uuml;nden ein bis an das Ende fest behaltener 
Ruhm bleibt. Einer solchen herrlichen Gnade und m&auml;chtigen Bewahrung 
wollen wir bl&ouml;de, angefochtene, kraftlose, m&uuml;de Leute Alles 
zuschreiben; in die ewige Ewigkeiten wollen wir es Ihm zugestehen: Nur 
Er und Seine Gottesmacht hat uns zu diesem Ziel gebracht. Silvanus 
wird sonst oft als ein Gef&auml;hrte Pauli angezogen. Diesen mag Paulus zu 
Petrus geschickt haben, und aus dessen Anla&szlig; mag dieses schriftliche 
Zeugnis gestellt worden sein. Selbst die Apostel haben bemerkt, da&szlig; 
schreiben nur ein d&uuml;rftiger Ersatz gegen dem M&uuml;ndlichen sei. Doch hat 
Petrus auch hiemit befolgt, was ihm aufgegeben ward: st&auml;rke deine 
Br&uuml;der. Was die rechte Gnade sei, kann man aus den Hauptteilen des 
Briefes, deren sich der Erste, <i>1. Petr. 2:9-10</i>, der Andere, 
<i>1Pe 4:10-11</i>, und der Dritte, <i>1. Petr. 5:10</i>, schlie&szlig;t, richtig 
bestimmen. Das ist rechte Gnade die uns so zu einem Auserw&auml;hlten 
GOttes macht, in unserm Tun und Lassen so leitet, da&szlig; in allen Dingen 
GOtt gepreiset werde, und die uns dann auch durch alle Leiden dieser 
Zeit ohne Abbruch durchbringt zur ewigen Herrlichkeit. Der Name 
Babylon ist mehreren St&auml;dten, die in unterschiedenen Gegenden lagen, 
gegeben worden. Ob Petrus von einer in &Auml;gypten, oder von einer in 
Assyrien gelegenen Stadt dieses Namens den Brief geschrieben habe, ist 
nicht so gewi&szlig; zu bestimmen. Unter dem Sohn Markus verstehen Einige 
den Evangelisten Markus, der ein getreuer Gef&auml;hrte des Petrus gewesen, 
und auch aus dessen Munde seine evangelische Geschichte allermeist 
geschrieben haben soll. Der Ku&szlig; der Liebe hei&szlig;t, <i>R&ouml;m. 16:16</i>. und 
<i>1. Kor. 16:20</i>, der heilige Ku&szlig;. Ach, der GOtt aller Gnade bleibe 
auch bei uns mit seinem Frieden in unserer Not und Tod, und sprech'  
uns zu, den M&uuml;den: ihr seid vers&ouml;hnt mit GOtt! 
